Die Kreditkrise erreicht den Bush-Clan
geschrieben am 13. März 2008 von Spiegelfechter
Als Franz Müntefering einst von den „Heuschrecken“ sprach, meinte er auch die Carlyle-Group, die mit rund 81 Mrd. US$ Finanzvolumen eine der weltweit größten Private-Equity Investmentgesellschaften ist. Diesen 81 Mrd. US$ stehen Einlagen von rund 18 Mrd. US$ entgegen, den Rest hat sich die Carlyle-Group von Banken geliehen. Damit verwaltet die Gruppe 60 Investmentfonds, von denen die meisten sogenannte „Leveraged Buyout Fonds“ sind, die mit geringem Eigenkapital und hohen Fremdkrediten Unternehmen aufkaufen. Oft werden die Kredite aus dem Cash-Flow der übernommenen Unternehmen zurückgezahlt. Dies funktioniert durch Hebeleffekte (Leverage) – wenn das gesamte Projekt nur 5% Rendite auf die gesamte Investitionssumme abwirft, wird durch ein Verhältnis 20% Eigenkapital 80% Fremdkapital diese Rendite für das Eigenkapital verfünffacht. So können auch Anlagen mit niedriger Rendite äußerst lukrativ sein. Der Pferdefuß bei solchen Geschäften, ist das Risiko. Bei negativen Renditen multipliziert sich natürlich auch der Verlust. Im schlimmsten Falle ist eine solche Anlage daher auch nicht etwa nichts mehr wert, sondern die Eigenkapitaleigner müssen noch Kapital nachlegen, um die Fremdfinanzierungskosten zu decken. Durch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind sowohl die Mindestanforderungen für die Eigenkapitaldecke gestiegen, als auch die die Risiken für strukturierte Finanzprodukte, in denen solch Kredite verpackt weiterverkauft werden. Das Geschäft der Heuschrecken ist unattraktiver geworden.
Begonnen hat die Carlyle-Group im politisch gedeckten Umfeld des Weißen Hauses. Zum zweitgrößten PE-Hedgefonds wurde sie vor allem durch Firmenkäufe und Investments im militärisch-industriellen Komplex, der nach 9/11 äußerst rentabel wurde. Umso dubioser muten da die personelle Zusammensetzung und die Namen der Personen, die im Umfeld der Carlyle-Group tätig sind, an. Einer von den rund 1.100 Investoren ist James Baker III, Stabschef unter Reagan, Außenminister unter Bush Senior und Hans Dampf in allen Gassen, wenn es um die Vertretung der Interessen des Bush-Clans geht. Ein weiterer Partner ist Frank C. Carlucci, ehemals stellvertretender CIA-Direktor und Verteidigungsminister unter Reagan. Carlucci lenkte von 1999 bis 2003 die Geschäfte der Carlyle-Group. Im direkten Umfeld sind ferner John Major (ehemaliger Premier Großbritanniens), George Bush Senior, George Soros, der Halbruder von Nicolas Sarkozy, ein philippinischer Ex-Präsident und zwei ehemalige thailändische Premiers – alle samt eng mit dem Bush-Clan verbunden. George W. Bush wurde vor seinem Gouverneursamt in Texas in den Vorstand eines Unternehmens platziert, das einem Carlyle-Fonds gehörte und das später mit Verlust verkauft wurde. Auch die Bin-Laden Familie und andere saudische Petromillionäre wurden durch die Vermittlung Bush Seniors zu Partnern der Carlyle-Group. Da wundert es wenig, dass die Carlyle-Group in Washington residiert – mitten zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress.
