Olympiaproteste - sponsored by Germany

08. April 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Es ist der PR-Gau für die chinesischen Olympiaplaner – aus dem Vorhaben, mit einem Fackellauf durch die Metropolen der Welt international Werbung für die Olympischen Spiele in Peking zu machen, ist dank Aktivisten ein echtes Debakel geworden, das die Tibet-Frage wieder in die Hauptnachrichtensendungen und auf die Titelseiten der Zeitungen bringt. Das IOC hatte bereits darüber nachgedacht, ob man den weltweiten Fackellauf nicht ganz abbrechen sollte. Was ein Riesenerfolg für die Exiltibeter ist, wirft indes Fragen an einige westlichen Politiker auf, ob sie die von ihnen propagierte Trennung von Sport und Politik wirklich ernst nehmen.

Die Aktionen der Free-Tibet Aktivisten in Olympia, London, Paris und San Francisco waren generalstabsmäßig geplant und wurden von Freya Putt, einer extra für diese Zwecke eingestellten hauptamtlichen Aktivistin des Washingtoner Büros des „International Tibet Support Network“, koordiniert. Vor Ort wurden die Proteste in Olympia und San Francisco von der New Yorker „Students for a Free Tibet“-Aktivistin Kate Woznow geleitet und von den lokalen Organisationen dieser Gruppe durchgeführt – in Olympia übernahm sie die Funktion der Pressesprecherin und sorgte für die Freilassung der inhaftierten Demonstranten und auch in San Francisco vertrat sie die Aktion nach außen. Die Aktivisten haben dazugelernt und im PR-Kampf gegen die chinesische Regierung einen ersten Punktsieg errungen. Die Höhepunkte sollen die Proteste erst in Peking selbst erreichen, wo die Aktivisten Protestaktionen während der Spiele planen.

Wenn deutsche und amerikanische Politiker von einer Trennung von Sport und Politik sprechen, so ist dies anlässlich der Proteste gegen den Fackellauf allerdings doppelzüngig, wurde der Aktionsplan der Aktivisten doch unter tätiger Mithilfe deutscher und amerikanischer Steuergelder organisiert. Auf einem Treffen der “International Tibet Support Groups Conference” im Mai 2007 wurde von 36 exiltibetischen Verbänden 145 Tibet-Unterstützergruppen die Koordination der Anti-Olympia Proteste beschlossen und geplant. Es wurde dort unter anderen beschlossen, dass man sich bis zu den Olympischen Spielen ausschließlich auf die Proteste gegen die Olympischen Spiele konzentrieren sollte, Freya Putt wurde mit der Koordination beauftragt und ihr wurden die nötigen Mittel zugewiesen.

Mitorganisator dieser Konferenz war die FDP-nahe Friederich Naumann Stiftung für Freiheit (FNSt), deren Vorstandsvorsitzender der „Außenminister in Merkels Schattenkabinett“ Wolfgang Gerhard ist. Die FNSt wird nahezu ausschließlich aus Steuergeldern finanziert. 2007 bekam sie über 37 Mio. Euro aus öffentlichen Kassen, wovon sie 21 Mio. Euro für „internationale Zusammenarbeit“ ausgab, davon fast 6 Mio. für ihre Aktionen in Asien. Rolf Berndt der Geschäftsführer der FNSt bemerkte in seiner Abschlussrede:

„The action plan, based on the different objectives and activities formulated by the participants, present a very meaningful political framework which, I am sure, will not only guide the future work of many Support Groups in individual countries, but which will also have great impact on the Central Tibetan Administration. […] This is the message that goes out from Brussels, and this is the message that will certainly be heard and well understood in Beijing – especially in light of the upcoming Olympic Games in 2008! […] The Olympic Games next year will play an important role in this respect. They are an excellent opportunity for the Tibet Support Movement to highlight the needs of this struggle.

Auch Wolfgang Gerhard ging in seiner Rede ganz explizit auf Aktionen im Rahmen der Olympischen Spiele ein:

„The Olympics stand for peaceful competition, for peaceful interaction between civilized peoples, for laying down arms and weapons. Will there be any positive effect for the Tibetan people, for their quest for peace and freedom? What can we do to attract world opinion to the injustice that is being done in Tibet, to the absence of peace in that region? […] Our time is NOW, especially so because of the Olympic Games coming up next year.”

Ebenfalls anwesend auf dieser Konferenz war die amerikanische Unterstaatssekretärin Paula Dobriansky. Neben ihrer Rolle als “Spezial-Koordinatorin” für die Tibet-Frage ist Frau Dobriansky unter anderem im NeoCon Think-Tank PNAC tätig und gehört zu den Politikern, die mit dem professionellen Umgang mit NGOs vertraut sind. Die “Farbenrevolutionen” und die vorausgehende Instrumentalisierung von staatlich finanzierten Gruppierungen und privaten NGOs hat Dobriansky mehrfach als politische Vorgehensweise für andere Staaten empfohlen. Eine Organisation, die immer wieder mit solchen Aktionen in Verbindung steht, ist das National Endowment for Democracy (NED). Paul Buchanan nannte das NED einmal ein “weltweite Agitation für demokratische Revolutionen und Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder, besonders in Diktaturen und undemokratische Regime”. Wurde das NED früher vornehmlich zur verdeckten Finanzierung amerikafreundlicher Diktatoren, wie beispielsweise Manuel Noriega eingesetzt, ist es heutzutage eine Art zivile CIA, die die parlamentarische Kontrolle unterläuft, und ein verlängerter Arm der US-Regierung ist. Der Putsch gegen Chavez wurde ebenso vom NED finanziert und unterstützt, wie die “Farbenrevolutionen” in den ehemaligen Sowjetrepubliken. Auch Tibet spielt eine bedeutsame Rolle bei den Tätigkeiten des NED, das zahlreiche exiltibetische Organisationen unterstützt. Da mag es kaum erstaunen, dass auch das „International Tibet Support Network“, das die Proteste gegen den olympischen Fackellauf koordiniert, vom NED unterstützt wird. Paula Dobriansky ist Vice-Chairman des NED, so daß ihre Anwesenheit auf der zentralen Planungskonferenz für die Anti-Olympia Proteste eine besondere Note bekommt. Die von den USA und von der FNSt unterstützten Gruppen teilen übrigens nicht die politischen Vorstellungen des Dalai Lamas.

Wenn deutsche und amerikanische Politiker sich also scheinheilig für eine Trennung von Sport und Politik stark machen, sollten sie auch vor der eigenen Tür kehren und wenn Medien wie der SPIEGEL chinesische Aktionen, die deutsche Interessen bedrohen, in reißerischer Manier aufbereiten, so sollte man nicht unerwähnt lassen, dass mit deutschen und amerikanischen Steuergeldern ebenfalls massiv in chinesische Interessen eingegriffen wird. Natürlich kann (und muss) man die tibetischen Interessen moralisch unterstützen, aber wenn man den Dialog mit der chinesischen Führung als richtiges Mittel propagiert, sollte man im PR-Krieg doch etwas behutsamer zuwege gehen, da die Chinesen dieses Desaster als Gesichtsverlust sehen und dies ihre Dialogbereitschaft kaum steigern wird. Wer sich als deutscher Politiker “bedingungslos” hinter den Dalai Lama stellt, sollte es auch vermeiden, wie Claudia Roth Unterstützungschreiben an indische Tibetgruppen zu schicken, die offen gegen die Weisungen des Dalai Lamas opponieren und andere Ziele als er haben.

Weitere Artikel zu diesem Thema:
German Foreign Policy: Die Fackellauf-Kampagne
Moon of Alabama: Tibet Uprising and U.S. Government Grants

Jens Berger

Bildnachweis: Students for a free Tibet, State.gov, FNSt

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  1. [...] anschauen. Natürlich hat die Tagesschau sich für die Kampagne, die sie gerade zur Unterstützung der USA beim fortgesetzten Versuch der Destabilisierung von China gefahren hat, auch nicht öffentlich [...]


  2. [...] Bertelsmann und die NED sind als Lügenapparat im Auftrag der US-Regierung enttarnt, auch andere Lakaien wie Reporter ohne Grenzen, Albert Einstein Institution (AEI) und Human Rights Watch haben mit der [...]


  3. [...] des Berliner Aspen-Instituts sitzt, und seiner gelb angestrichenen Friedrich-Naumann-Stiftung großzügig finanziert mit deutschen Steuermitteln den PSYOP-Angriff der NATO auf China, der in der chinesischen Provinz Xizang bereits zu Todesopfern [...]


Kommentare:

  1. · Konfusius am 9. April 2008 um 01:12 - Permalink

    Glaubt da etwa jemand, man hätte den Chinesen die Olympischen Spiele gegeben, um ihnen nun im Vorfeld über die Tibetfrage das Messer auf die Brust setzen zu können, damit ein paar dreckige Unterderhandgeschäfte sie vor dem Gesichtsverlust bewahren werden. Das glaubt doch niemand. Das wären doch Methoden wie bei den Triaden. Oder CIA. Das wäre doch eine Verschwörungstheorie.


  2. · hannilein am 9. April 2008 um 02:20 - Permalink

    @ #1, “Konfusius”:

    Wie meinen? Dein Text scheint mir so konfus, daß ich seine Kernaussage nicht erfassen kann.
    Ich fände es daher sehr entgegenkommend, wenn Du sie nochmalig in verständlicherer Sprache formulieren könntest (kein Witz!). Danke.

    hannilein


  3. · Schwitzig am 9. April 2008 um 06:17 - Permalink

    Warum eigentlich? Gibt es in Tibet große Vorkommen an Bodenschätzen oder ist dieses Land topographisch z.B. für Pipelines wichtig?
    Wenn man China schwächen möchte, gibt es doch viel ergiebigere Nebenschauplätze, die man in altbekannter Manier mißbrauchen könnte.
    Die Frage ist ernst gemeint, denn die Amis und Deutschen erkennen Menschenrechte schließlich nur, wenn sie einen geldwerten Vorteil daraus ziehen können.


  4. · JaNu am 9. April 2008 um 08:03 - Permalink

    @spiegelfechter

    spannender Artikel mit viel Hintergrundinformation. Herzlichen Glückwunsch!

    @schwitzig:

    Meine Interpretation:

    Die Deutschen (speziell) lieben romantische Völker, und da hat Tibet mehr Sex-Appeal als China.

    Die amerikanische Aussenpolitik ist in ihrer ganzen Geschichte stets eine Mischung aus religiösem Sendungsbewußtsein, Geschäftemacherei und ehrlicher altruistischer Hilfe, mit je nach Fall anderen Gewichtungen (Im Marshallplan wurde anders gewichtet als unter der aktuellen US-Regierung z.B.). Und Tibet ist nunmal religiöser als China.

