Tragödie Deutsche Bahn - nächster Akt
09. Mai 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Die Deutsche Bahn und ihre Privatisierung - Großes Theater, eine Deutsche Tragödie in mehreren Akten. Mephistopheles Mehdorn, der Gesandte der Kraft, die vorgibt, stets das Gute zu wollen und doch stets Böses schafft, hat in Norbert Hansen seinen willfährigen Heinrich Faust gefunden. Der Faustische Pakt mit dem Arbeitnehmervertreter Hansen wurde bereits vor längerer Zeit besiegelt, Hansen diente Mephistopheles Mehdorn im Diesseits und gestern erhielt der treue Diener auch seinen verdienten Lohn für Jenseits - wie Kai aus der Kiste zauberte Mehrdorn den ehemaligen Gewerkschaftler als neuen Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn aus dem Hut - ein Vorstandsposten, der mit einer hohen sechs- bis siebenstelligen Apanage entgolten wird. Ein Frontenwechsel ist dies nur aber auf dem Papier, Hansen war bereits länger das Trojanische Pferd der Kapitalseite in der Arbeitnehmervertretung.
Norbert Hansen ist SPD-Mitglied und Gewerkschaftsfunktionär und damit qua Vita nicht eben verdächtig, für die Interessen derjenigen einzutreten, die er zu vertreten vorgibt. Aber selbst unter den Leuchttürmen der Prinzipienlosigkeit in diesen beiden Organisationen, ist Hansen eine wahre Lichtgestalt. Er hat die stärkste Bahngewerkschaft Transnet - eine DGB-Gewerkschaft - stramm auf Privatisierungskurs getrimmt und dabei mehr als einmal die Interessen seiner Arbeitnehmer verraten. Hand in Hand trieb er mit Mehdorn die Privatisierung voran und stellte sich dabei offen gegen die anderen DGB-Gewerkschaften. An dem offenen Krieg zwischen der Konkurrenzgewerkschaft GDL und der Bahn ist er nicht unschuldig. Wie sollte man den GDL-Mitgliedern auch zumuten, ihre Interessen bei den Tarifverhandlugen vom U-Boot Hansen wahrnehmen zu lassen - dies zu verhindern, war die hart umkämpfte Kernforderung des Arbeitskampfes der GDL.
Widerstand gegen Reallohnkürzungen und Entlassungen in seiner Gewerkschaft erstickte er im Keim und er brachte es fertig, seine Mannen zu paralysieren, sie auf “seine” Linie zu bringen und so dem Fatalismus zu frönen. Innerhalb der SPD vermochte er es immer wieder, die Kritik am Börsengang zu unterminieren. Auf dem Hamburger Parteitag im letzten Oktober war er der vehementeste Befürworter der Mehdornschen Börsenpläne. Er hatte allerdings nur wenig Erfolg - die alte Tante SPD besann sich in ihrer Agonie eines letzten Restanstandes und beschloss einen Börsengang mit Vorzugsaktien, ein Modell, das die Entscheidungsgewalt beim Volke lassen würde. Hansen selbst spielte - nach den Aussagen von Beteiligten - bei der entscheidenden Sitzung der SPD im April, in der das Vorzugsaktienmodell gekippt wurde, eine Schlüsselrolle.
Die Arbeitnehmer wollte Hansen, für das Schlucken so vieler Kröten, mit einer Arbeitsplatzgarantie entschädigen. Das Ergebnis, das er persönlich letzte Woche mit Mehdorn ausgehandelt hatte, ist allerdings das Papier nicht wert, auf dem es steht. Betriebsbedingte Kündigungen sind nur dann untersagt, wenn sie direkt mit der Privatisierung begründet werden - was eine Hintertür, groß wie ein Scheunentor, offen lässt. Der neue Herr Arbeitsdirektor wird schon Formulierungen finden, die seinen eigenen Schutzvertrag mit Leichtigkeit aushebeln.
Hansen ist ein weiterer Stein im Mosaik des totalen Werteverlustes der Eliten. Ein derart dreister Interessenwechsel ist bis dato noch nie vorgekommen. Hansens Vorgehen erfüllt zweifelsohne - moralisch, wenn auch nicht juristisch - den Tatbestand der Korruption. Sein Wechsel dürfte ja bereits seit längerem abgemachte Sache gewesen sein. Ein Gewerkschaftsvertreter, der im Namen der Arbeitnehmer mit der Kapitalseite verhandelt, hat die moralische Pflicht seinen Schutzbefohlenen und der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass er in näherer Zukunft einen gut bezahlten Job bei seinem Verhandlungs”gegner” annimmt - alles andere ist arglistige Täuschung. Doch was werden die Folgen dieser Tragödie sein? Was steht im Epilog?
Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Das Ansehen der Gewerkschaften ist bereits im freien Fall - wer sich zum Anwalt der Inhaber von Altverträgen aus den goldenen alten Zeiten der Bonner Republik macht und weder für outgesourcete “Billigarbeiter”, noch für Leiharbeiter und schon gar nicht für das Heer der Arbeitslosen und Minilohnempfänger eintritt, hat den Vertretungsanspruch für die Arbeitnehmerschaft als Ganzes bereits verloren. Wer in das TINA-Geschrei (there is no alternative) der Arbeitgeberseite einstimmt, verrät auch die Interessen der letzten Arbeitnehmer, die man noch zu vertreten vorgibt. In den Frühzeiten des Arbeitskampfes gab es die “christlichen Gewerkschaften”, die von den Arbeitgebern gefördert wurden, um den Arbeitskampf der “sozialistischen Gewerkschaften” zu untergraben. Die alten “sozialistischen Gewerkschaften” haben sich in die DGB-Gewerkschaften umgewandelt - Transnet gehört zu ihnen. Wer einer solchen Gewerkschaft die Stange hält, dem ist wohl nicht zu helfen. Leider ist damit die Idee der großen Gewerkschaften, die für die Interessen aller Arbeitnehmer eintreten und schlagkräftig sind, wohl endgültig gestorben. Schlagkräftigen Lobbygruppen von Arbeitnehmern, die in sensiblen Bereichen beschäftigt sind, scheint die Zukunft zu gehören - das ist schön für Ärzte, Piloten und Lokomotivführer, aber schlecht für Krankenschwestern, Sicherheits- und Reinigungskräfte. Wer keine Lobby hat, verliert - das alte Spiel in neuer Form.
Seitens der Politik ist keine Änderung dieser Umstände zu erwarten. Man sollte nicht vergessen, dass die Bahn ein Bundesunternehmen ist, das dem Volk gehört. Der Aufsichtsrat besteht aus Vertretern des Volkes - also “unseren” Vertretern. Wenn die Politik nun einmal wieder über die verlorene Ehre der Hansens klagt, so klagt sie sich selbst an. Sie muss der Personalentscheidung Hansens im Aufsichtsrat nicht zustimmen - sie könnte sogar den kompletten Vorstand nicht in seinem Amt bestätigen und mit Managern besetzen, die sich für die Bahn und nicht für den Kapitalmarkt stark machen. Aber dieser Epilog ist in der Deutschen Tragödie “Bahnprivatisierung” nicht vorgesehen.
Jens Berger
Bildnachweis: Montage: Spiegelfechter, mit Material von DB AG und Netzwerk Schiene. Wikicommons
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Verdammt noch mal was sind wir nur eine Horde von Feiglingen und ich schließe mich ausdrücklich da mit ein.
“Hansens Vorgehen erfüllt zweifelsohne - moralisch, wenn auch nicht juristisch - den Tatbestand der Korruption. Sein Wechsel dürfte ja bereits seit längerem abgemachte Sache gewesen sein. Ein Gewerkschaftsvertreter, der im Namen der Arbeitnehmer mit der Kapitalseite verhandelt, hat die moralische Pflicht seinen Schutzbefohlenen und der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass er in näherer Zukunft einen gut bezahlten Job bei seinem Verhandlungs”gegner” annimmt - alles andere ist arglistige Täuschung.”
Wenn das was Mehdorn, Hansen unter der Führung von Tiefensee hier durchziehen, keine Korruption ist, dann können wir doch im Grunde die Justiz abschaffen und Waffen ausgeben. Soll sich doch jeder sein Recht mittags um 12 Uhr auf der Hauptstraße erschießen.
Alle lamentieren wir und keiner von uns traut sich die Wahrheit zu sagen weil dann sofort die Abmahnung erfolgt und man zahlt. Es ist Korruption und wenn es in unserem Rechtssytem keine Korruption ist, dann taugt dieses Rechtssytem nichts.
Übrigens Herr von Pierer hat auch nur falsch geparkt. Er beging keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Bestochen haben nur die Leute die auf seinen Befehl handelten.
Manchmal habe ich von diesem Land so richtig die Schnauze voll.
Ach ja diese meine Meinung ist meine Meinung und nicht die des Blogbetreibers. Meine ladefähige Adresse findet sich im Impressum meines Blogs, ist aber der politischen Polizei gut bekannt.
Den Einzelfall Hansen vermag ich nicht zu erkennen. Da gab es einen Herrn Steinkühler, der sich mit Daimler-Aktien eine goldene Nase verdient hat. Dann gibt es einen Herrn Riester, der in diversen Aufsichtsräten von Versicherungen sitzt. Beides ehemalige IG Metall Vorsitzende.
Etwas googeln:
bwb.de/con...
berlinonli...
zwei Beispiele aus der berliner ötv.
Die Liste lies sich wahrscheinlich endlos weiterführen.
Wenn ich an Herrn Sommer denke, wird mir ganz schlecht. Der findet ja alles gut, was die spd macht.