In den letzten Jahren hat die Gruppe ihre Anlagen umgeschichtet. Mittlerweile ist sie an Unternehmen beteiligt, für die rund 286.000 Menschen weltweit arbeiten – einige davon auch in Deutschland. Im Jahre 2006 legte die Gruppe einen Fonds namens Carlyle Capital Corporation auf, der nichts anderes tat, als in Anleihen der öffentlich-rechtlichen amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu investieren. Zu diesem Zweck legte die Carlyle-Group, zusammen mit ihren Partnern, 670 Mio. US$ in diesen Fonds an, der im Steuerparadies Guernsey residiert. Ein großer Haifisch, wie die Carlyle-Group, gibt sich natürlich nicht mit Peanuts ab, die diese Anleihen abwerfen, daher nahm der Fonds Kredite in Höhe von rund 22 Mrd. US$ von Geschäftsbanken auf. Damit kaufte man Hypotheken-Anleihen der Risikostufe AAA – ein mündelsicheres Geschäft, wenn man nicht mit einem Hebel von 32:1 arbeitet.
Für die 22 Mrd. US$ Kredite dienten die gehaltenen Hypothekenanleihen selbst als Sicherheit. Da im Rahmen der Subprimekrise Hypothekenanleihen an Reiz und somit an Wert verloren haben, bekamen die kreditgebenden Banken kalte Füße. Bei solchen Finanzierungsformen existiert ein vertraglich geregelter „Margin Call“. Wenn die Bank der Meinung ist, der Wert der Sicherheiten unterschreitet das dem Kredit zugrunde liegende Ausfallrisiko, kann die Bank darauf bestehen, dass der Fonds den Hebel verringert – dass heißt, er ist gezwungen mehr Eigenkapital hinzuzuschießen, oder Anlagen flüssig zu machen. Schafft der Fonds dies nicht, ist die Bank berechtigt, die Sicherheiten zu liquidieren. Laut Marktinsidern waren die ersten Banken, die den „Margin-Call“ gezogen haben, die Deutsche Bank, Lehman Brothers und J.P Morgan. Die ersten beiden Institute haben es wohl geschafft mit einem Schrecken aus der Sache herauszukommen, während alle anderen Banken, die Kredite zur Verfügung gestellt haben, zu lange gewartet haben – unter ihnen ist wohl auch die bereits angeschlagene Citigroup. Obgleich Carlyle 150 Mio. US$ als Sofortkreditlinie zur Verfügung gestellt hat, standen am Mittwoch noch „Margin-Calls“ in Höhe von rund 400 Mio. US$ aus, die hätten bedient werden müssen.
Verhandlungen zwischen Carlyle und den Banken über neue Finanzierungsformen sind anscheinend gescheitert und die Carlyle Capital Corporation meldete, dass sie wohl 16,6 Mrd. US$ Kreditvolumen nicht bedienen könne. Nun darf der Fonds von den Kreditgebern liquidiert werden. Da die US-Regierung für die betreffenden Anleihen haftet, ist der Ausfall für die Banken nicht so hoch, wie die Kreditsummen suggerieren mögen. Dennoch ist diese Pleite ein ernstes Problem für die Banken, da sie ihre Kredite an einen vermeintlich seriösen Kreditnehmer gegen Hypothekenanleihen eintauschen müssen, die auf dem Markt kaum Käufer finden. Mit weiteren Verlusten ist daher zu rechnen.
Katastrophal könnten die Folgen sein, wenn die Banken selbst in Liquiditätsnot kommen und diese Papiere auf den Markt werfen müssen. Mit dem Überangebot an Papieren würden die Preise für diese Papiere noch weiter sinken und damit wären sie als Sicherheit noch weniger wert, was weitere Fonds zwingen würde, ihre Sicherheiten zu erhöhen. Der Crash der Carlyle Capital Corporation könnte so einen Domino-Effekt auslösen.
820 Mio. US$ haben jedenfalls die Mitglieder des „Ex-Präsidentenclubs“ Carlyle verloren. Ihre Einlagen sind unwiederbringlich weg. Aber bei den illustren Namen im Umfeld und in der Partnerriege fällt es schwer, Mitleid zu empfinden. Eins steht jedenfalls fest – auch im Weißen Haus wird man heute nicht eben glücklich sein und schon mal den Verlustvortrag für die nächste Steuererklärung ausfüllen.