    Zudem sind die Proteste ein Zeichen mehr, das China endgültig zur neuen Supermacht aufgestiegen ist. Der klassische unreflektierte Anti-Amerika-Demonstrant hat jetzt endlich ein neues Betätigungsfeld.


  5. · Carl Heinz am 9. April 2008 um 08:49 - Permalink

    Solange die Tibetologen der Welt durch ihre profimäßig entfachte Hysterie von dem weltweiten neoliberalen Sozialabbau abzulenken vermögen, werden sie sich um das Sponsoring der internationalen Bertelsmänner weiter keine Gedanken zu machen.


  6. · Konfusius am 9. April 2008 um 09:01 - Permalink

    @ hannilein und auch @schwitzig:
    Dann mal langsam. China ist eine sehr schnell aufstrebende wirtschaftliche Macht. Dort werden nicht nur billige Adidas - Schuhe hergestellt und der Transrapid kopiert, sondern dort hat man auch einen enormen Hunger. Hunger nach Rohstoffen. Die wichtigsten Rohstoffe werden von sehr wenigen Händen in dieser Welt verteilt. Die Rohstoffe können nur in diesen Händen bleiben, wenn das labile Gleichgewicht der Kräfte erhalten bleibt.
    Eine neu auf dem Weltmarkt mitmischende Macht wie China ist natürlich daran interessiert, seinen Hunger so billig wie möglich zu stillen. Mit anderen Worten, direkten Zugriff auf Rohstoffe zu bekommen.
    Das ist verständlicher Weise nicht im Interesse der jetzigen Verteiler.
    Die Chinesen stehen in Tibet militärisch nahe an den rohstoffreichen Ländern des vorderen Orient, nahe an Indien, Pakistan, Afghanistan.
    Die Amerikaner ständen auch gerne in Tibet, denn dann ständen sie nahe an China. Seit 1956 versucht USA in Tibet Fuß zu fassen und schürt unaufhörlich den tibetisch / chinesischen Konflikt. siehe Schall und Rauch, aber vor allem das Department of State.
    So jetzt zur Gegenwart. In ihrem aufstrebenden Stolz verfielen die Chinesen auch der Eitelkeit und bewarben sich für die Olympischen Spiele. Na prima. Wenn die nun erst mal mächtig den Dicken gemacht haben mit all ihren grandiosen Architekturen und einem angeblich sauberen Beijing usw. kann man dass doch perfekt nutzen, um ihnen einen Gesichtsverlust anzudrohen. Dazu muss man verstehen, was für einen Asiaten der Gesichtsverlust bedeutet. In dieser Hinsicht ist man weitaus sensibler als z.B. ein Herr Ackermann. Also organisiert man ein wenig Randale in Lhasa, macht so lange Rabatz, bis die Chinesen nichts anderes zu tun wissen als zurück zu schlagen und zeigt dann weltweit mit den Fingern auf sie.
    Nicht wegen ein bisschen Freiheit in Tibet. Weil man ihnen jetzt ein paar Verträge über den Tisch schieben kann, mit denen ihre Begehrlichkeiten zumindest für eine Weile unter Kontrolle gebracht werden können.

    Aber das sind natürlich nur Verschwörungstheorien. Reicht das so?
    Hier noch ein Literaturtipp: Knaus, John Kenneth, Orphans of the Cold War - America and the Tibetan Struggle for Survival, 1999, PublicAffairs, New York.


  7. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 09:41 - Permalink

    @3 Schwitzig

    Wenn man China schwächen möchte, gibt es doch viel ergiebigere Nebenschauplätze, die man in altbekannter Manier mißbrauchen könnte.

    Zum Beispiel? Du darfst nicht vergessen, dass es der KPCh nicht nur um Tibet geht, sondern um ihren Führungsanspruch, der sich auf die Integrität des Landes begründet.


  8. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 09:46 - Permalink

    @Konfusius

    Aber das sind natürlich nur Verschwörungstheorien. Reicht das so?

    Das ist ganz “normale” Politik, wie sie gemacht wird, seit es so etwas wie Politik gibt. Auch ist dies keine amerikanische Eigenart, sondern wird von jedem Land mit “proaktiver” Aussen- und Sicherheitspolitik, das einen Geheimdienstapparat unterhält, so gehandhabt.


  9. · JollyOrc am 9. April 2008 um 09:47 - Permalink

    Wie schaut es eigentlich mit den Artikeln über die angebliche dunklen Seiten Tibets bzw. des tibetanischen Buddhismus und dessen Kopf der Dalai Lama aus?

    Seiten wie gerhardker... und Blogeinträge wie dieser hier blog.panto... legen die Annahme nahe, dass zwei totalitäre Regimes sich im tibetischen Raum auf Kosten der dort ansässigen “einfachen Leute” bekämpfen, und westliche Aktivisten sich nun erfolgreich von einem dieser Regimes einspannen lassen.

    Leider fehlen mir gerade weitergehende Quellennachweise, aber es scheint mir auf den ersten Blick mehr als nur eine spannende Verschwörungstheorie zu sein…


  10. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 10:11 - Permalink

    @JollyOrc

    Ich würde die Exiltibeter nicht als potentiell totalitär bezeichnen. Sicher hatten die vor dem chinesischen Einmarsch eine undemokratische theokratische Feudalherrschaft, aber man muß ihnen auch Lernfähigkeit zugestehen.

    Viele der verlinkten Kritikpunkte haben als Quelle die Schriften von Colin Goldner. Dieser ist keineswegs neutral und höchst umstritten. Ein österreichisches Gericht unterstellte ihm sogar “rassistische und neo-nazistische, ja den historischen Nazis vergleichbarer Denk- und Verhaltensweisen und ebensolcher Denk- und Verhaltensmuster”.


  11. · Fiend_THeyde am 9. April 2008 um 10:39 - Permalink

    @ 3 Schwitzig:
    Warum eigentlich?

    Mögliche Erklärung: Tibet grenzt an Indien und China, beides aufstrebende (Wirtschafts)mächte, beides Atommächte, die die Vorherrschaft der “westlichen Wertegemeinschaft” in Zukunft in Frage stellen könnte. Ein unabhängiges Tibet würde eine weitgehende, geographische Trennung zwischen Indien und China bewirken; abgesehen von zwei schmalen Gebietsstreifen im Süden der Provinzen Sinkiang, bzw. Sikang, die jeweils von Indien, respektive China kontrolliert/beansprucht werden.

    Ersteres grenzt annähernd an die Taklamakan-Wüste, die ein immenses Hindernis darstellt. Ohne eine überaus aufwendige Logistik, kaum zu entwickeln. Es gibt dort keine Eisenbahnline, dafür bislang gerade mal zwei asphaltierte Straßen, die um die Wüste herumführen. Keine besonders geeignete Gegend für umfangreichen Wirtschaftsverkehr…die Zeiten, in denen eine Seidenstraße ausreichte, sind vorbei. ;-)

    Das andere ist ein indisch kontrollierter Streifen, auf den China Anspruch erhebt. Zwei Möglichkeiten sich zu streiten. Die Chancen dafür sind umso größer, je höher die Bedeutung der Gebiete ist. Vor allem, wenn potentiell feindlich gesinnte Konkurrenten in der Nähe sind. :-)

    Ein Tibet, das mit westlicher Unterstützung unabhängig würde, müßte erstens “Dankbarkeit” erweisen und wäre zweitens “schutzbedürftig” gegen eine weitere “Okkupation”. Ein paar (tibetische) Natobasen hier und da, wären für unsere Globalstrategen möglicherweise interessant.

    Bis dahin kann man die chinesische Regierung ein wenig vorführen und den “Menschenrechtsaktivisten” herauskehren. Ein wenig PR, die die Verfehlungen im Irak oder Afghanistan bemänteln kann, wenn die Medien entsprechend mitziehen.


  12. · name am 9. April 2008 um 10:51 - Permalink

    Vorsicht Jens, vor Zitaten aus Urteilen, wo der Rest und damit der Zusammenhang fehlt.

    de.wikiped...

    In der Berufung zu deinem Urteil zwischen der U&W (der Lama Zeitschrift für Österreich) und Goldner betonte selbst der Geschäftsführer Riedl von U&W in der Berufungserklärung:

    Riedl als Geschäftsführer von Ursache&Wirkung kündigte über seine Anwälte Berufung an. Begründet wurde das Berufungsbegehren vom 5.7.2001 u.a. damit, daß die inkriminierten Äußerungen Riedls nichts anderes als ein “Werturteil” mit “zulässigem Meinungscharakter” darstellten. Es sei daraus keineswegs abzuleiten, daß Autor Goldner “neonazistische Gesinnung oder aber Nähe zum Nationalsozialismus unterstellt” werde. Solches sei auch nicht getan worden. Vielmehr habe Rezensent Riedl für seine Kritik an Goldner nur einen “Vergleich” gewählt. In der Berufungserklärung heißt es insofern, Riedl habe lediglich “vermeint, das Ausmaß der subjektiven Einseitigkeit des Antragstellers wäre mit dem Ausmaß der subjektiven Einseitigkeit eines Neonazis vergleichbar. (…) Rechtsradikales Gedankengut wird dem Antragsteller (=Autor Goldner) hierdurch nicht unterstellt”.

    U&W hat also rein formal und nicht inhaltlich argumentiert, nur das österreichische OLG hat 2002 gleich einen vergleichbaren Nazi, einen vergleichbaren Antisemiten usw. aus Goldner gemacht, wobei die besseren Kontakte wohl das Lama zu Onkel Adolf und seinen Ariern hatte.

    In Zeiten des Krieges ist halt alles möglich (2002!).

    Ich schaue heute mal, ob ich die Urteile im Volltext finde.


  13. · Lau Dan am 9. April 2008 um 13:02 - Permalink

    Konfusius schrieb: “das labile Gleichgewicht der Kräfte” - sollte es nicht zutreffender “das stabile Ungleichgewicht” heissen ?


  14. · klml am 9. April 2008 um 13:22 - Permalink

    Das der Tibetkonflikt, trotz seiner moralischen Grundlage, ein Politikum ist war klar.

    Eigentlich hatte ich mich gefreut das diese “lächelnden Hippies” endlich von Ihren Jammervorträgen und Fuzo-Ständen wegkommen und sich endlich der PR-Schlacht stellen. (Und das strategisch mit den Spielen gar nicht so schlecht.)

    Das es leider gar nicht die “lächelnden Hippies” selber sind, sondern die BurstonMarstellers dieser Welt sogar mich paranoid-kritischen Hund hinters Licht führten ist eine Leistung, und tut ein bisschen weh.


