Die Laptop-Lüge
05. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Am Montag haben die Vereinten Nationen die dritte Runde der Iran-Sanktionen abgenickt - damit ist der Weg frei für „unangemeldete” Einfuhrkontrollen auf dem Seeweg des Persischen Golfs. In dem schmalen Seegebiet mit umstrittenen Seegrenzen sind sowohl eine komplette amerikanische Flotte, die auch zwei Trägergruppen beinhaltet, als auch ein französischer Marineverband vor Ort - dies ist eine hochbrenzlige Lage, die sehr schnell eskalieren kann. Basis des UN-Sicherheitsratsbeschlusses ist die Vorgabe, dass die kontrollierenden Streitkräfte sich an die Regulationen des internationalen Seerechts und der daraus resultierenden Seegrenzen halten - nur in internationalen Gewässern darf kontrolliert werden.
Alleine in diesem Punkt steckt ein hohes Maß an Konfliktpotential, da die USA das internationale Seerecht bislang nicht ratifiziert haben und es im Persischen Golf gar keine völkerrechtlich verbindlichen Seegrenzen gibt, was bereits während des Cornwall-Zwischenfalls zu internationalen Spannungen geführt hat.
Ziel der verschärften Sanktionen ist es, Iran zu zwingen, sein Atomprogramm einzustellen, da der Westen nachwievor davon überzeugt sein will, Iran nutze sein ziviles Atomprogramm nur als Deckmantel für militärische Nuklearaktivitäten. Diesem Vorwurf widersprach zwar der Sonderbericht der US-Geheimdienste (NIE) in aller Deutlichkeit, aber die Machthaber in Washington, Tel Aviv, London, Paris und Berlin wollen dies nicht akzeptieren. Dabei beruft man sich einzig alleine auf ein „Beweisstück”, dessen Seriosität stark an die fabrizierten WMD-Dossiers und getürkten Yellow-Cake Bestellungen aus dem Vorfeld des Überfalls auf den Irak erinnert - einen mysteriösen Laptop mit atomaren Inhalt.
US-Spezialisten wollen auf diesem Laptop 1000 Seiten hochbrisante Dokumente gefunden haben. Zeichnungen und Pläne für den Bau einer Fabrikationsanlage für „Green Salt” (Urantetrafluorid), technische Unterlagen zum Bau einer Testanlage für hochwirksame Sprengstoffe und Blaupausen für die Konstruktion einer „Wiedereintrittsgruppe” für den Raketenbau, die fähig sein soll, Raketen mit Atomsprengköpfen auszurüsten, sollen auf diesem Laptop gespeichert gewesen sein. Der Laptop war ein Geschenk deutscher Geheimdienste, die ihn nach eigenen Angaben von einer iranischen Widerstandsgruppe namens MEK bekommen haben, wie auch der Koordinator für deutsch-amerikanische Beziehungen Karsten Voight 2004 dem Wallstreet Journal bestätigte.
Die MEK (Volksmudschaheddin) ist eine marxistisch-islamistische iranische Terrorgruppe, die auch auf der Liste terroristischer Organisationen der EU steht, obgleich von ihr seit mehreren Jahren keine Aktionen mehr ausgehen. In den Jahren 2003/2004 war die MEK ein Lieblingskind der neokonservativen Falken in Washington, die sie für einen Regimesturz in Teheran instrumentalisieren wollten. Dass die MEK an derart brisante Informationen kommen konnte, wird von allen Seiten bezweifelt. Der ehemaliger Geheimdienstleiter der Nahost-Abteilung des US-Außenministeriums Wayne White kann nicht daran glauben, dass die MEK Kontakte in höhere Regierungskreise hat und ein leitender IAEO-Beamter sagte der LA-Times, dass sich jeder Hinweis, den man seit 2002 aus dieser Quelle erhalten habe, als falsch herausgestellt habe.
