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    geschrieben am 06. März 2008 von Spiegelfechter

    Alle Jahre wieder erfreuen sich die Nationen ihres Reichtums. Natürlich gehr es hier nicht um das Durchschnittseinkommen, welches medial ein Mauernblümchendasein fristet. Nein, es geht darum, wer der reichste Mensch der Welt ist ? eine Frage mythischen Ausmaßes. Beantwortet wird diese alljährlich in der berühmten ?Forbes Liste?. Weil kaum jemand ?Vista? haben will und Microsofts sonstige Produkte auch nicht gerade Reißer sind, ist Bill Gates seinen Platz am Firmament endlich los und Warren Buffet darf fortan als reichster Mann der Welt bewundert werden. Buffet ist Investmentbanker und dies ist ja bekanntlich ein sicheres Geschäft ? vor allem im letzten Jahr.

    Im Olymp des Mammons sind eher krude Zeitgenossen vertreten. Jede Menge Inder tummeln sich unter den Top10. Sie haben zwar viel Geld, können sich dafür auf einem ostdeutschen Volksfest noch nicht einmal eine Bratwurst kaufen – zumindest sollten sie es nicht versuchen. Auf Platz Nummer Sieben findet man einen kauzigen alten Schweden, der mal die Idee hatte, gepresste Holzspäne als Möbelbausets zu verkaufen. Eine geniale Idee – Menschen, die Plastikbrüste anbeten, lieben auch Möbel aus Presspappe. Neben vielen unrasierten Russen, die normalerweise in keinem besseren Hotel ein Zimmer bekämen, ohne im Voraus bezahlen zu müssen, gibt es dort noch die üblichen Verdächtigen: Alte Männer, alte und junge Witwen und deren junge und schnöselige Erben. So weit, so langweilig ? interessant wird es dann, wenn man die Zahlen einmal statistisch auswertet.

    Verfügten die deutschen Milliardäre im letzten Jahr noch über 245 Mrd. US$, so werden sie für 2008 auf stolze 285 Mrd. US$ taxiert ? ein Einkommenszuwachs von beachtlichen 16% und dies selbstverständlich nicht wie bei Zumwinkels unter Sofa, sondern nach Steuern. Der Vermögenszuwachs dieser 59 Deutschen betrug also rund 40 Mrd. US$. Dies wären für jeden Deutschen, vom Säugling bis zum Greis 500 US$ – ein schönes Weihnachtsgeschenk, könnte man meinen. Natürlich haben die Albrechts nicht Tausende von Goldmünzen in ihrem Geldspeicher, den sie mit einer Schrotflinte gegen die Panzerknacker verteidigen müssen, sondern ihr Geld ist gut angelegt. Ein Vermögenszuwachs muss aber erwirtschaftet werden und dies wird im Allgemeinen über Gewinne gemacht, die irgendwo herkommen müssen. Schaut man auf die Betätigungsfelder der deutschen Milliardäre, weiß man, wo das Geld herkommt: ALDI, Tengelmann, die Metro-Gruppe, Schlecker, Deichmann, Tschibo, der Otto-Versand und Quelle sind dort an prominenter Stelle vertreten. Nicht zufällig engagieren sich die deutschen Milliardäre anscheinend gerne in Branchen, in denen der Mindestlohn ein Thema ist. Warum dieses Thema allerdings, genau so wie “Reichensteuer”, Erhöhung der Vermögenssteuer oder andere “kommunistische” Themen kaum diskutiert wird, erklären die Namen der anderen deutschen Milliardäre – Bertelsmann, Burda, Bauer, Springer und Holtzbrinck sind dort eben so zu finden, wie ihre internationalen Pendants. “Wer die Kapelle zahlt, bestimmt welche Musik gespielt wird” sagt der Volksmund – vielleicht ist da ja was dran.

