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  • Bürgerkrieg im Irak

    geschrieben am 29. März 2008 von Spiegelfechter

    Während die westliche Welt sich Gedanken macht, ob ihre politischen Führer an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnehmen sollten, da die chinesische Regierung gegen aufständische Tibeter vorgeht, ist im Irak ein neuer Bürgerkrieg ausgebrochen, bei dem Amerikaner und Briten massiv militärisch intervenieren und bei dem seit Mittwoch mindestens 200 Zivilsten ums Leben kamen.

    Die Situation im Irak ist momentan mehr als paradox. Auf der einen Seite gibt es die schiitisch dominierte Regierung al-Maliki, in der es starke Tendenzen für eine weitreichende Autonomie bis hin zur Abspaltung des schiitischen Südiraks gibt. Die Regierung al-Maliki steht dem Iran sehr nahe und der militärische Arm der besonders im Süden sehr starken Regierungspartei SIIC, die Badr-Brigaden, wurde von den iranischen Revolutionsgarden ausgebildet und kämpfte im ersten Golfkrieg auf Seiten Irans gegen den Irak. Auf der anderen Seite steht der ungemein populäre schiitische Kleriker und Nationalist Muqtada as-Sadr, der sich gegenüber der iranischen Führung sehr distanziert verhält und für einen irakischen Nationalstaat eintritt. Nähme man die politischen Ziele der USA ernst, so müsste ihr Verbündeter eindeutig as-Sadr sein, da er mit ihnen in den meisten Punkten konform geht ? nur ein entscheidender Punkt trennt as-Sadr und die USA. Er besteht auf einem sofortigen Abzug der Besatzer und lehnt jegliche Kooperation ab, während die Marionettenregierung al-Maliki gerne und profitabel mit den Besatzern zusammenarbeitet.

    Der Rückzug as-Sadrs aus der aktiven Politik und sein Waffenstillstand waren ein Glücksfall für die USA. Die Gebiete, in denen as-Sadrs Mahdi Armee die Kontrolle hat, zeichneten sich durch eine verhältnismäßig stabile Lage aus und halfen so, Bushs ?Surge? zu einem vermeintlichen Erfolg zu machen. Nur war die Strategie, sunnitische Extremisten aktiv in die regionale Politik mit einzubinden, ein Schritt, dessen Misserfolg bereits abzusehen war. Die schiitische irakische Regierung hat (anders als Bush) nun einmal kein Interesse, die faktische Macht über weite Teile des Landes an den Erzfeind abzugeben. Dadurch sank das von vornerein ramponierte Image der Regierung al-Maliki noch weiter, was im Umkehrschluss den Einfluss as-Sadrs in den schiitischen Gebieten noch weiter stärkte.

    Am Mittwoch setzte die Regierung al-Maliki zu einer militärischen Großoffensive in der zweitgrößten irakischen Stadt Basra an, an der auf Regierungsseite mindestens 30.000 bewaffnete Truppen beteiligt sind. Großmäulig ließ al-Maliki verkünden, man werde bis zum bitteren Ende kämpfen ? Rückzug ausgeschlossen. Al-Maliki legt Wert darauf, dass diese Offensive ausschließlich von ihm geplant wurde, was allerdings eher unwahrscheinlich ist, wenn man bedenkt, dass die Marionettenregierung kaum solche Kompetenzen innehaben dürfte, ohne dies vorher mit den Amerikanern abgeklärt zu haben. Wichtige Schaltstellen in der irakischen Armee sind ferner von US-Soldaten besetzt, so dass ein Vorgehen ohne deren Teilnahme bei der Vorbereitung nicht möglich ist. Es mag auch eine Koinzidenz sein, dass Vizepräsident Cheney wenige Tage zuvor, zu einem ?Überraschungsbesuch? in Bagdad eingetroffen ist.

    So großmäulig die Offensive angekündigt wurde, so kläglich brach sie bereits nach zwei Tagen zusammen. Die Mahdi-Armee hatte sich ? was absehbar war ? weder entwaffnen lassen, noch ließen sich schnelle militärische Ziele gegen sie erreichen ? im Gegenteil, die Mahdi-Armee hatte ein Heimspiel auf eigenem Boden und setzte den Regierungstruppen hart zu. In Basra stockte die Offensive sehr schnell und reihenweise wechselten Angehörige der Regierungstruppen die Fahnen und kämpfen nun mit den Waffen der Regierungstruppen auf Seiten der Mahdi-Armee. In Bagdad erobert die Mahdi-Armee einen Bezirk nach dem anderen ? meist ohne überhaupt kämpfen zu müssen, die lokalen Regierungstruppen wechseln entweder die Seiten oder legen freiwillig ihre Waffen nieder. Zehntausende Iraker demonstrierten derweil in Bagdad gegen die al-Maliki Regierung und feierten den Volkshelden as-Sadr ? die Demonstranten trugen Särge, auf denen die Namen der al-Maliki Regierung standen. In Basra konnten die as-Sadr Anhänger bereits zwei Hauptpipelines in die Luft sprengen, was die Ölexporte massiv einbrechen ließ ? 80% der Einnahmen der irakischen Regierung werden mit dem Erdölexport erzielt. Was für eine Blamage für die irakische Regierung.

    Schnell rief al-Maliki die Amerikanern und die Briten zu Hilfe, die sich eigentlich aus diesem schiitischen Bürgerkrieg weitestgehend heraushalten wollten. Nun unterstützen sie mit Kampfbombern, Helikoptern und (unbestätigt) Scharfschützen die Aktionen der irakischen Regierungstruppen, ohne bislang die Lage ändern zu können. Die britischen Truppen, die den Irakern im Dezember die Befehlsgewalt über Basra übergegeben haben und sich auf das Areal des Flughafens außerhalb der Stadt zurückgezogen haben, sind bereits im Alarmzustand und es ist wahrscheinlich, dass sie in die Gefechte eingreifen müssen. Al-Maliki musste derweil bereits aus seinem Befehlsstand in der Nähe von Basra vor den anrückenden Mahdi-Truppen in einem Kampfhubschrauber fliehen.

