Olympiaproteste – sponsored by Germany
geschrieben am 08. April 2008 von Spiegelfechter
Es ist der PR-Gau für die chinesischen Olympiaplaner – aus dem Vorhaben, mit einem Fackellauf durch die Metropolen der Welt international Werbung für die Olympischen Spiele in Peking zu machen, ist dank Aktivisten ein echtes Debakel geworden, das die Tibet-Frage wieder in die Hauptnachrichtensendungen und auf die Titelseiten der Zeitungen bringt. Das IOC hatte bereits darüber nachgedacht, ob man den weltweiten Fackellauf nicht ganz abbrechen sollte. Was ein Riesenerfolg für die Exiltibeter ist, wirft indes Fragen an einige westlichen Politiker auf, ob sie die von ihnen propagierte Trennung von Sport und Politik wirklich ernst nehmen.
Die Aktionen der Free-Tibet Aktivisten in Olympia, London, Paris und San Francisco waren generalstabsmäßig geplant und wurden von Freya Putt, einer extra für diese Zwecke eingestellten hauptamtlichen Aktivistin des Washingtoner Büros des „International Tibet Support Network“, koordiniert. Vor Ort wurden die Proteste in Olympia und San Francisco von der New Yorker „Students for a Free Tibet“-Aktivistin Kate Woznow geleitet und von den lokalen Organisationen dieser Gruppe durchgeführt – in Olympia übernahm sie die Funktion der Pressesprecherin und sorgte für die Freilassung der inhaftierten Demonstranten und auch in San Francisco vertrat sie die Aktion nach außen. Die Aktivisten haben dazugelernt und im PR-Kampf gegen die chinesische Regierung einen ersten Punktsieg errungen. Die Höhepunkte sollen die Proteste erst in Peking selbst erreichen, wo die Aktivisten Protestaktionen während der Spiele planen.
Wenn deutsche und amerikanische Politiker von einer Trennung von Sport und Politik sprechen, so ist dies anlässlich der Proteste gegen den Fackellauf allerdings doppelzüngig, wurde der Aktionsplan der Aktivisten doch unter tätiger Mithilfe deutscher und amerikanischer Steuergelder organisiert. Auf einem Treffen der “International Tibet Support Groups Conference” im Mai 2007 wurde von 36 exiltibetischen Verbänden 145 Tibet-Unterstützergruppen die Koordination der Anti-Olympia Proteste beschlossen und geplant. Es wurde dort unter anderen beschlossen, dass man sich bis zu den Olympischen Spielen ausschließlich auf die Proteste gegen die Olympischen Spiele konzentrieren sollte, Freya Putt wurde mit der Koordination beauftragt und ihr wurden die nötigen Mittel zugewiesen.
Mitorganisator dieser Konferenz war die FDP-nahe Friederich Naumann Stiftung für Freiheit (FNSt), deren Vorstandsvorsitzender der „Außenminister in Merkels Schattenkabinett“ Wolfgang Gerhard ist. Die FNSt wird nahezu ausschließlich aus Steuergeldern finanziert. 2007 bekam sie über 37 Mio. Euro aus öffentlichen Kassen, wovon sie 21 Mio. Euro für „internationale Zusammenarbeit“ ausgab, davon fast 6 Mio. für ihre Aktionen in Asien. Rolf Berndt der Geschäftsführer der FNSt bemerkte in seiner Abschlussrede:
„The action plan, based on the different objectives and activities formulated by the participants, present a very meaningful political framework which, I am sure, will not only guide the future work of many Support Groups in individual countries, but which will also have great impact on the Central Tibetan Administration. […] This is the message that goes out from Brussels, and this is the message that will certainly be heard and well understood in Beijing – especially in light of the upcoming Olympic Games in 2008! […] The Olympic Games next year will play an important role in this respect. They are an excellent opportunity for the Tibet Support Movement to highlight the needs of this struggle.
Auch Wolfgang Gerhard ging in seiner Rede ganz explizit auf Aktionen im Rahmen der Olympischen Spiele ein:
„The Olympics stand for peaceful competition, for peaceful interaction between civilized peoples, for laying down arms and weapons. Will there be any positive effect for the Tibetan people, for their quest for peace and freedom? What can we do to attract world opinion to the injustice that is being done in Tibet, to the absence of peace in that region? […] Our time is NOW, especially so because of the Olympic Games coming up next year.”
Ebenfalls anwesend auf dieser Konferenz war die amerikanische Unterstaatssekretärin Paula Dobriansky. Neben ihrer Rolle als “Spezial-Koordinatorin” für die Tibet-Frage ist Frau Dobriansky unter anderem im NeoCon Think-Tank PNAC tätig und gehört zu den Politikern, die mit dem professionellen Umgang mit NGOs vertraut sind. Die “Farbenrevolutionen” und die vorausgehende Instrumentalisierung von staatlich finanzierten Gruppierungen und privaten NGOs hat Dobriansky mehrfach als politische Vorgehensweise für andere Staaten empfohlen. Eine Organisation, die immer wieder mit solchen Aktionen in Verbindung steht, ist das National Endowment for Democracy (NED). Paul Buchanan nannte das NED einmal ein “weltweite Agitation für demokratische Revolutionen und Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder, besonders in Diktaturen und undemokratische Regime”. Wurde das NED früher vornehmlich zur verdeckten Finanzierung amerikafreundlicher Diktatoren, wie beispielsweise Manuel Noriega eingesetzt, ist es heutzutage eine Art zivile CIA, die die parlamentarische Kontrolle unterläuft, und ein verlängerter Arm der US-Regierung ist. Der Putsch gegen Chavez wurde ebenso vom NED finanziert und unterstützt, wie die “Farbenrevolutionen” in den ehemaligen Sowjetrepubliken. Auch Tibet spielt eine bedeutsame Rolle bei den Tätigkeiten des NED, das zahlreiche exiltibetische Organisationen unterstützt. Da mag es kaum erstaunen, dass auch das „International Tibet Support Network“, das die Proteste gegen den olympischen Fackellauf koordiniert, vom NED unterstützt wird. Paula Dobriansky ist Vice-Chairman des NED, so daß ihre Anwesenheit auf der zentralen Planungskonferenz für die Anti-Olympia Proteste eine besondere Note bekommt. Die von den USA und von der FNSt unterstützten Gruppen teilen übrigens nicht die politischen Vorstellungen des Dalai Lamas.
Wenn deutsche und amerikanische Politiker sich also scheinheilig für eine Trennung von Sport und Politik stark machen, sollten sie auch vor der eigenen Tür kehren und wenn Medien wie der SPIEGEL chinesische Aktionen, die deutsche Interessen bedrohen, in reißerischer Manier aufbereiten, so sollte man nicht unerwähnt lassen, dass mit deutschen und amerikanischen Steuergeldern ebenfalls massiv in chinesische Interessen eingegriffen wird. Natürlich kann (und muss) man die tibetischen Interessen moralisch unterstützen, aber wenn man den Dialog mit der chinesischen Führung als richtiges Mittel propagiert, sollte man im PR-Krieg doch etwas behutsamer zuwege gehen, da die Chinesen dieses Desaster als Gesichtsverlust sehen und dies ihre Dialogbereitschaft kaum steigern wird. Wer sich als deutscher Politiker “bedingungslos” hinter den Dalai Lama stellt, sollte es auch vermeiden, wie Claudia Roth Unterstützungschreiben an indische Tibetgruppen zu schicken, die offen gegen die Weisungen des Dalai Lamas opponieren und andere Ziele als er haben.
Weitere Artikel zu diesem Thema:
German Foreign Policy: Die Fackellauf-Kampagne
Moon of Alabama: Tibet Uprising and U.S. Government Grants
Jens Berger
Bildnachweis: Students for a free Tibet, State.gov, FNSt
Kategorien: Ausland China Deutschland
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Glaubt da etwa jemand, man hätte den Chinesen die Olympischen Spiele gegeben, um ihnen nun im Vorfeld über die Tibetfrage das Messer auf die Brust setzen zu können, damit ein paar dreckige Unterderhandgeschäfte sie vor dem Gesichtsverlust bewahren werden. Das glaubt doch niemand. Das wären doch Methoden wie bei den Triaden. Oder CIA. Das wäre doch eine Verschwörungstheorie.
@ #1, “Konfusius”:
Wie meinen? Dein Text scheint mir so konfus, daß ich seine Kernaussage nicht erfassen kann.
Ich fände es daher sehr entgegenkommend, wenn Du sie nochmalig in verständlicherer Sprache formulieren könntest (kein Witz!). Danke.
hannilein
Warum eigentlich? Gibt es in Tibet große Vorkommen an Bodenschätzen oder ist dieses Land topographisch z.B. für Pipelines wichtig?
Wenn man China schwächen möchte, gibt es doch viel ergiebigere Nebenschauplätze, die man in altbekannter Manier mißbrauchen könnte.
Die Frage ist ernst gemeint, denn die Amis und Deutschen erkennen Menschenrechte schließlich nur, wenn sie einen geldwerten Vorteil daraus ziehen können.
@spiegelfechter
spannender Artikel mit viel Hintergrundinformation. Herzlichen Glückwunsch!
@schwitzig:
Meine Interpretation:
Die Deutschen (speziell) lieben romantische Völker, und da hat Tibet mehr Sex-Appeal als China.
Die amerikanische Aussenpolitik ist in ihrer ganzen Geschichte stets eine Mischung aus religiösem Sendungsbewußtsein, Geschäftemacherei und ehrlicher altruistischer Hilfe, mit je nach Fall anderen Gewichtungen (Im Marshallplan wurde anders gewichtet als unter der aktuellen US-Regierung z.B.). Und Tibet ist nunmal religiöser als China.
Zudem sind die Proteste ein Zeichen mehr, das China endgültig zur neuen Supermacht aufgestiegen ist. Der klassische unreflektierte Anti-Amerika-Demonstrant hat jetzt endlich ein neues Betätigungsfeld.
Solange die Tibetologen der Welt durch ihre profimäßig entfachte Hysterie von dem weltweiten neoliberalen Sozialabbau abzulenken vermögen, werden sie sich um das Sponsoring der internationalen Bertelsmänner weiter keine Gedanken zu machen.
