Gelegenheit macht Diebe
geschrieben am 03. Juni 2008 von Spiegelfechter
Jahrelang wurde der Datenschutz von der Politik diskreditiert und als Behinderung einer möglichst effektiven Sicherheitspolitik gesehen. ?Datenschutz gleich Täterschutz?, so könnte man leicht überspitzt das Mantra der Sicherheitspolitiker der Großen Koalition beschreiben. Um die geplante Vorratsdatenspeicherung möglichst kostengünstig umzusetzen, machte man die Telekommunikationsunternehmen zu Hilfspolizisten, die die sensiblen Verbindungsdaten in Eigenregie speichern und verwalten. Es ist viel darüber diskutiert worden, welcher Missbrauch dieser Daten durch den Staat entstehen kann und das Bundesverfassungsgericht hat im März bereits eine einstweilige Anordnung erlassen, die besagt, dass Behörden nur in Fällen besonders schwerer Straftaten Zugriff auf die gespeicherten Daten haben. Eine endgültige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht indes noch aus ? alleine der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat eine Sammelklage von 34.000 Beschwerdeführern eingereicht.
Wie die Telekom unfreiwillig unter Beweis stellt, ist allerdings nicht nur der Staat mit einer hemmungslosen Schnüffelwut infiziert, sondern auch die Wächter der Daten selbst. Da werden Verbindungsdaten schon einmal ausgewertet, um Mitarbeiter ausfindig zu machen, die mit kritischen Journalisten telefonieren. Dies ist zweifelsohne ein Skandal. Ein Unternehmen wertet Datenbestände, die höchstsensibler Natur sind und diesem Unternehmen von den Schutzbefohlenen nicht freiwillig, sondern aufgrund fragwürdiger Gesetze zur Speicherung anvertraut wurden, aus eigenem Interesse und gegen gültiges Recht aus. Dabei wurde genau auf diese Daten zurückgegriffen, um die es beim Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung geht.
Gegenüber dem Staat ist der Bürger zumindest pro forma durch die Grundgesetze geschützt, gegenüber Unternehmen, wie der Telekom, Lidl oder HP ist der Bürger und Mitarbeiter zwar auch per Gesetz geschützt, aber selbst im Falle einer erfolgreichen Klage haben diese Unternehmen nicht viel mehr als eine Strafzahlung zu erwarten, die sie aus der Portokasse zahlen können.
Die Hauptprinzipien des Datenschutzes sind Datensparsamkeit und Datenvermeidung, Erforderlichkeit und Zweckbindung. Auf der Ebene der Unternehmen muss Datenkraken daher schon im Ansatz verboten werden, Daten (z.B. durch Überwachungskameras), die nicht eindeutig notwendig sind, zu erheben. In Unternehmen mit funktionierenden Betriebsräten scheitert die Sammelwut auch meist an deren Veto, aber betroffene Unternehmen, wie Lidl oder Burger King, haben in den meisten Fällen keine Betriebsräte und der hilflose Arbeitnehmer und Kunde ist der Sammelwut hilflos ausgeliefert. Hier müsste ein radikaler Umdenkprozess einsetzen, der von besseren Datenschutzgesetzen und einer personellen Aufstockung der Datenschutzämter flankiert wird. Warum sollte es beispielsweise kein Gesetz geben, nach dem jede Maßnahme, die über die übliche Datenspeicherung hinaus geht, durch einen Antrag beim lokalen Datenschutzbeauftragten genehmigt werden muss?
Auf der Ebene der Politik besteht ebenfalls Handlungsbedarf ? neben den nötigen Gesetzen muss der Staat bei der Speicherung sensibler Daten einen Missbrauch dieser Daten minimieren. Dabei kann man sich anscheinend nicht auf die Unternehmen selbst verlassen. Wenn das eigene Interesse an den gespeicherten Daten nur groß genug ist, weiß man dort selbst, wie man etwaige Schutzmechanismen aushebeln kann. Wenn man denn schon auf die Hortung von Daten aus Unternehmensbeständen besteht, so muss man diese wohl von Amts wegen verwalten, da nur so sichergestellt werden kann, dass die Missbrauchsgefahr minimiert wird. Besser wäre es natürlich, diese sensiblen Daten gar nicht erst kollektiv zu erheben. Verbindungsdaten von einem potentiellen Schwerverbrecher zu erheben, der polizeilich überwacht wird und dessen Daten per Richterentscheid den Behörden zur Auswertung überlassen wurden, ist etwas ganz anderes, als wahllos Daten eines normalen Bürgers zu sammeln, die ohne Anfangsverdacht und ohne Legitimation durch eine neutrale juristische Person erhoben werden.
