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  • Pinky oder der Brain

    geschrieben am 02. Juli 2010 von Spiegelfechter

    Die Bundesregierung setzt ihre fatale Wirtschaftspolitik fort und untergräbt die Fundamente der Europäischen Union

    ein Gastartikel von Caspar Bildner

    Eines haben die Sub­pri­me-Kri­se 2007/08 und die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se 2010 ge­mein­sam: Die Kre­dit­be­din­gun­gen zwin­gen die Schuld­ner in die Knie, die Gläu­bi­ger sind da­durch eben­falls von In­sol­venz be­droht. Im ers­ten Fall wur­den die Gläu­bi­ger ge­ret­tet, im zwei­ten die Schuldner. Durch das ver­spä­te­te und wenig be­herz­te Ein­grei­fen der eu­ro­päi­schen Staa­ten zur Hilfe Grie­chen­lands wurde ver­deckt, wie ge­fähr­det die Ban­ken bei Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Lan­des ge­we­sen wären: Selbst nach Ein­schät­zung der EZB stand das eu­ro­päi­sche Fi­nanz­sys­tem vor dem Zu­sam­men­bruch.

    Da­hin­ter ste­hen ge­wal­ti­ge Un­gleich­ge­wich­te im Wirt­schafts­ge­fü­ge und in der Kon­zen­tra­ti­on von Ka­pi­tal, das in die Fi­nanz­märk­te fließt. Im Falle der ame­ri­ka­ni­schen Kre­dit­kri­se schuf die­ses Ka­pi­tal eine künst­li­che Nach­fra­ge durch Schuld­ner, die ei­gent­lich nicht über ein aus­rei­chen­des Ein­kom­men ver­füg­ten. Ein gro­ßer An­teil die­ser Kre­di­te floß aus den Pensionsfonds, aber auch aus China und Deutsch­land: Deren Ex­port­über­schüs­se müs­sen schließ­lich ir­gend­wo an­ge­legt wer­den. In Chi­nas Fall stamm­te der Über­schuss maß­geb­lich aus der un­ter­be­wer­te­ten Wäh­rung, die zu Be­ginn der De­ka­de einer noch nicht kon­kur­renz­fä­hi­gen Wirt­schaft einen Vor­sprung ver­schaf­fen sollte. Deutsch­land da­ge­gen stei­ger­te die Kon­kur­renz­fä­hig­keit sei­ner oh­ne­hin star­ken In­dus­trie auf Kos­ten sin­ken­der Löhne brei­ter Teile der Be­völ­ke­rung: Ein Teil die­ser Ge­win­ne floß über Ban­ken in die ame­ri­ka­ni­sche Kre­dit­wirt­schaft.

    Verzögerte Krisen

    Iro­ni­scher­wei­se wurde der Ein­kom­mens­ver­lust in Deutsch­land durch Bil­lig­im­por­te aus Fern­ost ab­ge­fe­dert. Dies ist der Grund für das »Geiz-ist-Geil«-Zeit­al­ter und den Boom der Ein-Eu­ro-Lä­den. Gleich­zei­tig wur­den die ne­ga­ti­ven Ef­fek­te eines schwa­chen Bin­nen­kon­sums in an­de­re Län­der ex­por­tiert: Deren Nach­fra­ge hält die deut­sche In­dus­trie am Lau­fen, wäh­rend ihre ei­ge­ne Wirt­schaft durch ge­rin­ge­re Pro­duk­ti­vi­tät lei­det. Die­ses Un­gleich­ge­wicht wirk­te sich aber nicht nur in der glo­ba­len Wirt­schaft aus, son­dern auch im Eu­ro­raum. Der Druck auf die an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­der wurde eben­so durch die sti­mu­lie­ren­de Wir­kung der künst­li­chen Nach­fra­ge in den USA ge­mil­dert. Erst mit gro­ßer Ver­spä­tung wir­ken die Kon­se­quen­zen der deut­schen Po­li­tik im Eu­ro­raum. Die­ser Ver­zö­ge­rungs­ef­fekt scheint in solchen Kri­sen eine Regel zu sein.

    Dau­er­haf­ter Ex­port­über­schuß ist eine Ka­pi­tal­kon­zen­tra­ti­on, die auf einen Aus­gleich dringt. Meist wird das Geld bei den Han­dels­part­nern mit dem Bi­lanz­de­fi­zit auf dem einen oder an­de­ren Weg an­ge­legt. Auf ma­gi­sche Weise schließt sich der Kreis, wenn faule Kre­di­te durch täu­schen­de Bla­sen wie eine sinn­vol­le In­ves­ti­ti­on schei­nen. Künst­lich wird über die­sen Weg die Nach­fra­ge er­zeugt, die ei­gent­lich durch re­el­les Ein­kom­men vor­han­den sein soll­te. Was in den USA Häus­le­bau­er der är­me­ren Schich­ten waren, ist in Eu­ro­pa ein Staat wie Grie­chen­land. Na­tür­lich spie­len weit mehr Fak­to­ren eine Rolle als in die­sem ver­ein­fach­ten Bild; den­noch er­klärt dies den Zu­sam­men­hang zwi­schen den Ri­si­ken und Ver­lus­ten ge­ra­de deut­scher Ban­ken, sowie den Ver­zö­ge­rungs­ef­fekt beim Plat­zen der Bla­sen.

    Kritik aus dem Ausland

    Immer, wenn un­glei­che Wirt­schafts­kraft oder un­glei­ches Ein­kom­men das Wirt­schafts­ge­fü­ge aus dem Gleich­ge­wicht brin­gen, be­darf es In­sti­tu­tio­nen, um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken: Einen Län­der­fi­nanz­aus­gleich, staat­li­che Trans­fer­leis­tun­gen oder ma­kro­wirt­schaft­li­che Steue­rungs­po­li­tik. Mitt­ler­wei­le wurde das Pro­blem von zahl­rei­chen Öko­no­men und Fachpublikationen er­kannt. Joseph Stiglitz, Paul Krugman, George Soros, der Economist: Einer nach dem an­de­ren kri­ti­siert die ge­fähr­li­che Wirt­schafts­po­li­tik der Bun­des­re­pu­blik. Die deut­sche Re­gie­rung lebt auf Kos­ten der Kon­junk­tur­pa­ke­te der Ame­ri­ka­ner und der Chi­ne­sen, die auch die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft sti­mu­lie­ren.

    Wenn die deut­sche Re­gie­rung in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit zu Zei­ten der gro­ßen Ko­ali­ti­on noch Kon­junk­tur­pa­ke­te auf­leg­te, wer­den diese nun durch die Spar­an­stren­gun­gen völ­lig kon­ter­ka­riert. Weit schlim­mer noch: Der ei­ge­ne Neomerkantilismus wird den an­de­ren Staa­ten als Vor­bild ge­prie­sen; daher wird ver­sucht, die eu­ro­päi­schen Län­der zu ähn­li­chen Spar­an­stren­gun­gen auf Kos­ten der So­zi­al­sys­te­me zu zwin­gen. Of­fen­bar glaubt die Bun­des­re­gie­rung an Mär­chen, wenn sie an­nimmt, die struk­tu­rel­len Pro­ble­me der Welt­wirt­schafts­kri­se seien über­wun­den.

    Dass die Kri­tik an der deut­schen Wirt­schafts­po­li­tik meist nicht aus Deutsch­land kommt, ist dabei be­zeich­nend: Zu stark ist die Do­mi­nanz der mo­ne­ta­ris­ti­schen, an Geld­wert­sta­bi­li­tät ori­en­tier­ten Wirt­schafts­theo­rie hier­zu­lan­de. Auch wenn wenn Thomas Fricke in der Financial Times Deutschland auf­grund der jüngs­ten Um­fra­ge sei­ner Zei­tung ein Um­den­ken bei den Öko­no­men er­kennt, kann kein Zwei­fel be­ste­hen: Die maß­geb­li­chen Ent­schei­der der Bun­des­re­gie­rung und der Bun­des­bank haben sich kei­nes­wegs von ihren Leh­ren ver­ab­schie­det, im Ge­gen­teil.

    Demokratisches Defizit

    Weder bei den deut­schen Öko­no­men noch in der Po­li­tik lie­ßen sich bis­her viele ein­fluß­rei­che Stim­men für eine an­de­re Wirt­schafts­po­li­tik ver­neh­men. Dies ist zu­gleich eine Krise der Wirt­schafts­wis­sen­schaft als auch der Po­li­tik: De­mo­kra­tie lebt von glaub­wür­di­gen un­ter­schied­li­chen Kon­zep­ten. Selbst wenn die deut­sche Po­li­tik dem of­fen­kun­di­gen Wäh­ler­wil­len ge­folgt wäre und in Nord­rhein-West­fa­len und Hes­sen rot-rot-grü­ne Ko­ali­tio­nen re­gie­ren wür­den, blie­be frag­lich, ob dar­aus eine al­ter­na­ti­ve Wirt­schafts­po­li­tik ent­stan­den wäre. Die Tra­gik be­steht also darin, daß der fa­ta­len Po­li­tik Mer­kels keine Al­ter­na­ti­ve ent­ge­gen­steht. Den we­ni­gen Stim­men der Ver­nunft in Me­di­en und Wirt­schafts­wis­sen­schaft steht kein po­li­ti­scher Part­ner bei­sei­te. Dabei könn­te eine an Nach­fra­ge ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schafts­po­li­tik das Rück­grat einer Mit­te-Links-Ko­ali­ti­on in Deutsch­land sein. Im Ge­gen­satz zu den USA und Frank­reich ist eine kon­junk­tur­be­le­ben­de Po­li­tik in Deutsch­land nur auf der lin­ken Seite des po­li­ti­schen Spek­trums zu fin­den. Selbst wenn sich eine deut­sche Re­gie­rung für eine keyn­sia­nische Po­li­tik ent­schei­den würde, hätte sie ver­mut­lich Schwie­rig­kei­ten, aus­rei­chend Ex­per­ten dafür zu fin­den.

    Die deut­sche Re­gie­rung be­harrt bei ihren jüngs­ten Ge­sprä­chen mit Frank­reich und den G-20 auf ihrer Spar­po­li­tik in der Krise. Ge­or­ge Soros nennt im In­ter­view la­pi­dar die Fol­gen: Eine eu­ro­päi­sche Spar­po­li­tik werde eine Ab­wärts­spi­ra­le mit De­fla­ti­on zur Folge haben. Sie dient damit in ers­ter Linie den In­ter­es­sen der Ban­ken, die um ihre Staats­an­lei­hen fürch­ten. Die struk­tu­rel­len Pro­ble­me wer­den dabei nicht ge­löst. Stattdessen wird auf lange Zeit eine schwa­che Nach­fra­ge im Eu­ro­raum fest­ge­legt. Schließlich hat Mer­kels Cha­os­re­gie­rung im Grun­de den Vor­schlag einer eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­re­gie­rung kom­plett kas­siert. Jeder Ver­such einer ma­kro­öko­no­mi­schen Steue­rung Eu­ro­pas wurde auf die Ebene des Eu­ro­päi­schen Rats de­le­giert: Mit ver­lo­ge­ner Wort­spie­le­rei wird be­haup­tet, man habe sich den Vor­schlag einer Wirt­schaft­re­gie­rung zu eigen ge­macht. Dabei ist mit einem der­art viel­stim­mi­gen Ent­schei­dungs­gre­mi­um das Pro­jekt ge­stor­ben.

    Einfalt oder Machtdenken?

    Glaubt man ei­ni­gen alternativen Medienberichten, so setzt die Bun­des­re­gie­rung ihre Po­si­ti­on Frank­reich ge­gen­über mit Mit­teln durch, die alles an­de­re als part­ner­schaft­lich sind. An die­ser Stel­le kommt die Frage nach den Mo­ti­ven des deut­schen Al­lein­gan­gs auf. In der ame­ri­ka­ni­schen Zei­chen­trick­se­rie Pinky And The Brain sind zwei mu­tier­te La­bor­rat­ten die Prot­ago­nis­ten: Pinky ist etwas dümm­lich und ein­fäl­tig, wäh­rend The Brain seine – durch ge­ne­ti­sche Ex­pe­ri­men­te er­zeug­te – In­tel­li­genz be­nutzt, um mit aller Bos­haf­tig­keit die Welt­herr­schaft zu er­rin­gen. Ein Ver­such, der in jeder Folge schei­tert.

    Ent­we­der ist die deut­sche Wirt­schafts­po­li­tik durch große Ein­fäl­tig­keit ge­prägt: Aus Man­gel an Phan­ta­sie ori­en­tiert sie sich an dem Mo­ne­ta­ris­mus, der sich auch aus den Er­fah­run­gen mit der deut­schen Hy­per­in­fla­ti­on ent­wi­ckelt hat; dazu kommt die wirt­schafts­po­li­ti­sche Kon­zept­lo­sig­keit von Schwarz-Gelb, die durch ihren Ko­ali­ti­ons­lärm die ge­wich­ti­ge­ren Pro­ble­me über­tönt. Oder aber man un­ter­stellt die­ser Po­li­tik eine fa­ta­le Macht­lo­gik: Dann ist die Welt­wirt­schafts­kri­se eine Ge­le­gen­heit, um die ei­ge­ne Do­mi­nanz im Eu­ro­raum zu ze­men­tie­ren. Dar­auf deu­tet der Ver­such hin, den schwä­che­ren Län­dern ent­ge­gen aller Grund­ide­en der Union das Stimm­recht zu neh­men, falls sie sich nicht an Haus­halts­vor­ga­ben hal­ten. Das Ziel wäre dann, die EU zur ver­län­ger­ten Werk­bank De­u­sch­lands zu ma­chen und Ber­lins In­ter­es­sen un­ter­zu­ord­nen.

    Was auch immer die Motive sind, die ersten Folgen sind bereits sichtbar: Ein Erstarken der neofaschistischen und rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa ist erkennbar. Dadurch haben sich Ungarn und die Slowakei bereits in eine Negativspirale ethnischer Politik begeben, auf die Europa bisher nicht vermittelnd reagiert hat. Diese Entwicklung ist, ebenso wie die zunehmende Radikalisierung in Griechenland, auch einer erzwungenden Sparpolitik zur Unzeit geschuldet. Die deutsche Wirtschaftspolitik ist zum politischen, sozialen und ökonomischen Brandbeschleuniger geworden. Noch ist es zum offenen Widerspruch nicht zu spät.

    Caspar Bildner

    Caspar Bildner ist Student der Kultur- und Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist regelmäßiger Autor von “das Dossier“.

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    Tags: Finanzkrise Volkswirtschaft
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    129 Kommentare:

    1. Frank Schenk schrieb am 2. Juli 2010 um 11:42 - Permalink

      Treffender könnte man es kaum zusammenfassen, guter Artikel!

      gruß, Frank

    2. EuRo schrieb am 2. Juli 2010 um 12:09 - Permalink

      Schön zu wissen, dass man nicht der Einzige ist, der zu diesen Schlüssen kommt. Danke für’s Schreiben. Vielleicht streut das auf diesem Wege ein wenig. Ich komme mir hier immer vor wie so ein Rufer in der Wüste.

    3. na sowas schrieb am 2. Juli 2010 um 12:18 - Permalink

      …how did that happen?

      • Geheimrätin schrieb am 2. Juli 2010 um 13:39 - Permalink

        Excellent – vielen Dank für den Link – nach solch einer Animation suchte ich bislang vergeblich!

