China und das Dalai-Dilemma
geschrieben am 26. März 2008 von Spiegelfechter
Nur wenig Neues ist seit der Ausweisung der letzten „westlichen“ Journalisten aus der Krisenregion Tibet nach außen gedrungen. Diplomatisch drehen die Regierungen der EU allerdings bereits an der Eskalationsschraube. Merkel, Brown und Sarkozy fordern die chinesische Regierung in teils harten Tönen auf, mit dem Dalai Lama einen Dialog zu eröffnen, Großbritannien und Polen wollen den Dalai Lama zu Gesprächen empfangen und in deutschen und französischen Regierungskreisen wird dies ebenfalls angedacht. Ein Dialog zwischen verfeindeten Parteien, die seit Ewigkeiten nicht mehr kommunizieren, ist natürlich wünschenswert – wann hörte man diese Forderung nach einem Dialog eigentlich im amerikanisch-iranischen Dauerzwist? -, nur ist zu bezweifeln, ob harsche Worte aus Europa bei den Chinesen zu einer Dialogbereitschaft führen werden.

Um die Tibet-Krise zu verstehen, muss man zunächst die Mentalität der Konfliktparteien, die strategische Situation und die kulturelle Bedeutung des Konflikts betrachten, um danach zu Verhaltensempfehlungen zu kommen, die nicht das Gewissen des Westens, sondern die Situation der tibetischen, chinesischen und auch der gern vergessenen uigurischen Menschen verbessern. China ist ein ungemein stolzes und selbstbewusstes Land und hat teils diametral andere Vorstellungen von den „großen Basiswerten“, als westliche „Langnasen“, die im chinesischen Selbstverständnis immer noch Barbaren sind.
China hat in seiner langen Tradition weder eine freiheitlich demokratische Ordnung genossen noch deren geistige Vorläufer. China ist strenggenommen auch nicht kommunistisch – es handelt sich mehr um eine Mischung aus Planwirtschaft und zügellosem Manchester-Kapitalismus, unter einer undemokratischen, totalitären Parteidiktatur. Wenn der Westen China beweisen will, dass Demokratie und Wohlstand einhergehen, so braucht sich der Chinese nur die volkswirtschaftlichen Kennzahlen der letzten Jahre anzuschauen, um dieses Vorurteil schnell widerlegen zu können. Politische Reformen sind für die wenigsten Chinesen ein Thema und die universelle Gültigkeit der Menschenrechte wird allenfalls von einigen wenigen Akademikern eingeklagt. Wenn die moralische Überlegenheit des westlichen Systems zur Diskussion steht, so findet dies in China bestenfalls Unverständnis – anlässlich der jüngeren Politik des Westens und der immer größer werdenden Kluft zwischen Schein und Sein ist dies auch nicht wirklich verwunderlich.

Anderen Kulturen gegenüber tritt China bestenfalls reserviert, schlimmstenfalls überheblich gegenüber. Für die chinesische Kultur spielt „das Gesicht“ eine überragend wichtige Rolle. Wenn eine „Langnase“ auf die Idee kommt, China aufgrund einer Verletzung von Regeln, die nicht die Chinesen, sondern die „Langnasen“ aufgestellt haben, zu maßregeln, so verliert nicht nur der Chinese, sondern seine gesamte Kultur und Nation das Gesicht. Dabei spielt es gar keine Rolle, was Inhalt dieses kulturellen Faux-Pas war. Natürlich heißt dies im Umkehrschluss nicht, dass der Westen jegliche Legitimation verloren hätte, China auf die Einhaltung der Menschenrechte hinzuweisen; nur kommt es auf die Art und Weise an, mit der diese Dinge vorgetragen werden.
Die Vergabe der Olympischen Spiele an China war ein strategisch geglückter Spielzug, um Chinas Regierung und Chinas Bevölkerung westliche Werte näherzubringen. Ein solch riesiges Spektakel mit Millionen Besuchern bietet China die Möglichkeit, sich als (wirtschaftlich) modernes Land zu präsentieren und sich gleichzeitig der Welt zu öffnen. Es ist davon auszugehen, dass die Spiele in China zu einer offenere Gesellschaft beitragen können – und dies ganz ohne kulturellen Chauvinismus oder moralische “Überlegenheit”. Wegen der Geschehnisse in den Gebieten mit kulturellen Minderheiten im Speziellen, und der Behandlung kultureller Minderheiten im Allgemeinen, China dieser Chance berauben zu wollen, ist im höchsten Maße kontraproduktiv und hilft auch den kulturellen Minderheiten keinen Jota.

Es steht zweifelsohne fest, dass China in diesen Gebieten kulturelle und religiöse Eigenarten unterdrückt und (wie überall im Lande) Menschenrechte verletzt. Das ist nicht nur aus westlicher Perspektive scharf zu kritisieren, da Menschenrechte universell gelten müssen. Der Westen soll nicht wie Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken und China vollkommen kritiklos gegenüberstehen. Man sollte sich aber sehr wohl die Frage stellen, wie man denn in der Sache weiterkommen könnte und welche Mittel hierfür sinnvoll und welche weniger sinnvoll sind.
Da der Westen massiv mit China Handel treibt, wären auch wirtschaftliche Sanktionen denkbar – nur wären auch diese kontraproduktiv und würden der Sache eher schaden. Chinas Verstöße gegen diverse Copyright-Gesetze können sicher eingeklagt werden – hier geht es um die Einhaltung von Handelsregeln, die weltweit anerkannt sind und sich auf das konkrete Gut des Handelns beziehen lassen. Die Einhaltung der Menschenrechte und die Gewährung von kultureller und religiöser Autonomie für Minderheiten, die im chinesischen Staatsgebilde leben, ist allerdings ein Eingriff in die staatliche Souveränität, den sich wohl kein wirklich souveräner Staat bieten lassen würde. Man stelle sich nur vor, die arabischen Staaten würden Sanktionen gegen Deutschland verhängen, da sie die religiöse Gleichberechtigung der muslimischen Minderheit in Deutschland verletzt sähen.

Wäre der Westen mit seiner Auffassung, Menschenrechte seien universell, und deren Einhaltung für jegliche internationale Interaktion unverzichtbar, wirklich konsequent, so müsste er gegen China wirtschaftliche Sanktionen einleiten, auch wenn sie freilich nichts bringen. Dann müssten aber auch viele andere Staaten, wie auch die USA, die Folter legitimieren, von solchen Sanktionen betroffen sein. Da dies kaum umsetzbar ist, bleibt nur die „Aufweichung“ dieses Totalitätsanspruchs. Die Welt ist nicht so, wie es sich der Westen wünschen würde, und die Stellschrauben, dies zu ändern sind oft nicht zugänglich und auch nicht immer wirksam. Sich dessen nicht klar zu sein und trotzig zu fordern, irgendetwas müsse man doch schließlich tun, hilft lediglich dem Gewissen der Fordernden und nicht den malträtierten Opfer eines totalitären Kulturchauvinismus , um die es ja vorgeblich geht.

Für die Tibeter, Uiguren und die oppositionellen Chinesen selbst wäre indes jeder Schritt des Westens hilfreich, der China gegenüber der Welt öffnet. Es ist ein historisch normaler Prozess, dass ein Land, das sich im Handel und in der Kultur gegenüber der Welt öffnet, mit der Zeit auch die universellen Werte aufnimmt. Je mehr sich China öffnet, desto eher werden die „Kaderkommunisten“ aus den ersten Reihen der chinesischen Politik durch jüngere weltoffene Politiker ersetzt. Mit ihnen wird es auch Öffnung der Pressefreiheit geben können und eine stärkere Beachtung universeller Handlungsvorschriften, wie den Menschenrechten. Dies wird weder heute noch morgen geschehen, aber schon Laotse sagte, „auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“.
Schaut man auf die spezielle Situation in Tibet, so könnten die forschen Forderungen westlicher Politiker sogar einen doppelten Negativeffekt haben. Der Dalai Lama ist der geistige Führer der Tibeter und zweifelsohne auch ein honoriger politischer Vertreter der tibetischen Minderheit, der Gewaltlosigkeit predigt, umsetzbare Ziele hat und einem konstruktiven Dialog mit Peking offen gegenübersteht. Einem solchen Dialog gegenüber verschließt sich Peking allerdings mit kaum verständlicher Hochmütigkeit. In den letzten zwei Jahrzehnten hatte das Vorgehen des Dalai Lamas kaum messbaren Erfolg für die Tibeter. Im Gegenteil – mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Landes und der Öffnung gegenüber dem Kapitalismus intensivierte sich auch der Zuzug chinesischer Händler und Geschäftsleute in die tibetischen Regionen, was die ökonomische Schere zwischen Tibetern und in Tibet lebenden Chinesen noch weiter vergrößerte und die tibetische Kultur noch weiter zurückdrängte.

Für die zornigen jungen Tibeter, die sich vorgenommen haben, das Olympiajahr 2008 zu einem Jahr ihres Aufstandes zu machen, ist der Dalai Lama zwar immer noch eine kulturelle und religiöse Autorität, politisch hat er allerdings weitestgehend seinen Einfluss verloren. Die jungen Tibeter, wie sie auch vom „Tibetan Youth Congress“ vertreten werden, denken und handeln radikaler als der Dalai Lama – sie haben andere Ziele und verfolgen diese mit anderen Mitteln. Bei den gewalttätigen Ausschreitungen der letzen Woche, die stellenweise Pogromcharakter hatten, waren es nicht nur zornige junge Männer, die Gewalt als Mittel des Widerstandes wählten, sondern auch tibetische Mönche.
Die Radikalisierung der gemäßigten Tibeter wird weiter zunehmen, je größer der Erfolg der Rädelsführer ist, eine internationale Opposition gegen Peking aufzubauen. Je lauter die Klagen aus dem Westen sind und je entschlossener die Boykottdrohungen für Olympia werden, desto mehr stärkt das die radikalen Kräfte und schwächt die moderaten Kräfte um den Dalai Lama. Da der Westen es aber bei verbaler Schärfe belassen wird und keinesfalls die radikalen Tibeter bei der Umsetzung ihrer Ziele gegen Peking aktiv unterstützen wird, ist dieser „Sieg“ der Tibeter ein Pyrrhussieg, dem die kommende Niederlage bereits innewohnt. Jede weitere Radikalisierung der Tibeter und jede weitere Anwendung von Gewalt mindert die Chance auf einen konstruktiven Dialog. Vielleicht sollten sich die Führer des Westens wirklich einmal mit dem Dalai Lama treffen und von ihm gebrieft werden, wie sie agieren sollten, um seine Vorstellungen zu unterstützen. Oder geht es dem Westen etwa gar nicht um die Tibeter, sondern eher um die strukturelle Schwächung des großen Rivalen aus dem Fernen Osten?
Jens Berger
Bildnachweis: Inounshi, Natalie Behring, ~FreeBirD®~, IPJMike und Lenta.ru
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Ich versteh die Argumentation nicht. Du schreibst selbst, dass die Gewaltlosigkeit des Dalai Lamas nichts erreicht hat. Da ist doch doch nur konsequent, wenn die Tibeter zu dem Mittel greifen, was die Chinesen als Einziges verstehen, weil es auch das Einzige ist, was sie selbst kennen, die blanke Gewalt.
Ein langer Marsch beginnt sicherlich immer mit dem ersten Schritt. Doch ein erster Schritt muss nicht zwangsläufig einen langen Marsch nach sich ziehen. China wird von Betonköpfen regiert und ich sehe nicht, wo sich das ändern sollte.
Wandel durch Handel findet sicherlich statt. Doch nicht die Chinesen werden offener und menschenwürdiger, sondern die Staaten der EU übernehmen chinesische Bürgerrechte. Auf solchen Wnadel kann ich aber gern verzichten
Ich boykottiere die Spiele. Das hatte ich aber auch schon vor, als die Tibeter sich noch widerstandslos knechten liessen. Ich kann mir Besseres vorstellen, als die Überlegenheit chinesischer bio-chemischer Labors zu bejubeln. Und zu einer Öffnung werden die Spiele genauso nicht beitragen, wie die Spiele von 1936 oder die Fussball-WM 1978.