@ hannilein und auch @schwitzig:
Dann mal langsam. China ist eine sehr schnell aufstrebende wirtschaftliche Macht. Dort werden nicht nur billige Adidas – Schuhe hergestellt und der Transrapid kopiert, sondern dort hat man auch einen enormen Hunger. Hunger nach Rohstoffen. Die wichtigsten Rohstoffe werden von sehr wenigen Händen in dieser Welt verteilt. Die Rohstoffe können nur in diesen Händen bleiben, wenn das labile Gleichgewicht der Kräfte erhalten bleibt.
Eine neu auf dem Weltmarkt mitmischende Macht wie China ist natürlich daran interessiert, seinen Hunger so billig wie möglich zu stillen. Mit anderen Worten, direkten Zugriff auf Rohstoffe zu bekommen.
Das ist verständlicher Weise nicht im Interesse der jetzigen Verteiler.
Die Chinesen stehen in Tibet militärisch nahe an den rohstoffreichen Ländern des vorderen Orient, nahe an Indien, Pakistan, Afghanistan.
Die Amerikaner ständen auch gerne in Tibet, denn dann ständen sie nahe an China. Seit 1956 versucht USA in Tibet Fuß zu fassen und schürt unaufhörlich den tibetisch / chinesischen Konflikt. siehe Schall und Rauch, aber vor allem das Department of State.
So jetzt zur Gegenwart. In ihrem aufstrebenden Stolz verfielen die Chinesen auch der Eitelkeit und bewarben sich für die Olympischen Spiele. Na prima. Wenn die nun erst mal mächtig den Dicken gemacht haben mit all ihren grandiosen Architekturen und einem angeblich sauberen Beijing usw. kann man dass doch perfekt nutzen, um ihnen einen Gesichtsverlust anzudrohen. Dazu muss man verstehen, was für einen Asiaten der Gesichtsverlust bedeutet. In dieser Hinsicht ist man weitaus sensibler als z.B. ein Herr Ackermann. Also organisiert man ein wenig Randale in Lhasa, macht so lange Rabatz, bis die Chinesen nichts anderes zu tun wissen als zurück zu schlagen und zeigt dann weltweit mit den Fingern auf sie.
Nicht wegen ein bisschen Freiheit in Tibet. Weil man ihnen jetzt ein paar Verträge über den Tisch schieben kann, mit denen ihre Begehrlichkeiten zumindest für eine Weile unter Kontrolle gebracht werden können.
Aber das sind natürlich nur Verschwörungstheorien. Reicht das so?
Hier noch ein Literaturtipp: Knaus, John Kenneth, Orphans of the Cold War – America and the Tibetan Struggle for Survival, 1999, PublicAffairs, New York.
@3 Schwitzig
Zum Beispiel? Du darfst nicht vergessen, dass es der KPCh nicht nur um Tibet geht, sondern um ihren Führungsanspruch, der sich auf die Integrität des Landes begründet.
@Konfusius
Das ist ganz “normale” Politik, wie sie gemacht wird, seit es so etwas wie Politik gibt. Auch ist dies keine amerikanische Eigenart, sondern wird von jedem Land mit “proaktiver” Aussen- und Sicherheitspolitik, das einen Geheimdienstapparat unterhält, so gehandhabt.
Wie schaut es eigentlich mit den Artikeln über die angebliche dunklen Seiten Tibets bzw. des tibetanischen Buddhismus und dessen Kopf der Dalai Lama aus?
Seiten wie http://www.gerhardkern.de/Dalai.htm und Blogeinträge wie dieser hier http://blog.pantoffelpunk.de/brechmittel/na-gut-dann-doch-ein-wurzelvergehen legen die Annahme nahe, dass zwei totalitäre Regimes sich im tibetischen Raum auf Kosten der dort ansässigen “einfachen Leute” bekämpfen, und westliche Aktivisten sich nun erfolgreich von einem dieser Regimes einspannen lassen.
Leider fehlen mir gerade weitergehende Quellennachweise, aber es scheint mir auf den ersten Blick mehr als nur eine spannende Verschwörungstheorie zu sein…
@JollyOrc
Ich würde die Exiltibeter nicht als potentiell totalitär bezeichnen. Sicher hatten die vor dem chinesischen Einmarsch eine undemokratische theokratische Feudalherrschaft, aber man muß ihnen auch Lernfähigkeit zugestehen.
Viele der verlinkten Kritikpunkte haben als Quelle die Schriften von Colin Goldner. Dieser ist keineswegs neutral und höchst umstritten. Ein österreichisches Gericht unterstellte ihm sogar “rassistische und neo-nazistische, ja den historischen Nazis vergleichbarer Denk- und Verhaltensweisen und ebensolcher Denk- und Verhaltensmuster”.
@ 3 Schwitzig:
Warum eigentlich?
Mögliche Erklärung: Tibet grenzt an Indien und China, beides aufstrebende (Wirtschafts)mächte, beides Atommächte, die die Vorherrschaft der “westlichen Wertegemeinschaft” in Zukunft in Frage stellen könnte. Ein unabhängiges Tibet würde eine weitgehende, geographische Trennung zwischen Indien und China bewirken; abgesehen von zwei schmalen Gebietsstreifen im Süden der Provinzen Sinkiang, bzw. Sikang, die jeweils von Indien, respektive China kontrolliert/beansprucht werden.
Ersteres grenzt annähernd an die Taklamakan-Wüste, die ein immenses Hindernis darstellt. Ohne eine überaus aufwendige Logistik, kaum zu entwickeln. Es gibt dort keine Eisenbahnline, dafür bislang gerade mal zwei asphaltierte Straßen, die um die Wüste herumführen. Keine besonders geeignete Gegend für umfangreichen Wirtschaftsverkehr…die Zeiten, in denen eine Seidenstraße ausreichte, sind vorbei. ;-)
Das andere ist ein indisch kontrollierter Streifen, auf den China Anspruch erhebt. Zwei Möglichkeiten sich zu streiten. Die Chancen dafür sind umso größer, je höher die Bedeutung der Gebiete ist. Vor allem, wenn potentiell feindlich gesinnte Konkurrenten in der Nähe sind. :-)
Ein Tibet, das mit westlicher Unterstützung unabhängig würde, müßte erstens “Dankbarkeit” erweisen und wäre zweitens “schutzbedürftig” gegen eine weitere “Okkupation”. Ein paar (tibetische) Natobasen hier und da, wären für unsere Globalstrategen möglicherweise interessant.
Bis dahin kann man die chinesische Regierung ein wenig vorführen und den “Menschenrechtsaktivisten” herauskehren. Ein wenig PR, die die Verfehlungen im Irak oder Afghanistan bemänteln kann, wenn die Medien entsprechend mitziehen.
Vorsicht Jens, vor Zitaten aus Urteilen, wo der Rest und damit der Zusammenhang fehlt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Goldner
In der Berufung zu deinem Urteil zwischen der U&W (der Lama Zeitschrift für Österreich) und Goldner betonte selbst der Geschäftsführer Riedl von U&W in der Berufungserklärung:
Riedl als Geschäftsführer von Ursache&Wirkung kündigte über seine Anwälte Berufung an. Begründet wurde das Berufungsbegehren vom 5.7.2001 u.a. damit, daß die inkriminierten Äußerungen Riedls nichts anderes als ein “Werturteil” mit “zulässigem Meinungscharakter” darstellten. Es sei daraus keineswegs abzuleiten, daß Autor Goldner “neonazistische Gesinnung oder aber Nähe zum Nationalsozialismus unterstellt” werde. Solches sei auch nicht getan worden. Vielmehr habe Rezensent Riedl für seine Kritik an Goldner nur einen “Vergleich” gewählt. In der Berufungserklärung heißt es insofern, Riedl habe lediglich “vermeint, das Ausmaß der subjektiven Einseitigkeit des Antragstellers wäre mit dem Ausmaß der subjektiven Einseitigkeit eines Neonazis vergleichbar. (…) Rechtsradikales Gedankengut wird dem Antragsteller (=Autor Goldner) hierdurch nicht unterstellt”.
U&W hat also rein formal und nicht inhaltlich argumentiert, nur das österreichische OLG hat 2002 gleich einen vergleichbaren Nazi, einen vergleichbaren Antisemiten usw. aus Goldner gemacht, wobei die besseren Kontakte wohl das Lama zu Onkel Adolf und seinen Ariern hatte.
In Zeiten des Krieges ist halt alles möglich (2002!).
Ich schaue heute mal, ob ich die Urteile im Volltext finde.
Konfusius schrieb: “das labile Gleichgewicht der Kräfte” – sollte es nicht zutreffender “das stabile Ungleichgewicht” heissen ?
Das der Tibetkonflikt, trotz seiner moralischen Grundlage, ein Politikum ist war klar.
Eigentlich hatte ich mich gefreut das diese “lächelnden Hippies” endlich von Ihren Jammervorträgen und Fuzo-Ständen wegkommen und sich endlich der PR-Schlacht stellen. (Und das strategisch mit den Spielen gar nicht so schlecht.)
Das es leider gar nicht die “lächelnden Hippies” selber sind, sondern die BurstonMarstellers dieser Welt sogar mich paranoid-kritischen Hund hinters Licht führten ist eine Leistung, und tut ein bisschen weh.
Die gleichen lachenden Hippies, die jetzt gegen China mit dem NED für Tibet ziehen, haben auch schon Belgrad mit rot-grünen Natobombern bombardieren, öhmm..befrieden lassen.
Hätte Onkel Addi seinen Eroberungswelt- und Rohstoffkrieg nur mit einer Menschenrechtsflagge umgarnt: alles wäre gut gewesen, besser gewesen, so gut, wie wir es jetzt live on TV erleben dürfen. Wer immer noch an NGOs mit NED ohne Nachrichtendienste glaubt, hat wirklich alles verloren.
Der Dalei Lama wird den neuen Rugova des Tibet spielen, während neben ihm die tibetische UCK marschieren wird.
Die aktuelle Entwicklung der Proteste gegen China führt dazu, dass die Unterstützung der Chinesen für ihre Regierung eher zunimmt. Eine Regierung, die eine internationale Großveranstaltung ins Land holen konnte und die vielen westlichen Unkenrufen zum Trotz, die Olympiabauten rechtzeitig fertig stellen kann, macht die Mehrheit der Bevölkerung stolz auf ihr Land und ihre Regierung. Die derzeitigen Proteste gegen China lassen sich im Land selbst problemlos als Neid und Missgunst des Westens deuten.
