Die legitime Machtübergabe
04. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Vor drei Jahren erklärte der damalige russische Präsidialamtschef Dmitri Medwedjew in einem Interview, Russland habe mit dem Ende der Ära Putin, die Möglichkeit eine „Tradition der legitimen Machtübergabe“ herzustellen. Damals hätte er sich sicher nicht träumen lassen, dass er es sein würde, an den die Macht durch ein elektorales Referendum übertragen wird.
Der Ausdruck „legitime Machtübergabe“ trifft die russische Rochade, bei der Putin auf den Sessel des Premierministers wechselt, während sein alter Vizepremier Medwedjew zum Präsidentennachfolger auserkoren wurde, wesentlich besser als der Ausdruck „Wahl“. Dieser suggeriert, eine „echte“ Auswahl unter verschiedenen Alternativen zu haben – nach diesem Maßstab wären die Wahlen in Deutschland aber auch eine Farce, da innerhalb des „Lagers der Mitte“ keine echten Unterschiede auszumachen sind und man letztendlich nur unter Kandidaten, deren Auswahl anders als in den USA in Hinterzimmern der Macht getroffen wird, „wählen“ darf.
Für den Mangel an Alternativen bei der russischen Präsidentenwahl ein „Demokratiedefizit“ verantwortlich zu machen, wie es in deutschen Medien gerne gemacht wird, trifft den Kern der Sache aber nicht. Das politische Spektrum in Russland ist nun einmal ein anderes, als das im Westen so gerne verwendete Rechts-/Links Spektrum. Es geht vielmehr um „unsozial“ oder „sozial“, die Adaption „westlicher Normen“ oder die Bewahrung der klassischen russischen Strukturen, die „Öffnung der Märkte“ oder „staatliche Regulationen“. Außen- und sicherheitspolitisch gibt es innerhalb des gemäßigten Spektrums keine großen Unterschiede – an den extremen Rändern, wie sie z.B. auf liberaler Seite von Kasparow vertreten werden, sieht dies freilich anders aus, aber da die Ränder keinesfalls mehrheitsfähig sind, kann man dies eher vernachlässigen. Oberflächlich könnte man das politische Spektrum in „liberal“ und „autoritär“ aufteilen.
Medwedjew ist ein Kandidat der Mitte, liberaler als Putin, aber immer noch autoritär genug, um vom Westen mit Argwohn betrachtet zu werden. Sein Ziel ist die Suche nach einem Kompromiss zwischen privatwirtschaftlich organisiertem Markt und gemeineigentümlicher Tradition. Neben Medwedjew standen drei weitere Kandidaten zur Wahl. Auf der „autoritären“ Seite teilten sich die Kandidaten Sjuganow und Schirinowski das Feld, der eine „linksautoritär“, der andere „rechtsautoritär“. Während Schirinowski nicht wirklich ernst zu nehmen ist, stellt Sjuganow weit mehr als einen Zählkandidaten dar. Seine Kandidatur kann als sozialpolitisches Korrektiv gesehen werden, da er genau die Fehler von Putins Politik ankreidet, die beim „normalen Volk“ und in den Provinzen einen besonders hohen Stellenwert haben. Im letzten Jahr hat Putin allerdings sein sozialpolitisches Profil deutlich schärfen können, so dass Sjuganow nur 18% der Stimmen sammeln konnte – fast 10% weniger, als bei den Wahlen 2000, als er chancenreich gegen Putin antrat.
Für das „liberale“ Lager trat der exiloppositionelle Wirtschaftswissenschaftler Bogdanow an, der vor allem mit pro-europäischen Positionen punkten wollte. Von westlichen Medien wird er gerne als „lächerliche“ Kandidatenpersiflage beschrieben – wäre man öfter so hart in seinem Urteil, müsste man dann allerdings auch einen Guido Westerwelle als clowneseken Kandidatenimitatoren bezeichnen, da er sich nicht wesentlich von Bogdanow unterscheidet. Bogdanow erhielt knapp über 1% der Stimmen, was aber keinesfalls überrascht. Das „liberale“ Lager in Russland ist nicht eben groß – beim „normalen“ Volk wird „Liberalismus“ mit den Räuberorgien der Jelzin-Zeit gleichgesetzt und die „Leistungsträger“ wissen, dass sie mit einer gemäßigt liberalen Regierung Putin/Medwedjew wesentlich besser fahren, als mit den „trojanischen Pferden“ amerikanischer NGOs aus dem Hause Soros und Co.. Kandidaten, deren Namen im Westen die Zeitungen füllen, wie Kasparow, Ryschkow oder Kasjanow scheiterten bereits an den nötigen Unterschriften, die für eine Kandidatur benötigt werden und hätten bei einer Kandidatur auch nur – je nach Umfrage – zwischen 1% und 5% der Wählerstimmen auf sich vereinen können.
