Zeitenwende in Bukarest?
geschrieben am 02. April 2008 von Spiegelfechter
Der Parlamentspalast in Bukarest ist das zweitgrößte Gebäude der Welt – größer ist nur das Pentagon in Washington. Ein würdiger Rahmen also, um als mächtigster Mann der Welt seinen Eingang in die Geschichte vorzubereiten. Die Welt hat sich allerdings geändert und George W. Bush steht mit seinem Plan, den ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine und Georgien die NATO-Mitgliedschaft anzubieten, ziemlich alleine und verlassen in diesem riesigen Gebäude. Er wäre nicht der erste, der in diesem Monument der menschlichen Hybris erkennen musste, dass die Zeiten sich geändert haben und die Omnipotenz vergangener Tage nie wiederkommen wird. Doch Bush scheint sich dessen nicht bewusst zu sein; unbekümmert breitet er seine altbekannte Sage vom Krieg gegen den Terrorismus und dem Siegeszug der Freiheit aus und macht sich so zum Showdown bereit – seine Gegnerin wird ausgerechnet Angela Merkel sein, die bereits seit über einem Jahr klargemacht hat, dass Deutschland gegen eine schnelle NATO-Osterweiterung in den postsowjetischen Raum ist.

Am Ende des NATO-Gipfels wird die NATO um mindestens zwei Mitglieder größer sein. Dass Kroatien und Albanien beitreten, ist unumstrittener Konsens zwischen allen Mitgliedern. Mazedonien ist ebenfalls als Beitrittskandidat erwünscht, nur wird das kleine junge Land sich einen neuen Namen zulegen müssen, da der große Nachbar Griechenland es nicht gerne sieht, wenn ein Nachbarland den Namen trägt, unter dem auch weite Gebiete des eigenen Landes bekannt sind. Europa wird störrisch und selbstbewusst – wenn sogar Griechenland mit seinem Veto gegen Washingtoner Interessen droht, ist es nicht mehr so glorreich bestellt um den unilateralen Weltmachtanspruch der USA.
Was die Erweiterung der NATO um diese drei Balkanstaaten der alten NATO bringen soll, ist dabei unklar. Die politisch wichtige Expansion gen Balkan wird die EU-Mitgliedschaft dieser Staaten sein, die freilich an höhere Maßstäbe gebunden ist und noch mehrere Jahre entfernt ist. Die NATO ist allerdings ein Sicherheitsbündnis, das der Maximierung der Sicherheit aller Mitglieder dienen soll. Keiner der drei Balkanstaaten ist in seiner Sicherheit bedroht und die Mitgliedschaft der drei Staaten bringt keinem der alten Mitglieder einen Gewinn an Sicherheit. Im Gegenteil – eine Mitgliedschaft Albaniens bedeutet beispielsweise, dass die NATO kaum mehr als neutraler Verwalter im Kosovo tätig sein kann. Im Rahmen der Neuordnung der NATO benötigt das Bündnis immer mehr Truppen für extraterritoriale Einsätze. Neue Mitglieder, die weitere Kontingente stellen können, sind da natürlich von Vorteil. Die kroatische Armee wird sich sicher bald in Afghanistan wiederfinden, um Deutschlands überstrapazierte Truppen entlasten zu können, aber die schlecht ausgerüsteten und winzig kleinen Armeen von Albanien und Mazedonien sind eher ein Klotz am Bein für die NATO, die neuerdings auf schlanke Strukturen und schlagkräftige Einheiten auf hohem technischen Niveau setzt.

Für Rüstungsunternehmen der NATO-Staaten ist dieser Beitritt freilich ein kleiner Glücksfall, da zusätzliche Umsätze zu erwarten sind, die bei der Modernisierung der Streitkräfte der neuen Partner anfallen. Bezahlt werden diese „Strukturhilfen“ zu großen Teilen aus den Töpfen der alten Mitglieder. So bezahlt auch der deutsche Steuerzahler die Modernisierung der albanischen Armee – den albanischen Staat wird es freuen.
Insgesamt ist diese Erweiterungsrunde aber eher symbolisch zu sehen – die „freie Welt“ breitet sich unaufhörlich aus und jeder kann Mitglied werden, sofern er die Spielregeln einhält. Zweifelsohne bietet eine solche Mitgliedschaft auch eine verbesserte Stabilität in Staaten, die zumindest im Ansatz die NATO-Doktrin teilen. Konflikte, wie zwischen der Türkei und Griechenland, konnten nicht zuletzt dank der NATO-Mitgliedschaft beider Staaten entschärft werden.
