Europa spart sich zu Tode
geschrieben am 01. Juni 2010 von Spiegelfechter
Leiten die Sparprogramme der EU-Staaten eine Abwärtsspirale ein?
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Land der EU neue Sparpläne präsentiert. Vor eineinhalb Jahren sah dies noch anders aus ? damals übertrumpften sich die Europäer gegenseitig im Schnüren immer neuer Konjunkturpakete, um die Realwirtschaft vor den Folgen der Finanzkrise zu retten. Ähnlich wie heutzutage, dachte auch damals niemand an abgestimmte Programme und jede Nation agierte nach ihrem eigenen Gusto: Deutschland subventionierte die Automobilindustrie mit der “Abwrackprämie”, während Frankreich die Binnennachfrage mit einer Senkung der Mehrwertsteuer und einer Erhöhung der Sozialleistungen ankurbelte.
Die strukturellen Ungleichgewichte im europäischen Haus haben sich dadurch freilich nicht verringert, sondern sind sogar noch weiter gestiegen. Die Gelder sind verpufft, heute hat die Eurozone rund sieben Billionen Euro Verbindlichkeiten und täglich werden es mehr. Das Staatsdefizit der Eurozonenländer hat sich seit 2007 versiebenfacht, alleine im Zeitraum von 2009 bis 2010 werden die Staatsschulden um rund 1,3 Billionen Euro steigen ? mehr als die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Zuerst warf man das Geld ohne Abstimmung aus dem Fenster, nun will man die Schulden ohne Abstimmung durch Einsparungen abbauen. Europas Zukunft ist düster.
Haushaltsdesaster
Die Neuverschuldungsgrenze der Maastricht-Verträge wird in diesem Jahr für nahezu alle europäischen Staaten Makulatur sein. Dabei sind es weniger die Hilfsgelder für den Finanzsektor, die mehrheitlich in Schattenhaushalten geparkt sind und daher nicht einmal in den offiziellen Zahlen auftauchen. Die Krise der Realwirtschaft, die der Finanzkrise folgte, hat jedoch weltweit die Staatshaushalte ruiniert.
Mit dem Rückgang der wirtschaftlichen Leistung sinken die steuerpflichtigen Gewinne der Unternehmen, mit der steigenden Arbeitslosigkeit sinken die Einnahmen aus der Einkommenssteuer und mit dem rückläufigen Volkseinkommen sinken natürlich auch die indirekten Steuereinnahmen, beispielsweise aus der Mehrwertsteuer.
Während die Einnahmen sinken, steigen die Ausgaben und die Zuschüsse für die Sozialsysteme. Ohne einen baldigen Wirtschaftsaufschwung werden die meisten europäischen Staaten noch lange die Maastricht-Kriterien von 3% Neuverschuldung ? gemessen am BIP ? verletzen.
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Ja, das ist gut:
aber nur sehr beschränkt richtig:
Diese einfache und fleißige Hausfrau versteht zumindest was vom Kochen, Putzen usw., die Experten aus dem ökonomischen Mainstream verstehen gar nichts. Aus ihrer individuellen Position handelt die “schwäbische Hausfrau” auch richtig, die “Experten” müssten aus der makroökonomischen Position richtig handeln, aber sie sind einfach zu dämlich, um etwas zu begreifen. Zur endgültigen Entlastung unserer ?schwäbischen Hausfrau? muss man nur noch sagen, dass keiner sie zu den Fragen der Wirtschaftspolitik und der Staatsfinanzen je konsultiert hat. Also Freispruch auf der ganzen Linie!
Die kaum fassbare Dummheit unserer Mainstream-Ökonomen ist darin zu erkennen, dass sie genau dasselbe vorexerzieren, was sie auch in der Weimarer-Zeit getan haben.
Geschichte wiederholt sich nicht – oder doch?
mehr >>>
Jetzt wäre mal ein Beitrag dazu fällig, wo denn das Ganze Geld herkommt bzw. hin ist. Wenn alle verschuldet sind und alle den Gürtel enger schnallen müssen, woher kam dann das Zeug, mit dem wir über unsere Verhältnisse gelebt haben?
Unsere Führung handelt genauso als würden sie ein Unternehmen führen und einen Staat kann man so nicht lenken.
Mal abgesehen von der Abwrackprämie,über die man sicherlicht streiten kann,aber der Hebel ansich war ja nicht verkehrt,so etwas wie der Ansatz einer Antizyklische-Fiskalpolitik halt,wohlgemerkt von Neo´s. ;) Aber letzendlich auch nur halbherzig.
Sei es wie es sei,meiner Meinung nach sind die Steuermänner vollkommen überfordert und lenken das Schiff direkt in den Strudel.
@SF
Mit anderen Worten, ist der Großfinanz grandioser Plünderungsclou ganz hervorragend gelungen. Zunächst wurde sie mit Steuergeldern “gerettet”, und nun werden diese Gelder für den finalen Raubzug eingesetzt. Prima!
Mit einem Satz im Text habe ich allerdings so mein Problem.
Ich verstehe schon, wie du das meinst, nur ist der Satz an sich etwas verwirrend, besonders für die Leser, die im Finanzwesen etwas unbedarft sind. Und das ist erfahrungsgemäß die überwiegende Mehrheit.
Die Sache ich nämlich, dass der Staat im breiten Sinne des Worten keine längerfristigen Vorteile für sich verschafft, wenn er einheimischer Exportindustrie auf Kosten der Bevölkerung Wettbewerbsvorteile verschafft. Auch dann nicht, wenn die anderen Staaten nicht Sparen. Dadurch bereichert sich zwar die Export- und im Übrigen auch wiederum die s.g. Finanzindustrie – noch mehr Schulden in der Welt, und sogar der Staat im engeren Sinne kann davon kurzfristig rein fiskalisch profitieren, aber im Endeffekt erbringt die Nation eine Leistung, für die sie nie eine Gegenleistung bekommen wird und am Ende noch ihr Tafelsilber an die Profiteure dieser Aktion verticken muss. Also der Staat im breiten Sinne des Wortes handelt hier zum eigenen Nachteil. Nicht mal jene, die überschüssige Leistung verkonsumieren, haben davon einen nachhaltigen Vorteil – sie haben danach nur noch mehr Schulden und müssen ebenfalls ihr Tafelsilber an dieselbe transnationale Feudalkaste verticken. Die letztere wird aber nie irgendwelche Steuer an Nationalstaaten abführen – dafür sind die Nationalstaaten bereits jetzt zu schwach – und lediglich nur die Staatsbevölkerung “beschäftigen”, falls die Konditionen für sie attraktiv genug bleiben.
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Um Übrigen ist spiegelfechter.com unerträglich langsam geworden.