Mit einer Pleitewelle der Hedge-Fonds wurde allerdings schon lange gerechnet und es ist eher verwunderlich, dass es erst jetzt die ersten „Schwergewichte“ trifft. Nach Informationen von Bloomberg haben im letzten Monat mindestens sechs weitere Fonds mit einem Volumen von 5,4 Mrd. US$ ihre Positionen liquidieren müssen, da die Kreditgeber die Schrauben angezogen haben. Das Schwergewicht Drake Capital Management musste 4,3 Mrd. US$ Anlegergelder einfrieren, da es zu Liquiditätsproblemen kam. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Monaten noch weiter Hedge-Fonds den Bach runtergehen. Zum Glück sind die Folgen für die Realwirtschaft überschaubar. Ein Unternehmen, das einem PE-Fonds gehört, ist dann Insolvenzmaße. Da die Gelder dieser Unternehmen aber fast ausschließlich von Fremdkapitalgebern stammen, ist mit Liquiditätsproblemen nicht zu rechnen. Es ist aber wahrscheinlich, dass einige Unternehmen binnen der nächsten zwei Jahre neue Besitzer haben werden. Es bleibt zu hoffen, dass es diesmal seriöse Besitzer sein werden.
Jens Berger
| Tags: Wirtschaft | |
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Sorry, aber Bush&Co. kann weiterhin ruhig schlafen. Die Pleite bei CCC wird Carlyle Group nur wenig belasten:
Reuters: “The Carlyle Group’s exposure to CCC is minimal from a financial standpoint, analysts said. The Carlyle Group said CCC is a separate legal and business entity, and CCC’s defaults did not trigger cross-defaults for any Carlyle borrowings.
“The people who invest with private equity funds are savvy investors. They recognize that this was an experiment undertaken by Carlyle to get into the mortgage business and they have little other exposure,” Smith said.”
@David
Nun ja – 820 Mio. US$ mögen für das Finanzsystem Peanuts sein, für einzelne Investoren ist es signifikant. Die genaue Zusammensetzung der CCC-Eigner ist natürlich nicht bekannt (außer dass amtierende Manager 15% halten), wenn man aber bedenkt, dass es nur 1.100 Investoren in der ganzen Gruppe gibt, sind dies immerhin durchschnittlich 820.000 pro Investor und das sind keine Peanuts. Und es waren sicher nicht alle 1.100 investiert.
es trifft nicht die falschen…
und für saudis mit milliarden aufm konto und billionen im boden sind 820.000 peanuts, kriegt man grade so 2-3 autos für.
Ich bin echt zu doof für sowas. Ich versteh nicht wie der Hebel funktioniert.
Es müssen doch auch zinsen auf das Fremdkapital gezahlt werden, oder?
Hofft man also auf höhere Rendite als die Zinsen sind und streicht somit
den Überhang mit ein? Oder worin liegt der Sinn von dem Hebel?
Genau das ist Sinn und Zweck der Sache: Fremdkapitalzinsen gering halten und mit dem Investment eine moeglichst hohe Rendite erzielen.
Zitat Michael Winkler:
Die Bundesbank hat 2007 einen Gewinn von 4,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der größte Teil stammt aus Zinseinnahmen, laut einer Meldung von n-tv sollen aber auch die Goldbestände neu bewertet worden und diese Neubewertung in den Gewinn eingeflossen sein. Andere Sender und das Internet schweigen sich dazu leider aus… Wenn das nicht stimmt, sind die nächsten zwei Absätze Satire, andernfalls ein guter Rat:
Gehen Sie bitte in die nächste Apotheke und kaufen Sie für zwei Euro Ohwiedumm. Sagen Sie ruhig, daß es für die deutsche Bundesbank ist, dann nickt die Dame hinter der Theke verständnisvoll. Unsere tolle Zentralbank bewertet ihre in den USA liegenden Goldreserven neu, bezeichnet das als Gewinn und überweist diesen an die Bundesregierung zur allfälligen Verschwendung. link..
http://michaelwinkler.de/Kommentar.html —> 12. März 2008
Ich teile diese Auffassung…
…;-) und frage mich werde die Zinsen für die 80% Fremdkapital zahlt. Es muss jemand tun, weil Banken Geld i.d.R nicht zinslos verleihen. Das man auf Rendite oberhalb der Zinslasten hofft ist klar, sonst würde man es ja nicht machen. Aber vereinfacht linear gerechnet müsste ja bei einem Verhältnis 1:5 die Rendite oberhalb des Faktors 5 liegen, um Kasse zu machen – zahlt man die Zinsen selbst.
