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  • Deutschland, Deine Helden

    geschrieben am 19. Juli 2010 von Spiegelfechter

    Alle Jahre wieder versinkt Deutschland zum 20. Juli in eine eigenartige Gedenkkultur. Die Bundeswehr veranstaltet ihre Zapfenstreiche, im öffentlich-rechtlichen (und mittlerweile auch im privaten) Fernsehen reiht sich eine Guido-Knopp-Dokumentation an die andere und das ganze Land weiß plötzlich wieder, dass nicht alle Eliten des Dritten Reichs schlecht waren. Wohl dem Volk, das die Verdrängungskultur perfektioniert hat.

    Nachkriegsambivalenz

    Glaubt man der gefühlten Geschichtsschreibung, stand am 20. Juli 1944 das ganze Volk hinter den Helden des Widerstands, die das “heilige Deutschland” durch einen Tyrannenmord retten wollten. Nichts könnte falscher sein, der Kult um die adligen Verschwörer begann erst wesentlich später. Sogar in der Nachkriegszeit hatten die Deutschen ein – freundlich gesagt – ambivalentes Verhältnis zu den Verschwörern des 20. Julis. Im Jahre 1951 ergab eine demoskopische Studie, dass ein Drittel aller Befragten mit diesem Datum nichts verbindet oder keine Meinung dazu hat. Ein weiteres Drittel hatte eine positive, das letzte Drittel eine negative Einstellung zu Stauffenberg und Co. Ein Jahr später lehnte die Hälfte der Bevölkerung bei Umfragen strikt ab, Schulen nach Stauffenberg zu bennenen.


    Die meisten Historiker erklären diese Ambivalenz mit der Nazipropaganda, die angeblich das Urteil beeinträchtigt hätte. Sicherlich spielt dieser Umstand eine gewisse Rolle, kurz nach dem Krieg taugten die Verschwörer jedoch aus ganz anderen Gründen nicht zu einer positivien Identifizierung: Die Adligen, die Stabsoffiziere und die zivilen Eliten waren es, die bis kurz vor Torschluss in geschlossener Reihe hinter dem Führer und dem Nationalsozialismus standen. Sie waren es, die Hitler anfangs dafür bewunderten, dass er das “Diktat von Versailles” abstreifte und dem Land die “nationale Identität” wiedergab. Nach dem Frankreichfeldzug warfen sie sämtliche Bedenken über Bord und verrichteten ihren Dienst in Wehrmacht und anderen tragenden Säulen des Systems treu nach den deutschen Primärtugenden. Wenn man den Anspruch ernst nimmt, dass die Eliten eine Vorbildrolle für das normale Volk einnehmen sollten, so haben diese Eliten eklatant versagt. Vor dem Wendepunkt bei Stalingrad waren die meisten Verschwörer des 20. Julis elitäre Mitläufer – kein Wunder, das sie beim normalen Volk kurz nach dem Krieg einen schlechten Ruf hatten.

    Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen

    Das Deutschland des Jahres 1944 war kein Land, das sich geschlossen in die innere Emigration begeben hatte und schon gar kein Land des Widerstands. Ein Großteil der Bevölkerung hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Dokumentationen á la Guido Knopp, die sich ein historisches Bild anhand von Zeitzeugen machen wollen, gehen an ihrem Anspruch vorbei. Die Befragung von Zeitzeugen sagt viel über die Zeit aus, in der die Fragen gestellt werden, gibt aber über die Zeit, die anhand der Fragen erforscht werden soll, keine sonderlich präzise Aussage. Menschen passen ihre Erinnerungen nun einmal immer an die Gegenwart an – sogar heute ist es schwer, einen bekennenden FDP-Wähler zu finden, der seine Begeisterung für diese Partei im Vorfeld der Bundestagswahlen unabhängig von den aktuellen Ereignissen schildern könnte. Wie kommt man auf die Idee, dies sei bei den Mitläufern der Nazis anders?

    Das normale Volk empfand den 20. Juli als moralischen Dolchstoß. Als die Deutschen, die dem Nationalsozialismus anfangs noch kritisch gegenüberstanden, den Widerstand der Eliten als moralisches Leuchtfeuer gebraucht hätten, machten sich diese Eliten mit dem Nationalsozialismus gemein und ließen die Kritiker aus dem kommunistischen, sozialistischen, liberalen und kirchlichen Lager ins Messer laufen. Als die Eliten ihr Gewissen entdeckten, waren die aufrechten Demokraten schon längst in den KZs aufgeknüpft worden. Der obrigkeitshörige Deutsche, der seinen Widerstandswillen an den Eliten orientiert, hatte es ihnen bis dahin längst gleichgetan. Er hat gemordet, sein Gewissen dem “heiligen Deutschland” der Offiziere untergeordnet und sich damit abgefunden, vor dem höchsten Gericht keine Absolution für seine Taten zu bekommen. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen – wie soll sich der gemeine Landser auch fühlen, wenn die schöngeistigen Eliten plötzlich mit der Ganovenehre brechen und ihre Moral entdecken?

    Die schlimmsten Kritiker der Elche

    Verantwortlich für die positivere Rezeption der späteren Jahre sind vor allem die beiden Verfilmungen aus dem Jahre 1955. Deutschland suchte elitäre Helden und fand sie in Stauffenberg und Co. Man wollte das “Heroische und menschlich Wertvolle” der Widerstandskämpfer zeigen … und sparte daher auch alles andere aus und ließ die Drehbücher erst im Sommer 1944 beginnen.

    “Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.”
    Claus Graf von Stauffenberg in einem Brief an seine Frau aus dem besetzten Polen, September 1939

    “Wir wollen eine Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und beugen uns vor den naturgegebenen Rängen.”
    Claus Graf von Stauffenberg in einem gemeinsamen Eid mit seinem Bruder, wenige Tage vor dem 20. Juli 1944

    Stauffenberg und seine Mitverschwörer waren Kinder ihrer Zeit, keine Helden und schon gar nicht über alle Zweifel erhaben. Stauffenberg selbst war ein erzkonservativer Reaktionär, dessen Auffassung es war, dass das Volk von einer überlegenen Elite regiert werden müsse. Zu dieser Elite gehörten natürlich er und seine Mitverschwörer. Der Kreis der Mitverschwörer war jedoch höchst heterogen und reichte von aufrechten Demokraten wie Helmuth James Graf von Moltke bis hin zu überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten. Die Vorzeigegeneräle von Stülpnagel und Hoepner ließen beispielsweise den “Kommissarbefehl” umsetzen. Stülpnagel ordnete ferner an, “in erster Linie jüdische und kommunistische Einwohner” zu erschießen.* Der Mitverschwörer General Eduard Wagner gilt als mitverantwortlich für den Tod von Millionen sowjetischer Zivilisten und Kriegsgefangener. Ein weiterer Mann des 20. Julis war Arthur Nebe – als Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B verantwortete er zahlreiche Massaker an russischen Juden und anderen Zivilisten und ist einer der Hauptverantwortlichen für die Deportation und Vernichtung der Sinti und Roma.

    Rassisten und Antisemiten, wie beispielsweise Wolf-Heinrich von Helldorf, der sich als Berliner Polizeipräsident schon 1938 durch ein besonderes hartes Vorgehen gegen Juden “auszeichnete”, waren in den Kreisen um Stauffenberg gern gesehen. Mit Carl Friedrich Goerdeler wählten die Verschwörer sogar einen ausgemachten Antisemiten als Reichspräsidenten ihrer “Schattenregierung”. Der Kreis um Goerdeler, dem auch Stauffenberg angehörte, plante beispielsweise, dass in einem „künftigen Deutschland das Bürgerrecht nur Juden gewährt werden würde, die sich auf eine lange Vorfahrenreihe im Land berufen konnten; die später Hinzugekommenen würden das Land verlassen müssen”. ** Aus heutiger Sicht könnte man Goerdeler wohl als reaktionären, antisemitischen Kommunistenfresser bezeichnen. Nach solchen Leuten werden in Deutschland Schulen benannt.

    Der eigentliche Antrieb der Verschwörer war weniger ihr Gewissen, sondern mehr die unvermeidliche Perspektive der totalen Niederlage. Stauffenberg wollte sein “heiliges Deutschland” nicht untergehen lassen, schließlich kannte er die Politik der verbrannten Erde als Generalstabsoffizier nur allzu genau. Andere Verschwörer wollten ganz einfach ihre Haut retten und das sinkende Schiff verlassen. Mit Hilfe der Westallierten, so die Idee, würde man Stalin auch am grünen Tisch aufhalten und das neue Deutschland brauchte schließlich neue Eliten. Neben der eigenen Inkompetenz machte vor allem die Rote Armee diesen Träumen ein jähes Ende. Ilja Ehrenburg kommentierte das Attentat mit den Worten: “Unsere Armeen sind schneller als das Gewissen der Fritzen” – er sollte Recht behalten.

    Der Stauffenberg-Hype

    Während die öffentliche Rezeption des 20. Julis in der Nachkriegszeit eher verhalten war, änderte sich dies Ende der 1960er. Doch auch zu dieser Zeit war Stauffenberg eher umstritten. Den 68ern, die die Geschichte des Widerstands geradezu zwanghaft untersuchten, um den Nazi-Mitläufern in den Schlüsselstellen des Staates aufzuzeigen, dass es auch anders ging, konnten an Stauffenberg keinen Gefallen finden – er und seine Mitverschwörer waren Grafen, Generäle, Kriegsverbrecher und Konservative und damit eher der natürlich Feinde der pseudo-proletarischen linken Intellektuellen dieser Zeit.

    Der eigentliche Stauffenberg-Hype begann erst 50 Jahre nach dem Hitler-Attentat. 1994 überzogen sämtliche große Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender das Land mit – meist verherrlichenden – Berichten über die “guten Eliten”, die Hitler stürzen wollten. Dabei ging man sehr selektiv vor und knüpfte nahtlos an die Heldenlieder aus dem Jahre 1955 an – was nicht passt, wird passend gemacht oder weggelassen. Deutschland hat einen neuen Nationalhelden – bis heute wird Stauffenberg alljährlich als Jung-Siegfried mit Augenklappe gefeiert. Das passt natürlich ins Bild des “neuen Deutschlands”.

    Ein moderner Medienheld

    Warum liebt das Volk “seinen Stauffenberg”? Dafür gibt es viele Gründe. Er zeigt dem Deutschen, dass nicht jeder Nazi ein Nazi und Widerstand gegen “das Böse” ein Privileg der Eliten war. Natürlich können die Spätgeborenen nichts für die Verbechen ihrer Väter und Großväter. Es lebt sich allerdings angenehmer, wenn man zu wissen glaubt, dass nicht alles in der dunkelsten Periode Deutschlands schlecht war. Stauffenberg wurde so zu einer Kunstfigur, ein Feigenblatt für die Eliten, die das Land auch heute noch beherrschen. Wen mag es da verwundern, dass der Stauffenberg-Hype vor allem von den Eliten angeheizt wird.

    Stauffenberg eignet sich vor allem als Galionsfigur für die neue Bundeswehr, die nicht mehr Staatsbürger in Uniform sein muss. Krieg und Gewalt ist nur dann ein probates Mittel der Fortführung von Politik mit anderen Mitteln, wenn man siegreich ist. Solange die Opfer 1939 Polen, 1999 Serben waren und 2010 Afghanen sind, ist die Welt des “heiligen Deutschlands” in Ordnung. Als normaler Bürger braucht man sich über solche Dinge aber keine Gedanken zu machen. Sollten unsere Kriegsherren im Unrecht sein, wird es schon einen adligen Offizier geben, der im Kanzleramt den Tyrannenmord vollzieht. So lange dies nicht geschieht, ist der Krieg gerecht – mitgegangen, mitgefangen, aber nicht mitgehangen, Stauffenberg eigent sich nun einmal immer noch perfekt als Projektionsfläche und Feigenblatt für Mitläufer.

    Der Umsturzplan vom 20. Juli ist urdeutsch – sein Scheitern inklusive. Revolutionäre, die bürgerliche Interessen haben und lieber Befehle abtippen statt Bahnhöfe stürmen, gefallen dem Michel. Betrachtet man die “Operation Walküre” näher, stellt man fest, dass ein solcher Umsturzplan, bei dem es vor allem um Paragraphen und Befehlswege geht, in seiner ganzen bürokratischen Ineffizienz grotesk ist. Wäre Stauffenberg der Held, zu dem er stilisiert wird, hätte er seine Pistole genommen und Hitler einen Kopfschuß verpasst. So hätte es ein Gentleman gemacht, wie der britische Historiker Anthony Beevor feststellte. Stauffenberg war aber kein Gentleman, er war ein Kind seiner Zeit.

    Wer war Georg Elser?

    Heute sind nach Stauffenberg unzählige Strassen, Plätze und Schulen benannt. Gibt es eigentlich eine Georg-Elser-Schule? Wenn Deutschland sich schon einen Helden suchen muss, so wäre Elser ein passender Kandidat. Der einfache Schreiner erkannte bereits 1938, dass Deutschland nur durch einen Tyrannenmord zu retten sei und platzierte in mühevoller Kleinarbeit eine Zeitbombe im Bürgerbräukeller. Das schlechte Wetter verhinderte seinen Erfolg – da Hitler nicht fliegen konnte, sondern mit der Bahn fahren musste, verließen er und seine Entourage den Bürgerbräukeller 13 Minuten zu früh. Georg Elser starb 1945 im KZ Dachau. Als Motiv gab er gegenüber der Gestapo an: “Ich wollte durch meine Tat noch größeres Blutvergießen verhindern”. Es dauerte 40 Jahre, bis die Stadt Burgdorf bei Hannover als erste Stadt in Deutschland eine Straße nach Elser benannte. Georg Elser war nun einmal kein Claus Schenk Graf von Stauffenberg, er war Schreiner und kein adliger Offizier – solche Helden will weder das alte noch das neue Deutschland.

    Jens Berger

    * H. Krausnick: Kommissarbefehl und ‘Gerichtsbarkeitserlaß Barbarossa’ in neuer Sicht, 1977
    ** Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden, München 2007

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    208 Kommentare:

    1. Lars schrieb am 19. Juli 2010 at 19:02 - Permalink

      Waren halt auch nur Terroristen… alles weitere regelt der Standpunkt.

      Achja:

      Sollten unsere Kriegsherren im Unrecht sein, wird es schon einen adligen Offizier geben, der im Kanzleramt den Tyrannenmord vollzieht.

      Großartig!

      • sparbrötchen schrieb am 19. Juli 2010 at 19:56 - Permalink

        Naja, Guttenberg ist nur Unteroffizier…

    2. Degnaphta schrieb am 19. Juli 2010 at 19:14 - Permalink

      Wr war Georg Elser? Gut, daß ich daß jetzt weiß. Danke, SF!

      Wieviele ‘vergessene Helden’ mögen noch so im Meer der Nichtbeachtung rumdümpeln.
      Wegen der Mauerschützen, der Arge-Kapos und anderer neuzeitlicher Tätertypen fällt mir immer mal wieder der arme Herr Charles Voegele ein, der sich weigerte, die Lusitania zu beschießen und dafür in den Bau ging. Ob nach dem eine Straße oder sonstwas benannt ist?

    3. Systemfrager schrieb am 19. Juli 2010 at 19:21 - Permalink

      Der Historiker Wolfram Wette schätzt, daß von rund 19 Millionen Wehrmachtsangehörigen ungefähr einhundert den Kriegszielen zuwiderhandelten, indem sie Menschen halfen, anstatt sie zu töten. Vielleicht hat Wolfram Wette schlecht gezählt, vielleicht waren es mehr. Und wenn es zehntausend gewesen wären, würde das etwas ändern?

      Hannah Arendt, Über das Böse, Piper, München, 2006, S. 145

      Und der Freund von Hannah Arendt, der Philosoph Heideger? Er ruft im Jahre 1033 mit all seinem Prestige als Denker und als Rektor der Universität die Freiburger Studenten auf:

      Nicht Lehrsätze und Ideen seien die Regeln eures Seins. Der Führer selbst und allein ist die heutige und künftige deutsche Wirklichkeit und ihr Gesetz.

      Man erinnert sich da an einen gewissen Bertrand Russells, aus dem lächerlichen „Krämervolk“. Ab 1914 stellte Russell seine mathematische Forschung zurück und begann, sich als Aktivist und Autor für den Frieden und für Kriegsdienstverweigerung einzusetzen. Dass er wegen eines Flugblattes zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, nahm die Universität Cambridge zum Anlass, ihm seine Professur zu entziehen. Er wurde später zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er in einer Anti-Kriegsdienst-Zeitschrift die Möglichkeit erwogen hatte, dass amerikanische Soldaten in England als Streikbrecher eingesetzt werden könnten.

    4. Uncle Dave schrieb am 19. Juli 2010 at 19:43 - Permalink

      Danke Jens. Gerade sehe ich nach einem langen Arbeitstag bei einem kühlen Jever ein wenig Phoenix, eine dieser Stauffenberg-Dokus, und mir wird alles ein bißchen zu blöd, gehe auf den Balkon, eine Rauchen, und anschließend nachsehen, was es beim SF neues gibt. Dein Artikel trifft es in gewohnter Weise so unglaublich gut, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll:
      1) In dieser Phoenix-Doku kam Dein erstgenanntes Stauffenberg-Zitat auch vor. Allerdings indirekt zitiert durch seinen Biografen, der dies als Beleg nahm, dass man ihm aufgrund dessen keinerlei Rassismus, Antisemitismus usw. andichten kann. Was soll so was, wie haben wir so eine Geschichtsfälschung verdient?!
      2) Andererseits glaube ich trotzdem, dass es heute eine weit verbreitete Kenntnis ist, dass die Verschwörer des 20. Juli hauptsächlich vom sicheren kommenden Ende überzeugt waren und deswegen diesen Staatsstreich versuchten. Vermutlich hat dieser eine Tom-Cruise-Film durch die ganzen kritischen Berichte über ihn in seinem Vorfeld hier mehr Bewusstsein erzeugt, als Guido Knopp in seiner gesamten Karriere.
      3) Zuletzt durfte ich in dieser Phoenix-Doku noch feststellen, dass “unser ewiger Präsident” Richard v.W. im Zuge der heldenhaft meuternden Adelselite der Nazis ebenfalls seine Rolle spielte und daher in dieser Verklärungs-Doku selbstredend die ihm gebührende Ehrung erfährt.

      • Truvor schrieb am 19. Juli 2010 at 21:04 - Permalink

        @ Uncle Dave

        Hast Du Dich schon mal gefragt, wer finanziert denn all diese Dokus bei Phoenix, N-TV etc. ?
        Du denkst doch nicht, daß Guido Knopp (& Co.) Dir die Wahrheit über den 2 WK liefert ?
        Mainstreammedien sind dazu da, um uns solchen Quatsch anzudrehen.

        • Uncle Dave schrieb am 19. Juli 2010 at 21:25 - Permalink

          @ Truvor

          Ich weiß gerade nicht worauf Du hinaus willst, wer denn? Dachte ich doch, bei n-tv ist’s die Werbung, bei Phoenix sind es meine GEZ-Gebühren. Ich würde beide Sender aber nicht in einen Topf werfen, die Qualität ist eher wenig vergleichbar. Dass nicht die große Wahrheit über irgendwas erzählt wird, war ja gerade der Gegenstand meines obigen Kommentares, aber ich nehme es denen nicht sehr übel, nach einem langen Arbeitstag, reicht es für ein bißchen Abendablenkung. Für die Wahrheit (TM) haben wir ja den SF und ggfs Deine Kommentare, falls es doch mal an Objektivität mangelt ;-)

          • Truvor schrieb am 19. Juli 2010 at 22:21 - Permalink

            @ Uncle Dave

            “Ich weiß gerade nicht worauf Du hinaus willst, wer denn ?”

            Finde erstmal heraus, wer der bzw. die Eigentümer all dieser (mainstream) Sender wie “Phoenix”, “N-TV”, “N24″ etc. ist.
            Und dann, frage Dich, ob diese “professionelle” Historiker a la Guido Knopp, die ihre Gehälter von den Eigentümern dieser Sender beziehen, ehrlich und objektiv, mit ihren “historischen Tatsachen”, sein könnten.
            Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie oft ich sie schon, bei den (z.B.) unobjektiven Auslegungen der historischen Ereignisse, entlarvt habe.
            Mit anderen Worten: diese “Historiker” sind nicht frei in ihren Meinungen und Forschungen.
            Sie berichten uns, den Bürgern, nur das, was ihre Chefs von ihnen verlangen.
            Du kennst doch: “Wer für die Dame bezahlt, der darf auch mit ihr tanzen”.

            ” …….. und ggfs Deine Kommentare, falls es doch mal an Objektivität mangelt ;-)”

            Guter Konter und danke für das Vertrauen :-)

            • Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2010 at 22:37 - Permalink

              Phoenix ist ÖR, Knopp ist ÖR. Das führt zu nichts ;-)

            • Noone schrieb am 20. Juli 2010 at 00:21 - Permalink

              Knopp ist wohl eher braun. Und ein Kreuzritter.

              http://books.google.de/books?id=7t23y0H6qXQC&lpg=PA74&ots=Klc1Ic4rDi&dq=guido%20knop%20filbinger&pg=PA73#v=onepage&q&f=false

              http://newsgroups.derkeiler.com/Archive/De/de.sci.geschichte/2006-01/msg00450.html

              http://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=1000
              (suche dort auf der Seite nach Guido Knopp)

              2001/2002 gabs schon Berichte in einigen Zeitungen, der fiese Knopp ist immer noch da …

        • Myron L. Fox schrieb am 21. Juli 2010 at 16:25 - Permalink

          Einer meiner Dozenten erzählte uns dieses Semester wie er in einem Archiv telefonisch angefragt hat um an Quellen für seine Doktorarbeit zu kommen und hat wohl folgende antwort erhalten: “Natürlich können wir ihnen die Quellen zur Verfügung stellen, es sei denn Sie arbeiten für Guido Knopp.”

          In meiner kleinen Welt nimmt niemand den Kerl ernst, aber die Einschaltquoten sprechen wohl für sich.

          • Truvor schrieb am 21. Juli 2010 at 18:15 - Permalink

            @ Myron L. Fox

            ” ……. aber die Einschaltquoten sprechen wohl für sich”.

            Das ist auch das Problem, die Zuschauer haben keine andere Wahl als diesen Mist anzuschauen.

    5. Truvor schrieb am 19. Juli 2010 at 19:47 - Permalink

      @Spiegelfechter

      Ein sehr guter Artikel Jens, in dem Du auch gleich viele Anrworte zu diesem Thema gibst.

      Als ich mich vor Jahren schon, mit diesem Thema befaßt hatte.
      Da hatte ich gleich festgestellt, daß diese “heldenhafte Offiziere” lediglich ihre Haut mit dieser Aktion retten wollten.
      Hatten diese adelige Idioten tatsächlich geglaubt, die Amis würden sie nicht an die Russen ausliefern ?
      Also, lieber überhaupt keine Helden, als solche “Helden”.

      Schön, daß Du diese Witzfigur Guido Knopp erwähnt hast.
      Wenn er ein Historiker ist, dann bin der “Japanische Kaiser” höchstpersönlich.
      Ich frage mich immer, aus welchem Ministerium bezieht er sein Gehalt oder zahlen vielleicht, mit modernen “Helden” besetzte Parteien SPD, FDP, CDU und nicht zuletzt die Grünen, direkt das Gehalt an ihn ?

    6. Xenocrates schrieb am 19. Juli 2010 at 20:05 - Permalink

      Ein solches, in der Menschheitsgeschichte beispielloses historische Desaster wie das 3. Reich verlangt nach Aufklärung, mehr aber noch für die Masse nach Schuldigen. Der einfache Bürger kann es nicht sein, schließlich hat er nur getan, was andere getan haben. Genau darin liegt jedoch das Problem jeder Gemeinschaft – beim Genozid an den Armeniern ebenso wie beim Völkermorden in Jugoslawien oder Ruanda.