      • thx schrieb am 3. Juli 2010 um 12:59 - Permalink

        vielen dank für den tollen link (-:

    4. maik schrieb am 2. Juli 2010 um 12:18 - Permalink

      europäischer geist? europäische identität? alles nur schein, der sofort verlischt, wenn es darum geht den eigenen hintern zu retten. aber das ist wohl ein uralter menschheitsintinkt…

      im übrigen begrüße ich fast alles, was dieses uns oktroyierte system der machtzentralisierung namens EU schwächt.

    5. Gideon schrieb am 2. Juli 2010 um 12:18 - Permalink

      sehr schöner Artikel, das Erstarken der neofaschistischen und rechtspopulistischen Parteien macht mir auch Sorgen. Jedoch läßt sich auch ein Erstarker der links”extremen” Parteien beobachten, oder gilt das nur für Deutschland? Jaja, ich weiß, Die Linke ist nicht extrem, nennt es wie ihr wollt, sie ist ziemlich weit links.

      Pinky and the Brain btw eine sehr geniale Serie!!!!

      hier noch die lyrics zur Pinky and the Brain theme:

      They’re Pinky and The Brain
      Yes, Pinky and The Brain
      One is a genius
      The other’s insane.
      They’re laboratory mice
      Their genes have been spliced
      They’re dinky
      They’re Pinky and The Brain, Brain, Brain, Brain
      Brain, Brain, Brain, Brain
      Brain.

      Before each night is done
      Their plan will be unfurled
      By the dawning of the sun
      They’ll take over the world.

      They’re Pinky and The Brain
      Yes, Pinky and The Brain
      Their twilight campaign
      Is easy to explain.
      To prove their mousey worth
      They’ll overthrow the Earth
      They’re dinky
      They’re Pinky and The Brain, Brain, Brain, Brain
      Brain, Brain, Brain, Brain
      Narf!

      • Bastl schrieb am 6. Juli 2010 um 13:25 - Permalink

        Sieh es mal so.. Wenn es die Linke nicht gäbe, gäbe es niemanden auf dieser politischen Seite. Wäre das gut?
        Die SPD war früher mal zentral+”leicht links”. Jetzt sind sie nur noch CDU Klon. Es kommt wirklich nicht von ungefähr wenn geschrieben wird das die SPD hauptsächlich an die Linke Stimmen verloren hat. Kein Wunder das die SPD bei jeder Gelegenheit “Linke-Bashing” (gern auch ohne Grundlage) macht.

    6. elwu schrieb am 2. Juli 2010 um 12:24 - Permalink

      Die deut­sche Re­gie­rung lebt auf Kos­ten der Kon­junk­tur­pa­ke­te der Ame­ri­ka­ner und der Chi­ne­sen, die auch die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft sti­mu­lie­ren.

      Ach wirklich? Gibt es dazu Fakten, etwa, wie viel des deutschen Außenhandels mit Amerika und China erfolgt, jeweils per Saldo?

      Die Herren Krugmann & Co. erhalten übrigens zunehmend Kontra von ebenso qualifizierten Vertretern ihrer Wahrsager- und Deutungszunft. Die Wahrheit wird, wie meistens im Leben, irgendwo in der Mitte liegen. Weder ist durch die Reduzierung der deutschen Ausgabensteiegerungen eine Deflation zu erwarten, noch eine Hyperinflation.

      Soros dürfte heftig auf einen weiter fallenden Euro gewettet haben, sein Eigeninteresse ist damit erklärlich. Da der Euro nun steigt, auch durch die angekündigten zögerlichen Anfänge von Sanierungsmaßnahmen der Staatsfinanzen, hat er ein Problem, ich gönne es ihm.

      Ich persönlich fühle mich übrigens wohler, wenn das Aufnehmen immer neuer Kredite langsam etwas eingeschränkt wird – von einer Rückzahlung kann ja lange nicht die Rede sein, denn die Staatsausgaben steigen trotz der fälschlich sogenannten ‘Sparpakete’ immer noch weiter.

      Der Autor argumentiert zu diversen Punkten selbstreferentiell, polemisch und ohne die seriöse Darstellung von Gegenpositionen. Und ist auch daher nicht überzeugend. Erst recht bei putzigen VT wie ‘Das Ziel wäre dann, die EU zur ver­län­ger­ten Werk­bank De­u­sch­lands zu ma­chen und Ber­lins In­ter­es­sen un­ter­zu­ord­nen’.

      • markus schrieb am 2. Juli 2010 um 20:39 - Permalink

        Schöner hätte ich es nicht sagen können. Danke!
        Was für ein selten dummer und überflüssiger Artikel, in dem die freche Selbstgewissheit des Autors jedes Argument überflüssig macht.

        • Systemfrager schrieb am 3. Juli 2010 um 17:26 - Permalink

          Ach sieh mal da: noch eine neoliberale Pfeife

          Wenn du wirklich Idiotien lesen willst, dann: INSM

      • Caspar Bildner schrieb am 3. Juli 2010 um 21:08 - Permalink

        Der Autor argumentiert zu diversen Punkten selbstreferentiell, polemisch und ohne die seriöse Darstellung von Gegenpositionen.

        Hmm, Du argumentierst dann lieber gar nicht ;-)

        Der Anteil des gesamten Handelsbilanzüberschußes Deutschlands zu dem gegenüber der USA liegt 2007-2008 bei ca. 21-24 %.
        2007: 195 zu 45 Mrd.
        2008: 176 zu 43 Mrd
        2009: 134 zu …

        Leider habe ich gerade keine Zahlen zu 2009/10: Dann könnte man die These belegen, daß Chinas und USA für die Konjunkturentwicklung in Dtschl. mitverantwortlich sind; aber bereits die Zahlen von 2008 deuten das ja an. Weitere Zahlen unten.

        Hätte mich über die Gegenargumente und -positionen gefreut. Denn natürlich sind das kontroverse Thesen.

    7. Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 12:35 - Permalink

      Ein Student der Kultur- und Politikwissenschaft

      Dann Hut ab. Aus der ökonomischen Sicht ist der Aufsatz fantastisch. Nur eine Änderung/Nachbesserung:

      Der Druck auf die an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­der wurde eben­so durch die sti­mu­lie­ren­de Wir­kung der künst­li­chen Nach­fra­ge in den USA ge­mil­dert.

      Warum künstlich?

      Künst­lich wird über die­sen Weg die Nach­fra­ge er­zeugt, die ei­gent­lich durch re­el­les Ein­kom­men vor­han­den sein soll­te.

      Hmmm … ob aber das reale Einkommen ausreicht, damit die Nachfrage für das Angebot ausreicht. Das ist eine sehr komplizierte theoretische Frage.

      • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 12:49 - Permalink

        das reale Einkommen müsste exakt den Kosten der Nachfrage entsprechen, weil die, welche etwas produziert haben dieses auch anschließend wieder kaufen, für das geld, was sie bei der produktion verdient haben – zumindest theoretisch. (Gesamtökonomisch betrachtet. Kein Produkt fällt vom Himmel)
        Tatsache ist: die Produzenten erhalten weniger Geld als sie nachher brauchen um die produzierten Sachen zu kaufen. Der Konsument hat also immer weniger Geld in der Tasche, als er vom Wert her produziert hat. Das ist ja der Sinn des Kapitalismus. Um das sich aufdrängende Problem zu umgehen, wurde etwas tolles erfunden: Kredite …

        • Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 13:02 - Permalink

          Ja, theoretisch müsste
          aber “Die Tatsache ist, dass …”
          Scheint sehr kompliziert zu sein – naja ist es auch ;-)

          • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 13:09 - Permalink

            Die Lösung ist kompliziert – durchaus – aber die Analysten scheitern ja schon an den Grundlagen:
            1. Gewinn kann es nur geben, wenn jemand anders Verlust macht oder die Produktion des Gewinns in die Zukunft verlagert wird (was auf dasselbe rauskommt)
            2. Ist es wirklich ein unvorhergesehenes Desaster, was jetzt passiert, weil einfach nur die Wirtschaftsexperten versagt haben, oder ist es genau das, was sie gewollt haben und tun sie jetzt nur so als wüsten sie von nix

            • Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 13:24 - Permalink

              Die Analysten scheitern ja schon an den Grundlagen!

              So sehe ich es auch. Also man braucht andere, bessere Grundlagen.

        • Beate schrieb am 3. Juli 2010 um 23:42 - Permalink

          Wo ist der Unterschied zu Friedman.
          Auch er will die verfügbare Geldmenge (Kaufkraft) jedes Jahr stetig ausweiten.

    8. Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 12:37 - Permalink

      @ elwu

      Der Autor argumentiert zu diversen Punkten selbstreferentiell, polemisch und ohne die seriöse Darstellung von Gegenpositionen. Und ist auch daher nicht überzeugend.

      Ach was! Elwu verzapft, wie immer nur neoliberale Idiotien!

      • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 12:51 - Permalink

        ähm

    9. Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 12:43 - Permalink

      Ich denke nicht, dass die Merkelregierung “dumm” ist, denn alles was sie tut führt genau zu den Zielen, die Merkels Marionettenhalter vorgeben: Die absolute Herrschaft über das Volk und über Europa mit Hilfe der Finazmarktpolitik. Es gehen einfach noch zu viele Menschen davon aus, dass wir in einem demokratischen freien Rechtsstaat leben. Dem ist nicht so. Dieser Staat wird von einigen Mächtigen mit viel Geld indirekt beherrscht und diese Steuerung funktioniert sehr gut.
      Frau Merkel ist die bei weitem beste Exekutive, welche die Spieler jemals hatten: Sie erfüllt alle Anforderungen zur vollsten Zufriedenheit und ist dennoch in der Lage die öffentliche Meinung auf ihrer Seite zu wissen. Wer derart viele Verbrechen begeht wie Frau Merkel, müsste auf der Beliebtheitsskala eigentlich ganz unten stehen. Aber das tut sie nicht. Im Gegenteil sie ist in der Lage abzuwarten wie die Stimmung im Volk ist und redet dann dem Volk nach der Nase. Ist die Stimmung nicht wie gewünscht, wartet sie, bis sie sich entweder gedreht hat oder keiner mehr Hinguckt. Das macht sie hervorragend. Sie hat eigentlich nur einen Fehler gemacht: Die Koalition mit der FDP. Die Interessen stimmen zwar überein, aber die verhalten sich wie der Elefant im Porzellanladen und machen die Schweinereien, die Merkel so gut verschleiern konnte öffentlich. Da war die SPD deutlich hilfreicher und hat dem Volk auch effektiver ein nicht vorhandenes soziales Gewissen der Regierung vorgespielt.

      Insofern scheint mir der Artikel ziemlich realitätsfern – auch wenn die Analysen ansonsten richtig sind – aber die Voraussetzungen sind meiner Ansicht nach falsch beobachtet. Merkels Regierung ist keine Chaosregierung. Das was wir als Falsch und verbockt ansehen, ist genau das, was die wollten. Das wäre so, als würde man Hitlers Regierung als Chaosregierung ansehen, weil es ein paar Tote gab …

    10. elwu schrieb am 2. Juli 2010 um 12:46 - Permalink

      @8 Systemfrager:

      Ach was! Elwu verzapft, wie immer nur neoliberale Idiotien!

      Ja? Diese Ansicht ist sehr sachlich, souverän, sauber und überzeugend begründet, anständig, kontextbezogen… Jeder wie er kann, also schreib’ weiter so! :)

      • zeno schrieb am 2. Juli 2010 um 17:25 - Permalink

        Du wirfst dem Autor vor:

        Der Autor argumentiert zu diversen Punkten selbstreferentiell, polemisch und ohne die seriöse Darstellung von Gegenpositionen. Und ist auch daher nicht überzeugend. Erst recht bei putzigen VT wie ‘Das Ziel wäre dann, die EU zur ver­län­ger­ten Werk­bank De­u­sch­lands zu ma­chen und Ber­lins In­ter­es­sen un­ter­zu­ord­nen’.

        und bist selber selbstreferentiell und kommst mit irgendwelche VT:

        Soros dürfte heftig auf einen weiter fallenden Euro gewettet haben, sein Eigeninteresse ist damit erklärlich.

        Selbstreflexion ist dir wohl fremd. Wenn du ein paar Gegenargumente bringen kannst, fang an..
        Ansonsten sind deine Schwurbeleien nicht “sehr sachlich, souverän, sauber und überzeugend begründet, anständig, kontextbezogen” ;-)

    11. Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 12:46 - Permalink

      Seltsamerweise würde ich Autor in einer politischen Hinsicht „deutlich“ korrigieren.

      In Slowakei leben 10% Ungarn. Nicht dass die Slowaken keine Nationalisten sein können, aber momentan geht es darum, dass Ungarn Slowakei zurück will. Slowakei war nämlich tausend Jahre lang eine ungarische Kolonie. Die ungarische Rechte behauptet heute: Ungarn grenzt mit Ungarn! Also Ungarn will „zurück“

      Nordserbien, Nordkroatien, Westrumänien und Slowakei.

      Vertrag von Trianon wird von dieser rechten Regierung in Frage gestellt!

    12. Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 12:52 - Permalink

      @ elwu

      Sehr überzeugend, sehr sachlich, souverän, sauber begründet, anständig, kontextbezogen… Jeder wie er kann, also weiter so!

      Ach so. Du darfst es, aber die anderen, dann ist es unerhört!

      Es ist nicht so, dass ich es nicht lieber anders hätte, aber kannst du dir vorstellen, dass man mit solchen wie du andes umgehen könnte?

      • elwu schrieb am 2. Juli 2010 um 12:56 - Permalink

        dass man mit solchen wie du andes umgehen könnte?

        Dieser Satz kein Sinn. Und nun, da du dich hoffentlich hinreichend über mich ereifert hast, hast du vielleicht auch endlich mal was zum eigentlichen Thema beizutragen statt unsinniger ad-personam Schreibseleien? Ich bin gespannt!

    13. R_Winter schrieb am 2. Juli 2010 um 12:52 - Permalink

      Ein treffender Artikel. Viele Punkte bedürfen einer Bewertung und Kommentierung.
      Merkel ist volkswirtschaftlich zu dumm und ihre Berater sehen die Interessen der Finanzindustrie und die der kurzsichtigen Denkweise vieler DAX-Vorstände.
      Das Grundproblem – und darum wird es keine umfassende Lösung dieser Krise geben –
      ist die Unvereinbarkeit von nationalen Interessen und die unbegrenzt, weltweit operierenden und unkontrollierbaren Finanzströme.

      Die deutsche Wirtschaftspolitik ist zum politischen, sozialen und ökonomischen Brandbeschleuniger geworden. Noch ist es zum offenen Widerspruch nicht zu spät.

      Der Satz stimmt voll, aber……

      • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 12:56 - Permalink

        Es ist ein Fehler anzunehmen, dass Merkel dumm ist, Sie macht genau das was sie soll, mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht. Es ist dumm zu glauben, Merkel würde aus Dummheit so handeln. 1933 hat sich eine solche Denkweise schonmal fatal ausgewirkt

      • Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 13:15 - Permalink

        …darum wird es keine umfassende Lösung dieser Krise geben

        Einspruch, Euer Ehren. Die Lösung kommt vermutlich eher, als den meisten lieb ist. Ganz von alleine. Und danach fangen wir wieder von vorne an…

    14. salvo schrieb am 2. Juli 2010 um 12:53 - Permalink

      tja, wie hat es Bill Mitchell neulich in seinem Blog auf den Punkt gebracht?

