Instant Karma gegen das Reich der Mitte
19. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Was haben Tibet und der Große Panda gemeinsam? Beide genießen eine immense Publicity in den westlichen Medien und mit beiden hat China so seine Probleme. Hierzulande wird sicher kaum jemand je von den Uiguren in Ost-Turkestan (chinesisch: Xinjiang) gehört haben, deren Schicksal und deren Geschichte sehr gut mit denen der Tibeter vergleichbar sind. Der uigurische Volksheld im Exil heißt Erkin Alptekin und ist trotz seines deutschen Wohnsitzes in Deutschland komplett unbekannt. Sein Pech – er ist Muslim und Muslime stehen derzeit nicht hoch im Kurs. Das kann man von seinem tibetischen Pendant wirklich nicht sagen. Der Dalai Lama kennt jede Medienberühmtheit persönlich und sein „Instant Karma“ mit der „Erkenntnis to go“ sind nicht nur im Westen wegen ihrer Belanglosigkeit sehr beliebt. Wiglaf Droste nannte den Dalai Lama einst den „Papst für Leute, die zu feige sind, wenigstens an was Richtiges zu glauben, wenn sie schon glauben, glauben zu müssen“ – besser kann man es wohl kaum ausdrücken.
Aber für den Dalai Lama können die Tibeter freilich nichts, sie haben ihn noch nicht einmal gewählt, sondern er wurde ihnen von einem undurchsichtigen Komitee vor die Nase gesetzt und wenige Jahre später von den Chinesen vertrieben. Tibet war nie ein souveräner Staat und wurde nie von irgendeinem Land diplomatisch anerkannt. Tibet war bis zur chinesischen Besetzung eine feudale Theokratie unter chinesischer Hoheit – eigentlich ist so etwas ja in den Medien nicht sonderlich populär, bei Tibet macht man da aber gerne eine Ausnahme. In völkerrechtlicher Sichtweise war Tibet – mit Unterbrechungen – seit Urzeiten chinesisches Protektorat bzw. integraler Bestandteil Chinas, wie es auch der offizielle Standpunkt der deutschen Außenpolitik ist.
China ist anders als beispielsweise Indien kein Vielvölkerstaat, sondern die Han-Chinesen, die 92% der Bevölkerung stellen, sind kultureller, ökonomischer und politischer Hegemon. Bereits unter den Kaisern wurde mittels Sinisierung versucht, aus dem riesigen Gebilde China eine homogene Nation zu machen. Die äußeren Staatsgrenzen und die Assimilation der Minderheiten durch die Kulturrevolution trugen ihren Teil zum chinesischen Selbstverständnis bei, ein einheitlicher Staat zu sein. Wenn man die spärlich besiedelten Gebiete im Westen des Landes, in denen die ethnischen Minderheiten leben, zusammen nehmen würde, so wäre dieses Gebiet größer, als das entwickelte „ethnische China“ im Osten.
Auf die westlichen Gebiete würde China aber aus strategischen, machtpolitischen und vor allem wirtschaftspolitischen Gründen nie verzichten. Eine kulturelle Autonomie ist das Höchste, was die Minderheiten mittel- bis langfristig erhoffen können. Tibet ist bereits eine autonome Region. Wenn der Dalai Lama von Autonomie für Tibet spricht, so meint er nicht nur „das Dach der Welt“, sondern auch die chinesischen Provinz Qinghai und Teile der Provinzen Sichuan, Yunnan und Gansu, die dem historischen Tibet einmal angehörten, in denen die Tibeter aber in der klaren Minderheit sind. Es scheint unvorstellbar, dass Peking diesem Wunsch je zustimmen wird.
Der Dalai Lama kommt zu spät – Tibet wurde in den letzten Jahren von China erschlossen. Sowohl Investitionen in die Infrastruktur als auch in Bildung, Kultur und Wirtschaft haben aus dem staubigen Bergplateau am Ende der Welt eine aufstrebende Region gemacht. Problematisch ist indes, dass die Profiteure dieses Aufschwungs meist Han-Chinesen sind, die dort Geschäfte machen und ihre Familien gleich mitbringen. Durch die neuen Verkehrsanbindungen ist Tibet zu einem beliebten Tourismusziel für Chinesen geworden. Die gewaltigen Investitionen führen indes zu einer „Folklorisierung“ der tibetischen Kultur. Ein Schicksal, das schon so viele Kulturen über sich ergehen lassen mussten.
Natürlich haben die Tibeter ein moralisches Recht auf Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Nur existiert weder ein internationales Recht, auf das sie sich dabei berufen können, noch ist der moralische Anspruch in irgendeiner Art und Weise durchsetzbar. Es darf auch bezweifelt werden, dass der Dalai Lama oder seine „Clique“, wie die Chinesen es im besten Betonkopfkommunistenslang ausdrücken, hinter den orchestrierten Protesten stecken, bei denen neben der chinesischen Staatsmacht auch chinesische Zivilisten angegriffen und chinesische Geschäfte in Brand gesteckt und geplündert wurden.
Inwieweit der im indischen Exil lebende Dalai Lama überhaupt noch Einfluss auf die Lage in Tibet hat, mag umstritten sein. Fest steht, dass sein Einfluss auf die jüngeren und radikaleren Kräfte geschwunden ist. Tsewang Rigzin der Vorsitzende des Tibetan Youth Congress hatte bereits zu Beginn des Jahres konzertierte Aktionen gegen das „Besatzerregime“ angekündigt. Ziel sei die Nutzung der internationalen Öffentlichkeit mit Hinblick auf die Olympischen Spiele im Sommer in Peking. Rigzin hat den Dalai Lama auch scharf kritisiert, als dieser zu Gewaltlosigkeit aufrief und erklärte, er sei gesprächsbereit und wolle keine Selbstständigkeit, sondern nur Autonomie. Rigzin und die Seinen wollen Selbstständigkeit und halten von Gewaltlosigkeit nicht eben viel.
Der Westen sollte sich aus dieser Angelegenheit am Besten heraushalten, da es eine innerchinesische Angelegenheit ist. Sollte der Westen wirklich einmal ernsthaft für „Menschenrechte“ eintreten wollen, so könnte er dies abseits der Olympiaboykot-Diskussion problemlos, in dem er wirtschaftliche Sanktionen androhen würde. Nutzen würden diese Sanktionen natürlich gar nichts, sondern sie würden die Lage im Endeffekt nur verschlimmern. Noch weniger würde ein Boykot der Olympischen Spiele bringen. Wenn man derart strenge Regeln anlegt, könnten die Spiele bald nirgends mehr stattfinden. Langfristig ist zu hoffen, dass die chinesische Politik mit dem einhergehenden Wohlstand und der steigenden Bildung im Lande von irrealen Vorstellungen eines Einheitsstaates Abschied nimmt. Dies ist allerdings Zukunftsmusik – wer wegen Taiwan in den Krieg ziehen würde, entlässt auch Tibet nicht so einfach die Freiheit. Denn Tibet würden andere Regionen folgen – auch die Uiguren in Ost-Turkestan, über die in den Medien nie gesprochen wird.
Jens Berger




















































































Was soll denn dieser Mist? Der Lama vertritt einen iberalen, friedfertigen Buddhismus. Davon könnten sich die gewalttätigen und auf ewig beleidigten Muslime mal eine dicke Scheibe davon abschneiden. Man kann eine mentale Hochkultur wie den Buddhismus natürlich nur schwerlich mit den Auswüchsen in Berlin-Neukölln vergleichen (”Ey Alder, gibsch Handy, sonst Messa in Bauch”).