@firefly
Keinesfalls – auch Gandhis friedfertiger Widerstand hat lange Zeit keinen Erfolg gehabt; dennoch kann man die gewaltsamen Akte während dieser Zeit durchaus als Rückschritt bezeichnen.
Deine – sicherlich aus guten Gründen formulierten – harten Mittel, werden nichts für die Tibeter bringen. Es ist sicher schwer, sich der Sache klar zu werden, dass man letztendlich als “Westler” fast nichts tun kann, um die Lage der Tibeter mittelfristig zu ändern und der einzige Weg in einer Kooperation mit den Unterdrückern besteht. Aber Realpolitik war noch nie leicht und der erstbeste Weg ist sehr oft der falsche.
Sicher, Ghandis Gewaltlosigkeit hat am Ende gesiegt. Das heisst aber nicht, dass dieses Mittel immer von Erfolg gekrönt ist. Ich würde Ghandi eher als Ausnahme ansehen, die unter besonderen Umständen zu Stande kam.
Ich denke mal, es geht um Töne, nicht ums Töten.
Zum Thema: China handelt seit zweieinhalb tausend Jahren oder länger mit seinen nahen und fernen Nachbarn. Also mit Ost-/Südost-/Süd-Asien und dem mittleren Osten. Immerhin haben sie es in dieser Zeit von einer absolutären Monarchie zu einer kommunistischen Diktatur geschafft. Wenn das in dem Tempo weitergehen soll, werden wir wohl alle keine andere Regierungsform in China mehr erleben. Tatsache ist aber, daß die Entwicklungen rascher fortschreiten und die Menschen sich nicht mehr so leicht gängeln lassen wie früher, nicht umsonst gibt es inzwischen in diversen Inseln in China den Turbokapitalismus.
Ob sie nun ihr Gesicht verlieren oder nicht – über kurz oder lang werden sich die Verhältnisse in China ändern müssen. Die Chinesen selbst erlebten das mehrere Male durch Angriffe von aussen, durch rivalisierende Herrscherrdynastien, durch Kämpfe um die Macht, die vieles in kurzer Zeit veränderten.
Bleibt die Frage, wie lange sie noch brauchen. Und ob sie es ohne Mithilfe von aussen schaffen oder ob sich der Apparat irgendwann von innen zersetzt.
Wirtschaftliche Sanktionen wären ein Anfang. Allerdings gibts schon lange zu starke Verzahnungen zwischen allen großen Volkswirtschaften, um Sanktionen ohne Schäden für alle große Volkswirtschaften durchzuziehen. Statt Arbeitsplätze und Nachfrage im eigenen Land zu schaffen, wird Geld ins Ausland geschafft in der Hoffnung auf irre Renditen. Ohne Im- und Export würden ganze Industriezweige zusammenbrechen. Gerade in den Industrieländern.
Die Veränderungen müssen von innen kommen. Solange man aber nur mit dem Schild “Schützt Menschenrechte” winkt und die Unterstützung des Dalai Lamas aus warmen Worten besteht, die chinesische Regierung also ganz klar erkennen kann, daß die Unterstützung eh nur eine Farce ist, wird die KP sich nicht beeindrucken lassen. Und daß die USA auf die Einhaltung von Menschenrechten pocht, wäre geradezu grotesk.
Olympia? Diese Riesenkommerzscheiße wo es überwiegend nur drum geht, gute Sponsorenverträge an Land zu ziehen? Dabeisein ist alles? Ja, ein paar Sportler mag es geben, für die das noch gilt aber ansonsten ist das doch eine reine Kommerzveranstaltung und letzten Endes entscheiden die besseren Dopingmittelchen, wer gewinnt. Lächerlich…
gruß
ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass das Photo mit dem Mönch nicht aus Tibet stammt, sonder aus Leh in Ladakh (Nordindische Provinz der Region Jammu&Kashmir).
@Christoph
Yep, es stellt einen Blick von der Shanti Stupa auf den Himalaya dar. Direkt hinter den Bergen ist Tibet.
siehe unten
Als erstes möchte ich Jens (wieder einmal) für seinen wirklich guten Beitrag danken.
Verdammt, warum gibt es von den (hoch)-bezahlten Schreiberlingen keine vergleichbaren Analysen (mit Ausnahme des “Schmuddelkindes “Junge Welt”).
Das der eine oder andere vielleicht auch genügend intellektuelles Potential dafür besitzt, möchte ich gar nicht bestreiten, aber anscheinend ist unsere Presselandschaft nicht mehr so unabhängig und freiheitlich, wie sie vorgibt zu sein.
Aber jetzt zu meinem eigentlichen Anliegen:
Bis vor ein zwei Wochen hatte ich ein folkloristisches Tibet-Bild, wie sicher die meisten–geprägt durch Reiseerzählungen und Filme.
Erst eine DLF-Sendung vom 24.03. (Punk in Nepal) http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/721548/
und ein Junge Welt-Artikel Colin Goldners vom 26.03. http://www.jungewelt.de/2008/03-26/015.php?sstr=Tibet
machten mich doch sehr nachdenklich.
Es fing schon damit an, das ich Schwierigkeiten hatte, die erste Auflage Goldners Buch»Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs« zu bekommen. Na gut dachte ich, bestellst dir einfach die 2.Auflage, die für April 2008 angekündigt ist. Amazon, wo man Harry Potter 1 Jahr vorab bestellen konnte, gab keine Auskunft und hatte offensichtlich auch kein Interesse, das Buch zu besorgen.
Nach mehreren Versuchen bestellte ich dann direkt beim Verlag. Dort sprach man hinter vorgehaltener Hand trotz des aktuellen Themas von einer nicht erklärbaren „Zurückhaltung“ des Buchhandels.
Worum geht es in diesem diskriminierten Buch Goldners.:
„Die Ideologie des tibetischen Buddhismus ist keineswegs so harmlos und gewaltfrei, wie sie in den westlichen Medien gerne dargestellt wird. Jahrhunderte lang regierte die Mönchskaste mit eiserner Faust und feudalistischen Strukturen in Tibet, hielt allgemeine Bildung von der Bevölkerung fern und indoktrinierte sie stattdessen mit einem irrationalen Glauben, der sie lehrte sich mit der tiefen Armut abfinden zu müssen. „( aus einer Rezension).
Wie es in Tibet aussehen würde, wenn der Dali Lama jetzt dort noch regierte, kann man bei allen Einschränkungen recht gut der oben genannten DLF-Sendung aus dem Nachbarland Nepal entnehmen, die mich emotional sehr berührte.
Ich will damit die aktuelle chinesische Herrschaft nicht entschuldigen. Das tut Goldner übrigens auch nicht : „Die chinesische Besatzung redet er dabei mit keiner einzigen Silbe schön oder entschuldigt sie gar, er will sich aber auch nicht mit dem scheinbar friedlichen Gegenpol des Dalai Lama anfreunden“.( aus der o.g. Rezension).
Wäre die Frage offen, ob friedliche Demonstrationen in Tibet überhaupt von westlichen Medien wahrgenommen worden wären. Höchstwahrscheinlich nicht und wenn, dann nur als Randnotiz.
Das aggressive Vorgehen war sicherlich mehr eine Reaktion auf hoffnungslose Zukunftsperspektive, die vor allem junge Tibeter im eigenen Land haben und die in dem Fall rassistische Wurzeln hat. Umgekehrt ist der Feind klar offensichtlich die chinesischen Besatzer.
Im Prinzip könnte man die Situation der Tibeter mit vielen Jugendlichen in Deutschland vergleichen, die aufgrund ihrer Schulbildung bzw. ihrer Herkunft kaum Perspektive haben. Der Unterschied ist, hier gibt es kein klares Feindbild, keine offensichtlichen Unterdrücker und ein gewisses Maß an “Freiheit”, welche man aber nur mit Geld wirklich auskosten kann.
Die Gewalt der Tibeter ist für mich daher viel verständlicher als die Lethargie der millionenstarken “Verliererklasse” in Deutschland. Warum brennen hier keine Supermärkte und Autos? Warum schreit hier keiner nach Gerechtigkeit? Oder wie Heiner Geissler es treffend formuliert hat: Wo bleibt euer Aufschrei?
http://www.zeit.de/2004/47/Ohnmacht_2fArbeiter
Sehr guter Artikel, endlich geht einmal jemand darauf ein, dass “der Chinese” die Sachlage aus einem komplett anderen Blickwinkel betrachtet als wir. Und das ist nunmal der zentrale Punkt in dieser Angelegenheit, von dem leider 95% aller Westler wenig bis gar nichts wissen.
Dies ruehrt natuerlich zum einen daher dass die Berichterstattung in den MM meines Erachtens nach einseitig und “sensationsgeil” ist, und eine Analyse der Umstaende sich kaum in eine fette Ueberschrift und 200 Zeilen Text verpacken laesst, andererseits sich kaum jemand mehr die Muehe macht sich tiefgruendig zu informieren.
@Frank
“Immerhin haben sie es in dieser Zeit von einer absolutären Monarchie zu einer kommunistischen Diktatur geschafft. Wenn das in dem Tempo weitergehen soll, werden wir wohl alle keine andere Regierungsform in China mehr erleben.”
Ich bin mit nicht so sicher ob wir tatsaechlich eine andere Regierungsform in China erleben wollen. Ein Land das keinerlei historische Vergangenheit in Bezug auf Demokratie (ich nehme mal an, dass dies die Regierungsform ist die du fuer wuenschenswert haelst) hat, wird sich extrem schwer tun, diese auf Druck von aussen oder durch ueberhastete Veraenderung von innen, von heute auf morgen einzufuehren.
Sicherlich sind Fortschritte in Richtung Demokratie zu verzeichnen, so findet auf “Stadtebene” sowas wie wahlen statt, dies ist aber ein Prozess der sich entwickeln muss und den die Chinesen von sich aus lernen muessen!
Und das letzte was sie dabei brauchen und sich bieten lassen sind dahergelaufene Westler die mit erhobenem Zeigefinger meinen, zeigen zu muessen wo der Hase langlauft!
Und noch ein Satz zu der auch in der letzten Diskussion haufig gefallenen Forderung, dasss sich die Chinesen auf kurz oder lang aendern muessen! Momentan ist es noch undenkbar und es wird auch noch eine ganz Weile dauern bis es soweit sein koennte, aber vllt. wird uns der Chinese irgendwann sagen wie wir uns zu verhalten und zu aendern haben!
Und was dann los sein wird, daran will ich lieber nicht denken!
Es stuende dem Chinesen ja durchaus zu seine Weltanschauung und sein Verstaendnis von besimmten Werten genauso als universel zu bezeichnen wie wir es tun! Immerhin werden sie von einem fuenftel der Weltbevoelkerung geteilt.
Da sollten wir uns also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sondern wie auch schon oben vom SF erwaehnt ein gesundes Mass finden:
“Der Westen soll nicht wie Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken und China vollkommen kritiklos gegenüberstehen. Man sollte sich aber sehr wohl die Frage stellen, wie man denn in der Sache weiterkommen könnte und welche Mittel hierfür sinnvoll und welche weniger sinnvoll sind.”
Gruesse
Die chinesische Verfassung schreibt vor, dass die Funktionäre aller menschlichen Vereinigungen im Lande von unten nach oben gewählt werden müssen.
Aus diesem Grunde ist auch die römisch-katholische Kirche verfassungsfeindlich, ihr Gottglaube aber nicht. Die staatlich anerkannte katholische Kirche in der Volksrepublik wählt ihre Priester und Bischöfe aus den Gemeinden von unten nach oben.
Der Dalai Lama ist von niemandem gewählt.