@ SF
mein Kommentar ist schon einige male erschienen, dann aber, nach der Beseitigung der doppelten Beiträge (deinerseits?) wieder verschwunden. Jetzt lade ich diesen schon das vierte mal hoch. Haut da was nicht hin? Auch dauert es heute extrem lang.
Gruß, Wonderer
@ SF
Was heißt: “Dein Kommentar muss erst freigeschaltet werden.”?
@Copoka
Liegt daran, dass die Seite heute leider unerträglich viele Besucher hat – ich muss wieder einige rausekeln.
@SF
Nach welchen Kriterien werde ich denn “rausgeekelt”?
@wonderer
Ich habe den Link, wie jede Werbung, gelöscht. Der Film ist nicht nur sachlich falsch (teils sogar katastrophal), sondern eine unverholene Goldkaufanimation mit den passenden Vermittlungen gleich auf der Seite. Sorry, das geht auf gar keinen Fall.
Nicht sehr originell, dieser Beitrag. Er erläutert Folgen, ohne Gründe zu nennen.
Diese ganzen Sparprogramme dienen nicht der “Sanierung”, sondern der Eintreibung von Schulden bei denen, die sie weder aufgenommen, noch verkonsumiert haben. Die liegen jetzt schön labil in nicht-aufgehenden Rechnungen an die Zukunft. Die Investoren haben die geschrieben.
Wir zahlen nicht für EURE Gewinne, die ihr jetzt als UNSERE Schulden deklarieren wollt!
Die ganzen Subventionen dienten natürlich nicht der “Schaffung von Arbeitsplätzen”, denn jeder Arbeitsplatz entsteht nur, wenn er profitabel ist. Man wäre also in jedem Fall günstiger weggekommen, wenn man den Arbeitnehmer direkt subventioniert hätte und nicht auch noch den Gewinn gleich mit.
Aber das ist ein Nebenschauplatz. Es geht um die Privatisierung des Volkseinkommens, ganz platt & glatt.
Denn die Schulden wurden gemacht, um das scheue Reh Kapital, das nirgendwoanders als beim Fiskus scheu ist, weiter zu füttern und zu nähren. Jetzt soll Zahltag sein. Er darf nicht kommen.
Es geht auch nicht um “antizyklisches keynesianisches More-of-the-Same”. Es geht um das System, das nicht mehr funktioniert.
Das VoWi-Gedöns von wg. Nachfrage als Voraussetzung von Umsatz und also Gewinn und so ist ja bilanztechnisch richtig, es nützt aber nix, wenn die Profiteure und Gläubiger nur noch interessiert, dass sie besser wegkommen als die anderen.
Auch wenn alle unterm Strich schlechter wegkommen. Es geht nur um die Differenz: Du gibst – Ich nehme.
Deutschland subventioniert mit einer zeitlich begrenzten und sinnlosen Aktion. Frankreich kurbelt den Konsum mit den richtigen Maßnahmen an. Deutschland denkt in Richtung BWL, Frankreich in Richtung VWL und in dieser unterschiedlichen Denkweise steckt der Sprengstoff für den Euro-Raum.
Merkel hat keinen VWL-Background und Berater, die nur unternehmerisch denken.
glaub nicht, dass du sie(früher) rausgeekelt hast ^^ sie lesen jetzt halt mehr im Stillen…
@SF
Das mit der Google-Werbung ist mir jetzt nach Deinem Hinweis auch aufgefallen. Hätte ich wohl eher beachten sollen. Nichtsdestotrotz hat der Inhalt des Films nichts damit zu tun. Ich finde ihn aber im Zusammenhang mit Deinem Artikel sehr informativ und er hat mit Werbung nichts zu tun, sondern bietet einfach eine Erklärung an, die man annehmen kann oder auch nicht. Mit Verschwörung hat er m.E. auch nichts zu tun.
Der IQ der Kommentatoren auf deinem blog sollte denn auch so hoch sein, dass er auch nicht unhinterfragt übernommen werden würde. Und ich bin auch keiner, der irgen welchen sog. esoterischen oder ähnlichen Gebabel aufsitzt (zumindest nicht so ohne weiteres).
Falls das hier der Fall sein sollte, dann würde ich mich freuen, wenn Du mir das (wenn es Deine Zeit erlaubt, aber dafür ist der blog ja wohl auch da, zum Aufklären) näher erklären könntes und etwas Licht in die Dunkelheit meines Unwissens bringen würdes.
Gruß, Wonderer
Bill Mitchell verweist auf die Erfahrung Argentiniens in den 90er zur Zeit der Bindung seiner Währung an den US-Dollar in einem Currency Board, was die Konvertibilität des Peso in US-Dollar garantierte. Das bedeutete, dass die US Geldpolitik Argentinien dominierte, da das Land keine eigenen Zinssätze festlegen konnte. Das ging eine kurze Zeit gut, bis 1996, solange die US-Wirtschaft wuchs; dann straffte die US-Zentralbank die Geldpolitik und die Risikoaufschläge auf die argentinischen Schulden stiegen, was den Handel lähmte. Argentinien hatte auf eine export-getriebene Strategie gesetzt (das IWF Modell). Erwartungsgemäß brach das Wachstum zusammen und die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an. Die automatischen Stabilisatoren drückten das Haushaltsdefizit und die Quote der öffentlichen Schulden nach oben. Wir hatten also eine starke US Wirtschaft, welche die Inflation durch
eine kontraktionäre Geldpolitik zu dämpfen versuchte, und über das Currency Board diese Politik der schwächelnden argentinischen Wirtschaft aufdrückte. Die Neo-Liberalen machten sich ans Werk und verordneten Argentinien als Maßnahmen die Deregulierung des Arbeitsmarktes, Privatisierungen und
fiskalische Austerität. Der Fokus war damals wie heute auf die bedeutungslosen Quoten der öffentlichen Finanzen gerichtet. So wurden diese das Ziel politischen Handelns, anstatt als Symptome von Verschlechterungen in angemesseneren politischen Handlungsfeldern betrachtet zu werden (zB Wachstum, Arbeitslosigkeit usw). Wie heute veröffentlichten damals konservative Ökonomen Studien, die in einer verwirrenden mathematischen Sprache erzählten, wie die Regierung das Wachstum durch dramatische Kürzungen des öffentlichen Defizits wieder herstellen könnte. Sie stellten ein niedriges Wachstum in Aussicht, wenn nicht etwas unternommen würde, um die öffentliche Schuldenquote zu reduzieren. Die selben Argumente wie heute: Bornierte Wiederholung von aus ökonomischen Modellen gewonnenen Ergebnissen, die keine Anwendung auf das reale Geldsystem haben. Der IWF nötigte die argentinische Regierung, einen brutalen Schuldenabbauplan mittels fiskaler Kontraktion vorzulegen. In einem 2001 veröffentlichten Bericht bahauptete der IWF, dass es im ersten Jahr deshalb zu geringen Wachstumsverlusten, danach aber zu solidem Wachstum kommen würde (siehe dazu die Grafiken im verlinkten Beitrag). Die Regierung wurde also genötigt, eine ganze Palette neo-liberaler Maßnahmen wie Privatisierungen , Deregulierung usw umzusetzen, die
als strukturelle Reformen verpackt und vorangetrieben wurden: der Code für den Abbau des öffentlichen Sektors und die Überführung von Ressourcen in die Hand privater Unternehmen. Das Austeritätsprogramm griff das Renten- und das Gesundheitssystem an, beschnitt Ansprüche und Umfang. In Folge der Einschüchterung durch internationale Behörden und konservative Kräfte in Argentinien führte die Regierung 2000 ein brutales fiskalisches Austeritätsprogramm. Alle Vorhersagen des IWF waren positiv – Schuldenabbau, Wachstum, Abbau der Arbeitslosigkeit usw. Das Programm wurde 2001 zusätzlich um einen weiteren fiskalischen Wahnsinn erweitert: Das Gesetz des Zero-Defizits. Der IWF bewilligte kurzfristige Finanzierung, da der private Anleihenmarkt die Risikoaufschläge in die Höhe getrieben hatte. Im verlinkten Artikel wird eine Grafik gezeigt, welche die Vorhersagen des IWF mit Daten aus der Argentinischen Statistischen Behörde vergleicht.
