Mogelpackung Armutsbericht

25. Juni 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Die Geschichte um die Veröffentlichung des dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist ein Lehrbeispiel an strategischer Finesse. Als die SPD am 19. Mai wieder einmal in einer tiefen Depression steckte, veröffentlichte Arbeitsminister Olaf Scholz eine Vorabkurzversion des „Armutsberichtes“, in der er nicht wesentlich mehr als ein paar statistische Größen nannte und diese – obgleich sie alarmierend waren – als Erfolg der Regierungsarbeit verkaufte. Der „Erfolg“ war bei näheren Hinsehen nur eine Stagnation der Armutsquote bei rund 13% und auch dieser Wert lies sich nur deshalb ermitteln, weil man das statistische Erhebungsverfahren geändert hatte. Heute billigte die Regierung zähneknirschend die finale Version des Armutsberichtes. Der Zeitpunkt ist sicher kein Zufall – in der Bugwelle des Deutschland-Türkei Halbfinals bei der Fußball-EM wird er medial wenig Beachtung finden. Das ist schade, hätte er doch eine große Publizität verdient – im Bericht wird schamlos – je nach eigenem Gusto - zwischen verschiedenen Datengrundlagen und –erhebungen gewechselt und die arbeitspolitische Regierungstätigkeit wird über den Klee gelobt; selbst dort, wo sie die Ursache der Missstände ist.

Datengrundlage des 2005 veröffentlichten zweiten Armutsberichtes war die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) für das Jahr 2003. Die EVS ist eine amtliche Erhebung von verschiedenen Einkommens-, Ausgaben- und Vermögensgrößen. Sie wird in einer Stichprobengröße von über 50.000 erhoben und gilt als zuverlässige Erhebung. Der Nachteil der EVS ist, dass sie nur alle fünf Jahre durchgeführt wird. Die Zahlen aus der aktuellen EVS 2008 werden daher frühestens im nächsten Jahr zur Verfügung stehen – Honi soit, qui malle y pense.

Im aktuellen Armutsbericht wurde daher ein neues „europäisches“ Verfahren eingesetzt, das den Namen EU-SILC trägt und dessen Stichprobengröße im bewerteten Jahr 2006 bei 13.800 lag. EU-SILC wurde in Deutschland eingeführt, um die Ergebnisse europaweit vergleichbar zu machen. Dies sind sie allerdings keinesfalls und jedem Statistiker lässt die Art und Weise der Datenerhebung an deren Qualität zweifeln. Die Haushalte, denen Befragungsunterlagen zugesandt werden, bestehen zu drei Vierteln aus Haushalten, die sich freiwillig für die Befragung gemeldet haben. Das letzte Viertel ist zwar eine zufällige Stichprobe, allerdings ebenfalls aus einer Gruppe von Freiwilligen. Ergebnisse, die aus solchen Stichproben ermittelt werden, sind nicht repräsentativ, zumal eine Vergleichsgröße auf repräsentativer Basis fehlt – das weiß jeder Statistiker. Personen, die eine geringe Bildung aufweisen, melden sich zu solchen freiwilligen Befragungen statistisch seltener, als der Bevölkerungsschnitt. Das Argument der europäischen Vergleichbarkeit ist auch keinesfalls stichhaltig, da in anderen Ländern die Daten auf andere Art und Weise erhoben werden. In Skandinavien sind amtliche Daten die Datengrundlage und in allen Ländern, außer Deutschland, erfolgt die Datenerhebung auf zufälliger Stichprobenauswahl. EU-SILC öffnet Datenkosmetik jeglicher Art damit Tür und Tor.

Während die EVS für das Beobachtungsjahr 2003 eine Armutsschwelle von 980 Euro errechnete und zum Ergebnis kam, dass 13,5% der Bevölkerung unter dieser Armutsschwelle lebten, ergab die EU-SILC des Jahres 2006 eine Armutsschwelle von 781 Euro (60% des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens) und verortete 13% der Bevölkerung unter dieser Armutsschwelle – diese Daten beziehen sich auf die Einkommen nach Transferleistungen. Ohne Transferleistungen liegt die Zahl der „Armen“ doppelt so hoch. Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass die Absenkung der Armutsschwelle natürlich auch die Zahl derer, die unterhalb dieser Schwelle leben, drastisch absenkt. Die Zahlen von EVS und EU-SILC sind nicht miteinander vergleichbar.

Der Armutsbericht weißt zwei weitere Datenquellen aus: Zu einem wird der umfassende Mikrozensus aufgeführt, der viele Zusatzdaten erhebt (z.B. Migrationshintergrund), aber aufgrund der Zahlenqualität (keine präzisen Angaben, sondern Bereichsangaben) für die meisten Zwecke suboptimal ist. Weiterhin wird das SOEP des Wirtschaftinstituts DIW aufgeführt. Das SOEP ist anerkannt und präzise und erlaubt aufgrund seiner einheitlichen Erhebung seit 1984 auch zeitliche Vergleiche, lässt sich aber aufgrund verschiedener erhebungstechnischer Gründe nicht direkt mit den anderen Indikatoren vergleichen. Der Mikrozensus 2005 sieht die Armutsschwelle bei 736 Euro und die Armutsquote bei 15%, das SOEP 2006 nennt 880 Euro und sieht die Quote bei 18%.