Es glaubt doch niemand, dass die Regierung der kommenden ersten Weltmacht mit einem inländischen Verfassungsfeind verhandeln wird.
sorry spiegelfechter, aber nach meinem gefühl liegst du zum zweiten mal in sachen china und tibet daneben. nur mal kurz einige punkte, zu denen ich ne andere meinung habe:
die spiele sind, können und konnten noch nie ein großer gewinn für china sein. in einer so stark vernetzten welt wie wir sie heute erleben, kann man einfach keine “zweite realität” wie im jahre 1936 vorspielen. das medien im “dreck rumwühlen” und auch was finden werden, war von anfang an klar. und in china ist viel “dreck” zu finden. die vergabe ist nur eine niederlage des ioc, wo man die spiele aus politischen gründen nach china vergeben hat, aber jetzt nach der guten alten vogel strauß taktik den kopf in den sand steckt.
desweiteren wäre ich nicht so zynisch die besiedlung von tibet mit chinesen auf den wirtschaftlichen fortschritt zu schieben. vielmehr habe ich manchmal das gefühl, dass hier geziehlt eine ethnische ausdünnung betrieben wird. beispiel wäre zum beispiel die hochgebirgsbahn, die ganz sicher nicht für tibeter gebaut wird. auch eine nach westlichen maßstäben positive veränderung und öffnung chinas kann und will ich nicht erkennen. ausser das china jetzt seinen eigenen transrapid, airbus, bmw, etc. bauen kann, haben sich die investitionen doch in die von dir vorgeschlagene richtung nicht gelohnt.
dem “westlichen” politikern eine bewusste schwächung chinas zu unterstellen hört sich dann leider auch eher nach einem guten buch über verschwörungstheorien an, als nach dem gewohnten spiegelfechter. dazumal eine schwächung chinas bei 1,3 milliarde einwohner sehr schwierig werden würde. was machen da schon die paar millionen (wenn überhaupt) uiguren und tibetaner aus? zähl meinetwegen auch noch die interlektuellen chinas hinzu. es sind lang nicht so viele, dass die chinesische kp zuwenig “bauern” hätte um den gewohnten stiefel weiter durchzuziehen.
cya
mwi <= allerdings auch ohne einen lösungsansatz
@9 Anindo
Ganz genau – da braucht man sich auch nicht wirklich wundern, wenn die Presse es lieber sähe, wenn die “Funken am Glühen gehalten würden” oder man gar “ein Feuer enzünden könnte”.
@12 MWI
Das ist auch gar nicht nötig. Die Chinesen profitieren von den Besuchern (kultureller Austausch und laxere Presseregelungen, die keinesfall nach den Spielen zurückgenommen werden müssen) und die Besucher erleben ein hochmodernes China – glaub mir, nur wenige interessieren sich für das Demokratiedefizit, wenn alles glänzt und glimmert.
Ja sicher, ich habe die Forcierung dieser Entwicklung auf wirtschaftliche Gründe geschoben. Natürlich sind es nicht nur wirtschaftliche Gründe.
Nein nein, sie wurde für chinesische Touristen und für chinesisches Militär gebaut, das so schnell im chinesisch-indisch-russischen Grenzgebiet aufmarschieren kann.
Eben drum – was ist mit der Integrität des Staates, wenn die westlichen Provinzen offen rebellieren (Bürgerkrieg)? Der Führungsanspruch der KPC ist auch ein vereinigender. Wenn ihnen Tibet um die Ohren fliegt, so hat dies massive Auswirkungen auf ihre Führungsrolle. Und wenn die KPC verliert, verliert China an Geschlossenheit und Stärke. Ich finde das kaum “verschwörungstheoretisch”.
@spiegelfechter (beitrag 14)
bin mir grad nicht sicher, ob ich darin jetzt die ironie überlesen hab, oder nicht…fakt ist jedoch, dass die bahn tatsächlich auch für militärische zwecke gebaut und in zukunft noch erweitert werden soll. desweiteren sind die preise für ein ticket wohl auch kaum für tibetaner erschwinglich (mal vom fakt abgesehen, warum sich auch nur ein tibeter für andere chinesische provinzen interessieren sollte.)
einen bürgerkrieg wird wohl keine der westlichen provinzen anfangen können (kann ich nicht belegen, ist eher ein gefühl). abgesehen davon, was sollen westliche interventionen (zumindest in der halbherzigen form wie sie derzeit geschehen) bringen? des interessiert dort drüben niemanden ernsthaft. und das wissen merkel und co. auch. deren verhalten ist wohl eher auf den erhalt des guten gewissens zurückzuführen, denn auf eine schwächung chinas. denn wie gesagt, dass was der rest der welt derzeit macht wegen tibet, geht denen in china allerwertesten vorbei.
cya
mwi
[EDIT (Spiegelfechter): Da der Beitrag ein Copy&Paste aus einem anderen Blog ist, habe ich ihn auf den Link gekürzt:]
Beitrag
@Simon
Ich weiß nicht, wem mit solchen offensichtlich parteiischen Berichten geholfen sein soll.
@Jens,
was soll man sagen? Doppeltreffer!!
@athe#8
Danke für Deine links! Das dlf-Teil iss wirklich hart!
@einige …
… über die ich mich nur wundern kann. Schon in den vorherigen Beiträgen Flachwissen ;) versprüht, und jetzt: Wieder der selbe Lötzinn! Und da soll sich China entwickeln?! :)
Wo nehmen wir eigentlich die Chuzpe, die Arroganz her “universelle Menschenrechte” zu definieren und von anderen einzufordern? Besonders, wenn man ‘mal genau hinguckt, Rechte, die wir auch schon ‘mal pragmatisch hintan stellen, an die wir uns nicht immer selbst halten. Emotional kann jeder halten von dem Thema, was er will – ich bin mir sicher, dass der Eine oder Andere nicht in den Schlaf kommt wegen der Ereignisse – aber: Wem hilft das? Welches Lösungspotential – zu wessen Nutzen – ist darin verborgen?
Beste Grüße
Vogel
PS.: Zu: Emotional … Ich hatte einen guten (Geschäfts-)Freund aus Ex-Jugoslawien, er ist über die Ereignisse ab Sommer 91 krank geworden – hat wochenlang pausenlos vor der Kiste gesessen, war dann einige Wochen im Krankenhaus – und ist am Ende, im Früjahr ‘96, nachdem er schon einige Jahre nicht mehr arbeitsfähig war, mit 48 verstorben!
@Simon: An der allgemeinen Friedfertigkeit der Tibeter darf zumindest ernsthaft gezweifelt werden. Der unten verlinkte Text zum Kalachakra spricht Bände:
http://www.yabyum.ch/archiv/yy000822.htm
Als historisch gesichert darf angesehen werden, daß die Mönche Tibet als Feudalherren beherrschten und härteste Körperstrafen durchaus üblich waren. Von daher kann man durchaus den Standpunkt vertreten, daß die chinesischen Besatzer als Befreier auftraten. Andererseits ist allseits bestens bekannt, daß sich “befreite” Völker oftmals lieber von ihren eigenen Unterdrückern unterdrücken lassen, als sich von Fremden befreit zu fühlen. Als aktuelle Beispiele dafür können Afghanistan oder der Irak betrachtet werden.
Es ist irgendwie schon seltsam: da fordert man allenthalben Zivilcourage, dass sich die Bevölkerung gegen ein “Unrechtsregime” auflehnt, und wenn sie es machen, dann setzt es erst mal eine Tracht “Prügel” nach dem Motto: was erlauben sich die Tibeter überhaupt.
Dazu kommt dann der Kommentar, dass man sich in “innerchinesische” Konflikte nicht einmischen darf, bzw. dass man das Ganze von der “chinesischen Warte” aus zu betrachten hat.
Es mag zwar sein, dass sich die Chinesen als den Mittelpunkt der Erde und allen anderen gegenüber als überlegen betrachten…. allerdings gehört die Welt nicht den Chinesen alleine, noch sind sie alleine auf dieser Wekt, noch haben sie die alleinige Deutungshochheit über alle Themen.
Wenn sich die verschiedenen ethnischen Gruppierungen der ehemaligen UdSSR selbstständig machen, dann ist der Beifall gewiss; wenn es irgendwelche Tibeter sind, dann heisst es: naja, nice try, aber das interessiert uns nicht….. ihr habt weder Öl, noch brauchen wir euer “Territorium” um eine Pipeline zu bauen….. andere Ressourcen habt ihr auch nicht, und bald werdet ihr eh von den Han-Chinesen “ausgebrütet” bzw. ausgerottet worden sein.
Die Menschenrechte sind nun wahrlich keine europäische Erfindung, sondern das Resultat aus der Geschichte der Menschheit. (hat China eigentlich die korrespondierende UN-Charta unterschrieben?)
Man wird doch noch sagen dürfen, unter welchen Bedingungen man mit anderen Ländern in eine Beziehung tritt, d.h. im Austausch mit China kann es ja nicht angehen, dass China einseitig die Bedingungen diktiert.
Aber heutzutage ist natürlich jeder ein Hobbypolitiker, sieht das “Grosse Ganze”, weiß, wie man am besten die eigenen Interessen vertritt, und dass so alles im Endeffekt auf faule Kompromisse hinausläuft…..
brutale Unterdrückung, Zensur, etc. in China? Klar, Du musst das aus dem Blickwinkel der Chinesen betrachten; ausserdem läuft unser Handel mit diesen zur Zeit ausgezeichnet… wir wollen doch dies nicht gefährden…. Die paar Toten? Ach… Verluste gibts doch immer….
Die abenteuerlichste Argumnetation ist dann natürlich immer: “Da bei uns auch nicht alles Gold ist was glänzt, dürfen wir bei denen, die gar keine Grenzen kennen, auch nichts sagen”
Mit einem Wort: erbärmlich!!
“Wenn der Westen China beweisen will, dass Demokratie und Wohlstand einhergehen, so braucht sich der Chinese nur die volkswirtschaftlichen Kennzahlen der letzten Jahre anzuschauen, um dieses Vorurteil schnell widerlegen zu können.”
Wie bitte ?
BIP / Einw. (Nominal): $1.709 China
BIP / Einw. (Nominal): $36.975 Deutschland
Quelle: Wikipedia
Das ist kein Vorurteil, wie du so leichthin schreibst. Außerdem, und das ist für den einzelnen viel entscheidender als volkswirtschaftliche Kennzahlen liegen zwischen dem Lebensstandard des durchschnittlichen Deutschen und des durchschnittlichen Chinesen Welten.
Nanana, Mirko, auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut (hmm, und in Rom basierte, genau wie in China, der “Wohlstand” nicht auf Demokratie, sondern Sklavenarbeit). Wenn schon, solltest du Taiwan und VR China nebeneinander stellen, denn dieser Vergleich ließe sich viel eher als “Erfolg der Demokratisierung” verkaufen.
Btw.: Welche Episode führte in China zur stärksten Veränderung der Leistungsfähigkeit des Landes? Der Staatskapitalismus der letzten Jahrzehnte? Die Kulturrevolution? Oder war es der Opiumkrieg?
@SF:
Ich glaube ja, dass solche Artikel unnötig sind. Keinem Tibeter, noch nichteinmal einem Uiguren wird dadurch geholfen. Und für überzeugte Antikommunisten ist es Wasser auf die Mühlen … und alle anderen wissen es ja eigentlich sowieso besser.
Aber die Bilder sind hübsch ;)
Richtig ist jedenfalls, daß ein Ignorieren der chinesischen Kritik an der tatsächlich einseitigen Berichterstattung die Situation derjenigen, die nicht auf Eskalation setzen, nur erschweren kann. Die Wortführer des Westens müßten lediglich, wie von der chinesischen Presse gefordert
http://news.xinhuanet.com/english/2008-03/23/content_7842046.htm
in ihren Stellungnahmen die von den Tibetern begangenen Gewalttaten genauso kritisieren, wie Übergriffe von Seiten der Staatsmacht, von denen man annehmen darf, daß es sie auch gegeben hat. Kritikwürdig sind diese Gewalttaten allemal, nur würde dadurch die Peking unterstehende Polizei und das Militär insgesamt legitimiert. So würden es jedenfalls Menschenrechts-Zeloten wie Nancy Pelosi sehen. Stimmt natürlich nicht, weil Peking ja de-facto für die öffentliche Sicherheit in Tibet verantwortlich ist. Das bedeutet, daß es nicht mehr als ein Anerkennen der Realität sein müßte, wenn man den Chinesen in dieser Hinsicht entgegen käme.
