Das elfte Gebot: Du sollst nicht vergleichen!
03. April 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Diese Situation werden einige Leser kennen – man ist leicht genervt von einer unproduktiven Diskussion mit eher schlichten Mitmenschen und macht einen leicht überspitzten Vergleich, den man wegen der panischen Reaktionen derer, die ihn nicht verstanden haben, auch sofort bereut. So oder so ähnlich muss es gestern der Hamburger LINKEn-Abgeordneten Christiane Schneider ergangen sein, als sie in einer von der GAL anberaumten „aktuellen Stunde“ bei den merkbefreiten Abgeordneten der anderen Fraktionen pawlowsche Reflexe und hysterisches Gegacker auslöste. Nach einer Erklärung der bedingungslosen Solidarität (sic!) mit den Tibetern durch die GAL kam die Abgeordnete Schneider an die Reihe und versuchte das Thema ein wenig differenzierter zu betrachten:
(…)Die VR China hat sich aus der Erniedrigung kolonialer Abhängigkeit durch das imperialistische Ausland durch einen langen Krieg befreit.
Das ist zwar unglücklich formuliert, da nicht die VR China, sondern die Republik China durch Kolonialmächte unterdrückt wurde und Begriffe wie „imperialistisches Ausland“ einfach nicht mehr zeitgemäß sind, aber nicht wirklich falsch.
(…) Zweifellos ist die Modernisierung an dem Punkt angekommen, an dem Menschenrechte für jedermann, soziale und politische Menschenrechte, und an dem politische Rechte für die Opposition nicht nur zur Debatte stehen, sondern unabweisbar aktuell und einzulösen sind.
Das ist natürlich alles richtig, der politischen Konkurrenz passt allerdings die Metabotschaft nicht, die impliziert, es gäbe auch eine prämoderne Zeit, in der Menschenrechte nicht gelten würden. Dies ist ein strittiger Punkt ist – Menschenrechte sind zwar universell gültig, aber deren Einhaltung ist leider nicht immer einklagbar oder durchzusetzen. Hätte Frau Schneider den “Wandel durch Handel” angesprochen, der genau das impliziert, was sie meinte, hätte die Konkurrenz schwerlich etwas dagegen haben können, da die Demokratisierungsdoktrin durch den Freihandel von allen Parteien vertreten wird.
(…) Was in Tibet (…) genau geschehen ist, wodurch die Ereignisse ausgelöst wurden, welcher Dynamik sie unterlagen, das ist bisher nicht genau bekannt.
Diese Aussage ist absolut richtig, verstößt aber gegen die Interpretationshoheit der Politik, die sich bereits darauf eingeschossen hat, dass in Tibet friedliche Demonstranten von einer wildern Soldateska nieder geprügelt wurden. Hier liegt eine klare politische Autosuggestion vor, gegen die man nicht argumentieren sollte. Die meisten Abgeordneten der DDR-Volkskammer haben sich sicher auch von den eigenen Leitbildern des Sozialismus per Autosuggestion überzeugt, bis sie es wirklich glaubten – dies war übrigens ein verbotener DDR-Vergleich.
(…) Die Weltgesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten keine guten Erfahrungen mit Religionsführern gemacht, die sich als Repräsentanten gesellschaftlicher Opposition in die Politik gedrängt haben. Ich erinnere zum Beispiel an Khomeini. (…)
Kein Zweifel – das ist so. Was haben der Papst, der Patriarch von Moskau, der Dalai Lama und der verstorbene Ayatollah Chomeini gemeinsam? Sie sind bzw. waren religiöse Führer, obgleich Chomeini anders als die drei Erstgenannten, nie theologisches Oberhaupt seiner Glaubensrichtung war. Aber da weder Papst noch Patriarch eine weltlich Rolle als Oppositionsführer einer unterdrückten Bevölkerung mir einer ebenfalls unterdrückten Glaubensrichtung spielen, passt der Vergleich Chomeini und Dalai Lama schon recht gut. Es geht ja nicht um den Inhalt der religiösen Lehren oder die Personen, sondern um die Rolle einer Opposition im Exil und ihre Legitimation.
Chomeini war in Persien ein Ayatollah unter vielen, erst das französische Exil machte ihn zum Sprachrohr der Opposition. Nach der Revolution gegen den Schah passierte es, dass ausgerechnet ein Führer mit theologischer Legitimation an die Macht kam und kein demokratisch gewählter oder anderweitig legitimierter Oppositioneller. Die Folgen kennen wir und die Lehre daraus muss sein, dass man keine Exilanten bedingungslos unterstützen sollte, deren Legitimation rein klerikaler Natur ist. Als „aufgeklärter“ mitteleuropäischer Staat sollte man sich dies sowieso verbitten. Man kann nicht auf der einen Seite „Demokratie“ predigen und auf der anderen Seite seine bedingungslose Solidarität (sic!) mit einem demokratisch nicht legitimierten Religionsführer erklären, wie es die GAL forderte.
(…) Ein Staat, der auf religiöser Offenbarung aufgebaut ist, versperrt sich demokratischen Verfahren der Willensbildung. (…) Die Voraussetzungslosigkeit, mit der die GAL Solidarität mit Tibet fordert, teile ich aus den genannten Gründen nicht. In wirklich jeder Beziehung gilt, dass die Menschenrechte unteilbar sind.
Weshalb also die ganze Aufregung? Die Rede Schneiders ist an keinem Punkt anstößig oder gar sittenwidrig – sofern man an die Zuhörerschaft ein Mindestmaß an Intelligenz anlegt. Schlichte Gemüter können die Rede schon falsch verstehen. Schneiders Fehler war es wohl, dass sie vergaß, dass dumme Menschen sich zwar nie nie schlau, schlaue Menschen sich aber sehr wohl dumm stellen können. So brach in der Hamburger Bürgerschaft auch prompt ein Aufstand der Dummen und Scheindummen aus, die sich über den Vergleich des Dalai Lamas mit Chomeini echauffierten.
Nun gut – dies ist dümmliches Geplänkel innerhalb der Politik, nichts neues also. Erstaunlicher ist es, dass dieser Scheinskandal nicht nur vom Boulevard gierig aufgenommen wird, sondern auch SPON, SZ und der WELT die Topschlagzeile in der Kategorie „Politik“ wert ist. Wobei der Artikel in der Hamburger Morgenpost schon wieder derart klumsig ist, dass man eher an eine Satire glaubt:
Erster Eklat durch die Linke! Christiane Schneider setzte den Dalai Lama indirekt mit Irans Obermullah Ayatollah Chomeini gleich.
Man kann etwas indirekt vergleichen, aber nicht gleichsetzen und das Wort „Obermullah“ entspringt einzig und allein der Phantasie der MOPO-Redaktion. Würde man es schlicht weglassen, wäre die Bezeichnung sogar richtig, aber wahrscheinlich braucht man ein wenig mehr Pepp – und „Obermullah“ ist verdammt peppig.
Aufs Schärfste verurteilten SPD, GAL und CDU gestern China und forderten “uneingeschränkte Solidarität” mit Tibet.
Soso, zu was verurteilten SPD, GAL und CDU China denn? Gerade SPD und GAL sollten auch sehr vorsichtig sein, wenn es um die Erklärung “uneingeschränkte Solidarität” geht – dies war übrigens ein verbotener Irak-Vergleich.
Schneider mahnte dagegen, die religiösen Führer Tibets und der Dalai Lama “müssen sich die Frage stellen lassen, welchen Kurs sie bei der Modernisierung steuern”.
… na das ist doch eindeutig gescheiter als “uneingeschränkte Solidarität” – hoffentlich kriegt die MOPO noch schnell den Links-Bashing Drall …
Denn: “Die Weltgesellschaft hat keine guten Erfahrungen mit religiösen Führern gemacht, wie zum Beispiel Chomeini.” Das “verschlägt mir die Sprache”, schimpfte GALier Christian Maass: “Sie machen Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern!
Will Maass jetzt Chomeini zum Opfer machen oder den Dalai Lama? Hätte die MOPO korrekt zitiert und der GALier mal zugehört und nicht von schwarz-grün geträumt, hätten beide wissen müssen, dass es hier um die Oppositionszeit des Ayatollah Chomeinis ging und da war auch er – man soll es kaum glauben – mehr Opfer als Täter. Natürlich ist das zu kompliziert, um von der MOPO oder einem GALier verstanden zu werden. Daher kann für die LINKE nur noch das elfte Gebot gelten: Du darfst nicht vergleichen!