    Ein Sieg der Regierungstruppen scheint nach momentaner Gemengelage ausgeschlossen zu sein. Das die USA einem Frieden mit Bedingungen zustimmen würden, ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und die nächste Runde im fünfjährigen irakischen Bürgerkrieg ist eingeläutet. Dies ist auch zugleich das Ende der Erfolgsgeschichte ?Surge?, die Opferzahlen werden wieder in die Höhe schnellen und mit as-Sadr haben die USA den denkbar stärksten Gegner, der Großteile der Bevölkerung hinter sich hat. Dies war weder bei den al-Quaida Kämpfern im sunnitischen Dreieck, noch bei den radikalen Sunniten der lokalen Clans der Fall, deren Aufstände immer nur lokal begrenzt waren. Es erscheint wahrscheinlich, dass die USA und mit ihnen die irakische Zentralregierung in den nächsten Monaten die Kontrolle über riesige Landstriche und Teile der Hauptstadt de facto verlieren werden. Im Falle Basra ist dies verheerend, da die dortigen Ölvorkommen noch größer sind, als die Vorkommen im kurdischen Nordirak. Ohne die Einnahmen aus dem Ölexport wird die Zentralregierung massiv geschwächt. Auch laufen wichtige Nachschub- und Versorgungsrouten der US-Army durch den schiitischen Südirak.

    Auf der anderen Seite werden wieder einmal die unzähligen Opfer stehen, die in den westlichen Medien kaum noch Erwähnung finden. Zu den geschätzten 650.000 Opfern des Irakkrieges werden sich leider noch viele weitere unschuldige Opfer gesellen. Denkt im IOC eigentlich schon jemand über den Ausschluss der amerikanischen, der britischen und der irakischen Mannschaft oder wenigstens die Ausladung derer Repräsentanten bei der Eröffnungsfeier nach?

    Jens Berger

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    46 Kommentare:

    1. Jochen Hoff schrieb am 29. März 2008 at 17:23 - Permalink

      Hi Jens

      Du wirst es gelesen haben, die NZZ berichete:

      “Einer Sondersitzung des Parlaments blieben sowohl der schiitische wie der kurdische Block fern. Nur 54 der 275 Abgeordneten nahmen daran teil.”

      Bisher waren die Kurden doch eher auf der Seite der USA, weil sie sich zumindest eine weitgehende Autonomie erhofften. Kann es sein, das der praktisch ständige Einsatz der türkischen Armee im irakischen Teil Kurdistans, der ja sicher nicht ohne amerikanische Jagdlizenz erfolgt, zu einem Meinungsumschwung beiträgt.?

      Hälst du es für möglich das die Iranische Führung ihrerseits eine Autononmie für ganz Kurdistan in Aussicht gestellt hat, um Muqtada as-Sadr freie Hand zu verschaffen?

      Wenn ja, dann hätten wir doch eine völlig neue Qulität in der Auseinandersetzung, zumal die Sunniten sich nach meiner Kenntnis bereits freiwillig einzuigeln beginnen.

    2. Spiegelfechter schrieb am 29. März 2008 at 17:39 - Permalink

      Hallo Jochen,

      im Gegenteil – die Kurden und Schiiten blieben ja einer Sondersitzung entfernt, die sich uU gegen das Vorgehen al-Malikis richten sollte; insofern war der Fernbleiben eher proamerikanisch. Die Verbindungen as-Sadrs zum Iran werden mE im NZZ-Artikel auch zu positiv dargestellt. IdT ist er iranskeptisch, während al-Maliki enge Verbindungen zu Teheran nachgesagt werden.

    3. chaolan schrieb am 29. März 2008 at 20:29 - Permalink

      Hallo Jens,
      kann es sein, dass Du mit den Opferzahlen ein wenig untertreibst??
      Es dürften wohl ein wenig mehr sein. Ob es, wie manche schreiben, um die 1.2Millionen sind weiß ich nicht(könnte ich mir aber vorstellen), fakt ist aber, dass wir auch hier belogen werden. Auch die Verluste seitens der Amerikaner liegen im fünfstelligem Bereich. Es fallen nämlich keine Opfer unter der Statistik, die nicht unmittelbar auf dem Schlachtfeld gefallen sind. Sprich die, die im Krankenhaus oder auf dem Transport sterben, sowie die Invaliden, werden nicht mit reingerechnet.
      Es ist schon eine Schande, wie sich die Menschen dieses ganze Verbrechen mit anschauen. (WIR) zeigen mit dem Finger auf andere und unterstützen dieses Verbrecherpack im weissen Haus, statt denen die Bude einzurennen. Der Krieg ist Völkerrechtswidrig und auch noch auf Lügen aufgebaut. Es ist nur noch ein Skandal. Wenn es nach mir ginge, würde ich alle Verursacher, Vasallen, Unterstützer und Medienverantwortliche mit einer Waffe + ein Magazin da unter ausetzen. Mich kotzt dieses Pack nur noch an.

    4. otti schrieb am 29. März 2008 at 20:38 - Permalink

      Zu Ihrer Frage, ob oberste Repräsentanten westlicher Kriegsparteien im Irak von der Eröffnungsfeier bei den olympischen Spielen in Peking ausgeschlossen werden sollten, kann, was den Kriegsherrn aus Amerika betrifft, gesagt werden, dass die Person kraft Amtes überall hinkommt, nur nicht später mal in den Himmel.
      Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche!

    5. Konfusius schrieb am 29. März 2008 at 22:35 - Permalink

      guten abend jens,
      das bild des verletzten kindes passt nicht zum stil deines blogs. sowenig wie der brückenschlag zur olympiade. genau das ist es doch, was immer wieder die verständigung erschwert. es wird alles miteinander in beziehung gesetzt, informationspizza, meinungsmüsli. wir haben immer noch ein paar reste, die mit rein können.

    6. engola schrieb am 29. März 2008 at 22:49 - Permalink

      Das mit den Opfern geht schon wieder los. Täglich – jetzt.:

      Samstag, 29. März, 14:59 Uhr

      Zuvor waren bei einem amerikanischen Luftangriff in Basra nach Angaben der irakischen Polizei acht Zivilpersonen getötet worden. Das US-Kampfflugzeug habe ein Haus in dem Viertel Hananija beschossen, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Toten seien zwei Frauen und ein Kind; sieben Personen seien verletzt worden. Die US-Streitkräfte teilten mit, sie prüften den Bericht.

      Wenn Ihr mich fragt ist es zeit für eine Note der Kanzlerin an die Amerikaner, die sollten die Leute doch nicht so zusammenschießen…

      Und wenn ihr mich fragt, der Krieg ist verloren, wenn es solche Meldungen gibt:

      Die irakische Regierung hat das Ausgehverbot für die Hauptstadt Bagdad für unbestimmte Zeit verlängert. Es gilt rund um die Uhr und war am Donnerstagabend verhängt worden, um die Gewalt in der irakischen Hauptstadt einzudämmen.