So unterschiedlich diese Erhebungen sind und so wenig man sie miteinander vergleichen kann, so unzulässig ist die Interpretation durch das Bundesarbeitsministerium, die Armutsquote sei hoch aber stabil – hier vergleich man EVS und EU-SILC und damit Äpfel und Birnen. Da ein aktueller EVS nicht zur Verfügung steht, bietet nur das SOEP die Möglichkeit eine qualitative Aussage über die Entwicklung der Armut zu machen – und das SOEP spricht hier eine klare Sprache. Die Armutsquote ist von 1998 bis 2005 um 50% gestiegen, von 12 auf 18%, dies sind 4 Mio. Arme mehr und die Tendenz ist – trotz des „Aufschwungs“ – unverändert. Zwar liegen für 2006 noch keine ausführlichen Daten vor, aber das ermittelte äquivalenzgewichtete Nettoeinkommen stieg von 2005 auf 2006 trotz „Aufschwung“ nur um magere fünf Euro auf 1.306 Euro – 2003 betrug es 1.336 Euro und 1990 1.253 Euro.

Der komplette Armutsbericht ist von vagen Anmerkungen durchzogen, dass die Daten veraltet seien und aufgrund des „Aufschwungs“ sich die Lage grundlegend geändert hätte – freilich ohne dafür auch nur eine einzige haltbare Zahl nennen zu können. Dies hätte auch wenig Aussicht auf Erfolg, da die bewerteten Zahlen inflationsbereinigt sein müssen. Der Bericht nennt den Einkommenszuwachs im Jahre 2006 (0,9%) und 2007 (1,5%) als positive Entwicklung gegen den Trend. Die Inflationsrate aus den beiden Jahren (2% 2006, bzw. 1,7% 2007) machen aus diesen Lohnsteigerungen jedoch wiederrum Reallohnsenkungen, so dass das Nettoäquivalenzeinkommen auch während des „Aufschwungs“ sinken wird – auch das weiß Scholz nur all zu genau, die anderslautenden Anmerkungen im Armutsbericht sind daher als vorsätzliche Täuschung zu werten.

Liest man den Bericht, findet man zwischen Selbstbeweihräucherung, Verdrehung der Fakten und Falschinterpretationen der Zahlen jedoch auch zwischen den Zeilen alarmierende Zahlen, die sich nicht durch Zahlenkosmetik entfernen ließen. So muss das Arbeitsministerium eingestehen, dass die Reallöhne im Beobachtungszeitraum massiv gesunken sind – von 2002 auf 2005 um 4,8%. Desweiteren ist bei den Bruttolöhnen ein eine Scherenbewegung festzustellen – während das oberste Einkommensdezil (die oberen 10%) Reallöhnzuwächse verbuchen konnten, sanken die Reallöhne der unteren fünf Einkommensdezile (50% der Erwerbstätigen). Diese Scherenwirkung manifestiert sich auch im Gini-Koeffizenzen, der ein statistisches Maß für die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen ist. Von 2002 auf 2005 stieg der Gini-Koeffizient von 0,292 auf 0,316 - damit hat sich Deutschland endgültig aus dem Kreis der Länder verabschiedet, die eine breite Einkommensdichte aufweisen können. In den skandinavischen Ländern liegt der Gini-Koeffizient im Schnitt bei ca. 0,25.


Grafik: Spiegelfechter Quelle: Angaben des Statistischen Bundesamtes - Lange Reihe Bezug: Nettoeinkommen

Hauptverantwortlich für diese Trends ist der massiv wachsende Niedriglohnsektor. 2005 gehörten 36,4% aller Beschäftigten zum Niedriglohnsektor – d.h., sie verdienten weniger als zwei Drittel des Medians der Bruttolöhne. Anfang der 90er Jahre betrug der Anteil lediglich rund ein Viertel. Vor allem ist hier ein starker Anstieg bei den vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern zu beobachten – von 2002 auf 2005 stieg der Anteil derer, die trotz Vollzeitbeschäftigung im Niedriglohnsektor tätig sind, von 8,8% auf 9,3% - im Osten ist jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte im Niedriglohnsektor tätig. Nach Zahlen des SOEP gehören sogar 12% der Vollzeitbeschäftigten in den Niedriglohnsektor – eine Verdopplung seit 1998, Tendenz steigend. Viel Phantasie weist der Armutsbericht bei der Ursachenforschung für diesen Trend auf – anstatt in der Gesetzgebung den offensichtlichen Grund für diese Entwicklung zu sehen, wird auf konjunkturelle Entwicklungen verwiesen, die aber nur kurzfristig seien, da der „Aufschwung“ dies ändern würde. Dass dies keinesfalls so ist und die aktuellen Zahlen der ALG-II „Aufstocker“ genau das Gegenteil nahelegen, wird freilich ebenfalls verschwiegen. Laut Angaben der Arbeitsagentur hat sich die Zahl der „Aufstocker“, also Erwerbstätige, deren Lohn so gering ist, dass sie zusätzliche ALG-II Leistungen in Anspruch nehmen müssen, von 2005 auf Juni 2007 um zwei Drittel auf 587.000 gesteigert. Hinzu kommen 500.000 ALG-II Empfänger, die in „Arbeitsmaßnahmen“ aus der Arbeitslosenstatistik heraus gerechnet werden – auch hier ein Anstieg gegenüber 2005 von über zwei Dritteln.


Grafik: DIW Quelle: DIW-Wochenbericht 12/07

Mit dem Armutsbericht lügt sich die Regierung selbst in die Tasche – die Ursachen für die wachsende Armut sind von ihr geschaffen wurden und in einem anderen Zusammenhang spricht der Bericht hier auch Tacheles: „Kernstück der Arbeitsmarktreform war es, langfristig auf eine Stärkung der Wirtschaft und eine verbesserte Integration von Erwerbsfähigen abzuzielen“. Eine Stärkung der Wirtschaft, zu Lasten der Kaufkraft in der Breite und zugunsten einer Scherenbewegung in den Einkommensverhältnissen – was Scholz hier dokumentiert, ist das Gegenteil zur „Sozialen Marktwirtschaft“, wie sie Ludwig Erhard definiert hat:

So wollt ich jeden Zweifel beseitigt wissen, dass ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.

Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzung dafür schaffen, dass dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen „arm“ und „reich“ überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln.
Ludwig Erhard

Jens Berger

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Trackbacks:

  1. 1 · QPS 25.6.2008 | NIGHTLINE am 25. Juni 2008 um 21:41

    [...] Mogelpackung Armutsbericht Die Geschichte um die Veröffentlichung des dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist ein Lehrbeispiel an strategischer Finesse. [...]


  2. [...] Mogelpackung ArmutsberichtJens nimmt den Skandal Armutsbericht auseinander. Hatte ich schon etwas zu Scholz geschrieben? Achja… [...]


  3. 3 · Kurz verlinkt (19) » Beitrag » SaarBreaker am 26. Juni 2008 um 21:09

    [...] Mogelpackung Armutsbericht (Der Spiegelfechter) [...]


  4. [...] Mogelpackung Armutsbericht – wegen fragwürdiger Methoden der Datenerhebung Liest man den Bericht, findet man zwischen Selbstbeweihräucherung, Verdrehung der Fakten und Falschinterpretationen der Zahlen jedoch auch zwischen den Zeilen alarmierende Zahlen, die sich nicht durch Zahlenkosmetik entfernen ließen. Quelle: Spiegelfechter [...]


  5. [...] manchmal Wunder sich vor Augen zu führen, was Ludwig Erhard denn tatsächlich mit dem Begriff der Sozialen Marktwirtschaft meinte: So wollt ich jeden Zweifel beseitigt wissen, dass ich die Verwirklichung einer [...]


  6. [...] Genau aus diesem Grund schreibe ich auch selbst nichts mehr dazu, möchte jedoch auf zwei empfehlenswerte Beiträge hinweisen. In der Kürze liegt die Würze meint Nebenbei bemerkt unter der Überschrift << Geistige Armut >>, ein blog, das ich nun auch mit in meiner Linkliste aufgenommen habe. Eine detaillierte Auseinandersetzung in gewohnter Qualität findet sich beim Spiegelfechter auch bei diesem Thema unter dem Titel << Mogelpackung Armutsbericht >>. [...]


  7. 7 · Transatlantikblog » Mogelpackung Armutsbericht am 27. Juni 2008 um 15:12

    [...] Weiter im Spiegelfechter-Blog… [...]


  8. [...] Mogelpackung Armutsbericht Die Geschichte um die Veröffentlichung des dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist ein Lehrbeispiel an strategischer Finesse. (tags: arbeitsmarkt) [...]


  9. [...] Der neue Armutsbericht ist kein Bericht, sondern eher eine Desinformationskampagne. Macht aber nichts. Es ist ja [...]


  10. 10 · Der Armutsbericht « Seitenhiebe am 30. Juni 2008 um 18:49

    [...] Wie immer eine grandiose Politanalyse: Der Spiegelfechter über den aktuellen Armutsbericht. Ich bin noch nicht ganz durch, stimme aber mal vorläufig mit dieser Interpretation überein: Da [...]


  11. 11 · Neue Thesen - » Es reicht! am 1. Juli 2008 um 13:07

    [...] der Bundesregierung habe ich anschließend beim Spiegelfechter reingeschaut. Auch er schreibt darüber und hat dank seiner großen Sach- und Statistikkenntnis viele Aspekte aufgeführt, die sonst [...]


  12. [...] Der Armutsbericht beim Spiegelfechter - kommentiert bei Amok Koma und in Dennis’ Seitenhieben [...]


  13. 13 · Neue Thesen » Es ist Zeit am 13. Juli 2008 um 01:41

    [...] der Bundesregierung habe ich anschließend beim Spiegelfechter reingeschaut. Auch er schreibt darüber und hat dank seiner großen Sach- und Statistikkenntnis viele Aspekte aufgeführt, die [...]


Kommentare:

  1. · Shitop am 25. Juni 2008 um 18:10 - Permalink

    “Die Stichproben werden nämlich nicht zufällig ausgewählt, sondern zu drei Vierteln an Haushalte verschickt, die sich freiwillig für die Befragung gemeldet haben. Das letzte Drittel ist zwar eine zufällige Stichprobe, allerdings ebenfalls aus einer Gruppe von Freiwilligen. ”

    Die beiden Sätze verstehe ich nicht. ;-(


  2. · Spiegelfechter am 25. Juni 2008 um 18:17 - Permalink

    @Shitop

    Ich verstehe, warum Du diesen Satz nicht verstehst ;-)

    Ich habe ihn umformuliert.


  3. · Shitop am 25. Juni 2008 um 18:40 - Permalink

    “Die Haushalte, denen Befragungsunterlagen zugesandt werden, bestehen zu drei Vierteln aus Haushalten, die sich freiwillig für die Befragung gemeldet haben. Das letzte Drittel ist zwar eine zufällige Stichprobe, allerdings ebenfalls aus einer Gruppe von Freiwilligen.”

    3/4 Freiwillige A plus 1/3 Freiwillige B gibt irgendwie mehr als 100% oder bin ich zu pessimistisch?


  4. · Spiegelfechter am 25. Juni 2008 um 18:44 - Permalink

    @Shitop

    Ach diese Hitze ;-)
    Das letzte “Drittel” muß natürlich ein “Viertel” sein - ich ändere das.


  5. · doktor_tod am 25. Juni 2008 um 18:54 - Permalink

    Ist mir schon klar warum sie die Fehler nicht bei sich selber sehen.
    Da die SPD und CDU diese heutigen Zustände sehenden Auges in Kauf genommen haben um der Wirtschaft mehr Gewinn zu verschaffen können sie sich selbst natürlich nicht kritisieren.
    Das Gegenteil ist der Fall sie müssten sich allesamt auf die Schulter klopfen.Den Niedriglohnsektor massiv ausgebaut,mit Hartz 4 massiv Druck auf die Arbeiter sich mit Hungerlöhnen zufrieden zu geben sonst gehören sie auch bald zu dem ganzen Arbeitsscheuen Hartz 4 Gesindel.
    Alles in allem doch erfolgreiche Politik aus ihrer Sicht.