Jens Berger
Posted in China, Deutschland, Medien |















































































.. denn allso schließt er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf!
Wenn ich nicht dank einiger Blogs von Leuten, die das selbständige Denken noch nicht aufgegeben haben, zumindest über meine Uninformiertheit bezüglich der Lage in Tibet informiert wäre, könnte mir auch passieren, diese Frau dafür zu verdammen, dass sie schlicht die Wahrheit sagt.
Lieber Jens,
ich schliesse mich deinem Artikel an und muss mir stellenweise an den Kopf greifen, wie dreist-dumm manche Menschen sind. Aber schlechte Bildung und Empoerungsorgasmen waren ja schon immer eine Kunst der Menschen hierzulande - das war ein verbotener Drittes Reich-Vergleich.
Trotzdem sind ein paar Stellen in Deinem Beitrag nicht korrekt:
“Das ist zwar unglücklich formuliert, da nicht die VR China, sondern die Republik China durch Kolonialmächte unterdrückt wurde und Begriffe wie „imperialistisches Ausland“ einfach nicht mehr zeitgemäß sind, aber nicht wirklich falsch.”
Eigentlich begann die Belaestigung durch europaeische Imperialisten, allen voran die Briten, schon zu Zeiten der Qing-Dynastie ab dem 18. Jahrundert, die das Land entgegen seinem Willen zu Handel und diplomatische Kontakten zwangen sowie Konzessionen erkriegten. Angespornt durch Modernisierungsversuche, um sich des auslaendischen Drucks zu entledigen und sich im eigenen Territorium nicht unterdruecken, erniedrigen und erpressen zu lassen, wurden die Schwaechen der Qing immer deutlicher bis sie durch protestierendes Volk und meuterndes Heer beginnend mit dem Aufstand von Wuchang Ende 1911 gestuertzt wurde als Puyi auf seinen Thron verzichtete und die Republik China mit Sun Yat-Sen als ersten Staatspraesidenten 1912 Form annahm.
Um es kurz zu machen: das “imperialistische Ausland” kam schon vor der Gruendung der Republik China an Chinas Haustuer.
Weiter im Text:
“Chomeini war in Persien ein Ayatollah unter vielen, erst das französische Exil machte ihn zum Sprachrohr der Opposition.”
Nun ja, er hatte schon waehrend seiner Exiljahre in Irak genuegend Zuhoerer unter den verarmten Iranern gehabt, Frankreich war nur seine letzte Exilstation vor der Rueckkehr im Februar 1979.
“Nach der Revolution gegen den Schah passierte es, dass ausgerechnet ein Führer mit theologischer Legitimation an die Macht kam und kein demokratisch gewählter oder anderweitig legitimierter Oppositioneller.”
Es war ja ein Revolutionsgemisch aus protestierenden Kommunisten, Arbeitern, Nationalisten und Islamisten, aus denen die theokratisch-orienterte Fraktion im Richtungsstreit als Sieger hervorging. Eine demokratische Volksabstimmung gabs ueber die neue Verfassung der IR Iran uebrigens schon.
Ansonsten super geschrieben, erleichtert doch den Wutpegel ueber die verbohrte Dummheit etwas.
Immer wieder ein Genuss wie du die politische und mediale Landschaft sezierst.
Danke dafür.
Du galubst also, man könnte den Dalai Lama mit dem Ayatolla Khomeini vergleichen? Jens, es tut mir Leid, das noch einmal schreiben zu müssen, aber es gibt Dinge, von denen Du keine Ahnung hast. Und da wäre es manchmal besser, diese Nichtahnung nicht auch noch aufzuschreiben.
Der Dalai Lama ist sehr wohl politisch legitimiert, war er doch bis zum Einmarsch der Chinesen das allgemein anerkannte Staatsoberhaupt von Tibet. Wie er auf diesen Posten gekommen ist, tut hier nichts zur Sache, dar sowohl damals, als auch selbst heute nach 49 Jahren immer noch von der überwältigten Mehrheit der Tibeter anerkannt war und ist.
Und als Friedens-Nobelpreis-Träger genießt er ja wohl auch so etwas wie eine internationale Anerkennung. Politisch hat er immer und ausschließlich zu friedlichen Lösungen aufgerufen. Somit wäre er wohl eher mit Ghandi zu vergleichen als ausgerechnet mit Khomeini, der für den Tod von tausenden seiner Landsleute, für Folter und die penetrante Vermeidung von Bürgerrechten verantwortlich ist.
Der Vergleich von Christiane Schneider ist einfach nicht nur falsch, sondern auch gänzlich daneben. Daran ändert auch die gefärbte Berichterstattung der MOPO nichts. Und wenn eine deutsche Politikerin einen Mörder mit einem Friedens-Nobelpreis-Träger vergleicht, dann wundert auch nicht, dass SPON, SZ und WELT darüber berichten.
Daher wäre ich für ein anderes 11. Gebot: Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten.
Die Linke ist links. Link sind andere. Warum Link zu SPON? Ist nicht recht.
Henry Kissinger, der alte Kriegsverbrecher mit dienstlichem Massenmord und mit der deutscher Abstammung ist auch, Friedensnobelpreistäger.
Das sich irgendwelche Typen immer an Orden, Titeln und Abzeichen aufhängen müssen.
Ach ja, das Lama ist natürlich nur eine vom westen anerkannte und selbsternannte Inkarnation. In Hamburg scheinen auch die Esospinner mit einer dicken Line Koks im Parlament tätig zu sein, von den albanischen Mafiagenossen, die die Stadt bestimmen, mal ganz zu schweigen.
“Du sollst nicht vergleichen!” Der Titel trifft es, erinnert an Godwins Gesetz.
Vielleicht sollte man sagen “Du sollst nicht vergleichen, mit komplexen Gleichnissen die einer gewissen ehrlichen Diskussionskultur bedürfen. Vor allem nicht wenn kurz, schlüssige, monokausale Interpretationen einem disputatischen Gegner als willige Konter auf der Metabene dienen könnten.”
Also kurz: “Du sprechen BILDsprack!” oder eben “Du sollst nicht vergleichen!”
Ich geb dir ja und der Argumentation recht. Aber man merkt schon das die LINKEN das Geschäft der Politik noch nicht so richtig drauf haben. Die meinen allen ernstes man soll oder kann als Politiker Aussagen die treffen die etwas komplex sind und eine Abstraktion fordern.
Politiker sind ja kein blogger.
Evtl, sollte die gesamte LINKE mal die eristische Dialektik lesen.
Daß Vergleiche bekanntlich manchmal hinken, sollte kein Grund sein, sie zu unterlassen. Sie geben so schöne Anlässe für Geistesblitze und Dummbeutelei.
Auch mir sind weltliche Potentaten aus göttlicher Sendung ein Greuel. Doch immerhin muß der Mensch dem Chomeini zu Gute halten, daß er eine widerwärtige amerikanische Marionette zum Teufel geschickt und die eigenen Leute an den Ölhahn gesetzt hat.
Die sofort wieder angekurbelte Medienhysterie beweist das absolute Streben, die Chloroformierung des Massenbewußtseins lückenlos aufrecht zu erhalten.
Ich frage mich, ob sich hier zwangshafte Reflexe gegen Andersdenkende austoben oder ob hier eher eine kühl kalkulierte Strategie der absoluten gesellschaftlichen Formierung am Wirken ist. Wenn ich mir freilich vor Augen halte Schäuble 2.0 oder den gerade aktuellen Wilders/Broder-Dreck (Vergl. nemetico.m...), dann glaub ich doch eher an langfristiges Interesse und weniger an spontane Blödheit.
Froh bin ich, daß es Webseiten und Blogs gibt (Der Spiegelfechter gehört dazu.), die kritischem Denken Raum geben.
Ihr wirklicher Einfluß ist aber immer noch gering.