      Neulich wurden Botschaftsangehörige in der grünen Zone aufgefordert, nur mit Schutzweste rauszugehen, wegen des dauernden Mörserbeschusses.

      Und Basra könnte zum Final werden, denn Maliki wird nicht aufgeben…

      Wer Basra kontrolliert konrtolliert das Öl.

    7. antonym schrieb am 29. März 2008 at 22:50 - Permalink

      Hallo,

      ich hätte gerne noch viel mehr Bilder von den zivilen Opfern der amerikanischen Barbarei.

      Vermisst habe ich etwas über die Geschichte von Basra: dass diese Region aufgrund des Ölreichtums schon 1921 versucht hat ‘unabhängig’ zu werden, und dass das gleiche beim Aufstand 1991 gegen Saddam passiert ist. Saddam Hussein ist damals mit Panzern eingerückt, es gab kurz Kämpfe und einige Massenhinrichtungen, aber nach ein paar Monaten war alles wieder repariert und das Leben ging für die Zivilisten normal weiter.

      Dagegen scheinen es die amerikanischen Faschisten auf eine Zerstörung der Zivilgesellschaft angelegt zu haben, weil nach 5 Jahren Besatzung immer noch keine Lösung gefunden ist und Krieg gegen das Volk geführt wird.

    8. Jochen Hoff schrieb am 29. März 2008 at 23:11 - Permalink

      @ Konfusius 5

      Ja. auf die Einrede habe ich gewartet. Ihr dürft doch die Opfer nicht zeigen, zeigt doch lieber ein Diagramm. Streng wissenschaftlich, es muss ja nicht wahr sein. Natürlich darf man auch Olympia nicht erwähne. Warum auch ist ja was völlig anderes. Und nur nichts über Öl sagen, weil das gehört hier nicht hin. Es geht ja nur darum den Irak zu befreien.

      Alles andere ist Müsli.

      Nein ist es nicht. Was die USA und die Briten zeigen wollen, bekommen wir in unseren Medien zu sehen. Was wir denken sollen sagt man uns an jeder Ecke. Machen wir aber nicht. Da sterben Kinder, weil feige Amerikaner sich nicht in den direkten Kampf trauen sondern lieber wie auf der Playstation aus der Ferne töten.

      Natürlich gehören auch die toten US-Soldaten nicht ins Bild. Jens hätte Bush zeigen sollen, mit der Bibel in der Hand wie er scheinbar das Land segnet und dabei zwischen den Zähnen durchmurmelt, bringt sie alle um. Jeder hier könnte was wissen wie tief meine Familie hier finanziell drin steckt.

    9. Dionyx schrieb am 30. März 2008 at 03:11 - Permalink

      So sehr ich auch gegen Krieg bin, kann ich die Iraker komplett verstehen. Die Amis halten die jetzt schon 5 Jahre besetzt und knechten sie mit einer Irakfeindlichen und Amerikafreundlichen Regierung. Ich würde es zu gerne sehen wenn Amerika den Rückzug antritt und ehrenvoll den Irakern den Sieg anerkennt.

      Wahrscheinlicher wird für dieses ehrenlose Gesindel aber wohl sein, daß sie ne Atombombe draufwerfen…

      Im übrigen ist das mit unserer eigenen Regierung nicht viel anders… steht aber hier nicht zur Debatte

    10. name schrieb am 30. März 2008 at 10:34 - Permalink

      Sehr guter Artikel Jens!

      Muqtada as-Sadr steht für den nationalen Widerstand im Irak, der im irakischen Volk großen Rückhalt trotz versuchter ethnischer und religöser Aufspaltung der Bevölkerung unter den barbarischen und irren Bedingungen (kein Wasser, kein Storm, keine Arbeit keine Sicherheit) geniesst.

      Der militärisch nationale irakische Widerstand ist stärker als nie zuvor und wendet sich sowohl gegen die amerikanischen Besatzungstruppen als auch gegen den iranischen Einfluss. In Basra sind reihnenweise Regierungetruppen zu den Milizen al Sadr übergelaufen und weigern sich, auf Iraker zu schießen, die Öl und Hafenarbeiter in Basra leisten gegen die Ausplünderung durch britischen und amerikanischen Truppen Widerstand:

      Die Besatzungstruppen haben das irakische nationale Element im irakischen Volk völlig unterschätzt.

      Als Buchtip, was die Besatzung , der Krieg alles in den Köpfen und Herzen im Irak anrichtet:

      Jussifs Gesichter. Roman aus der Mekka-Bar von Najem Wali

    11. Konfusius schrieb am 30. März 2008 at 11:48 - Permalink

      @ Jochen 8
      siehst du, genau das ist was passiert. Jens zeigt ein weinendes Kind mit Blutspritzern im Gesicht und einem Verband um den Kopf und du sprichst schon von sterbenden Kindern.

    12. Jochen Hoff schrieb am 30. März 2008 at 11:58 - Permalink

      @ Konfusius 11

      Ja, weil sie eben sterben und die Frauen und die Alten. Die kämpfenden Truppen haben eine zumindest eine Minimalausbildung, deren Verluste sind deutlich geringer als die der Zivilbevölkerung und die heldenhafte amerikanische Armee will ja in erster Linie Zivilisten töten, weil sie glaubt das sie dadurch die Kämpfer entmutigt. Das hast selbst bei der Besetzung Deutschlands, in einem Land in dem selbst die meisten Nazigläubigen ihren Glauben und jede Hoffnung verloren hatte erst geklappt, als jener Führer tot war und die Nachfolger aufgaben.

      In der Sowjetunion haben sich die deutschen Truppen daran die Zähne ausgebissen. Es gibt keinen mir bekannten Kampf der jemals so gewonnen wurde. Also ist das was die Amerikaner machen purer Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung ohne Sinn. Genau das möchtest du nicht dargestellt haben, weil du ja rein theoretisch und abgehoben über eine Krieg philosophieren möchtest.

      Der Krieg an sich und seine Folgen, eine Analyse inkl. eines Schlachtgemäldes von Konfusius. 320 Seiten mit über über 420 statistischen Abbildungen aber keinem Toten. Denn die kommen ja nicht vor.

      Ich will es dir ganz ehrlich sagen. Wenn wir nicht die Opfer eines Krieges beklagen wollen, dann brauchen wir nicht über den Krieg zu reden. Wenn wir nicht anhand der Opfer über die Sinnlosigkeit des Krieges nachdenken und diese beweisen wollen, wie denn dann. Mit einer Statistik über die durchschnittliche Bewegung der Gulaschkanonen an einem Angriffstag?