      Historiker sind weit emotionsloser. Und so hat nach Überzeugung der Wissenschaft Hitlers Tausendjähriges Reich viele Ursachen und keine einzelne wäre wohl geeignet gewesen, das Geschehene aufzuhalten. Dennoch, es waren die „Eliten“ des Landes, die Hitler als Letztes folgten, was hätten sie auch anderes tun sollen? Als 1932 der wirtschaftliche Aufschwung endlich einsetzte, wollte das noch keiner wahrnehmen, die nationalsozialistische Kugel rollte bereits. Von Skepsis beim einfachen Volk keine Spur. Hitler kam Monate später demokratisch legitimiert ins Amt und am Ende war die Diktatur eine Verschwörung der Parteien mit dem Volk gegen die demokratische Verfasstheit des Landes. Auch eine freie und offene Kultur will gelernt sein.

      Soweit man das überhaupt sagen kann, genoß Hitler in den ersten Jahren hohe Zustimmungswerte zwischen 50% und 65%, die in der Endphase des Krieges erst gegen 10% fielen. Antisemitismus war und ist bis heute weit verbreitet und am ehesten konnten verfolgte Juden bei Wirtschaftsindustriellen auf Schutz hoffen. Krupp ist hier nur ein Beispiel.

      Deutschland hat zwei Diktaturen in der neueren Zeit erlebt, eine von 12jähriger Dauer, die andere über zwei Generationen. Erstaunlicherweise wird über die Rolle der „Eliten“ in der DDR nicht debattiert, sie gab es wohl nicht. Nach dem Krieg flüchteten viele der besser Arivierten gleich in den Westen und der Rest machte lieber Karriere im Parteiapparat. Alles Übrige besorgten die sozialistischen Machthaber, worunter der östliche Teil des Landes bis heute leidet.

      Wie tritt man einer Diktatur, ob als Elite oder nicht, gegenüber? Und was ist, wen diese sogar noch demokratisch legitimiert und von der Völkergemeinschaft anerkannt ist? Auf diese Fragen findet kein Kritiker, eben auch nicht der Spiegelfechter, eine überzeugende Antwort. Wie verhält man sich, damit man vor der kritischen Nachwelt besteht? Tatsächlich bleiben gerade bei den Helfern die Hände nicht weiß, das Handeln kann nicht nur edel sein. Wer unter so dramatischen Umständen Menschen hilft und sie schützt, muss sich mit den Machthabern arrangieren, was ihm als Beihilfe zum Systemerhalt ausgelegt wird. Auch der Großindustrielle Oskar Schindler kann da als Anschauung dienen.

      Die Maßstäbe in einer Diktatur sind andere als in einer Demokratie unter Achtung der Menschenrechte. Der angeführte Georg Elser ist eben kein leuchtendes Beispiel. Als Einzelgänger war sein Plan schlicht dilettantisch und allein auf seine persönliche Weltanschauung gerichtet. Solche Eigenbrödler gibt es in jedem System, je nach Sichtweise und Ziel sind die Taten dann entweder herorisch oder terroristisch.

      Graf von Stauffenberg war durchaus ein leuchtendes Vorbild. Jeder hat das Recht zum Irrtum, zur Erkenntnis mit wachsender Erfahrung und Information. Der spätere Hitlerattentäter war um die 30, als er die zitierten Zeilen schrieb. Man kann einem Soldaten und adeligen Bürger kaum vorwerfen, dass er als Erstes gemäß seinem Eid und gemäß der rechtlichen Legitimierung handelt. Was hätte ihn bitte 1937 zum Widerstand berechtigt? Er war fern der Heimat, als der Holocaust begann und Krieg war bis 1945 ein legitimes und anerkanntes Mittel der Politik.

      Wie so oft sind es die Amerikaner und Hollywood, die solche Erkenntnisse einordnen können. Wir Deutschen dagegen verharren lieber im Besserwisserischen der Nachgeborenen.

      • Uli schrieb am 19. Juli 2010 at 20:30 - Permalink

        Wie so oft sind es die Amerikaner und Hollywood, die solche Erkenntnisse einordnen können.

        Klasse Satire, vielen Dank.

      • xxHyFoxx schrieb am 19. Juli 2010 at 20:49 - Permalink

        Nein, nein, nein, nein!

        Das deutsche Volk(Waehler) ist von der Schuld Hitler/NSDAP gewaehlt zu haben frei zu sprechen.

        Aus einem ganz simplen Grund. Der Boden fuer die NSDAP und Hitler wurde bereitet. Allerdings nicht vom Waehler wie man heute gerne kolportiert, sondern von den sogenannten Demokraten und ihren Parteien. Sie haben deutsche Interessen verraten, das eigene Volk in die Armut geschickt und noch einmal kraeftig verbal nachgetreten. Sie waren inkompetent, in ihren Parteienkleinklein verfangen und hatten keine Idee wie sie mit den Problemen umgehen sollten. Anstatt die Probleme zu loesen haben sie, sie verwaltet und das dermaßen inkompetent, das irgendwann eine NSDAP als das kleinere Uebel erschien(wir waehlen immer das kleinere Uebel).
        Und wenn man das Personal betrachtet mit dem die NSDAP so angetreten ist, hui, dafuer muss man sich schon wirklich saubloed angestellt haben.

        Ergo, wenn man wirklich eine Schuldfrage bezueglich der NSDAP und Hitler stellen moechte, dann fange man in dem System an in dem die NSDAP und Hitler sich bewegten. Und dieses System war die Politik.

        Wohl bekomms.

        • Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2010 at 22:48 - Permalink

          Blödsinn, warum man sollte man ausgerechnet das Volk freisprechen? Es hat übergroße Schuld auf sich geladen und das lässt sich nicht durch böse Einzeltäter erklären, die das arme Volk verführten.

          • Xenocrates schrieb am 19. Juli 2010 at 23:19 - Permalink

            @Truvor

            Natürlich ist ein 30jähriger voll verantwortlich für sein Handeln. Das hat nur keiner in Abrede gestellt. Wohl aber, dass man mit 30 noch weit idealistischer geprägt ist als mit 50 und auch die Urteilskraft eine andere ist, wenn man den Großteil nur beim Militär zugebracht hat als wenn man danach auch noch Politik gesehen hat.

            • Truvor schrieb am 20. Juli 2010 at 00:18 - Permalink

              @ Xenocrates

              Du vergleichst einen 30 Jährigen adeligen, hochgebildeten, verantwortungsvollen etc. etc. etc. Offizier aus den 30en Jahren mit einem heutigen 30 Jährigen, der sich (in vielen Fällen) wie ein 15 jähriger, hollywoodbegeisterter Teenager benimmt.
              Mancher 20 Jähriger damals hatte mehr Lebenserfahrung und mehr Verantwortung für seine Taten vorzuweisen als heute die 50 Jährige es tun.
              Er war ein Offizier (!) verdammt noch mal und bitte mache nicht mehr aus ihm einen “idealistischen” Rotznasen.
              Damit entehrst Du ihn nur.

          • xxHyFoxx schrieb am 20. Juli 2010 at 21:01 - Permalink

            @Spiegelfechter, 19. Juli 2010 at 22:48

            Der Bezug in meinem vorherigen Eintrag ist die Frage wer die Machtergreifung der NSDAP/Hitler zu verantworten hat. Dabei bleibe ich auch in diesem Eintrag.

            In diesem Punkte kann dem damaligen deutschen Volke keine Schuld zugesprochen werden. Gruende siehe oben.

            Die NSDAP/Hitler hat sich im Funktionssystem Politik bewegt und ebenda wurde ihnen durch die Inkompetenz ihrer Widersacher der Weg bereitet. Wenn man also wirklich nach Schuldigen/Ursachen suchen will, sollte man mit der Suche in eben diesem Funktionssystem beginnen.

            Eine Bewertung der Schuld in dem Maßstab den du anlegst (ich vermute das große Ganze) nehme ich nicht vor, da ich zu der Zeit nicht gelebt habe.

      • Truvor schrieb am 19. Juli 2010 at 21:34 - Permalink

        @ Xenocrates

        “Historiker sind weit emotionsloser”.

        Mag sein, aber daß die meisten von ihnen ehrenlos sind, das weißt Du, hoffe ich, auch ?

        “Der spätere Hitlerattentäter war um die 30, als er die zitierten Zeilen schrieb”.

        Ja klar, ein 30 Jähriger, er war doch noch ein kleines Baby.
        Einfach, lächerlich !

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 07:39 - Permalink

          “Historiker sind weit emotionsloser”.

          Mag sein, aber daß die meisten von ihnen ehrenlos sind, das weißt Du, hoffe ich, auch ?

          Ungefähr so ehrlos wie die meisten Blogger und Linksparteianhänger, ja.

      • Spiegelfechter schrieb am 19. Juli 2010 at 22:46 - Permalink

        Ein solches, in der Menschheitsgeschichte beispielloses historische Desaster wie das 3. Reich verlangt nach Aufklärung, mehr aber noch für die Masse nach Schuldigen. Der einfache Bürger kann es nicht sein, schließlich hat er nur getan, was andere getan haben.

        Was ist denn das bitte für ein Blödsinn? Weil alle mordeten, ist keiner schuld?

        Dennoch, es waren die „Eliten“ des Landes, die Hitler als Letztes folgten, was hätten sie auch anderes tun sollen?

        Mein Gott, was erzählst Du für einen Bullshit! Google mal ein wenig nach Ernst Hanfstaengl und erzähle mir etwas davon, dass die “Eliten” Hitler als Letztes folgten.

        Wie tritt man einer Diktatur, ob als Elite oder nicht, gegenüber? Und was ist, wen diese sogar noch demokratisch legitimiert und von der Völkergemeinschaft anerkannt ist?

        Eine demokratisch legitimierte Diktatur ist ein schwarzer Schimmel.

        Die Maßstäbe in einer Diktatur sind andere als in einer Demokratie unter Achtung der Menschenrechte. Der angeführte Georg Elser ist eben kein leuchtendes Beispiel. Als Einzelgänger war sein Plan schlicht dilettantisch und allein auf seine persönliche Weltanschauung gerichtet. Solche Eigenbrödler gibt es in jedem System, je nach Sichtweise und Ziel sind die Taten dann entweder herorisch oder terroristisch.

        Bitte? Sein Plan war alles andere als dilettantisch. Die Bombe explodierte und entfaltete ihre schreckliche Wirkung. Da war der einfache Schreiner um einiges professioneller als der elitäre Stauffenberg, der wirklich dilletantisch vorging.

        Graf von Stauffenberg war durchaus ein leuchtendes Vorbild. Jeder hat das Recht zum Irrtum, zur Erkenntnis mit wachsender Erfahrung und Information. Der spätere Hitlerattentäter war um die 30, als er die zitierten Zeilen schrieb. Man kann einem Soldaten und adeligen Bürger kaum vorwerfen, dass er als Erstes gemäß seinem Eid und gemäß der rechtlichen Legitimierung handelt.

        Oh doch, das kann und muss man ihm vorwerfen – moralisch.

        • Xenocrates schrieb am 19. Juli 2010 at 23:16 - Permalink

          Ich spreche eben das Volk nicht frei von Schuld – ganz das Gegenteil, alles andere ist sekundär als Grund. Da ist wohl der ironische Aspekt untergegangen.

          Darüber hinaus solltest Du vielleicht klären, wen Du mit dem unbestimmten Begriff der “Elite” meinst. Einen politischen Aktivisten wie Ernst Hanfstaengl? Ich dachte, zuvorderst wäre die Wirtschaftselite gemeint.

          Weimar war eine sehr demokratische Verfassung, Adolf Hitlers NSDAP hat bei den letzten Reichtstagswahlen rund 43% der Stimmen erhalten und wurde mit Abstand stärkste Partei. Anschließend stimmte das demokratisch zusammengesetzte Parlament für die Auflösung des selben und die Errichtung der Diktatur. Ja, ich glaube, das ist ein schwarzer Schimmel – in meinen Augen die demokratische Herbeiführung der undemokratischen Diktatur.

          Konnte ein Einzelner 1937 entscheiden, dass das gesamte Staatswesen gegen das Völkerrecht verstößt und Widerstand erste Bürgerpflicht war? Warum hat sich dann eine ähnlich brutal organisierte Staatsstruktur wie die stalinistische so lange überlebt? Aus dem schönen Wohnzimmersessel mit Internetanschluss lässt sich gut richten was man vor 70 Jahren in der Wüste getan hätte.

          Ansonsten ist es schon arg abgehoben, jemanden einen Feigling zu nennen (wie das einige Blogger getan haben), der zwar durch einen riskanten Plan beim Scheitern sein Leben riskiert, dies aber nicht unmittelbar mit der Knarre in der Hand tut. Nach einer solchen Interpretation ist jeder Selbstmordattentäter ein Held.

          • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 11:15 - Permalink

            Ich spreche eben das Volk nicht frei von Schuld – ganz das Gegenteil, alles andere ist sekundär als Grund. Da ist wohl der ironische Aspekt untergegangen.

            Sagen wir es mal so – die Ironie geht in dem Quark verloren, den Du ansonsten so schreibst.

            Darüber hinaus solltest Du vielleicht klären, wen Du mit dem unbestimmten Begriff der “Elite” meinst. Einen politischen Aktivisten wie Ernst Hanfstaengl? Ich dachte, zuvorderst wäre die Wirtschaftselite gemeint.

            Das zeigt mir nur, dass Du Dich informiert hast, welche Aufgabe Hanfstaengel hatte. Das wundert mich aber nicht.

            Konnte ein Einzelner 1937 entscheiden, dass das gesamte Staatswesen gegen das Völkerrecht verstößt und Widerstand erste Bürgerpflicht war?

            Natürlich, so wie heute. Ob diese Entscheidung gesellschaftlich, juristisch oder sonst wie anerkannt wird, ist eine ganz andere Frage.

            • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 11:29 - Permalink

              die Ironie geht in dem Quark verloren, den Du ansonsten so schreibst.

              Danke. Ebenso.

              Das zeigt mir nur, dass Du Dich informiert hast, welche Aufgabe Hanfstaengel hatte.

              Was allerdings ebenso elegant die Frage offen lässt, wer denn nun mit besagter Elite gemeint ist, die als erstes Hitler folgte.

              Ansonsten kann sich jeder zum Selbstmordattentat auf Regierende berufen fühlen, der ein Grund- oder Menschenrecht verletzt sieht. In einer solchen Welt möchte man dann doch nicht leben, oder?

        • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 00:23 - Permalink

          Armer Jens. Da hat noch nie einer davon gehört, dass das damalige Elitariat den Adolf erst groß gemacht hat – weil die dachten, den könnten’se dann beherrschen – und Du versuchts dem das jezz beizubringen? Haste nix besseres zu tun? Schreib ‘n neuen Artikel und lass’ den ‘Kameraden’ in Dummheit sterben!

        • willy schrieb am 21. Juli 2010 at 13:17 - Permalink

          Mein Vater, der 1945 mit 17 Jahren eingezogen wurde und gegen die Russen kämpfen musste, sagte über Stauffenberg: “Wenn der Hitler wirklich hätte umbringen wollen, wär er mit der Tasche neben ihm stehen geblieben.”

      • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 00:16 - Permalink

        Dennoch, es waren die „Eliten“ des Landes, die Hitler als Letztes folgten, was hätten sie auch anderes tun sollen?

        Äh … ja was … Hm, z. B.: nich folgen?

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 07:37 - Permalink

          Okay, vielleicht probieren wir es mal mit dem anderen Ansatz, den ich bereits angerissen habe. Wie hätten sich die Eliten in der DDR verhalten sollen (gab es die?) und wie macht man das generell in der Diktatur? Einfach zu schreiben, “nicht folgen” ist, hm, absolut inhaltsleer.

          • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 08:55 - Permalink

            dto. iss der Hinweis: “Was hätten sie sonst tun sollen”

            Kennst Du den Unterschied zwischen Mitlaufen und Handeln?

            • Dominik schrieb am 20. Juli 2010 at 11:10 - Permalink

              Ich denke die Frage die sich hier stellt ist handeln, klar. Aber wie?
              Ist jeder verpflichtet so zu handeln wie die Weisse Rose oder Georg Elser?

              Wie viel muss man riskieren um danach nicht als Mitläufer zu gelten? Bzw. kann es auch moralisch gerechtfertigt sein Mitläufer zu bleiben weil man sein Leben nicht riskieren will?

          • aquadraht schrieb am 20. Juli 2010 at 19:14 - Permalink

            Auch wenn ich nicht glaube, dass es bei Dir den geringsten Zweck hat: Eine gesellschaftliche Elite stellte etwa der polnische Klerus in der VR Polen dar. Man muss Pfaffen nicht mögen (und ich verabscheue sie), aber die haben durchaus gezeigt, dass man soweit mitmachen kann, wie man muss, ohne sich auf alles einzulassen. Nun waren zwar die polnischen Kommunisten keine Nazis. Aber die Nazis haben die ganze Zeit ihrer Herrschaft über die Eliten mit Samthandschuhen angefasst, hofiert und gefüttert.

            Zwischen den ökonomischen sowie den konservativen politischen und gesellschaftlichen Eliten gab es ziemlich von Beginn an eine Symbiose eher denn auch nur den Schatten eines Spannungsverhältnisses. Die Reibereien zwischen den Nazis und den Eliten waren eher schwächer als die zwischen SA und SS, Gauleitungen und Landesregierungen und dergleichen.

            Du hast miserable Geschichtskenntnisse, verbunden mit einem riesengrossen Rand.

            a^2

            • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 20:00 - Permalink

              Kritisiert wurden in dem Beitrag pauschal “die Eliten”. Eine genaue Benennung blieb bis jetzt aus. Mal wurden einzelne Politiker angeführt, mal einzelne Banker und im Zuge von unterlassenen Attentaten auf den Führer die Wehrmachtsführung.

              Nehme mal Oskar Schindler (habe ich bereits angeführt): nach den hier geäußerten Maßstäben wäre er als Kriegsgewinnler, Ausbeuter und Sklaventreiber zu verurteilen. Seltsam, dass die Betroffenen das anders sahen. Zeit vielleicht sein Weltbild über Helden zu korrigieren?

              Außerdem sprach ich explizit die DDR-Verhältnisse an. Es ist wohl schlimm um ein Land bestellt, wenn für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als Elite einzig der Klerus einfällt, oder? Selbst in einem so katholischen Land wie Polen. Vielleicht magst Du ja nicht über die Bildungselite der DDR sprechen, oder noch besser die Westdeutsche. Eine wahrlich trostlose Geschichte mit ihrer Verherrlichung der DDR-Realitäten. Selten hat sich eine Elite so im Ton vergriffen.

              So, da die Eingrenzung des Begriffs von Eliten seit gestern unterbleibt, kann kaum über Nähe oder Ferne zu den Machthabern geurteilt werden, oder? Möglich, dass meine Geschichtskenntnisse nicht perfekt sind. Was ich hier jedoch gelesen habe, ist oft sträfliche Verletzung der Gebote der Logik und fundierter Argumentation.

              Wobei am Amüsantesten immer noch war, die Zahlen einer Diktatur für deren Erfolg heranzuziehen.

      • Stefan K. schrieb am 20. Juli 2010 at 09:58 - Permalink

        @ Xenocrates (6)
        In der Industrie war durchaus bekannt, dass die Mefowechsel mit nichts anderem als dem Versprechen auf Kriegsbeute gedeckt waren (Mefo = Metallurgische Forschungsgesellschaft).
        Aus der Wette um diese Zukunft folgte der wirtschaftliche Aufschwung nach der Machtergreifung Hitlers.
        Vor 1933 war vielen Menschen klar worauf eine nationalsozialistische Regierung hinauslaufen würde und nach 1933 entstanden die KZ´s. Gezielter Staatsterror entmündigte dann die Gesellschaft.

        Weder Stauffenberg noch Elser waren Helden, sie waren verzweifelt – m.E. nach generell das Motiv für solche Attentate (Tyrannenmord), wenn es sich nicht um Psychopathen handelt.

        In der DDR gab es für die erste Generation nach dem Krieg durchaus einen Grund sich in den Versuch einer neuen Gesellschaft einzubringen und die Lebensverhältnisse wurden auch besser, verglichen mit denen nach dem Kriegsende. Erst die zweite Generation erkannte die Mantras der Regierung nicht mehr an und setzte sich kritisch mit den Zielen, Versprechungen und den offensichtlichen Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 10:10 - Permalink

          Erstens verpflichtete die Hitler-Administration die Wohlhabenden bereits vor dem Krieg zu Zwangsanleihen, die bei Fälligkeit nicht zurückgezahlt wurden. Das die meisten bereits vor 1933 wußten, worauf das Ganze hinausläuft, ist nicht Stand der Geschichtsforschung. Man muss sich nur mal vorstellen, was für eine Zeit das damals war: aus dem Versailler Vertrag zu hohen Reparationszahlungen verpflichtet, anschließend die Weltwirtschaftskrise, deren Ausläufer von 1930-1932 andauerten, Armut, Arbeitslosigkeit und ein instabiles politisches System.

          Mehr noch als heute wurde früher nach dem starken Mann in Krisenzeiten gerufen, zumal die meisten noch die relativ stabilen Zeiten des Kaiserreiches kannten. Und so wurde auch erst ca. 4 Jahre nach der Machtergreifung wirklich klar, wohin das Ganze lief. Vergessen wird nicht: damals gab es kein Internet, keine freie Presse und das meiste wurde nur durch eigene Beobachtung oder Tratsch bekannt. Nicht jeder wohnte aber neben einem KZ.

          Bei der DDR sprach ich explizit von den Eliten: wo waren die, wie hätten sie sich verhalten sollen und hätten sie die DDR zum Einsturz gebracht?

          • Stefan K. schrieb am 20. Juli 2010 at 11:16 - Permalink

            Ich habe nicht geschrieben “den meisten”, sondern vielen – siehe z.B. Kurt Tucholsky und seine Publikationen.
            Die KPD führte ihren Wahlkampf mit dem Slogan “Hitler bedeutet Krieg” und auch Künstlern die im öffentlichen Leben standen wie z.B. George Grosz war klar wohin die Reise geht.
            Wer es wissen wollte, konnte es wissen – nicht zuletzt von Hitlers eigenen Publikationen in denen genug über den “Lebensraum im Osten” u.v.m. stand.
            Die Konservativen riefen nicht nach dem “starken Mann”, sondern nach einem der die Demütigung des verlorenen I. WK vergessen machen kann (also von Nationalisten, die ihren Selbstwert mit dem des Reiches [der Nation] verbanden).

            Die DDR Aussen- und Innenpolitik lässt sich nur in die Politik der RGW-Staaten und der Militärdoktrien des Warschauer Paktes einordnen. Ein Alleingang war auch schon aufgrund der nicht vorhandenen Souverenität unmöglich (welche allerdings nach Aussen als eine solche kommuniziert wurde).
            Die Staats-und Parteiführung lebte ihre Traditionen des “Roten Frontkämpferbundes” aus den 30er Jahren fort, hüllte sich in den wärmenden Mantel des Sieges über die ärgsten Feinde (Nationalsozialisten) und wollte nichts von Problemen hören oder wissen die ihrer eigenen Ideologie bzw. Tradition widersprachen (siehe “Wissenschaftlicher Kommunismus”). U.s.w..

            • Stefan K. schrieb am 20. Juli 2010 at 12:22 - Permalink

              Noch etwas zu den KZ´s:
              Die ersten die diese von innen sahen waren politische Gegner, welche mitten aus der Gesellschaft gerissen wurden – was nicht zu übersehen war.