Andere Fragestellung dazu. Welche Rolle spielt in diesem ganzen Finanzgemenge eigentlich Basel II? Wird und wurde dagegen eigentlich laufend verstossen von Europäischen Banken im Bezug auf die Finanzierung hohen und höchsten Risikos, während der Mittelstand hierzulande Schwierigkeiten hat, an Geld zu kommen für reales Investment? Oder ist Basel II schon wieder verstorben und ich habe es nur nicht mitbekommen?
Die Zinsen werden mit der erzielten Rendite verrechnet. Auf Wikipedia gibt`s einige Berechnungen, die den Leverage-Effekt sehr schoen veranschaulichen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Leverage-Effekt
Ich schließ jetzt einfach den Browser und tue so, als hätte ich den Artikel nicht gelesen. Wenn ich das nicht tue, könnte es nämlich sein, daß ich die nächsten Tage und Wochen aufgrund all des korrupten Packs aus Politik und Wirtschaft aus aller Herrn Länder nicht mehr schlafen kann. Eigentlich reicht es ja schon, was die sogenannte deutsche Regierung verzapft…siehe Heise, die Krankheitskarte kommt…
gruß, Frank
@misterL
Das “Modell” der Hedge-Fonds ähnelt dem normalen Wertpapierkredit, den auch Du als normaler Bankkunde bekommst. Du zahlt zwischen 6% und 7% (je nach Depotvolumen) für diesen Kredit, bei dem Dein vorhandenes Depot die Sicherheit ist. Für Normalkunden liegt das maximale Kreditvolumen bei ca. 50% des Depotwertes. Wenn Du also 100.000 Euro in Deinem Depot hast, kannst Du Dir 50.000 Euro zu einem Zinssatz von 6,5% leihen. Wenn Du mit dem Depot 8% Rendite machst, lohnt sich das Geschäft für Dich. Mit den geliehenen 50.000 machst Du (8-6,5) 1,5% Rendite, die auf Dein Gesamtdepot umgerechnet die Rendite um 0,75% steigen lassen. Du hast hierbei mit einem Hebel von 1:2 gearbeitet, d.h. auf 1 Teil Fremdkapital kamen 2 Teile Eigenkapital.
Hedgefonds kriegen natürlich wesentlich bessere Konditionen und haben (je nach Anlage) eine wesentlich geringere Eigenkapitaldecke, die als Sicherheit mit einfließen muss. Wenn ein Hedge-Fonds, wie der CCC, z.B. in staatliche abgesicherte Hypothekenanleihen investiert, so kann er mit einem Hebel von 32:1 arbeiten, d.h. auf 32 Teile Fremdkapital kommt 1 Teil Eigenkapital.
