Deutschland und seine Kindersoldaten
geschrieben am 26. Februar 2008 von Spiegelfechter
Die Vorzeichen für die deutsche Afghanistan-Mission werden von Tag zu Tag düsterer. Da es der Großen Koalition merklich schwer fällt, noch mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken, geht man in Berlin dazu über, Teile des Militärhandwerks an zivile Stellen auszulagern und den Krieg – in Anlehnung an Nixons Exit-Strategie aus Vietnam – zu „afghanisieren“. Um dies zu erreichen, wirft die Bundeswehr die letzten moralisch-ethischen Grundsätze über Bord – afghanisches Kanonenfutter und Kindersoldaten sind die neuen Geheimwaffen, mit denen Deutschland am Hindukusch verteidigt wird.
Die Bundeswehr ist vor über 50 Jahren einmal als Verteidigungsarmee gegründet worden. Spätestens seit der Einführung des aktuellen Weißbuchs der Bundeswehr, das die gültige Militärdoktrin beschreibt, ist die „moderne“ Bundeswehr ein schlagkräftiges schlankes Werkzeug, das global eingesetzt werden kann, um deutsche Interessen zu vertreten – natürlich auch offensiv und ohne völkerrechtliche Legitimation. In Anlehnung an den defensiven Charakter früherer Zeiten heißen die Eingreiftruppen der neuen, transformierten Bundeswehr in Afghanistan „Quick Response Forces“. Das Militär liebt anscheinend Euphemismen; deutsche Soldaten „antworten“ immer nur, „agieren“ ist das Werk der Bösen. Daher steht die QRF, ohne dass deren Aufgabenbeschreibung dies nahe legen könnte, fälschlicherweise als bewaffneter Notwehr- und Nothilfeleister dar. In der Vergangenheit wurden durch die QRF aber regelmäßig auch offensive Operationen durchgeführt.
Um mittel- bis langfristig mehr Bundeswehrsoldaten für militärische Aktionen freizustellen, ist das Verteidigungsministerium dazu übergegangen, zivile Bestandteile des Bundeswehreinsatzes an staatliche zivile Hilfsorganisationen auszugliedern. Sowohl das Technische Hilfswerk (THW) als auch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sollen sowohl Aufgaben der Bundeswehr übernehmen, als auch ihren eigenen Tätigkeitsbereich ausweiten – damit stellen diese Entwicklungshilfeorganisationen einen elementaren Teil der Besatzungsmacht dar und werden massiv in Gefahr gebracht – wäre man zynisch, könnte man wohl von einer Art ABM für die QRF sprechen.
War die „Vietnamisierung“ des Vietnamkrieges unter Nixon als Vorstufe eines „ehrenhaften“ Abzugs gedacht, so ist die „Afghanisierung“ des Afghanistankrieges durch die NATO ein Rationalisierungskonzept, das auch aus der Feder eines Unternehmensberaters stammen könnte. Tote NATO-Soldaten sind teuer und bringen viel Ärger an der Heimatfront mit sich, tote afghanische Soldaten sind nicht so teuer und an der Heimatfront schert sich niemand darum, ob sie getötet werden. Am besten aber eignen sich afghanische Polizisten – sie sind billig, ihr Ableben interessiert niemanden im Westen und die Ausbildung von Polizisten hat so einen ehrenhaften „Nation-Building“ Beiklang, so dass man es auf Pressekonferenzen und in Talkshows mit stolzgeschwellter Brust ausschlachten kann, wenn man wieder neues Kanonenfutter zum Abschlachten „ausgebildet“ hat.
Deutschland hat dementsprechend auch angekündigt die Ausbilderanzahl für Polizisten zu verdoppeln. Die USA setzen bereits vermehrt afghanische Polizisten ein, wo eigentlich Soldaten benötigt würden – aber Polizisten sind preiswerter und schneller auszubilden. Die NATO hadert in dieser Frage zwar noch, Forderungen nach einer Verstärkung der paramilitärischen Ausbildung werden jedoch auch dort immer lauter. Bei militärischen Einsätzen der NATO sterben – nach Angaben der Polizeiausbilder – rund zwanzigmal mehr Polizisten als Soldaten. Um dies zu ändern, werden afghanische Polizisten von der Bundeswehr auch im Gebrauch des Sturmgewehrs „AK 47“ (Kalaschnikow) ausgebildet, womit die Trennung von paramilitärischen Polizisten, Milzen und Soldaten kaum mehr möglich ist.