Folgte man allerdings dem Wunsch der USA und einiger osteuropäischer NATO-Staaten, so könnte sich die Aufgabe der Stabilisierung schnell in eine Aufgabe der Destabilisierung wandeln. Eine Aufnahme der Ukraine und Georgiens böte ein hohes Risiko der Destabilisierung dieser Staaten und würde die kollektive Sicherheit gefährden. Die Ukraine ist ein zerrissenes Land, das sich in einen prowestlichen aber wirtschaftlich schwachen Westteil und einen prorussischen wirtschaftlich starken Ostteil gliedert. 70% der Ukrainer sind gegen eine NATO-Mitgliedschaft, da sie eine endgültige Teilung des Landes, eine Verschlechterung der wichtigen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und eine Verschlechterung der Sicherheitslage befürchten. Es ist in der Tat fraglich, ob eine Ukraine, die der NATO angehört, mittel- bis langfristig überhaupt bestehen kann. Der Ostteil hat nicht das geringste Interesse, den russischen Spatz in der Hand gegen die amerikanische Taube auf dem Dach einzutauschen. Mit der steigenden Prosperität Russlands erwartet auch die eng mit Russland verbundene Wirtschaft der Ukraine eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Die orangene Revolution hat ihnen gezeigt, dass eine Zuwendung zum Westen nicht ohne eine Abkehr von Russland möglich sein wird und was das heißt, wissen die Ukrainer spätestens seit der letzten Gaspreiserhöhung. Russland hat sich in den letzten Monaten bereits die exklusiven Rechte verschafft, Gas der Anrainer des Kaspischen Meeres zu Weltmarktpreisen in die Ukraine zu befördern. Wenn es hart auf hart kommt, sitzt Russland am längeren Hebel. Der Westen kann zwar mit seinen Werten wie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte werben, warm wird es den Ukrainern davon aber nicht.

Noch brisanter gestaltet sich die Lage im Falle Georgiens. Setzt die NATO eigentlich Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte als Mindeststandard an eine Mitgliedschaft, so scheint dies für Georgien nicht zu gelten. Präsident Saakaschwili lies erst im November 2007 Massenproteste der Opposition nach Erklärung des Ausnahmezustands niederknüppeln. Sogar der umstrittene Freedom House Index sieht Georgien auf einer Stufe mit Nigeria, Jemen und Pakistan, die Rede ist hier von einer „defekten Demokratie“. Amnesty International wirft Georgien massive Verletzungen der Menschenrechte vor, unter anderem zahlreiche Fälle von Folter – dies passt zwar ins momentane Bild der NATO, verstößt allerdings eklatant gegen die NATO-Beitrittsrichtlinien.
Georgien hat die territoriale Hoheit über die Enklaven Abchasien und Südossetien, die nach Unabhängigkeit streben. Sollte die NATO Georgien aufnehmen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Russland die beiden Enklaven als souveräne Staaten anerkennt – die USA und die EU haben sich mit der Anerkennung des Kosovos hier einen wahren Bärendienst erwiesen. Mit der russischen Anerkennung der Enklaven würde Georgien massiv destabilisiert, sogar ein militärischer Konflikt erscheint in einem solchen Falle wahrscheinlich; unwahrscheinlich ist indes, dass die NATO militärisch für die territoriale Integrität Georgiens gegen Russland einen Krieg führen würde. In jedem Falle würde ein Beitritt Georgiens die Prinzipien der NATO ad absurdum führen und sowohl die Sicherheitslage Georgiens, als auch der NATO-Mitglieder massiv verschlechtern.

Russland ist nicht unberechenbar, aber es ist paranoid – und dies mit gutem Grund, versprach die NATO Russland doch 1994, dass es nie eine NATO-Osterweiterung geben wird, und sollte dies doch der Fall sein, dann nur mit russischen Einverständnis. Russland hat nie sein Einverständnis gegeben – weder zum Beitritt Polens, noch zum Beitritt der baltischen Republiken, noch zu einem Raketenschild in Osteuropa. Russische Befürchtungen, die NATO versuche Russland einzukesseln, sind nicht von der Hand zu weisen. Es wäre sicher, dass Russland im Falle einer NATO-Osterweiterung nach Georgien und in die Ukraine mit einem endgültigen Ausstieg aus dem KSZE-Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa reagieren und Großteile seiner Truppen im europäischen Teil des Landes stationieren wird. Auch scheint wahrscheinlich, dass Russland aus dem INF-Vertrag aussteigen würde, der die Aufstellung nuklearer Mittelstreckenraketen reguliert. Beides hatte Putin bereits angedroht und eine einseitige Provokation der NATO wird er nicht unbeantwortet lassen.