    13. corny schrieb am 30. März 2008 at 12:22 - Permalink

      Ah, danke für diesen Beitrag. Ich hab mich schon wieder gefragt, was unsere Regierung im Moment eigentlich wirklich verzapft, wenn alle Medien mal wieder die Ablenkungs-Schiene fahren und nur noch über ein Thema berichten. Und wenn ich mir die 500+ Kommentare in deinem Nepal-Artikel anschaue, muss ich sagen es hat mal wieder bestens funktioniert.

      Im Allgemeinen ist es doch immer so: Wenn alle Medien über den gleichen “Skandal” berichten, passiert irgendwo gerade richtig große Scheiße.

    14. Spiegelfechter schrieb am 30. März 2008 at 12:32 - Permalink

      @Konfusius

      Da muß ich Dir “leider” widersprechen:

      Krieg und Bürgerkrieg bedeutet nun einmal Leiden, Tot, Verstümmelung und Schmerz. Man kann (was ich wohl eher zu oft mache) die ganze Sache aus einer analytischen, geopolitischen und geostrategischen Warte aus sehen und die Geschehnisse in einen großen Rahmen einordnen. Das ist natürlich hilfreich fürs Verständnis, lässt aber auch die emotionale Komponente verkümmern. Auch in dieser Woche gab es im Irak Kinder, wie das abgebildete, die verletzt, verstümmelt, getötet oder ihrer Eltern beraubt wurden. Das darf man auf keinen Fall vergessen, wenn man von “Demokratisierung” etc. pp. spricht.

      Der Rahmen “Olympia” ist von mir absichtlich und leicht provokant gewählt worden, da ich auf die doppelten Maßstäbe der Medien und der Politik hinweisen wollte. Wenn in China ein Sack Reis umfällt … nein, ich will die tibetischen Opfer keineswegs beleidigen; aber im Verhältnis zu dem, was die angloamerikanische Allianz seit fünf Jahren im Irak anrichtet, ist die Unterdrückung der Tibeter durch die Chinesen wirklich eher unwichtig. Das alltägliche Morden wird als “normal” angesehen und die Mörder selbst sind es, die für sich die moralische Deutungshoheit proklamieren und andere Staaten via Olympia moralisch abstrafen wollen. Dies ist eine unerträgliche Bigotterie.

    15. Spiegelfechter schrieb am 30. März 2008 at 12:34 - Permalink

      @all

      Man staune:

      Die US-Truppen haben in Bagdad nach eigenen Angaben Dutzende Kämpfer der Sadr-Miliz getötet – insgesamt 43 “Terroristen” und “kriminelle Kämpfer” alleine am Freitag und Samstag.

      Dieses Zitat stammt von SPON und die Anführungszeichen sind im Original vorhanden. Ob da am Sonntag der Praktikant am Rechner sitzt?

    16. name schrieb am 30. März 2008 at 14:27 - Permalink

      @Jens und Praktikanten : gg : der muss dann aufpassen das er am Montag nicht zu einem besonderes politisches Seminar zum Thema “Wo Anführungsstriche politisch korrekt gesetzt werden dürfen” verdonnert wird.

      Ich hoffe ja noch, dass der Widerstand im amerikanischen Militär selbst zunimmt, damit das morden aufhört. Gleiches gilt auch für das deutsche Militär in Afgahnistan. …naja Hoffnung ist meist nur ein hilfloser Ratgeber…

      http://wintersoldierfilm.com/

    17. nemetico schrieb am 30. März 2008 at 16:00 - Permalink

      Die Auseinandersetzungen im Irak sind mehr als nur eine Auseinandersetzung zwischen den regierungsseitigen Badr – Milizen (Marionetten der USA UND des Iran – !! ) und den Sadristen.
      Ich verweise auf den Hilferuf der Erdölgewerkschaften von Basra.
      Siehe diesbezüglich ein Artikel auf meinem Blog, den ich via Linker Zeitung und Indymedia von einem Unterstützungskomitees für den irakischen Gewerkschaftsverband IFOU übernommen habe:

      Solidarität mit den Arbeitern von Basra!

    18. Konfusius schrieb am 30. März 2008 at 19:32 - Permalink

      @Jochen – und auch Jens

      Tut mir leid, da haben wir uns mächtig missverstanden. Du hast dir die Antwort selbst gegeben.

      “Wenn wir nicht die Opfer eines Krieges beklagen wollen, dann brauchen wir nicht über den Krieg zu reden. ”

      Krieg unterscheidet sich derart von einer sportlichen Veranstaltung, dass es im Krieg Opfer gibt. Es ist ein Entscheidendes, diese zutiefst eingebrannte archaische Vorstellung von der Notwendigkeit eines oder vieler Opfer endgültig aus dem Menschlichen zu tilgen. Die Geschicke der Welt werden nicht von Göttern, Dämonen oder Naturgewalten gelenkt. Deshalb müssen auch keine Opfer gebracht werden, um ein irgendwie geartetes friedliches Leben führen zu können.

      Nur, wie soll das einer Gesellschaft gelingen, die in einer religiösen Kultur wurzelt, die das Menschenofer sogar zum Gottesopfer hochstilisiert hat. Wie, wenn uns Leiden als Weg zur Erlösung gepredigt wird?

    19. Jochen Hoff schrieb am 30. März 2008 at 20:00 - Permalink

      @ Konfusius 18

      Indem wir immer wieder darauf hinweisen, das Hiob kein Vorbild ist und das jener Gekreuzigte auf dessen Blut und Fleisch einige so scharf sind, wenn schon kein Gerücht sondern ein dummes Opfer war. Es ging nie um Religion sonder immer nur um Geld.

      Ich hab vor einiger Zeit mal eine dreiteilige Serie zu diesem Thema geschrieben:

      http://www.duckhome.de/tb/archives/493-OEl-und-Armageddon.html

      Aber wichtig ist das man die Prediger entlarvt, da wo sie auftreten und ihnen die richtigen Fragen stellt und sie immer wieder mit ihren unfreiwilligen Opfern konfrontiert. Wir befinden uns in einem Kampf. Gerade in Deutschland. Wir sollen für neue Kriege bereit gemacht werden. Deshalb brauchen wir diese Bilder die den Wahnsinn zeigen.

      Zeigt den Leuten den Krieg in seiner Grausamkeit und in seiner Unsinnigkeit bevor sie in einer Uniform mit der Waffe in der Hand vor einem Gegner stehen, der ihr Freund sein könnte, würden beide nicht den Interessen des Geldes geopfert. Es geht nämlich nur um Geld. Religion ist nur eine weitere Ware wie Drogen um Geld einzunehmen und Verstand zu verbiegen.