Während der IWF Argentinien ein brutales fiskalisches Austeritätsprogramm aufnötigte, verhielt sich die Ökonomie ganz anders als die Modelle der Organisation vorhersagten. Für 2001 sagte der IWF einen Wachstum von 3 % voraus, während real die Wirtschaft um 4,4 % schrumpfte. 2002 wurde es noch schlimmer: Statt der von IWF vorhersagten 4,5% Wachstum, führten die von ihm erzwungenen fiskalischen Maßnahmen zu einem Fall des BIP um weitere 10,9 %. Bis 2002 lag also eine Lücke von ganzen 16 % zwischen der Vorhersage des IWF und der Realität. Nach diesem Fiasko, nur eins unter vielen, hätte dem IWF gänzlich abgesprochen werden sollen, noch etwas mit Ökonomie zu tun zu haben.
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=10009#more-10009
@ ceteris 11
Ups … jetzt bin ich verdutzt … verdammt … wenn ich mir so überlege …
Ja, SF, gibt es Gründe, also theoretische Hintergründe, warum das Sparen schädlich sein sollte, warum wir mehr und nicht weniger Geldmengen brauchen, warum wir die Deflation und nicht die Inflation fürchten sollen, …
;-)
@salvo: Das Problem mit dem Currency Board System war weniger die gering gestiegenen Zinssätze in den USA, sondern die zu hohe Aufwertung des Pesos. Als dann mit Brasilien ein wichtiger Handelspartner noch in Folge der Asien/Tequila-Krise 1995/6 abwertete, hatte Argentinien ein Problem mit dem Handelsdefizit. Im übrigen strömten zuvor in der Begeisterung um das scheinbar (?) wiederdynamisierte Argentinien sehr viele ausländische Finanzinvestitionen ins Land, die dann auch in nicht so rentable Bereiche gelenkt wurden.
Die Aufwertung fand statt, weil:
- die Argentinier einfach daran gewöhnt waren, einfach mal zwischendurch an der Preisschraube zu drehen
- die Politik-Bosse in den oft unterentwickelten Provinzen ihre Defizit-Politik fröhlich weiterbetrieben.
Die Privatisierungen fanden zu Beginn des Wachstumszyklus statt (1991 bis 1994). Dabei wurden oft zu niedrige Preise im Spiel. Und wie in Argentinien endemisch, gabs auch eine Menge Korruption.
Es gab vom Seiten des IWF eben gerade genau kein strenges Austeritätsprogramm. Der IWF war selbst während der Asien-Krise unter schwerem Beschuß und nutzte Argentinien als eine Art potemkinsches Dorf (hier tun wir gutes). Argentinien hatte 2002 eine Menge Schulden. Sie erklärten dann einfach, dass man die nicht mehr zurückzahlen könnte.
DAS PROBLEM WAR DER AUFGEWERTETE, STARRE WECHSELKURS. Und das besitzt gewisse Ähnlichkeiten zu der heutigen Situation in Spanien, Griechenland und Portugal.
@salvo 16
Das wäre doch mal ein Tip für die nachdenkseiten.de inklusive Deiner Zusammenfassung. Ich glaube die würden sich drüber freuen.
Wonderer
@ceteris
Natürlich nicht, man muss auch mal Artikel schreiben können, die nicht das übliche Lamenta sind – ansonsten würde ich den SF durch eine statische Seite austauschen, da ich ja eh immer das gleiche sagen würde.
Sehr richtig – leider
@wonderer
Das ist keine “Google-Werbung”, sondern das Geschäftsmodell solcher Seiten – ein sehr lukratives, wie ich vermute.
Aber darum geht es nicht nur – ich habe auch eine ausgesprochene Antipathie gegen diese ganze Esoterikerhorde am äußerst rechten Rand – nichts für ungut.
Über derlei “Videoweisheiten” haben “wir” hier im Kommentarbereich schon endlos “diskutiert”. Dieser ganze “Debitismus-Schmarrn” ist es auch nicht wert, ernsthaft auseinandergenommen zu werden. Der Film enthält derart viele fachliche Fehler, dass es einen schüttelt. Aber er ist idT einfach – das ist aber auch das Problem. Wer immer “einfache” Erklärungen sucht, landet meist bei den Bauernfängern.
Klar, aber wenn ich einen dieser Spam-Kommentare stehen lassen würde, würde dies den Rest der Goldspammer magisch anziehen und ich müsste unter jedem wirtschaftlichen Artikel die gleiche Diskussion führen. Darauf habe ich keine Lust. Es gibt aber viele viele Seiten, auf denen es nur um dieses Thema geht. Da können die Leser gerne “diskutieren”, auch wenn ich stark bezweifele, dass meine Kommentare dort freigeschaltet würden.
