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    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • Wir sind nicht eure Geldautomaten

    geschrieben am 19. Juni 2010 von Spiegelfechter

    ein Gastbeitrag von Wolf Wetzel

    Wir haben analysiert, gemahnt, vorhergesagt. Wir haben gewarnt, wir haben lange gewartet. Wir haben gehofft, gefordert, wir haben demonstriert. Es wird Zeit, dafür zu sorgen, dass das nicht eintritt, was wir alle nicht anders erwartet haben. Es wird höchste Zeit, nicht länger auf bessere Zeiten zu warten, in eine andere Richtung zu zeigen, sondern sie selbst zu ändern.

    Rot-Grüne Reformsalven und schnee-weißes Pulver

    Was die Kohlregierung in vielen kleinen Schritten vorantrieb, die Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben, trieb die rot-grüne Regierung ab 2002 mit Kanonenschlägen auf die Spitze. Agenda 2010 nannten sie ihr Reformwerk, was nichts anderes hieß, als die Sozialsysteme zu sprengen, das Lohn- und Rentenniveau drastisch zu senken, prekäre Arbeit zum Kern dieses Systems zu machen und Flexibilisierung zur erschöpfenden Norm eines Arbeitsalltags:

    * Bereits 1998 belief sich die Summe, die im Sozialbereich ?eingespart? wurde, auf rund 100 Milliarden Mark: »Regierungsamtlich steht fest, daß kein anderes Land in Europa die sozialen Streichungen in den 90er Jahren so weit getrieben hat wie Deutschland.« (FR vom 30.7.1998)
    * »In Deutschland sind die Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren (zwischen 1995- 2004) um 0,9 Prozent zurückgegangen. Damit liegt die Bundesrepublik an letzter Stelle der 15 alten EU-Länder.« (FR vom 16.6.2005)
    * »Billiglohnland BRD: Die Nettolöhne und -gehälter sind 2006 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken.« (Junge Welt vom 27.9.2007)
    * »Der Niedriglohn-Sektor in Deutschland wuchs so rasch wie in kaum einem anderen Land. 2008 waren fast 23 Prozent der Beschäftigten Geringverdiener, die weniger als 8,90 Euro pro Stunde erhielten (?).« (FR vom 8.2.2010)
    * »Zwischen 1991 und 2004 schrumpfte die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um fast sechs Millionen oder rund 20 Prozent auf 23,75 Millionen. Dagegen verdoppelte sich die Zahl der Arbeitnehmer in Teilzeit einschließlich der nur geringfügig Beschäftigten auf 11 Millionen.« (FAZ vom 19.07.2005)
    * Die gesetzlich garantierten Rentenleistungen (bezogen auf das Jahr 2030) sind seit 1993 um ca. 40 Prozent gekürzt worden ? durch Verlängerung der Lebensarbeitszeit, neue Berechnungsmodis etc.. (vgl. FR vom 11.8.2003)

    Was für die Mehrheit der Menschen in Deutschland einen ruinösen Wettlauf nach unten bedeutete, sollte für Konzerne und Finanzunternehmen eine bis dato nie da gewesene Jagd auf Renditen, Märkte und billiges ?Humankapital? (Unternehmerdeutsch für verwertbare Menschen) einläuten. Dank niedriger Löhne, massiver Steigerungen der Produktivität und einschneidender Senkungen der so genannten ?Lohnnebenkosten? (Krankenkassenbeiträge) avancierte die deutsche Industrie zum ?Exportweltmeister? und die deutsche Bundesregierung zum Liga-Chef innerhalb der EU.

    Parallel dazu öffnete man die Schleusen für das Finanzkapital (durch die so genannten Finanzmarktreformen), deregulierte bis zum Geht-nicht-mehr, bis alle Akteure vor lauter ?Outperformance? nicht mehr gerade aus schauen konnten.

    Als 2007 die ersten Stimmen mahnend vor einem drohenden Finanzcrash warnten, lachte man sich tot und feierte weiter, mit traumhaften Renditen, Bonizahlungen und After-Work-Partys. Selbst für Gewerkschaftsfunktionäre war genug übrig: Man bespaßte sie, flog Prostituierte ein und machte mit Sonderzahlungen aus ?schwarzen Kassen? aus Interessenvertretern der Lohnabhängigen Partygäste auf einem Luxusliner.

    Niemand wollte sich die Kurs- und Profitrallye madig machen lassen, niemand wollte zuerst aussteigen, auch wenn die Wand, auf die man zufuhr, deutlich zu sehen war. Wer zuerst bremst, hat verloren, war die Devise. Und die zweite lautete: Wenn es jemand erwischt, dann nicht uns. ?To big to fail? nennt sich dieser Safetybag der Global Players, für den sie nicht einen Cent bezahlen würden.

    Kassensturz

    Dann brachen die ersten Banken wie Kartenhäuser zusammen und die Business-Class zeigte so lange aufeinander, bis es niemand mehr war, der dafür Verantwortung trug. Das Wort vom ?anonymen Systemfehler? wurde der Schlüssel zur Generalamnestie. Die Schreihälse der Selbstheilungskräfte des Marktes, dessen ?unsichtbare Hand? alles regelt, verstummten und die staatlichen Adjutanten verwandelten sich über Nacht in Krankenschwestern milliardenschwerer Unternehmen. Die erste Notoperation war fällig: Der Staat übernahm mit mehr als 500 Milliarden Euro die Rettung des privaten Bankensektors.

    Mit der Verstaatlichung der Krise war die nächste vorprogrammiert. Viele Staaten verschuldeten sich in einem Maße wie sonst nur in Kriegszeiten. Darauf folgte die ?Griechenland-Krise?, die Krise für das vermeintlich einzig schwache Glied in der Euro-Kette. Wieder wurden allein von der deutschen Bundesregierung über 25 Milliarden Euro bereitgestellt, um einen drohenden Staatsbankrott, ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone abzuwenden. Ein Rettungspaket, mit der Lüge geschnürt, Griechenland sei einzigartig, und dem rassistischen Ressentiment gewürzt, die ?Griechen? hätten über ihre Verhältnisse gelebt.

    Kaum war die Griechenland-Hilfe beschlossen, wurde klar, dass sich hinter dem Baum der Wald versteckte. Die dritte Phase der kapitalistischen Krise war eingeläutet: die Europäisierung von Milliarden-Verlusten von Banken und Privatunternehmen. In einer Nacht- und Nebelaktion, in der sich auch noch das Parlament selbst entmachtete, wurde der nächste Rettungsring ins offene Meer geworfen. Über 750 Milliarden sollen die tödliche Konkurrenz der EU-Staaten am Leben erhalten.

    Nun werden die Billionen an Euros, die im Euroraum zum Überleben von Banken und Konzernen eingesetzt wurden, aus denen herausgepresst, die in der Logik dieses Wirtschaftssystems kein ?systemisches Risiko? also keine Gefahr darstellen: Arbeitslose, Lohnabhängige, Geringverdienende, das ?letzte Drittel?. Es folgt nun die Sozialisierung der Krise. In fast allen Euro-Ländern werden Schock- und Verarmungsprogramme beschlossen.

    In Griechenland kam es zu mehreren befristeten Generalstreiks. In Italien, Spanien und Portugal werden die Möglichkeiten dazu ausgelotet. In Deutschland spricht der DGB-Chef Sommer davon, die Betriebe zu mobilisieren.

    ?Wir bezahlen nicht für eure Krise?

    Als der Vorschlag kam, im März 2009 zu Großdemonstrationen unter dem Motto ?Wir bezahlen nicht für eure Krise? aufzurufen, lehnte die Gewerkschaftsspitze eine Unterstützung mit der Begründung ab, das sei alles viel zu früh. Die Gewerkschaftsbasis und viele linke Gruppierungen riefen dennoch dazu auf: Was für die Gewerkschaftsspitze viel zu früh war, war für über 40.000 Menschen gerade richtig: Auf der Demonstration in Frankfurt beteiligten sich ca. 20.000 Menschen, in Berlin wollen die VeranstalterInnen noch mehr gezählt haben. Inhaltlich reichte das Spektrum von einer sympathischen Verweigerungshaltung bis zur grundsätzlichen Systemkritik. Praktisch und realpolitisch herrschte danach in allen politischen Spektren bleierne Stille. Man überließ den Herrschenden das Tempo, die Richtung, die Schlagzeilen und wartete in banger Ohnmacht auf das, was kommen musste.

    Ein Jahr später, am 12.6.2010 fanden unter dem selben Motto zwei Großdemonstrationen in Stuttgart und Berlin statt. Bei vorsichtiger Schätzung waren zusammen ca. 40.000 Menschen auf der Strasse, etwa genauso viele wie im Jahr zuvor. Bei nüchterner Analyse kein Erfolg, sondern Ausdruck politischen Stillstandes, was die Zahl der TeilnehmerInnen, vor allem aber, was die Ziele solcher Demonstrationen anbelangt. Vor einem Jahr ahnte man, wer für die Kapitalverbrechen in Billionen Höhe zahlen wird. Das Verarmungsprogramm für das ?letzte Drittel? lag in der Luft, jedoch noch nicht auf dem Tisch. Während die politische Klasse ihnen Fahrplan einhielt und ihrem Credo folgte: ?Wir lassen immer andere für unsere Krise bluten?, drehten sich die Demonstrationen im Kreis gemachter Erfahrungen. Denn das Motto ?Wir bezahlen nicht für eure Krise? wird nicht durch seine Wiederholung eingelöst, sondern durch politische und praktische Konsequenzen, die daraus gezogen werden. Alle wissen und spüren es: Man kann noch Hundert Mal auf die Strasse gehen, Warnungen und Drohungen ausstoßen, ohne am Lauf der Dinge etwas zu ändern, solange man dieses Verarmungsprogrammen kritisiert und im wirklichen Leben ausbadet.

    ?Die Geschichte wiederholt sich nicht und wenn als Farce?

    Das gilt nicht nur für die politische Klasse, sondern auch für jede Art der Opposition. Bei aller Sympathie für Menschen, die zum ersten Mal auf einer Demonstration waren, hat diese Wiederholung etwas Komödiantisches: Das Verarmungsprogramm steht und absolviert ungestört seinen parlamentarischen Weg, während man trotzig und wirklichkeitsfremd durch die Strassen ruft: Wir bezahlen nicht für eure Krise. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man der Symbolik einen zivilgesellschaftlichen oder revolutionären Charakter gibt. Beide gehen wirkungslos denselben Weg, von A nach B, ohne eine Praxis, eine Handlungsmöglichkeit aufzuzeigen, die nicht nur etwas (ganz) Anderes fordert, sondern selbst etwas (ganz) Anderes tut.

    Auf diesen wie auf den Demonstrationen ein Jahr zuvor wurden viele Forderungen aufgestellt und adressiert. Damals standen sie richtungweisend im Raum und zur Auswahl. Heute stehen sie genau so zahlreich, genau wahllos nebeneinander. Mit welchen Forderungen will man die Businessräume der Adressaten betreten ? nicht symbolisch, sondern geschäftsschädigend, störend?

    Welche Ziele kann man mit wem und mit welchen Mitteln durchsetzen? Wie muss ein Konzept aussehen, dass die Angst vieler berücksichtigt, ohne vor ihr zu kapitulieren?

    Zwischen den ersten Demonstrationen und heute liegt zeitlich über ein ganzes Jahr. Praktisch, politisch, strategisch ist man auf der Nulllinie stehen geblieben.

    Man muss kein ?Berufsdemonstrant? sein, um zu wissen, dass Forderungen nicht eingelöst werden, in dem man sie wiederholt, sondern indem man die politisch Verantwortlichen dazu zwingt, ihnen nachzugeben.

    ?Es geht auch anders? stand auf vielen Transparenten der Demonstration in Stuttgart. Wer würde das bestreiten? Nicht diese Feststellung ist falsch, sondern die fortgesetzte Untätigkeit, dafür zu sorgen, dass das ?Andere? auch passiert, aus dem Himmel der Andeutungen herabsteigt, um es in einer gemeinsamen Praxis sicht- und erlebbar zu machen.

    Weder die Demonstration in Berlin noch in Stuttgart hatten das Ziel, über die Demonstration von zaghaften bis wilden Absichten hinauszugehen. Sie waren im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt. In Stuttgart konnte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Claus Schmiedel, die Bühne ?entern?, obwohl die SPD aus gutem Grund nicht Teil des Bündnisses war. Es folgten wütende Proteste, nicht nur aus dem ?revolutionären Block?, sondern gerade auch aus dem breiten Spektrum der ?Stuttgart-21?-GegnerInnen, die seit Monaten gegen ein haarsträubendes, korruptes Prestigeprojekt protestieren, das weiteres öffentliches Eigentum privaten Investoren zum Schnäppchenpreis überlassen will.

    Mit Rufen wie ?Wer hat uns verraten ? Sozialdemokraten. Wer war mit dabei ? die grüne Partei? oder ?Hartz IV ? das wart ihr? und Rufen gegen ?Stuttgart21? wurde seine Rede gestört. Und als auch noch Tomaten und Eier flogen, wurden BFE-Einheiten auf die Bühne geholt, als hätten sich die Macher der Satire-Sendung ?Neues aus der Anstalt? all das ausgedacht.

    Nicht die Eier und Tomaten, die diese Politik trafen, sind der Skandal, sondern die Tatsache, dass ein SPD-Politiker reden konnte, der die Politik der Agenda 2010 konsequent bis in die letzte Haarspitze dieser Gesellschaft treibt. Ein Politiker, der nicht die Privatisierung des Staates und die wachsende gesellschaftliche Verarmung kritisiert, sondern dass all dies ? auf Bundesebene ? nicht von der SPD fortgesetzt wird.

