Ein langer Winter
02. April 2008 von Nick Abbe - Drucken
Die Realität des Krieges und die Reaktionen der amerikanischen Medien
Vom 13. bis 16.März dieses Jahres fanden in Washington D.C. die „Winter Soldier Testimonies“ statt. Irakkriegs-Veteranen der Gruppe „Iraq Veterans Against the War“ organisierten diese Veranstaltung, um insbesondere gegen den Irakkrieg zu protestieren. Auf der Webseite der „IVAW“ führen sie zehn Gründe für ihre Ablehnung der Kriege an, unter anderem, dass der Krieg „auf Lügen und Verrat“ basiert, dass er internationales Recht verletzt, dass enorme Steuergelder dafür ausgegeben werden, während einige wenige Unternehmen riesige Profite machen und dass sowohl die amerikanischen Soldaten als auch die Iraker entmenschlicht und missbraucht werden.
Die Organisation orientiert sich bei der Aktion „Winter Soldier“ am Vorbild der „Winter Soldier Investigation“, die Anfang 1971 drei Tage lang in Detroit stattfand. Mehr als einhundert Mitglieder der „Vietnam Veterans Against the War“ – darunter John Kerry, der spätere Präsidentschaftskandidat der Demokraten – versuchten damals, durch die Veröffentlichung ihrer Erfahrungen von Kriegsverbrechen und Massakern der US-Streitkräfte in Vietnam, Laos und Kambodscha aufzuzeigen, dass diese Ereignisse die Regel und eine unmittelbare Folge der militärischen Strategie der USA waren.
Die damalige Veranstaltung wurde von den landesweiten Medien kaum oder überhaupt nicht erwähnt – bis ein daraus entstandener Dokumentarfilm 1972 schließlich dafür sorgte, dass man die Thematik nicht mehr ignorieren konnte. Dies führte schließlich zum „Fulbright-Hearing“, einer Reihe von öffentlichen Anhörungen, bei denen der demokratische US-Senator J.William Fulbright auch ausführlich Mitglieder von „Vietnam Veterans Against the War“ zu Wort kommen ließ; bei diesen Anhörungen stellte John Kerry seine berühmte Frage: „Wie fragt man einen Mann, als Letzter für einen Fehler zu sterben?“
Patriotismus vs. Opportunismus
Die Bezeichnung „Winter Soldier“ ist an ein Zitat des amerikanischen Revolutionärs und Intellektuellen Thomas Paine angelehnt, der im ersten Band seiner Schriftenreihe „The American Crisis“ (1776) feststellt: „Jetzt ist die Zeit, in der sich Männer erweisen. Der Sommersoldat und der Sonnenscheinpatriot werden sich in dieser Krise vom Dienst am Vaterland drücken; aber nur wer jetzt durchhält, verdient die Zuneigung und den Dank von Mann und Frau“.
Paine – aufgrund des Einflusses seiner Streitschrift „Common Sense“ auch als „Vater der [amerikanischen] Revolution“ bezeichnet – war einer der ersten, der auch den Widerspruch zwischen den Idealen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der „peculiar institution“ der Sklaverei öffentlich anprangerte. Er bezeichnete die Sklaverei, die zu dieser Zeit einen einträglichen und wichtigen Wirtschaftszweig und -Faktor darstellte, u.a. als Monstrosität, derer sich die Nation vor Gott zu verantworten hätte – womit er sich nicht nur Freunde machte.
Gemäß dieses Vorbildes, welches lehrt dass gerade die unbequemen Wahrheiten von wahrhaftigen Patrioten ausgesprochen werden müssen, versuchen die Veteranen von „Iraq Veterans Against the War“ nun, durch die schonungslose Offenlegung ihrer traumatischen Erlebnisse im Irak einen öffentlichen Stimmungswandel zu verstärken. Zwar ist momentan eine Mehrheit der Amerikaner gegen den Irak-Krieg im Allgemeinen, aber die Realität der Zustände unter denen ihre Soldaten dienen, sowie die Ausmaße der Verbrechen, die durch G.I.s im Irak verübt werden, sind immer noch ein Tabu - oder werden als bedauerliche Einzelfälle abgetan.
Der statistische vorläufige Rückgang der durch Gewalt verursachten Toten im Irak trägt weiterhin dazu bei, dass viele amerikanische Mainstream-Medien die – trotzdem – schlechten Nachrichten aus dem Irak weitestgehend ignorieren – sei es aus ideologischen Gründen oder aufgrund eines Mangels an Courage. Der britische Autor und Journalist Ian Williams erklärt in einem Interview, dass der Staat in Gestalt des Kongresses die tatsächlichen Zustände im Irak thematisieren müsse, da sich die Mehrheit der Medien am Konsens in Washington orientiert. Diese Beobachtung wird von den oben geschilderten Ereignissen 1971/72 bestätigt: erst als die Problematik der Kriegsverbrechen von Kongressabgeordneten und Senatoren angesprochen wird, veränderte sich die zurückhaltende Haltung vieler Medien und man begann zu realisieren, dass das Massaker von My Lai eben kein Einzelfall darstellte.