  15. · name am 9. April 2008 um 14:32 - Permalink

    Die gleichen lachenden Hippies, die jetzt gegen China mit dem NED für Tibet ziehen, haben auch schon Belgrad mit rot-grünen Natobombern bombardieren, öhmm..befrieden lassen.

    Hätte Onkel Addi seinen Eroberungswelt- und Rohstoffkrieg nur mit einer Menschenrechtsflagge umgarnt: alles wäre gut gewesen, besser gewesen, so gut, wie wir es jetzt live on TV erleben dürfen. Wer immer noch an NGOs mit NED ohne Nachrichtendienste glaubt, hat wirklich alles verloren.

    Der Dalei Lama wird den neuen Rugova des Tibet spielen, während neben ihm die tibetische UCK marschieren wird.


  16. · Shitop am 9. April 2008 um 14:39 - Permalink

    Die aktuelle Entwicklung der Proteste gegen China führt dazu, dass die Unterstützung der Chinesen für ihre Regierung eher zunimmt. Eine Regierung, die eine internationale Großveranstaltung ins Land holen konnte und die vielen westlichen Unkenrufen zum Trotz, die Olympiabauten rechtzeitig fertig stellen kann, macht die Mehrheit der Bevölkerung stolz auf ihr Land und ihre Regierung. Die derzeitigen Proteste gegen China lassen sich im Land selbst problemlos als Neid und Missgunst des Westens deuten.
    Darüber hinaus wird China in der Zukunft auch leichter gegen westliche Interessen vorgehen können. Ein erster Schritt wurde mit den aktuellen Einschränkungen bei der Visa-Vergabe gemacht. Weitere Nadelstiche sind zu erwarten.


  17. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 14:51 - Permalink

    @15 name

    Wer immer noch an NGOs mit NED ohne Nachrichtendienste glaubt, hat wirklich alles verloren.

    Nun ja, erstens werden die allermeisten NGOs nichts mit dem NED oder Nachrichtendiensten zu tun haben, zweitens diskreditiert dies die NGOs auch nicht. Wenn die Tibetaktivisten für “ihre gemeinsame Sache” Unterstützung und Geld annehmen, so ist dies ihr gutes Recht.

    Ich kritisiere im Artikel ja auch nicht die NGOs, sondern die Politik, die scheinheilig so tut, als habe sie mit den Vorkommnissen nichts zu tun.


  18. · Konfusius am 9. April 2008 um 14:59 - Permalink

    @8 spiegelfechter:
    Ironihilismus


  19. · name am 9. April 2008 um 15:04 - Permalink

    @spiegelfechter

    fast alle “NGO”s, gerade die, die medial so aktiv und bekannt sind, von denen es überall Bilder gibt, hängen am Tropf von Soros, den Parteienestiftungen oder dem NED. Alles andere ist unwahr.

    NGO NO NED sind mehr als selten (mir fällt nur ein Medico oder Umfeld der Ceiberweiber jetzt auf Anhieb ein, dazu die mutige Afgahnin und deren Frauenprojekt rawa.org/ ):

    ob Ukraine, Serbien, Venecuela überall marschieren die gleichen Verrückten mit Staatsgeldern für die neoliberalen Interessen der ersten Welt und beschwören damit Progome, und einen Krieg, von dem Sie am Ende nichts gewusst haben wollen. Das solltest Du dir auch mal ganz in Ruhe überlegen, welche Richtung das nimmt.

    Mehr als Verachtung für solche “Aktivsten” bleibt da für mich nicht: Faldbakken hat das schon richtig geschrieben und jeder, der nicht naiv durch die Welt läuft, konnte diese Entwicklung, diese strategische Politik des Westens schon zu dem Zeitpunkt erahnen, als China Olympia zugesprochen wurde. Alles nichts neues.


  20. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 15:16 - Permalink

    @name

    fast alle “NGO”s, gerade die, die medial so aktiv und bekannt sind, von denen es überall Bilder gibt, hängen am Tropf von Soros oder dem NED. Alles andere ist unwahr

    Ich glaube mit dem Tipp, könntest Du Finanzberater für NGOs werden - die würden Dir die Bude einrennen ;-)

    Den Rest kommentiere ich lieber nicht


  21. · name am 9. April 2008 um 15:27 - Permalink

    @spiegelfechter

    Du hast komischerweise sogar zugestimmt: diejenigen NGO, die nicht am Steuergeldtropf oder über verschiedene Fördergeldtöpfe aus der EU, dem NED, oder dem Sorosumfeld hängen, die gibt es nämlich gar nicht. Das ist die Wahrheit. ;)

    Die ganzen “wichtigen Aktivisten” finanzieren sich genau aus diesen Umfelder.

    Kommentiere mal den den Rest doch ruhig, oder fällt dir die Geisteshaltung zwischen den neoliberalen Trotzkisten um Cheney & CO und deiner eigenen Zustimmung (es ist Ihr Recht) nicht auf und ist dir diese zu gefährlich?


  22. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 15:31 - Permalink

    @name

    Du hast komischerweise sogar zugestimmt:

    Tatsächlich? Wäre mir neu

    Das ist die Wahrheit. ;)

    Aber wenn, dann mit TM!

    Die ganzen “wichtigen Aktivisten” finanzieren sich genau aus diesen Umfelder.

    Whatever - glaub´Du, was Du glaubst, ich glaub´s nicht ;-)


  23. · name am 9. April 2008 um 15:45 - Permalink

    @spiegelfechter

    belassen wir es lieber dabei, sonst müsste ich auf das die Sache mit dem Glauben und Nichtglauben und dem Wissen und Nichtwissen, noch die richtig deutende Antwort geben ;)


  24. · blub am 9. April 2008 um 16:14 - Permalink

    de.rian.ru...


  25. · Spiegelfechter am 9. April 2008 um 16:17 - Permalink

    @3 Schwitzig

    Frisch aus der Presse ein Artikel, der Dir vielleicht diese Frage beantwortet ;-)


  26. · uwe am 9. April 2008 um 19:49 - Permalink

    hier die seite eines autorenpaars, frei von verdächtigungen, rechts zu sein, die sich mit den dunklen seiten des dalai lama befasst trimondi.d...


  27. · Klaus am 9. April 2008 um 20:10 - Permalink

    @Shitop
    Die Bevölkerung wird davon gar nichts erfahren.


  28. · Sandsturm53 am 9. April 2008 um 21:15 - Permalink

    @uwe
    Ein netter Link - aber ohne Bewandnis. Texte die Zitate und Aussagen enthalten aber weder Textmarken noch Quellen. Von einem Kommentar braucht man das nicht zu erwarten aber an Seiten die eine Meinungbildung bewirken sollen schon.
    Daher denke ich dieser Link ist Murks.

    Wie kommst du eigentlich auf die Idee das dieser Link frei von Verdächtigungen rechts zu sein ist? Ich hab durchaus rechtes Gedankengut dort vorgefunden, nichts Antisemitisches aber rechtes Gedankengut beschränkt sich halt nicht auf dumpfen Judenhass.

    @Spiegelfechter
    Ein toller Beitrag - ich lese inzwischen deine Artikel regelmäßig.


  29. · Shitop am 9. April 2008 um 21:34 - Permalink

    @27 Klaus

    Es gibt inzwischen eine beachtliche Zahl Auslandschinesen, die sehr wohl Zugang zu den Informationen über den Fackellauf haben. In der Vergangenheit in erster Linie auf wirtschaftlichen Erfolg orientiert, fühlen sich viele inzwischen durch die Angriffe in ihrem Nationalstolz verletzt.

    Die Proteste forcieren somit eher ein Zusammenrücken hinter der Regierung, als eine Kritik der Regierung. Verlieren werden dabei wohl in erster Linie die Tibeter und der “Westen”.


  30. · wobble am 9. April 2008 um 22:05 - Permalink

    @name: Was ist z.B. mit dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung? Ich habe bis jetzt dort noch nichts von Steuerfördertopf und NED Föderung mitbekommen. Aber ein NGO ists auf alle Fälle. (nochmal für alle: NGO = Non government organisation)

    @Zerschlagungstheorie Chinas:
    Falls das wirklich über einen Master-Plan von USA und Co. geplant ist, denke ich nicht, dass man nachher irgendwelche besondere Kontrolle über Tibet ausüben möchte. Das eigentliche Ziel ist, für entsprechende Spannungen zu sorgen, dass China sich selbst zerstört (also ähnlich zu Russland), denn China ist schon viel zu mächtig (wirtschaftlich - deswegen macht man keinen Wirtschaftsboykott, weil das uns auch kaputt machen würde). Dafür eignet sich Tibet gut, da wegen Kultur und Dalai-Lama medienwirksam.

    So wie ich mir das vorstelle (wenn das wirklich durchgeplant ist), wird es während der Olympischen Spiele große Proteste geben, die sich dann auf die chinesische Bevölkerung ausbreiten sollen in der Hoffnung, dass das alles eskaliert. Reicht dann die Kontrolle der Regierung nicht aus werden Gebiete wie Tibet ihre Autonomie erklären. Die Wirren wird man nutzen um strategisch Firmen in China zu gründen, bzw. solche zu kaufen um dann die Macht zu bekommen.
    Das neue “China” wird dann kein deut besser sein, nur dass sich die Eigentümer geändert haben.

    Falls das wirklich so kommen sollte und man was gutes für China möchte, sollte man meiner Meinung nach überlegen, wie man in China nachhaltig Meinungsfreiheit ermöglicht.

    PS: falls das wirklich geplant ist, dann muss noch was kommen, sonst wirds nix. Alles andere ist Verschwörungstheorie. Also abwarten und die Show genießen (und natürlich dafür sorgen, dass wir hier in Deutschland nicht wie China in Zensur ertrinken)!


  31. · Vogel am 9. April 2008 um 22:40 - Permalink

    Also, das mit den Protesten gegen China find’ ich durchaus okay, und das ist jetzt die Gelegenheit! Wenn nicht jetzt, wann dann? Aber bitte ehrlich - der Aufhänger “Free Tibet” iss unehrlich und unseriös!

