Der Finanzkapitalismus frisst seine Kinder

18. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Franklin D. Roosevelt sagte in seiner ersten Amtsantrittsrede: „Das einzige, vor dem wir Angst haben müssen, ist die Angst selbst“. Die globale Finanzkrise entfaltet langsam ihre destruktive Wirkung und es sind nicht etwa ökonomische Gründe, die die Krise anfachen, sondern es ist die nackte „Angst“. Mit dem Kollaps einer der weltgrößten Investmentbanken, der amerikanischen Bear Stearns, die vor wenigen Monaten noch einen Wert von über 20 Mrd. US$ hatte, ist die Krise in die nächste Stufe übergegangen und es gibt keine Anzeichen, dass die Eigendynamik der Finanzkrise sich stoppen ließe.

Bear Stearns wurde am Wochenende unter tatkräftiger Vermittlung und Hilfe der FED und des US-Finanzministeriums für ein Handgeld von rund 236 Mio. US$ vom Konkurrenten JPMorgan Chase übernommen, um einen Konkurs zu verhindern. Wenn man bedenkt, dass das imposante Gebäude an der New Yorker Madison Avenue, in dem Bear Stearns in New York residiert, bereits rund das vierfache des Übernahmeangebots wert ist, mag man abschätzen können, wie es um den Wert der großen Investmentbanken bestellt ist, wenn diese in eine Liquiditätskrise geraten. Der Wert einer Ware wird immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt und die politisch geduldete Nachfrage nach amerikanischen Investmentbanken scheint gegen Null zu gehen, wenn die FED sogar eine Ausfallgarantie für Kreditrisiken der Bear Stearns in Höhe von 30 Mrd. US$ ausstellen musste, um mit JPMorgan ins Geschäft zu kommen. Sicher hätte eine chinesische Großbank oder ein russischer oder arabischer Staatsfonds zu einem besseren Preis zugeschlagen, aber dies wäre für die USA ein Gesichtsverlust von monumentaler Größe.

Das Bemerkenswerteste am Bear Stearns Kollaps ist es, dass das Investmenthaus keinesfalls substanziell derart angeschlagen war, dass es zwingend in Schieflage geraten musste. Der Kollaps ereignete sich stattdessen, streng nach der Systematik der vorherrschenden Finanzkrise und letztendlich brach das „Misstrauen“ der anderen Banken dem New Yorker Giganten das Genick. Es waren Gerüchte über einen Liquiditätsengpass, die diesen erst ausgelöst haben – die self-fulfilling prophecy des Bankrotts.

Die Dynamik der Krise begann auf dem Subprimemarkt und hat mittlerweile nicht nur große Fonds erreicht, sondern wildert bereits in der Belle Etage des Finanzwesens – es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, biss die erste Großbank Opfer der Finanzkrise wird. Die Subprimekredite, die Auslöser der Krise waren, sind mittlerweile nur noch als Kontaminationsherd von Bedeutung. Es geht nicht mehr darum, dass Banken oder Fonds auf faulen Krediten sitzen, deren Ausfallrisiko überschaubar ist. Es geht darum, dass das Finanzsystem komplett intransparente strukturierte Produkte geschaffen hat, die aufgrund der Kredithebelwirkung keinen handelbaren Wert mehr haben, sobald sie keine Rendite mehr versprechen. Da niemand so genau wusste, welche Produkte davon betroffen waren, brach der komplette Markt von strukturierten Produkten ein.

Die zweite Stufe wurde eingeläutet, als man sah, dass die Liquiditätsdecke einiger Fonds und Banken bedenklich schrumpfte. Grund waren Wertkorrekturen bei strukturierten Produkten und bei Anteilen an Gesellschaften, die mit diesen Produkten handelten oder sie im Portfolio hatten. Die komplette Branche misstraute sich selbst und dadurch kam der Interbankenkredithandel weitestgehend zum Erliegen. Momentan sitzen viele Bankhäuser und Fonds auf Produkten, die keinen realisierbaren Marktwert mehr haben. Das heißt keinesfalls, dass diese Produkte nichts wert sind. Bei Liquidation oder Fälligkeit haben sie sehr wohl einen realen Wert. Wenn Banken und Fonds allerdings kurzfristig Liquidität benötigen, so nutzt ihnen das nichts, da sie diese Produkte kurzfristig nicht in Liquidität umwandeln können. Das ist Bear Stearns zum Verhängnis geworden – hätte das Haus die Möglichkeit gehabt, die Krise auszusitzen und hätte es die 30 Mrd. US$ Sonderkreditlinie der FED gehabt, die JPMorgan bekam, so wäre Bear Stearns mit blauen Flecken aus der Krise herausgekommen. JPMorgan wird gute Freunde in der FED von New York haben.

Die FED übt sich derweil in blindem Aktionismus, und nimmt eine Leitzinssenkung nach der anderen vor und lässt diese von immer höheren Tendern begleiten. Damit wird sie allenfalls ein paar Symptome kurzfristig lindern können, aber als bittere Nebenwirkung bewirkt dies eine Steigerung der Inflation, die sowohl die - mittlerweile wohl vorhandene - Rezession verschärfen, als auch den Dollarkurs noch weiter beschädigen wird. Bush und sein Finanzminister Paulson geben unterdessen die US-Version des berüchtigten „Comical-Ali“ und beschwichtigen die Weltöffentlichkeit mit der grotesken Aussage, es gäbe doch gar keine Krise und eigentlich sei alles doch bestens. US-Ökonomen diskutierten derweil schon das eigentlich Undenkbare – die Verstaatlichung einiger US-Großbanken und Investmenthäuser. Vor wenigen Jahren noch wäre man wegen solcher Gedanken von den US-Behörden auf eine schwarze Liste gesetzt worden.

Die Zeiten haben sich geändert – mit dem Vertrauen in den Finanzkapitalismus verschwindet auch das Vertrauen in das Dogma der selbst regulierenden Marktmechanismen. Sogar Deutsche Bank Chef „Joe“ Ackermann fordert flehentlich ein Eingreifen des Staates, um die Finanzbranche vor Schlimmeren zu bewahren. Im Kern hat Ackermann natürlich recht – ein großes Finanzinstitut ist etwas anderes, als eine Airline oder ein Automobilhersteller. Lässt der Staat eine angeschlagene Großbank in den Konkurs gehen, so hat dies katastrophale Folgen - nicht nur für die Branche, sondern auch für die Realwirtschaft und somit für den Staat. Von daher fällt es schwer, Nothilfemaßnahmen, wie die der FED, zu verurteilen, da sie die Wirtschaft vor Schlimmeren bewahren. Es ist keine Frage des „Ob“, sondern eine Frage des „Wie“ und „Joe“ Ackermann hat da natürlich seine eigenen Vorstellungen.

Er lobte ausdrücklich die Intervention der FED, mit der Bear Stearns durch Übernahme vor dem Konkurs gerettet wurde. Genau diese Art von Interventionen ist aber Gift für die Lernfähigkeit der Banker. Wenn der Staat jede Tölpelei der Banker durch Subventionen und Hilfsangebote abfedert, und so letztendlich gierige und unfähige Banker und Investoren vor dem Schlimmsten bewahrt, werden die immer auf das Eingreifen des Staates zählen und weiterhin in Papiere investieren, deren Risiko sie nicht verstehen und auch gar nicht verstehen wollen oder müssen. Daher muss man bei solchen Rettungsaktionen wohl den Mittelweg finden, der gewährleistet, dass die Schuldigen bestraft werden, ohne dass die Realwirtschaft dadurch über Gebühr beschädigt wird und Verluste solidarisiert werden.

Zur Not sollte das Vermögen eines vor der Insolvenz stehenden Finanzhauses übergangsweise zwangsverstaatlicht werden. Der Staat könnte in dieser Übergangszeit Forderungen anderer Finanzhäuser wertneutral – dass heißt ohne Zinsansprüche – in Form von staatlichen Garantien, die von der EZB als Sicherheit akzeptiert werden – begleichen und er ist liquide genug um den Langmut zu besitzen, Papiere, für die es keinen Markt gibt, so lange zu halten, bis sie liquidiert werden können. Ist die Liquidierung abgeschlossen, könnte der Staat die Forderungen aus den Garantien, je nach Liquidationsergebnis, erfüllen. In der Übergangszeit könnte das kriselnde Finanzhaus kommissarisch vom Staat weitergeführt werden, bis die Schieflage beendet ist. Nach Artikel 14 GG ist der Staat durchaus legitimiert, zum Wohle der Allgemeinheit auch komplexere Eigentumsverhältnisse außer Kraft zu setzen.

Der Staat muss intervenieren – und zwar nicht erst dann, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Der Finanzsektor ist für die Wirtschaft zu wichtig, als dass man ihn einem Haufen risikoaffiner Hasardeure überlassen könnte, die die Weltwirtschaft mit einem Kasino vergleichen. Strengere Finanzkontrollsysteme und eine höhere Transparenz sind dringend von Nöten, um das Finanzsystem zu sanieren. Die vorhandenen Schutzmaßnahmen haben weltweit versagt. Weder die deutsche Bankenaufsicht BaFin, noch ihre zahlreichen amerikanischen Pendants, haben ihre Aufgabe auch nur im Ansatz erfüllt. Die Ratingagenturen haben versagt, genau so wie die Wirtschaftsprüfer und die unternehmensinternen Aufsichtsgremien. Hier ist ein radikaler Umbau notwendig – höhere Mindesteigenkapitalanforderungen, strikte Regulationen für Kredithebelgeschäfte, die Verpflichtung, transparente Produkte anzubieten, und eine Verbot, mit Produkten zu handeln, die diese Forderungen nicht erfüllen.

Da es nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein kann, für das Versagen von einzelnen Bankmanagern geradezustehen, muss ein Notfonds geschaffen werden, der in einem solchen Falle einspringt. Wenn es eine Institution geben soll, die faule Kredite aufkauft oder für verzockte Kreditlinien geradesteht, so können sich die Banken selbst einen solchen Notfallfonds aufbauen – ein solcher Fonds sollte sogar vom Staat vorgeschrieben sein, um im Notfall Liquidität zur Verfügung zu stellen. Der Staat erlässt jedes Jahr hunderte, wenn nicht sogar tausende, verpflichtende Betriebspläne, wenn technische Vorgaben, die ein Unternehmen einzuhalten hat, im Interesse der Allgemeinheit stehen – warum gibt es solche Betriebspläne nicht für Banken, die täglich mit der Überlebensfähigkeit der ganzen Volkswirtschaft jonglieren?

„Joe“ Ackermann weiß vermutlich gar nicht, wie recht er eigentlich hat – auch wenn er etwas ganz anderes damit sagen wollte. Mit dem Glauben an das Goldene Kalb „Markt“, schwindet auch der Glauben an die Erfolgsrezepte des Neoliberalismus. Der „Markt“ ist nicht das Nonplusultra und der „Staat“ ist keinesfalls überflüssig – es wird Zeit das zu begreifen. Die Äußerungen aus der Politik lassen allerdings nicht den geringsten Grund zur Hoffnung, man hätte dort begriffen, was zu tun sei. Wahrscheinlich muss das Finanzsystem erst verbrennen, damit aus der Asche etwas Neues entstehen kann.