“Es gab vom Seiten des IWF eben gerade genau kein strenges Austeritätsprogramm.”
der iwf selbst schreibt in seinem Review etwas ganz anderes, auch wenn er das als ‘strukturelle Reformen’ kodiert
http://www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2001/cr0126.pdf
zB das Gesetz des Zero-Defizit target ist keine harte Austeritätsmaßnahme?
was das argentinische Defizit angeht, schreibt Mark Weisbrot
“The “zero-deficit” target may make little economic sense, but it has great public relations value. By focusing on government spending, the IMF has managed to convince most of the press that Argentina’s “profligate” spending habits are the source of its troubles. But Argentina has run only modest budget deficits, much smaller than our own. ”
und was das Problem des aufgewerteten Wechselkurs angeht, schreibt er, dass der IWF selbst das gefördert hat, wie in Russland und Brasilien
“In 1998, the Fund supported overvalued currencies in Russia and Brazil, with massive loans and sky-high interest rates. In both cases the currencies collapsed anyway, and both countries were better off for the devaluation: Russia’s growth in 2000 was its highest in two decades.”
@ wonderer
ich habe die nachdenkseiten schon darauf hingewiesen und ihnen den Blog von Bill Mitchell ans Herz gelegt. Übrigens auch hier allen Interessierten
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/
Ein feiner Artikel, Spiegelfechter, einmal mehr. Ich stelle daher die Frage, wann man damit rechnen kann, dass der Spiegelfechter in die Politik geht.
Klar, wenn die meisten meiner Mitbürger darauf angesprochen werden, gibt es für die meisten jeder Zeit ausreichend Gründe, zu sagen “niemals”.
Im Deinem Falle, Spiegelfechter, gibt es mehr Gründe, die dafür als dagegen sprechen.
Mal so´ne Frage,”Gibt es eigentlich so etwas wie den Peak Kapitalismus?”
Ich mein, bedingungsloser Wachstum muss doch nur generiert werden um
der Wundersamen-Geldvermehrung zu dienen.
Sprich Kredit-Zins-buckeln.
Wenn ich jetzt behaupte,dass Deutchland zB. nie wieder ein Wachstum
von 5% und mehr erreichen wird (vielleicht ein anständiger Krieg oder
Vulkanausbrüche in der Eifel,sprich Wiederaufbau) oder von mir aus
das gesammte Weltwirtschaftswachstum hängt im Durschnitt bei 2% oder
stagniert ,wie soll dann die wunderame Geldschöpfung in Zukunft aussehen?
Wie funktioniert Rendite darüber hinaus?
Gibt es so etwas wie den Peak Kapitamismus?
Reset,kalte Inflation,das wars, wie versuchen was anderes?
@systemfrager
@spiegelfechter
[zyn on]
Warum nennen wir es nicht einfach Weimar 2.0 bzw. global crisis reloaded?
Das hört sich wesentich dynamischer an als z.B.: Mein Gott wir werden alle sterben. ;-)
Auch der Name “Hartz” wurde ja damals und heute arg strapaziert. Ich würde persönlich zumindest den Begriff “Ben Hartz” einführen (Vorschlag aus “Neues aus der Anstalt”) um das zukünftig zu erwartende verstärkte einpeitschen der arbeitslosen Unterschicht bei der Bürgerarbeit ein wenig erträglicher zu machen. Womöglich meint dann das dekantente Prekariat es spielt in einem remake von “Quo vadis?” mit?
Satanische Grüße von
Der Heldentasse
[zyn off]
@ SF
Ich war jetzt gerade auf der Wicki-Seite zur AZK, respektive zu Ivo Sasek. Das hat mich doch überrascht. Vor allen Dingen in sofern, als dass der Inhalt des Vortrages nicht in die Richtung geht, was ich mir unter Scientology vorgestellt habe.
Nichtsdestotrotz bin natürlich eher skeptisch, was die Definition von Sekte durch die beiden Kirchen betrifft. Allerdings ist die Teilnahme von Jürg Stettler als Chef von Scientology Schweiz nicht weg zu diskutieren.
Gruß,
Wonderer
@Wonderer
Danke für die Einsicht – auch die Teilnahme von Holocaustleugnern zeugt nicht eben von Seriosität. Das ist für mich ein absolutes No-Go.
@ Heldentasse 24
Das mit Weimar 2.0 ist eigentlich keine schlechte Idee. Man kann den Gedanken auch fortsetzen, und zwar in einem optimistischeren Sinne, da bekanntlich:
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Dann würde ich vorschlagen: Ökonomische Nachfragetheorie 3.0
tja, ohne Wachstum haben wir im Kapitalismus eben steigende Arbeitslosigkeit, und in Ermangelung der Bereitschaft der Herrschenden, den Erwerbslosen ein menschenwürdiges den sozio-ökonomischen Standards entsprechendes Leben zu ermöglichen, würde das eine sich immer weiter verschärfende Verarmung derer bedeuten, die allein vom Verkauf ihrer Arbeitskraft abhängig sind. Im Übrigen hat sich erwiesen, dass die Herrschenden durchaus ein Interesse an einer gewissen hohen Arbeitslosigkeit haben, ohne das System zu destablisieren, aber doch hoch genug, um die Erwerbsarbeitsabhängigen zu disziplinieren.
Krugmann dazu
“What you see is that unemployment tends to fall when growth is high, rise when it?s low or negative. You also see that growth has to be fairly fast ? more than 2 percent ? just to keep the unemployment rate from rising. Why? Well, productivity is rising, so that you can produce any given level of output with fewer workers; so output has to rise to keep employment from falling. And the working-age population is growing, so you need positive employment growth just to keep unemployment from rising.”
http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/08/01/growth-and-unemployment/
interessant ist aber dabei, dass dieser Wachstum allein als Indikator nicht ausreicht, um den realen Grad des gesellschaftlichen Wohlstands wiederzugeben, ja dass er diesen sogar verzerren kann. Ich habe vor Kurzen einen hervorragenden Beitrag von Chomsky gelesen, aus dem ich das zitiere (sorry ich habe aber keine Zeit, alles zu übersetzen)
“There?s much excited talk these days about a great global shift of power, with speculation about whether, or when, China might displace the US as the dominant global power, along with India, which, if it happened, would mean that the global system would be returning to something like what it was before the European conquests. And indeed their recent GDP growth has been spectacular. But there?s a lot more to say about it. So if you take a look at the UN human development index, basic measure of the health of the society, it turns out that India retains its place near the bottom. It?s now 134th, slightly above Cambodia, below Laos and Tajikistan. Actually, it?s dropped since the reforms began. China ranks ninety-second, a bit above Jordan, below the Dominican Republic and Iran. By comparison, Cuba, been under harsh US attack for fifty years, is ranked fifty-second. It?s the highest in Central America and the Caribbean, barely below the richest societies in South America. India and China also suffer from extremely high inequality, so well over a billion of their inhabitants fall far lower in the scale. Furthermore, an accurate accounting would go beyond conventional measures to include serious costs that China and India can?t ignore for long: ecological, resource depletion, many others. ”
http://www.democracynow.org/2010/5/31/noam_chomsky_the_center_cannot_hold
noch eine Ergänzung, ein Keynesianer wie Bill Mitchell sieht ökonomisch kein Problem darin, ein ausreichendes Wachstum zu haben, es ist nur eine Frage des politischen Willens, dh der jeweils sich in der politischen Entscheidungsfindung sich durchsetzenden Interessen:
“The reason the US economy grew again after the War is because they did not try to invoke harsh austerity packages to attack the financial ratios. They managed the transition from war-time policy to peace-time policy via an acceptance of the (by then) Keynesian consensus that growth was dependent on demand and that the public deficit could underpin spending.