Gelegenheit macht Diebe ? daher darf man Unternehmen gar nicht erst die Gelegenheit geben, gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen. Der Fall Telekom zeigt, wie gefährlich und verfassungsrechtlich bedenklich es ist, Kommunikationsdaten über längere Zeit zu speichern und privaten Unternehmen zu überlassen. Der Datenschutz muss nicht nur ins Grundgesetz aufgenommen werden, wie jüngst Christian Ströbele forderte, sondern er muss auch im Strafgesetz paraphiert werden, so dass Manager, die vorsätzlich gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen, um sich oder ihrem Unternehmen Vorteile zu verschaffen, mit Haftstrafen rechnen müssen.
Wenn sich nun Schäuble und die Telekomspitze zusammensetzen, um bei Kaffee und Kuchen an einem ?Ehrenkodex? zu arbeiten, so ist dies die morderne Version des das lateinische Sprichwortes ?Accipitri columbas credere? (Dem Falken die Tauben anvertrauen). Da könnte man auch den ?Bundesverband Güterlogistik? bitten, sich bei Kaffe und Kuchen mit dem Verkehrsminister über einen Ehrenkodex für LKW-Fahrer Gedanken zu machen, der Verkehrskontrollen ablösen soll. Härtere Gesetze lehnt Schäuble wohlweißlich ab. Wenn die Dämme im privaten Bereich erst einmal gebrochen sind und die Standards für Datenschutz sich nach unten verschoben haben, wird auch er, als staatliche Datenkrake, weniger Widerspruch zu befürchten haben ? so könnte sein Gedankengang sein.
Der Staat ist mit über 30% Aktienbesitz größter Aktionär der Telekom. Im Aufsichtsrat sitzen auch Vertreter des Bundes und der staatseigenen KfW-Bank. Unter deren Augen hat sich der ehemalige Staatsbetrieb zu einem totalitären Konglomerat entwickelt, das seine Mitarbeiter ausspioniert. Hätte der Staat wirklich Interesse an einer Aufklärung der Fälle, so wäre es die schlechteste Taktik mit den Wölfen zu paktieren und der Umwelt zu suggerieren, mit großspurig angekündigten Konzepten für die Zukunft wäre das Problem schon beseitigt. Das ist es keinesfalls, nur haben Innenministerium und Telekom kein Interesse an einer Beseitigung des Problems.
Jens Berger
Bildnachweis: Alle Montagen CC Spiegelfechter


Meine Tageszeitung, die Badische Zeitung hatte heute morgen einen Kommentar, in dem sich ein Redakteur darüber beschwert, dass überall fälschlicherweise angenommen wird das Strafmaß für diesen Skandal nur eine Geldstrafe sei – in Wirklichkeit sollen Haftstrafen das Mindestrafmaß sein. Google hilft mir gerade nicht und ich bin nicht so bewandert im Strafrecht – weiß irgendeiner wie die Rechtslage tatsächlich aussieht?
Auch nicht ganz verstanden habe ich was Schäuble mit einer Art “Verhaltenscodex” meint. Ist es nicht sowieso Pflicht einer jeden juristischen Person Gesetze einzuhalten, auch bei Unkenntniß? Ist Schäubles Reaktion nicht also so wie mit Bürgern über die Einhaltung des Grundgesetzes beliebiger Paragraph zu diskutieren? Also eine völlig sinnlose Nebelkerze?
Na wie ging gleich der Spruch?
“Ich habe es dir gleich gesagt, trifft es wohl nicht ganz…”
Kannst Du dich noch an unseren netten Disput bezüglich des BGH Urteils zur Online-Durchsuchung erinnern?