Darüber hinaus wird China in der Zukunft auch leichter gegen westliche Interessen vorgehen können. Ein erster Schritt wurde mit den aktuellen Einschränkungen bei der Visa-Vergabe gemacht. Weitere Nadelstiche sind zu erwarten.
@15 name
Nun ja, erstens werden die allermeisten NGOs nichts mit dem NED oder Nachrichtendiensten zu tun haben, zweitens diskreditiert dies die NGOs auch nicht. Wenn die Tibetaktivisten für “ihre gemeinsame Sache” Unterstützung und Geld annehmen, so ist dies ihr gutes Recht.
Ich kritisiere im Artikel ja auch nicht die NGOs, sondern die Politik, die scheinheilig so tut, als habe sie mit den Vorkommnissen nichts zu tun.
@8 spiegelfechter:
Ironihilismus
@spiegelfechter
fast alle “NGO”s, gerade die, die medial so aktiv und bekannt sind, von denen es überall Bilder gibt, hängen am Tropf von Soros, den Parteienestiftungen oder dem NED. Alles andere ist unwahr.
NGO NO NED sind mehr als selten (mir fällt nur ein Medico oder Umfeld der Ceiberweiber jetzt auf Anhieb ein, dazu die mutige Afgahnin und deren Frauenprojekt http://www.rawa.org/ ):
ob Ukraine, Serbien, Venecuela überall marschieren die gleichen Verrückten mit Staatsgeldern für die neoliberalen Interessen der ersten Welt und beschwören damit Progome, und einen Krieg, von dem Sie am Ende nichts gewusst haben wollen. Das solltest Du dir auch mal ganz in Ruhe überlegen, welche Richtung das nimmt.
Mehr als Verachtung für solche “Aktivsten” bleibt da für mich nicht: Faldbakken hat das schon richtig geschrieben und jeder, der nicht naiv durch die Welt läuft, konnte diese Entwicklung, diese strategische Politik des Westens schon zu dem Zeitpunkt erahnen, als China Olympia zugesprochen wurde. Alles nichts neues.
@name
Ich glaube mit dem Tipp, könntest Du Finanzberater für NGOs werden – die würden Dir die Bude einrennen ;-)
Den Rest kommentiere ich lieber nicht
@spiegelfechter
Du hast komischerweise sogar zugestimmt: diejenigen NGO, die nicht am Steuergeldtropf oder über verschiedene Fördergeldtöpfe aus der EU, dem NED, oder dem Sorosumfeld hängen, die gibt es nämlich gar nicht. Das ist die Wahrheit. ;)
Die ganzen “wichtigen Aktivisten” finanzieren sich genau aus diesen Umfelder.
Kommentiere mal den den Rest doch ruhig, oder fällt dir die Geisteshaltung zwischen den neoliberalen Trotzkisten um Cheney & CO und deiner eigenen Zustimmung (es ist Ihr Recht) nicht auf und ist dir diese zu gefährlich?
@name
Tatsächlich? Wäre mir neu
Aber wenn, dann mit TM!
Whatever – glaub´Du, was Du glaubst, ich glaub´s nicht ;-)
@spiegelfechter
belassen wir es lieber dabei, sonst müsste ich auf das die Sache mit dem Glauben und Nichtglauben und dem Wissen und Nichtwissen, noch die richtig deutende Antwort geben ;)
http://de.rian.ru/safety/20080409/104184541.html
@3 Schwitzig
Frisch aus der Presse ein Artikel, der Dir vielleicht diese Frage beantwortet ;-)
hier die seite eines autorenpaars, frei von verdächtigungen, rechts zu sein, die sich mit den dunklen seiten des dalai lama befasst http://www.trimondi.de/
@Shitop
Die Bevölkerung wird davon gar nichts erfahren.
@uwe
Ein netter Link – aber ohne Bewandnis. Texte die Zitate und Aussagen enthalten aber weder Textmarken noch Quellen. Von einem Kommentar braucht man das nicht zu erwarten aber an Seiten die eine Meinungbildung bewirken sollen schon.
Daher denke ich dieser Link ist Murks.
Wie kommst du eigentlich auf die Idee das dieser Link frei von Verdächtigungen rechts zu sein ist? Ich hab durchaus rechtes Gedankengut dort vorgefunden, nichts Antisemitisches aber rechtes Gedankengut beschränkt sich halt nicht auf dumpfen Judenhass.
@Spiegelfechter
Ein toller Beitrag – ich lese inzwischen deine Artikel regelmäßig.
@27 Klaus
Es gibt inzwischen eine beachtliche Zahl Auslandschinesen, die sehr wohl Zugang zu den Informationen über den Fackellauf haben. In der Vergangenheit in erster Linie auf wirtschaftlichen Erfolg orientiert, fühlen sich viele inzwischen durch die Angriffe in ihrem Nationalstolz verletzt.
Die Proteste forcieren somit eher ein Zusammenrücken hinter der Regierung, als eine Kritik der Regierung. Verlieren werden dabei wohl in erster Linie die Tibeter und der “Westen”.
@name: Was ist z.B. mit dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung? Ich habe bis jetzt dort noch nichts von Steuerfördertopf und NED Föderung mitbekommen. Aber ein NGO ists auf alle Fälle. (nochmal für alle: NGO = Non government organisation)
@Zerschlagungstheorie Chinas:
Falls das wirklich über einen Master-Plan von USA und Co. geplant ist, denke ich nicht, dass man nachher irgendwelche besondere Kontrolle über Tibet ausüben möchte. Das eigentliche Ziel ist, für entsprechende Spannungen zu sorgen, dass China sich selbst zerstört (also ähnlich zu Russland), denn China ist schon viel zu mächtig (wirtschaftlich – deswegen macht man keinen Wirtschaftsboykott, weil das uns auch kaputt machen würde). Dafür eignet sich Tibet gut, da wegen Kultur und Dalai-Lama medienwirksam.
So wie ich mir das vorstelle (wenn das wirklich durchgeplant ist), wird es während der Olympischen Spiele große Proteste geben, die sich dann auf die chinesische Bevölkerung ausbreiten sollen in der Hoffnung, dass das alles eskaliert. Reicht dann die Kontrolle der Regierung nicht aus werden Gebiete wie Tibet ihre Autonomie erklären. Die Wirren wird man nutzen um strategisch Firmen in China zu gründen, bzw. solche zu kaufen um dann die Macht zu bekommen.
Das neue “China” wird dann kein deut besser sein, nur dass sich die Eigentümer geändert haben.
Falls das wirklich so kommen sollte und man was gutes für China möchte, sollte man meiner Meinung nach überlegen, wie man in China nachhaltig Meinungsfreiheit ermöglicht.
PS: falls das wirklich geplant ist, dann muss noch was kommen, sonst wirds nix. Alles andere ist Verschwörungstheorie. Also abwarten und die Show genießen (und natürlich dafür sorgen, dass wir hier in Deutschland nicht wie China in Zensur ertrinken)!
Also, das mit den Protesten gegen China find’ ich durchaus okay, und das ist jetzt die Gelegenheit! Wenn nicht jetzt, wann dann? Aber bitte ehrlich – der Aufhänger “Free Tibet” iss unehrlich und unseriös!
Das Tibet-Vehikel haben wir doch nun schon genügend durch die Gegend gefahren, das sollte nun endlich in der Garage bleiben! Ich zitiere hier ‘mal bei Jörg Friedrich:
Natürlich hinkt das ‘n bisschen, trotzdem lohnt es, nach zu denken: Lasst uns Tibet Tibet sein (gehört seit mehr als gut 400 Jahren …) – Kultur hin Mönchsdiktatur her!
Lasst uns die Gelegenheit aber nutzen: Nicht gegen … sondern für: ein freieres China, mehr Meinungsfreiheit dort, die Freisetzung von Inhaftierten Menschenrechtlern, für mehr Umweltschutz, für weniger Raubbau an den Resourcen, mehr Schutz der Wanderarbeiter, mehr Demokratie peu à peu …
Beste Grüße
Vogel
@30 wobble
Dass es im Westen Kräfte gibt, die VR China gerne destabilisieren würden, halte ich inzwischen für durchaus wahrscheinlich. Dass dahinter so etwas wie ein Plan steckt, kann ich seit den Abenteuern in Afghanistan und Irak nicht glauben.
Die Chance, dass sich die chinesische Bevölkerung von ausländischen Protestierern (Langnasen/Barbaren) gegen ihre Regierung aufstacheln lassen, ist viel geringer, als das Risiko, dass westliche Provokateure die Härte des chinesischen Machtapparates zu spüren bekommen.
Wer zur Olympiade einreist, muss damit rechnen, dass er kontinuierlich begleitet wird. Die aktuellen Einschränkungen bei der Visa-Vergabe (multiple entry wird nicht mehr erteilt) lassen erwarten, dass dadurch Überwachungspotential frei gemacht werden soll.
Wer als Langnase glaubt, dass sein Aufenthalt in China nicht bestens dokumentiert wird, hat das Land nicht einmal näherungsweise verstanden.
@ wobble
“Falls das wirklich über einen Master-Plan von USA und Co. geplant ist, denke ich nicht, dass man nachher irgendwelche besondere Kontrolle über Tibet ausüben möchte. Das eigentliche Ziel ist, für entsprechende Spannungen zu sorgen, dass China sich selbst zerstört (also ähnlich zu Russland), denn China ist schon viel zu mächtig (wirtschaftlich – deswegen macht man keinen Wirtschaftsboykott, weil das uns auch kaputt machen würde). Dafür eignet sich Tibet gut, da wegen Kultur und Dalai-Lama medienwirksam.”
ich glaube nicht das es hierbei um die zerschlagung oder übernahme chinas von westlicher seite geht. weder kurz- noch langfristig, eher um die möglichkeit einfluss auszuüben und einen strategisch wichtigen standort zu haben. tibet liegt zentral zwischen (bzw. in) china, indien und russland.
im übrigen zielt der ganze medienhype m.e. auch nicht auf die diskreditierung chinas, sondern auf vertuschung und ablenkung wichtigerer ereignisse ab.
und welche wichtigen ereignisse wären da?
der nato-gipfel und das neue strategiepapier. themen die eigentlich für einen aufschrei sorgen müssten bzw. für revolution im stile des franzosen, würden sie nicht von den medien totgeschwiegen.