    Vielleicht hat einigen dieses Spektakel gefallen, vielleicht haben sich viele über diese Abrechnung gefreut. Auch wenn das der Stimmung und Schadenfreude möglicherweise gut getan hat, bleibt etwas ganz entscheidendes auf der Strecke: Diese Demonstration ist in ihrer Grundausrichtung hinter die des letzten Jahres zurückgefallen: Ein Bündniskonsens nämlich, der ganz praktisch und lebensnah davon ausgeht, dass sich SPD ? Grüne und CDU-FDP als ehemalige und aktuelle Regierungsparteien nicht unterscheiden, sondern lediglich in ihrem zeitweiligen Oppositionsgehabe. Das schließt nicht die Mitglieder oder WählerInnen dieser Parteien aus, jedoch deren politische Repräsentanten ? auf der Bühne.

    In Berlin hielt dieser Bündniskonsens. Dafür dominierte wieder einmal ein schikanöses Polizeikonzept. Eine rot-rote Polizeistrategie, mit der viele gerechnet hatten, und genauso viele nicht darauf vorbereitet waren. Kleinere, meist unkoordinierte Versuche, sich genau das nicht (länger) gefallen zu lassen, mündeten in Auseinandersetzungen, die die Polizei vorbestimmen, im Verlauf diktieren und am Ende als Rechtfertigung ihres Vorgehen zweitverwerten konnte.

    Es wird Zeit, dass sich der Wind dreht!

    All diese Erfahrungen sind in folgenden Aktionsaufruf eingeflossen. Er ist ein Aufruf an alle, an GewerkschaftlerInnen, an Lohnabhängige, Arbeitslose, RentnerInnen, außerparlamentarische Gruppen und Organisationen, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Der Aufruf leugnet nicht die verschiedenen politischen Positionen und Differenzen. Er will sie nicht gegeneinander in Stellung bringen, sondern fruchtbar machen. Der Aktionsaufruf versucht, die Gemeinsamkeiten verbindlich und bindend zu machen. Die politischen Unterschiede werden in diesem gesellschaftlichen Prozess sicht- und streitbar bleiben, als Aufruf zur gemeinsamen, öffentlichen Debatte.

    »Aufstand. Jetzt.« Frankfurter Rundschau (2010)
    Bundesweiter Aufruf: ?Die Verursacher und Profiteure der Krise blockieren?

    »Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« Multimilliardär Warren E. Buffet, 2005.

    Klassenkrieg ? das wollten die meisten nicht hören und nicht verstehen. Aber sie bekamen es zu spüren. Wie in anderen Ländern Europas wurden Löhne und Renten gekürzt, Leih- und Zeitarbeit systematisiert, der Niedriglohnsektor, das Prinzip ?Armut durch Arbeit? ausgeweitet, Arbeitszeiten verlängert, das Leben zusammengestaucht.

    Die Gewinne explodierten, die Renditen in der Wirtschaft stiegen auf 15 ? 20 Prozent. In der Finanzbranche wusste man selbst dies zu steigern. Profite von 50 bis 150 Prozent innerhalb von Minuten waren keine Seltenheit. Es herrschte Partystimmung im Business- und Wellness-Bereich.

    Dann brachen die ersten Banken wie Kartenhäuser zusammen, ein weltweiter Kreislaufkollaps des Kapitalismus drohte. Die Schreihälse der ?Selbstheilungskräfte des Marktes? verstummten und der Staat übernahm mit mehr als 500 Milliarden Euro die Rettung des privaten Bankensektors.

    Nun werden die Billionen an Euros, die im Euroraum zum Überleben von Banken und Konzernen eingesetzt wurden, aus den Lohnabhängigen und Arbeitslosen herausgepresst. In fast allen Euro-Ländern werden Schock- und Verarmungsprogramme beschlossen. Denn zumindest die Herrschenden sind sich einig: Wir zahlen nicht für unsere Krise, solange diejenigen stillhalten, die für uns immer bluten müssen.

    Die schwarz-gelbe Bundesregierung will den Staatshaushalt in den nächsten drei Jahren um ca. 80 Milliarden Euro kürzen. 37 Prozent der geplanten ?Einsparungen? betreffen den Sozialbereich. Niemand braucht darüber diskutieren, ob das sozial ausgewogen ist. Es gibt nichts mehr zu analysieren, es gibt nichts mehr zu erklären. Hören wir also endlich auf, uns mit Klagen über soziale Kälte und sozialem Kahlschlag heißer zu reden und folgenlose Drohungen auszustoßen. Es ist Zeit, Taten folgen zu lassen!

    Für den 12. Juni wurde unter dem bekannten Motto ?Wir zahlen nicht für eure Krise? abermals zu Großdemonstrationen in Berlin und Stuttgart aufgerufen. Die tatsächliche Mobilisierungskraft, die Zerwürfnisse innerhalb der Bündnisse und deren Verlauf waren eher von politischer Stagnation, als von Ermutung und greifbaren Perspektiven geprägt.

    Alle wissen, dass die Parole ?Wir zahlen nicht für eure Krise? längst von der Realität überholt ist. Wenn wir mit diesem kleinsten gemeinsamen Nenner ernst machen wollen, dann müssen wir mehr tun, als mit vielen Menschen auf die Strasse zu gehen. Wir müssen die Richtung ändern, wir müssen die Symbolik hinter uns lassen, wir müssen dafür sorgen, dass die Angst die Seite wechselt. Es ist höchste Zeit, dass sich der Wind dreht, damit das Feuer nicht länger die Hütten niederbrennt, sondern die Paläste der Brandleger heimsucht.

    Gründe gibt es mehr als genug. Und an Aufrufen mangelt es ebenfalls nicht. Nehmen wir z.B. diesen: »Aufstand. Jetzt! Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir? Die erste Bürgerpflicht nach Vorlage des schwarz-gelben Spardiktats heißt: Aufstand jetzt! (?) Es richtet sich in aller erster Linie gegen die sozial Schwachen. Die eh am wenigsten haben, sollen am meisten verzichten. Da mögen Merkel und Westerwelle von Fairness und Ausgleich reden, was sie wollen. Fakt ist: Sie lügen. Und noch schlimmer: Sie wissen das.« (FR vom 8.6.2010)

    Sparen wir uns also die Zeit ellenlanger Erklärungen. Worauf es jetzt ankommt, dieser Wut eine Richtung, einen Ort, eine Chance zu geben ? damit die Wut uns nicht auffrisst und die individuelle Ohnmacht nicht länger unseren Alltag bestimmt.
    ?Wir sind nicht länger eure Geldautomaten? (Parole aus Italien)

    Als gemeinsame Aktion einer bundesweiten Kampagne schlagen wir vor, die Zentralen von zwei ?systemischen Banken? der Deutschen Bank und der Commerzbank in Frankfurt für einen Arbeitstag zu blockieren. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stoppen, die Business-Party für einen Tag auf den Kopf, also auf die Füße zu stellen. Unsere Forderung ist schlicht: Ihr zahlt die Billionen Euro, die euer Finanzkrieg gekostet hat. Wir werden euch nicht in Ruhe lassen, wir werden wiederkommen, an vielen Orten, zu den unpassendsten Gelegenheiten und Zeiten.

    Mit einem bundesweiten Aufruf ist weder alles gesagt, noch alles getan. Es ist ein Anfang gemacht, ein Signal gesetzt, mit dem Ziel, dass in der Folge in allen Städten, in jeder Woche an einem Tag eine Bank mit ?systemischen Risiko? belagert wird. Der Weg ist lang und offen, er führt über Banken, über ihre Beteiligungen an Konzernen, bis hin zu den politischen ?Beraterstäben?, den Headquarters der Regierung.

    Dazu brauchen wir ein gemeinsames Startsignal; einen langen Atem und ein Konzept, das möglichst vielen eine Teilnahme ermöglicht. Wir brauchen ein Konzept, das zwischen folgenlosen, störungsfreien Demonstrationen und Fantasien vom Aufstand oder Generalstreik einen Weg beschreibt und beschreitet.

    Wir sind überzeugt davon, dass es hier in Deutschland weder an Analysen noch an Forderungen fehlt, die entweder den Kapitalismus ?zügeln? oder aber überwinden wollen. Über die Richtigkeit der Analysen und Forderungen wird aber nicht auf dem Papier oder in Konferenzen entschieden, sondern in einem gesellschaftlichen Prozess, der möglichst viele Menschen zu Handelnden macht. Gelänge es uns, in einem großen Bündnis die Zeichen umzukehren, jenen endlich Angst zu machen, die seit Jahren mit unserer Angst spielen und von ihr leben, dann hätten wir noch genug Zeit, über die nächsten Schritte zu beraten und zu entscheiden. Im Rahmen unseres Aktionskonzepts schlagen wir folgende zentralen Forderungen vor:

    * Sofortige Einführung einer Finanztransaktionssteuer
    * Besteuerung aller Vermögen über 1 Million mit 5%
    * Sofortige Umsetzung der Forderung nach 500,- Euro Hartz IV-Eckregelsatz, 10 Euro Mindestlohn und einer 30-Stunden Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich

    Als Aktionskonsens schlagen wir vor, uns am Dresdner Konzept gegen den Neonaziaufmarsch im Januar 2010 zu orientieren. Eine gute Basis, in der Entschlossenheit und Breite, Radikalität und Masse nicht gegeneinander stehen, sondern miteinander verzahnt werden. Ein Konzept, das für viele in Heiligendamm 2007 spürbar, in Dresden 2010 erfolgreich war und bei den angekündigten Castor-Transporten 2010 für eine neue Qualität des Widerstands sorgen wird.

    Als Termin für eine zentrale Aktion in Frankfurt schlagen wir euch den Herbst 2010 vor. Wir bitten euch, uns noch vor den Sommerferien eure Zustimmung/Ablehnung zukommen zu lassen. Eine Zustimmung, die den Weg betrifft, nicht die Details, die wir gemeinsam besprechen müssen.

    Mit dem entsprechenden Votum werden wir zu einer Aktionskonferenz für Samstag, 11. September 2010 nach Frankfurt einladen.

    Gruppen, Organisationen, Einzelpersonen, die diesen Aufruf unterstützen, bitten wir um eine Nachricht an folgende Adresse: ag_georg.buechner@yahoo.de

    Auf dass sich der Wind dreht.« (Aktionsgruppe Georg Büchner & Co. Juni 2010)

    Die Kugel rollt durch den Raum. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele sie aufgreifen. Die Richtung, die die Kugel nehmen soll, ist beschrieben, über das Gewicht und die Wurfweite entscheiden alle Beteiligte.

    Wolf Wetzel

    Wer noch einmal in Ruhe einen Blick auf die angerissenen letzten 20 Jahre werfen und zugleich der Frage nachgehen will, wie viel Reform, wie viel Radikalität und wie viel Utopie ein Kampf braucht und aushält, dem sei folgender Text ans antagonistische Herz gelegt: Alles geht kaputt, alles geht kaputt … und ich lache?

    (Anm. d. Red.: Der ursprüngliche Text von Monika Kappus in der Frankfurter Rundschau wurde anscheinend inzwischen von ?Aufstand. Jetzt.? in ?Auf die Straße!? abgeändert. )

    68 Kommentare Print This Post
    ein Gastbeitrag von Wolf Wetzel Wir haben analysiert, gemahnt, vorhergesagt. Wir haben gewarnt, wir haben lange gewartet. Wir haben gehofft, gefordert, wir haben demonstriert. Es wird Zeit, dafür zu sorgen, dass das nicht eintritt, was wir alle nicht anders erwartet haben. Es wird höchste Zeit, nicht länger auf bessere Zeiten zu warten, in eine andere ...
    Tags: Deutschland Finanzkrise Neoliberalismus Wirtschaft
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    6. Wegilinks: Politik und Pinguine | Just WeGi

    68 Kommentare:

    1. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 13:53 - Permalink

      Wolf,

      ich hab jetzt nicht alles gelesen –sorry– vieles ist (für mich) ja fast selbstverständlich und muss trotzdem immer wieder gesagt werden.

      Ich möchte nur auf einen Trick hinweisen:

      Die Kredite, die viele Institute (zB Deutsche Bank, Allianz) an die PIIGs ausgegeben haben, sind eine delikate Mischung aus Lebensversicherungs-, privaten Rentenversicherungs- und sonstigen Anlagen der ‘kleinen Leute’.

      Andererseits sind es spekulative Anlagen der üblichen Verdächtigen.

      So.
      Wenn nun was passiert, werden die kleinen Sparer vorgeschoben, mit dem Argument, dass sie gerettet werden müssen, und die Gross-Spekulanten im Hintergrund können sich dadurch absichern, dass sie im Windschatten des Interesses des kleinen Mannes segeln.

      Die Logik ist beinhart, solange man die beiden nicht auseinanderhalten kann.

      Und das wäre natürlich UNERWÜNSCHT!

      Der kleine Mann ist die Versicherung des grossen.
      Fast eine Voodo-Puppe.

      Im Grossen schaut es so aus, dass die globale Kapitalfreizügigkeit genau diesen für die Grosskapitalien -hocherwünschten- Deckmantel erzeugt hat.

      Rürup und Konsorten haben genau das gemacht:
      Sie haben die kapitalgedeckten Vorsorgesparer ins globale Kasino gelockt.

      Was zur Wirkung hatte, dass die grossen Kapitalien die Kleinsparerkapitalien als Feigenblatt benutzen konnten.
      Motto: Rettet ihr (der Staat, die Summe der Kleinsparer) das ‘System’ nicht, gehen wir ALLE unter.