“Die Rede Schneiders ist an keinem Punkt anstößig oder gar sittenwidrig – sofern man an die Zuhörerschaft ein Mindestmaß an Intelligenz anlegt. “
Die Rede ist vor allem langweilig und vorhersehbar. Es ist nun mal eine unselige Tradition eines Teils der politischen Linken in Deutschland, in eine verspannte Verteidigungshaltung zu verfallen, sobald China und Kuba Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Das wirkt umso alberner als China aus der geistigen Komintern längst ausgeklingt und den Kommunismus durch autoritär bewachten und rot angestrichenen Turbokapitalismus ersetzt hat.
Einfach mal kurz anschauen:
Penn and Teller explain why the Dalai Lama sucks ass
vids.myspa...
@niels.
Sind wir hier bei Kerner? Wo verteidigt die Frau Menschenrechtsverletzungen.. Was sie sagt, bzw meint ist absolut richtig…. und an keinem Punkt anstößig oder gar sittenwidrig – sofern man an die Zuhörerschaft ein Mindestmaß an INTELLIGENZ anlegt….
transwarp:
“Wo verteidigt die Frau Menschenrechtsverletzungen.. “
Sind wir hier bei Kerner? Ich habe nicht behauptet, dass sie das täte.
Wieder das alte Problem: rational argumentieren (C.Schneider) vs. emotionale Bedürfnisse (bedingungslose Solidarität).
Wie kommt man da durch? Vorsätzlich den Gegner zur Raserei bringen finde ich ganz brauchbar ;)
@2 Jamas
Du hast mit beiden Korrekturen natürlich 100% recht - ich wollte das alles ein wenig vereinfachen. Mao hat v.a. gegen die Ausbeutung durch Japan und die korrupten Kuomintang gekämpft und Chomeini ist erst im französischen Exil zum Helden der iranischen Religiösen geworden. Natürlich stellst Du das wesentlich differenzierter und korrekter da, ich wollte mich im Text aber nicht an Details festbeißen ;-)
@4 Lothar Baier
Du hast den Text gelesen? Ich schrieb, man kann die beiden in ihrer funktionalen Rolle als theologisch legitimierte Oppositionsführer im Exil vergleichen – nichts anderes sagte Frau Schneider.
Das ist aber keine demokratische Legitimation! Wir leben doch nicht im Feudalismus. Jeder, der z.B. Putin kritisiert, kritisiert ihn wegen seiner vermeintlichen Unterdrückung der Opposition. Auch Putin wird ohne Zweifel von der Menge des Volkes getragen. Bei zig Despoten (nein ich vergleiche Putin nicht mit einem Despoten) verhält es sich ähnlich. Man kann beim Dalai Lama so argumentieren, dann sollte man aber gefälligst still sein, wenn es um die Legitimation von anderen Despoten und Diktatoren geht, die sich auch auf eine vermeintliche „schweigende Mehrheit“ berufen. Und – nein! – ich habe den Dalai Lama nicht mit Despoten und Diktatoren verglichen. Wenn die GAL sich dazu durchringt, jedem Theokraten und Diktator einen Freihfahrschein auszustellen, der sich auf die Mehrheit des Volkes beruft ohne gewählt worden zu sein, will ich die GAL in diesem Punkt nicht kritisieren (dafür dann wegen dieser Haltung) – die Argumentation ist nichts anderes als ein doppelter Standard.
Wow! Das half Arafat bei seien Zwistigkeiten mit den Israelis aber wenig. Und nein, ich habe den Dalai Lama jetzt auch nicht mit Arafat verglichen.
Ghandi war ein Volksheld, der a) nie legitimiert werden musste, da er nie eine politische Vertretung reklamiert hat und b) er war kein religiöser Führer, daher verbietet sich dieser Vergleich.
Desweiteren muß ich auch hier feststellen, dass Du den Text nicht gelesen hast, oder mich nicht verstehen willst. Es geht nicht um einen personellen Vergleich, sondern um einen Vergleich der Funktion der Legitimation.
Das wäre dann das 12 Gebot – das 13 wäre, wenn man den Text nicht gelesen hat, oder ihn missverstehen will, sollte man Kritik unterlassen.
@7 klml
Traurig, aber sehr wahr. Als Politiker muß man wohl zuerst das heucheln und taktieren lernen. Die Wahrheit ist da oft – zumal ausgesprochen – eher hinderlich
@8 kranich05
Ich denke, man kann hier von einer politischen und medialen Kampagne gegen die LINKE sprechen. Ob man mit einer Aussage eines Politikers einer anderen Partei ähnlich umgegangen wäre, wage ich zu bezweifeln. Zum Glück ist das Volk aber nicht so dumm, wie es sich einige Politiker und Medienschaffenden denken.
@9 Niels
Da gebe ich Dir sogar recht, aber in diesem Falle sehe ich keine Verteidigungshaltung Chinas, sondern eher eine neutrale Betrachtung. Die Position der LINKEn im Tibet-Konflikt ist übrigens wesentlich protibetischer, als es die Rede von Frau Schneider glauben ließe.
Absolut – daher ist jede Kritik an China auch mitnichten eine Kritik an einem sozialistischen oder gar kommunistischen System, sondern eine Kritik an einem totalitären kapitalistischen System. Dennoch ist der Tibet-Konflikt keine Schwarz-Weiß Angelegenheit und muss differenziert betrachtet werden.
@niels
Gesagt vielleicht nicht, aber du implizierst es…. China werden Menschenrechtsverstösse vorgeworfen (aktuelle Tibet Situation)….. Teile der Linke(schneider) verfällt ALBERNERWEISE in eine verspannte Verteidigunghaltung? Warum ist man in einer Verteidigungshaltung?–> Um zu verteidigen!–>Was?—>china bezgl Menschenrechtsverstösse…
btw: Was ist daran albern, sich nicht einer einseitigen Dalai Lama Propaganda der Mainstream medien und der Politik anzuschließen sondern sich differenziert zu äußern?
Ich empfinde das als mutig!
[verschoben]
@spiegelfechter
jo
@ Lothar Baier
Doch tut es. Wurde er etwa von Gott gesandt?
Was du hier versuchst ist ein unerlaubter Zirkelschluss.
„Er ist legitimiert weil er ja schon vorher da war.“ das ist Blödsinn.
Aber dieses: „Das ist eben so. Das haben wir immer schon so gemacht.“ das kennt man ja.
@ transwarp
„… the enemy of my enemy is not my friend.“
Sehr schön. Danke. Das sollten mal einige Schwarz-Weiß-Maler bei uns endlich begreifen.
Glück auf!
Ich verstehe auch nicht, warum der Dalai Lama in Westeuropa sakrosankt ist.
Als Vegetarier hat mich dabei besonders verblüfft, dass der Dalai Lama nicht einmal vegetarisch lebt, weil er einen empfindlichen Magen hat (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/449/92357/). Ok, das ist nach seiner eigenen Auslegung generell erlaubt, aber selbst wenn seine Auslegung nicht stimmen würde, dann würde er vermutlich dennoch nach tibetanischer Tradition Fleisch essen dürfen, weil er ja (magen-)krank ist. Trotzdem ist es für mich nicht gerade ein Zeichen von Heiligkeit, sondern eher von Bauernschläue.
Man stelle sich z.B. vor, der Papst würde heiraten. (Nein, ich glaube definitiv nicht, dass der Papst dies vorhat). Das würde mit Sicherheit einen Aufschrei geben, obwohl es für Päpste nicht verboten ist und selbst für Priester - mit päpstlichem Dispens - erlaubt wäre.
Nichts für ungut, aber ist es nicht etwas anmasend, Menschen, die sich für etwas begeistern oder ereifern, fehlende Intelligenz anzudichten? Vielleicht wäre es gut, Menschen, die sich nicht erwärmen können und gerade bei Religionen solch unpassenden Vergleiche bringen, im Gegenzug das Herz abzusprechen?!
Ich mag nicht auf dem Laufenden sein, doch ich finde, dass man der Dikatatur China die olympischen Spiele gar nicht erst hätte anvertrauen dürfen, denn es ist doch wohl jedem klar, dass dort die Menschenrechte nicht eingehalten werden.
Tibet wurde von China eingenommen, es wurde tausende Menschen getötet, der Dalai Lama wurde vertrieben, weil er sich nicht unterordnen wollte. Damals war er politischer und religöser Führer von Tibet. Meines Wissens hat er die politische Führung an ein gewähltes Parlament (im Exil) abgegeben und ist jetzt nur noch der religiöse Führer seines Volkes, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!