Im November 2004 wurde den deutschen Schlapphüten der mysteriöse Laptop übergeben, der angeblich aus höchsten iranischen Regierungskreisen stammen soll. Nach einer Erstuntersuchung durch die Behörden wurde das brisante „Beweisstück” an die Amerikaner weitergeleitet, obgleich bereits deutsche Forensiker Zweifel an der Integrität der Daten hatten. Ein hoher europäischer Diplomat, der mit den Dokumenten befasst war, wurde bereits 2005 von der New York Times mit den Worten „Auch ich könnte diese Daten fabrizieren - sie sehen zwar toll aus, kein Zweifel; aber ob sie echt sind, wage ich zu bezweifeln” zitiert. Ein deutscher Kollege, der zuerst mit den Daten zu tun hatte, äußerte sich damals auch eher skeptisch über die Authentizität der Daten. Damit stand er nicht alleine - auch der französische Geheimdienst zweifelte an der Authentizität und die russischen Geheimdienste hielten die Daten gar für nicht beweiskräftig. Nur die Briten waren von der Beweiskraft überzeugt, aber das ist ja nichts Neues.
Groß lanciert wurde die „Bedrohung aus dem Laptop” im November 2005 von den New York Times Journalisten Sanger und Broad. Bereits im Februar 2006 äußerte David Albright, Direktor des Instituts für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) in Washington in der ARD-Sendung „Report Mainz” scharfe Kritik an der „Laptop-Bedrohung”. Albright muss es wissen, gehörte er als scharfer Kritiker des iranischen Atomprogramms doch zu den wenigen Wissenschaftlern, die den Inhalt des Laptops auswerten durften.
“Diese Dokumente beinhalten keinerlei Informationen, die besagen, dass es sich um eine nukleare Waffe, einen nuklearen Sprengkopf handelt. Die Begriffe ‘nuklear’, ‘Atomwaffe’ oder ‘Atomsprengkopf’ werden nie in dem Dokument erwähnt.”
Scott Ritter, ehemaliges Mitglied des US-Militärgeheimdienstes und ehemaliger UN Chef-Waffeninspektor im Irak, bestätigte, dass die CIA Mittel und Wege hätte, die Authentizität der Daten zweifelsfrei zu belegen - allerdings gelang dies, laut Ritter, der CIA nicht; woraus man schließen kann, dass diese Tests entweder nie gemacht wurden, oder (was wahrscheinlicher ist) negativ ausfielen.
Wenn nun aber die Dokumente höchstwahrscheinlich gefälscht sind und nicht aus iranischen Regierungskreisen kommen, woher haben die deutschen Schlapphüte den Laptop dann? Bereits im Februar 2006 berichtet die Journalistin Dafna Linzer in der Washington Post von Spekulationen in den Reihen der CIA, die Dokumente stammten von „einem befreundeten Drittstaat” - diese Theorie wurde aber nicht weiter verfolgt. Dieser „Drittstaat” scheint Israel zu sein. Die israelischen Autoren und Geheimdienstfachleute Yossi Melman und Meier Javadanfar berichten in ihrem neu erschienen Buch „The Nuclear Sphinx of Tehran. Mahmoud Ahmadinejad and the State of Iran” über eine mögliche Verwicklung des Mossad in die Verbreitung der vermeintlich iranischen Atompläne.
Angeblich haben „Sicherheitsbedenken” die Israelis davon abgehalten, diese Dokumente zu veröffentlichen. Der Journalist Connie Bruck geht im „New Yorker” einen Schritt weiter. Ein von ihm interviewter ehemaliger Berater des Schahs offenbarte ihm, dass ein „befreundetes Land” Quelle der „Beweise” gegen Irans Nuklearprogramm sei. Auf die Frage, ob dieses „befreundete Land” vielleicht Israel sei, lächelte sein Interviewpartner und fügte süffisant hinzu, das „befreundete Land” sei sich bewusst, dass Informationen seiner Geheimdienste in der amerikanischen Öffentlichkeit kritisch betrachtet würden, da sei es besser, es so aussehen zu lassen, sie kämen von einer iranischen Oppositionsgruppe.
Die „Smoking Gun” mit der Sanktionen gegen Iran beschlossen wurden, ist also wahrscheinlich ein zweifelhaftes Konstrukt des israelischen Geheimdienstes, mit tatkräftiger Hilfe der Deutschen verbreitet, an dessen Integrität noch nicht einmal die Geheimdienste glauben. Auch wenn die „Weltöffentlichkeit”, wie sich der Westen gerne in alter Kolonialherrlichkeit nennt, „noch” nicht an militärische Mittel denken mag, die wieder einmal mit mehr als zweifelhaften „Beweisen” begründet werden, so stellt das Einläuten der nächsten Eskalationsstufe eine eklatante Missachtung sämtlicher internationaler Standards dar, die schnell zu einer militärischen Eskalation führen könnte. Ist es das, was der der Westen will?
