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  • Myanmar – Land ohne Hoffnung

    geschrieben am 10. Mai 2008 von Spiegelfechter

    Die Folgen des Zyklons Nagris sind verheerend und bislang erleidet das gebeutelte Land Myanmar nur die akuten Folgen, während die Spätfolgen ein episches Ausmaß annehmen könnten. An dieser Stelle muss sich die internationale Gemeinschaft fragen, wie man mit einem Land umgehen sollte, dessen Regierung es offensichtlich nicht schafft, eine humanitäre Katastrophe abzuwenden und sich gegen jegliche Intervention versperrt.

    Da unabhängige Beobachter kaum verlässliche Informationen aus dem isolierten Myanmar berichten können, kann man nicht verlässlich sagen, welche Folgen der Zyklon hatte, wie viele Todesopfer zu beklagen sind und wie viele Menschen obdachlos, ohne Strom, Nahrung und Trinkwasser sind. Offizielle Zahlen sprechen von 23.000 Todesopfern und 42.000 Vermissten, die US-Behörden schätzen indes die Zahl der Todesopfer bei über 100.000 und die UN spricht von über 1 Mio. Obdachlosen. Birmanische Dissidenten werfen dagegen die unglaubliche Zahl von 760.000 Todesopfern alleine für den Yangon-Distrikt ins Feld, und berufen sich dabei auf ?verlässliche Regierungskreise?. Andere Quellen sprechen von alleine 70.000 Toten in nur zwei Landkreisen und über 600 Dörfern, die wie vom Erdboden verschluckt sind. Sicher sollte man mit diesen Zahlen vorsichtig sein. Nach dem verheerenden Seeerdbeben im Jahre 2004 machte die internationale Gemeinschaft ebenfalls Druck auf die birmanische Militärjunta, da man ihr Versagen in einer humanitären Krise vorwarf ? offizielle Angaben sprachen damals von 61 Toten, während Dissidenten zehntausende Tote nannten. Unabhängige Untersuchungen schätzen später die Todeszahl allerdings auf 90. Was allerdings momentan von unabhängigen Quellen nach außen dringt, lässt das Schlimmste befürchten.

    Die Hilfsleistungen der Militärjunta sind in keinster Form geeignet, der humanitären Katastrophe Herr zu werden. In der ersten Woche nach dem Unwetter, beschränkten sich die Aktionen des Militärs auf wohlhabende Bezirke in den Großstädten und die prophylaktische Abriegelung von Plätzen, die bei den Unruhen im letzen Jahr für regimekritische Demonstrationen genutzt wurden. Erst jetzt laufen die langsamen und unzureichenden Maßnahmen an, die das verwüstete Irrawaddy-Delta erreichen, während entlegene Landstriche komplett auf sich selbst gestellt sind. Die Junta akzeptiert zwar finanzielle Hilfe und Sachspenden, besteht aber darauf, diese Sachspenden selbst zu verwalten und zu verteilen ? UN-Lieferungen wurden von ihr ?beschlagnahmt?, während chinesische und indische Lieferungen zwar ins Land gelassen wurden, aber ebenfalls nur unter der Bedingung, dass sie dem Militär zur weiteren Verwendung übergeben werden. Die Paranoia der birmanischen Militärjunta hat bereits etliche Leben gekostet und wird ? allen Prognosen nach ? noch unzählige weitere Opfer fordern.

    In weiten Gebieten des Landes ist die Stromversorgung ausgefallen und in ländlichen Gebieten ist es keine Frage, in wie viel Wochen, sondern eher in wie vielen Monaten oder Jahren die Schäden beseitigt wurden. Auch Gas- und Öllieferungen sind aufgrund der weggeschwemmten Straßen und der Blockaden durch umgestürzte Bäume in weite Teile des Landes nicht mehr möglich. Damit haben diese Regionen keine Möglichkeit mehr, Wasser abzukochen und strombetrieben Brunnen können nicht mehr betrieben werden. Desinfektionstabletten und Medikamente gibt es nicht und durch die vielen im Wasser treibenden Leichen und die desaströse hygienische Situation ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Seuchen ausbrechen. Lokale Quellen berichten bereits von zwei größeren Städten, in denen Ärzten zufolge die Cholera ausgebrochen ist.

    Mittel- bis langfristig wird sich vor allem die Nahrungsmittelsituation dramatisch verschärfen. Das am stärksten von Zyklon betroffene Gebiet ist das Irrawaddy-Delta, welches als Myanmars Reiskammer gilt ? die Reisfelder sind indes über- und weggeschwemmt und es ist absehbar, dass große Teile der Reisernte ausfallen werden. Dies geschieht in einer Zeit, in der die Weltreispreise schwindelerregende Höhen erreicht haben. Für die normale Bevölkerung wird es keine Möglichkeit geben, sich mit Reisimporten zu marktnahen Preisen zu versorgen und die Militärjunta steht nicht eben im Verdacht, die logistische Herkulesaufgabe bewältigen zu können, große Teile des Volkes mit staatlichen Hilfslieferungen zu versorgen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die unterdrückte und gebeutelte Bevölkerung sich wieder einmal gegen die inkompetenten Machthaber erhebt.

    Frankreich und die USA haben derweil bereits laut über eine ?humanitäre Invasion? nachgedacht. Wenn die birmanischen Behörden der internationalen Gemeinschaft verbieten, das Land zu betreten, so solle man zur Nothilfe greifen und die Abwendung einer humanitären Katastrophe epischen Ausmaßes, gebe eine Eingriffsermächtigung, die vom internationalen Recht gedeckt sei. Diese würde beispielsweise den Abwurf von Hilfsmitteln über der Notfallregion gegen den Willen der Militärjunta rechtfertigen und unter Umständen sogar den Einsatz von Hilfspersonal, das natürlich (wie die Hilfsflüge) von Militärs abgesichert werden müsste. Diese Interpretation internationalen Rechts ist aber nur teilweise richtig. Richtig ist, dass eine UN-Resolution aus dem Jahre 2005 eine friedliche ?Invasion? zu humanitären Zwecken billigt. Aber nur in dem Falle, wenn die lokale Regierung vorsätzlich ihr eigenes Volk umbringt ? und sei es durch Unterlassung von Hilfsleistungen. Dies trifft im Falle Myanmars aber nicht zu, wie auch der britische UN-Botschafter eingesteht. Gegen das Krisenmanagement der birmanischen Junta wirkt zwar sogar desaströses Bushs Katrina-Management vorbildlich effektiv, aber man kann der Junta schwerlich unterstellen, sie tue gar nichts. Kein Staat kann gezwungen werden, westliche Hilfskräfte auf sein Territorium zu lassen. Wenn Myanmar der festen Überzeugung ist, man könne selbst die Hilfsmaßnahmen leisten und koordinieren, so hat die internationale Gemeinschaft keine Möglichkeit, dies per Zwang außer Kraft zu setzen.

    China, Indien und Thailand ? die unmittelbaren Nachbarn, mit den besten Kanälen ? lassen bereits die diplomatischen Kanäle spielen, um die Junta zu einem Einlenken zu bewegen. Es ist allerdings fraglich, ob dies von Erfolg gekrönt sein wird. Letztendlich bliebe nur die Möglichkeit, Myanmar über den Weltsicherheitsrat ein Ultimatum zu stellen ? dann wird es an China und Russland sein, ihre bisherige Blockadepolitik aufzugeben. Derweil werden vor allem die Chinesen hinter den Kulissen auf Myanmar einwirken. Ein Veto kann sich China kaum leisten, will es nicht nach der inszenierten Tibet-Krise endgültig zum internationalen Buhmann werden.

    Die Uhr tickt ? jeder Tag der durch Krisendiplomatie verloren geht, bedeutet weitere tausende Tote und es erscheint fraglich, ob diese Katastrophe überhaupt friedlich beendet werden kann. Es wäre Zeit für den Westen und die Nachbarn Myanmars sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und eine schnelle humanitäre Eingreiftruppe zu mobilisieren ? die USA, Frankreich, Indien und China Hand in Hand. Nur gemeinsam und nur mit stärksten Druck ließe sich schnell zivil intervenieren. Das korrupte und paranoide Regime in Myanmar, das gerade eben an einer Wahlfarce zur Bestätigung einer Verfassung arbeitet, hat zweifelsohne keine Berechtigung mehr, sein Volk zu knechten. China möge der Junta anbieten, nette Villen am Jangtse zu beziehen und gemeinsam mit der UN könnte man an einen Wiederaufbau des Landes arbeiten und eine Regierung, die vom Volk bestellt wird, mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung betrauen. China könnte sein Gesicht wiedererlangen und Bush könnte als Präsident in die Geschichte eingehen, der wenigstens ein einziges mal etwas für die Welt getan hat, das den Menschen hilft. Leider wird dies ein Wunschtraum bleiben und Myanmar blickt auf eine epische Katastrophe, die wohl in einer blutigen Revolution enden wird. Tausend-, wenn nicht gar millionenfaches Leid ? und die Weltöffentlichkeit hat zugeschaut.

    Jens Berger

    Bildnachweis: Mizzima

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    71 Kommentare:

    1. Jochen Hoff schrieb am 10. Mai 2008 at 17:53 - Permalink

      Die Junta in Myanmar wird sich zum Schluß den Chinesen geschlagen geben. Thailand und Indien müssen froh sein wenn die Chinesen sie in Ruhe lassen, zumal China keinen anderen Ausweg hat.

      http://www.duckhome.de/tb/archives/2531-Chinas-wirre-Traeume-gegen-den-Hunger-und-Indiens-Schweigen.html

      Ich glaube wir können da nichts mehr ändern und jede Hilfe verpufft.

    2. sven schrieb am 10. Mai 2008 at 18:26 - Permalink

      Huch! Hab ich was nicht mitbekommen?

      Wie war das: Arschlochregierung + notleidende Bevölkerung + Öl = Invasion ist böse || Arschlochregierung + notleidende Bevölkerung + kein Öl = Invasion ist gut

      Und gab es da nicht ein paar Sachen, die man sich überlegen sollte bevor man was unternimmt? Was sind eigentlich die Kriterien anhand man eine “Befreiung” für notwendig erkennt? Oder ist das jetzt pfingstliches Solidaritätsentrüsten?

    3. Spiegelfechter schrieb am 10. Mai 2008 at 19:59 - Permalink

      @Sven

      a) niemand spricht von einer militärischen Invasion
      b) anders als im Irak, geht es nicht darum, dem Volk etwas vor die Nase zu setzen, das es nicht will. Ich sprach davon, dem Volk zu helfen, seine eigene(!) Verfassung zu schreiben und sich selbst zu organisieren
      c) die humanitäre Katastrophe im Irak, war nie Kriegsgrund und außerdem vom Westen erzeugt
      d) die Argumentation geht in Richtung Nothilfe (wie im StGB) – das hat nichts mit einer militärischen Besatzung zu tun

      Das ist ja auch das Problem, wenn man Äpfel und Birnen vergleicht. Schauen wir uns z.B. Ruanda an, wo auch eine militärische Intervention mE 100% gerechtfertigt gewesen wäre. Humanität komplett aus dem Katalog der Interventionspolitik zu streichen, da man im postkolonialen Sinne jegliche Interventionen ablehnt, kann mE nicht im Sinne der Menschlichkeit sein – aber ich weiß, dass diese “meine” These, vor allem von “links” nicht einmal im Ansatz geteilt wird.

    4. Dexter schrieb am 10. Mai 2008 at 21:42 - Permalink

      Schade. M.E. ist das der schlechtester Artikel des Jahres hier.
      @Spiegelfechter:
      Es gab ja vor nicht allzu langer Zeit noch Regierungen, die haben den Kapitalismus als “humanitäre Katastrophe epischen Ausmaßes” betrachtet. Lustig wirds, wenn man deine naive Argumentation auf dieses Szenario überträgt.

      Ich denke die Folgen einer Infragestellung der Souveränität eines Landes sind bei weiten gefährlicher als die (vermeintliche) Unfähigkeit eines Staates mit einer Katastrophe umzugehen.

      Übrigens sind die Arbeitsweise und die eigentlichen Ziele vieler humanitärer Hilfsorganisationen ja häufig selbst nicht unumstritten.

    5. dagmar lücke schrieb am 10. Mai 2008 at 21:43 - Permalink

      Wieder ein Schurkenstaat identifiziert.
      Und schon maßt sich Frankreich an, mit Kriegsschiffen gegen einen souveränen Staat zu intervenieren.

      Das ist doch nur ein weiterer Enterhaken der reichen Staaten, in denen 20% der Menschen 86% der Ressourcen verbrauchen und letztlich durch ihren exzessiven Konsum maßgeblich dazu beitragen, dass Naturereignisse mittlerweile solche katastrophalen Ausmaße erreichen.

      Ist über diesen Aspekt ein einziges Wort verloren worden?

      Und jetzt sollen die USA, Frankreich, China und Indien, allesamt verseucht von verkrusteten Machtstrukturen, -mit Glanz und Gloria dieses Reich des Bösen, Myanmar, zusammenfalten?

      In dieser Vision liegt etwas ungeheuer Selbstgerechtes und Überhebliches.

      Jeden Tag sterben mindestens 100.000 Menschen an den Folgen von Hunger und vermeidbaren Krankheiten.

      Milliardäre und Hedgefonds hökern preistreibend mit Lebensmitteln an den Waren-Terminbörsen.

      Pharma-Konzerne kämpfen mit Zähnen und Klauen um ihre Patente, damit bloß keine billigen Generika auf den Markt kommen.
      Das könnte ja Menschenleben retten.

      Die Pharma-Konzerne haben anderes im Sinn: nämlich Profit.

      Lieber spiegelfechter, politisch macht dir so schnell keiner was vor;
      die wirtschafts(politische) Kompetenz fehlt jedoch und lässt deine Beiträge bisweilen etwas eindimensional erscheinen.

      Es fehlt dir da das eine oder andere Pendant.

    6. corax schrieb am 10. Mai 2008 at 22:40 - Permalink

      Hallo Leute,

      bitte mal langsam hier ja. ;-)

      Ich bin auch der Meinung, dass man die Hilfe dort nicht mit Gewalt hineinbringen darf.
      Malte vom Spreeblick hat hier auch versucht eine Diskussion darüber anzustoßen. Ich habe mir dort auch ein paar Gedanken dazu gemacht, leider scheint das nicht sonderlich viele zu interessieren. (liegt vielleicht am schönen Wetter)

      Aber man muss doch Leute die dabei auch abwägen und zu einem anderen Schluß gekommen sind, nicht so abkanzeln. Schließlich wollen sie helfen.
      Ich glaub mit Schwarz-weiß kommt man da nicht weit.