Nicht die pro-westlichen Kandidaten machten den Unterschied zwischen einer Wahl und einer „legitimen Machtübergabe“ aus, sondern die Tatsache, dass aus dem näheren Umfeld des populären Präsidenten Putins nur ein einziger Kandidat antrat. Hätten Vizepremier Iwanow und Premierminister Subkow – die beide als Kandidaten „Putins“ gehandelt wurden - sich zur Wahl gestellt, wäre es für Medwedjew sicher eng geworden. Aber ein solcher Wahkampf wäre für die Stabilität des Landes keinesfalls positiv gewesen, da Medwedjew als Kompromisskandidat gilt, mit dem die zerstrittenen Lager innerhalb der mächtigen Silowiki leben können.
Vor dem Gespann Medwedjew und Putin liegen schwere Aufgaben – und wer von beiden mittelfristig der „starke Mann“ wird, ist ganz davon abhängig, wie Medwedjew diese Probleme meistern kann. Nachdem sich Russland unter Putin außen-, sicherheits- und energiepolitisch emanzipiert hat, sind es die sozialpolitischen Defizite, die in der nächsten Präsidentschaftsperiode auf der Agenda stehen. Bereits in Putins Machtzeit wurden die vier „nationalen Projekte“ formuliert. Das erste Projekt ist der rückständige Gesundheitsbereich, der sich von der kostenlosen sowjetischen Allgemeinversorgung für Jedermann zu einer Zwei-Klassen-Medizin entwickelt hat. Ähnlich sieht es beim zweiten „nationalen Projekt“, der Bildung aus. Das dritte Projekt ist der chaotische und stellenweise exorbitant überteuerte Wohnungsmarkt. Der Teil des Marktes, der bereits privatisiert wurde, leidet oft unter Mietwucher und Spekulation, während sich der gemeineigentümliche Wohnsektor mit aller Macht gegen eine Privatisierung wehrt. Das vierte Projekt ist die Landwirtschaft, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stets ein Stiefkind der Politik war, was dazu geführt hat, dass Russland heute abhängig von landwirtschaftlichen Importen aus Polen und Deutschland ist.
Die Sterne für einen Erfolg der „nationalen Projekte“ könnten eigentlich kaum besser stehen – hohe Weltmarktpreise für Energie sorgen dank Putins Politik der Energieverstaatlichung für volle Staatskassen, die eine Verwirklichung der „nationalen Projekte“ ermöglichen. Es ist allerdings fraglich, ob und in welcher Form Medwedjew diese Projekte angehen will und inwieweit er auf die nötige Unterstützung der Provinzen zählen kann. Medwedjew hat sein Wirtschaftsprogramm, die „Vier-Is“ getauft: Institute, Infrastruktur, Innovationen und Investitionen. Wenn er dieses Programm „liberal“ umsetzen will, so steht es in einigen Bereichen diametral zu Putins „nationalen Projekten“. Nach der „Privatisierung der Produktionsmittel“ in den 90ern, fürchten die Russen nun, dass eine „Privatisierung des kommunalen und sozialen Lebens“ unter ähnlich katastrophalen Begleitumständen vor sich gehen wird. Wenn Medwedjew den Königsweg zwischen liberaler Wirtschaftspolitik und eine sozialgerechten Umsetzung der „nationalen Programme“ schaffen sollte, so wird er sich aus Putins Schatten bewegen können und der neue starke Mann sein. Sollte er bei diesem Ritt auf der Rasierklinge scheitern, könnte das Experiment „Doppelspitze“ allerdings auch schneller beendet sein, als es ihm lieb ist. Bei der nächsten Präsidentschaftswahl darf Putin nämlich wieder antreten, auch wenn sie vorgezogen wird.
