Myanmar - Land ohne Hoffnung
10. Mai 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Die Folgen des Zyklons Nagris sind verheerend und bislang erleidet das gebeutelte Land Myanmar nur die akuten Folgen, während die Spätfolgen ein episches Ausmaß annehmen könnten. An dieser Stelle muss sich die internationale Gemeinschaft fragen, wie man mit einem Land umgehen sollte, dessen Regierung es offensichtlich nicht schafft, eine humanitäre Katastrophe abzuwenden und sich gegen jegliche Intervention versperrt.

Da unabhängige Beobachter kaum verlässliche Informationen aus dem isolierten Myanmar berichten können, kann man nicht verlässlich sagen, welche Folgen der Zyklon hatte, wie viele Todesopfer zu beklagen sind und wie viele Menschen obdachlos, ohne Strom, Nahrung und Trinkwasser sind. Offizielle Zahlen sprechen von 23.000 Todesopfern und 42.000 Vermissten, die US-Behörden schätzen indes die Zahl der Todesopfer bei über 100.000 und die UN spricht von über 1 Mio. Obdachlosen. Birmanische Dissidenten werfen dagegen die unglaubliche Zahl von 760.000 Todesopfern alleine für den Yangon-Distrikt ins Feld, und berufen sich dabei auf „verlässliche Regierungskreise“. Andere Quellen sprechen von alleine 70.000 Toten in nur zwei Landkreisen und über 600 Dörfern, die wie vom Erdboden verschluckt sind. Sicher sollte man mit diesen Zahlen vorsichtig sein. Nach dem verheerenden Seeerdbeben im Jahre 2004 machte die internationale Gemeinschaft ebenfalls Druck auf die birmanische Militärjunta, da man ihr Versagen in einer humanitären Krise vorwarf – offizielle Angaben sprachen damals von 61 Toten, während Dissidenten zehntausende Tote nannten. Unabhängige Untersuchungen schätzen später die Todeszahl allerdings auf 90. Was allerdings momentan von unabhängigen Quellen nach außen dringt, lässt das Schlimmste befürchten.
Die Hilfsleistungen der Militärjunta sind in keinster Form geeignet, der humanitären Katastrophe Herr zu werden. In der ersten Woche nach dem Unwetter, beschränkten sich die Aktionen des Militärs auf wohlhabende Bezirke in den Großstädten und die prophylaktische Abriegelung von Plätzen, die bei den Unruhen im letzen Jahr für regimekritische Demonstrationen genutzt wurden. Erst jetzt laufen die langsamen und unzureichenden Maßnahmen an, die das verwüstete Irrawaddy-Delta erreichen, während entlegene Landstriche komplett auf sich selbst gestellt sind. Die Junta akzeptiert zwar finanzielle Hilfe und Sachspenden, besteht aber darauf, diese Sachspenden selbst zu verwalten und zu verteilen – UN-Lieferungen wurden von ihr „beschlagnahmt“, während chinesische und indische Lieferungen zwar ins Land gelassen wurden, aber ebenfalls nur unter der Bedingung, dass sie dem Militär zur weiteren Verwendung übergeben werden. Die Paranoia der birmanischen Militärjunta hat bereits etliche Leben gekostet und wird – allen Prognosen nach – noch unzählige weitere Opfer fordern.

In weiten Gebieten des Landes ist die Stromversorgung ausgefallen und in ländlichen Gebieten ist es keine Frage, in wie viel Wochen, sondern eher in wie vielen Monaten oder Jahren die Schäden beseitigt wurden. Auch Gas- und Öllieferungen sind aufgrund der weggeschwemmten Straßen und der Blockaden durch umgestürzte Bäume in weite Teile des Landes nicht mehr möglich. Damit haben diese Regionen keine Möglichkeit mehr, Wasser abzukochen und strombetrieben Brunnen können nicht mehr betrieben werden. Desinfektionstabletten und Medikamente gibt es nicht und durch die vielen im Wasser treibenden Leichen und die desaströse hygienische Situation ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Seuchen ausbrechen. Lokale Quellen berichten bereits von zwei größeren Städten, in denen Ärzten zufolge die Cholera ausgebrochen ist.
Mittel- bis langfristig wird sich vor allem die Nahrungsmittelsituation dramatisch verschärfen. Das am stärksten von Zyklon betroffene Gebiet ist das Irrawaddy-Delta, welches als Myanmars Reiskammer gilt – die Reisfelder sind indes über- und weggeschwemmt und es ist absehbar, dass große Teile der Reisernte ausfallen werden. Dies geschieht in einer Zeit, in der die Weltreispreise schwindelerregende Höhen erreicht haben. Für die normale Bevölkerung wird es keine Möglichkeit geben, sich mit Reisimporten zu marktnahen Preisen zu versorgen und die Militärjunta steht nicht eben im Verdacht, die logistische Herkulesaufgabe bewältigen zu können, große Teile des Volkes mit staatlichen Hilfslieferungen zu versorgen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die unterdrückte und gebeutelte Bevölkerung sich wieder einmal gegen die inkompetenten Machthaber erhebt.

Frankreich und die USA haben derweil bereits laut über eine „humanitäre Invasion“ nachgedacht. Wenn die birmanischen Behörden der internationalen Gemeinschaft verbieten, das Land zu betreten, so solle man zur Nothilfe greifen und die Abwendung einer humanitären Katastrophe epischen Ausmaßes, gebe eine Eingriffsermächtigung, die vom internationalen Recht gedeckt sei. Diese würde beispielsweise den Abwurf von Hilfsmitteln über der Notfallregion gegen den Willen der Militärjunta rechtfertigen und unter Umständen sogar den Einsatz von Hilfspersonal, das natürlich (wie die Hilfsflüge) von Militärs abgesichert werden müsste. Diese Interpretation internationalen Rechts ist aber nur teilweise richtig. Richtig ist, dass eine UN-Resolution aus dem Jahre 2005 eine friedliche „Invasion“ zu humanitären Zwecken billigt. Aber nur in dem Falle, wenn die lokale Regierung vorsätzlich ihr eigenes Volk umbringt – und sei es durch Unterlassung von Hilfsleistungen. Dies trifft im Falle Myanmars aber nicht zu, wie auch der britische UN-Botschafter eingesteht. Gegen das Krisenmanagement der birmanischen Junta wirkt zwar sogar desaströses Bushs Katrina-Management vorbildlich effektiv, aber man kann der Junta schwerlich unterstellen, sie tue gar nichts. Kein Staat kann gezwungen werden, westliche Hilfskräfte auf sein Territorium zu lassen. Wenn Myanmar der festen Überzeugung ist, man könne selbst die Hilfsmaßnahmen leisten und koordinieren, so hat die internationale Gemeinschaft keine Möglichkeit, dies per Zwang außer Kraft zu setzen.
China, Indien und Thailand – die unmittelbaren Nachbarn, mit den besten Kanälen – lassen bereits die diplomatischen Kanäle spielen, um die Junta zu einem Einlenken zu bewegen. Es ist allerdings fraglich, ob dies von Erfolg gekrönt sein wird. Letztendlich bliebe nur die Möglichkeit, Myanmar über den Weltsicherheitsrat ein Ultimatum zu stellen – dann wird es an China und Russland sein, ihre bisherige Blockadepolitik aufzugeben. Derweil werden vor allem die Chinesen hinter den Kulissen auf Myanmar einwirken. Ein Veto kann sich China kaum leisten, will es nicht nach der inszenierten Tibet-Krise endgültig zum internationalen Buhmann werden.

Die Uhr tickt – jeder Tag der durch Krisendiplomatie verloren geht, bedeutet weitere tausende Tote und es erscheint fraglich, ob diese Katastrophe überhaupt friedlich beendet werden kann. Es wäre Zeit für den Westen und die Nachbarn Myanmars sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und eine schnelle humanitäre Eingreiftruppe zu mobilisieren – die USA, Frankreich, Indien und China Hand in Hand. Nur gemeinsam und nur mit stärksten Druck ließe sich schnell zivil intervenieren. Das korrupte und paranoide Regime in Myanmar, das gerade eben an einer Wahlfarce zur Bestätigung einer Verfassung arbeitet, hat zweifelsohne keine Berechtigung mehr, sein Volk zu knechten. China möge der Junta anbieten, nette Villen am Jangtse zu beziehen und gemeinsam mit der UN könnte man an einen Wiederaufbau des Landes arbeiten und eine Regierung, die vom Volk bestellt wird, mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung betrauen. China könnte sein Gesicht wiedererlangen und Bush könnte als Präsident in die Geschichte eingehen, der wenigstens ein einziges mal etwas für die Welt getan hat, das den Menschen hilft. Leider wird dies ein Wunschtraum bleiben und Myanmar blickt auf eine epische Katastrophe, die wohl in einer blutigen Revolution enden wird. Tausend-, wenn nicht gar millionenfaches Leid … und die Weltöffentlichkeit hat zugeschaut.