Die IG Bergbau Chemie Energie ist schlicht indiskutabel. Arbeitnehmerinteressen spielen da keine Rolle.
Nun sollte doch die Konsequenz der Transnet Mitglieder ein schneller Wechsel zur GDL sein, der Hansen braucht schließlich starke Partner wenn es um Tarife geht. Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn mit etwa Sukale Gehalt (140000 im Monat) wer kann da schon nein sagen.
Moin moin,
Siemens u.a. musste sich die zu kaufende Gewerkschaft noch selbst gründen, bei der Bahn hat Hansen eine Teilgewerkschaft, IMHO nicht mal die kleinste im DGB-Verband, “freiwillig” geopfert. Schon manche Transnet-Vorgänge/Äußerungen während des GDL-Streiks waren verdächtig. Hansen gehört weggeschlossen, jedenfalls würde er das in einem Rechtsstaat, in einer Bananenrepublik darf er natürlich bei einem teilprivatisierten Unternehmen anheuern und abkassieren.
Wer hat uns verraten?
0.02FRZ wolfgang
@1 Jochen Hoff
Vielen Dank für den letzten Absatz.
Er hat mich geradezu magisch zu Ihrem Weblog gezogen. Nach einer Weile des Schmökerns habe ich ihn schleunigst verlinkt, um ihn regelmäßig zu lesen. Wirklich sehr, sehr interessant für mich.
Dieser Hansen Hansel macht nicht nur Nägel mit Köpfen, er haut auch noch den Hammer drauf.
Diese SPD und ihre rechts-schaffenden Fucktionäre schaffen es doch immer wieder, mir beim Abbau meiner Fettleibigkeit zu helfen. Denn ob solcher Nachrichten, weigert sich mein Mageninhalt ein solcher zu bleiben.
Manchmal glaube ich, dass Leute wie Hansen der Grund sind, warum Schusswaffen in Deutschland verboten sind.
Dass ausnahmslos alle großen Gewerkschaften bedingungslos korrumpiert sind, war mir spätestens seit dem Telekomskandal 2004/5 klar. Damals bin ich deswegen ausgetreten und durfte noch nach eingeleitetem Mahnverfahren 3 Monate Abogebühr nach der Kündigung bezahlen.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es noch untere Ränge in den großen Gewerkschaften gibt, die nicht kriminelle Drecksäue im moralischen Sinne sind, jedoch sind das nicht die, die den Kurs bestimmen - es sind nur ausführende Organe.
Das einzige was noch gegen Parasiten wie Gewerkschaften hilft, ist ein Austritt und gezieltes Abwerben wo und wann sich Gelegenheit bietet. Ich denke nicht, dass ich übertreibe, wenn ich behaupte, dass es in Deutschland keinerlei Arbeitnehmervertretung mehr gibt. Gewerkschaften sind das Instrument von Arschlöchern (Kapitalisten), ihren Opfern Sand in die Augen zu streuen. Man sollte die Augen schließen, denn die Hansens sind keine bedauerlichen Einzelfälle.
Hagen Rether hat einen schönen Satz (für Ex-DDLer) ausgesprochen (frei zitiert):
Sie haben ihnen immer wieder gesagt, dass der Kapitalismus zynisch und menschenverachtend ist. Und die haben das nicht geglaubt! Die haben gedacht, das wäre Propaganda … Ja!
Mehr muss man zu dem Gewürge der “westlichen Demokratien” nicht sagen, in denen z.B. Stoibers und Oettingers für Blasphemie 3 Jahre Knast fordern und damit jeglichen Unterschied zu “Bösen” wie dem Iran relativieren. Mich widern diese Machertypen einfach nur noch an.
Wenn Schusswaffen in Deutschland legal zugelassen wären, gäbe es diese bundesdeutsche Demokratur schon lange nicht mehr.
Die Geschichte der bundesdeutschen Gewerkschaften war schon immer die, eines korrupten Haufen von Vertretern, die sich einbildeten, sie wären die wahren deutschen Kapitalisten. Hansen ist nur ein Ausdruck dieser jahrzehntelangen Politik, die ihren Kern, im alten faschistischen Führerprinzip hat.
Statt bürgerliche Wahlen, sollte man Schusswaffen für alle einführen und Sachleistungen wie HarzIV sollten grundsätzlich in Ak47 Sturmgewehren ausgewiesen werden.
Wie schnell wäre die Großmäuligkeit und Selbstbedienungsmentalität der bundesdeutschen Eliten damit erledigt.
Mephistopheles Medorn! Ich möchte gern mal wissen, mit wem Du gewettet hast.
Ich weiss nicht wo ich diese Münze hinstecken soll. Die eine Seite zeigt, wie wichtig es ist Menschen in Führungsposition auf die Finger zu schauen; wie mangelnde Transparenz gepaart mit selbstgefälliger Ignoranz, Menschen korrumpiert; wie wichtig es ist, das zur Sprache und bringen und öffentlich zu machen.
Die andere Seite führt zu Bürgern, die ihre Politiker und Wirtschaftslenker verachten. Die sich dann denken: Was hat der gerade bestellt? Egoismus on the rocks? Für mich einen Doppelten, bitte.
Medien und Blogs zerren die Menschen zwar an den Pranger, aber es entsteht daraus keine Konsequenz - schon gar nicht eine Nachhaltige.
Ich habe das Gefühl, als würden Politiker und Wirtschaftsbosse immer öfter DIE ÄRZTE hören: “Lass die Leute reden, dass haben sie immer schon getan.” - und vergessen auch.
Das finde ich doof.
@9 Paul Lanon
Ja das finde ich auch doof. Aber wenn du deinen Gedanken auch nur noch einen Millimeter weiter verfolgst, dann musst du zur Revolution aufrufen.
Wenn es kein Recht mehr gibt, weil die Mächtigen das Recht verachten, wenn dem Mehdorn und anderen niemand mehr in den Arm fällt, dann haben wir eine rechtlose Situation, auch wenn formal ein Recht besteht.
Ein staatliches Zusammenleben in einem rechtlosen System ist aber nicht möglich, da es keine Ordnungs- oder Orientierungsfunktion mehr gibt. Sinn der Gesetze ist ja auch Orientierung zu geben. Wenn ein staatliches Zusammenleben aber unmöglich ist, dann haben wir eine Staatskrise. Da unser Verfassungsminister gekauft, der Bundespräsident von einem bekennenden Nazirichter gewählt wurde und die Mandatsvergabe innerhalb einer Parteidiktatur erfolgt, lässt sich diese leicht bestätigen.
Also müssen wir noch einmal neu anfangen. Nicht in der Paulskirche. Aber vielleicht mit dem originären Grundgesetz als Grundlage für eine verfassungsgebende Versammlung die aus den Reihen der Bürger gewählt werden muss und bei der die Zugehörigkeit zu Parteien einen automatischen Ausschluss bedeutet. Sagen wir dann noch das nur der gewählt werden kann der 36 Monate in seinem Wahlkreis lebt und dies auch für die Zeit der verfassungsgebenden Versammlung tun wird.
Aber das ist eben nur ein Traum. Weil alle da stoppen wo man weiter gehen müsste. Wo man jetzt in Frieden weitergehen müsste, bevor ein noch ein bewaffneter Aufstand möglich ist. Der wird mit Sicherheit kommen.
@10 Jochen
Na aber sicher ist das möglich - anderenfalls hätte es bis dato nirgends ein staatliches Zusammenleben gegeben.
Und was käme dabei heraus? Eine Verfassung … wow! So was haben wir aber und nicht mal eine schlechte. Was nutzt Dir die beste Verfassung, wenn Du ein unmoralisches und korruptes Volk hast?
Nur wenn dereinst Brot und Spiel aufhören sollten, oder die Babaren uns überrennen - beides ist unwahrscheinlich, aber das hätte ein Römer aus dem Jahre 300 a.d. auch gesagt.
@11 Spiegelfechter
“Na aber sicher ist das möglich - anderenfalls hätte es bis dato nirgends ein staatliches Zusammenleben gegeben.”
Könntest Du das etwas näher ausführen?
“Und was käme dabei heraus? Eine Verfassung … wow! So was haben wir aber und nicht mal eine schlechte. Was nutzt Dir die beste Verfassung, wenn Du ein unmoralisches und korruptes Volk hast?”
Wir haben eine, sicher. Aber gilt sie auch noch, bzw haben die Menschen den Eindruck, dass sie noch gilt? Und sodann die Frage - wie kommt es zu einem ‘unmoralischen und korrupten Volk’? Die Entscheidungen des Einzelnen sind in hohem Maße von den Strukturen abhängig, in denen sie getroffen werden (müssen). Stimmt also vielleicht mit den Strukturen etwas nicht, so dass sie sogar die Verfassung ‘aushebeln’, bzw ihre ‘gute Absicht’ konterkarieren? Ist, um nur ein Beispiel zu nennen, die ‘Würde des Menschen’ mit der heutigen Praxis der Lohnarbeit und den ‘Anforderungen einer globalisierten (Profit-) Wirtschaft’ überhaupt noch vereinbar?* Und wenn nicht, was überwiegt dann im Zweifelsfalle?
*Die Frage, ob sie das auch bzw gerade nach ‘westlicher’ Auffassung dieses Begriffs je war möchte ich zunächst mal ausklammern…
@Peinhard
Wenn man an die Rechtspraxis derart hohe Ansprüche stellt, wie Jochen, muss man konzidieren, dass es mW nie einen Staat gab, in dem immer alle vor dem Recht gleich waren, auch wenn dies häufig konstitutionell so vorgegeben ist.
