Passivraucher gegen die Welt

25. Januar 2008 von Achel - Drucken

Es ist soweit, die militanten Nichtraucher zeigen ihr wahres Gesicht. Bisher ist es ihnen gelungen, sich als Opfer einer immer und überall qualmenden Gesellschaft darzustellen. So bezeichnen sie sich auch nicht mehr als Nichtraucher, was irgendwie eine unsympathische Verweigerungshaltung impliziert, sondern als Passivraucher. Passiv, klingt schon besser und erinnert an Gandhi. Der Raucher gehörte fortan zur Achse des Bösen, schließlich pustet er seinen Qualm ständig in das Gesicht der armen, wehrlosen Passivraucher.

Andererseits ist der Begriff „Passivraucherschutz“ ein klassisches Oxymoron. Anders als der Nichtraucher ist der Passivraucher nur existent, wenn es aktive Raucher gibt. Verbietet man nun aber den Rauchern ihre existenzgebende Tätigkeit, gibt es auch keine Passivraucher mehr. Es geht also streng genommen nicht um den Schutz, sondern um die Abschaffung der Passivraucher – aber „Passivraucherbeseitigungsgesetz“ hört sich auch nicht so toll an.

Die armen, wehrlosen Opfer sind aber nun in der Rolle der Machthabenden. Sie haben die Raucherlobby besiegt und aus den Gaststätten der Republik verwiesen. Und das muss gefeiert werden. Allerdings nicht in den jetzt rauchfreien Gaststätten, denn die besucht der Passivraucher eigentlich aus Prinzip nicht. Deswegen wird in den Städten mangels Kundschaft ein Kneipensterben eintreten, vor allem die kleineren Pinten sind davon heute schon betroffen.

Also sitzt der Passivraucher zu Hause bei einem Glas Sekt und sieht fern. Und erblickt Helmut Schmidt sowie seine Frau Loki, die dreisterweise bei einer Hamburger Neujahrs-Gala ihre Zigaretten wegquarzen. Das passt dem Passivraucher nun gar nicht. Er ist so erbost, dass er sich Nichtraucherinitiative nennt und den Uralt-Kanzler wegen Körperverletzung anzeigt. Da ist es ihm auch egal, dass er in Wiesbaden saß, während Helmut Schmidt in Hamburg rauchte. Von Passivrauchen kann da ja keine Rede sein. Aber so ist er, der Passivraucher, geht nicht in Kneipen und zeigt alte Männer an.

Doch warum wurde Helmut Schmidt in Hamburg nicht daran gehindert, in der Öffentlichkeit zu rauchen? Erst einmal, weil man gar nicht die Möglichkeit dazu hat, weder finanziell noch personell. Auf Hamburg.de gibt es einen Frage-Antwort-Katalog zum „Passivraucherschutzgesetz“. Auf die Frage „Gibt es eine Raucherpolizei“ ist die Antwort zu lesen: „Nein. Die Ordnungsbehörden führen keine speziellen Kontrollen durch, sondern werden anlassbezogen bzw. im Rahmen der ordnungsrechtlichen Kontrollen tätig.“ Das heißt, die Behörden werden nur tätig, wenn ein Denunziant sie einschaltet, wie eben jene Nichtraucherinitiative aus Wiesbaden.

„Wie wird das Gesetz dann umgesetzt?“ fragt der Fragekatalog. Die Antwort: „Die Verantwortlichen der Einrichtungen bzw. die Betreiber sind verpflichtet, das Rauchverbot durchzusetzen… Für die Verfolgung und der Zuwiderhandlung sind die Ordnungsbehörden zuständig“, die allerdings nicht speziell kontrollieren.

Übrigens darf in Wasserpfeifencafés keine Wasserpfeife mehr geraucht werden. Denn „ein Wasserpfeifencafé fällt unter den Begriff Gaststätte.“ Zumal entstünden durch das Glimmen der Wasserpfeife krebserzeugende Stoffe, was das Passivrauchen ähnlich gefährlich machen würde wie das Passivrauchen von Zigarettenqualm. Da können sich die vielen Passivraucher, die Wasserpfeifencafés besuchen, ja glücklich schätzen. Geraucht werden darf allerdings in Friseursalons. Es sei denn, hier würden Getränke verkauft, dann wäre es nämlich eine Gaststätte.

Zurück zu Helmut Schmidt. Hätte er nicht draußen rauche können? Im Prinzip ja, aber was das Aufstellen von Heizstrahlern angeht, sagt die Stadt Hamburg folgendes: „Für das Aufstellen von Heizstrahlern auf öffentlichem Grund der Gaststätte wäre eine Genehmigung des zuständigen Bezirksamtes einzuholen. Manche Bezirke genehmigen aufgrund der Menge von Heizstrahlern das Aufstellen vor Lokalen nicht mehr.“ Man weiß nicht, vor allem nicht die Denunzianten in Wiesbaden, ob vor der Tür ein Heizstrahler stand. Aber ganz ehrlich, einen alten Mann (89) nach draußen in die Kälte zu schicken, grenzt wahrscheinlich eher an Körperverletzung als das Rauchen des Alt-Kanzlers.

Doch das ist dem Passivraucher schlicht egal. Auch, dass die Anzeige keine Auswirkungen haben wird, sondern nur ärgerlich für die Staatsanwaltschaft ist. Hauptsache laut sein und die netten Genussmenschen ärgern.

Achel

Montagen: Spiegelfechter (CC)

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Kommentare:

  1. · michael am 25. Januar 2008 um 21:18 - Permalink

    Ich weiß nicht ob die Konfrontationshaltung hier sinnvoll ist. Über so eine Anzeige sollte man sich lustig machen, das ist klar, aber dieses Lagerdenken ist irgendwie seltsam. Warum sind Raucher Genussmenschen? Warum Nichtraucher die langweiligen, öden Typen? Ich genieße anderes (zugegeben wohl ähnlich ungesundes). Das ist auch kein Problem. Dieses hochstilisieren der Raucher zum eigenen Menschenschlag halte ich für sehr bedenklich.

    Die Gesetze die es gibt sind zu streng. In Kneipen ist Rauchen sicher eine Sache die man nicht verbieten müsste. Ich kann damit leben, fände es auch lächerlich sich darüber aufzuregen. Andererseits finde ich das immer extrem lustig wenn es Raucher nicht schaffen auch nur mal 2, 3 Stunden auf eine Zigarette zu verzichten. Ist das wirklich so schlimm? Ich kann auch ohne Bier Spass haben in einer Kneipe. Warum der Raucher nicht ohne Zigarette? Wenn ich in einer Kneipe bin, dann wegen der Atmosphäre und vor allem den Leuten die ich treffe. Beides kann man ohne den Genuss von irgendwas bekommen. (Leider fehlt mir persönlich die Vorstellung wie man Zigaretten genießen kann. Allerdings leite ich daraus nicht ab, dass man sie nicht genießen könnte. Da würde ich zugegeben zu sehr nur von mir persönlich ausgehen.)

    Raucher sind keine anderen Menschen. Ob jemand Raucher ist oder nicht kann ich niemanden ansehen. Höchstens noch riechen.


  2. · Spiegelfechter am 25. Januar 2008 um 21:26 - Permalink

    @michael

    Dieses hochstilisieren der Raucher zum eigenen Menschenschlag halte ich für sehr bedenklich.

    Nun ja - vielleicht hast Du recht, aber letztendlich ist es ein Abwehrhaltung. Die Abwehrhaltung, vor (mehr oder weniger) militanten Nichtrauchern, die zunehmend die öffentliche Diskussion bestimmen und im Raucher die Personifikation des “Unvernünftigen” sehen. Da hätte ich nichts dagegen, ich bin gerne unvernünftig, nur will ich mir meine Unvernunft nicht verbieten lassen.

    Die Gesetze die es gibt sind zu streng. In Kneipen ist Rauchen sicher eine Sache die man nicht verbieten müsste. Ich kann damit leben, fände es auch lächerlich sich darüber aufzuregen. Andererseits finde ich das immer extrem lustig wenn es Raucher nicht schaffen auch nur mal 2, 3 Stunden auf eine Zigarette zu verzichten. Ist das wirklich so schlimm?

    Nein - darum geht es nicht. Ich könnte auch ein Jahr ohne gutes Essen und Sex auskommen. Aber warum sollte ich?

    Ich kann auch ohne Bier Spass haben in einer Kneipe.

    Ich kann auch ohne Spaß Spaß haben - über diesen Satz denke ich gerade eben selbst nach, ich finde ihn ziemlich gut ;-)

    Raucher sind keine anderen Menschen. Ob jemand Raucher ist oder nicht kann ich niemanden ansehen. Höchstens noch riechen.

    Das können nur Nichtraucher riechen :-)


  3. · michael am 25. Januar 2008 um 21:45 - Permalink

    Naja, soll ich jetzt zum Rauchen anfangen, damit ich Raucher nicht mehr rieche oder wie? Kann ich doch nix für. Is ja auch nicht so schlimm, wäre nur übertrieben zu behaupten, dass das ein extrem angenehmer Geruch ist.

    Ich hab mir auch viele Gedanken darüber gemacht ob es nun wirklich sinnvoll ist Raucher aus Kneipen hinauszuzwingen, das ist sicher bedenklich. Ich kann mit den Rauch leben – aber irgendwie auch wieder nicht. Die Anwesenheit von Rauchern wäre für mich nie ein Grund nicht in eine Kneipe zu gehen. Schädlich ist vieles, und irgendwie muss man da so kleinlich nicht sein. Es käme mir auch extrem heuchlerisch vor beim Rauchen den großen Gesundheitsapostel zu spielen und ansonsten eher lässig mit meiner Gesundheit umzugehen.

    Andererseits fand ich es extrem befreiend als ich kurz nach Silvester in meinen Lieblingscafe war, dass auf einmal völlig rauchfrei war. Aber ich frage mich auch: Wenn ich den Rauch zwar als unangenehm empfand, das aber trotzdem mein Lieblingscafe war (obwohl es rauchfreie gab), ist es dann nicht übertrieben wie man gegen Rauchen in der Öffentlichkeit vorgeht? Das ist irgendwie zwiespältig. So richtig konnte ich mich da noch nicht entscheiden. Aber Kneipen sind sowieso sicher wieder was anderes als Cafes.


  4. · Spiegelfechter am 25. Januar 2008 um 21:49 - Permalink

    @michael

    Du argumentierst ja auch recht vernünftig - da will ich gar nichts sagen. Was mich halt wirklich stört, ist es, dass man immer gleich zu “Verboten” greifen muß.