Kein Gesetz kann uns Helfen, kein Verfassungszusatz, kein weiteres Lippenbekenntnis. Die Welt hat sich verändert. Im Prinzip haben wir es hier mit IT-Gewalttätern und deren Anstiftern zu tun. Nur das hier die bei Gewalttaten sonst üblichen “Spuren” der Verursacher schwerlich zu finden sind.
Der Schlüssel zur Lösung dieses Problems kann einzig mit oder über jene erfolgen, welche die neue Welt tatsächlich regieren (http://www.ciez.de/ciez-default/autor_mk_1.html).
Ich denke das es Zeit wird zu erkennen das die IT tatsächlich eine gänzlich differente Welt (Paralleldimension) darstellt. Unsere Gesellschaft wird sie nicht mit Gesetzen meistern können. Unsere Verwaltung hat in fast schon absoluten Ausmaß den Anschluss verloren. Und selbst wenn sie dies erkennt nutzt es ihr derzeit wenig, weil die meist -sehr guten- Techpriester eben nicht konformistisch sondern eher anarchisch radikal orientiert sind.
Wenn hier kein substanzielles Umdenken erfolgt, war dieses Ereignis nur der erste von noch viel bedeutenderen Paukenschlägen, die das Potenzial haben unsere physikalisch existente Gesellschaft im Mark zu erschüttern.
Gruß
Nun wenn man so liest wer bei der Schnüffeltruppe alles so arbeitet (schnüffelt) kommt sicher so manchen EX- DDR Bürger der Gedanke.. hättest dich damals doch “anwerben” lassen sollen. Die Jobs der EX- Stasi Leute sind über alle Sparten der Republik bis hin zu staatlichen Behörden doch recht gefragt und werden auch sicher gut bezahlt (siehe unser aller Stasi- Akten- Archiv). Dem Staate treu ergeben ohne wenn und aber unabhängig der Gesellschaftsform sucht schon seines Gleichen (Hauptsache Gesund). Nun nicht nur die Telekom nutzte die Gunst der Stunde auch andere Dax notierte Unternehmen haben wie jetzt bekannt wurde “Control Risks Group” Dienste bezahlt. Da sind die Discounter mit ihren Kameras ja nur eine Lachnummer und als Trittbrettfahrer zu titulieren. Lidl ich komme wieder zu euch einkaufen, Telekom ich bin auf der Suche nach einen neuen Provider. Aber das wisst ihr ja schon seid paar Tagen das ihr bald einen Kunden weniger beschnüffeln könnt.
Die Schweizer Justizministerin kennt zumindest die Lösung:
Doch Akten und elektronische Datenträger, so behauptet die Regierung in Bern, könne sie nicht wegschließen. ?Wirklich sicher lagern kann man solche Materialien nur, wenn man sie vernichtet?, betont jedenfalls Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf am Montagnachmittag im Bundesparlament in Bern.
Und wenn nicht die Schweiz etwas von Geheimnisbewahrung versteht, wer dann? ;-)
zu #1 : siehe letzten Satz im Artikel
Ehrenkodex bedeutet vielleicht, dass unter keinen Umständen preisgegeben werden darf
dass unabhängig von der Rechtslage jeder Telekommunikationsserver diverse Schnittstellen
zum Zweck der Überwachung besitzt – ?
dass es eine Sache der Ehre ist, jetzt zähneknirschend ein bischen öffentliche Verachtung
und evtl kleine Geldbusse auf sich zu nehmen ohne die grossen Sauereien an die grosse Glocke zu hängen -?
Insbesondere soll, denke ich, nicht bekannt werden, wer routinemässig diese Schnittstellen nutzt,
wer sie ausserdem unautorisiert nutzen könnte, und vor allem nicht, dass (angeblich) jede ISDN Endstelle remote in den Silent Monitoring Mode geschalten werden kann
kann sich jemand erinnern wie die Sache ins Rollen kam ?
Wie genau technisch vorgegangen wurde ?
kann sich jemand an die BND/Siemens Geschichte von neulich erinnern ?
Wie hiess der traditionelle Hauslieferant der Telekom nochmal ?
das wären die News die Häufles Kaffekränzchen verdecken soll denk ich
@2 Michael Kostic
Zu Deinem Link – nun: Nicht die “IT-Leute” sind die Ursache und das Problem, denn sie sind lediglich die Werkzeuge. Überspitzt gesagt sind auch nicht die Stasi-Mitarbeiter, sondern das sie führende und dahinter stehende System das Problem gewesen.