In China hat, trotz aller Widersprüche, immer noch eine Kommunistische Partei die politische Macht über 1.3 Milliarden Menschen inne. Das hat niemand in den westlichen Eliten vergessen.
Die junge Welt bringt es heute auf den Punkt, wer und was und warum es geht.
http://www.jungewelt.de/2008/04-10/065.php
http://www.jungewelt.de/2008/04-10/019.php
Tibet gehörte zu China als Karl der Grosse über Europa herrschte.
Der Absolutismus wurde 1789 in Europa beseitigt und 1949 in China.
Der tibetische Gottesstaat hat keine Zukunft.
Mal hypothetisch unterstellt, die chinesische Regierung würde die Autonomiebestrebungen der Tibeter so freundlich aufnehmen, wie es sich SPON und Konsorten wünschen. Man setzt sich also mit dem Dalai Lama an einen Tisch und bespricht den künftigen Grenzverlauf, klärt ab, was mit der Infrastruktur geschehen soll, die in den letzten Jahren aufgebaut wurde und ob die Han-Chinesen Tibet verlassen sollen…
Wird sich der Dalai Lama dann demokratisch wählen lassen – oder wird – wie bisher – sein Nachfolger durch eine Findungskommission “aufgefunden”? Würde im “Free Tibet” dann wieder das Feudalsystem errichtet?
@name
Der erste jw-Artikel ist idT gut und informativ, aber der Text von Domenico Losurdo ist für jemanden der nichts mit dem Kommunismus am Hut hat echt starker Tobak. Ein Marxist verteidigt den totalitären Mix aus Planwirtschaft und Manchester-Kapitalismus gegen die “Neoliberalen”, die Linke und die Maoisten gleich mit. Ich wußte schon, warum ich schon zu Uni-Zeiten einen weiten Bogen um Basisgruppen aller Art gemacht habe ;-)
@Rudi
Vorausgesetzt, die Exil-Tibeter lügen in diesem Punkt nicht, hat der DL angekündigt sich komplett politisch zurückzuziehen. Auch momentan ist er (das übergehen die Medien im DL-Wahn immer gerne) eher so etwas, wie die alte Queen für England. Eine symbolische Figur – die politische Macht geht nicht von ihm aus, sondern von einer (idT gewählten) Exilregierung. Seine Aufgaben sind rein repräsentativ. Diese demokratischen Merkmale beziehen sich aber nur auf die Subalternen und nicht auf den DL selbst. Seine religiöse Rolle wird davon auch nicht berührt. Nach ihm, wird es den nächsten DL geben – und höchstwahrscheinlich auch einen chinesischen “Schatten-DL”.
Ich persönlich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Tibeter ihre politische Führung (nicht den DL!) demokratisch legitimieren würden. Ob dies jetzt diejenigen seien werden, die die Chinesen “Dalai-Lama Clique” nennen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Die “alten Männer” scheinen das Ohr nicht mehr an den Problemen der Jugend zu haben. So lange der DL lebt, wird er als theokratische Überfigur die Risse innerhalb der Tibeter überdecken können. Aber der gute Mann ist auch schon alt und auch die Menschen, denen irgendwelche wirren Anhänger, den Status von lebenden Götter zuschreiben, sterben irgendwann. Und dann wird (so meine Einschätzung) auch der Pax tibetum zu Ende sein und dann wird es knallen. Und die niedlichen Free-Tibet Aktivisten werden (wie üblich) wieder mal gar nicht verstehen, um was es geht ;-)
@ 34 name
du kannst mir erzählen was du willst, mit kommunismus hat china gar nichts zu tun. höchstens wenn man die kunst des zwiedenkens beherrscht…
dem ersten artikel kann ich im großen und ganzen nur zustimmen. möchte nur mal erwähnen, dass deutschland und die westliche welt im allgemeinen gerne agents provocateurs einsetzt, um die eigene sache voran zu bringen. die unruhen in tibet müssen also nicht einmal von jungen, verzweifelten tibetern ausgelöst worden sein.
in dem 2. artikel gibt es eine interessante bildunterschrift, welche am ende des textes nochmal aufgegriffen wird:
“Eine politisch »herrschende« Klasse lebt »in ihrer Gesamtheit« »unter Verhältnissen, die schlechter sind als die bestimmter Elemente und Schichten der beherrschten und unterworfenen Klasse«. ”
diese aussage lässt sich auf (fast) jeden staat dieser welt anwenden, egal ob schein-kommunistisch oder schein-demokratisch. in unserem falle wäre die herrschende klasse das volk (demos = volk, kratia = herrschaft, aber wem sage ich das). beherrscht werden die vertreter bzw. “diener” des volkes. das die verhältnisse des durschnitts-michels schlechter als die von frau merkel sind wagt wohl niemand zu bezweifeln.
wie bereits gesagt, im großen und ganzen stimme ich dir zu, muss aber nocheinmal darauf hinweisen, dass die mediale präsens des themas wohl eher auf themen wie nato-gipfel und dergleichen basiert. aussagen wie:
“Da Abschreckung mitunter wirkungslos bleiben könnte, bleibt die Fähigkeit, diese Abschreckung durch eine Eskalation jederzeit wieder herzustellen, ein weiteres Element präventiver Strategien. … ”
“Nuklearwaffen sind das zuletzt anzuwendende Instrument einer asymmetrischen Antwort – und zugleich das letzte Mittel der Eskalation.”
würden (vorrausgesetzt man schenkt ihnen dieselbe mediale aufmerksamkeit wie z.b. dem fackellauf) eine viel größere empörung und proteste in der ohnmächtigen bevölkerung hervorrufen. der tibet – peking konflikt ist m.e. in erster linie opium für das volk.
desweiteren ist ein boykott der olympischen spiele ohnehin vollkommen absurd, solange man diesen nicht auch wegen der menschenrechtsverletzungen seitens der usa, israel und anderen staaten in betracht ziehen würde.
stell dir vor du wärst palästinenser und müsstest mitbekommen, dass die westliche welt aufgrund solcher lapalien so nen fass aufmacht. wenn du deinen glauben an gerechtigkeit nicht ohnehin vor jahrzehnten verloren hättest, wäre jetzt (mal wieder) der richtige zeitpunkt.
und unser medien/politik gespann schafft es tatsächlich, jede kritik in richtung israelische regierung als anti-semitismus zu diffamieren, während einem im selben atemzug vorgeworfen wird, man wär ein kommunistischer china verehrer oder so…
praktisch ein bolschewistisches faschistenschwein, auch nicht schlecht.
bevor ich mich hier in etwas reinsteigere -
grüße,
ehle
Ich bin 56 und reise seit 20 Jahren mehrmals jährlich nach Fernost, Schwerpunkt China.
Ich kann stichwortartig berichten:
Die Chinesen lieben Ihre Kinder wie wir, arbeiten mehr, maulen weniger, sind stolz auf eigene Leistungen und dabei, deren Ertrag in die Verbesserung Ihres Landes zu investieren einschliesslich der Erweiterung Ihrer Freiheiten mit Vorbild Taiwan und Singapur. Ihre aktuellen Menschenrechtsdefizite kennen Sie selbst ganz genau und sind fast gelangweilt , sich das vom Westen “erklären” zu lassen.
Wo sie eine kleine fleissige und meist erfolgreiche Minderheit sind wie in Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippines etc. machen Sie keinen Ärger, sind geachtet aber ungeliebt. Die Brandschatzungen chinesischer Läden in Indonesien deuten auf einen Neid der Faulen wie in Tibet – vor allem der Mönche, die unter dem Lamaismus eine grausame Leibeigenschaft von 95% Tibetern für sich ausgenutzt haben. Für 95% der Chinesen ist der Mönch das Gegenteil, was ihn und sein Land weiterbringt: religiös-doktrinär, lebt ohne Arbeit, kein Kulturträger (es sei denn; man hält die Unterdrückungskultur des Lamaismus für etwas Gutes oder glaubt, von deren Gebeten bekommt der Tibeter Essen und eine Ausbildung, als einzige Chance, sich in der realen Welt einen guten Platz zu erkämpfen).
@ Klaus52
Ihre Fundamentalkritik am tibetischen Religionssystem wird kaum ein Tibeter teilen.
Dass in einer entwickelten Gesellschaft nicht alle Mitglieder mit dem eigenen Nahrungserwerb beschäftigt sind ist kein Zeichen von Ungerechtigkeit, und trifft auf Deutschland genauso zu, oder hast du mal Bankkaufleute, Grafiker, Werbefuzzis, Journalisten, Buchautoren usw usw auf dem Feld ackern sehen?
Lamaismus eine grausame Form der Leibeigenschaft, und die Mönche ein faules, kulturloses Pack was sich durchfüttern lässt?
Die Proteste der Mönche eine Folge von Neid auf die fleissigen Chinesen?
Haben die Chinesen sie bei ihren häufigen Aufenthalten etwa indoktrinieren können? ;)
@36 Rudi:
Wird sich der Dalai Lama dann demokratisch wählen lassen – oder wird – wie bisher – sein Nachfolger durch eine Findungskommission “aufgefunden”? Würde im “Free Tibet” dann wieder das Feudalsystem errichtet?
Da Religiöse Führer “berufen” oder “gefunden”, jedoch niemals demokratisch gewählt werden, dürfte es eine Neuauflage des Feudalsystem werden.
Ist allerdings kein Grund für unfreundliche Artikel auf SPON & Co. Mit den Wahabiten geht man dort ziemlich rücksichtsvoll um (jedenfalls im Vergleich zu den hier lebenden Muslimen).
Und da man auf SPON einer marktradikalen Neuauflage des Feudalsystem das Wort redet, wäre eine solche nach tibetischer Art sicherlich höchst kompatibel mit der “Weltgemeinschaft” aka “westlichen Wertegemeinschaft”. Der Dalai Lama, “aufgefunden” in irgendeinem Dorf des tibetischen Hochlandes, wird zwar nicht überall als “primus inter pares” behandelt (ok, bei den Grünen schon ;-) ), aber für ein “inter pares” reicht seine “Auffindung” allemal. Muß nicht mal ein Land regieren, um von Merkel & Co. zu “politischen Gesprächen” empfangen zu werden. Sein Nachfolger dürfte nicht schlechter behandelt werden…sofern er die Hegemonie der “westlichen Wertegemeinschaft” nicht in Frage stellt.