Bei der militärischen Schulung von afghanischen Soldaten macht die Bundeswehr auch vor der Ausbildung von Kindersoldaten nicht halt. Nach eigenen Angaben bilden dort Soldaten der Bundeswehr auch afghanische Kinder im Alter von „gerade einmal“ 16 Jahren an schweren Waffen für die Afghan National Army (ANA) aus. Der Bundeswehr fällt dazu nur lapidar und zynisch ein:
„Die älteren Soldaten sind vor allem ruhiger und beherrschter als ihre jungen Kameraden. Sie haben durchaus konkretere Vorstellungen von dem, was sie erwartet und geben ihre Erfahrungen weiter.”
Schön, dass die alten “Nordallianzhaudegen” die mentale Schulung der Kindersoldaten für die Bundeswehr übernehmen. Nach UNICEF, terre des hommes und amnesty international werden alle Kombattanten unter 18 Jahren als „Kindersoldaten“ bezeichnet. Das internationale Recht ist da weniger präzise – das UN-Fakultativprotokoll über Kinder in bewaffneten Konflikten, das sowohl Deutschland als auch Afghanistan ratifiziert haben, verbietet lediglich die zwangsweise Verpflichtung von Kindern unter 18. Für freiwillige Soldaten gilt ein Mindestalter von 16 Jahren. Dieser Zusatz wurde auf massiven Druck der USA, Großbritannien, Russlands und Chinas angefügt – manchmal sind sich eben doch alle Militärgroßmächte und Waffenexporteure einig. Es ist beruhigend zu wissen, dass im „Land of the Free“ die „Freien“ erst mit 18 „Freier“ werden dürfen, aber schon mit 16 „frei“ für Präsident, Gott und Vaterland sterben dürfen. Da die ANA eine Freiwilligenarmee ist, bewegt sich die Bundeswehr lediglich moralisch, nicht aber rechtlich, im Abseits – ist im Krieg und in der Liebe wirklich alles erlaubt?
Update: Mittlerweile hat sich auch SPON der Geschichte angenommen und relativiert das Problem der “Kindersoldaten” mit Hinweisen auf die “Mentalität” der Afghanen und behauptet, es sei der Bundeswehr nicht zuzumuten, das Alter der auszubildenden Kombattanten zu ermitteln. Kein Wunder, war es doch ein Abgeordneter der LINKEn, der sich heute nachmittag der Sache annahm. Die Bundeswehr distanziert sich derweil schnell in bester “Öttinger-Manier” von sich selbst und behauptet einfach, der Artikel auf ihrer Internetseite sei falsch. Da der Artikel den Autorenvermerk “Pressestelle Mazar-e Sharif und Redaktion EinsatzBw” trägt, ist die Erklärung der Bundeswehr indes wenig glaubhaft.
Da SPON behauptet, die Bundeswehr hätte die betreffende Internetseite abgeschaltet (was nicht stimmt), hier ein Original-Auszug (inkl. Bild) aus der betreffenden Seite:
Militärische Grundausbildung in Afghanistan
Mazar-e Sharif/Potsdam, 08.02.2008.
[...] Aus ganz Afghanistan sind sie gekommen, um in zehn Wochen grundlegend ausgebildet zu werden. Diese Aufgabe übernehmen Soldaten des Kabul Military Training Centers (KMTC), welche eigens vom afghanischen Verteidigungsministerium entsandt und für diesen Einsatz gesondert vorbereitet wurden.
[...]Bis es soweit ist, haben sie eine militärische Ausbildung absolviert, die zumindest inhaltlich mit der Grundausbildung in Deutschland zu vergleichen ist, im Wesentlichen jedoch dem Bildungsstand der Rekruten angepasst werden muss. „70 Prozent aller Rekruten haben nie eine Schule besucht. Nur wenige können schreiben oder lesen“, berichtet Hauptmann Peter G.
G. ist als Mentor für den Kompaniechef der ersten Ausbildungskompanie Teil des deutschen Operational Mentoring and Liasion Teams (OMLT) im STK. Er kennt die Rekruten seit dem ersten Tag, war bei der Ausbildung dabei, hat beobachtet, beraten und hin und wieder selbst mit angepackt.
[...]So ist die Altersspanne breit. Der Jüngste ist gerade 16 Jahre alt, die Älteren bereits Mitte Dreißig und einige von ihnen haben schon in der Nordallianz gegen die Taliban gekämpft. „Die älteren Soldaten sind vor allem ruhiger und beherrschter als ihre jungen Kameraden. Sie haben durchaus konkretere Vorstellungen von dem, was sie erwartet und geben ihre Erfahrungen weiter“, fasst G. zusammen.