Epilog
Sich selbst übertraf bei der Wahlanalyse einmal wieder der SPIEGEL. Im Artikel “Putin trägt russische Demokratie zu Grabe” heißt es bedeutungschwanger:
Putin tut das in einer Zeit, in der die Wirtschaft acht Jahre hintereinander um durchschnittlich mehr als sechs Prozent gewachsen ist. So hat er dafür gesorgt, dass die vergleichsweise demokratischen Jelzin-Ära in den Köpfen der Russen als Ausgeburt des Chaos verankert bleibt und nicht als Basis für den gegenwärtigen Aufschwung. Die Gleichung ist einfach: Demokratie gleich wirtschaftlicher Niedergang und materielle Not, autoritäre Führung à la Putin gleich Wohlstand und Stabilität.
Welch ein perfider Plan von Putin - das Volk mit so profanen Dingen wie Wohlstand und Stabilität zu bestechen, um es vom höchsten aller Güter - Demokratie per def. SPIEGEL - abzubringen. In solchen Zeilen verrät der SPIEGEL mehr über sein Selbstverständnis, als es ihm lieb sein könnte. Hieß es doch früher immer, Demokratie sei das Mittel erster Wahl, um die Ziele Wohlstand und Stabilität zu erreichen, so scheint Demokratie mittlerweile zum ziellosen Selbstzweck verkommen zu sein.
Jeder Deutsche stelle sich vor, dass er Jahr für Jahr deutlich weniger Einkommen hat und das ein halbes Jahrzehnt lang. Hätten die Deutschen dann immer noch so brav für Schröder und Merkel gestimmt?
Kaum zu glauben, aber wahr, lieber SPIEGEL - sie tun es. Die Realeinkommen sinken seit einem halben Jahrzehnt und der deutsche Michel stimmt dennoch froh und munter für die Schlachter, die die dümmsten Kälber sich sprichwörtlich selbst suchen.
Jens Berger
Lesetipps:
Nach der Wahl alles glatt – oder doch nicht? - eine Analyse von Kai Ehlers
Das friedliche Leben - ein Essay von Andrey Komov
Wie notwendig ist eine Kehrtwende im europäischen Russlandbild? - eine Analyse von Paul Sanders
Bildnachweis: alle Lenta.ru
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@SF
So kann man das alles kommentieren. Allerdings fehlt es dann doch an ein paar Punkten zum Thema Gewalt der Staatsorgane gegen Demonstranten, Wegsperren und/oder Zulassung von Kandidaten, etcpp. bis hin zu den Aussagen, wonach Stimmen für Medwedjew nicht frei von Druck abgegeben wurden. Dazu gesellen sich Aussagen wie Mehrfachstimmabgaben.
Sicher kann bei uns Wahlen im Sinne von Auswahl von Unterschieden eher als lächerlich begrenzt ansehen. Auch mögen hier und da mal Ungereimten auftauchen, aber niemand hat bisher bei z. B. Westerwelle auch nur ansatzweise versucht die Teilnahme per Gereichtsbeschluss zu verbieten.
Von daher denke ich hat der Vergleich eine deutliche Schieflage.
Die
zeigt sich am Ende als autoritäter Akt, um im “Hintergrund” selber an der Macht zu bleiben.
Man möge sich erinneren, was zum Thema “demokratische Wahlen” in den USA alles geschrieben und gesagt wurde, als ein Herr Bush trotz mangelnder Mehrheit und fragwürdigen Stimmzählungen am Ende als Präsident der Welt das Leben ein ziemliches Stück schwerer machen konnte. Falls man sich daran erinneren würde, könnte man die „Tradition der legitimen Machtübergabe“ russischer Art etwas schärfer kommentieren.
Putins Russland ist keine Demokratie, die zu (West-)Europa passt.
@MisterL
Gemach, gemach … einige dieser Vorwürfe sind 100% berechtigt, andere sind irrelevant und wiederum andere frei erfunden.
Das in den Kaukasusrepubliken, auf die sich ein Großteil dieser Berichte bezieht, keine fairen Wahlen nach westlichem Vorbild stattfinden/-fanden ist vollkommen richtig. Es ist auch richtig, dass Kasparows Bündnis zwar in Petersburg, aber nicht in Moskau demonstrieren durfte. Wenn die NPD sich in Deutschland spontan entschließt in Berlin “Unter den Linden” einen Marsch zu veranstalten, würde man ihr dies in Deutschland auch verboten werden.