      Ignorance leads to bad policy

      http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=10465

      einerseits, was den deutschen Anteil besonders anbelangt, spielen m.E. noch jene stark ausgeprägten und leider immer noch weit verbreiteten psychopathischen Strukturen eine Rolle, die schon zu anderen historischen Katastrophen geführt haben – und ein rechtsextremes Europa unter deutscher Führung dürfte die größte Katastrophe werden, die die Menschheit jeweils erlebt hat

    15. Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 12:56 - Permalink

      @ SF

      Eines haben die Sub¬pri¬me-Kri¬se 2007/08 und die eu¬ro¬päi¬sche Schul¬den¬kri¬se 2010 ge¬mein¬sam: Die Kre¬dit¬be¬din¬gun¬gen zwin¬gen die Schuld¬ner in die Knie, die Gläu¬bi¬ger sind da¬durch eben¬falls von In¬sol¬venz be¬droht. Im ers¬ten Fall wur¬den die Gläu¬bi¬ger ge¬ret¬tet, im zwei¬ten die Schuldner. Durch das ver¬spä¬te¬te und wenig be¬herz¬te Ein¬grei¬fen der eu¬ro¬päi¬schen Staa¬ten zur Hilfe Grie¬chen¬lands

      Mach was bitte! Weg mit diesen Trennungszeichen. Man kann jetzt den Text nicht in Word kopieren.

      • Spiegelfechter schrieb am 2. Juli 2010 um 13:06 - Permalink

        uih – und ich wunderte mich schon, warum der Text so sauber getrennt ist. FInde ich übrigens gut, war aber eher ein Unfall. Du solltest aber (je nach Word-Version) das Ganze mit “Inhalte einfügen” auch so hinbekommen.

        • Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 13:09 - Permalink

          Hilf mir
          “Inhalte einfügen”, wo, wie, …

      • Caspar Bildner schrieb am 2. Juli 2010 um 15:32 - Permalink

        Dafür die Druckversion des Textes nutzen:
        http://www.dasdossier.de/print/677

        • Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 18:41 - Permalink

          Nein, so was macht man doch nicht … das kann doch nicht dein Ernst sein!

    16. Beate schrieb am 2. Juli 2010 um 12:59 - Permalink

      Danke für diesen faktenreichen und verständlichen Artikel.
      Elwu hat es nicht begriffen, es geht nicht um den deutschen Aussenhandelsbilanzüberschuss, sondern um eine Theorie die uns weiss machen will, dass eine unsichtbare Hand für eine ausgeglichene Handelsbilanz sorgt.
      Entweder die Regierung wechselt ihre Berater aus, oder der Untergang ist unvermeidlich.

      Ökonomen weisen gern darauf hin, dass Rohstoffe höher bepreist werden sollten, um die Ressourcen zu schonen.
      Manche Ökonomen glauben ein höherer Zinssatz, also eine höhere ENtlohnung des Faktors Kapital, hätte die Krise verhindert.

      DAS DIE ARBEITSKRAFT HÖHER ENTLOHNT WERDEN SOLL, DAMIT SICH EINE MENSCHENWÜRDE EINSTELLE, würden Ökonomen weit von sich weisen.

      • elwu schrieb am 2. Juli 2010 um 15:56 - Permalink

        Was ich begreife oder nicht entzieht sich Ihrem Beurteilungsvermögen. Es wäre daher angebracht, Sie spekulierten nicht dergleichen Unsinn daher sondern beschränkten sich auf die Sachdiskussion. Danke.

        • Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 16:27 - Permalink

          Mensch elwu, eine kontroverse Diskussion ist doch ganz in Ordnung, aber deswegen braucht man einen virtuellen Verbalgegner doch nicht gleich zu siezen. :)

        • Beate schrieb am 2. Juli 2010 um 20:46 - Permalink

          Sie haben Antworten.

          Dann können sie mir vielleicht helfen.

          Was passiert jetzt eigentlich, wenn der Euro auf 1,8 USD aufwerten würde?

          Welche Waren werden international in US_Dollar gehandelt?

          Es ist so, dass die Handelsbilanz der Eurozone insgesamt noch ausgeglichen ist.

          Wie hoch ist ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Arbeitsproduktivität der amerikanischen Volkswirtschaft und der deutschen Volkswirtschaft?

          Kann ihrer Meinung nach ein höherer Wechselkurs des Euro, die Unterschiede in den Arbeitsproduktivitäten zwischen der amerikanischen und europäischen Volkswirtschaft ausgleichen?

          Welche Mechanismen sorgen ihrer Meinung nach dafür, dass die Arbeitsproduktivität sich zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern (Ruhrgebiet, Griechenland, Spanien, Portugal) so unterschiedlich entwickelt?

          Sie wissen, die Löhne in Bayern sind sehr viel höher als in Mecklenburg-Vorpommern.
          Kaufen die Bayern zuwenig Produkte von dort?
          Sollen wir einen Massenumzug von Menschen aus Mecklenburg nach Bayern erzwingen?
          Wie werden sie dort aufgenommen werden?

          Oder müssen die Bayern auf Dauer Transferleistungen für Mecklenburg-Vorpommern erbringen, weil sie so ihren sozialen Frieden , den in Bayern bewahren können?

          Und welche Teile der Bevölkerung bringen diese Transferleistungen auf?

          Warum helfen die Bayern nicht den Mecklenburg-Vorpommern mehr zu produzieren (mehr Output höhere Arbeitsproduktivität)?

          Welche Mechanismen verhindern diese Hilfe?

          Und wer profitiert davon?

          Wie ist es mit den kleineren Einheiten, den Kommunen.

          Warum gibt es reiche Kommunen und arme Kommunen nur Luftlinie 20 km voneinander entfernt?

          Kann mir die Neoklassik oder die Ideologie Hayeks helfen darauf Antworten zu finden?

          Sie sehen, ich habe fragen über fragen.

          Deshalb ist der Artikel gut.

    17. Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 13:07 - Permalink

      Mahlzeit! Wie so oft, müssen wir unseren geschätzten Spiegelfechter korrigieren, wenn es um Wirtschafts- resp. Finanzpolitik geht. Die mittlerweile dreijährige Krise hat wenig mit Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und -ungleichgewichten zu tun, sondern ist primär auf abartige Exzesse der Finanzzocker zurückzuführen.

      Nur durch irrsinnige Hebelwirkungen auf Wetten jenseits alles Faßbaren, und abseits jeder Clearingstelle, konnte so ein undurchsichtiger Dschungel von stetig wachsenden Verbindlichkeiten wuchern, dem heutzutage nicht mehr Herr zu werden ist. Ich verweise auf die zweite Grafik im hier verlinkten Artikel, um die Verhältnisse der Gößenordnungen auch nur annähernd zu veranschaulichen.

      Sparen per se ist nicht schlecht. Meiner Meinung nach war dies die erste sinnvolle Handlung des Merkel’schen Chaostrupps. Allerdings sollten auch hier die Größenordnungen der Ausgaben im Auge behalten werden, um an der richtigen Stelle das Messer anzusetzen. Deutschland verschleuderte bisher ohne zu zögern

      - gute 500 Mrd. EUR um Großbanken ein paar Jahre länger am künstlichen Leben zu halten;
      - gute 150 Mrd. EUR für Griechenland und Konsorten, aka. erneut Großbanken in Schieflage;
      - 30…70 Mrd. EUR für den Krieg gegen Afghanistan;
      - 6 Mrd. EUR an Subventionen für (oft steuerhinterziehende) Immobilienbesitzer/-erwerber;
      - 6 Mrd. EUR zur Ankurbelung der (kaum steuerzahlenden) Autoindustrie;
      - 1 Mrd. EUR für Wahlvolk, das Hotels besitzt.

      Selbst bei nur flüchtiger Betrachtung der Zahlen lassen sich leicht Einsparpotentiale von locker 200 Mrd. EUR, also 400 Mrd. DM, identifizieren. Und daß genau da nicht angesetzt wird, dafür muß das Volk die Regierung einst zur Rechenschaft ziehen. Warum sich der dumme deutsche Michel von ein paar eitlen Figuren schon wieder so auf der Nase herumtanzen läßt, dürften wohl nicht einmal seine Psychologen ergründen. Deshalb, Gürtel enger schnallen, der Schuldentsunami ist im Anrollen.

      • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 13:16 - Permalink

        Das ist Unsinn. Die Krise ist nicht durch die Finanzzocker hervorgerufen sondern durch die Urkraft des Kapitalismus Gewinn zu erwirtschaften. Soetwas wie Gewinn existiert nicht. Gewinn kann man nur über Schulden erzeugen.
        Genau aus diesem Grund ist irgendwann Ebbe: Wenn keine Schulden mehr aufgenommen werden können, dann gibt es auch keine Gewinne mehr. Aber dank der tollen Rezepte der Finanzindustrie konnten Schulden wieder und wieder neu verpackt werden und dadurch sprudelten die Gewinne weiter.
        Dadurch konnte das Spielchen etwas länger aufrechterhalten werden – der Absturz ist daher umso größer. Das ändert aber nichts an der Ursache.

        Und bedenke auch folgendes: Die Menschheit entwickelt sich immer weiter, immer schneller, kann immer mehr immer schneller produzieren. Warum um alles in der Welt, sollten wir deswegen den Gürtel engerschnallen. Gut, da gibt es viele Gründe, vor allem ökologische, aber ganz sicher keine ökonomischen.
        Es kann nicht die ganze Welt über ihre Verhältnisse leben. Wo bitte sind dann die Produkte hergekommen, mit denen wir über unsere Verhältnisse gelebt haben? Sind die vom Himmel gefallen?
        Geld ist nur fiktiv – wichtig ist was die Realwirtschaft leistet. Und die Geldwirtschaft muss ein Spiegel der Realwirtschaft sein – das ist sie nicht. Wenn Sie das wieder ist, dann können wir analysieren.

        • Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 13:23 - Permalink

          Soetwas wie Gewinn existiert nicht. Gewinn kann man nur über Schulden erzeugen.

          Das besprech mal so mit meinem Nachbarn. Der geht meist abends in der Bahnhofsgegend anschaffen, und er kommt regelmäßig mit ‘Gewinn’ zurück. Das eine Mal ist es ein Portemonnaie, das andere Mal ein Handy, das er rasch und gewinnbringend weiterverscherbelt. Ohne jegliche Schulden.

          Und die Geldwirtschaft muss ein Spiegel der Realwirtschaft sein – das ist sie nicht.

          Genau mein Reden.

          • Meinungsherrscher schrieb am 2. Juli 2010 um 13:29 - Permalink

            Derjenige der Gewinn macht ist nicht derselbe wie der, welcher die Schulden macht ;)
            Das ist gesamtwirtschaftlich zu sehen – und wir haben eine globalisierte Wirtschaft. Die Schulden können dabei an einer ganz anderen Stelle entstehen, auch n einem anderen Land …

    18. salvo schrieb am 2. Juli 2010 um 13:18 - Permalink

      btw …. eine grundsätzlichere Kritik :-)

      “Crises of Capitalism”

      • Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 13:28 - Permalink

        Wenn wir schon verlinken:

        Michael Parenti: Does Capitalism work?

      • Psycho schrieb am 2. Juli 2010 um 14:58 - Permalink

        Hatten wir doch oben schon ^^!

    19. micha schrieb am 2. Juli 2010 um 13:32 - Permalink

      ist das eigentlich aus versehen mit dem gekürzten feed? bitte um aufklärung.

    20. Karsten Bier schrieb am 2. Juli 2010 um 14:35 - Permalink

      Zu 17 Schneemann:

      Die mittlerweile dreijährige Krise hat wenig mit Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und -ungleichgewichten zu tun, sondern ist primär auf abartige Exzesse der Finanzzocker zurückzuführen.

      Also ich bin ja jetzt kein Experte, aber die Argumentation “die durch die Ungleichgewichte entstandenen Überschüsse müssen irgendwo hin und führen mangels Alternativen zu den Blasen” hat für mich schon einen gewissen Charme und widerspricht deiner Argumentation doch auch gar nicht wirklich. Du betrachtest das nur auf einer anderen Ebene, so scheint es mir. Daher bezweifle ich auch, dass sowohl SF als auch der Autor des Artikels dieser Aussage von dir

      Nur durch irrsinnige Hebelwirkungen auf Wetten jenseits alles Faßbaren, und abseits jeder Clearingstelle, konnte so ein undurchsichtiger Dschungel von stetig wachsenden Verbindlichkeiten wuchern, dem heutzutage nicht mehr Herr zu werden ist

      widersprechen würden.

      Und auch dieser Aussage

      Sparen per se ist nicht schlecht.

      wird wohl keiner widersprechen. Es kommt halt drauf an, wann, wer, wie und in welchem Ausmaß.

      • Systemfrager schrieb am 2. Juli 2010 um 14:44 - Permalink

        Ich sehe es auch so. Genau so
        Wir haben nicht nur eine Finanzkrise. Die Finanzkrise ist nur das, was man sofort sieht.

    21. Caspar Bildner schrieb am 2. Juli 2010 um 15:20 - Permalink

      Hier noch einige weiterführende Quellenhinweise:
      Brüssel, das neue Rom? Dieser Text vertritt sehr radikal die These, das innerhalb Europas ein wirtschaftliches Gefälle besteht, welches einer europäischen Machtkonzentration dient
      Wege aus der Krise Ein Text des von mir sehr geschätzten Lucas Zeise von der FTD
      Lucas Zeise: Ende der Party Dieses Buch hat diesen Text maßgeblich inspiriert

      Eine weiterführende Quellensammlung findet sich auch unter dem Originaltext:
      http://www.dasdossier.de/magazin/wirtschaft/industrie-handel/pinky-or-brain

    22. Frank schrieb am 2. Juli 2010 um 15:29 - Permalink

      Das ist genau das, was ich auch immer kritisiere. Handel muss für beide Seiten von Vorteil sein. Eine Wirtschaftspolitik “Kauft unsere Waren, aber lasst uns mit Euren in Frieden!”, wie Deutschland sie seit Jahrzehnten betreibt, kann auf die Dauer nicht funktionieren, weil irgendwann der Punkt erreicht ist, dass die Handelspartner so arm werden, dass die eigenen Exporte keine Abnehmer mehr finden. Um das zu erkennen, braucht man kein Ökonom sein. Ich gehe daher davon aus, dass diese Politik Deutschlands nicht zufällig sondern gezielt betrieben wird.

      Zur Krise: Überproduktion wird im Kapitalismus immer passieren. Wenn deren Korrektur aber durch kreditfinanzierte Nachfrage künstlich verzögert wird, muss die Bereinigung umso schmerzhafter ausfallen. Der Supergau ist aber, sobald die Nachfrage durch das letzte Kettenglied des Finanzsystems, dem Staat finanziert wurde, der sich selbst dabei verschuldet hat und die Gewinne sich auf einige wenige konzentrieren, weil – wie wir gerade sehen – nun die soziale Sicherung und die Gesellschaft als solches bedroht ist.