Jens Berger

Lesetipps zum Thema:

Manager-Magazin: Wolfgang Kaden - Legt die Bonus-Banker an die Kette
Handelsblatt: Frank Wiebe: Märkte können nicht alles regeln
Nouriel Roubini - Rising Risk of a Systemic Financial Meltdown:The 12 Steps to Financial Disaster

Bildnachweis: BrotherPeaceMaker, Post-autistic Economics Network Germany, 2xWikicommons, GreenAnarchy

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Trackbacks:

  1. 1 · Die Zukunft der Banken « Bornheim-Blog am 20. März 2008 um 20:29

    [...] Der Finanzkapitalismus frisst seine Kinder   [...]


  2. [...] Spiegelfechter: Der Finanzkapitalismus frisst seine Kinder [...]


  3. [...] fundiert der Spiegelfechter. Nicht zuletzt die anschliessenden Kommentare sind sehr [...]


Kommentare:

  1. · Dr. Dean am 18. März 2008 um 17:55 - Permalink

    Erster! ;-)

    (Nach der Diskussion hier darf ich das auch sagen)

    Folgende Aussage von Jens Berger fand ich bemerkenswert:

    Wenn der Staat jede Tölpelei der Banker durch Subventionen und Hilfsangebote abfedert, (…) werden die immer auf das Eingreifen des Staates zählen und weiterhin in Papiere investieren, deren Risiko sie nicht verstehen und auch gar nicht verstehen wollen oder müssen. Daher muss man bei solchen Rettungsaktionen wohl den Mittelweg finden, der gewährleistet, dass die Schuldigen bestraft werden, ohne dass die Realwirtschaft dadurch über Gebühr beschädigt wird und Verluste solidarisiert werden.

    Der Ruf nach “Re-Regulation” des Finanzsektors wird derweil immer lauter, nur: Die derzeit herrschenden Akteure in Politik und Wirtschaft sind dazu, schon allein von ihren ideologischen Voraussetzungen her, nicht in der Lage.

    Wenn Finanzminister Steinbrück (von der Großkoa als Sprecher in Sachen Finanzmarktkrise ernannt) in dieser Lager einfach davon salbadert, dass die bisher angeblich gute Zusammenarbeit der staatlichen und ökonmischen Eliten “vertrauensvoll” so fortgesetzt werden soll wie bisher, dann hat er nichts begriffen. Er redet im Ernst davon:

    die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, Bankenverbänden und Bankinstituten (…)

    Steinbrück halt.


  2. · tar am 18. März 2008 um 18:19 - Permalink

    hallo jens,

    ja, es geht langsam in die ‘kritische’ phase über. auch dir möchte ich diesen offenen brief nicht vorenthalten - man darf ihn sehr gern an die jeweilige gemeinde richten :)

    gruß


  3. · Dr. Dean am 18. März 2008 um 18:37 - Permalink

    @ tar
    Vermutlich ist das Anzweifeln fundamentaler weltanschaulicher Positionen ähnlich schmerzhaft - und eigentlich so rüpelhaft wie Religionsspott, aber ich kann mich leider nicht ganz bremsen - versuche es aber mal auf einigermaßen nette Weise:

    Die jetzt aus den Löchern kriechenden “Freiwirtschaftler” und Gesell-Jünger sind mit ihren ökonomischen Ansichten noch obskurer (vorsichtig formuliert) als es z.B. freidemokratische Neoliberale sind. Beide scheitern an der Realität. Im Übrigen ist die teils überaus starke braune Unterwanderung der Freiwirtschaftssektierer ein Problem. Ich halte Gesells Ideen zur Ökonomie für kompletten Unfug. Sorry.


  4. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 18:43 - Permalink

    @1 Dr.Dean

    100% D´accord

    Anders als die Wirtschaft selbst, haben die Politiker idT nichts verstanden. Sogar wirtschaftsfreundliche Publikationen, wie FTD, Handelsblatt, Washington Post, WSJ oder das Manager-Magazin schreiben in letzter Zeit immer häufiger Tacheles und kritisieren die politische Tatenlosigkeit. Dass diese Publikationen nach einem starken regulierenden Staat rufen, ist mE ein echter Paradimgenwechsel. Die wissenschaftlichen Mahner, wie Roubini oder Krugman, vertreten diese Position ja bereits seit Jahren. Nur die Politik hinkt hinterher … wie kaum anders zu erwarten.


  5. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 18:47 - Permalink

    @3 Dr.Dean

    Auch hierzu 100% D´accord *lol*

    Die “Freiwirtschaft” mag auf regionaler Ebene vielleicht funktionieren. In einer extrem arbeitsteiligen, vernetzten und globalen Wirtschaft ist sie schlichtweg unmöglich.


  6. · Jochen Hoff am 18. März 2008 um 18:55 - Permalink

    “Bear Stearns, die vor wenigen Monaten noch einen Wert von über 20 Mrd. US$ hatte”

    Hatte sie diesen Wert, oder konnte sie ihn erfolgreich vortäuschen, weil alle anderen diese Täuschung akzeptierten, das sie selber auf die gleiche Art täuschten.

    Was ist denn wenn die komplett intransparente strukturierte Produkte nur deshalb komplett intransparente strukturierte Produkte waren, weil sie keinen realen inneren Wert aufwiesen.

    Natürlich kann ich in einem der schönen Berliner Süßigkeitsläden meinem Dreijährigen einen unbegrenzten Kredit einräumen, den dieser mit einem Kuß unterzeichnet. Er wird die aus diesem Kredit freiwerdenden Mittel in hochzuckerhaltige Anlagegüter umwandeln und mit etwas Glück einige Stücke an seine beiden Geschwister, die Mama und den Kreditgeber als Dividende auszahlen und den Rest verbrauchen. Natürlich könnte ich diesen Kredit verbriefen, aber wir alle wissen was passiert. Der Brief hat einen Wert von Null , aber er ist ein typisches komplett intransparentes strukturiertes Produkt.

    Ja ich weiß, das ist gemein. Aber ich kann dir auch ein paar Hektar Florida verbriefen. Absolute Wasserlage, unverbaubarer Blick. Gut. Na dann nicht. Deine komplett intransparenten strukturierten Produkte waren in der Masse nie etwas anderes. Das haben alle inklusive Ackermann gewusst. Und jetzt wollen alle die Verluste sozialisieren vor allem Josef Ackermann:

    duckhome.d...

    Der spielt natürlich allzugerne mit deiner Angst vor dem Konkurs einer Großbank. Mein Gott wie viele zigtausende von Unternehmen haben diese Brüder ruiniert, wie viele Arbeitsplätze zerstört. Jetzt winseln sie um Gnade und kaum haben sie unser Geld treten sie uns ins Gesicht.

    Ich sage dir etwas anderes Ackermanns Deutsche Bank wackelt. Der hat die Hosen voll, genau wie sein Walter und ich bin dafür die mitsamt der Hypo Real Estate über den Jordan gehen zu lassen. Das schadet der Realwirtschaft viel weniger, als die weitermachen zu lassen.

    Beim allgemeinen Totalversagen der Neoliberalen sind wir uns allerdings vollständig einig.


  7. · Karl am 18. März 2008 um 19:13 - Permalink

    Ach Jens, immer wieder dieses dümmliche Neoliberalismusgeschwafel. Es führt doch zu nichts, Begriffe zu verwenden, die bekanntermaßen entweder das Gegenteil von dem aussagen, was Du sagen willst, oder eben gar nichts.

    Ein Eingreifen des Staates zu fordern, ist so mit das dümmste, was man tun kann. Tatsächlich fördern staatliche Stützen dieses kaputte System, indem sich die Akteure an Steuergeldern bereichern können, wenn die Zockerei mit Spielgeld in die Hose geht. Sinnvoller wäre es, die Haftungsrisiken der Beteiligten zu erhöhen.

    Tatsächlich gelingt es jedoch so gut wie nie, die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. So sitzt beispielsweise der Spitzbube, der offensichtlich mit krimineller Energie das Debakel der SachsenLB mitverursacht hat, nicht im Schuldturm, sondern im Vorstand der APO-Bank.

    Tatsächlich hätten wir im Handelsrecht durchaus die nötigen Grundlagen, um allen Beteiligten ordentlich die Hölle heiß zu machen, und das amerikanische Recht enthält entsprechende Richtlinien. Eine klitzekleine Verschiebung in der persönlichen Haftung aller Beteiligten, und schon funktioniert das System ordentlich.

    Solange aber die Gewinne kapitalisiert und die Verluste sozialisiert (frei nach Hildebrandt) werden können, solange wird sich an diesem System nichts ändern.

    Du wirst zugeben, daß Eingriffe des Staates nach der oben beschriebenen Methode weder im klassischen, noch in irgendeiner Form des Neoliberalismus erwünscht sind. Tatsächlich sind diese Methoden an der Tagesordnung, wie bei uns erst kürzlich im Falle der IKB-Bank und der SachsenLB. Du siehst: Was bei uns regiert sind Dummheit und Gier, keine Neoliberalismus.


  8. · otti am 18. März 2008 um 19:15 - Permalink

    Der Kapitalismus in seiner Gier, der verreckt jetzt hier!
    Die Apologeten neoliberalen Terrors erhalten im Augenblick eine deftige Lektion, was die Götzenanbetung einer hohen, ja unverschämten Rendite als allein seligmachende Funktion des Kapitalmarktes anbelangt.

    Jetzt, da es um Verluste geht, ruft die Finanzelite nun nach dem Staat als Retter. Wie erbärmlich, die Gewinne wurden von diesen Leuten teilweise in Steueroasen anfallen gelassen, die Verluste soll der Steuerzahler tragen.

    In einem früheren Posting habe ich geschrieben: Sell Dollar, sell Bush, sell Amerika. Dabei bleibt’s.

    Den Finanz-GAU weden wir alle ausbaden müssen!!!

    Roubini gibt’ auch auf Deutsch (Die Welt, Project Syndicate).


  9. · mspro am 18. März 2008 um 19:22 - Permalink

    Ich bin geneigt dem Herrn Hoff zuzustimmen. Ich glaube zwar auch, dass die Auswirkungen einer vor die Wand gefahrenen Großbank auf die Realwirtschaft durchlagen würden, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es allzu hart wird.

    Man höre sich doch einfach mal bei den kleinen und mittelständischen Betrieben um, dann wird man feststellen, dass die Banken ihrer eigentlichen Aufgabe: Kredite für Investitionen der Realwirtschaft, immer weniger nachkommen. Ähnlich sieht es bei den Privatkrediten aus. Ganz einfach weil die Rendite nicht hoch genug ist.

    /* das ist die eigentliche Krise des Kapitalismus. Dass es nirgends mehr um Gewinn, sondern um Gewinnmaximierung geht. Wie man auch schön an Nokia sehen kann. Profitabel ist nicht mehr Profitabel genug. */

    Ein großer Teil der Realwirtschaft hat sich also längst vom Bankensystem verabschieden müssen und versorgt sich zunehmend mit alternativen Mitteln wie Privatinvestitionen und Querfinanzierungen selbst, während die Banken lieber Monopoly spielen.

    PS: das Editplugin und utf8 scheinen sich nicht sonderlich zu mögen…


  10. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 19:23 - Permalink

    @Jochen Hoff

    Hatte sie diesen Wert, oder konnte sie ihn erfolgreich vortäuschen, weil alle anderen diese Täuschung akzeptierten, das sie selber auf die gleiche Art täuschten.

    Letztendlich war dies der Wert, der dem Unternehmen beigemessen wurde. Laut der letzten Bilanz verfügte Bear Stearns immerhin über (in Mrd. US$):

    - 18 Cash
    - 13,5 Einlagen bei der FED
    - 42 Forderungen

    Problematischer sind da wohl folgende Aktiva:

    - 112 Sicherheiten (die bei BS eingereicht wurden)
    - 141 Finanzinstrumente
    - 41 Aktiva mit variabler Verzinsung und Hyptoheken

    Wie man es auch dreht und wendet, JPMorgan hat da ein Schnäppchen gemacht, wenn sie denn selbst genügend Liquidität haben, um diese Positionen “auszusitzen”.