    Die deutschen Milliardäre stehen allerdings international eher bedauernswert da. Im boomenden Entwicklungsland Indien gibt es mittlerweile 47 Milliardäre, die über stolze 335 Mrd. US$ verfügen. Damit besitzen sie ungefähr soviel, wie 337 Mio. ihrer Landsleute innerhalb eines Jahres verdienen. Geradezu gigantisch ist auch die Milliardärswachstumsrate in Russland. Gab es dort im letzten Jahr “nur” 53 Milliardäre mit einem Gesamtbesitz von 282 Mrd. US$, so sind es dieses Jahr 88 Milliardäre, die über 484 Mrd. US$ verfügen. Das sind die Jahreseinkommen von 105 Mio. durchschnittlichen Russen. Nimmt man nur die 53 reichen Russen, die schon im letzten Jahr in der Forbes-Liste auftauchten, so sind diese innerhalb eines Jahres 155 Mrd. US$ reicher geworden. Somit haben 53 Russen innerhalb eines Jahres so viel “verdient”, wie 34 Mio. Durchschnittsrussen. Dagegen nehmen sich die deutschen Superreichen geradezu bescheiden aus. Die 59 reichsten Deutschen “verdienten” innerhalb eines Jahres so viel wie knapp 1 Mio. Durchschnittsdeutsche oder aber 1,35 Mio. Ostdeutsche. Von diesem Einkommen könnte man fast 10 Mio. Hartz-IV Empfängern ihren Regelsatz auszahlen.

    Dies sind wohl die Folgen eines globalisierten Turbokapitalismus. Das Gesamtvermögen der Forbes-Liste stieg innerhalb eines Jahres von 900 Mrd. US$ im Jahre 2007 auf 4.400 Mrd. US$ im Jahre 2008 – eine Umverteilung sondergleichen. SPON hat es geschafft innerhalb eines einzigen Tages sieben Artikel und Bilderklickreihen zu diesem Thema zu verfassen – überflüssig zu erwähnen, dass kein einziger dieser Artikel nur den Hauch von Kritik enthielt. Die Familie Mohn, die über Bertelsmann auch am SPIEGEL beteiligt ist, steht selbstverständlich auch in der Forbes-Liste, aber das ist sicher nur Zufall. Dänemark hat übrigens nur einen Vertreter auf der Liste und der stellt politisch neutrales Plastikspielzeug her.

    Jens Berger

    36 Kommentare Print This Post
    Alle Jahre wieder erfreuen sich die Nationen ihres Reichtums. Natürlich gehr es hier nicht um das Durchschnittseinkommen, welches medial ein Mauernblümchendasein fristet. Nein, es geht darum, wer der reichste Mensch der Welt ist ? eine Frage mythischen Ausmaßes. Beantwortet wird diese alljährlich in der berühmten ?Forbes Liste?. Weil kaum jemand ?Vista? haben will und ...
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    36 Kommentare:

    1. A musician schrieb am 6. März 2008 at 20:35 - Permalink

      ?Wer die Kapelle zahlt, bestimmt welche Musik bezahlt wird?
      ——
      Heißt das nicht “welche Musik gespielt wird”? :D

    2. schwitzig schrieb am 6. März 2008 at 20:40 - Permalink

      @SF

      Aber, aber, wer wird denn die Umverteilung kritisieren? Das nennt man “GLOBALISIERUNG”! Und überhaupt ist das ja nur wieder eine “NEIDDEBATTE” und der Deutsche “JAMMERT AUF HOHEM NIVEAU”! Und wenn das nicht aufhört, dann gehen die ganzen reichen Arbeitgeber BESTIMMT WEG AUS DEUTSCHLAND”!
      Was ist denn dann mit den “ARBEITSPLÄTZEN”?

      [...]

      Entschuldigt, ein bißchen SPONisch konnte ich mir nicht verkneifen :-). Und übrigens: Es heißt NUKULAR. NU – KU – LAR.

      Ehrlich.