      • ronny schrieb am 20. Juli 2010 at 10:18 - Permalink

        Was Dilletantismus angeht, so verfügte Staufenberg über 2 Kilo Sprengstoff, aber nur einen funktionsfähigen Zünder. Was tut nun ein Berufssoldat und Stabsoffizier? Er wirft 1 Kilo einfach weg! man hätte es vieleicht nur daneben
        lägen brauchen….!

      • H. Müller schrieb am 20. Juli 2010 at 16:22 - Permalink

        Sorry Xenocrates, aber meiner Meinung nach hast Du ganz fürchterlich einen an der Klatsche und das nicht nur bei diesem Thema.

    7. Geheimrätin schrieb am 19. Juli 2010 at 20:22 - Permalink

      Zu Elser unbedingt den schwäbischen Genossen Hasis lesen, der hat eine Biografie über ihn geschrieben:
      Haasis, Hellmut G.: “Den Hitler jag’ ich in die Luft”. Der Attentäter Georg Elser. Eine Biographie. Rowohlt 3. Aufl. 2001. -[edit] die Ausgabe wurde 2009 stark erweitert und überarbeitet!
      http://haasis-wortgeburten.anares.org/elser/Krutthofer.php

      hier einer seiner online-Texte zu Elser:
      Georg Elser
      Oder Die Verwurstung des fähigsten Hitlergegners

      und hier noch ein interview auf youtube:
      http://www.youtube.com/watch?v=40qR3UkFIcU

      greetz
      G.
      ps. wir haben hier in unserer Stadt seit letztem Jahr endlich ein kleines Elser-Denkmal, sieht zwar mehr wie ein guillotiniertes Haupt des Helden aus, aber immerhin!

      • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 00:26 - Permalink

        Elsner war imho der Größte (einer der wenigen). Er hat seine eigene Haut eingesetzt! Alle Stauffenberg-xxx usw. in Georg-Elsner-xxx umbenennen!

    8. xxHyFoxx schrieb am 19. Juli 2010 at 20:36 - Permalink

      Jede Elite sucht sich die Helden die sie verdienen.

      Das sich unsere heutigen Eliten die Landesverraeter und Feiglinge Staufenberg & Co als Helden ausgesucht haben ist kein Unfall der Geschichte. Es passt wie die Faust aufs Auge. Damals wie heute gilt: “Lass das Geld rotieren, das Fußvolk soll krepieren.”.
      Die Landesverraeter Staufenberg & Co hatten kein Problem damit die Leben von zehntausenden Landsern zu opfern. Sie haben Befehlsketten unterbrochen, Aufmarschplaenen an den Feind verraten und Zersetzungsarbeit betrieben. Das alles sind keine heldenhaften Taten und werden es auch niemals sein. Womit Staufenberg & Co allerdings ein Problem hatten war ihr eigenes Leben zu riskieren. Das war Ihnen lieb und teuer. Hitler unter Einsatz des eigenen Lebens zu erschießen, das waere eine heldenhafte Tat gewesen. Dazu waren diese Feiglinge aber nicht bereit.

      Nur was ist daran heute anders? Heute sagt das Parlament zu allem Ja und Amen was das eigene Volk beschaedigt. Es schickt in trauter Regelmaessigkeit auch wieder die Soehne/Toechter von Anderen in einen Krieg der nicht zu gewinnen ist. Man staunt und fragt sich insgeheim warum die Damen und Herren Parlamentarier nicht ihre eigenen Kinder ueber Afghanistan verklappen, wenn sie doch so von dem segensreichen Wirken der Bundeswehr ueberzeugt sind. Gut das niemand diese Frage oeffentlich stellt.

      Der Krug geht eben so lange zu Boden bis er bricht und dann will wieder keiner von etwas gewusst haben.

      SMG
      xxHyFoxx

      • Schnellinger schrieb am 19. Juli 2010 at 22:35 - Permalink

        Stauffenberg war ein reaktionäres Arschloch par excellence, aber wer ihn wie du als “Landesverräter” bezeichnet und vom “eigenen Volk” schwafelt, zeigt durch die Wortwahl auch nur das er zur gleichen Nazi-Bagage gehört.
        Geh weg.

        • xxHyFoxx schrieb am 20. Juli 2010 at 19:29 - Permalink

          Na wer wird denn gleich so empfindlich sein.

          Das die Verschwoerer des 20. Juli (mehrfachen) Landesverrat begangen haben bezweifelt nicht einmal die Geschichtsschreibung. Allerdings wird da der Begriff Landesverrat noch mit Worten wie: “Gewissen”, “Freiheit” und “Mut” geschmueckt.

          Ich persoenlich habe allerdings mit Leuten ein Problem die sich zu fein sind fuer ihre Idee den Kopf hinzuhalten. Stattdessen haben sie lieber die Landser den Kopf hinhalten lassen. Solcherart Verantwortungsdelegierung ist fuer mich kein Grund zum Feiern. Feiern duerftet ihr, die ihr mit der Sache ohnehin nichts zu tun habt, dann wenn auch nur einer der Verschwoerer den Mumm aufgebracht haette mit eine Pistole vor A.H. zu treten. Sic semper Tyrannis. DAS waere mutig gewesen!

      • Paule schrieb am 19. Juli 2010 at 23:40 - Permalink

        “…Sie haben Befehlsketten unterbrochen, Aufmarschpläne an den Feind verraten und Zersetzungsarbeit betrieben.”

        Was war denn ein dreiviertel Jahr später in Halbe bei Berlin, wo die Reste der geschlagenen Truppen von den Seelower Höhen eingekesselt wurden? Wo die Befehlskette kollabierte? Wo umher irrende Wehrmachtssoldaten heillos verknäult mit Flüchtlingstrecks so zusammen geschossen wurden, dass Augenzeugen noch heute stockend berichten? Wo waren da die Landesverräter?

        • xxHyFoxx schrieb am 20. Juli 2010 at 19:37 - Permalink

          Da bringst du jetzt was durcheinander. Das Beispiel was du hier auswalzt findet seine Ursache in der militaerischen Lage und da sollte man es auch belassen.

      • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 00:34 - Permalink

        Sach ‘ma: Ich hoffe du (kleines d) Held hast da *zyn on/off* oder *Ironie on/off* vergessen! Falls nich: Verrat niemanden wo du wohnst! *Grrh*

        • xxHyFoxx schrieb am 20. Juli 2010 at 19:38 - Permalink

          Warum sollte ich das nicht verraten?

          • Vogel schrieb am 21. Juli 2010 at 22:29 - Permalink

            Du warst nich gemeint – beachte bitte die Reihen… äh die Schachtelfolge.

    9. ak schrieb am 19. Juli 2010 at 20:47 - Permalink

      @Autor

      Zum 20. Juli 1944 gibt es eine alternative linke Deutung:

      Es war ein gescheiterter Militärputsch infolgedem das Alte Reichsdeutschland mit seinen vorwiegend preußischen Alteliten historisch unwiderruflich abtrat …

      Und es gibt realexistierende Politlinke (nicht nur, aber auch im Gegenwartsdeutschland), die das gut finden …

      ak
      19. Juli 2010

    10. Egon schrieb am 19. Juli 2010 at 21:03 - Permalink

      “Dikatat von Versailles” ;)

    11. Juttipat schrieb am 19. Juli 2010 at 21:16 - Permalink

      Tja und nach gefühlten Hundert Jahren Verleugnung
      steht im Heimatort Elsers doch tatsächlich endlich
      eine Skulptur ihm zu Ehren :

      P.S.: Die Schule heißt schon eine Weile “Georg Elser Schule Königsbronn”

    12. Stephan schrieb am 19. Juli 2010 at 21:33 - Permalink

      Stauffenberg und Co. waren großteils Verbrecher: Sie wollten mittels Militärputsch Hitler und dessen engste Umgebung ausschalten, dem sie – bei näherem Hinsehen – schlicht Mißerfolg vorwarfen: Keiner der Putschisten hatte sich vor oder bei Weltkriegsbeginn gegen diesen Krieg, die schlimmste Aggression der Menschheitsgeschichte, ausgesprochen.

      Was die Putschisten danach wollten, wird von Guttenberg, Merkel und Co. bewußt verschwiegen – dabei ist es nachprüfbar: Waffenstillstand im Westen, aber nicht im Osten. Verhindern der Rückgabe der geraubten Gebiete. Keine Entschädigungen und keine Bestrafung der militärischen Führung für Kriegsverbrechen (ein paar Partei-Kader hätte man vielleicht ans Messer geliefert). Militärdiktatur auf unbestimmte Zeit, bis irgendwann eine stabile, strenge Führung von oben etabliert werden kann (unter keinen Umständen Demokratie, da eine echte Volksherrschaft offenbar den Interessen der Eliten entgegenstände).

      Betrachten wir all diese Punkte, fällt es schwer, die Ziele der Stauffenberg-Gruppe in irgendeinen Kontext mit Demokratie oder gar mit Leitbildern “unserer Jungs” bei der Bundeswehr zu bringen.

      Daß es dennoch massiv getan wird, weist darauf hin, daß gelenkte Demokratie nicht nur in Rußland ein Thema ist..

    13. Sten schrieb am 19. Juli 2010 at 21:52 - Permalink

      Stauffenberg als Reaktionären zu beschimpfen und dabei seine Zusammenarbeit mit Julius Leber, Wilhelm Leuschner, Hermann Maaß, Adolf Reichwein usw. nicht zu erwähnen ist aber auch keine korrekte Geschichtsschreibung…

    14. Bernie schrieb am 19. Juli 2010 at 22:04 - Permalink

      @Jens Berger alias Spiegelfechter

      Toller Text, volle Zustimmung, auch was du über die damaligen “Eliten”, die Vorfahren der heutigen “Eliten” schreibst kann ich doppelt unterstreichen.

      Nur eines noch, als Tipp auch Hitler wurde via PR zum dt. Messias hochgejubelt – eine Ironie der Geschichte – wie Stauffenberg nach dem II. Weltkrieg als Attentäter, den du hier völlig korrekt beschreibst.

      Ich hab’s noch nicht gelesen, aber schon geordert – zum Thema Hitler als Messias der damaligen Deutschen ist derzeit ein Buch auf der Sachbuchbestenliste: “Hitlers Charisma” von Ludolf Herbst.

      Was ich aber schon gehört, und gelesen habe ist, wie bereits erwähnt, der türkischstämmige, mutige Kabarettist Serdar Somuncu “Auf Lesereise mit Adolf”, und allein da wird klar was für einen Schwachsinn Adolf Hitler schon in “Mein Kampf” abgesondert hat, und dass er nur via massiver PR zum “Messias” der damaligen Deutschen werden konnte.

      Manche behaupten übrigens, dass diese PR-Masche auch auf heutige Kanzler übertragbar sind, die von reinen Luftnummern zur “Mutter der Nation” umfunktioniert werden sollen, d.h. “Hitlers Charisma” ist hochaktuell, und ich lese es bestimmt. Eben weil es hochaktuell ist :-(

      Gruß
      Bernie

    15. Bernie schrieb am 19. Juli 2010 at 22:06 - Permalink

      Übrigens betreffs “Mein Kampf”, dass ist wohl genau aus dem Grunde nicht frei käuflich, weil nach dessen Lektüre klar wird was für ein hirnloser Mensch Deutschland von 1933 – 1945 diktatorisch geknechtet hat – so mein, und sicher auch Serdar Somuncus, Verdacht – mit dem Serdar Somuncu eben durch Deutschland, und sogar in Regionen mit hirnlosen Neonazis, auf Lesereise unterwegs ist…..
      Gruß
      Bernie

      • Paule schrieb am 19. Juli 2010 at 23:21 - Permalink

        Schon damals soll kaum jemand den Bestseller, der mit Ledereinband in jedem teutschen Bücherschrank stand, gelesen haben. Ich hab´s versucht und aufgegeben. Unlesbar.

      • Xenocrates schrieb am 19. Juli 2010 at 23:28 - Permalink

        Ich habe auch “Mein Kampf” gelesen. Es liest sich wie der Programmentwurf seiner Verbrechen – wobei das erste Verbrechen ist, es anderen zum Lesen aufzugeben. Also, angesichts der damaligen Verhältnisse waren die Absichten schon sehr transparent.

      • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 17:51 - Permalink

        @bernie,

        Übrigens betreffs “Mein Kampf”, dass ist wohl genau aus dem Grunde nicht frei käuflich, weil nach dessen Lektüre klar wird was für ein hirnloser Mensch Deutschland von 1933 – 1945 diktatorisch geknechtet hat

        Falsch, der Freistaat Bayern hat das Copyright von Hitlers “Mein Kampf” geerbt. Offiziell gilt das Copyright ab 1920 und erlischt 2015.

        Unverständlich, dass der Freistaat Bayern bei der Haushaltslage auf Einnahmen aus dem Copyright für Hitlers “Mein Kampf” verzichtet, gilt das Werk doch in manchen Ländern als Bestseller. Nur das Münchner IFZ-Institut hat jüngst eine Auflage neu gedruckt, die aber nicht im Buchhandel verkauft werden darf.

        • bernie schrieb am 21. Juli 2010 at 18:15 - Permalink

          @goldman sachs

          “[...]Falsch, der Freistaat Bayern hat das Copyright von Hitlers “Mein Kampf” geerbt. Offiziell gilt das Copyright ab 1920 und erlischt 2015[...]”

          Danke für den Hinweis ;-)

          “[...]Unverständlich, dass der Freistaat Bayern bei der Haushaltslage auf Einnahmen aus dem Copyright für Hitlers “Mein Kampf” verzichtet, gilt das Werk doch in manchen Ländern als Bestseller. Nur das Münchner IFZ-Institut hat jüngst eine Auflage neu gedruckt, die aber nicht im Buchhandel verkauft werden darf[...]”

          Na ja, Serdar Somuncu hat da seine eigene Theorie zu – Nur mal so am Rande meine Theorie:

          Ist es nicht oberpeinlich zuzugeben, dass so ein hirnloser, unfähiger Mensch Deutschland von 1933 – 1945 dikatorisch regiert hat? Könnte das der Grund sein, dass mein Kampf immer noch nicht frei im Buchhandel erhältlich ist?

          Gruß
          Bernie

          • goldman sachs schrieb am 21. Juli 2010 at 20:42 - Permalink

            @bernie
            Das Copyright von Hitlers “Mein Kampf” endet am Ende des 70. Jahres nach dem Tode des Autors, d.h. am 31.12.2015. Nur zu!

            Schon Hitler hat der Verkauf von “Mein Kampf” zum vielfachen Millionär gemacht. Umgerechnet in Euro hat Hitler an Tantiemen aus dem Verkauf von “Mein Kampf” von 1925 – 1945 ca. 160 Millionen Euro kassiert.

            Bis zum 30. Januar 1933 wurden rd 240.000 Exemplare von Hitlers „Mein Kampf“ verkauft, woraus sich eine kumulierte Steuerschuld von 405.500 Reichsmark (rund 6 Mio. Euro) errechnete. Die These ist wissenschaftlich belegt, dass Hitler deshalb 1933 unbedingt Reichskanzler werden musste, damit Hitler den Präsidenten des Finanzamts München vorzeitig in den Ruhestand schicken konnte und dieser ihm dafür seine Steuerschulden erließ, die einigen tausend Jahreslehrergehältern entsprachen.

            Erst mit der Ernennung zum Reichskanzler war Hitler ein freier Mann, so das Argument des Hochbänkers Kurt Baron von Schroeder, mit dem er Hitler am 4. Januar 1933 “überredete”. Folglich galt für Hitler ab dem 30. Januar 1933 das Prinzip Brutto = Netto

            Allein im 1. Jahr seiner Reichskanzlerschaft erzielte Hitler aus dem Verkauf von “Mein Kampf” Tantiemen von rd. 1,2 Mio. Reichsmark (steuerfrei,) was umgerechnet ca 18 Mio. Euro entspicht.

            Um Hitlers Tantiemen drastisch zu steigern, mußte Hitlers NS-Staat ab 1933 jedem frisch vermählten Arier-Paar ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ kaufen und mit Hitlers Weltkrieg 1939 mußte sich jeder auf Hitler vereidigte Soldat ein eigenes druckfrisches Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ kaufen.

            Mit dieser Hitlerschen Methode der Absatzförderung konnte Hitler von 1934 – 1945 zusätzliche 10 Millionen Exemplare seines Schinkens „Mein Kampf“ allein in Deutschland absetzen. Die Tantiemen Hitlers daraus werden auf 7,6 Mio. Reichsmark (steuerfrei) beziffert, was umgerechnet 112 Mio Euro entspricht.
            http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/4105683.stm

    16. Stephan schrieb am 19. Juli 2010 at 22:08 - Permalink

      @Sten

      Der Kreisauer Kreis, aus dem sie einige (SPD-nahe) Menschen erwähnen, war erstens sehr heterogen, zweitens nicht festgefügt und drittens für die eigentlichen Attentäter, alles Militärs, bestenfalls sekundär.

      Bei Ihrem Ruf nach “korrekter Geschichtsschreibung” wäre ich auch neben den gerade aufgeführten Punkten sehr vorsichtig: Glashaus, Steine..

      “Festzuhalten ist, dass viele radikale Antisemiten und Kriegsverbrecher an der Verschwörung des 20. Juli beteiligt waren, so z. B. der Generalquartiermeister Eduard Wagner, der Mitverantwortung für den Tod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener trug und der sich aus Furcht vor der Rache der Roten Armee dem Widerstand angeschlossen hatte. Zum engeren Kreis zählt auch der 1944 hingerichtete Arthur Nebe, der als Kommandeur der SS-Einsatzgruppe B zahlreiche Massaker an Juden und anderen Zivilisten zu verantworten hatte und als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes im RSHA einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Sinti und Roma war. Ebenfalls zum Kreis der Mitverschwörer gehörte der Berliner Polizeipräsident, Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, der sich als alter Parteigenosse schon vor 1933 bei Übergriffen gegen Juden hervorgetan hatte.”

      http://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944

      • Sten schrieb am 20. Juli 2010 at 17:33 - Permalink

        “In den Putschplänen des Kreises um Stauffenberg war Leber als Innenminister vorgesehen. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg setzte sich für ihn als zukünftigen Kanzler ein. Sein bürgerlicher Mitverschwörer Hans Bernd Gisevius betrachtete ihn dagegen als zu weit links stehend.”

        http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Leber

        “Nach dem geplanten Putsch gegen Hitler sollte Leuschner im Schattenkabinett Beck/Goerdeler möglicherweise Vizekanzler werden.”

        http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Leuschner

        So sekundär sieht das gar nicht aus…

    17. muffin schrieb am 19. Juli 2010 at 23:14 - Permalink

      Danke für diesen Artikel. Ich werde nicht müde dieses zu betonen…. seit Jahren… ja sogar fast 2 Dekaden. Obwohl ich ja nur Ausläder bin und persé keine Ahung von der deutschen Geschichte haben kann, da ich ja nicht die 4te Dekade übersschritten habe, nicht mal annähernd. “Wer war Georg Elser?”, ist eine schöne rhetorische Frage…. für einige…. für mache ein Rätsel… “Wer war die “Rote Kapelle”?” möchte ich hinzufügen. Es war nicht nur Harnack und Boysen.

    18. Winne2 schrieb am 19. Juli 2010 at 23:29 - Permalink

      @spiegelfechter:
      Sehr schön, sehr richtig. Lange bekannt, aber immer mal wieder gut zu lesen – man wundert sich ja wirklich wieviele da vieles noch nie gehört haben. Ein kleiner technischer Hinweis:
      Der “Gentleman” hätte gern mit der Pistole dem Führer ins Proletenhirn gepustet (die haben auch durchaus überlegt, wie sie mit einer Waffe an ihn rankommen). Allein der Personenschutz für Adolf war auch schon damals so ausgeprägt – Waffen wurden selbstverständlich eingesammelt. Dazu war Stauffenberg auch noch behindert…. Schon seit 1942 konnte sich Hitler selbst der engste Führungskreis nicht mehr mit persönlichen Waffen nähern. Nacktscanner gab es aber noch nicht und Göring bis auf die Unterhose nach Sprengstoff durchsuchen, das hat wohl selbst Hitler abgeschreckt.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 10:54 - Permalink

        Einspruch Euer Ehren! Wer eine Bombe in den Lageraum schmuggeln kann, kann auch eine Luger dorthin schmuggeln und Stauffenberg war auch nur auf einer Seite verletzt. Ein halbwegs geübter Schütze trifft sein Gegenüber aus einer solchen Entfernung auch sprichwörtlich mit links.

        Was die Personenkontrollen angeht: Die betrafen m.W. nicht den engeren Kreis und/oder die Soldaten in seinem Umfeld. Ich hatte mich über das Thema mal mit einem Verwandten unterhalten, der (als Adjutant von Fegelein) beim Attentat vom 20. Juli in der Wolfsschanze (aber nicht im Lageraum) dabei war. Von übertriebenen Personenkontrollen wußte er nichts. Er sagte mir, wenn Stauffenberg “einen Arsch in der Hose gehabt hätte” (O-Ton), hätte er Hitler erschießen können. Natürlich hätte auch mein Verwandter Hitler erschießen können, aber auch er war ein Kind seiner Zeit und ein Mann mit Familie.

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 11:11 - Permalink

          Graf von Stauffenberg hatte auch Familie. Es entspricht nicht der menschlichen Natur, Selbstmord zu begehen, Selbstmordattentäter sind fanatisiert und meist sehr jung.

          Ungeachtet dessen, dass Stauffenberg nicht bereit war, in direkter Konfrontation seinen Tod unmittelbar in Kauf zu nehmen (er wäre fraglos sofort erschossen worden, kaum hätte er die Waffe auf Hitler gerichtet), ging er dennoch ein enormes Risiko für sich und seine Familie. Das hätte er nicht tun müssen und seine Gewinnaussicht blieb bei allen hier geäußerten Mutmaßungen äußerst wage.

          • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 19:08 - Permalink

            dann sollte man aber mit diesem “Heiligen-Deutschland-Geschwafel” auhören. Wollte er nun Hitler töten oder nicht?

            • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 19:48 - Permalink

              Also von dem “Heiligen-Geschwafel” habe ich nichts mitbekommen. Natürlich wollte er Hitler töten, mit dem Risiko zu scheitern und selbst getötet zu werden. Nur waren damals Selbstmordattentäter noch nicht so in…

            • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 20:19 - Permalink

              @Xenocrates

              Ich frage mich langsam, ob Du wirklich derart dämlich bist oder ob Du mich ärgern willst.

              Du weißt sicher, dass sowohl von Tresckow, als auch von Boeselager Hitler mit ihrer Pistole erschießen wollten – dies wurde von General von Kluge verhindert, der “so etwas” nicht in seinem HQ dulden wollte.

              Von Gersdorff wollte sich sogar (talibanlike) mit Hitler zusammen in die Luft sprengen – der Führer war wieder einmal eilig und Gersdorff konnte die Bombe an seinem Körper mit Mühe und Not auf einer Toilette entschärfen, bevor sie explodierte. Ewald Heinricht von Kleist wollte das Gleiche probieren, Hitler sagte aber ab.

              Und nun erzähl Du mir nichts von “fanatischen, jungen Selbstmordattentätern”.

        • Dominik schrieb am 20. Juli 2010 at 11:13 - Permalink

          Irgendwie finde ich es immer reichlich dämlich hier über die “anständige” oder “nicht feige” Art jemanden umzubringen zu diskutieren.

          Irgendwann kommt dann noch jemand, der fordert er hätte Hitler zu einem ehrlichen Duell mit dem Säbel herausfordern sollen.

          • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 19:07 - Permalink

            es geht ums das Ziel und nicht um die Mittel.

        • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 20:19 - Permalink

          @spiegelfechter,

          wenn Stauffenberg “einen Arsch in der Hose gehabt hätte” (O-Ton), hätte er Hitler erschießen können.

          Stauffenbergs Weltanschauung hätte es überhaupt nicht widersprochen, Adolf Hitler zu erschießen. Es lag einfach nur am Arsch in der Hose, dass Stauffenberg diese “Bereinigung der deutschen Rasse und des Ausmerzens” nicht vollziehen konnte.

          Angeblich war Stauffenberg nämlich „der Meinung, dass eine Politik der Bereinigung der deutschen Rasse und des Ausmerzens jüdischer Einflüsse daraus ein entscheidender Teil dieser Erneuerung sein müsse.“
          http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/szm-20090123.htm

    19. Eduard II schrieb am 19. Juli 2010 at 23:39 - Permalink

      Die Kritik der Staufenberg-Geschichte im Artikel ist vollkommen korrekt. Ich kann disbezüglich nichts dagegen sagen. Nur ist das alles eigentlich so offensichtlich, dass ich nicht verstehen kann, wieso stellen sich nur relativ wenige Menschen in Deutschland die Frage, was haben denn Herr Staufenberg und Co. zwischen 1933 und 1944 gemacht und welche Gründe sie eigentlich für den Attentat hatten.
      Wie gasagt, das alles ist eigentlich absolut richtig, aber absolut offensichtlich. Was meine Frage ist: ich habe schon bei mehreren Artikel von Jens den Begriff “Bürger in Uniform” gesehen. Mich würde sehr interessieren, was genau der Autor unter deisem Konzept versteht und wie dieses Konzept fuktionieren soll. Meiner Meinung nach hat es sowas nicht nur nie und nirgendwo gegeben, sondern es kann einfach keine funktionirende Streitkräfte nach diesem Konzept geben. Ich bitte um Entschuldigung, wenn diese Frage hier als Offtopic gesehen wird (in wirklichkein ist sie auch offtopic), aber mich würde echt interessieren, wie dieses “Bürger in Uniform”-Konzept unter realen Bedinungen funktionieren soll. Das heißt Aufgaben und Ziele der Streitktäften. Organisation, Führung, Personalpolitik, Ausbildung der Streitkräfte, deren tägliche Arbeit in Friedenszeiten und in (gipothetischen) Kriegszeiten unter Gesichtspunkt “Bürger in Uniform” zu analysieren. Nur ein Beispiel: Soll ein Soldat vor dem Ausführen des Befehls wirklich überlegen ob er seinen Vorstellungen von der Rechtmäßigkeit entspriecht? Besonders wenn man bedenkt, dass die Zeit zum Überlegen meistens sehr knapp ist, dass Soldat unter Stress steht, dass Befehlshaber auch unter Stress steht, dass von der Ausführung des Befehls oft leben von vielen Kamaraden abhängt und nicht zuletzt, dass die Vorstellungen von Rechmäßigkeit des Befehls bei verschiedenen Personen recht unterschidlich sein können. Außerdem oft sind die Gründe für einen Befehl für denjenigen, der den Befehl ausführen soll nicht bekannt. Schlimmer noch, sie dürfen nicht bekannt werden. Was ist mit der Disziplin, wenn man Befehle der Vorgesetzten in Frage stellen wird?
      Ich weiß, das in Deutschland formel gilt, das der Befehl verwiegert werden darf, wenn man feststellt, dass er Rechtswidrig ist. Nur wie soll ein Soldat unter realen Bedinungen sich entscheiden, was Rechtswidrig ist und was nicht? Wie oft wurde bei der Bundeswehr von dieser Regelung Gebrauch gemacht? Auch wichtig: Wie transformiert sich der Rechmäßigkeitsgefühl von meisten “Bürger in Uniform” unter reellen andauenden Kapfbedingungen (ob da leben von Zivilisten, ganz zu schweigen von gefangenen Gegener, noch überhaup irgend ein Wert für die Mehrheit der Kämpfenden darstellt)? Ich entschuldige mich noch mal für offtopic, aber die Meinungen zu diesem Thema würden mich echt interessieren. Wenn Jens ein Artikel zum Thema verfassen würde wäre es echt super.

    20. devnull schrieb am 19. Juli 2010 at 23:51 - Permalink

      Sehr guter Artikel, insbesondere klaert sich fuer mich, warum mir Georg Elser ein Begriff ist, Stauffenberg aber schwer einzuordnen ist:

      Der eigentliche Stauffenberg-Hype begann erst 50 Jahre nach dem Hitler-Attentat. 1994 überzogen sämtliche große Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender das Land mit – meist verherrlichenden – Berichten über die “guten Eliten”, die Hitler stürzen wollten.

      Mein Geschichtsunterricht war frueher und in Dachau war er auch kein Thema…

    21. Vogel schrieb am 19. Juli 2010 at 23:53 - Permalink

      Hervorragender Artikel, hervorragendes Psychogramm der Damaligen und der Heutigen, unseres Elitariats. Der Hammer iss natürlich:

      Wer war Georg Elser?

      Und dass die Schweine den armen Kerl bis zum 9. April 1945, fünfeinhalb Jahre lang(!), haben zappeln lassen!

    22. The Joker schrieb am 20. Juli 2010 at 00:26 - Permalink

      Och menno, SF!
      Hack doch nicht immer so auf unser´m Stauffi rum!
      Andere Lichtgestalten waren doch noch viel näher dran am Oberadolf: http://www.bertisevil.tv/img/bert4.gif ;-D

    23. persona schrieb am 20. Juli 2010 at 00:37 - Permalink

      “Wohl dem Volk, das die Verdrängungskultur perfektioniert hat.”
      Du meinst die Medien, oder? Oder sprichst Du tatsächlich für “das Volk”?

    24. Truvor schrieb am 20. Juli 2010 at 00:53 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      “Wer war Georg Elser ?”

      Weiß Du Jens, vielleicht ist es auch besser so, daß Elser heute (vergleichsweise) unbekannt ist.
      Du weißt doch, daß (beispielweise) unsere Jugend ihre Informationen über damalige Zeit, aus denselben Mainstreammedien bezieht, aus denen auch diese Stauffenberg-Legende kommt.
      Ich glaube, Elser verdient es nicht, daß diese “Medien” eine verlogene “Elser-Legende” herbeizaubern.
      Alles braucht seine Zeit.
      Irgendwann vergeht die ganze Stauffenberg-Euphorie und es wird sich ein Forscher finden, der die Wahrheit über Elser berichten wird.

      • Geheimrätin schrieb am 20. Juli 2010 at 02:28 - Permalink

        Irgendwann vergeht die ganze Stauffenberg-Euphorie und es wird sich ein Forscher finden, der die Wahrheit über Elser berichten wir

        huhu, turvor, den gibts doch schon, guckst du hier:

        http://www.spiegelfechter.com/wordpress/3631/deutschland-deine-helden#comment-76323

        gudn8!

        kann nun auch endlich zu bette, nachdem ich diesen fiesen trojaner in meinem rechner in einem zwar langwirigen, aber letztlich erfolgreichen alleinkampf erledigt habe.

    25. Sigmund schrieb am 20. Juli 2010 at 01:41 - Permalink

      Nun, die Sache ist simpler als man denkt:

      Georg Elser kam aus kleinen Verhältnissen, war mal im RFB, also irgendwie “links”, und damit Bäh.*

      Stauffenberg dagegen war, wie ich gern zu sagen pflege, “Das Feigenblatt der Konservativen”, damit die Merkels und Kohls so tun können, von wegen, wir waren schon immer dagegen!!

      * Zur Elser-Rezeption gibt es doch eine schöne Geschichte:
      Vor Jahren, so um 2000, hatte ein Mitarbeiter (hab den Namen leider vergessen), in der Frankfurter Rundschau einen Gastbeitrag geschrieben, in dem er Elser das moralische Recht zu seiner Tat quasi absprach. Daraufhin gab es einigen Ärger, u.a. legte Saul Friedländer seine Mitgliedschaft im Beirat des Instituts nieder, und man hätte fast die Namensrechte verloren. Ein anderer Mitarbeiter, Uwe Backes, verteidigte ihn – und ist heute Vizedirektor. Heute gibt Backes ein Extremismus-Jahrbuch mit Eckhard Jesse von der TU Chemnitz heraus. Jesse schließlich, um den Kreis zu schließen, findet die Linkspartei natürlich besonders schlimm, die NPD aber “harmlos”. Bei ihm hat übrigens eine der hessischen Rebellinnen promoviert (gibt’s in Hessen keine Unis?). Eine saubere Gesellschaft.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 09:01 - Permalink

        Und um den Kreis zu schließen: Der Mann heißt Lothar Fritze, hat BWL studiert und ist heute Lehrbeauftragter für Politische Theorie und Ideengeschichte an eben dieser TU Chemnitz.

        • Sigmund schrieb am 20. Juli 2010 at 15:42 - Permalink

          Ha Ha!

          Das ein Betriebswirt vor Linksextemisten warnt – welch Überraschung!

    26. brandubh schrieb am 20. Juli 2010 at 06:50 - Permalink

      Fehlt noch der Hinweis, dass die Amerikaner aus der Stauffenberg-Geschichte ein Heldenepos drehten.
      Selbst die US-Amerikaner sind nicht in der Lage den Widerstand des 20. Julis richtig zu deuten.

    27. André schrieb am 20. Juli 2010 at 07:15 - Permalink

      Jedes Land bastelt sich offensichtlich irgendwann seine ganz spezielle Erinnerungskultur. In der DDR wurde dem Antifaschismus gehuldigt, Ernst Thälmann war dabei so etwas wie die Gallionsfigur und natürlich ein Mann ohne Fehl und Tadel. Daß er auch eine durchaus zwiespältige Persönlichkeit war, das wurde nie thematisiert.
      Viele Straßen und Plätze, ja sogar (mindestens) ein Ort bekamen Namen von Antifaschisten. Klar, daß diese Namen bis auf ganz wenige Ausnahmen nach 1990 sofort getilgt wurden, interessanterweise von den Menschen vor Ort, die damit 40 Jahre Erinnerungskultur abstreiften wie einen alten Mantel.

      Heute nun konzentriert sich das ganze Erinnern an den Widerstand im Dritten Reich auf eine einzige Person, nämlich Stauffenberg. Man will nicht wissen, daß die KPD bereits 1933 warnte: “Wer Hitler wählt, wählt den Krieg.” Man will nicht näher auf tausende aktive Widerstandskämpfer eingehen, die schon vor 1939 für ihre Überzeugung in KZ´s landeten. Man will nur Stauffenberg. Das fällt einem gelernten DDR – Bürger vielleicht deutlicher auf, weil bis 1989 mit ähnlicher Inbrunst anderen Helden gehuldigt wurde.

      In Polen wird übrigens gerade einer Schlacht von vor 600 Jahren gedacht, die heute als Geburtsstunde der polnischen Nation gilt. Auch das ist gewollte und beförderte Erinnerungskultur.

      Objektivität braucht man somit wohl nirgendwo auf der Welt zu erwarten. Das jeweilige System schreibt sich die Geschichte jeweils so zurecht, daß sie zum aktuellen nationalen Selbstverständnis paßt. Aber wie heißt es so schön: “Nichts ist von Dauer, so sieh das doch ein…”

    28. aquadraht schrieb am 20. Juli 2010 at 07:33 - Permalink

      25: Backes und Jesse galten bereits in ihren Trierer RCDS-Zeiten als Verfassungsschutz-IMs (damals sagte man noch Spitzel). Sie haben beide jahrzehntelang als CDU-Parteipolitologen im Mittelbau verschiedener Unis überwintert, ihre “wissenschaftlichen Arbeiten” trafen international auf eine Mischung aus mitleidigem Lächeln und Kopfschütteln.
      Die Wende in der DDR gab dann endlich die Chance, die unfähigen Politruks ins Beitrittsgebiet zu verklappen. Jesse kriegte eine durch die Politsäuberung freigewordene Professorenstelle, Backes wurde an die Spitze des namensschändenden steuerfinanzierten “Instituts für Totalitarismusforschung” verbannt, eine Spielwiese scharfrechter und grüner Antikommunisten. Dieses “Institut” wurde dann mehrfach durch rechtsextreme Äusserungen seiner “Mitarbeiter” auffällig, grossenteils Carpetbagger aus dem Westen, denen wegen der einen oder anderen “Verdienste” ein Job zugeschanzt worden war. Bei dieser Gelegenheit enthüllte ein Landesverfassungsschutzchef im Wege einer “Ehrenerklärung”, dass Backes langjähriger bewährter Mitarbeiter seiner Behörde sei – und daher doch kein Antidemokrat sein könne. Nunja.

      a^2

    29. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 07:50 - Permalink

      Der Text ist fast unvorstellbar gut !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      @ Xenocrates

      Dennoch, es waren die „Eliten“ des Landes, die Hitler als Letztes folgten, was hätten sie auch anderes tun sollen? Als 1932 der wirtschaftliche Aufschwung endlich einsetzte, wollte das noch keiner wahrnehmen, die nationalsozialistische Kugel rollte bereits.

      Wie kann man nur so lügen, dass sich die Balken biegen? Naja, man kann es. Wir leben heute in einer Lügenrepublik. Nebenbei gesagt: Im Jahre 1932 setzt kein wirtschaftlicher Aufschwung ein, sondern die Krise wütete wie verrückt. Das Wirtschaftswunder war das Werk von Hitler & Co. Aber das Thema ist nicht die Ökonomie, sondern die Politik:

      Es ist sehr amüsant, wenn uns nahe gelegt wird: Wir, die dummen Massen, haben Adolf gewählt.

      Wir wissen, dass dieser Ausländer zuerst einmal erfolglos geputscht hat (29. September 1923 – München). Einen linken Putschisten würde man sofort aufhängen. Wie ging man aber damals mit einem rechten Putschist um?

      “Wie der gescheiterte Putschist das Tribunal zur Bühne seiner hemmungslosen Anklagen gegen die »Judenrepublik« hatte machen können, so kam ihm auch der Strafvollzug in jeder Weise entgegen. Anstatt, wie noch einmal im Herbst 1924 geplant, den unerwünschten Ausländer abzuschieben, gewährte man Hitler im Kreis der etwa 40 mit inhaftierten Gesinnungsgenossen einen geradezu erholsamen Aufenthalt auf der Festung Landsberg, der mehr als vorzeitig schon im Dezember 1924 mit der Begnadigung endete. Im großen Aufenthaltsraum, wo Hitler beim Mittagessen den Vorsitz hatte, prangte die Hakenkreuzfahne. Am 8. November 1924 hielt man eine Gedenkfeier ab. Die Haftanstalt wurde geradezu zu einem ersten »Braunen Haus«, in dem Hitler, meist in Lederhosen und Tirolerjacke gekleidet, die Ehrenbezeigungen seiner Getreuen und die Briefe, Blumen und Sympathiekundgebungen der Außenwelt entgegennahm. …

      Er verschlang die bereitstehende Lektüre und machte sich mit willkommenen Hilfstheorien wie mit der Geopolitik Karl Haushofers vertraut, der ihn durch Vermittlung seines Studenten Rudolf Heß wiederholt besuchte, und schon im Juni begann er sein großes Buch zu schreiben, das die Abrechnung mit Vergangenheit und Gegenwart führen und den neuen, nun »legalen« Weg zur Macht und Herrlichkeit der nationalsozialistischen Zukunft verbindlich deklarieren sollte. …

      Im sonnigen, zweifenstrigen Zimmer diktierte er seinem Chauffeur Emil Maurice, später seinem blind ergebenen »Sekretär« und späteren Stellvertreter Rudolf Heß, der freiwillig aus dem Tiroler Asyl in die Landsberger Haft gekommen war, den ersten Band von Mein Kampf; der zweite Band folgte zwei Jahre später. Die höchst notwendige Korrektur besorgte neben anderen der ehemalige Ordenspater Bernhard Stempfle.”

      Karl Dietrich Bracher, Die deutsche Diktatur, Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 1969

      • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 09:18 - Permalink

        Im Oktober 1932 konstatierte das Institut für Konjunkturforschung eine leichte wirtschaftliche Erholung, eine Einschätzung, die heute von den meisten Wirtschaftshistorikern geteilt wird. Bei den folgenden Reichstagswahlen im November verlor die NSDAP deutlich an Zustimmung. 1933 wuchs die Wirtschaft wieder über alle Quartale, was sich wohl kaum mit dem Regierungswechsel begründen lässt, dazu war die Zeit zu kurz.

        Man muss wirtschaftshistorisch nicht alles wissen, es gebietet sich jedoch etwas Zurückhaltung in der Wortwahl.

      • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 10:14 - Permalink

        Das Institut für Wirtschaftsforschung konstatierte im Oktober 1932 eine wirtschaftliche Belebung, eine Einschätzung, die von heutigen Wirtschaftshistorikern geteilt wird. Anschließend verlor die NSDAP bei den Reichstagswahlen im November 1932 deutlich an Zustimmung. In allen Quartalen 1933 wuchs die deutsche Wirtschaft wieder, was sich kaum auf den Machtwechsel allein zurückführen lässt.

        Das ist keine Lüge, sondern geschichtliche Wahrheit.

        Anmerkung: Da der Text jetzt mehrfach rausgeschmissen wurde, publiziere ich ohne Link.

        • Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 10:25 - Permalink

          Nein, dass war nur eine der vielen Lügen, welche die “Eliten” damal auf dem Fließband produziert haben. Eine mit dem Geld der Reichen und den Wirtschaftskapitäne finanzierte Lüge. Nichts als Lüge. Also kein Irrtum: Es war eine bewußte Lüge! Und du verbreitest auch diese Lüge, weil sie bestens zu den Lügen der heutigen Ziet passt.

          • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 10:32 - Permalink

            Aha. Über das ganze Jahr 1933 wächst die Wirtschaft und bereits im Herbst 1932 wird die wirtschaftliche Erholung verkündet, die eher der NSDAP schadete. Und dennoch soll das alles eine Lüge sein, um die Nazionalsozialisten an die Macht zu bringen? Erstens wahrlich überzeugend, zweitens ohne historischen Beleg.

            • Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 10:42 - Permalink

              Was willst du jetzt mit diesem Blödsinn?

              Entweder kennst die die Geschichte nicht oder du bist ein schäbiger Lügner. Und für die Ökonmie bist du eine Pfeife.

              Oder bist du von der INSM, und du erledigst hier nur deine ideologische Aufgabe?

            • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 13:20 - Permalink

              Nochmal: die wirtschaftliche Einschätzung des Institut für Wirtschaftsforschung ist eine historische Tatsache (was Dir offensichtlich nicht bekannt ist), ebenso die wirtschaftshistorische Beurteilung der Konjunkturentwicklung 1932. Noch im Frühjahr 1932 sah das Institut übrigens keine Erholung.

              Das alles ist keine Lüge, sondern liegt in Originalquellen vor. Offensichtlich ist auch, dass die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der NSDAP geschadet hat.

              Wie passt aber dann zusammen, dass genau diese Wirtschaft Hitlers Aufstieg gewünscht, ja gefördert haben soll? Sicher, bekämpft hat man es auch nicht, aber das gilt bis heute auch für das Verhältnis von Unternehmern zu Linksparteien.

              Historische Ignoranz ist keine Leistung und Beschimpfungen deuten auf schlechte Erziehung. Und wenn Du sonst nichts zu bieten hast, ist die Diskussion hier zu Ende.

        • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 14:09 - Permalink

          @Xenocrates

          Das Institut für Wirtschaftsforschung konstatierte im Oktober 1932 eine wirtschaftliche Belebung, eine Einschätzung, die von heutigen Wirtschaftshistorikern geteilt wird. Anschließend verlor die NSDAP bei den Reichstagswahlen im November 1932 deutlich an Zustimmung.

          Am 1.Juni 1932 wurde von Papen zum Reichskanzler ernannt, Von Papen bildete eine Minderheitsregierung, das sog. „Kabinett der Barone“. Er plante den Übergang zu einer autoritär-präsidialen Republik, an deren Ende die Monarchie stehen sollte. Für die Verfassungsänderung brauchte er die Stimmen der NSdAP. Die NSdAP sagte zu, Papens Regierung zu tolerieren, unter 2 Bedingungen: 1. Neuwahlen, 2. Aufhebung des Verbots von SA und der SS. Von Papen erfüllte beides. Am 4. Juni 1932 löste der Reichspräsident den Reichstag auf. Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 wurde die NSDAP stärkste Partei.

          Von Papens Arbeitsbeschaffungsprogramm führte bereits zu einem beginnenden Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Die Pläne zum verstärkten Autobahnbau mussten aber vorerst in der Schublade bleiben, da deren Umsetzung bis zum Dezember 1932 aufgrund von Beschränkungen des Versailler Vertrages nicht möglich war.

          Die Reichstagswahlen vom 6. November 1932 brachten schwere Verluste für die NSDAP, aber Gewinne für die KPD. Beide Parteien behielten ihre Sperrmajorität. Daraufhin schlug von Papen dem Reichspräsidenten bei einer Besprechung am 2. Dezember 1932 einen Staatsstreich vor.

          “Am 4. Januar 1933 traf sich Papen insgeheim mit Adolf Hitler im Haus des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder, um über die Regierungsbeteiligung der NSDAP zu beraten. (…) Papens Plan war es, Hitler „einzurahmen“, ihn und seine Stimmen zu kaufen und in Wirklichkeit selbst die Macht auszuüben. Er soll dazu geäußert haben: „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!“ Bereits im Februar 1933 entmachtete sich Papen weitgehend selbst, indem er Hindenburg dazu bewog, nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar die ihm von Hitler vorgelegte Verordnung zum Schutz von Volk und Staat zu unterzeichnen,”
          https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Franz_von_Papen

          • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 16:09 - Permalink

            Schöne Geschichtsstunde. Widerspricht nur in keinem Punkt dem Zitat noch meinem Beitrag. Von daher kann ich außer diesen beiden Sätzen nichts erwidern.

            • Vogel schrieb am 21. Juli 2010 at 07:36 - Permalink

              Entlarvend! Du bist nich hier um zu “erwidern” sondern zum kommentieren!! Merx Dir!

    30. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 08:06 - Permalink

      Was geschah ökonomisch während der Weimarer Zeit?

      Es folgte eine Reform nach der anderen, Zerschlagung der Sozialsysteme, Umverteilung von unten nach oben, Versklavung der Arbeitenden, … Brüning war das, was später Schröder war. Unsere sprichwörtlich raffgierigen, rücksichtlosen und räuberischen neoliberalen und konservativen “Eliten” haben die Wirtschaft ruiniert.

      Die ewige Wiederkehr von Gut und Böse
      Was waren der Faschismus und der Kommunismus wirklich?
      weiter >>>

    31. julian schrieb am 20. Juli 2010 at 08:19 - Permalink

      Danke. Endlich weiß ich wer dieser Georg Elser ist. Ich war früher oft in den Georg Elser Hallen als ich noch in München wohnte, habe aber niemals nachgeforscht, wer das eigentlich ist. Und jetzt muss ich auf http://www.georg-elser-hallen.de/ lesen:

      DIE GEORG-ELSER-HALLEN SIND SEIT 01.07.2008 LEIDER GESCHLOSSEN
      (GEBÄUDE WIRD ABGERISSEN)

    32. Tante Mili schrieb am 20. Juli 2010 at 08:34 - Permalink

      Lieber Spiegelfechter, Danke für diesen ausgezeichneten und leidenschaftlichen Artikel! Ich schätze mich glücklich, dass ich als Jugendliche stets am 20. Juli von meinem Vater (Jahrgang 1929) an Georg Elser erinnert wurde – niemand in meiner Schulklasse oder meinem Freundeskreis wusste etwas darüber!!! Dass dieser Respekt verdienende Mensch derart “unter den Teppich gekehrt wird”, liegt meiner Meinung auch daran, dass sein Attentatsversuch (optimal geplant, und Hitler nur durch schieres Glück entwischt!) beweist: EIN EINZELNER kann etwas gegen ein übermächtiges Regime ausrichten, wenn er Verstand und Courage hat. Solches Gedankengut kann den “Eliten” gar nicht gefallen… wenn sich sowas in den Köpfen der deutschen Schafe verbreitet, würden die ja womöglich nicht mehr brav zur Schlachtbank tappeln, leise blökend, ach, man kann ja doch nichts ändern!?!?