In den meisten Fällen wohl schon - wenn man auch kräftige Abstriche macht
Na aber sicher - aber alle Ansätze, andere Strukturen zu schaffen, haben zu ähnlichen Ergebnissen bei der Moral des Volkes geführt - insofern bin ich da pessimistisch, dass dies überhaupt zu ändern wäre. ICh weiß, Du siehst das anders ;-)
Ohne Umschweife - ja
Jens, ich habe keine komplette Gleichheit vor dem Gesetz verlangt. Aber denk einfach mal 20 Jahre zurück, da wäre das was heute normal erscheint nicht möglich gewesen. Wir haben einen Systemwandel erlebt wie er so stark vorher noch nie ohne revolutionäre Veränderungen oder nach verlorenen Kriegen stattgefunden hat.
@Jochen
In gewisser Weise hast Du da natürlich recht, aber wir sollten nicht vergessen, dass auch damals nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war. Nehmen wir Flick oder die Neue Heimat - Korruption und Vorteilnahme gab es - auch unter den DGB-Gewerkschaften - auch damals schon. Aber der Aufschrei war freilich größer - auch wenn er nichts gebracht hat.
Ich halte es nicht für einen Systemwandel; sondern “nur” um das “Ausdemruderschlagen” einiger Parameter - was dies Sache freilich keinen Jota besser macht.
@13,15 Spiegelfechter
“Ohne Umschweife - ja”
Nun, meiner Meinung nach nicht, und zwar schon grundsätzlich nicht, Stichwort ‘Mittel’. Aber das ist sicher keine einfache Frage, zumal der Begriff der ‘Menschenwürde’ ja auch vor dem Hintergund dieses Systems definiert und eingeschränkt wurde. Wenn ich mir aber die HatzIV-Praxis und Löhne unter dem Existenzminimum ansehe, empfinde ich das Gerede von Würde, die zu schützen vornehmste Aufgabe der Staatsgewalt sei, nur noch als Hohn.
“Na aber sicher - aber alle Ansätze, andere Strukturen zu schaffen, haben zu ähnlichen Ergebnissen bei der Moral des Volkes geführt - insofern bin ich da pessimistisch, dass dies überhaupt zu ändern wäre.”
Was wäre denn in diesen Strukturen so anders gewesen? Ich weiss, du siehst das entweder anders oder nicht gerne, aber die grundlegenden, vom Ollen aus Trier kritisierten Kategorien sind nie angegangen worden. Und schon deshalb kann man seine Kritik und ihre Implikationen nicht einfach als ‘gescheitert’ abtun.
“Ich halte es nicht für einen Systemwandel; sondern “nur” um das “Ausdemruderschlagen” einiger Parameter - was dies Sache freilich keinen Jota besser macht.”
Hier kann ich dir natürlich nur recht geben. ;) Wir erleben nur die logischen Konsequenzen des ‘warenproduzierenden Systems’ in einer erneuten krisenhaften Verschärfung, auf die offenbar weder der bereits in den 80ern weitestgehend ad acta gelegte ‘klassische’ Keynesianismus noch der darauf folgende Umschlag ins ‘Gegenteil’, der sog ‘Neoliberalismus’ (der sogar noch viel weniger, weil er die Vorgänge noch zusätzlich beschleunigt), eine Antwort wissen.
Hier kommt, folgt man dem ‘Ollen’, eben eine systemimmanente Grenze dieses hochexpansiven Systems zum Ausdruck, und zwar jenseits aller ‘äußeren’ Wachstumsgrenzen wie zB natürliche Ressourcen. Die noch zu erobernden Märkte nach innen wie aussen werden (mal wieder) knapp (Globalisierung wie Privatisierung sind nur zwei Seiten derselben Medaille), und die ‘Chancen’ auf neue ‘heisse’ Kriege steigen.
@11 Jochen
Ich hoffe zwischen meinen Gedanken und eine Revolution liegt mehr als ein Millimeter. Dazwischen muss es eine Alternative geben.
Ich glaube nicht, dass es hier nur ein Parameter aus dem Ruder des Systems schlägt. Ich sehe hier das Zwischenergebnis einer fehlerhaften Gleichung. Und der Fehler liegt in der Variable “Mensch”. Selbst in einem anderen System, installiert durch eine Revolution, werden wir wieder korrupte Menschen finden. Der Mensch ist korrupt, nicht das System. Daher würde eine Revolution keinen Sinn machen. Dann ändert sich der Kopf, aber nicht das Verhalten.
DIE GRÜNEN: Ausgezogen, um der Politik das Fürchten zu lehren und angekommen in der fragwürdigen Notwendigkeit von Auslandseinsätzen der Bundeswehr.
>Der Mensch ist korrupt, nicht das System.
Fein! Das System wird von Menschen getragen und durch diese ja erst erschaffen. Deshalb können wir ihm keine Schuld geben? Sorry, aber das Argument ist so scheinheilig, daß es eigentlich Leitspruch eines jeden Politikers sein könnte. Dieses System - durch uns erschaffen - führt uns doch erst zu den angesprochenen Problemen. Also haben wir etwas falsch gemacht und sollten uns Gedanken darüber machen, wie man es verbessern könnte. Aber wer blockiert uns bei der Findung einer Lösung? Ja, wir natürlich, weil wir das System ja tragen. Das ist so ziemlich die weichspühlendste und zirkelschlüssigste Äußerung eines (vermutlichen) Nichtpolitikers, die mir untergekommen ist. “Wir haben es ja mit Menschen zu tun, die sind ohnehin korrupt, da können wir es ja gleich bleiben lassen, etwas verändern zu wollen, weil das ja ohnehin aus dem Ruder läuft wegen Korruption und Sie wissen schon …” Aus diesem Grund Devolution bzw. Stagnation, oder was? Wenn Revolution den Kopf verändert - wie von dir postuliert - dann ändert sie somit zwangsläufig das Verhalten. Oder bist du der Meinung, daß vernunftgesteuertes Verhalten unmöglich ist? Wenn ja, dann will ich nichts gesagt haben und wünsche dir viel Spaß bei deinem weiteren Dahinsiechen. Laß dich nicht von irgendwelchen Denkern stören, die fabulieren ohnehin nur herum.
@ 15 Spiegelfechter
Natürlich war damals nicht alles in Ordnung, das kann es ja schon deshalb nicht sein, weil jeder Mensch diesen Zustand anders definiert. Aber es war besser. Wir haben uns also verschlechtert. Wir haben uns von den neoliberalen Heilsversprechern auf die falsche Bahn schicken lassen.
@17
Dem möchte ich ausdrücklich nicht zustimmen! Nenne mich einen unverbesserlichen Positivdenker, aber meine mittlerweile 39-Jährige Erfahrung sagt mir ganz klar, dass genau diese Aussage eben nicht zutrifft.
Die meisten Menschen sind soziale Lebewesen, die gerne auch teilen, wenn es dadurch der Gemeinschaft besser geht, die mitfühlen, die ein ethisches Grundbewußtsein haben und Verantwortlichkeit erkennen.
Ja, auch der klassische Bildleser ist kein opportunistischer Egoist - trotz der Medienverblödung bewegt er sich in einem sozialen Rahmen, der - ohne dass er es intellektuell begreift - dafür sorgt, dass es der Gemeinschaft auf Kosten aber auch im Endeffekt zum Nutzen des Einzelnen besser geht.
Unser Problem sind die Strukturen, die unsere Staatsgebilde aufweisen, denn sie sind so beschaffen, dass der geringe Prozentsatz an geldgeilen, skrupellosen Arschlöchern eben durch ihre Gewissenlosigkeit die Möglichkeit hat, ein im Kern faires Systems zu unterwandern und für die Befriedigung des eigenen Egoismus zu pervertieren.
DAS ist das, was wir in den letzten 20 Jahren gesehen haben. Aber nach der Neudefinition der BRD gab es mehrere Jahrzehnte, in denen die Arschlochfraktion nicht Oberwasser hatte - so wie es derzeit der Fall ist. Das ist ein deutliches Indiz, dass der Versuch unseres Staatsgebildes nicht schlecht war, sondern lediglich bei den Selbstschutzfunktionen nicht richtig ausgereift.
Dein Schluss: Der Mensch ist schlecht und lebt deswegen in schlechten Gemeinschaften ist meiner Ansicht nach falsch. Es müssen nur Methoden gefunden werden, die Korrupten und Gewissenlosen, die derzeit 99, Periode 9% unserer Regierung stellen, nicht in entscheidungsbefugte Positionen kommen zu lassen.
@20 schwitzig
“Unser Problem sind die Strukturen, die unsere Staatsgebilde aufweisen, denn sie sind so beschaffen, dass der geringe Prozentsatz an geldgeilen, skrupellosen Arschlöchern eben durch ihre Gewissenlosigkeit die Möglichkeit hat, ein im Kern faires Systems zu unterwandern und für die Befriedigung des eigenen Egoismus zu pervertieren.”
Dieses ‘im Kern faire System’ ist also so beschaffen, dass es systematisch ‘geldgeile, skrupellose Arschlöcher’ durch ihre ‘Gewissenlosigkeit’ an die Spitze spült. Kann es also vielleicht sein, dass dieses System eben ‘Gewissenlosigkeit’ honoriert? Kann das vielleicht wiederum daran liegen, dass es - all unseren Annahmen vom ‘gerechten Tausch’ zum Trotz - im Kern eben doch alles andere als ‘fair’ ist? Das System von vor 20, 30 oder 50 Jahren war nämlich ‘im Kern’ absolut dasselbe. Und auch die Skrupellosigkeit und Geldgeilheit der Eliten unterscheidet sich allenfalls im Grad, aber eben nicht im ‘Kern’.