Jens Berger
Bildnachweis: Mizzima
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Die Junta in Myanmar wird sich zum Schluß den Chinesen geschlagen geben. Thailand und Indien müssen froh sein wenn die Chinesen sie in Ruhe lassen, zumal China keinen anderen Ausweg hat.
duckhome.d...
Ich glaube wir können da nichts mehr ändern und jede Hilfe verpufft.
Huch! Hab ich was nicht mitbekommen?
Wie war das: Arschlochregierung + notleidende Bevölkerung + Öl = Invasion ist böse || Arschlochregierung + notleidende Bevölkerung + kein Öl = Invasion ist gut
Und gab es da nicht ein paar Sachen, die man sich überlegen sollte bevor man was unternimmt? Was sind eigentlich die Kriterien anhand man eine “Befreiung” für notwendig erkennt? Oder ist das jetzt pfingstliches Solidaritätsentrüsten?
@Sven
a) niemand spricht von einer militärischen Invasion
b) anders als im Irak, geht es nicht darum, dem Volk etwas vor die Nase zu setzen, das es nicht will. Ich sprach davon, dem Volk zu helfen, seine eigene(!) Verfassung zu schreiben und sich selbst zu organisieren
c) die humanitäre Katastrophe im Irak, war nie Kriegsgrund und außerdem vom Westen erzeugt
d) die Argumentation geht in Richtung Nothilfe (wie im StGB) - das hat nichts mit einer militärischen Besatzung zu tun
Das ist ja auch das Problem, wenn man Äpfel und Birnen vergleicht. Schauen wir uns z.B. Ruanda an, wo auch eine militärische Intervention mE 100% gerechtfertigt gewesen wäre. Humanität komplett aus dem Katalog der Interventionspolitik zu streichen, da man im postkolonialen Sinne jegliche Interventionen ablehnt, kann mE nicht im Sinne der Menschlichkeit sein - aber ich weiß, dass diese “meine” These, vor allem von “links” nicht einmal im Ansatz geteilt wird.
Schade. M.E. ist das der schlechtester Artikel des Jahres hier.
@Spiegelfechter:
Es gab ja vor nicht allzu langer Zeit noch Regierungen, die haben den Kapitalismus als “humanitäre Katastrophe epischen Ausmaßes” betrachtet. Lustig wirds, wenn man deine naive Argumentation auf dieses Szenario überträgt.
Ich denke die Folgen einer Infragestellung der Souveränität eines Landes sind bei weiten gefährlicher als die (vermeintliche) Unfähigkeit eines Staates mit einer Katastrophe umzugehen.
Übrigens sind die Arbeitsweise und die eigentlichen Ziele vieler humanitärer Hilfsorganisationen ja häufig selbst nicht unumstritten.
Wieder ein Schurkenstaat identifiziert.
Und schon maßt sich Frankreich an, mit Kriegsschiffen gegen einen souveränen Staat zu intervenieren.
Das ist doch nur ein weiterer Enterhaken der reichen Staaten, in denen 20% der Menschen 86% der Ressourcen verbrauchen und letztlich durch ihren exzessiven Konsum maßgeblich dazu beitragen, dass Naturereignisse mittlerweile solche katastrophalen Ausmaße erreichen.
Ist über diesen Aspekt ein einziges Wort verloren worden?
Und jetzt sollen die USA, Frankreich, China und Indien, allesamt verseucht von verkrusteten Machtstrukturen, -mit Glanz und Gloria dieses Reich des Bösen, Myanmar, zusammenfalten?
In dieser Vision liegt etwas ungeheuer Selbstgerechtes und Überhebliches.
Jeden Tag sterben mindestens 100.000 Menschen an den Folgen von Hunger und vermeidbaren Krankheiten.
Milliardäre und Hedgefonds hökern preistreibend mit Lebensmitteln an den Waren-Terminbörsen.
Pharma-Konzerne kämpfen mit Zähnen und Klauen um ihre Patente, damit bloß keine billigen Generika auf den Markt kommen.
Das könnte ja Menschenleben retten.
Die Pharma-Konzerne haben anderes im Sinn: nämlich Profit.
Lieber spiegelfechter, politisch macht dir so schnell keiner was vor;
die wirtschafts(politische) Kompetenz fehlt jedoch und lässt deine Beiträge bisweilen etwas eindimensional erscheinen.
Es fehlt dir da das eine oder andere Pendant.
Hallo Leute,
bitte mal langsam hier ja. ;-)
Ich bin auch der Meinung, dass man die Hilfe dort nicht mit Gewalt hineinbringen darf.
Malte vom Spreeblick hat hier auch versucht eine Diskussion darüber anzustoßen. Ich habe mir dort auch ein paar Gedanken dazu gemacht, leider scheint das nicht sonderlich viele zu interessieren. (liegt vielleicht am schönen Wetter)
Aber man muss doch Leute die dabei auch abwägen und zu einem anderen Schluß gekommen sind, nicht so abkanzeln. Schließlich wollen sie helfen.
Ich glaub mit Schwarz-weiß kommt man da nicht weit.
Wer dort gegen die Regierung helfen will, ist nicht per se Imperialist,
und wer dort die Souveränität des Staates höher einschätzt, so wie ich, dem sind die Leute dort nicht zwingend „scheißegal“.
Für und Wider hat hier gute Argumente.
Diffamierungen bringen da keinem was.
Bitte die jeweiligen Argumente sachlich vortragen, und andere Meinungen nicht pauschal abwerten, danke.
Ehm, vorletzter Satz: “Leider wird dies ein Wunschtraum bleiben und Myanmar blickt auf eine epische Katastrophe, die wohl in einer blutigen Revolution enden wird”
Das glaubst du doch selbst nicht oder? Die Junta hat erst letztes Jahr eine Nahezu-Revolution niedergeschlagen und dabei viele Mönche, respektierte Menschen, erschossen oder gefangen genommen. Jetzt kommt auch noch ein Wirbelsturm dazu, der den Menschen die Häuser zerstört hat und Zehntausenden an Opfern gekostet hat. Glaubst du wirklich die Menschen werden noch die Kraft haben, sich neben Krankheit, Obdachlosigkeit, Nahrungsmangel, Todesfällen, Medizinmangel, Arbeitslosigkeit noch mit einem abstrakten Problem wie einer korrupten Regierung rumzuschlagen? Die bekannt dafür ist jeden zu erschießen, der öffentlich gegen sie aufmuckt? Wenn du mich fragst wird Myanmar für die nächsten 20 Jahren keine Revolution erleben und kein Land wird etwas gegen dieses Regime unternehmen.
Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, das wir überhaupt noch Einwirkmöglichkeiten haben. China muss dieses Land erobern um sowohl Rohstoffe als auch Nahrungsmittel für sich zu sichern. Alle die ansonsten von Einmarsch reden, meinen eigentlich das sie China ärgern wollen.
Es geht leider schon lange nicht mehr um die Menschen dort, wie es auf dieser Welt eben nicht mehr um die Menschen geht.
Es wird keine (rechtzeitige) Intervention geben.
Der Grund ist ganz einfach :
China findet prinzipiell nichts daran auszusetzen, dass eine verbündete
Junta einen langsamen und dreckigen Genozid am eigenen Volk begeht.
Und gegen den Willen der Kommie-Faschisten aus Peking ist nichts zu
machen, ausser man bombt sie gleich mit weg.
Die Konsequenzen sollten klar sein :
Auflösung der UNO und stattdessen einen Bund der demokratischen
Länder gründen, oder China, Burma, NordKorea aus der UNO schmeissen.
Die olympischen Spiele in Peking müssen abgesagt werden.
@Dexter
Ja, wenn man diesen handfesten Vergleich nimmt, bricht meine naive Argumentation freilich zusammen ;-)
Warum? Mynamar wird so oder so vom unmittelbaren Hegemonialbereich Chinas geschluckt - genau so wie Taiwan.
Freilich, auch die Arbeitsweise der Polizei ist nicht umstritten, dennoch gestehe ich ihr zu, ein vernachlässigtes Kind aus einer komplett erziehungsunfähigen Familie zu holen.
@5 dagmar lücke
Dieser Schurkenstaat ist seit über 20 Jahren “identifiziert” ;-)
Genau! Die birmanische Junta ist ja bekanntlich der letzte Vorposten sozialistischer Humanwirtschaft, der seine Ressourcen dem Volk zu Gute kommen lässt und nie und nimmernicht mit den bösen reichen Staaten Geschäfte mache würde.
Nein - warum auch? Wenn sich dieser Aspekt auf bloßes selbstgefälliges Lamentieren beschränkt, ist er nicht weiter von Interesse. Wenn es allerdings an eine Lösung gekoppelt sein würde, sähe dies anders aus - aber diese Lösung ist mE nicht in Sicht.