  5. · Annabelle Meyer am 25. Januar 2008 um 21:56 - Permalink

    Ein peinlicher Beitrag, der sehr anschaulich zeigt, wie manchen Leuten das differenzierte Denken abhanden kommt, wenn es um die eigenen (schlechten) Gewohnheiten geht.


  6. · Kaputnik am 25. Januar 2008 um 21:57 - Permalink

    Genauso lächerlich und Ãrgerlich wie die Anzeige ist das, wie soll man sagen, irgendwie pubertäre (???) starrsinnige Verhalten des Herrn Alt-Bundeskanzlers mit seiner Loki.

    Mein Gott, der arme Herr Bundeskanzler - das ist doch nicht mein Problem! Soll er sich gefälligst an die Gesetze halten.

    Ihm wird die Anzeige gepflegt egal sein (können). Zu befürchten hat er sowieso genau gar nix. Also lasst mal ein bisschen nach mit den Wutreden.

    Und die Aussage “Deswegen wird in den Städten mangels Kundschaft ein Kneipensterben eintreten, vor allem die kleineren Pinten sind davon heute schon betroffen.” - Ja, dafür hätte ich doch gerne einen Beleg.


  7. · Spiegelfechter am 25. Januar 2008 um 22:04 - Permalink

    @Kaputnik

    Du kennst doch sicher das schöne Sprichwort “Was stört es die Deutsche Eiche, wenn das Schwein sich an ihr reibt” - Du glaubst doch nicht im ernst, dass ein 85jähriger (?) Altkanzler sich ernsthaft Gedanken über diesen lächerlichen Schnickschnack der übersättigten Pisa-Gesellschaft macht?

    Ich finde es auch herrlich, dass niemand der Fit-for-Fun Deppen ernsthaft auf die Idee kommt, diesem alten Mann das Rauchen im TV-Studio zu untersagen. Man schämt sich sicher ob seiner eigenen Intoleranz.


  8. · Joerg am 25. Januar 2008 um 22:43 - Permalink

    Sehr schade, auf einer Seite wo normalerweise gut recherchierte Artikel erscheinen, plötzlich mit den gleichen rhetorischen Mitteln nur noch peinlichsten, blindes Niveau verschleiert wird. Zigtausend Menschen sterben jedes Jahr am Rauch, und viele davon unschuldig…aber nimmt man einem Menschen ansatzweise das Recht, andere zu schädigen, dann gehts aber ab…


  9. · Student25 am 25. Januar 2008 um 22:59 - Permalink

    Man hätte einfach eine andere Lösung finden müssen die beiden Seiten entgegenkommt, also es dem Gastwirt freizustellen ob er eine Raucher oder Nichtraucherlokal betreiben will.
    Wenn 2 Räume zur Verfügung stehen sollte dann einer per Gesetz den Nichtrauchern zustehen. So würden weder die Raucher , Nichtraucher als auch die Gaststättenbesitzer beeinträchtigt. Auch hätte man für Raucherkneipe über die Pflicht einer Belüftungsanlage nachdenken können. Allerdings handelt nun der Gesetzgeber sehr einseitig. Selbst das aufstellen von Heizkörper vor den Lokalen wird zb in der Stadt Nürnberg (in der ich lebe)
    aus Umweltschutzgründen untersagt.
    Das eine derartig scheinheilige Begründung nun den Zorn der Raucher auf sich sieht
    sollte auch ein Nichtraucher nachvollziehen können.

    Was mich allerdings noch bedenklicher stimmt , das obwohl ich mich an das Rauchverbot halte bzw. einfach keine Gaststätten mehr besuche , ist die Zunahme der Aggressivität gegen Raucher. Ich musste es selbst schon mehrmals erleben, das ich als ich eine Lucky
    unter freiem Himmel genossen habe grundlos angemacht wurde.
    Das kommende Beispiel hat allerdings meine sehr tolerante Haltung verändert.
    Ich stand an einer Bushaltestelle ( außen ) und rauchte eine Zigarette. Plötzlich wurde ich von jemanden in einem sehr aggressiven Ton angesprochen meine Zigarette auszumachen und mich “zu verpissen”. Als ich ihm dann sagte das ich hier das Recht habe zu rauchen , versuchte diese Person mir die Zigarette aus dem Mund zu schlagen, allerdings hat er dummerweise meine Nase getroffen. Ich hab die Sache auf sich beruhen lassen , da der Mann über seine Handlung wohl selbst überrascht schien.
    Allerdings das hat nun ein Ende , sollte ich wieder in derartige Situationen geraten, werde ich dann dem Angreifer zeigen weshalb sich 4 Jahre Boxtraining lohnt , dabei habe ich mittlerweile kein schlechtes Gewissen mehr.


  10. · isularossa am 25. Januar 2008 um 23:01 - Permalink

    Es scheint zu funktionieren,
    egal wer dafür verantwortlich ist, egal wer irgendwie aus der ganzen Sache Kapital schlägt, hier wird über ein Tehma disskutiert das genauso unwichtig wie das Dschungel-Camp ist. Hauptsache der Mensch wird davon abgehalten sich Gedanken über die wichtige Tehmen zu machen.
    Jedes mal wenn solch ein Thema wie Raucherschutz… in den Medien auf die Titelseiten gebracht wird würde ich mir lieber Gedanken darüber machen was dann gerade im Verborgenen abläuft.


  11. · pittiplatschprotestiert am 25. Januar 2008 um 23:05 - Permalink

    Raucht der Altkanzler nicht inzwischen Mentholzigaretten (sonst wäre er ja sicher schon unter
    der Erde, bei seinem Konsum)? Fallen die auch unter das Rauchverbot?


  12. · Ingo am 25. Januar 2008 um 23:13 - Permalink

    Ich finde diese Glosse auch skandalös. Vor allem weil das Alter des Exkanzlers nicht unkenntlich gemacht wurde!!

    Welche Signalwirkung hat es denn verdammt nochmal auf unsere Jugend sich trotz Kettenrauchen mit 89 noch bester Gesundheit erfreuen zu können…

    Rauchern sollte es per Gesetz verboten werden älter als Nichtraucher zu werden. Differenziert betrachtet.


  13. · DeCay am 25. Januar 2008 um 23:15 - Permalink

    …. die militanten Nichtraucher zeigen ihr wahres Gesicht ?

    War das nicht eher so, das die beiden Raucher, vor kurzem erst , dem älteren Nichtraucher in der Münchner U-Bahn klargemacht haben, was sie von Passivrauchern halten ?

    Aber möglicherweise bringe ich da jetzt wieder was durcheinander.

    Eigentlich halte ich auch nix von Verboten. In der Tat, würde ich es begrüßen, wenn das endlich mal verboten würde !


  14. · mogreens am 25. Januar 2008 um 23:22 - Permalink

    Ich bin froh hier vom Spiegelfechter noch einmal einen Eintrag zum Thema vorzufinden, in der Tat schwieriges Thema, verhärtete Fronten, auf einen Eintrag in meinem Blog, zum selben Thema kommentierte ein Freund (fRED) ziemlich treffend, das möchte ich hier zitieren:
    “für mich ist die debatte ums rauchen komplett irrelevant, die diskussion darum und wie sie geführt wird, ein weiterer beweis für die these, das der versuch gesetzgebung als gesellschafftlichen konsens zu verstehen, in den größenordnungen von 80 millionen bürgern, zwangsläufig in einen demokratischen absolutismus führt. in jedem einzelfall gibts gute und schlechte argumente und menschen denen es dann besser geht und solche die glauben schaden zu erleiden.
    nur übereinkünfte von kleinere konsengruppen können dauerhaft dazu führen das menschliche individuen sich aus freiem willen sozialen zwängen unterwerfen und damit nutzen aus diesen ziehen, ohne dabei gleichzeitig in ihrem freiheitswillen eingeschränkt zu werden.”


  15. · antonym am 25. Januar 2008 um 23:22 - Permalink

    Das in D-land mal wieder besonders radikale Rauchverbot ist schon ein Stück verwirklichter Bolschewismus - sinnlose Tyrannei einer vermeintlichen Mehrheit und unter fadenscheinigen Begründungen. Das hätte in einer freien Gesellschaft niemals passieren dürfen.


  16. · nebu am 25. Januar 2008 um 23:46 - Permalink

    Kinder, Kinder, was ist denn los?! Wie kann man sich denn nur so sehr über ein schlecht gemachtes Gesetz aufregen? Ich mein, der Kern der Debatte sollte doch sein, wie man zwischen den Interessen der verschiedenen Seiten vermitteln kann, welche Lösungen also die Beteiligten zufriedenstellen können. Ich kann verstehen, daß die Raucher sich in ihren Freiheiten beeinträchtigt fühlen. Ebenso kann ich nachvollziehen, daß einige Nichtraucher rauchfrei in die Kneipe gehen wollen. Aber wie man diesen Gegensatz lösen kann, da gäbe es doch zich Möglichkeiten. Es wurde sich halt für eine möglichst einfache Lösung entschieden, und einfache Lösungen sind halt gerne mal schlechte Lösungen.
    Zu dem Gesetz kann man stehen wie man möchte (ich finds doof, da ich rauche, aber gut). Aber das ist doch kein Grund einander so anzugehen. Ab davon ist das, was der Herr Schmidt macht, sowat von egal. Wen juckts?

    @ Achel: gutes Gespür für wunde Punkte. Hätte nie gedacht, daß man die Leute so leicht auf 180 bekommt. Wie nett ;-)

    gruß,
    nebu


  17. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 00:02 - Permalink

    Es ist eine wahre mit anzuschauen, mit was man heutzutage einige Zeitgenossen so auf die Palme bringen kann. Wie war das mit den getroffenen Hunden? *g*

    @ isularossa

    Man kann nicht nur E-Musik hören, manchmal darf es auch U-Musik sein. Außerdem halte ich ein Gesetz gegen die freie Selbstbestimmung nicht für eine Lapalie.

    @antonym und Student25

    Volle Zustimmung!


  18. · Glawen am 26. Januar 2008 um 00:10 - Permalink

    Oha wie kann man sich denn so künstlich hier in den Kommentaren aufregen. Ist eh alles wieder hinfällig da das ganze wohl nach Hamburger Ordnugsamt eine Privatparty war. Also von vorne herein Blödsinn. Der Staatsanwalt erwartet auch das die Klage wegen Körperverletzung bald eingestellt wird da sie jeder Grundlage entbehrt.
    Aber mehr und mehr fällt auf das wir in Deutschland ein Spiesserproblem haben. Wenn sich der Nebenman vom Ehepaar Schmidt belästigt gefühlt hätte und der Meinung gewesen wäre dies ihnen mitteilen zu müssen hätte ich das ja akzeptiert aber der arme Passivraucher ohne Raucher muss natürlich von zu Hause eine Anzeige erstatten. Noch nicht einmal gleiche Stadt oder Bundesland.