Um Missverständnis vorzubeugen bzw sie vielleicht auch nachträglich auszuräumen - die Meinung, dieses System sei zwar unfair, ‘aber immer noch das beste’ kann ich noch eher akzeptieren als die - Verzeihung - doch sehr naive und oberflächliche, es sei eigentlich fair, und alle Unbill nur den ‘falschen Leuten am falschen Platz’ geschuldet. Erstere führt nämlich wenigstens noch zu der ’sytematischen’ Einsicht, dass die Ergebnisse der Korrektur bedürfen, während letztere sich entweder im Lamentieren erschöpft oder gar zum ‘freien Spiel der freien Kräfte’ erst so richtig einlädt.
Gut, zugegeben, wirklich akzeptieren kann ich auch erstere nicht, spätestens wenn ich mir klarmache, dass wir ‘im Kern’ schon wieder vor den gleichen Problemen stehen wie vor dem ersten und zweiten Weltkrieg und dass die ‘zuckersüßen Wirtschaftswunderjahre’ auf nichts anderem fußten als auf der vorangegangenen gigantischen Zerstörung.
@Peinhard
100% D´accord - die Frage, die uns trennt, ist die, ob Hartz IV etc. alternativlos durch die Praxis der “Lohnarbeit” bedingt ist, oder ob es (siehe z.B. Dänemark) auch Alternativen gibt? Ich bin mir sicher, dass es Alternativen gibt (TINA - TATA).
Stopp! Der olle aus Trier war ein Ökonom. Seine Kritik ist keinesfalls “gescheitert”, sondern (in angepasster Form) aktueller denn je. Die Implikationen sind da so eine Frage - ich halte seine Kritik für goldrichtig, jedes Gesellschafts(!)system, dass allerdings darauf aufbaut und sich “kommunistisch” nennt, halte ich für gescheitert, bevor es überhaupt umgesetzt werden könnte, da man den Menschen neu erfinden müsste - er ist nämlich kommunismusinkompatibel. Das gilt freilich nicht für einen marktwirtschaftlichen Sozialismus - auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund von diesem System bin.
@18 kpoint
Das eine bedingt das andere - schau Dich auf der Welt um, in der Gegenwart und in der Geschichte. Korruption gab es immer und wird es immer geben - es ist halt nur die Frage, inwieweit sie “das System” durchwuchert und welche Folgen das für die Allgemeinheit hat. Die mordernen Staaten Skandinaviens sind übrigens so ziemlich die unkorruptesten Systeme, die es je gab und der Lebensstandard der Menschen dort ist - trotz Kapitalismus und Globalisierung - einer der höchsten, die je ein Volk auf diesem Planeten genießen durfte. Aber hier kommt die Frage nach der Henne und dem Ei - bedingt die Transparenz dieser Staaten den Wohlstand, oder bedingt hier ein System, dass jahrzehntelang Wert auf eine flache Einkommensverteilung gelegt hat, die fehlende Korruption?
@22 Spiegelfechter
“Die Implikationen sind da so eine Frage - ich halte seine Kritik für goldrichtig, jedes Gesellschafts(!)system, dass allerdings darauf aufbaut und sich “kommunistisch” nennt, halte ich für gescheitert, bevor es überhaupt umgesetzt werden könnte, da man den Menschen neu erfinden müsste - er ist nämlich kommunismusinkompatibel.”
Das hätte ich - schon weil der Begriff ‘Kommunismus’ so ‘kontaminiert’ ist - gern auch noch etwas ausführlicher. Das was sich historisch Kommunismus nannte (oder nennt) hat ja wie gesagt den Kern der Kritik eben nicht berücksichtigt, sondern den untauglichen Versuch unternommen, mit den alten Kategorien etwas angeblich Neues zu bauen. Dass sie dabei dann wieder in das Alte zurückgeschliddert sind, mag nicht sonderlich überraschen.
Blickt man allerdings etwas weiter ‘zurück’, dann findet man durchaus Gesellschaftsformationen, die man als ‘kommunistisch’ auffassen könnte. Die ‘conditio humana’ kann ich also nicht so ‘ohne weiteres’ in’s Feld führen, sondern muss mir im Gegenteil Gedanken um eben dieses ‘weitere’ machen.
Ich behaupte ja nicht, dass es einfach wäre, über die Kategorien Eigentum, Ware, (Lohn-) Arbeit etc hinauszudenken bzw aus ihnen hinaus - schliesslich sind wir seit vielen Generationen ‘wie selbstverständlich’ damit aufgewachsen. Aber ist es wirklich unmöglich? Was wird aus diesem System, wenn alle Märkte gesättigt (nicht zu verwechseln mit ‘alle Bedürfnisse befriedigt’) sind? Wenn die ‘Selbstverwertung des Wertes’ immer wieder, immer öfter und immer mehr stockt und nur um den Preis immer gigantischerer Verwüstungen und immer größerer Opfer wieder in Gang gebracht werden kann? Der Mensch ist schon eine selten dämliche Tierart, aber muss er wirklich so dämlich sein?
Oder wieder anders gefragt - welche Konsequenzen sind aus der ‘goldrichtigen’ (putziges Adjektiv, btw) Analyse denn zu ziehen?
@Peinhard
Na das würde mich jetzt aber interessieren, welche Du da meinst.
Das hieße, dass kein Markteilnehmer mehr den Wunsch verspüren würde, eine Ware einzutauschen - so einfach kann man das nun einmal nicht von der Bedürfnisbefriedigung trennen. Wenn die Märkte quantitativ erschlossen sind, so können sie qualitativ wachsen. Auch eine Stagnation und sogar ein Rückgang widersprechen nicht der Marktwirtschaft als solches, sondern fordern nur eine Neuorientierung weg vom Wachstum als Motor - aber diese Diskussion möchte ich nicht schon wieder antreten ;-)
@18
Bei einer Revolution ändert sich der Kopf, nicht: Revolution ändert den Kopf. Der Profiteur verändert sich, aber nicht das Verhalten.
Teil des Problems zu sein ist kein Freibrief, alles beim Alten zu lassen. Aber es muss eine Alternative geben, zwischen dem Sturm des Parlaments und stagnierender Resignation. Denn ich glaube, Verhalten ändert sich nachhaltig nur durch kleine mühselige Schritte. Wie die aussehen, werde ich selbstverständlich fabulierenden Denkern überlassen. Aber ich kann ja mal ein paar Stichworte geben: nachhaltiger Journalismus, Rechenschaftspflicht von Politikern gegenüber freien Medien, Transparenz, bewusste, politische Eigenverantwortung.
@20
Wie schnell ist das ethische Grundbewusstsein - die Vernunft - dahin, wenn es um Familie, Kinder, Existenz oder den gesellschaftlichen Status geht? Dann wird Vernunft relativ, und es entstehen Momente, da sie neu definiert wird. Das es führt zu einem Vernunftsgefälle innerhalb einer Gesellschaft - aus der zwangsläufig Spannungen resultieren.
Es gibt sie nun mal, die kleine und große Vernunft, die kleine und große Korruption, die verführt. Und sie wird gesellschaftlich geduldet. Wer aufsteht, und Missstände aufdeckt, der wird doch nicht gefeiert? Der bekommt doch keine lebenslange Rente.
Das wäre doch mal eine Lösung: Wer Gesetzesverstöße in einem Unternehmen aufdeckt, bekommt eine staatliche Sofortrente, die für sich und seine Familie reicht.
@23
Und spätestens jetzt muss ich betteln: Mehr über die moderneren Staaten Skandinaviens bitte. :D
@25 Spiegelfechter
“Na das würde mich jetzt aber interessieren, welche Du da meinst.”
Ganz klassisch Sammler und Jäger zB. Auch manche Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit scheinen solche Schlüsse zuzulassen, ebenso einige indianische Gesellschaften.
“Auch eine Stagnation und sogar ein Rückgang widersprechen nicht der Marktwirtschaft als solches, sondern fordern nur eine Neuorientierung weg vom Wachstum als Motor…”
Aber Wachstum _ist_ der Motor einer Marktwirtschaft, gerade das macht ja auch ihre ‘Überlegenheit’ gegenüber den og Gesellschaften aus, und hat damit ja auch deren Untergang bedingt. Wie kann man denn Marx’ Kritik goldrichtig finden und gleichzeitig von einer wachstumslosen Marktwirtschaft träumen? Und noch nicht mal Gesellianer sein? ;)
“…aber diese Diskussion möchte ich nicht schon wieder antreten ;-)”
Ist aber genau die, die wir führen müss(t)en…
@Peinhard
Bei den Jägern und Sammlern gab es (wie auch bei den Indianern) Stammesstrukturen, d.h. die Stammesoberen haben die Stammesunteren für sich arbeiten lassen. Desweiteren gab es damals “selbstverständlich” Sklaverei - Kriegsgefangene leisteten Sklavenarbeit für den “Siegerstamm” - so romantisch, wie man sich das vorstellen mag, war es auch nicht. Als im Zweistromland die ersten komplexeren Gesellschaften entstanden, gab es Gesellschaftsformen, die heute zurecht als barabarisch gelten - ähnliches gilt für fortgeschrittenere Indianervölker - die “edlen Wilden” hat es so nie gegeben, wenn man mal die romantischen Schilderungen einiger Pazifikreisenden als träumerisch herauslässt.
Wir halten fest: Es gab nie eine Gesellschaft (nach der Jungsteinzeit), die nicht marktwirtschaftlich gewesen wäre.