Inwieweit eine solche Provokation Russlands die Sicherheitslage der NATO verbessern könnte, weiß wohl nur George Bush alleine. Portugal, Spanien, Frankreich, die Benelux-Staaten und Italien sind folgerichtig auch gegen eine Aufnahme der Ukraine und Georgiens. Ein direktes Veto hat allerdings bislang nur Deutschland angekündigt. Während die anderen Staaten vor allem mit den nicht erbrachten Standards der beiden Kandidaten argumentieren, will Deutschland ganz explizit die Beziehungen zu Russland nicht gefährden. Das ist mehr als verständlich, hegt Deutschland doch sehr gute wirtschaftliche Beziehungen zu Russland und ist auch energiepolitisch von Russland abhängig.
Eine enge Partnerschaft würde beiden Staaten immense Vorteile bringen. Alleine geografisch ist Deutschland prädestiniert, Russlands wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner zu sein. Selbst wenn man die Sicherheitsinteressen außer Acht ließe, ginge Deutschland bei einer Eskalation des Ost-Westkonfliktes das Risiko ein, viel zu verlieren, ohne etwas zu gewinnen. Merkel und Steinmeier agieren klug, wenn sie Bush die Stirn bieten. Es bleibt zu hoffen, dass sie dem Druck standhalten. Wahrscheinlich wird der NATO-Gipfel mit einem Formelkompromiss enden, der der Ukraine und Georgien die mögliche Mitgliedschaft in ferner Zukunft in Aussicht stellt – auch Bush und die Osteuropäer können sich natürlich keinen kompletten Gesichtsverlust leisten. Aber die Machtverhältnisse innerhalb der NATO haben sich gewandelt – Europa ist aufgewacht und folgt der USA nicht mehr bei jeder Tölpelei, bei der Europa mehr zu verlieren hat, als die USA.
Update: Wie jetzt in einer Pressekonferenz bekannt wurde, sind die Deutschen und ihre Partner in dieser Frage hart geblieben – das Thema Ukraine und Georgien scheint erst einmal vom Tisch zu sein. Man will sich zwar am Donnerstag noch einmal zusammensetzen, aber dabei wird es wohl nur noch um die Formulierung des “Neins” gehen. Auch Griechenland ist hart geblieben und hat sein Veto gegen einen Beitritt Mazedoniens eingelegt. Wahrlich schlechte Zeiten für Herrn Bush.
Jens Berger
Bildnachweis: 2x Lenta.ru, Radio Free Europe, Kosova.org
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Kommentare
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Ist dir das sog. “Strategiepapier” bekannt, welches atomare Erstschläge von Seitern der NATO beführwortet?
Hier der Telepolisartikel dazu:
Akzeptiert er keine Links?
Noch ein Versuch:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27573/1.html
@Gerhard Tiembak
Yep, ich hatte den Artikel gelesen – sehr empfehlenswert. Im Grunde ist das aber nur die Festlegung des Status Quo. Das neue Weißbuch der Bundeswehr beinhaltet ja ähnliche Aufweichungen.
Das Fazit des Autoren, diese Richtlinien würden das Völkerrecht aushebeln, teile ich indes nicht. Das Völkerrecht steht immer noch über den Richtlinien der NATO.
[verschoben]
Hmm… Sorry, Cheffe, aber das hannilein muß mal wieder opponieren :-D
Neuber hat da vorhin was vom Stapel gelassen, was mir bei derzeitiger Kenntnis der Sachlage mehr wahrscheinlich deucht:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27642/1.html
Interessante Interpretation(!) übrigens auch von Donath bei SpOn:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,544963,00.html
Da läßt sich trefflich drüber streiten ;-)
@SF
Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ausgerechnet Merkel eine Entscheidung selbst getroffen hat???
Auch Steinmeier ist eher ein hinterhältiger Opportunist, allerdings ist es möglich, dass er nicht ausschließlich eine “DIE WIRTSCHAFT”s-Marionette ist.