  11. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 19:34 - Permalink

    @7 Karl

    Ach Jens, immer wieder dieses dümmliche Neoliberalismusgeschwafel. Es führt doch zu nichts, Begriffe zu verwenden, die bekanntermaßen entweder das Gegenteil von dem aussagen, was Du sagen willst, oder eben gar nichts.

    Ah so, das ist ja interessant. In wie weit verträgt sich denn die Schule eines Mises mit den von Dir genannten “Vorschlägen”?

    Ein Eingreifen des Staates zu fordern, ist so mit das dümmste, was man tun kann. Tatsächlich fördern staatliche Stützen dieses kaputte System, indem sich die Akteure an Steuergeldern bereichern können, wenn die Zockerei mit Spielgeld in die Hose geht. Sinnvoller wäre es, die Haftungsrisiken der Beteiligten zu erhöhen.

    Und das ist kein staatlicher Eingriff?
    Hättest Du den Text gelesen, hättest Du auch zur Kenntnis nehmen können, dass ich eben keine Verwendung von Steuergeldern fordere, sondern eine staatlich regulierte Sicherung durch die Akteure selbst. Nur im Falle eines Bankencrashs schlage ich staatliches Eingreifen vor, verweise aber auf steuerneutrale Alternativen.

    Tatsächlich gelingt es jedoch so gut wie nie, die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. So sitzt beispielsweise der Spitzbube, der offensichtlich mit krimineller Energie das Debakel der SachsenLB mitverursacht hat, nicht im Schuldturm, sondern im Vorstand der APO-Bank.

    Und eben dies muss geändert werden.

    Tatsächlich hätten wir im Handelsrecht durchaus die nötigen Grundlagen, um allen Beteiligten ordentlich die Hölle heiß zu machen, und das amerikanische Recht enthält entsprechende Richtlinien. Eine klitzekleine Verschiebung in der persönlichen Haftung aller Beteiligten, und schon funktioniert das System ordentlich.

    Das ist unwahrscheinlich, da es mW dabei nur um die Haftung bei kriminellen oder wissentlich falschen Handeln geht. Der Rest lässt sich unter Dummheit verbuchen. Wenn ein Manager alle Gesetze einhält und sauber bilanziert, ist es unmöglich, ihn auf Rechtswegen haftbar zu machen.

    Du wirst zugeben, daß Eingriffe des Staates nach der oben beschriebenen Methode weder im klassischen, noch in irgendeiner Form des Neoliberalismus erwünscht sind. Tatsächlich sind diese Methoden an der Tagesordnung, wie bei uns erst kürzlich im Falle der IKB-Bank und der SachsenLB. Du siehst: Was bei uns regiert sind Dummheit und Gier, keine Neoliberalismus.

    Wo schreibe ich denn das? Ich ziehe “lediglich” den Schluss, dass die neue “Weisheit”, das unregulierte Märkte keinesfalls zum neuen Paradies auf Erden führen, sondern auch zu handfesten systemimmanenten(!) Krisen, nicht nur auf das Finanzsystem beschränkt werden sollten, sondern die Ideen von Mises und Co endgültig in den Abort der Wirtschaftsgeschichte gehören.


  12. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 19:39 - Permalink

    @9 mspro

    Ich bin geneigt dem Herrn Hoff zuzustimmen. Ich glaube zwar auch, dass die Auswirkungen einer vor die Wand gefahrenen Großbank auf die Realwirtschaft durchlagen würden, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es allzu hart wird.

    Wenn es mal so wäre ;-)

    Die Tatsache, dass ein PE-Fonds, wie Carlyle Capital, zusammengebrochen ist und eine reine Investmentbank, wie Bear Stearns, vor die Hunde geht, ist für die Realwirtschaft idT zu verschmerzen. Problematisch wird es allerdings, wenn die Geschäftsbanken durch dieses Domino in Mitleidenschaft gezogen werden. In D gibt es bekanntlich Sicherungsfonds, die Banken und Versicherungen in einem solchen Fall unter die Arme greifen müssen (was auch gut so ist). Und im Falle eines Falles haften dann wieder alle - auch die Raiffeisenbank um die Ecke, die städtische Sparkasse und der Steuerzahler.


  13. · tar am 18. März 2008 um 19:41 - Permalink

    @ dean,

    freidemokratische neoliberale. beide begriffe schließen sich irgendwie gegenseitig aus. denn das eine ist für die monopolwelt des kapitalistischen systems und das andere für eine freie mitbestimmung aller. betonung auf frei. joa.. witz komm raus.

    braune unterwanderung - wo bitte konkret? spielst du auf die FSU der 50er an oder was soll diese lächerliche bemerkung?

    du kannst dies auch gern für unfug halten, aber argumente lese ich aus deinem beitrag leider keine heraus. wieso ist die freiwirtschaft weltfremd, wenn ihr grundkonzept geschichtlich schon mehrfach erfolgreich anwendung fand - und dies nur so nebenbei stets zu einer blütezeit führte? streu nicht soviel sand in die augen derer, die sich neuem zuwenden möchten und genug von der richts-lenks-dialektik haben, mit der du hier eben wieder aufzutrumpfen versuchst.


  14. · tar am 18. März 2008 um 19:42 - Permalink

    @ 3 & 6,

    und wieso? hier passt super die kürzlich von paddy gepostete fabel:

    Die Fabel von den Fröschen

    Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen.

    Am Tag des Wettlaufs versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen.

    Dann endlich – der Wettlauf begann. Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ oder „Das ist einfach unmöglich!“ oder „Das schafft Ihr nie!“

    Und wirklich schien es, als sollte das Publikum recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ Und wirklich gaben bald alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte – und als einziger das Ziel erreichte.

    Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war.

    Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Und da merkten sie erst, dass dieser Frosch taub war!


  15. · KS am 18. März 2008 um 19:53 - Permalink

    Da legt unsereins doch die strammen Arbeitnehmerarme hintern Kopf, schaut auf seine über die Jahre ersparte Besitzlosigkeit und lacht sich einen Ast. Man muss nicht unbedingt zig Semester Wirtschaftsdingsbums studiert haben, um zu erahnen, dass es so, wie es momentan noch leidlich funktioniert, auch noch weiterhin funktionieren wird. Wie las ich doch gleich beim Feierabendkaffee in meiner Tageszeitung (Thüringer Allgemeine): Der Deutsche sei nicht mehr in Sektlaune - der Konsum sank 2007 um 2 Prozent. Der Riese Verbrauch steht nicht mehr nur auf tönernen Füßen. Er rutscht bereits auf tönernen Knien.


  16. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 19:58 - Permalink

    @13 tar

    “Frei” ist halt nicht gleich “Frei” - die “Freiheit” des einen, ist die “Unfreiheit” des anderen. Daran ändert auch die “Freiwirtschaft” nichts ;-)


  17. · Jochen Hoff am 18. März 2008 um 20:13 - Permalink

    @ tar 14
    Danke für die Fabel.

    @ spiegelfechter 10
    Du gehst wieder davon aus die Bilanz Werthaltigkeit wiederspiegelt. Natürlich stehen die Zahlen so dort da. Heute haben sich in Amsterdam die ersten kleineren Wechselstuben geweigert Dollar zu wechseln, weil sie dem Zeug nicht trauen. Was ist wenn die recht haben. Dann war Bear Stearns Capital vielleicht nur ein viertel dessen Wert was in der Bilanz stand. Ja und die Forderungen. Ich hab noch rund 3 Millionen Euro die nicht eintreibbar sind. Deren Wert ist real betrachtet Null.

    Du klammerst dich daran ein Wertesystem als wahr zu betrachten, das sich selbst ausgehöhlt hat. Lass uns eine Dollarbereinigung machen, dann kannst du alles mal locker um 30 Prozent runterrechnen. Dann lass uns die Forderungen realistisch betrachten. Halbieren wir sie für den gesamten Dollarbereich. Dann musst du den Dollar nochmal 20 Prozent billiger machen. Damit bist du wahrscheinlich auf realen Werten und dann, ja dann ist der Preis schon ok. Aber JPMorgan wird ihn nicht stemmen können. Nicht auf Dauer. Weil kein ehrlicher Schlussstrich gezogen wird.

    @ spiegelfechter 12
    Auf die Leistungen eines freiwilligen Einlagensicherungsfonds gibt es keinen Rechtsanspruch. Insbesondere bei einer Bankenkrise ist eine Leistung nicht garantiert. (Wikipedia)

    Jein. Die Einlagensicherung greift eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Das wird relativ billig. Sie werden die Kiste bei 30 - 100 K schließen. Das ist auch gut so. Denn es wird den Leuten auf die harte Art und Weise klar gemacht, das sie selbst ihr Geld arbeiten lassen müssen. Beim Bäcker um die Ecke und beim Bauern ihres Vertrauens. Das Spinnergeld, das immer das Ende des Regenbogens sucht, wird vernichtet, aber es stand ja nie für wirschaftliches Arbeiten zur Verfügung, sondern war immer in verrückte Träume investiert. Da habe ich kein Bedauern. Gsells Abgeltungssteuer durch die kalte Küche. Das macht mich eher lächeln.


  18. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 20:39 - Permalink

    @17 Jochen Hoff

    Du gehst wieder davon aus die Bilanz Werthaltigkeit wiederspiegelt.

    Was Bargeld, hinterlegte Sicherheiten und Bareinlagen geht … sicherlich. Der Rest spiegelt virtuelle Werte. Was mich beispielsweise bei der Diskussion um die Hypothekendarlehen so ärgert, ist dass vielfach so geschrieben wird (auch von der “Fachpresse”), als seien diese nichts wert. Ein Haus ist etwas wert; ob dies nun die optimistischen 250.000 US$ sind, die z.B. als Sicherheit für den Kredit eingetragen sind, oder “nur” 175.000 US$, die das haus bei einer Zwangsversteigerung einbringen würde. Und wenn man das ganze nicht in Dollar rechnen will, so kann man von mir aus auch Goldunzen als “Bewertung” nehmen. Ob Bear Stearns nun 20 Mrd US$, 10 Mrd US$ oder nur 5 Mrd US$ “wert” ist, ist erst einmal egal. Fest steht - die Aktiva, die das Unternehmen “besitzt” sind etwas wert - nur ist momentan niemand gewillt, dafür Liquidität zur Verfügung zu stellen … sprich, sie zu beleihen.

    Heute haben sich in Amsterdam die ersten kleineren Wechselstuben geweigert Dollar zu wechseln, weil sie dem Zeug nicht trauen.

    Dann sollten sie wohl ihren Job wechseln; so die Meldung überhaupt stimmt und nicht aus den üblich (un)informierten Quellen rund um Goldseiten.de und Co stammt.

    Du klammerst dich daran ein Wertesystem als wahr zu betrachten, das sich selbst ausgehöhlt hat. Lass uns eine Dollarbereinigung machen, dann kannst du alles mal locker um 30 Prozent runterrechnen.

    Wieso?
    Die Forderungen sind in Dollar und nicht in Fremdwährungen ausgewiesen, obgleich sie sicher zu einem signifikaten Teil in Fremdwährung notiert sind. Wenn der Dollar an Wert verliert, so steigt der Wert (in Dollar) dieser Forderungen.
    Was die anderen Aktiva angeht, so sind diese in Dollar notiert und behalten in Dollar auch ihren nominellen Wert. In Euro umgerechnet, ist der Wert dieser Positionen selbstverständlich massiv gesunken, aber darum geht es mir nicht.