Marx äußerte doch nie Fundamentalkritik am Wachstumsgedanken an sich - ich träume auch keinesfalls von einer wachstumslosen Marktwirtschaft - da interpretierst Du mich miss. Ich sagte lediglich, dass eine solche möglich wäre. Und mit Gsell und Konsorten … hör mir bloß auf ;-)
Schaffe mir einen “neuen Menschen” und wir reden weiter - ja, mit Indoktrination wäre dies alles möglich. So etwas ist mit meinen liberalen und humanistischen Grundüberzeugungen aber keinesfalls zu vereinbaren. Da unterscheidet sich halt der “Linke” vom “Linksliberalen” ;-)
“Wir halten fest: Es gab nie eine Gesellschaft (nach der Jungsteinzeit), die nicht marktwirtschaftlich gewesen wäre.”
Aber hallo. Selbst der Feudalismus war noch keine ‘Marktwirtschaft’, wenngleich sie in ihm schon ‘keimte’.
“Marx äußerte doch nie Fundamentalkritik am Wachstumsgedanken an sich…”
Nein, er äußerte ‘nur’ eine Fundamentalkritik eines warenproduzierenden Systems, dessen Werte sich ex post auf einem Markt realisieren und das notwendig Lohnarbeit und (Privat-) Eigentum bedingt. Und er hat gezeigt, dass und warum ein solches System ‘expansiv’ ist, dh wachsen _muss_. Das ist natürlich und in der Tat etwas anderes als eine ‘Fundamentalkritik am Wachstumsgedanken an sich’, die ja auch vollkommen hirnrissig wäre.
“Ich sagte lediglich, dass eine solche möglich wäre.”
Das dürfte doch eigentlich niemand, der an Marx’ Aussagen zB zur ‘Globalisierung’ auch nur geschnuppert hätte, so behaupten. Jedenfalls nicht, wenn er seine Kritik als ‘goldrichtig’ bezeichnet. Das, sorry, ‘geht gar nicht’.
Oder wir müssten diskutieren, wie eine ‘Marktwirtschaft’ ohne die obigen Ingredenzien aussehen sollte, bzw was gegeben sein muss und was nicht. Und ob und warum das dennoch ‘Marktwirtschaft’ genannt werden könnte.
“Schaffe mir einen “neuen Menschen” und wir reden weiter - ja, mit Indoktrination wäre dies alles möglich. So etwas ist mit meinen liberalen und humanistischen Grundüberzeugungen aber keinesfalls zu vereinbaren. Da unterscheidet sich halt der “Linke” vom “Linksliberalen” ;-)”
Jetzt behaupte nur noch, Ausbeutung läge dann vor, wenn jemand ‘zu wenig Lohn’ bekäme, dass B immer größer G sei und dass wir ja so gar nicht ‘indoktriniert’ wären. Ich habe nie von Indoktrination gesprochen, auch nie von einem ‘neuen Menschen’, und gedenke das weiterhin nicht zu tun. Ich appelliere nur an die Vernunft und - jawohl! - den Egoismus jedes Einzelnen angesichts eines nicht mehr weiterführenden, sondern sich längst auf mehr als einer Ebene gegen die eigenen Grundlagen wendenden Systems, an ein Umdenken also, das letztlich natürlich nur Kraft des eigenen kritischen Verstandes möglich ist - auch wenn einen die eine oder andere gedankliche Vorarbeit überzeugen mag. Und zwar ein grundsätzliches, weil alles ‘Reformieren’ innerhalb der Kategorien dieses Systems genau diese letztlich destruktiven Züge nicht ändern kann. Ich glaube auch nicht an die Zukunft als ‘automatisches Romantik-Dinner’, genausowenig, wie ich das von der Vergangenheit glaube. Im Gegenteil halte ich das für eine verdammt anstrengende Aufgabe.
Mit deiner Aussage zu dieser (marxschen, nicht ‘marxistischen’) Kritik hast du mich aber anscheinend nur gewaltig auf’s Glatteis geführt. Schade eigentlich, eine Diskussion darüber und welche Implikationen das haben könnte/sollte, hätte ich interessant gefunden, aber welche Konsequenzen du und vor allem woraus nun eigentlich ziehen wolltest, verrätst du ja auch nicht. Lasalle reizt mich aber eher weniger, und im Kreise drehen kann ich mich notfalls auch alleine.
Zu den skandinavischen Ländern wäre noch zu sagen, dass sie in der Tat vieles besser machen als wir hier. Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Entwicklung in dieselbe Richtung geht. Und das sagt wiederum etwas über das ‘warenproduzierende System’, dessen Teil sie sind und von dessen Folgen sie sich natürlich auch nicht entkoppeln können.
@Peinhard
So so … über welchen Mechanismus -außer den des Marktes - wurde den bitte im Feudalismus die Allokation von Gütern bewerkstelligt? Ich bin gespannt.
An welcher Stelle in welchem Werk spricht er von einem Zwang?
Ich gestehe - ich bin da kein Spezialist und könnte auch falsch liegen. Ich habe eine solche Stelle zumindest nie gelesen.
Marx und Globalisierung? Wenn der olle Kalle wüßte, wie er ausgelegt wird ;-)
Das ist lediglich Marx-Exegese aber nicht Marx.
Wenn Du den Markt als Instrument der Güterallokation nicht ausschalten willst, ist es Marktwirtschaft. that´s no rocket-science.
Was ist Ausbeutung? Beutet eine Frau einen Mann aus, wenn sie mit ihm zusammenlebt, ohne selbst Geld zu erwirtschaften? Beutet ein Vertragspartner seinen Partner aus, wenn beide freiwillig beschließen, dass der eine gegen ein Entgeld eine Dienstleistung für den Anderen erbringt? Mir gefällt das Wort nicht - damit sage ich allerdings keinesfalls, dass ein Teil des Arbeitssystems idT Ausbeutung ist.
Was ist zu wenig Lohn? In einem marktwirtschaftlichen System gebe es so etwas gar nicht - das bedingt allerdings die Freiheit des Arbeitnehmers, den Lohn frei(!) auszuhandeln - was leider nur graue Theorie ist. Zumindest für einen signifikanten Teil der Lohnempfänger.
Das ist ok - wenn ein System allerdings gegen den vorhandenen menschlichen Geist widerspricht und man sagt, “der Mensch müße sich von seinen Fesseln befreien”, dann ist dies Indoktrination. OK, Du hast das nicht gesagt, es ist aber neomarxistische Linie.
Und was ist, wenn diese Vernunft sich nicht durchsetzen mag?
Oh, ich lehne nur (mittlerweile) die Diskussion über Freiwirtschaft ab - über alles andere diskutiere ich gerne.
Das denke ich nicht - es sagt vielmehr über den Missbrauch des Systems aus, der idT gloablisiert ist.
( gelöscht, zu faul zum editieren - wie zitiert man hier eigentlich ? )
@31
#blockquote# ZITAT #/blockquote# Rauten durch spitze Klammern ersetzen :)
@Peinhart
“· Peinhard am 11. Mai 2008 um 11:22 - Permalink
@20 schwitzig
“Unser Problem sind die Strukturen, die unsere Staatsgebilde aufweisen, denn sie sind so beschaffen, dass der geringe Prozentsatz an geldgeilen, skrupellosen Arschlöchern eben durch ihre Gewissenlosigkeit die Möglichkeit hat, ein im Kern faires Systems zu unterwandern und für die Befriedigung des eigenen Egoismus zu pervertieren.”
Dieses ‘im Kern faire System’ ist also so beschaffen, dass es systematisch ‘geldgeile, skrupellose Arschlöcher’ durch ihre ‘Gewissenlosigkeit’ an die Spitze spült.”
Nein, ist es nicht. Es hat nur strukturelle Fehler, die das fatalerweise zulassen. Es fehlen Schutzmechanismen. Strafen sind durchaus vorhanden, jedoch gibt es nur unzureichende Kontrollmöglichkeiten und vor allem gibt es keine Leistungsabhängigkeit bzw. Verantwortlichkeit.
“Um Missverständnis vorzubeugen bzw sie vielleicht auch nachträglich auszuräumen - die Meinung, dieses System sei zwar unfair, ‘aber immer noch das beste’ kann ich noch eher akzeptieren als die - Verzeihung - doch sehr naive und oberflächliche, es sei eigentlich fair, und alle Unbill nur den ‘falschen Leuten am falschen Platz’ geschuldet. ”
Das hast Du falsch verstanden, denn den Bodensatz an 10% Ackermann-Abschaum wird es immer geben. Unser Staatsgebilde muss nur davor geschützt werden, von diesen Subjekten infiltriert und damit korrumpiert zu werden.
@30 Spiegelfechter
Verzeihung, aber ich dachte, wir sprechen hier über ‘Die Marktwirtschaft’, diejenige also, die sich mit Industrialisierung zu eben der spezifischen Form mit den bereits mehrfach genannten Ingredenzien entwickelt hat; die den Feudalismus, dessen bestimmendes Element das Lehen war und nicht Arbeit und Ware, abgelöst hat - und nicht über alles mögliche, in dem irgendwo auch sowas wie ein Markt (im Sinne von Basar) auftaucht. Also über jene ‘Marktwirtschaft’, die Marx analysiert und kritisiert hat und in Anlehnung an sein Hauptwerk auch Kapitalismus genannt wird. Dessen Strukturen keimten zwar mit dem Handelskapital schon im Feudalismus, aber erst das Industriekapital brachte den ‘doppelt freien’ Lohnarbeiter hervor und machte Markt, Arbeit und Ware zu den allgegenwärtigen und bestimmenden Elementen, die auch heute noch(?) unsere Gesellschaften prägen. Es hat mE auch wenig Sinn, über Marx zu sprechen, aber nicht über den Gegenstand seiner Untersuchung bzw über einen beliebig weiter gefassten oder gar nur ‘vorgestellten’.