      Wer dort gegen die Regierung helfen will, ist nicht per se Imperialist,
      und wer dort die Souveränität des Staates höher einschätzt, so wie ich, dem sind die Leute dort nicht zwingend ?scheißegal?.

      Für und Wider hat hier gute Argumente.
      Diffamierungen bringen da keinem was.

      Bitte die jeweiligen Argumente sachlich vortragen, und andere Meinungen nicht pauschal abwerten, danke.

    7. Stefan schrieb am 10. Mai 2008 at 22:46 - Permalink

      Ehm, vorletzter Satz: “Leider wird dies ein Wunschtraum bleiben und Myanmar blickt auf eine epische Katastrophe, die wohl in einer blutigen Revolution enden wird”

      Das glaubst du doch selbst nicht oder? Die Junta hat erst letztes Jahr eine Nahezu-Revolution niedergeschlagen und dabei viele Mönche, respektierte Menschen, erschossen oder gefangen genommen. Jetzt kommt auch noch ein Wirbelsturm dazu, der den Menschen die Häuser zerstört hat und Zehntausenden an Opfern gekostet hat. Glaubst du wirklich die Menschen werden noch die Kraft haben, sich neben Krankheit, Obdachlosigkeit, Nahrungsmangel, Todesfällen, Medizinmangel, Arbeitslosigkeit noch mit einem abstrakten Problem wie einer korrupten Regierung rumzuschlagen? Die bekannt dafür ist jeden zu erschießen, der öffentlich gegen sie aufmuckt? Wenn du mich fragst wird Myanmar für die nächsten 20 Jahren keine Revolution erleben und kein Land wird etwas gegen dieses Regime unternehmen.

    8. Jochen Hoff schrieb am 10. Mai 2008 at 22:54 - Permalink

      Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, das wir überhaupt noch Einwirkmöglichkeiten haben. China muss dieses Land erobern um sowohl Rohstoffe als auch Nahrungsmittel für sich zu sichern. Alle die ansonsten von Einmarsch reden, meinen eigentlich das sie China ärgern wollen.

      Es geht leider schon lange nicht mehr um die Menschen dort, wie es auf dieser Welt eben nicht mehr um die Menschen geht.

    9. hottentotte schrieb am 11. Mai 2008 at 03:08 - Permalink

      Es wird keine (rechtzeitige) Intervention geben.
      Der Grund ist ganz einfach :
      China findet prinzipiell nichts daran auszusetzen, dass eine verbündete
      Junta einen langsamen und dreckigen Genozid am eigenen Volk begeht.
      Und gegen den Willen der Kommie-Faschisten aus Peking ist nichts zu
      machen, ausser man bombt sie gleich mit weg.

      Die Konsequenzen sollten klar sein :

      Auflösung der UNO und stattdessen einen Bund der demokratischen
      Länder gründen, oder China, Burma, NordKorea aus der UNO schmeissen.
      Die olympischen Spiele in Peking müssen abgesagt werden.

    10. Spiegelfechter schrieb am 11. Mai 2008 at 10:55 - Permalink

      @Dexter

      Es gab ja vor nicht allzu langer Zeit noch Regierungen, die haben den Kapitalismus als ?humanitäre Katastrophe epischen Ausmaßes? betrachtet. Lustig wirds, wenn man deine naive Argumentation auf dieses Szenario überträgt.

      Ja, wenn man diesen handfesten Vergleich nimmt, bricht meine naive Argumentation freilich zusammen ;-)

      Ich denke die Folgen einer Infragestellung der Souveränität eines Landes sind bei weiten gefährlicher als die (vermeintliche) Unfähigkeit eines Staates mit einer Katastrophe umzugehen.

      Warum? Mynamar wird so oder so vom unmittelbaren Hegemonialbereich Chinas geschluckt – genau so wie Taiwan.

      Übrigens sind die Arbeitsweise und die eigentlichen Ziele vieler humanitärer Hilfsorganisationen ja häufig selbst nicht unumstritten.

      Freilich, auch die Arbeitsweise der Polizei ist nicht umstritten, dennoch gestehe ich ihr zu, ein vernachlässigtes Kind aus einer komplett erziehungsunfähigen Familie zu holen.

    11. Spiegelfechter schrieb am 11. Mai 2008 at 11:06 - Permalink

      @5 dagmar lücke

      Wieder ein Schurkenstaat identifiziert.

      Dieser Schurkenstaat ist seit über 20 Jahren “identifiziert” ;-)

      Das ist doch nur ein weiterer Enterhaken der reichen Staaten, in denen 20% der Menschen 86% der Ressourcen verbrauchen und letztlich durch ihren exzessiven Konsum maßgeblich dazu beitragen, dass Naturereignisse mittlerweile solche katastrophalen Ausmaße erreichen.

      Genau! Die birmanische Junta ist ja bekanntlich der letzte Vorposten sozialistischer Humanwirtschaft, der seine Ressourcen dem Volk zu Gute kommen lässt und nie und nimmernicht mit den bösen reichen Staaten Geschäfte mache würde.

      Ist über diesen Aspekt ein einziges Wort verloren worden?

      Nein – warum auch? Wenn sich dieser Aspekt auf bloßes selbstgefälliges Lamentieren beschränkt, ist er nicht weiter von Interesse. Wenn es allerdings an eine Lösung gekoppelt sein würde, sähe dies anders aus – aber diese Lösung ist mE nicht in Sicht.

      Und jetzt sollen die USA, Frankreich, China und Indien, allesamt verseucht von verkrusteten Machtstrukturen, -mit Glanz und Gloria dieses Reich des Bösen, Myanmar, zusammenfalten?

      Meinetwegen könnten es auch Kuba, Venezuela und Bolivien machen ;-)

      In dieser Vision liegt etwas ungeheuer Selbstgerechtes und Überhebliches.

      Ach liebe Dagmar, ich wünschte Dir mal in die sogenannte Dritte Welt zu reisen – nicht an die Strände Kenias, sondern in die Hungergebiete. Dort wird man Deinen theoretischen Diskurs, frei von jeglicher Selbstgerechtigkeit, sicher sehr zu schätzen wissen.

      Jeden Tag sterben mindestens 100.000 Menschen an den Folgen von Hunger und vermeidbaren Krankheiten. Milliardäre und Hedgefonds hökern preistreibend mit Lebensmitteln an den Waren-Terminbörsen.

      Und wie willst Du das ändern?

      Lieber spiegelfechter, politisch macht dir so schnell keiner was vor;
      die wirtschafts(politische) Kompetenz fehlt jedoch und lässt deine Beiträge bisweilen etwas eindimensional erscheinen.

      Ich schaffe es zumindest in wenigen Fällen, meinen Zynismus unter Kontrolle zu halten – das ist natürlich schlimm, ich weiß.

    12. Spiegelfechter schrieb am 11. Mai 2008 at 11:11 - Permalink

      @Stefan

      Das glaubst du doch selbst nicht oder? Die Junta hat erst letztes Jahr eine Nahezu-Revolution niedergeschlagen und dabei viele Mönche, respektierte Menschen, erschossen oder gefangen genommen. Jetzt kommt auch noch ein Wirbelsturm dazu, der den Menschen die Häuser zerstört hat und Zehntausenden an Opfern gekostet hat. Glaubst du wirklich die Menschen werden noch die Kraft haben, sich neben Krankheit, Obdachlosigkeit, Nahrungsmangel, Todesfällen, Medizinmangel, Arbeitslosigkeit noch mit einem abstrakten Problem wie einer korrupten Regierung rumzuschlagen?

      Auch die letzten Aufstände waren weniger wegen der Junta an sich, sondern wurden durch ökonomische Probleme (Benzinpreise) ausgelöst. Das Preisniveau von Benzin, Gas und Lebensmitteln ist momentan auf einem Höchststand und durch die im Artikel genannten Entwicklungen wird es sich wohl drastisch verschärfen. Bei 1. Mio Obdachlosen ist dies Dynamit. Welche Alternative haben die Menschen denn? Bevor sie an Hunger, Ruhr und Chlorea krepieren, werden sie in die Städte ziehen und ihren Leben einen letzten Sinn geben.

      Die bekannt dafür ist jeden zu erschießen, der öffentlich gegen sie aufmuckt? Wenn du mich fragst wird Myanmar für die nächsten 20 Jahren keine Revolution erleben und kein Land wird etwas gegen dieses Regime unternehmen.

      Wen es nicht so zynisch wäre, würde ich Dir eine Wette anbieten.

    13. Spiegelfechter schrieb am 11. Mai 2008 at 11:17 - Permalink

      @9 Hottentotte

      China findet prinzipiell nichts daran auszusetzen, dass eine verbündete
      Junta einen langsamen und dreckigen Genozid am eigenen Volk begeht.
      Und gegen den Willen der Kommie-Faschisten aus Peking ist nichts zu
      machen, ausser man bombt sie gleich mit weg.

      Das ist nicht richtig. China hat mW bislang die meisten Hilfslieferungen unternommen und China macht sehr wohl Druck auf Myanmar, genau so, wie bei der letztjährigen Krise – nur will dies kaum wer wahrhaben und (man staune) auch die chinesischen Mittel sind beschränkt, das US-nahe Thailand, Indien und natürlich auch die EU in Gestallt Total-Fina Frankreichs und auch die Conoco-Phillips USA stehten nämlich bereits vor der Tür. Daher kann man auch nur multilateral etwas erreichen, alle unilateralen Aktionen werden von der gierigen Konkurrenz ad absurdum geführt – egal ob diese China, Indien, Thailand, USA oder Frankreich heißt.

    14. Dexter schrieb am 11. Mai 2008 at 12:16 - Permalink

      @7 Stefan – @12 Spiegelfechter
      “… durch die im Artikel genannten Entwicklungen wird es sich wohl drastisch verschärfen. Bei 1. Mio Obdachlosen ist dies Dynamit. Welche Alternative haben die Menschen denn? Bevor sie an Hunger, Ruhr und Chlorea krepieren, werden sie in die Städte ziehen und ihren Leben einen letzten Sinn geben.”

      Es gibt ja gute Beispiele, welche diese These widerlegen. Man betrachte Deutschland 43-45 > Die Strategie der Alliierten die deutsche Bevölkerung “umsturzreif” zu bomben ging damals auch nicht auf. Ebenso kann man auch das 1990er Embargo im Irak nennen. Es gibt viele Beispiele.
      Hungernde, kranke und obdachlose Menschen ohne jede Hoffnung denken nicht an Revolution.

      (OT: Wie kann man hier eigentlich gescheit zitieren?)

    15. Wishmaster schrieb am 11. Mai 2008 at 13:06 - Permalink

      @ Dexter

      Ich glaube Die Beispiele taugen nichts. 1991 haben verschiedene Gruppen direkt nach Ende dea Irakkrieges den Umsturz versucht. Saddam konnte das ganze blutig niederschlagen nicht zuletzt durch das tolerieren von Kampfhubschraubereinsätzen seitens der USA. An dem Punkt war Saddam am schwächsten und sie sind gescheitert warum sollte jemand es danach versuchen? Gut die Lebensumstände waren miserabel aber konstant miserabel und jenseits von Existenzbedrohlich.

      Und Deutschland? Das “Umsturzreifbomben” hat die Leute nur mehr in Hitlers Arme getrieben nicht zuletzt weil sie die Allierten zu Recht dafür verantwortlich machen konnten.

      Ich glaube aber, wenn sich die Militärjunta nicht um die Armen kümmert werden díe alleine wegen ihrem Hunger schon versucht sein einen Aufstand zu wagen. Und die Massenproteste letztes Jahr haben gezeigt das mehr als nur ein paar Leute unzufrieden sind und da sah es in Myanmar noch besser aus.

      Naja soviel dazu.

      Im übrigen stimme ich Jens zu: China, Frankreich, Russland, Amerika und Indien sollten lieber etwas tun als danebenzustehen und zuzugucken. Man ist auch für das verantwortlich was man nicht tut. (Im deutschen Recht kann man sogar für unterlassene Hilfeleistung belangt werden !) In dem Sinne wäre eine humanitäre Intervention, wie sie oben geschildert wurde, zu begrüssen.

    16. Carsten schrieb am 11. Mai 2008 at 18:35 - Permalink

      Der Spiegelfechter hat schon nicht ganz unrecht: Es ist am Rest der Welt, etwas zu machen. Die Junta in Birma kann und will nicht.

      Allerdings sehe ich die Diplomatie mit Birma hier am Ende – es ist bestenfalls noch Zeit für Diplomatie über die Junta – wenn überhaupt. Jede verstrichene Minutekostet jetzt Menschenleben – ein Eingreifen ist hier sogar nach dem Völkerrecht erlaubt. Das nur mal für all die Souveränität-Schreier hier. Details dazu stehen bei mir.

    17. name schrieb am 11. Mai 2008 at 18:54 - Permalink

      Ich bin auch für eine humanitäre Intervention. Am besten, wir werfen eine atomare Friedensbombe ab. Dieser Einsatz ist ja schon die ganze Zeit im neuen Natokonzept entworfen: humanitäre Atomwaffen, die menschengerecht andere ausrotten.

      Ach ja, über die 15.000 Tote täglich, weltweit, die für unseren Kaffee, Tabak, unser Fleisch, und Plastik verrecken, die vergessen wir für diese Zeit ganz liberal und humanitär. Es sollte ja keiner auf die Idee kommen, dass wir in 10 Tagen 150.000 Menschen nur mal so ausrotten, ohne Zyklone und andere Hilfsmittel.

    18. corax schrieb am 11. Mai 2008 at 18:57 - Permalink

      Bloß ist das bislang nur eine Empfehlung und andere sehen das durchaus etwas kritischer:

      Diese Änderung über eine (die Bedeutung der Charta verändernde, aber selbst außerhalb der Charta stehende) Resolution der UN-Vollversammlung zu erreichen wäre ein ausgesprochener Kunstgriff. Denn es wäre natürlich wesentlich leichter, als die UN-Charta selbst anzutasten. Faktisch würde es sich allerdings um eine tiefgreifende Änderung ihres Sinngehaltes handeln ? mit möglichen Konsequenzen in einer Dimension, die in der breiten Öffentlichkeit bisher noch nicht einmal ansatzweise diskutiert wurden.

      Momentan herrscht aber noch aktuelles Völkerrecht.

      Nach geltendem Völkerrecht ist die humanitäre Intervention als Kollektivmaßnahme der UN zwar zulässig, jedoch können sich einzelne Staaten oder Staatenbündnisse nicht auf die Rechtsinstitution der humanitären Intervention stützen, um den Einsatz militärischer Mittel gegen einen souveränen Staat zu rechtfertigen.