Es wird niemand ernsthaft erwarten dass China Tibet in die Souveränität entlässt. Aber zumindest sollte dem noch verbliebenen tibetischem Volk ermöglicht werden, ihre Kultur und Religion behalten bzw. ausüben zu können.
Natürlich haben die Tibeter Glück, dass der Dalai Lama bekannt und zumeist beliebt ist und Tibet sowas “schön Mystisches” hat und seit Jahren quasi en vogue ist.
Man wird nicht alle Völker unterstützen können, die unterdrückt werden. Soll man deshalb komplett die Schnauze halten?
Die Spiele zu boykottieren würde wohl so viel bringen wie die letzten Boykotts - nix. Wirtschaftssanktionen wird’s nicht geben, dazu sind die entsprechenden Konzerne zu geldgeil. Auch wenn man meinen möchte, dass die damaligen Aktionen gegen Südafrika dazu beitrugen, die Apartheid zumindest offiziell zu beenden. Ob es den Schwarzafrikanern dort nun besser geht? Gerade bei politischen Umwälzungen ist es nie möglich, die ganze Tragweite und die Folgen zu überblicken. Viele DDR-Bürger hatten sich wohl auch was anderes von ihren Protesten erhofft.
Trotzdem halte ich das Engagement wie jetzt für Tibet notwendig - nicht (nur) als Gewissensberuhigung, eher schon als (kleines) Korrektiv.
@Jens
seh’ ich auch so. Richard Geere und Konsorten haben sicher ein gutes Anliegen (”Freiheit für Tibet”) aber … das ist 40 Jahre zu spät. Natürlich läuft da einiges schief, wie überall … Deshalb: Alle sollen sich zurück halten, wir erst recht, aber auch die Chinesen und Tibeter. Nicht von ungefähr fordert der Dalai Lama Rechte für sein Volk - und nicht die Wiedererichtung der tibetischen Souveränität, die vor langem ‘mal bestanden hatte. Olympiaboykott - die Medien und die Öffentlichkeit sind an Dämlichkeit nicht zu überbieten. Eher taugt dazu noch die Meldung: “Extrablatt! Fahrrad in Cina umgefallen!”
Beste Grüße
Vogel
Danke Jens,
als ich die Überschrift las befürchtete ich schon das schlimmste. Dabei bin ich gerade vollends damit beschäftigt die Eilanordnung aus Karlsruhe zu studieren.
Alle die den tibetischen Buddhismus und den Dalai Lama so toll finden, empfehle ich mal folgende Lektüre: dalai-lama-colin-goldner-essay-von-m-hammerschmitt
Das öffnet vielleicht mal ein paar Augen. Letztlich ist der tibetische Buddhismus auch nichts anderes als eine Religion von Unterdrückern, Frauenverächtern und Kinderfickern. Auch wenns einige hier partout nicht wahrhaben wollen.
Und zum Thema: Die CIA, der Dalai Lama und die Unabhängigkeit Tibets findet man hier eine Literaturempfehlung.
Sorry, aber Shangri-La ist abgebrannt, schon lange.
Glück auf!
Alles Bestens, nur die Photomontage ist dümmlich? Nein, nicht alles Bestens. Nur weil wir vielleicht was gegen den kichernden Sympathie- und Nobelpreisträger haben, es woanders genauso oder noch schlimmer läuft, bei den Uirguren, in Darfur, bei den Kurden, egal - raushalten ist nicht das Rezept. Einmischen, so wie wir uns auch einmischen sollten, wenn der Nachbar seine Frau oder seine Kinder schlägt.
Hallo Jens,
ich finde Du tust den unzähligen gefolterten und gewaltsam gestorbenen Tibetern unrecht an. (Siehe Menschenrechtsberichte). Hierbei geht es auch um Marginalisierung und Sinisierung tibetischer Kinder, sowie geschlechtsspezifischer sexueller Folter von Nonnen etc.
Ich habe seit nahezu zwei Jahrzehnten die zahllosen Menschenrechtsberichte über Tibet gelesen und mich eingehend informiert. Falls Du Zweifel daran hast, rate ich Dir zu einem Anruf / Recherche beim UN-Hochkommissar Dr. Manfred Nowak (UNHCR ).
Die Haltung der Bundesregierung gegenüber dem Status von Tibet ist politischer Natur. Ich denke das ist Politikern, die sich in diesem Themengebiet auskennen hinreichend bekannt. Tibet hatte im Jahre 1911 seine Unabhängigkeit erklärt und war bis 1951 ein unabhängiger Staat, allerdings ohne Mitgliedschaft in der UN - dies hatten die Tibeter versäumt zu beantragen.
Zu Herrn Goldner rate ich jedem, bevor er sich seine mutmaßlich berechnenden Falschdarstellungen durchliest, seine Webseite zu besuchen, Wikepedia zu lesen und sich über das “Forum kritischer Psychologie” (Zitat Wikip.: “Die Kritische Psychologie versteht sich außerdem als Individualwissenschaft des Marxismus und als Subjektwissenschaft. Sie basiert auf der Kulturhistorischen Schule der sowjetischen Psychologie, besonders auf den Arbeiten A.N. Leontjews.”) - sowie noch interessanter über die AGFP, zu informieren.
Ansonsten finde ich Deinen Blog eigendlich super, obwohl ich einer Bewertung gegenüber schon vorsichtiger werde.
Grüße
Micho
Micho hat eigentlich genau mein Anliegen in Worte gefasst. Ich war etwas geschockt als ich die Zeilen deines Textes gelesen habe.
Wenn ich das so höre dann hat Tibet also keinen Anspruch auf Souveränität weil China es schon so lange besetzt?! Und es ist schon klar das chinesiche Zivilisten bei den Demonstrationen angegriffen worden sind, aber die Tibeter, seit Jahrzenten unterdrückt, werden jetzt wohl kaum auf die Straße ziehen und á la Ghandi den stillen Protest beginnen.
Ich weiß nicht ganz was du mit diesem Artikel bezwecken wolltest, aber für mich kommt es so rüber als ob du China in die Opfer Rolle stellst. Jaja, die armen Kommunisten und ihre rebellischen Ausländerregionen…
@corax
also die Tibeter haben nicht das Recht, für die von Ihnen gewünschte Lebensweise einzutreten?
Und natürlich: unter chinesischer Herrschaft ist natürlich alles ganz toll, und darum muss dieser Status quo aufrechterhalten werden….
Stimme 6 , 7 und 8 zu.
Nur weil im Buddhismus auch nicht alles Gold ist, dürfen jetzt die Chinesen machen was sie wollen?
Ey wasn das fürne Logik?
Und wie lange bleibt eine Region wohl “aufstrebend” aus der die ganzen alpinen Wälder herausgeschlagen werden?
Und wenn die Tibeter jetzt gefoltert werden dann bestimmt nicht weil der dalai lama dir nicht gefällt, sondern weil die MachtChinesen ganz grosse Arschlöcher sind.
“aufstrebend” ?