Daß man das nicht tut, hat meiner Meinung nach andere Gründe. Einerseits stimmt es sicherlich, daß einige gar nicht gewillt ist, auf diese Weise ihren Beitrag zur Beruhigung der Situation zu leisten. Andererseits können westliche Politiker dieses Zugeständnis gar nicht machen, ohne vom politischen Gegner in der Heimat unter Beschuß zu geraten. Würde z.B. Merkel nicht unversöhnlich “den Dialog” und “die Einhaltung der Menschenrechte” fordern, dann würde Claudia Roth ruck-zuck nach Dharamsala fliegen, um sich mit dem Dalai Lama zu treffen und diese Forderung selbst zu stellen. Diese Reise würde Claudia Roth allerdings vor allem deshalb machen, um Merkel in Deutschland medienwirksam anzuklagen, weil sie auf diese Weise einen Punkt in der Schlacht auf dem Gebiet der “politischen Metaphysik” machen kann. Das bedeutet, Merkel und andere haben effektiv gar nicht die Freiheit(!), ausgewogenere Stellungnahmen abzugeben, weil das zum politischen Machtverlust führen könnte. Als Drittes kommt hinzu, daß die Menschenrechte dem Staat gar keine Rechte zugestehen, wenn man Art. 29 Abs. 1 auf die Spitze treiben will. Charles Malik, der praktisch der Hauptautoren der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte war, war dies voll und ganz bewußt, weswegen er selbst sagte: “Das ist ja Anarchie, das ist extremer Individualismus!”
[EDIT]
natürlich entwertet dieser Wesenszug die Menschenrechte nicht, denn wenn man sich seinen Verstand bewahrt hat und die Menschenrechte nicht als Religionsersatz mißbraucht, wird man wissen, daß kein Staat seinen Pflichten nachkommen kann, wenn er nicht auch Rechte hat. Daß Nancy Pelosi oder Claudia Roth davon nichts wissen wollen, kann ich nachvollziehen, aber Merkel oder Bush müßten es besser wissen, weil ihnen Röm. 13, 2-4 sicherlich nicht unbekannt ist.
Dieses Entgegenkommen des Westens zu den Positionen der chinesischen Staatsführung ist es, was ich als Dialog bezeichnen würde. Käme dieser auf internationaler Ebene zustande, würde das die Chancen auf einen inner-chinesischen Dialog unter Einbeziehung des Dalai Lama sicherlich vergrößern, weil das Wort des Westens dann ausgewogener wäre und somit mehr Gewicht bekäme.
ich möchte noch einen link ergänzen, falls er noch nicht bekannt sein sollte:
Medienfälschungen über Tibet und Kundus-Attentat 2007
dazu ausnahmsweise Lesenwertes aus den hiesigen Medien
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E713DA7DC7D564F7887103E84D8AFD633~ATpl~Ecommon~Scontent.html
p.s.
lesenswert ist auch die von Haiduk verlinkte kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Menschenrechte
danke dafür
Eine Ahnung, welche Art von Staat dem Dalai Lama als Ideal vorschwebt, bekommt man, wenn man sich “Die Verfassungsurkunde der Tibeterinnen und Tibeter im Exil” durchliest:
http://www.tibetoffice.ch/web/cta/charter.htm
natürlich müßten davon immense Abstriche gemacht werden, wenn das irgendwie mit der Verfassung der VR China zusammengehen soll
http://www.verfassungen.de/rc/verf78.htm
Hallo Jens,
mit Deiner letzten Frage in Deinem Artikel : “Oder geht es dem Westen etwa gar nicht um die Tibeter, sondern eher um die strukturelle Schwächung des großen Rivalen aus dem Fernen Osten?”
Hast Du alles gesagt was man wissen sollte.
Mal abgesehen davon, dass ich die chinesische Regierung nur verabscheue, sollte doch Recht immer noch Recht bleiben.
Wenn ich mir dann noch die Berichterstattung der Massenblätter anschaue, sowie bewusst gefälschtes Bildmaterial, kriege ich wie immer das Kotzen.
http://newschecker.blogspot.com/2008/03/who-lie-about-xizang-tibet-violence-and.html
http://de.youtube.com/watch?v=uSQnK5FcKas
Ich vermute mal, dass gewisse Geheimdienste hier wieder ganze Arbeit leisten.
@20 7Schläfer
Als Bürger kannst, darfst und sollst Du tun, was Dir richtig erscheint. Natürlich kannst Du Deine “Zivilcourage” in einer Mahnwache vor der chinesischen Botschaft oder in einem Privatboykott chinesischer Produkte ausdrücken – so billig ist Zivilcourage selten zu haben ;-)
Was aber der Staat macht, ist eine andere Frage – er kann laut schmettern und damit die Lage verschärfen – nur wem nutzt das? Diese Frage stelle ich im Artikel … mehr nicht.
Ganz richtig – nur hat der Westen ebenfalls nicht die Deutungshoheit … und was nun?
Och, im Vergleich zu Tschetschenien, Bergkarabach, Abchasien, Südossetien oder Transnistrien ist Tibet verhältnismäßig prominent in den Medien vertreten und wird außerordentlich hochrangig verteidigt. Von Merkel, Bush, Brown und Sarkozy habe ich noch nichts über das Schicksal der Uiguren gehört.
Natürlich, aber dann soll der Westen doch konsequent sein und nicht nölig herumlavieren. Wirtschaftsboykott sofort – warum nicht? Das hätte mein Placet, da es ehrliche Wertbeständigkeit signalisieren würde. Natürlich hilft das in der Sache keinen Jota. Geht es hier eigentlich um die Chinesen und Tibeter oder unsere gottverdammte Arroganz und Selbstherrlichkeit?
@21 Mirko
Für solche Vergleiche wurde die PPP “erfunden” und da ist China immerhin bei $7.198. Aber, darum geht es gar nicht. Noch vor wenigen Jahren, als Deutschland ein reiches Industrieland erster Güte war, war China ein Drittweltland. Der Kommunismus hat den Land nichts außer Armut und Rückständigkeit gebracht – als man das System in einen totalitären Kapitalismus umänderte, konnte man dafür Jahreswachstumsraten verzeichnen, von denen der Rest der Welt nur träumen kann. Es wäre unwahrscheinlich, dass dies unter einem demokratischen System hätte errungen werden können – vor allem wäre dann der Staat auseinander gebrochen. Dies stelle ich übrigens absolut wertneutral fest, da ich in wirtschaftlichen Kennzahlen ganz sicher keinen Selbstzweck sehe.
Mit den Kennzahlen meine ich übrigens Wirtschaftswachstum und v.a. Handelsbilanzen.
Danke für den sehr guten Artikel Jens.
Ich mag die aufgeklärte prüfende Zurückhaltung in deinen Artikeln, die dem typischen “Deutschen” eher fremd ist: dieser polltert mir zu sehr, hat von Nichts eine Ahnung, aber eine große preußisch-wilhemische Fresse, wenn es um andere Kulturen und Menschen geht, und bildet sich ein, irgendwas vorlaut beurteilen zu können.
Ach ja, die Linke von Haiduk & Salvo und den anderen, Danke ;)
Obwohl ich beim FAZ Kommentar eher das Gefühl habe, die FAZ Redaktion sieht die Gefahr, dass der mediale westliche Prager, bei einer Abschottung Chinas zu Olympia, keinen Chinesen erreichen wird, was den Sinn und Zweck einer erfolgreichen Balkanisierung Chinas zu wider läuft. In diesen Kreisen verzichtet man ungern auf seine medialen Waffen, auch wenn das die Kinder mit den Menschenrechtstibetchildchen nicht wirklich verstehen.
Wer die FAZ Position zu Belgien kennt, deren Dauerkrise und Zerfall die belgischen Eliten erstmal abgewendet haben, kann sich vorstellen, welche Tränen in den Redaktionsräumen geflossen sein mögen. Die politische Meinung und Positionen der Eigentümer zu bestimmen, erlesen und zu erfassen,ist schon eine halbe Wissenschaft für sich.
Ach ja, Georgien und der Ukraine braut sich politisch mächtig was zusammen: Brzezinskis Kinder wollen ernst machen.
Wo bleibt eigentlich die “Zivilcourage” der Tibetkrieger für die Sorben, die leben immerhin hier in Deutschland ?
Wenn ich mir diesen Artikel durchlese
http://www.kath.net/detail.php?id=19402
komme ich zu dem Schluß, daß es unter der chinesischen KP in Tibet jedenfalls mehr Religionsfreiheit gibt, als in einem national-tibetischen Gottesstaat mit demokratischer Verzierung. Mehr als ein paar Schokosträusel, die nach Demokratie schmecken, gäbe es da nämlich nicht, wenn die exiltibetische Verfassug als Modell dienen würde. Ob dieses Mehr an Religionsfreiheit am Ende bei den tibetischen Christen auch wirklich ankommt, ist eine andere Frage, weil Christen ja auch dann verfolgt werden, wenn man sie nicht verfolgen darf.
Ach ja, die Sorben … sind zum Glück Westslaven und ihn fehlt daher der Hang zur Aufmüpfigkeit zugunsten eines kulturellen Minderwertigkeitskomplexes. Sie werden daher, wie die Uiguren, selbst dann keine Sachsen, Bayern, Tschechen und Preußen verbrennen, wenn man sie darum bäte.
A propos, ich muss noch die diesjährigen Batikeier verpacken …
(Wieviele ethnische Minderheiten gibts eigentlich in Deutschland? Die chinesischen kenn ich aus einem chinesischen Schulbuch, aber zumindestens in dem der DDR hab ich dazu nicht so viel gefunden …)
auf wikileaks sind Fotos aus den Protesten in Tibet aufgetaucht – keine schönen Bilder
http://www.wikileaks.org/leak/tibet-protest-photos.zip
@all
Auch Interessant:
Kent Ewing: Tibet, China and the West: Back to stereotypes
@28 SF
Es sollte in diesem Fall um das friedliche Zusammenleben von Tibetern UND Chinesen gehen. Mir sind die Menschen wichtig, egal wo sie leben. Den Politikern sind diese “wurscht”. Nichtsdestotrotz erwarte ich von den Volksvertretern, dass sie die Interessen ihres Volkes, und nicht die eigenen vertreten, sowohl hüben als auch drüben. Das ist zwar idealistisch, aber alles andere ist ablehnungswürdig.
“Dem Westen” geht es nur um Wirtschafts- und geopolitische Interessen; den Chinesen ebenso, wobei diese zusätzlich die Gefahr haben, dass sie die Kontrolle im Land verlieren.
Ehrlichkeit und Wertbeständigkeit taucht in dem Vokabular eines Politikers idR nicht auf und ein Wirtschaftsboykott wäre natürlich Schwachsinn, weil so etwas in unserer heutigen Welt defacto nicht durchführbar wäre. Zudem wäre es natürlich eine durch und durch verlogene Aktion, die aus irgendwelchen Machtkalkülen entstünde, und nicht, weil dort Menschen unterdrückt werden.
Worum es hier geht, fragst Du? Hier geht es darum, dass in diesem Fall die Tibeter assimiliert werden sollen, und diese aber nicht wollen. Deshalb wehren sie sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Wenn man sich anschaut, unter welchen Bedingungen sie dieses machen, kann ich vor diesen Menschen nur den Hut ziehen: soviel Courage hätte den Deutschen in ihrer Geschichte gut zu Gesicht gestanden!
@29 Spiegelfechter: Eigentlich war China niemals kommunistisch zumindestens wenn man die Vorstellungen von Marx als Messlatte anlegt. Selbst im wirtschaftlichen Sinne konnte China diese Bedingungen nicht erfüllen, weil die Fabriken nicht von den Arbeitern kontrolliert wurden.