      Gruß vom Schreihals

    19. Spiegelfechter schrieb am 11. Mai 2008 at 19:31 - Permalink

      @name

      Das von Dir ein derartiger Kommentar kommt war klar ;-)

    20. slag schrieb am 11. Mai 2008 at 21:16 - Permalink

      Also ich finde man muss das ganze doch sehr viel differenzierter sehen.

      Einen guten Denkanstoß gibt dieser Artikel: Burma’s rulers not irrational.

      Auszug:

      Moreover, although the junta is obstructing foreign relief workers, it is quite willing to let foreign relief supplies in.

      Two Indian naval ships loaded with aid arrived in Burma on Tuesday, while China sent in 60 tonnes by air. Japan, Thailand, Singapore, Laos and Bangladesh have also successfully sent in supplies. The Red Cross has made at least three flights into Burma, as have other aid groups. As of Thursday, at least 11 chartered planes had unloaded relief aid in the capital, Rangoon.

      The UN, which has publicly criticized the regime, says it is having trouble with Burmese authorities. The Red Cross, which keeps a lower profile, says it is not. A spokesperson for Save the Children told CBC Radio this week that his staff, already in-country before the cyclone, is getting full co-operation from the regime. All of this may tell us something.

      P.S.: Kuba bot nach Kathrina den USA über 1500 für Katastropeneinsätze geschulte Ärzte an. Bush ließ sie nicht rein.

    21. tar schrieb am 11. Mai 2008 at 22:19 - Permalink

      name

      hiernach müsste man diese zahl ein ganzes stück nach oben korrigieren…

    22. barnabas schrieb am 12. Mai 2008 at 01:56 - Permalink

      @11 spiegelfechter:

      Es ging mir darum, den Zynismus zu entlarven, der darin liegt, sich in Ausnahmesituationen wie der aktuellen in Myanmar zu ereifern, und die -den normalen Ausbeutungsverhältnissen geschuldeten- täglichen 100.000 Todesopfern normalhin zu ignorieren.

      Glaubst du wirklich, dass der Schurkenstaat USA die Legitimation besitzt, ohne Uno-Mandat in einen regionalen Konflikt einzugreifen?

      Wir sprechen hier von der Bush-Administration, die in einem auf Lügen basierenden völkerrechtswidrigen Krieg mittlerweile Hunderttausende, vorwiegend zivile Tote zu verantworten hat, eine Regierung, die darüber hinaus in menschenverachtender Weise Folter legitimiert, die deutsche Regierung auf einen lächerlich stringenten transatlantischen Kurs festlegen konnte, der uns auf quälende Weise gleichzeitig zu Tätern und zu Opfern macht:

      Gerade weil ich deine Beiträge oftmals außerordentlich schätze, kritisiere ich die Leichtfertigkeit, mit der du dem dezidiert oberschädlichen Regime der USA eine Intervention in die internen Angelegenheiten eines -zweifellos ebenfalls schädlichen Regimes- zugestehst.

      Damit stellst du einen selbstverständlichen Konsens aller kritisch denkenden Mensch leichtfertig in Frage und bist bislang die Erklärung dafür
      schuldig geblieben.

      Auch Rumpelstilzchens Frankreich und das staatskapitalistische, ungut normierende China besitzen keinerlei Legitimation, willkürlich in fremde Staatsangelegenheiten einzugreifen, zumal China das Regime in Myanmar unterstützt, auch wenn du das leugnest.

      Und Indien, das den Selbstmord zehntausender Bauern billigend in Kauf nimmt, um sich mittels Einhaltung der Kriterien von Weltbank und IWF das Wohlwollen
      des dekadenten Weltsheriffs USA zu sichern.

      Die brilliantesten politischen Ausführungen sind für die Katz, solange du solchen Staaten Eingriffsrechte zugestehst, die nicht mal von der UNO ratifiziert sind.

      Deine relative Erfolgsstory könnte schnell enden, wenn du nicht der Versuchung widerstehst, im Mainstream zu schwimmen, und dem kommst du meiner Meinung nach bereits gefährlich nahe.

      Dieser Myanmar-Artikel suggeriert – für mich jedenfalls -, dass du in der Spiegel-Redaktion garnicht so schlecht aufgehoben wärest.

      Bin gespannt, ob du diesen Eindruck zu zerstreuen weißt.

    23. grub grab schrieb am 12. Mai 2008 at 07:42 - Permalink

      Jens, ich bin auch dafür ;-)
      a bisserl humanitäres Bombing hier, und da , und dort, …. und, in Nachbars Garten müsste auch mal umgegraben werden.

      Und überhaupt, welches Land ist eigentlich kein Schurkenstaat. Oder weniger als dieses Myanmar? Woran macht man das eigentlich fest, wenn man nicht gerade zufällig Mitglied oder Dackel der US-Regierung ist?

      Hi Daggi :-)

    24. Schwitzig schrieb am 12. Mai 2008 at 09:03 - Permalink

      @SF19
      “· Spiegelfechter am 11. Mai 2008 um 19:31 – Permalink

      @name

      Das von Dir ein derartiger Kommentar kommt war klar ;-)”

      Er hat allerdings recht. Dein hehres Ziel der militärischen Intervention hat folgende Schwächen:
      1)
      Das Volk in Bi(u)rmamyanmar kämpft größtenteils um das nackte Überleben. Da wird man opportunistisch und unterstützt den, der als erster füttert. Das werden zu 100%iger Sicherheit erstmal lokale Warlords sein, die zu 100%iger Sicherheit die Unterstützung der Junta haben, da sie sonst mangels Waren keinen Schwarzmarkt betreiben könnten.

      2)
      Um ein Land zu mit Bomben und Mord “befreien” oder wie man es heute gerne nennt “zu demokratisieren” brauchst Du Rückhalt einer _organisierten_ Bevölkerung, wenn Du eine neue Regierung bilden willst, die tatsächlich legislative und exekutive Befugnisse hat, die nicht nur auf dem Papier existieren. Die Bevölkerung kann sich nur bei einer halbwegs funktionierenden Infra- und davon abhängigen Informationsstruktur nennenswert organisieren, also eine Massenbewegung gründen. Das ist hier nicht der Fall.

      3)
      Der Erfolg der USA-Taliban gegen die Russen in Afghanistan hat deutlich gezeigt, dass Ländern mit ähnlicher Topographie ein Krieg erfolglos bleiben muss. Die einzige Option wäre eine Landesweite Vergiftung und das Schmeissen von Atombomben zur kompletten Vernichtung. Wenn Du die Menschen in Biurma nicht konsequent bis auf den letzten ausrottest, wirst Du das Land niemals erfolgreich “demokratisieren” können. Es ist wichtig, dass Du auch alle Kinder ab 3 massakrierst, denn wenn sie erwachsen sind, werden sie sich sonst erinnern und sich rächen wollen. Sehen wir es pragmatisch: Wir alle wollen Frieden in Biurma und am besten ist das zu erreichen, indem man dort alle ausmerzt. Tote kämpfen nicht.

      4)
      Wo willst Du die Grenze ziehen? Selbst wenn (was natürlich Mumpitz ist und was Du natürlich auch weisst) eine militärische Intervention Erfolg hätte und Gutes bewirken würde – was ist mit den anderen Ländern? Simbabwe z.B., Ruanda, Ägypten, Mexiko und und und? Sollen die sich erst einen Sturm wünschen, damit sie auch “demokratisiert” werden können?

      Sorry – aber Dein naives “Wir-müssen-helfen” wird bestenfalls zu einem Massenmord führen, der zur Abwechslung mal von anderen ausgeübt wird – OK, wenn wir es als Strategie zur Populationskontrolle sehen, die dringend notwendig ist, da der Kapitalismus als epische Katastrophe nun mal erwiesenermassen NICHT in der Lage ist, eine faire Güterverteilung zu gewährleisten, ist es vielleicht zielführend, die Welt mit Massenvernichtung zu überziehen, denn die Logik ist einfach: Weniger Überlebende haben proportional gesehen dann trotz Kapitalismus mehr Güter zur Verfügung.

      In meinen Augen ist der einzige Weg eine NICHT-Militärische Intervention, die Lebensmittel und Medikamente über Luft brücken in das gesamte Land abwirft – meinetwegen mit Tarnbombern, die ausnahmsweise mal lebenserhaltende “Bomben” fallen lassen.

      Ich schließe mich einigen meiner Vorredner an, die meinten, dass dies einer Deiner schlechtesten Artikel war. Immerhin war er aber noch so gut, dass er eine Kontroverse hervorrief :-).

    25. Spiegelfechter schrieb am 12. Mai 2008 at 11:00 - Permalink

      @20 Slag

      Einen guten Denkanstoß gibt dieser Artikel: Burma?s rulers not irrational.

      Zweifelsfrei ein guter Artikel, der aber mE wichtige Punkte außer acht läßt.

      Moreover, although the junta is obstructing foreign relief workers, it is quite willing to let foreign relief supplies in.

      Two Indian naval ships loaded with aid arrived in Burma on Tuesday, while China sent in 60 tonnes by air. Japan, Thailand, Singapore, Laos and Bangladesh have also successfully sent in supplies. The Red Cross has made at least three flights into Burma, as have other aid groups. As of Thursday, at least 11 chartered planes had unloaded relief aid in the capital, Rangoon.

      Das die Birmaner Hilfslieferungen annehmen, schreibe ich ja auch – die Frage ist vielmehr, ob diese Lieferungen auch in den Gebieten ankommen, in denen sie benötigt werde, ob die Birmaner die nötige Logistik bereitstellen können, die nötigen medizinischen Einsatzgruppen haben, die Medikamente … All dies ist höchst fraglich und noch nicht einmal die Publikationen, die traditionell juntafreundlich sind, behaupten dies.

      P.S.: Kuba bot nach Kathrina den USA über 1500 für Katastropeneinsätze geschulte Ärzte an. Bush ließ sie nicht rein.

      Na Bush ist ja auch so ein Thema für sich. Aber “sogar” Iran hat nach dem riesigen Erdbeben von 2003 keinen Augenblick gezögert internationale Hilfstrupps (u.a. das deutsche THW) ins Land zu lassen. Man muß idT differenzieren.

    26. Spiegelfechter schrieb am 12. Mai 2008 at 11:24 - Permalink

      @22 Dagmar Barnabas

      Es ging mir darum, den Zynismus zu entlarven, der darin liegt, sich in Ausnahmesituationen wie der aktuellen in Myanmar zu ereifern, und die -den normalen Ausbeutungsverhältnissen geschuldeten- täglichen 100.000 Todesopfern normalhin zu ignorieren.

      Na aber natürlich ist das zynisch ? es ist allerdings nicht minder zynisch in einer akuten Notsituation wegen weltanschaulicher Fragen den vermeidbaren(?) Tod hunderttausender Menschen argumentativ zu rechtfertigen.

      Glaubst du wirklich, dass der Schurkenstaat USA die Legitimation besitzt, ohne Uno-Mandat in einen regionalen Konflikt einzugreifen?

      Habe ich das etwa geschrieben? Ich schrieb etwas von China und der UN.

      Wir sprechen hier von der Bush-Administration, die in einem auf Lügen basierenden völkerrechtswidrigen Krieg mittlerweile Hunderttausende, vorwiegend zivile Tote zu verantworten hat, eine Regierung, die darüber hinaus in menschenverachtender Weise Folter legitimiert, die deutsche Regierung auf einen lächerlich stringenten transatlantischen Kurs festlegen konnte, der uns auf quälende Weise gleichzeitig zu Tätern und zu Opfern macht:

      Und? Ist ein kinderschändender, vorbestrafter Mörder etwa nicht zu Nothilfe verpflichtet? Spielt es für das potentielle Opfer eine Rolle, ob ein moralisch makelloser Mönch sein Leben rettet, oder dieser schlechte Mensch?

      Gerade weil ich deine Beiträge oftmals außerordentlich schätze, kritisiere ich die Leichtfertigkeit, mit der du dem dezidiert oberschädlichen Regime der USA eine Intervention in die internen Angelegenheiten eines -zweifellos ebenfalls schädlichen Regimes- zugestehst.

      Eben dies tue ich ja gar nicht.

      Damit stellst du einen selbstverständlichen Konsens aller kritisch denkenden Mensch leichtfertig in Frage und bist bislang die Erklärung dafür
      schuldig geblieben.

      Moment einmal ? wenn es selbstverständlicher Konsens kritisch denkender Menschen ist, Völkermord (Ruanda) oder Massensterben (Myanmar) tatenlos zuzusehen, dann möchte ich diesem Klub nicht angehören. Ich bin Humanist und daher steht für mich die Abwendung menschlichen Leides vor weltanschaulichen Fragen. Einen moderaten Interventionsgedanken, wie ich ihn im Text äußere, mit Irak oder der Bush-Doktrin gleichzusetzen, ist nicht nur zynisch, sondern auch sachlich falsch.

      Auch Rumpelstilzchens Frankreich und das staatskapitalistische, ungut normierende China besitzen keinerlei Legitimation, willkürlich in fremde Staatsangelegenheiten einzugreifen, zumal China das Regime in Myanmar unterstützt, auch wenn du das leugnest.

      Na wo leugne ich das denn?
      Fein, niemand hat die Legitimation einzugreifen, wenn es nach Dir geht. Das erinnert mich an eine typische bürgerliche Ausrede. Alle Bürgerlein sitzen im Park und niemand will es hören, dass in unweiter Entfernung eine Frau vergewaltigt und ermordert wird. Niemand will die Schreie hören, denn jeder sagt sich, der andere solle was tun und die kritisch denkenden Menschen (sic!) sagen sich, wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ein Sünderlein habe nicht die Legitimation zu helfen.

      Deine relative Erfolgsstory könnte schnell enden, wenn du nicht der Versuchung widerstehst, im Mainstream zu schwimmen, und dem kommst du meiner Meinung nach bereits gefährlich nahe.

      Die Leser, denen Nonkonformismus und zynischer Menschenhass wichtiger sind, als kritische Gedanken, mag ich gerne weiterwandern lassen und wenn sich die Leserzahl halbiert ? kein Problem. Meine Aufgabe ist es nicht, ?Euch? selbstgerecht die Eier zu schaukeln, sondern ?Euch? Anregungen zu geben; ?Ihr? müsst meine Meinung nicht teilen, aber ?Ihr? könnt sie zur Kenntnis nehmen.

