Die CIA und Geheimarmeen in Europa
08. Februar 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Podcast der Woche:
Die Radiosendung Doppelkopf ist ein klassisches Talk-Radio Feature des HR-2. Werktäglich sitzen sich ein interessanter Gast und der Gastgeber rund 50 Minuten gegenüber und unterhalten sich abseits des Schnatterwahns des Mediums Fernsehen über interessante Themen. In der nächsten Woche werden u.a. der Klimaforscher Stefan Rahmstorf und der Lyriker Peter Handke zu Gast sein. Die Sendung, die ich heute empfehlen will, ist schon etwas älter und greift ein Thema auf, das leider nur sehr selten von seriösen Medien aufgegriffen wird: Der schweizer Historiker Danielle Ganser sprach am 16.11.2006 mit der HR-Journalistin Michaela Wunderle über das Thema „Die CIA und Geheimarmeen in Europa“.
Wenn auf einer Internetseite das Wort „Gladio“ zu lesen ist, klicken viele aufgeklärte Nutzer schnell weg, da sie ahnen, was jetzt kommt: Verschwörungstheorien. Dass man sich diesem Thema auch wissenschaftlich und seriös nähern kann, beweist Danielle Ganser, Historiker und Friedensforscher an der Uni Basel. Im Rahmen des Parallel History Project des Zentrums für Sicherheitspolitik an der ETH Zürich untersuchte Ganser, unterstützt von europäischen Kollegen, ein Kapitel des Kalten Krieges, das den wenigsten Menschen bekannt sein dürfte.
In den frühen 50er Jahren hatte der Westen Angst, von der Roten Armee überrollt zu werden. Da besetzte Länder während des Zweiten Weltkriegs mit „Guerilla-Kriegsführung“ und „Partisanentaktiken“ große Erfolge erzielen konnten, griff die NATO dieses Konzept auf und gründete in mehreren westlichen Ländern mit Hilfe von CIA und britischen MI6 so genannte „Stay-Behind-Organisationen“. Aufgabe dieser geheimen Kommandotruppen war es, sich bereit zu halten, um im Ernstfall eine wirksame „Resistance“ gegen die Truppen der Roten Armee aufbauen zu können. Dafür wurden riesige Waffenlager angelegt und in jedem Land geeignete Mitglieder rekrutiert. Da diese Gruppen streng antikommunistisch ausgerichtet sein sollten, wurden die Mitglieder vornehmlich im christlich-reaktionären und rechtsextremen Umfeld rekrutiert. In Italien und Deutschland spielten ehemalige Faschisten eine entscheidende Rolle.
Mit einer Verfestigung des Status-Quo und einem Frieden durch Abschreckung war die Gefahr einer sowjetischen Invasion in den 60er Jahren merklich gesunken. Für die bestehenden Geheimarmeen wurde in einigen Staaten allerdings recht schnell eine neue Aufgabe gefunden. Die Türkei und Italien spielten dabei eine besonders unrühmliche Rolle. Die italienische Geheimarmee trug den Namen Gladio - und dieser Begriff steht heute als Synonym für Geheimarmeen, Staatsterror und die Strategie der Spannung.
Im Italien der 60er Jahre stellten die Kommunisten zeitweise die stärkste Partei im Parlament. Für die NATO wäre es eine Katastrophe gewesen, wenn die Kommunisten die Regierung übernommen hätten oder beispielsweise auch nur den Verteidigungsminster gestellt hätten und ihre Geheimnisse direkt nach Moskau gekabelt würden. Gladio wurde eingesetzt, um mittels „False Flag Operations” und gezielter Desinformation die Gegenseite zu diskreditieren. Heute geht man davon aus, dass mindestens 200 Italiener durch Terroranschläge durch Gladio getötet wurden, die kommunistischen Organisationen, wie den Roten Brigaden, in die Schuhe geschoben wurden. Auch beim Mord am konzilianten christdemokratischen Ex-Regierungschef Aldo Moro (1978) wird von mehreren seriösen Stellen „Gladio“ eine Mittäterschaft zugeschrieben. Inwieweit NATO, CIA und MI6 in die Operationen von „Gladio“ verwickelt waren, ist historisch umstritten, da es zwar Hinweise für eine direkte Verbindung gibt, die sich aber nicht beweisen lassen.