    Das Tibet-Vehikel haben wir doch nun schon genügend durch die Gegend gefahren, das sollte nun endlich in der Garage bleiben! Ich zitiere hier ‘mal bei Jörg Friedrich:

    Stellen wir uns die uniformen, kahrgeschorenen Mönche aus Tibet einmal mitten in Europa vor. Nicht den freundlich lächelnden einzelnen älteren Herrn, sondern eine ganze große Gruppe, eine ganze Organisation uniformer, gleich aussehender Mönche, verteilt auf eine Vielzahl von straff organisierten Klöster. Stellen wir uns vor, diese Organisation von Mönchen hat ein Oberhaupt, welches von den Mönchen und von vielen weiteren Menschen nicht nur als religiöses Oberhaupt, sondern auch in weltlichen Dingen als oberste Autorität angesehen wird. Stellen wir uns weiter vor: Dieses Oberhaupt wird nicht gewählt, ist nicht abwählbar, ist durch keinerlei demokratische Mechanismen autorisiert, kontrolliert oder legitimiert.

    Wir würden diese Organisation bekämpfen, ganz zu schweigen davon, dass ihr Anspruch durch das Grundgesetz unmöglich gemacht wäre. Wir würden die Mönche für anachronistisch halten, so wie wir die katholischen Mönche und Nonnen heute für anachronistisch halten.

    Natürlich hinkt das ‘n bisschen, trotzdem lohnt es, nach zu denken: Lasst uns Tibet Tibet sein (gehört seit mehr als gut 400 Jahren …) - Kultur hin Mönchsdiktatur her!

    Lasst uns die Gelegenheit aber nutzen: Nicht gegen … sondern für: ein freieres China, mehr Meinungsfreiheit dort, die Freisetzung von Inhaftierten Menschenrechtlern, für mehr Umweltschutz, für weniger Raubbau an den Resourcen, mehr Schutz der Wanderarbeiter, mehr Demokratie peu à peu …

    Beste Grüße
    Vogel


  32. · Shitop am 9. April 2008 um 23:18 - Permalink

    @30 wobble

    Dass es im Westen Kräfte gibt, die VR China gerne destabilisieren würden, halte ich inzwischen für durchaus wahrscheinlich. Dass dahinter so etwas wie ein Plan steckt, kann ich seit den Abenteuern in Afghanistan und Irak nicht glauben.

    Die Chance, dass sich die chinesische Bevölkerung von ausländischen Protestierern (Langnasen/Barbaren) gegen ihre Regierung aufstacheln lassen, ist viel geringer, als das Risiko, dass westliche Provokateure die Härte des chinesischen Machtapparates zu spüren bekommen.

    Wer zur Olympiade einreist, muss damit rechnen, dass er kontinuierlich begleitet wird. Die aktuellen Einschränkungen bei der Visa-Vergabe (multiple entry wird nicht mehr erteilt) lassen erwarten, dass dadurch Überwachungspotential frei gemacht werden soll.

    Wer als Langnase glaubt, dass sein Aufenthalt in China nicht bestens dokumentiert wird, hat das Land nicht einmal näherungsweise verstanden.


  33. · ehle am 10. April 2008 um 09:57 - Permalink

    @ wobble

    “Falls das wirklich über einen Master-Plan von USA und Co. geplant ist, denke ich nicht, dass man nachher irgendwelche besondere Kontrolle über Tibet ausüben möchte. Das eigentliche Ziel ist, für entsprechende Spannungen zu sorgen, dass China sich selbst zerstört (also ähnlich zu Russland), denn China ist schon viel zu mächtig (wirtschaftlich - deswegen macht man keinen Wirtschaftsboykott, weil das uns auch kaputt machen würde). Dafür eignet sich Tibet gut, da wegen Kultur und Dalai-Lama medienwirksam.”

    ich glaube nicht das es hierbei um die zerschlagung oder übernahme chinas von westlicher seite geht. weder kurz- noch langfristig, eher um die möglichkeit einfluss auszuüben und einen strategisch wichtigen standort zu haben. tibet liegt zentral zwischen (bzw. in) china, indien und russland.
    im übrigen zielt der ganze medienhype m.e. auch nicht auf die diskreditierung chinas, sondern auf vertuschung und ablenkung wichtigerer ereignisse ab.
    und welche wichtigen ereignisse wären da?
    der nato-gipfel und das neue strategiepapier. themen die eigentlich für einen aufschrei sorgen müssten bzw. für revolution im stile des franzosen, würden sie nicht von den medien totgeschwiegen.


  34. · name am 10. April 2008 um 10:47 - Permalink

    In China hat, trotz aller Widersprüche, immer noch eine Kommunistische Partei die politische Macht über 1.3 Milliarden Menschen inne. Das hat niemand in den westlichen Eliten vergessen.

    Die junge Welt bringt es heute auf den Punkt, wer und was und warum es geht.

    jungewelt....

    jungewelt....


  35. · Leitkulturevolution am 10. April 2008 um 11:14 - Permalink

    Tibet gehörte zu China als Karl der Grosse über Europa herrschte.
    Der Absolutismus wurde 1789 in Europa beseitigt und 1949 in China.

    Der tibetische Gottesstaat hat keine Zukunft.


  36. · Rudi am 10. April 2008 um 11:23 - Permalink

    Mal hypothetisch unterstellt, die chinesische Regierung würde die Autonomiebestrebungen der Tibeter so freundlich aufnehmen, wie es sich SPON und Konsorten wünschen. Man setzt sich also mit dem Dalai Lama an einen Tisch und bespricht den künftigen Grenzverlauf, klärt ab, was mit der Infrastruktur geschehen soll, die in den letzten Jahren aufgebaut wurde und ob die Han-Chinesen Tibet verlassen sollen…

    Wird sich der Dalai Lama dann demokratisch wählen lassen - oder wird - wie bisher - sein Nachfolger durch eine Findungskommission “aufgefunden”? Würde im “Free Tibet” dann wieder das Feudalsystem errichtet?


  37. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 11:29 - Permalink

    @name

    Der erste jw-Artikel ist idT gut und informativ, aber der Text von Domenico Losurdo ist für jemanden der nichts mit dem Kommunismus am Hut hat echt starker Tobak. Ein Marxist verteidigt den totalitären Mix aus Planwirtschaft und Manchester-Kapitalismus gegen die “Neoliberalen”, die Linke und die Maoisten gleich mit. Ich wußte schon, warum ich schon zu Uni-Zeiten einen weiten Bogen um Basisgruppen aller Art gemacht habe ;-)


  38. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 11:40 - Permalink

    @Rudi

    Wird sich der Dalai Lama dann demokratisch wählen lassen - oder wird - wie bisher - sein Nachfolger durch eine Findungskommission “aufgefunden”? Würde im “Free Tibet” dann wieder das Feudalsystem errichtet?

    Vorausgesetzt, die Exil-Tibeter lügen in diesem Punkt nicht, hat der DL angekündigt sich komplett politisch zurückzuziehen. Auch momentan ist er (das übergehen die Medien im DL-Wahn immer gerne) eher so etwas, wie die alte Queen für England. Eine symbolische Figur - die politische Macht geht nicht von ihm aus, sondern von einer (idT gewählten) Exilregierung. Seine Aufgaben sind rein repräsentativ. Diese demokratischen Merkmale beziehen sich aber nur auf die Subalternen und nicht auf den DL selbst. Seine religiöse Rolle wird davon auch nicht berührt. Nach ihm, wird es den nächsten DL geben - und höchstwahrscheinlich auch einen chinesischen “Schatten-DL”.

    Ich persönlich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Tibeter ihre politische Führung (nicht den DL!) demokratisch legitimieren würden. Ob dies jetzt diejenigen seien werden, die die Chinesen “Dalai-Lama Clique” nennen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Die “alten Männer” scheinen das Ohr nicht mehr an den Problemen der Jugend zu haben. So lange der DL lebt, wird er als theokratische Überfigur die Risse innerhalb der Tibeter überdecken können. Aber der gute Mann ist auch schon alt und auch die Menschen, denen irgendwelche wirren Anhänger, den Status von lebenden Götter zuschreiben, sterben irgendwann. Und dann wird (so meine Einschätzung) auch der Pax tibetum zu Ende sein und dann wird es knallen. Und die niedlichen Free-Tibet Aktivisten werden (wie üblich) wieder mal gar nicht verstehen, um was es geht ;-)


  39. · ehle am 10. April 2008 um 12:00 - Permalink

    @ 34 name

    du kannst mir erzählen was du willst, mit kommunismus hat china gar nichts zu tun. höchstens wenn man die kunst des zwiedenkens beherrscht…
    dem ersten artikel kann ich im großen und ganzen nur zustimmen. möchte nur mal erwähnen, dass deutschland und die westliche welt im allgemeinen gerne agents provocateurs einsetzt, um die eigene sache voran zu bringen. die unruhen in tibet müssen also nicht einmal von jungen, verzweifelten tibetern ausgelöst worden sein.
    in dem 2. artikel gibt es eine interessante bildunterschrift, welche am ende des textes nochmal aufgegriffen wird:

    “Eine politisch »herrschende« Klasse lebt »in ihrer Gesamtheit« »unter Verhältnissen, die schlechter sind als die bestimmter Elemente und Schichten der beherrschten und unterworfenen Klasse«. ”

    diese aussage lässt sich auf (fast) jeden staat dieser welt anwenden, egal ob schein-kommunistisch oder schein-demokratisch. in unserem falle wäre die herrschende klasse das volk (demos = volk, kratia = herrschaft, aber wem sage ich das). beherrscht werden die vertreter bzw. “diener” des volkes. das die verhältnisse des durschnitts-michels schlechter als die von frau merkel sind wagt wohl niemand zu bezweifeln.

    wie bereits gesagt, im großen und ganzen stimme ich dir zu, muss aber nocheinmal darauf hinweisen, dass die mediale präsens des themas wohl eher auf themen wie nato-gipfel und dergleichen basiert. aussagen wie:

    “Da Abschreckung mitunter wirkungslos bleiben könnte, bleibt die Fähigkeit, diese Abschreckung durch eine Eskalation jederzeit wieder herzustellen, ein weiteres Element präventiver Strategien. … ”

    “Nuklearwaffen sind das zuletzt anzuwendende Instrument einer asymmetrischen Antwort - und zugleich das letzte Mittel der Eskalation.”

    würden (vorrausgesetzt man schenkt ihnen dieselbe mediale aufmerksamkeit wie z.b. dem fackellauf) eine viel größere empörung und proteste in der ohnmächtigen bevölkerung hervorrufen. der tibet - peking konflikt ist m.e. in erster linie opium für das volk.

    desweiteren ist ein boykott der olympischen spiele ohnehin vollkommen absurd, solange man diesen nicht auch wegen der menschenrechtsverletzungen seitens der usa, israel und anderen staaten in betracht ziehen würde.

    stell dir vor du wärst palästinenser und müsstest mitbekommen, dass die westliche welt aufgrund solcher lapalien so nen fass aufmacht. wenn du deinen glauben an gerechtigkeit nicht ohnehin vor jahrzehnten verloren hättest, wäre jetzt (mal wieder) der richtige zeitpunkt.