Jens Berger
Posted in Ausland, Deutschland, Iran, USA |
















































































Es waren nicht die UN sondern nur der Sicherheitsrat, der im Moment von den USA beherrscht wird.
@Susi
Sicher, aber der UN-Sicherheitsrat ist nun mal ein Organ, das im Namen der UN exekutiv wirken darf - aber ich will nicht zicken und habe “UN-Beschluss” in “UN-Sicherheitsratsbeschluss” umgeändert, da dies eindeutig präziser ist ;-)
Danke für den Hinweis
Moin moin,
interessante Schnittmengen bei dem Propaganda-Bullshitbingo, der z.Z. gespielt wird:
Laptop, Uran, …
Langsam sollten die sich mal was neues einfallen lassen, sonst bekommt das der Weltmichel noch mit! ;-)
Wer zweifelt heute noch daran, daß sich die USA per CIA, NSA etc. jeden Beweis selbst herstellen, den sie brauchen, um erstens die eigene Bevölkerung hinter sich zu bringen und gleichzeitig auch den Senat und UN dazu zu bringen, jeden Quatsch durchzuwinken. Die letzten Experimente dieser Art, die dann gründlich in die Hose gingen, waren der Koreakrieg, Vietnam, Mittel- und Lateinamerikanische Diktatoren, die bei ihren Putschversuchen kräftig unterstützt wurden. Die Frage ist nur, wann der Rest der Welt endlich merkt, daß die Führenden der USA ein selbstherrlicher, selbstverliebter, machthungriger, vor keinem Mittel zurückschreckender Moloch ist, dem die Einreise in andere Länder nicht mehr gestattet werden sollte. Auch bei Vietnam dauerte es lange, bis die Bevölkerung die Schnauze voll davon hatte, wie die Söhne, Brüder, Enkel in Vietnam verheizt wurden für ein Gespenst. Das Gespenst Kommunismus, inzwischen ein Auslaufmodell. Neue Gespenster wurden ja schnell gefunden - insbesondere der “internationale Terrorismus”.
Herr, wirf Hirn vom Himmel…
gruß
Ich frage mich wirklich, ob die zu dumm sind, sich mal was neues einfallen zu lassen. Schon beim letzten Mal hat ihnen keiner geglaubt, obwohl es da noch keinen Präzedenzfall gab.
@Frank: Es war aber nicht die CIA oder sonst einer der “normalen” Geheimdienste. Die haben damals ebenso wie heute das kriegstreiberische Lügenspiel nicht mitgespielt - erst Tenet ist dann eingeknickt. Die gefälschten “Beweise” gegen Saddam stammten aus dem Office of Special Plans unter Douglas Feith und dieses wurde einzig zu dem Zweck gegründet, die Rechtfertigung für den Krieg zu fabrizieren:
Special investigation: The spies who pushed for war on Iraq | World news | The Guardian
guardian.c...
Right Web | Profile | Douglas Feith
rightweb.i...
Und mit dem obligatorischen Wiki-Disclaimer:
en.wikiped...
Aber ich sehe gerade, dass die Neutrality disputed ist, könnte sein, dass er dann doch ganz brauchbar ist. ;)
Laptop-Lügen scheinen wieder neu in Mode zu kommen:
diepresse....
;-)
Schade, dass außer einigen wenigen Personen im Netz sich kaum einer die Mühe machen wird, solche Dinge mal genauer zu recherchieren… Was die großen Medien berichten wird halt einfach zur Wahrheit erklärt und reicht den meisten. :-/
@SF
Spannend, spannend das alles. Aber im Bezug auf:
Eine Gegen.- nein mehr eine Rückfrage dazu. Kannst Du Dir vorstellen, das Mr. Bush als US-Präsident auf Abruf als finalen Schlusspunkt seiner schrecklichen Bilanz noch einen draufsetzen wollte und der grosse Rest der westlichen Welt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt Amerika folgen würde?
@Dr. Azarel Tod
Nun ja, die einzelnen Bausteine stammen alle von renommierten Zeitungen und einem ARD-Magazin. Man muss sie nur zusammensetzen, wie es Gareth Porter getan hat, der im übrigen ein bemerkenswerter Investigativjournalist ist.