Ich denke eher, dass ein paar Banker und Manager ähnlich wie Du ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen und daher das Merkel und Ich-wußte-nichts-Steinmeier die Anweisung erteilt haben, mal kurz aus dem Hintern der Bush-Administration herauszugucken.
Ganz sicher fühle ich persönlich mich, wenn auch China in die NATO aufgenommen ist, da ich u.a. auch China-Fondsanteile besitze.
@ 5 hannilein:
100 % Ack. Ein entschiedenes Nein klingt anders als das, was Merkel/Steinmeier vom Stapel gelassen haben.
Der Spiegel sollte mit Bayernkurier und Welt fusionieren…Fusionen sind schließlich up to date und ideologische Differenzen sind nicht zu erkennen.
@Jens:
Wg. “Frenzelzone”: hast du dir so eine Art Maskottchen zugelegt? ;-)
Könnte auch als Belohnung für hartnäckiges Nerven gewertet werden, eine Zone eingerichtet zu bekommen, die den eigenen Namen trägt. Abschreckend wirkt das eher nicht, imho. Nur meine Meinung… :-)
@5 hannilein
Bis auf die etwas reißerische Überschrift, sagt Neuber nichts anderes, als ich. Ich habe ja im Artikel angemerkt, dass die Europäer kaum ein verbales Totalveto kommunizieren werden, sondern einen Formelkompromiss ausarbeiten. Wie Neuber da auf “gespielte” Uneinigkeit kommt, ist mir nicht klar – wahrscheinlich denkt er, die Sprache der Diplomatie sei ähnlich direkt, wie die auf dem Bau ;-)
Der Artikel ist grottig hoch zehn. Alleine schon für die Überschrift (Wieso Niederlage? Sieg wäre passender) gehört der Autor geteert und gefedert. Ein trauriges Beispiel, “McCarthyscher” Rhetorik – “Russenversteher” , da fehlt nur noch Moskaus 5. Kolone. Ich vermute ja eher, dass Doanth zu Washingtons 5. Kolone zählt.
@6 Schwitzig
Denkst Du, sie hätte einen Transmitterchip im Kopf, der auf Befehle von Zetsche, Ackermann und Börner wartet? ;-)
In dieser Formulierung steckt ein grober Fehler – die Politik, die Merkel und Co so gerne vertreten ist mitnichten die Politik “der WIRTSCHAFT”, sondern die Politik einiger weniger dafür um so größerer Exporteure und einiger weniger Großkonzerne. Der absolute Großteil der WIRTSCHAFT hat von dieser Politik gar nichts, er ist sogar schädlich für Mittelständler und Handwerker.
Wie dem auch sei, in diesem Falle sind die Interessen “der WIRTSCHAFT” mit denen des Volkes kompatibel und für eine Garde von Transatlantikern ist ein solches Verwehren der Wünsche Bushs schon ungewöhnlich.
Glaub mir, meine Finger haben verkrampft gezuckt, als ich den Satz schrieb, der Merkel lobte – aber ich bin schon der Meinung, dass man sie auch mal loben soll, wenn sie ausnahmsweise mal was gescheites macht. Und ich glaube, dies ist der erste Artikel, in dem ich etwas positives über das Merkel schreibe ;-)
@8 Fiend
Denkst Du im Ernst, Merkel und Steinmeier würden die USA und Osteuropa komplett brüskieren, in dem sie etwas á la “nur über meine Leiche” sagen?
In der Sprache der Diplomatie gibt es viele Zwischentöne, die es erlauben, beiden Konfliktparteien das Gesicht zu wahren. Bushs Gesicht ist nur dank seiner unverfrorenen Großmäuligkeit zerkratzt, da er unbedingt die Europäer unter Druck setzen musste. Den Kopf haben sie ihm aber dran gelassen. Außerdem muss man natürlich auch an die prowestlichen Politiker in Ukr und Geo denken, denen man kaum einen Dolchstoß verpassen kann.
Wenn man sich darauf einigt, dass Ukr und Geo “noch” nicht reif sind, man aber prinzipiell die Sache prüft, so ist dies ein klares “Nein” und eine herbe Niederlage für Bush.
