Lobbyistenscheinrealitäten
28. Januar 2008 von Spiegelfechter - Drucken
So nah die Gefahr - wenn man den Sprechern der einflussreichen Industrie- und Handelsverbänden Glauben schenken mag, so müsste man denken, das gestrige Wahlergebnis in Niedersachsen und Hessen hätte ähnliche Auswirkungen auf Deutschland wie die Einnahme von Santa Clara durch Che Guervara auf die Geschichte Kubas. Von einem gefährlichen “Linksruck” ist bei den üblichen Verdächtigen zu hören, der Deutschland in seinen Grundfesten gefährde.
Wenn man den Marktfundamentalismus herauslässt, könnte man das Augurenlächeln der Kapitalseite als unideologisch betrachten. Wenn Neonazis in Brandenburg Fremde jagen und massakrieren, so ist dies für die Wirtschaftslobbyisten allenfalls ein falsches Signal für Investoren. Auf das gleiche Niveau wird der Erfolg der Linkspartei und zwischen den Zeilen auch das ordentliche Abschneiden der SPD in Hessen gehoben.
BDI-Präsident Jürgen Thumann betrachtet “die aktuelle Entwicklung mit allergrößter Sorge” und prophezeit, dass “der Linksruck in Deutschland sich fort[setzt]“. Auch wenn es in den nächsten zwei Jahren aller Voraussicht nach in der großen Koalition nicht zu einer Politik kommen wird, die ein koksender JuLi “links” nennen würde, wird Thumann sich diese Sätze im Hinterkopf behalten. Der virtuelle Linksruck wird natürlich daran schuld sein, wenn die Konjunktur 2008 und 2009 schwächer ansteigen wird, als in den Jahren 2006 und 2007. Das diese Entwicklung unvermeidlich ist, wenn man die amerikanischen Konjunkturprobleme, die Finanzkrise, die hohen Energiepreise und last but not least die Eurostärke betrachtet, weiß natürlich Thumann auch. Aber für den Wahlkampf 2009 liefern solche ökonomischen Gesetzmäßigkeiten nicht die nötige Munition, wenn es darum geht die Forderungen nach “Reformen” zu kommunizieren. Virtuelle “Linke” sind da natürlich viel besser anzugreifen, zumal die Politik der Verbände natürlich das ihre dazu beigetragen hat, dass sich Deutschland ohne Not auf Gedeih und Verderben an seine Exportbranche gekoppelt hat und dadurch weltwirtschaftlichen Impulsen ausgesetzt ist, wie kaum ein anderes Land.
“Die Politik muss aufhören, nur über soziale Gerechtigkeit und Umverteilung zu reden” - so Thumann. Man weiß ja nicht, was Herr Thumann in den letzten Wochen so gemacht hat. Vielleicht war er ja zusammen mit der LINKEn auf Wahlkampftour - was freilich schwer zu glauben ist. Die “große” Politik hat sich in den letzten Wochen leider über ganz andere Themen unterhalten. Kochs “Migrantentiraden” und die Sorge vor einer Rezession durch den ausufernden Kasinokapitalismus an den Börsen waren auf der Agenda.
Anton Börner, der stets verquere Präsident des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels (BGA), der am liebsten 1-Euro Jobs in der Industrie durchsetzen würde, “befürchtet”, “dass in der Großen Koalition in Berlin der verbliebene Reform-Elan gänzlich erlahmt”, was freilich Investoren davon abhalten könnte, in diesem “kryptokommunistischen” Land zu investieren. Mit seiner Einschätzung über die “Berliner Politik” hat Herr Börner wahrscheinlich sogar recht. Die SPD wäre auch sehr schlecht beraten, an der Schröderchen Ungerechtigkeitsagenda weiter zu arbeiten, um die LINKE zu unterstützen, Schwarz/Gelb 2009 an die Macht zu bringen und sich selbst zu schädigen. Natürlich wäre dies Herrn Börner sehr recht, daher spricht der auch mit Fug und Recht von seinen “Befürchtungen”.
Die Mindestlohndebatte, die die SPD von der LINKEn gekapert hat, hat es den Lobbyisten besonders angetan. Thumann warnt davor, “nun die Debatte über einen Mindestlohn zu forcieren. Das schwäche den Standort Deutschland, koste Wachstum und Arbeitsplätze.” Amen! Natürlich ist dem nicht so und fast die gesamte EU lebt mit einem Mindestlohnmodell, ohne dass zigarrerauchende Rebellen die bürgerlichen Regierungen weggeputscht hätten. Der Mindestlohn hat beim deutschen Wähler die überwältigende Mehrheit, was noch nicht einmal das Hausblatt der Lobbyisten mit den vier Buchstaben verhindern konnte, obgleich man sich “redlich” Mühe gegeben hat. Das Volk ist allerdings geistig nicht in der Lage, der Logik der Lobbyisten folgen zu können - so lässt es sich zumindest zwischen den Zeilen lesen. Börner stellt messerscharf fest, dass es sich “einmal mehr zeige [], dass die Wähler sich mindestens genauso schwer täten wie die Politik, ökonomische Gesetze zu akzeptieren”. Da möchte man ihm doch am liebsten entgegenhalten, dass es sich umgekehrt auch zeige, wie schwer sich Lobbyisten wie Börner und Thumann damit tun, zu akzeptieren, dass Deutschland laut Verfassung eine Demokratie ist, in der das Volk oberster Souverän ist und nicht die Wirtschaft - und das ökonomische Gesetze hinter der Verfassung zurückstehen.
Börner wäre nicht Börner, wenn er es nicht verstehen würde, sich selbst durch Kaspereien komplett lächerlich zu machen. “Leidtragende seien wie immer die Schwächsten der Gesellschaft, Rentner, Arbeitslose und Geringverdiener”, so Börner; und damit meint er nicht die Ergebnisse seiner Lobbypolitik, sondern vollen Ernstes die Ergebnisse einer Politik, die er “links” einordnet. Eine Chuzpe hat dieser Mann - es ist unglaublich.
Lesetipps: Das es auch noch Ökonomen gibt, die gänzlich anderer Meinung sind, beweist einmal mehr Rudolf Hickel, der der Netzeitung angenehm unaufgeregte Antworten gibt.
Wie gering die Auswirkungen der deutschen Wirtschaftspolitik auf die Konjunktur sind, beschreibt FTD-Chefökonom Thomas Fricke in seiner Kolumne in der Financial Times.
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Hat er wirklich kryptokommunistisch gesagt?
@Peter
nein
Hm, der Linksruck setzt sich fort und damit geht die Wirtschaft den Bach runter… Ja nun, Ursache und Wirkung sind manchmal komplizierte Sachen. Wenn ihm aufgefallen wäre dass die meisten Leute lieber sich selbst das Haus finanzieren als ihrem Vorstandsvorsitzenden das fünfte, hätte er ersteres ja schon mal vermeiden können… Die weiteren Punkte sind dann ja im Text dargestellt. ^^
es gibt in Deutschland keinen Linksruck - eher sind das die Anfänge einer allgemeinen Absetzbewegung, tendenziell in Panik ausbrechend, in welcher Richtung auch immer, weg vom Vernichtungswerk des ökonomischen Fundamentalismus
okay ich gehe jetzt schlafen
Natürlich gibt es in Deutschland keinen Linksruck. Aber man muss für die nächsten Bundestagswahlen die Geschütze schon mal in Stellung bringen.
Die BILD hat im “Volk” immer weniger Leser (http://www.bildblog.de/auflage.php), aber unter den Journalisten und Politikern erreicht sie eben fast 100%.
Wenn also die BILD jetzt schreibt der Kommunismus kommt und bringt uns alle um, dann schreiben das auch die WELT und der SPIEGEL.
Die Herren Pofalla, Kauder und Bosbach sagen es in jede Kamera, SUEDDEUTSCHE und ZEIT fangen an sich zu fragen, “könnte da was dran sein”….
Spätestens Anfang 2009 wird Guido Westerwelle sowas fordern wie “Der Kommunismus darf niemals siegen!”. Und zu diesem Zeitpunkt wird mindestens jeder zweite Bürger (von Hartz IV bis zum leitenden Angestellten) glauben, SPD, Grüne und LINKE wollen ihn direkt nach Sibirien ins Arbeitslager schicken.
Dann klappt’s endlich mit der Merkel/Westerwelle-Regierung.
In den USA versuchen die ersten “Spin”ner schon Hillary Clintons Krankenversicherungspläne in eine Linie mit Hitler und Stalin zu bringen. Das ist völlig bescheuert, aber steter Tropfen höhlt den Stein.
Der ist einfach so klasse ;-) bild.t-onl...“>ungewöhnlichste#
Fehlt noch die ‘Welt’ im Konzert:
“Mehr Zeitarbeiter und über Hartz mitfinanzierte Niedriglohn-Jobs: Das Lohngefüge Deutschlands ist ins Rutschen gekommen. Das ist gut so: Mehr Menschen haben wieder Arbeit. Doch die Linke untergräbt diesen Erfolg. Ihre Proteste gegen Nokia, Postdienste und BMW richten sich gegen die Schwächsten.”
welt.de/me...
Gute Nacht! ;-)
@Armin 5
Das ist doch Satire? Bitte lass das Satire sein - das kann doch nicht sein, dass jemand die intellektuellen Fähigkeiten entwickelt hat, um lesen zu können und dann so einen Stuss glaubt?
Ich musste die ganze Zeit an John Wayne in Shisum denken - und das in Verbindung mit KOCH! WÜRG!
@ Peinhart
Das Beste ist doch, das selbst die Leser von Welt-Online den Schmuh nicht glauben, den “die Welt” da verzapft ^^
Und, klar, der Spiegel darf auch nicht fehlen:
“Deutschland in der Sozial-Falle
Mindestlohn-Streit, Nokia-Eklat, Protest gegen hohe Managergehälter: Die Deutschen handeln, als sei die Globalisierung nur ein böser Traum. Volk und Politiker sind vereint im Umverteilungsrausch - das bittere Ende ist gewiss.”
spiegel.de...