Growth reduced the public deficit as taxation receipts rose and spending could be wound down in an orderly manner relative to the growing size of the economy. Growth also saw the public debt ratio drop significantly It also reduced the public debt ratio drop significantly during the 1940s and into the 1950. There were no oppressive intergenerational burdens to be paid. The early baby boomers in the US and elsewhere enjoyed the growing prosperity of the peacetime 1950s. It was a time of optimism not austerity.
Some argue that the economies around the world will not be able to sustain the strength of economic growth that emerged after the Second World War. Question: Why not? Answer: No reason ? it is just a matter of sustaining aggregate demand within the capacity of the real economy to absorb it. The austerity approach will guarantee that economies will fail to achieve this growth.”
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=10009#more-10009
@ salvo 29
Na sowas … der Meinung war ich schon immer.
Ist das ein Naturgesetz? Wird das immer so bleiben? Oder ist auch damit nicht irgendwann Schluss?
ceteris #10 (mein sehr geschätzter ceteris :-):
SF #18:
Wie schön: Hier scheint sich endlich eine äußerst interessante Diskussion jenseits des bisher Gedachten anzubahnen.
Der Stillstand/Zustand des ‘game over’ ist erreicht, wenn es nichts mehr umzuverteilen gibt. Da nutzt dann auch keine Inflation/Deflation-Diskussion mehr.
Ist das System wieder mal am Ende? Da kann man natürlich anderer Meinung sein – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt -, jedoch gibt es deutliche Zeichen am Himmel.
Logischerweise ist Geld mit Macht verbunden, es ist inzwischen gewissermaßen ein Surrogat von Macht, und daher ist es nur natürlich, daß eine Krise des Geldes einhergeht mit einer Krise des politischen Systems, wie man sie auch flächendeckend in den westlichen Staaten diagnostizieren muß. Allzusehr klaffen inzwischen Realität und Meinungsmache auseinander.
Insofern widerspreche ich SF, daß die Konklusion im Sinne “das Pferd ist tot”, in einer statischen Seite enden würde. Ganz im Gegenteil, sehr schnell würde klar, wie der ganze Affentanz ums Geld nur ein nahezu perfekter Vorhang ist, um die eigentlichen Vorgänge zu verschleiern.
Da ist unendlich viel Ernsthaftes zu entdecken: Was ist die maximale Größe für eine solidarische Gesellschaft? Ist eine soziale Hackordnung dem Menschen eine Notwendigkeit? Auf welche Weise würden Hierarchien sich manifestieren, wenn sie nicht auf Geld gebaut werden könnnten? Wäre wirklich was gewonnen, wenn man den Kapitalismus abschaffen würde? etc. Letztendlich steht unser gesamtes gesellschaftliches System zur Disposition, und man fragt sich, ob die augenscheinliche Zyklizität der Erscheinungen einem Naturgesetz oder nur unser aller Blödheit geschuldet ist.
Eine solche Diskussion ist nicht am Puls der Zeit, sie ist ihm weit voraus, und hat es daher schwer, sich Gehör zu verschaffen. Dennoch: Ein paar Gedanken sind durchaus angesagt, nicht wie man dieses tote System rettet, sondern wie es dahinter weitergehen könnte. Das System sei tot, die Menschen nicht. Also:
@ ceteris 31
Es ist kein Naturgesezt. Das gehört zur Funktionsweise der Marktwirtschaft – wie der Regen den Wolken. Die Marktwirtschaft “produziert” systematisch das neue technische Wissen und daran wird sich NIX ändern. Die Planwirtschaft bekanntlich nicht – deshalb hatte sie nie eine Chance.
@Linus 32
schöner Beitrag!
Nur bedenkte, dass man eine Gesellschaft (im Sinne einer Demokratie) nicht so konstruieren kann wie eine Maschine oder ein Haus. Die Randbedigungen (z.B. GG) und das Gerüst (z.B. die Organe des Staates) kann (muss?) man vorgeben. Aber das ganze *muss* (auch) dynamisch sein, also gelebt und weiterentwickelt werden, und dies wiederrum bedingt wichtige “soft skills” (ethik, moral, humanes weltbild usw.) bei den Teilnehmern (Staatsbürgern), und zwar ums so mehr je mehr Verantwortung diese tragen.
Zur Zeit kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die IMO durchaus guten Grundlagen (z.B. GG& Demokratie) als Deckmantel einer babarischen Elite misbraucht werden, um deren Interessen durchzusetzen und das Volk gleichzeitig ruhig zu halten. – Orwell lässt grüßen!
Wer einen guten Magen hat (ich zumindest hatte leichte K*tzgefühle beim lesen) kann sich ja mal
Noam Chomsky: ?Profit over People? lesen.
IMO ist in diesem Sinne ist die jetzige Krise mehrfach fatal, weil wir eine “Kultur” des Profits aufgebaut haben. Falls das aktuelle System den Bach runtergeht sind nämlich nicht nur die wirtschaftlichen Grundlagen betroffen sondern leider auch auch andere wichtige Bereiche des menschlichen Miteinanders. D.h. unser ellenbogen/ und gewinnoptimierte Ausrichtung lässt brutalste Verteilungskämpfe erwarten, weil eben die wichtigen “soft skills” fehlen bzw. unterentwickelt sind.
Wer sich nun fragt was das ganze mit dem Thema sparen zu tun hat? Ganz einfach, nach meinem dafür halten erleben wir nun die ersten Ausläufer dieser Verteilungskämpfe. Denn wir sparen IMO nicht für die Zukunft unsere Kinder sondern ganz schnöde für die reale Rendite (Zinsen) die für die monströsen virtuellen Vermögen (manche sagen auch Schulden) fällig werden. Viel menschlicher wäre es, diese riesigen Vermögen anzuzapfen. Just for Info
tschöööö
Die Heldentasse
@ Linus
@ Heldentasse
Jawohl, und wenn man sagt: “es gibt nichts mehr umzuverteilen”
dies bedeutet im Klartext, dass ein paar Prozent unserer kriminellsten “Mitbürger” den Rest der Gesellschaft schon total asugeplündert haben
@salvo: 2001 war in Argentinien das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Das war viel zu spät. Vorher hat der IWF Gelder gegeben, ohne dass die Haushalte saniert wurden oder andere Maßnahmen ergriffen wurden, um das Handelsdefizit in den Griff zu bekommen. Als das private Finanzkapital dann flüchtig war, gab der IWF noch eine Weile Gelder, stoppte das dann aber. Relativ kurze Zeit später wertete die Duhalde Regierung dann ab. Dies hatte schwerwiegende Konsequenzen insbesondere für die Mittelschicht, da viele Kredite in Dollars aufgenommen und/oder Pesos auf der Bank liegen hatten. Nun verlor der Peso recht schnell 75% seines Werts gegenüber dem Dollar. Die Kredite mußten aber in Dollar zurückgezahlt werden. Kredite in Dollar hatten vorher einen niedrigeren Zinssatz als Peso-Kredite.