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 09:06 - Permalink

        IN EINZELNER kann etwas gegen ein übermächtiges Regime ausrichten, wenn er Verstand und Courage hat. Solches Gedankengut kann den “Eliten” gar nicht gefallen…

        Sehr richtig! Dieser Gedanke kann allerdings auch den Millionen Mitläufern nicht gefallen, da er ihnen die Ausrede raubt. Das ist sicher ein weiterer Grund für die schändliche postume Behandlung von Elser.

        • Tante Mili schrieb am 20. Juli 2010 at 09:23 - Permalink

          Das stimmt, dadurch trifft die Intention der Geschichtsklitterer auf weit offene Ohren und Hirne im Publikum – ein Erfolgsrezept, das immer wieder gern verwendet wird (z.B. Hartz-IV- und Griechen-Hetze der BILD-Zeitung). Eine Legende funktioniert nur dann richtig, wenn sie an jedem Lagerfeuer / Stammtisch weitererzählt wird.

    33. altautonomer schrieb am 20. Juli 2010 at 08:43 - Permalink

      Hast ja Recht. Verdrängungskultur und Gedenktagantifaschismus sind nur propagandistische Mittel, um an dem Opferdiskurs mit seiner Entlastungs- und Entschuldungsfunktion weiterzustricken. Umso mehr empört es mich (der im Ruhrgebiet wohnt und zur Zeit in Mittenwald residiert), dass gleichzeitig jedes Jahr im Mai auf dem Brenten in Mittenwald die Mörder und Schlächter der Mittenwalder Gebirgsjäger unter Hitler geehrt werden. Neben aktiven Soldaten, Reservisten und Gebirgsjägern der Wehrmacht nehmen jedes Jahr wieder Menschen von jung bis alt an der Trauerfeier teil, die als Deutschlands größte Soldatenfeier gilt. Mit dabei sind neben Abordnungen der
      Bundeswehr und der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger auch NS-Kriegsverbrecher, z.B. der 1. Gebirgsdivision, die für Wehrmachtsmassaker in Kommeno und auf Kephalonia in Griechenland verantwortlich waren. Infos unter:
      http://www.nadir.org/nadir/kampagnen/mittenwald/

      Anders als der inzwischen verbotene, früher jährlich stattgefundene Rudolf-Hess-Gedenktag in Wunsiedel, der von bekennenden Neonazis organisiert wurde, hat die Feier in Mittenwald einen offiziell staatlichen gebilligten Charakter. Vor dem Hintergrund des Hypes um den 20. Juli eine unerträgliche Heuchelei.

    34. ChP schrieb am 20. Juli 2010 at 08:47 - Permalink

      Danke für den Artikel Jens.

      Ich warte ja immernoch darauf, dass Georg Elser auch mal explizit im normalen Geschichtsunterricht Erwähnung findet. Zu meiner Zeit wurde er dezent weggelassen, dafür dann aber der Rest vom 2. WK mehr als ausgiebig abgehandelt und ich bin der Meinung, daran dürfte sich in den meisten Lehrplänen und Unterrichtsstunden der heutigen Zeit nicht viel geändert haben.

      • Vogel schrieb am 20. Juli 2010 at 09:14 - Permalink

        Es hängt (leider) immer vom einzelnen Menschen ab: Handeln/Mitlaufen, Denken/Nachplappern, Hinterfragen/Hinnehmen. Wir hatten, Gottseidank, den besten Klassenlehrer (von 8te bis 10te) den man sich denken kann, Mathe, Deutsch, Geschichte, Religion (Ex Heeresflieger). Der hat sich mit dem 8.11.39 länger aufgehalten als mit dem 20.7.44! Man sieht: Schon 1965/66 konnte man anders als die andern! Seit dem ist mir Georg Elsner geläufiger als der Tom Cruise Vorgänger und Wehrmachtsoffizier!

        • Tante Mili schrieb am 20. Juli 2010 at 09:27 - Permalink

          “Tom Cruise Vorgänger” ist gut ;-)))

        • ChP schrieb am 21. Juli 2010 at 09:07 - Permalink

          Ganz ehrlich – ich beneide dich schon ein wenig dafür. Schön zu hören, dass es in dem Punkt auch Lichtblicke gab und gibt. :)

          Tom Cruise Vorgänger und Wehrmachtsoffizier

          <- auch sehr geil ;D Kann ich Tante Mili vollkommen zustimmen. :)

    35. Karsten Bier schrieb am 20. Juli 2010 at 09:32 - Permalink

      Der erste Teil des Artikels ist endlich mal wieder saugut!

      Nicht gefallen hat mir der Absatz mit den Mitläufern mit Stauffenberg-Feigenblatt. Das halte ich für äußerst weit hergeholt (warum machst du solche Sachen in letzter Zeit? Hat dir das irgend ein Journalisten-Kumpel geraten?). Hast du irgendwelche Argumente, die diese Sichtweise stützen? Wer ist denn eigentlich mit “Mitläufer” gemeint? Und bei was genau läuft er denn mit? Afghanistan? Im Moment sind wir diesbezüglich doch alle Mitläufer. Und ich z.B. habe und hatte _nichts_ für Stauffenberg-Figuren übrig. Als die letztes Jahr diesen (wahrscheinlich) doofen Film gemacht haben, habe ich schon die ganze Zeit die Leute drauf hingewiesen, dass wenn überhaupt, dann eher Elser ein Held war und keinesfalls Stauffenberg.

      Wenn man nun also das Afghanistan-Potential als ähnliches Kaliber ansieht wie WW2, dann müsste man also schon längst zur Waffe greifen und den Feldherren beseitigen. Nur, wer ist das denn heute überhaupt? Obama? Merkel? Das ganze Parlament?

    36. Florian Schmitt schrieb am 20. Juli 2010 at 09:41 - Permalink

      Glaubt man der gefühlten Geschichtsschreibung, stand am 20. Juli 1944 das ganze Volk hinter den Helden des Widerstands, die das “heilige Deutschland” durch einen Tyrannenmord retten wollten.

      Äh, nein?

      Für mich als Normalbürger ohne erwähnenswerte geschichtliche Bildung (abseits von Schule und Abitur) stand Stauffenberg damals ziemlich alleine. Keine Zeitung und kein TV-Magazin hat bisher versucht, mir etwas anderes weis zu machen.

      • SwENSkE schrieb am 20. Juli 2010 at 12:18 - Permalink

        Der Absatz stieß mir in einem ansonsten recht ordentlichen Artikel auch sauer auf.

        Ich bin zwar vielleicht etwas besser informiert als Du Dich selbst einschätzt (über Schule und Abi hinaus) aber ich empfinde dasselbe. Ja, Stauffenberg wird ungerechtfertigterweise zum Helden hochstilisiert, aber daß er nennenswerte Unterstützung im “Volk” gehabt haben soll, hat noch niemand versucht mir weis zu machen – nicht mal Guido Knopp.

    37. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 09:48 - Permalink

      Vielleicht schreibt Spiegelfechter auch etwas über das neueste Phänomen bei unseren rrr-Eliten. Die Politiker danken reihenweise ab. Schröder war auch hier das „leuchtende“ Beispiel.

      Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!

      Ihnen ist klar geworden, dass die brutale Umverteilung von unten nach oben, dass die schamlose Ausbeutung der Arbeitenden und die Privatisierung, also der mafiaähnliche Raub an den öffentlichen Gütern und den Naturressourcen, die dem ganzen Volk gehören sollten, zu einer ökonomischen Katastrophe geführt haben. Das System hat kein Geld mehr für die Kranken, REntner, Schulkinder, …

      Bonn ist nicht Weimar. Aber Berlin ist nicht Bonn!

    38. Chr.Bolz schrieb am 20. Juli 2010 at 10:17 - Permalink

      – sogar heute ist es schwer, einen bekennenden FDP-Wähler zu finden, der seine Begeisterung für diese Partei im Vorfeld der Bundestagswahlen unabhängig von den aktuellen Ereignissen schildern könnte. Wie kommt man auf die Idee, dies sei bei den Mitläufern der Nazis anders?

      Jens, ich glaube du bekommst ärger. Aber ich finde den Vergleich spitze!!!!!

    39. Wolle schrieb am 20. Juli 2010 at 10:20 - Permalink

      Guter Artikel, ich habe nur zwei Probleme damit:
      - Seit 1919 gibt es in Deutschland keinen Adel mehr! Also vielleicht rettet uns einer mit einem langen Namen. Aber bei dem öligen Gebirgsjägeruffz. hab ich da meine Zweifel.
      - Tyrannenmord ist keine Lösung, im besten Falle der 1.Schritt zur Lösung. Der beste Fall tritt wohl nicht so häufig auf.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 19:17 - Permalink

        Ach jeh, die Adelsprivilegien sind idT seit 1919 abgeschafft, aber wir wissen doch beide, dass der Adel inoffziell bis heute weiterbesteht – wenn auch “nur” als elitäres Netzwerk mit “langem Namen”,

    40. Chr.Bolz schrieb am 20. Juli 2010 at 10:24 - Permalink

      Heute sind nach Stauffenberg unzählige Strassen, Plätze und Schulen benannt. Gibt es eigentlich eine Georg-Elser-Schule?

      Ich glaube nicht. Aber hier in München gibt es eine Georg-Elser Halle

      • juttipat schrieb am 20. Juli 2010 at 14:40 - Permalink

        wie oben bereits geschrieben :

        gibts eine Georg-Elser-Schule

        und auch (endlich) ein Elser Denkmal.

    41. EuRo schrieb am 20. Juli 2010 at 10:27 - Permalink

      Alles schon gesagt. Will mich nur in die Reihe derer stellen, die sich dafür bedanken. Hatte in meinem inzwischen gestorbenen Blog ebenfalls mal eine mehrteilige Serie zum Thema. So ein Jens Berger kriegt das in wesentlich kürzerer Fassung hin. Nein, es wäre kein Segen für Deutschland, hätte Stauffenberg Erfolg gehabt – im Gegenteil. Unser “Glück” war der Dilettantismus des Führers und seiner Schergen. Meine Einschätzung. Aber ich war nicht dabei.

    42. t.h.wolff schrieb am 20. Juli 2010 at 10:27 - Permalink

      Georg Elser besaß politischen Weitblick, Tatkraft und Courage – und all das auch noch ohne im Besitz eines Adelstitels oder der allgemeinen Hochschulreife zu sein, nein, schlimmer noch, er war auch noch Mitglied der kommunistischen Partei. Mit solchen reden die bürgerlichen Eliten bis zum heutigen Tage nicht – geschweige denn, daß sie zulassen, daß ihrer gedacht wird.

      Revolutionäre, die bürgerliche Interessen haben und lieber Befehle abtippen statt Bahnhöfe stürmen, gefallen dem Michel.

      -priceless. Ein lange fälliger Artikel.

    43. Dominik schrieb am 20. Juli 2010 at 11:24 - Permalink

      Zwei Fragen die bei mir aufkommen, vielleicht kann sie jemand beantworten. Ich selbst habe noch keine eindeutige Antwort für mich gefunden.

      1. Weiter oben auch schonmal kommentiert und nur so halb zum Thema passend.
      Ist jeder verpflichtet so zu handeln wie die Weisse Rose oder Georg Elser?
      Wie viel muss man riskieren um danach nicht als Mitläufer zu gelten? Bzw. kann es auch moralisch gerechtfertigt sein Mitläufer zu bleiben weil man sein Leben nicht riskieren will?

      2. Mal abgesehen davon, dass es Georg Elser der bessere für den Kult wäre. Spielt es eine Rolle wer Stauffenberg wirklich war? Oder geht es nicht in erster Linie um ein Symbol, bei dem die eigentliche Person irrelevant wird? Ähnliches ging mir auch bei den letzten Diskussionen um den “S-Bahn Helden” Dominik Brunner. Nachdem sich nun herausstellt, dass er nicht 100% einwandfrei und perfekt gehandelt hat wird von einigen versucht ihn komplett ins Abseits zu stellen.
      Dabei wird aber nicht nur die Person, sondern auch das dahinter stehende Symbol für Zivilcourage entwertet, bzw. von einigen versucht dieses aktiv zu entwerten.

      Wir brauchen ziemlich eindeutig diese Symbole um der Allgemeinheit Dinge wie Zivilcourage zu verkaufen. Spielt hierbei die damalige Realität wirklich eine Rolle? Bzw. sollte sie eine Rolle spielen? Die Realität ist schliesslich nie so eindeutig wie die Heldengeschichten sie klingen lassen. Aber immer nur abwägen führt auch nur dazu, dass niemand das Symbol ernst nimmt.

      • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 11:38 - Permalink

        Selbst wenn wir beim Thema bleiben: es ist wie ich es bereits geschrieben habe, Helden machen sich meist die Finger schmutzig, was ihnen dann vorgehalten wird. Nehmen wir das Beispiel Oskar Schindler, in Israel von den Juden verehrt, in Hollywood ein Denkmal gesetzt, in Deutschland weitgehend ignoriert. Liegt es nun daran, dass Schindler zu Beginn Kriegsgewinnler war, Zwangsarbeiter einsetzte und die Wehrmacht mit Produktionsgütern belieferte? Wahrscheinlich, denn das macht ihn in den Augen der so reinrassigen Deutschen, denen Maß und Mitte fehlt, zu einem ambivalenten Helden und damit zu eben keinem Helden. Ein deutscher Held muss mindestens Jesus-Niveau haben – ohne religiöse Bekehrung.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 20:30 - Permalink

        Weiter oben auch schonmal kommentiert und nur so halb zum Thema passend.
        Ist jeder verpflichtet so zu handeln wie die Weisse Rose oder Georg Elser?

        Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde das verneinen. Wenn überhaupt kann diese Verpflichtung nur moralischer Natur sein. Sich als Märtyrer für eine Sache zu opfern, ist für einen Menschen, dessen oberstes Primat im “am Leben bleiben” besteht, ungewöhnlich. Wenn ich mich fragen würde, wie mich ich in einer vergleichbaren Situation verhalten hätte, käme ich sicher zum Schluss, dass ich nicht diesen Mut aufgebracht hätte.

    44. Banana Joe schrieb am 20. Juli 2010 at 12:20 - Permalink

      Danke Jens für diesen Artikel.

      Den Schlussteil möchte ich gerne ergänzen; deshalb anbei ein paar
      Hintergrundinformationen zu Georg Elser…

      georg-elser-arbeitskreis. de

    45. Teja552 schrieb am 20. Juli 2010 at 12:24 - Permalink

      Danke für Deinen guten Beitrag zur Zeitgeschichte den viele lesen sollten, den eine Medaille hat immer zwei Seiten und man sollte erst beide kennen ehe man jemanden in den Himmel hebt!

    46. goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 13:06 - Permalink

      Die Geschichtswissenschaft kennt bisher 39 einwandfrei dokumentierte Attentatsversuche auf Hitler. Nach dem gescheiterten Attentat von Georg Elser im Bürgerbräukeller im November 1939 sind alle bekannt gewordenen Attentatsversuche auf Hitler von der deutschen Militäropposition organisiert worden. Das hängt schlicht damit zusammen, dass nach den Sicherheitsvorkehrungen, die auf Elsers Attentat von 1939 folgten, nur noch die Wehrmacht die Mittel hatte, um nahe genug an Hitler heran zu kommen.

      Die Mythenbildung arbeitet mit der extrem verlogenen Gleichung „Adel = 20. Juli 1944“. Der Widerstand im Adel umfasste aber nur eine winzige Gruppe, die zudem erst nach der verlorenen Entscheidungsschlacht von Stalingrad aktiv wurde. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Adels war tragendes Element des NS-Staates.

      Das traditionelle Denken des Adels, Auslese, Blut, Elite, Führertum, deckte sich voll und ganz mit der Ideologie des NS-Staats. Der Adel verhielt sich zum NS-Staat ambivalent: einerseits sah er sich als der eigentliche Blutskern des NS-Staats hinter der jeweiligen Führungsfassade, andererseits betrachtete er die kleinbürgerliche Führungselite des NS-Regime als rassisch nicht ebenbürtig (der böhmische Gefreite, der hinkende Goebbels, der verfettete spätrömisch-dekadente Morphinist Göring). Es ist deshalb überhaupt kein Zufall, dass der deutsche Adel in der Führung der Eliteorganisation des NS-Staates, Heinrich Himmlers SS, überrepräsentiert war. Die SS war die geliebte Heimat des deutschen Adels.

      Es gibt in der modernen Geschichte wohl keine gesellschaftliche Elite, die wie der deutsche Adel derart extrem katastrophal versagt hat und damit jede künftige politische Rolle verspielt hat. Daher diese verlogene Mythenbildung um „Stauffenberg“, die z.B. auch gekauften US-Figuren wie zu Guttenberg den Boden bereiten soll.

      Stauffenberg ging es nach seinen Worten darum, “ein Zeichen zu setzen”, bei seiner Hinrichtung rief er das „ewige Deutschland“ an. Sein „ewiges Deutschland“ war ein Land von Herren und Knechten, von Führern und Gefolgschaften, von Rasse und Mischvolk. Das sagt wirklich alles aus über die perverse Welt der Bildner des “Stauffenberg”-Mythos, die nichts, wirklich nullkommanichts mit diesem Deutschland zu tun hat. Dass Hollywood seine Mythenmaschine anwerfen muß und Stauffenbergs Rolle mit einem schmierigen Scientology-Schauspieler besetzt wird, sagt nun wirklich alles.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 20:25 - Permalink

        Das hängt schlicht damit zusammen, dass nach den Sicherheitsvorkehrungen, die auf Elsers Attentat von 1939 folgten, nur noch die Wehrmacht die Mittel hatte, um nahe genug an Hitler heran zu kommen.

        Das hängt auch damit zusammen, dass die meisten Regimegegner ab 41 im KZ saßen oder schon tot waren.

      • Jack Bauer schrieb am 20. Juli 2010 at 20:57 - Permalink

        Danke. Bravo. Danke, für den Artikel von Jens. Bravo für deinen Kommentar.
        Ergänzend dazu, dass “zu Guttenberg” einer der beliebteste Politiker Deutschlands ist. Wir haben uns also nicht viel verändert.

        Gruss
        Jack

      • Vogel schrieb am 21. Juli 2010 at 07:51 - Permalink

        Volltreffer! Alle versenkt – vor allem unsere “von und zus” und “auf und davons”! Danke für die unmissverständliche Klarstellung!

    47. ak schrieb am 20. Juli 2010 at 13:54 - Permalink

      nr. 46 (gs)

      Im Kern Zustimmung. Auch wenn´s “die Geschichtswissenschaft” nicht gibt und die ganzdeutsche, Beispiel Winkler, seit zwei Jahrzehnten wieder mal meint sie wär wer
      und doch nicht mehr ist als zeitgeschichtlich verbrämte Herrschaftsideologie.

      Den Militärputsch konnten damals, 1943/44, nur Hochmilitärs unternehmen. Und selbst das haben wehrmachtsdeutsche Obristen nicht auf die Reihe gekriegt.

      Bisserl anders wär, aber das ist hier nicht Thema, das Umfeld der “Grafengruppe” v. Moltkes, auch die vor 1933 weiland rechten Sozialdemokraten im Untergrund, zu bewerten, einer von denen, der Ende 1943 starb, Mierendorff, wollte ausdrücklich die illegale kommunistische Bewegung (nachlesbar bei von Roon 1967 und Albrecht 1987) einbeziehen, konnte sich aber gegen die Gerstenmaier in der Gruppe politisch nicht durchsetzen …

      Daß Goerdeler politisch reaktionäre Ideologie vertrat ist auch nicht erst seit vorgestern bekannt, wurde früher von Gewerkschaftens sarkastisch so kommentiert: Wenn der Putsch am 20. Juli geklappt hätte wär´n wir heute alle noch in der Arbeitsfront;-) …

      ak
      20. Juli 2010

    48. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 14:05 - Permalink

      @ Xenocrates
      Nur noch einKommentatr dazu, damit auch der letzte Zweifel ausgeräumt wird, wie unverschämt uns nämlich Xenocrates belügt.

      Bemerkung: Seit Herbst 2008 können wir solchen Menschen nicht nett nahelegen, sie würden sich irren. Nein, sie irren sich nicht. Sie LÜGEN!

      Das kapitalistische Wirtschaftssystem steht 1932 in seiner schwersten Krise: weltweit etwa 30 Mio. Arbeitslose, brachliegende Produktionskapazitäten, gefüllte Warenlager, Vernichtung von Lebensmitteln, zunehmende Verwirrung im weltwirtschaftlichen Währungs- und Kreditsystem. Die Weltindustrieproduktion (ohne UdSSR) wird in drei Jahren, von 1929 bis 1932, fast halbiert. Die USA, Eng¬land, Deutschland und Polen, die 1928 zusammen mehr als zwei Drittel der Weltindustrieproduktion erbrachten, sind hinter das 1913 erreichte Niveau zurückgeworfen. Der Welthandel schrumpft 1932 auf zwei Fünftel des Umsatzes von 1929. Jeder fünfte Industriearbeiter auf der Erde ist 1932 arbeitslos (Breuer, 8 -f 11; Petzina, Die, 16).
      Am härtesten unter der Weltwirtschaftskrise leiden Deutschland und die USA. Die Selbstmord-Quote, je l Mio. Einwohner, beträgt 1932 in Großbritannien 85, in den USA 133, in Frankreich 155, in Deutschland aber 260 — als Spitze in der Welt (Schulze, Weimar, 360).

      Als Reichskanzler Franz von Papen (1879-1969) Hitler 1932 direkt anspricht: „Sie sind nur da, weil die Not da ist”, erwidert Hitler (12. Oktober 1932, Rede Pocking/Bayern): „Wenn das Glück da wäre, dann brauchte ich nicht da zu sein, und dann wäre ich nicht da!” (Domarus, Max 139).

      Oder dazu Hans Mommsen 1984 kurz und bündig: „Die Weimarer Demokratie scheiterte nicht an Hitler, sondern Hitler war die letzte Konsequenz ihres Scheiterns.“

      In einigen Darstellungen heißt es demgegenüber bis heute, die Wirtschaftskrise sei im Sommer 1932, mit dem Tiefpunkt des Abschwungs, im Abklingen gewesen, und im Herbst 1932 habe ein zwar langsamer, aber doch deutlich registrierbarer Aufschwung eingesetzt. Die Fakten: 1934 kennzeichnet das Statistische Reichsamt das gesamte Jahr 1932 und das erste Halbjahr 1933 als „Depression” und erst die zweite Jahreshälfte 1933 als „Erholung”. Alle Indikatoren der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen, daß zur Jahreswende 1932/33 ein neuer Tiefpunkt erreicht ist.

      Hans-Jürgen Eitner, Hitlers Deutsche: das Ende eines Tabus, Casimir Katz Verlag, Gernsbach, 1991, S. 33, 34, 47

      • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 14:56 - Permalink

        @systemfrager
        was willst du eigentlich sagen?