Deiner Analyse, dass der totalitäre Kapitalismus China stark vorangebracht hat stimme ich zu, allerdings sollte man nicht die Millionen von Wanderarbeitern vergessen auf deren Rücken dieser Wohlstand aufgebaut wurde
Also wenn sich eine Institution zum Thema Religionsfreiheit zurückhalten sollte, dann ist es doch die römisch-katholische Kirche. Zwangsmissionierungen, Verfolgung und Ermordung Andersdenkender oder Abweichler. Sieht nur sich selbst als die eine, wahre Religion mit dem Anspruch, daß der Chef quasi ne direkte Leitung zum Chef hat.
Vor diesem Hintergrund kann ich die ablehnende Haltung zu christlicher Missionierung durchaus verstehen.
Abgesehen davon behauptet ja auch niemand, daß in Tibet ohne die Chinesen alles eitel sonnenschein wäre. Die Tibeter müssten ihrerseits ihren Weg in die Gegenwart finden – diese Option haben sie jedoch nicht. Sie sind das Opfer von Machtinteressen gewesen und werden es weiterhin sein.
Und daß die Chinesen sich für den Mittelpunkt der Erde halten ist eine Tatsache, die inzwischen seit zweieinhalb tausend Jahren bekannt ist. Muss sich nun die Erde neu ausrichten oder kann man von den Chinesen inzwischen mal ein Überdenken ihrer Position erwarten oder einfordern?
Daß die gleichgeschalteten Medien in Merkelland nix taugen, ist nun auch nichts spektakulär neues, da gibts doch ein Buch einer dpa-Schreiberin.
gruß
@7Schläfer
Da sind wir 100% einer Meinung.
Nur das „der Westen“ gerne seine Wirtschafts- und geopolitischen Interessen unter den Fahnen von „Freiheit“ und „Demokratie“ verbreitet, die für ihn freilich nur Mittel zum Zweck der Interessensdurchsetzung sind.
Nun ja – ob das wirklich der Fokus ihrer Wut ist, kann ich Dir nicht sagen.
Viele neutrale Kommentatoren halten ökonomische Gründe (die aus der Sinisierung herrühren) für die eigentliche Ursache der Gewaltausbrüche.
Dennoch halte ich die kulturelle Selbstbestimmung der Völker natürlich für einen hohen Wert – nur leider auch für einen sehr abstrakten.
Internationales Recht ist Völkerrecht, sprich Recht der Nationengemeinschaft. Da unzählige kulturelle Konflikte in dieser Nationengemeinschaft vor sich hin köcheln (und dies schon seit Menschengedenken), gab es nie einen Rechtsanspruch auf die kulturelle Selbstbestimmung und es wird ihn auch nie geben. Egal, ob es sich um Basken, Korsen, Sorben, Schotten, Hutu, Tutsi, Xhosa, Inguscheten, Uiguren oder Tibeter handelt.
Wenn die „Besatzernation“ keiner Autonomie oder gar Staatengründung ihr Placet gibt (wie im Falle Sowjetunion oder CSSR), so ist und bleibt dies eine innerstaatliche Sache. Das ist traurig für die Minderheiten aber gültige Praxis, gedeckt vom gültigen Recht. Ausnahmen, wie das Kosvo, sind völkerrechtswidrige Gebilde, was kaum ein ernsthafter Völkerrechtler bezweifeln würde. Wer an der Lunte des Benzinfasses „Selbstbestimmung“ zündelt, dem kann bald die halbe Welt um die Ohren fliegen. Und ich rede hier nicht von abstrakter Geopolitik, sondern allen voran vom Schicksal der Menschen.
Auch Deutsche haben mal Mitgliedern einer ethnischen Minorität ihre Geschäften verwüstet und sie darin verbrannt – ja, ja, ein böser Vergleich und gleich noch Godwins Law bestätigt. Aber wenn ich anlässlich der Pogrome in Lhasa Applaus für die Courage höre, so wird mir ganz andes.
@38 SF
das stimmt. was wäre denn die Alternative?
warum abstrakt? in einer toleranten Gesellschaft eigentlich kein Problem; nicht jede kulturelle Selbstbestimmung muss zu einer Staatsgründung führen.
wer, in dem Wissen, dass er durch seinen Protest Leib und Leben aufs Spiel setzt, trotzdem dieses tut, der hat wahrlich Courage.
Hier wehren sich die Unterdrückten, und Du setzt sie mit Unterdrückern gleich? Ich denke, dass da ein beiderseitiges Mißverständnis vorliegt…..
nanu, seit wann bleiben denn hier Links auf Rechtsextreme wie die von Haiduk stehen?
@7Schläfer
Für wen? ;-)
Wir haben uns ja darauf geeinigt, dass es um die Menschen in China/Tibet geht und nicht um unser Gewissen und unsere Wertediskussion.
Jede aggressive oder moralinsaure Intervention des Westens wäre in diesem Sinne kontraproduktiv. Daher sollte man sich schlechten Gewissens zurücklehnen. Irgendwann kommt in jedem Leben der Tag, an dem man erkennt, dass man nichts erreichen kann, auch wenn man es noch so gut meint.
Und nicht jede Gesellschaft ist tolerant.
Ich kenne das Wort hauptsächlich in einer positiv konnotierten Form. Wer unter abstrakter Gefahr seines eigenen Lebens unbewaffnete Menschen umbringt, ist für mich nicht couragiert, sondern feige.
Und die chinesischen Händler und Kinder, die dem Pogrom zum Opfer fielen sind Unterdrücker?
Mit einer solchen Moral sind Mord und Totschlag alle Türen geöffnet.
Das glaube ich nicht einmal. Du siehst “den Chinesen” als Unterdrücker und gehst davei anscheinend so abstrakt vor, dass Du nicht merkst, dass die konkreten Opfer sicher persönlich unschuldig waren, außer man erklärt die Chinesen zum Tätervolk mit Kollektivschuld, das vogelfrei ist.
Nein, ich halte einen Mord an einem unbewaffneten, unschuldigen Menschen aus politischen Motiven (und seien sie noch fein formuliert) weder für mutig, noch für gerechtfertigt – in keiner Art und Weise.
Man muß(!) aus diesem irrsinnigen Täter-Opfer Schema herauskommen. Man kann z.B. Israel wegen seiner Siedlungs- und Apardheitspolitik verteufeln, dennoch macht dies die Taten der palästinensischen Selbstmordattentäter und der Kassam-Schützen um keinen Jota besser. Freilich sind dies auch keine würdigen Vertreter ihrer Volksgruppe – alles ist komplizierter. Und so ist es in Tibet nun mal auch. Junge Spinner, die Chinesen in ihren Geschäften anzünden, sind keine würdigen Vertreter ihrer Volksgruppe – Punkt! Und die Welt täte gut daran, dem Dalai Lama in diesem Punkt zuzuhören, der sich deutlich von diesen Gewaltorgien distanziert. Eine solche Distanzierung habe ich von Free-Tibet Aktivisten noch nicht gehört.
@Anonym
Welchen Link meinst Du? Ich halte einen Link für bedenklich, aber nicht so bedenklich, als dass er einer Zensur bedürfe. Ich habe schließlich Leser, die sich selbst ihr Urteil machen können ;-)
“Also wenn sich eine Institution zum Thema Religionsfreiheit zurückhalten sollte, dann ist es doch die römisch-katholische Kirche.”
@Frank Schenk: Weder bin ich Mitglied der RKK noch bin ich irgendeine Institution. Ansonsten ist die Glaubensfreiheit der Christen in Tibet vom Grundsatz her freilich genauso schützenswert, wie die der buddhistischen Mönche dort. Den Rest Deiner Überlegungen sollten wir hier besser nicht erörtern.
Spiegelfechter,
es stimmt aber schon. Die “Europäische Werte-Vereinigung” ist keine sonderlich sympathische Vereinigung.
@Mile
OK, OK – Ihr habt gewonnen ;-)
Ich finde aber derartige Links nicht einmal schlecht.
Es ist interessant zu sehen, wie andere ticken (nicht speziell jetzt der Linkeinsteller sondern allgemeiner die Betreiber und deren Unterstützer solcher Seiten)
Ah ja z.B.,
der andere Link (hinterm Namen) ist auch interessant. Ich habe gar nicht gewusst, dass es einen Verein junger Menschen gibt, der den Kaiser zurück haben will.
Hallo liebe Leut,
ich beschäftige mich seit etwa 17 Jahren mit Menschenrechtberichten über China/Tibet, habe jahrelang tibetischen Bhuddismus autodidaktisch studiert, habe mit vielen Lehrern und Experten gesprochen und war in der Folge auch an ein paar politischen Arbeitsgremien beteiligt, die bis auf höchste europäische Ebene reichten.
Über die Falschdarstellungen in der deutschen Blogerszene bin ich tiefstens erschüttert und enttäuscht. Mir war immer schon bewußt, das man sich sehr tiefgehend in ein Thema einarbeiten muß, um sich eine qualifizierte Meinung zu bilden. Viele Beiträge auf sehr kritischen Blogs habe ich mit Interesse verfolgt und diese als Recherchegrundlagen gesehen.
Jetzt, da ich mich sehr gut (nähmlich mit der Geschichte Tibets auskenne), jetzt da ich mit einigen Zeitzeugen gesprochen habe, jetzt nachdem ich für meine politische Arbeit zwei Jahre lang vom chinesischen Geheimdienst im eigenen Land verfolgt worden bin, sehe ich die Qualität von den meisten Blogs aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Ich schäme mich für meine halbwissenden Landsleute, die Ihren egozentrischen Drang etwas kritisches zu schreiben, ohne je Thementiefe erreicht zu haben, so verhältnisslos nachgehen.
Besonders, weil es buchstäblich auf Kosten von vielen, bzw. unzähligen gefolterten Seelen geht.
Möge Euch in Eurer Unwissenheit nie so ein Schicksal treffen, wie diejenigen über die Ihr so leichtfertig geschrieben habt.
Grüße Michael
P.S.
Wo sind eigendlich Eure Einsichten über Agent – Provokateurs geblieben, bzw. euer Wissen über “verdeckte Kriegsführung”, bzw. euer Wissen über die wahren Hintergründe vom Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens usw. ?
@41 SF
war ein bisschen unpräzise formuliert….. wie sollte der “Westen“ denn seine Wirtschafts- und geopolitischen Interessen sonst verbreiten? Vollkommen Wertefrei?
na immerhin anerkennst Du die Möglichkeit, womit der Abstraktheitsbegriff relativiert wurde ;)
Nun gut, Du hast es so gewollt^^
Eine Gewalttat singulär betrachtet, in der wehrlose Menschen umgebracht werden, ist in der Tat zu verurteilen.
Ich hatte bei meiner Formulierung allerdings nicht diesen Tatbestand vor Augen, sondern das generelle Aufbegehren. Die Aufstände bestanden/bestehen ja nicht nur aus dem Töten (oder wie Du sagst: morden) von “Unschuldigen”.
Man darf auch nicht vergessen, wie die chinesische Staatsmacht auf Aufstände reagiert: mit brutaler Gewalt. Gewalt erzeugt Gegengewalt, und in einer grossen Gruppe können so Reaktionen zustande kommen, die in Gewalt gegen “Unbeteiligte” umschlägt, hier möglicherweise gegen die Chinesen (Zivilisten) als Besatzer.
Ich möchte hier auch mal die anderen Punkte wie Glaubwürdigkeit der Berichte (China beschwert sich ja, dass die Medien so negativ über das chinesische Handeln schreiben, lassen andererseits eine Berichterstattung gar nicht zu…. warum wohl?), sowie die Möglichkeit, dass die Aufstände von chinesischer Seite angheizt wurden, um eine entsprechende Reaktion der Staatsmacht zu rechtfertigen, nicht berücksichtigen.