“In den 1950er-Jahren begann ein großer Kahlschlag in Tibets Wäldern vor allem im Osten des Landes. Unzählige Transporte mit tibetischem Holz verließen die Regionen meist in Richtung Zentralchina. Die Folgen sind in Tibet, wie auch in anderen vergleichbaren Regionen weltweit, eine hohe Erosion im Hochgebirge einhergehend mit Erdrutschen underhöhtem Steinschlag, sowie einem Ansteigen der Wasserstände der Flüsse, was zu Überschwemmungen führt.[36] Um weitere Umweltschäden zu vermeiden wurde im Autonomen Gebiet Tibet von 1990 bis 2002 die Einschlagsmenge von Holz von 210.000m³ auf 50.000m³ reduziert. Gleichzeitig wurde und wird weiterhin ein großangelegtes Aufforstprogramm durchgeführt.[37]
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Bevölkerungsentwicklung Tibets. Die Bevölkerung hat sich im letzten halben Jahrhundert mehr als verdoppelt und im Rahmen eines aufkommenden Wohlstands hat sich, nach offiziellen chinesischen Quellen, die Fleischproduktion Tibets von 1978 bis 2003 vervierfacht.[38] Damit hat sich aber auch die Anzahl der Tiere der Nomaden auf den Steppen vervierfacht. Grundlage einer ökologisch verträglichen Viehwirtschaft der tibetischen Nomaden ist aber ausreichend Weidefläche, die in Tibet räumlich jedoch nicht weiter ausgedehnt werden kann. Es entsteht Weidekonkurrenz und Überweidung. Ohne die falsche Politik der 1970er- und 1980er-Jahre der Überweidung und teilweisen Verwüstung wären die Probleme etwas kleiner, dies löst die aktuellen Probleme aber auch nicht. [39]
Verschärft wird die Weidekonkurrenz noch dadurch, dass, nach klassischer nomadischer Handlungsweise, die Haushalte Wert darauf legen, möglichst große Herden zu besitzen. Sie glauben nicht, dass es so etwas wie „zu viele Tiere“ gibt. Viele Tiere bezeugen Wohlstand und gelten als Absicherung für schlechte Jahre – die sich inzwischen häufen.
All dies verschärft den Druck auf die Steppenlandschaft, deren Qualität in den letzten Jahrzehnten bereits teilweise schwer gelitten hat. Für Nomaden müssen unbedingt neue Lebenschancen in den größeren Gemeinden und Städten geschaffen werden, um Menschen aus den Steppen abzuziehen und dadurch die Steppen zu entlasten.[21]
Durch den Druck auf die Steppenlandschaft hat sich auch die Vegetation an den Oberläufen vieler Flüsse in großem Maß reduziert. Bodenerosion und Umweltzerstörung werden immer kritischer. Aus diesem Grund beschloss die Zentralregierung Chinas, von 2000 an 103,5 Milliarden Yuan zu investieren, um die natürlichen Wälder im Gebiet am Oberlauf des Yangtse und am Ober- und Mittellauf des Gelben Flusses, das 13 Provinzen und 770 Kreise umfasst, zu schützen.”
aus dem Wiki
Free Tibet! und uns gleich mit, wenn´s nicht zuviel Umstände macht.
@1 Öllampe
Das sähe natürlich komplett anders aus, wenn in Berlin 1 Million unterprivilligierter Tibeter leben würde, die weder eine gescheite Bildung genießen können, noch eine Zukunftschance haben?
Sorry, das ist Unfug und rassitischer Müll.
@2 Stef
Ein Korrektiv wäre es, wenn es irgendetwas bringen würde. So ist es idT nur eine Gewissensberuhigung. Und das hilft niemanden. Sorry, aber ich bin ja im Kern Deiner Meinung, nur sehe ich den tieferen Sinn solcher “Moral” nicht.
@5 Konfisus
Das kannst Du als Privatperson gerne machen - ich schließe mich Dir an. Man könnte gewisse Produkte boykotieren, die in “Kooperation” mit autoritären Staaten hergestellt wurden, die andere Völker unterdrücken. Aber - was kann man dann noch kaufen?
Verbaler Beistand ist billig. Schau Dir die Produkte an, die Du in diesem Jahr gekauft hast und sage mir, ob Du damit diese Staaten unterstützt hast. Es ist kaum möglich dies nicht zu tun. Auch ich werde es getan haben … vielleicht ohne es zu wissen. Aber wen interessiert das? Gibt es eine Instanz in Europa, die eine Art “schwarze Liste” führt?
Frau Wiezorek-Zeul hat sich heute mal wieder aus dem Fenster gelehnt. Wow! Tolle Sache! Warum ergreift die Regierung keine echten Maßnahmen, sondern belässt es bei Feigenblättern á la W-Z? Die Diskussion ist derat verlogen, dass es mich schaudert.
@6 Micho
Das ist so nicht richtig. Tibet hat seine Unabhängigkeit einseitig erklärt, ohne je mit einem einzigen Staat diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Tibet wurde von keinem Staat anerkannt - die UN gab es damals (vor 45) übrignes noch gar nicht. Das ganze wäre eine Sache für den Völkerbund gewesen, der aber auch klare Regeln hatte.
Ich spreche den Tibetern ihren Wunsch auf Unabhängigkeit ja auch gar nicht ab - eigentlich ist der Artikel sogar sehr milde formuliert. Die Tibeter reihen sich in eine unendliche Liste von Völkern ein, die nach Autonomie streben; diese aber nie bekommen werden. Das ist traurig, aber realistisch. Die Fokussierung der westlichen Medien auf Tibet kann ich aber nicht so recht verstehen. Mit dem gleichen Recht könnten zig andere Minderheiten ihre Unabhängigkeit verlangen.
Wer etwas dagegen einzuwenden hat, der kann es tun. Boykotiere doch Produkte aus China; der Staat wird sich nie(!) zu einem solchen Schrittt hinreißen lassen. Es liegt in der Hand des Konsumenten. Aber “Geiz ist geil” und China ist attratkiv. Menschenrechte? Interessieren den Konsumenten nicht die Bohne.
Hallo Jens.
ich weis ja nicht, woher Du Deine Informationen beziehst, aber das, was Du in diesem Beitrag ablässt, ist von vorne bis hinten Unsinn. Tibet war über 800 Jahre ein unabhängiger Staat. Und seine Unabhängigkeit hat es 1911 nicht gegenüber den Chinesen, sondern gegenüber den Engländern erklärt, die zu dieser Zeit, von Indien kommend, Tibet kolonialisieren wollten.
Ich weis nicht, ob Du jemals in Tibet warst, ich war es. Ich habe wenigstens einen Teil dessen gesehen, was die Chinesen mit der Kultur und dem Volk Tibets gemacht haben. Und ich finde nicht, das jemand wie Du das Recht hat, so damit umzugehen.
Und Deine verächtlichen Aussagen zum Friedensnobelpreisträger Dalai Lama und das unsägliche Zitat von Wiglaf Droste zeigen eindeutig, dass Deine Kenntnisse über den Buddhismus nicht weit reichen.
Oder, um mit Dieter Nuhr zu sprechen “Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten”.