Natürlich wäre es eine spannende Aufgabe, sich eine Wirtschaftsweise auszudenken oder vorzustellen, in der zwar der ‘Markt’ nach wie vor zentrales Element ist, aber ohne die von Marx analysierten und kritisierten (auto-) destruktiven Züge und die systematische Herstellung von Ungleichheit(en). Aber dann müsste man auch sagen, wie das aussehen soll - eine ‘wachstumslose Marktwirtschaft’ gibt es nach dessen Analyse eben nicht so ohne weiteres, dass man nur den Begriff in den Raum stellen müsste. Das kann man wie gesagt eigentlich nur, wenn man diese Kritik geflissentlich ignoriert. Meine Frage wäre also nach wie vor, wie du das trotz (oder mit) der als ‘goldrichtig’ rezipierten Kritik hinkriegen willst:
“Die [dieser Produktionsweise] immanente Notwendigkeit, auf stets größrer Stufenleiter zu produzieren” (Kapital III, MEW25, 345f) ergibt sich schon aus der von der Konkurrenz geforderten Notwendigkeit, die ‘Selbstverwertung des Wertes’, also den Weg von G zu G’, immer möglichst schneller und ‘effektiver’ zurückzulegen als die ‘Wettbewerber’. Genau das auch “treibt zur beständigen Ausdehnung des Weltmarkts” (aaO) - das Modewort ‘Globalisierung’ wird man bei Marx zwar wohl nicht finden (das heisst bei ihm noch ganz altbacken Weltmarkt bzw Welthandel), aber vor einigen Jahren war selbst in einer Studie der Großbank UBS zu lesen, dass deren ‘Mechanik’ von ihm bislang immer noch am besten und umfassendsten analysiert und erklärt wurde. Das ist also auch keine hergeholte Exegese, sondern ganz konkret nachzulesen. Dass uns Globalisierung zZt als etwas ganz unerhört Neues verkauft wird, dass angesichts dessen nichts bleiben könne wie es ist und alles in Frage gestellt werden müsse - das würde ich als ‘Indoktrination’ bezeichnen. Schliesslich hat der Welthandel erst vor kurzem überhaupt wieder das Volumen erreicht, das er schon vor dem ersten Weltkrieg hatte - zwei Griffen zur ‘Reset-Taste’ sei Dank.
Natürlich gibt es auch Stagnation und Rezession (also sogar ‘Minuswachstum’), das ist aber nicht der Normalfall und kann auch nicht lange durchgehalten werden, ohne ernsthafte Krisen oder sogar einen ‘Zusammenbruch’ zu riskieren. Die Expansion findet auch nicht nur nach ‘aussen’ (in Form des ‘Weltmarktes’) statt, sondern genauso nach ‘innen’ in Form von ‘Privatisierung’ ehemals öffentlicher Aufgaben und immer weiteren Vordringens des Marktes in immer ‘intimere’ Lebensbereiche. Gehörten Gemüsegärten und sogar das eigene Schwein vor wenigen Jahrzehnten noch zum Alltag vieler Menschen, ist die industrielle Erschliessung auch dieses ‘Marktes’ inzwischen so weit fortgeschritten, dass sogar das ’selber Kochen’ schon zur ‘bedrohten Tätigkeit’ geworden ist.
“Mir gefällt das Wort nicht - damit sage ich allerdings keinesfalls, dass ein Teil des Arbeitssystems idT Ausbeutung ist.”
Sollte ‘bestreite’ statt ’sage’ heissen…? Welcher bzw was für ein Teil? Laut Marx ist Ausbeutung (’Expropriation’) ja das bestimmende Merkmal dieses ‘Arbeitssystems’ - und erstaunlicherweise wird an dieser Stelle überhaupt nicht ‘moralisiert’, im Gegenteil ist zu lesen, die Tatsache, dass die Ware Arbeitskraft (nicht Arbeit!) als einzige mehr herstellen könne als sie koste, sei “ein Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht am Verkäufer” (sinngemäß). Und zwar deshalb, weil der Wert einer Ware eben immer durch die (durchschnittlichen) (Wieder-) Herstellungskosten bestimmt ist - dein Arbeitgeber wird dir also möglichst nur gerade soviel zahlen, dass du am nächsten Morgen wieder bei ihm auf der Matte stehst, und nicht etwa woanders oder gar zu Hause bleibst. Wobei das mit dem Zuhause-Bleiben so eine Sache ist, denn du bist ja ‘doppelt frei’ - frei von der Möglichkeit zur eigenen Subsistenz und daher frei, deine Arbeitskraft zu verkaufen, da du ja typischerweise nichts anderes hast, um deinen laufenden Unterhalt zu bestreiten. Im Sinne der Warenlogik und des Äquivalententausches ist das aber eben ein ‘gerechter’ Tausch - und dennoch führt genau dieser ‘gerechte Tausch’ zur Aneignung des Mehrwerts durch die Kapitalfraktion und damit auch zu fortschreitender Ungleichheit.
“Das ist ok - wenn ein System allerdings gegen den vorhandenen menschlichen Geist widerspricht und man sagt, “der Mensch müße sich von seinen Fesseln befreien”, dann ist dies Indoktrination.”
Da müsste man doch erstmal untersuchen, ob nicht der ‘vorhandene menschliche Geist’ selbst durch Täuschung und Verschleierung der ‘wahren Verhältnisse’, also durch ‘Indoktrination’ geprägt ist. Oder einfach nur ‘Unwissenheit’, ein ‘naiv-vorkritisches’ Verständnis der Dinge vorliegt. Und genau das soll Kritik und Analyse ja leisten. Ich würde das dann nicht ‘Indoktrination’ nennen, sondern ‘Aufklärung’. Das kommt aber natürlich darauf an, welchen Standpunkt man einnimmt, und diese Entscheidung muss letztlich jeder selbst mit dem eigenen Verstand ausmachen. Idealerweise jedenfalls. ;)
“Und was ist, wenn diese Vernunft sich nicht durchsetzen mag?”
Dann hamwa Pech gehabt. Und ehrlich gesagt - allzu zuversichtlich bin ich nicht. Wahrscheinlicher ist wohl, dass auf die eine oder andere Art nochmal die ‘Reset-Taste’ zum Einsatz kommt. :(
PS Ich bin übrigens auch weit davon entfernt, als ‘Spezialist’ durchzugehen.
@Peinhard
Genau das tun wir – Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, bei dem die Güterverteilung im Regelfall über Angebot und Nachfrage reguliert wird. Ein System, dass nicht zwingend über das universelle Tauschmittel Geld gehandhabt werden muß.
Auf dem Lehen wurde produziert, Überschüsse wurden gehandelt (Marktwirtschaft) und von den Überschüssen wurden Waren gekauft (Marktwirtschaft), die nicht lokal hergestellt wurden.
Das hat nichts mit dem physischen Markt zu tun, sondern mit Angebot und Nachfrage.
Wie auch immer man Marx´ Kapitalismus bewertet – er war nie als Fundamentalkritik an der Marktwirtschaft gemeint, sondern richtete sich gegen eine bestimmte Form der Marktwirtschaft.
Freilich, aber es macht mE auch wenig Sinn, Marx zu weit zu fassen. Seine Kritik ist heute „dank“ Neoliberalismus, Angebotspolitik, Globalisierung und Renditewahn aktueller denn je, es mach aber mE wenig Sinn, im Fahrwasser dieser Kritik praxisferne Utopien von einem Wirtschaftssystem ohne Märkte zu platzieren. Marx´ Kritik war goldrichtig, die Exegese seiner Kritik und auch seine eigenen(!) Schlüsse aus der korrekten Kritik, sind teils falsch, teils vergessen sie, dass die Welt heute ein Jahrhundert weiter ist.
Yep und bei dieser „spannenden“ Aufgabe bin ich auch ganz bei Dir.
Na aber freilich ;-)
Wenn (was Inhalt kommunistischer und sozialistischer Politik in D war) beispielsweise Kernindustrien verstaatlicht bzw. vergesellschaftet würden, so wären diese im Kern ja eben nicht abhängig von einem Wachstums- und Expansionszwang. Nehmen wir z.B. die kommunale (nicht die privatisierte) Wasserwirtschaft, die seit rund 15 Jahren ein massives negatives Wachstum hat (was für ein blöder Ausdruck ;-)) und dennoch gewährleistet, dass ihre Ware bezahlbar bleibt und die Angestellten nicht eben ausgebeutet werden.
Eben darin sehe ich keinen Widerspruch – aber mehr dazu unten
Ganz richtig
Na aber sicher – nur dass eben das was Marx „Kapitalismus“ nennt und uns heute als „Globalisierungszwang“ um die Ohren gehauen wird, ja eben nicht alternativlos ist. Das heißt aber nicht(!), dass die Marxexegeten nun mit allen ihren Thesen Recht hätten, wenn es um die Globalisierung geht. Die Kritik ist richtig, die Schlüsse, die man aus dieser Kritik zieht, sind aber nicht zwingend vorgegeben, sondern Gegenstand einer zu führenden Diskussion.
Ja, vollkommen richtig.
Wo hast Du denn das her?