Krieg, oder kriegsähnliche Zustände, ist nichts, was man sich herbeiwünscht, oder was erstrebenswert wäre. Und doch finden sich solche Schauplätze überall auf der Welt. Und woimmer Gewalt derart ausgeübt wird finden auch Ungerechtigkeiten gegen Unschuldige statt. Da werden eigentlich kultivierte Menschen zu Folterern, da wird “sicherheitshalber” jemand erschossen, weil er verdächtig aussah, etc. pp. Wir regen uns auf unserem Sofa darüber auf, haben allerdings keine Ahnung, wie wir uns selber in einer derartigen Situation verhalten würden.
Gewalt ist nun mal nicht immer kontrollierbar.
Das soll übrigens keine Rechtfertigung oder Verharmlosung sein, sondern eine Beschreibung.
Deinen Vorwurf ich würden “den Chinesen” als Unterdrücker bezeichnen, kann ich so nicht stehen lassen. Ich meinte in erster Linie die Staatsmacht, und nicht jeden Zivilisten. Wie die Zivilisten sich ansonsten gegenüber den Tibetern verhalten weiß ich nicht; eine herzliche Beziehung ist aber wohl auszuschließen.
Auch ich halte einen Mord an einem unbewaffneten, unschuldigen Menschen aus politischen Motiven (und seien sie noch fein formuliert) weder für mutig, noch für gerechtfertigt – in keiner Art und Weise. Wobei ich auch die Motive weglasse, da ich jeden Mord ablehne.
Ob es sich in Tibet nun um Mord handelt oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen (hast Du da die BGH-Definition im Auge?).
Abschließend zu dem Täter/Opfer-Schema: Du hast das eingeführt, nicht ich; ich habe Dich lediglich darauf hingewiesen, was Dein Vergleich in letzter Konsequenz bedeutet. Trotzdem sehe ich die Tibeter nicht als Unterdrücker sondern als Unterdrückte.
@Michael
Nice try ;-)
Ich schätze doch mal, jemand, der sich auch nur flüchtig mit Buddhismus beschäftigt, sollte zumindest wissen, wie dieser geschrieben wird.
Ein weiterer Tipp: Jemand, der sich mit Buddhismus beschäftigt hat, würde nie so dick auftragen ;-)
Ihr seid schon spaßige Leut´ *lol*
@48 7Schläfer
Nun gut, dann scheine ich Dich missverstanden zu haben. Für das Aufbegehren als solches habe ich natürlich vollstes Verständnis – was ich aber auch schon zig mal geschrieben habe.
Sicher – dies erklärt die Reaktion, entschuldigt sie aber nicht.
Das wäre laut Zeugen- und Expertenaussagen auch äußerst vage.
OK, (s.o.) das habe ich dann falsch verstanden und nehme es mit einer Verbeugung und gezogenen Hut zurück ;-)
Ich finde die Debatte hier sehr gut, weil man sich wirklich bemüht, alle Seiten zu sehen. Der Punkt, an dem ich “den Westen” d.h. uns kritisieren würde, ist daß bei uns die Diskussion über die Menschenrechte regelmäßig eine Eigendynamik entwickelt, die mitunter so weit geht, daß manche den Verstand abschalten. Wenn man z.B. kritisiert, daß infolge des Aufruhrs in Lhasa Tibeter ums Leben kamen, sollte man beachten, daß selbst in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
http://www.uni-potsdam.de/u/mrz/coe/emrk/emrk-de.htm
Konditionen aufgezählt sind werden, die die Tötung von Menschen rechtfertigen. In Art. 2 Abs. 2c heißt es bspw. “Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.”
Das bedeutet natürlich nicht, daß es um die 120 Todesopfer (lt. Regierung der Tibeter im Exil) nicht schade wäre und es bedeutet auch nicht, daß jeder dieser 120 Menschen wirklich ein Aufrührer war und es bedeutet auch nicht, daß es notwendig war, jemanden zu töten, um den Aufruhr niederzuschlagen. Es geht allein darum, daß man die Menschenrechte nicht über alles setzen kann, ohne letztlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. D.h. man kann das natürlich tun, nur darf man sich dann nicht wundern, wenn dem Westen “Scheinheiligkeit” vorgeworfen wird und chinesische Staatsmedien muß man gar nicht lesen, um diesen Vorwurf zu hören. Hier ein entsprechender Kommentar aus der Ha’aretz
http://www.haaretz.com/hasen/spages/968111.html
hinzu kommt freilich, daß der Boykott der Olympischen Spiele mittlerweile sogar schon offen unter der Maßgabe des “regime change” in China erörtert wird
http://commentisfree.guardian.co.uk/phil_hall/2008/03/boycott_the_beijing_olympics.html
daß sich da dann die Fronten zwischen China und dem Westen verhärten und kein Dialog mehr möglich ist, ist kein Wunder. Der Autor dieses Artikels arbeitet meines Wissens nach beim CNN.
@Haiduk
Interessanter Kommentar und auch der Text in Haartez ist interessant:
“Unlike Africa, Latin America or the Middle East, the sanctimonious West cannot treat China with a mix of colonial patronage. China has been around for a long time. Confucius predated Plato, Socrates and Hillel the Elder. After massacring Native Americans, and enslaving Africans, the West cannot cry that they should be like us. ”
Provokant, aber nicht unbedingt falsch.
@Spiegelfechter: Man muß dazusagen, daß in der Ha’aretz immer auch ein Kommentar da ist, der die Gegenposition vertritt. Das mit den Indianern hätte ich übrigens nicht nicht geschrieben. Es ist zwar wahr, aber normalerweise höre ich das von Leuten, deren politische Meinung ich nicht unbedingt schätze …
Wurde eigentlich das brutale Vorgehen der indischen und nepalesischen Polizei bei den Exiltibetischen Protesten kritisiert? Immerhin wurden mit den Bildern dieser Polizeieinsätze das Vorgehen der chinesischen Polizei und Armee illustriert (Siehe die entsprechenden Artikel u.a. bei Herrn Niggemeier). Ich habe davon nichts mitgekriegt, aber das kann Zufall sein. Also scheint auch in Indien und Nepal Gewalt zu herrschen.
@Anonymer Leser
Gegen die Inder können und wollen die Exiltibeter nichts sagen, da von ihnen ihr momentanes Schicksal abhängt. Einerseits haben die Inder schon ein Interesse den großen Konkurrenten vor der eigenen Haustür zu schwächen, andererseits haben sie gar kein Interesse direkt vor der Haustür ein Pulverfass mit ethnischen Konflikten aufzumachen, dass ihnen als multiethnischen Staat Probleme bringen könnte.
Das in den westlichen Medien nichts von Indern und Nepalesen zu lesen ist, ist klar – das würde die Sache unnötig verkomplizieren und lieb gewonnene Freund-Feind Bilder in Unordnung bringen.
Gab es eigentlich im Vorfeld der olympischen Spiele in Sydney ähnliche “Aufschreie” oder wurden die Aborigines damals untern Teppich gekehrt ?
Wie lustig, Spon erklärt gerade durch die Blume und über drei Ecken, warum die deutsche Politik aktuell Lamas bester Freund ist:
Die Solarzellen stehen für alle Produkte ,die aus China noch folgen werden, und in den nächsten 20 Jahren hier jeden Artikel das “Exportweltmeisters Deutschland” in 100 facher Form auf den Markt werfen werden.
Die rote Pfarrerstochter Merkel und Steinmeier reagieren sofort: NIX mit Zuschauen bei Olympia. Der Empfang des Lamas im Mai wird spannend.
An diejenigen, die weder den Staatsvorbehalt sämtlicher bürgerlichen Freiheits- und Menschenrechte verstanden, noch verstehen, was eine Balkanisierung Chinas oder Russlands bedeutet ,sollten ganz schnell ein paar auf Progome abfahrende Rotkappenmönche aufnehmen. Und wenn China noch ein paar 100 Millionen hinterschickt kann man ja van Dannens Song “ich hätt so gern einen chinesischen Dissidenten” laut anstimmen.
Kümmert Euch im die 8 Millionen Armen hier in Deutschland und fordert da die Menschenrechte ein: da ist genügend auch für solche Heuchler zu tun.
@ 56 Carsten: Soweit ich mich erinnere, hat die australische Regierung im Vorfeld der Spiele (jedenfalls in zeitlichem Zusammenhang mit diesen) erklärt, die Vorgehensweise gegen die Ureinwohner sei ein großes Unrecht gewesen. Da es keine übermäßig große Population “Ureinwohner” mehr gibt, respektive diese im sozialen Abseits verschimmeln, verpflichtet eine solche Erklärung zu nichts, klingt jedoch krokodilstränentreibend “einsichtig” (der weiße “Massa” hat schließlich dazugelernt, was PR betrifft). Ich meine sogar, mich zu erinnern, daß diese Erklärung in Zusammenhang damit stand, daß ein Mitglied der australischen Olympiamannschaft indigener Herkunft gewesen ist und das Thema Aborigines öffentlich zur Sprache brachte. Es ist allerdings zu bezweifeln, daß es eine ähnlich aufgeregte Reaktion im Westen gegeben hätte, wenn Aborigines für ihre kulturelle Identität demonstriert hätten. :-)
@ SF: Gut erholt, wie man sehen kann. ;-)
@ Thema Wirtschaftssanktionen gegen China: da es nachwievor eine bedeutende Anzahl westlicher Firmen, respektive sog. “global player” gibt, die in China produzieren (lassen), würde man sich, gerade in der jetzigen, wirtschaftlich heiklen Situation (Stichwort: Rezession) mit Wirtschaftssanktionen selbst ins Knie schießen. Menschenrechte dürfen nur dann etwas kosten, wenn unsere selbsternannten Eliten nicht direkt betroffen sind. Das wären sie jedoch im Falle von Sanktionen gegen China. Zumal die chinesische Regierung nachwievor durch ihre immensen Dollarbeständen über genügend Drohpotential verfügt, um eventuelle Abenteu(r)er a la Bush und Merkel/Steinmeier abzuschrecken.
Durch “Olympiaboykott” einen “Regimechange” anzustreben, sagt mehr über den Unverstand desjenigen aus, der solches Ansinnen formuliert, obgleich der betreffende das Pferd von hinten aufzäumt und durchgeführte Spiele als “regimeverlängernd” definiert. Interessanterweise hat er sich das Beispiel Mexico 1968 herausgegriffen, um seine “These” zu belegen.
Weshalb weist er nicht auf die Spiele in Moskau 1980 hin, die boykottiert wurden, wo nur neun Jahre später die Mauer fiel? Weil es gar zu offensichtlich wäre, daß das Ende des Ostblocks nur sehr wenig mit den olympischen Spielen in Moskau zu tun hatte, die schließlich trotzdem stattfanden, wenn auch unter Ausschluß der westlichen Öffentlichkeit.
Damals gabs allerdings auch noch kein Internet und kein Satelliten-TV, sodaß der Begriff “unter Ausschluß der westlichen Öffentlichkeit” noch eine andere Qualität besaß, als es heute der Fall sein könnte.
Die Spiele waren zudem noch nicht völlig durchkommerzialisiert und daher die wirtschaftlichen Verflechtungen mit den Profitinteressen global agierender Konzerne nicht in gleicher Weise gegeben, wie heutzutage. Nichtsdestotrotz war der Boykott ein Flop sondergleichen. Ebenso die Retourkutsche des gesamten Ostblocks vier Jahre später.
Daß nun ausgerechnet die “olympische Idee” herhalten muß, um politisch motivierte Boykottmaßnahmen zu rechtfertigen, ist allerdings schon spaßig, war doch das olympische der Idee gerade der Versuch, _trotz_ bestehender kriegerischer Auseinandersetzungen den friedlichen, sportlichen Wettstreit zu suchen, ohne bestehende Konflikte über den Sport zu instrumentalisieren. Die Friedenspflicht – die galt, solange die Wettkämpfe andauerten- , ermöglichte außerdem – zumindest theoretisch – den Dialog verfeindeter Parteien auf (relativ) neutralem Boden. Ob diese die Möglichkeit nutzten, ist eine andere Frage.