    3. pittiplatschprotestiert schrieb am 6. März 2008 at 20:42 - Permalink

      Ja, die Superreichen.
      In der SZ gibs einen dämlichen Kommentar
      von Alexander Hagelüken dazu: Immer mehr reiche Inder –> Bedrohung
      Deutschland –> Deutschland muss mehr Reformen durchführen, um
      mitzuhalten….hää?

      Soll ich mich Normalmensch also mehr anstrengen, damit ein Reicher noch reicher wird,
      damit er auf der Forbesliste auftaucht, damit es mir dann besser geht?

    4. Spiegelfechter schrieb am 6. März 2008 at 20:43 - Permalink

      @A Musician

      Natürlich *lol*

    5. misterL schrieb am 6. März 2008 at 21:18 - Permalink

      Tja.

      Wer hat der hat – wer nicht bekommt auch nix. Jedem das seine und mir alles. Seins wird meins und jammern hat goldenen Boden. Die Welt ist ungerecht und die Kirche meint geben ist seeliger als nehmen.

      Warum sind nicht einfach alle Papst?

      Gruss
      misterL

      PS
      Ok, da waren ein paar Fehler drinn, aber warum machen wir nicht einfach einen Gegen-Forbes mit den Ärmsten der Armen je Land?

    6. HerrHorst schrieb am 6. März 2008 at 21:20 - Permalink

      Kapitalakkumulation in Reinkultur, eine Umverteilung von Reich nach Arm wäre dringend erforderlich, allerdings ist das ohne eine Aufbegehren der “einfachen” Menschen nicht denkbar

    7. misterL schrieb am 6. März 2008 at 21:31 - Permalink

      @HH

      Das glaubst Du doch selber nicht.

      allerdings ist das ohne eine Aufbegehren der ?einfachen? Menschen nicht denkbar

      Bei den Dimensionen hätten die ‘einfach’ Menschen keine Schnitte. Womit sollen die das durchsetzen? Ein Pofalla würde sofort losschnattern, “alles Kommunisten” und Westerwelle würde auffordern dieses Gesindel einzumauern. Der Rechtsstaat muss seine Eliten doch schützen.

    8. xconroy schrieb am 6. März 2008 at 22:00 - Permalink

      Alt, aber immer noch sehr treffend:

      Auch auf den unteren Rängen gab es Veränderungen!

      Neuer ärmster Mensch der Welt ist N’guana Bwamei (3), Ghana, nachdem
      er sein kaputtes T-Shirt verloren hat. Damit schlägt er den Vorjahres
      Sieger Kuyto (Nachname unbekannt), der leider wegen Hungertodes
      ohnhin nicht mehr an der diesjährigen Kür teilnehem konnte.

      Wir gratulieren recht herzlich!

      (via heise)

    9. jsrn schrieb am 6. März 2008 at 22:12 - Permalink

      Zu Warren Buffet: der ist denke ich kein Investmentbanker, wie Du sagst. Zwar kann man sein Vermögen bei ihm verwalten lassen, allerdings nur indem man Aktien seiner Firma Berkshire Hathaway kauft – nach Deiner Benennungsweise wären somit auch Bill Gates oder Steve Jobs Investmentbanker. Investmentbanken machen darüber hinaus meist auch noch Dinge wie Kauf- /Verkauf von Wertpapieren zu organisieren / zu unterstützen oder auch Börsengänge durchzuführen – all das macht Berkshire Hathaway nicht.

      ach so, zu der Bildunterschrift des letzten Bildes oben.
      Die “beste Brille fürs Geld”: das sollte dann “the best glasses money can buy” sein, also Doppel-s, oder?

    10. people in motion schrieb am 6. März 2008 at 22:14 - Permalink

      Die Kritik an der Verteilung des Wohlstands allgemein ist natürlich völlig berechtigt. Zur Verteidigung einiger unserer Superreichen kann man allerdings anbringen, dass auch die Anzahl und das Vermögen gemeinnütziger Stiftungen in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist.