      In Börsenkreisen kennt man das längst:
      Smart-Money (Hedgefunds, offshore entities etc) versus ‘Dumb money (institutional investors, pension funds etc). Die ersteren haben keine Regeln, die letzteren schon.

      Das Verhältnis war bis 2000 noch ca 80:20.
      Mittlerweile scheint der ‘Parasit’ soweit gewachsen zu sein, dass das Verhältnis –schätze ich mal– ca 40:60 ist.
      Es gibt also nicht mehr viel zu Verschnabulieren.
      Aber ein Parasit ist nie zufrieden.

      Wer springt ein?

      Nun.
      Jedenfalls: Es wird an der Zukunft gesägt:
      Ansprüche des Hosts müssen zurückgeschnitten werden, damit das smart-money –der Parasit– (zB Ackermanns 25%) seine Rendite bekommt.

      Es ist das mittlerweile gutbekannte Verschieben von Lasten auf zukünftige Generationen
      (Dazu gäbe es noch etliches zu sagen, wie zB das ‘discounting-the-future’ Konzept der mainstream Ökonomie. Brandgefährlich. Kaum bekannt. Kurz: Es besagt, dass eventuelle Kosten in der ZUKUNFT besser bewältigt werden können als JETZT. Sehrt bequem. Worauf beruht es? Auf der impliziten Annahme permanenten Wachstums! Wer glaubt denn solchen Stuss noch, ausser Ökonomen und Politiker?)

      “Wir sind nicht eure Geldautomaten ”

      Klingt gut, aber defakto sind ‘wir’ es, solange ‘wir’ nicht aufwachen.

      Das ist ein neofeudales bis selbstmörderisches Projekt, falls es jemand noch nicht gemerkt haben sollte.

    2. Schneemann schrieb am 19. Juni 2010 at 14:31 - Permalink

      ein Aufruf an alle, an GewerkschaftlerInnen, an Lohnabhängige, Arbeitslose, RentnerInnen, außerparlamentarische Gruppen und Organisationen

      Also, schauen wir uns mal das letzte Aufgebot an:

      Gewerkschaftler:

      - sind primär damit beschäftigt, die eigene Position abzusichern;

      Lohnabhängige:

      - Augenmerk vorrangig auf Fußball und jährlichen Mallorcaurlaub gerichtet, dazu darf der Nachbar kein wesentlich größeres Auto fahren als Mann selbst;

      Arbeitslose:

      - dank Peter Hartz und anderer Volksverräter damit vollzeitbeschäftigt, zu dokumentieren, daß sie nichts mehr zu dokumentieren haben;

      Rentner:

      - die einen jetten zwischen Malibu und Pattaya hin und her, die anderen sammeln Pfandflaschen, um ab dem Zwanzigsten noch was zwischen die Kiefer zu kriegen;

      außerparlamentarische Gruppen und Organisationen:

      - zwischen Selbstfindung und Supportierung von verstärktem Ausländerzuzug hat der Kampf gegen Neonazis absoluten Vorrang.

      Mit den Truppen wollt Ihr also in die Schlacht? Die ist — trotz hehren, unterstützenswerten Zielen — doch verloren bevor sie begonnen hat. Das ist auch in Berlin und Brüssel bekannt, darum bleibt die bewährte Regierungsdevise: Weiter so!

      Die Kugel rollt durch den Raum. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele sie aufgreifen.

      Wie ich all’ unsere Freunde einschätze, werden ihr 99,8% vorsichtig ausweichen.

      Seit Uli und Andi ist klar: der Kampf in diesem Land ist aussichtslos. Anpassung oder Sabotage oder Auswanderung sind unsere letzten verbleibenden Möglichkeiten.

      S’ist zum [-zensiert-].

    3. LAM schrieb am 19. Juni 2010 at 15:20 - Permalink

      Guter Artikel der die Realität beschreibt. Warum ist die Welt wie sie ist ? Weil die Mehrheit der Menschen das Geldsystem nicht versteht.
      Bei http://www.liebeangelamerkel.de betreieben wir Aufklärung. Die ist notwendiger denn je.

    4. caf schrieb am 19. Juni 2010 at 15:27 - Permalink

      finds toll, dass du dazu grade jetzt einen Artikel bringst Jens. Hab nämlich erst gestern dieses imho tolle Interview gefunden – mit Paul Jorion, über die zerstörerische Wirkung des Geldes. Jorion ist Wirtschaftskolumnist der französischen Tageszeitung “Le Monde”. Als strukturalistischer Ökonom kritisiert er die Gleichsetzung von Geld und Kredit als blanke Ideologie. Der hiesige Kapitalismus befinde sich in einem Todeskampf.

    5. Bakunin schrieb am 19. Juni 2010 at 15:43 - Permalink

      Hallo Schneemann, dein Kommentar klingt so absolut zynisch, abgeklärt, trifft aber zumindest augenblicklich voll ins Schwarze!
      Mit WEM soll man kämpfen? WER soll überhaupt kämpfen? Die proletarische “Millionenarmee”, die dazu potentiell in der Lage wäre, ist zur Zeit materiell als auch ideell tief gespalten.
      Erfolgreich im Interesse der Herrschenden Klasse, aller Reichen, Super-Reichen, Besitzenden und sonstigen “Betuchten” wurde diese Spaltung hervorgerufen und immer noch weiter vertieft durch eine sich schon über viele Jahre erstreckende konzertierte GEMEINSAME POLITIK von Unternehmerverbänden und deren Stiftungen, der “staatstragenden” Politik von CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNEN und den völlig korrumpierten und gekauften (Spitzen)Gewerkschafts-Eunuchen aus dem DGB und den verbliebenen Einzelgewerkschaften und Betriebsräten aller wichtigen DAX-Konzerne und vieler anderer Unternehmen.
      Der Graben der Trennung dieser potentiellen “Millionenarmee” verläuft direkt an der Schnittlinie zwischen jenen Arbeitnehmern, die in der Privatwirtschaft oder dem öffentlichen Dienst noch tariflich gut abgesicherte, unbefristete Arbeitsplätze haben oder zumindest darauf eine begründete Aussicht und sich damit noch “Malle” und ein “besseres” Auto “leisten” können und jenen Teil der Rentner und Pensionäre, die nach wie vor ebenfalls gut versorgt sind (“zwischen Pattaya und Malibu hin und her jetten”..) auf der EINEN SEITE und jenen Arbeitnehmern und/oder Arbeitslosen und zunehmend verarmenden Rentnern auf der ANDEREN SEITE, welche sich entweder als Billiglöhner, Befristete oder Leiharbeiter, Mini- und/oder Gelegenheitsjobbern zu miesesten Bedingungen durch das Leben schlagen müssen oder gleich als Arbeitslose oder Rentner von beschämenden staatlichen Almosen vegetieren müssen., sich aber gerade auch wegen dieser ihrer – medial oft genug genüßlich ausgeschlachteten! – Armut immer mehr vor der Gesellschaft verstecken, ihre Armut zumindest so zu verleugnen suchen. Besonders viele Hartz 4 Empfänger versuchend oft krampfhaft, ihre wahre Hartz 4 -”Identität” öffentlich zu verleugnen, zu verschleiern, versuchen mit allen Mitteln den öffentlichen Makel des “Gelben Sterns” von Hartz 4 weit von sich weisen….
      Es ist bei dieser Sachlage völlig klar, dass der “niedere” Teil dieser potentiellen “Millionenarmee” ALLEIN niemals zu einem wirklich erfolgreichen Kampf fähig ist, bestenfalls zu rein symbolischen Aktionen, beinahe möchte man sagen: karnevalistischen!
      Will heissen: Ohne auch die vielen Millionen noch “Normal-Beschäftigten”, ohne eine Vereinigung beider “Abteilungen” zu einer EINZIGEN, gemeinsam auftretenden, gemeinsam kämpfenden “Milionenarmee” ist jeder “Kampf” von Anfang an zum Scheitern verurteilt, aussichtslos.
      Man kann es auch so formulieren: Mit allen jenen (Tarif)Arbeitnehmern und Rentnern/Pensionären, denen es in dieser Gesellschaft NOCH relativ gut geht, ist zumindest gegenwärtig kein gemeinsamer, grundsätzlicher Kampf für gemeinsame Ziele, gemeinsame Interessen, gar für eine gerechtere, bessere Gesellschaft zu führen.
      Gerade was die noch-normalen Tariflöhner angeht, so kommt von denen außer dem versuchten Festhalten an jahrzehntealten “Pründen”, am “eigenen Job” nichts, also beschränkt sich deren egoistischer “Kampf” allein auf Losungen wie: “keine betriebsbedingten Kündigungen”, “Keine Standortschließungen”, letztlich, “zur NOT”: “sozialverträgliche Kündigungen” mit “Auffanggesellschaften” unter der “Mitbestimmung” der Gewerkschaft”…., ANDERERSEITS aber ganz selbstverständlich die AKZEPTANZ von “Kollegen am Band” als Befristete, Billiglöhner, Leiharbeiter, Praktikanten…, sozusagen als “Schutzpuffer” zwecks SICHERUNG derEIGENEN Jobs!
      Sie und IHRE(!) Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte nennen diesen KLASSENVERRAT natürlich “Standortsicherung”…..
      Und wenn wir uns zum Schluß auch noch das neueste “Sparpaket” der Bundesregierung genauer anschauen, welche “Seite” dieser tief gespaltenen “Millionenarmee” wurde hier mehr und welche deutlich weniger belastet? Und warum wohl?
      Es scheint mir, dass Deutschlands Herrschende vielen unserer “LINKEN” bzw. “wortgewaltigen” ….. “Revolutionären” auch verstandesmäßig-intellektuell noch um einiges voraus zu sein scheinen……
      Nix für ungut, aber VORERST findet keine Revolution statt!

    6. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 16:07 - Permalink

      @caf #4

      hab’ mir das mal angehört.

      Natürlich hat er (Jorion) recht.
      Das wurde ungefähr tausendmal gesagt.

      Wer nicht hören will muss fühlen.
      Könnte man sagen.
      Leider zieht es die anderen mit, ob ihnen dabei die Haare zu Berge stehen, oder sie es komplett ignorieren.

      Teil 3:
      “Geld bildet das Herrschaftsverhältnis ab und ersetzt das Instrument der Gewalt”

      “Die Deutschen wollen das Diktum ihres Philosophen Immanuel Kant nicht mehr anerkennen”
      (Damit meint er den kategorischen Imperativ.)
      Kollektive Verblödung könnte man auch sagen.
      Wer versteht heute schon noch den Imperativ?
      Das ist UNERWÜNSCHT. Gier rulez!

      Schön gesprochen.

      Danke für den Link!

      Man muss die Perversität der Lage offenbar aus tausend Winkeln ausleuchten, damit sie von ausreichend vielen erkannt wird.

      Ein sehr ‘schöner’ Blickwinkel!

    7. Ranger schrieb am 19. Juni 2010 at 16:26 - Permalink

      Die Grundaussage des Artikels ist für mich völlig richtig. Wobei ich denke eine wichtiges Detail fehlt: WARUM trieben Kohl, Schröder und Co. den Staat in diese Richtung. Unterstellt man ihnen mal nicht Kapitallobbyismus dann muss da noch was anderes sein. Und das nennt sich Rest der Welt bzw. China und Indien. Denn was wenn sich alle Deutschen zusammenraufen und eine deutlich gerechtere Verteilung des Geldes z. B. über Mindestlöhne und Jobs für alle (Potentiell 30h Woche) herbeiführen? Ich vermute, dann ist Deutschland ruck-zuck wirtschaftlich am Ende. Also die ganze Welt oder nichts. Und wieder zu China/Indien: das sind 3 Mrd. Menschen. Wen kümmern 80 Millionen deutsche außer die Deutschen?

    8. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 16:36 - Permalink

      @ ranger #6

      Unterstellt man ihnen mal nicht Kapitallobbyismus

      da schliesst Du demnach:

      dann muss da noch was anderes sein.

      Überprüfe mal Deine Schlussfolgerungen.

      Wie wärs damit:

      Unterstellt man ihnen mal nicht Kapitallobbyismus

      Das ist doch das Naheliegende!

      Wieso in die Ferne schweifen?

    9. Linus schrieb am 19. Juni 2010 at 16:40 - Permalink

      Man muss kein ?Berufsdemonstrant? sein, um zu wissen, dass Forderungen nicht eingelöst werden, in dem man sie wiederholt, sondern indem man die politisch Verantwortlichen dazu zwingt, ihnen nachzugeben.

      Und wie geht das in einem demokratischen System? Durch Wahlen. *LOL*. Da muß wohl noch mehr geändert werden ;-).

    10. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 17:00 - Permalink

      @Linus #8

      (sorry, bin heut geladen)

      Man muss kein ?Berufsdemonstrant? sein,

      Und wie geht das in einem demokratischen System?

      Änderungen wird es nicht geben, sofern sie den status quo gefährden.

      Der ‘status quo’ muss erst KOMPLETT gegen die Wand fahren!

      DAS ist die traurige Wahrheit!

      Leider wird es dann zu spät sein, und unsere Nachkommen werden ein tristeres Leben als die cavemen führen! Und sie werden ihre Vorfahren (uns) verfluchen!

    11. Geheimrätin schrieb am 19. Juni 2010 at 17:29 - Permalink

      @ Groo 1

      mal wieder sehr gut beschrieben, danke!