Zu dem BGH und BVerfG Urteil teile ich allerdings Deine Meinung und habe auch hier schon geschrieben, dass es einfach ignoriert werden und als Leitlinie zur Umschiffung des Sinnes der Gesetze benutzt werden wird.
@Schwitzig:
Ich denke wir sind uns grundsätzlich einig. Aber eine Sache wirst auch Du -wie eben auch wir- akzeptieren müssen…
Deutschland hatte seinen Ideologien “Ich folge dir wohin Du auch gehst” Crash.
Auch wenn die aktuellen Täter keine SA oder SS Uniformen tragen, ist ihr Verhalten doch exakt das gleiche. Glaubt denn hier allen ernstes irgend Jemand, dass einer der aktuellen Entscheidungsträger diese Technologie auch nur ansatzweise nutzen könnte? So ohne die Hilfe von absolut pervers entarteten IT-Verbrechern? Es mag hart klingen, aber die welche das Schwert führen müssen auch bestraft werden. Nicht nur jene die dies angewiesen haben!
Frage dich bitte einmal folgendes:
Worin besteht in diesem Deutschland der Unterschied zwischen einem gepflegten “Two to the Body, one to the Head” und der aktiven Vernichtung der Erwerbsexistenz durch auf z.B. mich angesetzte IT-Spezialisten?
Wie schon oben festgestellt, es wird noch viel schlimmer werden, wenn die welche diese Gefahr erkennen sich nicht formieren um technischen Wiederstand zu leisten. Die Verwaltung ist damit ganz sicher noch die nächsten 20 Jahre gänzlich überfordert.
Gruß
Nr.7.)
“Deutschland hatte seinen Ideologien ?Ich folge dir wohin Du auch gehst? Crash.” hm mann
sollte sich wundern wie lange dieser “Crash” sich schon wiederholt in Deutschland das wohl
tatsächlich nie ein Land für eine Revulotin war geschweige denn sein wird….
“Andere Völker sind oft Sklaven, aber wir, die Deutschen , sind immer Lakaien.” (M.Bakunin
frei nach Börne siehe unten)
“Ich habe es ja immer gesagt, und wie ich glaube, auch drucken lassen: Türken, Spanier,
Juden, sind der Freiheit viel näher als der Deutsche. Sie sind Sklaven, sie werden einmal
ihre Ketten brechen, und dann sind sie frei. Der Deutsche aber ist Bedienter, er könnte frei
sein, aber er will es nicht; man könnte ihm sagen : scher dich zum Teufel und sei ein freier
Mann! – er bliebe und würde sagen : Brod ist die Hauptsache. Und will seine Treue ja einmal wanken , man braucht ihn nur starr anzusehn, und er rührt sich nicht!” (Ludwig Börne 1862 ; Briefe aus Paris)
nicht mal 100 Jahre später hatten wir ja auch nichts, aus 2 Weltkriegen, gelernt und mit
den selben “Mordgesellen” wieder alle Ämter besetzt. Wäre das politische Schauspiel in
diesem Land nicht so traurig und grotesk….ich weiss grade gar nicht wie diesen Satz zu
ende bringen , mir fehlen tatsächlich die Worte..
Nuja vor einigen Tagen hatte ich noch zu meinem Vater gesagt das all die Dinge die innerhalb der letzten 2 oder sogar 3 Jahre auf deutschlands politischer Bühne passiert sind, wenn sie in egal welchem anderen Land dieser Erde passiert wären, mann sicher abgewunken hätte mit der abfälligen Bemerkung das es sich dort ja eh um eine Bananenrepublick handeln würde.
Was mich mit unter schwer ärgert ist die Berichterstattung der LeidMedien in diesem Lande
die die Affäre erst dann und in vollem Umfang für berichtenswert erachten wenn und weil evtl der “Standort” Deutschland gefährdet wäre bzw sei.
Grüße B.