  6. · salvo am 25. Juni 2008 um 19:13 - Permalink

    sehr guter Beitrag, Danke Jens!

    leider ist es so, dass jene, die diese Verhältnisse zu verantworten haben, vor solcher Realität die Augen verschließen bzw sie nach ihren Bedürfnissen umdeuten

    Aber nicht nur die politisch Verantwortlichen. Unter denen, die vermutlich von solchen Verhältnissen profitieren, ist diese Tendenz zur Derealisierung weit verbreitet. Heute ist es mir im Kommentarbereich in der sz passiert, dass jemand sogar so weit ging, die Zahlen aus einer Studie der Food Bank New York anzuzweifeln, nur weil danach 3,1 Millionen New Yorker über ein so geringes Einkommen verfügen, dass sie sich nicht die nötigen Lebensmittel leisten können.


  7. · MatheMagier am 26. Juni 2008 um 01:59 - Permalink

    “die Ursachen für die wachsende Armut sind von ihr geschaffen wurden ”
    sollte am Schluss wohl “worden” heißen oder verstehe ich den Satz falsch?


  8. · Reinhard am 26. Juni 2008 um 04:14 - Permalink

    “”MatheMagier am 26. Juni 2008 um 01:59 - Permalink
    “die Ursachen für die wachsende Armut sind von ihr geschaffen wurden ”
    sollte am Schluss wohl “worden” heißen oder verstehe ich den Satz falsch?”"

    Die Bürger von Korinth lassen grüßen!


  9. · Schwitzig am 26. Juni 2008 um 06:14 - Permalink

    @SF

    Der Artikel erzeugt Frustration; nicht weil er schlecht ist, sondern weil andere Medien solche Artikel nicht veröffentlicht haben. Ich frage mich mittlerweile jeden Tag, wieso es keinen breiten Protest gegen diese Regierung und ihre Propaganda gibt, denn die Folgerungen aus Berichten wie diesem müssen für die Menschen, die real im Existenzminimum leben ja ein Faustschlag ins Gesicht sein.

    Ich verstehe nicht, dass die CDUCSUSPDGRÜNEFDP überhaupt noch Wähler “mobilisieren” kann. Wie kann man mit den Erfahrungen seit 1998 diese Partei überhaupt noch “wählen”? Ernsthaft - (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich 1998 SPD gewählt habe, weil ich den Dicken loswerden wollte) ich würde mir lieber die Hand abfaulen lassen, als sie zum Ankreuzen der Partei zu mißbrauchen. Und ich kenne niemanden (was NICHT an vielleicht vermutetem Umfeld liegt :-), dem das nicht ähnlich ginge. Unsere “VOLKSPARTEI” wäre nicht an den Schalthebeln, wenn nicht auch Großteile der durch ihre Politik geschädigten, diese nicht wählen würde.
    Ich verstehe es nicht.


  10. · Michael Schöfer am 26. Juni 2008 um 09:06 - Permalink

    Wenn ich es richtig sehe, liegt die Armutsquote laut dem dritten Armuts- und Reichtumsbericht nicht bei 14 Prozent, wie Du schreibst, sondern bei 13 Prozent (siehe etwa Bericht Seite XI).

    Und laut dem zweiten Armuts- und Reichtumsbericht lag die Armutsquote bei 13,5 Prozent (siehe im dortigen Bericht Seite XXII). Übrigens wird die Armutsrisikoschwelle im zweiten Bericht mit 938 Euro angegeben (Seite 6), während diese Zahl im neuen Bericht nur in einer Fußnote auf Seite 24 auftaucht, sonst ist in Bezug auf EVS 2003 bloß noch von 980 Euro und 14 Prozent die Rede. Würde mich schon interessieren, wie es zu diesem unterschiedlichen Prozentzahlen bzw. Beträgen kommt. Großzügig aufgerundet?

    Das DIW schreibt in seiner Kritik an der EU-SILC-Erhebung: “Deutschland ist das einzige Land, das keine Befragung mit Interviewern durchführt, sondern ab der ersten Welle eine rein postalische Erhebung vornimmt.” Quelle: DIW, Probleme des deutschen Beitrags zu EU-SILC aus der Sicht der Wissenschaft - Ein Vergleich von EU-SILC, Mikrozensus und SOEP, Seite 8f, diw.de/deu...

    Unter anderem werden folgende Einwände vorgebracht:

    “Erstens treten bei postalischen Befragungen trotz telefonischen Nachfassens höhere Ausfallraten und ungenaues Ausfüllen (z. B. durch Rundungen) auf. Da gerade im untersten Segment eine beachtliche Zahl von Haushalten keinen Festnetzanschluss besitzt, ist telefonisches Nachfassen nicht möglich; dies dürfte zu einer Untererfassung des untersten Bevölkerungssegments führen.”

    “Zweitens erreicht man mit ausschließlich auf Deutsch verfassten und recht komplexen Unterlagen, die nur mit der Post versandt werden, die schlecht integrierten Ausländerhaushalte mit geringen Deutschkenntnissen nicht ausreichend. Dies dürfte zu einer weiteren Untererfassung des unteren Bevölkerungssegments führen, in dem Ausländerhaushalte überdurchschnittlich häufig vertreten sind.”

    Die Vorbehalte des DIW sind m.E. plausibel. Mit anderen Worten: Es scheint sich tatsächlich so zu verhalten, als habe man in der Tat das für die Bundesregierung günstigste statistische Verfahren ausgewählt.