        Nehmen wir z.B. als Indikatoren für die Wirtschaftsentwicklung die wöchentlichen Durchschnitttswerte aller 1932 – 1933 an der Berliner Börse gehandelten Aktien. Demnach stieg der Aktienkurs –gezogen auf den Tiefstwert August 1932- von Anfang August 1932 bis Mitte Januar 1933 um rd. 30%.

        Die Talsohle wäre dann Anfang August 1932 erreicht gewesen. Anfang August 1932 stand fest, dass bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 die NSDAP stärkste Partei wurde und seitdem gab es ein Kursfeuerwerk an der Berliner Börse.

        Seit dem 1.Juni 1932 war von Papen Reichskanzler. Von Papen hatte offen den Übergang zu einer autoritär-präsidialen Republik angekündigt und dass er für die Verfassungsänderung die Stimmen der NSdAP brauchte. Die Börse nahm nur vorweg, was kommen mußte.

        So gesehen war die demokratische Weimarer Republik genau am 31. Juli 1932 bereits mausetot. Und genau zu diesem Zeitpunkt setzte die Berliner Börse zum Höhenflug an.

        Die Großindustrie hatte die demokratische Weimarer Republik schon im August 1932 bei ihren Investitionsentscheidungen beerdigt und daß Hitler den Reichstagsbrand 1933 nutzte, um die Demokratie offiziell politisch zu beerdigen, war nur noch logische Folge.

        • H. Müller schrieb am 20. Juli 2010 at 17:40 - Permalink

          Was hat der Aktienkurs mit der Wirtschaftsentwicklung zu tun? Glaubst Du auch dieses Zockergeschwätz? Die Börsen sind ein Spielplatz für’s Glücksspiel und sonst nichts!!

    49. Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 14:38 - Permalink

      Um den hier von Teilen verbreiteten Unsinn zu widerlegen, die Industrie habe massiv Hitler unterstützt und im letztendlich ins Amt verholfen sowie die Behauptung, die wirtschaftliche Erholung habe erst im 2. Halbjahr 1933 eingesetzt, gestützt ausgerechnet auf Zahlen des Statistischen Reichsamtes von 1934 (damals schon von den Nazis beherrscht!):

      Die Arbeitslosenzahlen des Reiches erreichten im Februar 1932 ihren Allzeithöhepunkt mit 6,1 Mio. Erwerbslosen. Im Dezember 1932 lag die Zahl um 400.000 niedriger bei 5,7 Mio. Arbeitslosen. Gerade zur damaligen Zeit war die Quote noch ein echter Konjunkturindikator und nicht wie heute weit nachlaufend.

      Die führenden Industrieverbände RDI (Vorläufer des BDI) und des DIHT sprachen sich auch nach den Wahlen im Januar 1933 vehement für einen Verbleib Schleichers als Reichskanzler und gegen Hitler aus:

      Die RDI-Führungsspitze trat folglich Ende Januar 1933, als die Regierungskrise ihrem Höhepunkt zustrebte, entschieden für ein Verbleiben des Kabinetts von Schleicher ein. Sie billigte zugleich den Versuch Schleichers, durch eine Vertagung des Reichstags bis Herbst 1933 eine Entspannung der innenpolitischen Lage herbeizuführen, ohne die Nationalsozialisten mit der Regierungsverantwortung zu betrauen. Dies, und nicht die “Machtübertragung” auf Hitler erschien dem Reichsverband in der konkreten Situation Anfang 1933 als ein “Ausweg”, der, “vorn Standpunkt der Wirtschaft aus gesehen”, “weitaus jedem anderen vorzuziehen” sei. In Fortsetzung dieser Linie intervenierte das Geschäftsführende Präsidialmitglied des RDI, Geheimrat Kastl, gemeinschaftlich mit dem DIHT beim Staatssekretär in der Präsidialkanzlei, Otto Meissner, offenbar, um eine Kanzlerschaft Hitlers in letzter Minute zu verhindern.

      http://www.digam.net/expo/grossindustrie/ksg45.pdf

      Fakt ist: die NSDAP hatte 1932 den Höhepunkt ihrer Zustimmung bereits hinter sich, während sie im August noch 37% der Stimmen auf sich vereinen konnte, fielen die Werte bereits wenige Monate später deutlich auf 33%. Das waren die letzten wirklich freien Wahlen des Reiches. 1933 gab es durch die Schergen (SA) der Nazionalsozialisten massive Wahlbeeinflussungen. Lag die Wahlbeteiligung im August 1932 sehr hoch bei 83%, so lag sie bei der letzten Reichstagswahl wegen der Repressionen bei 72%.

      Das könnte zu einer ganz anderen Schlussfolgerung verleiten: Hätte das gemeine Volk nicht vor dem einsetzenden Nazi-Terror so gekuscht und sich über die Androhungen von Gewalt bei Ausübung des Wahlrechts hinweggesetzt, hätte es den ganzen Spuk möglicherweise nie gegeben. Die einsetzende wirtschaftliche Erholung und sinkende Arbeitslosenzahlen hätten auch die politische Situation weiter entspannt.

      • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 15:13 - Permalink

        @Xenocrates, du checkst so einiges nicht. Hitler war für die wirklich einflußreichen Kreise nur ein “böhmischer” Laufbursche, der eine interessante Option aufzeigte, nämlich in der Krise nach 1929 eine Massenbewegung auf die Beine zu stellen, die im Parlament Mehrheiten bringt und so die Machtergreifung auf legalem, unblutigem Wege möglich macht.

        Der einzig denkbare Weg zur Macht war für die wirklich einflußreichen Kreise im Kontext 1929 ein militärischer Staatsstreich, den übrigens Reichskanzler von Papen Ende 1932 forderte. Der Kompromiss war die legale Etablierung Hitlers Ende Januar 1933, eingerahmt von “Konservativen”. Der Reichstagsbrand ermöglichte Hitler die Ausschaltung der “Konservativen” und der” Röhmputsch” war für Hitler der Weg, um die parteiinterne Spitze einer “konservativen Revolution” zu enthaupten (ca, 200 Staatsmorde).

        Daß die NSDAP von Juli – November 1932 schwächer wurde, war genau der Grund für die wirklich einflußreichen Kreise, den “geschwächten” Hitler als ihr Instrument zu etablieren. Wer die wirklichen Financiers der Hitler-Bewegung waren, das ist nun wirklich sehr delicat.

        • Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 15:21 - Permalink

          BINGO !!!!!!!!!!!!

          Gut, dass man es sagt. Aber nicht vergessen. Dieser will nicht Tatsachen hören. Er will Lügen verbreiten.

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 15:25 - Permalink

          Goldman sachs, über die logische Lücke springst auch Du hinweg: Wenn es – von wem auch immer und mit welchen Interessen auch immer – es im August 1932 nicht gelang, Hitler als Reichskanzler zu installieren, wenn Ende 1932 öffentlich verkündet wurde und die Entwicklung auch in der Bevölkerung angekommen sein muss, dass die wirtschaftliche Lage – wenn auch nur – leicht sich verbessert und daraufhin die NSDAP 4%-Punkte bei den Reichswahlen verlor, wie sollen besagte industrielle Kreise den politischen Wetterumschwung gegen die öffentlichen Stellungnahmen von RDI und DIHT bewirkt haben?

          Wäre es nicht der erste Punkt der Strategie industrieller Kreise gewesen, den RDI unter Kontrolle zu bringen? Und wer das nicht kann, wie soll der entscheidenden Einfluss auf das ganze Reich bekommen? Mag sein, dass ich manches Deiner Argumente nicht checke, vielleicht liegt das aber nur an der holprigen Logik.

          • goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 16:33 - Permalink

            @Xenocrates

            Mag sein, dass ich manches Deiner Argumente nicht checke,

            Das Spiel ist doch etwas komplexer als du glaubst. Warum hätten die wirklich einflußreichen Kräfte nach der Wahl vom 31. Juli 1932 den Führer der größten Fraktion im Reichstag, Hitler, zum Reichskanzler machen sollen? Hitler hätte sein Kabinett mit Nazis besetzt und den Bürgerkrieg mit Sozialdemokraten und Kommunisten ausgelöst. Das Ergebnis wäre offen gewesen und hätte vermutlich in der totalen Niederlage der Rechten geendet. Die wirklich einflußreichen Kräfte setzen in diesen Dingen wirklich nicht auf die Bewegungen der “Straße”, denn die unkontrollierbaren Geister, die dann gerufen werden, werden für sie selbst gefährlich.

            Daß wirklich einflußreiche Kreise den gesamten Prozess der Machtüberlassung voll kontrolliert haben, zeigt der Modus operandi der Machtüberlassung Hitlers. Hitlers Macht basierte für seine Strippenzieher nur auf seiner “Massenbewegung”, seinem dressierten Mob, seinen pseudomilitärischen Schlägertrupps wie SA und SS. Hitler war für seine Strippenzieher nur eine nützliche Schmeißfliege, die sie erst zum Fliegen brachten, als das Zeitfenster fast schon wieder zu war. Hätten die einflußreichen Kreise die Schmeißfliege Hitler nicht zum Einsatz gebracht und hätten sie von Papen weiterhin den Reichskanzler spielen lassen, wäre die NSdAP bei den Wahlen 1933 zerbröselt worden.

            RDI und DIHTspielen bei derlei historischen Entscheidungen nun wirklich nicht irgendeine Rolle. Hitler wurde Anfang Januar 1933 im Hause des Großbankiers Kurt Baron von Schroeder in Köln-Lindenthal “überredet”, “es” für SIE zu machen.
            http://www.thehiddenevil.com/nazis.asp

            • Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 16:48 - Permalink

              Hut ab!

              Ich bin kein Historiker und auch war ich nie an die “Chronologie” der Erisgnisse intressiert. Tatsachen sind nicht dasselbe wie Geschichte. Aber bei meiner Suche nach den (ökonomischen – klaro!) Tatsachen habe ich schon einiges erfahren müssen. Und das deckt sich genau mit dem, was du da schreibst.

              Um nicht zu vergessen. Unser neolbierale Kommentator will nichts anderes als die Geschichte zu manipulieren und Lügen zu verbreiten.

            • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 16:54 - Permalink

              Das ist nun arg philosophisch und verschwörungstheoretisch, nicht? Mit geschichtlicher Forschung hat das nichts zu tun und begründet nicht den Aufhänger für den Artikel, die Eliten hätten bei Hitlers Machtergreifung versagt.

              Ohne Roß und Reiter nennen zu können, ohne eine politische Theorie auf historische Fakten aufzubauen ist das viel zu dünn. Und die weitere Argumentationslücke bleibt: Wieso waren die ungenannten Kreise mächtig genug, Hitler am Ende ins Amt zu verhelfen, nicht aber die Querschüsse zu verhindern, die von einem Ende der Wirtschaftskrise kündeten und einen gemäßtigten Kanzler empfahlen?

              Erste Verschwörerpflicht ist doch, genau solche dem Ziel zuwiderlaufenden Äußerungen und Entwicklungen zu verhindern.

              Nach der Machtübernahme besetzte Hitler sein Kabinett mit Getreuen und warf Sozialdemokraten und Kommunisten ins Gefängnis. Was bitte war mit 37% in freien Wahlen erzielt anders als 44% bei Repression? Logisch?

      • Stefan K. schrieb am 20. Juli 2010 at 22:46 - Permalink

        @ Xenocrates

        Ein gutes Beispiel um diese Behauptung zu widerlegen ist das Engagement von Günther Quandt, den Krupps, Tengelmann, Stinnes, Opel u.s.w. – alles Vertreter der Großindustrie die direkt der militärischen, der Montanindustrie und der Industrie für logistische Aufgaben zuzuordnen waren – vor der letzten Reichstagswahl.

        • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 23:44 - Permalink

          Krupp ist ein gutes Beispiel. Der Krupp-Beauftragte Bertold Beitz rettete während der Nazi-Herrschaft 1.500 Juden das Leben. Hätte er das ohne gute Beziehungen zu den Machthabern gekonnt? Das hätte keine Privatperson vermocht.

          Sicher haben sich die meisten Unternehmer und Großindustriellen mit dem Reich engagiert, was wäre die Alternative gewesen? Gerade in einer Diktatur zählt am Ende das Ergebnis, nicht die Moral. Nicht die Tengelmanns und Opels haben Hitler mit dem Gewicht von 44 Prozent ausgestattet, das waren viele nette deutsche Kleinbürger.

          • effizienzcluster schrieb am 21. Juli 2010 at 08:31 - Permalink

            tja lieber xenocrates, wer die presse hinter sich hat kann sich entspannt zurücklehnen und wird dennoch gewählt, siehe merkel.
            und nein, es war nicht der deutsche kleinbürger sondern ein gewisser hugenberg und konsorten die dafür sorgten das die presselandschaft gleichgeschaltet wurden.
            und wo kam das geld her?
            vom deutschen kleinbürger?
            es war niemand geringeres als hugo stinnes.
            wer lies schon in der weimarer republik jagd machen auf kommunisten und unterstützte die attentäter?
            der deutsche kleinbürger?
            wieder falsch, es waren hochrangige militärs, politiker, industrielle usw.
            wer finanzierte hitlers wahlkampf?
            wer belieferte die sa?
            wer finanzierte die nsdap?
            was blieb ihnen auch anderes übrig…

            deine halbbildung zeigt nur deine dummdreiste voreingenommenheit und nicht etwa das man mit dir diskutieren könnte.
            xenocrates du widerst mich an, mach nen abgang.

    50. Barbara schrieb am 20. Juli 2010 at 14:50 - Permalink

      Spiegelfechter, bist Du selber auf die Propaganda hereingefallen?
      Wie kommst Du auf die Frage

      Warum liebt das Volk “seinen Stauffenberg”?

      Tut es das denn? Vielleicht sieht/hört es einfach nur lieber Helden- als Horrorgeschichten, wenn schon von der “dunkelsten Periode Deutschlands” die Rede sein muß.

      Es hat anscheinend viel Mühe und Zeit gekostet, die Attentäter des 20. Juli in der BRD überhaupt als “Helden” akzeptabel zu machen. Ich frage mich nun, warum der “Staufenberg-Hype” Mitte der 90er Jahre einsetzte?

      Ansonsten, guter Artikel!

      • André schrieb am 20. Juli 2010 at 15:36 - Permalink

        Guter Einwurf! Das Volk bekommt diktiert, wer ein Held ist und wer nicht. Und da nur noch diese “erwünschten” Helden in der offiziellen Sicht der Dinge auftauchen, kann man den Leuten mit den Jahren schon einträufeln, wen sie zu lieben haben und wen nicht . Irgendwann ist die Bevölkerung dann tatsächlich so manipuliert, daß sie die offizielle Geschichtsschreibung akzeptiert und verinnerlicht.

        Daß man in den 90ern den Stauffenberg herauskramte, hat vermutlich mit dem neuen Selbstverständnis dieses Landes zu tun. An den Schalthebeln sitzt ein erzkonservativer Klüngel (es fällt immer wieder der Name “Bertelsmann – Stiftung”), der die Meinungsführerschaft weitgehend übernommen hat. Ich gehe davon aus, daß das Gedenken an Stauffenberg “auf dem Reißbrett” entworfen wurde, von wem auch immer. Aber das ist nicht neu, das wird offenbar in jedem System so gemacht.

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 20:35 - Permalink

        Jüngere Umfragen (ich habe die Quellen verschlampt) sagen, dass nur 1% der Bevölkerung die Verschwörer des 20. Juni negativ bewertet und über 80% positiv. Ja, das Volk liebt “seinen
        Stauffenberg”.

        Ich frage mich nun, warum der “Staufenberg-Hype” Mitte der 90er Jahre einsetzte?

        Deutschland war wiedervereinigt und wollte auch militärisch wieder ganz oben mitspielen, was ja auch gelungen ist. Da taugt ein “guter, edler Soldat” natürlich ganz hervorragend, um die eigene Militärgeschichte ein wenig zu polieren.

        • Barbara schrieb am 20. Juli 2010 at 22:06 - Permalink

          Umfrageergenisse überzeugen mich nicht sonderlich, wenn ich nicht weiß, wonach gefragt wurde. Trotzdem eine interessante Information, danke!

        • lux schrieb am 21. Juli 2010 at 22:44 - Permalink

          Jüngere Umfragen (ich habe die Quellen verschlampt) sagen, dass nur 1% der Bevölkerung die Verschwörer des 20. Juni negativ bewertet und über 80% positiv. Ja, das Volk liebt “seinen
          Stauffenberg
          Richtig Jens, Und daran werden gottseidank dieser Blog sowie die zahlreichen halbgebildeten Wahrheitsverdreher nichts ändern!

      • Graureiher schrieb am 21. Juli 2010 at 12:04 - Permalink

        @Barbara – Warum liebt das Volk “seinen Stauffenberg”?
        Warum liebte das Volk plötzlich seinen Gauck? Einen Mann, von dem es vor Köhlers Rücktritt herzlich wenig wusste, und von dem es vor der BP-Wahl einen höchst einseitigen Wissensstand vermittelt bekam.
        Mir scheint, dass die Meinungsmanipulationsmechanismen heute wesentlich effizienter und gefährlicher sind als in den 30er Jahren. Heute reichen den herrschenden Kreisen und ihren Medien wenige Wochen, um einen Politmessias aufzubauen.

    51. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 14:57 - Permalink

      @ Xenocrates
      Ein richtiger Lügner gibt nicht nach. Nicht wahr! Und du bist wirklich ein scheußlicher Lügner, offensichtlich im Dienste des Neoliberalismus. Noch einmal, nein, nicht deinetwegen, sondern ich spreche die Leser an, die dich noch nicht durchschaut haben. Also bilde dir nicht ein, ich würde meine Zeit an dich verschwenden.

      Der Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht war eng mit der Weltwirtschaftskrise verknüpft. Sie hatte in Deutschland im Winter 1931/32 ihren Höhepunkt erreicht, lastete aber trotz kleiner Erleichterungen im Sommer 1932 noch schwer auf dem deutschen Volke und schien sich im Winter 1932/33 erneut zu verschärfen. Die Arbeitslosenzahl, die in der Bevölkerung als das wichtigste Symptom der Krise galt, hatte ihren absoluten Höchststand mit 6,2 Millionen im Februar 1932 gehabt; aber auch im Januar und Februar 1933 überschritt sie noch einmal die 6-Millio-nen-Grenze. Am Tage nach der Machtübernahme durch Hitler, dem 31. Januar 1933, betrug sie 6 013 612. Das war fast ein Drittel der erwerbswilligen Bevölkerung.

      Volkswirtschaftlich wichtiger als die Zahl der Erwerbslosen war der Rückgang des Volkseinkommens und der Produktion, für das Ausmaß der Krise besonders bezeichnend der Rückgang der Investitionen. Das Volkseinkommen sank in Deutschland von 1928 bis 1932 um rund 40 °/o, der Bruttowert der Industrieproduktion um mehr als die Hälfte. Besonders stark war der Rückgang bei den Investitionsgütern. Hier betrug die Produktion 1932 nur noch 37,8 °/o des Standes von 1928.

      Wolfram Fischer, Deusche Wirtschaftspolitik, C.W. Leske Verlag, Opladen, 1968, S. 56

      • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 15:16 - Permalink

        Ein richtiger Lügner gibt nicht nach.

        Sagst Du Dir das beim morgentlichen Blick in den Spiegel?

        Du zählst Daten auf, die unbestritten sind und ignorierst, was Dir nicht passt. Die Industrieproduktion ist zwar eine enorm wichtige wirtschaftliche Kenngröße, entscheidender für Wahlentscheidungen sind bis heute jedoch die Arbeitslosenzahlen. Die lagen zwar auch Anfang 1933 sehr hoch, zeigten jedoch auch dort eine Erholung. Wenn im August 1932 bei ähnlich wirtschaftlich deprimierender Lage “nur” 37% sich für die Nazis erwärmen konnte, warum sollten dann verbesserte Indikatoren und sinkende Arbeitslosenzahlen binnen Monaten einen starken Stimmungsumschwung bewirken?

        Und ansonsten sagst Du eben nur, das 1932 die Industrieproduktion auf den Tiefststand gesunken war, in Frage steht jedoch die wirtschaftliche Erholung Ende des Jahres. Und ohne Zweifel war es ein besonderes Bonmot, ausgerechnet die Statistik der Nazidiktatur als Quelle zu nutzen. Besser kann man die eigene ideologische Blockade nicht aufzeigen.

        Nebenbei geht es hier darum, dass die Wirtschaftselite den wirtschaftlichen Aufstieg Hitlers deutlich unterstützt habe. Außer einem Politiker als Repräsentanten der damaligen Wirtschaft und allgemeinen Geschwafel (“wer das nicht glaubt, kennt sich in Geschichte nicht aus!”) kam nichts. Dagegen steht z.B. die eindeutigen Parteinnahmen von RDI und DIHT für Schleicher und gegen Hitler.

    52. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 15:18 - Permalink

      Die Entwicklung der Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt: 1932 5,6 Mio., 1933 4,8,1934 2,7,1935 2,1,1936 1,6, 1937 0,9 Mio. (also erstmals unter dem Stand von 1928 und, darüber hinaus, mit Vollbeschäftigung, die nicht einmal 1924 bis 1929 erreicht war), 1938 0,4 Mio. (also ein seit 1913 nicht mehr registrierter Tiefstand) und 1939 0,1 Mio. – Auf 1000 Einwohner entfallen an Arbeitslosen 1932 92,5, 1933 73,7, 1934 41,7, 1935 32,6, 1936 24,1, 1937 13,8, 1938 6,5 und 1939 1,7. – Die Zahl der Beschäftigten (Arbeiter und Angestellte), 1929 18,4 Mio., steigt von 1933 13,4 über 1936 17,6 auf 1939 20,8 Mio., also um 55,2 %. 1938/39 gibt es in der Wirtschaft l Mio. unbesetzte Stellen, davon ein Viertel in der Landwirtschaft, drei Viertel in Industrie, Handwerk und Verkehr (Timothy W. Mason, in: Peukert/Reulecke, 296f.; Herbert, 50).

      Wie konnte ein Verrückter so etwas erreichen, was ein anderer damals sich sich nicht vorstellen konnte – die neoliberalen Vollidioten noch am wenigstens? Die geniale Ökonomin, einer der besten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, Joan Robinson hat uns es schon damals verraten:

      „Hitler hatte ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden, bevor Keynes seine Erklärung zu Ende geführt hatte, warum es überhaupt Arbeitslose gab“

      • Xenocrates schrieb am 20. Juli 2010 at 15:40 - Permalink

        Das ist beste Satire.

        Erstens griffen 1933 Maßnahmen, die die Vorgänger Hitlers in die Wege geleitet hatten – wie das immer so ist mit Konjunkturpolitik. Zweitens gehörten zu den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Nazi-Herrschaft im Zeitraum 1933-1937 (also da, wo die Arbeitslosigkeit so schön gesunken ist):

        - gemeinnütziger Arbeitsdienst (in einem linken Forum eine hervorragende Empfehlung),
        - beim Autobahnbau, so weit möglich, auf Maschinen verzichteten,
        - durch Ehestandsdarlehen Frauen zur Aufgabe ihrer Beschäftigung zu zwingen,
        - exorbitant steigende Staatsverschuldung durch “deficit spending”, die nie zurückgezahlt wurde
        - Wiederbewaffung und Ausweitung des Heeres.

        Wahrlich, eine Politik, die man sich heute wünscht! Übrigens wurden die Maßnahmen erst ab der 2. Jahreshälfte 1933 beschlossen, wie sie gleichzeitig 1933 so schnell zum Anspringen der Konjunktur und dem Fallen der Arbeitslosenrate führten, nun, das ist etwas für echte Systemfrager.