Dieses Bild stammt übrigens vom Wochenende - hast Du Dich nie gefragt, warum noch nie(!) eine dieser rot/weißen Fahnen auf Demonstrationsbildern in den westlichen Medien zu sehen war?
Ich verstehe die Härte, mit der Putin und Omon gegen das kleine Häuflein unterschiedlichster politischer Herkunft - aber unter personeller Führung der Querfrontfaschisten - vorgeht auch in keinster Weise, aber man sollte deren Bedeutung auch nicht überbewerten.
Das Politiker, die zu den äußeren Rändern zählen, benachteiligt werden, stimmt - aber daraus sollte man nicht den Schluss ziehen, sie hätten eine Basis in der Bevölkerung.
Nein, aber Rechts- und Linksextremisten. Die NPD sollte sogar verboten werden, KDP und andere sind verboten. Was bei uns verfassungsfeindliche Parteien vom äußersten linken und rechten Rand sind, sind in Russland auch Parteien, die am äußersten liberalen Rand sind - das mag seltsam klingen. Wenn man bedenkt, dass diese Parteien und Gruppierungen häufig aus dem Westen gesteuert werden und gerne “Farbrevolutionen” veranstalten, ist die Sorge des Staates nicht unverständlich auch wenn ich Putins harte Hand definitiv für überzogen halte.
Ganz richtig, “Demokratie” hat viele Gesichter und kein Staat hat eine Demokratie in ihrer orthodoxen Reinform. Diese gab es nie und wird es nie geben.
Bißchen arg lang, der Satz, oder? Und grammatisch falsch, weil die drei Dösköppe einerseits averbiale Ergänzung und andererseits auch noch Subjekt sind. In dem langen Satz stecken eigentlich zwei. Nach “Kasjanow” ein Punkt und dann mit “Diese….” fortfahren wäre sinnvoll.
Entschuldige, Jens, der alte Deutschlehrer in mir hat gesprochen.
Guter Artikel übrigens. Großes Lob.
> “wesentlich besser als der Ausdruck „Wahl“. Dieser suggeriert, eine „echte“ Auswahl unter verschiedenen Alternativen zu haben – nach diesem Maßstab wären die Wahlen in Deutschland aber auch eine Farce, da innerhalb des „Lagers der Mitte“ keine echten Unterschiede auszumachen sind und man letztendlich nur unter Kandidaten, deren Auswahl anders als in den USA in Hinterzimmern der Macht getroffen wird, „wählen“ darf.”
Mal von Bürgermeisterwahlen und so abgesehen (da trifft das mit Hinterzimmer der Macht auch nicht wirklich zu)… wo bitte in Deutschland wählen wir Kandidaten? Ich durfte bisher fast immer nur Parteien wählen. ;-)
@Mr.L
Sogar noch schlimmer: Bei uns wurde mit äußerst fragwürdigen Methoden und nicht rechtsstaatlichen Mitteln direkt eine ganze Partei verboten - die KPD!
Da ist Deutschland wie auch in anderen Bereichen eine ganze Ecke härter als die Sowjetunion. Selbst demkratische Parteien wie die Linke werden hier von undurchsichtigen und zwielichtigen Organisationen wie dem Verfassungsschutz mit Steuergeldern überwacht und gestriezt.
Unsere Demokratoren sind nicht weniger lupenrein als die russischen.
@Nemetico
Das sind auch zwei Sätze. Hinter dem Co(.) sind zwei Punkte, da dies eine Abküzung ist. Ich bin kein Lektor, aber mE ist diese Interpunktion richtig - oder?
Lieber Jens,
ich bin weder Lektor, noch will ich akribisch sein. Den doppelten “..” hatte ich tatsächlich übersehen (hielt es für einen Tippfehler für einen einzigen “.” als Abkürzungspunkt von Co). Wenn dort das Satzende ist, ist es grammatisch natürlich auch ok. Wäre aber anders herum auch gegangen.
Genug der Erbenzählerei, der Artikel ist wirklich lesenwert und ok.