      @Schneemann und Bankuin, bzw. auch Wolf Wetzel

      Zitiat Bankuin:

      Es ist bei dieser Sachlage völlig klar, dass der ?niedere? Teil dieser potentiellen ?Millionenarmee? ALLEIN niemals zu einem wirklich erfolgreichen Kampf fähig ist, bestenfalls zu rein symbolischen Aktionen, beinahe möchte man sagen: karnevalistischen!

      in der Tat-Demos haben tatsächlich etwas sehr karnevalistisches. Das war eigentlich auch mein bleibender Eindruck aus Stutgart, wo ich dann selbst mal wieder, nach jahrelanger Demo-Abstinenz, am 12. Juni dabei war. Es ging in der Menge mitunter tatsächlich vor allem darum, den eigenen Karnevalsverein zu promoten, überall latschten Missionare mit Flyern rum, mit denen letzlich mehr nach Anhängern gefischt wurde, als zu einem gemeinsamen Kampf aufzurufen, der ja nur dadurch bewerdstelligt werden kann, wenn auch “vereinsübergreifende” Ziele formuliert werden..

      Und ja natürlich ist eine Demo nicht viel mehr als ein symbolischer Akt. Was sollte es auch sonst sein? Trozt alledem ist es ein Zeichen, und je mehr Leute sich auf der Straße zusammenrotten umso besser. Erstens ist es wichtig, physische Präsenz zu zeigen und 2. kommt man so mal wieder ins Gespräch mit den unterschiedlichsten Leuten. Das ist ja auch gerade ein typisch deutsches “Manko”, dass die Leute sich hierzulande nur in ihren eigenen kleinen Vorgärten aufhalten und das Leben auf der Straße nahezu tot ist. Auch wenn sie ausgehen, bleiben sie meist unter sich. Es wird auf den Strßen doch kaum miteinander palavert. Ich merke das oft, wenn ich mich mal wieder irgendwo einmische und mit “fremden Menschen” das Gespräch suche – das irritiert den einen oder anderen hierzulande dann schon erstmal ziemlich – oftmals freuen sie sich dann aber doch und es kommt zu einem anregenden Gedankenaustausch.Das ist in südlicheren Gefilden und sogar in Amerika ganz anders. Grade in New York habe ich erlebt, wieviel Energie in der Bevölkerung freigesetzt wird, wenn sie offen auf der Straße miteinander diskutieren.

      Also, ich hab keine Ahnung wie ein solcher Kampf zu organisieren bzw. ob das in Deutschland aktuell überhaupt möglich ist. Ich halte es einfach für wichtig, sich selbst ein immer klareres Bild über die Gesamtsituation zu machen und dann mit den Menschen in Kontakt zu kommen, möglichst ohne dieses ganze karnevalisitische Brumborium an Ideologien.

      Gemeinsame Ziele sollten natürlich naheliegende sein, also da anfangen, wo wir jetzt sind – zB. wie im Text zitiert:
      Finanztransaktionssteuer, Vermögenssteuer, menschnwürdige Hartz IV-Eckregelsätze, 10 Euro Mindestlohn, 30-Stundenwoche…. alles schön und richtig, doch sollten wir bitte nicht zurück hinter die Grenzen nationalistischen Denkens fallen – die Krise betrifft uns schlißlich alle und solange mein Vorteil noch der Nachteil eines anderen ist, kommen wir nie aus der Negativeschleife heraus. Ein gerechter Welthandel, Friedens-, Flüchtlings-, Umwelt und Energiepolitik – es ist und bleibt ein ganzes Paket.

      Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an Willy Brandts Nord-Süd Komission, die dort ausgearbeiteten Pläne wären, wenn umgesetzt worden, ein Meilenstein in der Geschichte gewesen. Ja ich weiss, für hardcore Komunisten war die Nord-Süd Komission natürlich immer noch purer Imperialismus.Ich aber glaube, dass das genau die Schritte gewesen wären, für die es sich damals mehr als gelohnt hätte, parteiübergreifend zu kämpfen und ich glaube auch heute brauchen wir eine ähnliche Zielsetzung – ideologiefrei in dem Sinne, als dass es zuallerst mal darum geht, das Überleben zu sichern und friedliche, gerechtere Strukturen zu schaffen. Auf diesem Feld dann, kann ja dann immer noch jeder Verein sein allein-glückselig-machendes Kraut anbauen …

    12. R_Winter schrieb am 19. Juni 2010 at 17:45 - Permalink

      Alles bekannt, aber was machen?

      In Berlin wurde ein Feuerwerkskörper gezündet und wurde stufenweise zur Splitterbombe erhoben.
      In der Presse wurde nur über die angebliche Splitterbombe berichtet, kaum über die Demonstration und schon gar nicht über die Anliegen.
      Drei Jahre wird im Bundestag von allen Parteien (außer Linke) gefordert und nichts beschlossen, um die Verursacher dieser Verbrechen zu regeln und zur Zahlung heran zu ziehen, aber es dauerte nur zwei Wochen, um eine Verschärfung der Strafgesetzgebung als Folge des Feuerwerkskörpers im Bundestag zu fordern.
      Der Staat unterdrückt immer mehr jedes Wehren gegen die Umverteilung von unten nach oben.
      Die Gewerkschaften sind kampagneunfähig, die Sozialverbände unfähig und die Parteien korrupt.
      Generalstreik ist in Deutschland verboten, Streiks werden mit hohen Geldforderungen seitens der Justiz nieder gemacht.

      Der Artikel reiht sich ein in das hilflose Rufen nach Veränderungen aus und zeigt nicht einmal im Ansatz eine Lösung auf. Es gibt auch keine, dafür sorgen bestehende Gesetze, die bei Bedarf noch verschärft werden. Wir wagen nicht einmal Politiker die lügen als Lügner und und Sprecher von Banken als Verbrecher zu bezeichnen. Angsthasen und Pseudo-Intellektuelle sind wir.

    13. André schrieb am 19. Juni 2010 at 18:18 - Permalink

      Es klingt weiter oben schon an: Es ist die übergroße Mehrheit, die nichts mehr hinterfragt, die sich seit Jahren mit Brot und Spielen bestens abspeisen läßt. Und die dann alle 4 Jahre zur Wahl marschiert und ein Kreuzchen bei den immergleichen Parteien macht. Und genau diese Mehrheit scheint einfach nicht kleiner zu werden.

      Was mich am meisten wundert, ist, daß gerade die Leute, die gnadenlos ausgebeutet werden (als Hausnummer nenne ich 800 bis 1000 Euro netto für 200 Arbeitsstunden pro Monat), gar nichts mehr hinterfragen. Ich kenne ihrer viele, und sie sind so mit dem täglichen Kampf um´s Geld beschäftigt, daß sie sich über das Große und Ganze schon lange keine Gedanken mehr machen. Sie merken auch nicht, daß sie verhöhnt werden, wenn man ihnen zuruft, daß sie mehr für ihre private Altersvorsorge tun sollen. In Thüringen wird ihnen laufend erklärt, daß Niedriglöhne ein Standortvorteil sind, den es zu sichern gilt. Man redet ihnen ein, daß Mindestlöhne Sache der Tarifparteien sind, sagt aber nicht, daß 80% der arbeitenden Bevölkerung in Ostdeutschland gar keiner Tarifbindung unterliegen. Und es gibt keine Revolution. Nichts. Ganz im Gegenteil: Man kauft sich eine Tröte und guckt Fußball.

      Also, ich bin da ziemlich pessimistisch. Mit den Deutschen ist keine Revolution zu machen, und die Schmerzgrenze ist noch lange nicht in Sicht. Aber gut, es reicht ja, den Rentnern ihr Auskommen zu sichern. Das ist die größte Wählergruppe, die gilt es bei der Stange zu halten. Alles andere, zumal die jüngere Generation, ist im wahltaktischen Kalkül Nebensache.

    14. Outlook schrieb am 19. Juni 2010 at 18:21 - Permalink

      @Ranger 6
      Putin hat in seiner Bundetagsrede 2001 ein großes Angebot an Deutschland und Europa gemacht.
      Dieses Angebot wurde von Schröder aufgegriffen und von Merkel zerstört.
      Die Achse Paris-Berlin-Moskau
      http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/putin/putin_wort.html

      Heute hat Sarkozy die Initaiative in Peterburg ergriffen.
      Er hat die EU-Initiative übernommen und Merkel wieder die Statistenrolle zugewiesen
      Wenn der US-Einfluß in Europa ausgedünnt wird, geht vieles in eine positive Richtung.
      Davon bin ich überzeugt.
      Dann gehören auch Dumpinglöhne in die Mottenkiste, weil wir dann Rohstoffe zu moderaten Preisen beziehen können.
      Der eurasische Kontinent kann eine große Zukunft haben.
      Ohne Kriege.

      Die SPD und die Grünen haben den sozialen Kahlschlag nach Kohl noch brachialer betrieben.
      Jetzt müssen sie eine Postion nach der Anderen räumen.
      Das gehört ins öffentliche Bewußtsein.

    15. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 19:45 - Permalink

      @Geheimrätin #10
      @Andre #12

      bzgl …Willy Brandts Nord-Süd Komission, muss ich noch nachsitzen. Ist mir momentan nicht präsent.

      Was …

      die übergroße Mehrheit, die nichts mehr hinterfragt

      betrifft, habe ich leider den Verdacht, dass es bei der erst dann klickt, wenn es ans Eingemachte geht.
      (Basic needs, Corning, bitte ggf recherchieren )

      Mir selber geht es nicht schlecht. Habe nicht nachgeschaut, aber gehöre wohl grade so zum obersten Dezil. Was mir am A… vorbeigeht. Ich interessiere mich nur insofern für Geld, als ich mich wundere, wieso das für gewisse Leute ein Thema sein kann.

      Was mich dann noch wundert, ist, dass Leute, denen es gut geht, garnicht die Bedingungen ihres Wohlstands hinterfragen können!

      Das ist ein Resultat kollektiven Handelns, der öffentlichen Ordnung, und gegenseitigen Vertrauens.

      Gewisse Elitisten und sonstiges Geschmeiss scheinen das anders zu sehen:

      Status und Wohlstand ist Zeichen einer PERSÖNLICHEN Herausgehobenheit, bis zur göttlichen Fügung.

      Solche Leute kann ich nur psychoanalytisch deuten.

      Analfixiert?
      Zu heiss gebadet?

      Jedenfalls fahren sie die Gesellschaft, so mies sie jetzt schon ist, wenn es so weitergeht, in Grund und Boden.

      Und schuld wollen sie zuletzt auch nicht sein.

      Geisteskranke sind schuldunfähig.

      Q.E.D.

    16. Wolf Wetzel schrieb am 19. Juni 2010 at 20:06 - Permalink

      Einige Anmerkungen des Autors:

      Zuerst etwas wirklich kafkaeskes: Dem im Text dokumentierten Aufruf ist ein Titel eines Kommentars aus der Frankfurter Rundschau vorangestellt: “Aufstand.Jetzt!” Wer heute nach diesem Kommentar sucht, wird enttäuscht sein. Der Kommentar ist nachträglich frisiert worden: http://wolfwetzel.wordpress.com/2010/06/18/17-6-2010-%E2%80%BAwir-sind-nicht-eure-geldautomaten%E2%80%B9/

      Viele KommentarorInnen verweisen auf all die anderen, die nicht den Arsch hochkriegen, die nur maulen, aber keine Taten folgen lassen… Wenn nur alle kämen, die den anderen vorwerfen, dass sie sich mit allem abfinden, wären wir mehr als genug!

      Dieser Aufruf wird zur Zeit auf drei bundesweiten Konferenzen vorgestellt und besprochen. Dieser Aufruf ist also nicht nur gut, sondern vor allem ernst gemeint.

      Wolf Wetzel

    17. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 20:21 - Permalink

      @Wolf Wetzel #16

      Ich hab das auf die Schnelle nicht erfasst.

      WAS ist frisiert !?
      Was ist Original?
      Das ist (mir Depp) VOLLKOMMEN unklar!

      Please be specific!

      So dass auch ich Depp verstehen kann, worum’s überhaupt geht.

      Sonst geht der Schuss auch bei Wohlmeinenden nach hinten los!

      Ansonsten: Glück auf!

    18. John Doe schrieb am 19. Juni 2010 at 21:01 - Permalink

      von einigen kommentatoren wurde die analogie des parasitären angeführt. lassen wir das mal so im raum stehen und spinnen den gedanken aber weiter. pflegt sich hier irgendjemand mit z.b. seinen kopfläusen, bandwürmern etc. zu unterhalten..? wohl eher nicht! man besorgt sich ein medikament und vernichtet den parasit. tut man es nicht ist man früher oder später selbst tot oder so geschwächt, dass kein vernünftiges weiterleben mehr möglich ist. glücklicherweise wird die beiseitigung dieser parasiten und anderer menschenverachtenden gestalten von einer dem menschen weitaus höher gestellten institution schon bald vorgenommen werden. ist besser, man entscheidet sich langsam, auf welcher seite man stehen will…

    19. Groo schrieb am 19. Juni 2010 at 21:29 - Permalink

      @john doe,

      ich würde mich da nicht auf

      eine(r) dem menschen weitaus höher gestellten institution

      verlassen.

      Das müssen wir schon selbst bewerkstelligen. –Fürchte ich.

    20. B. Mat schrieb am 19. Juni 2010 at 23:06 - Permalink

      Ausgangslage

      “Viele Leute verstehen nicht, wie das funktioniert mit dem Geld” – meiner Meinung nach liegt hier der Schlüssel zu allem Übel. So lange es Geld gibt und die Leute nicht verstehen, dass genau hier das Problem liegt, wird sich nichts ändern. Wir alle streben nach Reichtum und Wohlstand. So sind wir erzogen worden und geben diese Werte an unsere Kinder weiter.