Kein Wort natürlich darüber, wer wie und wann die Mobilität des Kapitals erst ermöglicht und die Finanzmärkte dereguliert hat; auch vor offensichtlichem Widerspruch graust dem Herrn Kaden nicht - erst lobt er die ‘Lohnzurückhaltung’ der vergangenen Jahre, dann zitiert er den Nokia-Chef, die ‘Arbeitskosten’ seien in eben diesen vergangenen Jahren um 20%(!) gestiegen. Aber der Artikel lässt sich auch recht gut ‘gegen den Strich’ lesen: ja, wir sind Abhängige des Kapitals und der Entscheidungen einiger weniger, demokratische Politik kann nur noch den Mangel verwalten, sogar das Prinzip der Ausbeutung wird unverblümt bestätigt, allem Leistungsgeschwafel zum Trotz. Kann es da im ‘gesamtgesellschaftlichen Interesse’ liegen, immer weiter Kapital zu akkumulieren und es nur noch mehr zu stärken? Vielleicht hilft ein Blick auf den kurzzeitigen ’shooting star’ Slowenien - die Preise inzwischen fast auf Westniveau, die Löhne nahezu unverändert, und dennoch ist die ‘Karawane’ längst weitergezogen. Zurück bleibt ‘verbrannte Erde’. Vielen Dank für die Empfehlung, Herr Kaden.
Ach, vom Spiegel war nichts anderes zu erwarten. Ermutigend ist allerdings, genau wie beim Welt-Artikel, das ein guter Teil der Leser-Kommentatoren dem Autor schlicht nicht glaubt.
Vor allem wieder einmal das Gejammere über den Standort Deutschland. Und das obwohl Deutschland wieder Exportweltmeister ist.
Man beschwert sich also darüber, dass “wir” nur auf dem Niveau der Kreisklasse spielen, obwohl “wir” gleichzeitig Weltmeiser geworden sind.
Seltsam. Das würd bedeuten, das der Rest entweder noch schlechter spielt als “wir”, oder das der Autor gelogen hat. Ich tendiere eher zu letzterem.
Jetzt versteh ich den Kladen. Es geht gar nicht um Gerechtigkeit:
“Es darf nicht sein, dass eine Friseurin in Sachsen nur 4,50 Euro in der Stunde verdient.
Darf es vielleicht auch nicht, entspricht nicht dem Gerechtigkeitsgefühl vieler in diesem Lande. Doch das Wünschbare ist das Eine, ökonomische Vernunft und Realität sind das Andere. Und wir sind derzeit munter dabei, Meisterwerke der wirtschaftlichen Unvernunft zu bauen.”
Und ich dachte wir hätten eine Demokratie !?
“So lebt er nun in den Tag hinein und überläßt sich den Wünschen, der ihn befallen, bald trunken, von Flöten bezaubert, bald nüchtern bei Wasser und mager geworden, bald übt er Gymnastik, bald lungert er träge und sorgt sich um nichts, bald will er - so scheint es - gar philosophieren! Oft treibt er Politik, springt auf, hält Reden, oder tutvirgendetwas - wie es ihm gefällt! Er stürzt sich in den Kampf, wenn irgendwelche Krieger , und ins Geschäft, wenn irgendwelche Händler seinen Ehrgeiz wecken. Kein ordnender Zwang waltet über sein Leben, doch süß nennt er und frei es und selig - und genießt es zur Neige.”
@ANON: Du dachtest, wir hätten eine Demokratie - LOL :) ;] …
@SWA: Zustimm’ !
@RALF: Wer ist “ER” ? …der vorletzte Satz ist ein bißchen “falsch”.
Es gibt doch schon viele Umfragen, wo von der Mehrheit ein Mindestlohn gefordert wird. Deutschland hat wohl ein Problem mit der Wirtschaft - mit der Binnenwirtschaft. Wo nix reinkommt, kann auch nix konsumiert werden. Und das wird praktisch mit der Forderung, daß KEIN Mindestlohn eingeführt wird, auch noch “schlimmer”. Garantiert kommen in der Zukunft irgendwelche Experten daher, die meinen, daß man ja sparen etc. müßte…
Passend dazu: Wollte mir heute morgen in einem größeren Getränkemarkt Saft kaufen. Leider hatte ich nur einen Euro dabei und so suchte und suchte ich. Es gab keinen Saft für einen €uro. Der “Preiswerteste” war im Angebot bei 1.11 (sonst 1.59). “Damals” (vor ~8 Jahren) gab’s praktisch keinen Saft für über 2.22 DM zu kaufen. Und wenn, dann war es dieser “Hitchcock”. Möchte mal wissen, wo das Geld landet?! Glaube wirklich (wie von Jens im Artikel angedeutet), daß es in den Nasen dieser jungen (Neo-) Liberalen zersetzt wird…
… gekauft habe ich mir übrigens O-Brause für “billige” 80 Cent …
“Es gibt doch schon viele Umfragen, wo von der Mehrheit ein Mindestlohn gefordert wird.”
Ja, aber was ist denn das für ein Laden, in dem so eine Forderung überhaupt aufkommen kann? Da wird ja die Analyse des ollen Marx noch dadurch ‘untertroffen’, dass die Löhne nicht mal mehr zur Reproduktion der Arbeitskraft wirklich reichen. Das ist doch selbst bei Einführung desselben die totale Bankrotterklärung einer angeblich ’sozialen’ Marktwirtschaft. Und gerade das Argument, man brauche das doch, damit eben die Geschäfte, die uns diese Situation eingebrockt haben, schön weiterlaufen könnten, würde ich da eher nicht verwenden…
@ 8 schwitzig:
Ich finde das groß! Noch besser hat mir dann aber dann “der Irre von Seite zwei” gefallen.
Dieses verquere Weltbild muss einfach bewundert werden. (Ich bin als Kulturwissenschaftler ja auch ein großer Fan von Kochs “Leitkultur” - hihi!)
@ 15 Peinhart:
Die “Zu reproduzierenden” werden wir zunächst einmal durch Zuwanderung ersetzen (aus irgendeinem Land mit halbwegs anständiger Ausbildung und noch niedrigeren Löhnen - Bangladesh?). Bei diesem ständigen “go east” müssen wir dann ja schließlich irgendwann wieder bei uns ankommen (die Erde ist halt rund). Nur wie hält man bis dahin das Prekariat ruhig? Wie generiert man Nachfrage ohne Kaufkraft? Und wie sollen die jetzt “Minderqualifizierten” hier in zehn Jahren noch Autos und Computer zusammen schrauben?
Man sollte den Wirtschaftsweisen irgendwann mal mitteilen dass die Menge der post-sozialistischen Länder (gute Ausbildung bei gleichweitiger Armut) eben immer kleiner wird.
@ Kommentar, das ist eins zu eins zitiert aus Platons “Der Staat”.
Klar ist die Mehrheit dafür, Mindestlohn zu zahlen solange Sie die Mehrkosten nicht tragen muss. Die Mehrheit ist auch für Steuerabschaffungen und dreieinhalb-Tage-Woche, das macht Forderungen nicht ein bisschen haltbarer. Mehrheiten legitimieren zwar Regierungen aber haben objektiv keinen Einfluss auf das pro oder contra einer Entscheidung, das ist die crux einer Demokratie.
“Klar ist die Mehrheit dafür, Mindestlohn zu zahlen solange Sie die Mehrkosten nicht tragen muss.”
Dass eine Minderheit dafür ist, dass die Mehrheit unzureichende Löhne aus ihrem Steuertopf aufstocken soll, macht diese Forderung aber auch nicht richtiger.
“Mehrheiten legitimieren zwar Regierungen aber haben objektiv keinen Einfluss auf das pro oder contra einer Entscheidung, das ist die crux einer Demokratie.”
Die Crux einer ‘echten’ Demokratie ist, das zur Freiheit notwendig auch die Freiheit zum Irrtum gehört.
“Die Mehrheit ist auch für Steuerabschaffungen und dreieinhalb-Tage-Woche, das macht Forderungen nicht ein bisschen haltbarer.”
Das liesse sich sogar machen - aber eben nicht in diesem System.
“Klar ist die Mehrheit dafür, Mindestlohn zu zahlen solange Sie die Mehrkosten nicht tragen muss.”
“Wenn in Deutschland 10 % der Bevölkerung fast 60 % der Einkommen beziehen - in den meisten anderen Ländern ist es zwar etwas weniger, aber immer noch sehr viel …. ”
jjahnke.ne...
es geht auch gar nicht um Mehrkosten. Es liegt hier eindeutig ein gewaltiges Verteilungsproblem. Das gesellschaftlich erzielte Einkommen wird immer ungleicher verteilt. Es ginge lediglich darum, die Entwicklung umzukehren, do dass der individuelle Anteil daran mindestens so groß ist, dass der einer Gesellschaft gemäße soziokulturelle Standard gewährleistet wird.
@RALF: Thx & Peinhart hat schon meine Antwort gegeben ;) …
@SALVO: Ja! (… und Jahnke’s Statistik-Website ist echt gut!)
@PEINHART: Wieso sollte ein Mindestlohn von 7.50 €uro (das ist im europäischen Vergleich schon ziemlich wenig und reicht bei vorhandener Familie immer noch nicht zur Existenz aus) schädlich für die Wirtschaft / dem Staat oder dem Volk sein? Aus der Sicht der Wirtschaftswissenschaftler spricht nix gegen einen Mindestlohn. Aus der Sicht des Volkes auch nicht. Nur die Herren Politiker & Arbeitgeber streuben sich noch (die scheinen viele Friseursalons im Osten zu besitzen :). Bei den meisten Betrieben (z.B. DeutscheBahn) ist der Anteil der Löhne so gering, daß sich eine Erhöhung so “stark” auswirken würde, wie eine MWST-Erhöhung von unter 1%. “Wir” leben doch eher in einer globalen Wirtschaftsdiktatur mit dem Stempel “SozialeMarktwirtschaft” (der Mensch ist das, was ihm die Wirtschaft diktiert bzw. vorsetzt).