Meinetwegen könnten es auch Kuba, Venezuela und Bolivien machen ;-)
Ach liebe Dagmar, ich wünschte Dir mal in die sogenannte Dritte Welt zu reisen - nicht an die Strände Kenias, sondern in die Hungergebiete. Dort wird man Deinen theoretischen Diskurs, frei von jeglicher Selbstgerechtigkeit, sicher sehr zu schätzen wissen.
Und wie willst Du das ändern?
Ich schaffe es zumindest in wenigen Fällen, meinen Zynismus unter Kontrolle zu halten - das ist natürlich schlimm, ich weiß.
@Stefan
Auch die letzten Aufstände waren weniger wegen der Junta an sich, sondern wurden durch ökonomische Probleme (Benzinpreise) ausgelöst. Das Preisniveau von Benzin, Gas und Lebensmitteln ist momentan auf einem Höchststand und durch die im Artikel genannten Entwicklungen wird es sich wohl drastisch verschärfen. Bei 1. Mio Obdachlosen ist dies Dynamit. Welche Alternative haben die Menschen denn? Bevor sie an Hunger, Ruhr und Chlorea krepieren, werden sie in die Städte ziehen und ihren Leben einen letzten Sinn geben.
Wen es nicht so zynisch wäre, würde ich Dir eine Wette anbieten.
@9 Hottentotte
Das ist nicht richtig. China hat mW bislang die meisten Hilfslieferungen unternommen und China macht sehr wohl Druck auf Myanmar, genau so, wie bei der letztjährigen Krise - nur will dies kaum wer wahrhaben und (man staune) auch die chinesischen Mittel sind beschränkt, das US-nahe Thailand, Indien und natürlich auch die EU in Gestallt Total-Fina Frankreichs und auch die Conoco-Phillips USA stehten nämlich bereits vor der Tür. Daher kann man auch nur multilateral etwas erreichen, alle unilateralen Aktionen werden von der gierigen Konkurrenz ad absurdum geführt - egal ob diese China, Indien, Thailand, USA oder Frankreich heißt.
@7 Stefan - @12 Spiegelfechter
“… durch die im Artikel genannten Entwicklungen wird es sich wohl drastisch verschärfen. Bei 1. Mio Obdachlosen ist dies Dynamit. Welche Alternative haben die Menschen denn? Bevor sie an Hunger, Ruhr und Chlorea krepieren, werden sie in die Städte ziehen und ihren Leben einen letzten Sinn geben.”
Es gibt ja gute Beispiele, welche diese These widerlegen. Man betrachte Deutschland 43-45 > Die Strategie der Alliierten die deutsche Bevölkerung “umsturzreif” zu bomben ging damals auch nicht auf. Ebenso kann man auch das 1990er Embargo im Irak nennen. Es gibt viele Beispiele.
Hungernde, kranke und obdachlose Menschen ohne jede Hoffnung denken nicht an Revolution.
(OT: Wie kann man hier eigentlich gescheit zitieren?)
@ Dexter
Ich glaube Die Beispiele taugen nichts. 1991 haben verschiedene Gruppen direkt nach Ende dea Irakkrieges den Umsturz versucht. Saddam konnte das ganze blutig niederschlagen nicht zuletzt durch das tolerieren von Kampfhubschraubereinsätzen seitens der USA. An dem Punkt war Saddam am schwächsten und sie sind gescheitert warum sollte jemand es danach versuchen? Gut die Lebensumstände waren miserabel aber konstant miserabel und jenseits von Existenzbedrohlich.
Und Deutschland? Das “Umsturzreifbomben” hat die Leute nur mehr in Hitlers Arme getrieben nicht zuletzt weil sie die Allierten zu Recht dafür verantwortlich machen konnten.
Ich glaube aber, wenn sich die Militärjunta nicht um die Armen kümmert werden díe alleine wegen ihrem Hunger schon versucht sein einen Aufstand zu wagen. Und die Massenproteste letztes Jahr haben gezeigt das mehr als nur ein paar Leute unzufrieden sind und da sah es in Myanmar noch besser aus.
Naja soviel dazu.
Im übrigen stimme ich Jens zu: China, Frankreich, Russland, Amerika und Indien sollten lieber etwas tun als danebenzustehen und zuzugucken. Man ist auch für das verantwortlich was man nicht tut. (Im deutschen Recht kann man sogar für unterlassene Hilfeleistung belangt werden !) In dem Sinne wäre eine humanitäre Intervention, wie sie oben geschildert wurde, zu begrüssen.
Der Spiegelfechter hat schon nicht ganz unrecht: Es ist am Rest der Welt, etwas zu machen. Die Junta in Birma kann und will nicht.
Allerdings sehe ich die Diplomatie mit Birma hier am Ende - es ist bestenfalls noch Zeit für Diplomatie über die Junta - wenn überhaupt. Jede verstrichene Minutekostet jetzt Menschenleben - ein Eingreifen ist hier sogar nach dem Völkerrecht erlaubt. Das nur mal für all die Souveränität-Schreier hier. Details dazu stehen bei mir.
Ich bin auch für eine humanitäre Intervention. Am besten, wir werfen eine atomare Friedensbombe ab. Dieser Einsatz ist ja schon die ganze Zeit im neuen Natokonzept entworfen: humanitäre Atomwaffen, die menschengerecht andere ausrotten.
Ach ja, über die 15.000 Tote täglich, weltweit, die für unseren Kaffee, Tabak, unser Fleisch, und Plastik verrecken, die vergessen wir für diese Zeit ganz liberal und humanitär. Es sollte ja keiner auf die Idee kommen, dass wir in 10 Tagen 150.000 Menschen nur mal so ausrotten, ohne Zyklone und andere Hilfsmittel.
Bloß ist das bislang nur eine Empfehlung und andere sehen das durchaus etwas kritischer:
Momentan herrscht aber noch aktuelles Völkerrecht.
Gruß vom Schreihals
@name
Das von Dir ein derartiger Kommentar kommt war klar ;-)
Also ich finde man muss das ganze doch sehr viel differenzierter sehen.
Einen guten Denkanstoß gibt dieser Artikel: Burma’s rulers not irrational.
Auszug:
Two Indian naval ships loaded with aid arrived in Burma on Tuesday, while China sent in 60 tonnes by air. Japan, Thailand, Singapore, Laos and Bangladesh have also successfully sent in supplies. The Red Cross has made at least three flights into Burma, as have other aid groups. As of Thursday, at least 11 chartered planes had unloaded relief aid in the capital, Rangoon.
The UN, which has publicly criticized the regime, says it is having trouble with Burmese authorities. The Red Cross, which keeps a lower profile, says it is not. A spokesperson for Save the Children told CBC Radio this week that his staff, already in-country before the cyclone, is getting full co-operation from the regime. All of this may tell us something.
P.S.: Kuba bot nach Kathrina den USA über 1500 für Katastropeneinsätze geschulte Ärzte an. Bush ließ sie nicht rein.
name
hiernach müsste man diese zahl ein ganzes stück nach oben korrigieren…
@11 spiegelfechter:
Es ging mir darum, den Zynismus zu entlarven, der darin liegt, sich in Ausnahmesituationen wie der aktuellen in Myanmar zu ereifern, und die -den normalen Ausbeutungsverhältnissen geschuldeten- täglichen 100.000 Todesopfern normalhin zu ignorieren.
Glaubst du wirklich, dass der Schurkenstaat USA die Legitimation besitzt, ohne Uno-Mandat in einen regionalen Konflikt einzugreifen?
Wir sprechen hier von der Bush-Administration, die in einem auf Lügen basierenden völkerrechtswidrigen Krieg mittlerweile Hunderttausende, vorwiegend zivile Tote zu verantworten hat, eine Regierung, die darüber hinaus in menschenverachtender Weise Folter legitimiert, die deutsche Regierung auf einen lächerlich stringenten transatlantischen Kurs festlegen konnte, der uns auf quälende Weise gleichzeitig zu Tätern und zu Opfern macht:
Gerade weil ich deine Beiträge oftmals außerordentlich schätze, kritisiere ich die Leichtfertigkeit, mit der du dem dezidiert oberschädlichen Regime der USA eine Intervention in die internen Angelegenheiten eines -zweifellos ebenfalls schädlichen Regimes- zugestehst.
Damit stellst du einen selbstverständlichen Konsens aller kritisch denkenden Mensch leichtfertig in Frage und bist bislang die Erklärung dafür
schuldig geblieben.
Auch Rumpelstilzchens Frankreich und das staatskapitalistische, ungut normierende China besitzen keinerlei Legitimation, willkürlich in fremde Staatsangelegenheiten einzugreifen, zumal China das Regime in Myanmar unterstützt, auch wenn du das leugnest.