@nemetico
Hey, ich hoffe, Du hast mich nicht falsch verstanden - lieber einmal mehr auf Fehler hinweisen, als gar nicht ;-)
@4 Dr. Azarel Tod
Eigentlich wählst Du bei jeder Wahl zumindest mit der Erststimme einen Kandidaten, der “ausgekungelt” wurde ;-)
Bei den wichtigen Ämtern, wählst Du über die Erststimme eine Liste, die diese Ämter nominiert. Dieses System ist streng genommen noch undemokratischer, als das russische. Der zweit- und der dritthöchte Vertreter unseres Landes, werden sogar gänzlich in Hinterzimmern ausgekungelt, während der wichtigste Posten immerhin vor der Wahl dem Wähler in personam vorgestellt wird.
@5 Schwitzig
Das war sicher ein “Freudscher” ;-)
Ich schätze Du meinst die Russische Föderation.
jetzt wo du es sagst fällt mir mein Fehler auf…
allerdings wird der Kandidat für die Erststimme nicht direkt einen “ausgekungelten” Typen.. wer auf der Liste steht hängt bei uns genauso von den Parteien ab, wie diverse Ämter in den USA. Man könnte sich auch völlig parteilos aufstellen lassen, ist jetzt nicht sooo sehr undurchsichtige Hinterzimmerpolitik.
Was mich erheblich mehr stört sind solche sachen wie die Wahl des Staatsoberhauptes, die bei uns im Lande generell indirekt demokratisch ablaufen. Ich glaube ein bissl direktere Demokratie (vor allem Volksentscheide!) würde Deutschland gut tun. :-/
@Dr. Azrael Tod
Na, das hast Du aber wohl noch keine “Kandiatenkür” in einem Ortsverband gleich welcher Partei mitbekommen ;-)
Auch dort gibt es “Graue Eminenzen”, “alte Parteisoldaten” und “lokale Honoratioren” - “der Müller wird Landtagskandidat, dafür darf dein Meier dann für den Landrat kandidieren” … und das sind noch die harmlosen “Hinterzimmeragreements”. Richtig “schmutzig” wird es, wenn auch lokale Wirtschaftsgrößen und Vereinsvorsitzende mitmachen; dann geht es um Subventionen und neue Sportanlagen im Austausch gegen ein Amt für deren Protegés.
Ansonsten: D´accord
Also mein Liebling ist der Bogdanov gewesen… Dauerwelle und im Nebenberuf Tanzlehrer, das ist doch viel besser als unser Guido.
Ob der im Kreml auf der Bewerbungscouch war?
Ich werde den Eindruck nicht los, diese Besetzung in der gelenkten Demokratie war irgendwie als mediale Satire auf den Liberalismus gedacht.
@Jens,
Artikel ist gut (wir haben uns ja schon ‘mal über Dein sachlich angepasstes Russlandbild ausgetauscht), ist auch toll, was Medwedjew (und Putin) alles so vor haben. Aber das mit der Korruption scheint sich erledigt zu haben, oder hab’ ich da ‘was verpasst? Ich denke, zwei Punkte kann man nicht schön reden: Korruption und staatliche Willkür!
Würde mich freuen, wenn ich da komplett daneben läge, fürchte, da hat Prof. Palmström wieder kräftig zugeschlagen!
Beste Grüße
Vogel
@SF 10
“Freudscher” …
Huch :-).
Nö - das liegt daran, dass ich so ein unflexibler alter Sack bin. Einigen wir uns auf den Merkel-konformen “Der RUSSE(Iwan)” :-).
Alles in allem kann man wohl zumindest behaupten, dass Putin immerhin mehr für das Gemeinwohl getan hat, als Jelzin. Da fragt man sich tatsächlich, mit welchen Hintergedanken Jelzins Unwerk hochgelobt und Putins in den Dreck gezogen wird. Blut haben sowieso alle an den Fingern, aber trotz allem sehe ich Putin als eine echte Verbesserung mit Chancen für die Zukunft an.
Hallo Jens,
es tut immer wieder gut, ausgewogene Artikel zu lesen, die im Gegensatz zu den Mainstream-Medien keine Stereotypen-Sammlung abklopfen, sondern auf das Denken der Russen eingehen und vieles, was gern unterschlagen wird, beim Namen nennen.