    und unser medien/politik gespann schafft es tatsächlich, jede kritik in richtung israelische regierung als anti-semitismus zu diffamieren, während einem im selben atemzug vorgeworfen wird, man wär ein kommunistischer china verehrer oder so…
    praktisch ein bolschewistisches faschistenschwein, auch nicht schlecht.
    bevor ich mich hier in etwas reinsteigere -
    grüße,
    ehle


  40. · Klaus52 am 10. April 2008 um 12:12 - Permalink

    Ich bin 56 und reise seit 20 Jahren mehrmals jährlich nach Fernost, Schwerpunkt China.
    Ich kann stichwortartig berichten:
    Die Chinesen lieben Ihre Kinder wie wir, arbeiten mehr, maulen weniger, sind stolz auf eigene Leistungen und dabei, deren Ertrag in die Verbesserung Ihres Landes zu investieren einschliesslich der Erweiterung Ihrer Freiheiten mit Vorbild Taiwan und Singapur. Ihre aktuellen Menschenrechtsdefizite kennen Sie selbst ganz genau und sind fast gelangweilt , sich das vom Westen “erklären” zu lassen.
    Wo sie eine kleine fleissige und meist erfolgreiche Minderheit sind wie in Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippines etc. machen Sie keinen Ärger, sind geachtet aber ungeliebt. Die Brandschatzungen chinesischer Läden in Indonesien deuten auf einen Neid der Faulen wie in Tibet - vor allem der Mönche, die unter dem Lamaismus eine grausame Leibeigenschaft von 95% Tibetern für sich ausgenutzt haben. Für 95% der Chinesen ist der Mönch das Gegenteil, was ihn und sein Land weiterbringt: religiös-doktrinär, lebt ohne Arbeit, kein Kulturträger (es sei denn; man hält die Unterdrückungskultur des Lamaismus für etwas Gutes oder glaubt, von deren Gebeten bekommt der Tibeter Essen und eine Ausbildung, als einzige Chance, sich in der realen Welt einen guten Platz zu erkämpfen).


  41. · bnny am 10. April 2008 um 12:47 - Permalink

    @ Klaus52

    Ihre Fundamentalkritik am tibetischen Religionssystem wird kaum ein Tibeter teilen.
    Dass in einer entwickelten Gesellschaft nicht alle Mitglieder mit dem eigenen Nahrungserwerb beschäftigt sind ist kein Zeichen von Ungerechtigkeit, und trifft auf Deutschland genauso zu, oder hast du mal Bankkaufleute, Grafiker, Werbefuzzis, Journalisten, Buchautoren usw usw auf dem Feld ackern sehen?
    Lamaismus eine grausame Form der Leibeigenschaft, und die Mönche ein faules, kulturloses Pack was sich durchfüttern lässt?
    Die Proteste der Mönche eine Folge von Neid auf die fleissigen Chinesen?

    Haben die Chinesen sie bei ihren häufigen Aufenthalten etwa indoktrinieren können? ;)


  42. · Fiend_THeyde am 10. April 2008 um 13:11 - Permalink

    @36 Rudi:
    Wird sich der Dalai Lama dann demokratisch wählen lassen - oder wird - wie bisher - sein Nachfolger durch eine Findungskommission “aufgefunden”? Würde im “Free Tibet” dann wieder das Feudalsystem errichtet?

    Da Religiöse Führer “berufen” oder “gefunden”, jedoch niemals demokratisch gewählt werden, dürfte es eine Neuauflage des Feudalsystem werden.

    Ist allerdings kein Grund für unfreundliche Artikel auf SPON & Co. Mit den Wahabiten geht man dort ziemlich rücksichtsvoll um (jedenfalls im Vergleich zu den hier lebenden Muslimen).

    Und da man auf SPON einer marktradikalen Neuauflage des Feudalsystem das Wort redet, wäre eine solche nach tibetischer Art sicherlich höchst kompatibel mit der “Weltgemeinschaft” aka “westlichen Wertegemeinschaft”. Der Dalai Lama, “aufgefunden” in irgendeinem Dorf des tibetischen Hochlandes, wird zwar nicht überall als “primus inter pares” behandelt (ok, bei den Grünen schon ;-) ), aber für ein “inter pares” reicht seine “Auffindung” allemal. Muß nicht mal ein Land regieren, um von Merkel & Co. zu “politischen Gesprächen” empfangen zu werden. Sein Nachfolger dürfte nicht schlechter behandelt werden…sofern er die Hegemonie der “westlichen Wertegemeinschaft” nicht in Frage stellt.

    Vielleicht möchte das Merkel diese höchst unerfreulich risikoreichen, demokratischen Wahlen durch eine Art “Auffindungsprozeß” ersetzen: nach Ende der Legislaturperiode “findet” sie ihre Ernennungsurkunde beispielsweise in einer Autobahntoilette “auf”. Die Urkunde muß sie nur noch dem Köhler vorlegen (der unterschreibt bekanntlich alles, was sich innerhalb seines ideologischen Horizonts befindet) und schon ist sie wieder Kanzlerin, diesmal auf Lebenszeit.

    Dieser “Auffindungsprozeß” könnte mit ein bischen Gottesgnadentünche überzogen werden: “…und es trug sich zu daß die heilige Angie, Retterin der Welt in zahllosen Fällen, vertrieben aus dem Kanzleramt von den undankbaren Philistern, durch die dunkle Machtlosigkeit irrte, als sie im Autohof Fulda Nord das heilige Dokument TM fand und eine Stimme sprach: gehe hin und versammle zwölf Minister TM um dich. Und Angie tat, wie ihr geheißen…”. Die Echtheit des Dokuments TM könnte Pastor Kasner bezeugen. Der hat jede Menge Erfahrung mit “bezeugen” und “Dokumenten”… ;-)


  43. · ehle am 10. April 2008 um 13:15 - Permalink

    @ bnny

    ich würde klaus52 auch nicht in allem was er sagt zustimmen, allerdings war ich auch noch nie in china.

    “Ihre Fundamentalkritik am tibetischen Religionssystem wird kaum ein Tibeter teilen.”

    da stellt sich die frage ob z.b. die chinesische regieriung die tibetische kritik an der chinesischen regierung teilen würde. wohl eher nicht.

    “Dass in einer entwickelten Gesellschaft nicht alle Mitglieder mit dem eigenen Nahrungserwerb beschäftigt sind ist kein Zeichen von Ungerechtigkeit, und trifft auf Deutschland genauso zu, oder hast du mal Bankkaufleute, Grafiker, Werbefuzzis, Journalisten, Buchautoren usw usw auf dem Feld ackern sehen?”

    es geht hier nicht darum die nahrung selber herzustellen, sondern überhaupt dafür zu arbeiten.

    “Lamaismus eine grausame Form der Leibeigenschaft, und die Mönche ein faules, kulturloses Pack was sich durchfüttern lässt?
    Die Proteste der Mönche eine Folge von Neid auf die fleissigen Chinesen?”

    das hat klaus52 so mit sicherheit nicht geschrieben.


  44. · bnny am 10. April 2008 um 13:36 - Permalink

    @ ehle

    Ok, es geht aus seinem Post nicht klar hervor, ob er nur die Meinung der Chinesen beschreibt oder ob er diese teilt.

    “es geht hier nicht darum die nahrung selber herzustellen, sondern überhaupt dafür zu arbeiten”

    Soweit mir bekannt ist führen tibetische Mönche ein asketisches Leben und lassen es sich alles andere als gutgehen.
    Nun mögen in ihren Augen die Meditation, Gebete, Studien, Ausrichtung von religiösen Festen, Seelsorge, Bewahrung einer uralten Kultur, Weitergabe von Wissen, Identitätsstiftende Funktionen usw
    sinnlos vertane Zeit und verzichtbar sein.
    Aber dann fragen sie sich mal, welchen Nutzen z.B. ein deutscher Werbefachmann hat, ausser Geldströme von Firma A zu Firma B umzulenken?
    Welchen Nutzen hat ein Filmemacher oder ein Musiker, ausser den Menschen ein paar schöne/erhellende Augenblicke zu schenken? Und ein Priester, ein Versicherungskaufmann und ein Profi-Fussballer?
    Das Leben ist mehr als Nahrungserwerb, und obengenannte lassen sich übrigens nicht mit ein wenig Gerstenbrei und Yakbuttertee am Tag bezahlen.


  45. · Klaus52 am 10. April 2008 um 13:47 - Permalink

    @bnny 12:47
    Ich habe die Meinung der Chinesen berichtet so wie ich die Pappenheimer kenne. Damit ich nicht als Chinesenliebender einsortiert werde: Mir sind die Thailänder erheblich lieber im persönlichen Kontakt. Ich kann mir auch mit dem Dalai Lama und Tibetern einen netten Nachmittag vorstellen. Beide sind aber unfähig, mit Ihrer Mentalität und Arbeitseinsatz ein Riesenland wie China zusammenzuhalten und den Menschen dort deratige wirtschaftliche Fortschritte zu ermöglichen. Ja, das Fressen kommt vor der Demokratie, wer es andersrum versucht mit der Brechstange wie die Amis in Vietnam und Irak ist 3000 Jahre unerfahrerener als die Chinesen. Die schuften erfolgreich für Ihre Kinder, die Ihr Land nach den Vorbildern Taiwan und Singapur weiterentwickeln werden.
    Diese Vorbilder beweisen die Demokratiefähigkeit der Chinesen und widerlegen die angebliche Agressivität, Ihre Soldaten in andere Länder zu entsenden.


  46. · bnny am 10. April 2008 um 13:57 - Permalink

    @ Klaus

    Du kannst die Chinesen auch gerne liebhaben, ich wette der durschschnittliche Chinese ist genausoein netter Kerl wie durschschnittliche Deutsche, Ami, Tibeter, Israeli, Iraner etc. ;)

    Ich habe hier nur die pauschale Verurteilung von Religion kritisiert, auch wenn ich dich dann wohl missverstanden habe.


  47. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 14:06 - Permalink

    @Klaus52

    Die Chinesen lieben Ihre Kinder wie wir, arbeiten mehr, maulen weniger, sind stolz auf eigene Leistungen und dabei, deren Ertrag in die Verbesserung Ihres Landes zu investieren

    Wenn man das so ließt, könnte man glatt denken, die Chinesen seien die “besseren Deutschen” ;-)

    Ich kann dieses Chinesenbild allerdings im Kern bestätigen (auch ich war häufig dort), allerdings schiebe ich dies auf die reaktionäre Gesellschaftsdoktrin und andere Normen zurück. IdT ist v.a. unter den westlich orientierten, gebildeten Chinesen eine Mutation hin zum faulen, mauligen Europäer festzustellen ;-)

    Das verwundert mich auch wenig - in den Zeiten nach dem Krieg, während des Wirtschaftswunders waren die Deutschen auch “fleißiger” und weniger “maulig” - mit dem Wohlstand, der wohlverdienten Dekadenz und alternativen Ideen, die durch die 68er populär wurden, wurden wir zu dem was wir sind … und das ist gut so.