    Glawen


  19. · noamik am 26. Januar 2008 um 03:32 - Permalink

    Kann #5 nur zustimmen ^^

    Wobei die Anzeige an den Altkanzler den Artikel schon wieder wert gemacht hat. Man kann halt auf jeder Ebene borniert sein. Lasst den alten Mann doch qualmen, lange macht er das eh nicht mehr ^^

    Und das Wasserpfeifen-Lokalitäten zu Restaurants zählen ist fast so lustig, wie das Karotten Obst sind, weil die Portugiesen daraus Konfitüre machen, und Konfitüre ja bekanntermaßen ausschließlich aus Obst gemacht wird ;-)


  20. · G am 26. Januar 2008 um 06:03 - Permalink

    Was ist denn hier los?
    Wird Schmidt jetzt zur Gallionsfigur, der Raucherbewegung, die für Genuss und grenzenlose Freiheit steht,wie einst der (mittlerweile tote) Marlboro-Mann?

    Schmidt ist einfach ein arroganter, starsinniger alter Mann, der eben mal Bundeskanzler war. Das macht die lächerliche Anzeige allerdings auch nicht besser.


  21. · sohnvomgastwirt am 26. Januar 2008 um 07:27 - Permalink

    Das Einzige was mich an diesem ganzen “Nichtraucher-Schutz-Schauspiel” stört ist einfach die Tatsache das Ich in meinem Haus, meinem Besitz nicht selber bestimmen darf ob geraucht wird oder nicht.

    “Also sitzt der Passivraucher zu Hause bei einem Glas Sekt und sieht fern.”
    Wie wahr, wie wahr. Von denen die sich an den Rauchern stören, steht bei mir keiner Tresen! Basta Isso!


  22. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 07:28 - Permalink

    Und dann hat dieser Unmensch (Raucher!) auch noch die unglaubliche Impertinenz und wird als Raucher 90 Jahre und vielleicht noch mehr!

    Eine Frechheit - dagegen MUSS es doch ein Gesetz geben, denn es kann ja nicht sein, dass Raucher sogar älter als die meisten Nichtraucher werden.

    Da allerdings auch viele Nichtraucher hier mitlesen, möchte ich denen noch sagen, dass ich die Ironietags nicht gesetzt habe. Da Nichtraucher von Natur aus ja ziemlich dämlich und borniert zu sein scheinen, betone ich das extra noch einmal: Hallo Nichtraucher. DAS WAR EINE ÜBERZEICHNUNG! DAS IST NICHT ERNST GEMEINT! DU DARFST DIR DEINEN ICH-BIN-EIN-BESSERER-MENSCH-SABBER JETZT ABWISCHEN.

    Übrigens: Ich habe, nachdem ich 29 Jahre lang genussvoll geraucht habe, vor knapp 8 Monaten damit aufgehört und in letzter Zeit reizt es mich tatsächlich, schon aus Protest gegen diese Nichtrauchervollpfosten wieder damit anzufangen.
    Deren Leid ist mir meine Gesundheit wert :-)


  23. · Jo am 26. Januar 2008 um 08:48 - Permalink

    Obwohl Helmut Schmidt der beste Kanzler war, den ich bewußt erlebt habe, und der einzige ist, den ich respektiere und von dem ich glaube, das er Deutschland wirklich voranbringen wollte, ist sein starkes Rauchen so abstoßend für mich, das ich nie in einen Raum mit ihm gehn würde.
    Ich habe immer großes Mitleid mit seinen Interview-Partnern, die sich die Schwaden um die Ohren paffen lassen müssen.
    Gut, wenn das Schmidts einzige Sünde ist, dann soll man sie ihm durchgehn lassen, als Vorbild taugt das nicht, ist heute aber auch schon egal, da Schmiergeld-Kohl, Russen-Schröder und die FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda im Gegensatz zu Schmidt wirklich Schaden anrichten!


  24. · Micha am 26. Januar 2008 um 08:57 - Permalink

    @22

    “Da allerdings auch viele Nichtraucher hier mitlesen, möchte ich denen noch sagen, dass ich die Ironietags nicht gesetzt habe. Da Nichtraucher von Natur aus ja ziemlich dämlich und borniert zu sein scheinen, betone ich das extra noch einmal: Hallo Nichtraucher. DAS WAR EINE ÜBERZEICHNUNG! DAS IST NICHT ERNST GEMEINT! DU DARFST DIR DEINEN ICH-BIN-EIN-BESSERER-MENSCH-SABBER JETZT ABWISCHEN.”

    Also wenn ich mir diesen Kommentar so durchlese, dann bin ich mir nicht mehr so sicher, wer hier wirklich dämlich und borniert zu sein scheint.

    @ all

    Ich halte diese ganze Diskussion für eine künstlich hochgepuschte “Schaut wie wir Raucher unterdrückt werden”-Kampagne. Die Anzeige ist doch eh lächerlich und wird wohl folgenlos bleiben. Ich hab auch nix gegen Raucher in Kneipen. Wenn ich aber z.B. in einem Cafe frühstücke oder in einem Restaurant Mittag esse, dann ist es schon ziemlich nervig gewesen, wenn am Nebentisch jemand in dem Moment anfing zu rauchen, wo ich mein Essen bekommen hab. Wir Nichtraucher sind jetzt die Bösen, die alles über Gesetze regeln müssen aber ich hab es NIE erlebt, dass auch nur ein Raucher aus Rücksicht am Essenstisch nicht geraucht hat. Und mal ganz ehrlich, wenn es nicht verboten wäre würde sich doch eh keiner dran halten oder?


  25. · Titus Andronicus am 26. Januar 2008 um 09:17 - Permalink

    @Jens:

    Danke, Danke , Danke für diese wunderbare Glosse - und für die erneut schöne Gelegenheit, die betroffenen Passivraucher-Aktivisten aus den nunmehr wie Ambrosia duftenden Kneipentempeln hervorkommen zu sehen (ha!) und Ihre Intoleranz erneut zur Schau zu stellen. Danke also nochmals :-)


  26. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 10:15 - Permalink

    @24

    @22

    “Da allerdings auch viele Nichtraucher hier mitlesen, möchte ich denen noch sagen, dass ich die Ironietags nicht gesetzt habe. Da Nichtraucher von Natur aus ja ziemlich dämlich und borniert zu sein scheinen, betone ich das extra noch einmal: Hallo Nichtraucher. DAS WAR EINE ÜBERZEICHNUNG! DAS IST NICHT ERNST GEMEINT! DU DARFST DIR DEINEN ICH-BIN-EIN-BESSERER-MENSCH-SABBER JETZT ABWISCHEN.”

    Also wenn ich mir diesen Kommentar so durchlese, dann bin ich mir nicht mehr so sicher, wer hier wirklich dämlich und borniert zu sein scheint.

    Ich schon - dieser Absatz ist nicht ohne Grund von mir geschrieben worden. Ohne jetzt dder Rabulistik fröhnen zu wollen: Die meisten Nichtraucher, die sich wegen der Raucher echauffieren, sind ein militantes, dämliches, besserwisserisches Pack mit Messiaskomplex und sollten ihre klinisch reine, Sex- und Vergnügungsfreie Welt meiner Meinung nach am besten in der Antarktis aufbauen.
    Da habe ich nichts dagegen, da sie dort nicht das Leben anderer Menschen regeln, zerstören und lebensunwert machen.

    Das sage ich als Nichtraucher.


  27. · Michel am 26. Januar 2008 um 10:29 - Permalink

    Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)


  28. · Johannes am 26. Januar 2008 um 10:33 - Permalink

    Hmmm was ich hier vermisse, gerade in Bezug auf H. Schmidt und seine Frau ist die Sache der Sucht. Wenn im 1. Posting geschrieben wird:
    ‘Andererseits finde ich das immer extrem lustig wenn es Raucher nicht schaffen auch nur mal 2, 3 Stunden auf eine Zigarette zu verzichten. Ist das wirklich so schlimm? Ich kann auch ohne Bier Spass haben in einer Kneipe. Warum der Raucher nicht ohne Zigarette?’
    dann frage ich mich, ob sich von den Lesern und Postern schon mal jemand mit dem Thema Sucht befasst hat, oder auch selbst Raucher war. Wenn jetzt auch die Nichtraucher anfangen: “Aufhören ist so leicht!” dann haben die Raucher wirklich ein Problem.

    Ich selbst habe 14 Jahre geraucht und gerade erst vor zwei Jahren (zur Schwangerschaft meiner Frau) aufgehört und kann die Frage mit den 2, 3 Std. ganz leicht beantworten: NEIN. Versuch mal einem Alkoholiker das Bier in der Kneipe zu verbieten, aber zieh dir vorher bitte einen Ganzkörper-Schutzanzug an, denn das überlebst du sonst nicht.

    Um zu den Schmidts zu kommen: Loki ist bekanntermaßen 88 Jahre; sie erzählte sie raucht seit ihrem 10. Lebensjahr, sprich nun schon seit 78 Jahre. Da ist härteste Sucht angesagt, sicher auch ein Grund warum die beiden immer und überall rauchen (dürfen). Da kann ich mir sehr gut vorstellen wie wahr das ist wenn sie sagt, vom Rauchenaufhören hätte ihnen der Arzt abgeraten, da der Körper diese Umstellung nicht verkraften würde. DAS wäre wirklich Körperverletzung.

    Also nochmal: Rauchen ist eine Sucht, und von einer Sucht wegzukommen ist nicht so einfach. Nach 70 Jahren würde ich sogar sagen unmöglich. Das sollten all die Nichtraucher mal bedenken, wenn sie so gedankenlos die Schmidts borniert und starrsinnig etc nennen.


  29. · Mile am 26. Januar 2008 um 10:38 - Permalink

    Entweder sind alle Pintenbesitzer (die werden es schon weniger, auch vor dem Verbot) und andere Gastwirte nicht sehr einfallsreich oder der Italiener bei mir im Einkaufszentrum zu schlau.
    Was hat er gemacht. Einfach einen durchsichtigen Vorhang aufgehängt. Das war’s!
    Mehr nicht und so hat er einen abgebrenzten Raucherabteil.

    Ah ja, denkt doch einmal an das Arbeitsschutzgesetz.
    Wenn das Rauchergesetz nicht so wäre, wie es jetzt ist, wäre eines baldigen Tages eine Bedienung auf die Idee gekommen zu klagen. Und sie hätte vor Gericht gewonnen.