über Tibet weiss ich nix, vor 10 Jahren kannte ich mal jemand der dem Lama durch D_land nachlief mit nem Tonband und ihn verehrte wie ne Sizilianische Mama den Pabst - aber der konnte mir auch nix konkretes erzählen
was mich mal interessieren würde, ist ob einer der aufgebrachten Tibetkenner mir auch erklären kann was eigentlich “der Kosovo” ist, und was da so passiert und passiert ist
hat mit Tibet zwar nix zu tun - im Gegenteil, der Kosovo ist ja jetzt unabhängig …
mich würd aber trotzdem intressieren was die so gut informierten Tibetkenner da noch für Infos über Kosovo haben - soll ja auch aktuell sein grad oder so
ausserdem würd ich gern noch wissen wie wir, als Deutsche, so mit den Lausitzern umgehen sollten, da ganz speziell mit den Sorben, oder auch wie man sich in der Frage der Flamen, Südtüroler, usw verhalten sollte, oder den “national befreiten Zonen” in die sich kein normaler Mensch traut ? ETA, IRA, wen muss ich boykottieren um denen zu helfen ?
und, ganz dumm jetzt : wie werden wir hier die Besatzer los die immer noch im Land sind
und schalten u walten wie es beliebt ?
@ 14 Lothar Baier :
Der Dalai Lama macht einen sympathischen Eindruck, allerdings ist er keineswegs _der_ Buddhismus. Ich nehme stark an, er hätte wenig Verständnis dafür, daß du seine Person mit _dem_ Buddhismus gleichsetzt. Der Buddhismus ist in seinen vielen Facetten ebensowenig eine monolitische Glaubensrichtung, wie der Islam.
@ all:
Dem Dalai Lama mißtraue ich nicht, aber es läßt mich stutzig werden, wenn ich mir anschaue, wer sich da in welcher Weise über die Vorgänge in Tibet und besonders über die Chinesen echauffiert (bspw. auf Telepolis). Siehe hierzu auch den Beitrag No. 1 im Kommentarbereich dieses Blogs.
Die ganzen Islamophobiker, denen es am liebsten wäre, der Iran würde “genukt”, schwadronieren plötzlich über “bedrohte Völker” und “kulturelle Identität”. Mit dem gleichen Zorn und Hass, der sonst über Einwanderer im allgemeinen und Muslime im Besonderen gekippt wird, wird diesmal gegen jeden vorgegangen, der nicht in den scheinheiligen Klagegesang einstimmt.
Während sonst die Betroffenheitslyrik sog. “professioneller Gutmenschen” verurteilt wird, wenn es bspw. um Menschen in Afrika geht (gerne verknüpft mit Hinweisen auf die Evolution, die nur dem “Fittesten” das Überleben gestatte, weshalb Afrikaner eben Pech gehabt hätten), wird wegen Tibet ein Faß aufgemacht, daß es nur so qualmt. Warum? Weil es sich bei den Unterdrückern um die chinesische Regierung und somit vermeintliche Kommunisten handelt. Dasselbe Spiel also, das gespielt wird, wenn es um Putin und Tschetschenien geht.
Fazit: ich kaufe keinem der üblichen Verdächtigen die angebliche Liebe zu Tibet und Tibetern ab, zumal es einige Esoteriker gibt, die offenkundig glauben, die Tibeter seien so eine Art Gebirgsarier mit Wunderkräften, die dich nur antippen müssen, damit du “erleuchtet” wirst.
Am deutschen Wesen, soll China, Deutschland genesen. Die alte Kolonialmacht Deutschland und dessen politische Eliten verfolgen seit Jahren mit rassischen, von deutschen Nazis entworfenen, “Volksgruppenkonzepten” eine aggressive Außenpolitik gegen China.
Das Ziel, China zu balkanisieren und so ökonomisch zu schwächen, ist taktisches Mittel, im geopolitischen Spiel. Die Kampagne gegen China mit irren Mönchen für ein rassenreines Tibet hat alle Elemente, die einfach nur ekelhaft sind.
Ach ja Jens, die Uriguren und deren politische Vertreter in Deutschland, werden vom Deutschen Außenministerium genau so gefördert. Sie bilden neben Tibet die zweite ostasiatische Option deutscher Politik.
Den Chinesen ist die Gefahr einer Balkanisierung durchaus bewusst: sie haben das Beispiel Jugoslawiens direkt vor Augen, sie haben nicht vergessen, wer Ihre Botschaft 1999 bombardiert hat.
Wieder einmal, geht es unter der Flagge von “Menschenrechten” um eine knallharte ökonomische Außenpolitik gegen einen Konkurrenten, und die Ursache für alles ist:
die Experten in deutschen Außenministerium haben errechnet, dass China in den nächsten 20 Jahren alle Produkte, die Deutschland zum Exportweltmeister machen, selbst herstellen wird. Daher eröffnet man so einen aggressiven politischen Krieg gegen China, der mit dem Besuch des Lamas begonnen hat, und die sich noch steigern wird.
Saatchi & Saatchi, die Werbeagentur von den “Reporter ohne Grenzen”, die auch die Bilder und Symbole für die “Free Tibet Kampagne” liefert, entwirft schon die nächste Werbekampagne dafür.
Vielleicht werden die Chinesen wirklich bald die Minderheiten in Deutschland, die Sorben , Friesen, Bayern mit einem eigenen Radio, in Anlehnung an “Radio Free Asia” , Waffen und Geld finanzieren und Freiheit für Friesland, Freiheit für die Sorben fordern.
german-for...
“Wiglaf Droste nannte den Dalai Lama einst den „Papst für Leute, die zu feige sind, wenigstens an was Richtiges zu glauben, wenn sie schon glauben, glauben zu müssen“ – besser kann man es wohl kaum ausdrücken.”
Ich denke, dümmer kann man es kaum ausdrücken. Droste macht gute Sachen, aber manchmal kann ich nur den Kopf schütteln. Diese “spiegelhafte” besserwisserische Gehabe ist schwer erträglich.
@Öllampe:
“Ja, ich bin sicher, die Tibeter würden keine/ deutschen Rentner in der U-Bahn halb totschlagen oder Gleichaltrige “abziehen”. Solches Verhalten ist nämlich auch Resultat von Erziehung und Kultur (oder eben Unkultur) sowie eventuell genetischer Disposition.”
Tja, die deutsche Kultur ist schon ganz schön am Arsch!
@Fiend_THeyde:
vollste Zustimmung!
value
@17: Jep.
Nicht nur in China, das ist ein immer wieder funktionierendes Mittel der Außenpolitik.
Den Dalai Lama zu kritisieren ist aber auch, als würde man einem Kind den Lolli wegnehmen, insofern kein Wunder, dass alle beleidigt aufheulen.
die von corax verlinkte kritische Quelle bringt es auf den Punkt
philolog.w...
aus der Entmythisierung des Dalai Lamas ergibt sich aber folgende Frage: Hebt der Nachweis der “extrem blutigen Geschichte des gesamten tibetischen Buddhismus”, der eigenen gewalttätigen „Realpolitik“ und der “aktuellen Beziehungen zu zwielichtigen Sektenführern, Klerikalfaschisten und Altnazis” das Selbstbestimmungsrecht der Tibeter auf?
Dass das westliche massenmediale und politische Establishment diesen Aufstand, was man davon halten mag, für seine Interessen instrumentalisiert (die unter totaler Merkbefreiung lebenden PI-Rechtsextremisten und dergleichen lassen sich sowieso für jeden Kreuzzug rekrutieren, wenn er sich nur rassistisch motivieren läßt), liegt auf der anderen Seite auf der Hand: Da werden die Chinesen (allerdings deutlich vorsichtiger auf Grund der ökonomischen Verflechtungen mit Chinas, weshalb es sicher nicht zu einem Boykott kommen wird) zusammen mit Muslimen, Serben und vielleicht noch Russen in einen Topf geworfen, aus dem die Medien jeweils des Deutschen Feindbild ausmalen.