Zum Verhältnis Mensch und Technik – insbesondere auch unter den Bedingungen konkurrierenden Wirtschaftens und hierarchischer Strukturen, also ‘unseren’ – siehe auch unbedingt Günther Anders “Die Antiquiertheit des Menschen”, zu ‘Meinungsbildung’ und ‘gesellschaftlicher Ausrichtung’ auch “Die molussische Katakombe”.
@ spiegelfechter
sehr schöner artikel, hab mich schon gefragt wie lange wir noch drauf warten müssen…
@ kostic
die vorratsdatenspeicherung wird in zukunft mit sicherheit zur kontrolle und abschreckung genutzt werden, trotzdem halte ich deinen sa/ss vergleich für moralisch bedenklich und bestenfalls polemisch. wenn mithilfe der erfassten daten herausgefunden wird, dass eine person frei und kritisch denkt und vielleicht sogar die gefahr besteht er könnte andere mit seinem individualismus “anstecken”, dann halte ich ein einschreiten des staates in naher zukunft nicht für ausgeschlossen. einige parallelen lassen sich also durchaus nicht von der hand weisen, für einen direkten vergleich ist es allerdings noch zu früh.
die absichten sind meines erachtens dieselben – ideologische gleichschaltung zur vorbereitung eines totalitären systems. die praktiken jedoch verschieden, im dritten reich wurden freidenker im industriellen maßstab vernichtet. durch ihren tod könnten diese zu märtyrern werden, was gift für jedes totalitäre system wäre. heutzutage erscheint mir der versuch den geistigen widerstand des kritikers zu brechen (Orwell lässt grüßen) wahscheinlicher.
nun stellt sich die frage nach dem schuldigen bzw. zu beschuldigenden. in deinen augen stehen die “it-verbrecher” den entscheidungsträgern in nichts nach. soweit stimme ich dir zu, allerdings würde eine strafe gegen beide dieser gruppen rein gar nichts bringen – sie wäre nicht einmal gerechtfertigt.
die momentanen missstände lassen sich nicht auf entscheidungen von personen zurückführen, sondern sind folgen einer entarteten gesellschaft. entartet deshalb, weil sie sich viel zu lange und viel zu schnell frei entwickeln konnte. ein staat braucht spätestens alle hundert jahre eine revolution bzw. das einschreiten des volkes, um auch nur ansatzweise moralisch handeln zu können. nun ließe sich einwenden, dass die brd noch recht jung ist, wir sind jedoch der ableger eines viel älteren systems – des westlichen.
die verantwortung liegt demnach einzig und allein bei der gesellschaft, also bei uns!
grüße,
ehle
ps: entschuldigt bitte den ausruck “entartet”. ich weiß das sich dadurch viele leute gegen den kopf gestoßen fühlen, da dieser gerne von den nazis verwendet wurde. trotzdem gibt es einfach kein passenderes wort und es steht jedem frei sich über den zusammenhang gedanken zu machen. desweiteren lasse ich mich nicht von irgendwelchen nazi-arschlöchern meiner sprache berauben. letztendlich erlaube ich es mir darauf hinzuweisen, das dieser begriff ebenfalls in der mathematik und der biologie verwendet wird, also durchaus noch seine daseinsberechtigung hat.
pps: gerüchten zufolge werden vom amerikanischen katastrophenschutz konzentrationslager vorbereitet, sollte sich dies bestätigen sieht die lage natürlich wieder ganz anders aus.
@1 fabiank22
Meines Erachtens trifft da § 202a StGB Ausspähen von Daten zu. Dort wird zwar ?auch? eine Haftstrafe von bis zu 3 Jahren erwähnt, aber da bei den T-Managern mW keine Vorstrafen vorliegen und sie sicher eine positive Sozialprognose iSd Gesetzbuches haben, halte ich eine Haftstrafe für unwahrscheinlich.
Hier nach höheren Strafen zu krähen, erinnert mich ein wenig an Kochs Jugendkriminalitätspopulismus. Warum sollte es ein höheres Maximalstrafmaß geben, wenn die Täter eh nicht nach den geltenden Gesetzen mit dem Maximalstrafmaß bestraft werden? Eine Erhöhung des Mindeststrafmaßes wäre zwar möglich, aber dann würde auch jeder Hacker oder Eifersüchtige, der den eMail-Account seiner vermeintlich untreuen Liebsten ?hackt? ins Gefängnis wandern ? das kann auch nicht die Lösung sein.