Wieso wird eigentlich immer über mehr Arbeitszeit geredet anstatt die Arbeit, welche vorhanden ist, gerecht zu verteilen. Dann bräuchten unsere “Herrschaften” auch nicht immer Arbeitslosen-Statistik-Tricks betreiben. Sinnvoll wäre es, weil “ausgeschlafene” Arbeiter besser arbeiten und das soziale Gefüge (endlich mal) positiv verändert würde. Schon dort sollte m.E. die sog. soziale Marktwirtschaft anfangen und sogar in diesem System wäre es möglich.
PS: Sollte übrigens für 6 €uro auf Minijobbasis arbeiten… natürlich am Wochenende und in der Nachtschicht von 22 Uhr bis 6 Uhr. Das habe ich aus guten Gründen abgelehnt. Bin ich jetzt ein “Sozialschmarotzer” ???
@Kommentar: “Wieso sollte ein Mindestlohn von 7.50 €uro (das ist im europäischen Vergleich schon ziemlich wenig und reicht bei vorhandener Familie immer noch nicht zur Existenz aus) schädlich für die Wirtschaft / dem Staat oder dem Volk sein?”
Das habe ich nicht behauptet, eher im Gegenteil, aber ich finde diese Forderung unzureichend. Und hatte deshalb davon abgeraten, ausgerechnet das Argument zu benutzen, es würde eben der Wirtschaft nützen, die sich selbst längst als immer schädlicher für uns, bzw die Mehrheit von uns, herausgestellt hat. Diese Wirtschaft hat längst begonnen, ihre eigenen Grundlagen und vor allem die menschlichen Lebens und Zusammenlebens zu untergraben. Und áuch wenn man diese Forderung jetzt unterstützt, dann doch wohl ganz einfach schon aus dem Grund, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes einfach das Mindeste ist was man fordern muss.
@salvo: “Es liegt hier eindeutig ein gewaltiges Verteilungsproblem.”
Das sich aber bei näherer Betrachtung ganz schnell als ein Machtproblem entpuppt. Und zwar eins, das sich letztlich selbst ansatzweise nur lösen lassen wird, wenn man das globale Kapital mindestens an die Kandare nimmt, wenn schon nicht ‘abschafft’. Alles andere mag zwar hier und da ein bisschen Erleichterung, die aber wohl auch nur als Aufschub, bringen.
Das Problem heutzutage ist ja, dass man innenpolitisch keine arbeitnehmerfreundliche Politik mehr ernsthaft durchsetzen kann, ohne globalökonomisch abgestraft zu werden. Realpolitik beschränkt sich da sozial nur noch auf Hartz-VI-Almosen und die Mindestlöhne in Europa und anderswo sind sehr klein. Das wird am Problem nicht viel ändern, wenn man sich dem annähert. Auch Hartz 4 dürfte auf Dauer dem Wettbewerb zum Opfer fallen. Es muss ja auch irgendwer zahlen und dann wird es Elend und Hunger geben, ist meine Prognose für 2020.
Bei den Billiglohnländern in Fernost und anderswo stellt sich mir automatisch die Frage: warum sind da keine Zölle, Steuern oder gar Sozialabgaben drauf (wie immer man das auch nennen will)?
Deutschland kann auf Dauer eh nie mit Ländern konkurrieren, für die Sozialabgaben ein Fremdwort ist und in denen Manchester-Kapitalismus herrscht, also sollten auf Importwaren diese Abgaben anfallen, alleine um die eigene Wirtschaft zu schützen. Wer dem entgehen will, darf gerne hier die Endfertigung einführen und eine Freihandelszone darf es auch geben.
Aber es lag doch völlig auf der Hand, was aus einer EU in den Maßen und aus der Quasi-Abschaffung der Zölle resultieren wird. Das konnte man sich Anfang der 90er schon sehr objektiv ausmalen, was jetzt passiert und dass diese globale Markt-Öffnung nur einem nützt: dem Kapital. Ich dachte zu der Zeit, es wird viel schlimmer, aber das kommt noch.
Wenn ich sehe, dass Deutschland trotz des starken Euros Exportweltmeister geworden ist, dann dürfte selbst eine Retourkutsche im Ausland einer Einführung/Erhöhung von Zöllen weniger schaden als uns nützen. Wenn Nokia & Co. keine Löhne hier zahlen wollen, dann sollte das Geld auf die Handys drauf. So einfach ist das.
@Anindo
die ‘Globalisierung’, von der du sprichst, ist weder gottgegeben noch handelt es sich um eine Naturgewalt, gegen die Menschen nichts anrichten könnten. Es gilt nicht die Allgemeingültigkeit des TINA-Prinzips, auch wenn die, in deren Interesse es liegt, dass sich an den gegebenen Verhältnissen nichts ändert, es behaupten. Die ‘Globalisierung’ ist das Ergebnis politischen Handelns, also kann sie, sofern gewollt, auch im Sinne einer sozialen und umweltschonenden ökonomischen Ordnung gesteuert werden.
“Deutschland kann auf Dauer eh nie mit Ländern konkurrieren, für die Sozialabgaben ein Fremdwort ist und in denen Manchester-Kapitalismus herrscht, also sollten auf Importwaren diese Abgaben anfallen, alleine um die eigene Wirtschaft zu schützen.”
diese Konkurrenz um die niedrigsten sozialen Standards ist aber nicht unbedingt auf nationale Entscheidungsprozesse zurückzuführen, sondern auf den gewaltigen Druck, den die kapitalistischen Zentren (gerade Deutschland) über globale Institutionen (IWF, WTO usw) auf andere Länder ausüben im Namen einer Doktrin des Freihandels, die in erster Linie nur für die anderen gilt (siehe Chomsky). Ein gewolltes Ergebnis dieses Druckes, die eigenen nationalen Volkswirtschaften den globalen Märkten zu öffnen, ist natürlich auch, dass die sozialen Standards der kapitalistischen Zentren auch unter Druck geraten. Das ist aber gewollt: Unter Druck geraten Löhne, Renten, andere soziale Sicherungssysteme und die anderen zivilisatorischen Errungenschaft, die die Erwerbsarbeitsabhängigen Macht abgetrotzt haben oder historisch gewachsen sind.
Deregulierung und Privatisierung sind die wirksamsten Waffen (zusammen mit den militärischen), um die Interessen dieser Eliten durchzusetzen
siehe dazu auch das Interview mit Kuttner, in der er die Deregulierung seit Carter für die aktuelle umfassendeste ökonom. Krise verantwortlich macht. Und sie war und ist politisch gewollt.
“And I think the place to start is to recognize why this recession is different from all other recessions. This began and is continuing with a collapse in credit markets, and the collapse in credit markets is, in turn, the result of deregulation gone nuts.”
democracyn...
@Peinhart
d’accord
apropos democracy now
aktuelles Thema ist das sogenannte (u.a. von der hiesigen Wirtschaftspresse gelobte) Konjunkturprogramm, mit dem nach den Kritikern allen geholfen wird, nur denen nicht, die Hilfe am Dringensten brauchen.
democracyn...
@Anindo
Das wird auch wieder kommen, anfangen werden die USA und die EU wird nachziehen. Meine Prognose für das Jahr 2020 ;-)
@Spiegelfechter
Ich habe das ja auch geschrieben, damit das Nachdenken schon vorher eintritt. Die politische Linke mag Wählerstimmen fangen, aber es gibt keinerlei Konzept, keinen Masterplan, im Gegenteil. Damit kann man nur verlieren.
Höhere Sozialabgaben auf Kosten der Arbeitnehmer sind in der gegenwärtigen Wirtschaftslage leider auch Gift und linke Konzepte können nie zum Erfolg führen, so lange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestehen bleiben. Da haben die “Wirtschaftweisen” leider recht. Wer eine gerechtere Gesellschaft will, muss sich gegen die ungerechten erst einmal abschotten und wer hier Geld machen will, sollte Sozialabgaben leisten, ob mit oder ohne Löhne. Wo ist das Problem? Die wollen ihr Zeug hier verkaufen und (noch) nicht in China, Ostblock & Co. Selbst mit 10€ Abgabe auf (Nokia-)Handys kriegt man viel mehr als 2300 Arbeitnehmer finanziert und einige Unternehmen würden sich hier wieder ansiedeln, um diese Abgabe einzusparen. Wenn es andere Länder ähnlich machen, sollen sie doch. Wer bei dem Eurokurs noch viel Exportaufkommen hat, kommt auch mit 10€ mehr klar.
@24
das liest sich alles nach dem propagandistischen China-Bashing à la spiegel an
so einfach ist es aber leider nicht. Die chinesische Regierung hat beispielsweise im letzten Jahr eine umfassende Gesetzesinitative geplant, um gerade die Situatuion der Lohnabhängigen zu verbessern, besonders das Arbeitsrecht sollte so angepaßt werden, dass diese Menschen einen besseren - nicht im Sinne marktradikaler Reformen wie sie sie Massenmedien und Lobbyisten des Kapitals hier dauernd verkünden. Die Investoren, die Konzerne, die in China engagiert sind, haben aber samt ihrer Lobbyorganisationen dermaßigen Druck auf die chinesische Regierung ausgeübt und damit gedroht, sich zurückzuziehen, dass diese eingeknickt und ihr Vorhaben weitgehend den Wünschen des Kapitals angepaßt hat.