Vielleicht möchte das Merkel diese höchst unerfreulich risikoreichen, demokratischen Wahlen durch eine Art “Auffindungsprozeß” ersetzen: nach Ende der Legislaturperiode “findet” sie ihre Ernennungsurkunde beispielsweise in einer Autobahntoilette “auf”. Die Urkunde muß sie nur noch dem Köhler vorlegen (der unterschreibt bekanntlich alles, was sich innerhalb seines ideologischen Horizonts befindet) und schon ist sie wieder Kanzlerin, diesmal auf Lebenszeit.
Dieser “Auffindungsprozeß” könnte mit ein bischen Gottesgnadentünche überzogen werden: “…und es trug sich zu daß die heilige Angie, Retterin der Welt in zahllosen Fällen, vertrieben aus dem Kanzleramt von den undankbaren Philistern, durch die dunkle Machtlosigkeit irrte, als sie im Autohof Fulda Nord das heilige Dokument TM fand und eine Stimme sprach: gehe hin und versammle zwölf Minister TM um dich. Und Angie tat, wie ihr geheißen…”. Die Echtheit des Dokuments TM könnte Pastor Kasner bezeugen. Der hat jede Menge Erfahrung mit “bezeugen” und “Dokumenten”… ;-)
@ bnny
ich würde klaus52 auch nicht in allem was er sagt zustimmen, allerdings war ich auch noch nie in china.
“Ihre Fundamentalkritik am tibetischen Religionssystem wird kaum ein Tibeter teilen.”
da stellt sich die frage ob z.b. die chinesische regieriung die tibetische kritik an der chinesischen regierung teilen würde. wohl eher nicht.
“Dass in einer entwickelten Gesellschaft nicht alle Mitglieder mit dem eigenen Nahrungserwerb beschäftigt sind ist kein Zeichen von Ungerechtigkeit, und trifft auf Deutschland genauso zu, oder hast du mal Bankkaufleute, Grafiker, Werbefuzzis, Journalisten, Buchautoren usw usw auf dem Feld ackern sehen?”
es geht hier nicht darum die nahrung selber herzustellen, sondern überhaupt dafür zu arbeiten.
“Lamaismus eine grausame Form der Leibeigenschaft, und die Mönche ein faules, kulturloses Pack was sich durchfüttern lässt?
Die Proteste der Mönche eine Folge von Neid auf die fleissigen Chinesen?”
das hat klaus52 so mit sicherheit nicht geschrieben.
@ ehle
Ok, es geht aus seinem Post nicht klar hervor, ob er nur die Meinung der Chinesen beschreibt oder ob er diese teilt.
“es geht hier nicht darum die nahrung selber herzustellen, sondern überhaupt dafür zu arbeiten”
Soweit mir bekannt ist führen tibetische Mönche ein asketisches Leben und lassen es sich alles andere als gutgehen.
Nun mögen in ihren Augen die Meditation, Gebete, Studien, Ausrichtung von religiösen Festen, Seelsorge, Bewahrung einer uralten Kultur, Weitergabe von Wissen, Identitätsstiftende Funktionen usw
sinnlos vertane Zeit und verzichtbar sein.
Aber dann fragen sie sich mal, welchen Nutzen z.B. ein deutscher Werbefachmann hat, ausser Geldströme von Firma A zu Firma B umzulenken?
Welchen Nutzen hat ein Filmemacher oder ein Musiker, ausser den Menschen ein paar schöne/erhellende Augenblicke zu schenken? Und ein Priester, ein Versicherungskaufmann und ein Profi-Fussballer?
Das Leben ist mehr als Nahrungserwerb, und obengenannte lassen sich übrigens nicht mit ein wenig Gerstenbrei und Yakbuttertee am Tag bezahlen.
@bnny 12:47
Ich habe die Meinung der Chinesen berichtet so wie ich die Pappenheimer kenne. Damit ich nicht als Chinesenliebender einsortiert werde: Mir sind die Thailänder erheblich lieber im persönlichen Kontakt. Ich kann mir auch mit dem Dalai Lama und Tibetern einen netten Nachmittag vorstellen. Beide sind aber unfähig, mit Ihrer Mentalität und Arbeitseinsatz ein Riesenland wie China zusammenzuhalten und den Menschen dort deratige wirtschaftliche Fortschritte zu ermöglichen. Ja, das Fressen kommt vor der Demokratie, wer es andersrum versucht mit der Brechstange wie die Amis in Vietnam und Irak ist 3000 Jahre unerfahrerener als die Chinesen. Die schuften erfolgreich für Ihre Kinder, die Ihr Land nach den Vorbildern Taiwan und Singapur weiterentwickeln werden.
Diese Vorbilder beweisen die Demokratiefähigkeit der Chinesen und widerlegen die angebliche Agressivität, Ihre Soldaten in andere Länder zu entsenden.
@ Klaus
Du kannst die Chinesen auch gerne liebhaben, ich wette der durschschnittliche Chinese ist genausoein netter Kerl wie durschschnittliche Deutsche, Ami, Tibeter, Israeli, Iraner etc. ;)
Ich habe hier nur die pauschale Verurteilung von Religion kritisiert, auch wenn ich dich dann wohl missverstanden habe.
@Klaus52
Wenn man das so ließt, könnte man glatt denken, die Chinesen seien die “besseren Deutschen” ;-)
Ich kann dieses Chinesenbild allerdings im Kern bestätigen (auch ich war häufig dort), allerdings schiebe ich dies auf die reaktionäre Gesellschaftsdoktrin und andere Normen zurück. IdT ist v.a. unter den westlich orientierten, gebildeten Chinesen eine Mutation hin zum faulen, mauligen Europäer festzustellen ;-)
Das verwundert mich auch wenig – in den Zeiten nach dem Krieg, während des Wirtschaftswunders waren die Deutschen auch “fleißiger” und weniger “maulig” – mit dem Wohlstand, der wohlverdienten Dekadenz und alternativen Ideen, die durch die 68er populär wurden, wurden wir zu dem was wir sind … und das ist gut so.
Ganz richtig – sie haben ein ähnliches Image, wie die Juden vor der Nazizeit. Sie bleiben unter sich, sind geschäftlich sehr erfolgreich, haben meist eine andere Religion und gelten als eine Art “Streber”. Dem europäischen Antisemitismus kann man mE den asiatischen Antisinoismus (kann man das so sagen?) recht gut gegenüberstellen.
Böööp! Neid der Faulen? Das trifft es ganz und gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass die chinesischen Minderheiten dort, nicht nur durch ihren Fleiß, sondern vor allem wegen ihres Startkapitals und ihrer Netzwerke so erfolgreich sind. Wenn überhaupt, ist es ein Neid der Benachteiligten, wie er ja auch im europäischen Antisemitismus von dern Hetzern instrumentalisiert wurde.
Ach komm, dass ist doch kalten Kaffee. Auch christliche Mönche haben früher von Leibeigenschaft, Feudalsystem etc. pp. profitiert und heute gliedern sie sich in die Gesellschaft ein, ohne das diese Dinge zurückkämen oder von ihnen gefordert würden.
Ich will nicht einmal ausschließen, dass die Mehrheit der Chinesen so denkt – aber von dieser “Proletenethik” werden sie auch wieder runterkommen. Btw.: Die Beschreibung würde auch sehr gut (bis auf das religiös) auf die millionenstarke chinesische Volksarmee zutreffen.
@ehle
Was die Forderung nach einem Boykott von Olympia wegen China betrifft, glaub man wirklich, man befindet sich einem Irrenhaus. Die da laut Fordernden sind Weltmeister im einsperren, deportieren, Mauern bauen, Wasser und andere Rohstoffe kriegerisch rauben, aber, sie haben wenigstens optisch weisse Hemden ;)
Ich verteidige China natürlich nicht bedingungslos: die Gegengebenheiten sie viel zu kompliziert
(organisiere doch einer mal das Zusammenleben von 1.3 Milliarden Menschen (!!) nix 80 Millionen oder ähnliche Größenordnungen, dass trotz aller Kritik und sozialen Probleme halbwegs friedlich abläuft) und widersprüchlich, aber es hat sich ja in China schon extem viel verändert (das muss man erstmal zugestehen) und selbst die Regierung, wie selbst FTD eingestehen muss, scheint wirklich bemüht, die Probleme zu benennen (!) und auch die sozialen unmenschlichsten Verwerfungen, die der kapitalistische Sprung vom Entwicklungsland in dieser kurzen Zeit mitgebracht hat, zu lösen.
http://www.ftd.de/politik/international/:China Umweltgewissen/265430.html
http://www.ftd.de/politik/international/:Chinas Wirtschaft/341199.html
Gruss
@all
Absoluter Lesebefehl: Der Bericht einer Chinesin in Deutschland über die seltsame Sichtweise unser Landsleute
The Brainwashed Germans and the Demonized China
Daraus u.a.:
After almost two weeks of bombardment by the German media, I was getting very emotionally distraught. On the evening of March 25, I heard that Spiegel was spreading more rumors in their new issue. So I bought a copy of Spiegel at noon to retain as evidence. When I came in to the office and put the magazine on my desk, K asked; “You bought Spiegel?”
I said: “Yes.”
She said: “Why did you buy it? Because the subject is Tibet?”
I said: “No.”
She said: “Because the essays are well-written?”
I said: “No.”
She asked: “Then why?”
I could no longer control myself as my hands were trembling: “Because I have never seen such a big lie.”
Weiter:
What was the point for the Germans to have brains when they are filled with this kind of nonsense
I am actually very, very tired. But I feel that I am actually getting something out of this. That is, I will never discuss Tibet or China with any German. Their brains have been baptised by a lifetime of western voices and are no longer capable of being receptive. Please do not try to convince them or discuss the facts with them, because you are going to die from frustration.
Hallo Jens,
Dein Link “The Brainwashed Germans and the Demonized China” zeigt auf diesen Artikel “http://www.spiegelfechter.com/wordpress/328/olympiaproteste-sponsored-by-germany”.
Ich denke mal. so war das nicht gemeint.
Gruss, a^2
@a^2
Nee, das war natürlich nicht so gemeint, ich Dämel habe mal wieder ein Zeichen im HTML-Tag vergessen ;-)
Nun geht´s
The Brainwashed Germans and the Demonized China
@ 47. SF:
vor allem der Mönche, die unter dem Lamaismus eine grausame Leibeigenschaft von 95% Tibetern für sich ausgenutzt haben.