Stimme dem Spiegelfechter in einigen Punkten zu: es wird nicht jedes Volk auf der Welt seinen eigenen unabhängigen Staat bekommmen. Warum das so ist und ob das berechtigt oder unberechtigt ist, ist denke ich vom Einzelfall abhängig. Leider kenne ich mich mit Tibet nicht gut genug aus, um da ne schlüssige Meinung abgeben zu können - scheint ja auch zumindest nach den Beiträgen hier im Kommentarbereich etwas schwieriger zu sein. Aber - und da stimme ich glaube ich beiden Fraktionen im Blog zu - kulturelle und religöse Selbstbestimmung sind ein hohes Gut, das nicht nur jedem Volk, sondern auch jedem Einzelnen zu steht.
@17: dein Beitrag scheint mir völlig überzogen. Soweit ich das sehe fordert die deutsche Regierung (in Person von Angela Merkel) die Chinesen nur zum Dialog mit dem Dalai Lama auf. Das scheint mir unter geopolitischen Aspekten doch kein sehr scharfes Schwert. Ach ja und ob das, was deutsche Regionalpolitiker fordern wirklich internationale Bedeutung genießt, naja.
Und die Sache mit den Olympischen Spielen: Grundsätzlich ist es doch völlig legitim diese in Sachen von Menschenrechtsfragen als Druckmittel einzusetzen - nichts anderem hat China ja bei der Vergabe auch zugestimmt (wobei ich nicht weiss, wo und wie das schriftlich geregelt ist).
Zum Thema Boykott:
1.) der Olympischen Spielen: das ist mMn der falsche Weg. Wenig ist für die mittel- bis langfristige politische Entwicklung Chinas besser als eine Unmenge von Journalisten (mit welchen Bewegungs- und Berichtsfreiheiten auch immer) und aufgeschlossenen Menschen, die sich eine zeitlang im Land bewegen dürfen. Selbst die chinesische Regierung wird es nicht verhindern können, dass Kontakte geknüpft und Gedanken ausgestauscht werden. Denke das wird der Menschenrechtsbewegung in China weiterhelfen
2.) der Waren aus China: mmh ob das ein adäquates Mittel ist? Schwierig. Klar sind wirtschaftliche Sanktionen ein Druckmittel. Aber ob mit einer Isolation auch das gewünschte Ergebnis erreicht wirdt? Wenn man Nordkorea und den Iran betrachtet, wohl eher nicht.
Gruß Schuster
@14 Lothar
Diese Version von Geschichte stammt mW vom Dalai Lama und hält einer Überprüfung nicht stand. In der „vorkolonialen“ Zeit war Tibet ein Zankapfel zwischen den Mongolen und den Chinesen, bis die Qing-Dynastie unter Kaiser Kangxi Tibet im Jahre 1720 militärisch einnahm und fortan als Protektorat führte.
Festzuhalten ist: Tibet war vor 1911 kein(!) unabhängiger oder gar souveräner Staat.
Im Great Game versuchten die Briten den Chinesen Tibet streitig zu machen, was aber nicht glücken wollte. Mit der chinesischen Revolution von 1912 und dem darauf folgenden Machtvakuum haben die Tibeter zwar versucht, Souveränität zu erlangen, dies ist ihnen aber nie gelungen.
Bis zum ersten Weltkrieg wird Tibet folglich auch in Atlanten als integraler Teil Chinas gesehen:
Quelle: History and Commercial Atlas of China, Harvard University Press 1905
Was Du mit der „Unabhängigkeitserklärung“ von 1911 meinst, ist mir nicht so recht klar – 1911 weilte der XIII Dalai Lama im indischen Exil, aus dem er erst 1913 zurückkam. Erklärungen einer nicht legitimierten Exilregierung werden allgemein als null und nichtig betrachtet.
Völkerrechtlich interessant wird es, wenn man die Konvention von Simla betrachtet. Dort wurde 1914 zwischen Briten, Tibetern und Chinesen u.a. beschlossen, dass Tibet „innerpolitische Autonomie“ unter chinesischer Suzeränität genießt. Daraus kann Tibet keine Souveränität ableiten. China hat diesen Vertrag zwar beschlossen, allerdings nie ratifiziert, weshalb nach chinesischer Sichtweise Tibet ein chinesisches Protektorat blieb, obwohl das geschwächte China diesen Anspruch bis 49 nie geltend gemacht hat.
Tibet war völkerrechtlich nie souverän, da bestehen keine Zweifel. Es gibt keine Anerkennung des „Staates“ Tibet von einem anderen souveränen Staat, geschweige den von supranationalen Organisationen wie Völkerbund oder UNO.
Man kann dies emotional werten, wie man will – die völkerrechtlichen Fakten sind leider gegen die Tibeter.
Wie gehe ich denn damit um? Schreibe ich etwa nicht, dass China Tibet sinisieren will und die tibetische Kultur „folklorisiert“?
Meine Kenntnisse über das Christentum und Katholizismus sind zweifelsohne besser ;-)
Wenn Kritiker des Papstes oder gar Kritiker des Islams (uihuih) derart hohe Hürden hätten, bevor sie sich äußern, würden beide wohl recht ungeschoren davonkommen.
Ich halte allgemein wenig von Religionen oder Religionsströmungen, die Personen verehren. Ich habe Hesses Siddharta gelesen und die Lehre, die dort vermittelt wird, hat mir gut gefallen. Was ich im Dalai Lama (im Westen) bislang gehört habe, klingt aber eher nach „Instant-Religion“ für esoterisch angehauchte Manager, die den Sinn ihres verkorksten Lebens suchen – sorry für die harten Worte. Ich achte jeden tibetischen Mönch, aber für Starnberger Zahnarztfrauen, die den Buddhismus „entdecken“, habe ich wenig Sympathien.
@Schuster
Begreifen Sie überhaupt, was es politisch und diplomatisch bedeutet, wenn die alte Kolonialmacht Berlin und Washington einen politisch nicht anerkannten, religiösen (irren) Führer wie das Lama als politischen Vertreter direkt einlädt, von den höchsten politischen Vertretern empfangen lässt und von einem Staat wie China und dessen Vertretern mit diesem Irren eine “Dialog” fordert?
Wissen sie diesen Umstand zu politisch und diplomatisch überhaupt zu werten?
Vielleicht empfängt der chinesische Minsterpräsident ja morgen auch ein paar sorbische Vertreter in Peking, lässt die chinesische Presse in ganz Asien darüber berichten und fordert von Berlin einen Dialog mit den Sorben.
Das Thema Sorben ist nicht mal witzig: da liesse sich auch eine Kampagne “Stoppt die kulturelle Ausrottung der Sorben durch Deutschland” entwerfen, weil Berlin denen keinen Cent mehr gibt und deren Bräuche nicht mehr finanziert.
Ansonsten:
Deutschland hat, was Menschenrechte betrifft, gefälligst sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern:
Die deutsche Flüchtlings- und Kinderpolitik ist menschenverachtend und gleiches gilt für die soziale Frage von Millionen Deutschen. Regelmässig verstößt Deutschland gegen internationales Recht und gegen politisch verbriefte bürgerliche und soziale Rechte (Rezidenzpflicht) und wird von den Germien der UNO zititert und ermahnt.
Die Frage der “Menschenrechte” ist ein politisches, ideologisches und ökonomisches Druck- und Kriegsmittel gegen China, um diesen ökonomischen Konkurrenten zu destabilisieren.