    23. Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 16:19 - Permalink

      …die Argumentation “die durch die Ungleichgewichte entstandenen Überschüsse müssen irgendwo hin und führen mangels Alternativen zu den Blasen” hat für mich schon einen gewissen Charme und widerspricht deiner Argumentation doch auch gar nicht wirklich. Du betrachtest das nur auf einer anderen Ebene…

      Karsten, da hast im großen und ganzen schon recht. Dennoch, die Handelsüberschüsse belaufen sich gegenwärtig auf rund 200 Mrd. Euro pro Jahr, während die Freunde von der Spekulationsabteilung mehr als eine Million Milliarden bilanzieren — ohne jeglichen Gegenwert. Deutschland’s Exportüberschuß befand sich vor wenigen Jahren noch im mittleren zweistelligen Milliardenbereich, daher sehe ich keinen Zusammenhang zwischen zweifellos schiefgeleiteter Wirtschaftspolitik und den noch übleren gigantischen Kapitalströmen, die beispielsweise Griechenland und Spanien in die Bredouille brachten und bringen. Meines Erachtens hat sich die Spekulationsindustrie soweit verselbständigt, daß die Abkopplung von der Realwirtschaft praktisch perfekt ist.

      Auch wenn die gewaltigen Finanzblasen nur virtuell erscheinen, die Zinsen darauf sind von der Realwirtschaft tatsächlich zu erbringen. Zieht die Wirtschaft an, steigen die Zinsen. Steigen die Zinsen, kippen die meisten westlichen Staaten binnen weniger Jahre, da die Zinszahlungen nicht mehr aus den Steuereinnahmen gedeckt werden können. Doch gegenwärtig sind die Zinsen sehr niedrig, weil wir in eine Deflation hinein rauschen. Deflation bedeutet massiv sinkende (Steuer-)Einnahmen für den Staat, bei ziemlich konstantem Schuldendienst. Auch hier greift die Schere früher oder später zu, der Kollaps wartet bereits am Horizont.

      Für mich klingt Caspar’s Artikel ein wenig so, als ob Sparen ein Grundübel unserer Gesellschaft ist. Das ist es jedoch nicht, wie wir alle wissen. ‘Wir’ haben halt nun mal über ‘unsere’ Verhältnisse gelebt, daran beißt kein Maus kein Faden ab. Kriegsabenteuer in Asien, Negerjagd am Horn von Afrika, Schutz hochgerüsteter Halbstaaten vor arabischen Zivilisten, und zwischendurch die Rettung von steuerflüchtigen Großbanken sind zweifellos Finanzabenteuer, die bezahlt werden wollen. Der Sufferähn hat gewählt, nun kommt die zu begleichende Rechnung.

      Hier versucht Caspar, und sonst auch oft unser Jens, gewissermaßen am baufälligen Haus den latenten Durchzug mit Einbau neuer Fensterscharniere zu lindern. Ich hingegen bin der Ansicht, daß bei der morschen Bausubstanz der Zerfall nicht mehr aufzuhalten ist, und wir uns vorerst eher um die baldige Trümmerbeseitigung kümmern sollten. Hier unterscheiden wir uns ein wenig.

      • Caspar Bildner schrieb am 2. Juli 2010 um 18:43 - Permalink

        Dennoch, die Handelsüberschüsse belaufen sich gegenwärtig auf rund 200 Mrd. Euro pro Jahr, während die Freunde von der Spekulationsabteilung mehr als eine Million Milliarden bilanzieren — ohne jeglichen Gegenwert.

        Die “Spekulationsbilanz” ist ja Geld, das hin und her geschoben wird, und gar nicht mit den Exportüberschüssen zu vergleichen. Das angelegte Finanzkapital ist weit geringer als die Bilanz der Umsätze. Dieses müßte man dann vergleichen mit dem Geld, das aus den Exportüberschüssen angelegt wurde. Dieses wird aber jedes Jahr mehr: Die Gesamtsumme ist natürlich schwer zu berechenen, aber man kann davon ausgehen, daß es im Billionenbereich liegt.

        Das größte Problem entsteht, wenn das vorhandene Kapital im Vergleich zum Bruttoinweltsprodukt zu groß wird, so daß es keine sinnvollen Anlagemöglichkeiten findet. Dann wird es sinnlos hin-und hergeschoben, um lukrative Anlageorte zu finden und verursacht riesiege Umsätze.

        Ein großes Problem ist die Privatisierung der Alterversicherung, weil dadurch unnötiges Kapital gesammelt wird. Wenn für 1/4 der Bevölkerung für einen Zeitraum von 25 Jahren Kapital gesammelt wird, mit 25000 € im Jahr pro Kopf, so ergäbe das für Deutschland eine Summe, die niemals in der Volkswirtschaft angelegt werden kann.

        Aber tatsächlich: Der Kapitalismus ist ein morsches Gebäude, und wir haben keine Alternative. Daher ist es schlauer, an dem Gebäude Flickschusterei zu betreiben. Ein alternatives Wirtschaftsmodell, das vor allem auf Bedarf und nicht auf Wachstum setzt, ist dringend nötig. Zweifelhaft aber ist dies, wenn die Ökonomen das bestehende nicht verstehen.

        • Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 19:54 - Permalink

          Das angelegte Finanzkapital ist weit geringer als die Bilanz der Umsätze.

          Caspar, bitte nicht verwechseln: wir haben eine Vertrauenskrise hier, und da sind die Bilanzsummen, die ausstehenden Verbindlichkeiten, der Maßstab. Wären wir durch eine ‘normale’ Rezession durchgeschlittert, hätte der Aufschwung längst Fuß gefaßt. Die gesamte Finanzbranche traut sich gegenseitig nicht mehr über den Weg, und die Banken kommen vom Tropf der Zentralbanken nicht mehr los.

          Den Exportüberschüsse erzielenden Unternehmen geht’s ziemlich gut, trotz Krise. Einerseits können sie am Kapitalmarkt günstig Fremdgeld aufnehmen, andererseits florieren die Geschäfte, da eine Menge Konkurrenz ausgeschaltet ist. Diese Firmen horten ihre Gelder primär in Steueroasen, verschieben nach Belieben ihre Milliarden, doch an die zig Billionen der Spekulanten reichen sie dennoch nicht ran. Meines Erachtens horten diese Großkonzerne die Gelder jedoch weniger, weil sie keine ‘sinnvolle Anlagemöglichkeiten’ finden, sondern weil sie einerseits einfach risikoträge sind – und dazu zählt schon das ‘Risiko’, ein Genehmigungsverfahren für einen Produktionsstandort an der Weser durchzuziehen – , jedoch vor allem weil sie massiv jeglicher Besteuerung ausweichen wollen. Und ihre Macht ausbauen, andere Unternehmen aufkaufen wollen. Ich lese viel und diskutiere hier eher wenig mit, doch vielleicht interessieren Dich einige der nachfolgend (Verzeihung: wahllos) aufgeführten Links über die völlig legale Steuerflucht, bezogen auf USA:
          http://www.forbes.com/2010/04/01/ge-exxon-walmart-business-washington-corporate-taxes.html
          http://climateprogress.org/2010/04/06/exxon-mobil-paid-no-federal-income-tax-in-2009/
          http://www.nytimes.com/2008/08/13/business/13tax.html?_r=1
          http://motherjones.com/mojo/2010/04/exxon-mobil-paid-zero-income-tax-offshore%20shelter-wal-mart-general-electric-forbes
          http://thinkprogress.org/2010/04/06/exxon-tax/

          Dies ist die eine Seite der Medaille, bei der wir wenigstens einen gewissen Gegenwert – Autos, Nivea-Creme, Bohr- oder Waschmaschinen – sehen. Dem gegenüber stehen die Banken, die per Knopfdruck Kapital künstlich schaffen, ohne Aufwand, ohne Gegenwert, und damit einerseits selbst spekulieren, andererseits per Finanzierung von Hebeln die Spekulation des Großkapitals nachhaltig unterstützen. Und vom ersten Moment der Kapitalschaffung an Zins kassieren! Dabei haben sie die Zentralbanken im Rücken, die beste Kontakte zum Großkapital pflegen, bzw. ihm hörig sind.

          Weil dieses Geld so einfach und gewissermaßen beliebig erzeugt werden kann – Stichwort fraktionales Reservesystem – und trotzdem nach einer Rendite schreit, müssen die Spekulanten zunehmend größere Ziele – Staaten – ins Visier nehmen. Griechenland war erst der Anfang, neben dem Euro wird auch das Pfund und der Dollar auf die Abschußliste gelangen. Der Renditehunger der Finanzkraken ist durch keine Realwirtschaft mehr zu stillen, deshalb kommen wir in eine Phase, in der sie sich auf die Vermögenswerte stürzen. Und die von ihnen verursachte Depression bietet den perfekten Anlaß dazu.

          Wir könnten die gesamte Geldbranche komplett eliminieren, ohne daß Industrie und Wirtschaft davon negativ betroffen wären. Die Produktivindustrie hingegen könnte bei entsprechendem Volkswillen durchaus in Volksbesitz übergehen und so produzieren, daß es uns und unseren Handelspartnern von Nutzen ist, mit angemessenen Preisen und zu angemessenen Löhnen. Allerdings erkenne ich weder Wähler- noch Gewähltenwillen in Richtung eines solchen Schritts. Deshalb halte ich mich mittlerweile zurück, die Mitmenschen gegen ihren Willen beglücken zu wollen — irgendwann, wenn der Gürtel nimmer enger geschnürt werden kann, wachen sie vielleicht auch auf.
          :(

          Deine “1/4 der Bevölkerung für einen Zeitraum von 25 Jahren … mit 25000 € im Jahr pro Kopf,” entsprechen, grob überschlagen (15 Mio. * 20.000 Euro) 300 Mrd. Euro, in etwa dem aktuellen Exportüberschuß, pro Jahr. Bei einem BSP von 2400 Mrd. Euro ließe sich diese Summe wahrscheinlich halbwegs sinnvoll anlegen, wenn der Spekulation das Handwerk gelegt werden würde. Von funktionsfähigen Elektromobilen zu einer umweltfreundlichen und dem Bedarf anstatt dem Export angepaßten Energieversorgung und dem Kampf gegen zahlreiche Krankheiten, an denen sich die Pharmaindustrie eine goldene Nase verdient, bieten sich eine Menge Möglichkeiten. Dennoch, das Umlageverfahren scheint auch mir die sinnvollere Alternative zu sein.

          • Caspar Bildner schrieb am 2. Juli 2010 um 22:29 - Permalink

            Zu den Pensionsfonds dieser Lesehinweis.

            In der Rechnung (20 Millionen * 20.000 € * 20 Jahre) kommen m.E, 8 Billionen raus. Natürlich nur, wenn das komlette System auf private Vorsorge umgestellt wird.

            Michael Hartmann verdeutlich die Anlagestrategien in den Fonds.

            Ein Beitrag, der meint, das die Finanzmärkte überflüssig seien.

            Um zu alternativen Wirtschaftsmodellen zu kommen, bedarf es in erster Linie einer anderen Wirtschaftswissenschaft, die glaubwürdig das Funktionieren anderer Modelle erforscht und darstellt.

        • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 20:05 - Permalink

          Caspar,

          Du verstehst das Problem offenbar.

          Vielleicht kannst Du trotzdem noch ein paar Gedanken aus meinem Beitrag #25, 19:50 saugen, den ich so nebenher zusammengebastelt habe.

          Was ja jeweils nur ein kurzer Anriss des BEDEUTENDEN Problems sein kann.

          Aber ich freue mich über Jeden, der nicht auf der Brennsuppe daherschwimmt, wie der Bayer sagt.

          Hoffe mehr von Dir zu hören!

    24. Lemmy Caution schrieb am 2. Juli 2010 um 19:14 - Permalink

      Spanien, Portugal und Griechenland waren und sind aber mit der Stabilität des Euros sehr zufrieden.
      In Spanien stabilisiert sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt bei einem niedrigen Niveau.
      http://tinyurl.com/38yz2dv
      Die werden auch wieder expandieren. Warum wird immer wieder ausgeblendet, dass sich BIP und Löhne in einem Land wie Spanien zwischen ca 1997 und 2008 dramatisch nach oben entwickelte. Das war halt zu schnell. Trotz der niedrigen Reallohnsteigerungen in manchen Bereichen stehen wir in Sachen Verteilung der Einkommen gemessen am Gini-Koeffizient wesentlich günstiger da als die angeblich so sozialistischen Mediteranen. Wir stehen im Wettbewerb mit noch viel brutal-kapitalistischeren Regionen in Asien.
      Hier werden aus meiner Sicht Leute auf systematische Weise für dumm verkauft.

    25. Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 19:50 - Permalink

      @Caspar Bildner,

      schöner Artikel.

      Ein paar Gedanken dazu:

      Implizit behandelst Du zwar ein paar grundsätzliche Aspekte der Geldwirtschaft, explizit sprichst Du sie aber nicht an.
      zB:

      ‘Geld’ ist Anspruch auf künftige Leistung.
      (Alternativdeutungen gibt es, sind operational mE nicht sehr zielführend)

      Dann stellt sich die Frage: Wo soll die Leistung herkommen, wenn es mehr ‘Geld’ gibt als Leistungen, die abgerufen werden können?

      Da das seit längerem der Fall ist, haben sich die virtuellen Ansprüche (Finanzkapital) Zwischenspeicher geschaffen, wo sie sie parken können.
      Eine sind die verschiedenen Bubbles,
      eine andere Rohstoffvorkommen, die man sich zwecks zukünftiger Ausbeutung sichert,
      eine andere Pensionsansprüche und Immobilien, mit der Idee, dass Leute ja irgendwo wohnen müssen/wollen.

      Das sind jeweils Ansprüche auf die Zukunft, DURCHGÄNGIG UNTER DER ANNAHME, DASS DIESE BESSER IST ALS DIE GEGENWART.

      (vgl ‘discounting the future’, das Inverse von ‘Wachstum’)

      Diese Rechnungen gehen öfter NICHT auf, als dass sie aufgehen.
      (wieviel Leute leben in USA mittlerweile in provisiorischen Unterkünften–vulgo: sind obdachlos?)

      Da sich die virtuellen Kapitalien via Zins und anderer Mechanismen deutlich stärker vermehren als die realen, ist über kurz oder lang ein Kollaps dieses Systems unvermeidlich.
      Schumpeter lässt grüssen.
      Was wir aber jetzt vor uns haben, ist was anderes als die Schumpetersche ‘creative destruction’.
      Mir scheint es, dass es sich um einen finalen Kollaps handelt, da das Wachstumsparadigma nicht mehr greift.
      (Trifft auch auf Keynes zu. Keynes ist insofern sehr konventionell, wenn er davon ausgeht, dass man aus jeder Krise herausWACHSEN kann. Keynesianismus =’deficit spending’ ist nichts anderes als ein Kredit auf die Zukunft!)

      Genau an diesem Punkt sind wir, und immer mehr Leute scheinen das zu merken.

      Das Hin- und Hergeschiebe der virtuellen Kapitalien manifestiert sich als ANSPRUCH an die Realität/Zukunft, durch VERTRÄGE.
      Hinter jedem Anspruch steht letztlich ein Vertrag.

      Eine Firma ist zB im Kern ein System von Verträgen.
      Bankrott ist eine Neuaushandlung dieser Verträge.

      Wenn die Zukunft nicht mehr leisten kann, was die Gegenwart fordert, kollabiert das System.

      Und das ist heutzutage universal und global.