Ach komm, dass ist doch kalten Kaffee. Auch christliche Mönche haben früher von Leibeigenschaft, Feudalsystem etc. pp. profitiert und heute gliedern sie sich in die Gesellschaft ein, ohne das diese Dinge zurückkämen oder von ihnen gefordert würden.
Also kalter Kaffee ist das mitnichten, zumal der Vergleich diesbezüglich schon ein wenig hinkt. Die christlichen Mönche haben ihre Privilegien keineswegs freiwillig aufgegeben, weil sie bspw. ihre Lehre weiterentwickelt hätten. Dazu waren Jahrhunderte des Blutvergießens nötig, ohne daß die katholische Kirche existentiell an Einfluß auf die weltliche Macht verloren hätte. Die kath. Kirche ist dazu gezwungen, geschmeidiger vorzugehen, weil sich die Menschen mehrheitlich anderen Inhalten zugewendet haben, doch die “heilige Inquisition” existiert nachwievor, selbst wenn sie zur Zeit keine “peinlichen Befragungen” durchführt.
Maos sog. “Kulturrevolution” ist keineswegs Jahrhunderte her und hat – nebenbei bemerkt, weil manche Tibetfreunde es ganz gerne vergessen (damit meine ich natürlich nicht dich) – ganz China in Mitleidenschaft gezogen, nicht nur das tibetische Hochland. Dabei sind unersetzliche und keineswegs ausschließlich tibetische Kulturgüter vernichtet worden. Das feudalistische System mag nominell zwar beseitigt worden sein, doch die ehemals dafür verantwortlichen Strukturen existieren nachwievor und die Erinnerungen daran dürften noch längst nicht zu Folklore verblasst sein.
Die tibetischen Mönche wollen – wie der Artikel in der Asia-Times beschreibt, den du selbst verlinkt hast – keineswegs demokratische Zustände herbeiführen oder gar eine parlamentarische Demokratie einführen, sondern ihren Heiligen Dalai Lama in aller Öffentlichkeit anbeten dürfen. Derartige Heiligenverehrung am “lebenden Objekt”, würde ich nicht gerade fortschrittlich nennen, auch wenn sie selbstredend das Recht dazu haben, sich für ein solches Leben zu entscheiden.
Nun sind allerdings nicht sämtliche Tibeter Mönche. Was geschieht mit den Tibetern, die sich einer Neuauflage der Lamaherrschaft nicht unterworfen sehen möchten? Nicht nur im christlichen Europa ist man gewaltsam gegen “Ketzer” und “Häretiker” vorgegangen.
Die Bevölkerungsmehrheit ist mittlerweile nicht mal tibetischer Abstammung. Diesen Zustand bezeichnen einige Exilgruppen als “kulturellen Völkermord am tibetischen Volk” und würden möglicherweise gerne Verhältnisse herbeiführen, die den eingewanderten Chinesen nur die Wahl zwischen Assimilation oder Auswanderung läßt.
Die Pogrome könnten darin eine ihrer Ursachen gehabt haben. Zornige junge Männer findest du bekanntlich in jeder Ecke der Welt. Mich erinnern diese Forderungen nachwievor eher an das “Überfremdungs”geschwätz der NPD oder an die Pogrome hierzulande gegen Asylbewerber Anfang der Neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und weniger an ein Programm demokratisch gesinnter Parteien, die eine Diktatur beseitigen wollen.
Wie der Dalai Lama sich das Regierungssystem vorstellt, mit dem er ein möglicherweise unabhängiges Tibet regieren will, ist bezeichnenderweise schwer in Erfahrung zu bringen. Die Floskel von einer “Zone der Gewaltlosigkeit” könnte man dahingehend interpretieren, daß wenn die Gewalt angeblich ausschließlich vom chinesischen Sicherheitsapparat ausgeht, dieser auf seine Funktionsausübung verzichten soll oder gleich zu verschwinden habe. De facto würde dies für die chinesische Regierung die Aufgabe der Hoheitsrechte im betreffenden Gebiet bedeuten und einen rechtsfreien Raum hinterlassen, den dann die Mönche füllen könnten.
Du darfst nicht vergessen: die Mönche sind bestens organisiert. Der (weltweite) Protest ist exakt abgestimmt. Sowas schüttelt man nicht mal eben so aus der hohlen Hand, wie du sicherlich aus deiner politischen Tätigkeit weißt. Zieht China sich verwaltungstechnisch aus Tibet zurück, übernehmen die Mönche den Laden. Die gewöhnlichen Tibeter sind mit dem täglichen Leben beschäftigt und verfügen weder über die Zeit, noch über die Organisationsstruktur, ihr Land zu verwalten. Die Mönche dagegen schon. Die werden nichts anderes dulden, als ein autokratisches Regime ihres höchsten Heiligen. Da sich schon in der Vergangenheit gezeigt hat, daß dieses Regime höchst feudale Blüten treibt, liegt die Vermutung nahe, daß es wieder so werden würde. Nur weil der Dalai ein modernes Brillengestell trägt, bedeutet das nicht, daß seine Anhänger ebenso modern daherkommen oder ihn nicht als unantastbaren Heiligen verehren würden.
Kritik am Dalai Lama ist für die Mönche daher keineswegs ein Form des gesellschaftlichen Diskurses, sondern ein Sakrileg, das entsprechend “bestraft gehört”. Ich bezweifle stark, daß es die Mönche akzeptieren, wenn eine weltliche Regierung in Tibet die Politik bestimmen würde. Wer glaubt, daß ein einzelner Mensch so eine Art Gottheit ist, wird wenig Bereitschaft zeigen, sich Anweisungen weniger heiliger Personen zu fügen. Erst recht, wenn es um Entscheidungen geht, die den Wünschen der Gottheit diametral entgegengesetzt sind.
Momentan ist der Dalai Lama ein Herrscher ohne Land. Wie er sich verhielte, säße er in seinem Palast in Lhasa, wissen wir (und er selbst wohl auch) nicht. Macht korrumpiert selbst die Weisen. Wenn du täglich angebetet wirst, bleibt das nicht ohne Folgen. Der Dalai Lama wird bekanntlich nicht gewählt.
Wie du darauf kommst, daß das feudale System kalter Kaffee sei, weil es hierzulande mal beseitigt worden ist (während es nun in neuem, marktradikalen Gewand durch die Hintertür wieder hereinkommt), müßtest du mal näher erläutern. :-)
Noch ein Hinweis für die Freunde des Buddhismus: Kambodscha war ein buddhistisch regiertes Land, bis es von außen in den Vietnamkrieg verwickelt wurde. Die buddhistisch geprägte Gesellschaftsstruktur hat die Roten Khmer nicht verhindern können. Deren Ideologie mag in ihren Grundzügen von außerhalb herrühren, doch Pol Pot & Konsorten waren Kambodschaner und haben die Ideologie ihren Vorstellungen entsprechend angepasst. Die “Killing Fields” belegen, daß selbst eine buddhistisch geprägte Erziehung keineswegs gegen mörderische Wahnvorstellungen immunisiert.
Übrigens haben sich viele Samurai begeistert mit buddhistischen Schriften befasst, ohne daß dies einen mäßigenden Einfluß auf deren Tätigkeit ausgeübt oder gar den jahrhundertewährenden japanischen Bürgerkrieg verhindert hätte.
Wer also meint, die (verschiedenen) buddhistische(n) Lehre(n) führten quasi automatisch zu völliger Friedfertigkeit gegenüber Mensch oder Tier; deshalb seien die buddhistischen Mönche in Tibet im Speziellen, bzw. die Tibeter im Allgemeinen, zu keiner Gewalttat fähig, sollte darüber noch einmal nachdenken, respektive sich mit der Historie auseinandersetzen.
Jetzt gibt es nach einiger Zeit auch mal wieder einen differenzierten Artikel über Tibet. Sowas habe ich seit langem nicht mehr gesehen auch wenn die Kommentare etwas seltsam sind…
naja man kann nicht alles haben
http://www.stern.de/politik/ausland/:Tibet-Konflikt-Der-Dalai-Lama-Unschuldsengel/616803.html
@52 Fiend
Nee, sicher nicht – das wollte ich auch nicht ausdrücken.
So blutig war der Befreiungskampf von der kath. Kirche mW aber nicht – es war eher ein schleichender Prozess, dem Bismarcks Kulturkampf letztendlich einen Höhepunkt setzte.
Ja ja – sicher. Da mußte ich gestern einen Tibet-Freund im ZEIT-Forum drüber belehren, der immer “Völkermord! Völkermord!” skandiert hat ;-)
Richtig – das wollen die Mönche! Aber die Exiltibeter sind mehr als nur die Mönche.
Um Himmels Willen – da käme ich nie drauf.
Deine Bedenken kann ich 100% nachvollziehen, aber ich würde das ganze eher mit dem brit. Adel vergleichen, der auch pro forma die Oberste Macht in GB hat, aber dennoch nichts zu sagen hat … und irgendwie auch dekadent inszestuös ist ;-)
Na aber sicher – von mir wirst Du keinen Beifall für solche Aktionen hören.
Das mag alles sein – ich bin ja auch nicht(!) für eine tibetische Unabhängigkeit, wie Du weißt.
Ganz einfach – ich gehe halt von einer erweiterten Autonomie für Tibet aus und kann mir beileibe nicht vorstellen, dass die “kommunistische” (zumindest der Form nach) VR China ein feudales System gutheißen würde.
@53 Glawen
Yep – der Artikel ist gut.
Gefallen hat mir auch Blumes neuster Artikel in der ZEIT.
Ja gefiel mir auch gut und Georg Blume wie auch Kirstin Kupfer hatte ja auch schon recht differenziert über das ganze berichtet als sie als eine der letzten “westlichen” Journalisten Tibet verlassen mussten.
Wir werden sehen wie es weiter geht. Hat der Hamburger Senat jetzt eigentlich absolute Solidarität mit Tibet erklärt? Also ich muss schon sagen, natürlich kann ich mich mit Teilen solidarisieren doch mit Menschen, die Gewalt gegen Unschuldige ausüben werde ich das niemals können.