[...]Beraten ist die wesentliche Aufgabe der deutschen Soldaten. „Auch wenn man sich hin und wieder erst an die Ausbildungsmethodik gewöhnen muss, erfüllt sie doch letztlich ihren Zweck“, erklärt Hauptmann Peter G., der Mentor des afghanischen Kompaniechefs im Camp Shaheen. „Wo wir hingegen vor allem Handlungsbedarf sehen, ist in der effektiveren Ausgestaltung der Ausbildungszeit. Parallelausbildung zur Überbrückung von Wartezeiten oder vertiefende Ausbildung für die Ausbilder sind Themenfelder, die wir immer wieder anstoßen, um den Output zu erhöhen“, ergänzt G.
[...]Deutsche Soldaten beraten, packen aber auch mit an – hier bei der Ausbildung: Schanzen
Beim Schanzen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen
[...]Wenn die afghanischen Soldaten Mitte Februar ihre Grundausbildung abgeschlossen haben, sind sie an den gängigen afghanischen Handwaffen – überwiegend russischen Bautyps –, wie Gewehr, leichtes und schweres Maschinengewehr, einige auch am Scharfschützengewehr sowie an der Panzerfaust und im Umgang mit Handgranaten ausgebildet worden. Sie haben allerlei Grundzüge des Gefechtsdienstes gelernt und eine Ausbildung im Umgang mit Minen und Munitionsresten sowie in Erster Hilfe erhalten.
[...]Die deutschen OMLT-Soldaten sind für die Zeit ihres Einsatzes ebenso wie die aghanischen Rekruten im Camp Shaheen untergebracht – allerdings etwas abgesetzt in einem von Amerikanern eingerichteten Abschnitt, dem Camp Mike Spann.
[...]Als die Sonne bereits weit hinter den Bergen verschwunden ist, bliebt im Camp nahezu friedliche Ruhe zurück. Doch der Schein trügt, denn in nicht allzu ferner Zukunft werden die ANA-Soldaten mitunter an forderster Front stehen und dass was sie in den letzten Wochen gelernt haben brauchen, um Stabilität und Sicherheit in ihrem eigenen Land durchzusetzen.
Stand vom 12.02.2008 | Autor: Pressestelle Mazar-e Sharif und Redaktion EinsatzBw
Jens Berger
Kategorien: Ausland
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Militärische Grundausbildung in Afghanistan
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Die Waffen-SS war doch früher auch unser “Schmuckstück”. Also, was soll’s.
Heute wollen halt keine Holländer, Schweden und Rumänen mehr für uns sterben.
In den USA ist der Militärdienst ja schon eine wichtige Stütze der Migrationspolitik – geboren in Guatemala, im Irak “veredelt” und im Falle des Überlebens (oder posthum) eingebürgert.
Roland Koch hat doch gerade ein bisschen Zeit. Der bastelt uns da schon ein tragfähiges Konzept.
War es nicht schon einmal so, dass eine fremde Macht in Afghanistan
Soldaten ausgebildet hat, die sich dann aber gegen ihre Ausbilder gewandt haben?
Dass die Bundeswehr auch Kinder in die afghanische Kanonenfutter-Armee,
die gegen die Warlords-Truppen keine Chance hat, schickt….tja, Deutschland übernimmt “Verantwortung” in der Welt, so sagts doch Steinmeier immer.
Die Bundeswehr ist nach der neuen Streitkräfte und Strategien Sendung (NDR-Info) gar nicht in der Lage eine offensive Schnelle-Eingreif-Truppe zu stellen. Daher müssen sie halt andere kämpfen lassen.
Podcast (mp3):
http://213.200.64.229/ndr/mp3/podcast/ndrinfo_streitkraefteundstrategien/20080223_ndrinfo_streitkraefte.mp3
Skript (pdf):
http://www.ndrinfo.de/programm/sendungen/streitkraeftesendemanuskript62.pdf
Ich bin mal ein wenig zynisch:
Wenn bei den Amis und bei uns Menschen erst ab 18 Jahren Geschlechtsverkehr haben dürfen, jedoch schon mit 16 sterben und morden können und dürfen, geht uns irgendwann der Nachwuchs mangels Nachwuchs aus :-).
Und was soll das erst werden, wenn der Nachwuchs trotzdem das 18te Lebensjahr erreicht und dann Pfeiffersche “Killerspiele” spielt? Da läuft er doch dann Amok und das nicht da, wo es etwas brächte, sondern ausgerechnet an deutschen Schulen.
Dumm das … :-)
Das ist eher ein bis altbacken:
Geschlechtsreif mit 12, erster Nachwuchs mit 13 – bis man dann mit 16 an die Front darf, hat man also rechnerisch schon bis zu vier Nachfolger hingekriegt. In den USA ist das normal. Und auch an deutschen Haupt- und Realschulen wird das schon im Großversuch erprobt.
Amokläufer sind meistens kinderlose Gymnasiasten…
Wo bitte ist das Problem?