“Natürlich gibt es in China Gesetze. Auf dem Papier hat das Land ein gutes Arbeitsrecht, gültig seit dem Jahr 1994. So gilt beispielsweise das Prinzip, dass jeder, der eine Arbeit verrichtet, auch einen Arbeitsvertrag und folglich bestimmte Rechte bekommen muss. Der Begriff des Arbeitnehmers ist damit breit definiert, erklärt Univ.-Prof. Dr. Bernd Waas, der an der FernUniversität Arbeitsrecht lehrt.
Und es besteht Hoffnung, dass das chinesische Arbeitsgesetzbuch in Zukunft durchgängiger befolgt wird. Denn derzeit wird es überarbeitet: Man will die Anpassung an die Marktwirtschaft schaffen. Ziel ist es aber, soziale Schutzrechte dabei zu erhalten und sie auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen, erläutert Waas. Das Arbeitsrecht soll die Auswüchse des Kapitalismus sozial abfedern”
uni-protok...
siehe die Reaktionen der US Wirtschaftslobby auf die bereits in ihrem Sinne entschärfte Fassung des Gesetzes
ft.com/cms...
„Namhafte Unternehmen der IT-Branche wie Apple, Siemens, HP, IBM etc. verleihen ihrem Auftritt auf der Bühne des Weltmarkts gerne die höheren Weihen sozialer Verantwortung, indem sie sich Verhaltens- oder Ethik-Kodices zulegen oder unter dem Titel »Social Sponsoring« z.B. Computerarbeitsplätze für Schulen finanzieren, natürlich mit den jeweils eigenen Marken ausgestattet. Moral hebt Gemüt und Geschäft – sofern die Regeln selbst gesetzt werden können und möglichst unverbindlich bleiben. Und insofern widerspricht es dieser Praxis auch nicht, wenn eben dieselben namhaften Unternehmen, darunter auch die in der Europäischen Handelskammer in China vertretenen, mit einem Rückzug ihres »Engagements« in China drohen, falls es zu einer Verabschiedung des neuen chinesischen Arbeitsgesetzes kommen sollte. Schwach genug und jenseits selbst minimaler Standards, wie sie die ILO-Konventionen darstellen, formuliert, würde die für Ende 2006 angekündigte Reform des Arbeitsrechts dennoch eine deutliche Verbesserung für die Lohnabhängigen gegenüber dem seit 1995 geltenden Gesetzeswerk bedeuten. Das ist zu viel für die Fortschrittsmotoren des zivilisierten Westens…“
labournet....
siehe auch die Artikelserie zu China
labournet....
Das würde implizieren, dass ökonomische Gesetze wie auch die Verfassung menschengemacht sind. Interessante Idee. Gespannt bin ich dann auf die kapitalismuskorrigierende Abschaffung von Knappheit, Transaktionskosten, Marginalkalkül und Opportunismus. Nur so als Beispiel.
@Marcus
Sehr guter Einwand - ich habe das idT “flapsig” formuliert. Natürlich meinte ich, dass die Fokussierung auf ökonomische Sachverhalte nicht gegen verfassungsrechtliche Grundsätze, wie z.B das Sozialstaatspostulat, verstoßen darf.
@ Marcus
Ökonomische Gesetze und die Verfassung SIND de facto von Menschen gemacht. Es sind beides keine Naturgesetze. Auch wenn ich dir in Punkto “Knappheit, Transportkosten etc.” recht gebe, wird die Grundidee des Kapitalismus, von mir aus auch der freien(bzw. sozialen) Marktwirtschaft, nämlich die Verteilung der knappen Güter doch garnicht mehr verwirklicht.
@Spiegelfechter
D’accord. Was nur allzu leicht in der Debatte übersehen wird, ist, dass gerade ökonomische Gesetze regelmäßig zu Ergebnissen führen, die man leicht bei Zurkenntnisnahme derselben zumindest hätte erahnen können. Klartext: Wer einem (profitorientierten) Unternehmen (z.B.: Nokia) Subventionen (=Geschenke) mit der Auflage einer endlichen(!) Bindungsfrist zukommen lässt, muss damit rechnen, dass die Karawane nach Ablauf dieser Frist zur nächsten Steuer-/Subventionsoase weiterzieht (=Opportunismus).
@SwA
Ökonomische Gesetze (man sollte besser sagen: Prinzipien) sind sehr wohl mit Naturgesetzen gleichzusetzen. Egal was der Mensch tut - er handelt in Alternativen (=der berühmte Euro, den man nur einmal ausgeben kann.). Und: Egal, ob er das will oder nicht: durch Handeln entstehen Kosten (=der entgangene Nutzen der nichtgewählten Alternative). Drittens, und vielleicht am wichtigsten, Menschen reagieren auf Anreize (=sie passen sich an).
Damit lässt sich der Charakter der ökonomischen “Gesetze” als eben nicht-menschengemacht recht schön verdeutlichen. Eher liegen sie im menschlichen Wesen einerseits (Überlebensdrang, Faulheit, etc.) bzw. in der Natur der Ding (endliche Ressourcen) begründet.
@29 Marcus
Da bin ich doch ganz Deiner Meinung - von einem Wirtschaftssubjekt Moral zu verlangen, ist sinnlos und man regt man sich nur künstlich auf, wenn man dies fordert. Aufgabe des Wirtschaftssubjektes ist es, wirtschaftliche Prozesse so zu gestallten, dass der wirtschaftliche Vorteil maximiert wird.
Die Aufgabe der Politik ist es daher auch nicht, der Wirtschaft ins Gewissen zu reden (und zu hoffen, dass dabei etwas “rüberkommt”), sondern Regeln aufzustellen, anhand derer moralisches Fehlverhalten möglichst verhindert wird. Wenn man anstatt der Moral nationale Interessen nimmt, so wird es natürlich noch schwieriger. Nur zu denken, Nokia könnte irgendetwas mit deutschen Interessen am Hut haben, ist grundnaiv.
@markus
Das mit dem “mensch sein an sich” üben wir noch einmal, bevor wir sozialdarwinistische Pharsen dreschen. Dazu müssest Du dich aber mal ernsthaft mit Geschichte und dem Zusammenleben von Menschen unter ganz konkreten ökonomischen Bedingungen befassen.
Die Gleichsetzung von Mensch und Kapitalismus als natürliche Einheit und vorgegebenem biologischen Ist- und Dauerzustand und die Pharse vom Kampf aller gegen Alle ist pure ahistorische Propaganda von denen, die in der Arbeitskraft der Anderen baden und denen es um die Erhaltung des Kapitalismus geht.
Mit einer historischen Wahrheit hat das alles aber nichts zu tun.
@32 name:
(Ich denke mal, Du meinst mich :o)
Ich weiß nicht so recht, welche “Pharsen” (Phrasen?) Du meinst. Dass mein Menschenbild recht stark von der Empirie geprägt ist (von Kreuzzügen bis Kolonialisierung, von “Geiz ist geil” bis “Benzinwut”) wirst Du kaum als “Sozialdarwinismus” abqualifizieren wollen.
Es geht in der hier angestoßenen Diskussion auch nicht um “historische Wahrheiten” (wer kann die schon für sich in Anspruch nehmen) als vielmehr um beobachtbare und erklärbare wirtschaftliche Phänomene. Nicht um den Erhalt des Kapitalismus geht es, sondern um die Analyse desselben.
Für die Gültigkeit ökonomischer Gesetze samt des darin zum Ausdruck kommenden Menschenbildes spricht im übrigen auch das Beispiel des weltweit gescheiterten Sozialismus. Das Bauen auf benevolente und altruistische Individuen führte letztlich zur Korruption des ganzen Systems - weil eben letztlich doch jeder nahm, was er bekommen konnte.
@Markus
Ja, ich meinte “Dich” und “Sie”, aber Pharsen ist genau das, was du eben drischt:
keine Analyse schon gar nicht aus der mit einem Millonenaufwand betriebenen Werbekampage (alles freiwillig oder was ?) “Geiz ist geil” Propaganda, die unter ganz gezielten ökonomischen Bedingungen standfand, die, wenn du wirklich eine Analyse des Metrokonzerns ernsthaft in Erwägung gezogen hättest, mehr Erkenntnisse über die Expansion des Konzerns unter den Bedingungen einer Verarmungsstrategie standfand. Hier wurde im Stile eines Barneys und Hearst(wenn dir das überhaupt etwas sagen sollte) gezielt, wie bei Springer der Mensch kreativ geformt und deren niedrigen Instikte bedient: über das TV, über Plakatwände und Zeitungsbeilagen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das müsste Dir selbst bei einer ganz oberflächlichen Betrachtung aufgefallen sein.
Das die Kampage des Metrokonzerns sein dialektisches Ende gefunden hat und in abgewandelter Form wieder neu aufgetaucht ist, hat welche genaue ökonomische Ursache, Markus ?
Die Frage ist, wer hier wie mit welchem Aufwand was genau erzielen wollte?
“Für die Gültigkeit ökonomischer Gesetze samt des darin zum Ausdruck kommenden Menschenbildes spricht im übrigen auch das Beispiel des weltweit gescheiterten Sozialismus. Das Bauen auf benevolente und altruistische Individuen führte letztlich zur Korruption des ganzen Systems - weil eben letztlich doch jeder nahm, was er bekommen konnte.” >>
großer großer Unsinn, was Du hier leider von dir gibst, ohne auch nur die cocom Listen in Ansätzen zu erwähnen de.wikiped... , ohne überhaupt über innere und äußere Faktoren (und dazu bedarf es Wissen, historisches Wissen Markus und keine Phrasen) des Zerfalls Ansätze zu bringen. Vom Todrüsten unter Reagan, die Bezahlung der Kriegsreparationen (Wer hat was unter welchen Bedingungen bezahlt, wieder aufgebaut und wer konnte im kapitalistischen Westen die Überproduktion des Marschallplanes nutzen ) bis zur Ölkrise aus den 70 Jahren, nichts von bei permanten Kriegsdrohung gegen den Sozialismus und genadenlosen politischen und ökonomischen Ausbeutunger der dritten Welt, auf deren Reichtum diese erste kapitalitische Welt beruht.