Wenn der Fonds von der Bank diesen Kredit z.B. für 4,5% bekommt und sein Investment 5% bringt, so kommen zu dem 1 Teil Eigenkapital, der 5% “erwirtschaftet” hat, 32 mal 0,5%, also 16%, Rendite auf den Fremdkapitalanteil. Insgesamt konnte der Fonds also mit einer Anleihe, die “nur” 5% abwirft und AAA geratet ist, solide 21% Gesamtrendite einfahren – ein lohnendes Geschäft, bei dem es zwei Risiken gibt. Zu einem kann der Anleihenausgeber insolvent werden – bei den staatlich verbürgten Anleihen von FannyMae und FreddieMac ist dies sehr unwahrscheinlich. Das zweite Risiko ist, dass der Handelswert der Papiere sinkt, da weniger Investoren hypothekenbasierte Anleihen in ihrem Portfolio haben wollen (egal, ob der Staat sie garantiert). In diesem Falle sinkt die “temporäre” Eigenkapitalquote und die Banken können frisches Eigenkapital oder den Verkauf einiger Papiere fordern. Wenn der Fonds illiquide ist und die Papiere auf dem Markt mit größeren Kurseinbußen als 1/32 des Kaufwertes gehandelt werden, hat der Investor ein schlechtes Geschäft gemacht und ist pleite ;-)
Warum die Banken so etwas machen? Die Banken arbeiten auch mit Hebeln. Sie fordern in diesem Falle 4,5% vom Fonds und leihen sich z.B. 9 Teile von der Zentralbank und geben nur 1 Teil Eigenkapital. Bei einem Leitzins von 3% ist auch dies sehr lukrativ.
@King Balance
Ach herrjeh ;-)
btw.: Im letzten Monat sind sowohl Öl als auch Gold in Euro fast gar nicht gestiegen. Ich frage mich, warum die Medien immer so tun, als sein wir Amerikaner. Die Berechnungsgrundlage deutscher Mineralölkonzerne würde mich da auch mal interessieren.
@Spiegelfechter:
„Ich frage mich, warum die Medien immer so tun, als sein wir Amerikaner.“
:-)
Weil sich „Die Gesellschaft“ immer häufiger wie eben selbige verhält?
—
Die Bilder sind ja mal wieder super!
Mehr Lob gibt‘s diesmal nicht, sonst fängst Du noch an unter der Decke zu schweben ;-)
Gruß
So gross wird das Drama für die Anleger schon nicht sein. Sie haben schliesslich nur US-Dollar investiert und kein richtiges Geld.
@firefly
So so, und was ist Deiner Meinung nach “richtiges” Geld? Und wodurch unterscheidet es sich vom Dollar?
@ Spiegelfechter
Ich schreib wohl besser dazu, wenn ich einen Witz erzähle.
Ich finde all das Gelaber über Hebelwirkung etc. echt lustig.
Hat mir mal ein Freund erzählt, er überzieht seine Kreditkarte, den Betrag kann er abstottern, zahlt die ersten 6 Monate keine Zinsen und das Geld investiert er in eine Anlage, die ihm ein paar Prozent Zinsen bringt. Soweit die Theorie
Die Praxis: Er vergisst einmal, rechtzeitig zu kündigen, muss im Nachhinein Zinsen zahlen und letzten Endes macht er Minus.
Genauso kommt es mir bei diesen Hedgefonds etc. vor. Wir leihen uns 5 Milliarden, haben selbst 500 Millionen, investieren die 5.5Mrd und hoffen, daß der Erlös die Zinsen übersteigt. Früher hätte man darüber Milchmädchenrechnung gesagt. Gut, wenn die Branche grad boomt und mit etwas Glück macht man gute Kohle – sprich man zieht sie der Investition aus der Tasche – aber sobald was schiefläuft hat man 5.5Mrd Schulden und ein Bankenkonsortium, die die Sicherheiten auflöst – Ergebnis: Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Einzigen, die bis jetzt immer gewonnen haben, waren die Banken. Das ging dann so lange gut, bis die Banken zu gierig wurden – siehe Subprime Krise.
Und zum Ölkurs (ich kaufe an meiner Tankstelle Benzin in Euro) – was steigt denn da jetzt wirklich und was folgt nach? Euro/USD und Ölkurs haben ja eine gegenseitige Wechselwirkung. Ist das Problem, daß die OPEC-Staaten das Öl lieber in Euro verkaufen (was der Irak ja geplant und was die Operation Iraqi Freedom ausgelöst hat) oder ist einfach der Dollar so scheiße, daß sich der Ölpreis von selbst am Euro, der meiner Meinung nach zur Zeit stärksten Währung, orientiert. Gibts dazu Verlaufsdiagramme, wo man das verfolgen kann? Hab noch nichts schönes dazu gefunde.
gruß
@firefly
Sorry ;-)
Aber man weiß hier ja nie.