Auch in Deutschland gab es eine Geheimarmee. Mit aufgebaut wurde sie von Reinhard Gehlen – im Dritten Reich General und Chef der Ost-Abteilung militärischen Geheimdienstes und unter Adenauer Kernzelle des neuen Bundesnachrichtendienstes. Bereits im Jahr 1952 packte der ehemalige SS-Hauptstürmführer Hans Otto bei der Frankfurter Kriminalpolizei aus und deckte die deutsche Gladio-Sektion mit dem Namen „Technischer Dienst des Bundes Deutscher Jugend“ auf. Besonders brisant war, dass bei der Aktion Listen gefunden wurden, die Namen von führenden Sozialdemokraten und Kommunisten enthielten, die im Falle einer Sowjetinvasion liquidiert werden sollten – auf der Liste standen auch so illustre Namen wie „Wehner“ oder „Apel“. Nach einem kurzen Aufschrei wurde die ganze Sache auf Weisung von Oben eingestellt und Spuren wurden vernichtet.
Nach neuen amerikanischen Dokumenten bestanden die Geheimarmeen in Deutschland allerdings wesentlich länger. Auch das Oktoberfestattentat von 1980 steht im Verdacht, mit „Gladio“ in Verbindung zu stehen. Sicher scheint zumindest, dass der Sprengstoff aus einem „Geheimdepot“ der deutschen Sektion in der Lüneburger Heide stammte – zu dumm, dass der Betreiber des Depots, das vermeintliche Mitglied der deutschen Gladio-Sektion, der Rechtsextremist Heinz Lembke, einen Tag bevor er bei der Staatsanwaltschaft über seine Hintermänner auspacken konnte, tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Ein spannendes Thema.
Das Buch von Danielle Ganser “Nato-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung” erscheint im März 2008 in deutscher Sprache, kann aber schon vorbestellt werden.
p.s.: Danke an den User “Isularossa” für den Hinweis auf diese Radiosendung.
Jens Berger
Bildnachweis: Wikicommons und Danille Ganser
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Danke für den Tip, interessante Sendung.
Passt gut zu der vor kurzem auf SPON vorgestellten Seite “lostplaces.de”.
Die beschäftigt sich auch mit der Aufdeckung und Dokumentation der Hinterlassenschaften des Kalten Krieges.
Sehr gut gemacht…kann ich nur empfehlen.
Wer ahnte schon dass die Autobahn vor der eigenen Stadt als Landebahn konzipiert, und alle größeren Brücken und Dämme Sprengschächte, tlw. mit Sprengladungen bestückt hatten.
Danke!
Sehr gutes und informatives Interview.
Es sei empfohlen auf der umfangreichen Webseite von Daniele Ganser (www.danieleganser.ch) weiter zu stöbern.
Empfehlen möchte ich insbesondere:
“Historiker und Wahrheitssuche”
Sendung: Stöhlker Talk
Sender: U1
Sprache: Deutsch
Sendedatum: 06.12.2006
Dauer: 20 Minuten
youtube.co...
und:
Über sich selbst hinauswachsen – Wege aus dem gewalterzeugenden Bewusstsein
Medium: Der Europäer
Datum: 01.04.2005
danielegan...
breitbart....
Deutscher Heimatschutz! Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen.
Ja, der alte Nazi Adenauer konnte ja gar nicht anders, als alle alten Nazis wieder in Amt und Würden kommen zu lassen - alle alten Kommunisten waren entweder unter der alten Drecksau Adolf oder unter der alten Drecksau Stalin verbannt, verbrannt, erschossen, vergast worden - auf jeden Fall unter die Erde gekommen. Der Rest hat sich feige in der Zone vor den Resteverwertern des 2. Weltkriegs versteckt. Ja, und das Deutsche Volk hatte wie heute wieder mal die Hosen voll! Wer soll denn die Drecksarbeit machen, wenn nicht die Christen und Nazis? Al Quaida vielleicht?
Laevus Dexter
Die Nazis haben Recht!
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LD