    Wo sie eine kleine fleissige und meist erfolgreiche Minderheit sind wie in Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippines etc. machen Sie keinen Ärger, sind geachtet aber ungeliebt.

    Ganz richtig - sie haben ein ähnliches Image, wie die Juden vor der Nazizeit. Sie bleiben unter sich, sind geschäftlich sehr erfolgreich, haben meist eine andere Religion und gelten als eine Art “Streber”. Dem europäischen Antisemitismus kann man mE den asiatischen Antisinoismus (kann man das so sagen?) recht gut gegenüberstellen.

    Die Brandschatzungen chinesischer Läden in Indonesien deuten auf einen Neid der Faulen wie in Tibet

    Böööp! Neid der Faulen? Das trifft es ganz und gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass die chinesischen Minderheiten dort, nicht nur durch ihren Fleiß, sondern vor allem wegen ihres Startkapitals und ihrer Netzwerke so erfolgreich sind. Wenn überhaupt, ist es ein Neid der Benachteiligten, wie er ja auch im europäischen Antisemitismus von dern Hetzern instrumentalisiert wurde.

    vor allem der Mönche, die unter dem Lamaismus eine grausame Leibeigenschaft von 95% Tibetern für sich ausgenutzt haben.

    Ach komm, dass ist doch kalten Kaffee. Auch christliche Mönche haben früher von Leibeigenschaft, Feudalsystem etc. pp. profitiert und heute gliedern sie sich in die Gesellschaft ein, ohne das diese Dinge zurückkämen oder von ihnen gefordert würden.

    Für 95% der Chinesen ist der Mönch das Gegenteil, was ihn und sein Land weiterbringt: religiös-doktrinär, lebt ohne Arbeit, kein Kulturträger

    Ich will nicht einmal ausschließen, dass die Mehrheit der Chinesen so denkt - aber von dieser “Proletenethik” werden sie auch wieder runterkommen. Btw.: Die Beschreibung würde auch sehr gut (bis auf das religiös) auf die millionenstarke chinesische Volksarmee zutreffen.


  48. · name am 10. April 2008 um 15:07 - Permalink

    @ehle

    Was die Forderung nach einem Boykott von Olympia wegen China betrifft, glaub man wirklich, man befindet sich einem Irrenhaus. Die da laut Fordernden sind Weltmeister im einsperren, deportieren, Mauern bauen, Wasser und andere Rohstoffe kriegerisch rauben, aber, sie haben wenigstens optisch weisse Hemden ;)

    Ich verteidige China natürlich nicht bedingungslos: die Gegengebenheiten sie viel zu kompliziert

    (organisiere doch einer mal das Zusammenleben von 1.3 Milliarden Menschen (!!) nix 80 Millionen oder ähnliche Größenordnungen, dass trotz aller Kritik und sozialen Probleme halbwegs friedlich abläuft) und widersprüchlich, aber es hat sich ja in China schon extem viel verändert (das muss man erstmal zugestehen) und selbst die Regierung, wie selbst FTD eingestehen muss, scheint wirklich bemüht, die Probleme zu benennen (!) und auch die sozialen unmenschlichsten Verwerfungen, die der kapitalistische Sprung vom Entwicklungsland in dieser kurzen Zeit mitgebracht hat, zu lösen.

    ftd.de/pol... Umweltgewissen/265430.html

    ftd.de/pol... Wirtschaft/341199.html

    Gruss


  49. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 15:53 - Permalink

    @all

    Absoluter Lesebefehl: Der Bericht einer Chinesin in Deutschland über die seltsame Sichtweise unser Landsleute

    The Brainwashed Germans and the Demonized China

    Daraus u.a.:

    After almost two weeks of bombardment by the German media, I was getting very emotionally distraught. On the evening of March 25, I heard that Spiegel was spreading more rumors in their new issue. So I bought a copy of Spiegel at noon to retain as evidence. When I came in to the office and put the magazine on my desk, K asked; “You bought Spiegel?”

    I said: “Yes.”

    She said: “Why did you buy it? Because the subject is Tibet?”

    I said: “No.”

    She said: “Because the essays are well-written?”

    I said: “No.”

    She asked: “Then why?”

    I could no longer control myself as my hands were trembling: “Because I have never seen such a big lie.”

    Weiter:

    What was the point for the Germans to have brains when they are filled with this kind of nonsense

    I am actually very, very tired. But I feel that I am actually getting something out of this. That is, I will never discuss Tibet or China with any German. Their brains have been baptised by a lifetime of western voices and are no longer capable of being receptive. Please do not try to convince them or discuss the facts with them, because you are going to die from frustration.


  50. · aquadraht am 10. April 2008 um 16:14 - Permalink

    Hallo Jens,

    Dein Link “The Brainwashed Germans and the Demonized China” zeigt auf diesen Artikel “http://www.spiegelfechter.com/wordpress/328/olympiaproteste-sponsored-by-germany”.

    Ich denke mal. so war das nicht gemeint.

    Gruss, a^2


  51. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 16:21 - Permalink

    @a^2

    Nee, das war natürlich nicht so gemeint, ich Dämel habe mal wieder ein Zeichen im HTML-Tag vergessen ;-)

    Nun geht´s

    The Brainwashed Germans and the Demonized China


  52. · Fiend_THeyde am 10. April 2008 um 16:28 - Permalink

    @ 47. SF:

    vor allem der Mönche, die unter dem Lamaismus eine grausame Leibeigenschaft von 95% Tibetern für sich ausgenutzt haben.

    Ach komm, dass ist doch kalten Kaffee. Auch christliche Mönche haben früher von Leibeigenschaft, Feudalsystem etc. pp. profitiert und heute gliedern sie sich in die Gesellschaft ein, ohne das diese Dinge zurückkämen oder von ihnen gefordert würden.

    Also kalter Kaffee ist das mitnichten, zumal der Vergleich diesbezüglich schon ein wenig hinkt. Die christlichen Mönche haben ihre Privilegien keineswegs freiwillig aufgegeben, weil sie bspw. ihre Lehre weiterentwickelt hätten. Dazu waren Jahrhunderte des Blutvergießens nötig, ohne daß die katholische Kirche existentiell an Einfluß auf die weltliche Macht verloren hätte. Die kath. Kirche ist dazu gezwungen, geschmeidiger vorzugehen, weil sich die Menschen mehrheitlich anderen Inhalten zugewendet haben, doch die “heilige Inquisition” existiert nachwievor, selbst wenn sie zur Zeit keine “peinlichen Befragungen” durchführt.

    Maos sog. “Kulturrevolution” ist keineswegs Jahrhunderte her und hat - nebenbei bemerkt, weil manche Tibetfreunde es ganz gerne vergessen (damit meine ich natürlich nicht dich) - ganz China in Mitleidenschaft gezogen, nicht nur das tibetische Hochland. Dabei sind unersetzliche und keineswegs ausschließlich tibetische Kulturgüter vernichtet worden. Das feudalistische System mag nominell zwar beseitigt worden sein, doch die ehemals dafür verantwortlichen Strukturen existieren nachwievor und die Erinnerungen daran dürften noch längst nicht zu Folklore verblasst sein.

    Die tibetischen Mönche wollen - wie der Artikel in der Asia-Times beschreibt, den du selbst verlinkt hast - keineswegs demokratische Zustände herbeiführen oder gar eine parlamentarische Demokratie einführen, sondern ihren Heiligen Dalai Lama in aller Öffentlichkeit anbeten dürfen. Derartige Heiligenverehrung am “lebenden Objekt”, würde ich nicht gerade fortschrittlich nennen, auch wenn sie selbstredend das Recht dazu haben, sich für ein solches Leben zu entscheiden.

    Nun sind allerdings nicht sämtliche Tibeter Mönche. Was geschieht mit den Tibetern, die sich einer Neuauflage der Lamaherrschaft nicht unterworfen sehen möchten? Nicht nur im christlichen Europa ist man gewaltsam gegen “Ketzer” und “Häretiker” vorgegangen.
    Die Bevölkerungsmehrheit ist mittlerweile nicht mal tibetischer Abstammung. Diesen Zustand bezeichnen einige Exilgruppen als “kulturellen Völkermord am tibetischen Volk” und würden möglicherweise gerne Verhältnisse herbeiführen, die den eingewanderten Chinesen nur die Wahl zwischen Assimilation oder Auswanderung läßt.

    Die Pogrome könnten darin eine ihrer Ursachen gehabt haben. Zornige junge Männer findest du bekanntlich in jeder Ecke der Welt. Mich erinnern diese Forderungen nachwievor eher an das “Überfremdungs”geschwätz der NPD oder an die Pogrome hierzulande gegen Asylbewerber Anfang der Neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und weniger an ein Programm demokratisch gesinnter Parteien, die eine Diktatur beseitigen wollen.

    Wie der Dalai Lama sich das Regierungssystem vorstellt, mit dem er ein möglicherweise unabhängiges Tibet regieren will, ist bezeichnenderweise schwer in Erfahrung zu bringen. Die Floskel von einer “Zone der Gewaltlosigkeit” könnte man dahingehend interpretieren, daß wenn die Gewalt angeblich ausschließlich vom chinesischen Sicherheitsapparat ausgeht, dieser auf seine Funktionsausübung verzichten soll oder gleich zu verschwinden habe. De facto würde dies für die chinesische Regierung die Aufgabe der Hoheitsrechte im betreffenden Gebiet bedeuten und einen rechtsfreien Raum hinterlassen, den dann die Mönche füllen könnten.

    Du darfst nicht vergessen: die Mönche sind bestens organisiert. Der (weltweite) Protest ist exakt abgestimmt. Sowas schüttelt man nicht mal eben so aus der hohlen Hand, wie du sicherlich aus deiner politischen Tätigkeit weißt. Zieht China sich verwaltungstechnisch aus Tibet zurück, übernehmen die Mönche den Laden. Die gewöhnlichen Tibeter sind mit dem täglichen Leben beschäftigt und verfügen weder über die Zeit, noch über die Organisationsstruktur, ihr Land zu verwalten. Die Mönche dagegen schon. Die werden nichts anderes dulden, als ein autokratisches Regime ihres höchsten Heiligen. Da sich schon in der Vergangenheit gezeigt hat, daß dieses Regime höchst feudale Blüten treibt, liegt die Vermutung nahe, daß es wieder so werden würde. Nur weil der Dalai ein modernes Brillengestell trägt, bedeutet das nicht, daß seine Anhänger ebenso modern daherkommen oder ihn nicht als unantastbaren Heiligen verehren würden.