@Armin
Wäre ich ganz sarkastisch, könnte ich sagen: Mit 13 beim Poppen, mit 14 beim Rauchen oder 15 bei einem Bier erwischt und vor die Wahl gestellt, ob man lieber 10 Jahre Gefängnis oder 5 Jahre Armee erleiden will. America rulez!
Ich könnte mir wirklich vorstellen, dass in ein paar Jahren einer der Law&Order- und Sicherheits-”Experten” mit solchen Vorschlägen kommt. Mich ekelt’s…
@Armin
Wenn man dieser Quelle Glauben schenkt, sind die Briten da schon “weiter”.
Update: Mittlerweile hat sich auch SPON der Geschichte angenommen und relativiert das Problem der “Kindersoldaten” mit Hinweisen auf die “Mentalität” der Afghanen und behauptet, es sei der Bundeswehr nicht zuzumuten, das Alter der auszubildenden Kombattanten zu ermitteln. Kein Wunder, war es doch ein Abgeordneter der LINKEn, der sich heute nachmittag der Sache annahm. Die Bundeswehr distanziert sich derweil schnell in bester “Öttinger-Manier” von sich selbst und behauptet einfach, der Artikel auf ihrer Internetseite sei falsch. Da der Artikel den Autorenvermerk “Pressestelle Mazar-e Sharif und Redaktion EinsatzBw” trägt, ist die Erklärung der Bundeswehr indes wenig glaubhaft.
Da SPON behauptet, die Bundeswehr hätte die betreffende Internetseite abgeschaltet (was nicht stimmt), hier ein Original-Auszug (inkl. Bild) aus der betreffenden Seite:
@ Jens,
kurze Anmerkung zu deinen Zitaten. Könntest du bei den Auslassungen bitte 3 Pünktchen zwischen die Klammern machen. Erstens gehört sich das so, (das war jetzt der Klugscheißteil) ;-) und zweitens liest sich: “[]” wirklich scheiße im Text, ich bleib da immer dran „hängen“.
Danke.
Zur Rekrutierungsmoral:
ich hab da jetzt keine Quellen für, aber ich habe neulich gelesen, dass die US-Army Prämien für Neuangeworbene (meist Unterpriviligierte) zahlt, die sich (weiß keine Zahl, sag jetzt mal fiktiv 36 Monate) verpflichten. Das ist jetzt nicht der eigentliche Skandal. Ich hab aber gelesen, dass die Army aber von Verletzten die im Einsatz z.Bsp zum Krüppel geschossen wurden (z.Bsp. im Irak nach, sagen wir 18 Monaten) ernsthaft auch noch anschließend die Prämie anteilig zurückfordert. Da bleibt einem echt die Spucke weg.
Pax
@Corax
Ihr Wunsch ist mir Befehl!
@ Corax: Das ist tatsächlich mehrmals passiert. Die Army rudert da aber mittlerweile gewaltig zurück: “war alles nur ein Versehen.” Einzellfälle, eben ;-)
http://www.huffingtonpost.com/paul-rieckhoff/nickelanddiming-our-wou_b_74360.html
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
Die Bundeswehr bildet also in Afghanistan junge Männer ab 16 Jahren als Soldaten aus. Na und? Wenn die Afghanen das so wollen, bitteschön. Ich finde Militär so oder so besch…eiden, egal, wer da in welchem Alter tötet.
Natürlich ist es nicht “schön” und moralisch bedenklich, so junge Männer – eher noch Jugendliche – in den Kampf ziehen zu lassen. Auf der anderen Seiten sollte man aber bedenken, dass wir – die Deutschen – dort doch erst Recht nichts zu suchen haben! Ich meine, was in aller Welt machen unsere Soldaten in Afghanistan überhaupt?
Ich bin für einen schnellen Abzug unserer Jungs, da a) die gesamte Mission vermutlich “für die Katz” und kaum zu gewinnen ist, und b) wir dort nichts zu suchen haben. Die “Kindersoldaten” können auch von anderen Nationen ausgebildet werden. Ok, die haben dort auch nichts zu suchen, aber das ist dann nicht unser Problem.
Oh und bitte jetzt kein Spruch a la “wir verteidigen dort die Demokratie und kämpfen gegen den Terror”, ich bitte Euch. Das glaubt nun wirklich niemand ernsthaft, oder?