Maskottchen ist gut, Peter der “Hausnazi”. So eine kleine Puppe mit ordentlichen Scheitel, die immer, wenn man ihr auf den Bauch drückt, “Der Islam wird uns überrrrolen” und “Muslime sind Mörrrrderrrr” schnarrt ;-)
Frenzel ist ein Phänomen, seit zig Monaten postet er fröhlich in den Troll-Filter und kommt nur durch, wenn ich mal nicht aufgepasst habe. Der ist wie ein hartnäckiges Geschwür, so schnell wird man den nicht los. Aber da ich ja ein humoriges Kerlchen bin und sein Geschnarre eigentlich ganz drollig finde (und er seine Meinung durch die Äußerung der selbigen eher diskreditiert), habe ich die “Frenzelzone” aufgemacht, wo man wilde Rechtstrolle hinter Gittern beobachten kann. Vielleicht bringe ich ihn sogar dazu, sein Beinchen dort zu heben – dann wäre er quasi domestiziert ;-)
Ich denke, der große strategische Vorteil des Beitritts Albaniens ist, dass man ein weiteres weitgehend Muslimisches Land in der Nato hat – und zwar eines, das weniger selbstbewusst ist, als die Türkei.
Albanien ist sicher glücklich, sich im Irak zu engagieren…
@12 flippah
Vor allem in Afghanistan, schließlich läuft die Balkanroute ja direkt durch das Kosovo ;-)
btw.: Im Irak sind (oder besser waren) die Albaner schon – mit 130 Mann und freiwillig. Albanien ist sicher unter allen muslimischen Ländern, dass mit großem Abstand proamerikanischste.
Das albanische Heer hat allerdings nur schlappe 18.000 Soldaten und ist in einem desolaten Zustand – ein große Hilfe werden sie kaum sein.
Alles wichtige hast du geschrieben Jens:
der ökonomischen Verflechtung und Zusammenarbeit zwischen Deutsch-Europa und Russland folgt die politische Zusammenarbeit, und niemand hat ein Interesse diese Beziehung wegen den Vereinigten Staaten in der Nato auf Spiel zu setzen. Die proamerikanischen/atlantischen Eliten haben den deutschen Eliten nichts mehr substanzielles anzubieten.
Macht mal ein Screening, zu den letzten offiziellen (die inoffiziellen lasse dabei mal weg) russischen Einkäufe in Europa, und man erkennt genau, dass die deutschen Eliten kühl rechnend “prorussisch” entschieden haben: Rohstoffe sicher, billig und ohne Krieg liefert Russland und die Verkehrs- und Infrastrukturprojekte in Richtung Osten und Asien sind für die nächsten 50 bis 100 Jahre entscheidend für Europa. Warten wir mal ab, wie lange es noch dauert, bis ein rein europäisches Verteidigungsbündnis direkt Gestalt gewinnt.
guter Kontrapunkt zum propagandistischen Geschwätz zB in der zeit
http://www.zeit.de/online/2008/15/meinung-thumann-nato
@SF
Da hast Du natürlich völlig Recht. “DIE WIRTSCHAFT” ist nur das Etikett, das sich eben ausgerechnet diese Großkonzerne und deren Kläffer wie Dieter Hundt, Thurmann (der Pleitier :-) etc. anheften. Paradoxerweise.
Das mit dem Fingerkrampf kann ich mir lebhaft vorstellen :-). Ich denke, das Merkel diesmal ihre Birne eine Weile aus der braunen Grotte herauslugen läßt, weil mehr oder weniger ganz Europa eindeutig gegen die Bush-Visionen ist. Dabei könnte ausnahmsweise sogar für Deutschland mal etwas positives herausspringen.
@salvo
Naja, salvo ,
Dein Link enthält finstere “transatlantische” Propaganda, aber so muss man “Die Zeit” ja auch zu lesen wissen.
Der Typ Michael Thuman im dortigen Nadelstreifen samt seinem Advisory Council des Kennan Institute am Woodrow Wilson International Center for Scholars in Washington steht für billige Propaganda aus der ganz rechten amerikanische Ecke. Die haben da schon mit good old Regan geknutscht: ganz zu schweigen, von den anderen Kontakten ,die sie dort so pflegen. Das Kennan Institue ist ein USAID Produkt, ein nachrichtendienstliches Institut, welches weltweit für amerikanische Interessen tätig ist, so wie “Die Zeit” selbst auch: sie verkaufen halt die amerikanische Sicht der Dinge, an Deutsche, Russen, Chinesen usw. usw.
@ 11 SF:
Denkst Du im Ernst, Merkel und Steinmeier würden die USA und Osteuropa komplett brüskieren, in dem sie etwas á la “nur über meine Leiche” sagen?