Wir arrroganten Deutsche haben ja im führen von Weltkriegen direkte Erfahrung und belehren gern andere Staaten, wie diese sich zu verhalten hätten. 60 Millionen Tote ist schon ein Qualitätsnachweis, unsere Balkanpolitik hat das mafiöse rassenreine Kosovo erst möglich gemacht. Wir sind schon Helden.
@name: Okay. Jeder kann den Empfang des Dalai Lamas in Deutschland und anderswo unterschiedlich bewerten - keine Frage (kommt ja auch sehr darauf an, welche Bedeutung man einem “irren” religösen Führer zuspricht). Aber selbst China hat die ersten Reaktionen darauf mittlerweile zurückgenommen - den wirtschaftlichen und letztlich auch polititschen Beziehungen hat das keinen Schaden zugefügt.
Und das die Menschenrechte in der internationalen Politik zu oft als Mittel zum Zweck missbrauchtwerden: d’accord - keine Frage.
Aber das es mit den Menschenrechten in China nicht zum Besten bestellt ist, dürfte auch nicht zur Diskussion stehen. China hat sich wie schon gesagt selbst dazu bereit erklärt mit Vergabe der Olympischen Spiele an einer Verbesserung zu arbeiten. Wie realistisch die Chancen darauf waren oder sind kann man immer wieder an Beispielen sehen. China immer wieder auf seine Versäumnisse hinzuweisen gehört für mich aber selbstverständlich zur politischen Kultur - analog darf China uns (Deutschland) genauso auf unsere Versäumnisse hinweisen.
Schuster
@23 name
Na na, „irre“ ist der Dalai Lama sicher nicht und als religiöse Figur benötigt er auch keine politische Anerkennung.
Dass Merkels Einladung provokant war, ist richtig – nichtsdestotrotz war sie richtig! (Ich glaube über dieses Thema haben wir zwei uns schon einmal bekriegt ;-)).
Warum sollte sie denn nicht den Vertreter einer unterdrückten Volksgruppe empfangen? Nenn mir einen Grund.
Auch ich finde es befremdlich, dass sie den Lama einlädt und nicht eine Konferenz mit Vertretern aller Minderheiten unternimmt - also auch mit dem Uiguren Alptekin; aber der ist ja Muslim und muslimische Separatisten und Freiheitskämpfer sind ja in unserem Verständnis „Terroristen“. Und wer die unterstützt kriegt Ärger mit Herrn Bush.
Dennoch ist dies kein Argument, nicht den Lama zu empfangen und der KPC zu empfehlen, mit ihm in Dialog zu treten.
Darf der Sünder nicht die Sünde des Anderen anprangern? Ich bin da anderer Meinung. Deutschland hat die Verpflichtung sich selbst an die Menschen- und Bürgerrechte zu halten und(!) deren Einhaltung weltweit zu fordern.
Desweiteren hält sich mein Mitleid mit China doch sehr in Grenzen.
So, das ist das Ende, jetzt fliegt der Spiegelfechter endgültig aus meinem Feedreader. Zuerst die an naive Dämlichkeit grenzende Jammerei über das Rauchverbot und jetzt so ein durch unglaubliches Nichtwissen strotzender Artikel über Tibet. Einem Land, in das die Chinesen 1950 gewaltsam eingedrungen sind und es annektiert haben. Dann Religion und Volk grausam unterdrückten und durch Zwangsansiedlungen die Tibeter im eigenen Land zu einer Minderheit machten. Wie kann man da von einem existierenden autonomen Tibet sprechen?
Und die “Clique um den Dalai Lama” brauchte Jahrzehnte, um die Weltöffentlichkeit auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Wobei sie den Uiguren gegenüber den Vorteil haben, dass Tibet in Bergsteigerkreisen eben schon immer bekannt war. Und heute macht man den Tibetern genau dieses jahrelange Ringen um Aufmerksamkeit zum Vorwurf? Wie verdreht muss so eine Weltanschauung denn sein?
Und tschüss.
Auf jeden Fall Danke für den Hinweis auf die Uiguren!
Der falsche “Krieg gegen den Terror” ist eben überall, auch in China, eigentlich der Krieg gegen die Demokratie.
Und immer schön aufpassen, der Dala-Lama Kult gründet sich bei seinen westlichen Vertretern immer mehr auf irrationalen Hass. Dieser Kult ist durch seine inneren Widersprüche zum Untergang verurteilt und gibt allerlei Gestalten den Anlass mal die Sau rauszulassen.
Ganz interessanter Blogeintrag zu dem was im übrigen Web zu dem Thema so los ist:
zuender.ze...
@all
Da mit der Ausweisung der letzten ausländischen Journalisten die Nachrichtenlage vollends unglaubwürdig wird, möchte ich Euch dieses interessante Interview mit dem Journalisten Georg Blume empfehlen, der als letzter deutscher Journalist das Land verlassen mußte.
Daraus folgendes Zitat:
Das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit. Im Falle Tibet sollte man nicht nur die offiziellen chinesischen Verlautbarungen prinzipiell hinterfragen, sondern auch die Verlautbarungen der Exiltibeter.
China und Deutschland (und allen anderen Nationalstaaten) geht’s um imperiale Macht.
Bei den Tibetern sieht das anders aus. Warum sollte es nicht möglich sein, dass alle Minderheiten ein Recht auf Selbstbestimmung bekommen? Klar, das ist das ein visionäres, unrealistisches Ziel.
Ich finde es aber irgendwie zu realpolitisch, wenn hier gesagt wird: Die Minderheiten brauchen’ s gar nicht erst zu versuchen…. Hier wird gesagt: Guck doch mal: alle Minderheiten dieser Erde werden ausgenutzt, die Tibeter sollen sich nicht anstellen.
Das die Medien (immer wieder schön: spon) unglaublich verzerrte Berichterstattungen bringen ist übel: Die Demonstranten im Kosovo sind auf der Suche nach Provokation und Gewalt und die lieben Kfor truppen versuchen nur Frieden zu bringen. In Tibet hingegen werden die armen meditierenden Mönche bei ihren friedlichen Protesten heimtückisch erschossen!
Video: Gewalt von Tibetern gegen einen Chinesen. rapidshare...
Es ist wichtig in der Beschäftigung mit dem Thema auf gewisse Hintergründe einzugehen:
Wie zum Beispiel andere Minderheiten, die kein positives Medieninteresse genießen und auch die westliche Schwächungsstrategien gegen China also imperiale Machtspiele.
Aber: Genau wie in Burma darf man nicht vergessen, dass das unterdrückte Volk doch immer noch das vertretbarste Ziel hat.
@Jens: Free Burma (erinnerst Du dich noch?) und Tibet!
@28 Schuster
Danke für den interessanten Link!
Mhhh ich finde den Artikel ja ganz gut und er spiegelt teilweise auch meine Meinung wieder. Nebenbei erfährt man hier auch mal ein bisschen mehr über die tibetanische Geschichte bzw wird dazu angeregt sich darüber schlau zu machen. Trotzdem finde auch ich den Unterschied zwischen dem Artikel über Birma und den hier etwas seltsam.
@David
Ich stimme Dir eigentlich zu 100% zu. Natürlich ist der realpolitische Ansatz desillusionierend und vielleicht sogar für einige Leser verstörend - so werte ich zumindest einige über Gebühr kritische Äußerungen.