„…Auch wenn die „Weltöffentlichkeit”, wie sich der Westen gerne in alter Kolonialherrlichkeit nennt, „noch” nicht an militärische Mittel denken mag, die wieder einmal mit mehr als zweifelhaften „Beweisen” begründet werden, so stellt das Einläuten der nächsten Eskalationsstufe eine eklatante Missachtung sämtlicher internationaler Standards dar, die schnell zu einer militärischen Eskalation führen könnte. Ist es das, was der der Westen will?“
Natürlich…
Also mal sehr stark vereinfacht, stellt es sich mir so dar:
Nach dem Zusammenbruch des sog. „Ostblocks“, vielen die hiervon betroffenen Bevölkerungen der Nationen (nicht nur die Politiker) in so eine Art Ziel- bzw. Orientierungsvakuum. In der Folge dessen richteten Teile dieser Bevölkerungen ihren Blick nach innen, und wendeten ihre gesteigerte Aufmerksamkeit Dingen und Zusammenhängen zu von denen viele heute wissen, dass sie im Interesse „Der Sache“ vormals nicht erwähnt werden sollten, oder gar durften. Die Schwierigkeit welche sich hier ergeben hat (noch immer ergibt) ist nun die, dass jene die ihren Blick so überdeutlich nach innen richten, eben genau hierdurch, einen weit größeren Handlungsdruck bei denen aufbauten und bauen, die davon betroffen waren wie sind, als eben diese durch Reaktion hierauf, bewältigen wollten und/oder vielleicht sogar konnten. Eine Idee vom Ausmaß all dessen, kann man durch die Recherchen hierzu gewinnen:
de.wikiped...
Es ist z.B. sehr wahrscheinlich das zur Zeit des sog. eisernen Vorhanges auch einige Journalisten von dieser Gruppe erfahren hatten, aber eine Berichterstattung verbot sich von selbst, bedenkt man den potenziellen Schaden der durch z.B. solche (oder ähnliche) Berichte hervorgerufen worden wäre:
einestages...
Bedenkt man das dies für alle Teile und Aspekte der Gesellschaft galt, also z.B. auch die Wirtschaft, die Politik, das Bildungswesen usw.. Wird klar wie enorm groß der Druck auf den Entscheidungsträgern lastete bzw. noch immer lasten muss. Exemplarisch ist hier der Fall Berlin. Bis zur Teilung der Nation war Berlin mit seinem geografischen Umfeld in allen Aspekten eng verflochten. Während der Mauerzeit musste nun die gesamte Infrastruktur der Stadt komplett subventioniert und neu strukturiert werden, schon um den sog. Status Quo aufrecht zu erhalten. Derweil entwickelten sich um die Stadt herum gänzlich neue Strukturen, die nun ihrerseits ohne den westlichen Teil der Stadt auskommen mussten. Als sich der besagte Vorhang nach fast 30 Jahren öffnete, waren die o.g. alten Verflechtungen nicht nur obsolet, sie waren schlicht nicht mehr vorhanden. Was das allein technisch bedeutet kann sicher jemand der z.B. viel von Wasserwirtschaft versteht, um einiges präziser erklären ;-)
All dies galt und gilt denke ich (in variablen Ausmaß), für alle Bevölkerungen die direkt in den sog. kalten Krieg verwickelt waren. Um es mal ganz salopp zu sagen ist es sehr wahrscheinlich, dass den betroffenen Entscheidungsträgern im Lauf der Zeit, durch immer mehr, wie immer häufigere Veröffentlichungen zur genannten Problematik, die vielen „Baustellen“ über den Kopf gewachsen sind. Liegt es da nicht nahe, das unsere Entscheidungsträger solcherlei Druck schon allein dadurch zu reduzieren gedenken, indem sie den Versuch unternehmen den Blick der Gesellschaft wieder nach aussen zu lenken? Weg von den inneren Problemen? Hin zu den Äusseren? Und funktioniert dies etwa nicht richtig gut?