Und Indien, das den Selbstmord zehntausender Bauern billigend in Kauf nimmt, um sich mittels Einhaltung der Kriterien von Weltbank und IWF das Wohlwollen
des dekadenten Weltsheriffs USA zu sichern.
Die brilliantesten politischen Ausführungen sind für die Katz, solange du solchen Staaten Eingriffsrechte zugestehst, die nicht mal von der UNO ratifiziert sind.
Deine relative Erfolgsstory könnte schnell enden, wenn du nicht der Versuchung widerstehst, im Mainstream zu schwimmen, und dem kommst du meiner Meinung nach bereits gefährlich nahe.
Dieser Myanmar-Artikel suggeriert - für mich jedenfalls -, dass du in der Spiegel-Redaktion garnicht so schlecht aufgehoben wärest.
Bin gespannt, ob du diesen Eindruck zu zerstreuen weißt.
Jens, ich bin auch dafür ;-)
a bisserl humanitäres Bombing hier, und da , und dort, …. und, in Nachbars Garten müsste auch mal umgegraben werden.
Und überhaupt, welches Land ist eigentlich kein Schurkenstaat. Oder weniger als dieses Myanmar? Woran macht man das eigentlich fest, wenn man nicht gerade zufällig Mitglied oder Dackel der US-Regierung ist?
Hi Daggi :-)
@SF19
“· Spiegelfechter am 11. Mai 2008 um 19:31 - Permalink
@name
Das von Dir ein derartiger Kommentar kommt war klar ;-)”
Er hat allerdings recht. Dein hehres Ziel der militärischen Intervention hat folgende Schwächen:
1)
Das Volk in Bi(u)rmamyanmar kämpft größtenteils um das nackte Überleben. Da wird man opportunistisch und unterstützt den, der als erster füttert. Das werden zu 100%iger Sicherheit erstmal lokale Warlords sein, die zu 100%iger Sicherheit die Unterstützung der Junta haben, da sie sonst mangels Waren keinen Schwarzmarkt betreiben könnten.
2)
Um ein Land zu mit Bomben und Mord “befreien” oder wie man es heute gerne nennt “zu demokratisieren” brauchst Du Rückhalt einer _organisierten_ Bevölkerung, wenn Du eine neue Regierung bilden willst, die tatsächlich legislative und exekutive Befugnisse hat, die nicht nur auf dem Papier existieren. Die Bevölkerung kann sich nur bei einer halbwegs funktionierenden Infra- und davon abhängigen Informationsstruktur nennenswert organisieren, also eine Massenbewegung gründen. Das ist hier nicht der Fall.
3)
Der Erfolg der USA-Taliban gegen die Russen in Afghanistan hat deutlich gezeigt, dass Ländern mit ähnlicher Topographie ein Krieg erfolglos bleiben muss. Die einzige Option wäre eine Landesweite Vergiftung und das Schmeissen von Atombomben zur kompletten Vernichtung. Wenn Du die Menschen in Biurma nicht konsequent bis auf den letzten ausrottest, wirst Du das Land niemals erfolgreich “demokratisieren” können. Es ist wichtig, dass Du auch alle Kinder ab 3 massakrierst, denn wenn sie erwachsen sind, werden sie sich sonst erinnern und sich rächen wollen. Sehen wir es pragmatisch: Wir alle wollen Frieden in Biurma und am besten ist das zu erreichen, indem man dort alle ausmerzt. Tote kämpfen nicht.
4)
Wo willst Du die Grenze ziehen? Selbst wenn (was natürlich Mumpitz ist und was Du natürlich auch weisst) eine militärische Intervention Erfolg hätte und Gutes bewirken würde - was ist mit den anderen Ländern? Simbabwe z.B., Ruanda, Ägypten, Mexiko und und und? Sollen die sich erst einen Sturm wünschen, damit sie auch “demokratisiert” werden können?
Sorry - aber Dein naives “Wir-müssen-helfen” wird bestenfalls zu einem Massenmord führen, der zur Abwechslung mal von anderen ausgeübt wird - OK, wenn wir es als Strategie zur Populationskontrolle sehen, die dringend notwendig ist, da der Kapitalismus als epische Katastrophe nun mal erwiesenermassen NICHT in der Lage ist, eine faire Güterverteilung zu gewährleisten, ist es vielleicht zielführend, die Welt mit Massenvernichtung zu überziehen, denn die Logik ist einfach: Weniger Überlebende haben proportional gesehen dann trotz Kapitalismus mehr Güter zur Verfügung.
In meinen Augen ist der einzige Weg eine NICHT-Militärische Intervention, die Lebensmittel und Medikamente über Luft brücken in das gesamte Land abwirft - meinetwegen mit Tarnbombern, die ausnahmsweise mal lebenserhaltende “Bomben” fallen lassen.
Ich schließe mich einigen meiner Vorredner an, die meinten, dass dies einer Deiner schlechtesten Artikel war. Immerhin war er aber noch so gut, dass er eine Kontroverse hervorrief :-).
@20 Slag
Zweifelsfrei ein guter Artikel, der aber mE wichtige Punkte außer acht läßt.
Das die Birmaner Hilfslieferungen annehmen, schreibe ich ja auch - die Frage ist vielmehr, ob diese Lieferungen auch in den Gebieten ankommen, in denen sie benötigt werde, ob die Birmaner die nötige Logistik bereitstellen können, die nötigen medizinischen Einsatzgruppen haben, die Medikamente … All dies ist höchst fraglich und noch nicht einmal die Publikationen, die traditionell juntafreundlich sind, behaupten dies.
Na Bush ist ja auch so ein Thema für sich. Aber “sogar” Iran hat nach dem riesigen Erdbeben von 2003 keinen Augenblick gezögert internationale Hilfstrupps (u.a. das deutsche THW) ins Land zu lassen. Man muß idT differenzieren.
@22 Dagmar Barnabas
Na aber natürlich ist das zynisch – es ist allerdings nicht minder zynisch in einer akuten Notsituation wegen weltanschaulicher Fragen den vermeidbaren(?) Tod hunderttausender Menschen argumentativ zu rechtfertigen.
Habe ich das etwa geschrieben? Ich schrieb etwas von China und der UN.
Und? Ist ein kinderschändender, vorbestrafter Mörder etwa nicht zu Nothilfe verpflichtet? Spielt es für das potentielle Opfer eine Rolle, ob ein moralisch makelloser Mönch sein Leben rettet, oder dieser schlechte Mensch?
Eben dies tue ich ja gar nicht.
Moment einmal – wenn es selbstverständlicher Konsens kritisch denkender Menschen ist, Völkermord (Ruanda) oder Massensterben (Myanmar) tatenlos zuzusehen, dann möchte ich diesem Klub nicht angehören. Ich bin Humanist und daher steht für mich die Abwendung menschlichen Leides vor weltanschaulichen Fragen. Einen moderaten Interventionsgedanken, wie ich ihn im Text äußere, mit Irak oder der Bush-Doktrin gleichzusetzen, ist nicht nur zynisch, sondern auch sachlich falsch.
Na wo leugne ich das denn?
Fein, niemand hat die Legitimation einzugreifen, wenn es nach Dir geht. Das erinnert mich an eine typische bürgerliche Ausrede. Alle Bürgerlein sitzen im Park und niemand will es hören, dass in unweiter Entfernung eine Frau vergewaltigt und ermordert wird. Niemand will die Schreie hören, denn jeder sagt sich, der andere solle was tun und die kritisch denkenden Menschen (sic!) sagen sich, wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ein Sünderlein habe nicht die Legitimation zu helfen.
Die Leser, denen Nonkonformismus und zynischer Menschenhass wichtiger sind, als kritische Gedanken, mag ich gerne weiterwandern lassen und wenn sich die Leserzahl halbiert – kein Problem. Meine Aufgabe ist es nicht, „Euch“ selbstgerecht die Eier zu schaukeln, sondern „Euch“ Anregungen zu geben; „Ihr“ müsst meine Meinung nicht teilen, aber „Ihr“ könnt sie zur Kenntnis nehmen.
Na wenn Du das sagst ;-)
Ganz sicher nicht
@24 Schwitzig
Lieber Schwitzig, es täte auch Dir gut den Artikel und nicht nur die Kommentare zu lesen – dann würde Dir auffallen, dass ich gar nicht für eine militärische Intervention bin.
Die Punkte 1 bis 3 erübrigen sich damit
Eine gute Frage – im Falle Ruandas wäre es zweifellos gerechtfertigt gewesen, militärisch zu intervenieren … als ultima ratio, ohne Gegenstimme im Sicherheitsrat. Das hat die Welt nicht getan und muß damit leben.