Die sozialistischen Staaten konnten politisch und ökonomisch diese nämlich nicht ausbeuten, was für die westlichen Staaten völlig normal war. Dieses ökonomische Ungleichgewicht bei permantenter atomarer und tatsächlicher Kriegsdrohnung (daher gab es kaum etwas zu kaufen (Mangelwirtschaft), weil der größte Teil der finanziellen Resourcen der sozialistischen Staaten ins Militär flossen sind ) de.wikiped... ) ist die eigentliche Ursache für den Zerfall des sozialistischen Staatengebildes und keine irgendwie gearteten “ökonomischen Gesetze”, womit du sicher nur die niedrigen Instikte meist, die Dir Springer mit einem Millionenaufwand täglich ins Gesicht ballert.
Tut mir leid Marus, aber das, was du hier von dir gibst, hat kein Gehalt: weder geschichtliches und ökonomisches, noch politisches Wissen.
@Spiegelfechter: “Aufgabe des Wirtschaftssubjektes ist es, wirtschaftliche Prozesse so zu gestallten, dass der wirtschaftliche Vorteil maximiert wird.”
Aber da ‘macht’ es auch einen großen Unterschied, wer ‘Vorteil’ wie definiert. Kooperierende ‘Wirtschaftssubjekte’, die sich in erster Linie für Gebrauchswerte interessieren, kommen vermutlich zu anderen Ergebnissen als konkurrierende, die sich in erster Linie an Tauschwerten orientieren und Jagd auf ‘Geld’ machen.
@Marcus: “Das Bauen auf benevolente und altruistische Individuen führte letztlich zur Korruption des ganzen Systems - weil eben letztlich doch jeder nahm, was er bekommen konnte.”
Es ist ein Irrtum zu glauben, die Idee des Sozialismus baue auf ‘Benevolenz und Altruismus’. Sie baut ganz im Gegenteil auch auf Egoismus, zunächst mal ganz simpel dem der Mehrheit, sich nicht mehr für eine Minderheit krummzulegen, sodann die ebenfalls egoistische Einsicht, dass man mit Kooperation erstens insgesamt mehr erreicht und dass zweitens ein Kampf aller gegen alle eben nur wieder ein paar der Skrupellosesten zum Vorteil auf Kosten des Rests verhilft. Oder: Solidarität ist der Egoismus des sich als gesellschaftliches Wesen begreifenden Menschen. Der ‘real existierende’ ist daran gescheitert, dass er die Ideen eben nicht oder in höchst unzureichender und im wahrsten Sinne ‘unbefriedigender’ Weise umgesetzt hat - sowie den Faktoren, die ‘name’ ganz richtig dargestellt hat.
Gemeint war natürlich Edward Bernays (Buchstaben drehen sich immer so schön = Barneys ;) )
de.wikiped...
@34 name
Sorry, aber da muss ich einmal “dazwischenfunken”. Leider geht das Menschenbild, das dem Sozialismus und dem Kommunismus zugrunde liegt idT von einem unrealistisch altruistischen und gleichförmigen Menschen aus. Vor Urzeiten, als der Mensch in kleinen Sippen lebte, mag er es wirklich eingesehen haben, dass das Schaffen eines Jeden für den Erfolg und das Weiterbestehen der Sippe notwendig ist und einjeder gleichwertig ist. Mit der Arbeitsteilung, die heutzutage extreme Formen angenommen hat, ist dieser “Urinstinkt”, so er denn je existierte, verloren gegangen. Aber machen wir uns nichts vor - auch damals war der Mensch nicht gleich - das fruchtbarste Weibchen ist mit dem stärksten oder einflussreichsten Männchen ins Bett gestiegen, um ihrem Nachwuchs die beste Überlebenschance zu bieten. Je stärker die Arbeitsteilung mit der Zivilisation fortgeschritten ist, desto komplexer wurde dieses Verhältnis. Egoismus ist normal - jeder Vater will, dass sein Kind es “besser” hat, als der Rest und als er selbst. Mit der Einführung des universalen Tauschmittels Geld wurde der Kapitalbesitz zum Garanten, der natürliche Präferenzen, wie gute Zähne, muskulöse Körper und einen “gesunden” Teint ergänzte. Natürliche Selektionsmerkmale sind weitesgehend genetisch bestimmt, der Besitz von Kapital, der auch Einfluss mit sich bringt, nicht (zumindest streng genommen nicht).
Daher ist es nur all zu menschlich, dass der Mensch “asozial” ist und für sich und seinen Nachwuchs Vorteile erzielen will. Wenn ich auf die hübsche Nachbarin stehe, aber kleiner und hässlischer als ihr “Versprochener” bin, so kann ich dies nur durch andere Boni ausgleichen. Wenn ich nicht schon nicht dafür sorgen kann, dass der Nachwuchs groß, stark und gesund wird, so kann ich durch Kapitalansammlung (aka Karriere) dafür sorgen, dass der Nachwuchs eine höhere Überlebenschance hat und dadurch in der Selektion der Partnerwahl aufsteigen.
So tickt der Mensch nun mal im Inneren - das kann man verurteilen aber nicht ändern. Daher hat der Mensch auch kein Interesse, seine Wahlmöglichkeiten auf die Natur zu begrenzen. Der Mensch will nicht gleich sein und ein System, dass ihm diese zusätzlichen Anreize nimmt, wird von ihm abgelehnt.
Natürlich ist diese Erklärung sehr grob und widerspricht einigen soziologischen Thesen, aber im Kern bestimmt der Höhlenbewohner immer noch unser Sein.
Aufgabe der Gesellschaft kann es mE nur sein, dafür zu sorgen, dass der egoistische Trieb zum Eigennutzen nicht über bestimmte Grenzen hinaus andere benachteiligt. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf und ohne Regeln herrscht der Krieg eines jeden gegen jeden - das schrieb einst Hobbes in seinem Leviathan - und daran hat sich nichts geändert, egal wie zivilisiert und kultiviert der Mensch sich fühlt.
p.s.: Wer mehr über Bernays erfahren will, dem sei die BBC-Dokumentation “The Century of the Self” empfohlen, die es in jedem besseren eMule zum Download gibt.
@35 Peinhard
Das kooperierende Wirtschaftssubjekt existiert in unserer Wirtschaftswelt aber eigentlich gar nicht und die Diskussion darüber lenkt eher vom eigentlichen Ziel ab. Ziel des Wolfes ist es Lämmer zu reißen, Ziel des Kapitals ist es, sich selbst zu vermehren und ein Angestellter der Kapitalseite hat streng genommen keinen sozialen Aufgaben, genau so wie der Wolf sich nicht darum kümmert, dass der Bestand der Lämmerherde sein weiteres Überleben sichert.
Man muß sich - und das ist mE sehr wichtig - über diese Grundregel im Klaren sein, um in diesem Wirtschaftssystem für eine möglichst große Gerechtigkeit zu sorgen. Man kann natürlich, wie Du es tust, gerechtere Rahmenbedingungen einfordern - ich bin Realist und glaube nicht daran, dass dies umsetzbar ist. Woran ich allerdings glaube, ist die Macht der Regeln, die man sich als Leitplanken vorstellen sollte. Innerhalb dieser Leitplanken kann das Wirtschaftssubjekt seinen egoistischen Trieben nachgehen - nur sollten die Leitplanken so gesteckt sein, dass das Handeln für die Gesellschaft auch von Vorteil ist.
Dem Wolf zu sagen, er solle junge Lämmer verschonen, da er ansonsten bald keine Beute mehr findet, da die Herde ausstirbt, ist hoffnungslos.
Abend Jens ;)
Du kannst immer dazwischen funken ;)
“Natürlich ist diese Erklärung sehr grob und widerspricht einigen soziologischen Thesen, aber im Kern bestimmt der Höhlenbewohner immer noch unser Sein. ”
Aber Definitiv stimmt diese deine Annahme nicht:
die biologischen Faktoren des Menschen, seine Instinkte, sind immer von den ganz konkreten tatsächlichen ökonomischen Bedingungen abhängig. Diese biologischen Faktoren unterliegen genau so, wie alles andere der Veränderung (indem der Mensch die Natur verändert ,verändert er sich und sein Verhalten selbst) , dazu zählt das Bild des Attraktiven überhaupt (Was gilt und galt wann wie als “attraktiv”), die Frage nach der Reproduktion überhaupt (diese Annahme, der Mensch müsse sich gentisch zwangsläufig reproduzieren ist nicht allgemein gültig und gilt auch nur, unter bestimmten ökonomischen Bedingungen: Stichwort Freiheit durch die Pille) und alle weiteren Faktoren des zwischen menschlichen Zusammenlebens.
Es gibt den Menschen “an sich” nämlich gar nicht: den Menschen, den wir heute mit einer Lebenserwartung von 90 Jahren (inklusive des heutigen Körperbaus: Brillen und Hüftgelenke on tour) in den westlichen Staaten erleben, ist ein völlig anderer Mensch unter völlig anderen Bedingungen, wie der vor 500 Jahren, mit völlig anderen Bedürfnissen.
In ganz extremen Außennahmesituationen, werden die Urinstinke, wie das Boot Überlebensbeispiel geweckt und selbst da, wirst du viele Fälle finden, die diese Instinke gar nicht mehr ausleben können.
PS: Ich kenne diese genetische Schule und Sichtweise, die sich einbildet, sie könnte aus den Genen irgendwas erlesen. Unter Medizinern ist sie ganz schick dabei, aber sie erklärt isoliert betrachtet nichts, weil sie einen freischwebenden Raum kreiert, der so nicht existiert, vieles weglässt und es nicht in Zusammenhänge setzt.