  11. · Mile am 26. Juni 2008 um 09:11 - Permalink

    Na ja,
    solche Statistiken sind immer mit Vorsicht zu geniessen.

    Nach dieser Studie ist das am wenigsten arme Land in der EU nämlich Tschechien.
    Das liegt aber daran, dass die Mittelschicht so weit unten zu finden ist.


  12. · Martin am 26. Juni 2008 um 12:24 - Permalink

    Vornweg:
    Krasse Sache wie der SF hier im Wochenrhytmus halbe Diplomarbeiten zu diversen Themen abliefert, maximaler Respekt!

    was Scholz hier dokumentiert, ist das Gegenteil zur „Sozialen Marktwirtschaft“, wie sie Ludwig Erhard definiert hat:

    Hmmm… eventuell ist es auch nur eine Dokumentation, wie Erhards Vorstellung der Umverteilung auf europäischer Ebene umgesetzt wird? (Man beachte das Fragezeichen!)
    In den Augen etlicher Nachbarn ist Deutschland die reiche Oberschicht die “sich jeglichen Konsum leisten kann” während sie selber die “quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft” stellen.

    Deutschland war/ist das Hochlohnland Europas (von diversen sondersituierten Kleinstaaten mal abgesehen).
    Der wirtschaftliche und politische Zusammenschluss mit anderen Ländern kann nur zu einer Verringerung des Lohniveaus führen.
    Irgendwo muss das Geld, dass unsere Nachbarn zusätzlich verdienen sollen, ja herkommen.

    So gesehen müsste die Europa-Kiste doch der Wachtraum eines jeden Umverteilungs- und Sozialmarktwirtschaftsanhängers sein.
    Ist es nicht?
    Seltsam….


  13. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 12:44 - Permalink

    @Martin
    Guter, unideologischer Kommentar.
    Stell Dir vor, Du hast Anspruch auf einen höheren Mindestlohn und keiner zahlt ihn. Kein Problem; denn Dein Lohn wird vom Staat ganz oder teilweise bezahlt von höheren Steuern auf die noch hiergebliebenen Unternehmen und Gutverdiener - und von ungedeckten Schecks auf unsere Kinder.


  14. · Hochlohnland? am 26. Juni 2008 um 13:23 - Permalink

    Deutschland war/ist das Hochlohnland Europas (von diversen sondersituierten Kleinstaaten mal abgesehen).

    Falsch. Schon heute sind die Lohnstückkosten niedriger als in vergleichbaren europäischen Staaten. Spätestens Ende 2005 wurde schon gewarnt, dass die Löhne wieder steigen müssen, weil Deutschland schon längst wieder wettbewerbsfähig ist und weil sonst nicht nur Deutschland verlieren wird.

    blog.zeit....


  15. · salvo am 26. Juni 2008 um 13:36 - Permalink

    @Martin

    worauf basiert denn Deine Behauptung? Der Realität entspricht sie keinesfalls, auch wenn dein Nachkommentator sie, wohl aus ideologischen Gründen, als ‘unideologisch’ bewertet hat.

    Nach dem Statistischen Bundesamt rangiert Deutschland bei dem Arbeitskostenindex an erster Stelle - der Arbeitskostenindex gibt die Arbeitskosten je geleisteter Stunde wieder. Dh im Verhältnis zur Arbeitsproduktivität ist Deutschland das Land in der EU mit den niedrigsten Löhnen.

    destatis.d...


  16. · Martin am 26. Juni 2008 um 13:49 - Permalink

    ist Deutschland das Land in der EU mit den niedrigsten Löhnen

    Ja, das mag der Ist-Zustand sein und unterstreicht meine Aussage doch, statt sie zu widerlegen.

    Mal Dir vor Deinem inneren Auge mal eine Kurve für die Tendenz der letzten 30 Jahre.
    Eine für Deutschland und eine jeweils für Polen/Tschechien/Frankreich.

    Dann siehst Du was ich ungefähr meinte.
    Das Wörtchen “war” wird von den Kommentatoren wohl gerne übersehen, der Prozess der europaweiten Angleichung ist schon in einer seiner letzten Phasen…

    Edit:

    Makro kompakt
    Grundzüge der Makroökonomik
    Rothengatter & Schaffer


  17. · Kommentar am 26. Juni 2008 um 13:53 - Permalink

    Tag !

    …guter Artikel - findet man in den Mainstreammedien selten.

    Dreimal meinen Senf dazu:

    Manche behaupten, daß es Menschen in anderen Ländern ja finanziell so viel schlechter gehen würde. Merkwürdig, daß in anderen Ländern z.B. die Preise für Benzin viel niedriger sind: benzinprei...
    Und das ist auch bei vielen anderen Waren so; in Deutschland produzierte Autos sind im europäischen Ausland auch öfters günstiger.

    Andere behaupten, daß Armut von 14% oder 13% ja nicht so schlimm sei. Wahrscheinlich sind diese nicht von der Armut betroffen und haben außerdem Sicherheiten sowie Perspektiven. Wieso wird nicht in aller Öffentlichkeit über die Anzahl der Millionäre in Deutschland gesprochen? Es sind offiziell 826.000 Millionen und “die Berechnung berücksichtigt nur Finanzvermögen, aber nicht selbst bewohnte Wohnungen und Häuser”: tagesspieg...
    Warum gibt es hier überhaupt noch Obdachlose? Es gibt keine realen Gründe dafür.