Na mein lieber Schwitzig, dann lies den Artikel und stelle mit Staunen fest, dass es eben das ist, was ich „empfehle“. Darüber hinaus empfehle ich noch eine nichtmilitärische Absetzung der Junta durch China und einen Verfassungsgebungsprozess, der vom Volk kommt.
Das dieses Thema im „linken“ Lager polarisiert, ist mir klar. Aber ich liebe es bekanntlich gegen den Mainstream zu schwimmen, auch gegen den „kritischen“, wie die Dagmar es nennt ;-)
Wer aufhört zu Denken, hat verloren – Venceremos ;-)
Schon krass, wie manche hier mit einem pseudolinken Ideologiegebilde das Leiden von Millionen Menschen unter Terrorregimen rechtfertigen. Das geht natürlich besonders gut, wenn man im reichen Deutschland lebt, was zu fressen hat und die Schnauze aufmachen darf. Wir haben halt Glück gehabt, dass Hitler so dumm gewesen ist einen Weltkrieg zu starten. Hätte das Naziregime wie heute üblich nur das eigene Volk unterdrückt, wäre die NSDAP wahrscheinlich auch heute noch an der Macht. Mit einem starken Militär muss ein Regime oppositionelle Aufstände ja nicht wirklich fürchten.
Im Falle von Burma kommen die Waffen überwiegend aus dem heutigen Russland und aus China und das wären dann auch die Länder, die sich im Falle einer militärischen UN-Intervention auch hauptsächlich engagieren sollten. Auch wenn es unrealistisch ist und die Mächte nicht gerade für Demokratie und Menschenrechte bekannt sind, aber im Falle von Burma, Nord-Korea & Co. wohl das kleinere Übel für die Bevölkerung. Ohne internationaler und militärischer Drohkulisse halten sich diese Unrechtsstaaten bis in alle Ewigkeit, weil sie notfalls auch über Millionen Leichen gehen, wie in Nord-Korea schon geschehen.
Die Opfer dieser Regime nach Hungerkatastrophen zu füttern und sonst alles beim alten zu lassen, kann jedenfalls keine Lösung sein. In Burma würde das Regime-Kartenhaus wahrscheinlich noch schneller umfallen als in Afghanistan. Die Fehler sind in Afghanistan hauptsächlich erst nach der Invasion begangen worden und in Myanmar muss man mit 87% Buddhisten und unter 4% Moslems wohl keine radikalen Milizen fürchten, die irgendeine Form von religiös-faschistischer Diktatur zum Preis von 72 willigen Jungfrauen im Jenseits durchringen wollen.
Zur Zeit des Kalten Krieges sind Unsummen von Geldern in Waffen und sinnlose Stellvertreterkriege geflossen und mit diesen Waffen sind praktisch alle Kriege danach noch geführt worden und Regime wie in Myanmar sind die Ausscheidungen dieses Krieges. Wenn die Großmächte an einem Strang ziehen würden, wäre es mit einem Bruchteil dieser Kosten und auch Kriegsopfer möglich, die schlimmsten Regime zur Aufgabe zu zwingen. Die moralische Verpflichtung hätten sie und gerade Deutschland ist trotz des blutigen Krieges eine Erfolgsgeschichte geworden. Wer sich bei den heutigen künstlichen Machtgebilden gegen jede Form militärischer Intervention sträubt, unterstützt passiv Faschismus und Diktatur. Der Kapitalismus kostet zwar auch viele Armutsopfer, aber es ist allemal besser in einem “freien Land” arm zu sein und die Möglichkeit zu haben, es besser zu machen als in einem Terrorstaat, der jede Form von Hoffnung im Keime dezimiert.
@ SF, 26
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Die Leser, denen Nonkonformismus und zynischer Menschenhass wichtiger sind, als kritische Gedanken, mag ich gerne weiterwandern lassen und wenn sich die Leserzahl halbiert – kein Problem. Meine Aufgabe ist es nicht, „Euch“ selbstgerecht die Eier zu schaukeln, sondern „Euch“ Anregungen zu geben; „Ihr“ müsst meine Meinung nicht teilen, aber „Ihr“ könnt sie zur Kenntnis nehmen.
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Da kann ich nur mit Rap zustimmen: “Word!” :-)
Und solltest Du doch noch, trotz des Zynismus, eine Wette an den Start bringen, ich bin auf deiner Seite mit nem Zehner. Auch wenn es nichts bringen wird, sollte es einen Aufstand geben. Burma hat immerhin eines der größtenHeere im Asiatischen Raum mit mehr als 400000 Soldaten. Das dürfte auch ein Grund sein, warum niemand dort militärisch intervenieren wird.
@Anindo
Schon freiwillig gemeldet Anindo, Du großartiger Freizeitrevolutionär, der vom Faschismus keine Ahnung, von Geopolitik einen Dreck weiss, nie einen schicken Bürgerkrieg erlebt hat und sonst nie beim Militär war, aber Onkel Addy rauskramen und “Krieg” brüllen?
Genau wegen solchen Charakteren wie Dir, gibt es ein Völkerrecht, dass humanitäre Bomben noch verbietet.
Ansonsten: lass deine dumme Propaganda von einer Demokratur in der westlichen ersten Welt, in der nur die Kapitalfreiheit von ein paar Milliiardären gilt.
Deinen Quatsch von der “freien Welt” kannste gleich wieder einpacken.
Ich bin schon lange dafür, Onkel Addy zu reabillitieren und dem posthum den Friedensnobelpreis umzuhängen: der taugt heute für jeden neuen Krieg gegen die Länder des Trikont.
@SF Art 27
Ich war mir beim Lesen Deines Artikels auch nicht so recht im Klaren, ob Du nun ein gewaltsames Eingreifen befürwortest oder nicht. Mir kamen Deine Äusserungen etwas hü-hott vor.
Ich bin auch der Meinung, dass man Interventionen nicht per se und unter allen Umständen ausschliessen soll. Die vietnamesische Intervention in Kambodscha ist eine, die ich nach wie vor für richtig (wenn auch etwas spät) halte. In Ruanda kenne ich mich nicht so aus, meines Wissens hatten da Querelen zwischen den USA und Frankreich einen gewissen Anteil an der Entwicklung des Völkermords.
Generell zu Myanmar: Die Junta ist gewiss kein Anwärter auf Preise für gutes Regieren.
Aber so wie ich es sehe, ist der Status von Myanmar eher der eines fragilen Waffenstillstandes zwischen 10-20 Warlords aus mindestens so vielen Ethnien als eine totale (ich hasse das Buzz- und Bubbleword “totalitär”) Diktatur der Junta.
Wenn die Junta jetzt ausländische Helfer nicht reinlässt, ist das erstens widerlich und zweitens wohl soviel Herrschaftssicherung wie Paranoia. Die Typen wissen, dass sie nicht populär sind. Andererseits habe ich mit dem Unentbehrlichkeitsgefühl westlicher Helfer so meine Probleme. Mehrere meiner Freunde und Bekannten haben in Afrika in Entwicklungshilfe und auch Katastropheneinsatz gearbeitet. Übereinstimmend werten sie den Einsatz westlicher Helfer nur in einer Minderzahl von Fällen als produktiv und effizient. Oft waren Einheimische, so gut wie immer Chinesen oder Kubaner die bessere Wahl.
Ok, was tun jetzt? Ich finde Angriffe Deinerseits auf “Eierschaukler” reichlich daneben. Wir alle sind Sesselfurzer, was die aktuellen Vorkommnisse angeht. Wenn wir etwas Sinnvolles vorhaben, schlage ich Spenden vor, auch wenn das einigen spiessig und trivial vorkommt. Konten erfragt man bei den TV-Sendern oder im Internet. Ich empfehle die Johanniter oder das Rote Kreuz, die sind vor Ort.
Wieso diese komische Junta etwas mit dem linken Spektrum zu tun haben soll, erschliesst sich mir im Übrigen nicht. Ach so, die nennen sich sozialistisch? Naja, tun die Jungsozialisten auch. Nein, sorry, so nicht. Auch nicht so, dass Feinde der USA meine Freunde sein müssen.
Ich habe nichts dagegen, wenn die Junta gestürzt wird. Dass dann Frieden, Freundschaft und wahre Demokratie einziehen, glaube ich aber nicht im Traum.
Sorry, Dein Artikel war emotional nachvollziehbar, aber jenseits allen Zynismus wirklich schwach. Egal, es kann nicht immer Spitzenleistungen geben.
@auqadraht
Was Kambodscha und die Steinzeitirren um Pol Pot betrifft, ist es interessant zu sehen, wie beliebt diese bei den Vereinigten Staaten und deren Ostasienpolitik waren. Die spielten eine ähnliche Rolle wie Osma in Afgahnistan.