      Deshalb wird/muss der Zusammenbruch universal und global sein!

      Q.E.D.

      • Lago schrieb am 2. Juli 2010 um 20:32 - Permalink

        Mir scheint es, dass es sich um einen finalen Kollaps handelt, da das Wachstumsparadigma nicht mehr greift.

        Ein sehr gewagter Satz. Mir erschließt sich nicht, inwiefern sich die aktuellen Krisen substantiell von den vergangenen der letzten paar Jahrhunderte unterscheidet. Das Warten auf den finalen Kollaps scheint allerdings eine zutiefst menschliche Angewohnheit zu sein – kombiniert mit der narzistischen Überzeugung, dass dieser Kollaps zur eigenen Lebenszeit eintreten wird (im christlichen Umfeld nennt sich diese Wappnung gegen die narzistische Kränkung “Adventismus”).

        • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 20:48 - Permalink

          @Lago,

          Deine Skepsis ist zunächst gerechtfertigt.

          Ich habe versucht, ein logisches Argument zu entwickeln.
          Ich bin kein Adventist, und bevor ich Dich als ernsthaften Gesprächspartner anerkenne: es heisst: Narzissmus.
          Les’ Dir nichts an, was Du kaum ansatzweise zu verstehen scheinst, und mülle das in die community.
          OK?
          Wie grün Du hinter den Ohren bist, kann ich erstmal nur an Deiner Schreibweise von Zentralbegriffen ablesen.
          Aber vielleicht bist Du Legastheniker. (Ordentliche Leut’, wenn sie sich dazu bekennen.)

          Also destilliere ich mal einen Deiner Gedanken:

          Unterscheidet sich unsere heutige Situation von historisch vorhergegangenen?

          ABER HALLO!

          Das westliche Paradigma ist sowas von an die Wand gefahren–
          bzgl Ressourcen, Energie, Klima, Finanzsystem, Konflikthandling, Philosophie/Individualismus/Partikularismus– dass mir der Schädel brummt.

          Du bist schlicht uninformiert.
          (Optimisten sind uninformierte Pessimisten.)

          Wenn Du mich mit einem Adventisten/Evangelikalen des Untergangs verwechselst: lerne denken und unterscheiden.

          Sorry für die Breitseite.

      • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 20:34 - Permalink

        Anmerkung:
        Ein gutes Beispiel ist zZ BP.

        Indirekt macht uns Normalbürger BP -als STRUKTUR- zu Komplizen dieser Verantwortungslosigkeit.

        Wie geht das?

        Die Ansprüche and BP sind von 1Mia$ auf 10-40-100Mia$ gewachsen.

        Also effektiv Bankrott.

        Was ist danach passiert:
        US (Obama)-UK haben sich vorsichtig darauf verständigt, dass BP nicht die gesamten Kosten tragen soll.

        Wieso?
        Weil Pension-Funds in US/UK dadurch schmerzhafte Verluste erleiden würden.
        (BP ist ca 40% in UK-Besitz, 40% US. Mit entsprechenden Beteiligungen der Funds an einer AAA-rated Firma).

        Effektiv werden die Schäden sozialisiert.

        Hayward (BP-Chef) ‘erholt’ sich derzeit auf einer Regatta.

        Was geht da vor sich?
        Elite versus Plebs.

        Alle ‘Vorurteile’ gelten: Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste.
        Socialism of the Rich == Predators == two-species theory.
        (Prey-predator).

        Bittere Schlüsse.

        • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 21:02 - Permalink

          “Your comment is awaiting moderation”

          Frage:
          WHO IS THE MODERATOR PRECISELY?

          Google?
          Apple?
          Microsoft?

          Eigentlich redet man, wie einem der Schnabel gewachsen ist, aber Big Brother hat da wohl so seine eigene Meinung.

          Vielleicht ist das nächste ‘Rauchen’?
          Oder ‘Knarre’?

      • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 21:18 - Permalink

        Jens,

        “Your comment is awaiting moderation”

        Frage:
        Was ist das für ein Filter bittschön?
        Was sind die Buzzwords?

        Ich versuche eine zivile Sprache, aber ein ‘big brother’ ist ja nicht in unserem Sinn?

        Oder ist ‘big brother’ auch schon ein Kriterium?

        Schöne neue Welt!

        • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 21:21 - Permalink

          Toll

          ‘Big brother’ ist noch kein verbotener Begriff.

          Danke!

      • Caspar Bildner schrieb am 2. Juli 2010 um 21:19 - Permalink

        Das fatale ist, daß auch die genannten Volkswirtschaftler in dem Artikel noch zu keinem Alternativen Ansatz gekommen sind. Ein Versuch ist das Institute for New Economic Thinking.
        http://ineteconomics.org/

        Sowohl eine alternative reformistische Wirtschaftspolitik, als auch fundamentalere Veränderungen bedürfen einer soliden Volkswirtschaftstheorie als auch eine soziale Bewegung, die in der Bevölkerung den nötigen Druck erzeugen. Ich bin kein Volkswirtschaftler, sondern habe nur Argumente wiedergegeben, die Krugman, Harvey, Zeise haben. Im deutschprachigem Raum bräuchte es einen Zusammenschluß kritischer Ökonomen.

        Tatsächlich ist die Weltwirtschaftskrise nicht überwunden. Die strukturellen Ungleichgewichte in der Wirtschaft existieren fort. Weder wurden die genannte Überakkumulation trotz aller Vermögensvernichtung überwunden, noch ist eine Regulierung der Finanzmärkte absehbar.

        Ein weiterer Einbruch der Weltwirtschaft steht m.E. bis 2012 bevor. Ich glaube nicht, daß dies das Ende des Kapitalimus sein wird, sondern eine Zeit der Stagnation, der politischen Radikalisierung mit gefährlichen Folgen bevorsteht. Nicht auszuschließen ist ein Auseinanderdriften Europas mit vermehrt rechtspopulitischen Regierungen.

        Der Kalte Krieg war im Westen eine Zeit ökonomischen Aufschwungs, auch wegen der relativen Gleichheit in der Verteilung der Gewinne. Dieser Kompromiß ist auch der Angst vor dem Ostblock geschuldet gewesen. Der Komumismus hätte dann für einen stabilen Kapitalismus gesorgt. Vor dem 2.Weltkrieg gab es auch zyklische Krisen im Kapitalimus, nun kommen die begrenzten Ressourcen als verschärfend hinzu.

        Viele Stimmen kritischer Ökonomen finden sich in unserem Schwerpunkt Weltwirtschaftskrise:
        http://www.dasdossier.de/schwerpunkt/weltwirtschaftskrise

        • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 21:31 - Permalink

          @Caspar,

          das ist ja nun recht banal.
          Willst Du G.E.A.B Konkurrenz machen?

          Was willst Du sagen?
          Ist mein Lob in den Wind geschrieben?

    26. Beate schrieb am 2. Juli 2010 um 21:18 - Permalink

      Hat ein Land auf Dauer Handelsbilanzdefizite , die sich daraus ergeben, dass dieses Produkte importiert, die im Inland nicht hergestellt werden, ist die Regierung angehalten sofort diesen Nachteil für das Land durch die Nachahmung des Produktes und des Aufbaus der entsprechenden Produktionskapazitäten im Land zu beenden.
      Für eine solche Politik ist die Bevoratung von Devisen , für den Kauf der notwendigen Rohstoffe , erforderlich.
      Die Produktionskapazitäten im Inland und die Bezahlung der Arbeitskräfte lassen sich durch das Drucken von Zentralbankgeld finanzieren.

      Welche reellen Möglichkeiten hat jetzt Griechenland, die Nachteile abzubauen?

      Die Löhne soweit zu senken bis Produktionskapazitäten aus Deutschland nach Griechenland verlagert werden ist amüsant.

      Viele Ossis glauben immer noch so funktioniert Marktwirtschaft.

      • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 21:41 - Permalink

        @beate#26,

        Du bist ja wirklich rührend!

        • Beate schrieb am 3. Juli 2010 um 06:24 - Permalink

          Anstatt verschwörungstheoretisch zu argumentieren, wie wäre es mit 10 Punkten, die deiner Meinung nach die politische Macht zwischen denen, die Güter und Dienstleistungen herstellen, und denen die Finanzmittel vermitteln um Güter und Dienstleistungen herzustellen, ausgleichen.
          Das Machtungleichgewicht,zugunsten des Finanzsektors, ist durch politische Entscheidungen entstanden.
          Wenn Sinn oder Marx argumentieren, Ökonomie sei eine Naturwissenschaft und die Politik folge immer nur dem naturwissenschaftlich Vorgegebenen, hier einem angeblichen Zwang durch die Profitrate, werden diese Zusammenhänge verschleiert.
          Als Rossevelt die Macht des Finanzkapitals gebrochen hat, haben ihn kein e Naturgesetze aus der Ökonomie daran gehindert.
          Weder ist wegen eines Spitzensteuersatzes von 80% das Kapital ausser Landes geflohen noch ist die Wirtschaft zusammengebrochen.

    27. Schneemann schrieb am 2. Juli 2010 um 23:12 - Permalink

      US (Obama)-UK haben sich vorsichtig darauf verständigt, dass BP nicht die gesamten Kosten tragen soll.

      Wieso?
      Weil Pension-Funds in US/UK dadurch schmerzhafte Verluste erleiden würden.

      Nicht nur deshalb. Denn die Obama-Mannschaft hockt ganz tief mit im BP-Boot drin.

      Caspar: erstklassige Artikel hinter den oben erwähnten Links. Danke!

      • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 23:24 - Permalink

        @Schneemann,

        manchmal weigert sich mein Gehirn, ans Schlechteste zu glauben.

        zB:
        Goldman Sachs hat seine Anteile an BP VOR dem Disaster komplett liquidiert!

        Wie kann das sein?

    28. Linus schrieb am 2. Juli 2010 um 23:23 - Permalink

      @Groo #25:

      Trifft auch auf Keynes zu. Keynes ist insofern sehr konventionell, wenn er davon ausgeht, dass man aus jeder Krise herausWACHSEN kann. Keynesianismus =’deficit spending’ ist nichts anderes als ein Kredit auf die Zukunft

      Sehr schön! Und deshalb kommentiere ich es auch nicht als Unterkommentar, sondern als Kommentar im Main-Thread ;-).
      Keynes ist nichts anderes als Umschuldung, mit dem Kredit auf die Zukunft. Um den bei Fälligkeit zu erfüllen, gibt es Inflation. Inflation ist der Wettlauf zwischen Geld-Vermögensbildung und Geld-Vermögensverfall. Entscheidend ist der Moment der Flucht in Sachwerte, der Moment des Ausschaltens der Produktions-Maschinen, und diesen Moment bestimmt der Gläubiger, nicht der Staat als Geld-Entwerter.
      Der Charme an Keynes ist, daß er uns auch noch in der Krise glauben macht, es gäbe eine Rettung, wo doch der Zug längst abgefahren ist. Im Endeffekt ein Zeitfenster für die Gläubiger, um ihre Felle zu retten. Nur deshalb wird er halbwegs akzeptiert.
      Es gibt zwei Möglichkeiten, Schulden zu bewältigen: Durch Tilgung – was eine Katastrophe ist, da dies notwendiges Geld aus dem Wirtschaftskreislauf abzieht und in massiver Deflation endet -, oder durch Schuldenerlaß/Haircut. Letzterer stellt den Eigentumsbegriff in Frage.

      • Groo schrieb am 2. Juli 2010 um 23:27 - Permalink

        @Linus,

        Du sagst es!
        Es ist zum verzweifeln!

        • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 00:10 - Permalink

          Wieso wir das schreiben?

          Wir bewirken zwar nichts, aber das geht in die Akten.
          Nicht, dass jemand in der Zukunft sagen kann:
          Das hat niemand wissen können.
          Wenn ich was schreibe, dann deshalb:
          Man hat es wissen können.

          Und das ist damit aktenkundig.

          • goldman sachs schrieb am 3. Juli 2010 um 13:23 - Permalink

            @groo

            Und das ist damit aktenkundig.

            Ein Schlüssel zum Verständnis des endenden Zyklus ist Jimmy Carters Rede von 1979, genannt The “Malaise Speech”

            Carter: „We are at a turning point in our history. There are two paths to choose. One is a path I’ve warned about tonight, the path that leads to fragmentation and self-interest. Down that road lies a mistaken idea of freedom, the right to grasp for ourselves some advantage over others. That path would be one of constant conflict between narrow interests ending in chaos and immobility. It is a certain route to failure.”
            http://www2.volstate.edu/geades/FinalDocs/1970s&beyond/malaise.htm

            Die USA befanden sich in den 1970er Jahren in einer tiefgreifenden Systemkrise. Wendepunkte waren div. Ereignisse in 1979 die zu folgenden Ereignissen führten:

            1979 Margareth Thatcher britische Premierministerin
            1981 Ronald Reagan US-Präsident
            1982 Helmut Kohl deutscher Bundeskanzler

            Die zweitletzte Karte des Kapitalismus wurde ausgespielt.

            • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 20:25 - Permalink

              @goldman,

              wir beide sind offenbar alt genug, das zu wissen

      • Emmy schrieb am 3. Juli 2010 um 20:15 - Permalink

        Ein Schuldenerlass bzw. Haircut ist die kurzfristige Maßnahme, die einerseits den Eigentumsbegriff in Frage stellt, andererseits auch die Ursache des Ganzen nicht beseitigt, sondern eher noch verschärft. Schuldenerlass gäbe nur einen Reset des gleichen fehlerhaften Systems und beseitigt es nicht – es beginnt nur eine weitere Umdrehung in der Tretmühle.

        Tilgung wäre nicht nur eine Katastrophe, sondern ist schlicht und einfach illusorisch. Schon allein das Rückfahren der Neuverschuldung und die jährlichen Zinsen brechen der öffentlichen Hand fast das Genick.

        Was wir brauchen ist eine umfassende finanzpolitische Reform: Geldschöpfung (weg mit dem Monopol der privaten Geschäftsbanken), Geldpreis (Alternativen zum derzeitigen Zinseszinssystem), Umverteilung (Mindestlohn, BGE, öffentliche Infrastruktur), das komplette Steuersystem.

        Da all dies zusammenhängt, bringen einzelne Flickenschustereien wenig.

    29. martin schrieb am 3. Juli 2010 um 15:49 - Permalink

      Grundsätzlich finde ich meine Gedanken in diesem Artikel bestätigt. Nur zwei Fragen hätte ich
      - war es wirklich so, dass die Immobilienblase durch gespartes und transferiertes Geld erzeugt wurde? Wurde das Falschgeld – die so genannten toxischen Papiere – nicht tatsächlich durch die amerikanischen Hypothekenbanken geschöpft und dann mittels Verbriefung in den Interbankenmarkt geschoben, der sich folglich in eine globale Geldfäscherwerkstatt verwandelte ?
      - reicht es aus, das Geschehen als Subprime-Krise zu deuten? Waren nicht nahezu alle amerikanischen Immobilien überbewertet? Warum prügelt man so gerne auf die amerikanischen Billigheimer ein? Ich fürchte, die waren die Letzten, die begriffen haben, was sie da unterschrieben.