    20. Karl schrieb am 30. März 2008 at 20:20 - Permalink

      @ Konfusius

      Nur, wie soll das einer Gesellschaft gelingen, die in einer religiösen Kultur wurzelt, die das Menschenofer sogar zum Gottesopfer hochstilisiert hat. Wie, wenn uns Leiden als Weg zur Erlösung gepredigt wird?

      Willst Du dokumentieren, daß Du Deinen Nick zu Recht trägst? Das ist Dir gelungen.

      Wenn man an dem Kinderbild etwas bemängeln kann, dann bestenfalls den Bezug zum Begleittext. Zum folgenden Absatz hätte es besser gepasst, in den Beitrag gehört es auf jeden Fall.

      Es kotzt mich schon lange an, daß in den Mainstreammedien die wörtliche Betäubung zur Königsdisziplin entwickelt wurde. Es wird nicht mehr von Krieg geredet, sondern von Konflikten, es wird nicht bombardiert, sondern es werden Ziele mit chirurgischer Präzision angegriffen, eine Partei führt einen Terroranschlag aus, die andere befriedet, sichert oder führt einen Vergeltungsschlag.

      Da werden amerikanische Verluste in Höhe von 4000 Mann in 5 Jahren beklagt. Vergleicht man das mit der Zahl der Mordopfer (16000 pro Jahr) in den USA, so ist diese Zahl ganz einfach lächerlich.

      Beachtlich ist auch der Umgang der Amerikaner mit den Opfern ihres Terrors. So wurde beispielsweise eine Hochzeitsgesellchaft, die in Afghanistan irrtümlich beschossen wurde, mit einhundert USD pro Leiche entschädigt.

      Dieser Krieg züchtet eine weitere Generation von Terroristen heran, von Menschen, die seit frühester Kindheit dem Terror und der Gewalt ausgesetzt sind. Treten diese Terroristen dann in Aktion, werden die Wellen der Entrüstung über die “islamistischen Gewalttäter” wieder über uns zusammenschlagen.

      Man wird uns Geschichten über grundlose Hasspredigten erzählen, über religiösen Fanatismus, man wird nicht verstehen können, warum die Leute, deren Väter wir umgebracht haben, einen solchen Hass gegen uns hegen.

      Und deshalb gehören grausame Bilder mit Blut, mit Frauen und Kindern, unbedingt zur Berichterstattung.

    21. firefly schrieb am 30. März 2008 at 23:09 - Permalink

      Ich halte das Verknüpfen von Tibet und dem Irak für äusserst unglücklich. Vor allem deswegen, weil die Chinesen in einem Artikel viel zu gut weg kommen. Ein tot gefolterter Mönch und eine zerfetzte Kinderleiche am Tigris machen für mich einen ziemlich kleinen Unterschied.

      Die Opferzahlen der Amerikanisierung des Iraks und der Sinisierung Tibets mögen sich unterscheiden. Qualitativ sehe ich aber keinen Unterschied.

      Wie wär’s eigentlich mit einem Boykott von London 2012?

    22. hauptstadtstudent schrieb am 31. März 2008 at 04:13 - Permalink

      Was ich von euch ganzen Klugen mal gerne hören wollte: Wie stellt ihr euch das jetzt vor?

      Also genau jetzt, nicht man hätte dies und das nicht machen sollen. Sondern jetzt, was soll jetzt gemacht werden. Die Amerikaner und Briten raus? Das sollte die Lage stabilisieren? Da glaubt man doch nur dran, wenn man auch an SChneewitchen glaubt.

      Und nicht so ein, da hätte man nicht rein gedurft. Das ist eine seperate Diskussion und vor allem jetzt nicht mehr entscheidend. Entscheidend ist, was soll jetzt gemacht werden. Einfach raus und dem Bürgerkrieg Spektakel zusehen? Denn was die meisten hier vergessen, mittlerweile geht es nur noch selten gegen die Amerikaner oder Briten. Meist geht es gegeneinander, Schiiten gegen Sunniten gegen Kurden.

      Also was machen außer groß erzählen hier, wie schlimm die anderen doch alle sind. Konkrete Vorschläge bitte!

    23. Ick schrieb am 31. März 2008 at 04:56 - Permalink

      Das Ganze aus der Sicht eines Irakis: http://last-of-iraqis.blogspot.com/

    24. Ick schrieb am 31. März 2008 at 05:32 - Permalink

      … und der USA: http://www.democracynow.org/2008/3/28/headlines#1

      Fazit: eine Kraftprobe zwischen Maliki und Al-Sadr, zu Lasten der Zivilbevölkerung.

    25. Spiegelfechter schrieb am 31. März 2008 at 09:43 - Permalink

      @22 Hauptstadtstudent

      Die Antwort auf Deine Frage wäre die Quadratur des Kreises. Durch die Nebenbedingungen ist keine Lösung vorstellbar, die allen Seiten Vorteile bringt. Daher sollte man sich bei der Antwort auf die angestrebten Ziele festlegen und einige dieser Ziele sind nun einmal konkurrierend. Wenn man den USA also eine Handlungsempfehlung aussprechen soll, so muss man sich vorher über die conditio sine qua non klar werden – und diese ist bei den USA: Strategische Position und Kontrolle der Ölproduktion. Beide Ziele sind recht ordentlich mit einem köchelnden Bürgerkrieg erreichbar, während ein starker Nationalismus (as-Sadr) diesen Zielen zuwider laufen würde. Als Handlungsoption, die die Interessen der USA vertreten soll, machen sie also gar nicht all zu viel falsch – wenn man den Dilettantismus der Vergangenheit mal ausblendet.

      Dennoch hat jeder Betrachter andere Ziele und Vorstellungen – für mein Urteil sind die Wünsche der USA nicht von Belang, daher kritisiere ich ihre Politik, da dieser “Bürgerkrieg light” das Leid der dortigen Menschen verstärkt. Man sollte bei Analyse und Berichterstattung endlich Moral und Macht trennen – aus Sicht der USA sind dies leider konkurrierende Ziele.

    26. Spiegelfechter schrieb am 31. März 2008 at 09:48 - Permalink

      @firefly

      So so, keine Unterschiede zwischen Irak und Tibet? Gibt es in Tibet einen Bürgerkrieg, den die Chinesen zu verantworten haben? Haben die Chinesen in Tibet organisiert gefoltert? Sterben in Tibet tagtäglich Tibeter, die von chinesischen Soldaten umgebracht werden? Gehen die Chinesen mit modernstem High-Tech gegen Zivilisten in Tibet vor? Haben die Chinesen dafür gesorgt, dass rund 25% aller Tibeter vertrieben wurden?