Jeder mag es halten, wie er will und diese Rede mag aus der einen Sicht auch richtig sein, doch es gibt mehr wie eine Sichtweise. Wer neben Klugheit auch ein Herz hat und sich die Zeit nimmt, die Religionen zu studieren, deren Oberhäupter er oder sie vergleicht, der wird zu dem Schluss kommen, dass dieser Vergleich wirklich sehr , sehr hinkt!
@cbmona:
Was die meisten Menschen wohl nie begreifen werden:
Dummheit != keine/mangelnde Intelligenz.
Dummheit ist die Abwesenheit von Wissen. Wenn man Wissen nicht hat oder dieses wieder besseren Wissens negiert, dann ist das Dummheit. Auch wenn man etwas nicht versteht oder absichtlich falsch versteht manifestiert sich nichts anderes als Dummheit. Über die Intelligenz des Rezipienten ist da noch nichts gesagt.
Dummheit ist einfach die bequemste Haltung, sie erfordert keinen Aufwand. Deshalb sind die meisten Menschen ziemlich dumm. Und weil das so ist, hat mancher Schlauer erkannt wie gut es sein kann, sich ebenfalls dumm zu stellen. Dann ist man auf dem Niveau der Zuhörer und es ist leichter vor den Zuhörern Recht zu behalten. Die Auswirkungen kann man wunderbar in der weiter oben verlinkten eristischen Dialektik nachlesen.
In Bezug auf Diskussionen hat Schopenhauer Recht behalten. Nach ihm kam nichts mehr, zumindest nicht in die Tiefe, bestenfalls in die Breite ^^
Merkwürdig war auch, als das in Tibet losging, und zugleich im Kosovo Serben da dieses Gericht besetzten, welche Pirouetten da die Berichterstattung drehte, um dem Zuschauer zu verklickern, dass das eine schlecht und unberechtigt, das andere aber toll und unterstützenswert sei. Und somit auch nicht - vergleichbar.Dabei soll es, glauben kann man ja niemandem mehr, in Tibet ja teils auch pogromartige Vorfälle gegeben haben, aber eben - auch - gegen Chinesen, von Tibetern.
Aber was soll man anderes von Leuten erwarten, die ja auch nicht in der Lage sind, Ypsilantis Tun mit dem von Goetsch unfd Hajduk in ihrer Berichterstattung zu vergleichen. Weil die Wahl ja schon getroffen wurde, was man gutheißen soll, was verdammen. Und schwarzgrün schwärmt halt heftigst für den Dalai Lama -> Fettnapf.
Fands aber auch ungeschickt von ihr: Sollte doch langsam klar sein, wie sich Schröder-SPD, schwarzgrün und ihre Freunde in diversen Medien jeweils die Bälle zuspielen, um sich zu loben und linkere Politik zu verdammen. (Mit linkerer Politik sei hier sicher nicht Chomenei oder die VR China gemeint, aber durchaus die Linke).
Die Grünen hatten sowieso keinen guten Start in der Bürgerschaft: Jetzt kommen SPD und Linke schon an und wollen die Studiengebühren und Kita-Gebühren hier hinwegvotieren, und die Grünen müssen das plötzlich erst mal vertagen und in Ausschüsse verweisen. Also in Wirklichkeit Ole v. B. fragen, ob sie dürfen. Weil sie hattens ja versprochen, im Wahlkampf.
Und ich dachte das hier ist das elfte Gebot.
@JaNu
als Buddhist sucht man Erleuchtung, es geht nicht darum irgendwelche Gebote zu befolgen wie kein Fleisch zu essen oder nett zu allen zu sein…der Dalai Lama sieht seine Rolle übrigens ganz realistisch als Identifikationfigur ohne Anspruch auf weltliche oder spirituelle Autorität, er sagte selber einmal das ihm sein Terminkalender kaum Zeit zum meditieren lasse und er nicht glaube, noch in diesem Leben Erleuchtung zu erlangen;)
Lustig/Befremdlich auf jeden Fall, dass Frau Schneider Hass-Mails von Dalai Lama Fans (!) bekommen hat…
@bnny
Nun ja, der tibetanische Buddhismus ist allerdings eine Spielart des Mahayana-Buddhismus, die den “Egoismus” der persönlichen Erleuchtung ja eigentlich ablehnt und alles unterhalb der “Erlösung aller” als zu kurz gegriffen ansieht. Da das Töten von Tieren (und damit auch das Essen von Fleisch) dem Ziel der universellen Erlösung abträglich ist, empfinden viele Mahayana-Buddhisten dieses als falsch (es ist allerdings kein Gebot - und ich wundere mich immer noch ob der Tatsache, dass diese Menschen guten Gewissens Pflanzenteile verspeisen …)
Warum der Vergleich zwischen dem ozeanischen Lama und A. Khomeini einfach unsinnig ist: Es handelt sich um einen strukturellen Vergleich. Solche Vergleiche sind außerhalb wissenschaftlicher Essays prinzipiell sinnlos, da sie guten Willen und höheres Abstraktionsvermögen voraussetzen. Denn auf der Ebene der Wirklichkeit sind beide absolut unvergleichbar: Der eine ist gut, der andere böse; der eine ist mediogen, der andere nicht.
sehr schöner artikel, zeigt mal wieder wie wunderbar meinungsfreiheit sein kann und warum demokratie niemals funktionieren wird.
ich sehe in dem artikel keinen vergleich des lamas mit khomeini. schneider behauptet lediglich, dass der lama ein religionsführer ist und das solche in der politik nichts zu suchen haben. das beispiel ist nicht auf den lama bezogen, sondern auf religionsführer in der politik.
übrigens gehe ich mit frau schneider in diesem punkt absolut d’accord. jeder der des anders sieht sollte vielleicht in den vatikan ziehen… es hat schon seinen sinn, dass (zumindest in deutschland) religion und staat von einander getrennt sind. was soll also des ganze rumgehacke?
@ 29 lago
“Denn auf der Ebene der Wirklichkeit sind beide absolut unvergleichbar: Der eine ist gut, der andere böse; der eine ist mediogen, der andere nicht.”
mediogen… auch ein schönes wort. ich hoffe mal mit “wirklichkeit” meinstest du “wirklichkeit™”
@24 cbmona
Das tue ich nicht, ich spreche von Dummheit und die beziehe ich nicht auf „Menschen, die sich für etwas begeistern“, sondern auf einige wenige Hamburger Senatoren. Wer mit irgendetwas „bedingungslose (sic!) Solidarität“ fordert, ist dumm … sorry für die harten Worte.
Das kann man machen, aber ich werde ungern von Menschen regiert, die gerade bei irrationalen Fragen auf ihr Herz hören.
Sicher ist jedem klar, dass China eine totalitäre Parteidiktatur ist, die die Menschenrechte nicht achtet. Sinn der Vergabe der Olympischen Spiele (neben dem schnöden Mammon) war ja, dass diese die Gesellschaft dort öffnen. Es gibt übrigens nur vier(!) Länder, an denen Amnesty nichts auszusetzen hat – sollen diese vier Länder rotierend die Spiele abhalten?
Das ist die tibetische Version – China besteht auf den Standpunkt, Tibet sei immer Bestandteil Chinas gewesen und ist damit völkerrechtlich sogar im Recht. Es ist eine schwierige Diskussion, ob Völkerrecht immer moralisch und fair ist, aber als Staat sollte man sich zumindest am Völkerrecht orientieren.
Das stimmt nicht, er ist auch politischer Führer.
Es geht doch nicht um einen Vergleich der Religionen. Es geht um einen Vergleich der Legitimation politischer Führer. Wer seine Legitimation „von Gott“ erhalten hat, steht nun einmal für ein vordemokratisches System. Das mag auf religiöser Basis ja ok sein, für einen politischen Anspruch ist dies nicht mit einer humanistischen Gesellschaft zu vereinbaren, die die Werte der Aufklärung innehat.
Die “Linke Abgeordnete vergleicht Dalai Lama mit Khomeini”- Story steht heute auf Seite 1 meiner kleinen südthüringer Tageszeitung.
Geht denen der Stoff aus oder gibt es keine wichtigeren Themen?