In der Sprache der Diplomatie gibt es viele Zwischentöne, die es erlauben, beiden Konfliktparteien das Gesicht zu wahren.
Nein, denke ich natürlich nicht – weder spaßhaft, noch im Ernst. Und natürlich hast du vollkommen recht, daß die Sprache der Diplomatie voller Zwischentöne ist und sich deutlich von der Umgangssprache unterscheidet.
Bushs Gesicht ist nur dank seiner unverfrorenen Großmäuligkeit zerkratzt, da er unbedingt die Europäer unter Druck setzen musste. Den Kopf haben sie ihm aber dran gelassen.
Weil Bush der Sprache der Diplomatie bekanntlich nur unzulänglich (bzw. überhaupt nicht) mächtig ist, mag es in der Tat auf den ersten Blick so aussehen. Wenn du jedoch die Großmäuligkeit mal außer Acht läßt, ist das “jetzt noch nicht” keineswegs ein “nein”. Wichtig ist doch weniger, was Bush oder Merkel in den Pressekonferenzen zum Besten geben, sondern was in den Vereinbarungen steht. Das Natomitgliedschaftsangebot gegenüber Ukraine und Georgien wurde meines Wissens nicht gestrichen, ausgesetzt oder gar revidiert, sondern nur zeitlich verschoben.
Meines Erachtens hat das eher damit zu tun, daß Bush bald kein Präsi mehr ist (es sei denn, er läßt sich zum Diktator auf Lebenszeit erklären ;-) ) und die Europäer den Entscheidungen des nächsten Präsis nicht vorgreifen wollen.
Außerdem muss man natürlich auch an die prowestlichen Politiker in Ukr und Geo denken, denen man kaum einen Dolchstoß verpassen kann.
Nun, was die Ukraine betrifft, sind bekanntlich knapp dreiviertel der Ukrainer gegen die Natomitgliedschaft. Wieviel “Wert” dem Willen der jeweiligen Bevölkerungen zugemessen wird, demonstriert die Metamorphose der ursprünglich geplanten, europäischen Verfassung in ein – nahezu identisches – Vertragswerk, das auch jene Regierungen unterzeichneten, die ein Referendum haben abhalten lassen (oder – wie Irland – noch abhalten lassen wollen); darunter eindeutige Ergebnisse wie ein gänzlich undiplomatisches “Nein”. ;-)
Hat niemanden wirklich geschert, was die gewöhnlichen Leute dachten oder wollten. Umso weniger interessiert, was die Ukrainer denken oder wollen, sonst hätte man die Natomitgliedschaft einem Referendum unterzogen; dagegen wehren sich bekanntlich – aus naheliegenden Gründen – J. + T. mit Händen, Füßen und Haarkranz. ;-)
Ähnliches dürfte für Georgien gelten, allerdings weiß ich über die georgischen Verhältnisse zuwenig, um das genau beurteilen zu können, kann mir jedoch schwerlich vorstellen, daß eine Nichtmitgliedschaft Saakaschwilis Amt gefährden würde.
Zur “Frenzelzone”:
Maskottchen ist gut, Peter der “Hausnazi”. So eine kleine Puppe mit ordentlichen Scheitel, die immer, wenn man ihr auf den Bauch drückt, “Der Islam wird uns überrrrolen” und “Muslime sind Mörrrrderrrr” schnarrt ;-)
Rofl…ich stell mir das gerade bildlich vor…köstlich. :-D
Frenzel ist ein Phänomen, seit zig Monaten postet er fröhlich in den Troll-Filter und kommt nur durch, wenn ich mal nicht aufgepasst habe. Der ist wie ein hartnäckiges Geschwür, so schnell wird man den nicht los. Aber da ich ja ein humoriges Kerlchen bin und sein Geschnarre eigentlich ganz drollig finde (und er seine Meinung durch die Äußerung der selbigen eher diskreditiert), habe ich die “Frenzelzone” aufgemacht, wo man wilde Rechtstrolle hinter Gittern beobachten kann. Vielleicht bringe ich ihn sogar dazu, sein Beinchen dort zu heben – dann wäre er quasi domestiziert ;-)
Na, dadurch wird manches klarer. :-D
Du hast dir in etwa gedacht: “och bist du niedlich, dich behalt ich.” ;-)
Aprospos Domestizierung, bzw. Kunststückchen beibringen: Den Niveaulimbo scheint er bereits perfekt zu beherrschen. ;-)
@18 Fiend
Richtig, was mE auch zu erwarten war. Ein klares “Nein” wäre schon ein Affront gegen die USA und so mutig ist das Merkel nun auch wieder nicht. Wichtig ist, was rauskommt – und da wurde erst einmal eine Zwangsdenkpause eingelegt. Wenn die Gegner bei ihrer Argumentation bleiben, wird sich an dem “Nein auf Zeit” auch sobald nichts ändern, da weder die Bevölkerung der Ukraine “umkippen” wird, noch Georgien gewillt ist, die Minderheitenprobleme “schnell” zu lösen.