      Dieser Myanmar-Artikel suggeriert – für mich jedenfalls -, dass du in der Spiegel-Redaktion garnicht so schlecht aufgehoben wärest.

      Na wenn Du das sagst ;-)

      Bin gespannt, ob du diesen Eindruck zu zerstreuen weißt.

      Ganz sicher nicht

    27. Spiegelfechter schrieb am 12. Mai 2008 at 11:34 - Permalink

      @24 Schwitzig

      Er hat allerdings recht. Dein hehres Ziel der militärischen Intervention hat folgende Schwächen:

      Lieber Schwitzig, es täte auch Dir gut den Artikel und nicht nur die Kommentare zu lesen ? dann würde Dir auffallen, dass ich gar nicht für eine militärische Intervention bin.
      Die Punkte 1 bis 3 erübrigen sich damit

      Wo willst Du die Grenze ziehen? Selbst wenn (was natürlich Mumpitz ist und was Du natürlich auch weisst) eine militärische Intervention Erfolg hätte und Gutes bewirken würde – was ist mit den anderen Ländern? Simbabwe z.B., Ruanda, Ägypten, Mexiko und und und? Sollen die sich erst einen Sturm wünschen, damit sie auch ?demokratisiert? werden können?

      Eine gute Frage ? im Falle Ruandas wäre es zweifellos gerechtfertigt gewesen, militärisch zu intervenieren ? als ultima ratio, ohne Gegenstimme im Sicherheitsrat. Das hat die Welt nicht getan und muß damit leben.

      In meinen Augen ist der einzige Weg eine NICHT-Militärische Intervention, die Lebensmittel und Medikamente über Luft brücken in das gesamte Land abwirft – meinetwegen mit Tarnbombern, die ausnahmsweise mal lebenserhaltende ?Bomben? fallen lassen.

      Na mein lieber Schwitzig, dann lies den Artikel und stelle mit Staunen fest, dass es eben das ist, was ich ?empfehle?. Darüber hinaus empfehle ich noch eine nichtmilitärische Absetzung der Junta durch China und einen Verfassungsgebungsprozess, der vom Volk kommt.

      Ich schließe mich einigen meiner Vorredner an, die meinten, dass dies einer Deiner schlechtesten Artikel war. Immerhin war er aber noch so gut, dass er eine Kontroverse hervorrief :-).

      Das dieses Thema im ?linken? Lager polarisiert, ist mir klar. Aber ich liebe es bekanntlich gegen den Mainstream zu schwimmen, auch gegen den ?kritischen?, wie die Dagmar es nennt ;-)
      Wer aufhört zu Denken, hat verloren ? Venceremos ;-)

    28. Anindo schrieb am 12. Mai 2008 at 14:10 - Permalink

      Schon krass, wie manche hier mit einem pseudolinken Ideologiegebilde das Leiden von Millionen Menschen unter Terrorregimen rechtfertigen. Das geht natürlich besonders gut, wenn man im reichen Deutschland lebt, was zu fressen hat und die Schnauze aufmachen darf. Wir haben halt Glück gehabt, dass Hitler so dumm gewesen ist einen Weltkrieg zu starten. Hätte das Naziregime wie heute üblich nur das eigene Volk unterdrückt, wäre die NSDAP wahrscheinlich auch heute noch an der Macht. Mit einem starken Militär muss ein Regime oppositionelle Aufstände ja nicht wirklich fürchten.

      Im Falle von Burma kommen die Waffen überwiegend aus dem heutigen Russland und aus China und das wären dann auch die Länder, die sich im Falle einer militärischen UN-Intervention auch hauptsächlich engagieren sollten. Auch wenn es unrealistisch ist und die Mächte nicht gerade für Demokratie und Menschenrechte bekannt sind, aber im Falle von Burma, Nord-Korea & Co. wohl das kleinere Übel für die Bevölkerung. Ohne internationaler und militärischer Drohkulisse halten sich diese Unrechtsstaaten bis in alle Ewigkeit, weil sie notfalls auch über Millionen Leichen gehen, wie in Nord-Korea schon geschehen.

      Die Opfer dieser Regime nach Hungerkatastrophen zu füttern und sonst alles beim alten zu lassen, kann jedenfalls keine Lösung sein. In Burma würde das Regime-Kartenhaus wahrscheinlich noch schneller umfallen als in Afghanistan. Die Fehler sind in Afghanistan hauptsächlich erst nach der Invasion begangen worden und in Myanmar muss man mit 87% Buddhisten und unter 4% Moslems wohl keine radikalen Milizen fürchten, die irgendeine Form von religiös-faschistischer Diktatur zum Preis von 72 willigen Jungfrauen im Jenseits durchringen wollen.

      Zur Zeit des Kalten Krieges sind Unsummen von Geldern in Waffen und sinnlose Stellvertreterkriege geflossen und mit diesen Waffen sind praktisch alle Kriege danach noch geführt worden und Regime wie in Myanmar sind die Ausscheidungen dieses Krieges. Wenn die Großmächte an einem Strang ziehen würden, wäre es mit einem Bruchteil dieser Kosten und auch Kriegsopfer möglich, die schlimmsten Regime zur Aufgabe zu zwingen. Die moralische Verpflichtung hätten sie und gerade Deutschland ist trotz des blutigen Krieges eine Erfolgsgeschichte geworden. Wer sich bei den heutigen künstlichen Machtgebilden gegen jede Form militärischer Intervention sträubt, unterstützt passiv Faschismus und Diktatur. Der Kapitalismus kostet zwar auch viele Armutsopfer, aber es ist allemal besser in einem “freien Land” arm zu sein und die Möglichkeit zu haben, es besser zu machen als in einem Terrorstaat, der jede Form von Hoffnung im Keime dezimiert.

    29. bacho schrieb am 12. Mai 2008 at 15:08 - Permalink

      @ SF, 26
      __
      Die Leser, denen Nonkonformismus und zynischer Menschenhass wichtiger sind, als kritische Gedanken, mag ich gerne weiterwandern lassen und wenn sich die Leserzahl halbiert ? kein Problem. Meine Aufgabe ist es nicht, ?Euch? selbstgerecht die Eier zu schaukeln, sondern ?Euch? Anregungen zu geben; ?Ihr? müsst meine Meinung nicht teilen, aber ?Ihr? könnt sie zur Kenntnis nehmen.
      __
      Da kann ich nur mit Rap zustimmen: “Word!” :-)

      Und solltest Du doch noch, trotz des Zynismus, eine Wette an den Start bringen, ich bin auf deiner Seite mit nem Zehner. Auch wenn es nichts bringen wird, sollte es einen Aufstand geben. Burma hat immerhin eines der größtenHeere im Asiatischen Raum mit mehr als 400000 Soldaten. Das dürfte auch ein Grund sein, warum niemand dort militärisch intervenieren wird.

    30. name schrieb am 12. Mai 2008 at 20:22 - Permalink

      @Anindo

      Schon freiwillig gemeldet Anindo, Du großartiger Freizeitrevolutionär, der vom Faschismus keine Ahnung, von Geopolitik einen Dreck weiss, nie einen schicken Bürgerkrieg erlebt hat und sonst nie beim Militär war, aber Onkel Addy rauskramen und “Krieg” brüllen?

      Genau wegen solchen Charakteren wie Dir, gibt es ein Völkerrecht, dass humanitäre Bomben noch verbietet.

      Ansonsten: lass deine dumme Propaganda von einer Demokratur in der westlichen ersten Welt, in der nur die Kapitalfreiheit von ein paar Milliiardären gilt.

      Deinen Quatsch von der “freien Welt” kannste gleich wieder einpacken.

      Ich bin schon lange dafür, Onkel Addy zu reabillitieren und dem posthum den Friedensnobelpreis umzuhängen: der taugt heute für jeden neuen Krieg gegen die Länder des Trikont.

    31. aquadraht schrieb am 12. Mai 2008 at 20:29 - Permalink

      @SF Art 27

      Ich war mir beim Lesen Deines Artikels auch nicht so recht im Klaren, ob Du nun ein gewaltsames Eingreifen befürwortest oder nicht. Mir kamen Deine Äusserungen etwas hü-hott vor.

      Ich bin auch der Meinung, dass man Interventionen nicht per se und unter allen Umständen ausschliessen soll. Die vietnamesische Intervention in Kambodscha ist eine, die ich nach wie vor für richtig (wenn auch etwas spät) halte. In Ruanda kenne ich mich nicht so aus, meines Wissens hatten da Querelen zwischen den USA und Frankreich einen gewissen Anteil an der Entwicklung des Völkermords.

      Generell zu Myanmar: Die Junta ist gewiss kein Anwärter auf Preise für gutes Regieren.
      Aber so wie ich es sehe, ist der Status von Myanmar eher der eines fragilen Waffenstillstandes zwischen 10-20 Warlords aus mindestens so vielen Ethnien als eine totale (ich hasse das Buzz- und Bubbleword “totalitär”) Diktatur der Junta.

      Wenn die Junta jetzt ausländische Helfer nicht reinlässt, ist das erstens widerlich und zweitens wohl soviel Herrschaftssicherung wie Paranoia. Die Typen wissen, dass sie nicht populär sind. Andererseits habe ich mit dem Unentbehrlichkeitsgefühl westlicher Helfer so meine Probleme. Mehrere meiner Freunde und Bekannten haben in Afrika in Entwicklungshilfe und auch Katastropheneinsatz gearbeitet. Übereinstimmend werten sie den Einsatz westlicher Helfer nur in einer Minderzahl von Fällen als produktiv und effizient. Oft waren Einheimische, so gut wie immer Chinesen oder Kubaner die bessere Wahl.

      Ok, was tun jetzt? Ich finde Angriffe Deinerseits auf “Eierschaukler” reichlich daneben. Wir alle sind Sesselfurzer, was die aktuellen Vorkommnisse angeht. Wenn wir etwas Sinnvolles vorhaben, schlage ich Spenden vor, auch wenn das einigen spiessig und trivial vorkommt. Konten erfragt man bei den TV-Sendern oder im Internet. Ich empfehle die Johanniter oder das Rote Kreuz, die sind vor Ort.

      Wieso diese komische Junta etwas mit dem linken Spektrum zu tun haben soll, erschliesst sich mir im Übrigen nicht. Ach so, die nennen sich sozialistisch? Naja, tun die Jungsozialisten auch. Nein, sorry, so nicht. Auch nicht so, dass Feinde der USA meine Freunde sein müssen.

      Ich habe nichts dagegen, wenn die Junta gestürzt wird. Dass dann Frieden, Freundschaft und wahre Demokratie einziehen, glaube ich aber nicht im Traum.

      Sorry, Dein Artikel war emotional nachvollziehbar, aber jenseits allen Zynismus wirklich schwach. Egal, es kann nicht immer Spitzenleistungen geben.

    32. name schrieb am 12. Mai 2008 at 20:50 - Permalink

      @auqadraht

      Was Kambodscha und die Steinzeitirren um Pol Pot betrifft, ist es interessant zu sehen, wie beliebt diese bei den Vereinigten Staaten und deren Ostasienpolitik waren. Die spielten eine ähnliche Rolle wie Osma in Afgahnistan.

      Pol Pot bekam auch von den Vereinigten Staaten die enorme Waffenhilfe des freien Westens zu spüren und wenn man sich heute das Tribual gegen die Reste der Irren anschaut, und genau verfolgt, welche Aspekte das Tribual gar nicht anfassen darf, ist das Gefasel von “humanitärer Intervention” ein blanker Hohn.

      Der Zynismus des Westen liegt darin begründet, dass er die Opfer des Zyklons als Türöffner gegen China benutzen will und die ganz Verrückten “Liberalen” gleich Krieg fordern.

      Unsere westliche Freiheit, auch Hartz IV, wird auch in Myanmar und am Hindukusch verteidigt: Vorwärts Genossen ;)

    33. Spiegelfechter schrieb am 12. Mai 2008 at 23:18 - Permalink

      @aquadraht

      Generell zu Myanmar: Die Junta ist gewiss kein Anwärter auf Preise für gutes Regieren. Aber so wie ich es sehe, ist der Status von Myanmar eher der eines fragilen Waffenstillstandes zwischen 10-20 Warlords aus mindestens so vielen Ethnien als eine totale (ich hasse das Buzz- und Bubbleword ?totalitär?) Diktatur der Junta.

      Jein – im Kernland herrscht die Junta relativ autark, in den ethnisch verschiedenen Randgebieten größtenteils gar nicht, da dort idT ein Waffenstillstand herrscht, der aber eher als Autonomie für die ethnisch nichtbirmanischen Warlords zu werten ist.

      Andererseits habe ich mit dem Unentbehrlichkeitsgefühl westlicher Helfer so meine Probleme. Mehrere meiner Freunde und Bekannten haben in Afrika in Entwicklungshilfe und auch Katastropheneinsatz gearbeitet. Übereinstimmend werten sie den Einsatz westlicher Helfer nur in einer Minderzahl von Fällen als produktiv und effizient. Oft waren Einheimische, so gut wie immer Chinesen oder Kubaner die bessere Wahl.

      Hier muß man mE scharf(!) trennen. Was “Entwicklungshilfe” angeht, gebe ich Dir zu 100% recht und könnte noch einiges aus meiner eigenen Afrikaerfahrung draufsetzen. Was die Katastrophenhilfe angeht, so stimme ich mit Dir allerdings keinesfalls überein. Neben dem wirklich professionellen Ausbildungsstand der Helfer zählt hier vor allem die Ausrüstung. Suchhunde, mobile Wasseraufbereitungseinheiten, Notfalllazarette, die gut ausgestattet sind etc. pp. sind mW in keinem asiatischen Land (inkl. China) auf einem derart hohem Niveau, wie bei den westlichen Hilfsorganisationen. Es geht nicht um Langzeit-, sondern um Akuthilfe.

      Ok, was tun jetzt? Ich finde Angriffe Deinerseits auf ?Eierschaukler? reichlich daneben.

      Mag sein ;-)
      Mich kotzt die zynische Arroganz einiger selbsternannter Linker halt an – sorry für die harten Worte.

      Wieso diese komische Junta etwas mit dem linken Spektrum zu tun haben soll, erschliesst sich mir im Übrigen nicht.

      Weil sie vermeintlich antiamerikanisch, antikkapitalistisch, postkolonial und poststrukturell ist. Natürlich ist das alles Unfug (bis auf das postkoloniale), dennoch tritt auf Seiten einiger Linker ein unerklärlicher Pawlovscher Reflex auf, wenn es darum geht, die birmanische Junta zu verteidigen. Wie Du siehst, gibt es sogar Verteidiger von Pol Pot ;-)

      Ich habe nichts dagegen, wenn die Junta gestürzt wird. Dass dann Frieden, Freundschaft und wahre Demokratie einziehen, glaube ich aber nicht im Traum.