@Christian
Sowas nennt man Zweitverwertung: die kleine südthüringerische Tageszeitung gehört dem Süddeutschen Verlag : de.wikiped...üddeutscher_Verlag
Meist ist es so, dass diese die Headlines der “Mütter” einfach übernehmen müssen. Da gibt es kein redaktionellen (politischen) Spielräume. Ähnlich wie bei den Beteiligungen von Springer und Holtzbrinck. Auf der eine Seite erfolgt eine wirtschaftliche Zweitverwertung und auf der anderen gleichzeitig eine politische Mitverwertung, die bis in die kleinsten lokalen Blätter damit getragen wird. Daher erscheint dort auch diese Artikel gleich mit.
Das Lama ist ja ein politischer Sonderfall, und im atheistischen Osten glaubt man vielleicht wirklich, mit diesem Punkte machen zu können. Der Unsinn den man in München nicht begreift: Es ist gute Werbung für die Partei “Die Linke” ,auch wenn die Rede in Hamburg viel zu defensiv war, da religiöse Führer wie das Lama im Osten noch mehr belächelt werden, als die Kirche.
Finstere Feudalstrukturen, wie sie die Mönchskaste in Tibet wieder einfordert, findet da keine Unterstützung. Die Menschen da haben ganz andere Sorgen, als ein paar Halberleuchtete, die sich für wichtig halten und auf das Tibet Hobby abfahren, weil sie sonst keine sozialen Ängste haben. Wie irre.
@ Spiegelfechter
Im grossen und ganzen teile ich deine Einschätzung zu Tibet und halte die Reaktionen der westlichen Politiker/Medien ebenfalls für einseitig und für einen durchschaubaren Versuch, mit der Beliebtheit des Dalai Lamas zu punkten.
Ich verstehe aber nicht, warum du mehrfach den Anspruch Chinas auf Tibet mit Hinweis auf Völkerrecht oder historische Abhängigkeiten bekräftigst, wäre z.B. der Irakkrieg in deinen Augen ein akzeptablerer Krieg, wenn er völkerrechtlich korrekt legitimiert wäre?
Tatsache ist doch, das mit zunehmender chinesischer Erschliessung Tibets, Zuzug von Chinesen, Repressionen gegen Klöster etc. die tibetische Kultur existenziell bedroht ist.
Kultureller Völkermord mag überspitzt daherkommen, könnte den Vorgang aber treffend beschreiben.
Das derartige Vorgänge irgendwann eine Gegenreaktion hervorrufen, bei denen, deren Kultur und Religion von der Vernichtung bedroht sind, ist nicht überraschend.
Mir kommt es etwas vor, als wäre deine recht einseitige Parteinahme für China haupsächlich dem Bedürfnis geschuldet, etwas gegen den Mainstream zu schreiben.
Ausserdem glaube ich zwischen den Zeilen zu lesen, dass du die religiösen Traditionen der Tibeter als rückständig/antiaufklärerisch und deshalb zu Recht vom Untergang bedroht empfindest.
@name
Ja, mit der Verlagszugehörigkeit macht die Sache Sinn. Danke für die Aufklärung.
Was meinst du allerdings mit “gute Werbung für die Partei “Die Linke”?
Die Kampagne gegen diese Partei ist ja schon eindeutig. Ich glaube ja, das irgendwelche Abgeordnete, die einen komischen Vergleich oder ne zweideutige Aussage machen. ja geradezu gesucht werden. Dann wird ne schöne Story draus geschrieben und das kommt überall auf Seite 1. Und auf der gleichen Zeitungsseite steht Struck und warnt vor einem “Linksrutsch”. Also das ganze ist schon konsequent. ;)
Auch die atheistische Prägung im Osten macht da nicht so viel aus. Über die Medien wird uns ständig vermittelt Dalei=gut, China= böse. Und daher auch Dalei=Khomeni auch böse.
Die Menschen wissen doch gar nichts über die Geschichte und Entwicklung der Spannungen und über “finstere Feudalstrukturen”.
@34 bnny
Gibt es einen gerechten Krieg? Schwierige Frage.
Um aber auf Tibet zurückzukommen. Es gibt wohl hunderte Tibets weltweit, was wäre, wenn jedes Tibet seine Unabhängigkeit haben wollte? Chaos, Balkanisierung und Kriege wären die Folge. Man hat ja angesichts der völkerrechtswidrigen(!) einseitigen Anerkennung des Kosovos gesehen, welche Probleme so etwas mit sich zieht. Da ich mich diesbezüglich nicht auf Emotionen verlassen will (Tibet gut, weil Lama nett, Ostturkestan nicht gut, weil Muslime böse), sehe ich das Völkerrecht als bindenden Maßstab für diese Fragen. In diesem Konflikt (Selbstbestimmungsrecht der Völker) steckt jede Menge Brisanz, die für das komplette Jahrhundert Kriege en masse produzieren könnte. Daher bin ich äußerst vorsichtig und wäge im Zweifelsfall für den status quo und das Völkerrecht ab.
Ganz richtig und das ist mehr als bedauerlich. Aber dieses Schicksal teilen die Tibeter mit unzähligen anderen Völkergruppen, von denen die meisten bereits assimiliert sind.
Der Ausdruck ist nicht so gut, da man bei Mord immer an das Auslöschen von Leben denkt und nicht an das Auslöschen von Tradition, Kultur, Religion und Sprache.
Ich wiederhole es zum xten Male. Ich sehe in meinen Texten keine einseitige Parteinahme für China! Der “Mainstream” übernimmt einseitig Partei für die Tibeter; ok, es ist einfach Partei für den Underdog zu ergreifen, nur muß man sich dann auch an Standards halten und nicht beim nächsten vergleichbaren Fall genau anders herum argumentieren. Meine neutrale(!) Argumentation, die sich auf Status Quo und Völkerrecht beruft, mag keinesfalls populär sein - de facto ist sie äußerst unpopulär -, aber manchmal ist muß man halt unpopulär argumentieren, um sich selbst treu zu bleiben. Ich könnte auch ein “Free Tibet” Banner in der Ecke platzieren und emotional gegen die chinesischen Unterdrücker anschreiben. Aber was mache ich dann im Falle Kosovo, im Falle Abchasien oder im Falle Kurdistan?
Religion ist Privatsache und ich achte sie ausdrücklich als solche. Nur hat Religion nichts in der Politik verloren. Religion und Staat müssen streng getrennt sein, so wie es in Frankreich der Fall ist. Was ich persönlich von dem ganzen Esohokuspokus halte, tut nichts zur Sache. Ein jeder soll nach seiner Facon glücklich werden und ich freue mich ganz ehrlich für Menschen, die ihr Glück in der Religion oder im Esohokuspokus finden - nur lasse ich sie zufrieden und erwarte das gleiche von ihnen.
@christian
Die Intension der Medienkonzerne, die mit so einer Headline erreicht werden soll, ist die folgende:
Die Partei “Die Linke” sind alles kleine böse Chinesen ,weil sie den lachenen Freund von Angela Merkel und der bürgerlichen Eliten als den bösen Khomeni diffamieren. Die Linken sind also alles kleine Maos. Das will man damit verkaufen.
Das dabei witzigerweise die angestrebte Diffamierung der Linken, mit Lama = Khomeni = Böse, also Lama auch böse böse, hängenbleiben kann, scheinen die Chefreadkteure auch nicht bedacht zu haben. Die Antiiranische Propaganda schlägt also selbst auf das Lama durch. Ansonsten denke ich schon, dass die Menschen aus der eigenen Geschichte der Region und das Wissen um die ehemaligen ostelbischen Großgrundbesitzer, der katholischen Kirche, und die gesellschaftlich Funktion von Religionen und die Ablehnung von Religionen im Osten dieser der Republik bekannt ist.
Das umgangssprachliche (vereinfachte) Marx Zitat “Religion ist Opium fürs Volk” und die tatsächliche eigene ökonomische Situtation sind da stärker verankert als lachende Glatzköpfe im roten Gewand. Daher wird man mit man mit einer Headline wie dieser eher Zustimmung für die Partei “Die Linke” erreichen, als Ablehnung.
Passt gut dazu: Der aktuelle Ahoi Polloi ahoipolloi...