Willkommen in der Hölle
Bei den jetzigen öffentlichen Auftritten der etwa 200 Veteranen, die dieses Jahr in Washington stattfanden, berichteten diese ausführlich über die entsetzlichen Erfahrungen, die sie in diesem Krieg machen mussten und über die Art und Weise, wie seitens ihrer Vorgesetzten auf die Guerilla-Taktiken der Aufständischen reagiert wurde. Die Zuhörer erfuhren, wie Verwechselungen und Fehler bei Einsätzen im Gassengewirr von Bagdad oder anderen Orten zu zivilen Toten durch US-Soldaten führten („Es war das erste Mal, dass ich ein totes sechsjähriges Mädchen sah […] erschossen von einer Gruppe amerikanischer Teenager“), für die der Tod Unschuldiger zur Normalität wurden.
Jon Michael Turner, ein ehemaliger Marine, sagte aus, der erste Mensch, den er im Irak getötet habe, wäre ein unbewaffneter Zivilist gewesen. Nachdem er ihn verwundet hatte, erschoss er ihn, woraufhin ihm sein Kompanie-Chef gratulierte und erklärte, dass jeder, der seinen „first kill“ mit dem Messer „absolvierte“, vier Tage Heimaturlaub in den Staaten erhalten würde. Turner präsentierte Videoaufnahmen und Bilder zum Beleg seiner Geschichten. Auf einem der Videos hört man einen Marine prahlen: „Ich glaube, ich habe eben die halbe Bevölkerung von Nord-Ramadi getötet“. Auch Aufnahmen von Marines, die – laut Turner – unprovoziert auf Minarette in der Provinz Al-Anbar schießen, gehören dazu.
Ein anderer Veteran erzählt, wie seine Vorgesetzten im Vorfeld der Invasion im Irak rassistische Beschimpfungen wie „Sandnigger“ für Iraker zu benutzen begannen, trotzdem hatten die Streitkräfte bis dahin den Anschein eines rigorosen Kampfes gegen Rassismus im Militär gewahrt. Weitere Aussagen beschreiben so genannte „free fire zones“, Gebiete in denen jedwede Personen, die sich in der Öffentlichkeit bewegten, sofort erschossen werden sollten. Dabei wurde auch das Feuer auf Bauern eröffnet, die in der Nacht auf ihren Feldern arbeiteten, weil sie nur dann Strom für ihre Wasserpumpen bekamen.
„Shovel planting“, also die nachträgliche Platzierung von Schaufeln, Zünddrähten oder Kalaschnikows bei erschossenen Zivilisten sei, laut den Teilnehmern, die Regel. Ehemalige Scharfschützen berichten vom „baiting“, sprich „ködern“, von Irakern durch die Ablage von Munition oder Ausrüstung im Zielbereich der Scharfschützen. Wer dann danach griff, galt als Feind und wurde erschossen. All diese Aussagen sind auf der Website von „Iraq Veterans Against the War“ abrufbar, bzw. auf Youtube. Die Veteranen erklärten, sie ständen gerne für Aussagen unter Eid zur Verfügung.
Kriegsverbrechen und Verantwortliche
Wer ist nun Schuld an diesem Wahnsinn? Die Veteranen, die bei den „Winter Soldier Testimonies“ aussagen, sind – insofern sie direkt an Kriegsverbrechen teilgenommen haben – schuldig, denn auch die Ausführung von Befehlen gilt nicht als Ausrede für die Teilnahme an Kriegsverbrechen. Doch wer geständig ist, verdient zumindest eine Strafmilderung. Mehr noch: wer angesichts dieser Erlebnisse den Mut aufbringt, öffentlich darüber auszusagen, dem gebührt Respekt.
Eines jedoch zieht sich wie ein roter Faden durch die Aussagen der Veteranen: man gewinnt den Eindruck, dass es sich eben nicht „nur“ um Einzelexzesse, bedingt durch die unvermeidliche Verrohung von Soldaten im Krieg handelt. Stattdessen drängt sich der Eindruck auf, dass Vorgesetzte der Soldaten systematisch die angeblich so sauberen „rules of engagement“ der US-Streitkräfte unterlaufen haben – diese verbieten nämlich beispielsweise das Schießen auf unbewaffnete Zivilisten. Angeblich sollen sogar neue „rules of engagement“ eingeführt worden sein, die das Erschießen von Personen, die beispielsweise Schaufeln mit sich führten, oder auf Hausdächern telefonieren, erlaubt haben sollen.