“Das kooperierende Wirtschaftssubjekt existiert in unserer Wirtschaftswelt aber eigentlich gar nicht und die Diskussion darüber lenkt eher vom eigentlichen Ziel ab.”
Sorry, aber natürlich gibt es das selbst ‘in unserer Wirtschaftswelt’ - kein Betrieb würde funktionieren, wenn dem nicht so wäre. Ebenfalls längst nachgewiesen ist die Rolle der Kooperation in der Evolution und auch der ‘Drang’ in Richtung ‘Gleichheit’, der sich zB auch in der Forderung nach ’sozialer Gerechtigkeit’ ausdrückt; auch ist empirisch nachgewiesen, dass der Mensch in ‘egalitäreren’ Gesellschaften ‘glücklicher’ ist. Der Mensch ist eben kein ‘asoziales’ Wesen, und die Eigenschaften, die du verneinst rufst du mit deiner Forderung nach den ‘Leitplanken zum Vorteil der Gesellschaft’ ja sogar sofort selbst wieder auf den Plan. Dass der Versuch, das ‘Wesen des Menschen’ aus Verhältnissen zu extrapolieren, die ihn seit Generationen zuverlässig gegeneinander hetzen, zum Scheitern verurteilt ist, muss ich wohl nicht extra betonen. Und dennoch gibt es die genannten Sehnsüchte und Bestrebungen trotz dieser starken Konditionierung immer noch.
“Dem Wolf zu sagen, er solle junge Lämmer verschonen, da er ansonsten bald keine Beute mehr findet, da die Herde ausstirbt, ist hoffnungslos.”
Dann wünsche ich angenehmen Untergang und muss mich doch stark wundern - gegen was schreibst du mit deinem Blog hier eigentlich an? Wenn der Mensch, das ‘vernunftbegabte Wesen’, nicht in der Lage ist zu erkennen, dass und wie er seine eigenen Lebensgrundlagen untergräbt - wozu das alles? Eigentlich müsstest du doch zB von den Herren Koch und Schäuble als würdigen Vertretern eines Hobbeschen Welt- und Menschenbildes ausgesprochen angetan sein.
@40 Peinhart:
Das ist, wenn ich den Scheff vom Blog richtig verstanden habe, das mission statement dieser Veranstaltung.
Und da muss man einfach (auch unter der Gefahr, sich dem Vorwurf des Anschleimens auszusetzen :) konzedieren, dass es dabei i.d.R. sehr sachlich zugeht.
Es wäre verfehlt, wenn hier versucht würde - wie von einigen Kryptomarxisten betrieben - die Evolutionsgeschichte umzudeuten oder gar umzuschreiben.
Verfehlt, weil diese Diskussion ideologisch vergiftet und methodologisch dem Prinzip des Zirkelschlusses verpflichtet ist.
Ich gehe sicher recht in der Annahme, dass es Jörg weniger um kapitalistische Illuminaten-Umtriebe als vielmehr alltagstaugliche Sozial-Hermeneutik geht.
“Wir alle” haben sicher genug damit zu tun - und stoßen dabei recht sicher schnell genug an unsere Grenzen - wenn wir nebenbei (ich gehe mal davon aus, dass die wenigsten fulltime&vollbezahlt ins Internet schreiben) mediale Konstrukte aufdecken oder wenigstens deren Bruchstellen erforschen.
@39 name:
Na, an Maslow kommt auch der “moderne” Mensch kaum vorbei: körperliche Bedürfnisse, das Bedürfnis nach Sicherheit und nach sozialen Beziehungen existieren wohl solange es Menschen gibt. Ganz zu schweigen von dem Streben nach sozialer Anerkennung und Selbstverwirklichung.
das Menschenbild, das mensch von seinem Menschsein hat, ist ein Produkt der jeweils historischen Verhältnissen - es macht sicher keinen Sinn, es zu verallgemeinern, aus dem Bild die Realität des Menschseins schlechthin zu machen und es auf alle Zeiten, Vergangenes, Gegnwärtiges und Zukünftiges zu projizieren. Sorry, aber das ist ebenso müßig wie der Versuch, den Kapitalkismus mit der Ökonomie selbst gleichzusetzen oder ihn gleich auf den Stand einer unveränderlichen außermenschlichen Naturgewalt zu erheben.
Man muss doch sehr auf das Bild fixiert sein, um die realen Lebensformen zu übersehen, die ihm widersprechen, und die selbst in unserer Determiniertheit weiterwirken, so sehr wir sie zu unterdrücken angehalten sind.
Dazu fällt mir Levinas’ Vernunft und sittlische Verantwortung ein:
Bei ihm ist von einem ‘Seienden’ die Rede, das kein mögliches Objekt einer Besitzergreifung ist. Levinas nennt solch ein Seiendes ‘Antlitz’. Das Antlitz entzieht sich meiner Macht. Infolge seiner Epiphanie verwandelt sich das sinnlich Wahrnehmbare an ihm in einen unerbittlichen Widerstand gegen jegliche Inbesitznahme, auch gegen die theoretische Erfassung.
für den Interessierten:
Jenseits von Sein und Zeit: Eine Einführung in Emmanuel Levinas’ Phiposophie
Stephan Strasser
books.goog...
@Peinhart
Natürlich ist die Welt nicht schwarz (Shareholdervalue) oder weiß (Stakeholdervalue) sondern grau. Das tut aber nichts zur Sache, wenn Du z.B. einem Entscheidungsgremium in einer AG zwei Alternativen vorlegst, von der die eine monetäre Nachteile, dafür moralische Vorteile bedeutet. Du kannst zwei mal raten, welche Entscheidung das Gremium trifft.
Ich gebe zu, auf dem Gebiet bin ich Laie. Aber der Drang in Richtung Gleichheit kann natürlich auch ein Überlebensvorteil sein und hat a apriori gar nichts mit “Gerechtigkeit” (eine menschliche Erfindung) zu tun.
QED? Da hätte ich doch gerne eine Literaturquelle. Außerdem heißt dies erst einmal gar nichts. Auch wenn “der Mensch” (als Kollektiv oder als Individuum?) in einer “egalitäreren” Gesellschaft (wo wurde das “empirisch” gemessen? In China? ;-)) glücklicher ist, so heißt dies noch lange nicht(!), dass er sich mit dem egalitären Status abfinden mag und nicht in seiner Suche nach dem “größeren Glück” nach seinem Unglück strebt.
Dann mache mal eine Umfrage, wie viel Prozent der Bevölkerung auf folgendes “unmoralisches” Angebot eingehen würden:
Sie kriegen auf der Stelle 100.000 Euro, die (jeweils 100 Euro) von 1.000 verschiedenen anonymen Personen weggenommen werden. Von der Sache erfährt niemand und die Geschädigten werden nie wissen, wer der Begünstigte ist und umgekehrt. Der Prozentsatz derjenigen, die auf das Angebot eingehen, dürfte sehr hoch sein - je anonymer und abstrakter das ganze ist, desto höher übrigens. Wenn es 10.000.000 Menschen quer auf die ganze Welt verteilt sind, denen jeweils 1 Cent “entwendet” wird, so wird sich der moralische Einwand in Grenzen halten.
Ganz anders sieht es natürlich im näheren Umfeld aus. In der Firma, im Sportverein oder in der Familie ist der Mensch ein soziales Wesen (zumindest die meisten). Wenn obiges Angebot eingeschränkt würde, so daß entweder die Geschädigten nicht anonym sind oder der Schädiger nicht anonym bleibt, wird der Prozentsatz signifikant zurückgehen, wenn die Geschädigten sogar aus dem näheren sozialen Umfeld kommen, wird sicher kaum jemand das “unmoralische” Angebot annehmen.
Du siehst - das ganze hat sehr viel mit Abstraktion zu tun. In der anonymen Gesellschaft verliert sich die Solidarität und internationale Kapitalgesellschaften sind nun einmal höchst anonym. Das man die nicht mit einem Kleinbetrieb gleichsetzen kann, bei dem der Chef alle seine Mitarbeiter über Jahrzehnte hinweg kennt, ist klar. Aber auch dieser Umstand interessiert die Bank, bei der der Chef Kapital leiht nicht die Bohne. Hier geht es um Zahlen … kalte, anonyme Zahlen. Für Moral ist da kein Platz.
Ich beschreibe übrigens nur und rechtfertige damit überhaupt nichts - im Gegenteil.
Keinesfalls - es geht hier um Ökonomie und politischen Rahmenbedingungen für eine funktionierende Volkswirtschaft - wobei man sich schon streiten kann, was “funktional” ist - da werden wir beide verschiedene Meinungen haben.
Es geht also um die Einschränkung der Freiheit von wenigen, um die Freiheit von vielen zu erhöhen - Koch und Schäuble schlagen genau das Gegenteil vor.
Was das “vernunftbegabte” Wesen Mensch angeht, so habe ich dies schon seit langen in die Kategorie “unbegründete Utopien” eingeordnet. So etwas gab es nie und wird es nie geben, dass haben sogar die Kommunisten erkannt, als sie sich entschlossen, den Willen der Arbeiter und Bauern durch die Intelligenzija verkünden zu lassen ;-)
@SF:
Schöner Artikel, fast schon zu schmerzhaft.
@Spiegelfechter: “Das tut aber nichts zur Sache, wenn Du z.B. einem Entscheidungsgremium in einer AG zwei Alternativen vorlegst, von der die eine monetäre Nachteile, dafür moralische Vorteile bedeutet. Du kannst zwei mal raten, welche Entscheidung das Gremium trifft.”