      Für Deutschland finden sich da hier ein paar Zahlen: http://www.stiftungen.org/index.php?strg=87_106_226&baseID=611

    11. Dr. Azrael Tod schrieb am 6. März 2008 at 22:18 - Permalink

      schöner Kommentar zu Forbes
      Ich glaube nur irgendwie nicht, dass Bill Gates große Einbußen dank Vista hatte.
      Der verkauft weiterhin mit fast jedem PC sein Betriebssystem, ob da Vista, XP oder DOS 6.22 drauf steht ist egal.

    12. misterL schrieb am 6. März 2008 at 22:21 - Permalink

      @pim

      Ich habe sehr grundsätzlich Probleme damit, wenn man Charity durch vernünftige (faire) Sozialpolitik ersetzen, ausgleichen oder deren (absichtliches?) Fehlen damit übertünchen möchte.

      Nicht, dass ich etwas gegen Stiftungen hätte, aber ich halte sie für die Notlösung, wenn es anders nicht geht. Nicht mehr und nicht weniger.

    13. schub schrieb am 6. März 2008 at 22:23 - Permalink

      super…
      un nu?
      Friede den Hütten, Krieg den Palästen oder was??

      Das ist mal wieder nen typischer Artikel vom Spiegelfechter (den ich eigentlich ganz gerne lese, weil gut recherchiert…)

      typisch deshalb, weil mal wieder toll angeprangert wurde, ohne Lösungsvorschläge zu bringen… (siehe Afghanistan, Irak, Russland…)

      grüße,

      schub

    14. Name (notwendig) schrieb am 6. März 2008 at 22:32 - Permalink

      Im “Human Developement Report” der UN von ’96 hiess es, das die ( damals ) knapp vierhundert Milliardäre zusammen mehr besässen als die Hälfte der übrigen Menschheit zusammengenommen – das wurde damals noch in den Nachrichten verbreitet – ich schätze mittlerweile ist das Verhältnis noch monströser
      —
      zu Buffet u Charity fällt mir noch ein, dass, als er noch als zweitreichster Steuerzahler galt,
      zufällig ausgerechnet an jenem Tag mit zahlreichen Top-Finanz- u. auch Rüstungsvertretern einem “Charity Event” auf der Offutt Air Force Base beiwohnte, an dem auch der US Präsident samt Gefolge dort “überaschend” aufschlug,
      - nämlich am jenem 11.9.2001, als es in den News vorläufig hiess, der Präsident sei an einem “unbekanntem Ort in Sicherheit”

      das weiss im Moment sogar die Wikipedia zum Thema Offutt Air Base :
      http://en.wikipedia.org/wiki/Offutt_Air_Force_Base
      mal sehen wie lange noch

    15. Karl schrieb am 6. März 2008 at 22:59 - Permalink

      Von diesem Einkommen könnte man fast 10 Mio. Hartz-IV Empfängern ihren Regelsatz auszahlen.

      Mein lieber Jens, von diesem Einkommen vor Steuern wurden fast 10. Mio Hartz-IV Empfängern ihre Regelsätze ausgezahlt.

    16. Klabatermann schrieb am 7. März 2008 at 00:46 - Permalink

      Verfügten die deutschen Milliardäre im letzten Jahr noch über 245 Mrd. US$, so werden sie für 2008 auf stolze 285 Mrd. US$ taxiert ? ein Einkommenszuwachs von beachtlichen 16% und dies selbstverständlich nicht wie bei Zumwinkels unter Sofa, sondern nach Steuern

      Was natürlich auch daran liegen könnte, dass der Euro gegenüber dem US$ im gleichen Zeitraum um mehr als beachtliche 20% zugelegt hat.

    17. Peter Frenzel schrieb am 7. März 2008 at 01:07 - Permalink

      Was willst Du uns eigentlich sagen, Jens? Das die Welt ungerecht ist? Ok, stimmt. Das es immer Gewinner und Verlierer gibt? Stimmt ebenso.