Übrigens sollte es mißtrauisch machen, wenn ausgerechnet Bush, Merkel & Co. sich im “Olympiajahr” für Tibet “stark” machen. Während der Fußball-WM 2006 in D blieb das noch eine ausschließliche Angelegenheit der Anhängerschaft des FC St.Pauli.
http://www.hamburg-web.de/magazin/artikel/FIFI_Wild_Cup_2006.htm
Zugegeben: China hatte sich seinerzeit nicht fürs “echte” Endturnier qualifiziert und es wurde gerade die iranische “Sau” durchs mediale Dorf getrieben. Mehr als ein Thema zur gleichen Zeit, können unsere selbsternannten Eliten kapazitätsmäßig nicht bearbeiten. Man möge sich daher hinten anstellen, bis man an der Reihe ist. :-)
“Kulturelle Selbstbestimmung” (aka territoriale Aufteilung der Welt nach ethnischen Kriterien), scheint zum wichtigsten Leitstern der westlichen Gemeinschaft geworden zu sein, wenn man sich so ansieht, wie die Verantwortlichen im Kosovo, in Afrika, im Irak oder in Palästina vorgehen. Jedenfalls wenn eigene Interessen berührt sind. Zumal ein “unabhängiges” Tibet (inkl. der beiden Provinzen), das sich folgsam und schutzsuchend in die starken Arme des Westens schmiegt, für Globalstrategen ein Traum wäre, läge es doch quasi in der Mitte des asiatischen Kontinents, gleich weit von China, Russland und Indien entfernt.
Die (Exil)-Tibeter wären sicher dankbar, wenn eine militärische Präsenz (sagen wir der NATO) ihre “Unabhängigkeit” vor weiteren Einflußnahmen aus Bejing “schützen” würde. Sicher wäre man von westlicher Seite dafür durchaus bereit, die vorhandene chinesische Bevölkerung “heim ins Reich” zu schicken. Eine entsprechende Begründung, mit der man sich die Hände in (buddhistisch gereinigter) Unschuld waschen könnte, ließe sich aus dem Beispiel Kosovo-Konflikt ableiten: ein Zusammenleben zwischen Tibetern und Chinesen sei nach jahre oder jahrhundertelanger (chinesischer) Unterdrückung eben nicht mehr durchzusetzen und die Verantwortung dafür trage einzig und allein Belgrad…äh, Bejing. ;-)
@Fiend
Volle Zustimmung!
Nur eine kleine Spitzfindigkeit habe ich noch:
Gehören die Briten und das Commonwealth nicht dem Westen an? ;-)
Gehören die Briten und das Commonwealth nicht dem Westen an? ;-)
Im Prinzip ja…angetreten sind sie allerdings nicht unter britischer Fahne, sondern mit der olympischen Flagge. Gleiches gilt für die Italiener, die Schweizer, die Spanier, die Irländer, Luxemburger etc.pp., die ebenfalls unter dem Tuch mit fünf Ringen auf weißem Grund durch Moskau “marschierten”. :-)
Grundsätzlich hast du also recht und ich lag nicht völlig daneben. ;-)
@Fiend
Ooops – das wußte ich nicht … nun gut, damals war ich gerade mal acht Jahre alt. Ich dachte, sie wären unter der Flagge des “Commonwealth” einmarschiert. OK – so kann man sich täuschen ;-)
@ SF: Nunja…Wissen…*hüstel*
Wirklich “gewußt” hab ich nicht, daß die Briten mit der Olympiafahne eingelaufen sind. Daß sie teilgenommen haben, wußte ich deshalb noch, weil es in der Zehnkämpferszene damals einen “Dreikampf” zwischen Daley Thompson, Guido Kretschmer und Jürgen Hingsen gab, auf dessen olympische Austragung sich die Leichtathletikinteressierten (zu denen ich seinerzeit zählte) riesig gefreut haben, der jedoch durch den Boykott der Westdeutschen ausfiel, sodaß Thompson quasi ohne ernsthafte Konkurrenz Gold gewonnen hat (was ihn ebenfalls ziemlich wurmte, denn es fühlte sich für ihn nicht richtig nach Sieg an, weil seine schärfsten Konkurrenten schon im Vorfeld ausgeschieden waren).
An die Sache mit der Olympiafahne hab ich mich ehrlich gesagt erst wieder “erinnert” (respektive “erlesen” ;-) ), als ich nachgeschlagen hab, welche “westlichen” Staaten ebenfalls noch teilgenommen hatten, respektive den Spielen ferngeblieben sind…von daher bist du mehr als entschuldigt, es nicht gewußt zu haben. ;-)
Die wenigsten werden sich heutzutage überhaupt daran erinnern, respektive es wissen, daß es schon zwei Olympiaboykotte gegeben hat (die beide völlig wirkungslos geblieben sind). Nur so sind die wohlfeilen Forderungen nach einem Boykott erklärlich, die allüberall erhoben und ernsthaft in Erwägung gezogen werden. :-)
In Deutschland gilt nach wie vor ein mentaler Kolonialismus: Je rückständiger und mittelalterlicher ein Staat ist, desto weniger Kritik hat er zu befürchten.
Wenn z.B. politische Führer in Arabien oder Afrika zu Gewalt anstacheln oder das Nachbarland überfallen, dann wird in Deutschland mit Rücksicht und Selbstkritik reagiert, so nach dem Motto: “Die wissen’s ja nicht besser”.
Sollte China Interesse haben, in Zukunft von deutscher Kritik verschont zu bleiben, würde ich folgenden 5 Punkte Plan anregen:
* Der chinesische Staatspräsident wird zum Kaiser ernannt und tritt nur noch mit Hofzeremoniell auf.
* Alle führenden Politiker erhalten klassische Titel und traditionelle Roben.
* In allen Regierungsstellen werden Schreine mit Räucherkerzen aufgestellt.
* Die Armee wird pittoresk ingekleidet (Modell Schweizer Garde).
* Die einfache Bevölkerung wird verpflichtet, “traditionelle” Kleidung zu tragen, wie sie Schulze und Schultze in “Tim und Struppi” (der blaue Lotos) zur Tarnung benutzten.
Dann kann China seine Politik wie gehabt fortführen, aber die Kritik aus Deutschland und dem Westen verstummt sofort.
@ 63 JaNu: Vielleicht spielen bei Steinmeier, Merkel & Co. Neidgefühle a la “Stromberg” eine Rolle, respektive haben diese die Sichtweise des TV-Serien Charakters Bernd Stromberg verinnerlicht?
Wie sagte es doch der “beliebte stellvertretende Abteilungsleiter Schadensregulierung M – Z, bekannt aus Funk und Fernsehen”: “Deswegen sind die Chinesen derzeit so erfolgreich: wenn in China ein Angestellter gegen den Chef aufmuckt, erschießt der Chef den einfach. Hier brauchst du ja schon zwei Jahre, um überhaupt einen Waffenschein zu bekommen.” ;-)
Der Eindruck, den unsere “westlichen Eliten” bezüglich China haben, läßt sich doch wie folgt umreißen: In China werden demonstrierende “Extremisten” mit dem Panzer überrollt. Das würden unsere “Eliten” auch gerne können. Hierzulande wird schon ein Faß aufgemacht, wenn man mal einen Düsenjet im Tiefflug über Demonstranten hinwegdonnern läßt. Gepanzerte BW-Fahrzeuge hat man seinerzeit beim G8-Gipfel zwar ebenfalls rollen lassen, aber nur bis an bestimmte Punkte und nicht über Demonstranten hinweg. Für diese Form des “freien Umgangs mit Oppositionellen” beneiden unsere selbsternannten “Eliten” Bejing höchstwahrscheinlich und sind dementsprechend mißgünstig gestimmt.
“Es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder seine Meinung öffentlich vertreten darf und dass man politisch Verantwortliche in einer Demokratie schützen muss. In Diktaturen würde so etwas nicht passieren.”
Diese – sicherlich jedem Interessierten bekannte – Äußerung eines gewissen Horst Teltschik, gibt aus involviertem Munde die grundlegende Geisteshaltung der “Entscheider” in Politik und Wirtschaft prägnant wieder. Eine bekannte andere Person trauerte – sinngemäß – den Tagen nach, als “nur 200 Journalisten den Kurs der öffentlichen Diskussion bestimmten, wohingegen heute jeder mitreden dürfe”.
Aprospos Border…ääh, Broderlein: Ein schönes Beispiel für die verzerrte Wahrnehmung einer gewissen Person:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/lhasa/
Kommentar meinerseits dazu: Von “Holocaust” spricht bezüglich Tibet tatsächlich niemand, dafür umso mehr vom (angeblichen) “Völkermord” an Tibetern durch Chinesen (mitunter eingeschränkt durch den Begriff “kulturell”, weil es für einen “richtigen” Völkermord – noch – an Opfern fehlt, obwohl solche Feinheiten im Falle Kosovos keine überragende Rolle spielten).
Das Konzept der staatlichen Souveränität hat Broder darüberhinaus offenbar ebenfalls nicht so richtig verstanden, nämlich daß eine “Unabhängigkeitserklärung” wenig bedeutet, wenn sie vom Rest der Welt (oder zumindest einem wesentlichen Teil dieser) nicht anerkannt wird. Von daher ist seine Behauptung, Tibet sei zwischen 1911 und 1913 ein unabhängiger Staat gewesen, sachlich ganz einfach falsch.
Palästina war übrigens längere Zeit Teil des Osmanischen Reiches, das sowohl die eigene Existenz, als auch diverse Teile durch einen (verlorenen) Krieg eingebüßt hat. Ist sogar noch kürzer her, als die angebliche Unabhängigkeit Tibets. Daß die heutige Türkei als quasi Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches keine Ansprüche auf verlorene Gebiete erhebt, findet Broder wahrscheinlich ganz richtig. Ebenso richtig wie den Umstand, daß gewisse türkische Kreise, die teilweise in verschiedenen Exilen leben, mit ihrer Idee einer “Rückgewinnung” ehemaliger Gebiete des osmanischen Reiches nicht durchdringen (können/werden).
Man möge mir verzeihen, daß ich einen Beitrag aus zweifelhafter Quelle nicht nur verlinkt, sondern darüberhinaus kommentiert habe, aber es erschien mir wichtig, denn erstens passt er thematisch und zweitens können wir angesichts solcher (Broder)Artikel wirklich froh sein, daß nicht mehr nur 200 Journalisten die Diskussion allein bestimmen (können), sondern es im Netz noch Alternativen gibt *honigtopfnehmenundinrichtungjensschielen* :-)
Hier nochmal ein recht guter Kommentar aus der non-konformen Richtung
http://www.blauenarzisse.de/v2/index.php?option=com_content&task=view&id=382&Itemid=1
überaus aufschlußreich auch der Artikel vom ehemaligen britischen Verteidigungsminister Michael Portillo, der es in sich hat
http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/michael_portillo/article3602819.ece
da wird verglichen, daß sich die Balken biegen.
@ Haiduk
Aua ist die Seite schlecht, und damit meine ich nicht den Inhalt. Die arrivierte Herkunft der Ersteller erkennt man schon an der unterstellten Mindestbildschirmauflösung des Betrachters von 1280*irgendwas. Bei normalem SVGA muss man im Content querscrollen. So macht das Lesen wirklich “Spaß”. Frames waren noch nie schön, aber damit ein Dreispaltenlayout mit fester Spaltenbreite zu basteln ist fast schon ein Verbrechen.
Das macht ja Hoffnung, dass der Kaiser nie wieder auch nur zur Option wird ^^
Weise Worte ohne Sinn. Den tibetischen Aufstand müssen wir wohl den Tibetern überlassen. Solange Peking dank der Olympischen Spiele im Scheinwerferlicht steht, wird die chinesische Regierung sich wenigstens militärisch zurückhalten.
Vor einiger Zeit habe ich einen Geschäftsmann kennengelernt, der schon mehrfach in China (Beijing) war. Nach mehreren Geschäftsterminen und den unumgänglichen Essen, meinte er zu mir, “die Chinesen sind wie kleine Kinder.” Und bei der Tibetfrage, sage ich, diese Kinder sollte man mal maßregeln bzw. ungezogene Kinder müssen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen, sonst verfestigen sich Muster, die zu noch schlimmerem führen.