Nur mal so nebenbei, sind eigentlich schonmal jemandem die Ähnlichkeiten zwischen Nordirland und Tibet aufgefallen? Ich möchte ja nicht vergleichen aber seit Jahrhunderten besetzt, zwangszuzug von Engländern, Unterdrückung der Religion…. Gut zur jetzigen Zeit ergibt dieser Vergleich natürlich wenig Überschneidungen doch geschichtlich sind durchaus Gemeinsamkeiten zu finden. Hat sich eigentlich mal jemand mit der IRA solidarisiert?
Glawen
@Jens
Dein link aus #49 spiegelt sehr schön das Geschehen hier wieder: Alles was nicht ins Bild passt wird frei nach Palmstroem (dass nicht sein kann was nicht sein darf) ausgeblendet. Viele lesen nicht, denken nicht, informieren sich nicht … aber leiden halt an Mitteilungsdiarrhoe!
Gegen Ignoranz und Vorurteile kämpfen selbst Götter vergebens!
Beste Grüße
Vogel
@ 54. SF:
So blutig war der Befreiungskampf von der kath. Kirche mW aber nicht – es war eher ein schleichender Prozess, dem Bismarcks Kulturkampf letztendlich einen Höhepunkt setzte.
Die beste Antwort ist eine Jahreszahl: 1618. Der dreißigjährige Krieg war ein Religionskrieg, selbst wenn handfeste weltliche Interessen ebenfalls eine gewisse Rolle spielten. Ähnliche Verheerungen hat in D nur der zweite Weltkrieg verursacht.
Ja ja – sicher. Da mußte ich gestern einen Tibet-Freund im ZEIT-Forum drüber belehren, der immer “Völkermord! Völkermord!” skandiert hat ;-)
Klingt verdächtig nach dem delierenden Luis… ;-)
Deine Bedenken kann ich 100% nachvollziehen, aber ich würde das ganze eher mit dem brit. Adel vergleichen, der auch pro forma die Oberste Macht in GB hat, aber dennoch nichts zu sagen hat … und irgendwie auch dekadent inszestuös ist ;-)
Die werden von den Tories allerdings nicht als Gottheiten verehrt. Und Charles ist ein recht moderner Mann, der sogar Harry als leiblichen Sohn anerkannt hat, obwohl er nicht die geringste äußerliche Ähnlichkeit mit ihm hat, sondern verdächtig einem gewissen Liebhaber der verblichenen Diana ähnelt. ;-)
Das dürfte ihm nicht leicht gefallen sein, selbst wenn Harry in absehbarer Zeit kaum für die Thronfolge in Frage kommt, weil William Charles nicht nur ähnlich sieht, sondern auch, als Erstgeborener, die Nummer 2 für den britischen Thron, nach seinem Vater, ist.
Warum ich dir das erzähle? Weil es deutlich macht, daß die “Royals” zwar an das überlebte monarchistische Regierungssystem erinnern, jedoch erstens die Thronfolge mittels halbwegs nachvollziehbarer (und vor allem nachprüfbarer) Kriterien geregelt ist. Zweitens liegt die politische Macht ausschließlich in Händen des Parlaments. Die Royals dürfen ihre Meinung kundtun und repräsentieren, das wars auch schon.
Der Dalai Lama dagegen ist ein völlig anderes Kaliber. Seine Nachfolge liegt nicht in den Händen einer familiären Dynastie, sondern ein Grüppchen Mönche zieht – manchmal monatelang – durchs Land und prüft mögliche Kandidaten, deren Körper der Seele des Verstorbenen Lamas eine neue Heimstatt bietet. Welche Kriterien darüber entscheiden, ob ein Kandidat echt ist oder nicht, wird meines Wissens geheimgehalten. Nichtsdestotrotz ist die Aussage: “in diesem Kind wohnt die Seele des verstorbenen Dalai Lama” schwerlich nachzuweisen.
Daher ist der Begriff “Nachfolge” schon unscharf, denn tatsächlich glauben die Mönche ernsthaft daran, daß zwar die körperliche Hülle des Dalai Lama sich ändert, doch seine Seele stets dieselbe bleibt. Der “Xte Dalai Lama” meint also eigentlich: die xte Inkarnation des Dalai Lama. Mit jeder neuen Inkarnation hat die Seele weiteres Wissen angesammelt, ist also noch weiser geworden. Die Bedeutung UND die Heiligkeit des Dalai Lamas nimmt also mit jeder Inkarnation zu.
Das kannst du nicht ernsthaft auf eine Stufe stellen mit den Royals, von denen selbst der Tory weiß, daß deren beste Zeiten vorbei sind und niemals wiederkehren werden. Die Macht der Königin beschränkt sich auf Anweisungen bezüglich ihrer Geburtstagsparade. Nicht einmal die eigene Familie hört mehr auf sie.
Wenn der Dalai Lama einen Mönch beiseite nimmt und ihm sagt: spring von dem Hochhaus da, wird der Mönch sich verbeugen und vom Hochhaus springen. Der Dalai Lama wird das aller Voraussicht nach nie verlangen, aber allein das sein Anhänger dazu bereit wäre, ist bezeichnend. Dazu gibt es noch eine Gruppe von höheren Würdenträgern, die eigene Interessen verfolgen, die zwar nicht über die spirituelle Macht des Dalai Lama verfügen, aber schon allein durch die Auswahl des Knaben und seine Erziehung, die in ihren Händen liegt, Macht und Einfluß besitzen. Die werden weiterhin dafür sorgen, daß der “richtige” Knabe “gefunden” wird und kaum ihre eigene Entmachtung betreiben.
Übrigens entzündeten sich in der Vergangenheit schon gewaltsame Konflikte, u.a. zwischen tibetischen Mönchen und chinesischer Regierung, gerade an der Frage, wer den Knaben suchen und auswählen darf. Bejing ließ beispielsweise einen eigenen Knaben auswählen und präsentierte ihn als Dalai Lama. Der Erfolg war bescheiden, denn natürlich sahen die Gläubigen in diesem Knaben eine Marionette der Chinesen. Nebenbei eigentlich interessant: die säkulare chinesische Regierung kommt den Tibetern soweit entgegen, das Spiel nach tibetischen Regeln zu spielen. Vernichtungsabsichten äußern sich eigentlich anders (nicht wahr Luis? Wo immer du auch stecken magst, solange es nur weit entfernt von diesem Ort ist ;-) )
Übrigens: nur Knaben können Dalai Lama werden! Stört unsere selbsternannten “FrauenrechtlerInnen” vom Kaliber einer C.Roth oder eines R. Koch bezeichnenderweise gar nicht, während sonst jeder kopftuchförmige Stofffetzen ein Menschheitsverbrechen darstellt, sofern er sich in muslimischem Besitz befindet. :)
Ernsthaft: ich fürchte, du unterschätzt die Macht der Mönche und überschätzt den Einfluß der Exiltibeter. Letztere werden aller Voraussicht nach ähnlich mißtrauisch beäugt werden, wie ihre Pendants in anderen Konflikten. Sie werden gegenüber denen, die im Land geblieben sind und unter Einsatz ihrer Gesundheit für die Sache gekämpft haben, stets unterlegen sein. Ihre Flucht hat sie in den Augen der Daheimgebliebenen diskreditiert, denn im Gegensatz zum Dalai Lama sind die Betreffenden nicht heilig. Umso weniger werden sich die Daheimgebliebenen von diesen Leuten vorschreiben lassen, wie ein unabhängiges Tibet zu regieren ist oder gar die Stellung des Dalai Lamas auf ein repräsentatives Amt a la “Royal Family” reduzieren lassen. No way, sag ich. :-)
Ganz einfach – ich gehe halt von einer erweiterten Autonomie für Tibet aus und kann mir beileibe nicht vorstellen, dass die “kommunistische” (zumindest der Form nach) VR China ein feudales System gutheißen würde.
Nun, es stellt sich wie schon angedeutet die Frage, ob die tibetische Seite etwas anderes als eine formelle Unabhängigkeit überhaupt akzeptieren würde. Eine erweiterte Autonomie besaß Tibet doch bereits. Gereicht hat das den betreffenden Kreisen nicht. Hier dient das Kosovo mal wieder als abschreckendes Beispiel: die Kosovaren besaßen ebenfalls eine weitgehende Autonomie, die jedoch stets nur als Vorstufe zu einer staatlichen Unabhängigkeit gesehen wurde.
China ist allerdings in der “glücklichen” Lage, über Nuklearwaffen zu verfügen und die US-Amerikaner im Koreakrieg bereits einmal geschlagen zu haben. Eine direkte militärische Intervention a la Jugoslawien muß Bejing daher nicht fürchten. Umso mehr jedoch eine Neuauflage des bewaffneten Widerstandes, den unsere Demokratieverbreiter nach afghanischem Vorbild unterstützen.
@Fiend
Selbst wenn man ihn als Religionskrieg werten würde, so war es ein Krieg zwischen zwei Glaubensrichtungen, aber kein Krieg gegen die Kirche. Ich sehe den Protestantismus nicht wirklich als Weiterentwicklung und die Reformation sogar als Rückschritt – dies ist meine persönliche Meinung, die man nicht teilen muß. Wäre Bush der Jüngere Katholik sähe die Welt wohl freundlicher aus ;-)
*g*
Wer weiß, was der noch so treibt.
Och jetzt komm´ mir nicht mit Boulevard – ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr beim Arzt oder Friseur ;-)
Richtig, aber es war ein langer Weg dorthin und auch wenn ich mit dem DL und seinen Anhängern keinesfalls sympathisiere, so spreche ich ihnen zumindest eine Entwicklungsmöglichkeit zu.
Folklore, die aber im Endeffekt aufs Gleiche herauskommt … außer, dass der kleine neue DL natürlich formbar ist. Aber das sind die kleinen Prinzen auch ;-)
Logisch – jeder Zauberer wäre arbeitslos, wenn er seine Tricks verraten würde. Die Welt des Übersinnlichen lebt von einem Mangel an Information.
Und schwerlich abzustreiten ;-)
Wow! Noch 5 Inkarnationen und er kann Kerners Talk-Show übernehmen ;-)
Ja., aber die jungen wütenden Männer hören auch jetzt schon nicht mehr auf den DL. Warte mal 20 Jahre ab und der Spuk ist vorbei. Man darf nicht vergessen, dass der amtierende DL aus einer Zeit vor der Aufklärung und vor der Moderne (für Tibet) stand. Ein bisschen Baywatch und die Tibeter nehmen ihren DL auch nicht mehr so ernst.