All dies lässt darauf schließen, dass die gesamte militärische Kommandokette involviert ist – was nicht heißen soll, sämtliche Militärs unterstützten Kriegsverbrechen, aber: es ist schlichtweg unvorstellbar, dass die höhere Kommandohierarchie des Pentagon davon nichts gewusst haben könnte. Mehr noch: der oberste Kommandeur der Truppen ist bekanntlich der Präsident höchstpersönlich. Normalerweise trägt der Kommandeur auch die Verantwortung für das, was unter seinem Kommando passiert – vielleicht sollte er seinem Kommentar, er wäre „neidisch“ auf das „fantastische Erlebnis“, an den „Frontlinien der Demokratisierung“ zu dienen, Taten folgen lassen – um sich persönlich von den Auswirkungen seiner Kriege zu überzeugen.
Präsident Bush und alle jene, die seine Linie nach Kräften unterstützen, sind verantwortlich für die Kriegsverbrechen, die in diesem mit Lügen gerechtfertigten Krieg stattfinden. Wie auch schon im Falle der Folter-Kontroverse sind ihre Handlungen nicht nur kriminell, sondern auch kontraproduktiv; sie schaden dem Ansehen und dem Ruf der Vereinigten Staaten von Amerika und vor allem auch den Ideen, in deren Namen dieser Krieg geführt wird – Demokratie und Freiheit – wahrscheinlich noch mehr, als der Vietnam-Krieg und Präsident Nixon zusammen. Die eigentliche Stärke der „Marke“ USA war einmal, andere Menschen für sich zu begeistern. Und obwohl man Land, Leute und Regierung nicht undifferenziert gleichsetzen darf, muss man doch konstatieren, dass diese - eher positive - Rezeption der Vereinigten Staaten schwer gelitten hat.
Nicht das erste Mal aber werden ausgerechnet diejenigen, die von der amerikanischen Regierung so gerne als authentische Kulisse für „patriotische“ Reden benutzt werden – und natürlich für profitable Kriege – zur möglicherweise größten Bedrohung für jene Regierung. Die „Winter Soldiers“ folgen ihrem Gewissen und vertrauen auf Vorbilder wie Thomas Paine. Es bleibt abzuwarten, ob die „Winter Soldier Testimonies“ noch mehr Soldaten zu Aussagen bewegen und vor allem: ob, wann und wie ihre Schilderungen von den US-Medien oder von der Filmindustrie aufgegriffen werden.
Nick Abbe
Bildnachweis: Iraq Veterans Against the War und Wikicommons














































































“Die Wahrheit stirbt zuerst” ist ja keine neue Erkenntnis, wenns um Krieg geht. Krieg ist abartig, verlogen und selten “gerecht”.
Es wundert mich nicht, dass solche Berichte jetzt zu lesen sind. Es war zu erwarten, dass solche Greuel irgendwann ans Tageslicht kommen.
Hier aber nur die Amerikaner anzuprangern halte ich für einäugig. Auch deutsche Soldaten erleben in Afghanistan mitunter unbegreifliche Situationen. Nur hier wird noch viel weniger darüber geredet. In DE ist man sich nicht einmal darüber bewusst, dass DE im Krieg mit afghanischen bewaffneten Gruppierungen ist. Deutschland ist im Krieg!
Was hier als “humanitärer” Einsatz verkauft wird, ist vor Ort auch mit viel Bumm und Peng die Tagesordnung.
Erst neulich erzählte mir ein Freund von einem Bekannten, der als Soldat in Afghanistan war, und dort auch in Situationen kam, bei denen er aufgrund des Befehls auf Zivilisten geschossen hat. Der Bekannte hat daraufhin, trotz Androhung disziplinarischer Maßnahmen die bis zum Vorwurf er sei ein Deserteur gingen, den Dienst quittiert.
Gut, das ist eine Info die hier jetzt aus dritter Hand kommt.
Aber zu glauben, dass die BW Soldaten in Afghanistan ausschließlich die Essensausgabe an der Gulaschkanone organisieren, ist illusorisch.