  30. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 10:38 - Permalink

    @Titus Andronicus

    Just for the record - der Artikel ist nicht von mir, sondern von “Achel”, einem RL-Freund, der sich standhaft weigert, in das digitale Zeitalter einzutreten ;-)

    Aber ich werde ihm Dein Lob gerne ausrichten.


  31. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 10:51 - Permalink

    @29 Mile

    Entweder sind alle Pintenbesitzer (die werden es schon weniger, auch vor dem Verbot) und andere Gastwirte nicht sehr einfallsreich oder der Italiener bei mir im Einkaufszentrum zu schlau.
    Was hat er gemacht. Einfach einen durchsichtigen Vorhang aufgehängt. Das war’s!
    Mehr nicht und so hat er einen abgebrenzten Raucherabteil.

    Das ist ungefähr so schlau, wie sich selbst eine TÜV-Plakette aufs Nummernschild zu malen. Das Gesetz schreibt exp.ver. eine zuschliessbare Tür vor - der Wirt meiner Stammkneipe hat schon Ärger bekommen, weil er eine (fest schliessende) Schiebetür eingebaut hat.

    Ah ja, denkt doch einmal an das Arbeitsschutzgesetz.
    Wenn das Rauchergesetz nicht so wäre, wie es jetzt ist, wäre eines baldigen Tages eine Bedienung auf die Idee gekommen zu klagen. Und sie hätte vor Gericht gewonnen.

    Mag sein - das werden sie aber heute (bis auf Bayern) immer noch, da Rauchen ja nicht verboten ist, sondern nur in bestimmten Räumen erlaubt ist. Wenn Du schon einmal in einem separaten Raucherraum mit eigener Theke und eigener Musik warst, so weißt Du, dass die Luft dort (natürlich) schlechter ist, als sie es vor dem Raucherverbot war. Und die Angestellten müssen dort freilich auch arbeiten. Das Argument zieht nicht.


  32. · svenz am 26. Januar 2008 um 11:30 - Permalink

    Zu den Nichtraucher-Bashern:

    Die militantesten Nichtraucher, dich ich kenne, sind Raucher, die aufgehört haben.

    Besonders witzig sind die, die lang genug aufgehört haben und über Raucher übel hergezogen sind, und dann wieder angefangen haben.

    Und: es ist wirklich fast unmöglich, Raucher in _Restaurants_ zu bitten, nicht zu rauchen. In Kneipen würde ich sowas nie tun, aber wenn ich einmal wirklich gut zum Essen gehe (was ich mir nur sehr selten leisten kann), finde ich es schade, wenn mein Essen verstänkert wird.
    Und, liebe Raucher: Ja, es macht einen Unterschied. Ich war selber sehr erstaunt, als ich einmal “rauchfrei” mein Essen angefangen hatte, sich dann ein Raucher an den Nebentisch setzte, eine Zigarette ansteckte, und plötzlich mein Essen nach nichts mehr schmeckte.

    Ich denke, wir sind uns einig: Das Gesetz, so wie es ist , ist bescheuert. Aber Raucher sind definitiv nicht die höflicheren Menschen, die man nur um Rücksicht bitten muss, und schon machen sie die Zigaretten aus.


  33. · G am 26. Januar 2008 um 11:54 - Permalink

    Eigentlich ist es doch ganz einfach: Der Raucher möchte rauchen und der Nichtraucher möchte nicht belästigt werden. Beides unter einen Hut zu bekommen ist nunmal nicht so ganz einfach. Also muss man nach Kompromissen suchen.

    Und es gibt doch nun auch überhaupt keine zwei Meinungen, was die gesundheitlichen Aspekte des Rauchens angeht. Es geht also nicht nur darum, dass es einfach stinkt, oder dass der Nichtraucher dem Raucher aus Boshaftigkeit seinen Genuss verleiden will. Soll doch jeder mit seinem Körper machen, was er will. Aber wenn es um die Gesundheit der Mitmenschen geht, hört nunmal der persönliche Spaß auf.

    P.S. Ich fand den Artikel schlecht. :)


  34. · Michael L. am 26. Januar 2008 um 12:22 - Permalink

    Ich weiß nicht, ob sich die Geschichte von Helmut Schmidt wirklich dazu eignet, über Sinn und Unsinn eines Rauchverbots zu polemisieren.

    Schmidt ist seit vielen Jahren durch seinen Eigensinn in der Öffentlichkeit aufgefallen, vor dem auch couragiertere Leute zurückgewichen sind. So hat er schon viele Jahre als Einziger an Orten geraucht, wo das Rauchen ausdrücklich auch vor dem Eingreifen des Staates untersagt war. Für meine Begriffe hat er damit eine ziemlich starke Ignoranz gegenüber den gesellschaftlichen Regeln bewiesen. Damit wäre er eher Symbolfigur für die Aggressivität und Rücksichtslosigkeit gewisser Raucher und eher ungeeignet als Symbolfigur für die Opfer eines fragwürdigen staatlichen Verbots.

    Mit Helmut Schmidt assoziiiere ich einen alten Mann, der sich um die Regeln, an deren Erlass er eine Zeitlang selber mitwirkte, nicht schert. Da fällt es mir etwas schwer, MItleid mit ihm zu empfinden.

    In der ganzen Raucher-Debatte fehlt mir übrigens Verständnis. Ich selber bin seit Jahren Ex-Raucher und stolz darauf, dass ich es nicht nötig habe, mich mit Militanz gegen die aufkommende Lust zu rauchen wehren zu müssen. So kann ich die Gegenwart von Rauchern sehr gut ertragen, hätte aber auch nichts gegen rauchfreie Umgebungen. Diese Kluft zwischen “den” Rauchern und “den” Nichtrauchern ist mir fremd.

    Ich denke auch, sie lenkt ab von den wesentlichen Problemen, die zu den Verboten führen. Das Rauchverbot ist in erster Linie ein Verbot im Geiste der Prävention. Dieser Geist treibt auch in der Innenpolitik und auf anderen Feldern der Gesundheitspolitik Blüten. Es geht hier um die prinzipielle Ansicht darüber, inwieweit der Staat Privatangelegenheiten seiner Bürger regulieren darf.

    Daher ist die Frontstellung zwischen Rauchen und Nichtrauchern genauso falsch wie die zwischen Ausländern und Deutschen in der Frage der Arbeitslosigkeit.


  35. · Uwe Weißmann am 26. Januar 2008 um 12:32 - Permalink

    ich mag deine artikel, wirklich!
    aber zum rauchen solltest du dich besser nicht mehr äußern :-)
    dat is eher peinlich :-(
    da du eher im freund feind denken verankert bist hier mal nen tip:
    sätze die mit die… anfangen sind meistens falsch
    (die nichtraucher, die militanten nichtraucher (whow nen neues feindbild ein bischen wie die moslems, die islamofaschisten :-))
    glaub mir: die meisten nichtraucher wollen ganz einfach nur nicht zugequalmt werden.
    ich lade sogar raucher zu mir nach hause zum essen ein, da hab ich absolut nix dagegen.
    sie dürfen halt nur nicht bei mir zu hause rauchen.
    wir haben ne bank vor der haustür stehen wo die suchtkranken ihrem laster fröhnen dürfen.
    ich hab auch nix gegen heroinsüchtige.
    würde sie sicher auch zum essen einladen.
    hätte aber eher was dagegen wenn sie sich bei mir im esszimmer nen druck setzen.


  36. · Uwe Weißmann am 26. Januar 2008 um 12:55 - Permalink

    mit ihrer idee das rauchen etwas mit freiheit und abenteuer zu tun hat wie ein pawloscher hund nur ein altes programm ab dass ein sehr sehr guter propagandist mit viel werbeaufwand in ihren hirnen verankert hat:
    alles-scha...
    traurig so etwas


  37. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 12:57 - Permalink

    @Uwe Weißmann

    ich lade sogar raucher zu mir nach hause zum essen ein, da hab ich absolut nix dagegen.

    Chapeau! Bei so viel Großmütigkeit rinnt Dir bestimmt eine Träne durchs Knopfloch ;-)

    sätze die mit die… anfangen sind meistens falsch
    []
    glaub mir: die meisten nichtraucher wollen ganz einfach nur nicht zugequalmt werden.

    Welchem Satz soll ich jetzt glauben? ;-)


  38. · Uwe Weißmann am 26. Januar 2008 um 13:10 - Permalink

    glaub mir: die meisten nichtraucher wollen ganz einfach nur nicht zugequalmt werden.

    ich habs doch durch ein “meisten” entschärft :-)
    vermutlich gibts auch den einen oder anderen nichtraucher der raucher angreift.
    einen gibts, das hab ich mal in der s bahn erlebt.
    einige!!! raucher würden ohne verbote buchstäblich überall rauchen und deswegen finde ich es ganz gut das in der
    u bahn
    s bahn
    in zügen
    am arbeitsplatz
    rauchen verboten ist.
    in kneipen und da stimme ich dir zu ist es vieleicht nicht so wichtig, die die ich besuche sind eh schon rauchfrei, fitness club und wellnessoasen die ich frequentiere sinds ja sowiso.


  39. · bernd am 26. Januar 2008 um 13:21 - Permalink

    Hi,
    so gut ich deine Beiträge finde - dieser ist wirklich schlecht bzw. mir wird schlecht dabei. Ich bin Exraucher - im Rückblick wäre es für mich besser gewesen, es hätte schon lange einen unfassenden Nichtraucherschutz gegeben. Das ich 25 Jahre geraucht habe tut mir im Rückblick gesehen wirklich weh und ist eins der wenigen Dinge die ich in meinen Leben wirklich bereue. Ich bin einfach auf ein, von der Werbung erzeugtes “Männerbild”, reingefallen.
    Ich war mal in einer Lungenkrank. Da konnte ich die Raucher mit der Diagnose Lungenkrebs erleben. Der Krebs kommt meist wenn man die 50 gerade überschritten hat. Es gibt eine Chemotherapie, die Lebenserwartung ist 1 Jahr und dann wird gestorben. Eine Heilung ist nicht möglich, weil die Lunge unglücklicherweise schmerzunfindlich ist. Wenn jemand merkt das er Krebs ist es somit schon zu spät. Die Menschen die es erwischt waren wirklich geschockt.


  40. · danielj am 26. Januar 2008 um 13:22 - Permalink

    @Spiegelfechter

    Was mich halt wirklich stört, ist es, dass man immer gleich zu “Verboten” greifen muß.

    Die Formulierung “immer gleich” ist in diesem Fall eventuell ein klitzekleines bißchen übertrieben.