      • COPOKA schrieb am 20. Juli 2010 at 19:14 - Permalink

        Ja, die Sklaverei/Zwangsarbeit ist das beste Mittel gg. Arbeitslosigkeit – dieses Mittel ist so alt wie die Welt.
        Stalin hat dieses Mittel noch vor Hitler “gefunden”, und in der Sowjetunion wurde Arbeitslosigkeit, auch Schmarotzentum genannt, bis zu 90-rn strafrechtlich verfolgt.

        Im Übrigen irrst du dich, wenn du denkst, dass die “neoliberalen Vollidioten” was gegen Sklaverei/Zwangsarbeit haben. Noch lieber würden sie allerdings alle verhungern lassen, die nicht “freiwillig” für sie arbeiten müssten. Außer eigener Kaste, versteht sich.

        • Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 19:40 - Permalink

          @ COPOKA

          Ich will es fast nicht glauben, aber du meinst voraussichtlich mich.

          Im Übrigen irrst du dich, wenn du denkst, dass die “neoliberalen Vollidioten” was gegen Sklaverei/Zwangsarbeit haben.

          Ich kann mich irgendwie nicht erinnern, ob ich je so betrunken war, um so etwas zu “denken” ;-)

    53. heldentasse schrieb am 20. Juli 2010 at 15:43 - Permalink

      Danke SF für diesen Artikel.

      Es gilt (leider): Jeder biegt sich die historischen Fakten so zurecht, dass etwas herauskommt was politisch und weltanschaulich opportun erscheint. Für mich persönlich ist Stauffenberg kein Held, weil er aus falschen Motiven heraus gehandelt hat.

      Mit „wahren“ Helden wie z.B. Walter Krämer tut sich das offizielle Deutschland immer noch schwer, ich vermute mal weil er kein WK2 Soldat war und zudem der KPD angehörte.

      Infos:
      http://www.derwesten.de/staedte/siegen/Ein-Denkmal-fuer-einen-grossen-Humanisten-gefordert-id303477.html
      http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kr%C3%A4mer_%28Politiker%29

    54. rob70 schrieb am 20. Juli 2010 at 17:02 - Permalink

      In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin sind sie alle vorgestellt:

      Kommunisten
      Sozialisten
      Gewerkschafter
      Bündische
      aus dem Kulturellen
      aus dem Bürgerlichen
      aus der Wehrmacht
      aus dem Religiösen
      Juden
      aus dem Alltag

      und wir stellen uns hier im Jahr 2010 hin und beurteilen die Qualität ihrer Beweggründe. . Alle wie sie da waren haben ihren Kopf für andere riskiert.
      Klar, und wir wären natürlich auch dabei gewesen.

    55. goldman sachs schrieb am 20. Juli 2010 at 17:22 - Permalink

      @xenocrates, deine Bezeichungen „nun arg philosophisch“ und „verschwörungstheoretisch“ sind nun arg dünn. Dünner kann man die Hose nicht mehr runterlassen.

      Das ist nun arg philosophisch und verschwörungstheoretisch, nicht? Mit geschichtlicher Forschung hat das nichts zu tun und begründet nicht den Aufhänger für den Artikel, die Eliten hätten bei Hitlers Machtergreifung versagt.

      Arg dünn ist leider auch deine Annahme, „die Eliten hätten bei Hitlers Machtergreifung versagt“. Ich fürchte, die zeitgenössischen „Eliten“ haben die Machttransformation 1932-1933 als geniales Meisterstück gewertet. Ganz sicher auch heutige zeitgenössische „Eliten“.

      Wieso waren die ungenannten Kreise mächtig genug, Hitler am Ende ins Amt zu verhelfen, nicht aber die Querschüsse zu verhindern, die von einem Ende der Wirtschaftskrise kündeten und einen gemäßtigten Kanzler empfahlen?

      Xenocrates, die ungenannten Kreisen kennen sich halt mit Effizienz aus, mit möglichst wenig Krafteinsatz möglichst viel Wirkung zu erzielen. Querschüsse sind da durchaus sehr willkommen, solange sie keinerlei Wirkung erzielen, außer daß ein VT-Gläubiger wie xenocrates darauf naiv reinfällt..

      Erste Verschwörerpflicht ist doch, genau solche dem Ziel zuwiderlaufenden Äußerungen und Entwicklungen zu verhindern.

      Leider denken neurotische Kontrollfreaks manchmal so engstirnig. Das ist aber völlig ineffektiv, unkünstlerisch, würde Hitlers Hebamme, Kurt Baron von Schroeder, indigniert seufzend bemerken. Je mehr unwirksame Querschüsse, umso echter die Verschwörung, gelle? Der DIHT bekommt eh nur Platzpatronen!

      Nach der Machtübernahme besetzte Hitler sein Kabinett mit Getreuen und warf Sozialdemokraten und Kommunisten ins Gefängnis. Was bitte war mit 37% in freien Wahlen erzielt anders als 44% bei Repression? Logisch?

      Anders war, daß am 28. Februar 1933 der Reichstag gebrannt hatte, was ja für das Nazi-Regime nichts anderes als eine riesige kommunistische Verschwörung war, eindeutiger Beweis, daß die Kommunisten Terroristen waren. xenocrates, jetzt mußt du nur noch das Gelernte auf den Reichstagsbrand vom 11. September 2001 anwenden.

    56. schwitzig schrieb am 20. Juli 2010 at 18:43 - Permalink

      Schöner Artikel – Danke! Was ich erstaunlich finde: Trotz der jahrelangen Stauffenberg-Propaganda habe ich noch niemanden kennengelernt, der Stauffenberg & Co nicht kritisch sieht.
      Umso widerlicher, dass die Propaganda immer noch fortgeführt wird und das sogar mit GEZ-Gebühren.

      Zu xenocrates:
      Der Typ ist entweder strunzdumm oder ein Troll. Was es auch ist – er ist die Mühe nicht wert.

    57. Systemfrager schrieb am 20. Juli 2010 at 18:59 - Permalink

      @ schwitzig

      Der Typ ist entweder strunzdumm oder ein Troll. Was es auch ist – er ist die Mühe nicht wert.

      Ich würde sagen: beides.

      Aber gut dass es ihn gibt. Man sieht wie diejenigen, die sich bei unseren rrr-Eliten geistig prostituieren, also die Büttel der Reichen und Wirtschaftskapitäne ticken.

    58. Irreversibel schrieb am 20. Juli 2010 at 19:00 - Permalink

      Sehr guter Artikel! Danke dafür!
      Manche Kommentare hier sind allerdings echt gruselig…..

    59. Katinka schrieb am 20. Juli 2010 at 20:09 - Permalink

      In der Süddeutschen gab es auch anlässlich des 70. Jahrestags des Attentats von Elser ein ganz gutes Interview mit dem Historiker Steinbach von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
      http://www.sueddeutsche.de/muenchen/hitler-attentaeter-georg-elser-kein-terrorist-ein-held-1.48160

      • Spiegelfechter schrieb am 20. Juli 2010 at 21:09 - Permalink

        Ein sehr gutes Interview. Besonders gefällt mir diese Passage:

        Die Auseinandersetzung mit dem Widerstand beinhaltete ja die Einsicht, dass es eine Alternative gab zum eigenen Mitläufertum. Und das wollte man nicht so gerne sehen. Lieber sollte die eigene Lebenslüge aufrechterhalten werden, dass alle in einem kollektiven Zwangssystem lebten, aus dem es keinen Ausweg gab. Dabei wissen wir heute: Die NS-Gesellschaft war eine Denunziantengesellschaft. Menschen verrieten andere Menschen und lieferten sie aus.

    60. Jan Reiter schrieb am 20. Juli 2010 at 20:22 - Permalink

      Wäre Stauffenberg der Held, zu dem er stilisiert wird, hätte er seine Pistole genommen und Hitler einen Kopfschuß verpasst.

      Stauffenberg sollte den Umsturz in Berlin anführen, er konnte in Berlin nicht durch andere ersetzt werden. Deshalb schied ein Pistolenattentat aus. Dies wirft kein schiefes Licht auf Stauffenberg sondern zeigt den beklagenswerten, geringen personellen Unterbau der Verschwörer in Berlin. Eine alleinige Tötung Hitlers ohne erfolgreichen Staatsstreich hätte vermutlich wenig geändert.
      Ein Motiv Stauffenbergs zum Staatstreich war die Judenvernichtung, dies ist in der Geschichtschreibung unbestritten.
      Ach ja, die Ereiferung in einigen Beiträgen dieses blogs darüber dass einige der Mitverschwörer einst Anhänger des Nationalsozialismus waren und nicht jeder der Verschwörer die heutige Bundesrepublik als Ideal ansah kommt reichlich spät:
      Bereits der SPIEGEL thematisierte dies 1965 … Nihil novi beim Spiegelfechter.
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46273398.html

    61. sunset schrieb am 20. Juli 2010 at 20:41 - Permalink

      Diese Leute hätten nie die Hand gegen Hitler erhoben wäre er weiter im Krieg erfolgreich geblieben. Aber sie waren die “richtigen Helden” für die herrschende Klasse speziell zu einer Zeit als viele ehemalige Parteimitglieder und Funktionäre längst wieder in gehobenen Positionen dieser Republik waren und es gegen den Kommunismus ging. Auf jeden Fall waren und sind sie die falschen Helden. Dem richtigen Widerstand ist kein Gedenken gewidmet.

    62. Swen schrieb am 20. Juli 2010 at 21:01 - Permalink

      Die Frage, warum so fragwürdige Figuren wie Stauffenberg alle Jahre wieder als Helden des Widerstandes durch die Medien spuken ist recht einfach. Stauffenberg sells. Bei herrschenden Geschichtsbildern ist die Quellenlage meist eben nur ein Teil der “Wahrheit”. Der Rest ist Mythos. Und der ist nun einmal sui generis nicht immer rational erklärbar. (siehe filmische Verarbeitung, kollektive Geschichtsbilder, etc.) Meiner Meinung nach spielt bei der Stilisierung Stauffenbergs die Forcierung kollektiver Identitätsdiskurse im nationalen und im europäischen Kontext eine ganz wesentliche Rolle. Eine Fussball-WM eignet sich zwar als klebrig-süsse Gemeinschaftssoße im nationalen Rahmen, ist aber für eine europäische kollektive Identität nur begrenzt tauglich. Die Geschichte nach Auschwitz erlaubt es einfach nicht, Deutschland ohne Weiteres in die europäische Geschichte zu integrieren. Offener Geschichtsrevisionismus (die Deutschen waren doch auch Opfer und all das ganze Geschwätz) braucht eben auch Figuren der deutschen “Résistance”. Die Tragik der Stilisierung Stauffenbergs lässt sich eben besonders betonen, wenn sie gleichzeitig mit dem “Leid der Deutschen” in den letzten Kriegsmonaten gefüttert wird. Vielleicht funktioniert gerade die Plausibilität solch einer Verquickung in der Hinsicht, dass es Täter und Widerstand nebeneinander auch in Deutschland gegeben hat, so wie es beispielsweise in Frankreich Kollaboration (Vichy) und Widerstand (Résistance) ebenso nebeneinander gegeben hat. Das führt dann m.E. zu einer Egalität, die es Deutschland ermöglicht, erstens die Erfahrungen des II. Weltkrieges als gesamteuropäischen Identitätsdiskurs wesentlich zu prägen (besonders im eigenen Land) und zweitens immer auch den “moralischen Finger” im Bezug auf die europäischen Nachbarn Deutschlands im Petto zu haben.

    63. Johannes Löw schrieb am 20. Juli 2010 at 21:19 - Permalink

      Elser ist nun mal das, was nach offiziellem BRD-Duktus ein Terrorist ist.
      Tut einer von unten rechtzeitig das Richtige, beschämt das die Herrscherkaste.
      Solche Helden sind nicht gefragt.
      Stauffenberg wollte Hitler opfern, um das 1000jährige Reich zu retten, als es bereits zu spät war.
      Stoff für Hollywoodoo-Schmonzetten allemal.

    64. Peleo schrieb am 20. Juli 2010 at 21:39 - Permalink

      @ Jan Reiter, 60

      Stauffenberg sollte den Umsturz in Berlin anführen, er konnte in Berlin nicht durch andere ersetzt werden

      Für die Beurteilung von Stauffenbergs Handeln ist dieser Punkt wichtiger als die Frage, ob er hätte schießen können oder sollen. Wenn man akzeptiert, dass Widerstand 1944 nur noch aus dem Militär möglich war, dann wohl wirklich nur über das Ersatzheer. Nur darauf hatte Stauffenberg Einfluss, nur diese Befehle konnte er “abtippen” . “Walküre” war ja ein Plan zur Niederschlagung von Aufständen. Für diese Sicht spricht auch das Verhalten Olbrichts im Bendlerblock, nachdem klar war, dass Hitler das Attentat überlebt hatte.

    65. lux schrieb am 20. Juli 2010 at 21:52 - Permalink

      “…hätte er Hitler einen Kopfschuss verpasst”.

      Hast du schon mal versucht mit den verbliebenen 3 fingern einer verkrüppelten Hand eine Pistole zu halten und noch abzudrücken? Nein,v.Stauffenberg war der einzige der die nötige Kaltblütigkeit hatte und in die unmittelbare Nähe Hitlers kam.
      Der einzige Fehler war dass er die zweite Bombe nicht einfach zu der geschärften in die Tasche steckte. Wie sähe D dann wohl heute aus?

      • name schrieb am 21. Juli 2010 at 01:35 - Permalink

        Er hätte sich direkt und unmittelbar mit Hitler vor seinen Augen in die Luft sprengen oder es ganz sein lassen müssen. Entweder richtig, oder gar nicht!

        Die Folgen aus dem fehlgeschlagenen Attentat hat er zu verantworten!

        Ansonsten Jens: sehr guter Artikel, und jemand wie Elser und die tausend anderen Unbekannten gehört die ganze historische Aufmerksamkeit.

        • klopskalle schrieb am 22. Juli 2010 at 15:00 - Permalink

          Stauffenberg nahm in seiner Funktion als Stabschef des Ersatzheeres in der Attentatsplanung und -ausführung eine wenn nicht sogar die zentrale Rolle und war schlicht unersetzbar. Insofern zeugt die Forderung, er hätte sich mit Hitler in die Luft sprengen sollen, nicht gerade von umfassender Kenntnis über die Geschehnisse des 20. Juli.

    66. Fian schrieb am 20. Juli 2010 at 21:59 - Permalink

      Ein viel zu großes Thema für mich, ohne mit einem Roman darauf zu antworten, daher fasse ich mich bewusst kurz:

      Zum einen finde ich es erschreckend, wieviele Abiturienten Georg Elser nicht kennen – was leider mal wieder die großen Lücken der Qualität dessen aufzeigt…

      Zum anderen ist Staufenberg sicher kein Held und ein schlechter Attentäter noch dazu, aber immerhin hat er im Gegensatz zu anderen Offizieren etwas unternommen (wenn auch nicht/nicht nur aus heroischen Gründen).

      Die hier leider häufige Darstellung fast alle Menschen damals “böse” waren (hätten wissen können und machen müssen, aber waren im Herzen doch alle Nazis) schießt zudem Meilen über das Ziel hinaus. Zur vollständigen Betrachtung der Gründe jener deutschen Bevölkerung und des Militärs sollte man versuchen sich in die Denkweise der damaligen Zeit hineinzuversetzen, bevor man Urteilt. Aber dieses näher zu erläutern würde mich zu besagten Roman führen…

    67. Jan Reiter schrieb am 20. Juli 2010 at 22:37 - Permalink

      Einer, dessen Heldentaten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können, war Generalmajor Hans Oster. Bereits 1938 entwarf er Putschpläne im Rahmen der Sudetenkrise und verriet den Aliierten mehrfach die Angriffspläne gegen Frankreich. Schon vor Beginn des Krieges sprach er sich dafür aus, Hitler zu töten.
      Von den Attentätern des 20. Juli war er als künftiger Reichskriegsgerichtspräsident auserkoren.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Oster
      Huch, er war aber nationalkonservativ, darf man ihn dann noch Held nennen ?

      • name schrieb am 21. Juli 2010 at 01:39 - Permalink

        Hans Oster bleibt eine völlig dubiose Gestalt, ebenso wie sein Ziehvater Canaris, die Hand in Hand die Weimarer Republik beseitigt haben.

        Der ist auch keine Heldenfigur!

    68. KOLBASNJA schrieb am 21. Juli 2010 at 01:34 - Permalink

      Naja in der Hauptschule wird das Thema doch nur kurz und bündig gehalten,und die die nach klasse neun aus der Schule gehen,haben höchstens noch Napoleon gelernt .Zumindest war das so in Nrw vor 10 Jahren so….scheisse ich schreibe alles klein,,ständig diese norm,,bah,,,,ihr versteht auch so.. hehe,,,im endefeckt wird man seit eh und jeh ausm fernseher damit zugebombt,,,das da geschichtsrevisionistische Tendenzen sich bei uns einschleichen bleibt dann ja nichts aus,,,den ganzen tag wird man mit solch scheisse vollgepumpt so das es mir manchmal vorkommt das die leute die trotz eckelempfinden über den faschißmus nichts weiter empfinden als die normalität,,versteht ihr was ich meine,alle labern sich als die pazifisten überhaupt,,,,aber auch nur einzusehen das dieses ganze geldgeiersystem der heutigen zeit auch nur, nichts als scheisse bringt,das will keiner sehen,,so langsam fühlen sie es,,,globalisierte welt,,,totalitärer wirtschaftskrieg,,mit ein paar devisen länder pleite spekulieren und wo es kein geld gibt soldaten reinschicken mit dem achso schönen bündniss,,dann holen wir uns die ressourcen ebend so,,,naja das hinter dem faschißmus gier und kapital steckt das kann man den menschen nicht verkaufen,,mit ein bissel bunte umgebung,,vercommerzielisierung alles bunt gestalten usw,hat man halt die legitmierung,,,es ist leicht eine masse die auf druck funktioniert zu erziehen, im namen der assozialen leistungsgesselschaft geht alles,,,,,eckelhaft bah,,merkt ihr es auch,,,und in den letzten monaten ist uns doch allen ein wenig bewusster geworden das in der heutigen zeit,,,wirtschaftskrise,bürgerarbeit,sanktionen,,stärkere polizeipräsenz usw usw,,,etwas nicht stimmt!,,,ja wo ist den das ganze geld he?sklavenhändler in verleihfirmen die doch auch nur armbinden tragen,,agentur für arbeit,,absolute armutskontrolle,,mietspiegel,in getthos gepfercht,,sanktionen,,hahahaha,,,jajaja es ist aber halt alles nicht so deutlich,der krieg ist weit fern und so lange die umgebung bunt aussieht ist doch alles in ordnung,,,solange die armen,die schwachen der gesselschaft das maul halten und wir zusehen das jeder von ihnen egal für welchen lohn beschäftigt wird,so wird der motor schon laufen,,kapitalismus ist halt menschenverachtend,,da kann man halt jede scheisse verkaufen so wie ein herr staufenberg,,für mich ist es halt auch nur lächerlich,,,
      guter artickel,,,auf jeden

      naja es eckelt mich sovieles,,,vielleicht auch ein wenig zu zynisch,,das maßstab des ausmasses hat sich ja schon ein wenig verschoben,,es gibt wenigstens keine todesfabriken mehr bei uns

      • Truvor schrieb am 21. Juli 2010 at 03:16 - Permalink

        Coolen Nick “KOLBASNJA” hast Du, einfach geil :-)

      • ChP schrieb am 21. Juli 2010 at 09:09 - Permalink

        Etwas mehr Mühe beim Verfassen deines Textes hätten Sie sich trotzdem geben können.

        Btw. viele “,” hintereinander ersetzen keine “.” und den Buchstaben “ß” gibt es nach wie vor.

        • ChP schrieb am 21. Juli 2010 at 09:44 - Permalink

          “Etwas mehr Mühe beim Verfassen Ihres Textes hätten Sie sich trotzdem geben können.” muss es selbstverständlich heißen. Sry ^^”

    69. Paul Lanon schrieb am 21. Juli 2010 at 07:46 - Permalink

      Ich stelle fest, dass ich den SF immer weniger leiden kann. Denn er setzt meine Filter ausser Kraft, die mir jahrelang in mühevoller Stumpfsinnigkeit eingebrannt wurden.
      Langsam verstehe ich meine Eltern, die aufgehört haben sich für Politik zu interessieren: Es eh alles Mist was dir erzählt wird.

      Und jetzt machst du mir auch noch “Tom Cruise” mies. Tststs. Den dein Artikel wirft wirklich eine Frage auf, die er nur am Rande beantwortet: Was war mit Stauffenberg, bevor er sein Attentat plante?

      Bähhh. Fragen. :)

      Jetzt hab ich aus Versehen den Flattr Button gedrückt.

    70. salvo schrieb am 21. Juli 2010 at 09:59 - Permalink

      Sehr guter Artikel. Es ist klar. dass die Konstruktion des Helden Stauffenberg das Ergebnis einer Projektion der Gegenwart auf die Vergangenheit ist.
      Denn, wenn man die Geschichte Nachkriegsdeutschlands in ihrem maßgeblichen Bewegungsmuster nachzeichnen will, so legt ma eine einzige Verdrängungsbewegung frei.
      Denn eine wirkliche Auseiandersetzung mit der eigenen mörderischen Vergangenheit
      hat es nicht gegeben, andernfalls sähe Deutschland heute ganz anders aus. Nein, im Kern ist es das Selbe geblieben. Die angebliche Auseinandersetzung ist
      nur eine formale gewesen, eine einzige Veräußerung, vom Bedürfnis diktiert, die eigene Vergangenheit abzukapseln, ihr eine äußere museale Form zu geben,
      sich von ihr äußerlich zu distanzieren und in der rituellen Betrachtung dieses veräußerten Spektakels sich in Selbstmitleid zu üben: Die ganze Welt
      sollte sehen, was dieser Mann, dieser verführerische Fremde, Deutschland angetan hat. Es geht nicht nur darum, die eigene Vergangenheit zu verleugnen,
      damit diese in ihrer schrecklichen Wirklichkeit in der Gegenwart weiter wirken kann – wozu man die Eliten von damals, die die von heute sind, als Helden
      identifiziert – es geht hauptsächlich um die Aufrechterhaltung des Mythos, dass das Nachkriegsdeutschland aus der Überwindung Nazi-Deutschlands hervorgegangen
      sei, während es in Wirklichkeit in dessen innerer Kontinuität steht. Zum Mythos gehört die Reduktion Nazi-Deutschlands auf das Böse, das Hitler
      personifiziert, ein Böses, das sich unrechtmäßig eines schönen Landes bemächtigt hat, das ursprübglich von seinem rechtmäigen Herrscher weise und gerecht
      regiert wurde. Es ist ein Märchen, das das Nachkriegsdeutschland unablässig sich selbst und der Welt erzählt, in dem ein schönes Land und seine
      glücklichen Menschen von einem äußerlichen Bösen ergriffen wurden. Dass solches Böse im Märchen stets von einem adligen Helden besiegt wird, der dem Land
      die ursprüngliche wahre Güte und Schönheit zurückgibt – und vor allem die alten legitimen Herrscher zurückbringt (die verlorene Identität von Volk und
      Herrschern wiederherstellend) – weiß jedes Kind. Dass der Held dabei scheiterte und das Böse von Anderen, von Fremden, besiegt werden mußte, ist eine echte Gemeinheit der Geschichte.
      Daran leidet das Land noch heute.

      Die Wirklichkeit dieses schönen Landes hat übrigens Paul Celan in der Todesfuge poetisch am Klarsten erfaßt: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

      • H. Müller schrieb am 21. Juli 2010 at 17:57 - Permalink

        Sehr guter Beitrag. Danke!!

    71. na sowas schrieb am 21. Juli 2010 at 10:01 - Permalink

      @ 60. Jan Reiter
      Adel Qaida und ❝Wir waren alle im Widerstand❞™ …na sowas!