Als oller Cineast wundere ich mich, warum es so wenig nennenswerte Independent-Filme oder Major-Filme gibt, die sich kritisch mit dem Thema “Irakkrieg” auseinandersetzen. Außer den passablen Filmen “Home of the Brave” und “In the Valley of Elah” fällt mir spontan kein einziger Film ein, der sich gekonnt mit diesem Thema auseinandersetzt.
OK, die guten Vietnam-Filme (Birdy, Apocalypse Now, The Deer Hunter und Full Metal Jacket) wurden auch allesamt nach dem Vietnamkrieg gedreht, aber damals war das Filmgeschäft auch noch nicht so “hungrig” nach neuem, interessanten Stoff.
Warum wagt sich niemand an das Thema? Will man den “Jungs” nicht in den Rücken fallen? Wenn dem so sei, so ist dieses Argument grundfalsch - da Schweigen den “Jungs” mehr schadet, als Aufklärung.
Ein langer Winter, angerichtet von einem miltärischen Drückeberger, der die Welt unsicherer gemacht hat, der für unendliches Leid in amerikanischen, irakischen und afghanischen Familien verantwortlich ist.
Ein langer Winter für die Menschlichkeit.
Ein langer Winter für die Wahrheit.
Ein langer Winter für die Demokratie.
Ein langer Winter für die vierte Gewalt (embedded, s. hierzu auch Ulrich Tilgner wg. Wechsel in die Schweiz).
Er (this person) steht für die Lüge und den Tod.
Er ist das Böse.
Hallo Jens,
Glückwunsch zu diesem guten Artikel, welcher ganz nach meinem Geschmack ist. Endlich mal wieder, für mich, ein paar klare Worte. Das die Bush-Administration davon weiß und wusste, ist unbestreitbar. So wie ich es schon ein paar mal in Deinem Blog erwähnte, gehören diese ganzen Verbrecher, Mittäter, Medien und Vasallenregierungen wie unsere auf die Anklagebank. Wie teilweise dort vorgegangen wird und wurde, hat auch schon Karl Weiss in einem Artikel am 20.09.07 beschrieben.
karlweiss....
Daraus : “Fürchterlich schrille Schreie von gefolterten Jungen”
Der US-Journalist Seymour Hersch gab an, sie gesehen zu haben und erklärte, es handele sich um viel weiter Gehendes, an die äußersten Grenzen menschlicher Vorstellungskraft gehende Folterbilder und Videos. Wo sind sie? Warum werden sie zurückgehalten?
…Das schockierendste von allem ist, daß Bush Kinder foltern ließ und läßt. Die ersten Meldungen darüber gab es in „Report Mainz” im Sommer 2004. Florian Westphal, ein Repräsentant des Internationalen Roten Kreuzes, berichtete dort, daß das Rote Kreuz bei seinen Inspektionen in den Gefängnissen der Besatzer im Irak 109 Kinder angetroffen hatten (die internationale Definition von “Kinder” ist “höchstens 14 Jahre alt”).
…In der Sendung gab es auch einen Augenzeugenbericht von US-Staff Sergeant Samuel Provance, der über sexuellen Mißbrauch (und Demütigungen) von Mädchen mit 15 und 16 Jahren berichtete.
Der beeindruckendste Zeugenbericht allerdings kam von Seymour Hersch, der von einem der Videos erzählt: „Dort wurden Kinder, Jungen gefoltert, indem man sie ‚sodomized’” (das ist der übliche US-Ausdruck für Analsex), sagte er. „Das schlimmste von allem war der Ton des Videos, wenn man die Jungen fürchterlich schrill schreien hörte. Und das ist unsere Regierung im Krieg!”
Vielleicht sollte man noch den negativen Wirtschaftsfaktor erwähnen, welchen ich heute hier lesen konnte.
lebenshaus...
Kriegskosten: 6.000.000.000.000 US-Dollar
Militärisch ist der Waffengang der USA in Irak nicht zu gewinnen - und er ist auch längst nicht mehr zu bezahlen..
Der Artikel ist echt der Hammer, da er unverblümt geschrieben wurde.
Wie geht es demnächst weiter??
Erste Meldungen verdichten sich langsam, dass der Iran das nächste Ziel sein könnte, da:” laut einer im Mainstream-Bereich unbestätigten dpa-Meldung zufolge berichtete die saudische Zeitung Okaz am 22. März über Vorbereitungen des Königreichs auf mögliche nukleare Folgen eines US-Angriffs auf Atomanlagen im Südiran.”
readers-ed...
Das habe ich nun schon in vier Artikeln gelesen, wobei interessant ist, wieso die Meldung der dpa schon wieder entfernt wurde. Vor allem geschah das nach dem der hohe Besuch der Bush-Administration anwesend war.