  41. · David am 26. Januar 2008 um 13:43 - Permalink

    Es ist ganz einfach. Rauchen ist dumm, stinkt und macht hässlich. Wer das für sich toll findet, Stichwort “Selbstverwirklichung”, bitte, jedem sein Recht auf Selbstzerstörung. Ob das nun durch den täglichen Lungenzug Straßenbelag passiert oder ob man immer mal wieder in ne Tischkante beißt oder gegen Bäume fährt, ist mir erst mal egal. Nur: Lasst mich bitte dabei raus. Ich will nur in Ruhe meine Pizza genießen. Da das in 90% aller Fälle nicht ohne Belästigung durch den nikotinsuchtelnden Nachbarn möglich war, finde ich es nur fair, dass bis auf weiteres erst mal ich dran bin.

    Zum Thema “schlechtes Gesetz”: Macht mal konstruktive Vorschläge. Welche, die wir nicht irgendwann schon mal erfolglos probiert haben. Also z.B. nicht das Modell “ich nehme auf meine Mitmenschen Rücksicht”. Darauf konnten wir uns ja leider nie wirklich einigen.

    Was war noch das eigentliche Thema? Ach ja, der Artikel. Stimmt, ich finde es auch ganz furchtbar, dass man vom Schmidt erwartet, dass er sich an Gesetze hält. Der arme alte Mann, wie gemein.


  42. · Christian am 26. Januar 2008 um 13:46 - Permalink

    Zwischen
    “netten Genussmenschen” und
    “Also nochmal: Rauchen ist eine Sucht, und von einer Sucht wegzukommen ist nicht so einfach.”
    ist für mich irgendwie ein Unterschied. ;) Danke für die Klarstellung.


  43. · Joerg am 26. Januar 2008 um 14:01 - Permalink

    Ich finde, dass jeder der vorsätzlich andere schädigt, und dafür Toleranz einfordert, die grundlegendsten Voraussetzungen für menschliches Zusammenleben auch nicht im Ansatz verstanden hat.


  44. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 14:22 - Permalink

    @bernd 39

    · bernd am 26. Januar 2008 um 13:21 - Permalink

    Hi,
    so gut ich deine Beiträge finde - dieser ist wirklich schlecht bzw. mir wird schlecht dabei.

    Das war übrigens nicht der SF :-). Dennoch finde ich den Artikel nicht schlecht, weil er aufzeigt, in welche Hölle uns Gutmenschen führen.

    Ich bin Exraucher - im Rückblick wäre es für mich besser gewesen, es hätte schon lange einen unfassenden Nichtraucherschutz gegeben.

    Warum?

    Das ich 25 Jahre geraucht habe tut mir im Rückblick gesehen wirklich weh und ist eins der wenigen Dinge die ich in meinen Leben wirklich bereue.

    Kann ja sein, aber was hat das mit dem Raucherdiskriminierungsgesetz zu tun? Nur so zur Info: Ich habe nach 29 Jahren Rauchens vor ca. 8 Monaten damit aufgehört. Ich habe nicht wegen dem Gesetz, meiner Gesundheit, dem Gestank oder sonst etwas aufgehört - ich habe aufgehört, weil ich mit dem Rauchen vermeidbar diesen Staat, den ich verachte, mit meinen Steuern unterstütze, weil ich Unternehmen unterstütze, die ich nicht unterstützen will, weil ich die Freiheit meines Tagesablaufes durch meine Sucht fremdbestimmen liess.

    Ich habe NICHT aufgehört, weil es meiner Gesundheit schadet. Dazu sage ich: Scheiss drauf! Lieber genußvoll und reichhaltig kurz gelebt, als ein langes Leben als bornierter Nichtraucherarsch, der anderen sagt, was sie tun dürfen und was nicht.

    Ich bin einfach auf ein, von der Werbung erzeugtes “Männerbild”, reingefallen.

    Da musste man aber selbst vor 30 Jahren schon ein ziemlich einfach gestricktes Gemüt zu haben …

    Ich war mal in einer Lungenkrank. Da konnte ich die Raucher mit der Diagnose Lungenkrebs erleben. Der Krebs kommt meist wenn man die 50 gerade überschritten hat. Es gibt eine Chemotherapie, die Lebenserwartung ist 1 Jahr und dann wird gestorben. Eine Heilung ist nicht möglich, weil die Lunge unglücklicherweise schmerzunfindlich ist.

    Ist doch toll! Was habe ich davon, wenn ich halb verfault bis ins hohe Alter unter Schmerzen dahinvegetiere?

    Wenn jemand merkt das er Krebs ist es somit schon zu spät. Die Menschen die es erwischt waren wirklich geschockt.

    Wuah, schnüff, eine Runde Mitleid. Jaaaa, es ist ja auch so unwahrscheinlich, dass man Lungenkrebs bekommt, wenn man im Bergwerk gearbeitet hat, in der Stadt wohnt oder eben Raucher war.
    Herrgott noch mal - wer soviel Schiss vor’m Sterben hat, soll halt alle 2 Monate zum Arzt rennen. Dieses selbstmitleidige “ich habe Krääääbs, heul” finde ich einfach nur würdelos.

    Nee, nee …


  45. · nebu am 26. Januar 2008 um 14:36 - Permalink

    @ 41: David

    Da fallen mir ad hoc verschiedene Möglichkeiten ein

    1) monatlich wechselnde Raucherlaubnis (genauso wie für die Frauensauna), Funktioniert doch auch recht gut
    2) Wirte müssen sich verbindlich festlegen, ob bei ihnen geraucht werden darf. Da maximal 30% der Leute rauchen, kann man (vielleicht naiv) schließen, daß es genügend Nichtraucher gibt, die eine rauchfreie Kneipe bevorzugen. Daher sollte es für bestimmte Wirte auch einen finanziellen Anreiz darstellen, auf Nichtraucher umzusteigen
    3) getrennte Raucherbereiche (so wie jetzt) in Gaststätten über einer bestimmten Gästezahl. Kleinere Gaststätten müssen über Filteranlagen dafür sorgen, daß die durchschnittliche Nikotin- und Feinstaubbelastung (und so weiter) nicht über einem bestimmten Grenzwert liegt

    warum das Gesetz schlecht ist: weil es ein pauschales Verbot ist. Mir geht es nicht darum, daß die Nichtraucher nicht geschützt werden sollten, das sollen sie auf jeden Fall. Was ich problematisch daran finde, ist, daß der Gesetzgeber meint, darüber entscheiden zu müssen, was Leute mit ihrem Körper anstellen. Ich habe einfach das ungute Gefühl, daß als nächstes Alkohol und dann die Dicken (gab es nicht mal in England Überlegungen, eine Steuer auf hochkalorische Lebensmittel einzuführen?) dran sind.

    In einem Punkt hast Du Recht: Raucher werden auf Nichtraucher wahrscheinlich keine Rücksicht nehmen. Daher ist eine gesetzliche Regelung schon sinnvoll.

    gruß,
    nebu


  46. · antonym am 26. Januar 2008 um 14:36 - Permalink

    Rauchen ist für mich keine Sucht. Ich war mein Leben lang Gelegenheitsraucher und bin nie abhängig davon geworden. Die bisherigen Rauchverbote im ÖPNV und am Arbeitsplatz waren auch völlig OK, aber in den Kneipen, das ist einfach nur ein Rückfall in den alt-europäischen Obrigkeitsstaat.

    Die angebliche Schädigung durch “Passivrauchen” mit x-tausend Toten ist auch so eine Verschwörungstheorie mit der dieser Neo-Bolschewismus vorangetrieben wird. Jeder Stadtbewohner wird viel mehr durch ständig vorhandene Autoabgase geschädigt, als das durch Kneipenbesuche im normalen Rahmen möglich wäre.


  47. · Uwe Weißmann am 26. Januar 2008 um 14:39 - Permalink

    Ich habe NICHT aufgehört, weil es meiner Gesundheit schadet.

    ich schon.
    ich war es einfach leid mich ständig wie 85 zu fühlen und wie schwer erkältet (husten, kurzatmigkeit etc.)
    ich habe ja schon geröchelt wenn ich mal etwas eilig in den dritten stock gegangen bin.
    wo bleibt denn da die lebensqualität?


  48. · nebu am 26. Januar 2008 um 14:44 - Permalink

    @ 46: antonym

    auf die Gefahr hin, kleinkariert zu wirken. was soll ich mit einem Begriff wie “Neo-Bolschewismus” anfangen? Die Überlegung, daß hier wie dort eine Gruppe Menschen meint, zu wissen, was gut für andere ist, als alleinige Begründung für den Vergleich zu nehmen finde ich ein wenig stark. Außerdem ist mir noch nicht so ganz klar, welchen Beitrag die Beschmimpfung der Gegenseite zur Lösung des Problems liefern soll.

    gruß,
    nebu


  49. · antonym am 26. Januar 2008 um 14:52 - Permalink

    Bolschewismus war nicht als Beschimpfung, sondern ganz sachlich gemeint. Das ist eben der Punkt wo ein demokratisches System versagt, heutzutage werden diese Entwicklungen eben von neokonservativen Weltverbesserern vorangetrieben. Nachdem deren alte Ideale wie der Maoismus ja kläglich versagt hatten.


  50. · Michael L. am 26. Januar 2008 um 15:06 - Permalink

    Ich bin jetzt etwas verwirrt: Einer sieht in “Gutmenschen” die Ursache, jetzt macht jemand Neo-Cons verantwortliche, die eigentlich Maoisten waren und heute Neo-Bolschewisten sind.

    Viele Kategorien, die mich an die typische Kampfrhetorik linker Splittergruppen erinnert, wo die Volksfront von Judäa ja stets in ärgster Feinschaft zur Judäischen Volksfront liegt ;-)

    Möglicherweise ist aber das Rauchverbot gar kein Produkt des Lobbyismus einer bestimmten Grupppierung? Vielleicht sind die Leute, die dieses Gesetz durchgesetzt haben, nur deshalb erfolgreich, weil es einen gewissen Zeitgeist gibt, der solche Verbote plausibel macht?

    Dann müsste man aber doch zuerst fragen, worin dieser Zeitgeist besteht und warum ausgerechnet Verbote gegenwärtig plausibel erscheinen (solange sie einen nicht selber betreffen). Dahinter steckt doch eine gewisse Vorstellung über das Wesen des Staates, welcher diese Verbote ja ausspricht.


  51. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 15:42 - Permalink

    @50
    Michael L.

    Möglicherweise ist aber das Rauchverbot gar kein Produkt des Lobbyismus einer bestimmten Grupppierung?

    Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Hast Du Dir mal angesehen, was sogenannte “Entwöhnungshilfen”, “Antirauchermedikamente” und “Wie werde ich Nichtraucher?-Bücher” kosten?

    Z.B. die Pharmakonzerne verdienen sich dumm und dämlich daran.

    Hier wird immer der “rücksichtslose Raucher im Restaurant” thematisiert. Da nun meine Lebensrealität (Ruhrgebiet) sich mit diesen angeblichen Rauchern in Restaurant überhaupt nicht deckt, halte ich das schlicht für eine Erfindung einer Nichtraucherlobby.
    Wenn man natürlich die Stehpommesbude am Puff oder Spelunken wie das Mandragora in BO als “Restaurant” definiert, kann das schon zutreffen.

    Allerdings auch dann verstehe ich die Nichtraucher nicht, die sich einerseits Fressen reinschaufeln, das quasi aus dem klo recycled wurde, sich andererseits aber über Raucher beschweren, die den Müll wenigstens ein wenig desinfizieren.

    Und zum Thema Gesundheit: Wenn man raucht, aber keinen Sport macht, nimmt die Kurzatmigkeit rapide zu. In Verbindung mit Sport allerdings fast gar nicht. Und selbst als ich noch Kettenraucher war, habe ich die häufig überfetteten ach so gesunden Nichtraucher meistens mit einem Bein stehen lassen.
    Mir ist übrigens aufgefallen, dass speziell Nichtraucher beim Sport zu diesen superpeinlichen Radlerhöschen tendieren. DAS sollte man mal verbieten - da bekommt man ja Augenkrebs.

    Obwohl … nö … ich als ehemaliger Raucher bin für solche bornierten Blockwartgesetze zu toelerant. Lasst die Nichtraucher schlecht riechen, peinlich aussehen und an Überfettung leiden; wenn sie es denn wollen.


  52. · ehle am 26. Januar 2008 um 16:05 - Permalink

    @ 34 Michael L.
    “Damit wäre er eher Symbolfigur für die Aggressivität und Rücksichtslosigkeit gewisser Raucher und eher ungeeignet als Symbolfigur für die Opfer eines fragwürdigen staatlichen Verbots. ” (sorry, kann nicht quoten…)

    die opfer des staatlichen verbots sind zunächsteinmal nicht die raucher sondern z.b. die gastwirte. was ich meinen gästen erlaube oder nicht erlaube ist einizig und allein meine entscheidung. wenn ich z.b. einen ü30 abend veranstalte, dann sollte es mein recht sein jedem unter 30 den einlass zu verbieten. genauso sollte es mein recht sein, zu entscheiden ob in meiner kneipe geraucht werden darf oder nicht.

    das perverse am rauchverbot ist der wiederspruch zwischen der behauptung die geamte westliche welt lebe in freiheit und der praktizierten sklaverei unserer gedanken und tätigkeiten. ich weiß nicht wie es euch geht, aber in einer welt voller schilder und verbote fühle ich mich nicht besonders frei. politiker fordern den gläsernen bürger, warum fordern die bürger keine gläserene politik? warum gab es beim g8 gipfel keine richtige berichterstattung? eigentlich müsste die gesamte besprechung gefilmt und live in jedem sender ausgestrahlt werden. wenn mein chef mir bei der arbeit zusehen will ist es sein gutes recht. wir sind der arbeitgeber unserer politiker und haben somit dasselbe recht. vom g8 gipfel weiß ich nur, dass sie gans gegessen haben. und merkel sagt sie haben ernsthaft erwogen über etwas nachzudenken.

    wenn george bush behauptet nur durch krieg kann es im irak frieden geben, sollten nicht nur 1984 leser mit dem kopf schütteln.
    dasselbe gilt für politiker die behaupten, ihr seid das freieste volk der welt, aber wir bestimmen eure freiheiten. das sind wiedersprüche die uns eigentlich zum aufstehen bringen sollten.

    damit wäre schmidt eher die symbolfigur für den letzten freien geist eines ideologisch versklavten volkes.

    entschuldigung wenn ich hier ein wenig auschweife, aber das rauchverbot ist nur die spitze des eisbergs, nur ein symptom einer rundum kranken gesellschaft.
    grüße,
    ehle


  53. · Schwitzig am 26. Januar 2008 um 16:24 - Permalink

    entschuldigung wenn ich hier ein wenig auschweife, aber das rauchverbot ist nur die spitze des eisbergs, nur ein symptom einer rundum kranken gesellschaft.
    grüße,
    ehle

    Hierzu und zu dem Rest uneingeschränkte Zustimmung.

    Denn genau DAS ist der Punkt.

    In diesem Sinne:
    Krieg ist Frieden
    Ignoranz ist Stärke
    Sklaverei ist Freiheit

    Als ich das Buch das erste Mal als 10-Jähriger gelesen habe, dachte ich, dass es ja reichlich kindisch und unrealistisch sei.
    Heute denke ich, dass Gehirnwäsche verdammt effektiv sein kann.
    Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt. Ja ja.


  54. · Johannes am 26. Januar 2008 um 16:29 - Permalink

    Wer sagt hier herrscht Freiheit, der lügt! Freiheit herrscht nicht!
    Erich Fried

    oder so …


  55. · Micha am 26. Januar 2008 um 16:31 - Permalink

    @schwitzig

    Deine Kommentare werden immer niveauloser! Erst waren alle Nichraucher dumm, jetzt sind sie Fett und stinken. Sorry aber das ist keine Grundlage für eine sachliche Diskussion. Um es mal mit deinen Worten auszudrücken: “An dir scheint das Rauchen nicht spurlos vorbeigezogen zu sein!”


  56. · antonym am 26. Januar 2008 um 16:32 - Permalink

    Dass die Neokonservativen früher häufig Maoismus und anderen Zwangsvorstellungen angehangen haben, ist leider eine Tatsache. Das ist keine linke Splittergruppen-Rhethorik sondern steht in jeder Biographie von denen. Es geht den Leuten halt nur um Macht, das ist eine Art Narzissmus.

    Noch was zum Bolschewismus, z.B. Gary Kasparov der “westliche Demokrat” in Russland marschiert mit den Nationalbolschewisten und ihren Nazifahnen.

    Und klar ist der “Zeitgeist” knallhart rechts. Im Fernsehen zeigt man uns dass Arme und Andersgläubige hinter 5m hohe Betonmauern mit Stacheldraht gehören und die Leute werden durch gross angelegte Medienkampagnen rassistisch aufgehetzt.


  57. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 17:12 - Permalink

    @55 Micha

    Ich kann Dich auch nicht ausstehen :-)


  58. · Michael Kostic am 26. Januar 2008 um 18:23 - Permalink

    @Jeden der mir das erklären kann:

    Da ja große geistige Distanzen nicht so meine Sache sind, bitte ich mir hier mal kurz beim Überbrücken selbiger zu helfen:

    1. Ich betreibe eine Gaststätte in der reichlich geraucht wird.
    2. Es wird ein Gesetz verabschiedet, welches das Rauchen in Gaststätten unter Strafe stellt.
    3. Ich gehe zum Gewerbeamt und ändere meine Gewerbemeldung von „Betrieb einer Gaststätte“ in „Betrieb einer Zielgruppenorientierten Gaststätte“.
    4. Ich lasse die Eingangstür so umbauen, dass sie nur noch von Innen durch Druck zu öffnen ist. Montiere gut sichtbar eine Klingel, mit einem ebenso gut sichtbaren Schild darüber, welches die folgende Aufschrift trägt: „Zum Einlass bitte klingeln!“
    5. Ich verteile im näheren Umfeld um meine Gaststätte Info-Bögen in den Briefkästen und weise somit auf die Eröffnung meiner Gaststätte hin, mit dem deutlichen Hinweis „ACHTUNG! Zielgruppenorientiert - Nur für Raucher“.
    6. Ich bereite DIN A5 Zettel vor auf denen steht, dass die unterzeichnende Person an Eides statt versichert Raucher zu sein.
    7. Wenn es an der Tür klingelt, öffne ich, lächle ein wenig und lass mir den Zettel unterschreiben, bevor ich die Person einlasse.

    Vom Aufwand der ganzen Sache einmal abgesehen, kann mir doch als Gewerbetreibender niemand (nicht einmal die Verwaltung) vorschreiben, mit wem ich Geschäfte mache, und mit wem nicht. Oder?

    U.U. habe ich da im Unterricht kurz gedöst, oder einfach in den letzten 20 Jahren ein paar Entwicklungen verpasst. Kennt hier irgend jemand ein Gesetz, dass mich als Gewerbetreibenden direkt dazu zwingt an jeden Kunden Ware zu verkaufen, bzw. für jeden Kunden eine Leistung zu erbringen? Ich selbst kenne nämlich nur die allgemeine Vertragsfreiheit. Auch war ich bisher davon ausgegangen, dass ich als Betreiber/Bewirtschafter einer Gewerbefläche dort das Hausrecht innehabe. Sprich ich z.B. jedem (auch potenziellen) Kunden, so es mir gefällt, Hausverbot erteilen kann.

    Wie gesagt: „Bitte helft mir, dass zu verstehen. Danke.“


  59. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 18:48 - Permalink

    @58 Gaststättenbeispiel

    Zu den juristischen Aspekten kann ich Dir nichts sagen, denke aber, dass es bestimmt irgendeinen Diskriminierungsparagraphen gibt, der Dir das Genick brechen kann. Spätestens wenn die EU-Antidemokratiescheisse Pflicht geworden ist.

    Generell sehe ich in Deinem Ansatz aber das Problem der Separation. Ich kenne viele Nichtraucher, denen die Separation durch dieses Drecksgesetz gegen den Strich geht. Soziale Bande werden durch puritanische USA-Gesetzgebung zerstört -> “saubere” Menschen zu “sauberen” Menschen, der Rest wird ausgegrenzt, diskriminiert und demnächst vielleicht wieder als “Volksschädling” beschimpft bzw. mindestens dazu gezwungen, ökonomische Nachteile zu erleiden (Stichwort Krankenversicherung, obwohl vieles dafür spricht, dass Raucher tatsächlich günstiger für KV sind).
    Es muss eine Sau durch’s Dorf getrieben werden, ein Feind wird gebraucht, damit nicht etwa jemand zum Denken kommt.


  60. · michael am 26. Januar 2008 um 19:02 - Permalink

    Raucher sind doch wohl immer nur die wenigste Zeit Raucher. Meistens werden die doch wohl nicht rauchen, oder? Wo wird da getrennt? Es wird doch eben gerade nicht getrennt, oder? Es gibt weder extra Räume noch Raucher- oder Nichtraucherkneipen.