@Frank Schenk
Das perfide ist, dass die Menschen auch dann ihre Arbeitsplätze verlieren, wenn das Hebelgeschäft klappt – so zumindest bei fast allen Leveraged Buyouts. Groß wurde seit Jahren getönt, die Politik werde etwas dagegen unternehmen … nix is passiert. Zum Glück erledigen das anscheinend gerade eben die Märkte selbst.
-> Öl USD/Euro
Unabhängig von der Transaktionswährung ist der Ölpreis eigentlich nur von Angebot und Nachfrage abhängig. Da spielt es nur eine marginale Rolle, ob in Euro oder Dollar gehandelt wird. Wenn amerikanische Käufer Öl brauchen, kaufen sie es entweder in Dollar oder halt in Euro. Das hat höchstens Auswirkungen auf den Devisenkurs, aber kaum auf den Ölpreis.
Seit am Februar erleben wir wieder einmal eine heftige Abwertung des Dollars. Der Ölpreis ist allerdings (in Euro/Yen/Franken/Pfund) relativ konstant. M.W. ist er seit Anfang Februar (Brent bei ca. 92$) währungsbereinigt “nur” um 3% gestiegen. Der Goldpreis ist sogar leicht gesunken.
Wieso zahlen die PEs Kredite ausgerechnet mit dem Cashflow zurück.Dadurch gerät das Unternehmen doch in eine Insolvenz und es wird doch somit für eine Ausschlachtung und Weiterverkauf für andere uninteressanter -> Das Projekt wirft doch dann eigentlich gesamt gesehen weniger Rendite ab, oder ?
Erklärung plz :)
Sehr guter Artikel und schöne Bilder, besonders das Letzte !
@Carsten
Oft werden diese Unternehmen an die Börse gebracht und/oder filettiert. Auf die Rendite hat dies aber zunächst einmal keine negativen Auswirkungen, da mit dem Abbau des Cash Flows ja die Übernahmekosten getiligt werden.
Einen sehr guten Bericht zu diesem Thema gab es mal (man staune) im SPIEGEL: Der große Schlussverkauf
was hat es eigentlich mit diesen teuren Krediten auf sich die die neuen Herren dann der Firma aufbürden?
@Carsten
Mit diesen Krediten zahlt der Fonds die Kredite zurück, mit denen er die Firma aufgekauft hat. Die Firma zahl also große Teile ihrer eigenen Übernahme.
hm und das heißt dann kapitalismus 2.0…
nicht nur aubeutung fremder arbeits leistung
sondern auch den verlust von arbeit…
und für wen? für die rente? nööö. nur für die superreichen…
sollen doch noch 20 fonds platzen… vlt lernen dann ja einige draus…
@20 SF
Der Artikel ist in der Tat nicht schlecht – und das, obwohl er im SPIEGEL erschienen ist; wer hätte das gedacht?
Da muss irgendein böser Hacker die SPIEGEL-Server gehackt haben :-).
Die Dummheit von Gier kann man übrigens schön in kleinem Massstab beobachten, wenn man selbst Aquarianer ist. Da werden durch Steurungsfehler des Halters Umstände erzeugt, die z.B. Fischparasiten in der Entwicklung begünstigen, die sich darauf in einer Art Rückkoppelungsschleife derart explosiv vermehren, dass sie ihre Lebensgrundlage – die Fische – und damit sich selbst gleich ganz ausrotten.
So hätte ich die Zukunftsaussichten beschrieben, die sich aus dem Agieren eines Krenz (über den ich im Gegensatz zu den Spiegelredakteuren sehr wohl verächtlich lachen kann) ergeben.
@ Frank
Ein Punkt, der gerne übersehen wird:
Das Risiko beträgt für die Betreiber des Fonds in diesem Fall auch nur 500 Mio, das Risiko für die 5000 Mio hat letztlich die Bank.