Pol Pot bekam auch von den Vereinigten Staaten die enorme Waffenhilfe des freien Westens zu spüren und wenn man sich heute das Tribual gegen die Reste der Irren anschaut, und genau verfolgt, welche Aspekte das Tribual gar nicht anfassen darf, ist das Gefasel von “humanitärer Intervention” ein blanker Hohn.
Der Zynismus des Westen liegt darin begründet, dass er die Opfer des Zyklons als Türöffner gegen China benutzen will und die ganz Verrückten “Liberalen” gleich Krieg fordern.
Unsere westliche Freiheit, auch Hartz IV, wird auch in Myanmar und am Hindukusch verteidigt: Vorwärts Genossen ;)
@aquadraht
Jein - im Kernland herrscht die Junta relativ autark, in den ethnisch verschiedenen Randgebieten größtenteils gar nicht, da dort idT ein Waffenstillstand herrscht, der aber eher als Autonomie für die ethnisch nichtbirmanischen Warlords zu werten ist.
Hier muß man mE scharf(!) trennen. Was “Entwicklungshilfe” angeht, gebe ich Dir zu 100% recht und könnte noch einiges aus meiner eigenen Afrikaerfahrung draufsetzen. Was die Katastrophenhilfe angeht, so stimme ich mit Dir allerdings keinesfalls überein. Neben dem wirklich professionellen Ausbildungsstand der Helfer zählt hier vor allem die Ausrüstung. Suchhunde, mobile Wasseraufbereitungseinheiten, Notfalllazarette, die gut ausgestattet sind etc. pp. sind mW in keinem asiatischen Land (inkl. China) auf einem derart hohem Niveau, wie bei den westlichen Hilfsorganisationen. Es geht nicht um Langzeit-, sondern um Akuthilfe.
Mag sein ;-)
Mich kotzt die zynische Arroganz einiger selbsternannter Linker halt an - sorry für die harten Worte.
Weil sie vermeintlich antiamerikanisch, antikkapitalistisch, postkolonial und poststrukturell ist. Natürlich ist das alles Unfug (bis auf das postkoloniale), dennoch tritt auf Seiten einiger Linker ein unerklärlicher Pawlovscher Reflex auf, wenn es darum geht, die birmanische Junta zu verteidigen. Wie Du siehst, gibt es sogar Verteidiger von Pol Pot ;-)
Nein, dass glaube ich auch nicht - aber die humanitäre Lage wird dennoch davon profitieren.
@SF
Nun - das habe ich getan, hatte es auch schon vor meiner Antwort getan und es mag sein, dass ich etwas hereininterpretiert habe, was nicht ausgesagt werden sollte. Deine Ausführungen zur “humanitären Invasion” und zu “militärisch geschützten” Hilfstruppen legt diese Interpretation allerdings mehr als nahe.
Ich würde mich an Deiner Stelle nicht darüber beschweren, dass viele Deinen Artikel mißverstehen, sondern ihn so formulieren, dass solche Mißverständnisse nicht so leicht aufkommen.
In Ruanda hast Du z.B. in Deiner Antwort eine militärische Intervention gut geheißen. Ich wäre mir da nicht so sicher, denn man sollte dabei auch immer überlegen, was danach kommt. Dass durch eine Intervention der Konflikt zwischen Hutsu und Tootsie (richtig geschrieben?) nachhaltig beigelegt worden wäre, wage ich zu bezweifeln. Gerade bei der Topologie in Ruanda halte ich militärische Aktionen für aussichtslos. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch kein Patentrezept zur Lösung weiss und Dir beipflichte, dass die “westlichen Demokratien” die ethische Pflicht zum Eingreifen in welcher Form auch immer gehabt hätten.
Ganz nebenbei: Ich bin kein “Linker”, “Rechter” oder “Mitte”. Schubladendenken halte ich für blödsinnig.
@Schwitzig
Gut, ich kann verstehen, warum das missverstanden werden kann. Anders als “die Politik” meine ich diese Begriffe so, wie es eigentlich sein müßte; d.h. ohne Neologismus oder Euphemismus. Wenn ich von einer “humanitären Invasion” schreibe, so meine ich selbstverständlich einen nichtmilitärischen Einsatz.
Oui, mon capitaine! Ich gelobe Besserung ;-)
@ SF
Etwas OT: Ist es nicht ulkig, wie viele Menschen mittlerweile in Neusprechmanier (Stichwort: Krieg heisst jetzt Friedenserzwingung) denken, obwohl das eigentlich wenig zielführend ist?
@Schwitzig
Ja, einerseits ulkig, andererseits gefährlich, da Sprache auch das Denken beeinflusst, bis ein Begriff total neu besetzt wurde. “Friedenserzwingung” ist mE immer noch teilweise positiv konnotiert, während die “Reformen” eigentlich nur noch negativ konnotiert sind.
@spiegelfechter
auch wenn durch nachfolgende Kommentare schon einiges klargestellt wurde:
>a) niemand spricht von einer militärischen Invasion
Naja. Die zivile endete an der Grenzstation. Da stehen burmesische Soldaten und sagen: Nö!
>b) anders als im Irak, geht es nicht darum, dem Volk etwas vor die Nase zu setzen, das es nicht will. Ich sprach davon, dem Volk zu helfen, seine eigene(!) Verfassung zu schreiben und sich selbst zu organisieren
Wenn ich mich an die vielen schönen Stimmen im Vorfeld der Irakinvasion erinnere, dann wollten alle Iraker auch den Umsturz. Was macht dich so sicher, daß die Burmesen eine andere Regierung wollen. Jede Junta braucht ihr Clientel. Ich schätze mal min. 30% die vom System profitieren. Die paar Mönche sprechen auch nur für eine Minderheit.
>c) die humanitäre Katastrophe im Irak, war nie Kriegsgrund und außerdem vom Westen erzeugt
Ok. sie war nur sekundäres Argument.
>d) die Argumentation geht in Richtung Nothilfe (wie im StGB) - das hat nichts mit einer militärischen Besatzung zu tun
Wenn die Nothilfe mit Soldaten erfolgt, hat das nichts mit Militär zu tun??? Es ist eine Miliärjunta! Ähnlich wie im Irak werden sie sich gegen äußere Eindringlinge stellen. Auch Leute, die die Regierung ablehnen, denn es ist ihr Land und ein Fremder dringt ein.
>Das ist ja auch das Problem, wenn man Äpfel und Birnen vergleicht. Schauen wir uns z.B. Ruanda an, wo auch eine militärische Intervention mE 100% gerechtfertigt gewesen wäre.
Ruanda war ne eigene Baustelle. Hier war ein Brigarde vor Ort. Das ist schon eine wesentliche Macht. Der Kommandeur war leider dem angelsächsischem Befehlssystem verwachsen und konnte sich leider den direkten Befehlen verweigern. Hier hätte mich interessiert wie ein deutscher Offizier gehandelt hätte. Zum Zeithorizont: Um eine Division geeigneter Soldaten nach Burma zu bringen bäuchte es doch wohl min. 10 Wochen.
>Humanität komplett aus dem Katalog der Interventionspolitik zu streichen, da man im postkolonialen Sinne jegliche Interventionen ablehnt, kann mE nicht im Sinne der Menschlichkeit sein - aber ich weiß, dass diese “meine” These, vor allem von “links” nicht einmal im Ansatz geteilt wird.
Es ist immer ein Abwägen. Nur bevor Du etwas in Burma befürwortest, wünschte ich mir, daß Du dieselbe Argumentation mal auf Nordkorea anwendest (bei den Reispreisen ist die nächste Katastrophe da wohl absehbar).
@Sven
Keinesfalls – lediglich Mietfedern und zwielichtige Personen á la Chalabi haben lautstark für einen Krieg die Trommeln geschlagen.
Ich habe im Netz noch keinen Birmaner „getroffen“, der die Junta behalten will und sogar juntafreundliche Kommentatoren gestehen das ein. Aus dem bloßen Nichtvorhandensein einer einzigen Stimme, die sich für die Junta stark macht, schließe ich mal messerscharf, dass es eine solche auch nicht gibt. Allen seltsamen Spin der Medien zum Trotz – bei den Berichten aus Myanmar sind sich alle einig und alle Korrespondenten vor Ort (auch die der kritischen Medien á la AsiaTimes) berichten so ungefähr das gleiche Bild. So falsch kann es also kaum sein.
Ich würde die Zahl weitaus geringer einordnen, aber prinzipiell hast Du natürlich recht und es gibt auch Profiteure des Systems.
Nichts mit militärischer Besatzung! Außerdem drehe ich mich hier im Kreis, da ich ja das Frankreich/USA Szenario auch im Text ablehne, aber sei es drum: Auch dieses Szenario hat nichts mit Besatzung zu tun. Wenn z.B. ein französischer Hubschrauber Pakete über einer nicht versorgten Region abschmeißt und dabei von Kampfhubschraubern gesichert würde, so wäre dies keine Besetzung oder Besatzung.