@Peter Frenzel
Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das je schreibe … aber ich stimme Dir weitestgehend zu ;-)
Danke. Vielleicht kannst Du mich ja mal auf “unmoderiert” schalten, das warten auf Freischlaltung nervt. Bin ja jetzt Fair-Player und verwende keine alternativen Nicks mehr, versprochen :-)
@Peter Frenzel
Versuchen wir es mal, obwohl ich weiß, dass es ein Fehler ist. Aber die Sperre ist ja genau so schnell wieder drin, wie sie raus zu nehmen ist ;-)
Misstraust Du mir etwa?! ;-)
Nein, mal ernsthaft, es bringt ja nichts, sich gegenseitig ans Bein zu pinkeln. Ich bin zwar nicht immer Deiner Meinung, aber ich habe mal über einiges nachgedacht und respektiere fortan Dein “virtuelles Hausrecht”. Deshalb: Keine anderen Nicks und keine Proxyserver mehr. So, jetzt aber genug Off Topic.
Zitat:
” schwitzig am 26. Februar 2008 um 19:08 – Permalink
Ich bin mal ein wenig zynisch:
Wenn bei den Amis und bei uns Menschen erst ab 18 Jahren Geschlechtsverkehr haben dürfen, jedoch schon mit 16 sterben und morden können und dürfen, geht uns irgendwann der Nachwuchs mangels Nachwuchs aus :-).
Und was soll das erst werden, wenn der Nachwuchs trotzdem das 18te Lebensjahr erreicht und dann Pfeiffersche “Killerspiele” spielt? Da läuft er doch dann Amok und das nicht da, wo es etwas brächte, sondern ausgerechnet an deutschen Schulen.
Dumm das … :-)”
Ich bin mal etwas weniger zynisch: “Wenn bei den Amis und bei uns Menschen erst ab 18 Jahren Geschlechtsverkehr haben dürfen, [...]”
hmm bei den amis mag das sein. In Deutschland sicher nicht. Ich stelle fest: Jeder Deutsche darf zu jedem Zeitpunkt sex haben. Die Eltern dürfen das in einem bestimmten Alter nicht fördern/unterstützen. Jedoch bekommt sicher keiner eine strafe der sex hat. Selbst nach der neuen Gesetzesinitiative wird das nicht immer bestraft (und die ist nicht mal Gesetz), sondern nur in Ausnahmen.
Das mit den Kindersoldaten im Anschluss bezieht sich sicherlich auf folgenden Absatz: “Bei der militärischen Schulung von afghanischen Soldaten macht die Bundeswehr auch vor der Ausbildung von Kindersoldaten nicht halt. Nach eigenen Angaben bilden dort Soldaten der Bundeswehr auch afghanische Kinder im Alter von „gerade einmal“ 16 Jahren an schweren Waffen für die Afghan National Army (ANA) aus.”
Dazu möchte ich bemerken. Auch in der Bundeswehr ist es möglich/praxis Jugendliche ab 17 den Dienst an der Waffe zu erlauben. Auch wenn dies abgeschafft werden soll. (möglicherweise gerade abgeschafft ist). Mag sein das das eine Lebensjahr eine neue Qualität darstellt, jedoch ist soweit zu bemerken das die grenze von 18 jahren auch in Deutschland unterschritten wurde/wird. (ich für meinen Teil habe mit 17 jährigen Kameraden gedient (2003). Besonders beachtlich ist dies da diese sämtlich Freiwillige waren und somit einem Auslandseinsatz zugestimmt haben (mit Erlaubniss der Eltern).
Trotzdem muss man bei “Söldnern” doch keine höheren Anforderungen stellen als an Soldaten des eigenen Landes.
Zitat: “Um dies zu ändern, werden afghanische Polizisten von der Bundeswehr auch im Gebrauch des Sturmgewehrs „AK 47“ (Kalaschnikow) ausgebildet, womit die Trennung von paramilitärischen Polizisten, Milzen und Soldaten kaum mehr möglich ist.”
Nun ja, wie die meisten wissen hat jeder Streifenwagen eine mp5 oder vergleichbares dabei. Auch ist jeder Polizist in Deutschland daran ausgebildet. Daher finde ich nicht das die Grenzen verschwimmen.
Ich möchte zu bedenken geben, :”[…] Aus ganz Afghanistan sind sie gekommen, um in zehn Wochen grundlegend ausgebildet zu werden. Diese Aufgabe übernehmen Soldaten des Kabul Military Training Centers (KMTC), welche eigens vom afghanischen Verteidigungsministerium entsandt und für diesen Einsatz gesondert vorbereitet wurden.[...]” Die deutsche (militärische) Grundausbildung beträgt heute meist 2 Monate mit anschließender Spezialgrundausbildung. (vertiefender San ausbildung ect.) Daher erscheinen mit die 2 Wochen mehr rechnerisch erst einmal angemessen.