So langsam reicht es nämlich wirklich, was dieses PACK veranstalltet. Natürlich posaunt unserer zu enger Hosenanzug noch ins selbe Horn. Siehe ihre dolle Knesset-Rede. Dazu hat Nemetico ja ein SUPER-Artikel geschrieben. Das alles muss aufhören, sonst ist die physische Konfrontation Bürger gegen Politiker nicht mehr weit entfernt.
Nochmal Glückwunsch zum Artikel, und wie es aussieht, werde ich wohl meine Wette verlieren, da wir uns ja auf 6 Monate geeinigt hatten. :-( Wir hätten 10 sagen sollen ;-)
Wat solls…zumindest war ich knapp davor ;-)
Beste Grüße
Er sei ein wenig Neidisch auf die Jungs im Irak die an den Frontlinien der Demokratisierung dienen.
Da wird einem ja schlecht wenn man das hört.
Da treten sie mit viel Eifer und Patriotismus in die Army ein.Und glauben auch noch wenn sie in den Irak oder nach Afghanistan ziehen den Ganzen Quatsch mit Freiheit und Kampf gegen den Terror.
Und einmal angekommen erleben sie dann die grausame Realität das nicht dem Land geholfen werden soll sondern nur einem Teil der amerikanischen Wirtschaft.Und das ein Teil der Soldaten selbst zu Verbrechern wird und das das mit Billigung von Oberster Stelle geduldet wenn nicht sogar gefördert wird.
@Spiegelfechter
So wie du schon sagtest sind die meisten Filme erst nach Ende des Krieges entstanden.
Ich denke mal das das hier auch so sein wird.Obwohl ja hier kein Ende abzusehen ist.
Und solange die Medien sich zurückhalten(oder gehalten werden?) und nicht über die Wirklichkeit des Irakkriegs berichten wird sich da denke ich nicht viel ändern.Vielleicht wie von dir genannt einige wenige aber die Masse duckt sich lieber und hält die Füsse still.
Eben weil es dann heißen wird wie könnt ihr nur und sowas sei Unpatriotisch den Soldaten in den Rücken zu fallen.
@Chaolan
Danke, Danke, aber geschrieben hat ihn Nick (wie auch im Artikel ausgewiesen). Deinem Glückwunsch kann ich mich übrigens nur anschließen ;-)
Ich bin dem nicht weiter nachgegangen, da ich es für das übliche Gehoaxe halte - die “Operation Bliss”-Story wird übrigens gerade auch wieder aufgewärmt und der IOB-Hoax feiert auch mal wieder Comeback ;-)
Ich zähle die Tage ;-) … nee nicht wirklich. Aber mal schauen, wenn Du auf weitere vier Monate aus bist, können wir vielleicht den Einsatz verdoppeln *fg*
@ Jens : Das Wasser für den Iran ist auf jeden Fall schon aufgesetzt, dafür sprechen auch einige Truppenbewegungen, und die kläglichen Versuche, dem Iran irgendwelche Aktivitäten unterzujubeln. Ich wills jedenfalls nicht hoffen, denn sonst können wir uns warm anziehen.
Was die Wette angeht, habe ich ja noch ein paar Wochen. Bis jetzt neigt sich das Blatt zu mir, doch es reicht noch nicht aus. Wenn die so weiter wirtschaften klappt es ja vielleicht.
Zumindest bleibt die Wette so wie sie ist. ;-)
Doch wenn Du Bock zum Festplattenformatieren hast, sag bescheid…hehe..dann schick ich Dir nen Captain Morgen.
Danke für den Artikel, aus dem auch hervorgeht, dass die Amerikaner mitnichten ein Volk von ungebildeten, unverbesserlichen Mördern sind, sondern dass die Weltpolizeieffekte zu großen Teilen einer Desinformationspolitik zuzuweisen sind.
Beim Militär und Regierungen ist es wie bei Reichen, Managern und ähnlichen Personen: Sie sind niemals für das Schlechte verantwortlich, das sie initiert haben, jedoch immer für das entstandene Gute, das unter Umständen überhaupt nichts mit ihren Entscheidungen zu tun hat.
Bezüglich Bush und seiner Administration bin ich davon überzeugt, dass es sich hier nur um Marionetten (Bush, Powell) und Egoisten-Geldgiergeiferer handelt. Die größten Gewinne sind schließlich nicht zufällig amerikanischen Konzernen “zugefallen”.
Manchmal bedaure ich es, ein Atheist zu sein, denn als Gläubiger Christ, Moslem oder was auch immer, hätte ich einen Grund, an ein Leben nach dem Tod und eine damit verbundene moralische Bewertungs- bzw. Bestrafungsinstanz zu glauben.
Schade - in meiner Welt leben die Gewissenlosen leider einfach ein viel besseres Leben als die meisten, die sie verOrwellen.