    Dann lass uns die Forderungen realistisch betrachten. Halbieren wir sie für den gesamten Dollarbereich. Dann musst du den Dollar nochmal 20 Prozent billiger machen. Damit bist du wahrscheinlich auf realen Werten und dann, ja dann ist der Preis schon ok. Aber JPMorgan wird ihn nicht stemmen können. Nicht auf Dauer. Weil kein ehrlicher Schlussstrich gezogen wird.

    Jetzt meinst Du die Forderungen an BS?!?
    Warum sollte man die halbieren und noch mal 20% abziehen?

    Die Einlagensicherung greift eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Das wird relativ billig. Sie werden die Kiste bei 30 - 100 K schließen. Das ist auch gut so. Denn es wird den Leuten auf die harte Art und Weise klar gemacht, das sie selbst ihr Geld arbeiten lassen müssen. Beim Bäcker um die Ecke und beim Bauern ihres Vertrauens. Das Spinnergeld, das immer das Ende des Regenbogens sucht, wird vernichtet, aber es stand ja nie für wirschaftliches Arbeiten zur Verfügung, sondern war immer in verrückte Träume investiert. Da habe ich kein Bedauern. Gsells Abgeltungssteuer durch die kalte Küche. Das macht mich eher lächeln.

    Es gibt aber nicht nur den freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Raiffeisenbanken haben einen Sicherungsfonds, Sparkassen haben einen Sicherungsfonds und der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken zahlt bis zur Grenze von 30% des haftenden Eigenkapitals der Bank, die in Konkurs geht. Und zwar pro Fall(!) und nicht als Gesamtleistung. So lange nicht die komplette Branche pleite geht, ist diese Sicherung gewährleistet.


  19. · Dr. Dean am 18. März 2008 um 20:45 - Permalink

    Bah. Diese SPD-Minister. Das ist der schlimmste Jahrgang seit vielen Jahrzehnten. Und das fällt dem Finanzministerium im Augenblick ein - sein Resumee:

    “Wir sehen keinen Bedarf, (…) tätig zu werden”, heißt es im Bundesfinanzministerium. (Quelle)

    Ja, klar. “Kein Bedarf“. So sehen die Lehren aus, die man seitens der politischen Eliten in Deutschland aus der Finanzmarktkrise zieht. Genau so.


  20. · Karl am 18. März 2008 um 20:59 - Permalink

    Falls Du Ludwig von Mises meinst: Der Mann würde sich im Grabe umdrehen, wenn Du ihn “Neoliberal” schimpfen würdest. Klassischer als er es tat, hat kaum einer den Liberalismus beschrieben. Selbst sein Schüler Hayek, der längst nicht so radikal war, mäßigte seine Ansichten erst im Alter.

    Das Wort Neoliberal wird allgemein auf Alexander Rüstow zurückgeführt, der eine freie Wirtschaft unter einem starken Staat forderte, während die beiden o.g. einen Nachtwächterstaat bevorzugten.

    Dein Einwand, steuerneutral zu stützen ist an den Haaren herbeigezogen. Auch ein Staat agiert nicht im luftleeren Raum, und er kann es nicht dulden, daß Grundregeln der Bilanzierung außer Kraft gesetzt werden. Dazu gehört eben unter anderem, daß eine Insolvenz zwingend ist, wenn das Eigenkapital aufgezehrt ist. Das erklärt zum Beispiel die Vorgehensweise bei der IKB, wo sich der Staat auf dem Umweg über die KfW dazu verpflichtet, einen Teil der neu auszugebenden Aktien zu kaufen und damit das Eigenkapital der Bank zu vergrößern.

    Dein Einwand zum “kriminellen” bzw. “wissentlich” falschen Handeln ist z.B. bei der SachsenLB offensichtlich erfüllt, den die Wirtschaftsprüfer haben die mangelnde Transparenz der irischen Geschäfte aufgezeigt. Dennoch passiert nichts.

    Im Falle der Bear Stearns, aber auch bei der IKB wurde offensichtlich der entscheidende Grundsatz des Handelsrechts verletzt, nämlich das Niederstwertprinzip.

    Du kannst es natürlich einen staatlichen Eingriff nennen, wenn ich eine Erhöhung der Haftungsrisiken fordere. Ich meinte allerdings mit meinen Vorbehalten einen dirigistischen Eingriff im Sinne von Stützung mit finanziellen Mitteln, nicht eine legislative oder juristische Rahmenbedingung.

    Wo schreibe ich denn das? Ich ziehe “lediglich” den Schluss, dass die neue “Weisheit”, das unregulierte Märkte keinesfalls zum neuen Paradies auf Erden führen, sondern auch zu handfesten systemimmanenten(!) Krisen, nicht nur auf das Finanzsystem beschränkt werden sollten, sondern die Ideen von Mises und Co endgültig in den Abort der Wirtschaftsgeschichte gehören.

    Eben das schreibst Du nicht, denn da hätte ich Dir zugestimmt. Statt dessen schriebst Du

    Mit dem Glauben an das Goldene Kalb „Markt“, schwindet auch der Glauben an die Erfolgsrezepte des Neoliberalismus.

    und Neoliberalismus ist nun mal etwas völlig anderes als die Ideen des Klassikers Mise.


  21. · Jochen Hoff am 18. März 2008 um 21:25 - Permalink

    @ Spiegelfechter 18
    Mir geht es nicht um den Dollar im Verhältnis zu anderen Währungen. Wir gehen doch immer noch davon aus, das hinter dem gedruckten Geld, ein realer Wert steht. Wird dieser Wert ausgehebelt, indem über Finanzmarktinstrumente die Menge des Geldes künstlich erhöht wird, sinkt gleichzeitig der Wert des Geldes. Ich schätze das der realer Wert des Dollars ungefähr noch bei der Hälfte seines nominalen Wertes liegt. Vielleicht sogar darunter. Wir haben dafür kein Messinstrument, weil sich weder Gold noch Diamanten oder Computerchips noch Rinderhälften dafür eignen.

    In alten Zeiten wurde von Edelmetallmünzen am Rande abgenknabbert und das Material gesammelt und als Edelmetall gegen Münzen getauscht. So wurde das Geld wertloser. Dazu kamen Legierungen aus den staatlichen Münzen um einen falschen Wert vorzutäuschen. Ich meine diesen Effekt, der den Wert des Geldes von innen aushöhlt.

    Meine Befürchtung ist, dass der Dollar schon so weit unterhöhlt ist, das z.B, bei einer Währungsreform in den USA vielleicht 2-3 jetzige Dollar den Wert eines neuen wiedergeben würden. Neben dem was die FED immer brav neu gedruckt hat und überall in der Welt herumschwirrt, gibt es das virtuelle Geld des Finanzmarktes. Beides zusammen untergräbt den Wert enorm.

    Natürlich haben die Häuser einen Wert. Solange sie vermarktbar sind. Das sind sie aber im Moment nicht. Sie haben einen negativen Wert, weil sie bewacht und instand gehalten werden müssen. Die Schuldner werden nie bezahlen, neue Hypotheken können nicht vergeben werden und wenn dann sind die Häuser eben nur einen Bruchteil ihres früheren Wertes aus fiktivem Geld wert. Wahrscheinlich bleibt aber nur der Grundstückswert, weil die Häuser aufgrund ihrer Bauweise unbewohnt sehr schnell zerfallen. Der Grundstückswert ist aber lächerlich, da Menschen nur in bewohnte Gegenden ziehen. Land in unbewohnten Gegenden mit Bauerlaubnis gibt es in Hülle und Fülle.

    Das gleiche gilt für die Kreditkartenschulden. Das Geld was dort verliehen wurde ist einfach nicht mehr hereinzuholen. Es ist weg. Die Leute verschwinden, tauchen unter aber niemand wird jemals für diese Schulden einstehen.

    Sehr viele Leute haben sich für den Kauf von Aktien verschuldet. Andere haben Hypotheken und andere Schulden mit Aktien abgesichert. Bei ständig fallenden Aktienkursen sind diese Kredite ebenfalls nicht mehr besichert. Die Aktien fallen an die Banken, die Schulden bleiben, die Häuser, Autos und ähnliches sind ebenfalls weg. Aber selbst das Geschäft des Repoman läuft nicht mehr, weil der Händler die Autos nicht mehr lagern kann. Kein Witz. Die versuchen sich auf Teufel komm raus zu einigen.

    Deshalb rede ich davon das du von angenommenen Werten ausgehst, die leider, leider nichts mit der Realität zu tun haben.

    Das du übrigens glaubst ich übernehme irgendwelchen Quatsch von Goldseiten.de und Co. stört mich dann doch. Ich habe mir erlaubt Reuters zu zitieren:

    reuters.co...

    AMSTERDAM (Reuters) - The U.S. dollar’s value is dropping so fast against the euro that small currency outlets in Amsterdam are turning away tourists seeking to sell their dollars for local money while on vacation in the Netherlands.

    “Our dollar is worth maybe zero over here,” said Mary Kelly, an American tourist from Indianapolis, Indiana, in front of the Anne Frank house. “It’s hard to find a place to exchange. We have to go downtown, to the central station or post office.”

    That’s because the smaller currency exchanges — despite buy/sell spreads that make it easier for them to make money by exchanging small amounts of currency — don’t want to be caught holding dollars that could be worth less by the time they can sell them.

    The dollar hovered near record lows on Monday, with one euro worth around $1.58 versus $1.47 a month ago.

    (Reporting by Svebor Kranjc, writing by Reed Stevenson)

    In diesem Zusammenhang noch eines. In Wien mussten die ersten Gäste aus den USA abreisen, weil keine ihre Kreditkarten mehr Deckung aufwies. Es handelte sich um sehr sehr guten Mittelstand und das persönliche Vertrauen des Hoteliers war vorhanden.

    Es kratzt und krakt an allen Enden.


  22. · Jochen Hoff am 18. März 2008 um 21:35 - Permalink

    @ Karl 20

    Karl du redest von einem theoretischen Neoliberalismus. Das ist wie ein theoretischer Kommunismus. Vielleicht eine tolle Sache. Aber völlig uninteressant.

    Heutige Neoliberale sind Kannegießer und seine gekauften Mietmäuler in der INSM, diverse Du bist doof Kampagnen, das Eigenverantwortungsgesülze und das ständige Fordern das andere ihre Lasten doch bitte schön klaglos tragen sollen, während man selbst nur aus Maul und Arsch besteht, und sich sogar das verdauen spart.

    Nimm Herrn Ackermann und Herrn Walter, die doch immer von den Kleinen gefordert haben und jetzt laut schreien, das sie subventioniert werden müssen. Der Neoliberalismus ist praktisch das verkommenste und gemeinste was es gibt. Seine Vertreter bauen auf Korruption und Bestechung auf, sind verantwortungsunfähig und total unmoralisch. Sie sind im konkretesten Sinne des Wortes asozial. Das schlimmste aber ist, das sie unbelehrbar sind, da ihr System selbst ja nicht auf einer theoretischen Grundlage, sondern auf der Lust am fressen und sch … beruht. Kein Geist nur Körperlichkeit.