Alle Berichte aus Myanmar suggerieren das Gegenteil – französische Ärzte würden sicher nicht von lokalen Milizen „bekämpft“.
Btw.: Die Lage entspannt sich ja, da die Junta jetzt auch Hilfskräfte hereinlässt, was leider nur nebenbei berichtet wird und im Hetzorgan SPON sogar untergeht. Ein Kollege von mir (Spezialeinheit Wasseraufbereitung beim THW) ist beispielsweise gestern nach Myanmar geflogen und 50 weitere sollen heute folgen, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Er versucht mir übrigens Berichte zu mailen, was aber uU auch nicht klappen wird, da die Kommunikation wohl sehr eingeschränkt ist.
Dem Kommandeur würde ich da keinen Vorwurf machen; er hatte einfach nicht die Mittel etwas zu tun und wurde (v.a. von den USA) gnadenlos hängen gelassen. Dazu ist folgender Film übrigens sehr aufschlussreich: „Shake Hands with the Devil – The Journey of Roméo Dallaire”. Das Buch dazu heißt “Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda” und ist auch sehr empfehlenswert! – Dallaire war der kanadische UN-Kommandeur vor Ort. Recht ordentlich ist auch dieser Artikel vom STERN.
Auch die Franzosen und die Belgier hätten den Völkermord verhindern können, hätten sie dies nur gewollt. 5.000 Fremdenlegionäre hätte ohne Probleme binnen kürzester Zeit vor Ort sein können.
Schwieriges Thema – zu einem befürworte ich ja eben keinen militärischen Einsatz, sondern einen scharfen diplomatischen Vorstoß aus Peking, der von der UN flankiert wird. Über Nordkorea weiß ich zuwenig und kann mir kein Bild darüber machen, was Wahrheit und was Propaganda des Westens ist. Im Falle Myanmar ist die Sache da tranparenter.
Jens, du kannst bei Myanmar genauso wenig einschätzen, wie schwer der Zyklon die Gebiete überhaupt getroffen hat. Wie arrogant ist es aus westlicher Sicht, so zu tun, also ob mal selbst Profi in der Bewältigung solcher Unglücke ist: die historische Erfahrung spricht in Deutschland (ja ja , das Hochwasser an der Oder und Elbe) und in den USA völlig dagegen.
Du muss mal überlegen, was du da forderst: ein erste Welt Land wie die Vereinigten Staaten bekam nicht einmal die Flutkatastrophe Katrina in New Orleans in den Griff, trotz vorhandener Logisk und einem Militär, was mit allem ausgerüstet ist, was es so gibt.
Und dann von einem absoluten verarmten Land wie Myanmar etwas fordern, was man selbst nicht in Griff bekommt.
Echt irre, was westliche Arroganz anrichten kann. Überall liest man den gleichen rassistischen (der langsame Burmese, war das Beste was SPON so von sich gab) Unterton: der myanmarische Untermensch rottet seine Mitgenossen aus: er will niemanden helfen, er inszeniert nur, er lässt die anderen bewusst verrecken: in diesem Ton wird überall geschrieben.
Ja ja, die Junta und das Regime, und wir weissen sind die besten an Hilfsfront.
Wo waren denn die freien westlichen Stimmen, die ein humanitäres Eingreifen in den USA forderten, als das Hochwasser dort ganz kostengünstig das begehrte Bauland der schwarzen Community in New Orleans unter Wasser setzte ?
(von den Prognosen, und der Verhinderung dieses Unglücks, der Dämme, von denen man wusste, das sie nichts standhalten, fange ich gar nicht erst an)
@name
Dazu gibt es zig Berichte und selbst wenn man diejenigen nimmt, die nicht alarmistisch sind, so ist das Bild vernichtend. Ich zweifele die Zahlen der Dissidenten übrigens auch an, was ich ja auch schreibe.
Keinesfalls – bei großen Naturkatastrophen, wie dem Tsunami oder den großen Erdbeben in Iran, Kaschmir oder Indonesien haben internationale Hilfstrupps bemerkenswerte Arbeit geleistet. Übrigens kamen diese nicht nur aus dem Westen – auch Kuba ist auf diesem Gebiet sehr profiliert.
Jo böse böse westliche Arroganz – zum Glück hat ja auch niemand der FEMA oder Bush Vorhaltungen gemacht. Und wo wir schon bei Vergleichen sind – Katrina hat rund 1.800 Menschen das Leben gekostet, das könnte Nagris locker 100 – 500 mal hinbekommen und anders als Mynamar hatten die USA die Logistik und die Manpower, die sie nicht richtig einsetzten.
@spiegelfechter:
Wenn sich die Junta entschließt keine ausländischen zivilen Kräfte ins Land zu lassen, dann wird jegliche Operation nur militärisch erfolgen können. Für deinen Hubschrauber, der Lebensmittel herunterschmeißt: Dazu braucht man erstmal vernünfige Basen, Seehäfen um die Güter und gesamte Logistik anzulanden und man hat immer noch keine Gewähr, daß nicht der örtliche Kommandant die Säcke einfach abgreift.
Eine militärische Operation ist schwierig: abgelegenes Land, keine schnell verfügbaren Kräfte. Und es brauch Zeit und Planung hierfür. Wenn es denn geschähe vielleicht in 2-3 Monaten.
Wenn man dies dann tatsächlich geschafft hat: Niemand weiß was passieren wird wenn es dazu kommt. Implodiert das System und es konstituiert sich eine neue Regierung? Das erscheint mir zu schön um wahr zu sein.
Die Diktatur steht mit dem Arsch an der Wand. Erfahrungsgemäß ist das der Zeitpunkt an dem die Reaktionen am krassesten sind. Es wird oft alles auf eine Karte gesetzt (es gibt nichts mehr zu verlieren).
Die Junta versucht nun zwischen Skylla (ausländische Intervention) und Charybtis (innere Unruhen) durchzukommen. Mal sehen wie sich das entwickelt. Ich befürchte, daß wenn sie es nicht schafft die jetzigen Leiden vergleichsweise gering sind.
Nach den Tibet-Unruhen kann Peking durch das Erdbeben von der unangenehmen Tibet-Frage ablenken. Vor den Olympischen Spielen kann sie die Katastrophenhilfe als Werbemaßnahme für sich nutzen.
Tja, wie immer auch ein asiatisches Land sich entscheidet, es wird ihm in unseren Medien ein Strick draus gedreht. Da kriegste echt das Kotzen. Fehlt nur noch, das behauptet wird China habe die Beben vorsätzlich herbeigeführt um von Tibet abzulenken.
Qualitätsmedien.
@Sven
Dem ist wohl so.
Zum xten male - das ist nicht mein Hubschrauber!
Ganz richtig - wenn ich das recht mitbekommen habe, wollten die Franzosen und die USA dies von einem Flottenverband aus tun - was zweifelsohne logistisch möglich wäre.
F und USA wollten ja keine Invasionsstreitmacht aufstellen, sondern “nur” Hilfsmittel abliefern - das geht ad hoc.
Das wiederum bezweifele ich - es kommt darauf an, was das Volk will. Im letzten Jahr stand die Junta schon kurz vor einem Putsch - einige hohe Befehlshaber verweigerten die Befehle und wurden (als die Lage sich wieder klärte) entfernt. Wenn die Lage kritisch wird, wird sich sicherlich ein General als die neue Hoffnung darstellen, Militärs um sich scharen und putschen. Er wird (im Westen) gute Presse bekommen (das ist immer so) und als integerer Verhandlungspartner dastehen. Da China das Land nicht dem Westen überlassen kann, wird es einen Wettlauf um die Gunst des “neuen Mannes” kommen, der natürlich auch einiges ändern muß, um das Volk bei Stange zu halten. Dass der “neue Mann” ebenfalls ein korrupter Paranoiker sein wird, halte ich übrigens für sehr wahrscheinlich.
@corax
Da fällt auch mir nur noch ein “Arschlöcher” ein
Ja ja : Die nur falsch eingesetzte Manpower: Was ist das für ein Unsinn Jens?
An der Oder, bei einem vergleichsweise harmlosen Hochwasser, bei einer voll entwickelten Infrastruktur in Deutschland, bekam die westliche deutsche Manpower fast nichts hin, fast nichts: trotz Hochtechnologie. Es gibt selbst im Westen selbst, für Unglücksfälle überhaupt keine Vorsorge (hör mir auf dem THW), keine Strukturen, kein Nichts.
und du schreibst was von einem Delta, wo nichts mehr ist aus einer Wasserwüste, wo keine Strassen, keine Logisk nichts mehr besteht, und Hubschrauber, die Säcke abwerfen, hallo?