      Würdest Du, Herr Berger, weniger Artikel schreiben und Deine Zeit in Deine “Karriere” (was machst Du eigentlich so?) investieren, würdest Du vielleicht auch eines Tages zu den so-und-sovielen Millionären in Deutschland gehören. Ich vielleicht auch, wenn ich weniger Spiegelfechter lesen würde ;-)

    18. firefly schrieb am 7. März 2008 at 01:24 - Permalink

      Was natürlich auch daran liegen könnte, dass der Euro gegenüber dem US$ im gleichen Zeitraum um mehr als beachtliche 20% zugelegt hat.

      Den gleiche Gedanken habe ich auch und wundere mich eher über den geringen Zuwachs an Milliardären in Deutschland. Eigentlich hätte der Anstieg sehr viel grösser ausfallen müssen. Wer weiss mit welchem Dollar-Kurs Forbes noch rechnet.

    19. fabiank22 schrieb am 7. März 2008 at 09:27 - Permalink

      “Von diesem Einkommen könnte man fast 10 Mio. Hartz-IV Empfängern ihren Regelsatz auszahlen.”

      Ihren jährlichen Regelsatz oder ihren monatlichen? Ich finde diesen Satz missverständlich.

    20. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 09:44 - Permalink

      @2 Schwitizg

      Entschuldigt, ein bißchen SPONisch konnte ich mir nicht verkneifen :-). Und übrigens: Es heißt NUKULAR. NU – KU – LAR.

      Ganz recht ;-)

    21. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 09:53 - Permalink

      @3 pittiplatschprotestiert

      In der SZ gibs einen dämlichen Kommentar von Alexander Hagelüken dazu: Immer mehr reiche Inder ?> Bedrohung
      Deutschland ?> Deutschland muss mehr Reformen durchführen, um mitzuhalten?.hää?

      Oh ha, den sehe ich ja jetzt erst ? ein ziemlich mieses Machwerk, zweifelsohne:

      Schon lange vor der nächsten Bundestagswahl kümmern sich die Volksparteien fast nur noch um ihr soziales Profil. Reformpolitik, die auf die Globalisierung reagiert, findet nicht mehr statt. Das wird sich rächen, sobald der Aufschwung nachlässt.

      Amen!

      Aber, liebe SZ, ihr werdet sehen, dass auf dann, wenn der Aufschwung nachlässt, dies fast keine Auswirkung auf die ?Forbes-Performance? der deutschen Milliardäre haben wird, sondern ? wie sooft ? nur vom Otto Normalmichel durch Lohnverzicht etc. pp. bezahlt werde wird.

    22. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:00 - Permalink

      @9 jsrn

      Bill Gates und Steve Jobbs sind aber nicht Chairmen einer Investmentgesellschaft ;-)
      Was die Brille angeht, hast Du natürlich recht – merci.

    23. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:08 - Permalink

      @10 peopleinmotion

      Natürlich ist es begrüßenswert, wenn “Superreiche” sich sozial engagieren, nur leider stellt dies einen Prozess der Entdemokratisierung dar, denn dies ist eigentlich Aufgabe des Staates. Man kann als Liberaler natürlich argumentieren, dass der Staat sich aus diesem Feld zurückzuziehen hat, aber der Staat ist über seine Organe demokratisch legitimiert, private Stiftungen sind diese nicht. Mit anderen Worten – ich gebe meine Stimme bei Wahlen für Vertreter ab, von denen ich will, dass sie mit den Geldern, die sie einnehmen (und die auch ich zahle) verantwortungsbewußt umgehen. So zumindest die Theorie. Wer sagt mir beispielsweise, dass gewisse Anliegen, die den Interessen der Stiftungsgeber zuwider laufen, durch ein privatisiertes Modell überhaupt Mittel bekommen? Es kann ja nicht sein, dass die Upper10 auch noch direkt bestimmen, wer Mittel der Wohlfahrt bekommt – dann sind wir nämlich da, wo einige uns jetzt schon verorten: in einer Oligarchie.