  23. · Karl am 18. März 2008 um 21:59 - Permalink

    @Jochen: 20
    Wenn man sich über bestimmte Dinge unterhalten will, ist es notwendig, eine gemeinsame Sprachregelung zu finden. Wenn Du unter neoliberal böse und gemein verstehst, dann sag es doch einfach. Ich verstehe unter neoliberal das, was im Lexikon steht. Und das ist gut.

    Wenn Du also Verwirrung durch Sprachregelungen wie Rotwelsch, Argot oder Jägerlatein erzeugen willst, mag es eine sinnvolle Maßnahme sein, Worte entgegen ihrer Bedeutung einzusetzen. Wenn Du eine fruchtbare Diskussion anstrebst, macht das keinen Sinn.

    Welche Wirtschaftspolitik hättest Du denn gerne?


  24. · Dr. Dean am 18. März 2008 um 22:04 - Permalink

    @ Jochen Hoff - Du schreibst:

    Meine Befürchtung ist, dass der Dollar schon so weit unterhöhlt ist, das z.B, bei einer Währungsreform in den USA vielleicht 2-3 jetzige Dollar den Wert eines neuen wiedergeben würden.

    Jochen, das glaube ich nicht. Eine mittlere Finanzmarktkrise ist noch keine Währungswertkrise. Der Dollar ist nicht um den Faktor 2 bis 3 überbewertet - wie Du wohl glaubst.

    Der “innere Wert” des Dollars ist recht gut und beträgt nach meinem Dafürhalten z.Zt. etwa 80 bis 90 Eurocent - ausgedrückt in der gängigen Notierung läge also der wertmäßig “korrekte” Dollarkurs bei 1,10 bis 1,20. Wie komme ich dazu? Nun, ich weiß in etwa, zu welchen Kosten in den USA Güter hergestellt werden (in bestimmten Industriebranchen nur - aber immerhin). Würde sich die US-Wirtschat stärker auf den Export konzentrieren*, wäre sie bei einem Kurs von 1,20 Dollar zur deutschen Wirtschaft konkurrenzfähig. Anders gesagt, bei einem Dollarkurs von ca. 1,2o kostet mich die Produktion von Waren in den USA im imaginären Schnitt etwa genauso viel wie in Europa.

    * (ähm - dass sie es nicht tun, ist ein längeres Thema und hat auch mit einer Art “Binnenverblendung” des Durchschnittsamerikaners zu tun)


  25. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 22:11 - Permalink

    @Karl

    Falls Du Ludwig von Mises meinst: Der Mann würde sich im Grabe umdrehen, wenn Du ihn “Neoliberal” schimpfen würdest.

    Mises ist sicher nicht repräsentativ für den “Neoliberalismus”, der ja keine homogene Richtung darstellt, sondern eine Sammelbezeichnung für ein recht breites Spektrum ist, dass von Hayek bis zu den gemäßigten Ordoliberalen reicht. Mises ist aber gemeinhin als Vordenker für die Neoliberalen anerkannt und v.a. die Österreichische Schule nimmt Anleihen bei ihm.

    Das Wort Neoliberal wird allgemein auf Alexander Rüstow zurückgeführt, der eine freie Wirtschaft unter einem starken Staat forderte, während die beiden o.g. einen Nachtwächterstaat bevorzugten.

    Das ist aber sehr verkürzt. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Auch die Ordoliberalen lehnen jeden staatlichen Eingriff ab, der gegen den Markt gerichtet ist. Die Finanzmärkte mögen momentan arg am Wanken sein, Vorschläge zu einer allgemeinen Regulierung der Märkte sind eben dies - eine Regulierung gegen den Marktgedanken. Daher verwundert es nicht, dass dieser nahe liegende Vorschlag kaum zu hören ist.

    Dein Einwand, steuerneutral zu stützen ist an den Haaren herbeigezogen. Auch ein Staat agiert nicht im luftleeren Raum, und er kann es nicht dulden, daß Grundregeln der Bilanzierung außer Kraft gesetzt werden.

    Und was ist an der Idee, staatliche Sicherheiten als Garantie für Papiere, deren Handelswert nicht taxierbar ist, die aber einen Erwartungswert haben, zur Verfügung zu stellen, die bei der EZB als Sicherheit eingereicht werden können und nach Liquidation dieser Papiere gemäß dem Liquidationsergebnis umgetauscht werden, jetzt konkret an den Haaren herbei gezogen?

    Dazu gehört eben unter anderem, daß eine Insolvenz zwingend ist, wenn das Eigenkapital aufgezehrt ist.

    … oder wenn die Positionen überführt werden, wie das Beispiel JPMorgan ja zeigt. Warum soll dies nur eine Privatbank können?

    Das erklärt zum Beispiel die Vorgehensweise bei der IKB, wo sich der Staat auf dem Umweg über die KfW dazu verpflichtet, einen Teil der neu auszugebenden Aktien zu kaufen und damit das Eigenkapital der Bank zu vergrößern.

    Was natürlich falsch ist, da er mit Steuergeldern Eigenkapital aufgestockt hat, ohne dafür einen 1:1 Gegenwert zu erhalten und dadurch die Emittenten der “faulen” Papiere mit Steuergeldern ausgezahlt hat.

    Im Falle der Bear Stearns, aber auch bei der IKB wurde offensichtlich der entscheidende Grundsatz des Handelsrechts verletzt, nämlich das Niederstwertprinzip.

    Bein der IKB wohl schon, obgleich ich kein Spezialist bin und Dir nicht sagen kann, ob die Bewertung von Aktiva einer außerbilanziellen irischen Zweckgesellschaft vom HGB überhaupt geregelt wird.

    Bear Stearns hat mW nicht gegen dieses Prinzip verstoßen, da in den USA auch “Mark to Market” Bewertungen für handelbare Finanztitel erlaubt sind.


  26. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 22:34 - Permalink

    @21 Jochen Hoff

    Wir gehen doch immer noch davon aus, das hinter dem gedruckten Geld, ein realer Wert steht. Wird dieser Wert ausgehebelt, indem über Finanzmarktinstrumente die Menge des Geldes künstlich erhöht wird, sinkt gleichzeitig der Wert des Geldes.

    Ganz richtig - das wird gemeinhin auch Inflation genannt.

    Ich schätze das der realer Wert des Dollars ungefähr noch bei der Hälfte seines nominalen Wertes liegt.

    Ich sehe den Unterschied nicht. Der “reale” Wert wird dadurch bestimmt, was ein Handelpartner bereit ist, mir für einen Dollar zu geben. Es gibt also keinen Unterschied zwischen “real” und “nominal”. So etwas gibt es höchstens in “Schwarzmarktökonomien”, mit staatlich fixierten Preisen.

    Wir haben dafür kein Messinstrument, weil sich weder Gold noch Diamanten oder Computerchips noch Rinderhälften dafür eignen.

    Doch, streng genommen eignen sich alle diese Dinge als Messinstrument. Nur eben begrenzt auf einen bestimmten Zeitpunkt. Zeitlose Werte gibt es nicht, da Angebot und Nachfrage nie konstant sind.

    Meine Befürchtung ist, dass der Dollar schon so weit unterhöhlt ist, das z.B, bei einer Währungsreform in den USA vielleicht 2-3 jetzige Dollar den Wert eines neuen wiedergeben würden.

    Und was würde das ändern? Wenn sowohl Aktiva als auch Passiva betroffen wären, ändert sich nur die Zahl aber nicht der Tauschwert für das umgewandelte Kapital.

    Neben dem was die FED immer brav neu gedruckt hat und überall in der Welt herumschwirrt, gibt es das virtuelle Geld des Finanzmarktes. Beides zusammen untergräbt den Wert enorm.

    Die FED druckt kein Geld - weder physisches noch Buchgeld. Geld “druckt” jeder, der bei seiner Bank einen Kredit in Anspruch nimmt.

    Natürlich haben die Häuser einen Wert. Solange sie vermarktbar sind. Das sind sie aber im Moment nicht. Sie haben einen negativen Wert, weil sie bewacht und instand gehalten werden müssen.

    Ach was ;-)
    Natürlich haben sie einen postiven Wert - wir sprechen hier doch nicht über Bauruinen oder vergammelte Trailer. Die Frage ist vielmehr, ob anlässlich der Zurückhaltung der Banken, Kredite oder Hypotheken zu vergeben, die Nachfrage repräsentativ ist. Alle erwarten, dass die Marktpreise für Immobilien weiter sinken und daher kauft kaum jemand. Das ist natürlich ein ziemlich unbefriedigender Umstand, daher haben auch die “Demokraten” Dodd und Frank eine Neubewertung bestehnder Hypotheken und Kredite angeregt, um den Markt zu stabilisieren.

    Die Schuldner werden nie bezahlen,

    Warum? Die Zahl der Kreditausfälle beträgt selbst im Subprimebereich “nur” rund 20%. Im Primebereich liegt sie unter 4%. Das Problem ist vielmehr der Wertverfall, da der “alte” Wert als Basis für die Hypothek hinterlegt ist. Wenn Joe Doe sich ein Häusle baut und dieses abbezahlt ist und Doe das Haus weiterverkaufen will, kriegt er weniger als er bezahlt hat.

    Wahrscheinlich bleibt aber nur der Grundstückswert, weil die Häuser aufgrund ihrer Bauweise unbewohnt sehr schnell zerfallen. Der Grundstückswert ist aber lächerlich, da Menschen nur in bewohnte Gegenden ziehen. Land in unbewohnten Gegenden mit Bauerlaubnis gibt es in Hülle und Fülle.

    Ich befürchte, Du hast da all zu negative Vorstellung vom Immobilienmarkt der USA. Es geht nicht(!) nur um Ramschhäuser, sondern auch um Luxusimmobilien in der 5th Ave oder moderne Einfammilienhäuser in den Suburbs.

    Das gleiche gilt für die Kreditkartenschulden. Das Geld was dort verliehen wurde ist einfach nicht mehr hereinzuholen. Es ist weg. Die Leute verschwinden, tauchen unter aber niemand wird jemals für diese Schulden einstehen.

    Sicher gibt es solche Fälle, aber sie stellen nur Ausnahmen dar. Du klingst ja so, als bestünden die USA ausschließlich aus Kreditbetrügern.

    Das du übrigens glaubst ich übernehme irgendwelchen Quatsch von Goldseiten.de und Co. stört mich dann doch. Ich habe mir erlaubt Reuters zu zitieren:

    Ooops, sorry.

    AMSTERDAM (Reuters) - The U.S. dollar’s value is dropping so fast against the euro that small currency outlets in Amsterdam are turning away tourists seeking to sell their dollars for local money while on vacation in the Netherlands.

    Nun ja - das ist aber schon etwas anderes, als Deine Aussage “weil sie dem Zeug nicht trauen”. Sie besitzen schlichtweg nicht die Möglichkeit zu aktuellen Kursen umzufakturieren. Das ist aber eher ein Aussattungsmakel als ein “Vertauensverlust”.

    In diesem Zusammenhang noch eines. In Wien mussten die ersten Gäste aus den USA abreisen, weil keine ihre Kreditkarten mehr Deckung aufwies. Es handelte sich um sehr sehr guten Mittelstand und das persönliche Vertrauen des Hoteliers war vorhanden.

    Och, das passiert aber regelmäßig. Wenn man eine Kreditkarte mit geringer Deckungssumme hat, sollte man im Urlaub nicht so viel ausgeben. Das heißt letztendlich doch nur, dass Europa für Amis, die den Eurokurs vergessen oder verdrängt haben, ein teures Pflaster werden kann.