Eine Genugtuung bleibt jedoch: Sie müssen auch sterben und ihre ganze Verkommenheit und Gier bringt ihnen dann auch nichts mehr :-).
Nennt mich zynisch, aber that’s business on war. “Das Unbehagen in der Kultur” ist immer noch die Lektüre wert, und “Kriegsverbrechen” sind so etwas wie illegale Straftaten. Sie gehören geächtet und, wo möglich, bestraft, aber ich kann mich darüber nicht mehr empören. Wer immer noch nicht weiß, was Krieg ist, kann ja weiter dafür sein, wenn wieder mal die Panzer rollen.
Hallo Jens,
vielen Dank für den fantastischen Artikel von Nick. Sehr sauber geschrieben, klare Informationen, nie, an keiner Stelle polemisch. Wozu auch, die Fakten sprechen für sich.
Es ist Sprachgebrauch, man sagt es so, aber diese Soldaten “dienen” nicht ihrem Vaterland.
Garnicht mit komme ich allerdings bei dem Nebensatz:
Im Namen von Demokratie und Freiheit kann man keinen Krieg führen, da schließt das eine das andere aus. Und selbst wenn, dann wird der Krieg im Irak nicht in deren Namen geführt, mit hat es nur so genannt.
@3.otti: Er (die Person) ist nicht das Böse. Tu ihm die Ehre nicht an und erheb ihn in den Stand einer übermenschlichen Macht. Er (die Person) ist ein Mensch, ein Macht- Geld- und Ruhmgieriger Mensch, der für seine Taten angeklagt gehört, dem ein Prozess zu machen sei und der für sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden sollte.
@5. doktor_tod: Nein, nein. die treten nicht mit Eifer und Patriotismus in die Army ein. Die glauben an eine letzte Chance in ihrem Leben, denn die meisten, die dort geschunden, gequält werden und verrohen, haben im System sonst keine Chance.
@9. flatter: Ja, das ist Krieg und wir brauchen nicht darüber reden, was alles Schlimmes in einem Krieg geschieht, der Krieg ist schlimm. Es gibt keine Kriegsverbrechen, der Krieg IST das Verbrechen.
“so wenig nennenswerte Independent-Filme oder Major-Filme gibt, die sich kritisch mit dem Thema “Irakkrieg” auseinandersetzen”
Ich kann zwei empfehlen: “Redacted” und “Lions for Lambs”
“Rendition”ist ein sehr guter Film ueber den “War on Terror” (war aber ein Flop an der Kasse)
Neu im Kino ist “Stop-Loss” (hat bisher nur sehr positive Rezensionen bekommen).
@DavidV
Yep, “Lions for Lambs” ist idT gut und ich mußte mich immer irgendwie mit dem ollen Redford identifizieren - Moral auf verlorenem Posten ;-)
Der Film beschäftigt sich aber nur am Rande mit dem Thema Irak.
“Redacted” und “Stop-Loss” kenne ich leider noch nicht, aber ich werde es nachholen. Danke für den Tipp.
@all
Ich habe vorhin per Mail folgende Empfehlungen bekommen, die ich auch an die Leser weiterreichen will:
„My country, my country” - beleuchtet den familiären und politischen Alltag zwischen Euphrat und Tigris
„Iraq in fragments” - beschäftigt sich mit den Milizentruppen im Land
„No end in sight” - vollzieht die politischen Entscheidungen der Besatzer seit der Invasion nach
„Taxi to the dark side” – mit Fokus auf Afghanistan, mit den US-Foltergefängnissen
Ich kannte keinen der Filme, werde sie mir aber alle in Kürze anschauen. Danke auch noch einmal auf diesen Wege.
No end in Sight kann ich nur empfehlen - er handelt das Thema weniger unter den ideologischen Geischtspunkten ab, konzentriert sich eher auf die technische, operationale Durchführung - und das stehn dir die Haare zu Berge! unglaublich….
Noch hinzuzufügen wäre die Doku “The War Tapes”, eine Art Videotagebuch gedreht von US-Soldaten im Irak - vor, während und nach dem Einsatz. Stellt die Sichtweise der amerikansichen Soldaten dar, ist auch sehr eindrucksvoll. Vor allem weil man direkt zusschauen kann, wie der Einsatz die Jungs stark verändert… Da wird eine ganze Generation verbrannt, alles um die 20jährige…
Diese Filme sind wirklich gut (magnolia pictures…), aber alles Dokus. Spielfilme vermisse ich auch noch…
Danke Jens, dass du dieses wichtige Thema aufgeriffen hast.