Jein – ein quantitativer Wachstum ist sicherlich fragwürdig, dennoch kann es sehr wohl einen qualitativen Wachstum geben, der allerdings auch immer seine Grenzen haben wird – was mE auch richtig ist. Eine Putzfrau kann nun mal keinen Luxuswagen fahren und eine Villa am See beziehen, in der sie ihrerseits eine Putzfrau beschäftigt. Der Punkt, um den es mir geht, dass die Putzfrau sich ein menschenwürdiges Leben „leisten“ kann. Keine Gleichmacherei, sondern die Einhaltung gewisser Parameter, die die Menschenwürde garantieren.
Yep, und da bin ich in der Kritik ja auch wieder ganz bei Dir.
Na bedrohlich ist dies nicht – es geht vielmehr um eine Rationalisierung und Steigerung der Arbeitsteilung, die sicher auch problematisch ist.
Yep, und dies ist sogar relativ einfach zu korrigieren. Schau Dir z.B. Dänemark an – dort gibt es statt Hartz-IV ein Arbeitslosengeld von 85% des Nettogehaltes und ordentliche Schulungsmaßnahmen. Man muß keine Angst vor der Arbeitslosigkeit haben und kann im Arbeitsmarkt eher seine Vorstellungen eines akzeptablen Entgeltes für die eigene Vermarktung der Arbeitskraft wahrnehmen. Ein ordentlich installiertes Bürgergeld bzw. Grundeinkommen hätte den gleichen Effekt. Es geht darum, Ausbeutung zu verunmöglichen – dies geht am Besten, wenn man den Arbeitnehmer zu einem echten Markteilnehmer auf dem Arbeitsmarkt macht, der wirklich frei entscheiden kann, ob und zu welchen Bedingungen er arbeitet.
Na, er wäre ja auch dumm, wenn er anders handeln würde.
Richtig – und daher muß dies geändert werden. Die vollkommene Freiheit wird und darf es auch nie geben. Die wenigsten Menschen arbeiten freiwillig, weil es ihnen Spaß macht. Es muss daher einen Bonus für Arbeit geben, ansonsten würde kaum wer arbeiten. Es muß nur eine Grundsicherung geschaffen werden, die das Nichtarbeiten in Würde und Gegenstand möglich macht. Erst dann ist der Arbeitsmarkt funktionell(!). Momentan haben wir dort ein massives Marktversagen … das natürlich politisch gewollt ist.
Ja und nein – jemand, der mit seinem Kapital ein Risiko eingeht (nichts anderes ist das Unternehmertum), hat (im Erfolgsfall) natürlich auch das Recht, daraus Profit zu schlagen. Nur darf der Arbeitnehmer bei diesem System nicht unter die Räder kommen. Einer fortschreitenden Ungleichheit kann man mit Abgaben, Steuern etc. übrigens recht ordentlich Herr werden. Ein viel zu wenig beachtetes Kapitel der modernen Geschichte – Roosevelts New Deal – hat das recht ordentlich hinbekommen; und zwar in einer kapitalistischen Marktwirtschaft.
Wenn dem so wäre, gäbe es diese Indoktrination seit der Jungsteinzeit. Darum glaube ich auch nicht daran, dass der „menschliche Geist“ in diesem Punkte ein reines Produkt herrschender Verhältnisse ist. Diese Verhältnisse wurden vom menschlichen Geist geschaffen … immer und immer wieder.
“Auf dem Lehen wurde produziert, Überschüsse wurden gehandelt (Marktwirtschaft) und von den Überschüssen wurden Waren gekauft (Marktwirtschaft), die nicht lokal hergestellt wurden.”
Und dennoch war dieser ‘marktwirtschaftliche Anteil’ nicht das bestimmende Moment dieser Gesellschaft, sondern eben die Produktion auf dem Lehen, dem ein grundsätztlich anderer ‘deal’ zugrunde lag als dem heutigen ‘Arbeitssystem’. Aber lassen wir das doch mal, jedenfalls für’s erste.
“Das hat nichts mit dem physischen Markt zu tun, sondern mit Angebot und Nachfrage.”
Ich schrob in einer früheren Diskussion schon einmal, dass es einen ‘Markt’ im Sinne von Angebot und Nachfrage immer geben wird, ‘notfalls’ sogar ohne Arbeitsteilung. In diesem Sinne ist nämlich auch der Akt des Schenkens (’Hier, willste haben?’ - ‘Nö, lass ma, brauch ich nich’) eine Interaktion auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Hier geht es aber doch wohl um den Markt der Warenlogik und des ‘Äquivalententausches’.
“Wenn (was Inhalt kommunistischer und sozialistischer Politik in D war) beispielsweise Kernindustrien verstaatlicht bzw. vergesellschaftet würden, so wären diese im Kern ja eben nicht abhängig von einem Wachstums- und Expansionszwang. Nehmen wir z.B. die kommunale (nicht die privatisierte) Wasserwirtschaft, die seit rund 15 Jahren ein massives negatives Wachstum hat (was für ein blöder Ausdruck ;-)) und dennoch gewährleistet, dass ihre Ware bezahlbar bleibt und die Angestellten nicht eben ausgebeutet werden.”
Ja, schönes Beispiel. Aber wo ist da besagter Markt? Es sind keine Waren im Angebot, es gibt keinen Wettbewerb, keine Konkurrenten, vielmehr einen Zusammenschluss von Menschen (die ‘Kommune’), die ihre eigene Versorgung organisiert. Und auch noch auf der Basis von ‘Planung’, Reserven eingeschlossen, die nötigen Ressourcen werden von der Kommune bereitgestellt. Das kann man tatsächlich als ‘Kommunismus’ inmitten der Marktwirtschaft bezeichnen, es ist selbst aber eben gerade *keine*. Da könnte man jetzt noch allerlei schöne Gedankenspiele anknüpfen - was wäre zB, wenn die Kommune sich zwei Wasserversorger hielte? Aber warum sollte sie das tun? Usw usf.
“Na bedrohlich ist dies nicht – es geht vielmehr um eine Rationalisierung und Steigerung der Arbeitsteilung, die sicher auch problematisch ist.”
Das sollte nur die ‘innere Expansion’ veranschaulichen - die ‘bedrohte Tätigkeit’ mehr ein Gag alá ‘bedrohte Tierarten’. Es geht aber auch nicht um ‘Rationalisierung und Steigerung der Arbeitsteilung’, sondern eben um die Ausweitung profitabler Sektoren, um Expansion eben. Es haben sich gerade *nicht* irgendwelche Leute gefragt ‘wie können wir die Nahrungsaufnahme gesellschaftlich rationeller gestalten, wie können wir den Grad der Arbeitsteilung steigern’, also als ‘bewussten’ Prozess.
Sondern die Frage lautete schlicht ‘wo und wie können wir noch Geld machen?’. Das ist ein entscheidender Unterschied selbst dann, wenn man meint, dass es ja auf’s selbe hinausliefe. Was ich aber auch eher nicht meine… was man ua schon daran sehen kann, dass die Lebensmittelindustrie eben nicht den hohen Standard zB einer kommunalen Wasserversorgung erreicht, sondern uns im Gegenteil ständig mit den schönsten ‘Skandalen’ beglückt.
“Yep, und dies[e Ausbeutung] ist sogar relativ einfach zu korrigieren. Schau Dir z.B. Dänemark an…”
Nein! Natürlich ’stärkt’ das die Position des (fälschlich) sog. ‘Arbeitnehmers’. Aber es ändert absolut nichts am Prinzip der Ausbeutung selbst! Das liegt darin:
“Na, [der Arbeitgeber] wäre ja auch dumm, wenn er anders handeln würde.”
Eben. Er bezahlt also mit der Arbeitskraft (insgesamt) immer weniger, als die (insgesamt) geleistete Arbeit herstellt bzw erlöst - sonst kommt der ‘Deal’ nicht zustande bzw hat sich jemand gewaltig verkalkuliert. Und genau diese Differenz macht die Ausbeutung aus und bildet eben das Kapital, das der wagemutige Unternehmer dann ‘riskiert’ und dafür selbstverständlich mit weiterem Profit belohnt werden muss. Hör mir auf…
Natürlich kann man sich den Kapitalismus auch netter vorstellen bzw wünschen, und manchmal ist er es eine Zeitlang ja sogar. Was ist aber von Roosevelt’s New Deal heute noch übrig? Und wird bei uns nicht gerade auch die Sozialversicherung (mal wieder) geschleift? Und unter welchen Mühen sind diese Dinge erkämpft worden. Tatsächlich musste immer die Furcht vor Revolution und/oder Systemzusammenbruch dazukommen, damit solchen Forderungen auch mal ‘gnädigerweise’ nachgekommen wurde. Das war bei Roosevelt auch nicht anders als bei Bismarck.
Soll ich mich denn nun inmitten dieses schon obszönen Reichtums dauernd auf die Hinterbeine stellen, nur um wenigstens nicht ‘unter die Räder zu kommen’, und das wiederum nur, damit diese ’selbstvergessene Profitmaschine’ weiter ihren Schund in die Regale knallen kann? Und ich wenigstens ‘frei’ zwischen mindestens 17 verschiedenen Sorten Schund wählen kann? Nee, da denke ich doch lieber noch ein paar Runden über die kommunale Wasserversorgung nach…
—
Anhang - “Schliesslich hat der Welthandel erst vor kurzem überhaupt wieder das Volumen erreicht, das er schon vor dem ersten Weltkrieg hatte” - “Wo hast Du denn das her?”
Ich glaube, jüngst bei Jahnke nochmal gelesen. Ist aber in ähnlicher Form in vielen Veröffentlichungen zu finden.