Deutschlands Vertreterin in der EU fastelt was von 2 Millionen Euro : sach mal, weiss die gute Frau, was der Betrieb einer Flugstunde eines Hubschraubers kostet?
Das weltfremd, absolut weltfremde Arroganz.
Solche Unglücke haben eine Eigendynamik, wo man ab einem gewissen Zeitfenster tatsächlich kaum mehr etwas tun kann.
@corax
So etwas hätte ich eher von der Merkel-Brüllpostille SPON/Spiegel erwartet, aber die Süddeutsche scheint nach dem Kauf auch nicht mehr das zu sein, was sie mal war. Natürlich wird Leid von gewissen Personen ausgeschlachtet - dadurch wird es aber nicht reduziert und in Deutschland oder unserem Vaterstaat den USA wird es doch genauso gehandhabt.
Gewissenlose Populisten gibt es in jedem Land.
@ Schwitzig
Die suedeutsche ist mir schon letztens aufgefallen.
Am Wahltag versuchen die Militärs, aus der Notlage propagandistisches Kapital zu schlagen. Das Staatsfernsehen zeigte ständig Bilder, wie Generäle, darunter auch der Chef der Militärjunta, General Than Shwe, Kisten an Überlebende der Sturmkatastrophe verteilten.
Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck “Hilfe aus dem Königreich Thailand”.
Wenn man da kurz drüber nachdenkt, kommt man drauf wie lobotomiert man sein muss um so etwas zu schreiben, tagesschau.de hatte zwar auch so berichtet aber schlauerweise das mit Thailand weggelassen.
Entweder man will helfen um zu helfen und es ist einem dann letztlich egal was die Opfer glauben wo die Pakete herkommen, oder man verteilt die Dinger um sich einen drauf zu kloppen, dann ist das natürlich ärgerlich, wenn die Aufdrucke dreisterweise überschrieben werden. ;-)
Soll sich jeder seinen Teil zu denken.
total off topic, eine etwas ältere Studie (1996) über militärische grossräumige Wettermanipulation bei der renommierten FAS
Ich will das nicht in Zusammenhang mit irgendeiner Diskussion hier bringen, verlink es nur zum schönen, immer neutralen Thema “Wetter”
Dein Artikel Jens, war nicht schlecht :)
Was mich nur stört, nicht bei dir, ist aber überhebliche Unterton in der westlichen Presse, der wirklich bösartig ist. Im ZDF hatte ich mir die Reportage dazu angeschaut: also, diejenigen Reporter vor Ort die in der Wortwahl “hier hinter dem Zaun hausen die höheren Beamten des Regimes”, diesen und anderen Unsinn gesendet haben.
Solche Naturkatastrophen sind fast nicht beherrschbar. Es hängt vieles auch von der genauen Art ab. Von Kuba ist z.B. bekannt, dass sie ein extrem ausgefeiltes Vorsorge- und Sicherungssystem für solche Unglücke haben, dass dieses viele viele Opfer direkt verhindert. Eine Glanzleistung, die man sonst vergeblich in Südamerika sucht.
Ich würde sogar behaupten, dass ein solches System der entscheidenste Punkt (je nach Art des Naturunglücks) ist: es kommt gar nicht so sehr auf die Hochtechnologie an (die USA haben das selbst bewiesen), sondern auf ein gut strukturiertes Sicherungssystem.
Im Falle Myanmar wird selbst den Helfern jetzt vor Ort kaum Spielraum bleiben. Eine Infrastruktur für Rettungsmassen aufzubauen ist sowas von kompliziert, und das auch gerade, wenn die Wetterbedingungen sich dort ständig noch verschlechtern.
Bei Spon, der Artikel zum “langsamen Burmesen” ist sowas von übel: was sollen die Soldaten denn machen, bei einem Dauerregen und beim Fehlen von Logistik und entsprechenden Lagerhäusern? Den Reis aufs Rollfeld knallen, damit er im Regen gleich verdirbt?
Das ist es, was mich stört, auch die riesige Fläche von diesem Irrawaddy Delta: verdammt, das ist von der Fläche her größer als Deutschland. Die Ausmasse dort müssen unglaublich sein, und das zu beherrschen, ist fast unmöglich.
@50 name
Yep, das ist richtig. Ich weiß zwar nicht, wie die Kubaner technisch ausgestattet sind, aber im medizinischen Bereich sind sie bei Katastropheneinsätzen sehr gut geschult und ordentlich ausgerüstet. Beim Kaschmirerdbeben haben sie mW sehr wichtige Arbeit geleistet.
Auch wenn ich nur ungerne in Deine US-Schelte eingreife ;-) … das US-Unwetterzentrum hatte bereits 48 Stunden vor Eintreffen des Zyklons eine Dringlichkeitswarnung an die birmanischen Behörden abgegeben – keine Reaktion. Im birmanischen StaatsTV hieß es am Tag der Katastrophe noch, es könnte leichtere Stürme geben. Kein Wort von einer Unwetterwarnung, auf die die Leute sich hätten einstellen können.
Ja und nein – Notfalllazarette, Wasseraufbereitungseinheiten für die Notversorgung und v.a. Medikamente(!) könnten (und werden ja mittlerweile auch (nur halt viel(!) zu spät)) sehr schnell zum Einsatz kommen.
Sich an internationale Organisationen wenden – auch wenn Du mir da widersprichst. Die UN, die USA, Deutschland, Australien, Frankreich, Kuba und andere Staaten haben sehr gute Möglichkeiten Ein Arbeitskollege von mir gehört beispielsweise zur „schnellen Eingriffstruppe Wasserasufbereitung“ des THW und ich muß schon zugestehen, dass die Jungs sehr gut ausgebildet sind und sehr gut ausgestattet sind. Eine solche Einheit vor Ort zu haben (bei fast allen größeren Naturkatastrophen in den letzten Jahren, wurden sie angefordert (auch in Iran 03)), ist wirklich hilfreich – sich dagegen zu wehren ist borniert und dumm. Nach über einer Woche wurde den THW-Leuten gestern Abend endlich das Visum erteilt – mindestens fünf verlorene Tage, in denen viele Menschenleben hätten gerettet werden können. Es ist nicht immer westliche Arroganz, dies hervorzuheben.
Richtig – ich bin auch weit davon entfernt, zu sagen, „wenn wir kommen, klappt das“ – Aber zumindest versuchen kann und muss man es. Auch wenn man der Gesamtsituation nicht Herr werden sollte, man kann sehr viele Menschenleben retten.
also ich meine, dass auch mir dieser Artikel etwas nach ‘Mainstream*’ schmeckte, wenn ich schon Kunstwörter wie ‘internationale Staatengemeinschaft’ lese - na ja, nimms mir nicht übel, Jens, Kritiker haben es manchmal wohl zu leicht
zu der Forderung nach einer ‘humanitären Intervention’ möchte ich einfach nur einige Verweise auf Momente des aktuellen Zeitgeschehens als Kontrakpunkt geben:
“Report: 83 Immigrants Have Died in US Custody
Meanwhile, the Washington Post has published a major investigative series on the sub-standard health care offered in immigration detention centers in the United States. According to the Post, eighty-three detainees have died in or soon after custody during the past five years. Most of the people who died were young. Thirty-two of the detainees were younger than forty, and only six were seventy or older.”
democracyn...
“Climate Change Group: Cyclone Is a Sign of Things to Come
Meanwhile, a top Indian group that monitors climate change in South Asia has warned that Cyclone Nargis is a sign of things to come. Sunita Narain of the Centre for Science and Environment warned that destructive cyclones were likely to occur more often unless nations sped up their efforts to curtail the emission of greenhouse gases. Narain said, “The victims of these cyclones are climate change victims, and their plight should remind the rich world that it is doing too little to contain its greenhouse gas emissions.” Narain said big polluters in the world, including the United States, should not be able to escape responsibility for what is happening in Burma.”
“After 1,000 Killed, a Ceasefire Is Reached in Sadr City
In Iraq, a ceasefire has been reached in Sadr City, ending two months of US-led attacks on the Shiite neighborhood in Baghdad. During that time, nearly 1,000 people are believed to have been killed. Thousands more fled their homes to escape the daily air strikes. The ceasefire between the Iraqi government and Shiite cleric Muqtada al-Sadr was reached on Saturday.”
“Environmental Activist Sentenced to 20 Years in Prison
In California, a thirty-year-old environmental activist has been sentenced to nearly twenty years in prison after being convicted of planning to disrupt government and commercial installations. Eric McDavid was accused of plotting to sabotage three sites in California: the US Forest Service genetics lab in Placerville, the Nimbus Dam and a fish hatchery in Rancho Cordova. Supporters of McDavid have accused the FBI of entrapment. A key figure in the alleged plot was a Florida college student who was recruited by the FBI to penetrate the protest movement. McDavid’s lawyers said the conspiracy would have never developed if not for