@slowcar
Hammerteil: voll getroffen ;)
Stimmt, Spiegelfechter: Begriffe wie “imperialistisch” waren vor zehn Jahren als “kommunistische Propaganda” “nicht mehr zeitgemäß” (für diejenigen, die marxistische Ideologie nie richtig verstanden haben). Die Welt brauchte die Neocons, um sie wieder in Mode zu bringen. “Imperialismus” ist wieder absolut hip.
“(…) Was in Tibet (…) genau geschehen ist, wodurch die Ereignisse ausgelöst wurden, welcher Dynamik sie unterlagen, das ist bisher nicht genau bekannt.”
Naja, oberflächlich richtig. Die unterliegende Dynamik ist auf einen Blick klar:
1. Die Olympischen Spiele.
2. Tibetischer Nationalismus.
Wer je einem Reise-Diavortrag über Tibet beigewohnt hat, ist in den Genuss der chinesischen Vorstellungen von Freiheit und Demokratie für Tibet gekommen. Dazu muss man sich gar nicht erst über Chinas Gesschichte informieren (-> Jung Chang: Wilde Schwäne) oder von chinesischen Studentenunruhen und verhafteten Dissidenten gehört haben. Das nimmt deinem Beharren darauf, die Medien als parteiisch zu entlarven - so berechtgt es auch ist - doch deutlich die Spitze. In dem Fall bin ich auch parteiisch.
Du hast ganz richtig erkannt, dass Geistliche wie Khomeini und der Dalai Lama politisch besetzt sind (wer hätte wohl gedacht, dass ein Deutscher je solche mutigen Vergleiche zieht…?) Deinen Regeln zufolge hätte Johannes Paul II. nicht Papst werden dürfen, wegen seiner bekannten Solidarität mit den politisch unterdrückten Massen Polens. Der Vatikan hatte immer Gespür dafür, es sich mit der Macht (auch den Nazis) nicht zu verderben, aber Polen war ein unbedeutendes Anhängsel einer feindlichen Ideologie. In Südamerika zum Beispiel sind die Regeln anders, dort wurden und werden Geistliche für ihre politisch-humanistischen Überzeugungen ermordet.
Gastfreundschaft/Asyl spielt bei der Verbreitung des Demokratieverständnisses eine wichtige Rolle - nicht nur Khomeini, sondern auch Ho Chi Minh und Pol Pot genossen es, wobei man Ho und Saloth Sar (Pol Pot) nicht unbedingt vergleichen kann - letzterer genoss trotz des Genozids Beliebtheit in der westlichen Politik. Es muss etwas in der französischen Luft liegen, dass in den Gästen Verachtung für westliche Werte (oder Schlaumschlägerei?) erzeugt. Ich weiss nicht, ob ich der “allgemein akzeptierten” Parole von Demokratie durch Liberalismus zustimme, aber sie ist ein nützliches Feigenblatt für Friß, Vogel, oder stirb.
Es ist dein gutes Recht, dich zum Blogrichter über die Demokratietauglichkeit religiöser Führer aufzuschwingen. Wer allerdings das öffentliche Gemenschel der Politik für bare Münze nimmt, wird die Welt nie verstehen. Khomeinis islamische Revolution wurde vom Volk getragen und lässt sich nicht mit humanistischem Geschwafel kleinreden, selbst wenn sie blutiger gewesen wäre als die gefeierte französische Revolution (die ohne Napoleon mit der Besetzung Frankreichs geendet hätte). Das am meisten gefährdete Recht ist das der Völker auf Selbstbestimmung. Diese wesentliche Tatsache haben wohl alle im westlichen Ausland geschulten Revolutionäre, Diktatoren und Buchhalter erkannt.
Zuguter letzt noch ein Wort zur “Dummheit” der Mitmenschen, die Anstoß an Scheiders Vergleich nehmen: der Vergleich ist dumm. Der Dalai Lama tritt für tibetische Autonomie, nicht Unabhängigkeit ein, und steht international im Ruf des Pazifisten und aufklärerischen Vermittlers. Khomeini war der Alptraum des Westens, ein biblisches Wesen mit stechendem Blick und kompromisslosen Überzeugungen zum Gebrauch der linken Hand, der das Reich des schimmernden Schahs über Nacht in ein mittelalterliches Kloster verwandelte - or so the story goes. Natürlich ist das Propagandistische Überhöhung, und darin liegt das Problem: Schwarzweißmaler können nicht plötzlich mit Zwischentönen daherkommen oder die Farben umkehren, man unterstellt ihnen natürlich andere Motive dabei. Und die gibt es, wann immer die öffentliche Nicht-Informiertheit eine neue Marschrichtung bekommt. Vorher war es schick und billig, sich mit dem Dalai Lama ablichten zu lassen. Inzwischen hat China die am stärksten boomende Wirtschaft der Welt, und da möchte man natürlich dran verdienen. Das Problem dabei ist, wie man den alten Knaben und seine verlorene Rebellion loswird, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Chinesen sind entweder zu naiv oder zu stolz, um mit Bildern ermordeter nicht-tibetischer Babies hausieren zu gehen.
@40 Ick
Nein, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ich sage nicht, dass geistliche Würdenträger sich nicht in weltliche Dinge einmischen dürfen; nur sollte man als demokratischer, aufgeklärter Staat nicht einen Oppositionsführer unterstützen, der sich „von Gott“ legitimiert fühlt.
Der alte Papst hat nie den Anspruch erhoben weltliche Opposition zur kommunistischen Regierung in Warschau zu sein – das ist ein himmelweiter Unterschied.
Und das ist grauenhaft und die Stellung der katholischen Amtskirche in Rom zu dieser „Kirche von Unten“ ist in aller Form zu kritisieren – auch heute noch. Aber auch dort gab es nie einen Bischoff, der aufgrund „göttlicher Legitimation“ einen Führungsanspruch erhoben hätte.
Das tue ich nicht einmal – ich kritisiere vor allem Politiker, die allen demokratischen Werten zum Trotz, einem Oppositionsführer mit „göttlicher Legitimation“ einen Persilschein in Sachen Demokratie ausstellen wollen!
Toll, ein Vergleich des Menschen Dalai Lama mit dem Menschen Chomeini, ein Vergleich der Religionen … was soll das?
Welche Legitimation hatte Chomeini?
Welche Legitimation hat der Dalai Lama?
Dann kommen wir der Sache, um die es im Text und in der Rede ging, schon näher.
@ick
Da geht ja alles drunter und drüber, wenn diese Gedankengänge nur so überfliegt.
Die katholische Kirche mit Ihrem Papst war und ist kein Ort von dem demokratischer Prozesse.
In Polen hatte man Anfang der 80 ziger erkannt , dass die religiöse Prägung der Bevölkerung, neben der starken Wirtschaftskrise in Polen, ein direktes Einfallstor in den kommunstischen Ostblock möglich macht und der Papst selbst wurde und hat sich zum Kofferträger von Dollars für dieses Unternehmen abgestellt. Reagans Politik der kleinen Schritte fanden auch im erzkonservativen und antikommunistischen Vatikan begeisterte Zustimmung. Das ist die Wahrheit zu Polen.
Während die katholische Kirche damals aktiv den Kommunismus in Polen bekämpfte, standen deren katholische Priester in Südamerika Hand in Hand mit den dortigen, von den Vereinigten Staaten eingesetzten, Diktatoren um dort den Kommunismus zu bekämpfen.
Diejenigen Bischhöfe und Priester, welche mit ihrer “Befreiungstheologie” die unterdrückten Südamerikaner unterstützten und die kapitalistischen Strukturen anprangerten, wurden vom erzkonservativen antikommunistischen Papst direkt ausgeschaltet. Diese politisch rechte religiöse Linie fährt der Vatikan heute noch in Südamerika.
Sach mal ick, warum traf sich die deutsche Bundeskanzlerin öffentlich mit dem religiös politischen Führer wie dem Lama?
Weil dieses Treffen den deutschen Konzernen in China so nutzt, weil nach diesem Treffen den deutschen Konzerne von den Chinesen die Milliardenbeträge nur so nachgeworfen wurden, oder worin besteht die Logik dieses Treffens, und was ist/war/wird wieder sein der Hintergrund für diese politische Geste in Richtung China?
Ich bin sehr für Kritik am Dalai Lama. Ich teile nicht die hysterische Pressemeinung in Deutschland aber im Unterschied zum Autor des Artikels
habe ich mich wohl länger als 30 Minuten mit Tibet und dem religiösen und weltlichen Oberhaupt beschäftigt und war selbst in einem tibetischen Kloster zu Gast.