      • Caspar Bildner schrieb am 3. Juli 2010 um 20:23 - Permalink

        In Zahlen: Der deutsche Handelsüberschuß von 2000 bis 2009 beträgt ca. 1,4 Billionen Euro (ohne Inflation, Anlagegewinne und -verluste). Dieses Geld fließt in Schulden zurück an die Handelpartner mit negativer Handelsbilanz, u.a. USA und Griechenland. In dem gleichen Zeitraum sanken in Deutschland die Reallöhne (ergo inflationsbereinigt) um ca. 1 Prozent, bei steigender Produktivität und Bruttoinlandsprodukt. Hätten sich die Löhne an der steigenden Produktivität orientiert, wäre zwar der Export auch gestiegen, aber auch der Import.

        Die Summe des Handelsübeschusses ist natürlich nicht völlig mit der Lohnzurückhaltung identisch. Die Summe der Lohnzurüchhaltung ist größer, von dem ein Teil in Investitionen fließt, die neben der Lohnzurückhaltung die Produktivität weiter erhöhen. Somit wirkt der Effekt kurzfristig mildernd, aber langfristig verstärkend.

        Schätz man die Summe des nicht rentabel investierbaren Kapitals auf 20 Billionen weltweit (von dem nun die Hälfte durch die Finanzkrise vernichtet wurde, wahrscheinlich die Summer eher höher) bei einem Welt-BIP von 55 Billionen, so ist der deutsche Anteil durchaus relevant.

        (Falls jemand eine Quelle des gesamten angelegten Kapitals hat, ich finde die gerade nicht, bitte ergänzen.)

        Natürlich ist die Immobilienblase nicht nur durch deutsche Geld erzeugt wurden, es hat aber einen Anteil. Wir groß der genau zu beziffern wäre, kann ich nicht sagen. Die Rechnung hier ist nicht sauber. Es ist aber ein Mär, daß die deutsche Wirtschaftspolitik nichts damit zu tun hat. Wäre der Steuerzahler nicht eingesprungen, auch die Deutsche Bank wäre pleite (vgl. AIG).

        Wenn man’s genauer wissen will, frage man Leute, die das studieren oder studiert haben.

        Quellen:
        Stat. Bundesamt
        http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Aussenhandel/Gesamtentwicklung/Tabellen/Content100/GesamtentwicklungAussenhandel,property=file.pdf
        BZfpB
        http://www.bpb.de/wissen/I6PFEV,0,WeltBruttoinlandsprodukt.html
        http://www.bpb.de/wissen/4OHFAY,0,0,Au%DFenhandel.html
        Böckler-Stiftung
        http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2008_14_1.pdf
        UNCTAD Handbook of statistics 2008
        http://www.unctad.org/templates/webflyer.asp?docid=10193&intItemID=2068&lang=1

        • elwu schrieb am 4. Juli 2010 um 00:40 - Permalink

          Wäre der Steuerzahler nicht eingesprungen, auch die Deutsche Bank wäre pleite

          Angenommen, das wäre so: ja und? Was wäre dann? Genau: das weiß niemand. Es ist nur eine diffuse Angst vor so einem Großbankcrash. Es sind Ängste, da könnte ein die Welt verschlingendes Monster lauern.

          Und wenn nicht?

          TINA ist schon lange keine überzeugendes Argument mehr.

    30. Systemfrager schrieb am 3. Juli 2010 um 17:06 - Permalink

      @ SF
      Ich fand die Strukturierung zuerst ganz interessant, aber ich glaube ….
      um zB jetzt noch eine neue Nachricht zu suchen, sollte ich alles von vorne lesen ????????????

      Was sagt die MEHRHEIT ??????

      • titus schrieb am 3. Juli 2010 um 18:47 - Permalink

        du sagst es…
        ein schmarrn, mit diesen verschachtelungen

      • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 20:32 - Permalink

        @Systemfrager,
        guckst Du rechts in der Startseite bei ‘letzte Kommentare’.

        Das war Jens’ens Rat dazu.

        Begeistert bin ich auch nicht, aber in der Not..

    31. Jason schrieb am 3. Juli 2010 um 18:16 - Permalink

      Das Geld wird zwischenzeitlich nicht mehr bei den Arbeitnehmern (mit)verdient, wie über lange Zeit der sozialen Marktwirtschaft, sondern fast nur noch in der sogenannten “Finanzindustrie”.
      Der Staat kann sich nicht dadurch finanzieren, daß er denen, die nichts haben, noch mehr wegnimmt. Und Schulden können nur dadurch abgebaut werden, daß auch Guthaben vernichtet werden.
      Einfachste Bilanztechnik:
      Einer exorbinanten Staatsverschuldung stehen exorbinante Geldakkumulationen gegenüber. Riesige Zinsschulden stehen riesigen Zinsforderungen gegenüber die sich im Laufe der Jahrzehnte exponentiell aufgebaut haben. Die Volkswirtschaften sind immer weniger in der Lage selbst die Zinsforderungen zu erfüllen.
      Es muss also beides vernichtet werden. Schulden UND Guthaben
      Die Frage ist nur wie???
      Die schlechteste Lösung: Kriege (Europäische Königshäuser ab 1914, Hitler ab 1939)
      Die schlechte Lösung: Abschreibung mit dem Zusammenbruch von Banken und entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft (Argentinien etc.)
      Die relativ beste Lösung, mit Rückblick auf die Geschichte:
      Sehr hohe Besteuerung von Vermögen und aus diesen Besteuerungen Direktinvestionen des Staates. (Roosevelt ab 1935 mit dem “New Deal” in den USA)

      • Caspar Bildner schrieb am 3. Juli 2010 um 20:41 - Permalink

        Dem kann ich nur zustimmen.
        1. Die Finanzmärkte müssen reguliert werden. (Transaktionssteuer, Kontrolle und Verbot einiger “Finanzprodukte”.)
        2. Die Vermögen so weit besteuert, daß damit eine antizyklische, staatliche Investitionspolitik gemacht werden kann und überflüssiges Kapital desn Märkten entzogen.
        3. Die Löhne müssen der Entwicklung der Produktivität angepasst werden, damit nicht neue Überakkumulation entsteht. Dies ist am Wichtigsten.
        4. Ein internationales Steuerungsinstrument für Handelsbeziehungen und Währungskontrolle muß geschaffen werden.

        Dies ist m.E. klassischer Keynsianismus.

        Probleme:
        1. Die Regierungen sind unfähig zu solchen Schritten, weil sie
        a) generell weder zu Steuerungspolitik noch zu int. Abkommen in der Lage sind
        b) die Lobby der Gegeninteressen zu stark sind
        c) die dafür notwendige ökonomische Schule zu einflußlos ist, insb. in Dtsl. (für den BDI ist das wahrscheinlich nackter Kommunismus)
        d) keine politische oder soziale Bewegung exisitiert, die Druck ausübt.
        2. Dies ist ein wachstumsorientiertes Modell, daß
        a) entgegen den Ressourceproblemen steht
        b) keine Antwort auf die sozialen Ungleichgewichte weltweit gibt, da es nur die reichen Staaten betrifft.

        • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 21:12 - Permalink

          @Caspar Bildner

          Dies ist m.E. klassischer Keynsianismus.

          Darum geht es nur am Rande.

          Keynesianimus hat sich mE überlebt.
          –No more deficit spending by borrowing from the future–

          Ich dachte, Du hättest das verstanden.

      • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 20:46 - Permalink

        @Jason,
        Du hast es kapiert.
        But:
        Will not happen.

        The Neben-Road to serfdom.

        …

        The Road to Serfdom is a book written by the Austrian-born economist and philosopher Friedrich von Hayek between 1940–1943, in which he “warned of the danger of tyranny that inevitably results from government control of economic decision-making through central planning,”[1] and in which he argues that the abandonment of individualism, liberalism, and freedom inevitably leads to socialist or fascist oppression and tyranny and the serfdom of the individual. Significantly, Hayek challenged the general view among British academics that fascism was a capitalist reaction against socialism, instead arguing that fascism and socialism had common roots in central economic planning and the power of the state over the individual.

        ….
        http://en.wikipedia.org/wiki/The_Road_to_Serfdom

        Das nur, um den Quatsch, mit dem die Austrianer uns überzogen haben, zu illustrieren.

        Gute Nacht!

        • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 20:49 - Permalink

          Your comment is awaiting moderation.

          mich nervt dieser ‘correctness checker’.
          Da zitiert man was aus wikipedia, und wird dann ‘moderiert’.

          • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 21:28 - Permalink

            das ist nur ein check;

            ‘serfdom’

            Orwell newspeak.

            Wird das -ähem-’moderiert’?

            • Groo schrieb am 3. Juli 2010 um 21:30 - Permalink

              ok,
              nicht.
              was ist das buzzword?
              Ich kapiers nicht.

    32. Linus schrieb am 3. Juli 2010 um 21:36 - Permalink

      @alle:

      Dreht dem SF eine lange Nase und verwendet bitte nicht den Antwort-Button, sondern geht direkt ins Kommentarfeld. Dann erscheint euer Kommentar als Hauptkommentar und damit chronologisch richtig.

      Antworten-Refererenz ist einmal wie gehabt, also z.B.
      @Groo #25: Bla, bla, bla ;-)

      und für Antworten auf nicht nummerierte Unterkommentare: Vor dem Komma die Nummer des letzten Kommentars, nach dem Komma die Nummer des Unterkommentars (Unterkommentare von Hauptkommentar ab einfach durchzählen). Also:

      @Groo #30.2: Mehr bla, bla, bla ;-)

      • Spiegelfechter schrieb am 3. Juli 2010 um 22:15 - Permalink

        Was heißt “lange Nase drehen”? Mir ist das doch egal, wo und wie ihr postet ;-)

      • aquadraht schrieb am 3. Juli 2010 um 22:46 - Permalink

        Linus: wat soll det? Jens hat die neue Kommentarstruktur natürlich nur eingeführt, um uns irrezuleiten, zu schikanieren und in den Wahnsinn zu treiben, damit wir uns aus Verzweiflung in das Loch in B*lefeld stürzen und dort zu Antimaterie werden, mit der SIE ihre unterirdischen Fabriken antreiben (oops das hätte ich wohl nicht verraten dürfen).

        Es gibt natürlich noch die unglaubwürdige Variante, dass das ganze nur ein Versuch ist, die Diskussionen übersichtlicher zu gestalten. Offen gestanden, wenn die Technik es hergibt, fände ich eine Durchnummerierung 22.[1-5].[1-n] ganz toll. Denn dann könnte man Followups direkt an Linus 22.2.1 richten, womit auch ohne Blättern klar wäre, dass der 1.Reply von Linus auf den 2. Reply auf Posting 22 gemeint ist. Super wäre natürlich, wenn man von Threadansicht zu chronologischer Ansicht umschalten könnte. Ich bin in der Materie dieser Blogsoftware nicht genug drin, um beurteilen zu können, ob das möglich ist.

        a^2

        • ... ob's hilft? schrieb am 3. Juli 2010 um 23:34 - Permalink

          @ a^2

          zu chronologischer Ansicht umschalten

          Strg + F und zB. at 22: eingeben.
          Mit Strg + G kannst Du dann zwischen allen Einträgen ab 22 Uhr zirkulieren.

          …Followups direkt an Linus 22.2.1 richten

          Permalink setzen!

          …so kannst Du den unterirdischen Fabriken entkommen, aber dem Wahnsinn entrinnen? …hab ich so meine Zweifel!
          Ansonsten hast Du Recht, alles noch etwas suboptimal.

          • COPOKA schrieb am 4. Juli 2010 um 01:04 - Permalink

            Strg + F und zB. at 22: eingeben.

            Dann schon “3. Juli 2010 at 22″ ;)

            Ansonsten hast Du Recht, alles noch etwas suboptimal.

            Im Gegensatz zu Linus udn Anderen finde ich es besser als chronologisch – da müsste man hin und her hüpfen, um eine Diskussion zu verfolgen.
            Was da möglicherweise noch hilfreich wäre – eine Möglichkeit, alle Beiträge bis zum Titel zuzuklappen, und dann einzeln oder threadweise wieder aufzuklappen.
            Ich glaube, Jens hat schon mal so’n Plugin getestet. Würde u.U. auch Datentransfer etwas reduzieren.

    33. Linus schrieb am 3. Juli 2010 um 22:05 - Permalink

      @Jason #31:

      Sehr hohe Besteuerung von Vermögen und aus diesen Besteuerungen Direktinvestionen des Staates. (Roosevelt ab 1935 mit dem “New Deal” in den USA)

      Die Geschichte mit der Besteuerung großer Vermögen ist zwar schön, aber auch nur ein Pflaster, das nicht auf Dauer hilft. Denn wenn du dem Kapital die Möglichkeit des Profits nimmst, dann bleibt es entweder unter dem Kopfkissen oder geht wo anders hin. Deswegen mußt du so eine Aktion im Handstreich durchführen. Daß der New deal überhaupt und v.a. so lange funktioniert hat, ist erstaunlich und einer Reihe besonderer Umstände geschuldet, u.a. dem Aufstieg der USA zur Weltmacht.

      Ich bin also soweit bei dir, als dies eine erste Notlösung ist, um erstmal aus der Krise zu kommen. Die Frage ist, ob anschließend eine grundsätzlich Lösung des Problems dann überhaupt noch stattfindet, nach dem Motto: Wieso? Das Pflaster tut’s doch. Warum mehr tun?

      Eine zu frühe Lösung würde den Willen zu grundsätzlichen Reformen verpuffen lassen (daher wäre es mir durchaus recht, wenn Angela noch eine Weile bliebe – sehr zynisch, ich weiß).

      Nebenbei kann ein New deal die meisten der anderen kapitalistischen Probleme überhaupt nicht bewältigen, als da wären: Wachstumszwang, Ressourcen-Raubbau, Korruption der Politik etc …

      • aquadraht schrieb am 3. Juli 2010 um 23:03 - Permalink

        Linus: Du hast das mit dem Kapitalismus nicht begriffen (macht nix, dafür muss man auch ein wenig irr sein). Immer, wenn man dem Kapital freien Lauf gibt, zerstört es sich selbst. In England wurde in der frühen Industrialisierung die Bevölkerungsentwicklung in den Städten negativ, mit ihren irrsinnigen Umweltbedingungen frassen sie die Menschen, zum Glück strömten vom Land genug neue ein.

        Erst der massenhafte Widerstand mit zum Teil bürgerkriegsähnlichen Zuständen führte zu Reformen, zu Fabrikinspektionen, zum Verbot der Kinderarbeit. Ohne all dies hätte sich der Kapitalismus schon Ende des 18. Jahrhunderts selbst zerstört. Irgendwie ist der Kapitalismus eine Sado-Maso-Veranstaltung: wenn man ihn stresst, prügelt, bedroht, beleidigt, dann funktioniert er am besten.

        Als die Kapitalisten die Hose bis zum Stehkragen vollgeschissen haben aus Angst vor dem Bolschewismus, haben sie in den Sozialstaat eingewilligt. Das brachte ihnen Jahrzehnte von vielleicht nicht so traumhaften Margen je Dollar/DM/Pfund/Franc eingesetzten Kapitals, aber exzellente Wachstumsraten und eine ungeahnte Popularität des kapitalistischen Wachstumsmodells.