Gruß
@misterL
Es kommt darauf an - die NeoCons mögen noch vor zwei Jahren Richtung militärische Eskalation geplant haben, seitdem tun sie es mE nicht mehr, bzw. sind nicht mehr an der Macht. Dennoch wollen die USA, GB, F, D und ISR den “Regime Change” herbeiführen - was keine dieser Parteien verschweigt - und dafür scheint ihnen jede Provokation, Diffamierung und Demütigung recht zu sein. Problematisch ist: Man spielt mit dem Feuer und nimmt es fahrlässig in Kauf, dass sich eine Eigendynamik entwickeln könnte, die niemand(!) mehr stoppen kann.
Eine marxistisch-islamistische Terror/Widerstands-Gruppe? Eine Kombination dieser beiden Richtungen ist wirklich mehr als ungewöhnlich. Andererseits die Grünen koalieren ja jetzt auch mit der CDU…
@SF
Nunja, den Sinn eines Regimewechseles mal aussen vor gelassen. Von Innen heraus kann ich mir den schwerlich vorstellen. Es bliebe also (kurzfristig) nur die Option von Aussen. ‘Fahrlässigkeit’ im Umgang mit diesem Konflikt ins Kalkül zu ziehen erscheint mir eher unwahrscheinlich.
@HerrHorst
Ja ja, es gibt schon seltsame Organisation ;-)
People’s Mujahedin of Iran
@misterL
Das paradoxe an der Situation ist es ja, dass ein möglicher Regimewechsel zu einer liberaleren Regierung nach Meinung fast aller Experten am ehesten möglich ist, wenn man Iran ernst nimmt und mit dem Staat und seinen Menschen Handel und Kontakte pflegt.
Jede Aggression und Demütigung treibt die Leute hinter die Mullahs. Das ganze Thema ist unendlich komplex - vor gut einem Jahr schrieb ich darüber schon mal einen Artikel.
Bei den Optionen des Westens muß auch unterscheiden - der Westen ist nicht homogen. Israel hat beispielsweise am ehesten Motive, den Streit militärisch eskalieren zu lassen, während die USA aufgrund ihrer prekären Lage im Irak und der instabilen Lage in Saudi-Arabien eigentlich nur verlieren können, wenn das Pulverfass Nahost explodiert. Aber da gibt es auch noch in den Staaten unterschiedliche Richtungen - die NeoCons mit ihren “Auftrag”, die Ölmänner mit ihren Scheckbüchern, die Geostrategen, denen eine indirekte Herangehensweise am liebsten wäre und der MI-Komplex, der v.a. seine Geschäfte machen will. So unterschiedlich die Motive dieser Gruppen, so unterschiedlich ist auch die Methodik und die Präferenz militärische Gewalt zu benutzen.
Vielen Dank für die Info.
Sehr guter Artikel.
Ein hervorragender und sehr notwendiger Artikel.
Das ist das, was ich unter investigativen Journalismus verstehe.
Ich kam gar nicht dazu, die Hintergründe der jüngsten Sicherheitsratsresolution näher unter die Lupe zu nehmen. Ein Glück, daß es Blogs wie spiegelfechter gibt.
Weiter so!
nemetico.m...
(wie geht das nochmal mit diesen Links? Jens, hilf!)
@ HerrHorst
Das ist gar nicht ungewöhnlich. Die Volksmudschaheddin waren beim Sturz des Schah mit Abstand die stärkste linke Organisation im Iran, mit einer breiten Verankerung in der Bevölkerung.
Sie hatten mit den streikenden Ölarbeitern und den Volksfeddayin (einer anderen Organisation) einen gewichtigen Anteil am Sturz des Regimes.
Konsequenterweise wurden sie auch besondere Zielscheibe der Repression der Khomenei - Leute, als diese die linken Strömungen brutal liquidierten.
Bei Ausbruch des Golfkrieges Irak gegen Iran (1980) verfiel die Führung der Mudschaheddin naiverweise auf den Spruch “Der Feind meines Feindes muß mein Freund sein” und verbündete sich mit - Saddam Hussein. Die Mudschaheddin spalteten sich über diese Frage, der Führungskern entrann mit seinen Anhängern der Repression der Revolutionsgarden durch Flucht in den Irak. Dort stellten sie Freiwilligenregimenter auf, die - unter iranischer Fahne - auf der Seite Saddam Husseins und der irakischen Armee gegen den Iran kämpften. Auch nach dem Ende dieses Krieges (1989) blieben sie in Saddams Reich, das sie für eine progressive Alternative zum Mullah - Regime hielten. Sie nahmen teil am Golfkrieg um Kuweit und kämpften auch bei der Invasion der USA in den Irak noch auf Saddams Seite.
