Der Untergang von Big Oil
geschrieben am 05. Juni 2008 von Spiegelfechter
Die großen privaten Ölmultis aus den USA und Europa verlieren Jahr für Jahr Marktanteile an eine immer stärker und selbstbewusster werdende Konkurrenz aus staatlichen Ölkonzernen.
Bei einem Spotmarktpreis von 130 US$ pro Barrel hat der weltweite Ölmarkt ein jährliches Volumen von über 4.000 Mrd. US$. Mit rund 10% des weltweiten Bruttoinlandproduktes ist er damit der größte Wirtschaftzweig. Noch vor wenigen Jahrzehnten kontrollierten die westlichen Erdölmultis diesen Wirtschaftssektor. Obwohl sich die Ölförderstaaten mit der Zeit emanzipierten, haben die internationalen Multis noch vor zehn Jahren die Spielregeln bestimmt. Sie hatten das Know How, die politische Protektion des Westens und vor allem das Kapital, um Erdölvorkommen zu erschließen. Länder wie Russland, Venezuela oder die Anrainer des Kaspischen Meeres mussten mit ihnen ins Geschäft kommen, um aus dem schwarzen Gold tief in der Erde die begehrten Petrodollar zu machen. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich dies diametral geändert ? westliche Multis werden von Staatsunternehmen aus bestehenden Verträgen gedrängt und in den ?neuen? Erdölländern Südamerikas, Asiens und Afrikas stehen die westlichen Multis einer neuen Konkurrenz aus chinesischen, indischen und russischen Staatsunternehmen gegenüber. Die politischen und ökonomischen Implikationen aus diesem Paradigmenwechsel sind von höchster Priorität, dennoch wirkt der Westen in seinem Handeln eher wie ein Kaninchen vor der Schlange.

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Ich muss nochmal den perfekten Beispiel Iran nennen.
Das Land wird als Feind *lach* des Westens bezeichnet und
die Amerikaner fühlen sich ebenfalls sehr bedroht (tun die irgendwie immer).
Dass der Iran über Jahre, trotz immer schärfere Sanktionen, durchgehend akzeptables Wirtschafswachstum hatte und die Ölquellen von staatlichen Unternehmen kontrolliert werden ist für den Westen überhaupt kein Problem. Man freut sich, dass das Land auf eigene Beine steht und alles allein regeln kann. ;-)
Sehr guter Artikel auf TP ;) Diese Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der erdölfördernden Nationen, gerade in Südamerika begrüsse ich und hoffe nur, dass die Vertreter des BiG Oil in ihrer fast Ohnmachtstellung nicht zu einem heissen Krieg greifen werden.
Der ökonomischen folgt die politische Unabhängigkeit, was sich sehr gut in Südamerika, in Russland und auch in China und Indien verfolgen lässt.
Oder vielleicht doch kein Untergang:
http://www.jungewelt.de/2008/06-20/062.php
v.