Hinzufügen möchte ich jedoch das dieser Beitrag relativierend sein soll und Misstände in Deutschland zeigen soll. Auch ich halte die Handlung der Regierung/Bundeswehr für Moralisch untragbar. Jedoch schienen mir Kommentare und Artikel zu einseitig.
mfg Der_Jo
P.s.: Die Bundespolizei vormals Bundesgrenzschutz welche wohl Polizei immer war. War bis kurz nach der Wende als Kombattant für den Kriegsfall bestellt worden. Daher waren sie an schwerem Kriegsgerät ausgebildet und hätten dies auch neben der Bundeswehr als Kriegspartei einsetzen müssen.
Daher finde ich in einem stark umkämpften Kriegs ähnlichen Gebiet die Unterscheidung rechtlich eh unsinnig, warum sollte die Afghanische Regierung auf dieses Kriegerische Potential verzichten? rechtlich korrekt ist hier wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kombattant
hmm … wie soll denn die “alternative Seite” aussehen, die den aktuellen “Volkssturm” befürwortet?
Und Dein Relativieren des einen Jahres (17 versus 18) läßt nun jede Grenze fallen. Wie wäre es mit 5 Jährigen killern? Schließlich ist die Lebensqualität, die sie in den nächsten Jahren erwartet, nicht so toll?
Und in Sachen Strafbarkeit zu Geschlechtsverkehr unter 18 – das ist sowohl unter der aktuellen Gesetzgebung als auch unter der neuen strafbar, es sei denn (bei der alten Gesetzgebung), dass ein Partner nicht mehr als 3 Jahre älter ist. Wenn die Eltern es anzeigen, ist es allerdings immer strafbar.
Fazit: Morden und foltern als Minderjähriger ist in Ordnung, Pornos ansehen oder gar seinen Partner körperlich lieben, ist erst ab 18 erlaubt.
Das beschreibt auch sehr schön die mittelalterlich christliche Hassgesellschaft, in der wir leben. Und wir regen uns über den Islam auf? Kleine, marginale Unterschiede.
@ schwitzig
Das ist so nicht richtig, ab 16 entfällt die Strafbarkeit außer bei Schutzbefohlenen.
Auch bei einem Strafantragsversuch der Eltern.
Pax
@corax
Oh – gut zu wissen – bin solo :-). Dann erscheint mir das ganze Volljährigkeitskonstrukt aber noch absurder: Mit 16 darfst Du also keine harten Pornos oder Gewaltfilme(-spiele) konsumieren. Du darfst aber Menschen töten und lernen, wie man das am effektivsten bewerkstelligt?
Um mal vom Sex Thema weg zu kommen: “Und Dein Relativieren des einen Jahres (17 versus 18) läßt nun jede Grenze fallen. Wie wäre es mit 5 Jährigen killern? Schließlich ist die Lebensqualität, die sie in den nächsten Jahren erwartet, nicht so toll?”
Ja ich bin dafür das es eine Grenze von 18 Jahren überall auf der Welt für Soldaten gibt. Ich denke nur das wenn man bei der Diskussion wissen sollte, daß Deutschland über Jahrzehnte auch im eigenen Land “Kindersoldaten” rekrutiert hat (und ich habe jedenfalls dort nie einen Aufschrei gehört traurig aber wahr). Darauf wollte ich hinaus, nicht das darauf das es “nur” ein Jahr unterschied ist.
P.s.: Sind sexuelle Handlungen zwischen unter 12 Jährigen nicht auch immer straffrei?
@18 Der_Jo
… aber nicht mit jedem Deutschen, das ist der kleine aber feine Unterschied.
Das ist bekannt (leider)
Das ist zu Recht zu kritisieren … aber mE muss man hier wohl auch trennen. Die „normale“ Ausbildung in Deutschland ist qualitativ schon etwas anderes, als das „Heranziehen“ von Kanonenfutter im Kriegsland Afghanistan.
Die Frage ist, hätten sie vor Erreichen des 18 Lebensjahres auf einen Kampfeinsatz geschickt werden dürfen?
Es ist mE schon ein Unterschied, ob in Streifenwagen eine MP lagert, oder ob Paramilitärs mit AK-47 Sturmgewehren ausgerüstet werden. Letztendlich geht es ja auch um den Einsatzzweck solcher Kriegswaffen. Die afghanischen Paramilitärs werden ja speziell darauf angesetzt, bewaffnete Aufstände und militärische Zwischenfälle mit Waffengewalt zu lösen – und eben dies ist eigentlich eine Aufgabe des dafür geschulten Militärs. Dies kann mit deutschen Verhältnissen in Friedenszeiten wahrlich nicht vergleichen.
Zur Kenntnis genommen, die Grenze ist fließend.
Danke das ich nicht durchgehend der buhman bin!