      Was ist zu tun? (unrealistisch)

      Wir müssten unser Erspartes den Banken gänzlich entziehen. Dem Staat den Rücken kehren (nicht mehr wählen) Die Arbeit niederlegen.

      Warum ist das unrealistisch?

      Weil immer nur ein kleiner Teil einem solchen Aufruf folgen würde. Es geht zu vielen Leuten noch zu gut. Ich erinnere an das Ende der Weimarer Republik in den Jahren 1918/1919 bis 1933, das zugleich das Ende der Demokratie war.

      Gibt es einen Bezug zu 2010?

      Viele. Siehe die Aufstellung von Herrn Wulff zum BP. Undemokratisch und gegen den Willen einer Mehrheit des Volkes.

      Fazit.

      Es gibt keinen Ausweg. Keinen friedlichen. Aufstand hieße Gewalt.

    21. odet schrieb am 19. Juni 2010 at 23:19 - Permalink

      Endlich ein wirklich erfreulicher Artikel im Spiegelfechter ( den ich sehr schätze ).
      Auch der Demonstrationsaufruf beschreibt die Lage sehr treffend.
      Nur leider greifen die Schlussfolgerungen eine Schritt zu kurz. Wieder einmal wird davon ausgegangen, daß man aus dem bösen Kapitalismus einen guten Kapitalismus machen kann.

      Seit dem Fall, der Mauer, seit nicht mehr bewiesen werden muß, daß der Kapitlismus das bessere System ist, findet ein gewaltiger Roll-Back statt. Soziales, Arbeitnehmerrechte, Demonstartionsrechte, Gesundheitsvorsorge usw. werden immer weiter beschnitten, von den Löhnen mal ganz zu schweigen.

      Die Bonzen sind wie neulich auf Spiegel online zu lesen, reicher als vor der Krise. Es findet knallharter Klassenkampf statt. Allerdings von oben nach unten. Nur die Unten habens meist noch nicht bemerkt.

      Das System ist nicht in der Krise, das System ist die Krise. Frag mal einer die Menschen in Afrika oder in chinesischen Sweatshops. Klar steigen die ökologischen Standards in Deutschland, weil wir locker mal die ganzen dreckigen Arbeiten ins Trikont verlagern. Wenn da die Neger ( nein ich verweigere mich der political correctness ) verrecken ists doch nicht so schlimm, Hauptsache das Kapital macht seine Geschäfte. Hauptsache die Auflagen von IWF und Weltbank werden erfüllt.

      Die Parteien ( PDS explitzt eingeschlossen ) tun alles, um diesen Zustand zu manifestieren und den Sozialabbau noch weiter zu treiben.

      Mit ein bisschen Reförmchen ist da nix zu reisen. Es braucht einen Revolution.
      Leider weis ich auch gerade nicht, wo die gerade herkommen soll, der deutsche Michel besäuft sich derweilen ja lieber beim Public Viewing am Bier und am Nationalimus.

      Grüsse

      odet

    22. Cobra liberaleusis schrieb am 19. Juni 2010 at 23:27 - Permalink

      @ Schneemann #2

      Ziemlich nüchterne (und ernüchternde!) Situationsanalyse. Aber zutreffend.

      Gib mir mal deine e-mail durch, falls du trotzdem weitermachen willst.

      volksaufstand@t-online.de

    23. Cobra liberaleusis schrieb am 19. Juni 2010 at 23:52 - Permalink

      @Bakunin #5

      Nix für ungut, aber VORERST findet keine Revolution statt!

      Passt nicht zum Rest. Nachdem was ich dort gelesen habe…

      Überlegs dir nochmal.

      regards

      volksaufstand@t-online.de

    24. Bakunin schrieb am 20. Juni 2010 at 01:24 - Permalink

      Cobra liberaleusis am 19. Juni 2010 um 23:52 – - Permalink

      @Bakunin #5

      Nix für ungut, aber VORERST findet keine Revolution statt!

      “Passt nicht zum Rest. Nachdem was ich dort gelesen habe?

      Überlegs dir nochmal.”

      Hab ich!

      Weshalb sollte meine Schlußfolgerung nicht zum Rest meiner Aussage passen?
      Was wollte ich mit meinem zugegebenermaßen etwas ausschweifend geratenen Kommentar denn sagen?

      Ich wollte sagen, dass es trotz einiger objektiver Voraussetzungen(schwere Wirtschafts- u. Finanzkrise) für echte ökonomische als auch politische Kämpfe, vielleicht gar bis hin zu revolutionären Zuständen in diesem Land NOCH vor allem am “subjektiven Faktor” in der MASSE mangelt.
      Also nur eine nüchterne Bestandaufnahme der aktuellen Gegenwart.
      Wie es in einiger Zeit aussehen könnte, wer kann das heute schon zuverlässig sagen?

    25. titus schrieb am 20. Juni 2010 at 06:38 - Permalink

      revolution…? aufstand…? hier in teutsches land…?

      träumt weiter…
      nicht zu machen mit dem verblödeten michel. die fahrn viel lieber fähnchenflatternd und trötend durch die gegend…

      wenn überhaupt, kann man nur hoffen, das der aufstand vom europäischen ausland ausgeht und evtl. auf deutschland überschwappt…

    26. bdanneberg schrieb am 20. Juni 2010 at 07:40 - Permalink

      Ein schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Ich selbst bin seit ein paar Wochen aus dem politischen bzw. gesellschaftlichen Dornröschenschlaf aufgewacht und versuche seitdem, mir darüber Klarheit zu verschaffen, was zu tun ist. Auf meinem Blog (http://bdanneberg.wordpress.com) arbeite ich momentan daran, soetwas wie ein Gesamtprogramm zu erarbeiten, dass sich politisch und gesellschaftlich verarbeiten lassen sollte.

      Insofern bin ich ebenso dem hier zum Ausdruck gebrachten Idealismus aufgesessen, aber das ist eine Grundeinstellung, die ich immer schon hatte. Nur ist der Realist in mir nicht weltfremd geworden und ich weiß, wie groß die Chancen auf echte Revolutionen sind.

      Ich bin nicht rechts, nicht links, nicht Mitte. Ich denke hier liegt vielleicht ein kleiner Schlüssel für den Umbruch, und dieser heißt “Mach neu” und nicht: Neues Lied im alten Gewand. Hört einer der politisch unbedarften Bürger das Wort “Links” geht das Rollo runter. Das hat sich die linke Szene weitgehend selbst zuzuschreiben, sowohl was ihre (oftmals sicher gutgemeinten) Aktionen angeht, als auch ihr politischer Auftritt. Der Eindruck geht von “reaktionär” über “gewaltbereit” bis zu “planlos” und das allein reicht um viele Türen zuzuschlagen. Vom rechten Gesinel und ihrer dümmlich-platten Ideologie brauche ich gar nicht reden.

      Meiner Ansicht nach kann Veränderung nur auf dem etablierten Weg des (wirklich ätzenden und irgendwann durch besseres zu ersetzenden) Parteiensystems erreicht werden. Eine komplett neue Partei, mit einem Komplettprogramm, klarer Struktur und klarer Linie, ohne innere Grabenkämpfe, mit gläserner Transparenz und absoluter Ehrlichkeit muss versuchen, die Stimmen der Bürger (erdrutschartig) auf sich zu vereinen, vor allem derjenigen, die aus Frust nicht mehr wählen gehen.

      Das Ganze ist voll von Unwägbarkeiten und Fallen, ich selbst habe ernste Schwierigkeiten bei der bloßen Ansicht der Hindernisse motiviert dabei zu bleiben und nicht direkt wieder den Kopf in den Sand zu stecken. Allerdings denke ich auch, dass laute Aktionen wie die oben angesprochene zu nichts weiter führen, als einem medial gefilterten, einseitigen Rauschen im Blätterwald, einigen neuen Festnahmen und dem mitleidigen Lächeln der Tagesschau-Zuschauer.

      Wenn überhaupt, dann geht es nur von ganz unten, im Gespräch mit dem Bürger. Und dort darf nicht erst große Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen: Programm und Marschrichtung einer neuen politischen Bewegung müssen für sich sprechen können. Ich bin überzeugt, dass das geht. Ich bin nur nicht davon überzeugt, dass es genug unbezwingbare und nicht käufliche, auf lange Sicht kämpfende Idealisten gibt, die sowasn ohne sich irgendwann gegenseitig zu zerfleischen durchziehen möchten.

      Grüße
      BD

    27. alex schrieb am 20. Juni 2010 at 12:30 - Permalink

      Und taeglich gruesst das Murmeltier.

      Lieber Herr Wetzel,

      auch Ihre Initiative verlaesst an keiner Stelle den symbolischen Raum. Sie wollen tausende Leute auf die Strasse bringen, um ein parr Sekretaerinnen von der Arbeit abzuhalten? Man kann diesen Aufruf gar nicht kritisieren, das haben Sie ja selbst ein parr Saetze vorher schon sehr richtig getan. Sie koennen Ihre Kritik direkt auf Ihren eigenen Text anwenden, es passt perfekt. Es ist zum Haare raufen.
      Und so geht es nun schon seit vielen Jahren. Eigene Widersprueche werden aufgezeigt, ein Absatz weiter ist alles wieder vergessen, Fehler werden korrekt analysiert, nur um unmittelbar wiederholt zu werden. Die Archive sind voll mit Texten wie diesen. Viele davon aus Ihrer Produktion.
      Herr Wetzel, das muss man doch irgenwann mal merken, dass man selber den Gegenstand der eigenen Kritik reproduziert. Der Kaiser ist nackt – es lebe der Kaiser.

      MfG / Alex Mittmann

    28. Cobra liberaleusis schrieb am 20. Juni 2010 at 13:06 - Permalink

      @titus #25

      die fahrn viel lieber fähnchenflatternd und trötend durch die gegend?

      Nicht alle… (Obwohl dies der Chunta am liebsten wäre!)

    29. Alex schrieb am 20. Juni 2010 at 13:27 - Permalink

      @alex #27:
      was ist denn dein Lösungsvorschlag. Deiner Logik nach erliegst du mit deinem Kommentar wieder deiner eigenen Kritik.

      Und, dass hier jeder 2. Kommentar wie folgt aussieht: “Ich würde ja, ABER der Deutsche säuft ja lieber und fährt mit Fähnchen zum Fussbalgucken”

      1. Betreibt ihr damit nur weiterhin die Spaltung die von oben herab gestartet wurde. (Divide and Conquer)
      2. Es gibt kein Aber. Eine Aktion erzeugt Energie, die andere ansteckt. Sowas verbreitet sich potenziell. Wenn jeder nur ABER sagt statt zu machen wird es nie einen Anfang geben.
      3. Bin ich 19, habe wenig Ahnung von dem ganzen, informiere mich in letzter Zeit trotzdem gerne, weil ich merke, dass alles um mich herum immer mehr schiefläuft und mich das einfach nur wütend macht.
      Allerdings finde ich auch keine Vernünftigen Informationen. Auf jeden Artikel der mir ein Stück weiterhilft kommen 20 polemische Aussagen. (Siehe diesen Artikel hier)

      Um zum Punkt zu kommen: Man ändert Dinge, indem man FÜR etwas kämpft und nicht indem man GEGEN etwas ist.

    30. alex schrieb am 20. Juni 2010 at 14:35 - Permalink

      #30:
      Nein, ich habe keinen Loesungsvorschlag. Ich stelle nur fest, dass wir in einer verdammten Endlosschleife festhaengen.
      Texte wie der obige wurden seit Anfang der 90er zu tausenden geschrieben (Solange verfolge ich das jedenfalls schon). Ohne das sie je zu der geringsten Konsequenz gefuehrt haetten. Schaust Du mal in die Archive – es ist das reinste dejavu.
      Diese Texte sind aufaellig oft schon in sich selbst widerspruechlich. Zunaechst wird sehr richtige grundsaetzliche Kritik geuebt. Zwei Absaetze weiter heisst es schon wieder “Weiter so!”
      Es sind seit vielen Jahren die selben Leute, die unseren Karnevalismus kritisieren und ihn gleichzeitig am Laufen halten. Nach der Demo ist vor der Demo. Herr Wetzel fasst sich mal bitte an die eigene Nase.

    31. caf schrieb am 20. Juni 2010 at 14:58 - Permalink

      Alles was irgendwie links verordnet wird, ist auch beim selbstdenkenden Normalbürger erstmal schmuddelig.
      Ein Grund dafür wird hier schön beleuchtet ^^

      Es braucht eine gewaltige Ausdauer- und Willensleistung und viele Jahre harter Arbeit vieler Menschen, die Manipulationen an der Bevölkerung, die in den letzten Jahrzehnten stattfanden, versuchen wieder aufzuheben oder zu mindern.

      Albrecht Müller und Wolfgang Lieb sind da zwar genauso ein Beispiel für, wie viele andere Blogger auch.

      Aber ich fühle mich trotzdem ohnmächtig. Erst gestern wollte mich sone Oma davon überzeugen, dass an den meisten Problemen in Deutschland, die faulen und dummen Ausländer schuld sind, die nur wegen den sozialen Absicherungen herkommen. Die Gesellschaft ist so fertig…

      Anpassung oder Sabotage oder Auswanderung sind unsere letzten verbleibenden Möglichkeiten.

      Der Satz passt auch super in die 30er des 20. Jhd.