        Kaum hatte diese in alle Welt ausstrahlende Popularität ihnen den Sieg im Kalten Krieg beschert, demontierten die Kapitalisten die Grundlage ihres Erfolgs. Wie ich schon sagte, es sind sadomasochistische Irre, denen man mit Verstandeskriterien nicht gerecht wird. In weniger als drei Jahrzehnten haben sie planvoll Bedingungen geschaffen, dass man ihnen wieder den Arsch versohlt, wie sie es brauchen.

        Ob danach die Wirtschaft wieder gut funktioniert – ich weiss es nicht. Soll man das Wohl von über 6 Milliarden Menschen wirklich der Pathologie einer Elite geisteskranker Sadomasochisten überlassen? Hu Jintao prägte den bemerkenswerten Satz, dass die Märkte sich nie von selbst regulieren. Wenigstens im Land der Mitte herrscht die Vernunft über die Perversion. Das macht Hoffnung.

        a^2

        P.S.: Rationalität ist nach Verfassungsschutzkriterien ein Kennzeichen kommunistischer und umstürzlerischer Auffassungen. Unsere Stasi ist schon putzig. Aber ganz Unrecht hat sie nicht.

        • Systemfrager schrieb am 4. Juli 2010 um 08:13 - Permalink

          @ Linus, Aquadraht, Jason

          Ist gut bekannt: Man kann immer Vorwurf machen, dass der andere etwas “nicht begriffen” hat, auch dann noch, wenn man sich eigentlich sehr nehe steht

          Oder habe ich etwas ganz falsch verstanden?

          Natürlich, zwei Menschen können nicht identisch denken, weil schon 1 Mensch es nicht kann und schafft.

          PS
          Es war nuer eine Bemerkung am Rande. Wir können bzw. sollen auch weiter (wild) streiten. Ich bin aber sehr froh, dass schon viele merken, dass der Neoliberalismus eine Idiotie ist, die uns biologisch vernichten wird. Und viele beginnen zu begreifen, wie dieser Mechanismus der Selbstzerstörung funktioniert.

    34. Linus schrieb am 3. Juli 2010 um 23:34 - Permalink

      @SF #32.1
      Jesses! Da muß ich jetzt aber beim Hausherrn Abbitte leisten – es war wirklich etwas polarisierend formuliert. Ich geh auch gleich den Hof fegen.

      Aber was soll man tun bei deiner Basta-Politik, die ich ja gut verstehen kann. Man organisiert sich selbst, eine Graßwurzelbewegung eben für lineare Kommentare. Naja, reden wir in einem Monat wieder drüber, ich geh jetzt den Hof fegen.

    35. Caspar Bildner schrieb am 4. Juli 2010 um 00:23 - Permalink

      Zum Abschluß noch einen sehr schönes Video, welches einen Vortrag von David Harvey illustriert:
      http://comment.rsablogs.org.uk/2010/06/28/rsa-animate-crisis-capitalism/

    36. Jason schrieb am 4. Juli 2010 um 02:25 - Permalink

      @33 Linus

      Richtig, es ist nur ein Pflaster, aber gibt es ein System das den Zins wirklich elemeniert.
      In der Geschichte kann ich eigentlich nur immer Pflaster entdecken.
      Schon im A.T. wird das Pflaster mit den Sabbat- und Jubeljahren angewendet mit stabilen Zeitabständen.
      Die Städte des Mittelalters waren mit den “Braketaten” nur zeitlich flexibler.
      Der größte Fehler derzeit ist in meinen Augen, daß man die Geldschöpfung den Geschäftsbanken überlässt, mit der mehr als faulen Begründung aus dem Bankenlager, daß sonst nur Inflation entstünde.
      Es ist doch paradox, daß die Gesellschaft sich für ein einfaches Tauschmittel in einen Teufelskreis begibt, und etwas anders sind Staatsanleihen nämlich nicht.
      Kapital, mit zwei Buchungen aus dem NICHTS geschaffen, gebären dabei das Hurenkind Zins. Das Kapital ist rückzahlbar, der Zins NICHT, denn dazu wurde nie Kapital geschaffen, der Zins lässt sich immer nur mit einem neuen Kredit begleichen.
      Der Zins mag ja noch angebracht sein, wenn jemand ( oder auch eine private Institiution) jemand anderem Kapital zur Verfügung stellt.
      Aber Zins für eine Grundfunktion des einfacheren Handels ist nichts als Diebstahl an der Gesellschaft.
      Zumindest das normal umlaufende Geld sollte ohne Zinsbelastung sein.

    37. Linus schrieb am 4. Juli 2010 um 08:49 - Permalink

      @a^2 #33.1: Da hast du mich, glaube ich, mißverstanden. Ich will nicht den Kapitalismus reformieren. Ich meine eine Reform, die den Kapitalismus überwindet. Dazu fehlt jedoch noch der Wille.

      @systemfrager #33.2:

      Ist gut bekannt: Man kann immer Vorwurf machen, dass der andere etwas “nicht begriffen” hat, auch dann noch, wenn man sich eigentlich sehr nehe steht
      Oder habe ich etwas ganz falsch verstanden?

      Nein, du hast es auf den Punkt gebracht. Danke schön :-).

      • aquadraht schrieb am 4. Juli 2010 um 09:50 - Permalink

        Linus:

        Da hast du mich, glaube ich, mißverstanden. Ich will nicht den Kapitalismus reformieren. Ich meine eine Reform, die den Kapitalismus überwindet. Dazu fehlt jedoch noch der Wille.

        Ja. Da habe ich Dich wohl missverstanden. So eine Reform oder Kette von Reformen wäre in der Tat das, was notwendig wäre. Und Du hast auch weitgehend Recht, dass dazu der Wille fehlt.

        Obwohl, wenn ich es genau betrachte, der Wille eigentlich da ist. Selbst die dümmsten Meinungsumfragen zeigen, dass die Menschen nicht am Kapitalismus kleben. Es ist eher die Unsicherheit, wie man der Katze die Schelle umbindet und wer das machen soll.

        Eine Reform, wie Du sie formuliert hast, wäre eine Revolution (das Chinesische kennt für Reform und Revolution nur ein Wort: 革命 gēmíng). Wenn man betrachtet, wieviel Hass und Häme über der harmlosen Reformpartei die Linke ausgeschüttet wird, kann man sich vorstellen, wie schwer es wird, irgendetwas durchzusetzen, das die Interessen der herrschenden Eliten angreift.

        Ich möchte da aber dennoch auf meinen Ursprungsbeitrag zurückkommen. Diese einflussreichen Eliten sind eben keine weltbeherrschenden Bilderberger, Illuminaten oder sonst mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Strippenzieher. Sie sind vielmehr ängstlich, gierig, beschränkt und natürlich gewalttätig. Und sie haben eine eindrucksvolle Tendenz, sich selbst in den Arsch zu treten. Mit minimalen Profitverlusten hätten sie die Zeit nach dem Sieg über den Kommunismus mit ein paar grosszügigen Gesten und Geschenken und etwas Zurückhaltung und Bescheidenheit in einen – wenigstens zeitweiligen – totalen Triumph verwandeln können.

        Stattdessen haben sie in gnadenloser Gier erstmal abgeräumt wie Proleten, die ihr Leben nix zu fressen hatten und zum ersten Mal vor einem Buffet stehen. Sie haben es versaut in einer Weise, die einen zweifeln lässt, was für Menschen das sind, die Macht über uns ausüben: kein Stil, kein Anstand, Westerwelle und die Hoteliers global.

        Trotzdem funktionieren einige der Macht- und Verblödungsmittel noch ganz gut, leider.
        Da ist der Nationalismus und Wohlstandschauvinismus. Es schmerzt mich immer, wenn ich Joachim Jahnkes Blog lese und neben sehr klugen und mit viel Arbeit zusammengestellten Analysen über die wirtschafts- und sozialpolitischen Schieflagen gnadenlos wohlstandschauvinistische und nationalistische Beiträge lese, in denen unter anderem China als neues Reich des Bösen ausgemacht wird, gejammert wird, dass “wir” für Griechenland zahlen, der “Rentnerberg” uns bedroht und dergleichen. Es gibt einfach viel Scheisse in den Köpfen, nicht nur bei denen, die völlig bescheuert sind.

        Ich gebe Systemfrager Recht, dass wir uns – aber in allem Respekt und ohne Schlammschlacht, wie das leider bei Jahnke ausartete – die unterschiedlichen Auffassungen entgegensetzen müssen. Dabei sollte man einerseits nicht Differenzen kleinreden, aber sich auch nicht in Grabenkämpfen über die richtige Theorie erschöpfen. Mir ist es erst einmal egal, ob die Katze schwarz oder weiss ist, solange sie die Mäuse fängt. Aber man darf ihr auch nicht absprechen, dass sie weiss oder schwarz ist.

        Gruss, a^2

      • COPOKA schrieb am 5. Juli 2010 um 02:11 - Permalink

        Ich meine eine Reform, die den Kapitalismus überwindet. Dazu fehlt jedoch noch der Wille.

        Dazu fehlt vor allem die Idee, was und wie reformiert werden soll, und glaubwürdige Reformer, die von der Mehrheit auch anerkannt werden.
        Ich bezweifle im Übrigen, dass nennenswerter Teil der Bevölkerung überhaupt die Notwendigkeit einer konzeptuellen Reform sieht – es werden aus eigener Ohnmacht her lediglich TINA-”Reformen” hingenommen, weil sie eben im Grunde nichts verändern und nur den Staus quo flicken oder das zu tun versprechen.
        Ja, viele sind mit der jüngsten Entwicklung unzufrieden und verunsichert, möchten aber nur solche “Reformen”, die persönlich wahrgenommene “Ungerechtigkeiten” eliminieren, damit alles wieder “wie früher” wird.
        Wirkliche Veränderungen werden in der Gesellschaft nicht herbeigewünscht und zielstrebig bewirkt, sie kommen von sich heraus und gebären neue Helden, Führer, Gewinner und … noch mehr Unzufriedene.

    38. Mir schrieb am 4. Juli 2010 um 09:31 - Permalink

      Eigentlich ein guter Artikel, aber mMn. blendest du eine der Hauptursachen aus.

      Berücksichtigt man den Freihandel, ist die deutsche Politik deutlich leichter verständlich.
      Wir sind in einen, von der Politik selbst erzeugten Wettbewerb um die niedrigsten Steuern und Löhne und damit in einen Abbau staatlicher Leistungsfähigkeit und allgemeinen Wohlstandes zugunsten eines erhaltes der Wettbewerbsfähigkeit eingetreten.

      Im Rahmen dieses selbstauferlegten Zwanges ist die deutsche Politik “besser” als die der anderen europäischen Staaten.
      Denn exakt das, was du ihr ankreidest, nämlich das Kaputtkonkurrieren anderer Staaten, ist die einzige Politik, welche unter diesen Bedingungen Vernünftig ist.
      Wenn man sich die anderen westeuropäischen Staaten anschaut, so haben sie sich massiv Deindustrialisiert und diese Industrie ist NICHT nach Deutschland abgewandert, sondern nach Osteuropa und Asien, oder Verschwunden durch zurückgehende Nachfrage.

      Durch mehr staatliche und staatlich induzierte Bürokratie, höhere Lebenhaltungskosten etc. sind bei uns die Produktionskosten höher als in weniger wntwickelten Ländern, um bei dieser race to the bottom nicht als einer der Ersten durchs Ziel zu gehen, MÜSSEN unter diesen desaströsen Rahmenbedingungen die Steuern und Löhne sinken, damit Deutschland nicht den gleichen Weg, wie z.B. die USA und GB geht – und zu einer am Tropf der, auf dem Papier, noch weniger entwickelten Länder hängenden pseudo Wirtschaft wird.

      Wenn man also etwas ändern will, muss man bei bei den Rahmenbedingungen ansetzen, nicht an Details rumpfuschen um den Blödsinn noch ein paar Jahre länger zu erhalten.
      Ein Binnenmarkt wie in der EWG, braucht eine enheitliche Besteuerung und einheitliche soziale Standarts ( in % natürlich ), ausserdem Zölle um sich von Dumping Politik abzuschirmen. Spätestens der hinzugekommenen Finanzkrise auch einen Reset bei den Staatsschulden.

      Der Schlüssel um zu dieser Ansicht zu gelangen, ist die Manipulation bei Inflations und BIP Berechnung (und damit des ausgewiesenen Wirtschaftswachstums) miteinzubeziehen – tut man das, kommt man zu dem Schluß, dass sich Europa den Großteil der letzten Dekade (und länger) bereits in einer realwirtschaftlichen Rezession befindet, seit Euro Einführung und anderer Späße eben verstärkt. Dass lediglich die Manipulation, aber nicht ihr Ausmaß, bewiesen werden kann, macht es natürlich etwas schwierig, da es die Berechnung des Schadens verunmöglicht.
      Hat man dies erst Verstanden, ergeben viele vorher widersinnig erscheinende Dinge sehr viel mehr Sinn.

      • Systemfrager schrieb am 4. Juli 2010 um 09:40 - Permalink

        Denn exakt das, was du ihr ankreidest, nämlich das Kaputtkonkurrieren anderer Staaten, ist die einzige Politik, welche unter diesen Bedingungen Vernünftig ist. Wenn man sich die anderen westeuropäischen Staaten anschaut, so haben sie sich massiv Deindustrialisiert und diese Industrie ist NICHT nach Deutschland abgewandert, sondern nach Osteuropa und Asien, oder Verschwunden durch zurückgehende Nachfrage.

        Wenn man nett sein will, und Hegel ohne Wutanfälle erwähnet, kann man doch sagen, dass die Deindustrialisierg, die den Westen den Kopf kosten wird, mit der berümten Parabel Herr und Knecht von Hegel excellent zu erklären ist.

        • aquadraht schrieb am 4. Juli 2010 um 09:55 - Permalink

          Ja, excellenter Punkt. Ich habe mich mit Kollegen aus der physikalisch-mathematischen Ecke endlos über die Frage der Dialektik gekloppt (die ist sehr schwer zu formalisieren, daher nicht so beliebt. Der DDR-Mathematiker Klaus hat da aber einiges Nette geleistet). In der Realität findet man dann Dialektik zuhauf.

          a^2

        • Beate schrieb am 4. Juli 2010 um 20:49 - Permalink

          Wie willst du denn die Industrialisierung in Deutschland verhindern.
          Wenn Hauptabnehmerländer wie GB , Frankreich, Spanien , usw. massiv zu sparen beginnen.
          Wir stehen am Beginn einer neuen schweren Rezession.

        • Beate schrieb am 5. Juli 2010 um 00:00 - Permalink

          Woran mache ich De-Industrialisierung fest?
          Wie hoch ist die Wertschöpfung dieses Sektors in den USA?

          An anderer Stelle in diesem Blog wurde darauf hingewiesen, dass immer mehr Menschen im personenbezogenen Dienstleistungsbereich arbeiten werden.

          “Autos, Maschinen, usw. lassen sich immer schneller(effizienter) bauen , Kinder lassen sich nicht schneller erziehen.”

          • Mir schrieb am 5. Juli 2010 um 01:04 - Permalink

            @Beate
            So um die 11,003% Anteil bei der Wertschöpfung, 8,36% Arbeitsplätze, offiziell. Link zu meinem Lieblingsblog – http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/ .