    24. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:22 - Permalink

      @13 schub

      Das ist mal wieder nen typischer Artikel vom Spiegelfechter (den ich eigentlich ganz gerne lese, weil gut recherchiert?)

      typisch deshalb, weil mal wieder toll angeprangert wurde, ohne Lösungsvorschläge zu bringen? (siehe Afghanistan, Irak, Russland?)

      Wer einfache Lösungsvorschläge auf komplexe Probleme von mir erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich versuche zumindest einen Teil der Problemanalyse zu betreiben, die angesprochenen Probleme sind aber so komplex, dass man mE gar keine Lösungen anbieten kann, die einem einfachen Ursache-Wirkung Prinzip unterliegen. Wobei Afghanistan und Irak natürlich keinesfalls auch nur annährend so komplex sind, wie unser ökonomisches und politisches System.

    25. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:26 - Permalink

      @15 Karl

      Mein lieber Jens, von diesem Einkommen vor Steuern wurden fast 10. Mio Hartz-IV Empfängern ihre Regelsätze ausgezahlt.

      Das glaubst Du wirklich? ;-)

    26. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:36 - Permalink

      @Klabautermann und Firefly

      Was natürlich auch daran liegen könnte, dass der Euro gegenüber dem US$ im gleichen Zeitraum um mehr als beachtliche 20% zugelegt hat.

      Jein – bei den Brüdern ALDI spielt dies natürlich eine Rolle, bei den meisten anderen wird allerdings der Wert des Gesamtpaketes geschätzt und durch die internationalen Verflechtungen sind sie auch signifikant im Dollarraum investiert, bzw. besitzen Investments, die in Dollar gezeichnet sind. Dieser Effekt würde auch max. 10,5% ausmachen (lt. Forbes war der 11.2 Stichtag).

    27. Spiegelfechter schrieb am 7. März 2008 at 10:38 - Permalink

      @19 fabiank

      ?Von diesem Einkommen könnte man fast 10 Mio. Hartz-IV Empfängern ihren Regelsatz auszahlen.?

      Ihren jährlichen Regelsatz oder ihren monatlichen? Ich finde diesen Satz missverständlich.

      Ihren jährlichen – der Satz wird erst verständlich, wenn man den Satz zuvor mit einbezieht, in dem vom jährlichen Einkommen die Rede ist.

    28. alex schrieb am 7. März 2008 at 12:30 - Permalink

      “Eine geniale Idee – Menschen, die Plastikbrüste anbeten, lieben auch Möbel aus Presspappe.”

      Besser kann man es nicht ausdrücken…

    29. jsrn schrieb am 7. März 2008 at 14:51 - Permalink

      @Spiegelfechter (9)

      Bill Gates und Steve Jobbs sind aber nicht Chairmen einer Investmentgesellschaft ;-)

      hehe, mag sein – genauso wenig ist aber Warren Buffet Chairman einer Investmentbank. Berkshire ist eben keine Bank, sondern ein Konglomerat aus Versicherung, Rückversicherung, Produktion, Handel und Energiegeschäft.

      Vielleicht haben wir einfach unterschiedliche Definitionen von Investment-Banker im Kopf? Was ich mit Steve Jobs/Bill Gates sagen wollte: auch die investieren Gewinne in Firmenübernahmen, die sie dann in ihre eigenen Konzerne integrieren. Die Organisationsstruktur ist halt anders, bei Berkshire bleiben die zugekauften Unternehmen meist (organisatorisch) unabhängig und liefern ihre Gewinne bei der Zentrale ab, damit Buffet sie reinvestieren kann, bei Microsoft werden die zugekauften Unternehmen “assimiliert”. Aber weder Microsoft noch Berkshire weisen die Eigenschaften einer Investment-Bank auf:

      Investment banks help companies and governments raise money by issuing and selling securities in the capital markets (both equity and debt), as well as providing advice on transactions such as mergers and acquisitions.[...]