    Kritik am Dalai Lama ist für die Mönche daher keineswegs ein Form des gesellschaftlichen Diskurses, sondern ein Sakrileg, das entsprechend “bestraft gehört”. Ich bezweifle stark, daß es die Mönche akzeptieren, wenn eine weltliche Regierung in Tibet die Politik bestimmen würde. Wer glaubt, daß ein einzelner Mensch so eine Art Gottheit ist, wird wenig Bereitschaft zeigen, sich Anweisungen weniger heiliger Personen zu fügen. Erst recht, wenn es um Entscheidungen geht, die den Wünschen der Gottheit diametral entgegengesetzt sind.

    Momentan ist der Dalai Lama ein Herrscher ohne Land. Wie er sich verhielte, säße er in seinem Palast in Lhasa, wissen wir (und er selbst wohl auch) nicht. Macht korrumpiert selbst die Weisen. Wenn du täglich angebetet wirst, bleibt das nicht ohne Folgen. Der Dalai Lama wird bekanntlich nicht gewählt.

    Wie du darauf kommst, daß das feudale System kalter Kaffee sei, weil es hierzulande mal beseitigt worden ist (während es nun in neuem, marktradikalen Gewand durch die Hintertür wieder hereinkommt), müßtest du mal näher erläutern. :-)

    Noch ein Hinweis für die Freunde des Buddhismus: Kambodscha war ein buddhistisch regiertes Land, bis es von außen in den Vietnamkrieg verwickelt wurde. Die buddhistisch geprägte Gesellschaftsstruktur hat die Roten Khmer nicht verhindern können. Deren Ideologie mag in ihren Grundzügen von außerhalb herrühren, doch Pol Pot & Konsorten waren Kambodschaner und haben die Ideologie ihren Vorstellungen entsprechend angepasst. Die “Killing Fields” belegen, daß selbst eine buddhistisch geprägte Erziehung keineswegs gegen mörderische Wahnvorstellungen immunisiert.

    Übrigens haben sich viele Samurai begeistert mit buddhistischen Schriften befasst, ohne daß dies einen mäßigenden Einfluß auf deren Tätigkeit ausgeübt oder gar den jahrhundertewährenden japanischen Bürgerkrieg verhindert hätte.

    Wer also meint, die (verschiedenen) buddhistische(n) Lehre(n) führten quasi automatisch zu völliger Friedfertigkeit gegenüber Mensch oder Tier; deshalb seien die buddhistischen Mönche in Tibet im Speziellen, bzw. die Tibeter im Allgemeinen, zu keiner Gewalttat fähig, sollte darüber noch einmal nachdenken, respektive sich mit der Historie auseinandersetzen.


  53. · Glawen am 10. April 2008 um 16:33 - Permalink

    Jetzt gibt es nach einiger Zeit auch mal wieder einen differenzierten Artikel über Tibet. Sowas habe ich seit langem nicht mehr gesehen auch wenn die Kommentare etwas seltsam sind…
    naja man kann nicht alles haben

    stern.de/p...


  54. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 16:45 - Permalink

    @52 Fiend

    Die christlichen Mönche haben ihre Privilegien keineswegs freiwillig aufgegeben, weil sie bspw. ihre Lehre weiterentwickelt hätten.

    Nee, sicher nicht - das wollte ich auch nicht ausdrücken.

    Dazu waren Jahrhunderte des Blutvergießens nötig, ohne daß die katholische Kirche existentiell an Einfluß auf die weltliche Macht verloren hätte.

    So blutig war der Befreiungskampf von der kath. Kirche mW aber nicht - es war eher ein schleichender Prozess, dem Bismarcks Kulturkampf letztendlich einen Höhepunkt setzte.

    Maos sog. “Kulturrevolution” ist keineswegs Jahrhunderte her und hat - nebenbei bemerkt, weil manche Tibetfreunde es ganz gerne vergessen (damit meine ich natürlich nicht dich) - ganz China in Mitleidenschaft gezogen, nicht nur das tibetische Hochland.

    Ja ja - sicher. Da mußte ich gestern einen Tibet-Freund im ZEIT-Forum drüber belehren, der immer “Völkermord! Völkermord!” skandiert hat ;-)

    Die tibetischen Mönche wollen - wie der Artikel in der Asia-Times beschreibt, den du selbst verlinkt hast - keineswegs demokratische Zustände herbeiführen oder gar eine parlamentarische Demokratie einführen, sondern ihren Heiligen Dalai Lama in aller Öffentlichkeit anbeten dürfen.

    Richtig - das wollen die Mönche! Aber die Exiltibeter sind mehr als nur die Mönche.

    Derartige Heiligenverehrung am “lebenden Objekt”, würde ich nicht gerade fortschrittlich nennen, auch wenn sie selbstredend das Recht dazu haben, sich für ein solches Leben zu entscheiden.

    Um Himmels Willen - da käme ich nie drauf.

    Nun sind allerdings nicht sämtliche Tibeter Mönche. Was geschieht mit den Tibetern, die sich einer Neuauflage der Lamaherrschaft nicht unterworfen sehen möchten? Nicht nur im christlichen Europa ist man gewaltsam gegen “Ketzer” und “Häretiker” vorgegangen.

    Deine Bedenken kann ich 100% nachvollziehen, aber ich würde das ganze eher mit dem brit. Adel vergleichen, der auch pro forma die Oberste Macht in GB hat, aber dennoch nichts zu sagen hat … und irgendwie auch dekadent inszestuös ist ;-)

    Die Pogrome könnten darin eine ihrer Ursachen gehabt haben. Zornige junge Männer findest du bekanntlich in jeder Ecke der Welt. Mich erinnern diese Forderungen nachwievor eher an das “Überfremdungs”geschwätz der NPD oder an die Pogrome hierzulande gegen Asylbewerber Anfang der Neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und weniger an ein Programm demokratisch gesinnter Parteien, die eine Diktatur beseitigen wollen.

    Na aber sicher - von mir wirst Du keinen Beifall für solche Aktionen hören.

    Momentan ist der Dalai Lama ein Herrscher ohne Land. Wie er sich verhalten würde, säße er in seinem Palast in Lhasa, wissen wir (und er selbst wohl auch) nicht.

    Das mag alles sein - ich bin ja auch nicht(!) für eine tibetische Unabhängigkeit, wie Du weißt.

    Wie du darauf kommst, daß das feudale System kalter Kaffee sei, weil es hierzulande mal beseitigt worden ist (während es nun in neuem, marktradikalen Gewand durch die Hintertür wieder hereinkommt), müßtest du mal näher erläutern. :-)

    Ganz einfach - ich gehe halt von einer erweiterten Autonomie für Tibet aus und kann mir beileibe nicht vorstellen, dass die “kommunistische” (zumindest der Form nach) VR China ein feudales System gutheißen würde.


  55. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 16:46 - Permalink

    @53 Glawen

    Yep - der Artikel ist gut.

    Gefallen hat mir auch Blumes neuster Artikel in der ZEIT.


  56. · Glawen am 10. April 2008 um 17:03 - Permalink

    Ja gefiel mir auch gut und Georg Blume wie auch Kirstin Kupfer hatte ja auch schon recht differenziert über das ganze berichtet als sie als eine der letzten “westlichen” Journalisten Tibet verlassen mussten.
    Wir werden sehen wie es weiter geht. Hat der Hamburger Senat jetzt eigentlich absolute Solidarität mit Tibet erklärt? Also ich muss schon sagen, natürlich kann ich mich mit Teilen solidarisieren doch mit Menschen, die Gewalt gegen Unschuldige ausüben werde ich das niemals können.
    Nur mal so nebenbei, sind eigentlich schonmal jemandem die Ähnlichkeiten zwischen Nordirland und Tibet aufgefallen? Ich möchte ja nicht vergleichen aber seit Jahrhunderten besetzt, zwangszuzug von Engländern, Unterdrückung der Religion…. Gut zur jetzigen Zeit ergibt dieser Vergleich natürlich wenig Überschneidungen doch geschichtlich sind durchaus Gemeinsamkeiten zu finden. Hat sich eigentlich mal jemand mit der IRA solidarisiert?

    Glawen


  57. · Vogel am 10. April 2008 um 17:52 - Permalink

    @Jens
    Dein link aus #49 spiegelt sehr schön das Geschehen hier wieder: Alles was nicht ins Bild passt wird frei nach Palmstroem (dass nicht sein kann was nicht sein darf) ausgeblendet. Viele lesen nicht, denken nicht, informieren sich nicht … aber leiden halt an Mitteilungsdiarrhoe!

    Gegen Ignoranz und Vorurteile kämpfen selbst Götter vergebens!

    Beste Grüße
    Vogel


  58. · Fiend_THeyde am 10. April 2008 um 17:56 - Permalink

    @ 54. SF:

    So blutig war der Befreiungskampf von der kath. Kirche mW aber nicht - es war eher ein schleichender Prozess, dem Bismarcks Kulturkampf letztendlich einen Höhepunkt setzte.

    Die beste Antwort ist eine Jahreszahl: 1618. Der dreißigjährige Krieg war ein Religionskrieg, selbst wenn handfeste weltliche Interessen ebenfalls eine gewisse Rolle spielten. Ähnliche Verheerungen hat in D nur der zweite Weltkrieg verursacht.

    Ja ja - sicher. Da mußte ich gestern einen Tibet-Freund im ZEIT-Forum drüber belehren, der immer “Völkermord! Völkermord!” skandiert hat ;-)

    Klingt verdächtig nach dem delierenden Luis… ;-)

    Deine Bedenken kann ich 100% nachvollziehen, aber ich würde das ganze eher mit dem brit. Adel vergleichen, der auch pro forma die Oberste Macht in GB hat, aber dennoch nichts zu sagen hat … und irgendwie auch dekadent inszestuös ist ;-)

    Die werden von den Tories allerdings nicht als Gottheiten verehrt. Und Charles ist ein recht moderner Mann, der sogar Harry als leiblichen Sohn anerkannt hat, obwohl er nicht die geringste äußerliche Ähnlichkeit mit ihm hat, sondern verdächtig einem gewissen Liebhaber der verblichenen Diana ähnelt. ;-)

    Das dürfte ihm nicht leicht gefallen sein, selbst wenn Harry in absehbarer Zeit kaum für die Thronfolge in Frage kommt, weil William Charles nicht nur ähnlich sieht, sondern auch, als Erstgeborener, die Nummer 2 für den britischen Thron, nach seinem Vater, ist.