  27. · Elvloots am 18. März 2008 um 22:45 - Permalink

    Moin Spiegelfechter,

    wir sehen immer nur das, was gerade passiert oder was passiert ist. Aber wir schauen nicht hinter die Fassade. Mich beschleicht schon seit längerem, das diese Krise kein Zufall ist, sonder gesteuert wird. Angekündigt war sie schon lange. Wir sehen immer nur die Verlierer, aber wer sind die Gewinner?

    Du schriebst:
    “Das ist Bear Stearns zum Verhängnis geworden – hätte das Haus die Möglichkeit gehabt, die Krise auszusitzen und hätte es die 30 Mrd. US$ Sonderkreditlinie der FED gehabt, die JPMorgan bekam, so wäre Bear Stearns mit blauen Flecken aus der Krise herausgekommen. JPMorgan wird gute Freunde in der FED von New York haben.”

    Es gibt ja einen Haufen Quellen, aus denen hervorgeht, das die FED privat wäre. Wenn ja, wer sind die Besitzer? Unter anderem JP Morgan?

    Auch das Verhalten der FED stützt ja nicht gerade den Dollar, hat er ausgedient und ist zum “Abschuß” freigegeben?

    Bush & Co finden alles in Ordnung und die Krise scheint ihnen völlig gleichgültig zu sein.

    Mich macht das stutzig!


  28. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 22:57 - Permalink

    @27 Elvloots

    Es gibt ja einen Haufen Quellen, aus denen hervorgeht, das die FED privat wäre. Wenn ja, wer sind die Besitzer? Unter anderem JP Morgan?

    Die FED ist nicht wirklich privat. Ihre Mitgliedsbanken sind alle größeren Geschäftsbanken der USA. Die Anteile an der FED sind aber nicht handelbar und die Dividende, die diese Banken für ihre Zwangseinlagen bekommen, ist nicht eben berauschend. Die Leitung FED ist durch die Politik legitimiert … von daher ist es eigentlich egal, ob die Einlagen in der FED staatlich oder privat sind. Die Idee, die hinter diesem Modell steht, ist eher, dass der Staat kein Schindluder mit den Geldern treiben soll :-)

    Sicher ist JPMorgan Chase auch eine der Mitgliedsbanken, aber das hat eigentlich nichts zu sagen. Zwischen der FED New York, dem Finanzministerium und JPMorgan habe ich auf die Schnelle keine personellen Überschneidungen gesehen - was eigentlich eher überrascht.

    Auch das Verhalten der FED stützt ja nicht gerade den Dollar, hat er ausgedient und ist zum “Abschuß” freigegeben?

    Die FED und die USA kümmern sich traditionell nicht um den Wert des Dollars, da sie immer noch denken, der Dollarkurs sei das Problem der anderen Länder, was im Ansatz auch stimmt, aber v.a. für den kleinen Mann in den USA immense Nachteile hat, da er letztendlich die Rechnung bezahlen muß (z.B. für teures Öl).


  29. · name am 18. März 2008 um 22:58 - Permalink

    Bad Bank Prinzip Reloaded

    Schon vor fünf Jahren hatte Ackermann im Spitzengeheimgespräch eine Sozialisierung privater Verluste gefordert ,damals noch ganz geheim Arm in Arm mit Schröder. Wenn er heute selbiges so offentlich fordert, schein wirklich selbst sein eigenes Flagschiff Deutsche Bank zu wackeln.

    Wer sich einbildet, mit ein paar mehr Regeln, könnte man den globalen Kapitalismus schon regeln, dessen eigene Regeln, dessen eigenes Produkt die liberalisierten Regeln des Kapitalmarktes selbst sind, hat überhaupt nichts begriffen.

    Was wir ernsthaft erleben, ist die Barbarei des Kapitals, deren tägliche Realität Marx ganz automatisch belebt.

    “Befreien wir sie von Ihren Hirngespinsten” ..genau das ist der Punkt, der weltweit wieder einen Sozialismus möglich machen wird.

    Im übrigen : tolle Bilder: was ist im übrigen aus dem Informationsminister Sadams tatsächlich geworden ? ;)


  30. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 23:02 - Permalink

    @name

    tolle Bilder: was ist im übrigen aus dem Informationsminister Sadams tatsächlich geworden ? ;)

    Ich glaube, er leitet die Call-Center Ausbildung bei der Telekom ;-)


  31. · Karl am 18. März 2008 um 23:14 - Permalink

    Ohne jetzt die Feinheiten der diversen liberalen Richtungen bis ins Detail auszudiskutieren, könnten wir uns vielleicht darauf einigen, daß die aktuelle Politik alles mögliche ist, nur nicht liberal. Tatsächlich mischt sich die Politik an allen Enden in den Markt ein, und zwar überwiegend planlos und lobbygesteuert.

    Staatliche Eingriffe, die von einigen liberalen Strömungen für erforderlich gehalten werden, wie z.B. die Beschränkung von Monopolen, unterbleiben weitestgehend, während staatliche Eingriffe, die allen liberalen Grundsätzen zuwiderlaufen, wie z.B. Subventionen für Nokia in Rumänien oder AEG in Polen ständig stattfinden, auch hier bei uns.

    Eine solche Politik neoliberal zu nennen, ist ganz einfach doof. Diese Politik ist das Gegenteil jeglicher liberaler Idee, denn sie fördert monopolistische und gruppenegoistische Machtinteressen durch willkürliche staatliche Eingriffe.

    Eine staatliche Sicherheit stellt die Bilanz nicht gerade und hat zudem den Nachteil, daß das unternehmerische Risiko vollständig auf den Staat übergeht. Du hast also damit aus einer sofortigen Subvention eine Subvention in der Zukunft gemacht.

    Natürlich könnte auch der Staat, so wie es JPMorgan anscheinend macht, die (aktuell) wertlosen Papiere mit echtem Geld bezahlen. Aber auch in diesem Fall würde der Staat das unternehmerische Risiko tragen.

    In Bezug auf die Bewertung bei Bear Stearns hast Du recht. In den USA gilt nämlich nicht das Niederstwertprinzip sondern “true and fair view”.

    IKB und irische Zweckgesellschaften hast Du falsch vermengt. Die Irland-Deals hat die SachsenLB gedreht. Die Wirtschaftsprüfer hatten schon recht zeitig bemängelt, daß die angegebenen Werte nicht transparent seien, also Fehler im Reporting vorlagen. Und hier bin ich der Ansicht, daß durchaus hinreichende Gründe für eine persönliche Haftung der Vorsände vorliegen, den KPMG stellte im Prüfungsbericht fest daß “die revisionsmäßige Nachvollziehbarkeit und risikomäßige Transparenz” der Geschäfte nicht im “erforderlichen Umfang” gegeben seien.

    Du findest Dokumentation zu dem Thema über den Suchbegriff “Andreas Schmalfuß”, der etliche Anfragen zu diesem Thema im Landtag stellte.

    Wenn ich mir anschaue, wofür der Geschäftsführer einer kleinen GmbH all haftet, dann werde ich furchtbar zornig, wenn ich sehe, womit die Vorstände dieser Bank davonkamen. Offensichtlich sind Vorstände für nichts haftbar, und Aufsichtsräte schon mal gar nicht. Bei Aufsichtsrat fällt mir wieder ein, daß Oskar Lafontaine im Verwaltungsrat der KfW sitzt.


  32. · Dr. Dean am 18. März 2008 um 23:22 - Permalink

    Der ehemalige Informationsminister - nach meinen Informationen - hat eine neue Identität angenomen und macht gerade ein Praktikum in einer namhaften Landesbank (Spezialität: 10% Gebühren bei Im-/Exportgeschäften mit dem Irak).

    @ Karl
    Das, was Du und Deine wirtschaftslibertären Freunde “klassisch liberal” genannt haben wollen, das ist vorsintflutlicher Paläoliberalismus, etwa auf der Höhe des 18ten Jahrhunderts. Der reale politische Liberalismus in Deutschland hingegen - anders als Du es sagst - ist wiederum eine klientelistische Lobbyveranstaltung, die sich die u.a. die Umverteilung von unten nach oben zum Ziel gesetzt hat.

    (Okay - es läuft in etwa auf das Gleiche raus…)


  33. · Spiegelfechter am 18. März 2008 um 23:29 - Permalink

    @Karl

    Ohne jetzt die Feinheiten der diversen liberalen Richtungen bis ins Detail auszudiskutieren, könnten wir uns vielleicht darauf einigen, daß die aktuelle Politik alles mögliche ist, nur nicht liberal. Tatsächlich mischt sich die Politik an allen Enden in den Markt ein, und zwar überwiegend planlos und lobbygesteuert.

    Sie ist planlos, lobbygesteuert, markorientiert und angebotsorientiert – die letzten beiden Punkte charakterisieren (u.a.) eine neoliberale Politik. Nun tue mal nicht so, als sei die Politik ausschliesslich hörig von den Lobbyisten der Großkonzerne. Kannegießer, Sinn, Börner und INSM berufen sich ja auch explizit auf den Neoliberalismus.

    Eine solche Politik neoliberal zu nennen, ist ganz einfach doof.

    Ich bin gerne doof ;-)

    Eine staatliche Sicherheit stellt die Bilanz nicht gerade und hat zudem den Nachteil, daß das unternehmerische Risiko vollständig auf den Staat übergeht. Du hast also damit aus einer sofortigen Subvention eine Subvention in der Zukunft gemacht.

    OK, ich gebe es auf – Du hast mich zum dritten Mal wissentlich missverstanden. Da hat die weitere Diskussion wohl keinen Sinn mehr.

    IKB und irische Zweckgesellschaften hast Du falsch vermengt. Die Irland-Deals hat die SachsenLB gedreht.

    Yep, Du hast recht.

    Die Wirtschaftsprüfer hatten schon recht zeitig bemängelt, daß die angegebenen Werte nicht transparent seien, also Fehler im Reporting vorlagen. Und hier bin ich der Ansicht, daß durchaus hinreichende Gründe für eine persönliche Haftung der Vorsände vorliegen, den KPMG stellte im Prüfungsbericht fest daß “die revisionsmäßige Nachvollziehbarkeit und risikomäßige Transparenz” der Geschäfte nicht im “erforderlichen Umfang” gegeben seien.

    Na hoffen wir, dass sich ein Kläger findet. Eigentlich ist die zuständige (?) Staatsanwaltschaft Düsseldorf ja dafür bekannt, nicht eben zu kuschen, wenn es um die Großen geht.

    Bei Aufsichtsrat fällt mir wieder ein, daß Oskar Lafontaine im Verwaltungsrat der KfW sitzt.

    Die KfW hat ja auch direkt nichts verbrochen und einem Verwaltungsrat ist es wohl kaum zuzumuten, sich um die Bilanzen sämtlicher Unternehmen zu kümmern, in die die KfW investiert ist.


  34. · firefly am 18. März 2008 um 23:51 - Permalink

    @ Dr.Dean

    Der “innere Wert” des Dollars ist recht gut und beträgt nach meinem Dafürhalten z.Zt. etwa 80 bis 90 Eurocent - ausgedrückt in der gängigen Notierung läge also der wertmäßig “korrekte” Dollarkurs bei 1,10 bis 1,20. Wie komme ich dazu? Nun, ich weiß in etwa, zu welchen Kosten in den USA Güter hergestellt werden (in bestimmten Industriebranchen nur - aber immerhin). Würde sich die US-Wirtschat stärker auf den Export konzentrieren*, wäre sie bei einem Kurs von 1,20 Dollar zur deutschen Wirtschaft konkurrenzfähig. Anders gesagt, bei einem Dollarkurs von ca. 1,2o kostet mich die Produktion von Waren in den USA im imaginären Schnitt etwa genauso viel wie in Europa.