Ja freilich, dies ist heiße Luft. Was nützen die besten Mechanismen, wenn es die Wächter sind, die sich an den Daten vergreifen?
@2 Michael Kostic
Jo, da ging es aber um etwas anderes. Es macht einen Unterschied, die Einhaltung von Gesetzen durch Kriminelle oder die Form und Struktur von Gesetzen durch den Gesetzgeber zu diskutieren.
So weit würde ich nicht gehen ? ich denke eher, dass sich unsere Vorstellung von Datensicherheit elementar ändern wird. Auch heute haben sehr wenig Menschen Probleme damit, sich Kärtchen aushändigen zu lassen, mit denen man ein Käuferprofil von ihnen erstellt. Die Dummen haben gewonnen und wir können da wohl nur zuschauen.
Es gab mal eine Zeit in D, da ist ein Politiker über Vergleichbares gestolpert (Barschel, in die Badewanne), und auch der Bespitzelte mußte verzichten (Engholm), da er seine Bespitzelung politisch ausschlachten wollte und instrumentalisierte.
Noch ein bißchen früher ist in den USA über Vergleichbares sogar ein Präsident gestolpert (Nixon mit den Wanzen Watergate).
Und heute? Wie wird heute vergleichbares diskutiert in den Medien? Es ist peinlich, was da abläuft. Hätten die Verantwortlichen noch so etwas wie Ehre, Anstand und Verantwortungsgefühl, müßten sie allesamt ihren Hut nehmen.
Aber das werden sie nicht tun – nicht freiwillig zumindest.
Ein weiteres Zeichen dafür, wie runtergekommen die wirtschaftlichen und politischen “Eliten” in diesem Land tatsächlich sind.
In der derzeitigen Situation ist das Wissens und Machtgefuege zwischen denjenigen, die Daten einsehen und denjenigen, von denen sie kommen viel zu gross.
Wenn der Staat schon meint, nicht auf all die Daten verzichten zu kønnen, dann møchte ich als Buerger zumindest einen Rechtsanspruch darauf, zu erfahren, wer (persønlich, nicht als Behørde), wann zu welchem Zweck in die Daten eingesehen hat.
Dazu muessen die Daten natuerlich aus dem Einflussbereich der Telekomunikationsfirmen raus und in den des Staates rein, der dann auch noch gleich seine Ausrichtung gegenueber seinen Buergern ændern duerfte.
Tut es dies, und beschrænkt den Zugriff auf klar definierte, schwere Vergehen, wære ich bereit, ihm meine Daten zu lassen.
Naja, die Norweger hier haben meine Daten ja schon, alle huebsch gesammelt in einer Zentraldatei unter meiner Personnummer.
Da da aber niemand unkontrolliert ran darf, will sich ein “Big-Brother” Gefuehl nicht so recht einstelen (dafuer gibt es lauter kleine “Small Brothers”, jedes Jahr, wenn die aktualisierten Einkommen und Vermøgen aus den Steuererklærungen aller Bewohner online gestellt werden, huebsch mit Suchmaske bei den Boulevardzeitungen, wenn man immer schon mal wissen wollte, was Nachbar, Cheff, Freundin oder Ministerpræsident so verdient/ angespaart haben).
P.s.: der “Wir beobachten Dich…” Einschub meint: “Wohnort: EUROPEAN UNION”
Weisst Du mehr als ich?
@ehle:
“…, trotzdem halte ich deinen sa/ss vergleich für moralisch bedenklich und bestenfalls polemisch….”
Nein, denn ich bin ein Nachfahre und sehe hier ganz klar das gleiche “Gefolgsmanndenken” was den Horror überhaupt erst ermöglichte. In einer freiheitlich rechtsstaatlichen Republik wie der Unseren, mit diesen unveräußerlichen Bürgerrechten, die wir noch unser Eigen nennen, gibt es für diese Sorte Mensch auch nur diesen Vergleich! Vor 70 Jahren haben solche Leute braune Hemden getragen und jeden verprügelt und/oder getötet, auf den ihre Vorgesetzten gezeigt haben. Heute machen sie im Prinzip dasselbe, nur das sie aktuell noch Schiss haben, sich an den Opfern der Überwachung selbst die Finger dreckig zu machen!
