Wer Regimekritiker ist, bestimmen wir!
geschrieben am 14. Mai 2008 von Spiegelfechter
In Iran zensiert, im Westen gelöscht – wie der einst gefeierte iranische Blogger Hossein Derakhshan zunächst vom Westen vereinnahmt und dann fallen gelassen wurde.
Für viele im Westen ist Hossein Derakhshan ein Paradoxon. Der iranische Journalist, der im Jahr 2000 nach Kanada emigrierte, entwickelte im Jahre 2001 eine Methode, mit der Iraner auf Farsi bloggen können – heute gibt es 700.000 Blogs auf Farsi, von denen 10% auch aktiv geführt werden, eine Gegenöffentlichkeit zur oft gelenkten iranischen Medienlandschaft.
Derakhshan wurde unter dem Namen „Hoder“ selbst einer der ersten und erfolgreichsten iranischen Blogger. Er kritisiert damals die Unterdrückung der Meinungs- und Pressfreiheit im Iran. Seitdem wird sein Blog von den iranischen Behörden gefiltert und er wurde bei einem Iranbesuch 2005 kurzzeitig verhaftet und musste ein Entschuldigungsschreiben aufsetzen, um wieder ausreisen zu dürfen. Seine Stimme wurde damals nicht nur in Iran, sondern auch im Westen gehört. In westlichen Medien wurde er schnell zu einer Ikone des jungen, liberalen Iran. Er tourte durch TV-Sendungen, wurde auf Kongresse eingeladen und bekam als Journalist Aufträge von der Washington Post, der BBC und dem Guardian. Auch in Deutschland wurde enthusiastisch über den iranischen “Blogvater” geschrieben” – Derakhshans Kritik an der iranischen Führung wurde zur Pauschalanklage gegen den kompletten Staat umgedeutet und im Fahrwasser seiner Kritik schwammen Exiliraner, die seit der Absetzung des Schahs für einen prowestlichen Regime-Change in Iran eintreten. Die westlichen Medien benutzten ihn für ihre Anti-Iran Propaganda und Derakhshan hat sich damals einspannen lassen – er misstraute zwar der amerikanischen Politik, hielt aber den europäischen Ansatz, mit Soft-Power auf eine liberalere Demokratie hinzuarbeiten, für einen gangbaren Weg.
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Zu letztem Absatz in dem Artikel.
Da wirfst du meines Erachtens Ursache und Wirkung durcheinander.
Die katastrophalen Folgen für den Irak (und wahrscheinlich auch für die USA) hatte nicht das Hören auf die falschen Exilanten – das waren genau die richtigen für die Krigspropaganda, sondern die Umtriebe der westlichen Machtelite.
«Hätte man anstatt auf umtriebige Exiliraker vom Schlage eines Ahmed Chalabi, lieber auf junge liberale Exiliraker [extern] gehört, die ihre ganz eigene Meinung hatten und sich nicht als Mietfedern in den Think Tanks Washingtons ihren Lebensunterhalt verdienen, …»
Ist es dein Ernst? Wer ist bitte der/das man, der/das auf die “richtigen” Stimmen hören sollte? Du hättest lieber die westlichen (Mainstream)Medien, die sich für die Kriegspropaganda einspannen ließen, an der Stelle bei Namen nennen sollen.
Nur wenn die “westlichen” Medien dieses dreckige Spiel nicht mitgespielt hätten, wären viele amerikanische und britische Söhne, Ehemänner und Väter wie auch Abertausende Iraker möglicherweise noch am Leben gewesen, und Millionen irakische Flüchtlinge – in ihrer Heimat.
Ich selbst habe fünf Jahre im Iran gelebt. Bin alles andere als Fan Irans und von der schwachsinnigen Darstellung der westlichen Medien habe ich dort nichts mitbekommen.
Natürlich sind die Zustände nicht vergleichbar und darum geht es auch nicht.