Nach der Besetzung sind sie offenkundig ein Opfer der Erpressung und Korrumpierung durch die Besatzungsbehörden geworden.
Ich kannte in den 80er Jahren exilierte Volksmudschaheddin und hatte den Eindruck, daß es sich um sehr charakterfeste und aufrichtige Menschen mit klaren und durchaus akzeptablen politischen Prinzipien. Ja, sie gingen davon aus, daß zwischen Islam, Marxismus und Demokratie kein Widerspruch bestünde, und sie konnten das auch gut erläutern.
Es ist traurig und beklagenswert, daß diese einstmals im Iran sehr populäre und einflußreiche Organisation durch diese geradezu monströsen Rahmenbedingungen so auf den Hund gekommen ist. Allerdings ist das keine Seltenheit in dieser Region.
Schließlich war auch Saddam Hussein bei seiner Machtergreifung eine Trumph - Karte der CIA, um Einfluß auf die irakische Baath - Partei und den Irak zu bekommen. Die “sozialistische” Baath - Partei unter der Fuchtel Saddam Husseins zettelte dann auch ganz im Sinne der USA den Golfkrieg 1980-89 an.
Hinter den Kulissen sieht - gerade in dieser Region - vieles anders aus als es zuerst den Anschein hat.
Den überlebenden der alten Volksmudschaheddin kann natürlich nur geraten werden, sich unbedingt von dieser offensichtlich völlig korrumpierten Organisation unter der Fuchtel der Besatzungsbehörden und der CIA zu trennen, wenn sie ihren früheren Zielen treu bleiben wollen.
@Nemetico
Links etc. pp. kannst Du über HTML-Tags erstellen.
Eine Liste findest zu z.B. hier (Spalte: Äquivalent in HTML)
@SF
Ich denke, das ist nicht paradox, sondern der Schlüssel zu vielen Regimen und derem Sturz.
Die Unterstützung von Regimen oder deren Verteuflung je nach Gusto und strategischem Bedarf führt entweder dazu, dass die Menschen unterhalb des Regimes deren Partner ebenfalls negiert und dazu, dass sich die Menschen mit seinem Regime tendentiell solidarisiert.
In jedem Fall führt es nicht zum Abbau von Vorurteilen, Kommunikation und damit Austausch. Offener Handel öffnet nicht nur Märkte. Ulkig, das ausgerechnet das die Globalisierungsfreunde übersehen.
aehmmm, geschickte sugestionen hier im artikel:
Behauptung:
‘Dieser „Drittstaat” scheint Israel zu sein. ..’
gegreundung:
‘Die israelischen Autoren und Geheimdienstfachleute Yossi Melman und Meier Javadanfar berichten in ihrem neu erschienen Buch „The Nuclear Sphinx of Tehran. Mahmoud Ahmadinejad and the State of Iran” über eine mögliche Verwicklung des Mossad in die Verbreitung der vermeintlich iranischen Atompläne.’
aja, also eine ‘mögliche Verwicklung’ des mossad. so so.
aber was steht da in der inhaltsangabe zu dem buch:
‘Explains how the President of Iran and Iran’s fundamentalist leaders, backed by messianic visionaries, are methodically developing nuclear weapons and building a worldwide network of terrorists.’
aha. das ist doch so ziemlich das gegenteil von dem was der artikel im subtext hehauptet.
der iran ist ein opfer der kriegsplaene der usa. der iran plane kein atomprogramm, und es wird mit geheimdienstlichen mitteln versucht dem iran ein solches anzudichten.
weiters bsp. der sugestiven beweisfuehrung, das israel da wesentlich hintersteck:
‘Angeblich (sic!) haben „Sicherheitsbedenken” die Israelis davon abgehalten, diese Dokumente zu veröffentlichen..’
aha?!
‘ Der Journalist Connie Bruck geht im „New Yorker” einen Schritt weiter. ..’
womit?