      Nein, dass glaube ich auch nicht – aber die humanitäre Lage wird dennoch davon profitieren.

    34. Schwitzig schrieb am 13. Mai 2008 at 06:15 - Permalink

      @SF

      Lieber Schwitzig, es täte auch Dir gut den Artikel und nicht nur die Kommentare zu lesen ? dann würde Dir auffallen, dass ich gar nicht für eine militärische Intervention bin.

      Nun – das habe ich getan, hatte es auch schon vor meiner Antwort getan und es mag sein, dass ich etwas hereininterpretiert habe, was nicht ausgesagt werden sollte. Deine Ausführungen zur “humanitären Invasion” und zu “militärisch geschützten” Hilfstruppen legt diese Interpretation allerdings mehr als nahe.

      Ich würde mich an Deiner Stelle nicht darüber beschweren, dass viele Deinen Artikel mißverstehen, sondern ihn so formulieren, dass solche Mißverständnisse nicht so leicht aufkommen.

      In Ruanda hast Du z.B. in Deiner Antwort eine militärische Intervention gut geheißen. Ich wäre mir da nicht so sicher, denn man sollte dabei auch immer überlegen, was danach kommt. Dass durch eine Intervention der Konflikt zwischen Hutsu und Tootsie (richtig geschrieben?) nachhaltig beigelegt worden wäre, wage ich zu bezweifeln. Gerade bei der Topologie in Ruanda halte ich militärische Aktionen für aussichtslos. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch kein Patentrezept zur Lösung weiss und Dir beipflichte, dass die “westlichen Demokratien” die ethische Pflicht zum Eingreifen in welcher Form auch immer gehabt hätten.

      Ganz nebenbei: Ich bin kein “Linker”, “Rechter” oder “Mitte”. Schubladendenken halte ich für blödsinnig.

    35. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 09:10 - Permalink

      @Schwitzig

      Nun – das habe ich getan, hatte es auch schon vor meiner Antwort getan und es mag sein, dass ich etwas hereininterpretiert habe, was nicht ausgesagt werden sollte. Deine Ausführungen zur ?humanitären Invasion? und zu ?militärisch geschützten? Hilfstruppen legt diese Interpretation allerdings mehr als nahe.

      Gut, ich kann verstehen, warum das missverstanden werden kann. Anders als “die Politik” meine ich diese Begriffe so, wie es eigentlich sein müßte; d.h. ohne Neologismus oder Euphemismus. Wenn ich von einer “humanitären Invasion” schreibe, so meine ich selbstverständlich einen nichtmilitärischen Einsatz.

      Ich würde mich an Deiner Stelle nicht darüber beschweren, dass viele Deinen Artikel mißverstehen, sondern ihn so formulieren, dass solche Mißverständnisse nicht so leicht aufkommen.

      Oui, mon capitaine! Ich gelobe Besserung ;-)

    36. Schwitzig schrieb am 13. Mai 2008 at 11:51 - Permalink

      @ SF

      Gut, ich kann verstehen, warum das missverstanden werden kann. Anders als ?die Politik? meine ich diese Begriffe so, wie es eigentlich sein müßte; d.h. ohne Neologismus oder Euphemismus.

      Etwas OT: Ist es nicht ulkig, wie viele Menschen mittlerweile in Neusprechmanier (Stichwort: Krieg heisst jetzt Friedenserzwingung) denken, obwohl das eigentlich wenig zielführend ist?

    37. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 12:03 - Permalink

      @Schwitzig

      Ja, einerseits ulkig, andererseits gefährlich, da Sprache auch das Denken beeinflusst, bis ein Begriff total neu besetzt wurde. “Friedenserzwingung” ist mE immer noch teilweise positiv konnotiert, während die “Reformen” eigentlich nur noch negativ konnotiert sind.

    38. sven schrieb am 13. Mai 2008 at 15:21 - Permalink

      @spiegelfechter

      auch wenn durch nachfolgende Kommentare schon einiges klargestellt wurde:

      >a) niemand spricht von einer militärischen Invasion
      Naja. Die zivile endete an der Grenzstation. Da stehen burmesische Soldaten und sagen: Nö!

      >b) anders als im Irak, geht es nicht darum, dem Volk etwas vor die Nase zu setzen, das es nicht will. Ich sprach davon, dem Volk zu helfen, seine eigene(!) Verfassung zu schreiben und sich selbst zu organisieren

      Wenn ich mich an die vielen schönen Stimmen im Vorfeld der Irakinvasion erinnere, dann wollten alle Iraker auch den Umsturz. Was macht dich so sicher, daß die Burmesen eine andere Regierung wollen. Jede Junta braucht ihr Clientel. Ich schätze mal min. 30% die vom System profitieren. Die paar Mönche sprechen auch nur für eine Minderheit.

      >c) die humanitäre Katastrophe im Irak, war nie Kriegsgrund und außerdem vom Westen erzeugt

      Ok. sie war nur sekundäres Argument.

      >d) die Argumentation geht in Richtung Nothilfe (wie im StGB) – das hat nichts mit einer militärischen Besatzung zu tun

      Wenn die Nothilfe mit Soldaten erfolgt, hat das nichts mit Militär zu tun??? Es ist eine Miliärjunta! Ähnlich wie im Irak werden sie sich gegen äußere Eindringlinge stellen. Auch Leute, die die Regierung ablehnen, denn es ist ihr Land und ein Fremder dringt ein.

      >Das ist ja auch das Problem, wenn man Äpfel und Birnen vergleicht. Schauen wir uns z.B. Ruanda an, wo auch eine militärische Intervention mE 100% gerechtfertigt gewesen wäre.

      Ruanda war ne eigene Baustelle. Hier war ein Brigarde vor Ort. Das ist schon eine wesentliche Macht. Der Kommandeur war leider dem angelsächsischem Befehlssystem verwachsen und konnte sich leider den direkten Befehlen verweigern. Hier hätte mich interessiert wie ein deutscher Offizier gehandelt hätte. Zum Zeithorizont: Um eine Division geeigneter Soldaten nach Burma zu bringen bäuchte es doch wohl min. 10 Wochen.

      >Humanität komplett aus dem Katalog der Interventionspolitik zu streichen, da man im postkolonialen Sinne jegliche Interventionen ablehnt, kann mE nicht im Sinne der Menschlichkeit sein – aber ich weiß, dass diese ?meine? These, vor allem von ?links? nicht einmal im Ansatz geteilt wird.

      Es ist immer ein Abwägen. Nur bevor Du etwas in Burma befürwortest, wünschte ich mir, daß Du dieselbe Argumentation mal auf Nordkorea anwendest (bei den Reispreisen ist die nächste Katastrophe da wohl absehbar).

    39. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 16:19 - Permalink

      @Sven

      Wenn ich mich an die vielen schönen Stimmen im Vorfeld der Irakinvasion erinnere, dann wollten alle Iraker auch den Umsturz.

      Keinesfalls ? lediglich Mietfedern und zwielichtige Personen á la Chalabi haben lautstark für einen Krieg die Trommeln geschlagen.

      Was macht dich so sicher, daß die Burmesen eine andere Regierung wollen.

      Ich habe im Netz noch keinen Birmaner ?getroffen?, der die Junta behalten will und sogar juntafreundliche Kommentatoren gestehen das ein. Aus dem bloßen Nichtvorhandensein einer einzigen Stimme, die sich für die Junta stark macht, schließe ich mal messerscharf, dass es eine solche auch nicht gibt. Allen seltsamen Spin der Medien zum Trotz ? bei den Berichten aus Myanmar sind sich alle einig und alle Korrespondenten vor Ort (auch die der kritischen Medien á la AsiaTimes) berichten so ungefähr das gleiche Bild. So falsch kann es also kaum sein.

      Jede Junta braucht ihr Clientel. Ich schätze mal min. 30% die vom System profitieren. Die paar Mönche sprechen auch nur für eine Minderheit.

      Ich würde die Zahl weitaus geringer einordnen, aber prinzipiell hast Du natürlich recht und es gibt auch Profiteure des Systems.

      ->d) die Argumentation geht in Richtung Nothilfe (wie im StGB) – das hat nichts mit einer militärischen Besatzung zu tun
      Wenn die Nothilfe mit Soldaten erfolgt, hat das nichts mit Militär zu tun??? Es ist eine Miliärjunta!

      Nichts mit militärischer Besatzung! Außerdem drehe ich mich hier im Kreis, da ich ja das Frankreich/USA Szenario auch im Text ablehne, aber sei es drum: Auch dieses Szenario hat nichts mit Besatzung zu tun. Wenn z.B. ein französischer Hubschrauber Pakete über einer nicht versorgten Region abschmeißt und dabei von Kampfhubschraubern gesichert würde, so wäre dies keine Besetzung oder Besatzung.

      Ähnlich wie im Irak werden sie sich gegen äußere Eindringlinge stellen. Auch Leute, die die Regierung ablehnen, denn es ist ihr Land und ein Fremder dringt ein.

      Alle Berichte aus Myanmar suggerieren das Gegenteil ? französische Ärzte würden sicher nicht von lokalen Milizen ?bekämpft?.
      Btw.: Die Lage entspannt sich ja, da die Junta jetzt auch Hilfskräfte hereinlässt, was leider nur nebenbei berichtet wird und im Hetzorgan SPON sogar untergeht. Ein Kollege von mir (Spezialeinheit Wasseraufbereitung beim THW) ist beispielsweise gestern nach Myanmar geflogen und 50 weitere sollen heute folgen, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Er versucht mir übrigens Berichte zu mailen, was aber uU auch nicht klappen wird, da die Kommunikation wohl sehr eingeschränkt ist.

      Ruanda war ne eigene Baustelle. Hier war ein Brigarde vor Ort. Das ist schon eine wesentliche Macht. Der Kommandeur war leider dem angelsächsischem Befehlssystem verwachsen und konnte sich leider den direkten Befehlen verweigern. Hier hätte mich interessiert wie ein deutscher Offizier gehandelt hätte

      Dem Kommandeur würde ich da keinen Vorwurf machen; er hatte einfach nicht die Mittel etwas zu tun und wurde (v.a. von den USA) gnadenlos hängen gelassen. Dazu ist folgender Film übrigens sehr aufschlussreich: ?Shake Hands with the Devil ? The Journey of Roméo Dallaire?. Das Buch dazu heißt ?Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda? und ist auch sehr empfehlenswert! ? Dallaire war der kanadische UN-Kommandeur vor Ort. Recht ordentlich ist auch dieser Artikel vom STERN.

      Auch die Franzosen und die Belgier hätten den Völkermord verhindern können, hätten sie dies nur gewollt. 5.000 Fremdenlegionäre hätte ohne Probleme binnen kürzester Zeit vor Ort sein können.

      Es ist immer ein Abwägen. Nur bevor Du etwas in Burma befürwortest, wünschte ich mir, daß Du dieselbe Argumentation mal auf Nordkorea anwendest (bei den Reispreisen ist die nächste Katastrophe da wohl absehbar).

      Schwieriges Thema ? zu einem befürworte ich ja eben keinen militärischen Einsatz, sondern einen scharfen diplomatischen Vorstoß aus Peking, der von der UN flankiert wird. Über Nordkorea weiß ich zuwenig und kann mir kein Bild darüber machen, was Wahrheit und was Propaganda des Westens ist. Im Falle Myanmar ist die Sache da tranparenter.

    40. name schrieb am 13. Mai 2008 at 16:35 - Permalink

      Jens, du kannst bei Myanmar genauso wenig einschätzen, wie schwer der Zyklon die Gebiete überhaupt getroffen hat. Wie arrogant ist es aus westlicher Sicht, so zu tun, also ob mal selbst Profi in der Bewältigung solcher Unglücke ist: die historische Erfahrung spricht in Deutschland (ja ja , das Hochwasser an der Oder und Elbe) und in den USA völlig dagegen.

      Du muss mal überlegen, was du da forderst: ein erste Welt Land wie die Vereinigten Staaten bekam nicht einmal die Flutkatastrophe Katrina in New Orleans in den Griff, trotz vorhandener Logisk und einem Militär, was mit allem ausgerüstet ist, was es so gibt.

      Und dann von einem absoluten verarmten Land wie Myanmar etwas fordern, was man selbst nicht in Griff bekommt.

      Echt irre, was westliche Arroganz anrichten kann. Überall liest man den gleichen rassistischen (der langsame Burmese, war das Beste was SPON so von sich gab) Unterton: der myanmarische Untermensch rottet seine Mitgenossen aus: er will niemanden helfen, er inszeniert nur, er lässt die anderen bewusst verrecken: in diesem Ton wird überall geschrieben.

      Ja ja, die Junta und das Regime, und wir weissen sind die besten an Hilfsfront.

      Wo waren denn die freien westlichen Stimmen, die ein humanitäres Eingreifen in den USA forderten, als das Hochwasser dort ganz kostengünstig das begehrte Bauland der schwarzen Community in New Orleans unter Wasser setzte ?

      (von den Prognosen, und der Verhinderung dieses Unglücks, der Dämme, von denen man wusste, das sie nichts standhalten, fange ich gar nicht erst an)

    41. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 16:54 - Permalink

      @name

      Jens, du kannst bei Myanmar genauso wenig einschätzen, wie schwer der Zyklon die Gebiete überhaupt getroffen hat.

      Dazu gibt es zig Berichte und selbst wenn man diejenigen nimmt, die nicht alarmistisch sind, so ist das Bild vernichtend. Ich zweifele die Zahlen der Dissidenten übrigens auch an, was ich ja auch schreibe.

      Wie arrogant ist es aus westlicher Sicht, so zu tun, also ob mal selbst Profi in der Bewältigung solcher Unglücke ist: die historische Erfahrung spricht in Deutschland (ja ja , das Hochwasser an der Oder und Elbe) und in den USA völlig dagegen.

      Keinesfalls ? bei großen Naturkatastrophen, wie dem Tsunami oder den großen Erdbeben in Iran, Kaschmir oder Indonesien haben internationale Hilfstrupps bemerkenswerte Arbeit geleistet. Übrigens kamen diese nicht nur aus dem Westen ? auch Kuba ist auf diesem Gebiet sehr profiliert.