Die Propagandamaschinerie läuft von beiden Seiten auf Hochtouren und auch bei den “seriösen” Medien kann man keinesfalls sicher sein, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen.
Hier unterscheidet sich die Situation auch von der in Myanmar (ich erinnere mich!). Dort waren es ganz eindeutig Übergriffe des Staates gegen zunächst friedliche Demonstranten, die gegen ein suppressives Regime demonstriert haben.
In Tibet waren die ersten Opfer (so man denn die Nachrichtenlage einigermaßen neutral auswertet) chinesische Ladenbesitzer, deren Geschäfte von aufgebrachten Tibetern angezündet wurden. Die Chinesen verbrannten in ihren Läden. Dafür gibt es auch das Wort Pogrom!
Auch wenn viele Leser anderer Meinung sind - ich gehe nicht den (einfachen) Weg und erkläre mich mit diesen(!) Aufständen solidarisch.
Die Position des Dalai Lamas kann ich indes ohne Vorbehalte gutheißen. Nur bedeutet dies einen sehr langen Weg - Venceremos ;-)
@32 Glawen
Nun - ich unterscheide sehr wohl zwischen Myanmar und Tibet (siehe auch meine #33)
Ich unterscheide auch zwischen Myanmar und Tibet doch sehe ich bei beiden ein unterddrücktes Volk das sich gegen die Machthaber auflehnt. Natürlich kann ich die Gewalt und das Verbrennen von chinesischen Läden nicht gutheissen und bin ebenfalls der Meinung das dies durchaus der Definition von Progrom entspricht.
Trotzdem kann ich das bestreben der tibetischen Bevölkerung nach Autonomie verstehen. Schon seit Jahrhunderten von verschiedenen Mächten erobert und annektiert woreden zu sein schliesst meiner Meinung nach nicht das Recht eines Volkes auf Souveränität aus.
>> Trotzdem halte ich das Engagement wie jetzt für
>>Tibet notwendig - nicht (nur) als Gewissensberuhigung,
>>eher schon als (kleines) Korrektiv.
Ein Korrektiv wäre es, wenn es irgendetwas bringen würde.
Wer sagt denn, dass es nichts bringt? Wie reagierten Regierungen, Politiker, Wirtschaftsentscheider, Menschen überhaupt wenn sich kein Mensch mehr kritisch mit ihrem Handeln auseinander setzte? Selbst Demos von ein paar Hanseln vor einer Botschaft bewirkt mMn etwas - auch wenn es den Handelnden nur zeigt “oha, unser Tun wird beobachtet”.
Noch generell etwas zur Souveränität Tibets: In diversen, Tibetfreundlichen Büchern las ich auch, dass Tibet eben niemals offiziell seine Souveränität erklärt hat. Diese Frage wird sich aber wohl nicht mehr 100% klären lassen.
Und was “den Buddhismus” angeht: Meines Wissens war Tibet bis zur Flucht des Dalai Lama ein theokratischer Staat, und da hält sich meine Begeisterung schwer in Grenzen. Religion und Staat sind mMn zwei Dinge, die man nicht vermischen sollte - egal ob in Niederbayern oder eben Tibet. “Den Buddhismus” gibt’s nicht, der Dalai Lama ist lediglich Repräsentant einer buddhistischen Richtung - und macht in seinen Büchern “den Westlern” auch ziemlich klar, dass sie bei ihren Leisten sprich Religionen bleiben sollen. Was ihn für mich noch ein Stück sympathischer macht…
@35 Glawen
Absolut richtig - das schreibe ich übrigens auch im Text.
@spiegelfechter
Ja, wir hatten uns deshalb schon einmal in virtuell in die Haare bekommen ;)
Ich sehe den Unterschied in der politischen Behandlung der Vertreter der Uiguren und der Tibeter durch die deutsche Politik nicht. Sie ist nicht so medial öffentlich, das stimmt, aber deren bekannteste politische Vertreterin Rebiya Kadeers wird genauso von der deutschen Außenpolitik hoffiert, von Stiftungen der Parteien eingeladen und deren Biografie aktiv beworben.
faz.net/s/...
Ich sehe es auch nicht ein, dass ein Land wie Deutschland mit 80 Millionen Einwohner sich anmaßen will, über ein Land mit fast 1.5 Milliarden Menschen zu urteilen. Dieses Recht steht Deutschland mit seiner eigenen aktiven Geschichte, und seinen politischen Verbrechen in der Gegenwart nicht zu.
Diese Arroganz, anderen Staaten etwas zu seinem eigenen Vorteil (!!) vorschreiben zu wollen, ist ekelhaft. Ebenso verachte ich alle Konzepte, die irgendwas von rassischer Blut und Boden Selbstbestimmung faseln, und die ein soziales Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hauptfarbe unter dem Volkbegriff und mit dem Schlagwort “Selbstbestimmung” für untauglich erklären. Die sozialen Ursachen werden dabei gezielt ausgeblendet.
Es geht bei dem Konflikt nicht um bunte Farben, und ruhende Pole: das ist knallharte Geopolitik und China hat bis jetzt, mehr als besonnen, zum Verdruß der medialen Tibetkrieger, reagiert.
Ach ja Jens : schönes Osterfest, auch wenn mir diese religiösen Bräuche nicht so sehr berühren ;)
Der untenstehende Link zu einem alten Lexikon trägt hoffentlich zur Aufklärung bei und darf wohl als politisch neutral betrachtet werden:
zeno.org/P... [1]
Unabhängig von den juristischen Betrachtungen, die der Spiegelfechter anstellt, ist es meine private Meinung, daß man den Völkern der Welt das moralische Recht auf eine Selbstverwaltung und damit eben auch auf einen eigenen Staat nicht absprechen darf.
Es ist zwar traurig, daß Menschen nicht auf der Grundlage von Vernunft, Freundschaft und Zusammenarbeit miteinander leben können und immer irgendwelche Zäune um ihre Besitztümer bauen müssen. Aber wenn es nun mal so ist, dann doch bitte wenigstens für alle. Freiheit für Tibeter, Kurden, Tschetschenen, Paschtunen und wie sie alle heißen mögen.
Es lebe der Freistaat Bayern und das vereinte Europa! (aber nur, wenn wir unseren Kini wieder bekommen!)
de.wikiped...
@Karl
IdT – das ist sogar sehr interessant.
Pierer 1857_
Verfassung: Dem Namen nach ist der Dalai-Lama regierender Herr; doch da dieser stets als neugeborener Säugling in seine Würde eingesetzt u. dann in völliger Abgeschiedenheit erzogen wird, befindet sich die Leitung des Staats in der Hand eines Regenten, welcher den Titel Nome-Chen (od. Numichen) führt. Schutzherr ist der Kaiser von China.[…]
Ein anderes Hemmniß ist dem Groß-Lama der Tatsir (chinesischer Mandarin), welcher vom Kaiser von China ihm zugeordnet ist. Dieser muß die Gerechtsame u. den Vortheil seines Herrn wahren, kann selbst Rechtssprüche des Groß-Lamas annulliren u. Recurse von den Aussprüchen des Staatsraths annehmen. […]
Die Gesetze sind in T. sehr streng. Die chinesischen Strafen sind eingeführt u. werden von zwei chinesischen Mandarinen beaufsichtigt. […]
Der Brockhaus aus dem Jahre 1809 schreibt:
Tibet steht zwar nicht unmittelbar unter der Vollmacht des Chinesischen Kaisers; allein dieser hat doch den bedeutendsten Einfluß auf dieses Reich: und das Mißvergnügen der Einwohner darüber ist sehr bemerkbar.