Der hohe HDI Wert Kubas ist bekanntlich ein Ergebnis statistischer Tricks in Habana. Die DDR hat sich auf ähnliche Art und Weise immer reich gerechnet (http://www.cubanuestra.nu/web/article.asp?artID=2923).
Die EU Länder gehören zu den meistverschuldeten Staaten der Welt.
http://tinyurl.com/2uaybxz
Also muss versucht werden, die Haushalte in den Griff zu bekommen.
Die spanischen Sparpläne sehen folgendes vor:
- Erhöhung des Renteneintrittsalters,
- Flexibilisierung des Arbeitsmarktes
- Erhöhung der Mehrwertssteuer um 2%
- temporäre Reichensteuer
Für Deutschland müsste aus meiner Sicht Grundsteuer, Erbschaftssteuer und eine Erhöhung des Einkommenssteuerhöchstsatzes und höhere Sozialabgaben für Einkommen ab 55.000 Euro pro Jahr nicht temporär sein. Das verbunden mit einer Erhöhung der Mehrwertssteuer halt ich für eine gute Idee. Wir haben das Renteneintrittsalter ja bereits hochgesetzt. Mit einer solchen sozial-freundlicheren Mischung könnten wir der Verschuldungsfalle entgehen. Und dadrauf noch eine wirkliche institutionelle Integration des Bundes der Steuerzahler für Spar-Beschlüsse. Und eine mittelfristig angelegte Föderalismusreform. Rheinland Pfalz/Saarland an Hessen und Baden Würtemberg. Schleswig Holstein an Niedersachsen. Zusammenlegen Brandenburg/McPom und Berlin. Zusammenlegung Sachsen und Thüringen.
Die Multiplikatoreffekte waren ja auch bei der letzten Mehrwertssteuererhöhung nicht sonderlich hoch. Sie dürften für eine stärkere Besteuerung der höheren Einkommen noch höher sein.
Jetzt etwas, was auf den ersten Blick nicht dazu gehört, oder auf Neudeutsch: off topic.
Bekanntlich behandle ich – manchmal oder besser noch: immer wieder – die neoliberalen Banausen und Scheusale in meinen Kommentaren sehr brutal. Ich sage es offen, was ich bin:
Der Ökonom mit dem Hammer
Ich rechtfertige es vor mir selbst – etwas andres interessiert mich wenig – auf folgende Weise:
Es gibt zweifellos eine kleine Minderheit in jeder Gesellschaft, für die Lug und Trug eine Eigenschaft ist, auf die sie insgeheim sehr stolz ist. Jene die dazu gehören meinen sogar, damit gehören sie zu den fähigsten Exemplaren der menschlichen Gattung. Was sonst ist der Sozialdarwinismus!? Solche Menschen kann man nicht mit Argumenten oder mit einem schlüssigen Gedankengang überzeugen. Niemals! Sind aber diese Menschen wirklich so fein und behutsam, wie sie sich selbst präsentieren? Sind sie nicht frech und aggressiv – wie das von ihnen so verachtete Pack? Feynsinn schreibt heute etwas dazu – auf seine kurze und prägnante Art. Wirklich sehr lehrreich:
Wer lädt eigentlich noch den Henkel ein?
mehr >>>
Ja, so sind sie, diese feinen und behutsamen … die neoliberalen Banausen und Scheusale.
@Systemfrager
das könnte Dich interessieren
“Real Utopias”
http://economistsview.typepad.com/economistsview/2010/06/real-utopias.html#more
@ salvo
Du hast Recht: Fantastisch
Ja, der Marxismus was das, was die ganze deutsche Philosophie seit Kant ist: Reine Kritik! Nichts mehr! Und so sind die “Gutmenschen” bis heute geblieben: Also gefährliche Trottel! Sie können manchmal (“Wir tun was!”) die Herrscher, die Personen austauschen, die Gesellschaft zu ändern nie!
@Linus
Freut mich ja, dass ich von dir “sehr geschätzt” werde – ich weiss nur gar nicht, wofür…?
Aber dafür, was du sonst sagst, über das Verhältnis Geld-Hierarchie-Gesellschaft zB, da darf ich dieses Kompliment unverzüglich zurück machen!
@Systemfrager
Hmm. Also, nein, glaub’ ich nicht. In deiner Logik formuliert: Die Marktwirtschaft produziert systematisch neues technisches Wissen, wie sie systematisch Öl fördert. Es gibt da also eine Grenze, hier wie dort. Das menschliche Denken ist so wenig unerschöpflich und in Ewigkeit steigerbar wie fossile Rohstoffe.
Das ist definitiv etwas anderes als “Regen und Wolken”. Ich glaube sogar, dass sich das nach einem bekannten Grenznutzen-Kalkül unterdessen nachweisen ließe, also der Aufwand von F&E gegengerechnet gegen die Produktivitätszuwächse. Vielleicht legst du mal deinen pathetisch-nietzscheanischen Hammer beiseite, lieber Schlagdrauf-Ökonom, und untersuchst das mal weiter. Denn was du hier gerade von dir gegeben hast, ist letztlich “neoliberal”: die Gleichsetzung von Marktwirtschaft mit Natur: ewige Gesetze.
Sag’ ich dir ohne Hammer, sondern mit Kneifzange: Vergiß’ es, gibt’s nicht, gab’s nie, wird’s nie geben….
gruss von c.
@ ceteris
Ich versuche dich zu rechtfertigen. (Ich sage mit Absicht nicht, ?zu verstehen?, die Dummheit lässt sich nicht verstehen, nur erklären/rechtfertigen.)
Voraussichtlich ist dein Fach eine Sozialwissenschaft, Kunst (Musik, Poesie, abstrakte Malerei, …), oder Philosophie (Metaphysik, Dialektik, Rhetorik, Luhmann, …), was eben erklären/rechtfertigen würde, warum du so einen Unfug erzählst, was die Produktivitätsentwicklung (Naturwissenschaften) betrifft.