    32. André schrieb am 20. Juni 2010 at 15:13 - Permalink

      Tja, und wie nun weiter? Es gibt ja durchaus eine interessiert – kritische Öffentlichkeit, wie man beim Spiegelfechter sieht. Aber das ist doch wirklich eine verschwindend kleine Minderheit, oder wie seht Ihr das? In meinem Bekanntenkreis kenne ich einen einzigen, der sich ebenfalls informiert, analysiert, vergleicht, hinterfragt. Wie wird daraus eine Bewegung? Ich habe keine Idee. Am ehesten wahrscheinlich noch mit einem knallharten Populisten an der Spitze, der unabhängig agieren kann, sprich genug eigenes Geld hat. Denn eines ist klar: Ein guter Listenplatz bei einer etablierten Partei (und da gehört die LINKE ganz eindeutig dazu) ist wirtschaftlich so attraktiv, daß man nach der Wahl nur noch schaut, wie man die Legislaturperiode ohne anzuecken übersteht. Ich habe seit 2008 einen Reallohnverlust von 15 bis 20% hinzunehmen, weil meine Firma mitten in der Krise steckt. Mein Arbeitsplatz ist alles andere als sicher. Da ist es doch angenehmer, sich als Hinterbänkler über die Wahlperiode zu retten. Schlußfolgerung: Mit den Etablierten wird es keinerlei Änderung geben. Und dann sitzen ja im Hintergrund noch die eigentlichen Strippenzieher, die die Politiker als Marionetten benutzen.

      Aber haben wir überhaupt die Voraussetzungen für einen Umbruch? Nein, haben wir gerade nicht. Das Land schaut Fußball. Und danach? Auch nicht, denn klare Klassengegensätze sind seit vielen Jahren nicht mehr auszumachen. Solange die Leute sich noch zwei Wochen Urlaub auf Malle leisten können, passiert gar nichts. Echte Umbrüche hatten oft mit Hunger und Not zu tun, einmal auch mit der Sehnsucht nach Bananen. Das ist alles nicht gegeben.

      Was tun? Eine Spiegelfechterpartei gründen? Das ist sicher machbar. Aber wie bekommt man die Leute mit der Tröte in der Hand auf seine Seite? Darauf weiß ich keine Antwort.

    33. carlo schrieb am 20. Juni 2010 at 15:46 - Permalink

      Was ist denn des deutschen Denke? Gehts ihm schlecht brüllt er Ausländer raus. Deutschland ist die Nation der Radfahrer. Ich gehe davon aus, wie auch schon hier bemerkt wurde, das uns Spanier, Basken, Franzosen, Italiener, gar Rumänen und Bulgaren voraus schreiten. Hier mal was zum Aufheizen……..
      Die Basken machen gute Kulturarbeit…
      Nebenbei, der Originalfilm “Operacion Ogro” von Gillo Pontecorvo wurde sogar ausgezeichnet und ist über die üblichen dunklen Kanäle erhältlich.

    34. Vogel schrieb am 20. Juni 2010 at 16:04 - Permalink

      @Wolf Wetzel
      Es ist langweilig, ich weiß, aber es schüttelt mir immer wieder die Knochen durcheinander! Es gibt sie nicht die

      … so genannte(n) ?Lohnnebenkosten? (Krankenkassenbeiträge)

      und Dein Artikel wäre noch ‘ne Klasse besser (imho eins plus statt nur eins) würdest Du hier noch deutlicher werden.

      Sogar Oskar Lafontain ist das aufgefallen – Zitat (aus Die Welt): “Lafontaine: Die Linkspartei ist gerade die Partei, die den neoliberalen Newspeak, der auf eine Umwertung der Werte hinausläuft, bekämpft. Alle sind vom neoliberalen Newspeak befallen. Deswegen sage ich beispielsweise, dass ich auf den Begriff Lohnnebenkosten früher selbst reingefallen bin. Und ich zitiere dann wieder Alexander Rüstow, der gesagt hat, Lohnnebenkosten gibt es nicht. Es gibt nur Lohn. Wenn man die Lohnnebenkosten senkt und das Geld zur Hälfte den Arbeitgebern zurückgibt, dann ist das eine Lohnkürzung. Die Linke ist die einzige politische Kraft, die diesen Zusammenhang analysiert. Die anderen wollen auch jetzt wieder die Lohnnebenkosten senken und das Geld zur Hälfte den Arbeitgebern schenken, das heißt, die Löhne weiter kürzen.”

      Im Übrigen – das weißt Du natürlich – deshalb umso unverständlicher die Beschränkung auf KK-Beiträge. Es werden vom Lohn (also vom AN alleine) alle Sozialbeiträge gezahlt (bis auf die Ausnahme gesetzliche Unfallversicherung, die zahlt der AG erst’mal alleine – und holt sie sich natürlich über seine Erlöse zurück, er muss ja seine Kosten decken!).

      Ich will Dich nich ärgern, aber diese Manipulation, diese Verscheißerung durch falsche Begriffe und Euphemismen – die wir alle à la longue dann wie selbstverständlich gebrauchen und deshalb gern auch falsche Diskussionen führen, falsche Wege denken und beschreiten – muss bekämpft werden, bei jeder Gelegenheit und überall! Also: Cetero censeo … keine Lohnnebenkosten, keine Solidarität AG/AN! Nur der mit dem langen Speer kann stechen!

      Versprochen: Wenn ich wieder ‘mal …neben… usw. lese kommt wieder dieser Kommentar. Das wiederholen wir solange, bis es sitzt! :-D

      @caf #4
      Jorion sollte man gelesen haben. Es gibt hierzu auch ein Manuskript im DLF:
      Zerstörerisches Geld.

      Beste Grüße

    35. carlo schrieb am 20. Juni 2010 at 16:13 - Permalink

      Die Südländer werden es uns vormachen…..hier ein Nachtrag zum warmhalten…:-)

    36. antin schrieb am 20. Juni 2010 at 16:42 - Permalink

      Mich nervt dieses Klassenkampfgetöse. Ich finde Millionäre eher bemitleidenswert, die nicht wissen wohin mit dem Geld. Schnelle Autos fahren und Golf spielen ist doch ziemlich langweilig.
      Effektiv geht es jedem HartzIV Empfänger besser als jedem Kaiser im Mittelalter.

      Es geht also um gefühlte Armut, um Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Das Problem ist, dass Leute ihren persönlichen Wert von ihrem Kontostand abhängig machen. Eine echte Revolution wäre, System auszusteigen. Eine echt linke Politik wäre, Wege aus diesem Sytem zu ermöglichen, zu zeigen wie reich jeder Mensch ist. Solange man bei Aldi einkauft, tut man das gerade nicht, sondern bleibt in diesem System.

      Politik ist der Weg über den jeder den Reichen und Mächtigen in die Suppe spucken kann. Die Reichen und Mächtigen sind nur so reich und mächtig wie es die Mitmenschen zulassen.

    37. Odyssee schrieb am 20. Juni 2010 at 16:47 - Permalink

      Ich bin einer dieser verblödeten Michel, deren erstes Interesse dem Fussball gilt. Nun, letzteres kann ich für mich persönlich wieder streichen. Ich bin Lohnempfänger und tagtäglich mit eben solchen konfrontiert. Aus den Gesprächen untereinander kann ich nur sagen, man soll lieber nicht glauben, wir würden nichts merken. Die inzwischen leicht abhebende, intellektuelle Politblogger-Kaste und ihre Kommentatoren würden sich die Augen reiben, wie genau Zusammenhänge erfasst werden. Ein Mangel an Eloquenz sollte nicht mit einem Überschuss Dummheit verwechselt werden. Stille Wasser können tiefer sein, als man denkt. Untätigkeit? Wie soll Tätigkeit anders aussehen, als z.B. gewaltfreies Demonstrieren?

    38. carlo schrieb am 20. Juni 2010 at 17:03 - Permalink

      tja…lieber …..@antin…..mit dem anschwellenden Klassenkampfgetöse wirst Du Dich wohl abfinden müssen. Mag der Herr sein Bad lau oder heiß?

    39. Lemmy Caution schrieb am 20. Juni 2010 at 19:49 - Permalink

      Das hier ist interessant.
      http://www.elpais.com/articulo/economia/Berlin/ataca/Espana/elpepueco/20100620elpepieco_2/Tes
      Die bei mir persönlich recht unbeliebte Zapatero Regierung (wird Zeit, dass die PP wieder an die Macht kommt) ist zu Recht sauer auf gewisse deutsche Regierungsstellen, da sie offenbar verbreitet haben, dass Spanien zum Rettungsschirm wg. den Problemen der Sparkassen (cajas) greifen müßte. Das wurde von spanischen Regierungsstellen stets dementiert. Spanien hat daraufhin auf die Veröffentlichung der Stresstests bestanden. Dort schneiden insbesondere spanische Großbanken sehr gut ab.

    40. aquadraht schrieb am 20. Juni 2010 at 20:54 - Permalink

      Lemmy: Dass Du den Faschisten nahestehst, ist doch nichts neues, klar, dass Du Dir die Francofraktion wieder an der Macht wünschst. Das mit den spanischen Banken ist nicht neu. Die haben in der Finanzkrise nun einmal rationaler agiert, selbst die irrsinnigen spanischen Immobilienspekulationen wurden von ausländischen Banken grosszügiger finanziert als von spanischen. Die Cajas sind ein Sonderproblem, dass mit der allgemeinen Finanzkrise nicht so einfach unter einen Hut zu kriegen ist.

      Das gegenseitige Beschuldigen und Fingerzeigen hilft aber Euroland einen feuchten Kehricht. Was nötig wäre, falls man das Euroexperiment nicht rückabwickeln mag (darauf ist derzeit keiner scharf) wäre eine harmonisierte Aussenwirtschaftspolitik at minimum. Nur ist die nicht mal am Horizont sichtbar. So steuern alle fröhlich mit Vollgas in Richtung Wand. Prost.

      a^2

    41. Cobra liberaleusis schrieb am 20. Juni 2010 at 21:19 - Permalink

      @Bakunin #25

      Hab ich!

      Weshalb sollte meine Schlußfolgerung nicht zum Rest meiner Aussage passen?
      Was wollte ich mit meinem zugegebenermaßen etwas ausschweifend geratenen Kommentar denn sagen?

      Das war ein Fehler von meiner Seite. Will damit sagen, – wenn jemand wie du die Situation mit einer derart brillanten Rhetorik skizzieren kann, darf er der (zweifellos kommenden) Revolution nicht verlorengehen.

      Ich könnte mir deinen “Auftritt” durchaus in der Operation “Eintreten ohne anzuklopfen” im Rahmen der Aktion “Besuch ohne Terminabsprache” vorstellen, die einigen monetär gesteuerten TV-Schwatzdrohnen in ihren Live-Sendungen noch bevorsteht.

      Ein Raunen wird durch das deutsche Wohnzimmer gehen…

      Das System-TV wird fortan auf Aufzeichnungen umstellen (sicherheitshalber durch das KSK bewacht.)

      (Um kein erneutes Missverständnis aufkommen zu lassen: Dieser Beitrag enthält trotz eines sehr ernsten und ernstgemeinten Kerns einige ironische Komponenten.)

      Ich wollte damit aufzeigen, wo meiner Ansicht nach das Zentrum der politisch gewollten und initiierten Verblödungsmaschinerie ist – und gleichzeitig darlegen, wie verwundbar diese ist.

    42. Cobra liberaleusis schrieb am 20. Juni 2010 at 21:38 - Permalink

      @bdannenberg #27

      Ich bin nur nicht davon überzeugt, dass es genug unbezwingbare und nicht käufliche, auf lange Sicht kämpfende Idealisten gibt, die sowas ohne sich irgendwann gegenseitig zu zerfleischen durchziehen möchten.

      Das ist das eine. Aber es gibt noch einen Aspekt:

      Die kämpfenden Idealisten werden ihren Erfolg nicht mehr gemeinsam mit dem befreiten Bürger feiern können. Ein Menschenleben ist zu kurz um diese Welt gewaltfrei zu verändern.

      Dies ist der Grund warum viele von uns nur eine radikale Lösung akzeptieren. Sie wollen noch erleben, warum Sie einen Teil ihres Daseins für ein besseres Leben ihrer Nachkommen geopfert haben.

    43. Cobra liberaleusis schrieb am 20. Juni 2010 at 21:56 - Permalink

      @antin #37

      Es geht also um gefühlte Armut, um Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

      Ich wette mit dir dass ein gefühlter Faustschlag wie ein echter schmeckt. Es ist sogar exakt dasselbe! Komm doch mal vorbei!

      Das Problem ist, dass Leute ihren persönlichen Wert von ihrem Kontostand abhängig machen.

      Wow! Jetzt sag mir bloss nicht, bei dir ist das nicht so…..?

      Eine echte Revolution wäre, aus dem System auszusteigen.

      Bin ich auch dafür. Ich bin gerade dabei, die hierfür erforderliche militärische Überlegenheit gegenüber der NATO herzustellen, um meine Unabhängigkeit zu erklären und den Autonomiestatus sowie die völkerrechtliche Anerkennung zu erlangen. (Reine Vorsichtsmassnahme um zu verhindern, dass mir das “zuständige” Landratsamt einen Müllgebührenbescheid zustellt!)

      Ich bin mir ziemlich sicher dass dir diese Lösung nicht gefällt.

    44. Andreas schrieb am 20. Juni 2010 at 23:38 - Permalink

      Mich nervt dieses Klassenkampfgetöse. Ich finde Millionäre eher bemitleidenswert, die nicht wissen wohin mit dem Geld. Schnelle Autos fahren und Golf spielen ist doch ziemlich langweilig.
      Effektiv geht es jedem HartzIV Empfänger besser als jedem Kaiser im Mittelalter.

      Geschwätz. Mir hat mal ein Oberdepp erklären wollen, den Hartz4-Empfängern ginge es doch nicht schlecht, da sie alle offensichtlich ein Handy besitzen. Von dieser “Qualität” ist auch deine Argumentation.