Die einfachen Soldaten sind Täter wie auch Opfer, und wenn man bedenkt, mit was für einem Aufwand diese Darstellung der Wirklichkeit nicht gezeigt werden soll, was der Krieg im Irak, in Afgahnistan und letztlich selbst in den Vereinigten Staaten, in den Köpfen und Herzen der Familien anrichtet und die Barbarei zeigt ,wie sie ist, blutig und ekelhaft und das für die Interessen einer Minderheit, so kann man nur wütend werden, über die Täter im Nadelstreifenanzug.
Ach ja: bei Arte läuft seit Wochen eine beeindruckende Doko : “The War” : Dort wird unverblühmt gezeigt, was Krieg wirklich ist.
Und das Thema Kino und Krieg betrifft, so sollte man wirklich zu dem Buch von Peter Bürger “Bildermaschine für den Krieg: Das Kino und die Militarisierung der Weltgesellschaft” lesend greifen. Erschreckend gut.
Ach ja:
„Taxi to the dark side” : anschauen anschauen anschauen: sowas glaubt nicht, was dort gezeigt wird.
Ganz sachlicher Film über die grausame Tatsächlichkeit, über eine Kommandostruktur, die Foltern von oben nach unten organisiert. Sollte es wirklich mal in ferner Zukunft ein Tribunal gegen die Täter geben, so ist dieser Film ein beeindruckender Sachbeweis.
danke für den artikel!
schön das man mal wieder daran erinnert wird, dass nicht alle amis schlechte menschen sind… 200 veteranen sind allerdings verdammt wenig, wenn man bedenkt wie viele in so einem krieg ums leben kommen, körperteile verlieren und/oder psychische schäden erleiden.
hoffentlich werden es bald mehr!
schade das ich keine möglichkeit kenne solche gruppierungen zu unterstützen, schlaue gedanken machen und deprimiert sein reicht irgendwie nicht aus.
kennt jemand den deutschen titel von “my country, my country”? ist der einzige der o.g. filme den ich bei amazon nicht finde.
@ehle
Ich befürchte, es gibt diesen Film weder auf Deutsch, noch bei Amazon. Wenn Du in den USA leben solltest, kannst Du ihn hier kaufen - ansonsten habe ich auch keine Ahnung … außer, dass er im Esel-Netzwerk zu finden ist ;-)
@ 10 Konfusius
Garnicht mit komme ich allerdings bei dem Nebensatz:
sie schaden… vor allem auch den Ideen, in deren Namen dieser Krieg geführt wird – Demokratie und Freiheit –
Im Namen von Demokratie und Freiheit kann man keinen Krieg führen, da schließt das eine das andere aus. Und selbst wenn, dann wird der Krieg im Irak nicht in deren Namen geführt, mit hat es nur so genannt.
-> Eine Ungenauigkeit meinerseits; es sollte eigentlich heißen: … den Ideen, in deren Namen dieser Krieg vorgeblich geführt wird …
Danke für die Anmerkungen!
Gruß,
Nick Abbe
Na, das Kerry-Zitat hört sich aber nach einer verwurstelten Übersetzung an:
Du übersetzt: “How do you ask a man to be the last man to die for a mistake?”
mit: “Wie fragt man einen Mann, als Letzter für einen Fehler zu sterben?“
Ich denke “Wie fragt man einen Mann der Letzte zu sein der für einen Fehler stirbt?” trifft den Kontext doch eher.
@ 19
Meinst du nicht, es müsste eigentlich heißen: Wie fragt man einen Mann, der letzte Mann zu sein, der für einen Fehler stirbt?
Zweite Frage: inwiefern unterscheidet sich der Sinngehalt von Kerrys Frage, bzgl. dieser verschiedenen Übersetzungen?
N.A.
@ 19, 20
Wie, um alles in der Welt, bittet man einen Menschen für einen - bereits erkannten - Fehler als letzter sterben zu sollen?
@10
O.K. Impeach Bush.
Selbst dazu ist die Superpower zu schwach!
“Irak - Mein fremdes Land”
br-online....
Grüße!
Meine #22 ging natürlich an #16 und #17. Und wenn ich schon dabei bin: Der Spamschutz kann nicht rechnen!
Mal wieder ein sehr guter Artikel, voller Details statt Opinion Pieces ;-)
Man kann wohl sagen, dass die “Winter Soldiers” vom 1971 gegen Hollywood verloren haben. Der Mythos von den insgesamt guten Absichten der USA, die in den Vietnam-Krieg “hineingezogen” wurden, hat sich durchgesetzt - auch bei heutigen US-Politikern - und wird von den Medien nie explizit in Frage gestellt, abgesehen von Ausnahmen wie John Pilger oder anderen Quellen aus der damaligen Zeit.