In meinem Zitat ging es eigentlich um die unter 18 jährigen und damit die eine strafe wegen einer einvernehmlichen sexualhandlung bekommen muss einiges passieren.
Wie sie selbst schreiben scheint völkerrechtlich nichts einem Einsatz deutscher minderjähriger im Einsatz entgegen zu stehen (mir fällt auch keine gesetzliche Hürde ein). Letztlich ist es aber auch unwichtig da sie sich schon in diesem Alter dazu verpflichten später in den Einsatz zu gehen.
Nebenbei sehe ich den militärischen unterschied zwischen halbautomatischen waffen mit geringem militärischen unterschied nicht. Davon abgesehen beschreibe und belege ich ja das die deutsche bundespolizei bis zur wende als paramilitärische Einheit ausgebildet wurde. Da diese sogar an schwerem militärischem gerät wie Maschinengewehren (also vollautomatisch) ausgebildet wurden, welche von sanitätern der Armeen nicht benutzt werden dürfen sehe ich dieses als mindestens vergleichbar an.
Kaum zu glauben, aber wahr: Peter Gauweiler hat zu diesem Thema sehr viel vernünftigere Ansichten geäußert als ich erwartet hätte.
http://weingeist.blogger.de/stories/1036088
PS.
Schön, daß Du wieder dabei bist. Ich machte mir schon Sorgen. Statt des Providerwechsels könntest Du auch überlegen, größere Änderungen grundsätzlich zu Beginn der Woche einzupflegen. Damit hast Du auch für kleines Geld Support.
@Karl
Ja, zum Thema “Afghanistan” hat Gauweiler schon häufiger kluge Sachen gesagt – er war es ja auch, der gegen die Tornado-Entsendung vor Gericht gegangen ist. Er ist auch häufig zu diesem Thema als Gastautor im Freitag zu lesen. Auch wenn ich ihn keinesfalls mag, so muß man ihm anerkennen, dass er ein echter und aufrechter Konservativer ist, für den Werte etwas zu bedeuten haben. Davor muß man den Hut ziehen, auch wenn man in vielen Dingen komplett anderer Meinung ist.
-> Was Deinen Tipp angeht, so erinnert mich das an den Witz mit die NASA, die zig Millionen in die Entwicklung eines Kulis steckte, der auch in der Schwerelosigkeit funktioniert und die Russen, die einfach einen Bleistift nahmen. Gute Idee und so simpel ;-)
@Jens
hab’ nicht zu Ende gelesen! Afghanistan die 4711te! *würg* Es wird nicht besser, immer die selbe Leier: “Wir hätten nicht … “Wir sollten nicht … “Wir dürfen doch nicht …”
Die Fragen hab’ ich schon mehrfach, auch in anderen Blogs, gestellt, vielleicht kannst Du mir ja helfen:
1. Wir hätten von Anfang an die Füße still gehalten und wären nicht nach Afghanistan gegangen. Was wäre dann dort heute besser?, anders? (polemisch: Hätten die dann Frieden dort und die Kühlschränke voll? Dürften die Schulen weiter bestehen bleiben und auch Mädchen dort reingehen?)
2. Wir sehen unseren Fehler ein und ziehen uns aus Afghanistan (und den anderen Konfliktfeldern??) zurück: Was passiert dann? (polemisch: Würde dann dort Frieden ausbrechen und sich die Kühlschränke füllen? Dürften die Schulen weiter bestehen bleiben und auch Mädchen dort reingehen?)
3. Die BW ist eine Verteidigungsarmee und die Uhr ist vor 50 Jahren stehen geblieben. Beschluss: Die BW bleibt in Baumholder und Birkenfeld, außer: Der Russe kommt (oder der “klare Bündnissfall wie vor 50 Jahren bestimmt” tritt ein!). Und dann? Der Rest ist uns egal? Was wird dann besser?
Drei klare Antworten reichen. Danke für Deine Mühe im Voraus!
Beste Grüße
Vogel
PS: Neues Layout ist Spitze. Hab’ entspr. geurteilt!
PSS: Bezahl in Zukunft Deine Rechnungen pünktlich, damit wir nicht wieder ‘mal ‘n Wochenende auf’m Trockenen sitzen!! ;)
@Vogel
Und dafür schreibe ich mir n´en Wolf? Dass Du das gar nicht zu Ende liest? ;-)
Schwer zu sagen, da “wir” nie die Füße stillgehalten haben, sondern schon immer die eine oder andere Partei dort unterstützt haben. Das Paradies wäre Afghanistan “ohne uns” aber sicher nicht.
Die Schulen und die Mädchen vergiss mal schnell wieder – so etwas wird immer gerne instrumentalisiert, wenn es einem in den Kram passt. Wo sind denn die kleinen Schülerin, wenn es um den Verbot von Landminen und Streubomben und wirtschaftliche Sanktionen gegen Staaten geht, in denen sog. Sweatshops betrieben werden?