    Und wieso werden die größten Steuerhinterzieher nicht einfach besser verfolgt?:
    haz.de/new...
    Dachte immer, Steuerhinterziehung sei kriminell. Wenn bei den überprüften Firmen (2.6%) mehr als 16.6 Milliarden Euro in den Staatshaushalt gespüllt wird, kann sich jeder ausrechnen, wann das Haushaltsloch einfach nicht mehr existieren würde, wenn der Staat Arbeitsplätze gegen diese Art der Korruption schaffen würde. Auf 100% gerechnet wurde der Staat in einem Jahr durch Arbeitgeber um mehr als 0.6 Billionen Euro (=600 Milliarden oder mehr als ~8000 Euro pro Mitbürger) betrogen. Und ohne Haushaltsloch gäbe es die ganze soziale Misere, die durch finanzielle Mittel begründete Handlungsunfähigkeit (Uni’s, Rente etc.) und viele andere Probleme nicht mehr.

    Günter Wallraff hat in einer TV-Sendung folgendes passendes Statement abgelegt:
    “Der Grundsatz ‘Eigentum verplichtet’ wird mittlerweile wohl so ausgelegt, daß Eigentum zu noch mehr Eigentum verpflichtet.”

    Ein Kommentar


  18. · salvo am 26. Juni 2008 um 14:04 - Permalink

    soso, eine Widerlegung unterstreicht deine Aussage? Ich glaube aber zu verstehen, worauf du hinauswillst. Was aber ME auch falsch ist, denn dieser Umstand, dass Deutschland gemessen an seiner Arbeitsproduktivität ein Niedriglohnland ist, gilt nicht erst seit heute und ist nicht ein Produkt der Anpassung durch die Integration der europ. Ökonomien. Wenn es so wäre, müßten die Löhne hier, gemessen an der Produktivität, im Gegenteil weit höher steigen.

    p.s. das Wörtchen ‘war’ habe ich nicht übersehen, wohl aber du das Wörtchen ‘ist’


  19. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 14:26 - Permalink

    @10 Michael Schöfer

    Wenn ich es richtig sehe, liegt die Armutsquote laut dem dritten Armuts- und Reichtumsbericht nicht bei 14 Prozent, wie Du schreibst, sondern bei 13 Prozent (siehe etwa Bericht Seite XI).

    Da hast Du recht – ich meinte 13,8% gelesen zu haben; ich korrigiere das.

    Und laut dem zweiten Armuts- und Reichtumsbericht lag die Armutsquote bei 13,5 Prozent (siehe im dortigen Bericht Seite XXII). Übrigens wird die Armutsrisikoschwelle im zweiten Bericht mit 938 Euro angegeben (Seite 6), während diese Zahl im neuen Bericht nur in einer Fußnote auf Seite 24 auftaucht, sonst ist in Bezug auf EVS 2003 bloß noch von 980 Euro und 14 Prozent die Rede. Würde mich schon interessieren, wie es zu diesem unterschiedlichen Prozentzahlen bzw. Beträgen kommt. Großzügig aufgerundet?

    Wo der Unterschied von 938 zu 980 Euro herkommt, kann ich mir auch nicht erklären, zumal dieselbe Erhebung als Quelle genannt wird.

    Die Vorbehalte des DIW sind m.E. plausibel. Mit anderen Worten: Es scheint sich tatsächlich so zu verhalten, als habe man in der Tat das für die Bundesregierung günstigste statistische Verfahren ausgewählt.

    Das sehe ich genau so – um so erstaunlicher finde ich, dass die Art der Datenerhebung bei einem „europäischen“ Standardverfahren nicht festgelegt ist.


  20. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 14:31 - Permalink

    @11Mile

    Nach dieser Studie ist das am wenigsten arme Land in der EU nämlich Tschechien.
    Das liegt aber daran, dass die Mittelschicht so weit unten zu finden ist.

    Das kommt auf die Betrachtung an – Tschechien gehört auch zu den EU-Ländern, in denen in den letzten Jahren die Löhne am stärksten gestiegen sind. Der Armutsindikator misst ja keine absolute Armut, sondern die Ungleichverteilung der Einkommen – und hier ist es schon eher erstaunlich, dass ein „Wachstumsland“ wie Tschechien diese Einkommenssteigerungen auch in der Breite erzielen konnte.


  21. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 14:41 - Permalink

    @12 Martin

    In den Augen etlicher Nachbarn ist Deutschland die reiche Oberschicht die “sich jeglichen Konsum leisten kann” während sie selber die “quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft” stellen. […] Deutschland war/ist das Hochlohnland Europas (von diversen sondersituierten Kleinstaaten mal abgesehen).

    Das ist lange her, dass dies so war. Die Niederlande und Dänemark haben bereits auf höchster politischer Ebene Protest gegen die deutsche Niedriglohnpolitik geäußert, da sie eine Gefährdung für die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern darstellt.
    Deutschland ist leider mittlerweile im europäischen Rahmen ein Niedriglohnland – kaum ein Land der alten EU hat niedrigere Löhne im Bereich der mittleren und unteren Lohnarbeit. Es ist auch interessant, hier zwischen dem Median und der arithmetischen Mitte zu unterscheiden. Der Höchsteinkommenssektor ist in Deutschland nämlich wesentlich(!) ausgeprägter, als in Skandinavien oder den Niederlanden.

    Der wirtschaftliche und politische Zusammenschluss mit anderen Ländern kann nur zu einer Verringerung des Lohniveaus führen.
    Irgendwo muss das Geld, dass unsere Nachbarn zusätzlich verdienen sollen, ja herkommen.

    Das muß keinesfalls so sein, wie alle anderen „alten“ EU-Staaten uns tagtäglich beweisen. Natürlich ist auch dort nicht alles Gold, was glänzt, aber die Realeinkommen in diesen Ländern sind nicht gesunken – da ist Deutschland der „Kranke Mann vom Rhein“.

    So gesehen müsste die Europa-Kiste doch der Wachtraum eines jeden Umverteilungs- und Sozialmarktwirtschaftsanhängers sein.
    Ist es nicht?
    Seltsam….