Aber sicher, wie könnte es anders sein, wenn Ceteris von Ceteris ausgeht ;-)
Ich werd’s nie verstehen. Gerade wenn ich aus COPOKAs #4 zitiere:
Natürlich! Und, schlimmer noch, wenn ich weiterdenke, wie kommen wir aus unseren Problemen wieder raus? Allgemeine Übereinstimmung: Wachstum! (“Mir brauche doch dess Waxxtum fir de Abbeidsbläzze! Unn fir de Schulde zu bezahle, gelle?”) Die Pest mit der Cholera bekämpfen, (allmählicher) Selbstmord aus Angst vor dem Tod? Natürlich hilft uns Weimar/Hoover/Brüning 2.0 nicht weiter, aber Wachstum? Heißt das nicht: Investieren und finanzieren? Mehr Rendite für’s Kapital, für die Finanziers, für die Buffets
so Warren Buffet. Same procedure …
Wie wär’s ‘mal mit ‘was Neuem? Denn die Lösung Wachstum ist schon auf mittlere Sicht nicht möglich, nur (einige) Ökonomen und (viele) Politiker glauben daran, ein pfiffiger Zehnjähriger würde sich an den Kopf greifen angesichts der Tatsache, dass die Erde ein begrenzter Raum ist!
Wie ist es denn mit der Verteilungsproblematik? Was einzuwenden unser Luxusproblem – was auf “Wie machen wir die Reichen noch reicher?” rausläuft, so lange wir systemkonform und -treu bleiben – gegen “Es gibt keinen Hunger, es gibt nur ein Verteilungsproblem!” einzutauschen? Dann verteilt ‘mal schön! Und was, wenn dann die Bevölkerung des Planeten nich erst auf 7 Mrd. steigt sondern gleich auf 8 Mrd. weil die, die heute an Hunger verrecken am Leben bleiben (sorry an alle Zartbesaiteten, aber ich will kein Missverständniss aufkommen lassen).
Wie wär’s denn, wenn wir als kombiniertes Wachstums/Entwicklungshilfe-Programm das Programm “Ein Frisch- und ein Abwasseranschluss für alle” auflegen würden? Kriegen wir das hin, dass nich alle gleichzeitig abziehen? ;-) Und kriegen wir das hin, dass der “Hygieneschub” die Weltbevölkerung kurzfristig nicht von 7 auf 8 sondern gleich auf 9 Mrd. anwachsen läßt zu beherrschen?
Und, mein Hauptproblem: Heißt Waxxtum nicht auch: Konsumieren? Na Klasse! Unter dem Eindruck des aktuellen Ereignisses im Golf von Mexiko: Wer denkt noch an Tschernobyl, Seveso und Bhopal? Wer an Minamata oder die Itai-Itai-Krankheit? Wer denkt noch an Ixtoc I (1979/80, über 297 Tage Freisetzung von 400.000 – 1.400.000 t Rohöl in den Golf von Mexiko nach Blowout. Interessant die (geschätzten) Spannen! Mag sich jeder ‘was dabei denken von wem wohl die niedrigere, von wem die höhere Schätzung stammen könnte. ;-)) – siehe auch hier. Und last not least heißt konsumieren nicht auch: Leben mit einem zunehmenden Müllproblem! Beispielhaft hier nur der Müllstrudel auch hier oder Der weltweite Kampf gegen Plastikmüll( Zitat hieraus: ?Wir haben Netze in diesen Flüssen ausgelegt, um zu erfassen, wie viel Plastikmüll über sie den Ozean erreicht. Und in gerade drei Tagen, zwei regnerischen und einem trockenen, fanden wir rund 2,3 Milliarden Plastikteilchen, die zusammen 30 Tonnen wogen. Trotz aller Anstrengungen in den USA Plastikmüll zu sammeln und zu recyceln, gelangen große Mengen ins Meer. Und das geschieht in jeder am Meer gelegenen Metropole weltweit ? in Lagos, Nigeria, und Bombay, Indien; in London, Großbritannien, und Manila auf den Philippinen. Alle in Küstennähe gelegenen Großstädte entlassen gewaltige Mengen Plastik ins Meer.?)
Und was ist mit Resourcen- und Umweltverbrauch? Hier auch nur beispielhaft die Themen Beifang und Mountaintop-Mining.
Was schert uns die Klimakatastrophe? Das Waxxtum allgemein und speziell für die Lösung der Finanz-/Schuldenkrise erledigt das alles schon vorher. Da capo! Mehr von demselben!
Allerbeste Grüße
Ergänzung zu 42, Link zu Ixtoc I: hier.
Kann ich nicht verstehen.
EU spart? Die Sache läuft doch bisher so: kleiner Haushalt – große Schulden, hohe Zinslast. Was macht GIPSI? Jawohl: niedrige EZB Zinsen, geringe Zinslast: ein Einkaufsparadies für GIPSI. Falls sich einer beschwert, einfach diffamieren: “Exportsau”, “Todsparer”. So kriegt man heute Geld – jedenfalls von Deutschland: und damit es Ahnungslose Naivlinge und Weltverbesserer nicht sehen: EZB als Zwischenlager. Alles klar. Den Sozialisten geht es eh darum, die Gesellschaft auf Teufel komm raus zu zerstören. Sie sitzen mit 19.400? bereits in einem “Parlament” (ohne Spesen und ohne Schulgeld für Elite Schulen für die Kinder).
Was Herr Berger, ein “strenger Europäer”, hier verbreitet, sind Gedanken über die Rettung für ein Schneeballsystem. Bürgern verboten, der EZB ein Vorbild. Für Schneeballsysteme gibt es keine Rettung.
Die über Ihre Verhältnis lebenden Länder wissen darum besser, als die, die sich auch noch als “Sparer” beschimpfen lassen dürfen – aber die eigentlichen Geldgeber sind. Die größten Betrüger im EZB Schneeballsystem haben das längst erkannt – die Italiener. Herr Berger nicht: er denkt intensiv und macht es janz kompliziert. Wenn es so wäre, warum kauft dann Italien tonnenweise Gold, Herr Berger?
Erklären Sie das doch einmal, Herr Berger – Sie wissen doch aus eigener Recherche, wie schlecht eine Anlage in Gold ist? ( Ich nicht: ich habe mir auf Ihren Artikel hin meine EK Preise und den VK Preis angesehen – alles cool bei mir. Ihren Artikel habe ich nicht weiter beachtet. Italien auch nicht.). Aber die Umdichtung ist genial: wir schimpfen auf die, die weniger ausgeben wollen, als sie eingenommen haben. Klarer Fall für das Sozialgericht: Schuld ist nicht der Täter – Schuld hat das Opfer. Alles klar.