      Nein, ein Vergleich verbietet sich und ist im höchsten Maße zynisch!

    27. Frank Schenk schrieb am 31. März 2008 at 11:19 - Permalink

      Der Krieg ist für die USA+Alliierte schon lange verloren. Du kannst keinen Krieg gewinnen, wenn die Bevölkerung des “befreiten” Landes gegen dich ist.

      Daß USA, Großbritannien, Kanada aus den UN, dem UN Sicherheitsrat, der internationalen Gemeinsacht ausgegrenzt oder zumindestens deutlich abgewatscht gehören ist auch klar. Allerdings will es sich wohl niemand mit der Weltpolizei ernsthaft verscherzen – ihrerseits setzen die USA jedenfalls alles daran, die komplette Welt (und nicht nur Russland, China, den mittleren Osten) gegen sich aufzubringen. Klar freut sich die Politikerkaste in Polen oder sonstwo über die Errichtung eines “Schutzschildes” – aber doch nur wegen der zu erwartenden Schmiergelder und natürlich ist der Faktor Arbeitsplätze auch nicht unwichtig. Diese Länder können sich den Luxus, Nein zu Geld zu sagen, noch nicht leisten oder sie wollen sich das nein nicht leisten.

      Wahrscheinlich muss es erst zu einem Bürgerkrieg in den USA kommen, bis die Falken gerupft werden…

      gruß

    28. ehle schrieb am 31. März 2008 at 12:00 - Permalink

      hmmm da schreibt man 20 minuten nen kommentar, vergisst den spam schutz und setzt sich bestimmt nicht nochmal hin um den ganzen müll erneut zu verzapfen.

      @ 27 Frank Schenk

      kommt ganz darauf an wie man die ziele des krieges definiert. wenns darum geht den irak zu “befrieden” geb ich dir da recht. wenn es aber darum geht die amerikanische wirtschaft auf kosten des steuerzahlers anzukurbeln und die eigenen taschen zu füllen war es bis jetzt ein voller erfolg. ausserdem ist m.E. der bürgerkrieg im irak von seiten der usa gewollt – dabei geht es zum einem darum waffen zu verkaufen, zum anderen einen grund zu haben da weiterhin mächtig auf den putz zu hauen.

      grüße,
      ehle

    29. name schrieb am 31. März 2008 at 12:57 - Permalink

      @”hauptstadtstudent”

      Die Lösung für den Irak ist einfach:

      Abzug aller Besatzungstruppen und Gründung eines Kriegsverbrechertribunals wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges bei dem die gesamte staatliche militärische und politische und halbstaatliche (wie Blackwater) Elite der Besatzungstruppen sich persönlich und direkt zu verantworten haben. Das wäre nach rein bürgerlichen Maßstäben, nach Nürnberg und Tokio die einzig richtige Lösung.

      Das diese Maßstäbe einige Kinder in der bürgerlich ersten Welt nicht mehr begreifen, liegt an der unbewusst und bewußt fehlenden Erkenntnisfähigkeit. Man heult lieber mit dem Leitwolf der Vereinigten Staaten. Die Beute Irak soll ja unter allen kriegsführenden Beteiligten “gerecht” zerlegt werden.

      Es ist im übrigen eine pure westliche Arroganz zu behaupten, die irakischen “Untermenschen” (das wolltest du “Student doch durch die Blume behaupten, oder?) wären nur das Chaos fähig. Wie dumm muss man sein, solch einen Gedanken überhaupt zu schreiben.

      Das politische Chaos ist im Irak Strategie der Besatzungmächte, die nun lieber Iraker auf Iraker schießen lassen wollen, damit die geraubte Ölrente noch billiger wird.

      Was irakische Volk seit fünf Jahren an Widerstand leistet ist unermeßlich. Sie binden das gesamte amerikanische Militär im Irak und verhindern und verhinderten so weitere Raubüberfälle auf andere Staaten. Den Krieg gegen den Irak haben die ökonomisch ruinierten Vereinigten Staaten verloren.

      Das erschreckende ist der Umstand, dass der kapitalistische Leitwolf ökonomisch, über die Form des Kriegkeyensianismus, nur noch in der Lage ist Profite für eine Minderheit zu “erwirtschaften”: auf Kosten von Millionen von Toten.

    30. Jochen Hoff schrieb am 31. März 2008 at 14:05 - Permalink

      Schick finde ich auch wie die USA mit der Schweiz umspringt. Das zeigt mal wieder deutlich, das Imperialismus nicht die falscheste aller Beschreibungen für die USA ist. Ich hab mir mehr einen Spaß daraus gemacht. Aber der Link zu NZZ ist wichtig. Die sehen ziemlich ratlos aus:

      http://www.duckhome.de/tb/archives/2290-Wann-erfolgt-der-amerikanische-Angriff-auf-die-Schweiz.html

    31. Spiegelfechter schrieb am 31. März 2008 at 15:34 - Permalink

      @all

      Sehr interessant:

      Zbigniew Brzezinski: “The Smart Way Out of a Foolish War”

      Ach ja, hätten die US-Politiker damals doch nur auf Big-Z gehört ;-)

    32. firefly schrieb am 31. März 2008 at 22:40 - Permalink

      So so, keine Unterschiede zwischen Irak und Tibet? Gibt es in Tibet einen Bürgerkrieg, den die Chinesen zu verantworten haben? Haben die Chinesen in Tibet organisiert gefoltert? Sterben in Tibet tagtäglich Tibeter, die von chinesischen Soldaten umgebracht werden? Gehen die Chinesen mit modernstem High-Tech gegen Zivilisten in Tibet vor? Haben die Chinesen dafür gesorgt, dass rund 25% aller Tibeter vertrieben wurden?

      Nein, ein Vergleich verbietet sich und ist im höchsten Maße zynisch!

      Der Vergleich verbietet sich in keinster Weise. Erstens heisst vergleichen nicht gleichsetzen. Und zweitens gibt es viel zu viele Parallelen zwischen beiden Entwicklungen, als dass man es nicht auf eine Stufe stellen könnte.

      Die Chinesen setzen doch nur deswegen keine High-Tech-Waffen ein, weil sie sie wohl nicht in ausreichender Stückzahl oder gar nicht haben. Und weil bei quasi unbewaffneten Tibetern eben noch leichtes Gerät ausreicht.
      Die Tibeter werden seit Jahrzehnten systematisch an den Rand der Gesellschaft gedrängt und ihre Kultur verdrängt. Und so bald sie sich dagegen wehren, werden sie sehr wohl massakriert. Und dass in chinesischen Gefängnissen nicht gefoltert wird, glaubst du ja selbst nicht.