Ich teile daher die Meinung von Frau Schneider nicht in jedem Punkt und rate jedem, der sie so in Schutz nimmt, sich in den Zug zu setzen mit dem Ziel Peking.
Für den kommunistischen Bund Westdeutschlands, dessen Mitglied Frau Schneider ist, - oder war - hat sich die Welt seit 100 Jahren nicht geändert. Ich halte daher einige ihrer Ansichten schlicht für hirntot. Besonders der Khomenei Vergleich ist einfach irre und beweisst, dass Frau Schneider und der Autor des Artikels Religion für Opium fürs Volk halten und zu keiner differenzierten Meinung fähig sind. Schade, an dieser Stelle hätte ich mehr Interesse fürs Thema Tibet und vor allem eine intensivere Beschäftigung mit den Positionen des Dalai Lama erwartet. Ich will den Schlappenpapst nicht loben - nur darauf hinweisen dass es sich lohnt mal nachzulesen welche politischen Interessen er an Tibet wirklich (noch) hat. Danach wäre es jedem Interessenten klar wie dumm ein Khomenei Vergleich in Wahrheit ist. Sicherlich macht es mehr Spass gegen die böse Presse zu schreiben und sich als besserwissende Elite zu fühlen. Man sollte dabei aber einen gewissen Level an Informiertheit nicht verlassen. Ich stelle fest: Der Autor hat sich genauso tief informiert wie die Presse, die er zu Recht kritisiert. Dumm gelaufen.
KBW:
Kuba gut, UDSSR gut. China gut. Dalai Lama schlecht. Papst schlecht.
Ist das besser als das was in der Zeitung gelogen wird über die tibetischen Übergriffe gegen Chinesen?
@FrankKolb
…ich gehe mal davon aus, das hier keiner zum fraglichen Zeitpunkt in Tibet war, aber das es schlimme Übergriffe von Tibetern auf zugewanderte Chinesen gegeben hat würde ich nicht als Lüge abtun.
Auch wenn es den einen oder anderen Hobby-Buddhisten (ich zähle mich auch dazu;) erstaunen mag, Tibeter sein macht nicht automatisch immun gegen Gewaltausbrüche, welche in diesem Fall progrom-ähnlichen Character hatten.
Übrigens hätte so ziemlich jeder Staat, auch demokratische, mit massiver Polizeigewalt reagiert, man denke bitte an Genua.
Die Situation sollte also schon differenzierter betrachtet werden.
Und welche Legitimation hat nun der Dalai Lama?
Nach demokratischen Massstäben keine, aber er scheint ein aussergewöhnlich besonnener
Politiker zu sein der sich einer Reform der Tibetischen Gesellschaft nicht in den Weg stellt,
keine übertriebenen Forderungen stellt und ausserdem die Unterstützung seines Volkes geniesst.
Wieviele demokratisch gewählte Führer können das von sich behaupten?
Wie sieht es denn mit einem Leader of the Free World aus, der sich von Gott berufen fühlt? Fühlen wir uns nicht alle irgendwie legitimiert, das Maul aufzumachen, ob jetzt von Gottes/Buddhas/Allahs, George Washingtons oder Darwins Gnaden oder aus humanistischer Pflicht?
Ich denke, wer sich aus moralischen Gründen in die Schusslinie begibt, braucht immer eine innere Stimme - oder einen quasi-göttlichen Auftrag, wenn er Amtsträger ist. Der Papst ist ebenso von Gottes Gnaden wie der Dalai Lama. Zwar wurde im letzten Jahrhundert die päpstliche Unfehlbarkeit päpstlich eingeschränkt, jedoch nie sein Auftrag auf Erden als Statthalter Christi. Denk dran, wenn du das nächste Mal in die Kirche gehst - Unwissenheit ist keine Entschuldigung ;-)
Der Dalai Lama hat alle Verwicklungen in die Planung der Aufstände abgestritten, und es erscheint glaubhaft, dass er zumindest bei den jugendlichen Rädelsführern nicht allzuviel Einfluss besitzt. Er ist immerhin seit Jahrzehnten außer Landes. Seine politische Kern-Position: Autonomie, nicht Abspaltung von China, ist ebensolange bekannt. Bis zum Beweis des Gegenteils dürfen wir ihm also glauben. Er ist nicht der einzige Tibeter mit anti-chinesischer Einstellung ;-)
Wenn dein Artikel sich mit der “Legitimation” des Dalai Lama oder Khomeinis auseinandersetzt, bist du aber schwer missverstanden worden. Ich nehme mal an, dir geht’s grundsätzlich um die Legitimität von Religion in der Politik, und deiner Meinung nach disqualifizieren sich religiöse Führerfiguren von selbst. Dem ist nicht so. Die Haltung der christlichen Kirchen ist ein Faktor bei den Themen Homosexualität, Abtreibung, Sterbehilfe, Glaubenskrieg, Evolution undsoweiter. Der Papst regiert zwar nicht (außer im Vatikanstaat), aber die sich als katholisch verstehende westliche Welt orientiert sich an ihm. Seine Positionen dürften sich auch mit der Mehrheit aller christlich-protestantischen Traditionalisten und “Sekten” decken. Khomeini war zwar oberster (Scharia-)Rechtsgelehrter und damit Staatspräsident, aber bereits ein alter Mann und eine Galions- und Vaterfigur. Die wahre Macht über Judikative und Militär hat im Iran der Revolutionsrat, die tägliche Politik wird aber von demokratisch gewählten Politikern gemacht. Ähnlich ist die Stellung des Militärs als “Bewahrer des Säkularismus” in der Türkei.
Weder der Iran, noch China, die Türkei oder Russland sind genau genommen Demokratien nach westlichem Vorbild, und wenn man sich die Glaubenskriege gegen den Kommunismus in den USA anschaut, bekommt das schöne Bild einen häßlichen Sprung. Ein immer wieder zitiertes Vorbild aus der Dritten Welt ist Indien, das als seinen Gründungsvater den quasi-religiös verklärten Gandhi hat. Religion überall.
Irgendwer hat kürzlich gesagt, jede Ideologie ist Religion. Weise Worte.
@-name: Schön, dass du mir im Wesentlichen zustimmst, wenn du auch das Gegenteil behauptest. Oder stimme ich dir zu?
Wie interpretierst du denn das Merkel-Dalai Lama-Treffen? Bis vor kurzem war es, wie gesagt, noch hipp und schick, sich mit dem “religiösen Führer” Dalai Lama zu treffen.
@Frank Kolb: Könntest du nicht ein paar Links mit konkreter Kritik am “Schlappenpapst” (Dalai Lama?) posten, damit der Spiegelfechter, der KBW und ich uns informieren können?
Wenn ich euch recht verstehe, ist die Mehrheit der Leser dafür, dass Kritik an allem von allen Seiten erlaubt ist, Gewalt aber nie. Das tibetische Tibet stirbt immerhin seit Jahren an dieser Einstellung, ein letztes Aufbäumen des Leichnahms sollte wenigsten intellektuell verständlich und zu erwarten sein. Rebellionen und Revolutionen gegen Unterdrücker, besonders hoffnungslose, sind blutig und häßlich, genau wie Kriege und Terrorismus, und die Tibeter sind nicht alle Mönche und fromme Gebetsmühlendreher, die singend abtreten. Ist das Postkartenromantik oder Schauertourismus: “Ich bedaure euch, aber raubt mir nicht meine Illusionen”?
Ich denke, dass an dieser Debatte klar wird, dass sich die mediale Position des Westens gegenüber “Nichtdemokratien” vor allem an deren Wirtschaftspolitik orientiert; die “Legitimation” eines Staatsoberhaupt - ob religiös oder sekular - scheint mir im great game eher sekundär zu sein, solange die Wirtschaft dem globalen Markt zugänglich ist.
Die heren Ideale der entzauberten, rationalen, westlich-zivilisierten Welt, wie Demokratie, Meinungs- und Glaubensfreiheit sowie Trennung von Staat und “Kirche” werden meist erst dann ernsthaft eingeklagt, wenn das Diktat von Weltbank, IWF etc. nicht akzeptiert wird (wie im Falle Irans post 1979). Hätte es Chomeini nach 79 seinem Vorgänger in Sachen Öl gleichgetan, wäre es den USA wahrscheinlich egal gewesen, ob dort nun ein Ayat-allah oder ein Shah die Macht im Staate hätte um das Humankapital zur Verfügung zu stellen.