Für die harte Haltung der Staatsmacht habe ich die folgende Erklärung: Russland befindet sich geopolitisch in einer völlig anderen Situation als die Länder Mitteleuropas. Es ist weiterhin eine auf wackeligen Füssen stehende belagerte Festung, die als potenzielle alte neue Großmacht in weit größerem Maße ein Zielobjekt unterschiedlicher Gegner und Rivalen darstellt, deren objektive Interessen im Vergleich zu den russischen oft diametral anders sind. Die “demokratische” Opposition, die von westlichen Geldern gespeist wird, ist dementsprechend viel radikaler, subversiver und verräterischer, als es in Deutschland der Fall ist. Ein Land, dass sich in einer derartigen Lage befindet, kann gar nicht anders, als hart zu sein, wenn es diese historische Phase mehr oder weniger schadlos überstehen und unabhängig bleiben will. Kein Vergleich mit Luxemburg oder Österreich. In einem meiner Artikel habe ich bereits darüber geschrieben, inwiefern der Westen mit seiner Politik der Einkreisung und der Manipulationen im GUS-Raum den russischen Autoritarismus erst stimuliert.
Der Unbequeme
Naja…eigentlich haben wir ja in Deutschland eine Aristokratie…auch wenn man da oftmals im Zweifel ist ob da wirklich die Besten in den Parlamenten sitzen.
Ich würde es auch begrüßen wenn mehr basisdemokratische Elemente auf Landes- und Bundesebene eingeführt würden….wobei mein Hauptanliegen jetzt nicht gerade die RP-Wahl wäre sondern die Möglichkeit Gesetze anzufechten oder einzubringen.
Hallo,
wirklich schöner Artikel.
Ich denke mal mit der GUS werden wir Europäer ohnehin noch viel Freude haben. Mal schauen wie sich das alles so entwickelt.
Gruß
@14 Vogel
“Zum Glück” liegst Du schief - Medwedjew hat “Korruption” zu einem der Kernprobleme ernannt und hat ihre Bekämpfung auf der Agenda (Putin ebenfalls). Man sollte aber bedenken, dass es natürlich in den Provinzen schwer für die Doppelspitze wird, gleichzeitig den lokalen Potentaten ihr “Kerngeschäft” zu zerstören und sie von einer Mitarbeit bei den Reformen zu überzeugen.
Was “staatliche Willkür” angeht, so sprach Medwedjew mW von einem “Rechtsnihilsmus”, den er ebenfalls angehen will.
@Vogel, #14
Nein, da hast du mit Sicherheit nichts verpasst - Korruption und staatliche Willkür sind im Lande so alt wie das Land selbst und es besteht kaum noch Hoffnung, dass sich da in absehbarer Zeit was bedeutend verbessern würde. Es wäre allerdings für Präsidentschaftskandidaten kontraproduktiv gewesen, darüber groß zu tönen - das wird von Russen keinem abkauft und eher als eine Art populistisches Getöse empfunden.
Von den vier genannten Projekten sind die letzten zwei - Wohnungsmarkt und Landwirtschaft, auch ca. 100 Jahre alt. Kein vernünftiger Mensch in Russland kann es so richtig nachvollziehen, warum diese Bereiche im Land immernoch Dauerproblemen sind. Beides ist m.E. nur mit Liberalisierung der Produktion in den Bereichen zu packen.
Gesundheit und Bildung sind in Russland wirklich in 90-rn heruntergekommen und da erwarten russ. Bürger, dass diese Bereiche wieder in staatliche Obhut genommen werden. Das tut auch wirklich Not und hier gehen Interessen des Staates (der Staatsmacht) und der Bürgerschaft einher.
Mit Korruption, staatlicher Willkür und mangelhafter Rechtsstaatlichkeit haben sich schon längst alle arrangiert.
“gemäßigt liberalen Regierung Putin/Medwedjew”
Gemäßigt liberal ist gut. In Wirklichkeit stehen diese Herren für die gnadenlose Privatisierung von allem, was nicht Gasprom heißt. Putin (+Medwedjew) = neoliberale Sozialpolitik + nationalistische Rhetorik für die ORT-Zombies. Wer auf die “nationalen Projekte” hereinfällt, tja, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
“Ganz richtig, “Demokratie” hat viele Gesichter und kein Staat hat eine Demokratie in ihrer orthodoxen Reinform. Diese gab es nie und wird es nie geben.”
Herr Spiegelfechter, wann waren Sie eigentlich das letzte mal in Russland?