Vielleicht ist Tibet auch nur der “Betatest” für Taiwan ?
[Deutschland erkennt Taiwan nicht als selbständigen Staat an und unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Es bestehen keine völkerrechtlichen Abkommen. Die Beziehungen konzentrieren sich auf die Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.
Stand: März 2008, Quelle: Auswärtiges Amt]
Wenn nicht einige, durchaus namhafte, Teile der (deutschen) Wirtschaft in China vertreten wären;Profitmaximierung durch billigst Löhne etc.;dann müßten sie auch nicht über wirtschaftliche Folgen lamentieren, und das gilt nicht nur für die Deutschen, sondern auch für alle anderen, die dort produzieren lassen.
Sind wir doch mal ehrlich, warum sind denn so vielen Firmen in China ? (vereinzelt kommen ja einige wieder) Billig, billig, billig ! Darum gehts es, um nichts anderes. Daher verstehe ich auch sehr gut, warum einige auf höchster Funktionärsebene gegen ein Olympiaboykott sind, da sie auch Lobbyisten so mancher großen deutschen Firma sind, wie dieser einen Automobilmarke mit dem Stern vorne.
Und ehrlich gesagt, mir wären in einigen Branchen deutsche Produkte lieber (die in Deutschland projektiert und produziert wurden), aber mittlerweile, wo man nur hinschaut, Made in China. Selbst mein Mobiltelephon kommt aus China, obwohl der Name suggeriert, es käme aus Japan;ärgert mich immernoch.
Das Globalisierungsargument halte ich dahingehend für eine Lüge;nur weil einige aus dem Fenster springen, spring’ ich doch nicht auch !
“…, ist allerdings ein Eingriff in die staatliche Souveränität, den sich wohl kein wirklich souveräner Staat bieten lassen würde.”
Deswegen ja Tibet, da China die gewaltlose Philosophie der Tibeter sehr genau kennt, und es wohl durch Gewalt zu Gegengewalt provozieren will, um den Dalai Lama zu isolieren bzw. zu einer Reaktion zu zwingen.
Zum Boykott, ich bin dafür ! Auch wenn man damit nicht wirklich aktiv etwas verändern kann, dafür dürfte es wohl schon längst zu spät sein.
Ich vermute einen nächsten Dalai Lama wird es nicht geben.
Ich vermute Tibet wird schon sehr bald verschwunden sein, so wie es bisher bekannt war.
Von daher, mit einem Boykott könnte man dem heutigen Tibet eine Art Denkmal setzen.
Nachfolgende Generationen werden nachfragen, was denn damals war, ähnlich wie bei ‘80 und ‘84. Es hat zwar nichts gebracht, auf den ersten Blick, aber es blieb im (gesellschaftlichen) Gedächtnis, und hat möglicherweise das Denken von einigen verändert.
@ 68 localhost:
Deswegen ja Tibet, da China die gewaltlose Philosophie der Tibeter sehr genau kennt, und es wohl durch Gewalt zu Gegengewalt provozieren will, um den Dalai Lama zu isolieren bzw. zu einer Reaktion zu zwingen.
Die Vorstellung, die Tibeter würden in ihrer Gesamtheit einer “gewaltlosen Philosophie” anhängen, scheint ein unausrottbares Element einer, für tibetische Verhältnisse modifizierten, Neuauflage der romantischen Vorstellung vom “edlen Wilden” zu sein. :-)
Nicht jeder Tibeter ist übrigens ein buddhistischer Mönch, obwohl die Klöster traditionell nicht über Nachwuchsmangel klagen müssen; ist seit jeher eine Möglichkeit für Familien gewesen, in kargen Zeiten (also eigentlich fast immer) die Zahl der Mitesser zu reduzieren, indem sie als Kinder/Jugendliche zur Mönchsausbildung in Klöstern untergebracht werden, wo sie die Gemeinschaft versorgt.
Ich vermute einen nächsten Dalai Lama wird es nicht geben.
Wie kommst du auf diese Idee? In der tibetischen Geschichte hat es schon desöfteren mehrere “Dalai Lamas” gleichzeitig gegeben, ausgerufen von widerstreitenden Parteien, die jede für sich in Anspruch nahmen, den “einzig Wahren und Echten Dalai Lama” in ihrer Mitte zu haben.
Auch die Chinesen haben sich in der Vergangenheit schon einmal dieses traditionellen Prinzips tibetischer Innenpolitik bedient, allerdings mit bescheidenem Erfolg. Das Problem bei solchen “Wiedergeburten” ist selbstredend, daß der Wahrheitsgehalt der Behauptung – euphemistisch ausgedrückt – nur schwer nachweisbar ist und daher die Anerkennung oder Nichtanerkennung als “echte Wiedergeburt des Dalai Lama” von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen, respektive dem Durchsetzungsvermögen der betreffenden Partei abhängt (womit sich der Kreis in der Tat wieder schließt). (Anmerkung: Partei nicht im Sinne von politischen Parteien hiesiger Prägung).
Daher wird es auch in Zukunft an Personen mit diesem Titel nicht mangeln. :-)
Ich vermute Tibet wird schon sehr bald verschwunden sein, so wie es bisher bekannt war.
Momentan scheint das Problem eher darin zu liegen, daß vom heutigen Tibet (ebenso wie vom vergangenen) recht wenig bekannt ist. Imübrigen gilt: “Panta Rei” ;-)…daran kann selbst ein Dalai Lama der hundertzwölfte nichts ändern und schon gar nicht den Lauf der Dinge umkehren.
Von daher, mit einem Boykott könnte man dem heutigen Tibet eine Art Denkmal setzen.
Denkmäler haben die unangenehme Eigenschaft, eine Art Grabstein für längst Vergangenes zu sein. In der realen Welt besteht ihre einzige Funktion darin, einen Sitz- und Abkotplatz für Vögel verschiedener Arten zu bieten (hierzulande meist Stadttauben).
Ideelle Denkmäler dagegen sind eine Angelegenheit für Festtags- und Sonntagsreden, in denen sie erwähnt werden, um für den Rest der Zeit der Vergessenheit anheimzufallen.
Nachfolgende Generationen werden nachfragen, was denn damals war, ähnlich wie bei ‘80 und ‘84. Es hat zwar nichts gebracht, auf den ersten Blick, aber es blieb im (gesellschaftlichen) Gedächtnis, und hat möglicherweise das Denken von einigen verändert.
Ob dieses Ziel nun ausgerechnet und ausschließlich durch ein “Denkmal Olympiaboykott” erreicht werden kann, ist doch sehr zu bezweifeln. Wieso man eine Maßnahme durchführen sollte, deren Unwirksamkeit selbst von Befürwortern eingeräumt wird, ist eine weitere Frage, die sich stellt. Blinder Aktionismus um der Aktion willen, schadet mehr als zu nützen.
Es wäre am besten, wenn die Befürworter den betroffenen Sportlern selbst erklären würden, daß durch eine anerkannt wirkungslose Maßnahme ihre – teilweise jahrelangen – Vorbereitungen auf das Ziel Olympia vertane Mühe gewesen sind. Die Befürworter sollten danach gute Antworten parat haben, vor allem für die Sportler, für die Olympia 2008 die letzte Gelegenheit einer Teilnahme darstellt.
@ Fiend_THeyde am 31. März 2008 um 14:46
Das nicht jeder Tibeter ein Mönch oder gar ein Lama ist, ist mir bekannt, dennoch ist Gewaltlosigkeit dort sehr weit verbreitet und auch stark verwurzelt. Habe ich ja auch nicht verneint !
Wie ich darauf komme, das es möglicherweise keinen weiteren Dalai Lama geben wird;vielleicht nur ein von China ausgerufener Dalai Lama ?
Ist nur eine Vermutung von mir, etwas pessimistisch, zugegeben, aber ich lasse mich gern positiv überraschen ! ;)
Bei dem “Denkmal” geht es nicht um eine Art Grabstein, sondern um ein Zeichen, was vielleicht spätere Generationen zum nachdenken bewegt. Seitdem das mögliche Boykott von Olympia 08 die Runde macht, kommen auch ‘80 und ‘84 wieder hoch.
“Es wäre am besten, wenn die Befürworter den betroffenen Sportlern selbst erklären würden, daß durch eine anerkannt wirkungslose Maßnahme ihre – teilweise jahrelangen – Vorbereitungen auf das Ziel Olympia vertane Mühe gewesen sind. Die Befürworter sollten danach gute Antworten parat haben, vor allem für die Sportler, für die Olympia 2008 die letzte Gelegenheit einer Teilnahme darstellt.”
Sport ist auch Politik, wer etwas anderes sagt, hat wohl nie selbst aktiv, auf hohem Niveau, Leistungssport betrieben. Zum anderen, Olympia, da muß ich zustimmen ist für Sportler schon etwas besonderes, keine Frage, allerdings das große Geld, was für Berufssportler sehr wichtig ist, wird immernoch bei Weltmeisterschaften gemacht. Zumal bei den Weltmeisterschaften die Leistungsdichte meist noch höher ist als bei Olympia, da eben Athleten aus noch mehr Ländern am Start sind.
Die Wertigkeit kann man auch an Rekorden messen, ein Weltrekord zählt immernoch mehr als ein (oller) Olympiarekord, und bleibt oftmals auch länger bestehen, auch wenn es einige Nichtsportler nicht so recht glauben wollen, Ausnahmen gibt es natürlich auch hier, wie die Leistungen von Christa Luding-Rothenburger, die 1988 das bisher einmalige Kunststück fertig brachte, innerhalb eines Jahres sowohl bei Winter- als auch bei Sommerspielen Edelmetall zu gewinnen.
Abschließend, ich weiss um das Für und Wieder, dennoch befürworte ich ein Boykott.
@localhost
Das ist aber mW nicht ungewöhnlich. War es nicht früher die Regel, dass der chin. Kaiser in die Dalai Lama Findung mit einbezogen wurde?
Ich bin weder eine China- noch ein Dalai-Lama- und schon gar kein Tibet-Experte. Wenn ich mir jedoch Berichte wie den in der italienischen Zeitschrift Espresso ansehe, kommen mir durchaus mehr als leichte Zweifel, ob es denn wirklich so geschickt war, die olympischen Spiele an China zu vergeben.
Noch ein neues, hochinteressantes Bild vom Tatort:
Soldaten oder Lhamas? Das ist die Frage …
@egal
Also mein photoshopgestählter Blick erkennt in dem Bild eine Photomontage – man achte auf die überscharfen Ränder an den “roten Paketen”
Hallo Jens,
nachdem ich frustriert die Foren bei SPON zum Thema Tibet/China verlassen habe, wurde mir Dein Artikel empfohlen. Ich bin wirklich begeistert von Deiner Zhuang-Tze / Lao – Tze – Art :-) , Dinge mit dem Blick “der Mitte” (Zhong-Yong) zu betrachten, auch wenn ich an einigen Stellen Deiner Meinung nicht teile.
Ich hab Deinen Artikel ins Chinesisch übersetzt und auf meinem Blog gepostet, mit dem Link zu Deiner Seite. Wenn es nicht gewünscht ist, nehme ich es natürlich sofort runter.
Danke nochmals für Deinen Artikel, — hab Blog-Lesen selten so genossen.
Liebe Grüsse
Lao-Lu
@Lao-Lu
Danke für das Lob – natürlich ist es mir recht, auch ins Chinesische übersetzt zu werden ;-)
China ist für mich Unterdrückung und Zensur pur. Menschenfeindlichkeit. Guckt ihr euch mit Bier und Chips die Olympiaspiele 2008 mit dem Wissen an, dass Journalisten, die das menschenfeindliche Vorgehen kritisierten nur Jahre hinter Gittern setzen werden? Ich nicht.
Wow, das nenne ich mal kackige Beinchen auf dem ersten Bild. Phantastisch!!
Hallöchen, Toller Beitrag. Ich stand sogar Nachts an einer Buchhandlung an, um mit als erste den damals neusten Harry Potter Band lesen zu können.