@ Heinz Schulze 44
Herr Schulze! Sie sind wirklich ein sehr einfacher Mensch aber desto raffinierter. (Ist übrigens eine nicht so seltene Kombination.) Ja, wozu braucht man all diejenigen, die sich über die Funktionsweise der Wirtschaft schon drei Jahrhunderte lang Gedanken machen und Theorien spinnen, wenn die ?schwäbische Hausfrau? schon alles besser weiß … und ein gewisser Herr Schulze erst recht.
Wissen sie: Wenn ein Unternehmen (Produktionsfaktoren) spart, das ist gut, sehr gut, weil damit die Produktivität und der ?Reichtum der Nationen? steigt – um mit Adam Smith zu sprechen. Wenn die Wirtschaft als ein Ganzes (am Geld und Konsum) spart, das ist aber schlecht. Sehr schlecht sogar. Und wenn ein Mensch am Denken spart, wenn er dies der “schwäbischen Hausfrau” überlässt, dann ist es noch viel schlimmer. Fragen sie ruhig ihren Vater und Großvater. Der Mensch wird dann zum Dummkopf, und dann zum Narren … der dann irgendwann zum Übermenschen wird, der den Rest den Welt in Schutt und Asche legt.
Aber in einer anderen Hinsicht haben sie doch Recht. Schon die wenigen ?schimpfenden Gutmensch-Blogger? reichen aus, um die Nachfrage von den restlichen ?schimpfenden Gutmenschen? zu decken. Ich bevorzuge den Blog: Feynsinn. Er ist Klasse! So knapp, so direkt und so treffsicher! Von Herrn Berger wollen wir uns aber mehr erhoffen – würde ich meinen -, wie sie es selbst sagen: auch dass er ab und zu ?erklärt?. Aber nicht so, wie zB Herr Müller / Nachdenkseiten: Früher war alles besser (ich und Willi!), also wir sollen wieder genau dasselbe machen, oder anstatt zu Erklären, lauscht er, was die Weltautoritäten sagen (zB von Saulus zum Paulus – Stiglitz usw.)
@ Systemfrager
Ihre Ausführungen habe ich nicht verstanden. Aber ich denke, so etwa passiert schon mal.
Ausweislich jüngster Zahlen des IMF (für 2009) befindet sich das deutsche pro-Kopf-Einkommen mit USDollar 34.212. nur noch an Stelle Nr 20 der Weltrangliste. Vor ihm liegen jetzt aus der EU Luxemburg (USDollar 78.395), die Nieder-lande, Irland, Österreich, Schweden, Dänemark und GB.
Zum 1. Januar 1999 wurde für alle Euro Staaten ein einheitlicher Notenbank-Zinssatz verfügt. Daraus ergab sich für die Staaten mit den bis dahin hochverzinsten ?weicheren? Währungen schlagartig eine große Erleichterung. Als Beispiel führe ich Italien an. Italien schleppte damals eine Staatsverschuldung von mehr als 100% seines BIP mit sich. Die Zinslast auf diese Staatsschuld, die bis dahin rund 11% des BIP pa betragen hatte, sank mit Einführung des Euro schlagartig auf etwa 5%.
Die Erwartung, dass das Euro-Mitglied Italien diese Gelegenheit benutzen würde, um mit Hilfe der verringerten Zinslast die Staatschuld insgesamt zu verringern, blieb leider Theorie. Die Staatsschuld von Italien liegt auch heute, im zwölften Euro-Jahr, immer noch über 100% des BIP. Das heisst, dass alle Zinseinsparungen von der italienischen Regierung anderweitig verwendet wurden, nämlich konsumtiv.
Die niedrige Inflation in Deutschland hat natürlich die Wirkung, dass der Euro hier am meisten zum Einkaufen taugt. Im Währungssystem von Bretton Woods hätten solche Guthaben – in Euroscheinen ohne X vor der Ziffer ( die sind nicht aus Deutschland) – zum Ausgleich in Gold oder Sonderziehungs-rechten berechtigt. Im System der Einheitswährung Euro war so was nicht mehr denkbar. G zeigt, das wir dabei keine guthaben aufbauen: das perverse ist, sich so etwas auch noch vorhalten lassen zu müssen.
Bei der Hergabe realwirtschaftlich relevanter Waren und Dienstleistungen gegen Papiergeld
aus anderen Euro-Staaten, kam noch eine Belastung auf die Deutsche Wirtschaft hinzu. Während bis 1998 die Deutsche Bundesbank über alle Devisen, die sie aus den Exportüberschüssen der deutschen Wirtschaft erzielte, frei verfügen konnte, muss sie seit Euro-Beginn diese Drittlanddevisen in vollem Umfang an die EZB abführen, die ihrerseits damit die Importüberschüsse bezahlt, die die Mitgliedsländer Griechenland & Co. Jahr für Jahr aufweisen.
( Schneeballsystem! )
Um die Exportdefizite von Griechenland & Co. zu finanzieren, muss die EZB Auslandskredite in Fremdwährung aufnehmen. Wären die Lasten hieraus nach dem EZB Schlüssel zu tragen, entfielen auf Deutschland aus diesem Saldo etwa 27%.
(Schneeballsystem!)
Dass Griechenland (und andere Mitgliedsstaaten der Eurozone) die Zinsen auf ihre Staatsschuld nur noch durch die Aufnahme neuer Kredite anschaffen können: das ist ein Schaden an Unbeteiligten. Ein Gläubiger muß bei der (nämlich durch die ) Zeichnung solcher Anleihen dabei mitwirken, so zahlt er von der linken in die rechte Tasche ? nur zu dem Zweck, die entsprechenden Anleihestücke als ?Performing assets? zum Anschaffungswert in seinen Büchern behalten zu können.
Das ist öffentliche Finanzierung als ?Schneeballsystem.? Mehr kann man dazu nicht sagen. (Die unbeteiligten Dritten sind über die Versicherungs- und Anlagefonds alle deutschen Sparer.).
Italien hat im März 27 Tonnen Gold gekauft. Das muss man sich auf der Zunge zergehen
lassen: Wir Deutschen zahlen die von den Italienern offengelassenen Importrechnungen, und die Italiener kaufen sich Gold. Dieser Vorgang zeigt, dass das Eurosystem seine Seriösität verloren hat.
Damit wird es Zeit zu handeln und diese Konzeption zu verlassen.
Beste Grüsse,
Schulze.
P.S.: ich habe Gold. Der unbeteiligte Dritte, hier alle deutschen Sparer wird ausgenommen, das es nur so kracht. Muß man nicht einmal 100 Jahre drüber nachdenken. 1 Woche reicht.
@ Heinz Schulze 46
Ja, da sind wir der gleichen Meinung.