    Du vergisst dabei, was das Leistungsbilanz-Defizit Amerikas bedeutet. Amerika ist auf einen permanenten Kapital-Zufluss angewiesen. Wenn dieser, wie derzeit, abebbt, schwächelt der Dollar und treibt die die Rohstoffpreise für Amerikaner in die Höhe. Die Rohstoff-Preise werden sich dann negativ auf die Produktionskosten niederschlagen.

    Davon mal abgesehen, werden Arbeitnehmer auf Lohnzuwächse drängen, um ihre eigenen steigenden Ausgaben zu kompensieren. Ob sie die durchsetzen können, ist eine andere Frage. Dazu kommen wachsende soziale Spannungen, die ebenfalls Kosten verursachen.

    Deinen Überlegungen liegt zu Grunde, dass ostasiatische Volkswirtschaften den Amerikaner auch weiterhin endlos Kredit gewären und ihnen Waren liefern. Sie stützen den Dollar. Ich weiss aber nicht wie lange sie es durchhalten, ihre ohnehin unterbewertete Währung an einen US-Dollar zu koppeln, der zum Sinkflug angesetzt hat.

    Ich juble jedenfalls, wenn EURUSD über 1,55 liegt. Dann ist nämlich unser pro-Kopf-BIP höher als in Amerika. Nun zeigt sich, wie substantiell das viel gepriesene Wachstum Amerikas der letzten 15 Jahre wirklich war.
    Wenn EURGBP 0,79 übersteigt, juble ich auch noch mal. Ich hab die Schnauze voll, mir anhören zu müssen, wie toll es überall und wie scheisse alles bei uns ist.


  35. · COPOKA am 19. März 2008 um 00:44 - Permalink

    @ Dr. Dean, #24

    Der “innere Wert” des Dollars ist recht gut und beträgt nach meinem Dafürhalten z.Zt. etwa 80 bis 90 Eurocent - ausgedrückt in der gängigen Notierung läge also der wertmäßig “korrekte” Dollarkurs bei 1,10 bis 1,20. Wie komme ich dazu? Nun, ich weiß in etwa, zu welchen Kosten in den USA Güter hergestellt werden …

    Und was sind genau deiner Meinung nach die Herstellungskosten?
    Gehst du in etwa davon aus, dass die Herstellung eines Produktes hüben wie drüben gleich hoch/niedrig seien sollten?
    Was sollte dann deiner Logik nach der “innere Wert” des CNYs sein?


  36. · COPOKA am 19. März 2008 um 00:45 - Permalink

    @SF, #26

    Wenn Joe Doe sich ein Häusle baut und dieses abbezahlt ist und Doe das Haus weiterverkaufen will, kriegt er weniger als er bezahlt hat.

    Das ist m.E. auch ohne Subprime- oder Finanzkrise genauso, egal wo. Es sei denn, der Häuslebauer spannt nicht nur sein Kapital oder einen Kredit, sondern auch sich selbst tatkräftig mit ein. Nur dann wird’s möglicherweise “billiger”, weil die eigenen Kraft, Geschick und Engagement “umsonst” zu haben sind. “Umsonst” in dem Sinne, dass man dabei nicht die ganze Pyramide Mitfresser bezahlen muss.
    Ich spreche jetzt aus eigener Erfahrung - kenne ‘ne Menge Leute, die entweder gebaut oder ein fertiges Haus gekauft haben. Bei gleichwertigem Ergebnis ist das “Bauen” - rein monetär betrachtet - erheblich teuerer. Bei Verkauf des neu erbauten Hauses, was gar nicht so selten vorkommt, wird nie die Investitionssumme erzielt. Hab’s zumindest noch nie erlebt.


  37. · Karl am 19. März 2008 um 00:54 - Permalink

    Sie ist planlos, lobbygesteuert, markorientiert und angebotsorientiert – die letzten beiden Punkte charakterisieren (u.a.) eine neoliberale Politik. Nun tue mal nicht so, als sei die Politik ausschliesslich hörig von den Lobbyisten der Großkonzerne. Kannegießer, Sinn, Börner und INSM berufen sich ja auch explizit auf den Neoliberalismus.

    Wenn wir schon scherzen: Du meinst also die Abgeordneten haben einen marktorientierten Preis und verhalten sich angebotsorientiert?

    Ich sagte ja: Der Neoliberalismus ist eine gute Sache. Nur: Was real passiert hat mit Neoliberalismus nichts zu tun. Hans-Werner Sinn liegt sicherlich in vielen seiner Ansichten richtig, wenn ich auch grundsätzlich jedem mißtraue, der Allheilmittel propagiert und zu heftig eingreifen will.

    Wenn wir in eine Grundsatzdiskussion gehen wollen, bitte. Für mich steht fest, daß unsere Besteuerung nach Schröders Reformen einigermaßen gerecht ist und in dem Rahmen, den der weltweite Wettbewerb vorschreibt eher zu hoch, als zu niedrig liegt. Großer Handlungsbedarf besteht dagegen im Bereich unserer Asozialversicherungen. Es kann nicht sein, daß jeder (sozialversicherungsplichtige) Geringverdiener gezwungenermaßen einen höheren Solidarbeitrag entrichtet, als so mancher, der ein erheblich größeres Einkommen genießt.

    Das kannst Du leicht nachprüfen indem Du Dir z.B. den Gehaltsrecher der Süddeutschen Zeitung aufmachst Gehälter berechnest. Ich habe das mal in eine Exceltabelle gestellt und durchgerechnet:

    Brutto 1000,00 2000,00 4000,00 8000,00 16000,00
    Arbeitgeber 1199,00 2398,00 4762,80 8913,60 16913,60
    Netto 778,06 1294,21 2190,60 4167,05 8353,45
    Abzüge 420,94 1103,79 2572,20 4746,55 8560,15
    Abzg % v. Arbeitgeber 35,11 46,03 54,01 53,25 50,61

    Die erste Zeile enthält den Bruttolohn, dann kommt der Aufwand des Arbeitgebers, also Brutto + Sozialabgaben, anschließend der Nettolohn und die Abzüge als Prozentsatz vom Aufwand des Arbeitgebers. Ich gehe bewußt auf den Aufwand, weil der Arbeitnehmer eben auch diesen Aufwand des Arbeitgebers erwirtschaften muß, weshalb ich diese Zahl für realistischer halte.

    Du siehst an dieser Tabelle sehr schön, daß die sogenannte Sozialversicherung die Steuerprogression aushebelt. Wenn Du weiter betrachtest, daß besser Verdienende zumindest teilweise aus der Sozialversicherung austeigen können, daß z.B. Arzte und Juristen ihre eigenen Versicherungen unterhalten und damit ein gut Teil der sog. schlechten Risiken außen vorbleibt, verschiebt sich die Skala weiter gegen den gering verdienenden Arbeitnehmer. Auch der Staat hält sich an der Stelle vornehm zurück. Beamte zahlen keine Beiträge.

    Nun wollte unser Merkel die Mehrwertsteuer erhöhen, um mit dem Erlös die Lohnnebenkosten zu senken. Und wo isses nur hingeraten? Aber Beck und Ypsilanti wortbrüchig schimpfen, weil die es wagen, sich nach dem Wahlergebnis zu richten.

    Ich schweife ab. Eigentlich wollte ich belegen, daß unser Staat in keiner Weise irgendeiner wie auch immer gearteten Ideologie folgt. Unsere Politiker wursteln vor sich hin, und zwar völlig hirn- ideologie- und planlos. Nix neoliberal. Blöd!

    Wissentlich missverstanden? Sicherlich nicht. Ich verstehe wirklich nicht, wie der Staat ein Unternehmen vor der Pleite retten soll, ohne ihm in irgendeiner Form Geld zu geben.

    Welche Staatsanwaltschaft ermittelt, ist eigentlich egal. Diese Täter werden praktisch nie ans Kreuz genagelt, und das ist sehr schade.

    Einen 08/15 Verwaltungsrat würde ich es auch nicht übelnehmen, daß eine Tochter der KfW pleite ist. Aber Oskar muß schon mal seiner Selbstdarstellung folgen. Im Verwaltungsrat hätte er die Möglichkeit, das Geld seines Klientels zu beaufsichtigen. Er hätte die Möglichkeit, den großen Spitzbuben auf die Finger zu schauen und in die Waden zu beißen. Aber er ist eben auch nur ein kleiner Populist, der sich seine Pfründe sichert.


  38. · COPOKA am 19. März 2008 um 02:06 - Permalink

    @ Karl, #37

    Ich sagte ja: Der Neoliberalismus ist eine gute Sache. Nur: Was real passiert hat mit Neoliberalismus nichts zu tun.

    So ähnlich ist es auch dem Sozialismus ergangen.
    SCNR.

    Was deine Exceltabelle anbetrifft, in der du offensichtlich Monatsgehälter betrachtest. Streng gesehen, solltest du hier schon versch. Steuerklassen, verheiratet/ledig & Kinderanzahl einbeziehen.
    Bei mir z.B. - verheiratet, 3/2 - sieht es etwas “besser” aber nicht weniger frustrierend aus. Besonders lustig waren die Gehaltserhöhungen (ist allerdings schon lange her) - von jeden 100€ Zusatzaufwand tauchte etwa nur 1/3 im Netto auf.

    Nun wollte unser Merkel die Mehrwertsteuer erhöhen, um mit dem Erlös die Lohnnebenkosten zu senken.

    Wenn sie wirklich damit was konkretes wollte, dann nur eine Steuererleichterung für Besserverdiener, mithin auch für die Politikerkaste. Die Normalverdiener bekamen es voll aufgebrummt. Im Westen nichts Neues.


  39. · tar am 19. März 2008 um 07:01 - Permalink

    was ist denn der ‘innere wert’ des mondes? herrje, ihr verwechselt hier wieder wert mit kaufkraft ;)


  40. · Jochen Hoff am 19. März 2008 um 07:16 - Permalink

    @ karl 37

    Klar wir dürfen Neoliberale die sich selbst als Neoliberale bezeichnen nicht so nennen weil sie deinem Ideal von Neolibarlismus nicht entsprechen. Das kannst du dir allerdings abschminken. Der neoliberale Dreck ist uns wohlbekannt, sprachliche Spitzfindigkeiten, helfen da nicht. Mir ist schon klar das die Masche der Neoliberalen darin besteht Sprache zu ihren Gunsten zu verändern. Und Liberal mein lieber Karl steht in diesem Zusammenhang für die FDP. Damit sind beide Begriffe in dem von dir gewünschten Sinn nicht mehr zu gebrauchen und dienen nur dazu eine Diskussion aufzuhalten. Beschwer dich bei denen, die, die Begriffe okkupiert haben.

    Deine Milchmädchenrechnung mit den Sozialabgaben kannst du dir ebenfalls schenken. Richtig ist, das die Kosten für die Sozialabgaben falsch verteilt werden. Sie müssten das gesamte EBITDA in Deutschland belasten, weil sich dieses EBITDA nämlich nur so erwirtschaften lässt. Bevor du mir damit kommst, auch Arbeitnehmer haben ein EBITDA. Solange sich aber ein großer Teil der Einnahmen gar nicht an der Finanzierung unseres Systems beteiligt sondern es nur parasitär ausnutzt, brauchst du dieses Thema nicht zu bringen.

    Dein Prof. Sinn ist übrigens zweifelsfrei völlig sinnlos. Er hat nicht nur für alles und jedes Allheilmittel, sie ändern sich auch noch dreimal die Woche.