    33. name schrieb am 1. April 2008 at 10:03 - Permalink

      @firefly

      Zwischen der aktutellen politischen Situation in China, dem Verwaltungsbezirk Tibet und dem besetzten Irak gibt weder qualitativ noch quantitativ irgend eine Möglichkeit historisch, politisch und kulturell irgendwas in Beziehung gegeneinander zu setzen, einen Vergleich möglich zu machen.

      Was ist denn das für ein irrer, dummer politisch gewollter (?) Unsinn?

      Ach ja Jens: Big polnisch Z ist schon ein klarer verrückter Kopf ;) Guter Link.

    34. firefly schrieb am 1. April 2008 at 12:46 - Permalink

      Zwischen der aktutellen politischen Situation in China, dem Verwaltungsbezirk Tibet und dem besetzten Irak gibt weder qualitativ noch quantitativ irgend eine Möglichkeit historisch, politisch und kulturell irgendwas in Beziehung gegeneinander zu setzen, einen Vergleich möglich zu machen.

      Der Kulturimperialismus und das Morden ist beiden gleich. Und das verbindet sie. Wenn du das nicht sehen willst oder kannst, tut es mir Leid.

    35. name schrieb am 1. April 2008 at 13:01 - Permalink

      “Kulturimperialismus” sehr schicker Begriff, der aus der Mottenkiste von Satchi & Satchi und von Radio “Free Asia” stammt:

      Seit wann ist eine finstere, absolut undemokratische Mönchsdiktatur bewahrenswert und als leuchtendes Beispiel ethnopluraistisch hochzuheben, ein Verwaltungsbezirk der seit 700 Jahren zu China gehört ?

      Ein rassenreines Tibet samt einer Balkanisierung Chinas wird es zum Glück gepaart mit der Gefahr eines dritten Weltkrieg nicht geben, auch wenn das gerne aus der rechtsradikalen Ecke zum “deutschen” Vorteil gefordert und angestrebt wird.

      Im übrigen: höre auf zu lügen, ist gibt keinen Massenmord in China ,der mit dem Irak vergleichbar wäre. Das bedauern solche Irren wie Sie ganz heimlich sogar.

    36. firefly schrieb am 1. April 2008 at 14:42 - Permalink

      Seit wann ist eine finstere, absolut undemokratische Mönchsdiktatur bewahrenswert und als leuchtendes Beispiel ethnopluraistisch hochzuheben, ein Verwaltungsbezirk der seit 700 Jahren zu China gehört ?

      Die ist genauso bewahrenswert wie die sexistischen Gesellschaft im Irak.
      Böhmen gehörte auch ein halbes Jahrtausend zu Österreich und trotzdem konstruiert niemand daraus einen Anspruch im 21ten Jh.

      Ein rassenreines Tibet samt einer Balkanisierung Chinas wird es zum Glück gepaart mit der Gefahr eines dritten Weltkrieg nicht geben, auch wenn das gerne aus der rechtsradikalen Ecke zum ?deutschen? Vorteil gefordert und angestrebt wird.

      Eine dümmlichere Argumentation fällt dir wohl nicht ein? Wenn man keine Argumente hat, wirft man anderen vor, Faschist zu sein, nicht wahr.

      Im übrigen: höre auf zu lügen, ist gibt keinen Massenmord in China ,der mit dem Irak vergleichbar wäre. Das bedauern solche Irren wie Sie ganz heimlich sogar.

      Ich bedauere nur, dass es immer noch Leute gibt, die einen Unterschied zwischen zwei Morden machen. In China wird im Allgemeinen und in Tibet im Besonderen von sehr wohl von staatlichen Organen gemordet.

    37. salvo schrieb am 1. April 2008 at 14:55 - Permalink

      zum ursprünglichen Topic

      “The Lessons of Basra”

      http://www.thenation.com/doc/20080414/dreyfuss

      “?Exodus: Where Will Iraq Go Next?”"

      http://www.democracynow.org/2008/3/31/exodus_where_will_iraq_go_next

    38. Jochen Hoff schrieb am 1. April 2008 at 15:26 - Permalink

      @ firefly 36

      Könnten Sie bitte mal die Kirche im Dorf lassen:

      “Ich bedauere nur, dass es immer noch Leute gibt, die einen Unterschied zwischen zwei Morden machen. In China wird im Allgemeinen und in Tibet im Besonderen von sehr wohl von staatlichen Organen gemordet.”

      China ist eine Diktatur. Genau wie die USA ermordet China gerne seine Mitbürger die ihr aus rassischen, politischen oder sonstigen Gründen nicht passen. Ab und an sollen bei beiden Staaten auch Straftäter unter den Ermordeten sein. In dieser Hinsicht sind beides primitive Länder.

      In China wie in den USA werden Minderheiten unterdrückt. Tibeter, Farbige, Uiguren, Mexikaner. Beide Staaten sind eben nicht sonderlich zivilisiert.

      Anders als China überfallen die USA aber in regelemäßigen Abständen andere Völker und übetreffen dabei sogar noch deutlich die kriegerischen Deutschen. Die Chinesen haben in den letzten tausend Jahren mit Kriegen nicht ganz so viel Glück gehabt. Nur am Ussuri wollten sie mal die Russen testen, haben es aber mehr weniger beim in den Fluss pinkeln belassen.

      Jetzt töten die USA in Afghanistan und im Irak systematisch andere Völker. Wie du das mit Tibet gleichsetzen kannst erschließt sich mir nur dann wenn ich dem Gedanken von Jens folge. DAs hätten die Faschisten nämlich gerne wenn wir uns an Tibet festknabbern während im Irak und Afghanistan die Zivilisten hingeschlachtet werden. Machen wir aber nicht.

      Du kannst dich also als durchschaut betrachten.

    39. firefly schrieb am 1. April 2008 at 15:55 - Permalink

      @ 38

      Du willst mich nicht verstehen. Dabei sind wir sehr nah bei einander. Das lese ich aus deinen ausführlichen Ausführungen. Ich glaube nicht, dass ich durchschaut bin.

      Ich halte die Chinesen für keinen Deut besser als die Amerikaner. Sie führen vielleicht momentan keinen Angriffskrieg. Das heisst aber nicht, dass sie davor zurück schrecken würden, wenn es darum geht ihr Einflussgebiet zu erweitern.