      Du muss mal überlegen, was du da forderst: ein erste Welt Land wie die Vereinigten Staaten bekam nicht einmal die Flutkatastrophe Katrina in New Orleans in den Griff, trotz vorhandener Logisk und einem Militär, was mit allem ausgerüstet ist, was es so gibt.
      Und dann von einem absoluten verarmten Land wie Myanmar etwas fordern, was man selbst nicht in Griff bekommt. Echt irre, was westliche Arroganz anrichten kann.

      Jo böse böse westliche Arroganz ? zum Glück hat ja auch niemand der FEMA oder Bush Vorhaltungen gemacht. Und wo wir schon bei Vergleichen sind ? Katrina hat rund 1.800 Menschen das Leben gekostet, das könnte Nagris locker 100 ? 500 mal hinbekommen und anders als Mynamar hatten die USA die Logistik und die Manpower, die sie nicht richtig einsetzten.

    42. sven schrieb am 13. Mai 2008 at 16:55 - Permalink

      @spiegelfechter:

      Wenn sich die Junta entschließt keine ausländischen zivilen Kräfte ins Land zu lassen, dann wird jegliche Operation nur militärisch erfolgen können. Für deinen Hubschrauber, der Lebensmittel herunterschmeißt: Dazu braucht man erstmal vernünfige Basen, Seehäfen um die Güter und gesamte Logistik anzulanden und man hat immer noch keine Gewähr, daß nicht der örtliche Kommandant die Säcke einfach abgreift.

      Eine militärische Operation ist schwierig: abgelegenes Land, keine schnell verfügbaren Kräfte. Und es brauch Zeit und Planung hierfür. Wenn es denn geschähe vielleicht in 2-3 Monaten.

      Wenn man dies dann tatsächlich geschafft hat: Niemand weiß was passieren wird wenn es dazu kommt. Implodiert das System und es konstituiert sich eine neue Regierung? Das erscheint mir zu schön um wahr zu sein.

      Die Diktatur steht mit dem Arsch an der Wand. Erfahrungsgemäß ist das der Zeitpunkt an dem die Reaktionen am krassesten sind. Es wird oft alles auf eine Karte gesetzt (es gibt nichts mehr zu verlieren).

      Die Junta versucht nun zwischen Skylla (ausländische Intervention) und Charybtis (innere Unruhen) durchzukommen. Mal sehen wie sich das entwickelt. Ich befürchte, daß wenn sie es nicht schafft die jetzigen Leiden vergleichsweise gering sind.

    43. corax schrieb am 13. Mai 2008 at 16:57 - Permalink

      Nach den Tibet-Unruhen kann Peking durch das Erdbeben von der unangenehmen Tibet-Frage ablenken. Vor den Olympischen Spielen kann sie die Katastrophenhilfe als Werbemaßnahme für sich nutzen.

      Tja, wie immer auch ein asiatisches Land sich entscheidet, es wird ihm in unseren Medien ein Strick draus gedreht. Da kriegste echt das Kotzen. Fehlt nur noch, das behauptet wird China habe die Beben vorsätzlich herbeigeführt um von Tibet abzulenken.

      Qualitätsmedien.

    44. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 17:03 - Permalink

      @Sven

      Wenn sich die Junta entschließt keine ausländischen zivilen Kräfte ins Land zu lassen, dann wird jegliche Operation nur militärisch erfolgen können.

      Dem ist wohl so.

      Für deinen Hubschrauber, der Lebensmittel herunterschmeißt:

      Zum xten male – das ist nicht mein Hubschrauber!

      Dazu braucht man erstmal vernünfige Basen, Seehäfen um die Güter und gesamte Logistik anzulanden und man hat immer noch keine Gewähr, daß nicht der örtliche Kommandant die Säcke einfach abgreift.

      Ganz richtig – wenn ich das recht mitbekommen habe, wollten die Franzosen und die USA dies von einem Flottenverband aus tun – was zweifelsohne logistisch möglich wäre.

      Eine militärische Operation ist schwierig: abgelegenes Land, keine schnell verfügbaren Kräfte. Und es brauch Zeit und Planung hierfür. Wenn es denn geschähe vielleicht in 2-3 Monaten.

      F und USA wollten ja keine Invasionsstreitmacht aufstellen, sondern “nur” Hilfsmittel abliefern – das geht ad hoc.

      Die Junta versucht nun zwischen Skylla (ausländische Intervention) und Charybtis (innere Unruhen) durchzukommen. Mal sehen wie sich das entwickelt. Ich befürchte, daß wenn sie es nicht schafft die jetzigen Leiden vergleichsweise gering sind.

      Das wiederum bezweifele ich – es kommt darauf an, was das Volk will. Im letzten Jahr stand die Junta schon kurz vor einem Putsch – einige hohe Befehlshaber verweigerten die Befehle und wurden (als die Lage sich wieder klärte) entfernt. Wenn die Lage kritisch wird, wird sich sicherlich ein General als die neue Hoffnung darstellen, Militärs um sich scharen und putschen. Er wird (im Westen) gute Presse bekommen (das ist immer so) und als integerer Verhandlungspartner dastehen. Da China das Land nicht dem Westen überlassen kann, wird es einen Wettlauf um die Gunst des “neuen Mannes” kommen, der natürlich auch einiges ändern muß, um das Volk bei Stange zu halten. Dass der “neue Mann” ebenfalls ein korrupter Paranoiker sein wird, halte ich übrigens für sehr wahrscheinlich.

    45. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 17:06 - Permalink

      @corax

      Da fällt auch mir nur noch ein “Arschlöcher” ein

    46. name schrieb am 13. Mai 2008 at 17:25 - Permalink

      Ja ja : Die nur falsch eingesetzte Manpower: Was ist das für ein Unsinn Jens?

      An der Oder, bei einem vergleichsweise harmlosen Hochwasser, bei einer voll entwickelten Infrastruktur in Deutschland, bekam die westliche deutsche Manpower fast nichts hin, fast nichts: trotz Hochtechnologie. Es gibt selbst im Westen selbst, für Unglücksfälle überhaupt keine Vorsorge (hör mir auf dem THW), keine Strukturen, kein Nichts.

      und du schreibst was von einem Delta, wo nichts mehr ist aus einer Wasserwüste, wo keine Strassen, keine Logisk nichts mehr besteht, und Hubschrauber, die Säcke abwerfen, hallo?

      Deutschlands Vertreterin in der EU fastelt was von 2 Millionen Euro : sach mal, weiss die gute Frau, was der Betrieb einer Flugstunde eines Hubschraubers kostet?

      Das weltfremd, absolut weltfremde Arroganz.

      Solche Unglücke haben eine Eigendynamik, wo man ab einem gewissen Zeitfenster tatsächlich kaum mehr etwas tun kann.

    47. Schwitzig schrieb am 13. Mai 2008 at 18:24 - Permalink

      @corax

      · corax am 13. Mai 2008 um 16:57 – Permalink
      Katastrophenhilfe als Werbemaßnahme für sich nutzen.

      Tja, wie immer auch ein asiatisches Land sich entscheidet, es wird ihm in unseren Medien ein Strick draus gedreht. Da kriegste echt das Kotzen. Fehlt nur noch, das behauptet wird China habe die Beben vorsätzlich herbeigeführt um von Tibet abzulenken.

      Qualitätsmedien.

      So etwas hätte ich eher von der Merkel-Brüllpostille SPON/Spiegel erwartet, aber die Süddeutsche scheint nach dem Kauf auch nicht mehr das zu sein, was sie mal war. Natürlich wird Leid von gewissen Personen ausgeschlachtet – dadurch wird es aber nicht reduziert und in Deutschland oder unserem Vaterstaat den USA wird es doch genauso gehandhabt.
      Gewissenlose Populisten gibt es in jedem Land.

    48. corax schrieb am 13. Mai 2008 at 18:39 - Permalink

      @ Schwitzig

      Die suedeutsche ist mir schon letztens aufgefallen.

      Am Wahltag versuchen die Militärs, aus der Notlage propagandistisches Kapital zu schlagen. Das Staatsfernsehen zeigte ständig Bilder, wie Generäle, darunter auch der Chef der Militärjunta, General Than Shwe, Kisten an Überlebende der Sturmkatastrophe verteilten.

      Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck “Hilfe aus dem Königreich Thailand”.

      Wenn man da kurz drüber nachdenkt, kommt man drauf wie lobotomiert man sein muss um so etwas zu schreiben, tagesschau.de hatte zwar auch so berichtet aber schlauerweise das mit Thailand weggelassen.
      Entweder man will helfen um zu helfen und es ist einem dann letztlich egal was die Opfer glauben wo die Pakete herkommen, oder man verteilt die Dinger um sich einen drauf zu kloppen, dann ist das natürlich ärgerlich, wenn die Aufdrucke dreisterweise überschrieben werden. ;-)

      Soll sich jeder seinen Teil zu denken.

    49. Lau Dan schrieb am 13. Mai 2008 at 18:54 - Permalink

      total off topic, eine etwas ältere Studie (1996) über militärische grossräumige Wettermanipulation bei der renommierten FAS

      Ich will das nicht in Zusammenhang mit irgendeiner Diskussion hier bringen, verlink es nur zum schönen, immer neutralen Thema “Wetter”

    50. name schrieb am 13. Mai 2008 at 19:42 - Permalink

      Dein Artikel Jens, war nicht schlecht :)

      Was mich nur stört, nicht bei dir, ist aber überhebliche Unterton in der westlichen Presse, der wirklich bösartig ist. Im ZDF hatte ich mir die Reportage dazu angeschaut: also, diejenigen Reporter vor Ort die in der Wortwahl “hier hinter dem Zaun hausen die höheren Beamten des Regimes”, diesen und anderen Unsinn gesendet haben.

      Solche Naturkatastrophen sind fast nicht beherrschbar. Es hängt vieles auch von der genauen Art ab. Von Kuba ist z.B. bekannt, dass sie ein extrem ausgefeiltes Vorsorge- und Sicherungssystem für solche Unglücke haben, dass dieses viele viele Opfer direkt verhindert. Eine Glanzleistung, die man sonst vergeblich in Südamerika sucht.

      Ich würde sogar behaupten, dass ein solches System der entscheidenste Punkt (je nach Art des Naturunglücks) ist: es kommt gar nicht so sehr auf die Hochtechnologie an (die USA haben das selbst bewiesen), sondern auf ein gut strukturiertes Sicherungssystem.

      Im Falle Myanmar wird selbst den Helfern jetzt vor Ort kaum Spielraum bleiben. Eine Infrastruktur für Rettungsmassen aufzubauen ist sowas von kompliziert, und das auch gerade, wenn die Wetterbedingungen sich dort ständig noch verschlechtern.

      Bei Spon, der Artikel zum “langsamen Burmesen” ist sowas von übel: was sollen die Soldaten denn machen, bei einem Dauerregen und beim Fehlen von Logistik und entsprechenden Lagerhäusern? Den Reis aufs Rollfeld knallen, damit er im Regen gleich verdirbt?

      Das ist es, was mich stört, auch die riesige Fläche von diesem Irrawaddy Delta: verdammt, das ist von der Fläche her größer als Deutschland. Die Ausmasse dort müssen unglaublich sein, und das zu beherrschen, ist fast unmöglich.

    51. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 21:41 - Permalink

      @50 name

      Solche Naturkatastrophen sind fast nicht beherrschbar. Es hängt vieles auch von der genauen Art ab. Von Kuba ist z.B. bekannt, dass sie ein extrem ausgefeiltes Vorsorge- und Sicherungssystem für solche Unglücke haben, dass dieses viele viele Opfer direkt verhindert. Eine Glanzleistung, die man sonst vergeblich in Südamerika sucht.

      Yep, das ist richtig. Ich weiß zwar nicht, wie die Kubaner technisch ausgestattet sind, aber im medizinischen Bereich sind sie bei Katastropheneinsätzen sehr gut geschult und ordentlich ausgerüstet. Beim Kaschmirerdbeben haben sie mW sehr wichtige Arbeit geleistet.

      Ich würde sogar behaupten, dass ein solches System der entscheidenste Punkt (je nach Art des Naturunglücks) ist: es kommt gar nicht so sehr auf die Hochtechnologie an (die USA haben das selbst bewiesen), sondern auf ein gut strukturiertes Sicherungssystem.

      Auch wenn ich nur ungerne in Deine US-Schelte eingreife ;-) ? das US-Unwetterzentrum hatte bereits 48 Stunden vor Eintreffen des Zyklons eine Dringlichkeitswarnung an die birmanischen Behörden abgegeben ? keine Reaktion. Im birmanischen StaatsTV hieß es am Tag der Katastrophe noch, es könnte leichtere Stürme geben. Kein Wort von einer Unwetterwarnung, auf die die Leute sich hätten einstellen können.

      Im Falle Myanmar wird selbst den Helfern jetzt vor Ort kaum Spielraum bleiben. Eine Infrastruktur für Rettungsmassen aufzubauen ist sowas von kompliziert, und das auch gerade, wenn die Wetterbedingungen sich dort ständig noch verschlechtern.

      Ja und nein ? Notfalllazarette, Wasseraufbereitungseinheiten für die Notversorgung und v.a. Medikamente(!) könnten (und werden ja mittlerweile auch (nur halt viel(!) zu spät)) sehr schnell zum Einsatz kommen.

      Bei Spon, der Artikel zum “langsamen Burmesen” ist sowas von übel: was sollen die Soldaten denn machen, bei einem Dauerregen und beim Fehlen von Logistik und entsprechenden Lagerhäusern? Den Reis aufs Rollfeld knallen, damit er im Regen gleich verdirbt?

      Sich an internationale Organisationen wenden ? auch wenn Du mir da widersprichst. Die UN, die USA, Deutschland, Australien, Frankreich, Kuba und andere Staaten haben sehr gute Möglichkeiten Ein Arbeitskollege von mir gehört beispielsweise zur ?schnellen Eingriffstruppe Wasserasufbereitung? des THW und ich muß schon zugestehen, dass die Jungs sehr gut ausgebildet sind und sehr gut ausgestattet sind. Eine solche Einheit vor Ort zu haben (bei fast allen größeren Naturkatastrophen in den letzten Jahren, wurden sie angefordert (auch in Iran 03)), ist wirklich hilfreich ? sich dagegen zu wehren ist borniert und dumm. Nach über einer Woche wurde den THW-Leuten gestern Abend endlich das Visum erteilt ? mindestens fünf verlorene Tage, in denen viele Menschenleben hätten gerettet werden können. Es ist nicht immer westliche Arroganz, dies hervorzuheben.

      Das ist es, was mich stört, auch die riesige Fläche von diesem Irrawaddy Delta: verdammt, das ist von der Fläche her größer als Deutschland. Die Ausmasse dort müssen unglaublich sein, und das zu beherrschen, ist fast unmöglich.