      Ansonsten werde ich jetzt aktiv gegen dieses Schweinesystem vorgehen: ich blogge jetzt auch. Kleiner Scherz. ;)

      Im Ernst: all diese Demos sind nichts weiter als eine geduldete und gewünschte (!) Kanalisierung von Wut und Enttäuschung. Mit Demos erzeugt man keinen Widerstand, man macht ihn zunichte. Man lässt ihn gegen eine weich gepolsterte Wand laufen, ein, zwei mal, bis der Demonstrant ein Einsehen in die Sinnlosigkeit seines Tuns hat, Gleichzeitig gibt man ihm oder er sich selbst, bzw. geben ihm die Veranstalter das Gefühl, etwas getan zu haben, den Arsch doch hochbekommen zu haben. Fazit: man fühlt sich irgendwie als kleiner Held und weiß dennoch, dass all dieser Zirkus nichts nützt.

      Wer übrigens meint, die Menge der “Helden” müsse nur groß genug sein: was war denn mit der ersten Großdemo gegen Hartz4? Da waren eine Mio. Menschen auf der Straße. Was hat’s gebracht? Nichts. Eigentlich müsste man die nächste Eskalationsstufe nehmen. Das wäre der zivile Ungehorsam. Stören, Blockieren, aber gewaltfrei. Aber, wie so viele schon bemerkten: wir sind hier in Deutschland. Da ist das nächste WM Spiel eben doch wichtiger. Und wenn keine WM ist, dann läuft die Lindenstraße. Die will man ja auch nicht verpassen.

    45. caf schrieb am 21. Juni 2010 at 02:20 - Permalink

      Wir könnten uns einen Konzern vornehmen. Zum Beispiel Siemens. Wir bewerben uns und kriegen irgendwelche jobs und infiltrieren damit sozusagen die einzelnen Niederlassungen. Mit der Zeit, einer guten Strategie und Supertools avanchieren wir zu Redelsführern und bringen den ganzen Konzern zu einem gewissen Zeitpunkt komplett zum Erliegen. Dann werden die Ausfälle so hoch, dass die alles akzeptieren ;)
      … Ironie ende …

      Eins ist doch klar. Man muss sich auf professionelle Weise organisieren. Und man muss alles darüber wissen, wie man Menschen für sich mobilisiert. Also eigentlich genauso wie die heutigen vermeintlichen Drahtzieher.

      Allerdings habe ich sowieso keine Hoffnung, dass “alles gut wird”. Einfach nur zusehen wie die Machthabenden so absolut skrupellos ihre Machtkämpfe austragen will ich aber eigentlich ja auch net. Vielleicht wäre am besten, ich beschäftige mich damit überhaupt nicht und freu mich einfach “nur” an dem was das Leben mir bietet.

    46. André schrieb am 21. Juni 2010 at 06:35 - Permalink

      @ Andreas, 45

      Genau, Demos haben in Deutschland seit gut zwei Jahrzehnten eher einen folkloristischen Aspekt, die ruhmreichen Demos um Gorleben natürlich ausgenommen. Wenn man sich überlegt, wie sich die Leute noch in den 80er engagierten, z. B. gegen die Nachrüstung, dann kommt man schon ins Grübeln. Heute zündet man grundsätzlich Kerzen an und macht auf “phantasievollen Protest”. Man sieht dann irgendwelche G 8 – Clowns an einem Zaun rumhüpfen, oder die Leute begraben in einem Sarg ihre Arbeitsplätze. Ja wo leben wir denn??? Da lacht sich doch das System nur ins Fäustchen! Hat von Euch schonmal jemand eine Spontandemo oder einen Streik in Frankreich erlebt? Ich habe das, und ich war ziemlich verblüfft, wie radikal das die Franzosen machen. Die sind tatsächlich in der Lage, eine Regierung zu kippen.

      Aber hier in Deutschland?? Da bleibt vermutlich nur die Zersetzung des Systems von innen. Ihr erhöht die Mehrwertsteuer? Prima, dann gehen wir eben zum Tauschhandel über und bezahlen den Handwerker nur noch in bar (ist ja im Prinzip heute schon so)! Fehlende Einnahmen tun richtig weh und führen zu weiteren Abgabenerhöhungen. Folge: Der Unmut wächst. Folge: Es rumort im System usw. usf. Einen anderen Ansatz sehe ich nicht.

    47. Cobra liberaleusis schrieb am 21. Juni 2010 at 07:05 - Permalink

      @Andre #47

      Hat von Euch schonmal jemand eine Spontandemo oder einen Streik in Frankreich erlebt? Ich habe das, und ich war ziemlich verblüfft, wie radikal das die Franzosen machen. Die sind tatsächlich in der Lage, eine Regierung zu kippen.

      Ja, auch ich bewundere und beneide die Franzosen. In Frankreich wären Figuren wie Westerwelle und Merkel längst entsorgt.

      Das französiche Volk leidet offensichtlich nicht an der Zerissenheit, die in Deutschland wirkliche Veränderungen verhindert.

      Das Netz der Ausgebeuteten hat in DE noch zu viele Löcher um den Hai zu halten. Solange aus Tradition Menschen ausgegerenzt und ausgebeutet werden und wenige (=faktisch niemend) etwas verwerfliches dabei entdecken kann, fühlen sich die Systembetreiber im Recht. Ich bin davon überzeugt, dass auch noch mit einer hauchdünnen Mehrheit der Neocons und ihrer Vasallen die größten Verbrechen an uns Bürgern medienwirksam gerechtfertigt werden.

    48. bdanneberg schrieb am 21. Juni 2010 at 08:03 - Permalink

      @ cobra liberaleusis

      Die kämpfenden Idealisten werden ihren Erfolg nicht mehr gemeinsam mit dem befreiten Bürger feiern können. Ein Menschenleben ist zu kurz um diese Welt gewaltfrei zu verändern.

      Dies ist der Grund warum viele von uns nur eine radikale Lösung akzeptieren. Sie wollen noch erleben, warum Sie einen Teil ihres Daseins für ein besseres Leben ihrer Nachkommen geopfert haben.

      Mir ist schleierhaft, warum es überhaupt noch Menschen gibt, die glauben, durch Gewalt etwas zum positiven verändern zu können. Ebenso ist mir nicht klar, warum man Gewalt mit seiner Lebensspanne begründet. Das ist willkürlich konstruiert und zeugt hauptsächlich von der Unfähigkeit zu überzeugen.

      Nachhaltigkeit und vor allem Ernsthaftigkeit zeichnen sich durch gewaltfreies Engagement aus. Alles andere schadet dem guten Grundgedanken und verletzt eben jene Menschenrechte, auf die sich die Gewaltanwender postwendend berufen, wenn Ihnen von Justizia (zu Recht) mit Repressionen geantwortet wird. Ergo wird der reaktionäre Gewaltanwender nur als subversiv wahrgenommen und das was ihn antreibt interessiert keinen mehr, da er komplett unglaubwürdig geworden ist.

      Bravo! Immer noch nichts aus den vielfältigen Geschichtsberichten zum Thema Gewalt gelernt?

    49. Teja552 schrieb am 21. Juni 2010 at 08:14 - Permalink

      Solange die Menschen hier nur an sich denken und viele tun dies, wird sich hier nie was ändern, die Angst ist zudem viel zu weit verbreitet und das in vielerlei Hinsicht, zuerst zu nennen wäre die Angst vor den Jobverlust, da haben AG und Gewerkschaften ganze Arbeit geleistet!
      Demos werden an den Zuständen hier im Land nichts ändern, es sei den wir könnten die gesamte Wirtschaft lahmlegen einschließlich den Bankverkehr!

    50. antin schrieb am 21. Juni 2010 at 09:52 - Permalink

      @ Cobra liberaleusis

      Klar tut ein gefühlter Faustschlag genauso weh. Aber gegen einen gefühlten Faustschlag ist ein gewalttätiger Gegenangriff unangebracht, eher kontraproduktiv.

      Mein Kontostand ist ausreichend dafür, dass ich mir alle paar Tage Bücher kaufen kann. Reclam Bändchen und so. Die kosten nicht viel, sind für mich aber viel wetrvoller als ein Porsche. Daher kommt meine Sichtweise. Ich freue mich also, wenn ich am Monatsende so 30-40 EUR dafür übrig habe.

      @ Andreas

      Ja, einem HartzIV Empfänger “geht es nicht gut”. Nur sein Lebensstandard ist besser als der jedes Kaisers im Mittelalter.

      Ich würde gerne die “Wut und Enttäuschung” verstehen. Wieso Enttäuschung? Von was? Verstehe ich gar nicht. Ich habe mir anscheinend schon immer wenig Illusionen über die Gesellschaft gemacht oder so. Dass man Werbesendungen im Fernsehen nicht wörtlich nehmen kann, wissen wir doch. Genauso ist doch das mit “soziale Marktwirtschaft” natürlich schon immer ien bisschen Gereden gewesen. Das kann man doch nicht ändern.

      These: Die allermeisten, die gegen die “Reichen und Mächtigen” demonstrieren, würden sich an deren Stelle, also wenn sie selbst “reich und mächtig” wären, auch nicht anders als diese verhalten.

    51. Heldentasse schrieb am 21. Juni 2010 at 09:58 - Permalink

      Dieser Artikel entspricht 100% meiner Gemütslage, die Frage ist ?nur? ist die Analyse richtig?

      Nach der Lektüre kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Ursache mit Wirkung vertauscht wird. In meinen Augen sind die vergangenen Fehler wie z.B. das lockern der Regeln für Finanzgeschäfte, das Ausweiten der Zeit und Leiharbeit sowie das kappen der Sozialleistungen nicht die Auslöser der Krise sondern die Folge eines schon seit mindestens 2001 schwer kranken Geld/ Witschaftssystems.

      Grob gesagt (gedacht) ist vieles von diesem und zukünftigen Unbill der Tatsache geschuldet, dass wir durch Wachstum oder Sparen die realen Zinsen für die virtuellen Vermögen aufbringen müssen!

      Das muss aber systembedingt auf Dauer scheitern, weil ?gesundes und nachhaltiges? Wachstum bzw. Einsparungen leider nur in linearen Größenordnungen erfolgen können, die Zinsen aber exponential steigen.

      Hinzu kommt, dass das Sparen und Knechten (z.B. durch Lohndumping) bei den unteren Einkommenspuppen das Wachstum der Volkswirtschaften nachhaltig schädigt und somit womöglich die Abwärtsspirale noch verstärkt.

      Obwohl meiner einer nicht zu den dunkelroten Socken ;-) gehört, halte ich diese Analyse von KRISIS für “richtiger” (weil wesentlich tiefgründiger) als “Wir sind nicht eure Geldautomaten”. Da der Mensch aber gerne verdrängt und sein bischen Restleben menschlich sowie auch wirtschaftlich einigermaßen geregelt zu Ende führen möchte, wünsche ich mir sehr mich in diesem Punkt zu irren.

    52. Lemmy Caution schrieb am 21. Juni 2010 at 10:03 - Permalink

      Lemmy: Dass Du den Faschisten nahestehst, ist doch nichts neues, klar, dass Du Dir die Francofraktion wieder an der Macht wünschst.

      ich bin halt flexibel ;-)

    53. Geheimrätin schrieb am 21. Juni 2010 at 10:29 - Permalink

      Äh, also an die Revoluzzer hier im Saal: Der aktuelle Trend in Europa sieht ja doch leider ziemlich düster aus – erst Ungarn, dann auch Tchechien – (zur Wahl in Tchechien hab ich hier mal einen ganz brechreizenden kommentar auf tagesschauf.de verlinkt:

      Eine neue Generation erhebt ihre Stimme (29.05.2010)

      [...]Neue rechte Parteien stehen für Dynamik

      20 Jahre nach der “Samtenen Revolution” erhebt eine neue Generation ihre Stimme. Dass die rechten Parteien davon mehr profitieren als die linken, hat historische Gründe: Die Linken werden noch immer mit dem alten, kommunistischen Regime in Verbindung gebracht. Sie stehen für Stagnation, die neuen rechten Parteien für Dynamik.