    Mir unverständlich wie man sich über so was so aufregen kann. Wie sieht das mit Gras aus? Ist dessen komplettes Verbot auch Symbol für undemokratische Strukturen, eine intolerante Gesellschaft? Warum diese Aggression? Diese polemische Scheisse?


  61. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 19:11 - Permalink

    @Michael

    Ist dessen komplettes Verbot auch Symbol für undemokratische Strukturen, eine intolerante Gesellschaft? Warum diese Aggression? Diese polemische Scheisse?

    Ich habe dafür eine recht grenzwertige Erklärung: Das ist der kleine Blockwart in allen von uns, der irgendwann an die Schädeldecke klopft und in der Welt für “Ordnung” sorgen will. Wären es bei der Nichtraucherdiskussion nur die üblichen Verdächtigen, die sich hauptberuflich über Falschparker, bunte Haare und Hundescheiße im Park aufregen, wäre es ja nicht so schlimm - a) kennt man das ja von denen, b) werden sie eh nicht ernst genommen und haben daher c) nichts zu sagen. Klar - diese Menschen sind militante(!) Nichtraucher … alleine schon diese Kippen auf dem Gehsteig.

    Aber bei dieser Diskussion, kommen diejenigen hinzu, die unsere “rechten” Freunde immer so gerne “Gutmenschen” nennen. In einem Gutmenschen sammeln sich in seinem Leben so einige Aggressionen. Klar, gegen Skins und das Bürgertum kann man immer was sagen. Aber man muß immer den Anschein erwecken, “sozial” und “progressiv” zu sein. Nun ist eine Randgruppe in den Fokus geraten, an der man sich “ungestraft” abarbeiten kann … denn die sind ja tendenziell unvernünftig, sie verschmutzen die Umwelt und haben (das ist das schlimmste) dabei auch noch Spaß und gar kein Unrechtsempfinden. Und da kommt so einiges hoch, inklusive dem kleinen Blockwart im Kopf ;-)

    Duck wech! *lol*


  62. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 19:35 - Permalink

    @58 Michael Kostic

    Ich bin auch kein Jurist und habe ähnliche Gedanken. Es ist ja allgemein akzepiert, dass gewisse Etablissements, in denen jeder 17jährige schwerste traumatische Schäden erleiden würde, da er mit nackten Brüsten konfrontiert wird, nur für eine bestimmte Gruppe zugänglich sind. Das ganze schimpft sich Jugendschutz und wird so definiert, dass Jugendlichen das Rechte beschnitten wird, sich im öffentlichen Raum frei bewegen zu dürfen - aus Eigenschutz. Beim Nichtraucherschutz geht man genau den anderen Weg. Ein Wirt, der aus ehrlich empfundener Sorge für seine nichtrauchenden Mitmenschen, seine Gaststätte zum Raucherlokal erklärt und den Nichtrauchern den Eintritt verwehrt, handelt widerrechtlich. Klar, hier greift, wie Schwitzig schon schrieb, Diskrimmierung. Ein echter teutonischer Wirt darf ja auch keine Ausländer vor der Tür stehen lassen, obwohl das in unzähligen Clubs und Diskotheken genau so gehandhabt wird.


  63. · schwitzig am 26. Januar 2008 um 19:39 - Permalink

    @SF 51

    Hmmm - “Gutmensch” - diese Bezeichnung ist abwertend gemeint, jedoch sollte man bei Gebrauch nicht auf rechte Gesinnung schließen.

    Ein Gutmensch ist auch jemand, der davon überzeugt ist, etwas “gutes” zu tun, während er genau damit etwas “schlechtes” bewirkt.
    Die Leute, die die Totalüberwachung in Staatshänden gutheißen, sind ebenfalls “Gutmenschen”, denn sie würden niemals auf die Idee kommen, dass die Daten a) vom Staat mißbraucht werden könnten oder b) z.B. die ReGIERung mal welchseln und vielleicht eine Partei wie die NPD an die Macht und damit an die Datennutzung kommen könnte - obwohl genau betrachtet sind die Unterschiede der CD(S)USPDGRÜNELINKE-Partei zur NPD immer marginaler; aber das ist ein anderes Thema.


  64. · Spiegelfechter am 26. Januar 2008 um 19:48 - Permalink

    @Schwitzig

    Ja ja, der Streit um das Wort “Gutmensch” ;-)

    Früher habe ich diese Wort sehr gerne benutzt - im Kontext von Wiglaf Droste, der damit die desilluionierten Ex68er beschrieb, die zu domagtischen Spießern mutiert sind und ihre alten Ideale ad absurdum führen.

    Das die Reaktionären dieses Wort “verbrannt” haben, ist schade, da mir kein Pendant einfällt, das in der öffentlichen Diskussion benutzt werden kann, ohne falsche Assoziationen zu wecken.

    Die Leute, die die Totalüberwachung in Staatshänden gutheißen,

    Das würde ich nicht so sehen, da “Gutmenschen” per. def. Droste ihre “Mission” gutes zu tun, moralisch herleiten. Überwachungsapologeten argumentieren nicht moralisch, sondern sehen sich als Beschützer von Leuten, die “die Bedrohung nicht sehen”. Sie sind die “einsamen Einäugigen unter Blinden”. “Gutmenschen” erheben ihren moralischen Anspruch zum allgemeingültigen Standard. Eine Art kategorischer Imperativ, der allgemeingültig sein soll - ein anderes Wort dafür wäre Gesinnungsdiktatur.


  65. · flippah am 26. Januar 2008 um 21:02 - Permalink

    Die Lage ist eigentlich eine ganze andere: Rauchen hätte man nicht noch verbieten müssen. Körperverletzung (und das ist es, wenn man die Atemluft mit Giftgas versetzt wird) war immer schon verboten.


  66. · David am 27. Januar 2008 um 00:25 - Permalink

    @nebu/45 bzw. Michael Kostic mit seiner zielgruppenorientierten Gaststätte:

    Es ist ja nicht so, dass das Gesetz so wie es jetzt ist vom Himmel gefallen ist.
    Wie lange ist es denn her, dass abgetrennte Raucherbereiche geplant waren? Da hies es von allen Seiten, das wäre zu teuer und aufwändig, außerdem diskriminierend, Zweiklassengesellschaft usw. Wie lang ist es her, dass spezielle Raucherlokale geplant waren? Da hies es dann völlig nachvollziehbar, dass die große Mehrheit der Lokalbesitzer natürlich nicht auf die rauchende Kundschaft verzichten wolle und schnellstens eine “Rauchlizenz” beantragen werde. Was bleibt also effektiv?

    Den Vorschlag mit wechselnden “Rauchermonaten” finde ich interessant. Wie stellst du dir das vor? Haben wir dann ein Verzeichnis im Internet, wo ich nachklicken kann, welches Restaurant der Landesküche XY mir in diesem Monat mein Mittagessen garantiert rothändlefrei serviert? (Dass in den Lokalen, wo man rauchen darf, dann auch verstärkt geraucht werden wird, ist ja klar.) Und wer sorgt dafür, dass das Verhältnis ausgewogen ist und nicht alle Lokale im ersten Monat gleich die grüne “Raucherfreund” Lampe einschalten und der Rest in die Röhre guckt? Da wäre doch glatt ne neue Behörde drin. Ne, mal ganz im Ernst, ich habe meine Zweifel, ob das funktionieren würde.

    So wie ich das sehe, gibt es leider wirklich nur die Wahl zwischen Selbstregulierung alá “ich nehme Rücksicht und Rauche nur, wenn es keinen stört” und generellem Verbot. Dass ersteres nicht funktioniert hat, scheint gerade gängiger Konsens zu sein, damit bleibt nur letzteres. Schade einerseits, ich bin auch kein Fan von Verboten, aber wie gesagt, mach einer nen brauchbaren Vorschlag…


  67. · Luis am 27. Januar 2008 um 01:28 - Permalink

    Ist bis jetzt der erste schlechte Artikel den ich von dir gelesen habe,
    aber das kann man auch als Kompliment sehen :)


  68. · Klabatermann am 27. Januar 2008 um 03:05 - Permalink

    @david(66): Den brauchbaren Vorschlag hat uns doch Spanien schon längst vorexerziert.

    Natürlich ist es nicht nötig, dass in Restaurants geraucht wird, dort soll natürlich gegessen werden und im besten Fall wird dort gut gekocht, im übertriebenen Fall reicht der (Molekular)koch zur Speise ein Kraut, eine Wurzel oder eine sonstige Geruchsquelle um den Sinneseindruck zu verstärken. Dort haben störende Rauchschwaden überhaupt nichts verloren.
    Aber in der Mehrzahl handelt es sich bei den Gaststätten dann doch wohl eher um inhabergeführte Einraumkneipen, in denen der rauchende oder nichtrauchende Wirt alleine seine Gäste bedient. Warum will man diesen Steuerzahlern verbieten, in ihren eigenen (gekauften oder gepachteten) vier Wänden zu entscheiden, ob sie das Rauchen (das per se ja keine kriminelle Tat darstellt) zulassen wollen oder nicht? Warum überlässt man ihnen nicht die eigene Entscheidung über ihre Räume? Warum vertreibt man sie selbst aus ihren eigenen Räumen, wenn sie rauchen wollen? Würde sich irgendein Nichtraucher unter Strafandrohung aus seiner eigenen Wohnung vertreiben lassen wollen, wenn er z.B. Backofenspray oder WC-Reiniger verwendet und damit sich und alle in seiner Umgebung eventuell schädigen könnte?


  69. · Klabatermann am 27. Januar 2008 um 03:05 - Permalink

    @david(66): Den brauchbaren Vorschlag hat uns doch Spanien schon längst vorexerziert.

    Natürlich ist es nicht nötig, dass in Restaurants geraucht wird, dort soll selbstverständlich gegessen werden und im besten Fall wird dort gut gekocht, im übertriebenen Fall reicht der (Molekular)koch zur Speise ein Kraut, eine Wurzel oder eine sonstige Geruchsquelle um den Sinneseindruck zu verstärken. Dort haben störende Rauchschwaden überhaupt nichts verloren.
    Aber in der Mehrzahl handelt es sich bei den Gaststätten dann doch wohl eher um inhabergeführte Einraumkneipen, in denen der rauchende oder nichtrauchende Wirt alleine seine Gäste bedient. Warum will man diesen Steuerzahlern verbieten, in ihren eigenen (gekauften oder gepachteten) vier Wänden zu entscheiden, ob sie das Rauchen (das per se ja keine kriminelle Tat darstellt) zulassen wollen oder nicht? Warum überlässt man ihnen nicht die eigene Entscheidung über ihre Räume? Warum vertreibt man sie selbst aus ihren eigenen Räumen, wenn sie rauchen wollen? Würde sich irgendein Nichtraucher unter Strafandrohung aus seiner eigenen Wohnung vertreiben lassen wollen, wenn er z.B. Backofenspray oder WC-Reiniger verwendet und damit sich und alle in seiner Umgebung eventuell schädigen könnte?