Richtig – und da bekämen die Europäer nur unter einem Präsidenten McCain Probleme. Obama tickt da ganz ähnlich wie die Europäer, er will mit Russland in Dialog treten.
Jo, aber die Schöne und das Biest werden durch die Absage natürlich geschwächt … der Spatz in der Hand und Taube auf dem Dach, Du weiß schon ;-)
Er macht zumindest mit NATO und EU Beitritt massiv Wahlkampf … aber auch ich bin kein Georgien-Kenner.
Yep, sein Geschnarre erfreut doch stets mein Herz ;-)
Es gibt Leute, die halten sich Ratten, Nackthunde oder Leguane, ich halte mir einen Frenzel ;-)
Na und wie und dies mit gleichbleibender Qualität!
Er macht zumindest mit NATO und EU Beitritt massiv Wahlkampf … aber auch ich bin kein Georgien-Kenner.
Aha…EU-Beitritt. Wußte ich nicht.
Das Motto scheint zu lauten: Wo Manstein und Paulus scheiterten, wollen Merkel und Steinmeier triumphieren. ;-)
Stalin kam doch aus Georgien, wenn ich mich recht entsinne… vielleicht sucht das Merkel dort seine Wiedergeburt. Hat ja mit dem Dalai Lama Kontakt gehabt, die Angie. ;-)
Spiegelfechter, Spiegelfechter, träumst du?
Die Omnipotenz der Amis kommt nie wieder? Sag mal, wo hast du seit 1992 gesteckt? Oder gehörst du zu den Phantasten, die glauben, demokratisch gewählte Politiker würden ohne Volkes Unterstützung nix zuwege bringen? Hah! Nebenbei bemerkt, real existierende Demokratie ist nicht das Ende des Laufs der Geschichte. Vielleicht sind uns moderne Diktaturen weiter voraus, als wir denken.
Jaja, die freie Welt breitet sich unaufhörlich aus. Wenn ich das richtig verstanden haben, hat man sogar Putin NATO-Raketenstützpunkte zu Russlands Sicherheit angeboten. Der Dummkopf hat das Angebot aber ausgeschlagen. Fragt sich, worauf diese Raketen bei den Kandidaten eigentlich gerichtet werden: China? Tschetschenien? Naher Osten? Russland, wenn die so weitermachen? DEUTSCHLAND, wenn wir nicht endlich vernünftig werden?
Wir sind es nämlich, die ziemlich allein dastehen. Still the biggest economy in Europe. Wen juckt Griechenland, außer als Rentnerparadies?
Beware of symbolism. Das mit der Symbolik predigt die Welt auch den Mond-Grundstückskäufern. Glaubt mir, die Anteile werden eines Tages etwas wert sein. First, we take Ant/arctica, then we take Mount Doom … äh, Olympus (Mars).
Wir stehen erst am Anfang des Glorious American Century, und wer’s nicht glaubt ist selber schuld. Unsere Renitenz muss damit zu tun haben, dass unser Imperium so schnell zusammengebrochen ist. Wir identifizieren uns deshalb mit den Opfern statt den Gewinnern. Im Westen und Norden ist man nicht so grundsätzlich negativ geprägt. Außerdem wurden uns US-demokratische und russio-sozialistische Schablonen quasi aufgezwungen. Deshalb sind wir heute noch in der Debatte behindert, aber auch misstrauischer und kritischer.
Bush ist ein Public Relations-Desaster, an dem sich die ideologische Spreu vom Weizen trennt. Man kann nicht so offensichtlich das Völkerrecht mit Füßen treten und ein echter Demokrat sein. Das ist eine Lektion, die die Welt versteht.
Hoffen wir, dass sie die richtigen Schlüsse zieht.
@Ick
Sag mal, bist Du derjenige, der mir immer wirre eMails schickt?