Brockhaus 1837:
Früher war T. unabhängig, als aber 1720 im Innern Unruhen ausbrachen, benutzten dies die Chinesen, um Einfluß zu gewinnen, und ihre Oberherrschaft wurde entschieden, als 1793 die Nepaulesen eindrangen und von den Chinesen besiegt wurden.
Brockhaus 1911:
chines. Besatzung seit dem 18. Jahrh. Ende 1903 sandte England eine große Expedition nach T. und erlangte nach mehrern Kämpfen durch einen Vertrag 7. Sept. 1904 wichtige Zugeständnisse.
Herder 1854
Tibet , Tübet, chines. Vasallenstaat […]
Seit 1720 ist T. von China abhängig, das in L’Hassa eine Besatzung unterhält;
@Spiegelfechter
Hallo,
das hast Du mal wieder schön realistisch auf den Punkt gebracht :-)
„Der Westen sollte sich aus dieser Angelegenheit am Besten heraushalten, da es eine innerchinesische Angelegenheit ist.“
Na ich würde sogar soweit gehen festzustellen, dass es den Chinesen grundsätzlich erst einmal egal ist was „der Westen“ zu alledem sagt. Das hat sie früher auch nicht sonderlich interessiert, warum sollte sich das nun ändern? (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel…)
Mal kurz nachgefragt:
„…ist trotz seines deutschen Wohnsitzes in Deutschland…“
gibt es auch fremdländische Wohnsitze in Deutschland, also so ausser denen von Botschaften und denen in den Freistaaten?
Gruß
@ 39 Karl:
Ob es wirklich sinnvoll ist, die ganze Welt zu balkanisieren, wage ich doch zu bezweifeln.
Die Betonung der eigenen Herkunft, mag anfangs noch als Antwort auf die Verunsicherung durch die Globalisierung gemeint sein, beseitigt jedoch keineswegs das Konfliktpotential, das in einem Zusammenschluß der einen Gruppe, inklusive (territorialer) Abgrenzung, gegenüber anderen enthalten ist.
Ursprünglich galt es mal als erstrebenswertes Ziel, die Nationalstaaten zu überwinden, um dem Nationalismus dadurch letztendlich den Boden zu entziehen. Allerdings darf bezweifelt werden, daß eine Überwindung dadurch gelingen wird, daß man größere Nationalstaaten in mehrere kleinere aufspaltet und die trennenden Grenzen vervielfacht.
@Michael
*g*
Da mußt Du den Satz aber auch weiter zitieren (in Deutschland unbekannt). Klar, könnte man das schöner formulieren (hierzulande unbekannt), aber letztendlich ist es schon korrekt ;-)
@Spiegelfechter:
Schon klar…,
…sah aber einfach mal hübsch aus ;-)
@42: Fiend_THeyde
Balkanisieren ist eine schöne Wortschöpfung.
Spaß beiseite: Ich sagte es oben schon: Ich verstehe auch nicht, warum die Menschen nicht vernünftig zusammenleben können, aber es scheint nun mal so zu sein.
Tatsächlich lassen sich sehr viele Konflikte auf der Welt auf willkürlich quer durch Völker, Nationen und Weltanschauungen gezogene Grenzen zurückführen. Diese Grenzen sind überwiegend Hinterlassenschaften der diversen Kolonialherren.
Natürlich halte ich es für ein erstrebenswertes Ziel, den Nationalismus zu überwinden. Das funktioniert aber offensichtlich nicht durch Druck von außen, bestenfalls durch gemeinsamen Wohlstand von innen wie in der EU. Das ist das einzige funktionierende Beispiel, das mir einfällt, und selbst innerhalb der EU haben wir z.B. die Basken und die Iren, die sich immer noch besetzt fühlen.
@Jens: Also dein Post #33 hat mich nochmal vom guten Geist in dir überzeugt. Der Artikel hier kommt meiner Meinung nach ziemlich anders rüber, als dein Kommentar. Wenn du das so siehst wie beschrieben dann stimm ich dir da auch zu.
Wenn ihr mich fragt, das “Selbstbestimmungsrecht der Völker” ist Quatsch. Aus dem einfachen Grund, dass es sowieso die Anderen sind, die bestimmen, wer ein “Volk” ist.
Wenn sich jetzt, sagen wir mal, Niedersachsen von Deutschland abspalten würde, könnten die sich aufs Selbstbestimmungsrecht der Völker berufen?
Aus ethnischer Sicht, nein. Aber das Kriterium ist eh völlig willkürlich und außerdem seit 1945 diskreditiert.
Aus sprachlicher Sicht, auch nicht… oder? “Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee”, hab ich neulich irgendwo gelesen.
Aus kultureller Sicht? “Ich stamme aus einem anderen Kulturkreis - ich bin Niedersachse”, sagte mein Geschichtslehrer einmal. Also ja. Klar, die kulturellen Unterschiede zwischen uns Rheinländern und den Niedersachsen sind geringer als die zwischen den Deutschen und den Franzosen, aber warum sollte man die Welt in die jetzigen ~200 Staaten unterteilen (und den Gegensatz Deutschland Frankreich zum Maßstab nehmen) und nicht komplett balkanisieren (Rheinland Niedersachsen) oder umgekehrt in eine Handvoll kulturell viertel- bis halbwegs homogener Superstaaten unterteilen (christliches Europa Naher Osten)?
Aus politischer Sicht? Nein, sonst müsste man die Unabhängigkeit ja nicht erst erklären ;-)
Aus historischer Sicht? Na ja, wenn der neue Staat nicht “Niedersachsen”, sondern “Königreich Hannover” genannt wird, könnte es klappen.
Also: Das “Selbstbestimmungsrecht der Völker” bietet auch keine Antwort auf die Frage, ob Niedersachsen ein Recht hat, sich von Restdeutschland abzuspalten. Die Niedersachsen werden sagen, sie sind ein Volk für sich, und die Restdeutschen werden sagen, dass die Niedersachsen schon immer Teil des deutschen Volkes waren. Der Rest der Welt wird sich einer der beiden Seiten anschließen, je nachdem, wie der Wind gerade weht.
Entschieden würde unser niedersächsischer Sezessionskonflikt schließlich durch die Frage, ob die Niedersachsen sich selbst verwalten und versorgen könnten, ob die BRD den (politischen) Willen und die Mittel zur Nichtigerklärung der Unabhängigkeit hätte, vielleicht noch durch die internationale Stimmung bzgl. dem deutschen Staat.
Übrigens glaubt in der Türkei kein Mensch an die Existenz eines kurdischen Volkes, in Serbien niemand an die eines kosovarischen, und ich wette, in Peking und Shanghai niemand an die Existenz eines tibetischen…
Islamische Republik Neukölln, anyone? :-)
Habe jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen und weiß nicht, ob es schon erwähnt wurde - aber dass Tibet nie von einem anderen Staat diplomatisch anerkannt wurde, ist nicht korrekt. Die Mongolei hat Tibet durchaus anerkannt (wie auch andersherum), aus dem Gedächtnis meine ich, es war 1913. Als später kommunistisches Land hat die Mongolei diese Anerkennung allerdings unter den Teppich gekehrt. Das völlig davon abgesehen, dass diplomatische Anerkennungen völkerrechtlich nicht sonderlich bedeutend sind.
@ HilkMAN
Die Mongolei war aber damals ebenfalls kein souveräner Staat.