    Warum ich dir das erzähle? Weil es deutlich macht, daß die “Royals” zwar an das überlebte monarchistische Regierungssystem erinnern, jedoch erstens die Thronfolge mittels halbwegs nachvollziehbarer (und vor allem nachprüfbarer) Kriterien geregelt ist. Zweitens liegt die politische Macht ausschließlich in Händen des Parlaments. Die Royals dürfen ihre Meinung kundtun und repräsentieren, das wars auch schon.

    Der Dalai Lama dagegen ist ein völlig anderes Kaliber. Seine Nachfolge liegt nicht in den Händen einer familiären Dynastie, sondern ein Grüppchen Mönche zieht - manchmal monatelang - durchs Land und prüft mögliche Kandidaten, deren Körper der Seele des Verstorbenen Lamas eine neue Heimstatt bietet. Welche Kriterien darüber entscheiden, ob ein Kandidat echt ist oder nicht, wird meines Wissens geheimgehalten. Nichtsdestotrotz ist die Aussage: “in diesem Kind wohnt die Seele des verstorbenen Dalai Lama” schwerlich nachzuweisen.

    Daher ist der Begriff “Nachfolge” schon unscharf, denn tatsächlich glauben die Mönche ernsthaft daran, daß zwar die körperliche Hülle des Dalai Lama sich ändert, doch seine Seele stets dieselbe bleibt. Der “Xte Dalai Lama” meint also eigentlich: die xte Inkarnation des Dalai Lama. Mit jeder neuen Inkarnation hat die Seele weiteres Wissen angesammelt, ist also noch weiser geworden. Die Bedeutung UND die Heiligkeit des Dalai Lamas nimmt also mit jeder Inkarnation zu.

    Das kannst du nicht ernsthaft auf eine Stufe stellen mit den Royals, von denen selbst der Tory weiß, daß deren beste Zeiten vorbei sind und niemals wiederkehren werden. Die Macht der Königin beschränkt sich auf Anweisungen bezüglich ihrer Geburtstagsparade. Nicht einmal die eigene Familie hört mehr auf sie.

    Wenn der Dalai Lama einen Mönch beiseite nimmt und ihm sagt: spring von dem Hochhaus da, wird der Mönch sich verbeugen und vom Hochhaus springen. Der Dalai Lama wird das aller Voraussicht nach nie verlangen, aber allein das sein Anhänger dazu bereit wäre, ist bezeichnend. Dazu gibt es noch eine Gruppe von höheren Würdenträgern, die eigene Interessen verfolgen, die zwar nicht über die spirituelle Macht des Dalai Lama verfügen, aber schon allein durch die Auswahl des Knaben und seine Erziehung, die in ihren Händen liegt, Macht und Einfluß besitzen. Die werden weiterhin dafür sorgen, daß der “richtige” Knabe “gefunden” wird und kaum ihre eigene Entmachtung betreiben.

    Übrigens entzündeten sich in der Vergangenheit schon gewaltsame Konflikte, u.a. zwischen tibetischen Mönchen und chinesischer Regierung, gerade an der Frage, wer den Knaben suchen und auswählen darf. Bejing ließ beispielsweise einen eigenen Knaben auswählen und präsentierte ihn als Dalai Lama. Der Erfolg war bescheiden, denn natürlich sahen die Gläubigen in diesem Knaben eine Marionette der Chinesen. Nebenbei eigentlich interessant: die säkulare chinesische Regierung kommt den Tibetern soweit entgegen, das Spiel nach tibetischen Regeln zu spielen. Vernichtungsabsichten äußern sich eigentlich anders (nicht wahr Luis? Wo immer du auch stecken magst, solange es nur weit entfernt von diesem Ort ist ;-) )

    Übrigens: nur Knaben können Dalai Lama werden! Stört unsere selbsternannten “FrauenrechtlerInnen” vom Kaliber einer C.Roth oder eines R. Koch bezeichnenderweise gar nicht, während sonst jeder kopftuchförmige Stofffetzen ein Menschheitsverbrechen darstellt, sofern er sich in muslimischem Besitz befindet. :)

    Ernsthaft: ich fürchte, du unterschätzt die Macht der Mönche und überschätzt den Einfluß der Exiltibeter. Letztere werden aller Voraussicht nach ähnlich mißtrauisch beäugt werden, wie ihre Pendants in anderen Konflikten. Sie werden gegenüber denen, die im Land geblieben sind und unter Einsatz ihrer Gesundheit für die Sache gekämpft haben, stets unterlegen sein. Ihre Flucht hat sie in den Augen der Daheimgebliebenen diskreditiert, denn im Gegensatz zum Dalai Lama sind die Betreffenden nicht heilig. Umso weniger werden sich die Daheimgebliebenen von diesen Leuten vorschreiben lassen, wie ein unabhängiges Tibet zu regieren ist oder gar die Stellung des Dalai Lamas auf ein repräsentatives Amt a la “Royal Family” reduzieren lassen. No way, sag ich. :-)

    Ganz einfach - ich gehe halt von einer erweiterten Autonomie für Tibet aus und kann mir beileibe nicht vorstellen, dass die “kommunistische” (zumindest der Form nach) VR China ein feudales System gutheißen würde.

    Nun, es stellt sich wie schon angedeutet die Frage, ob die tibetische Seite etwas anderes als eine formelle Unabhängigkeit überhaupt akzeptieren würde. Eine erweiterte Autonomie besaß Tibet doch bereits. Gereicht hat das den betreffenden Kreisen nicht. Hier dient das Kosovo mal wieder als abschreckendes Beispiel: die Kosovaren besaßen ebenfalls eine weitgehende Autonomie, die jedoch stets nur als Vorstufe zu einer staatlichen Unabhängigkeit gesehen wurde.

    China ist allerdings in der “glücklichen” Lage, über Nuklearwaffen zu verfügen und die US-Amerikaner im Koreakrieg bereits einmal geschlagen zu haben. Eine direkte militärische Intervention a la Jugoslawien muß Bejing daher nicht fürchten. Umso mehr jedoch eine Neuauflage des bewaffneten Widerstandes, den unsere Demokratieverbreiter nach afghanischem Vorbild unterstützen.


  59. · Spiegelfechter am 10. April 2008 um 18:47 - Permalink

    @Fiend

    Die beste Antwort ist eine Jahreszahl: 1618. Der dreißigjährige Krieg war ein Religionskrieg, selbst wenn handfeste weltliche Interessen ebenfalls eine gewisse Rolle spielten. Ähnliche Verheerungen hat in D nur der zweite Weltkrieg verursacht.

    Selbst wenn man ihn als Religionskrieg werten würde, so war es ein Krieg zwischen zwei Glaubensrichtungen, aber kein Krieg gegen die Kirche. Ich sehe den Protestantismus nicht wirklich als Weiterentwicklung und die Reformation sogar als Rückschritt – dies ist meine persönliche Meinung, die man nicht teilen muß. Wäre Bush der Jüngere Katholik sähe die Welt wohl freundlicher aus ;-)

    Klingt verdächtig nach dem delierenden Luis… ;-)

    *g*
    Wer weiß, was der noch so treibt.

    Die werden von den Tories allerdings nicht als Gottheiten verehrt. Und Charles ist ein recht moderner Mann, der sogar Harry als leiblichen Sohn anerkannt hat, obwohl er nicht die geringste äußerliche Ähnlichkeit mit ihm hat, sondern verdächtig einem gewissen Liebhaber der verblichenen Diana ähnelt. ;-)

    Och jetzt komm´ mir nicht mit Boulevard – ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr beim Arzt oder Friseur ;-)

    Warum ich dir das erzähle? Weil es deutlich macht, daß die “Royals” zwar an das überlebte monarchistische Regierungssystem erinnern, jedoch erstens die Thronfolge mittels halbwegs nachvollziehbarer (und vor allem nachprüfbarer) Kriterien geregelt ist. Zweitens liegt die politische Macht ausschließlich in Händen des Parlaments. Die Royals dürfen ihre Meinung kundtun und repräsentieren, das wars auch schon.

    Richtig, aber es war ein langer Weg dorthin und auch wenn ich mit dem DL und seinen Anhängern keinesfalls sympathisiere, so spreche ich ihnen zumindest eine Entwicklungsmöglichkeit zu.

    Der Dalai Lama dagegen ist ein völlig anderes Kaliber. Seine Nachfolge liegt nicht in den Händen einer familiären Dynastie, sondern ein Grüppchen Mönche zieht - manchmal monatelang - durchs Land und prüft mögliche Kandidaten, deren Körper der Seele des Verstorbenen Lamas eine neue Heimstatt bietet.

    Folklore, die aber im Endeffekt aufs Gleiche herauskommt … außer, dass der kleine neue DL natürlich formbar ist. Aber das sind die kleinen Prinzen auch ;-)

    Welche Kriterien darüber entscheiden, ob ein Kandidat echt ist oder nicht, wird meines Wissens geheimgehalten.

    Logisch – jeder Zauberer wäre arbeitslos, wenn er seine Tricks verraten würde. Die Welt des Übersinnlichen lebt von einem Mangel an Information.

    Nichtsdestotrotz ist die Aussage: “in diesem Kind wohnt die Seele des verstorbenen Dalai Lama” schwerlich nachzuweisen.

    Und schwerlich abzustreiten ;-)

    Mit jeder neuen Inkarnation hat die Seele weiteres Wissen angesammelt, ist also noch weiser geworden. Die Bedeutung UND die Heiligkeit des Dalai Lamas nimmt also mit jeder Inkarnation zu.

    Wow! Noch 5 Inkarnationen und er kann Kerners Talk-Show übernehmen ;-)

    Das kannst du nicht ernsthaft auf eine Stufe stellen mit den Royals, von denen selbst der Tory weiß, daß deren beste Zeiten vorbei sind und niemals wiederkehren werden. Die Macht der Königin beschränkt sich auf Anweisungen bezüglich ihrer Geburtstagsparade. Nicht einmal die eigene Familie hört mehr auf sie.

    Ja., aber die jungen wütenden Männer hören auch jetzt schon nicht mehr auf den DL. Warte mal 20 Jahre ab und der Spuk ist vorbei. Man darf nicht vergessen, dass der amtierende DL aus einer Zeit vor der Aufklärung und vor der Moderne (für Tibet) stand. Ein bisschen Baywatch und die Tibeter nehmen ih