            Zum Dienstleistungsmythos: Es gibt keine (mir bekannte) plausible Erklärung, warum dies so sein sollte.
            Es wäre denkbar in einer Gesellschaft mit breit verteiltem Wohlstand, dort würden dann auch mehr Dienstleistungen in Anspruch genommen.
            Das würde über höhere Löhne und sinkende Arbeitszeit in der Industrie laufen, dort würde dann aber nicht Deindustrialisiert, sondern lediglich Produktivitätssteigerungen in der Industrie in höheren Wohlstand durch Dienstleistungen umgewandelt. Ist aber unter Freihandelsbedingungen ausgeschlossen.
            Gut, dann gibt es natürlich auch noch Finanzjongleure u.Ä. aber dort ist durch zunehmende Computerisierung auch eher ein Rückgang zu erwarten bzw. schon im Gange.
            Dieser Mythos ist übrigens schon älter, keineswegs neu, war u.A schon eines der Agenda Argumente bzw. Ziele der SPD.

            Bei der anderen Sache bin ich mir beim Adressaten nicht sicher, falls ich gemeint bin steht die Antwort auf die Frage, wie ich das verhindern will, mMn. schon dort. Schrittweise Übernahme und Abzahlung der Staatsschulden durch die EZB, einheitliche Steuer und Sozialpolitik, Hohe Zölle an den Grenzen des Binnenmarktes in einigen Fällen. Etweder Rauswurf der nicht EURO Länder aus dem Binnenmarkt, oder auch dort Einführung des Euros. Etwas konkreter gesagt.

      • aquadraht schrieb am 4. Juli 2010 um 10:02 - Permalink

        Mir: Der Irrsinn ist, dass diese Konkurrenz, dieses race to the bottom, auf der Grundlage der gemeinsamen Währung abläuft. Die Konkurrenz ist, wie Du richtig beschreibst, durchaus nachvollziehbar. Das Problem ist aber, dass sie die Grundlage der “Gemeinschaft”, die gemeinsame Währung, unterminiert, da sie Extraprofite des Überschusslandes auf Kosten der Defizitländer in der “Gemeinschaft” garantiert. Das ist ein Heuschober mit eingebautem Streichholz. Freuen wir uns an dem Feuerwerk – nunja.

        a^2

        • Mir schrieb am 4. Juli 2010 um 12:06 - Permalink

          Eine gemeinsame Währung (und Markt) ist auch keine ausreichende, stabile Grundlage.
          Also kann da auch nichts Unterminiert werden, bzw. das Unterminieren ist Vorprogrammiert, da das Konzept schon unterirdisch ist.
          Als wenn man eine Horde Igel in einen Raum voller Luftballons schickt, für das Resultat dann die Igel verantwortlich macht, das Konzept aber für gut befindet.

          Die Wahl ist also die zwischen Rückkehr zum souveränen Nationalstaat und Vertiefung der Gemeinschaft.
          Letzteres wäre mir lieber, ersteres wird wohl passieren.

    39. Linus schrieb am 4. Juli 2010 um 10:29 - Permalink

      @Jason #33:

      der Zins lässt sich immer nur mit einem neuen Kredit begleichen

      Das stimmt so nicht. Zum einen gibt sich der Kreditgeber im Notfall auch mit der eingesetzten Sicherheit zufrieden, akzeptiert also auch Sachwerte. Zum zweiten fehlt, wenn der Kreditgeber die eingenommenen Zinsen sofort wieder in Konsum umsetzt und somit das Geld in den Kreislauf zurückführt, immer nur die letzte Zinsrate. Insofern ist dies nicht wirklich ein Problem.

      Nichtsdestoweniger ist Zins eine gefährliche Erfindung, denn er schafft die Möglichkeit, mit Nichtstun, also ohne Erschaffung von Sachwerten, Geld zu verdienen, welches dann tatsächlich in Sachwerte umgewandelt werden kann. Man läßt sein Geld “arbeiten”. Das ist eine ganz wesentliche Triebfeder, warum Geld angehäuft wird.

      Die Geldanhäufung selbst ist nun tatsächlich ein wesentliches Problem. Denn dabei wird dem realen Wirtschaftskreislauf Geld entzogen. Dieses Geld wird heutzutage überwiegend im Finanzsektor angelegt, wo es weit höhere Renditen erzielt (erzielen soll). Da nun dem realen Wirtschaftkreislauf Geld fehlt, muß dieses durch neue Geldschöpfung, sprich Kredite, ersetzt werden. Die Folge ist eine zunehmende Monetarisierung, also die Beleihung von allem, was nicht niet- und nagelfest ist.
      Dummerweise handelt es sich hierbei letztendlich nicht um Investitions-Kredite, sondern um Konsum-Kredite. Es soll ja das für den Konsum fehlende Geld ersetzt werden. Dabei wird jedoch kein Mehrwert erschaffen, also auch nichts, was anfallende Zinsen decken könnte.

      An wen werden nun diese Kredite vergeben? An die amerikanischen Hausbesitzer, die ihr Haus mit z.T. weit über 100% des Marktwertes beleihen konnten. An den deutschen Staat, der 1 Euro-Jobs subventioniert. Oder auch gar nicht, wie auch in Deutschland, wo seit Jahren die Reallöhne gefallen sind.

      Hier mach ich jetzt erstmal Ende ;-)

    40. ...mal sehen schrieb am 4. Juli 2010 um 11:21 - Permalink

      off topic
      [jump to]@ 34. Linus
      Ich helf Dir mal beim fegen == Graswurzelbewegung + 1 wider Basta-Politik == 革命 [danke a^2]

      [jump to]@ 32.1.usw… Copoka

      Dann schon “3. Juli 2010 at 22″

      ne Kuh für Dich… ich wollte mich nicht als Wanderlehrer betätigen,
      nimm's als Notbehelf…

      da müsste man hin und her hüpfen

      Check mal die jumps
      das hin und her [Alt + Pfeil links/rechts] sollte einer kecken >;-> Elster nicht schwer fallen.
      Sorry! ...a bit tricky, but 'nuf bit fish for now

    41. Jason schrieb am 4. Juli 2010 um 17:24 - Permalink

      @39 Linus

      In nachvollziehbaren Zahlen:
      Kredit = 100, Zinsen = 5, Forderung = 105
      Geld auf dem Markt durch Kredit = 100
      Mögliche Rückzahlung = 100
      Die Zinsforderung bleibt = 5
      Es gibt keine Lösung die Zinsforderung ohne neuen Kredit zu begleichen, ausser die Bank schreibt die Forderung als uneinbringbar ab.
      Was Sie beschreiben sind nur Geldbewegungen, die den Hintergrund verwischen, aber an der grundlegenden Tatsache nichts ändern.

      • Systemfrager schrieb am 4. Juli 2010 um 17:48 - Permalink

        Das ist nicht dein Ernst.

        Das haben wir schon durchdiskutiert – diesen Gesellianischen UNSINN!

        Solche Diskussionen kompromitieren nur eine Webseite.

      • Mir schrieb am 5. Juli 2010 um 01:19 - Permalink

        Nur kurz:
        1. Lediglich der Zinssatz der ZB ist hier relevant – normale Banken essen die Zinsen nicht.
        2. Wenn der Zinssatz unterhalb der Inflation liegt…
        3. Mit diesem Geld finanzierte Werte können für wertvoller als es dem Geldeinsatz entspricht betrachtet und widerum beliehen werden, gut, geht euch in Richtung Inflation, aber nicht das Gleiche.
        4. Die Umlaufgeschwindigkeit kann steigen.
        5. Banken können pleite gehen.
        etc.

    42. Karl Heinrich schrieb am 4. Juli 2010 um 20:48 - Permalink

      Wer die Geduld hat, sich mit Argumenten eines echten führenden Makroökonomen (!= Krugman und die übrigen genannten Heilsverkünder) auseinanderzusetzen: hier ein Anriss. Uhlig argumentiert auf der Basis von Multiplikator-Zeiteffekten, man könne ableiten, dass eine Stimulusrücknahme jetzt unvermeidlich sei, sollten die Zinsen ab Anfang 2012 spätestens wieder anziehen. Hinreichend langer Zeitraum, würde ich sagen. Demnach ist die ökonomische Linie der Bundesregierung so falsch nicht.

    43. Observer_X schrieb am 4. Juli 2010 um 21:33 - Permalink

      Konsum bedeutet doch “Verbrauch”!

      Verbraucht bedeutet weg, nicht mehr verfügbar. Wir können doch nicht alle nur immer weiter sinnlos konsumieren und damit verbrauchen, so wie es uns vorallem die Amis vormachen!
      Alle Ressourcen sind endlich! Produktivität, Kapital (nicht Geld), Arbeitskraft, Rohstoffe usw., Das sollten wir nicht vergessen.

      Unser System läuft doch schon lange nur noch auf Pump, und das ist doch offensichtlich beabsichtigt. Stimulus oder Sparen, keine dieser Optionen wird uns retten sondern nur die wirklich grossen Kapitalhalter stärken. Durch das Schuldenmachen der Staaten wird einfach nur immer mehr in deren Hände transferiert. Wenn wir jetzt anfangen zu sparen geht unsere Wirtschaft in die Knie und wir müssen noch mehr Schulden machen, und so weiter und so fort.

      Meine Frau und ich sind gerade in Florida, zuerst beruflich und nun noch ein paar Tage ferienhalber. Noch nirgendwo ist mir so klar geworden wie hier, dass Konsum Verbrauch bedeutet!

      • Lago schrieb am 5. Juli 2010 um 11:25 - Permalink

        Äh, ja, Konsum bedeutet Verbauch. Und Sparen bedeutet Konsumverzicht. Nur, weder Sparen noch Konsumieren geht nicht. Es sei denn man schafft es, gar nicht erst die Ressourcen zu haben, die man sparen oder konsumieren kann. Das nennt sich dann z.B. Depression.

    44. goldman sachs schrieb am 5. Juli 2010 um 13:17 - Permalink

      @Caspar Bildner

      Die deutsche Wirtschaftspolitik ist zum politischen, sozialen und ökonomischen Brandbeschleuniger geworden.

      Der Hot Spot sind eindeutig die USA. Die USA absorbieren inzwischen bereits 80% der Weltersparnisse. Die USA sind wie ein Drogensüchtiger, der den täglichen Schuss braucht mit steigender Dosierung. Die Verweigerung weiterer Gelder für die Spritze würde den Kollaps auslösen. Wenn man genau hinschaut, werden Finanzierungslücken für die Beschaffung der Spritze schon seit Jahren durch Geldschöpfung der FED aus dem Nichts geschlossen, die dem US-Zentralstaat als private Notenbank dafür Zinsen für das Nichts in Rechnung stellt.

      Deutschland musste als Exportüberschussland die Drogenspritzen der Amerikaner finanzieren, wie der WWII-Verlierer Japan auch und dann vor allem China. Diese Länder durften bzw. konnten (China) ihre Wohlstandsgewinne nicht konsumieren, sondern mussten qua Kapitalexporte in die USA immer wertlosere Papiere generieren. Die damit verbrieften Ansprüche zielen auf ein Nichts.

      Um ihre Ansprüche auf das Nichts zu erhalten, müssen diese Kapitalexporteure noch mehr Kapital in das Bankensystem exportieren, was ihre Ansprüche noch weiter verdünnt. Die Papiere der FED werden zwar als mündelsicher verkauft und wie auch der ganze Rest des TRASHS durch Ratingagenturen hochgeblasen, Es ist komplett TRASH.

      Die weltweite Finanzindustrie wie auch ihre korrupten Zuträger aus der Politik arbeiten seit Jahren fieberhaft daran, diesen TRASH zu verkaufen. Präzise gesprochen heißt TRASH verkaufen nichts anderes als Ausplünderung, Raub. Bei diesen Raubzügen gegen die Bevölkerungen Europas „müssen“ die führenden deutschen Politiker seit vielen Jahren mitmachen, damit Deutschland nicht noch mal bei 1945 landet. Die Politik wurde dabei zu einer Art Geschwür.

      Selbst eine Trash-Bundeskanzlerin wie Merkel sprach 2009 von „Erpressung“:
      “Ich sehe mit Sorge, dass, je stärker einige Akteure auf den internationalen Finanzmärkten werden, und je größer die Not einiger Staaten ist, weil sie in die Verschuldung gehen mussten um die Volkswirtschaften zu retten, eine alte Arroganz sich wieder Weg bahnt und sagt ‘Ihr seid doch von uns abhängig’. Und ich darf Ihnen für mich persönlich sagen, es ist mir ein festes Anliegen, … daß wir als Politik aus dem Erpressungspotential einzelner Akteure herauskommen”.
      http://businesscrime.de/?p=400

      • Systemfrager schrieb am 5. Juli 2010 um 13:39 - Permalink

        Die USA absorbieren inzwischen bereits 80% der Weltersparnisse. Die USA sind wie ein Drogensüchtiger …

        Präziser: Anstatt absorbieren soll hier verprassen stehen
        Aber dass ist das Geheimnis, warum das „System“ noch funktioniert. Sonst würde der Rest der kapitalistischen Welt nicht produzieren können. Die Nachfrage würde feheln.

        Der Hot Spot sind eindeutig die USA.

        Ja, der Retter des Kapitalismus. Sonst hätte dieser noch vor dem Zusammenbruch des Kommunismus kollabiert, und das wäre dann für immer das Ende vom Kapitalismus.

    45. goldman sachs schrieb am 5. Juli 2010 um 14:17 - Permalink

      @Systemfrager

      Präziser: Anstatt absorbieren soll hier verprassen stehen
      Aber dass ist das Geheimnis, warum das „System“ noch funktioniert. Sonst würde der Rest der kapitalistischen Welt nicht produzieren können. Die Nachfrage würde feheln.

      Die effektivste Art des “Absorbieren” war schon immer die Zerstörung der Güter in Kriegen, wobei die Produktion der Güter vom Rest der Welt finanziert wurde gegen bedrucktes Papier. Optimal für Kriegsobjekte sind ölexportierende Länder, weil sie zusätzlich noch beim Öleinkauf Dollars sparen, beim Ölverkauf an ihre Amis aber Dollars aufschlagen. Ob das auch per Krieg gegen Iran funktioniert, wird sich weisen.

      “Das System” kann logisch nicht mehr lange funktionieren, möglicherweise folgende Möglichkeiten:
      A) Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Verstaatlichung der Banken. Streichen der staatlichen Schulden, Geldschöpfung durch die öffentliche Hand, Ankurbeln der Binnenwirtschaft
      B) Aufteilen der Staaten unter der Finanzindustrie, Verschwinden sämtlicher Rechte und demokratischer Gestaltungsmöglichkeiten in Orwellschen Räumen
      C) China gewinnt den Weltfinanzkrieg, Mischung aus a) und B)

    46. Beate schrieb am 5. Juli 2010 um 17:29 - Permalink

      “Das der ermäßigte Mehrwertsteuersatz den Armen helfe ist ein Märchen” läßt uns der Wirtschaftsweise Franz durch seinen Angestellten Heinemann ausrichten.

      http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-07/mehrwertsteuer-steuerreform?page=2

      Ich glaube den Armen würde die sofortige Schließung dieses Institutes, des ZEW’s, noch mehr nützen.

      Die Reichen können sich beliebig viele Ökonomen kaufen , um ihre Interessen vertreten zu lassen.

      Die Zeit hat das Niveau von Spon und Spiegel eingeholt.

      Es gibt nur noch Meinungsmache für die Reichen.

      Eine Erhöhung der Mehrwertsteuern ist eine Subventionierung der Exportindustrie.


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