    Deine Art von Neoliberalismus ist genau das, was die Menschen an diesem neoliberalen Pack hassen. Immer sind die anderen verantwortlich nie man selbst. Das heißt das stimmt nicht ganz. Für das Einstreichen der Gewinne sind diese Leute immer zuständig.


  41. · Jochen Hoff am 19. März 2008 um 07:34 - Permalink

    @ Dr. Dean 24

    Das ist eine Diskussionsgrundlage. Wir versuchen gerade auf der anderen Seite des Atlantiks ein paar belastbare Zahlen zu bekommen. Allerdings ist das echt schwierig. Selbst bei klassischen Vergleiche, wie cbm Mauerwerk, Zement, Milch und Brot kommen wir kaum auf vergleichbare Werte. Das liegt zum einen daran, das wir keine vorschriftsbereinigten Werte für Deutschland haben und die europäischen Werte zu weit auseinanderklaffen zum anderen daran, selbst hochqualifizierte Arbeitsplätze dort anderen Bedingungen unterliegen.

    Martin Winterkorn hat für die Umsiedlung /Verschiebung/Neuverteilung des VW-Werkes aus Mexiko nach den USA versucht solche Daten ermitteln zu lassen. Viel brauchbares scheint dabei nicht herausgekommen zu sein. Zumindest werden derartige Argumente nicht mehr benutzt.

    Tatsächlich kauft der Dollar ja viele Dinge zu Preisen, die eher politisch oder durch die militärische Macht der USA begründet sind und vertreibt viele Güter aus genau diesen Gründen zu nicht ganz realistischen Preisen.

    Ich bin beim Spiegelfechter ja jämmerlich gescheitert, der mir sagt das all das was dort passiert eben Inflation sei. Ich glaube das es uns mit dem Dollar eher so geht wie mit dem Fiktivschwein der DDR duckhome.d...

    Der Brigadier der LPG “Rote Rübe” in Heilenroda stellt fest, daß die volkseigenen Säue in seinem Stall durchschnittlich sechs Ferkel werfen. “Das klingt nicht gerade viel”, meinte er zu sich, “… so was kann ich doch der SED-Kreisleitung nicht weiter melden!” Und so entschied er sich zu einer kleinen Übertreibung und schreibt in seinen Bericht: “Die gesunde Sau in Heilenroda wirft sieben Ferkel.”

    Der Kreisparteileiter liest den Bericht und denkt bei sich: “Sieben Ferkel, nun ja, so komme ich ja nie auf meine Kennziffern. Für die Bezirksleitung schreibe ich da mal besser acht.”

    Der Bezirksparteileiter fragt sich: “Acht Ferkel? Ist das viel? Keine Ahnung, aber Papier ist schließlich geduldig.” Sein Bericht an die Staatliche Plankommission spricht daher von neun Ferkeln.

    Nach dem Lesen dieses Berichtes meint der zuständige Genosse in der staatlichen Plankommission: “Neun Ferkel? Die Genossen in Heilenroda sind gar nicht schlecht! Aber schließlich haben wir in der Schweinefleischbilanzkennzahl noch eine kleine Lücke.” Und deshalb liest der Bereichsleiter für landwirtschaftliche Produktion im ZK der SED von zehn Jungvieheinheiten.

    “Zehn Ferkel ist ja nun wohl ziemlich mies!” spricht das Zentralkomitee, “So können wir dem Politbüro nicht kommen!” Und so meldet schließlich das Politbüro, daß von elf Ferkeln wußte, stolz: “Genosse Honecker, die gesunde Sau in der LPG Rote Rübe in Heilenroda wirft zwölf Ferkel!”

    “Das ist ja wunderbar!” ruft Honecker, “Dann können wir ja sechs in den Export geben!”

    Was ist wenn wir genau diese Situation haben?


  42. · Jochen Hoff am 19. März 2008 um 07:56 - Permalink

    @ Spiegelfechter 26

    Werthaltigkeit von Immobilien.

    Wenn das Luxusappartment, 30 Millionen Dollar gekostet hat und jetzt nur noch für 15 Millionen zu verkaufen ist, dann hat es einen Verlust von 50 Prozent erlitten. Wenn es selbst dafür zur Zeit keinen Käufer findet, wird es aus dem Haus ausgeblendet (Fahrstühle fahren vorbei, etc.) und die Unterhaltungskosten sind relativ niedrig, weil sich um umbauten Raum handelt. Betrifft es immer Etagen und lohnt sich der Mann am Empfang nicht mehr, oder sitzt dort nur noch jemand seine Zeit ab, dann verfällt auch dieses Haus.

    Suburbia kann den Leerstand eines Hauses in einer Straße ertragen, steigt der Leerstand sinkt der Preis für die ganze Gegend. Kommt dann auch nur noch der Anschein von Zerfall dazu, wird die ganze Gegend sehr schnell wertlos. Ein Haus, das von seinem Besitzer aufgegeben werden muss, weil die Bank ihn rausgeworfen hat, muss weiter gepflegt werden als würde dort jemand wohnen. Rasenmähen, Gartenarbeit, Instandhaltung Bewachung und und und. Diese Kosten sind so hoch, das entsprechende Firmen zur Zeit in den USA boomen. Aber das ist nicht lange durchzuhalten. Häuser sind aufgrund der amerikanischen Bauweise billig, Bauland ist es auch. Anders als bei uns ist der Zeitpunkt schnell erreicht, wo man ganze Gebiete aufgibt, weil es sich nicht lohnt.

    Man kann und ich habe in solchen Häusern schon hervorragend gewohnt. Aber sie erfordern den typischen Amerikaner der Abends und am Weekend seine Hütte pflegt, streicht und repariert, in einem Maße das mich bei einem deutschen Haus dazu bringen würde den Hersteller bis in die Steinzeit zu verklagen.

    Die Reutersmeldung lässt sich sicherlich mehrdeutig interpretieren, aber selbst die kleinsten Wechselstuben verfügen über ein Handy und sind jederzeit in der Lage aktuelle Kurse zu erfahren. Deren Problem liegt viel eher darin, das sie den Dollar nicht in der Tasche haben wollen, bis sie selber am Abend wechseln, weil sie dann evtl. schon Verlust gemacht haben könnten.

    Der Wiener Fall betraf zwei Ehepaare aus Boston, die normalerweise immer vor Ostern in Wien und danach in den Bergen sind. Der eine war mal mein Professor, hat ungefähr 120 Bücher veröffentlicht von denen die meisten noch aktuell bei Amazon als Neuware zu haben sind. Die haben Geld. Sogar viel Geld. Die überziehen auch mal nicht eben ihre Kreditkarten. Deren Hausbank in den USA wackelt und deshalb haben die Kreditkartenorganisationen die Notbremse gezogen. Nicht für nur für die, sondern für ein paar hundertausend Kunden. Die Bank hängt an der methodistischen Kirche und die Methodisten verlieren zwar in den gesamten USA Mitglieder, sind aber ansonsten eher reich als arm, was auch für ihre Banken gilt.

    Lange Rede kurzer Sinn. Ich glaube das es nicht ganz so einfach ist mit dieser Krise. Ich halte es für eine Dollarkrise, die ihre Auswirkungen nur zuerst auf dem Subprime-Markt gezeigt hat, aber letztendlich alle Bereiche erfassen wird.


  43. · Schwitzig am 19. März 2008 um 09:30 - Permalink

    Regulationsmechanismen - ich glaube nicht, dass sie egal ob auf staatlicher oder auf privater Seite unter staatlicher Aufsicht, nicht durch Korruption binnen kürzester Zeit umgangen werden. Gerade in Deutschland findet das Hauptmass der Korruption in den höheren Ebenen statt.

    Wäre es nicht viel sinnvoller, diesen ganzen Werteverschleierungs- und Zinsquatsch zumindest national einfach abzuschaffen?

    Ich halte Geldhandel - also den Handel mit einem Symbolwert - für komplett überflüssig und schädlich. Kein Mensch braucht Banken, Wertpapier oder ähnlichen durch Buzzwords getarnten Mumpitz.
    Die ganzen Monopoly-Boys können sich ja meinetwegen in anderen Ländern wichtig fühlen - ich kann diese komplett unproduktiven Menschen nicht ernstnehmen. Spielen mit Papierstückchen, ts, ts, ts.


  44. · name am 19. März 2008 um 09:48 - Permalink

    Der sinnfreie Prof. Sinn müsste ja, wenn er seinen Unsinn ernst nehmen würde, sofort seine beamtete Professorenstellung hinwerfen, sein 10.000 Euro aus Staatskasse verdammen und sich dem Markt hingeben, wenn er nicht so verlogen wäre.


  45. · Spiegelfechter am 19. März 2008 um 10:03 - Permalink

    @37 Karl

    Ich sagte ja: Der Neoliberalismus ist eine gute Sache.

    Das vernahm ich wohl, nur sehe ich es diametral anders. Letztendlich ist die Bewertung eine Frage der Ethik und des Selbstverständnis, das man von einer funktionierenden Gesellschaft hat.

    Ein Wolf reißt vornehmlich alte, kranke und junge Schafe. Das ist die natürliche Auslese und im Rahmen der Evolution sinnvoll. Zumindest ist dies die Sichtweise des Technokraten. Der Schäfer wird dies etwas sehen. Ich sehe die Politik als Schäfer und nicht als beschreibenden Technokraten.

    Der Neoliberalismus setzt ökonomische Prozesse in die Funktion gesellschaftlicher Regelmechanismen, die weit über die Wirtschaft hinausgehen. Wirtschaft wird das entscheidende Parameter staatlichen Handelns. Survial of the fittest – evolutionäre Prozesse werden so auf die Wirtschaft und die Gesellschaft übertragen.

    Nehmen wir die Subventionspolitik als Beispiel. Diese wird von Neoliberalen abgelehnt, da sie die „natürlichen“ Regelmechanismen des Marktes aushebelt und so der „freien Entfaltung der Marktkräfte“ entgegensteht. Das ist selbstverständlich richtig, aber was sind die Konsequenzen einer solchen Erkenntnis? In Deutschland würden ganze Landstriche entvölkert und würden verarmen, während reiche hoch produktive Kernzentren zu Magneten werden würden. Ist dies kulturell und soziologisch wünschenswert? Wohl kaum – ein Land ist mehr als eine Volkswirtschaft, Menschen sind mehr als Humankapital und es gibt unzählige gesellschaftliche Ziele, die wichtiger sind, als die Wirtschaft. Die Wirtschaft ist Mittel zum Zweck, eine wohlhabende und lebenswerte Gesellschaft aufzubauen (zu erhalten). Sie ist nicht der Selbstzweck, dem sich die Gesellschaft unterzuordnen hat. Allein aus diesem Grund versagen schon die markttheoretischen Betrachtungen der Neoliberalen, da sie die Wirtschaft und das Wirtschaften als Selbstzweck verstehen.

    Nein, der Neoliberalismus ist keine gute Sache.

    Wenn wir in eine Grundsatzdiskussion gehen wollen, bitte. Für mich steht fest, daß unsere Besteuerung nach Schröders Reformen einigermaßen gerecht ist und in dem Rahmen, den der weltweite Wettbewerb vorschreibt eher zu hoch

    Es ist natürlich nie wünschenswert, wenn dem Bürger Geld aus der Tasche gezogen wird. Die entscheidende Frage ist daher, wofür dieses Geld eingesetzt wird. Geld, das dem sozialen Ausgleich dient, ist keinesfalls falsch investiert, da dieses Geld nicht verbra