  70. · schwitzig am 27. Januar 2008 um 09:08 - Permalink

    @64 SF

    “Gutmenschen” erheben ihren moralischen Anspruch zum allgemeingültigen Standard. Eine Art kategorischer Imperativ, der allgemeingültig sein soll - ein anderes Wort dafür wäre Gesinnungsdiktatur.

    Schön auf den Punkt gebracht - und genau das ist einer der schlimmsten Krankheiten, die uns gerade mit ihrer Schwester, der Intoleranz, heimsucht.

    OT: Ja, die “Verbrennung” des Wortes Gutmensch durch Rechte und Neokonservative ist auch so eine Sache - wir haben hier Deutschland ja das Dritte Reich gehabt und sind bemüht, dies nach aussen aufzuarbeiten - bis auf Mitglieder der Politik und Justiz.
    Das schlägt so skurrille Blüten wie dass man als Antisemit beschimpft wird, wenn man den Völkermord durch Israel in Palästina nicht super-duper findet. Parallel hetzen in diversen Foren begeisterte Kriegstreiber für ein “hartes Durchgreifen”, weil ansonsten die “Gutmenschen” erstaunt feststellen würden, dass sie von den “Bösen” oder “Palis”, “Moslems” ermordet werden. Derselbe Stil wird in Deutschland bei “Multikulti” heruntergebrochen …
    Ich muss sagen, dass mich diese Bornierten, begleitet von Spindoctoren, von Tag zu Tag mehr anwidern. Unsere Zivilisation wird mal an Ignoranz und Dummheit zugrunde gehen. Um mal Ray Bradbury zu zitieren: “Das ist ungefähr so, als wären die römischen Armeen an Fusspilz zugrunde gegangen.”

    Grüsse


  71. · Michael L. am 27. Januar 2008 um 11:02 - Permalink

    @ 52 / ehle

    “damit wäre schmidt eher die symbolfigur für den letzten freien geist eines ideologisch versklavten volkes.”

    Ich bleibe dabei, dass die Person Schmidt eher eine offene Flanke ist. Schmidt hat schon immer, auch vor dem Rauchverbot, ÜBERALL geraucht, auch in eigentlich rauchfreien Zonen. Und das erklärt sich allein aus Ignoranz.

    Denn: Die Kneipe kann man ja als einen Ort ansehen, an dem traditionell geraucht wurde. Der Kneipengänger weiß also, worauf er sich einlässt, weshalb man ihm vielleicht noch zumuten könnte, den Qualm zu ertragen.

    Es muss aber darüber hinaus trotzdem rauchfreie Räume geben, denn schließlich haben auch Nichtraucher Bedürfnisse und etliche empfinden den Qualm als Belästigung.Diese rauchfreien Räume gab es, z.B. Vortragssäle, Theater und was auch immer. Nur hat Helmut Schmidt auch an diesen Plätzen stets geraucht und damit hat er nur gezeigt, dass ihm die bestehenden Regeln egal sind und damit verbunden auch die Bedürfnisse derer, die gerne qualmfreie Zonen aufsuchen.

    Ein Alt-Bundeskanzler ist wie jeder andere auch zu allererst Bürger und damit nicht gleicher als alle anderen, er muss sich ebenso den geltenden Regeln unterwerfen. Er tut dies nicht, nur warum? Hält er sich für etwas besseres? Seine anarchische Verweigerung mögen die einen als heldenhaften Kampf für den unbeschränkten Rauchgenuss interpretieren, ich sehe aber auch die andere Seite, nämlich das es keinen einsichtigen Grund dafür gibt, die Präsenz von Helmut Schmidt in Form seines Qualms uneingeschränkt ertragen zu müssen.

    Denn dies hieße, die Freiheit des Rauchens tatsächlich auf Kosten der anderen zu überdehnen.

    Deshalb ist Helmut Schmidt eine verfängliche Symbolfigur, er repräsentiert zu sehr die mangelnde Sensibilität gegenüber Nichtrauchern.

    Und wäre er denn der Vorkämpfer für die liberalen Freiheiten, dann hätte er sicher auch die Stimme lauter erhoben gegen viele andere Einschnitte in die Bürgerrechte. Doch gehört habe ich da nichts. Von seiner Biografie her ist Schmidt eben auch kein Liberaler, sondern eher einer, der die Regelstrenge des Militärs schätzt.

    Wie gesagt, Verbote finde ich unsinnig, sie sind ein Problem, aber Helmut Schmidt ist nicht der Garant einer liberalen Politik, folglich arbeitetn wir uns an einem Nebenkriegsschauplatz ab.


  72. · Michael L. am 27. Januar 2008 um 11:13 - Permalink

    @70 und 64

    ““Gutmenschen” erheben ihren moralischen Anspruch zum allgemeingültigen Standard. Eine Art kategorischer Imperativ, der allgemeingültig sein soll - ein anderes Wort dafür wäre Gesinnungsdiktatur.”

    Die Definition ist schwammig. Denn welche Gruppe von ieologisch geprägten Menschen erhebt denn nicht den eigenen moralischen Anspruch zum allgemeingültigen Standard? Das tun alle, ob Grüne, Linke oder Konservative.

    “Gutmensch” war meines Wissens einst eine Bezeichnung für Linksalternative. Das Wort hob ab auf die starke Moralisierung des Lebens durch diese Szene, die stets das Gute wollte, die Welt verbessern und darum um eine ethisch korrekte Lebensweise bemüht war. Das schloss ein, dass man Minderheiten nicht diskriminierte, dass man nicht sexistisch ist, dass man ökologisch lebt und dass man eine eigenen Interessen in demokratischer Abstimmung verfolgt.

    Dahinter steckte ein bitterer Ernst, eine sehr pastörlich strenge Disziplin und Verneinung der spontanen Sinnesfreude.

    Genau das hat dann den Spott angezogen und genau das hat dazu geführt, “diese Gruppe als “Gutmenschen” zu bezeichnen. Das Etikett drückt ja das verkrampfte Bemühen aus, stets “gut” zu sein.

    Aber Leute wie Peter Hahne und andere konservative Ikonen fordern ja auch, dass ihre Ansichten über Werte und Moral von aller Welt geteilt werden, sie sind ebenfalls im Kern etwas humorlos. Aber sie sind nicht die klassischen “Gutmenschen” mit Multikulti, Ökologie usw., sondern eben Konservative.

    Im Fall des Rauchens bin ich mir übrigens gar nicht so sicher, ob es nun die “Gutmenschen” oder die Konservativen sind, die die Sache voran treiben.

    Möglicherweise ist das Rauchen heute aus ökonomischer Sicht nict mehr opportun. es schadet der Gesundheit, was heißt: es schadet der Arbeitskraft. Bei Jakob Schrenk (”Die Kunst der Selbstausbeutung”) las ich, dass es mittlerweile viele Unternehmen gibt, die die Fitness ihrer MItarbeiter zum Programm erhoben haben. Dazu gehört auch, dass man die Angestellten dazu bewegt, das Rauchen aufzugeben. Vielleicht weht daher der Wind und “Gutmenschen” oder Konservative sind vielleicht nur die nützlichen Lautsprecher anderer Leute, ohne es zu merken.


  73. · Alex am 27. Januar 2008 um 15:12 - Permalink

    @28
    Wahre Worte. Ich war selbst starke Raucherin und habe vor ca. 10 Jahren aufgehört, d.h. ich kenne diese Sucht ganz gut. Ebenso wie die Rationalisierungen, die ich hier auch immer lese — warum rauchen im Grunde gut für einen ist, der Raucher als Genussmensch vs. den verkniffenen, asketischen Nichtraucher, etc. pp. Ich amüsiere mich immer köstlich über diesen Selbstbetrug :-).


  74. · Michael L. am 27. Januar 2008 um 15:21 - Permalink

    @83

    Ich bin Ex-Raucher, nachdem ich zuvor 17 Jahre lang geraucht habe und mit 14 anfing damit. Ich kann für meinen Teil den Suchtcharakter dennoch nicht bestätigen.

    Allerdings finde ich die Dichotomie zwischen asketischem Nichtraucher und dem rauchenden Genussmenschen falsch. Ich war auch als Raucher eher norddeutsch puritanisch und viele Raucher, die ich so kenne, sind eher hastige Raucher. Der Genussmenschn solte doch eher unter den Zigarrenrauchern zu finden sein?

    Wie dem auch sei, diese Zuschreibungen sind so falsch.

    Denkbar ist allerdings, dass ein bestimmter Geist der Askese den Politikern die Feder führte beim Erlass des Rauchverbots.


  75. · Alex am 27. Januar 2008 um 18:00 - Permalink

    @74
    Naja, da warst Du dann wohl eher die Ausnahme. Oder hast Dich ausserordentlich effizient selbst betrogen ;-).

    Nikotin hat ein extremes Suchtpotenzial. Die meisten Raucher kennen sicherlich die Situation (oder eine ähnliche), dass man mitten in der Nacht nochmal zur Tanke fährt, weil man keine Kippen mehr hat. Die wenigsten rauchen, weil sie Lust dazu haben; die meisten *müssen* rauchen.


  76. · verschwender am 27. Januar 2008 um 18:30 - Permalink

    Sehr guter Artikel Jens! Mit welch anderem Stilmittel als der Polemik kann man dieses äußerst dämliche (sorry mir fällt gerade kein anderes adäquates Eigenschaftswort ein) Gesetz und die Anzeige Gartenzwergs aus Wiesbaden entlarven? Sorry, wer für dieses Denunziantentum auch nur geringstes Verständnis aufbringen kann, sollte sich nicht wundern, wenn er nach seiner nächsten Grillparty auch eine Anzeige wegen Körperverletzung in seinem Briefkasten findet. Der Rauch, das verkohlte Fleisch, die gereichten Alkoholika - alles krebseregend. Wirklich ein Angriff auf die körperliche Unversehrtheit der Gäste und Nachbarschaft.

    Menschen, die sich über Rauch in der Gaststätte aufregen bestellen auch eine Pizza Salami Mozzarella mit doppelt Käse und beschweren sich hinterher beim Wirt über Gallenbeschwerden nachde