@Bakunin:
Wie wäre es denn zur Abwechslung einmal mit Evolution ;-)
@Spiegelfechter:
“…Es macht einen Unterschied, die Einhaltung von Gesetzen durch Kriminelle oder die Form und Struktur von Gesetzen durch den Gesetzgeber zu diskutieren….”
Hy Propaganda wird doch wohl noch erlaubt sein ;-)
Aber mal im Ernst. Selbst redend bist Du wieder sachlich korrekter, aber bedenke auch das gerade im IT-Bereich die Grenzen fließend sind. Das macht die Sache ja so komplex!
“…So weit würde ich nicht gehen ? ich denke eher, dass sich unsere Vorstellung von Datensicherheit elementar ändern wird….”
Das liegt nun aber wirklich daran das Du nicht IT bist! Was hier geschieht ist nicht einmal mehr nur die Spitze eines Eisberges, es ist nur die Erahnung von diesem.
Wenn es uns hier nicht gelingt ein selbstbestimmtes Gegengewicht zu etablieren, dann sieht es sehr finster auch für die letzten Enklave der “Gegenöffentlichkeit” aus, wie diese hier. Wem gehört dein Provider? Wem ist er verpflichtet? Dem Gesetz oder dem der genug Macht aufbringt dich aus dem Netz fegen zu lassen? Wer schützt dich und diese Öffentlichkeit vor solchermaßen Willkür? Etwa der Staat? Verfolge den Weg des Geldes, dann weisst Du wem was gehört und wer was derzeit noch erlaubt. Versprochen es ist nicht die Verwaltung :-)
Fakt ist -und das wirst sicher auch Du nicht abstreiten – das Diejenigen welche die Information kontrollieren, die Gesellschaft kontrollieren. Und das sehe ich nun einmal lieber in der Hand von Leuten die diese Technologie nicht nur verstehen, sondern vom Publikum demokratisch legitimiert sind.
Gruß
@Florian
Der Einschub stammt ja nicht von mir und ist anscheinend schlecht programmiert ;-)
Ich weiß zumindest, an welcher Uni Du studierst bzw. arbeitest – außer Du nutzt den Proxy dieser Uni und bist jemand ganz anderes ;-)
Das ist das “unfreiwillige” Privileg eines WordPress-Blog Admins. Alle Blogbetreiber, die behaupten, sie würden keine Nutzerdaten erheben, schwindeln übrigens (zumindest nach meinem Erkenntnisstand), da WP unter der Haube zumindest die Nutzerdaten aller Kommentatoren speichert.
Natürlich gehe ich mit diesen Daten sorgfältig um, aber ein halbwegs geübter Hacker kommt ohne große Probleme an diese Daten. Wer damit Probleme hat, dem bleibt wohl leider nur die Möglichkeit einen Anonymizer oder Proxy zu verwenden :-(
@Michael Kostic
“Und das sehe ich nun einmal lieber in der Hand von Leuten die diese Technologie nicht nur verstehen, sondern vom Publikum demokratisch legitimiert sind.”
So legitimiert wie zB Herr Schäuble…?
@Peinhard:
“So legitimiert wie zB Herr Schäuble??”
Wenn Du keinerlei Motivation verspürst dich mit unseren Inhalten auseinander zu setzen, dann bedauere ich dies natürlich.
Allerdings käme mir nicht in den Sinn deine Intelligenz durch solcherlei absurde Fragen zu beleidigen.
Wir haben uns mehrere Jahre mit dem Problem der Methodik der Legitimierung auseinander gesetzt. Der aktuell präsentierte Vorschlag ist das Ergebnis dessen. Darin berücksichtigen wir vor allem das Konzept der Legitimation von nachweislich spezialisierten Fachkräften. Hierdurch ergibt sich durch die Legitimierenden ein Effekt den wir “Die Wahl des Qualifiziertesten” nennen. Wir haben dieses System auch so definiert das die Investoren zwar ein Mitspracherecht besitzen, dieses aber eben nicht durch die reine Menge des Kapitals aufgewertet wird. Dies trägt primär dem Umstand substanziell Rechnung, dass der Besitz von Kapital keinerlei Qualifikation darstellt.