      Richtig ? ich bin auch weit davon entfernt, zu sagen, ?wenn wir kommen, klappt das? ? Aber zumindest versuchen kann und muss man es. Auch wenn man der Gesamtsituation nicht Herr werden sollte, man kann sehr viele Menschenleben retten.

    52. salvo schrieb am 13. Mai 2008 at 22:22 - Permalink

      also ich meine, dass auch mir dieser Artikel etwas nach ‘Mainstream*’ schmeckte, wenn ich schon Kunstwörter wie ‘internationale Staatengemeinschaft’ lese – na ja, nimms mir nicht übel, Jens, Kritiker haben es manchmal wohl zu leicht

      zu der Forderung nach einer ‘humanitären Intervention’ möchte ich einfach nur einige Verweise auf Momente des aktuellen Zeitgeschehens als Kontrakpunkt geben:

      “Report: 83 Immigrants Have Died in US Custody
      Meanwhile, the Washington Post has published a major investigative series on the sub-standard health care offered in immigration detention centers in the United States. According to the Post, eighty-three detainees have died in or soon after custody during the past five years. Most of the people who died were young. Thirty-two of the detainees were younger than forty, and only six were seventy or older.”

      http://www.democracynow.org/2008/5/13/headlines

      “Climate Change Group: Cyclone Is a Sign of Things to Come
      Meanwhile, a top Indian group that monitors climate change in South Asia has warned that Cyclone Nargis is a sign of things to come. Sunita Narain of the Centre for Science and Environment warned that destructive cyclones were likely to occur more often unless nations sped up their efforts to curtail the emission of greenhouse gases. Narain said, ?The victims of these cyclones are climate change victims, and their plight should remind the rich world that it is doing too little to contain its greenhouse gas emissions.? Narain said big polluters in the world, including the United States, should not be able to escape responsibility for what is happening in Burma.”

      “After 1,000 Killed, a Ceasefire Is Reached in Sadr City
      In Iraq, a ceasefire has been reached in Sadr City, ending two months of US-led attacks on the Shiite neighborhood in Baghdad. During that time, nearly 1,000 people are believed to have been killed. Thousands more fled their homes to escape the daily air strikes. The ceasefire between the Iraqi government and Shiite cleric Muqtada al-Sadr was reached on Saturday.”

      “Environmental Activist Sentenced to 20 Years in Prison
      In California, a thirty-year-old environmental activist has been sentenced to nearly twenty years in prison after being convicted of planning to disrupt government and commercial installations. Eric McDavid was accused of plotting to sabotage three sites in California: the US Forest Service genetics lab in Placerville, the Nimbus Dam and a fish hatchery in Rancho Cordova. Supporters of McDavid have accused the FBI of entrapment. A key figure in the alleged plot was a Florida college student who was recruited by the FBI to penetrate the protest movement. McDavid?s lawyers said the conspiracy would have never developed if not for the actions of the informant who helped bring the other activists together.”

      http://www.democracynow.org/2008/5/12/headlines

      ich könnte hiermit wohl beliebig weitermachen. Das ist aber sicher schwierig, auf der einen Seite, wissen wir, dasss jene, die eine ‘humanitäre Intervention’ ausführen würden, an solchen humanitären (und auch natürlichen) Katastrophen alles andere als unschuldig sind, auf der anderen Seite gerät man bei einer Ablehung in Gefahr, sich selbst schuldig zu machen, wenn man sich über das reale Leiden der Opfer abstrakt hinwegsetzt. Ich selbst würde wohl zähneknirschend einer solchen Intervention zustimmen, wohl wissend um den Zynismus, mit dem sie von ‘Helfern’ (nicht den konkreten), instrumentalisiert werden würde, mit der nicht unrealistischen Option, dass aus der ‘humanitären Intervention’ bei der Durchsetzung der eigenen Interessen eine noch größere humanitäre Katastrophe würde.

      Was tun?

    53. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 22:37 - Permalink

      @salvo

      Was tun?

      Tja, die 1 Mio. $ Frage. Selbstverständlich habe auch ich Bauchschmerzen, wenn ich sehe wer humanitäre Interventionen fordert. Natürlich scheren sich auch Kouchner, Rice und Steinmeier einen Dreck um die Opfer, dennoch liegt hier ein echter Gewissenskonflikt vor. Kann man Menschenleben opfern, um weltanschaulichen Prinzipien treu zu bleiben? Auch ich würde jede Form des Interventionismus nur als absolute Ultima Ratio sehen, weiß aber auch, dass eine solche Aktion z.B. im Falle Myanmars nur das Einfallstor für viele zukünftige Fälle wäre, wo es eben nicht um eine absolute Ultima Ratio geht.

      Der Schlüsselstein wird wohl dummerweise die internationale Diplomatie sein – man müßte die relevanten Staaten in ein Aktionskorsett zwingen, das nicht oder nur sehr schlecht missbraucht werden kann. Dies dürfte der Quadratur des Kreises gleichkommen.

      Dass Hilfe instrumentalisiert und öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet wird, lässt sich wohl kaum verhindern. Wenn ich lese, dass der Westen sich darüber aufregt, dass die birmanischen Generäle ihren Namen auf die Hilfslieferungen drucken lassen, so kann ich nur verzweifelt mit dem Kopf schütteln – geht es dem Westen um Hilfe oder um PR? Dumme Frage, ich weiß.

    54. corax schrieb am 13. Mai 2008 at 22:52 - Permalink

      Helau,

      SPD und Linke bringen Militäreingreifen für Birma ins Gespräch

      Berlin – SPD und Linke haben ein militärisches Eingreifen in Birma ins Gespräch gebracht, falls das dortige Regime Hilfe für die Bevölkerung dauerhaft verweigert. Entsprechend äußerte sich der SPD- Außenexperte Gert Weisskirchen nach Angaben des SWR. Er räumte allerdings ein, dass ein solcher Schritt völkerrechtlich umstritten wäre. Linke-Fraktionsvize Wolfgang Neskovic sagte dem ?Tagesspiegel?, es gebe einen übergesetzlichen Notstand, der militärisches Einschreiten rechtfertigen würde.

      Dienstag, 13. Mai 2008, 22:18 © RZ-Online GmbH & dpa-infocom

      Nochmal: Gibt es ein Recht zur “humanitären Intervention”?

      Angestrebt wird somit letztlich die Abwertung des in der UN-Charta verankerten Souveränitäts-Paradigmas: nämlich seine Relativierung durch einen ihm übergeordneten Menschenrechts-Maßstab (nachdem es 1945 bewusst als absolutes und den Menschenrechten gleichgestelltes Leitprinzip etabliert worden war). Die Folgen dieser faktischen Völkerrechtsänderung wären epochal: Mit der Relativierung des Souveränitätsprinzips (das bisher nur in zwei Fällen außer Kraft gesetzt werden darf: zur Selbstverteidigung gegen einen Angriffskrieg und bei Gefährdung des Weltfriedens) würden die Lehren aus zwei Weltkriegen faktisch ad acta gelegt. Mit allen ? heute kaum absehbaren ? Konsequenzen.

      Nach geltendem Völkerrecht [...] jedoch können sich einzelne Staaten oder Staatenbündnisse nicht auf die Rechtsinstitution der humanitären Intervention stützen, um den Einsatz militärischer Mittel gegen einen souveränen Staat zu rechtfertigen.

    55. Spiegelfechter schrieb am 13. Mai 2008 at 23:23 - Permalink

      @Corax

      So einfach ist die Situation aber nun einmal nicht – nichtmilitärische humanitäre Interventionen sind beispielsweise in bestimmten Fällen durch die UN-Resolution 1674 gedeckt. Nur (das schreibe ich ja auch im Artikel) diese Resolution ist auf Myanmar nicht anwendbar, da man der Junta keinen Vorsatz unterstellen kann.

      Die Diskussion zu diesem Thema ist noch jung, aber sie wird geführt und sie muß auch geführt werden um einen rechtlichen Rahmen zu ermöglichen, der nicht im Sinne der Hegemonialpolitik missinterpretiert werden kann. Es ist idT eine sehr komplexe und höchst brisante Diskussion.

      p.s.: Mich wundert, dass gerade die LINKE sich derart klar positioniert. Chapeau für den Mut, auch wenn ich diese Position nicht teile.

    56. Anindo schrieb am 13. Mai 2008 at 23:43 - Permalink

      Was mich nur stört, nicht bei dir, ist aber überhebliche Unterton in der westlichen Presse, der wirklich bösartig ist. Im ZDF hatte ich mir die Reportage dazu angeschaut: also, diejenigen Reporter vor Ort die in der Wortwahl ?hier hinter dem Zaun hausen die höheren Beamten des Regimes?, diesen und anderen Unsinn gesendet haben.

      Also den größten Unsinn, den ich bisher über Myanmar gelesen habe, stammt aus deiner Tastatur und für bösartig halte ich dich auch. Da sind Millionen Menschen vom Hungertod bedroht und du sabberst was von zu kompliziert denen zu helfen. Sorry, aber du bist einfach nur ein zynisches [Zensur/jb] , der in alles negiert, was Medien einhellig berichten und ansonsten keine Ahnung von Hunger und Leid hat.

      Ich habe übrigens schon ein halbes Jahr in einem indischem Slum gewohnt, wo überwiegend Flüchtlinge aus Bangladesh leben und habe bittere Armut gesehen. Ich war in Pakistan und wurde evakuiert, als Bill Clinton mit ein paar Cruise Missiles vergeblich versucht hat, Osama Bin Laden zu auszulöschen und ich war auch schon viele Wochen in Dharamsala und kenne die Mentalität der Tibeter. Von dir muss ich mir nichts erzählen lassen und wer alle in einen Sack wirft, hat einfach überhaupt nichts gerafft.

      In Pakistan wurde ich übrigens evakuiert, weil viele Imame gegen jeden Weißen Blutrache gepredigt haben. Schließlich ist eine Rakete auf pakistanischen Boden runter gegangen und hat zwei, drei Pakistanis getötet, aber die hätten auch anders einen Grund gefunden, Rache zu predigen. Als US-Amerikaner wäre ich da wohlmöglich noch gelyncht worden, weil diese Leute die USA auch damals schon gehasst haben und es jetzt noch viel mehr tun. Pakistan war zu der Zeit schon keine islamische Diktatur auf dem Papier, in der Realität aber sehr wohl. Jede militärische Intervention für oder gegen diesen Menschenschlag und jeder Versuch der Demokratisierung kann da nur die Büchse der Pandorra öffnen. Da reicht ja schon das Lesen des Korans oder ein altes Interview mit Peter Scholl-latour.

      Buddhisten wie die Burmesen sind dagegen ein völlig andere Menschenschlag und die Diktatur in Burma nicht hausgemacht, sondern ein Relikt des kalten Krieges. Buddhisten sind eher westlich orientiert, mögen grundsätzlich die Demokratie und nehmen den Tod nicht so ernst. Rache oder gar Zorn sind gegen ihre Religion, weshalb sie Opfer für einen Wechsel auch hinnehmen würden. Die überwiegende Mehrheit ist klug genug das Regime zu hassen und alles was da fehlt um es zu kippen, ist die militärische Power der oppositionellen Kräfte. Selbst wenn bei einem Befreiungsversuch viele Burmesen sterben würden, wären die Leute dort überglücklich, diese Dreckssäcke loszuwerden und würden selbst US-GIs in die Arme fallen. Für diese Leute würde ich auch zur Waffe greifen, weil sie mir sympathisch sind und ich an Indien und Thailand sehe, dass die es besser machen können und was besseres verdient haben. Nach heutigem Ermessen werden dort sicherlich mehr als eine Million Menschen den Hungertod sterben wenn man nichts dagegen tut.

      Nord-Korea ist dagegen sehr unberechenbar, auch wenn die nächste Hungersnot auf dem Plan steht, aber bei diesem ultra-faschistischem Regime weiß ja niemand, wie die Mehrheit letztendendes tickt. Die meisten Menschen dort wissen nicht einmal, dass es mal Astronauten auf dem Mond gab, das so was wie funktionierende Krankenhäuser oder gar Antibiotika existieren und dass der Hungertod global doch eher die Ausnahme ist. Von klein auf wird ihnen gelehrt, dass sie im Paradies leben und er Rest der Welt in grausamer Armut. Der Menschenschlag ist sehr opportunistisch und Opposition existiert höchstens Süd-Korea. Also da müsste man erst mal Flugblätter abwerfen bevor man an Bomben denken kann.

    57. corax schrieb am 13. Mai 2008 at 23:54 - Permalink

      SF,

      nein einfach ist das nicht. Und ich will auch nicht auf dem Status Quo beharren.
      Die Gedanken die man sich macht, mögen auch zielführend sein, dein Link verweist auch genau wie meiner auf die ICCIS aber unter meinem gibts noch Anmerkungen dazu (sachliche) und er ist auf deutsch. ;-)

      Mir gehts nur gegen den Strich, im Namen des Guten, was ich den meisten auch glaube, Verträge einfach Verträge sein zu lassen. So geht das aber nicht mit ca 200 Nationen.
      Da kann man nämlich schnell mal im Namen des Guten Folter androhen, “Daschner” oder im Kampf gegen den Terror offen “Waterboarding” praktizieren und mit Neusprech als “effektive unverzichtbare Verhörmethode” bezeichnen.
      Wenn Verträge und Regeln nichts mehr gelten, so schwer es einem auch im Einzelfall tut, wie sollen dann 8 Milliarden Menschen zusammenleben?

      Und dann noch diese unsachliche populistische Berichterstattung.
      Selbst bei der Tagesschau, oder sonstwo, widerlich.

      Wenn das ICCIS etwas gescheites vorlegt und der größte Teil aller Staaten sich darauf einigt und den Text ratifiziert, in Ordnung. Aber man kann sich die Welt nicht so machen wie sie einem gefällt, auch nicht in schwierigen Zeiten.
      Verträge die verbogen werden bedeuten letztendlich Beliebigkeit, keine Rechtssicherheit und damit schlussendlich Willkür!

      PS:
      Schreibst du schon an einer deinem Freund Gabor Steingart gewidmenten Replik, auf die Feststellung, dass fast die gesamte Journaille lügt? Dieser Arme.

    58. Spiegelfechter schrieb am 14. Mai 2008 at 00:06 - Permalink

      @Corax

      Yep, da stimme ich Dir absolut zu – es muss ein verbindliches Regelwerk geschaffen werden.

      Schreibst du schon an einer deinem Freund Gabor Steingart gewidmenten Replik, auf die Feststellung, dass fast die gesamte Journaille lügt? Dieser Arme.