‘Ein von ihm interviewter ehemaliger Berater des Schahs..’
bitte wer denn? auf der einenseiteundetailiert, also eine spekulative quelle, aber, au der andern seite dann zu untermauerung eine emotionale detailisierung des ‘zeugen’:
‘.. offenbarte ihm, dass ein „befreundetes Land” Quelle der „Beweise” gegen Irans Nuklearprogramm sei. Auf die Frage, ob dieses „befreundete Land” vielleicht Israel sei, lächelte (?!?)sein Interviewpartner und fügte (?!?) süffisant hinzu, das „befreundete Land” sei sich bewusst, dass Informationen seiner Geheimdienste in der amerikanischen Öffentlichkeit kritisch betrachtet würden, da sei es besser, es so aussehen zu lassen, sie kämen von einer iranischen Oppositionsgruppe.’
und welches hemd hatte der an? spielt das irgendeine rolle, ausser etwas zu sugeriren,
das die vermeintliche quelle, laechelt oder sueffisant antwortet? insbesondere wenn der name, die funktion der quelle nicht bekannt ist, waehrend er eine weitrhin vermutete behauptung unterstuertzen soll…?
das ist nichts anderes als das was die konzernmedien zusammenschreiben.
btw. was soll das mit dem getürkt?
Das ist nicht der Punkt – ich schreibe in keiner Zeile, dass Melman /Javadanfar der Meinung seien, Iran würde kein militärisches Atomprogramm betreiben. Es geht an diesem Punkt um die Verbindungen zwischen Mossad und der MEK in der iranischen Atomfrage. Und da heißt es über das Buch:
“[Melman /Javadanfar] write that they were told by “very senior Israeli Intelligence officials” in late 2006 that Israeli intelligence had known about Natanz for a full year before the Iranian group’s press conference. They explained that they had chosen not to reveal it to the public “because of safety concerns for the sources that provided the information”.
Wen Du die Links angeklickt hättest, die im Text verankert sind, so hättest Du leicht die gewünschten Informationen gefunden: Der Mann heißt Shahriar Ahy, war politischer Berater, Mentor und Redenschreiber des Schahs und gilt als iranischer Chalabi, der die USA überzeugen will, die freie Welt bis in den Iran auszudehnen. Das verwandte Zitat lautet in voller Länge:
“That information came not from the M.E.K. but from a friendly government, and it had come to more than one opposition group, not only the mujahideen,” he said. When I asked him if the “friendly government” was Israel, he smiled. “The friendly government did not want to be the source of it, publicly. If the friendly government gives it to the U.S. publicly, then it would be received differently. Better to come from an opposition group.” Israel is said to have had a relationship with the M.E.K. at least since the late nineties, and to have supplied a satellite signal for N.C.R.I. broadcasts from Paris into Iran. When I asked an Israeli diplomat about Israel’s relationship with the M.E.K., he said, “The M.E.K. is useful,” but declined to elaborate.
Wie würdest Du einen Laptop mit Daten ungewisser Herkunft bezeichnen, der suggerieren(!) soll, er stamme von einem iranischen Regierungsvertreter. Denkst Du, irgendeine Datei auf diesem Laptop sei glaubhaft?
@Jens
Die Laptopstory iss apriori lachhaft! Das Anreicherungsprodukt zum A-waffenfähigen Endprodukt heißt “orange cake” und stellt UF6 dar, Uranhexafluorid. “Green Salt” Urantetrafluorid, also UF4? Vielleicht als Fugenkitt? *kicher*
Beste Grüße
Vogel
@Vogel
“Orange Cake” ist sicher lecker, was Du meinst ist “Yellow Cake” ;-)
Ich bin kein Atomphysiker und weiß nicht, was man mit UF4 so anstellen kann … Green Salt Project
Hat noch keiner gemerkt! Gott sei Dank! Jens, schnell die #23 streichen, biiitte, total daneben (Gedächtnisschwäche, Bücherschrank weiß es doch besser!)!! Es gibt “Green Salt” Urantetrafluorid (UF4) innerhalb des Gewinnungsprozesses von Uran; der “orange cake” iss falsch, das Zwischenprodukt in der Uranherstellung ist der “yellow cake” (pulverförmige, feinverteilte Uranoxide); Uranhexafluorid (UF6) ist die gasförmige Uranverbindung mit der die Gaszentrifugen gefüttert werden Zwecks Anreicherung des U235-Isotops usw. usf. Also: Tschuldigung für die abartige #23!
Grüße
Vogel
Tja die Schweizer machens vor:
business.t...
Isreal übrigends auch:
arendt-art...
Deutschland?
…schweigt zu Nachrichten aus der Schweiz
in der Schweiz schwätzt man aber grossteils auch deutsch, statt TimesUK hättest Du auch die NZZ verlinken können
nzz.ch/nac...