      Und so können gleich zwei dieser Gruppierungen mit fulminanten Ergebnissen ins tschechische Parlament einziehen: An erster Stelle die neue konservative Partei Top09 des früheren Außenministers Karel Schwarzenberg. Sie bekam auf Anhieb knapp 17 Prozent. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Der Name Schwarzenberg steht in Tschechien für Tradition und Anstand. Es mag altmodisch klingen. Doch gerade Letzteres haben die Tschechen bei vielen Vertretern der etablierten Parteien all zu lange vermisst.[...]

      weiter gehts hier:

      http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32656/1. (30.05.2010)

      Auch Frankreichs Regierungspartei zeigt, wie man sich der Front National annähert
      Frankreich galt als Vorläufer, als dort im Jahr 1984 eine rechtsradikale Bewegung, der Front National unter Jean-Marie Le Pen, mit 11 Prozent bei den damaligen Europaparlamentswahlen einen Durchbruch feierte. Dies war für die politische Landschaft im damaligen Westeuropa ungewöhnlich. Doch heute sieht es anders aus. Fast überall in Europa ist in diesen Zeiten der Durchbruch “rechtspopulistischer” oder rechtsextremer, autoritär-nationalistischer, “Sicherheit und Ordnung” versprechender, rassistischer und/oder antisemitischer Parteien zu beobachten. Und bei den anstehenden Parlamentswahlen in den Niederlanden am 09. Juni oder in Belgien am 13. Juni dürfte es wohl kaum besser werden.

      siehe auch hier;

      NS-Vernetzungen von USA über Eurasien bis nach Recklinghausen
      Das gelobte weiße Land
      Von Tom Cochez (18.11.2009)

      Die ?Freien Nationalisten aus dem mittleren Ruhrgebiet? haben für Samstag, 28. November, eine Demonstration in Recklinghausen angemeldet. Thema der Demonstration: ?Für ein Recht auf Zukunft ? Arbeit, Freiheit, Brot durch nationalen Sozialismus!?. Durch internationale Vernetzung erhalten die Neonazis auch aus den Nachbarländern Unterstützung. So ruft u.a. die belgische N-SA ?alle Militanten und Sympathisanten? auf, ?nach Recklinghausen zu reisen?. Über die Entwicklung dieser Vernetzung berichtet Tom Cochez. – Die Redaktion

      Die Flüchtlingspolitik in Europa ist katastrophal, egal ob Griechenland, Italien, Deutschland oder Frankreich!

      http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32822/1.html

      Politik der Angst vor drohenden Flüchtlingsströmen: Auch Deutschland blockiert wichtige Vorhaben und trägt zur zunehmenden Abschottung Europas bei
      Immer mehr der über 40 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen auf der Welt verlieren die Perspektive in naher Zukunft in ihre Heimatländer zurückkehren zu können und brauchen neben humanitärer Hilfe immer häufiger auch eine neue Heimat. Die Situation von Flüchtlingen in europäischen Außenstaaten wie Griechenland oder Malta ist katastrophal. Deutschland wird dabei seiner Verantwortung nicht gerecht und verweigert sich einem verbindlichen Lastenausgleich im europäischen Flüchtlingsschutz. Stattdessen beharrt die Bundesregierung auf der Idee freiwilliger und sporadischer Unterstützung. Damit blockiert sie alle Chancen für einen verantwortungsvollen und menschlichen Flüchtlingsschutz in Europa.

      Also bitte – angesichts dieser Entwicklungen von Revoluzzion zu träumen ist doch irgendwie ziemlich daneben, oder nicht?

      Ne, es ist wie teja oben sagt, solange die Menschen nur an sich selbst und ihren eigenen Vorteil denken, wird die ersehnte Revoluzzion zu nichts anderem als Blutvergießen, Krieg und Nationalismus führen.

      Wie also einen humanistischen, solidarischen Widerstand organisieren? Ich weiss es nicht, ich denke wir brauchen zu allerserst eine Vision dahingenend, die globalen, wirtschaftlichen Strukturen so umzugestalten, dass sie den Menschen dienen und umweltfreundlich sind. Deswegen hatte ich auf den Brandt Report verwiesen, der schon vor 30 Jahren in diese Richtung wies. Wohlgemerkt, das wäre ein Richtungswechsel gewesen, keine Revolution. Eine Revolution aber, die keine solidarische, humanistische, kooperative Richtung vorgibt, ist blind und angsichts der dokumentierten Tendenzen absolut beängstigend.

    54. Katinka schrieb am 21. Juni 2010 at 10:54 - Permalink

      solange die Menschen nur an sich selbst und ihren eigenen Vorteil denken, wird die ersehnte Revoluzzion zu nichts anderem als Blutvergießen, Krieg und Nationalismus führen.

      Also eine Revolution würde ich auch nur mitmachen, wenn ich selbst was davon habe. Das Problem ist eher, dass Viele nicht langfristig oder weitergehend denken. Von der Spaltung der Menschen entlang von Nationalitäten hat niemand was, nur wird das nicht begriffen bzw. gar nicht erst drüber nachgedacht, und daran haperts.

    55. André schrieb am 21. Juni 2010 at 11:38 - Permalink

      @ Geheimrätin, 54

      Da ist was dran. Wobei ich “links” heutzutage auch nicht mehr unbedingt mit “progressiv” gleichsetzen würde. Vielleicht bringen das die Rechten sogar besser rüber. Im Endeffekt reicht es, egal in welchem Land, mehr Wohlstand zu versprechen. Die Leute ticken materialistisch, und wenn sie es tatsächlich zu Wohlstand bringen, dann werden sie alles tun, um diesen zu halten. Also stellen sie das System, das ihnen den Wohlstand ermöglicht hat, erst recht nicht mehr in Frage. Und in Krisenzeiten kocht sehr schnell Nationalismus und Regionalismus hoch, das hat auch etwas mit der Verteidigung des eigenen Status quo zu tun.

      Hinzu kommt, daß die meisten Menschen in unglaublicher Lethargie vor sich hindämmern. Ich hatte mal versucht, in meiner Straße ein paar Unterschriften zu sammeln, um dem Bürgermeister etwas Druck zu machen. Ergebnis: Schulterzucken, “Wir-können-doch-sowieso-nichts-ändern-Sprüche”, Gleichgültigkeit. Nein, ein echter Umbruch ist weit und breit nicht in Sicht und nicht machbar.

    56. Geheimrätin schrieb am 21. Juni 2010 at 12:49 - Permalink

      @ Andre

      Da ist was dran. Wobei ich ?links? heutzutage auch nicht mehr unbedingt mit ?progressiv? gleichsetzen würde. Vielleicht bringen das die Rechten sogar besser rüber.

      weiss jetzt nicht was die Rechten besser oder gar “progressiver” rüber bringen sollten als die Linken??? Links ist zumindest wesentlich bunter als braun. Und linke progressive Ansätze gibt es zu genüge, es fehlt bislang allein an ihrer Durchsetzung

    57. Heldentasse schrieb am 21. Juni 2010 at 13:24 - Permalink

      Bemerkung an die Forsiten die für eine revolutionäre Krisenbewältigung stimmen:

      Ich denke, immer wenn der deutsche Michel das Wort ?Revolution? aussprach und sich aufmachte das Bestehende zu zerschlagen, ist noch nie(!) auf Dauer was gescheites dabei raus gekommen.

      Sogar die erste Republik war (leider) auf Sand gebaut ? Zitat und link:

      Wenn Revolution nur Zusammenbruch bedeutet, dann war es eine; aber man darf nicht erwarten, daß die Trümmer anders aussehen als das alte Gebäude.

      Nach meinen Empfinden wäre es besser ?wirkliche? demokratische Reformen anzustreben. Auch das würde noch schwer genug werden, aber immerhin sind die Grundlagen wie z.B. das GG und die demokratische Gewaltenteilung in D-Land im Prinzip geeignet um mit der Krise fertig zu werden.

      Das bedingt natürlich den viel zitierten ?mündigen Bürger? und eine radikale Abkehr von diesem marktradikalen neoliberalen Gedankengut und evtl. auch ein neues Währungssystem mit Schuldenerlass etc.

      Fazit: Was bringt eine Revolution wenn im besten Fall nicht anderes herkommen kann (soll) als eine weitere Demokratie?(!)

      Gruß
      Die Heldentasse

    58. Cobra liberaleusis schrieb am 21. Juni 2010 at 18:54 - Permalink

      @bdanneberg #27

      Meiner Ansicht nach kann Veränderung nur auf dem etablierten Weg des (wirklich ätzenden und irgendwann durch besseres zu ersetzenden) Parteiensystems erreicht werden. Eine komplett neue Partei, mit einem Komplettprogramm, klarer Struktur und klarer Linie, ohne innere Grabenkämpfe, mit gläserner Transparenz und absoluter Ehrlichkeit muss versuchen, die Stimmen der Bürger (erdrutschartig) auf sich zu vereinen, vor allem derjenigen, die aus Frust nicht mehr wählen gehen.

      Mein Gott! das hab ich jetzt erst gelesen. Wen die das unter der Kuppel lesen gibts ne Party…

    59. DerFlaschengeist schrieb am 21. Juni 2010 at 21:29 - Permalink

      @Geheimrätin

      Äh, also an die Revoluzzer hier im Saal: Der aktuelle Trend in Europa sieht ja doch leider ziemlich düster aus ? erst Ungarn, dann auch Tchechien

      Das Beste, was unserer Regierung (und den anderen natürlich auch) zur Zeit wiederfährt ist ein gutes römisches Prinzip. Brot und Spiele.
      Zum einen, die Fussball WM, zum anderen die (noch) sehr günstigen Lebensmittelpreise in Deutschland (die man nur mal mit unserem Nachbarn Österreich vergleichen sollte)
      Irgendwann wird aber auch dieser Knopf platzen. Auch die WM hat mal ein Ende und der Otto Normal Verbraucher ist nichtmehr so abgelenkt. Zur Zeit tut unsere Regierung alles menschenmögliche, um die, die ohnehin nichts mehr haben noch tiefer zu reiten, denjenigen, die noch ein bisschen was haben den Rest noch zu nehmen, und ihre eigene “obere” Klasse zu retten. Man muss kein Genie sein um zu wissen, dass das noch nie auf Dauer funktioniert hat. Leider sind an den meisten unserer “Volksvertreter” 2000 Jahre Geschichte (und auch sonstige Erfahrungen) spurlos vorüber gegangen. Ich denke jeder fürchtet den tag, an dem der Knall kommt…aber er wird kommen. Wenn “die” so weitermachen, bleibt ja keine andere Möglichkeit mehr.
      Demos? Ich denke 50 Jahre anti Atomdemos haben gezeigt, wie faktisch sinnlos das ist. Es interessiert “die da oben” nicht.
      Passiver Wiederstand? Wie und wo denn?
      Gewerkschaften hätten da eine Möglichkeit, aber es wurde ja schon gesagt. Sie sind viel zu sehr auf (nicht mehr) vorhandenen Machterhalt konzentriert und haben ihren eigenen Ursprung vergessen…nämlich die Interessen der Arbeiter zu vertreten.
      Ich sehe da keinen friedlichen Weg mehr…nicht solange sich die Politik nicht wieder auf ihre Ursprünge besinnt und endlich wieder anfängt FÜR und nicht gegen das Volk zu regieren.

    60. Cobra liberaleusis schrieb am 21. Juni 2010 at 22:19 - Permalink

      @Heldentasse #58

      Fazit: Was bringt eine Revolution wenn im besten Fall nicht anderes herkommen kann (soll) als eine weitere Demokratie?(!)

      An einer Demokratie mit enstprechender (wirklicher) Volksbeteiligung und -Befragung gibt es nichts auszusetzen. Sie dient am ehesten dem sozialen Frieden und der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung einer Nation.

      Was uns jedoch aktuell von den Systembetreibern als “Demokratie” vorgeführt wird, ist nichts anderes als ein Propaganda-Videofilm in einer Endlosschleife, – mit immer denselben, Lügen, Täuschungsversuchen und kaum noch zu überbietender, atemberaubender Heuchelei.

      Nur einen Meter hinter der Film-Projektions-Leinwand werden von den zur Notstandsregierung des Großkapitals mutierten Polit-Maronetten alle denkbaren und undenkbaren Verbrechen am Bürger und am deutschen Volk begangen. Vollkommen unbehelligt.

      Und da soll ich nicht zulangen?

    61. Heldentasse schrieb am 22. Juni 2010 at 08:48 - Permalink

      @Cobra liberaleusis #58

      Nur einen Meter hinter der Film-Projektions-Leinwand werden von den zur Notstandsregierung des Großkapitals mutierten Polit-Maronetten alle denkbaren und undenkbaren Verbrechen am Bürger und am deutschen Volk begangen. Vollkommen unbehelligt.

      Und da soll ich nicht zulangen?

      Auch auf die Gefahr hin, dass es ein wenig naiv und provokant klingt: Sind wir (das Volk) nicht auch ein wenig selber schuld, dass das viele Entscheidungen gegen die Interessen der Mehrheiten gefällt werden?

      Ich halte unsere Demokratie prinzipiell im positiven Sinne für reformierbar. Die Reformer müssen halt “nur” die Mehrheit der Menschen überzeugen nicht mehr gegen ihre Interessen zu stimmen. Das würde sehr schwierig aber nicht unmöglich, da sich demokratischer Widerstand auch außerhalb der Institutionen entwickeln kann. Das beste historische Beispiel ist die 68 Bewegung die – trotz aller Auswüchse – die Entwicklungen nachhaltig und wie ich meine positiv beeinflusst hat.

      In die Richtung APO scheint sich was zu tun, z.B. hat gerade unser kommerzieller(!) Lokalsender gemeldet Bürger treten als Volk zurück und das macht mir persönlich ein wenig Hoffnung.

      Auch wenn es evtl. blauäugig klingt: ich halte es nicht für völlig ausgeschlossen, dass die jetzige Krise auch positive Seiten hat, weil die Chancen gar nicht mal so schlecht sind das sich die Menschen wieder solidarisieren und sich selber für ihre Interessen einsetzten.

      Einen schönen Tag wünscht
      Die Heldentasse

      P.S.: Zitat aus “Bauern, Bonzen, Bomben” von Kurt Tucholsky:

      Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.

    62. Bürgerin schrieb am 23. Juni 2010 at 10:27 - Permalink

      Zu Bakunin

      Leider hast Du völlig recht. Das wird sich erst ändern, wenn es keine “Mittelschicht” mehr geben wird. Wenn alles was WIR nach dem Krieg für die Menschen erreicht haben zerstört sein wird. Wenn wir eine neue Sklaverei nach dem Muster von China eingeführt haben. Wenn körperliche und seelische Quälereien nicht mehr zu ertragen sind, dann werden sich die Menschen daran erinnern, dass es mal eine andere Zeit gegeben hat.
      Ich befürchte, dann wird es Blutvergießen geben. Bürgerkrieg und alles was dazugehört.
      Dabei hätten wir die Macht das zu verhindern. Wenn wir als uns als Volk unserer Stärke nur bewusst wären, ein bißchen mehr Mut hätten und vor allem das Wort “Solitärität” wieder den Stellenwert erhalten würde, den es verdient.


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