Solche Fälle wie Hossein Derakhshan oder Shirin Ebadi sind aber typisch.
Wer solche Länder kritisiert hat eben größere Chancen berühmt zu werden.
Der Iran macht den Fehler, dass er versucht auf eigene Beine zu stehen und sich vom Westen unabhängig zu machen.
Leider ist dies nicht im Sinne der westlichen Länder, die gerne günstig Rohstoffe beziehen und große Märkte für ihre Waren benötigen (Lang lebe der Kapitalismus).
Auch wenn dies das Leid der dortigen Bevölkerung zur Folge haben sollte.
Als Jelzin Russland in den Ruin trieb und das Volk fast schon am verhungern war, gab es in Russland keine Probleme. Alle war, aus sich des Westens, in bester Ordnung.
Seit Putin für das Öl den üblichen Marktpreis verlangt und die Illegalen Firmen auflöst, sind es auf einmal die bösen Russen, die Demokratie abschaffen.
Im Iran hat der Shah jahrzehnte das Volk unterdrückt und nichts für die Entwicklung des Landes getan. Die Einnahmen aus dem Öl-Geschäft wurden in der Verwandschaft verteilt und nach Amerika verschifft. Damals hatte kein Land bedenken und niemand wäre in Jahren auf die Idee gekommen schlecht über dem “Freund” zu reden.
Das gleiche gilt auch für China. Was erlauben die sich überhaupt eigene Wirtschaft und Industrie aufzubauen?
Ein Ahmadinedschad oder Chavez mögen etwas unter Realitätsverlust Leiden, aber deren Leiden ist noch lange nicht so stark wie bei einem Bush, Blair (Brown), Merkel oder Berlusconi.
- keine Haftung für Grammatik- und Rechtschreibfehler :)
@COPOKA
Na dass die Exilanten die NeoCons nicht heimtückisch hinters Licht geführt habe, ist ja mal klar. Da haben sich schon die “Richtigen” gefunden – eine vermeintliche Win-Win Situation, die nun freilich eine Loose-Losse Situation wurde.
Na wir alle – bei unserer Meinungs- und Willensbildung. Angefangen bei “den Medien”, über deren Konsumenten – häufiger mal andere Meinungen zu Kenntnis nehmen, steigert die Abwehrkräfte gegen Manipulation ;-)
Ganz richtig – die Medien tragen eine große Teilschuld.
@momen
Ja – so kann man es ausdrücken. Traurig aber wahr.
Hey Spiegelfechter,
kennst du schon noam Chomskys “manunfacturing Consent” und seine anderen Bücher zu der der Beziehung von Medie und”Demokratie”. das von dir angeführte Beispiel dieses Iranischen Bloggers hat mich, mal wieder, an Chomskys Theorien über die gesteuerten Medien im Westen erinnert. Solange man nicht schreibt was den Eliten gefällt, kommt man nicht nach oben. Deswegen ist die Charakterstärke von Derakshan nur zu bewundern, er hätte sicher einen Haufen Geld als Sog. “Experte” für CNN, Fox und Co. verdienen können, wenn er weiter eine strikt Anti Iranische und Pro Westliche meinung vertreten hätte.
Hey Alman,
ich kenne Chomskys Werke nur oberflächlich – ich hatte noch nicht die Muße, mich ausgiebiger mit ihnen zu beschäftigen, obgleich ich sie sehr interessant finde.
Du wirst sicher schmunzeln, wenn ich Dir sage, dass Hossein Derakshan im Interview u.a. dieses Werk nannte, als er erklärte, was ihn zum Umdenken bewogen hat.
Na dann, hier ein Link zu Chomsky:
http://www.zmag.org/zspace/noamchomsky
Da kann man ein paar Artikel von ihm finden. Ein Mangel an Material besteht nicht, er schreibt schon seit den 60igern über US politik und Medien.
Hossein Derakhshan verhaftet!
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article5190462.ece