Die Taliban waren nur eine Bürgerkriegspartei. Wenn man (zu recht) nicht mit ihrem Verständnis von Menschenrechten klar kommt, dann kann man dafür sorgen, dass sie an Macht verlieren. Unterstützung der Gegner (wie gesehen), Abbindung der Nachschubwege und Sanktionierung der Unterstützer. Aber kennst Du einen westlichen Politiker, der das Mudsharraf-System sanktionieren will?
Es geht hier ja nicht um schwarz/weiß, Krieg führen oder totalen Isolationismus; es geht um die Art des Engagements.
Was wird besser, wenn die Bundeswehr weltweit für Interessen der Wirtschaft eintritt? Man kann Ländern mit Defiziten auf gewissen Gebieten Hilfe anbieten, man kann sie aber auch zerbomben – alles eine Frage des Geschmacks. Der Geschmack der Berliner Republik ist halt ein blutigerer, als der der Bonner Republik.
Schau Dir die Schweiz an, die eine reine Verteidigungsarmee haben – geht es den Schweizern schlechter. Nichts gegen humanitäre Einsätze, aber gab es die? Warum wird die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt und nicht damals in Ruanda oder damals in Bosnien (mit einem robusten Mandat)? Kann es sein, dass die “humanitären” Tätigkeiten sich doch nur nach wirtschaftlicher Relevanz richten?
Danke ;-)
Du führst den Nick “Vogel” anscheinend nicht umsonst ;-)
@Jens
Okay, lass’ stecken. Natürlich weiß keiner, was wäre wenn… Das sagt Dein Versuch zu antworten nicht nur, das drückt er auch, so nehm’ ich’s wahr, zwischen den Zeilen aus *ächz stöhn*.
Das mit “wir halten die Füße eh’ nicht still” und dem Instrumentalisieren von “Schulen und Mädchen” lass’ bitte auch stecken, deutsche Verbraucher fordern billige Teppiche, T-Shirts, Fußbälle … Sweatshops müssen sein! ;-) Alles läßt sich rechtfertigen. Dürfen wir wenigstens unsere Interessen wahren, nicht Deine und meine, “unsere” halt? Und dabei noch die Kleptokraten mitnehmen, die auf unserer Seite stehen? Nicht die anderen Kleptokraten, unsere!
Zu Deiner Gegenfrage brauch’ ich mich nicht äußern, die Antwort liegt auf der Hand, aber dass wir rausgehen und ein Land zerbomben statt zu helfen *ähem* das erklär’ ‘mal dem Schorsch Dabbelju, dann sacht der bestimmt: “Well if that is so, lets sing together, Angie: bomb, bomb, bomb, bomb-bomberomb” ;-) Bonn hat Glück gehabt, in dem Fall hat Berlin das Pech der späten Geburt! Und komm’ mir bitte nicht mit Ruanda, Dafur oder Biafra (in Bosnien hat man auch erst gewartet und sich gegenseitig beim sich Zieren geholfen, bis sich dann irgendwann alle gegenseitig “zum Jagen getragen” haben). Ich find’s auch nicht gut (Sch**** aber welche Worte gebrauchen??) – aber das ist doch normal (!!), dass sich da keiner die Finger dreckig macht, alle nur dabeistehen und mit wohligem Grausen sich schaudern: “Gucke se dir an, die Nescher, die Barbare, bei uns gäb’s so ‘was net! Ei so ‘was macht merr doch net, gelle!” Hast Du Dich schon ‘mal gefragt, warum “so ‘was” seit Jahrtausend unter Menschen üblich ist? Tja, ich hätt’ da ‘ne Antwort parat…
Und dann noch die Schweiz! Klasse! Fahr’n die noch Fahrrad und fliegen Hawker-Hunter? Kriegen die ‘n Bataillon zusammen? (Stimmt, die haben ja alle ‘n Karabiner (!!) im Schrank, da kommt vielleicht sogar ‘n Regiment zusammen) Und wenn die alle laut: “Buh” rufen? Zuckt dann jemand? Naja, ‘n bisschen Kosmetik für international und ‘n bisschen Spielzeug für’n paar große Jungs für zu Hause muss halt’ sein.
Ich bleib’ dabei: Unser Afghanistan-Engagement iss okay, es sollte konzentriert und verstärkt durchgeführt werden (nicht in so vielen Sandkästen mitspielen!), wir müssen uns noch mehr um die Menschen bemühen und die verstehen lernen – und gute Beispiele geben (in unserem Sinne).
Allerbeste Grüße
Vogel