Gruß
@an alle, hört auf zu streiten, wo es nicht einmal die butter gibt.
wirklich, komisch, ihr macht euch verrückt über eine sache die schon seit etwa 8 jahren läuft. habt ihr niemals daran gedacht dass wesentliche daten vielleicht freundlicherweise mal kodiert werden sollten, um euch selbst zu schützen; aber alles hallo……….alles prima.gelle, jetzt knallts! wer früh wie ich mit dem internet anfing, wußte daß ….AOL…alles protokolliert….und auch an amerikanische behörden weitergiebt.
ist das für euch wirklich so neu?
so ist es halt.
wenn ihr das anders wollt……………bitte zum chaos computer club….dort wenigstens sich über verschlüsselung informieren und dann weiter.
nebenbei bemerkt: wer das alles schon hat: könnte doch mal die märchen aus 1001 nacht
also die arabische version, mit dem “höchsten schlüssel” einfach so versenden.
ich denke die rechenmaschine braucht monate um überhaupt den text halbwegs zu erfassen. keine angst vor it……………..,
viel spass ich machs auch
carlo
Es geht hier aber darum: Wer, wann mit Wem wielange gesprochen hat und nicht um was. Und da hilft dir Verschlüsselung wohl kaum.
Das was kann man denjeniegen dann immer noch fragen, auf dem Revier oder in der Zelle oder im Zeugenstand oder auf der Anklagebank.
@carlo:
Klugscheissermodus / EIN:
Mag ja sein das Du die Verantwortung von dir weist. Aber es soll auch Menschen geben, die dies nicht tun. Schnell mal eben die Daten verschlüsseln was? Nett von dir dich bei dem Gymnasium meiner Kinder einzufinden und den dortigen Lehrkörper über das Wie und Warum genauestens zu informieren. Dann die ganze Sache noch schnell in den Lehrplan eingefügt und schon sind alle Glücklich und zufrieden…
Die Realität ist eine gänzlich differente. Junge Menschen von Heute nutzen IT im sinne von BENUTZEN. Sie wollen weder verstehen wie eine Uhr funktioniert (Zitat J.W.), noch sich damit aktiv und episch auseinandersetzen. Als Teile einer sog. arbeitsteiligen Gesellschaft verlassen sie sich darauf, dass die Werkzeuge funktionieren. Klar kann man auch losgehen und fordern man solle gefälligst einen Automobilmotor de- und dann remontieren können, bevor man eine Fahrerlaubnis erhält. Aber wer dürfte dann heute noch Auto fahren?
Klugscheissermodus / AUS:
An sehr vielen allgemeinbildenden Schulen in Deutschland wird derzeit ein System eingesetzt, welches den netten Namen -Selbstevaluation in Schulen- SEIS trägt. SEIS ist ein “Kind” der Bertelsmann-Stiftung. Als es an der Schule meiner Kinder erstmalig eingesetzt wurde, habe ich meinen Kindern erklärt was das ist und vor allem wer da mit ihren Daten Spielen will. Als sie ihren Klassenkameraden/innen und dem “Fachlehrer IT” mitteilten das sie sich aus besagten Gründen weigern würden daran teilzunehmen, wurden sie nicht nur als “Spinner” belächelt. Der Fachlehrer hat sogar ganz gezielt Druck ausgeübt um sie dennoch zur Teilnahme zu bewegen.
Geh mal hinaus in die Welt und frage Lehrkräfte (selbst mit dem o.g. Skandal im Hinterkopf) ob sie nunmehr ein Problem damit haben sich weiterhin an SEIS zu beteiligen. Ich denke ich kenne die erschreckende Antwort…
Gruß
@Michael Kostic
“Als Teile einer sog. arbeitsteiligen Gesellschaft verlassen sie sich darauf, dass die Werkzeuge funktionieren. ”
entschuldige, ich war etwas oberflächlich, du hast selbstverständlich recht.
@corax
“Wer, wann mit Wem wielange gesprochen hat und nicht um was. Und da hilft dir Verschlüsselung wohl kaum.”
du hast vollkommen recht, ich war da etwas voreilig und oberflächlich.