      Ein Motiv Stauffenbergs zum Staatstreich war die Judenvernichtung, dies ist in der Geschichtschreibung unbestritten.

      Deine Naivität in Ehren empfehle ich Dir folgendes Interview:
      Die Rolle des Adels im „Dritten Reich“
      [FAZ online 20 Juli 2010 Interview mit dem Historiker Prof. Dr. Malinowski]
      Auszug:
      F: Was haben aber die Nazis zu bieten?
      …
      A: Sie haben gemeinsame Gegner, und der Feind meines Feindes ist mein Freund. Sie sind gegen die Republik, gegen den Sozialismus und die organisierte Arbeiterbewegung, sie mögen den modernen, urbanen Lebensstil nicht. Und sie haben etwas gegen die Juden.
      …
      F: Ist das schon alles?
      …
      A: Noch wichtiger waren vielleicht die sogenannten Fideikommisse, eine sehr preußische Besitzform, die die Zersplitterung des Großgrundbesitzes auf dem Weg der bürgerlichen Erbteilung verhindern sollten. Die Weimarer Reichsverfassung hatte diese Besitzform angegriffen, mit den Nationalsozialisten verband sich im Adel die Hoffnung, dass alles beim Alten bleiben würde.

      Zum Thema »Fideikommisse« empfehle ich Dir den folgenden Beitrag
      von RA Alexander vom Hofe, Madrid :
      Hauptmotiv für die Kollaboration zwischen Hochadel und NS-Führung
      via Archivalia
      s. ebenda folgenden Kommentar des Autors:
      Hochadel und Nationalsozialismus waren verfeindet
      Das elitäre Anspruchsdenken des Hochadels sah im Nationalsozialismus einen Feind, weil es sich aus dessen Sicht um den “Pöbel” handelte. Der Hochadel verachtete dieses “niedere Pack”. Ebenso verachtete die Naziführung die “verweichlichten” Prinzen.Später erliess Adolf Hitler eine Bestimmung
      wonach Hochadelige die international verwandt oder verschwägert waren aus bestimmten Positionen entfernt wurden (s. Fürstenerlass). Was Himmler von Prinzen hielt kann in meinem Buch auf S. 330[¹] gelesen werden.
      Für den Fall des Endsieges war deren Erschiessung vorgesehen. Der Hochadel glaubte andererseits, mit Hilfe der Nationalsozialisten, das BGB ausschalten und ihre Privilegien sichern zu können. Aus meiner Sicht erkannte der Hochadel erst sehr spät, dass er nach dem Krieg oder kurz davor ausgeschaltet werden musste. Das ist meiner Meinung nach eine weitere Erklärung für das Attentat vom 20. Juli.
      [comment: Alexander v. Hofe]

      [¹]Sunday Express (London) vom 30.3.1947 schrieb:
      ❝Was Himmler seinem Arzt sagte❞
      …
      Nach dem Endsieg
      In einer seiner leidenschaftlichen Redewendungen gab mir Himmler diesen
      Überblick,was nach dem Endsieg in Europa geschehen sollte:

      …
      » Es wird keine Prinzen mehr geben. Hitler hat mir den Befehl gegeben, mit allen deutschen Prinzen Schluss zu machen und zwar sofort.Vor zwei Wochen konferierte Goebbels mit mir über die angebrachteste Weise, sie loszuwerden. Er schlug vor, dass wir die wichtigsten von Ihnen der Spionage und des Hochverrats beschuldigen, andere der Sexualperversion. Der Volksgerichtshof wird sie darauf zum Tode verurteilen. Goebbels will, dass die Hinrichtungen der Prinzen in Berlin vor dem kaiserlichen Palais stattfinden. Die Prinzen sollen “Unter den Linden” zu Fuss heruntergehen. Die Arbeitsfront wird die nötigen Menschenmassen stellen, die auf die Prinzen spucken werden und den Zorn der Nation gegen sie zum Ausdruck bringen. Wir werden beweisen, dass die Prinzen für die Vernichtung deutscher Städte durch
      die alliierten Luftwaffen verantwortlich sind.Wir werden sie der Niederlage im Osten beschuldigen. Das Vermögen der Prinzen wird zwischen Parteigenossen und alten Kämpfern verteilt werden. Deutschland wird dadurch so aufgeregt und beschäftigt sein, dass das Land vergessen wird,was an den Fronten geschieht. «

      …
      Hitlers Staatsapparat hätte sich das Vermögen der ehemals Regierenden Häuser einverleibt. Das Vermögen wäre nationalisiert worden, die “Häuser” wären “aufgelöst” worden. “Oberhäupter” hätte Hitler nicht mehr geduldet, weil er sie nicht mehr als Treuhänder des Vermögens benötigte, auch nicht als propagandistische Zugpferde. Hitler hätte nach dem Endsieg keine monarchistischen Oberhäupter geduldet, sondern nur Reichstatthalter des Deutschen Reiches mit Hakenkreuz, ohne Krone.
      Vielleicht waren diese Zusammenhänge vom deutschen Adel erkannt worden und vielleicht war dies ein weiterer Beweggrund für einen “Widerstand” einiger weniger in Adelskreisen: man durchschaute Hitlers wahre Absichten. 1944 verfügte Adolf Hitler die Entfernung von Adeligen aus sensiblen Bereichen wie Wehrmacht und Auswärtiges Amt, weil er vermutete, dass Adelige aufgrund verwandtschaftlicher Verbindungen für Hitler gefährliche internationale Kontakte pflegen könnten. Es ging einem Teil des Adels um das nackte eigene Überleben, welches nach einem Endsieg gar nicht garantiert war. Es handelte sich auch um Notwehr. Solle deshalb Hitlers Ende beschleunigt werden ?

      [Quelle: Vier Prinzen zu Schaumburg-Lippe u. das parallele Unrechtssystem S.330
      Autor: Alexander vom Hofe, Madrid → online-pdf]

      Nihil novi …Deine unbestrittene ‘Geschichten_Schreibung’! Noch Fragen?

    72. ak schrieb am 21. Juli 2010 at 11:23 - Permalink

      betr. Quellen etc.

      Besser anstatt “Der Spiegel” mal wenigstens außer o. Nr. 47 genannten beiden wiss. Studien die vor vierzig Jahren (1970) publ. Studie von Dr. Marlis G. Steinert “Hitlers Krieg und die Deutschen. Stimmung und Haltung der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg” zur Kenntnis nehmen und bedenken, was dortige Befunde zur fehlenden Massenzustimmung zum gescheiterten Militärputsch des 20. Juli 2010 bedeuten.

      Oder aber nach dem Motto: Wir jagen täglich ´ne neue Sau durch dasselbe Dorf weitermachen…

      ak
      21. Juli 2010

      • lux schrieb am 21. Juli 2010 at 12:24 - Permalink

        Ich würde das täglich mit JÄHRLICH ersetzen.

    73. KOLBASNJA schrieb am 21. Juli 2010 at 12:57 - Permalink

      Es verwundert mich auch schon nicht mehr das solch Typen wie Stauffenberg zu Legenden hochgeputscht werden.Und das die Amis einen Tom Cruise da hinstellen beweist mir ja auch nur das die Amis sie nicht alle haben können.Wen ich schon sowas lese wie zb das in den Kasernen bei den Amis 17% mit rechten Tendezen aufgefallen sind,sei es an Nazisymbolen oder sonstige rassistischen Aussagen,da wird einem dann schon klar warum man sich so gerne an solch Filmchen wie Stauffenberg klammert.Die Leute rühren halt gerne in der braunen Soße und machen sich einen fertig drauf.Es gibt aber eine Regel,die Deutschen bleiben die Verlierer.Mit Stauffenberg hat man es allerdings geschafft einen Faschisten der sich, was das Attentat betrifft-und was für Gründe ihn auch immer bewegt haben-zu feiern.
      Einem Menschen der nach dem sturz Hitlers auch nur dieses System weiter geführt hätte.Womöglich einen gemäßigten Faschißmus.Und wen man sich die Zustände heute ansieht ist das ja sogar auch noch Zeitgemäß.Klingt krank aber trifft es zusehends.Gemäßigten Faschißmus so wie wir ihn in der westlichen Welt praktizieren hinterlässt ein nettes Anlitz,was die wischiwaschi taktik der Moral betrifft.Wie schon gesagt ein Mythos der hochgebauscht wird hinter vorgehaltener Hand.Da interessiert es doch nicht was da hintersteckt.Hauptsache viel acktion und Ballerei.Das mein Kampf zb in der Türkei ein Bestseller ist sollte uns alle erschrecken.Aber was wird schon gegen braunes Gedankengut unternommen?Das wird Kapital wird uns schon richten.Heil Wirtschaft!

    74. Diskussionsteilnehmer schrieb am 21. Juli 2010 at 13:58 - Permalink

      Das mein Kampf zb in der Türkei ein Bestseller ist sollte uns alle erschrecken.

      “Mein Kampf” gibt es am Straßenbahnhauptbahnhof in Alexandria und vielen anderen Orten in Ägypten am Kiosk. Da finden sich auch in den Schulbüchern Theorien von Leuten, die dafür woanders schon vor Gericht standen.

      Es ist eine besondere Erfahrung, wenn Araber einem die frohe Botschaft bringen wollen, dass der Holocaust nie statt gefunden habe sondern eine Erfindung wäre. Die Schlauen fragen vorher wenigstens, was denn nun richtig sei, weil sie ihrer Regierung und deren Schulpropaganda auch nicht über den Weg trauen.

      Am besten überzeugt da eine Überlieferungskette ;P . Da es hier in der Nähe ein KZ gab und Verwandte das bezeugen konnten, wurde mir recht schnell geglaubt. Ob es nun aus Höflichkeit und temporär war oder bis heute anhält, das ist eine andere Frage.

    75. KOLBASNJA schrieb am 21. Juli 2010 at 15:03 - Permalink

      hmm,aber ich denke mal das die Mehrheit im muslimischen glauben schon wissen was abgeht.Letztendlich handelt es sich doch nur um ein spaar Spinner Extremisten die zu blöde sind den Koran zu lesen deuten was,weiss ich.Menschen wurden schon immer getötet,Tempelritter ect.Aber solch Zustände wie Nazibibeln an jedem Kiosk kaufen können finde ich mehr als bedenklich.Zumal dieses braune Gift sich dann in manch köpfen ausbreitet die ohnehin schon kuriose Ansichten vertreten.Und Europa sollten wir auch nicht vergessen.Allein schon der starke Rechtsruck der in vielen Ländern EUropas stets zunimmt.Es muss ein Konsens zwischen den Leuten her.Aber wen es weiterhin daran scheitert und so wirds kommen,dann siehts mau aus.Die Flüchtlingströme werden immer größer. Amerika und Europa können nicht mehr länger ihre Grenzen dicht machen.Wohin allein schon mit den ganzen Umweltflüchtlingen.Wen wir da allesamt nicht ein wenig in den nächsten jahren drauf aufpassen würds mich nicht wundern das wir in eine Weltdiktatur reinschlittern.Wovor schützen wir uns eigentlich das alle frei auf dem Planeten rumlaufen könnten.Bah,so sollte es eigentlich sein.Menschen sind bekloppt.Menschen machen Menschen kaputt.Es gibt ja auch Tiere die sich gegenseitig Fressen nur der Mensch hat so seine eigene Art.Vielleicht kann man es auch so sagen die Masse wird uns schon richtig.Es ist ja nicht zu leugnen daß das Weltweit so oder so abegehen wird.
      Naja wie kommen wir da nur wieder raus.Bestimmt mit einer StauffenbergaKaserne

    76. Graf Zahl schrieb am 21. Juli 2010 at 19:24 - Permalink

      achtung, völlig off topic: man kann die “kontakt” seite nicht mehr aufrufen und ältere artikel scheint man nicht mehr kommentieren zu können..

      lg

    77. Clueso03 schrieb am 21. Juli 2010 at 19:43 - Permalink

      Nur ein kuzer beitrag: Der Artikel ist einseitig aufgezogen, wer sich mit dem Gegebenheiten dieser Zeit und ganz besonderes mit dem Geistigen Hintergründen der Putschisten beschäftigt, weis vorum es ging. Ich sehe nicht das geringste das Stauffenberg schlecht dastehen lässt. Aus heutiger Siecht sind einige Vorderungen fremdlich. Dennoch muss ich noch mal sagen: Stauffenberg wollte nicht das 3 Reich oder dessen überzeugungen retten, sonderen die Deutsche ehre. Das die Adeligen vom anfang bis ende versagt haben ist klar ..
      Was er aufbauen wollte war: >Das Geheime Deutschland< seine letzten Worte und seine Lebensüberzeugung! Vom Verbrechen, der anderen Putschisten, ob nun mit reinen Gewissen oder nicht weis ich nichts .. (was an meiner "inkompeltenz" liegen könnte)
      P.S: Viel Spass beim in Debatten gegenseitigen Umbriegen!
      J. Fuchs

    78. debil schrieb am 21. Juli 2010 at 20:53 - Permalink

      Danke für den Artikel Spiegelfechter. Ich kriege schon seit ein paar Jahren das Kotzen, wenn die alljährliche Stauffenberg-Heldenverehrung wieder anfängt.

      Georg Elser war mir (auch dank des Schulunterrichts) schon vor deinem Artikel bekannt.

      Für mich sind die Helden dieser Zeit Georg Elser, die Geschwister Scholl oder Carl von Ossietzky (um nur ein paar zu nennen).

      Stauffenberg kann von mir aus in der Hölle verrotten.

      Grüße
      debil

      • goldman sachs schrieb am 21. Juli 2010 at 21:07 - Permalink

        @debil,

        Danke für den Artikel Spiegelfechter. Ich kriege schon seit ein paar Jahren das Kotzen, wenn die alljährliche Stauffenberg-Heldenverehrung wieder anfängt.

        Was hast du nur gegen von Stauffenberg?

        Graf von Stauffenberg steht nun mal für die Gedanken des Führerprinzips, der gesunden Rangordnung und der Volksgemeinschaft, den Kampf gegen die Sittenverwahrlosung, die Förderung des gesunden Bauernstandes, die Ablehnung des haltlos-kranken Geistes der Großstädte, den arischen Rassegedanken, und last but not least die kerndeutsch bestimmte Rechtsordnung des Volksgerichtshofs.

    79. Cuaste schrieb am 22. Juli 2010 at 05:12 - Permalink

      Danke, Herr Berger.
      Ein erfrischend guter Artikel, der einiges richtigstellt.
      Wurde u.a. auf nachdenkseiten.de gepostet.
      Ich sehe es genauso wie sie:
      Georg Elser war ein Held.
      Empfehlenswert zum Thema Elser ist der Film ‘Georg Elser – Einer aus Deutschland’ mit Klaus Maria Brandauer und eine Dokumentation zu Georg Elser gibt’s bei http://www.jfe-mahlerstrasse20.de/elser.htm

    80. schwitzig schrieb am 22. Juli 2010 at 06:00 - Permalink

      @Cuaste

      Cuaste schrieb am 22. Juli 2010 at 05:12 – Permalink Antworten

      Danke, Herr Berger.
      Ein erfrischend guter Artikel, der einiges richtigstellt.

      Das fand ich ebenfalls. Interessant fand ich auch die im Kommentarbereich angesprochene Verflechtung des “Adels”, über die ich bisher nichts gehört habe.

      Ich sehe es genauso wie sie:
      Georg Elser war ein Held.

      Mit “Helden” ist das in meinen Augen ein zweischneidiges Schwert. Der “Held” gibt denjenigen, die nichts tun, die Legitimation zum Nichtstun, da er die korrigierende Kraft ist. Tatsächlich setzt ein “Held” seine ureigensten Interessen durch; unter Umständen mit Gewalt. Elser hat meiner Meinung nach richtig gehandelt und daher nicht das Attribut “Held” verdient, sondern Anerkennung, während hingegen die Masse des Volkes und der “Eliten” damals kollektiv falsch gehandelt haben und meiner Ansicht nach die Bezeichnung “Verbrecher” oder “Verbrechenstolerierer” verdient haben.
      Ich gebe zu, dass es aus der momentanen Perspektive einfach ist, die Nichtstuer zu verurteilen. Meine Schwarz/Weiss-Malerei ist im jeweiligen individuellen Kontext sicherlich unfair und berücksichtigt nicht das Entwicklungsmoment.
      Meine Meinung ist: Wäre ich Elser, würde ich die Bezeichnung “Held” als Beleidigung empfinden, da dieser Begriff schon zu oft mißbraucht wurde.
      Als ganz besondere Beleidigung würde ich es empfinden, wenn ausgerechnet die Stützen des Dritten Reiches und seiner Ideologie – wie z.B. Stauffenberg – bei Anzeichen von Machtverlust in einem Opportunismus- und Selbstschutzanfall ihre Kollegen, zu denen auch Hitler zählte, zum Zwecke des Machterhalts bzw. der Machtgewinnung attackieren und dafür dann auch noch als “Held” bezeichnet werden …
      Das Dritte Reich war nicht Hitler und es sind auch keine braunen Horden urplötzlich wie eine Krankheit über Deutschland gekommen. Das Dritte Reich war organisiert und von der breiten Masse gewollt, sowie unterstützt. So betrachtet halte ich es für einen echten Glücksfall, dass der Stauffenbergsche Terroranschlag schief gegangen ist, da es möglich wäre, dass wir bei einem Erfolg des Terroranschlags noch heute das Naziregime hätten.

      Das Wort “Held” klingt in meinen Ohren mittlerweile wie das Wort “Reform”.

      • Lago schrieb am 23. Juli 2010 at 15:06 - Permalink

        Brecht hat dazu in seinem Propagandawerk “Das Leben des Galilei” ja den wunderbaren Aphorismus gefunden:

        Andrea: “Unglücklich das Land, das keine Helden hat.”
        Galilei: “Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.”

    81. Alexander Bek schrieb am 22. Juli 2010 at 18:52 - Permalink

      “Wir wollen eine Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und beugen uns vor den naturgegebenen Rängen.”
      Claus Graf von Stauffenberg in einem gemeinsamen Eid mit seinem Bruder, wenige Tage vor dem 20. Juli 1944

      “Oft ziehen die Menschen die Gleichheit in Unfreiheit der Freiheit in Ungleichheit
      vor.”
      Nach Alexis de Toqueville

    82. lux schrieb am 22. Juli 2010 at 23:03 - Permalink

      “Ein tiefer Gaube an Gott und sein Walten gab vielen Widerständlern Rückhalt und Rechtfertigung.Alle hatten ein durchdringendes Verantwortungsgefühl- ein Pflichtgefühl aus Tradition,im dienste der Humanität, überzeugt von den Geboten der Menschlichkeit.”

      Auszug aus der Rede von Prof.dr.Fritz Stern der 1938 mit seiner jüdischen Familie in die USA emigrierte.
      Übrigens eine Rede die ich jedem empfehlen kann der sich ein differenziertes Bild über die militärische Elite in dieser Zeit machen will.

    83. Karl Marx schrieb am 24. Juli 2010 at 17:42 - Permalink

      “Der obrigkeitshörige Deutsche, der seinen Widerstandswillen an den Eliten orientiert, hatte es ihnen bis dahin längst gleichgetan. Er hat gemordet, sein Gewissen dem “heiligen Deutschland” der Offiziere untergeordnet und sich damit abgefunden, vor dem höchsten Gericht keine Absolution für seine Taten zu bekommen. ”

      Erstaunlich wie man in die Gedanken von Millionen von Menschen blicken kann.

      “Der eigentliche Antrieb der Verschwörer war weniger ihr Gewissen, sondern mehr die unvermeidliche Perspektive der totalen Niederlage.”

      Wenn man in die Gedanken von Millionen schauen kann, dann natürlich auch in die einiger weniger.

    84. Limited schrieb am 25. Juli 2010 at 01:12 - Permalink

      Zapfenstreich und Guido Knopp sind dann doch eher etwas für eine Minderheit in diesem Land. Nur wenige engagieren sich für die Traditionspflege der Bundeswehr oder an der Verbreitung eines durchgängig positiven Images für “die Truppe”.

      Ein Umstand, den ich keineswegs als ärgerlich empfinde.

      Ich finde es eher sympathisch, dass sich viele in diesem Land eher gegen eine stärker militarisierte Gesellschaft aussprechen und pubertären Muskelspielchen skeptisch gegenüberstehen.

      Insofern – laßt sie ihre Zapfen streichen ;-)

    85. The Tudors schrieb am 29. Juli 2010 at 13:58 - Permalink

      Zwei neuere Buchempfehlungen für Jens und euch zur Thematik der “Schuldfrage” (hier im übergeordneten Sinn):

      - Guido Giacomo Preparata: Wer Hitler mächtig machte. Wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten, Perseus Verlag, Basel 2009.
      - Mark Turley: From Nuremberg to Nineveh, Vandal Publications, 2008.

      Danach habt ihr eine differenzierte Sicht auf diesen deutschen Teil der Geschichte. Ich muss wohl nicht betonen, dass es sich bei den Autoren weder um Rechtskonservative, Neonazis, Judenhasser o.ä. handelt.

    86. afaik schrieb am 29. Juli 2010 at 16:13 - Permalink

      #
      ak schrieb am 20. Juli 2010 at 13:54 – Permalink Antworten

      nr. 46 (gs)

      Im Kern Zustimmung. Auch wenn´s “die Geschichtswissenschaft” nicht gibt und die ganzdeutsche, Beispiel Winkler, seit zwei Jahrzehnten wieder mal meint sie wär wer
      und doch nicht mehr ist als zeitgeschichtlich verbrämte Herrschaftsideologie.

      Bitte näher erklären was an Heinrich August Winkler kritisierungswürdig wäre! Danke.

    87. hacedeca schrieb am 1. August 2010 at 23:00 - Permalink

      “Wäre Stauffenberg der Held, zu dem er stilisiert wird, hätte er seine Pistole genommen und Hitler einen Kopfschuß verpasst.”

      Hmmm… Eine Pistole genommen? Seine rechte Hand war ab und an der linken hatte er nur noch drei Finger!

      Wenn man nicht den Wehrdienst verweigert hätte, könnte man sich den Rest denken.

      Abgesehen davon gab es aus dem Stauffenberg-Kreis Versuche nach Art “britischer Gentlemen”, wie auch nach Art von Al Kaida:

      21. März 1943; Berlin Zeughaus: Oberst Freiherr von Gersdorff, 1c des Generalstabs
      Mitte, will sich zusammen mit Hitler und anderen Nazigrößen während einer Ausstellung
      mit einer in seiner Uniform versteckten Höllenmaschine in die Luft sprengen; er stellt den
      Zünder auf zehn Minuten ein. Doch der Diktator interessiert sich an diesem Tag nur für
      einen russischen Beutepanzer und bleibt nach dem Scharfmachen des Säurezünders nur
      noch etwa zwei Minuten auf der Ausstellung.

      Anfang Dezember 1943: Hauptmann Axel Freiherr von dem Bussche-Streithorst will als
      Modell während der Vorführung der neuen Felduniformen mit einer um den Bauch
      geschnallten Höllenmaschine sich und Hitler in die Luft sprengen; doch die
      Ausrüstungsgegenstände verbrennen während eines Luftangriffs, die Vorführung muss
      vertagt werden. An der Front verliert der Freiherr kurze Zeit später ein Bein und kommt
      als Attentäter nicht mehr in Frage.

      11. März 1944: Rittmeister Eberhard von Breitenbuch soll auf dem Obersalzberg während
      einer Lagebesprechung Hitler mit einer in seiner Hosentasche versteckten Browning-
      Pistole erschießen; doch an dieser Konferenz werden keine Ordonanzoffiziere zugelassen;
      Breitenbuch kommt nicht hinein.


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