    Von steigenden Löhnen in der EU profitiert niemand so stark, wie der Exportweltmeister Deutschland – nur landen die „Gewinne“ aus diesem „Deal“ leider nicht bei der breiten Bevölkerung, so dass sie eine Sogwirkung auf die Binnenwirtschaft hätten. Von der EU-Erweiterung profitiert die deutsche Wirtschaft ungemein, nur nicht der deutsche Arbeiter – das ist das Problem.


  22. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 14:46 - Permalink

    @salvo
    Die Steigerung der Arbeitsproduktivität hat als Argument für Lohnerhöhungen für Niedrigverdiener ausgedient, weil:
    1. sie hauptsächlich durch Maschinen/Kapitaleinsatz + gut bezahlte Fachkräfte erhöht wird
    2. sie auch mit noch geringer verdienenden und trotzdem fleissigeren Ausländern erzielt werden kann
    3. sie dadurch erhöht wird, die Niedrigverdiener ganz zu entlassen (nebenbei als Gegenbeweis, dass an jedem von Ihnen reichlich verdient wurde).
    Wirtschaft funktioniert nicht durch Wunschdenken, wie der Mensch handeln sollte, sondern wie er handelt. Die Bennenung dieser Fakten wird von den Wunschdenkern als Zynismus diffamiert.


  23. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 14:56 - Permalink

    @17 Kommetar

    Tag !

    Dir auch Tach! ;-)

    Andere behaupten, daß Armut von 14% oder 13% ja nicht so schlimm sei. Wahrscheinlich sind diese nicht von der Armut betroffen und haben außerdem Sicherheiten sowie Perspektiven. Wieso wird nicht in aller Öffentlichkeit über die Anzahl der Millionäre in Deutschland gesprochen? Es sind offiziell 826.000 Millionen und “die Berechnung berücksichtigt nur Finanzvermögen, aber nicht selbst bewohnte Wohnungen und Häuser”:

    Es wird fast nicht darüber gesprochen, da dies den sozialen Frieden stören würde. Wenn auf dem Kapitalmarkt „Renditen“ von rund 7% erwirtschaftet werden, fragt sich doch jeder „normale“ Einkommensbezieher, wo das hinführt. Im untersten Einkommens-/Vermögensbereich werden die Menschen von Jahr zu ärmer, was durch ihr „negatives Vermögen“ (z.B. Dispokredite) ermöglicht wird – auf der anderen Seite werden diejenigen, die die Dispokredit per Einlagen in den Banken stellen, immer reicher, während die Mittelschicht vor sich hin darbt und mit viel Glück so viel zur Seite legen kann, dass es reicht, um der Altersarmut zu entgehen.
    Oder wie es Brecht sagte:
    Reicher Mann und armer Mann standen da und sah`n sich an. Und der Arme sagte bleich: “Wär ich nicht arm wärst du nicht reich”

    Dachte immer, Steuerhinterziehung sei kriminell.

    Natürlich – aber Straftäter im Bereich der „Weißkragenkriminalität“ haben nun einmal meist eine unglaublich positive Sozialprognose ;-)
    Würde Herr Zumwinkel eine Bank überfallen, käme er (ganz unideologisch) auch mit der Mindeststrafe weg.

    Wenn bei den überprüften Firmen (2.6%) mehr als 16.6 Milliarden Euro in den Staatshaushalt gespüllt wird, kann sich jeder ausrechnen, wann das Haushaltsloch einfach nicht mehr existieren würde, wenn der Staat Arbeitsplätze gegen diese Art der Korruption schaffen würde.

    Klar, aber dann würden unsere „Leistungsträger“ ja fluchtartig das Land verlassen und ihre Milliönchen in der Schweiz, auf Mallorca oder in Österreich horten.

    Günter Wallraff hat in einer TV-Sendung folgendes passendes Statement abgelegt:
    “Der Grundsatz ‘Eigentum verplichtet’ wird mittlerweile wohl so ausgelegt, daß Eigentum zu noch mehr Eigentum verpflichtet.”

    Ein „schönes“ Statement – da hat Wallraff, wie sooft, recht.


  24. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 15:02 - Permalink

    @22 klaus56

    Die Lohnkosten und Lohnnebenkosten sind in Deutschland sogar laut den Chefvolkswirten der großen Banken kein Problem mehr. Auch die Bundesbank (habe leider den Link verschlampt) sieht heute in den Lohn- und Lohnnebenkosten gar kein Problem für die Wirtschaft; dafür aber in den zu niedrigen Einkommensanteilen, die dem freien Konsum zur Verfügung stehen - das Blatt hat sich gewendet.


  25. · alighieri am 26. Juni 2008 um 15:24 - Permalink

    Es ist schon gruselig mit anzusehen, wohin diese Gesellschaft steuert, wenn selbst die “Volksvertreter”, um den Schein zu waren, Nebelkerzen zünden und Sand in die Augen derer streuen, für die sie handeln sollen.
    Das dies auch leider nur wieder eine kleine Position in der Bilanz der Umverteilung darstellt ist mir klar und es erfüllt mich mit Wut, dass auch diese Information erneut in den Archiven der “investigativen” Medien verotten wird.
    Hierzu ein interessanter Artikel: linkezeitu...

    Wie war das noch mit dem Vorschlag eines römischen Senators alle Sklaven mit einer weissen Binde kenntlich zu machen?
    Ich wünsche uns, dass die Schafe da draussen erkennen, das der vermeintlich gute Hirte in Wahrheit ein Wolf ist!
    An den Spiegelfechter: Weiter so, suche, sammle und veröffentliche!
    An die Korinther: Lest was anderes!