Da reicht mir einmal. ;-) Weil sie sich in einem Bezugsrahmen befinden, der eben diese ‘umoralische’ Entscheidung nicht nur begünstigt, sondern sogar fordert. Deshalb gilt es ja gerade, diesen Bezugsrahmen ‘nachhaltig’ zu verändern. Lege dieselbe Entscheidung der Belegschaft vor, und die Sache wird mit einiger Wahrscheinlichkeit schon anders ausfallen. Und dann nimm noch die ‘Kunden’ mit hinein - das Interesse wird sich ‘automatisch’ verschieben hin zu einem hohen Gebrauchswert mit einem Minimum an Aufwand und ‘guter’ Arbeit. Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zugunsten der monetären Ausstattung anonymer Dritter wird sich dann schwerlich durchsetzen lassen. Das heisst auch, die Entscheidung des erstgenannten Gremiums basiert erkennbar auf der Macht der wenigen und der Ohnmacht der vielen. Die aber beruht auf ‘Setzungen’, die Menschenwerk und also auch veränderlich sind.
“Dann mache mal eine Umfrage, wie viel Prozent der Bevölkerung auf folgendes “unmoralisches” Angebot eingehen würden:”
Die Konstruktion ist eine recht gute Parabel auf die kapitalistische Wirtschaftsweise. Ich drehe das Experiment aber mal um - frage einfach diejenigen, denen diese 100 Euro klammheimlich weggenommen werden sollen. Man erfährt ja selten mal so Zahlen wie zB jetzt im Zusammenhang mit dem Bochumer Nokia-Werk. Dort sollen laut ‘Capital’ die Beschäftigten einen Gewinn von 90.000 Euro pro Nase und Jahr erwirtschaftet haben - das dürfte idR ein Mehrfaches ihres Jahresgehalts sein, das sie zwar erarbeitet haben, über das sie aber nicht verfügen können. Gegenüber diesen ‘Kapitalabgaben’ ist das, was ihnen an Steuern und Sozialabgaben noch abgezogen wird, ein Klacks. Nur für den simplen Erhalt eines solchen Verhältnisses zu kämpfen, zeugt eben gerade nicht von ‘gesundem Egoismus’.
Aber natürlich hast du recht mit dem Hinweis auf die Anonymität. Deren mächtigstes Werkzeug aber ist ein Markt, der im wesentlichen nur über Preise kommuniziert. Und die ‘wahren’ Verhältnisse (s.o.) erfolgreich verschleiert. Ein Markt, der quasi im Vorfeld der Produktion kommuniziert (s.n.w.o.) wäre demgegenüber schon mal etwas ganz anderes, aber es wäre immer noch ein Markt von Angebot und Nachfrage - zu welchen Bedingungen wärt ihr bereit, uns das zu liefern, was wir gerne hätten. Aber eben nicht mehr über Kapital, sondern ‘direkt’ vermittelt - die Kommunikationstechnologie macht’s möglich. Das kann sogar - aber muss nicht - dann auch monetär vermittelt sein, dann allerdings mit Moneten, die eben nicht mehr ‘arbeiten’ können. Und noch eine weitere Forderung lässt sich aus der ‘Krux der Anonymität’ ableiten - möglichst dezentrale, dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtete Strukturen.
“Es geht also um die Einschränkung der Freiheit von wenigen, um die Freiheit von vielen zu erhöhen”
Genau darum geht’s mir doch auch. Ich bin aber eben der Meinung, dass wir das nur wirklich erreichen können, wenn wir die Kapital-, Profit- und Wachstumslogik grundsätzlich in Frage stellen. Und nicht, indem wir in einem System, das systematisch ‘falsche’ Anreize setzt, nur immer wieder ‘Leitplanken’ einbauen, aber die ‘Grundwidersprüche ignorieren.
“Was das “vernunftbegabte” Wesen Mensch angeht, so habe ich dies schon seit langen in die Kategorie “unbegründete Utopien” eingeordnet.”
So schwarz würde ich das nicht sehen. Und ich muss nochmal wiederholen, dass du ja mit deinen ‘Leitplanken’ im Grunde auch schon genau darauf setzt - auf eine Vernunft, die eine Regel zustande bringt, die den unmittelbaren, individuellen Vorteil begrenzt zugunsten eines (zunächst) eher abstrakten ‘Gesamtvorteils’ (der aber letztlich doch wieder konkret dem Individuum zugute kommt) begrenzt.
“Na, an Maslow kommt auch der “moderne” Mensch kaum vorbei: körperliche Bedürfnisse, das Bedürfnis nach Sicherheit und nach sozialen Beziehungen existieren wohl solange es Menschen gibt. Ganz zu schweigen von dem Streben nach sozialer Anerkennung und Selbstverwirklichung.”
Ich behauptet genau das Gegenteil: die menschlichen und unmenschlichen Beziehungen, deren Art und Weise sind immer historisch determiniert : der Gedanke, der Mensch strebe nach sozialer Anerkennung und Selbstverwirklichung sind historische Begriffe, die ganz konkret unter ganz bestimmten Bedingungen mit einem ganz bestimmten Inhalt entstanden sind, und wieder vergehen, wenn sich die Bedingungen ändern. Maslow Erkenntnis ist kein allgemeingültiges Substrat und z.B. auf feudalistische Gesellchaften überhaupt nicht anwendbar.
Du wirst dich noch wundern, wenn die genetische und gentechnische Veränderung soweit zuschlägt, das die Veränderung am Menschen selbst, direkt und noch deutlicher sichtbar wird.
@name
“Ich behauptet genau das Gegenteil: die menschlichen und unmenschlichen Beziehungen, deren Art und Weise sind immer historisch determiniert : der Gedanke, der Mensch strebe nach sozialer Anerkennung und Selbstverwirklichung sind historische Begriffe, die ganz konkret unter ganz bestimmten Bedingungen mit einem ganz bestimmten Inhalt entstanden sind, und wieder vergehen, wenn sich die Bedingungen ändern. Maslow Erkenntnis ist kein allgemeingültiges Substrat und z.B. auf feudalistische Gesellchaften überhaupt nicht anwendbar.”
Nun ja, das ist natürlich eine These. Allerdings ist Maslows Bedürfniskonzept sehr gut mit Befunden aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsformen vereinbar, auch wenn diese ihren Mitgliedern andere Bedürfnisprioritäten “empfehlen”.
Als Beispiel: Der Beruf des Bauern erfreut sich in den westlichen Ländern nicht unbedingt gesellschaftlich besonderer Verehrung. Er ist zudem hart, wirft kaum Geld ab, erlaubt praktisch keinen Urlaub und kaum (westliche) Freiheiten. Dennoch sind Bauern auch in westlichen Ländern die “glücklichste” Berufsgruppe. Maslow würde das einfach durch die Passung des Berufs an die menschlichen Bedürfnisse erklären können.
Die Schwierigkeit, zu erklären, warum so viele Menschen damit beschäftigt sind, ihre Bedürfnisse _nicht_ zu befriedigen, liegt im Paradoxon, dass Menschen zwar glücklich sein wollen, aber die These, dass sie dieses Ziel zu erreichen versuchen (und zwar effektiv), ist vermutlich falsch.
@46 Peinhart
Triffst du einen Moralisten, mein Freund, betrachte ihn mit Respekt und der nötigen Distanz. Denn die Moral ist wie eine Trichine: Sie lebt im Schweinefleisch. Was hat Moral damit zu tun? Du dichtest da einen normativen Wertungsrahmen in wirtschaftliche Entscheidungen, den es gar nicht gibt.
Der Betriebswirt hat es relativ einfach – er entscheidet einzig und allein aufgrund rein ökonomischer Beweggründe. Ein Unternehmen spendet einem Kindergarten Geld? Fein, das Ganze ist eine PR-Maßnahme, die über Imagekosmetik den Umsatz anheben soll. Ein Unternehmen lässt seine Produkte nicht mehr von Kindern nähen? Fein, man fürchtet schlechte PR, die die Umsätze drückt. Mit Moral hat das ganze gar nichts zu tun. Sogar wenn Du Moral durch Recht ersetzt, ist die Sache keinesfalls normativ. Wenn die mögliche Strafe durch die Justiz niedriger eingeschätzt wird als der ökonomische Nutzen, wird das Gesetz gebrochen. C´est ca!
Was Du meinst, ist in der Ökonomie keinesfalls unbekannt und nennt sich „Stakeholder-Value“ – mW wurde diese Theorie in den 80ern aufgestellt und befindet sich momentan auf einem ziemlich aussichtslosen Exotenplatz. Das „Gegenstück“, der Shareholde-Value ist das Leitprinzip der vorherrschenden Denke.
Die kann man nicht moralisch angreifen – der Mensch agiert moralisch, aber nicht das Wirtschaftssubjekt, auch wenn es ein oder mehrere Menschen sind. Man kann es aber beispielsweise durch Regeln und Gesetze in die gewünschte Richtung zwängen.
Genau so war es auch gemeint, rein deskriptiv und wertneutral.
Deine These ist bereits im Ansatz falsch. Die gute alte „Arbeitswerttheorie“ hat heute keinen Bestand mehr – Marx ist tot ;-)
Wer bestimmt denn bitte über den „Wert“ einer Ware? Der Faktor Arbeit hat recht wenig damit zu tun. Wenn ich ein Gemälde male, investiere ich in dieses „Produkt“ genau so viel Arbeit, wie ein talentierter Maler, den die Kunstschickeria liebt. Warum erziele ich mit meinem Gemälde nur den Heizwert und der Maler bekommt dafür so viel, wie ein „normaler“ Mensch, innerhalb seines ganzen Lebens verdient? Warum ist Gold mehr wert als Kohle? Die Arbeit, beide Dinge zu fördern, ist vergleichbar.
Für den Erfolg von Nokia sind ein paar Ingenieure und vor allem ein paar Marketingstrategen verantwortlich. Die Arbeiter sind „Humankapital“ … ein Teil der Wertschöpfungskette. Das ist hart, aber es wichtig, diese Sichtweise zu verstehen – man muss sie nicht mögen; glaub mir, das tue ich ganz sicher nicht.