      A majority of investment banks also offer strategic advisory services for mergers, acquisitions, divestiture or other financial services for clients, such as the trading of derivatives, fixed income, foreign exchange, commodity, and equity securities. (Wikipedia)

      Nix davon bietet Berkshire an. Investmentbanken in diesem Sinne wären dann z.B. Goldman Sachs, Morgan Stanley oder eben die entsprechenden Sparten der “Universalbanken” wie zB Dresdner Kleinwort Wasserstein etc.

      Vielleicht auch ganz erhellend, wie Buffet über Investmentbanker spricht

      Byron Trott of Goldman Sachs ? whose praises I sang in the 2003 report ? facilitated the Marmon
      transaction. Byron is the rare investment banker who puts himself in his client?s shoes. Charlie and I trust him completely.

      (Quelle) (übrigens ganz interessant zu lesen auch im Hinblick auf Kreditkrise, Dollarschwäche etc.)

      Naja, nix für ungut und ist natürlich alles auch ein wenig Haarspalterei, aber falls du Böcke hast, kannst Du dem ja mal Deine Definition eines Investmentbankers entgegenstellen:-)

    30. jsrn schrieb am 7. März 2008 at 15:09 - Permalink

      @Spiegelfechter (23):

      Natürlich ist es begrüßenswert, wenn ?Superreiche? sich sozial engagieren, nur leider stellt dies einen Prozess der Entdemokratisierung dar, denn dies ist eigentlich Aufgabe des Staates

      aber nur dann, wenn der Staat sich gleichzeitig zurückzieht, oder? Das Faktum alleine, dass der Superreiche selbst entscheidet, wofür er sein Geld spendet, steht ja nicht im Wiederspruch zur Demokratie – gnausowenig wie es “undemokratisch” ist, wenn Hans Müller ganz ohne Legitimation aus dem Volk entscheidet, sich künfigt beispielsweise bei pro Asyl o.ä. zu engagieren.

      achso, nochmal Buffet zum Thema reich, arm und Konjunktur:

      I think the best way to stimulate the economy is to give money to the poor. They will spend it. Don?t give it to guys like me. Infrastructure investment makes sense, but we haven?t done it in a while and it won?t do anything for the next 6-12 months. Infrastructure is not big relative to GDP. We are a consumer-driven society, spending 106% of production.

      (Quelle)

    31. Klabatermann schrieb am 8. März 2008 at 02:40 - Permalink

      @Spiegelfechter (#26)
      Du hast natürlich recht, aber, wenn man von einem ganz normalen Sparer ausgeht, der zum Stichtag 11.02.07 eine Kleinsparersumme, meinetwegen 10.000 EUR angelegt hat, ganz konservativ als Festgeld, weil er nicht weiter recherchiert hat zu den 5%, die einem bei den üblichen Vergleichen angeboten werden. Nimmt man dann den Dollarkurs dazu, dann steht dieser Kleinsparer nach einem Jahr mit 5% Zinsen plus Dollarverfall bei einem Plus von ungefähr 18%, auf den Dollar bezogen. Ein Kleinsparer. Vielleicht bin ich zu naiv, aber glaubst du nicht, dass Milliadären ganz andere Investitionsmöglichkeiten offen stehen und die geschilderten 16% eher Stillstand bedeuten?