      Und was die Amerikaner angeht, so führen sie genauso blos einen Angriffskrieg wie wir Deutschen es einst taten, oder Schweden, Türken, Römer und jedes andere Reich, dass sich in der Lage wähnte, Krieg führen zu können. Die Amerikaner morden im Irak, weil sie es können. Nicht weil sie bessere oder schlechtere Menschen wären. Die Chinesen müssen sich damit fürs Erste eben aufs Innere beschränken. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch sie mal ein kleines Angriffskriegchen riskieren würden. Gelegenheit macht Mörder.

    40. salvo schrieb am 1. April 2008 at 16:18 - Permalink

      sorry, ich will hier niemanden persönlich angreifen, aber diese Verallgemeinerungen wie die ‘Amerikaner’ die ‘Chinesen’ usw, die morden, lenken eher den Blick von den realen Umständen solcher Verbrechen ab. Mir ist klar, dass ihr das anders meint – ich hoffe es zumindest, nur öffnet solche Sprache Tür und Tor für Vorurtile. Ich kenne nicht wenige US-amerikanische Quellen, die sich sehr kritisch zum Handeln ihrer Regierung äußern und klar die Verantwortlichen und Nutznießer benennen. Man sollte sich mE bemühen, den Gegenstand der berechtigten Kritik angemessen zu bezeichnen.

    41. name schrieb am 1. April 2008 at 18:40 - Permalink

      @firefly

      Du scheinst es entweder nicht begriffen, Charl Schmitt nie gelesen und dich mit deutschen Außenpolitikkonzepten nie beschäftigt zu haben.

      Die gesamte, organisiserte Tibetkampagne zielt im Kern auf das von den deutschen Faschisten entworfene Volksgruppenkonzept ab, dass im Kern behauptet, “ein Volk” könne nur bei “kultureller Identität” überleben. Dieser finstere Blut und Bodenunsinn, dessen Resultate man auf dem Balkan direkt beobachten kann, ist alles, was hinter “Free Tibet” steht und hat nur ein Ziel: China zum Balkan Asiens zu machen.

      Im Irak haben die Vereinigten Staaten versucht den Nationalstaat zu beseitigen, die politischen und religiösen Gruppen über eine sozial ökonomische Barbarei zu ethnisieren, um die Verwertung der Reichtümer des Irak zu erleichtern. China schafft dagegen soziale Zustände in Tibet ohne ethnisches Ansehen. Das ist der gewaltige Unterschied.

      Man kann China wegen den 100 Millionen Wanderarbeitern kritisieren, die vom gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtum nichts zu sehen bekommen, aber nicht, weil China in Tibet Krankenhäuser, Eisenbahnstrecken, Wasserleitungen baut, um das Soziale vor das Ethnische zu stellen.

      Der religiöse Unsinn einer Mönchselite, die sich für erleuchtet halten und berufen fühlen, die in ihrem unwissenden Wahn Scheisse fressen, und vor den westlichen Kameras den Hampelmann geben, und denen Wasserleitungen und medizinische Versorgung ein Graus sind, ist nicht unterstützenswert.

    42. Lago schrieb am 1. April 2008 at 19:23 - Permalink

      “Was haben die Römer jemals für uns getan, frage ich euch?”

      Ich finde nicht, dass man allen unzufriedenen Tibetern gleich Faschismus, Rassismus, Rückständigkeit oder Rückwertsgewandheit unterstellen muss. Ja, völkerrechtlich gehören die von Tibetern bewohnten Gebiete wohl mehrheitlich zu China, aber Unabhängigkeit oder Autonomie wünschen dürfen sie sich ja wohl noch, insbesondere als Menschen in einem totalitären Staat, in dem sie selbst eine Minderheit stellen, auf die im besten Falle Rücksicht genommen wird.

      Dass letztendlich die Gesamtheit der mehr autonomiewünschenden Tibeter nicht nur zahlreiche unterschiedliche Strömungen, darunter anti-kommunistische, pro-theokratische, rechts-”nationale”, anti-(beliebige ethnische Gruppe) umfasst, sondern darüber hinaus auch von “Konkurrenten” der VR China instrumentalisiert wird, ist nicht allein die Schuld “der Tibeter”.

      Vielleicht sind “die Tibeter” undankbar gegenüber China, aber ich kann diese Undankbarkeit durchaus nachvollziehen (allerdings auch das Unverständnis der Han-Chinesen in Tibet wie auch im Osten diesbezüglich).

    43. Spiegelfechter schrieb am 1. April 2008 at 19:26 - Permalink

      @Lago

      Man kann das ja schon positiven “Antitibetismus” nennen ;-)

      Natürlich sind die Tibeter auch ganz normale Menschen, mit ganz normalen Fehlern, wie wir alle und keine “orangefarbenen Superwesen”.

      Ich stimme Dir da vollkommen zu.

    44. salvo schrieb am 2. April 2008 at 09:36 - Permalink

      dazu Noam Chomsky in der WOZ

      http://www.woz.ch/artikel/2008/nr13/international/16115.html

    45. salvo schrieb am 28. April 2008 at 14:32 - Permalink

      und noch ein Hinweis

      Jürgen Todenhöfer in der Jungen Welt

      u.a.

      “Es gibt in meinem Buch die Aussage des Leiters der Terrorismuskommission unter Ronald Reagan, Edward Peck hieß er, der sagte, er habe mehrere Entwürfe zur Terrorismusdefinition erarbeitet. Aber sie seien alle verworfen worden, weil ihr eigenes Land und seine Politik immer mit darunter gefallen seien.”

      http://www.jungewelt.de/2008/04-26/001.php

    46. iraker schrieb am 24. Februar 2010 at 14:47 - Permalink

      @ spiegelfechter

      ja, dein kollege al-Sadr scheint ja jetzt im Iran abgetaucht zu sein bzw. zu studieren.

      auch diesen mann als nationaler widerstand aufzubauen scheint ja nicht aufgegangen zu sein.

      und die mär von übergelaufenen soldaten kann man ja durch die mär übergelaufener mahdi milizionäre ersetzt werden.

      im übrigen, da wo ich herkomme, das ist der irak, ein land, das dich erst wahrscheinlich mit GWB interesse am Irak gepackt, nennt man den sadr za3toot, das heisst schreihals (keine angst, steht in KEINEM arabischen wörterbuch, weil ist IRAKisch).

      Dieser Spitzname ist bei weitem aussagekräftiger als die ganze viele Tinte und Tränen, die ihr im Dienste Saddams und Sadr vergießt.

      iraker


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