@Peinhard
Mit „Warenlogik“ kann ich leider nichts anfangen und Äquivalententausch ist auch eine Form der Marktwirtschaft, in der das Tauschmittel Geld ganz einfach weggelassen wird. Dein „Geschenk“ ist übrigens keine Marktwirtschaft, da der „Schenkende“ ja nicht wegen des Motiv des „Schenkens“ wirtschaftet, auch wenn der „Akt des Schenkens“ sicher ein Marktprozess ist.
Es gibt zunächst einmal einen Wettbewerb um den Markt, wenn auch nicht im Markt. Wenn der kommunale Versorger zu schlecht wirtschaftet, steigt (Kostendeckungsprinzip) der Preis der Ware „Trinkwasser“ an, so dass die Stadtväter und deren Wähler einen neuen Wasserversorger beauftragen könnten – dies ist dann der Wettbewerb um den Markt. Des weiteren gibt es einen Wettbewerb mit der Substitution – wenn der Preis der Ware „Trinkwasser“ zu hoch ist, wird es für größere Abnehmer lukrativ, selbst Brunnen zu betreiben oder Regenwasser für Prozesse, die nicht qualitätssensibel sind, zu nutzen. Kleinere Abnehmer könnten plötzlich Ersatzinvestitionen sinnvoll finden, wie z.B. wassersparende Elektrogeräte. Das besondere Problem in der Wasserwirtschaft, ist die Fixkostenfalle – wenn ein Großabnehmer abspringt, sinken für den Versorger die Betriebskosten nur marginal, d.h. beim Kostendeckungsprinzip müssen die anderen Abnehmer den Ausfall decken und es kommt zu einem verhängnisvollen Kreislauf -> Höhere Preise bedingen rückläufige Abnahme, die wiederum höhere Preise erzwingt. Das alles aber nur am Rande, wie Du vielleicht merkst, komme ich aus der Wasserversorgungsbranche ;-)
Njet ;-)
Der große Unterschied zum Kommunismus ist das Nichtvorhandensein der Tonnenideologie. Kommunismus kann sehr wohl Marktwirtschaft sein und der real existierende Sozialismus war größtenteils marktwirtschaftlich, nur mit der Ausnahme gewisser Schlüsselindustrien, in denen die Tonnenideologie im Rahmen der Planwirtschaft herrschte. Wenn ein moderner kommunaler Versorger planwirtschaftlich agieren würde, ohne für seine eigenen wirtschaftlichen Tätigkeiten bezahlen zu müssen (z.B. für Verbrauchsmaterialien und Energie), so könnten wir von Planwirtschaft sprechen, so haben wir aber eine „reine“ Marktwirtschaft. Der Versorger bezahlt für Rohstoffe, Energie, Arbeit, Dienstleistungen etc. pp. und nimmt für seine professionell dargebotene Dienstleistung seinerseits Geld, wobei der Preis die Nachfrage bestimmt und (v.a. bei Großkunden) auch die Nachfrage Auswirkungen auf den angebotenen Preis hat. Das ist Marktwirtschaft in Reinkultur.
Das ist jetzt ein Nebenkriegsschauplatz – ich bin da dezidiert anderer Meinung. Früher gab es „Skandale“ noch und nöcher, nur hat da kaum jemand drüber berichtet, da es „normal“ war. Die Lebensmittelindustrie ist auf einem recht hohen Niveau. Sollte Dich das Thema interessieren, kann ich Dir die Bücher von Udo Pollmer empfehlen.
Bei allem darf man aber auch nie vergessen, dass auch dies ein Markt ist – wenn mir der „Industriefraß“ nicht schmeckt, oder zu teuer ist, muß ich ihn nicht kaufen. Niemand zwingt mich, diesen „profitablen“ Zweig der Industrie zu stützen. Wenn ich es doch tue, dann sagt mir (intern) das Preis-/Leistungsverhältnis der Produkte zu, oder ich schätze den Nutzwert (mehr Freizeit, da weniger Zeit am Herd) so hoch ein, dass dieser den qualitativen Minderwert und/oder den finanziellen Nachteil wettmacht.
Ganz genau, das grundlegende Marktprinzip ist die Win-Win Situation. Zu Konditionen, bei denen beide Vertragspartner der Meinung sind, der abgeschlossene Vertrag sei positiv für sie, gehen sie dieses Geschäft ein. Ein Vertragspartner, der durch den Abschluss Nachteile hätte, würde im Rahmen einer freien Entscheidung nie ein solches Geschäft eingehen. Auf dem Arbeitsmarkt sollten sowohl Anbieter, als auch Nachfrager, einen Vorteil durch das abgeschlossene Geschäft haben – der Anbieter hat dies (s. letzter Kommentar) nur, wenn er wirklich frei agieren darf. Aber auch der Nachfrager muß frei agieren können und dazu gehört selbstverständlich, dass er seinen Wunsch, Geld zu verdienen, verwirklichen kann. Es gibt kaum Unternehmer, die ihren Betrieb aus Altruismus oder der Sache selbst wegen betreiben.
OK, wenn das für Dich bereits Ausbeutung ist, dann unterstütze ich halt die Ausbeutung ;-)
Und das ist ja genau die Sache, die ich mir wünsche – einen New Deal im Stile Roosevelts, der aber natürlich in der Gestalt komplett umgekrempelt werden müsste, um aktuellen Problemen Herr werden zu können.
Wenn ich die Marktwirtschaft verteidige, heißt dies noch lange nicht, dass ich das momentane System auch nur im Ansatz rechtfertigen würde.
Wer weiß, was Jahnke da verglichen hat, es kann aber hinten und vorne nicht stimmen - nominell natürlich nicht, aber auch relativ nicht, wobei es natürlich darauf ankommt, ein Vergleichsmaß zu finden. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, dass zu überschlagen.
Das Volumen des Welthandels im Jahre 2005 entsprach (in Dollar) dem Äquivalent von 23,5 Mrd. Feinunzen Gold – auf den Gold/Dollarkurs von 1914 bezogen wären dies 470 Mrd. US$ aus dem Jahre 1914. Damals betrug des BSP der USA allerdings „nur“ 39,1 Mrd. US$, d.h. der Umfang des heutigen Welthandels übertrifft (in Goldäquivalenten) das BSP der USA um das 12fache. In Nominalwährung wäre es übrigens das 267fache. Nach alledem, was „wir“ von der Weltwirtschaft aus dieser Zeit wissen, kann dies nicht möglich sein. Der Welthandel von 1914 war sowohl absolut als auch relativ wesentlich kleiner als heute.
Oh, hat da jemand noch an die Gewerkschaften geglaubt und wurde nun bitter enttäuscht?
Ich war 17 Jahre organisiert, davon 10 Jahre als Vertrauensmann, Blockvertrauensmann etc. Die Korruption fängt ganz unten an. Da geht es einfach um Freizeit von der Arbeit während die Kollegen, die froh sind, keine “Verantwortung” zu tragen, sich gut vertreten glauben. Da geht es um das Zuschustern von Posten und Pöstchen, das Aufrücken in der Betriebsratsliste um als Betriebsrat freigestellt zu werden in großen Unternehmen.
Und von oben kommt die ideologische Schulung (mit 20 hab ich manchen Leuten echt glauben geschenkt, mit 30 war ich angewidert davon) von den Ortsstellen und im Aufsichtsrat liefen die Händel zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat. Arbeitnehmer waren Verhandlungsmasse wie früher Kühe und Schafe. Wir opfern euch 1000 Arbeiter, dafür wollen wir aber das und das haben. Ein Irrsinn. Menschliche Abgründe tun sich auf. Als Idealist ist man in der Maschinerie völlig verloren. Wenn man seine Ideale verlieren will, ist man in einer deutschen Gewerkschaft gut aufgehoben.
Übrig bleiben Schmarotzer und die Leute mit den besten Beziehungen. Klar, menschlicher Bodensatz setzt sich im wirklichen Leben eben nicht unten sondern oben ab aber das ist ja nichts neues.
Die Gewerkschaften haben schon lange ihre Berechtigung und ihre Legitimation verloren, seit den 80ern ging es steil bergab.
Daß Herr Hansen dies nun so offentsichtlich macht kann nur Absicht von Mehdorn sein, so kriegt er 2 Sachen mit einem Aufwasch. Herr Hansen wird irgendwann untragbar (Marionette sein heißt ja nicht, daß man immer auf Wolle gebettet sein wird) und er führt die Glaubwürdigkeit der Gewerkschaften geschickt ad absurdum.
Es gibt geschicktere Wege, solche Menschen zu belohnen, ich denke, das war volle Absicht.
gruß, Frank
Ehemaliger Idealist und aktiver Gewerkschafter
Zur Ehrenrettung des Mephistopheles; Goethe lässt ihn sagen:
und nicht umgekehrt.
@38
Vielen Dank, für den kurzen und schmerzhaften Einblick in die Gewerkschaftswelt. Ist es so, wie ich befürchte? Je länger man in einem System agiert, um so schneller wird man ein Teil davon? Moral und Vernunft lässt sich wohl nicht lange genug durchhalten. Wo kommt der Punkt, an dem man alles über Bord wirft? Oder sind die Übergänge fließend?
aus Zeitgründen nur kurz: Die berechtigte Kritik am Zustand der institutionalisierten Arbeitnehmervertretungen, also Gewerkschaften, darf natürlich alls Konsequenz nicht zur fatalistischen Haltung führen, dass die erwerbsarbeitsabhängigen Menschen keine kampfkräftige Organisationsform brauchen, um ihre Interessen wahrzunehmen. Wenn sich diese Haltung durchsetzt und verallgemeinert und auf dem schlechten Zustand