Dieses Marktprinzip kann in einer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft nicht funktionieren. Worin läge mein Anreiz ein Produkt anzubieten? Warum sollte ich innovativ sein, wenn ich keinen Vorteil daraus schlagen kann?
Diese ganzen Flausen würden bei Realisierung blitzschnell zu einem Schwarzmarkt und eine Schattenwirtschaft führen.
Dass dies Dein Ziel ist, war mir schon klar ;-)
Mich hat noch niemand von der Funktionsfähigkeit einer Alternative des Marktsystems (nein – was Du oben vorschlägst, ist kein Markt) überzeugen können. Sicher – der Preis dafür wäre eine postindustrielle Gesellschaft, die ganz einfach eine Rückkehr in eine präindustrielle wäre. Vielleicht wird es so kommen, ich bin kein Freund dieser Idee.
Dies geschieht aber nicht durch Einsicht (Vernunft) sondern durch Zwang, durch eine rein ökonomische Abwägung. Wenn ich beispielsweise auf meiner Arbeitsstrecke recht gut einschätzen kann, wo ich wie schnell fahren kann, die Gesellschaft aber der Meinung ist, es sei für das Allgemeinwohl das Beste, wenn nicht jeder selbst entscheidet, wie schnell er fahren kann, sondern es allgemeinverbindliche Regelungen gibt, die durch Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt werden. Wenn es allerdings feststünde, dass diese „Empfehlung der Allgemeinheit an die Allgemeinheit“ nicht kontrolliert und nicht sanktioniert wird, ist sie herzlich egal, da ich meinen Entscheidungshorizont für relevanter halte, als Empfehlungen der Allgemeinheit. In diesem Falle bin ich Egoist und schädige (zumindest potentiell) die Allgemeinheit, deren unverbindliche Regeln ich breche.
Wenn die Allgemeinheit nun aber dafür sorgt, dass ihre Empfehlungen durch Kontrolle und Sanktionen Vorschriften werden, so muss ich Vor- und Nachteile ökonomisch abwägen. Wie oft wird kontrolliert, wie hoch ist die Strafe? Es kann sein, dass ich mir sage, die Vorteile des schnelleren Fahrens überwiegen die Nachteile einer potentiellen Sanktionierung durch die Allgemeinheit – es kann auch umgekehrt sein. Nur eins spielt keine Rolle: Moral und Vernunft – das es im allgemeinen Interesse ist, dass ich langsamer fahre, spielt (in diesem Beispiel) für mich keine Rolle.
Die Allgemeinheit kann über dieses Kontroll-/Sanktionierungsschema die „Leitplanken“ relativ präzise setzen. Kontrolliert im o.g. Beispiel jeden Tag ein Angestellter mit Radarpistole an einer dem Fahrer vorher unbekannten, stetig wechselnden, Position und die Strafen sind so hoch, dass es sich für niemanden „lohnt“ schneller zu fahren, wird die Allgemeinheit auf dieser Teilstrecke erreicht haben, was ihr Ziel war. Die Frage ist nur – lohnt sich der Kontrollaufwand „ökonomisch“ für die Allgemeinheit? ;-)
@48 Lago
Absolut richtig - zumal Glück doch ein sehr abstrakter Begriff ist. Wie will ich mein Glück finden? Diese Frage habe ich mir ehrlich gesagt noch nie gestellt, zumal ich weiß, dass ich es garantiert nicht finde, wenn ich es suche. Nichtsdestotrotz möchte ich natürlich - wie wohl jeder andere Mensch auch - glücklich sein.
Aber dennoch: “name” wird jetzt sicher einwerfen, dass es auch historisch determiniert sei, dass der Mensch sein Glück weder suche noch finde, da ihn gesellschaftliche Zwänge daran hindern. In Utopia sei dies aber anders und daher gelte Dein Einwand nicht.
Aus dieser Argumentation heraus, hätte auch er recht. Daher habe ich meine Probleme mit abstrakten Gesellschaftsutopien - sie können stimmen, müssen es aber nicht.
@49 Spiegelfechter:
Perfekt erklärt. Moral (und Ethik) ist menschengemacht. Und somit kostenbewehrt. Logischerweise reizen diese Kosten zu abweichendem (vermeidendem) Verhalten….womit wir wieder quasi wieder am Anfang der Debatte angekommen wären :oD
Zum Thema Moral und Ethik gefällt mir immer das Sechs-Stufen-Modell von Kohlberg. Hat zwar viele Kritiker aber irgendwie erkenne ich da vieles wieder.
de.wikiped...
“Triffst du einen Moralisten, mein Freund, betrachte ihn mit Respekt und der nötigen Distanz. Denn die Moral ist wie eine Trichine: Sie lebt im Schweinefleisch. Was hat Moral damit zu tun? Du dichtest da einen normativen Wertungsrahmen in wirtschaftliche Entscheidungen, den es gar nicht gibt.”
Warst nicht du es, der in erster Linie die ‘Moral’ in’s Spiel brachte? Während ich mit dem größeren Vorteil der größeren Zahl argumentiere, also wie gesagt ‘egoistisch’? Aber auch Moral ist dem Menschen gegeben, und er muss sie auch nicht ablegen, wenn er sich in ein ‘Wirtschaftssubjekt’ verwandelt - vorausgesetzt die Verhältnisse erlauben es ihm. Aber auch Marx hat nicht moralisch argumentiert, auch wenn ihn die Verhältnisse moralisch empört haben.
“Die kann man nicht moralisch angreifen – der Mensch agiert moralisch, aber nicht das Wirtschaftssubjekt, auch wenn es ein oder mehrere Menschen sind. Man kann es aber beispielsweise durch Regeln und Gesetze in die gewünschte Richtung zwängen.”
Auch in dem Absatz, unter dem diese Bemerkung steht, argumentiere ich gerade nicht ‘moralisch’. Und ‘Regeln und Gesetze’ können eben auch das Kapitalverhältnis abschaffen.
“Deine These ist bereits im Ansatz falsch. Die gute alte „Arbeitswerttheorie“ hat heute keinen Bestand mehr – Marx ist tot ;-)”
Machen wir ein Gedankenexperiment - alle Arbeiten werden von Robotern und Maschinen erledigt, die auch ‘gelernt’ haben sich selbst zu entwerfen und zu bauen. Niemand muss mehr arbeiten. Die solcherart aufgebauten ‘Fabriken’ werfen lustig Produkte auf den Markt und bieten Dienstleistungen an, alle auch durchaus mit nützlichen Gebrauchswerten behaftet. Aber sie können keinen Tauschwert mehr realisieren. Für das Kapital sind diese Waren ‘wertlos’, seine Verwertung stockt bzw ist zum Stillstand gekommen. Es bliebe letztlich gar nichts anderes übrig, als dieses Produktionskapital zu vergesellschaften, wie auch immer. Und das ist gar nicht weit hergeholt, im Gegenteil, es ist eben die Tendenz , die heute schon der immer weiter fortschreitenden ‘Einengung’ des Wirtschaftsgeschehens auf immer weniger ‘aktiv Beteiligte’ zugrunde liegt. Überakkumulation und Unterbeschäftigung - so tot ist Marx gar nicht. Selbst die ‘Arbeitswertlehre’, denn die beschreibt eben erstmal gar nichts anderes Verwertungsbedingungen innerhalb des Kapitalismus. Eigentlich stammt sie ja von Ricardo, Marx hat sie um ein paar Aspekte ergänzt, zB gezeigt, dass die Lohnsumme selbst im ‘Idealfall’ nie ausreicht, alle Waren abzusetzen, einer der Gründe für den Expansions- und Wachstumsdrang des ganzen, den Zwang, immer neue Märkte erschliessen und beackern zu müssen. Der Vorschlag, eine Ökonomie auf Arbeitszeiten zu gründen, ist dann wieder etwas anderes.
“…nein – was Du oben vorschlägst, ist kein Markt”
Ich denke schon - allerdings eben keiner nach ‘marktwirtschaftlichen’ Bedingungen und Kriterien.
“Worin läge mein Anreiz ein Produkt anzubieten? Warum sollte ich innovativ sein, wenn ich keinen Vorteil daraus schlagen kann?”
Weil es einfach Spass macht, insbesondere auch das ‘besser machen’. ;-) Im Ernst, ich würde das nicht unterschätzen. Und nichts hindert die Menschen daran, besondere Leistungen auch besonders zu belohnen. Für die meisten aber gibt es hier und heute keine ‘Anreize’, sondern schlicht Zwänge, die weit über die Notwendigkeiten und die Tatsache, dass man sich mit Erarbeitetem das Leben angenehmer gestalten kann, hinausgehen. Eine solche Ökonomie liesse sich sicher auch nicht ‘auf Schlag’ einführen, und die ‘freie Assoziation freier Produzenten’ kann oder muss man auch als ‘Ideal’ ansehen - was aber nichts an der Richtung ändert, die es mE einzuschlagen gilt, wenn wir uns nicht immer mehr dem Moloch und seinen wachsenden Widersprüchen unterwerfen wollen. Im Grunde leben wir ja immer noch in einer recht gradlinigen Fortsetzung des Feudalismus, in dem Produktionsmittel und Geldkapital Grund und Boden beerbt haben. Und wie gesagt, die Widersprüche wachsen, und gerade einer der größten ‘Pluspunkte’ des Systems, die ‘ungeheure Steigerung der Produktivkräfte’, hat längst begonnen neben den Lebensgrundlagen auch die ‘Kapitalverwertung’ selbst anzugreifen. (Staats-) Verschuldung und immer abenteuerlichere Finanzkonstruktionen, Krisen in immer kürzeren Abständen, wieder wachsende Armut auch in den ‘Metropolen’ etc sind nur die Symptome.
Und natürlich will ich auch provozieren - was aber nichts daran ändert, dass ich es durchaus ernst meine. Und für den Anfang wäre es ja auch schon mal was, die ‘Schönheit der sch