    32. tar schrieb am 8. März 2008 at 12:21 - Permalink

      hallo,

      wie interessant, wie interessant. hach, was ist die zeitung heut wieder interessant.

      die erkenntnis, dass kapital dort akkumulieren muss, wo es zur fülle schon vorhanden ist, müsste doch nun bewußt geworden sein? die ausbeutung der eigenen arbeiter, angestellten (am beispiel LIDL) ist dabei allerdings nur beibrot. ein schmankerl sozusagen, der die öffnung der sozialen schere ein wenig schneller vorantreibt, als es ohnehin auf lange sicht geschehe.

      dass die konsequenz daraus ein einziger MONOPOLIST, der alles besitzt, ist, ist nur die logische folge des weiteren gedankenspiels. die oligarchie in einheit mit der plutokratie bildet dabei nur das unrühmliche vorspiel, welches bislang stets in gesellschaftlichen umwälzungen und kriegen endete und somit einen reinen monopolkapitalismus verhindert hatte. wird auch diesmal nicht anders werden.

      geld fordert zins (d.h. rendite). dieser darf in unserer denke halt einfach nicht negativ werden. zumal besteht eine tilgungspflicht, weil wir das schöne geld aus irgendeinem grund jemandem schulden. woher stammt eigtl. meine pro-kopf-verschuldung von hmm… warns 15.000 euro? und da du es angesprochen hast: was bedeutet denn nun eigentlich investieren? neue maschinen und damit entlastung der arbeiterschaft, sprich: lohnerhöhung durch arbeitszeitverkürzung? nein, natürlich nicht. wo kämen wir da hin?

      wir denken uns arm im überfluss. ihr wollt lösungen? aber man kann sie euch doch ins gesicht schreien und ihr lehnt sie kategorisch ab! was macht die freiwirtschaft so abstoßungswürdig, so unmenschlich, so im gänzlichen sinne frei von jeglicher pragmatik? es bleibt ein rätsel, dessen lösung sich mir verschließt.

    33. Fred schrieb am 8. März 2008 at 22:50 - Permalink

      “Das Gesamtvermögen der Forbes-Liste stieg innerhalb eines Jahres von 900 Mrd. US$ im Jahre 2007 auf 4.400 Mrd. US$ im Jahre 2008 – eine Umverteilung sondergleichen.”

      Da hat sich wohl eine “Zahlendreher” eingeschlichen…
      Richtig müsste es heißen:

      “1.125 Dollar-Milliardäre besitzen ein Vermögen von mehr als 4,4 Billionen Dollar. 2007 waren es noch 946 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 3,5 Billionen Dollar.”

    34. Ansgar schrieb am 13. März 2008 at 18:21 - Permalink

      ?nun eigentlich investieren? neue maschinen und damit entlastung der arbeiterschaft, sprich: lohnerhöhung durch arbeitszeitverkürzung? nein, natürlich nicht. wo kämen wir da hin??

      Nein, ganz bestimmt nicht. Investiert wird genau dort, wo man sich Märkte und günstigste Bedingungen für die Zukunft verspricht. Russland wird beispielsweise gerade überschwemmt von Shoppingcentern, weil hier immense Konsumchancen für die Zukunft erwartet werden. Auch aus Indien hört man Frohlocken, Nachrichten, das das Kopf-Einkommen steigt, weshalb etwa Wal Mart dorthin möchte, aber nicht so richtig darf ;-). Mir scheint, dass Ländergrenzen zunehmend an Bedeutung verlieren, dass stattdessen die Grenzen innerhalb der Länder schärfer werden, Global Player mit immensem Reichtum auf der einen Seite, an ihre Heimatländer Gebundene, die kaum Geld für die tägliche Nahrung haben, auf der anderen Seite. Das Problem liegt wohl auf den unterschiedlichen Ebenen, auf denen agiert wird. Internationale Konzerne schieben Gelder wie Schachfiguren über die Welt, während Staaten sich gegeneinander ausspielen lassen. Nicht missverstehen: Ich unterteile die Welt nicht in gute nette Staaten und böse Konzerne, aber Investoren haben halt ihre eigenen Spielregeln und Pläne. Indien versperrt zurzeit ausländischen Einzelhandelsinvestoren wie Wal Mart weitgehend den Zugang zum indischen Markt, um den Handel der Kleinbauern und Kleinhändler in Indien zu schützen. Eine Lösung? Nur Frage, keine implizierte Antwort!


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