Im Exil hatte er ja ein (PR-technisch) leichtes Leben. Ein bisschen Instant-Karma hier, ein bisschen Erlösung to go dort … nichts Ernsthaftes. Stünde er wirklich in der Verantwortung, wäre er schnell entzaubert.
Yep, aber Anhänger der Demokratie und Freiheit *hüstel*, die für Bush den Jüngern dienen, würden nicht anders agieren.
War das nicht der andere Lama? Panchen oder so?
Die sind da seeeehr flexibel. Frau Volmer ist ja auch in schon in Burkha vor der versammelten Patrichat der saudischen Frauenrechtler aufgetreten. Interessant wäre es aber zu erfahren, was unsere PI-ler dazu sagen, die ja neuerdings wahre Streiter für die Emanzipation sind ;-)
Erinnert mich an die Exiliraker, die im Exil groß rumgetönt haben … und wieder setzen die Amis auf diese Karte.
Nein – das kann man nicht sagen. Nur weil die chinesische Verfassung von Autonomie spricht, handelt es sich hier keinesfall um Autonomie nach unseren Vorstellungen.
Richtig – und den PR-Krieg, der ja bereits im vollen Gange ist.
Hallo Jens,
mit großem Interesse habe ich den Link aus #49 gelesen und muss dazu einfach einiges loswerden.
Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass die Autorin von besserwisserischen und altklugen Mitmenschen mit deutschem Pass genervt ist, die glauben nur weil Sie den Spiegel oder ein anderes Produkt des deutschen “Qualitätsjournalismus” lesen über alles und jeden ein finales und absolutes Urteil bilden zu können.
In Ihrer Kernaussage, dass die einseitige Berichterstattung über die Geschehnisse in Tibet erfolgreich darin waren ein – in meinen Augen sowieso bei der Mehrheit der Deutschen bereits vorhandenes – negatives Bild von China zu verfestigen und dass viele Menschen nicht in der Lage sind eine einmal gefasste Meinung zu revidieren unabhängig von Argumenten oder Fakten, kann ich ihr zustimmen.
Einige Aussagen an dem Artikel stören mich aber doch sehr.
Beim Durchlesen habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Meinung der Autorin genauso einseitig ist, wie die der China-Kritiker. Wo die einen alles was in China passiert negativ sehen, sieht sie – zumindestens soweit ich das dem Artikel entnehmen kann – alles positiv. Außerdem musste am Ende des Artikels unbedingt die “Nazi-Keule” herausgeholt werden: “Einmal Nazis, immer Nazis”. Diese Reduzierung empfinde ich als beleidigend.
Letztendlich disqualifiziert die Autorin mit den letzten beiden Absätzen Ihre durchaus berechtigte Kritik selbst.
Auf jeden Fall zeigt die Autorin eindrucksvoll, dass die einseitige und teilweise unberechtigte Kritik “des Westens” bei vielen Chinesen nur einen gesteigerten Nationalismus und ein “Zusammenrücken” gegen das Ausland zur Folge hat.
Außerdem würde mich sehr interessieren was die anderen Leser von diesem Artikel halten.
Ich hoffe, mein Post ist nicht zu sehr am Thema vorbei und wünsche noch einen schönen Abend.
@artikel http://www.zonaeuropa.com/20080403_1.htm
Die Autorin ist 20 Jahre (!!!) alt und, so unrecht hat sie mit der “Naziübermenschenkeule” überhaupt nicht: Schaut man sich die arrogante deutsche Art in der Politik und in “unseren” bürgerlichen Pressekonzernen “Spiegel, Springer, WAZ, Zeit, Faz, Tagespiegel (Holzbrinck) Focus” sowie die CNN TV NTV Politableger dazu an, so ist dieser deutsche Spiegel der bürgerlich “deutschen” Presse durch und durch überheblich, und strotzt nur so vor “guten Ratschlägen und Empfehlungen”, währende die deutsch-europäische Politik gleich zu Drohungen greift.
Diese junge 20 jährige Chinesin hat den Kern des verkauften bürgerlichen Wissens- und Unwissens absolut richtig erfasst, was die Mehrheit der bürgerlich arroganten Redakteure wirklich denkt und niemals zugeben würde. Die Art und die Nuancen des Herrenmenschen haben sich dort nur verändert, mehr aber auch nicht.
Jeder einzelne sollte sich fragen, wo unsere deutschen politischen und militärischen Verantwortlichen, die Jugoslawien bombardiert, die chinesische Botschaft der Erdboden gleichgemacht haben, gelandet sind, wer über die deutschen Flughäfen den Nachschub für den Irakkrieg duldet, und ob unabhängigen westlichen Gerichte sie für Ihre Verbrechen zu Verantwortung gezogen haben, oder welcher Ungeist sich dort (man denke nur an die ekelhafte Medienkampagne den neunziger Jahren und insbesondere 1999) sich da offenbart?
Keiner wurde bestraft, kein einziger: im Gegenteil, die gleichen Charaktere die Jugoslawien gehetzt haben, hetzten heute gegen China.
Die wenigen Gegenstimmen, tauchen in der tatsächlichen Presselandschaft kaum auf. Man sucht sie , wie eine Nadel im Heuhaufen.
Ach ja, der Vorwurf der immer wieder von den Deutschen erhoben wird:
“China blocked die Webseiten” :
Ja fuck, na und ? Solange der Spiegel immer noch seine eigene Geschichte samt der eigenen Gestapofreunde und die Reichtstagsbrandlüge verkauft, unkritisch die altlantische Afgahnistanposition übernimmt, und nicht öffentlich revidiert, kann China blocken was sie wollen.
Das arrogante Getue, bei uns herrsche umfassende Pressefreiheit, ist eine verdammte Lüge:
auf den Tisch serviert bekommen wir nur die bürgerlichen Ansichten und Interessen einer Minderheit, die als die deutsche Meinung dann verkauft wird.
@59 Spiegelfechter
Bush der Jüngere ist John Ellis „Jeb“ Bush und der ist katholisch. Die Welt sieht dennoch nicht besser aus ;-)
@60 debil
Yep, das ist wohl wahr. Ein “schönes” Beispiel, wie zwei uninformierte Seiten aneinander vorbeireden können ohne ihren Horizont zu erweitern. Wäre ich (oder Du) der Kollege der jungen Chinesin, hätte sie sich sicher ein besseres Bild von der Gemengelage machen können ;-)
Aber keinesfalls – das ist schon on topic.
Dir auch einen schönen Abend bzw. einen schönen Tag ;-)
@62 Shitop
Verdammt, da hast Du mich aber kalt erwischt ;-)
btw.: Dass er katholisch ist, war mir sogar neu – Hilfe! Ein Konvertit! Die sollen doch so richtig gefährlich sein ;-)
@60 debil
Vor dem Hintergrund, dass es noch vor wenigen Jahren der größte Wunsch vieler chinesischen Delegationen auf Europatour war, einmal zumindest auf den Obersalzberg zu fahren, bin ich über den Nazi-Vorwurf gegen die Deutschen sogar eher froh. Wenn sich die doch etwas unreflektierte Hitler-Verehrung (er hatte aus chinesischer Sicht für Ordnung gesorgt) in eine kritischere Betrachtung gewandelt hat, hat sich in China auch politisch einiges bewegt.
herrlich herrlich herrlich, ich lese diesen blog und vor allem die kommentare wirklich gern. zum einen bemängeln, daß die tibeter “sexy” sind (wie können sie sich das auch erlauben, das gehört verboten) und zum anderen ein planspiel after dem anderen, welches system oder welche gesellschaftsordnung der geneigte kommentator den tibetern im falle einer wie auch immer gearteten autonomie zugestehen würde.
es ist schön, wenn man auf einen klick wieder neues lächelmaterial erhält.
Wenn Spon will, bekommt man von denen auch mal einen überaus ausführlichen Artikel zwischen dem Dalei Lama und den deutschen Faschisten, natürlich nur in deren zweit Reportagenableger, aber immerhin.
Nur am Ende, muss noch ein wenig relativiert werden, was nicht relativiert werden kann und die Einstellung zum faschistischen Deutschland nach dem Krieg durch das Lama lässt man lieber da doch lieber noch weg. Es wäre zuviel des Guten, auch noch die klaren Worte des Gottkönigs nach dem Krieg für den arischen Rassewahn zu erwähnen;)
trotzdem lesenswert
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1843/nazis_auf_dem_dach_der_welt.html
@name
Yep – der Artikel ist mir auch positiv aufgefallen. Vor allem beim Print-Spiegel findet man auch hin und wieder ein paar echte Perlen. Die Jungs haben gescheite Schreiberlinge nur der Fisch stinkt vom Kopf her.
@jens
Gestern brachte SpOn zwei Artikel über den Fackellauf in Canberra. Schon der erste war kritikwürdig. “Erstmals waren mehr Chinesen zur Unterstützung dabei als Tibeter die protestierten” stand da sinngemäß. Das ist natürlich Unfug.
Im ersten Artikel stand auch noch, dass es chinesische Studentenorganisationen waren, die Busse organisiert hatten, um den Fackellauf zu unterstützen.
Offenbar war das irgendwem in der Redaktion nicht ausreichend auf Krawall gebürstet. Der Artikel wurde umgeschrieben und wieder als Topmeldung verbreitet. Schlagzeile diesmal: “China lässt Fackellauf durch Tausende regimetreue Studenten bejubeln”
Untertitel:
“Peking setzt in der PR-Schlacht um den olympischen Fackellauf auf eine neue Strategie: In der australischen Hauptstadt Canberra wurden Tausende chinesische Studenten aktiviert, um die “Reise der Harmonie” zu beklatschen.”
Aus den Studentenorganisationen im ersten Artikel wurden im zweiten “chinesische Vereinigungen”.
Beleg der These in der Überschrift: “Einer der Tibet-Aktivisten warf der chinesischen Regierung vor, sie habe den Gegendemonstranten Fahrt- und Verpflegungskosten erstattet, damit sie nach Canberra kommen.”
Der ursprüngliche Artikel ist inzwischen leider verschwunden…
Sehr gutes Interview ..die meisten westlichen “Intellektuellen” sind wirklich nur noch nachbetende Hofschranzen, die in völlig anderen Welten leben.
http://www.jungewelt.de/2008/04-25/049.php