Ebenso ist es “dem Westen” ziemlich egal ob der chinesische Markt von einem massiven “kommunistischen” Apparat, oder einer “Demokratie” regiert wird. Man fährt einmal im Jahr hin, “bespricht” eine halbe Stunde die Menschenrechtslage, unterschreibt einige Wirtschaftsverträge und zischt wieder ins wohlig gemütliche Europa.
PS. Der Verweis auf Ostturkestan von Jens ist auch nicht uninteressant, wenn man bedenkt, dass China wahrscheinlich bereitwillig in die Anti-Terror-Koalition aufgenommen würde, wäre es kein tibetanisch-buddhistischer, sondern ein uigurisch-islamischer Aufstand in der Provinz.
;)
@ick
Naja, folgt man einer gewissen Logik, die sich im westlichen Kapitalismus nicht im “Wir sind alles beste Freunde erschöpft, beschäftigt man Leistungsfähig- und Unfähigkeit der chinesischen Ökonomie, so war das Treffen der roten Pfarrerstocher Merkel mit dem Lama keine politische Laune oder Dummheit, sondern ein direktes Zeichen der Veränderung nach China im Stil:
Ihr Chinesen baut in den nächsten 30 Jahren jedes Produkt, welche wir im Moment noch führend exportieren. Ihr seid heute schon Exportweltmeister, aber wir haben das Zepter mit den Uiguren und den Tibetern in der einen, und den tatsächlichen Nachweis, wie man Staaten ethnisieren kann, auf dem Balkan gezeigt, in der anderen Hand.
Das war die Aussage von Merkel. Sie war ein Bruch in den politischen Beziehungen zu China, die knallharte ökonomische Ursachen hat.
Die deutschen Konzerne der Familien Porsche und Quandt werden unter dem nationalen deutsch europäischen Dach seine Autos und Maschinen nicht mehr verkaufen können, wenn China so weiter expandiert und sich die chinesische Fertigungskunst qualitativ noch mehr verbessert. Im Automobilsektor gibt man China noch fünf Jahre, dann bauen sie technologisch genau die gleiche Qualität wie anderen westeuropäische Konzerne.
Die deutschen Konzereigner sind keine Esospinner und solange Freunde der Tibeter, wie sich das finanziell für sie lohnt, oder einem Konkurrenten wie China schadet. Die Treffen mit dem Lama oder ähnlichen Gruppen werden noch weiter zunehmen.
Die öffentlichen Treffen , jetzt ja schon im eurpäischen Rahmen (der britische Aussenminister ist auch ganz heiss aus das Lama ;)) auf dieser hohen politischen Ebene und in diesem politischen Rahmen, gibt es ja erst seit knapp einem Jahr.
@ name
In der Tat eine interessante Frage:
Ist die weltweite Solidarität mit Tibet, die Treffen von hochrangigen Politikern ( Nancy Pelosi, Merkel) mit dem Dalai Lama,
ist das nur der Versuch auf der Welle der Tibet-Sympathie ein paar Wählerstimmen einzusammeln, sich selbst den Anstrich eines moralisch integeren Menschenrechtswahrers zu geben der wirtschaftliche Nachteile um der Guten Sache willen in Kauf nimmt?
Oder ist es wirklich knallharte Interessenpolitik, ein Versuch, die aufstrebende Supermacht zu destabilisieren und als Diktatur zu brandmarken?
Das wäre erstens ein genialer PR Coup,
zweitens fragt man sich, wer hat das ganze geplant? Ich bin ja kein Anhänger von Verschwörungsttheorien, aber die Einseitigkeit der westlichen Reaktionen und Berichterstattung ist schon bemerkenswert.
Im Übrigen: das Lama ist schon eine bekannte, vermarktbare Marke, die nicht mehr unter hohen Kosten aufgebaut werden muss, ähnlich wie im Kosovo Rugova:
der dürfte vorn den friedlichen Kasper spielen und hinter him marschierte die UCK fröhlich morden durch die Gegend.
Ähnliches wird dem Lama passieren: er ist ein politischer Türöffner zu China, hinter dem sich alles mögliche noch so sammelt.
Der Tibetan Youth Congress z.B. vertritt oft eine vom DL abweichende Haltung was in der Vergangenheit oft zu Krach führte. tibetanyou... Die sind - natürlich - auch tibetisch und somit nicht “unabhängig” aber sehen sich als nicht buddhistisch-religiös.
Ich hab übrigends mit keinem Wort bestritten dass die Mönche in Lhasa die Chinesen verprügelt haben. Das ist schlecht. Das ist übel. Das ist ein Fakt. Es ist egal ob man es “verstehen” kann oder nicht.
Selbst wenn der DL ab morgen beschliessen würde ein Bettpfosten zu sein, würden ihn die Tibeter immer noch verehren. Man kann zu dieser Art von Religion oder religiösität stehen wie man will, das ist nunmal Fakt in Tibet. Es gibt Kreise im tibetischen Widerstand, die dem DL ein Versagen vorwerfen. Als Beweis dient die Tatsache, dass sich über 30 Jahre nichts bewegt hat. Alles in Allem ist die Lage in Tibet wie alles im Leben nicht schwarz/weiss und der DL steht völlig zu Unrecht im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Dennoch kann man manche Vergleiche eben nicht machen, weil man Äpfel mit Birnen vergleicht. :-)
@Frank Kolb
Eben daran rührt auch die Rede. Der TYC vertritt eine andere Position und legitimiert sich anders. Der DL ist zweifelohne eine honorige Integrationsfigur, aber hat er die Legitimation für politische Dinge zu sprechen? Er predigt mit Nachdruck Gewaltlosigkeit, aber einige junge zornige Männer halten sich nicht daran, obwohl er sicher auch deren theologische Identifikationsfigur ist. Ich hatte schon Texte von Journalisten verlinkt, die der Meinung sind, die Aufstände in Tibet hätten eher einen ökonomischen Hintergrund, als einen kulturellen oder religiösen, obgleich es schwer ist, da zu unterscheiden. Auf jeden Fall ist die ganze etwas schon etwas komplexer, als es die GAL in Hamburg wahrhaben will.
Hallo Jens,
der Vergleich zwischen dem DL und Khomeini hinkt. Selbst wenn man ihn auf die funktionale Rolle beschränkt (beides Religionsführer). Dann muss man fragen: Mit wievielen anderen Religionsführern, die sich als Repräsenten gesellschaftlicher Opposition in die Politik gedrängt haben, hat der Westen in den letzten Jahrzehnten schlechte Erfahrungen gemacht? Läßt sich da ein Zusammenhang erkennen oder müssen noch andere Faktoren mit berücksichtigt werden, wie z.B. welche Religion er vertritt und wie diese Religion zu Menschenrechten und Demokratie steht?
Man kann auch ein Schaf mit einem Wolf vergleichen, sie haben beide 4 Beine, sind beides Säugetiere und haben irgendwo im Stammbaum ein gemeinsamen Vorfahren.
Darum geht es aber gar nicht. Ich glaube nicht, dass die Verfasserin nur funktional vergleichen wollte.
Meines Erachtens wollte sie gezielt provozieren, um aufzuzeigen, dass eine Parteinahme zugunsten des DL auf Grund mangelnden Wissens nicht begründet ist. Was ich auch völlig okay finde.
Die Art wie sie es gemacht hat, ist in meinen Augen entweder ziemlich dämlich oder gewollt. Das einem die Medien einem das Wort im Mund umdrehen und auf Formulierungsfeinheiten keinen Wert legen ist allgemein bekannt. Das Politker in Interviews immer mal wieder darauf hereinfallen, ist Pech aber wahrscheinlich nicht zu verhindern. Aber bei einer vorbereiteten Rede darf so etwas nicht passieren.
Ob Sie mit Absicht gemacht hat? Keine Ahnung.
Naja, soviel dazu. Was ich noch allgemein los werden wollte ist, dass ich Deinen Blog ansonsten sehr gut finde, und Dir für die Denkanstöße danken…
@ slowcar: Vielen Dank für den Link. Passt wirklich wie die Faust auf´s Auge :)
Gruß Bernd