      Ach ja, er hat mir mal wieder den Nachmittag versüßt, der Gute. Mal schauen – vielleicht widme ich ihm morgen eines würdigenden Kommentars ;-)

    59. HUNDEPOPEL schrieb am 14. Mai 2008 at 00:58 - Permalink

      Diejenigen, die jubelten, als Burma sich in Myanmar umtaufte, vertrauten darauf, daß der
      Name alles zum Besseren wendet !

      Aber es sind nicht die Namen, sondern die politschen Ziele, die die Welt verändern.
      (HUNDEPOPEL alias Karl Marx, Humboldt-Universität zu Berlin, Aufgang Mitte)

    60. salvo schrieb am 14. Mai 2008 at 08:59 - Permalink

      @anindo

      ich frage mich, woher Deinesgleichen die Nonchalance zu solcher bigotten Haltung nehmen

      wie soll man Leuten wie Dir die Empörung über die ‘Hunderttausende Hungertote’ in Birma abkaufen, wenn sie zugleich die Millionen Hungertote ignorieren, die der ‘Westen’ strukturell ‘produziert’

      “Herr Professor Ziegler, in Ihrem neuen Buch “Das Imperium der Schande” sprechen Sie von einer Refeudalisierung der Welt. Was meinen Sie damit?

      In den letzten Jahrzehnten sind auf der Erde unglaubliche Reichtümer entstanden, der Welthandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verdreifacht, das Welt-Bruttosozialprodukt fast verdoppelt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist der objektive Mangel besiegt und die Utopie des gemeinsamen Glückes wäre materiell möglich. Und gerade jetzt findet eine brutale, massive Refeudalisierung statt. Die neuen Kolonialherren, die multinationalen Konzerne – ich nenne sie Kosmokraten – eignen sich die Reichtümer der Welt an. Diese neue Feudalherrschaft ist 1000 Mal brutaler als die aristokratische zu Zeiten der Französischen Revolution.

      Wie funktioniert diese Feudalherrschaft im 21. Jahrhundert?

      Die Legitimationstheorie der Konzerne ist der Konsensus von Washington. Danach muss weltweit eine vollständige Liberalisierung stattfinden: Alle Güter, alles Kapital und die Dienstleistungsströme in jedem Lebensbereich müssen vollständig privatisiert werden. Nach diesem Konsensus gibt es keine öffentlichen Güter wie Wasser. Auch die Gene der Menschen, der Tiere und Pflanzen werden in Besitz genommen und patentiert. Alles wird dem Prinzip der Profitmaximierung unterworfen. Dabei setzen die Konzerne zwei Massenvernichtungswaffen ein, den Hunger und die Verschuldung. Das Resultat ist absolut fürchterlich. Die Hungerzahlen steigen in absoluten Zahlen immer weiter an. Letztes Jahr sind nach dem Welternährungsbericht jeden Tag 100.000 Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen gestorben, alle 5 Sekunden ist ein Kind unter 10 Jahren verhungert. Und dies, obwohl die Weltlandwirtschaft schon heute – ohne Gentechnik, etc. – problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, wie derselbe Bericht feststellt. D.h., es gibt keinerlei Fatalität für die Massenzerstörung der Welt. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. ”

      http://www.germanwatch.org/zeitung/2005-4-ziegler.htm

      was sagst Du zB zu der Verantwortung des ‘Westens’ für die natürliche Katastrophe?

      ?Climate Change Group: Cyclone Is a Sign of Things to Come
      Meanwhile, a top Indian group that monitors climate change in South Asia has warned that Cyclone Nargis is a sign of things to come. Sunita Narain of the Centre for Science and Environment warned that destructive cyclones were likely to occur more often unless nations sped up their efforts to curtail the emission of greenhouse gases. Narain said, ?The victims of these cyclones are climate change victims, and their plight should remind the rich world that it is doing too little to contain its greenhouse gas emissions.? Narain said big polluters in the world, including the United States, should not be able to escape responsibility for what is happening in Burma.?

      http://www.democracynow.org/2008/5/12/headlines

      wie Deinesgleichen den Mut zu solcher Verleugnung der Realität nehmen, wird mir immer schleierhaft bleiben:

      “und dass der Hungertod global doch eher die Ausnahme ist”

      so sieht aber die Realität aus:

      “826 Millionen Menschen haben, so der Schweizer Soziologe, Autor und UNO-Sonderberichterstatter über das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, im Jahr 2000 “an permanenter Unterernährung gelitten, sind invalid geworden und haben jeden Tag und jede Nacht an Körper und Seele gelitten”. 36 Millionen Menschen sind am Hunger gestorben. “Das macht etwa 100.000 Frauen, Kinder, Männer pro Tag – und all das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt.”"

      http://cms.nak-stuttgart.de/36-Millionen-Hungertote.953.0.html?&contUid=505

    61. jay schrieb am 14. Mai 2008 at 09:20 - Permalink

      Was mich am meisten erstaunt, zumindest an mir, ist der Fakt, das ich von zehntausenden Toten lese und denke: Aha, hm. Das mag makaber klingen, ich weiss, aber irgendwie rauschen zur Zeit nur solche Nachrichten durch die Tagesschau oder anderen “News”-Sendern…
      Ich bin schon betroffen, aber die schiere Menge an solchen Nachrichten ( Tornados in den USA oder Erdbeben in China) lassen einen immer mehr abstumpfen. Die Opfer sind auch wirklich arm dran, und tun mir auch irgendwie Leid, besonders in Myanmar, aber ein echter Aufreger ist es nicht mehr, gerade wegen der Überflutung mit solchen Nachrichten……
      Bin ich mit dieser Meinung allein?

    62. name schrieb am 14. Mai 2008 at 12:51 - Permalink

      @salvo

      absolut richtig: dazu kommt, dass solche Typen, die nach Bomben rufen, überhaupt keine Ahnung von nichts haben: “das Regime”, hat, was absolut jeder Staat gemacht hätte, zuerst versucht wenigstens eine halbwegs staatliche Ordnung nach dem Zyklon zu garantieren, um aus dieser Position überhaupt so etwas wie Hilfe organiseren zu können.

      Außerdem anindo , mit welchem verdammten Recht, willst du hier über irgendwelche Burmesen umbringen? [Zensur/sf]

      Diese westliche Welt bringt 100.000 Menschen täglich um: täglich einhundertausend, [Zensur/sf]

      Jeden Monat 3 Millionen und [Zensur/sf] stellst dich hin, und machst hier einen auf humanitären Massenmörder oder was?

      [Zensur/sf], und bilde dir ja nicht ein, du wärst irgendwie ein “Linker” oder ein “Humanist” oder ähnliches.

      Ach ja Jens, das mit Warnung vor dem Zylon: so eine Warnung vor einem Unwetter bringt leider in solchen Gebieten nur dann was, wenn überhaupt Strukturen vorhanden sind, die darauf reagieren können. Selbst im Westen gibt es solche Strukturen fast nicht, und ich bezweifle, dass diese Art der Vorsorge in einem infrastrukturell schwachen Gebiet wie Myanmar überhaupt bestehen. Du kannst natürlich zu recht einwenden, sie hätten über die nötigen TV und Radiosender waren müssen. Ich weiss selbst nur nicht, wie oft solche Warnungen ergehen und mit welcher nötigen Genauigkeit.

      Eben berichtet Spon, es hätte schon wieder Warnungen für Myanmar vor einem ähnlichen Unwetter gegeben, aber die Experten selbst streiten darüber, ob und überhaupt, und wie gefährlich dieser sein könnte.

      Wenn sich die Regierung von Myanmar in einer ähnlichen Situation befand, wo sie überhaupt das Ausmaß dieser Warnung gar nicht erfassen konnte, dann ist es schwer, aus diesem Umstand einen Vorwurf zu ziehen. Ich bin bei Unwettern dieses Ausmasses so vorsichtig mit einem Vorwurf von Vorsätzlichkeit, weil diese Unglücke so schwer zu handhaben sind.

    63. Dexter schrieb am 14. Mai 2008 at 16:06 - Permalink

      @jay
      Du stehst sicher nicht alleine mit diesem Phänomen. Die Nachrichten/Informationsvermarkter produzieren (fast) nur noch heiße Luft. Mit Aufklärung hat das kaum zu tun. Ich jedenfalls sehe für mich keinen Sinn, der aus dem Wissen um die publik gemachten Katastrophen und individuellen Schicksale resultieren kann.
      Die Aufmerksamkeit des Menschen ist determiniert. Man kann – nein MUSS! – sich aussuchen, ob man sich an einen aktuellen Inzestfall verschwendet, oder ein Buch von Camus liest.
      Der allergrößte Teil der öffentlichen Informationen, die da täglich auf uns einströmen, erreichen uns nur aus einem Zweck: Mit diesen Informationen soll über kurz (Werbung) oder lang (Spiegelreportage) Profit erwirtschaftet werden. Also gibt es für mich kaum einen Grund mich dafür herzugeben – die Informationsquelle will ja nicht meine Aufklärung, sondern nur mein Geld.
      Von daher hoffe ich auch, der Spiegelfechter macht das hier primär nicht fürs Geld :)

    64. Gregory schrieb am 14. Mai 2008 at 23:21 - Permalink

      Zu der Katastrophe des Zyklons, dem wenig fähigen Militär, kommt noch eine widerliche westliche Politik, die die “Gunst der Stunde” für mehr Druck auf das Regime ausnutzen will.

      Wenig beachtet, die absichtliche Falschmeldung über einen neuen drohenden Zyklon:

      http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1334324

    65. grub grab schrieb am 15. Mai 2008 at 08:43 - Permalink

      @sf
      “F und USA wollten ja keine Invasionsstreitmacht aufstellen, sondern ?nur? Hilfsmittel abliefern – das geht ad hoc.”

      Hilfsmittel abliefern — mit Kriegsschiffen und Kampfhubschraubern, deren einziger Zweck ist, möglichst effektiv möglichst viele Menschen – ad hoc – umzubringen. Nee, die haben dort nur eine Aufgabe, und die ist garantiert nicht humanitärer Art.

      @55sf,@57Corax
      wohin der Trend geht sagt u.a. Prof. Wolfgang Merkel, Mitglied SPD-Grundwertekommission, Bertelsmann-Botschafter. Er sieht Demokratisierung nicht als zusätzliches Motiv für militärische Interventionen in Fällen, wo Staaten die Menschenrechte ihrer Bürger flagrant verletzen, ja deren Leben bedrohen. ?Das ‘ius ad bellum’ muss zwingend mit dem ‘ius post bellum’ verknüpft sein?, forderte der Politologe. Das heisse: Ein Eingriff aus humanitären Gründen müsse mit der meist viel langwierigeren demokratischen Intervention ergänzt und so erst vollendet werden. Und dies wiederum bedeutet für Merkel, dass eine Siegermacht nicht, wie es der einflussreiche US-Philosoph Michael Walzer fordert, möglichst schnell wieder abziehen soll, sondern ? um noch Schlimmeres zu verhindern ? den Aufbau staatlicher Strukturen vorantreiben muss. Denn nur durch konstante Rechtssicherheit für die Bürger könnten künftig solche Grausamkeiten, die erst zur Intervention geführt hatten, verhindert werden.
      (Quelle hab ich leider verschlampt)

    66. Spiegelfechter schrieb am 15. Mai 2008 at 09:32 - Permalink

      @grub grab

      Hilfsmittel abliefern ? mit Kriegsschiffen und Kampfhubschraubern, deren einziger Zweck ist, möglichst effektiv möglichst viele Menschen – ad hoc – umzubringen. Nee, die haben dort nur eine Aufgabe, und die ist garantiert nicht humanitärer Art.

      Schon mal was von “Dual-Use” gehört? ;-)

    67. barnabas schrieb am 15. Mai 2008 at 23:16 - Permalink

      @ 15 spiegelfechter:

      Nescovic ist wegen seiner exotischen Position zurückgepfiffen worden.
      Er vertritt – wie andere (Brie, Kaufmann und leider auch Crista Müller) gerne mal eine Einzelmeinung.
      Der Bundesparteitag Der Linken wird da hoffentlich etwas Ordnung reinbringen.

      Ich weiß aber nicht, wie man vor einem weiteren Kriegstreiber den Hut ziehen kann, wenn man nicht – doch – seine Meinung vertritt.
      Diese Infrastruktur des Krieges mit all seinem Bedrohungspotential, das du so leichtmütig zur humanitären Hilfe einsetzen willst, verschlingt zufällig ein Vielfaches dessen, was an Entwicklungshilfe geleistet wird.

      Zum Vergleich:

      Susanne Klatten, geb. Quandt, verdiente 2007 an Dividenden aus einer einzigen Firma(Altana):

      2,5 Mrd ?

      Deutschland brachte an weltweiterEntwicklungshilfe im gleichen Jahr auf:

      ca. 8,9 Mrd ?

      Rüstungsausgaben weltweit im gleichen Zeitraum:

      ca. 1200 Mrd $

      Da läuft doch was falsch, oder?

    68. grub grab schrieb am 16. Mai 2008 at 03:31 - Permalink

      nochmal an 5-sf u. 57-Corax,

      Zitat, german-foreign-policy.com:
      “Die Forderung bezieht sich auf ein Konzept (“Responsibility to Protect”, “R2P”), das im Jahr 2001 im Westen schriftlich fixiert worden ist und seit Jahren bei den Vereinten Nationen diskutiert wird – trotz des Widerstands von Staaten, die sich der westlichen Hegemonie widersetzen. Gegen ihre Absicht hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon einen “R2P”-Sonderberater ernannt, der die Einführung des Interventionsrechts vorantreibt. Es legitimiert den Einsatz militärischer Gewalt für den Fall nicht näher definierter “crimes against humanity”. Ein solches Verbrechen liege bereits vor, wenn ein Staat nach einer Naturkatastrophe nicht sämtliche ihm angebotenen Helfer ins Land lasse, heißt es jetzt. Eine Genehmigung des UNO-Sicherheitsrates sei nicht erforderlich. Das Interventionsrecht können de facto nur die großen westlichen Staaten mit starken Armeen in Anspruch nehmen. An seiner Entwicklung war ein einflussreicher deutscher Militär beteiligt, der kürzlich atomare Erstschläge für zulässig erklärt hat.”
      weiter bei german-foreign-policy http://tinyurl.com/5v7ckt

      und, ja, jens, klar hab ich schon mal was von ?Dual-Use? gehört. Deshalb hab ich oben ja auch angedeutet, dass auch meim Nachbar sein Garten umgraben ghört…. ;-)


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