@Karl
Na ganz so ist es ja nicht.
Les mal den Abschnitt mit dem Margin Call.
Die Bank kann ja den Fonds zwingen den Hebel zu verringern.
D.h. der Fond trägt auch Verantwortung für das geliehene Geld.
Also so hab ich es zumindest verstanden. :)
@SF
Nenn mir mal einen auf den die Bezeichnung zutrifft ;-)
Ausserdem irrst Du wahrscheinlich mit der Transaktionswährung. Müsste der Öldeckel der USA in EUROs bezahlt werden, hätte die Welt nicht nur eine andere Leitwährung, sondern die USA hätte als Minimumproblem ein Devisenproblem.
@Carsten: Was passiert, wenn der Fonds zahlungsunfähig ist?
Was geschieht wenn die Sachsen LB zockt?
Was ist die Folge einer Pleite der IKB?
Alles nur ein kleines Ärgernis. Leider wird immer wieder versäumt in solchen Fällen auf die Grundlagen neoliberaler Politik zurückzukommen.
Hallo Jens,
weißt du zufällig aus dem Kopf, wo man zitierfähig nachlesen kann, dass Hedgefonds mit einem Hebel von 32:1 arbeiten? Ich konnte den Wert leider nirgends finden.
Gruß
Daniel.
Der Hebel ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital. Dass er bei CCC bei 32:1 lag, kannst du ausrechnen, aber neben dem Spiegelfechter hat es auch der Telegraph geschrieben:
http://www.telegraph.co.uk/money/main.jhtml?xml=/money/2008/03/07/cncarlyle107.xml
Vielen Dank Kati. Wie man den Hebel ausrechnet habe ich verstanden, nur leider fehlt mir der Einblick in die Finanzszene, so dass ich nicht mal wüsste, wie ich an Informationen über die Eigen-/Fremdkapitalhöhe von Fonds rankomme (bestimmt gibts aber tolle Börsenportale für sowas).
Du hast mir mit dem Link sehr geholfen. Danke.
Gruß
Daniel
@Daniel
An die Informationen kommst Du im Normalfall gar nicht heran, da dies Interna der Fonds sind. Das Leverage-Maß ist sogar Gegenstand von Forschungen. Gemäß der Bank für internationalen Zahlungsausgleich liegt es im Gesamtbereich der Hedgefonds bei ca. 3 zu 1. Das deckt sich auch mit Schätzungen von McKinsey. Früher war der Anteil übrigens wesentlich höher. Der Hebel von 32 zu 1 des CCC ist also selbst für Hedge-Fonds Verhältnisse ungewöhnlich hoch.
btw.: Gute Hintergrundinformationen findest Du in einer Dissertation, die online verfügbar ist … das ist allerdings spröder Stoff und nicht fürs normale Publikum geschrieben
@Jens: Aber die veröffentlichte Bilanz müsste doch einen guten Anhaltspunkt liefern, um sich einen groben Eindruck von den Verhältnissen zu verschaffen? Oder ist das, wenn man nach US-GAAP veröffentlicht, nicht so deutlich abzulesen wie nach HGB?
@Kati
Ein klaren Eindruck erhält man durch die Bilanzen nicht, außer auf Umwegen über die “Finanzierungskosten”. Aber das Hauptproblem ist ja, dass diese Fonds fast ausschließlich in Steuerparadiesen der Karibik und auf den Kanalinseln niedergelassen sind und daher ihre Bilanzen nicht offen legen müssen. Als ernster Interessent wird man sicher die gewünschten Zahlen bekommen, aber als Außenstehender nicht.
@Jens: Danke…! Peinlich… Dass man die Bilanzen nicht offenlegen muss, wenn man sich in solchen Steuerparadisen niederlässt, wusste ich überhaupt nicht. Muss ich mir wohl noch mal anschauen.
@Daniel: Gern geschehen übrigens – hatte ich vorhin vergessen zu schreiben.