Pilger schreibt in seinem Buch “Heroes” unter “A noble cause” über Coppolas Film “Apocalypse Now”:
“When an American journalist wrote to the screenwriter, John Milius, asking where [the films] children’s severed arms story had originated, her letter was returned by Milius with the US Special Forces death’s head drawn on it, together with these words:
We must burn them,
We must incinerate them,
Press after press,
Pen after pen,
Pencil after pencil,
- No dialogue with communist criminals”
(Letter from Deirdre English, Editor of Mother Jones, cited by Christopher Hitchens / New Statesman, 1981)
Das ist so ziemlich das Extremste und Unglaublichste in “Heroes”, das ich Geschichtsinteressierten nur wärmstens empfehlen kann.
Falls “Hollywood” reagiert, dann wohl, indem auf die Selbstmitleidsdrüsen gedrückt wird. “Apocalypse Now” und “Full Metal Jacket” sind schon Ausnahmen an Objektivität. Beide Filme wurden zum Großteil von den Machern selbst finanziert
Alec Gibney’s “Taxi to the Dark Side” hat derweil fast unbeachtet einen Oscar als bester Dokumentarfilm eingeheimst, gegen starke Konkurrenz wie Michael Moore’s “Sicko”. Der Film ist ein absoluter Geheimtip. Es geht um den Folter-Tod eines jungen Afghanis in Baghram, auf sehr faire Weise, was den Film um so beeindruckender und nachhaltiger macht.
Der Artikel war nicht von dir, Spiegelfechter? Aha, das erklärt einiges ;-) … Wer den Deer Hunter oder die anderen drei für das Definitive über den Vietnam-Krieg hält, der, hüstel, beweist damit, wie sehr “Hollywood” verblödet. Mit und ohne Anführungszeichen.
Der Einzige (Bekannte), der sich je an der vietnamesischen Perspektive versucht hat, war Oliver Stone mit “Heaven & Earth” (1993). Leider kam was Ameriganisches dabei raus. (Mein Opa, der olle Nazi, quetschte sich immer so ein halb-verächtlichs “ame-ri-gaaaanisch” aus dem Nasenloch. Jetzt weiß ich, was er meint.)
Ihr wart ja schon ziemlich gründlich beim Aufzählen, aber hier noch ein paar Hingucker, alles Dokus:
- “Crazy Rulers of the World” (2004) von Jon Ronson vermittelt auf furchtbar-lustige Weise den Weg von den bewusstseinserweiternden Seventies zur modernen psychologischen Kriegsführung. Nicht lachen, alle Ereignisse und Personen in diesem Dreiteiler sind real, inklusive Musikfolter und Colonel Stubbleborne… Stubblebone… !? Wer Jon Ronsons Bücher kennt, wird weniger überrascht sein. (Essays hier: coldtype.n...)
Zum Vietnamkrieg:
- “Sir! No, Sir!” (2005) über die vergessene Anti-Vietnambewegung der GIs.
- “Hearts & Minds” kennt ja wohl jeder (?), es schockiert aber immer noch.
@Blodder@Kommentar1:
In der Auslandspresse war flüchtig zu lesen, dass deutsche “Special Forces” in Afghanistan kämpfen. Ansonsten ist immer nur die Rede von Ausbilden und Beschützen. Leute wie dein Bekannter müssten ein lautes Geschrei veranstalten. Ohne Zeugen keine Kläger.
Es wird Zeit, unserer Regierung klarzumachen: Entweder Osama wird demnächst am Nasenring vorgeführt, oder die deutschen Soldaten haben vom Hindukusch weg zu kuschen, Buddhas und Frauenbefreiung hin oder her. Angeblich sickert höchstens ein Viertel der Wiederaufbau-Kredite zu den eigentlichen Empfängern durch. Abgesehen davon destabilisiert der Wirrwar Pakistan. Gegen die Taliban konnten schon die Russen mit hunderttausend Mann nichts ausrichten.
P.S. Bevor’s kommt: Damals hießen sie mit “Mujahedin”. —> en.wikiped...
Hey wir hatten mal eine kurze Meinungsverschiedenheit darüber, wie sich der Einfluss der USA im Irak in den nächsten Jahren entwickeln wird. Du vertratst die These, dass die USA langsam aber sicher ihren Einfluss verlieren würden. Argumentiert hast du mit einem ÖL Deal, den der Irak mit China abgeschlossen hätte und der den machtpolitischen Interssen der USA entgegenstehen würde.
Ich antworte ziemlich billig, nämlich nur mit einem Link auf Democracy NOW!:
democracyn...
Für mehr reicht leider die Zeit nicht!
Freundliche Grüsse!