  26. · salvo am 26. Juni 2008 um 15:39 - Permalink

    “Die Steigerung der Arbeitsproduktivität hat als Argument für Lohnerhöhungen für Niedrigverdiener ausgedient”

    zunächst hat das nichts mit der als ‘unideologisch’ bewerteten Behautptung zu tun, Deutschland sei allgemein ein Hochlohnland. Deutschland ist im Gegenteil ein Niedriglohnland, gerade wie Jens schreibt, für die unteren und mittleren Einkommen.

    andereseits hat das selbstredend “Die Steigerung der Arbeitsproduktivität als Argument für Lohnerhöhungen für Niedrigverdiener” nicht ausgedient - und zwar aus mindestens zwei Gründen:

    Zunächst einem sozial-ethischen: Eine sich selbst als zivilisiert verstehende Gesellschaft kann es sich nicht leisten, immer mehr Menschen zunehmend von der auf Basis der gesellschaftlichen Produktivität geschaffenen Wohlstand abzukoppeln, schon deshalb weil extreme Unterschiede in der Einkommenverteilung der Gesellschaft die Grundlage für eine demokratische Verfassung entziehen: Gefahr der Radikalisierung der ‘Verlierer’ auf der einen Seite und der Übernahme der politischen macht durch die ökonomische auf der anderen.

    Es ist aber auch ökonomisch unsinnig das zu tun: Denn die Folge der Konzentration des gesellschaftlich erzeugten Reichtums in immer weniger Händen zeigen sich immer wieder mit den Krisen auf den Finanzmärkten: Gerade den Menschen mit geringem Einkommen kommt eine wichtige ökonomische Funktion zu, als die Erhöhung ihrer Einkommen überwiegend in den Konsum fließt.


  27. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 15:40 - Permalink

    @spiegelfechter
    Das “Problem” mit den Lohnkosten wurde/wird dadurch gelöst, dass man Niedriglöhner durch Maschinen ersetzt, die man von Fachkräften bedienen läßt, die gut verdienen weil sie knapp sind (gilt auch für qualifizierte Bürokräfte). Die Ausbeutung von Niedriglöhnern ist ein wallraffsches Märchen; denn warum sollte man Sie massenhaft entlassen, wenn sie einen hohen Mehrwert erwirtschaften?
    Diese Problemlösung der hohen Löhne ist gerade das “neue” Problem. So drehen sich die Linksromantiker wie immer im Kreis.


  28. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 15:45 - Permalink

    @salvo und andere

    Man muß sich auch hier (Arbeitsproduktivität) klar sein, wo der Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft liegt. Auf der Ebene des Wirtschaftsunternehmens ist es natürlich wünschenswert, die Lohne so weit wie ohne Verlust an Qualität möglich zu drücken. Volkswirtschaftlich betrachtet sind Lohnempfänger aber (auch) Kunden, die die Produkte abnehmen, die produziert werden. Wenn die Kunden wegfallen, spielen die Lohnkosten in der Produktion und der Verwaltung nur noch eine untergeordnete Rolle. Dies konnte Deutschland bis jetzt durch eine exorbitante Exportquote halbwegs ausgleichen - steigende Transportkosten (Öl), eine extrem starker Euro und eine angeschlagene Weltwirtschaft (Kreditkrise, hoher Ölpreis) gefährden den Export allerdings und kein(!) Land in der EU, ist darauf so schlecht vorbereitet, wie Deutschland.


  29. · Peinhard am 26. Juni 2008 um 15:45 - Permalink

    “Günter Wallraff hat in einer TV-Sendung folgendes passendes Statement abgelegt: “Der Grundsatz ‘Eigentum verplichtet’ wird mittlerweile wohl so ausgelegt, daß Eigentum zu noch mehr Eigentum verpflichtet.””

    Beim Vorsitzenden des BVerfG, Herrn Papier, hört sich das (paraphrasiert) tatsächlich so an: Artikel 14(2) richte sich nicht an die Eigentümer, sondern im Gegenteil an den Staat, der damit aufgefordert werde, dem Kapital bestmögliche Verwertungschancen zu bieten. Oder, auf Neudummdeutsch: Sozial ist, was Arbeit schafft. Oder auch: Hauptsache Arbeit.


  30. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 15:53 - Permalink

    @klaus56

    Das “Problem” mit den Lohnkosten wurde/wird dadurch gelöst, dass man Niedriglöhner durch Maschinen ersetzt, die man von Fachkräften bedienen läßt, die gut verdienen weil sie knapp sind (gilt auch für qualifizierte Bürokräfte).

    Wenn dem mal so wäre - über die Leiharbeitsschiene werden ja sogar Fachkräfte in der exportorientierten Wirtschaft unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums bezahlt. Auch hochqualifizierte Ingenieure in der Entwicklung/Maschinenbau, die wirklich knapp sind, können diese Situation nicht in höhere Entgelte umwandeln. Ein guter Freund von mir ist einer dieser hochqualifizierten Ingenieure und arbeitet (regulär) für 2.800 Euro brutto, was ja nicht schlecht ist, aber bei wöchentlich rund 25 Überstunden (natürlich unbezahlt) und Steuerklasse 1 auch nur einen Nettostundenlohn von rund 15 Euro ausmacht - das habe ich damals neben dem Studium bei einem Demoskopieinstitut bekommen; ich schätze, die Jungs und Mädels, die dort heute arbeiten, bekommen nicht einmal die Hälfte.

    Die Ausbeutung von Niedriglöhnern ist ein wallraffsches Märchen; denn warum sollte man Sie massenhaft entlassen, wenn sie einen hohen Mehrwert erwirtschaften?

    Weil der Einsatzbereich für unqualifizierte Arbeiter eng begrenzt ist (für qualifizierte allerdings auch).

    Diese Problemlösung der hohen Löhne ist gerade das “neue” Problem. So drehen sich die Linksromantiker wie immer im Kreis.

    Diese Meinung vertritt kein(!) ernst zu nehmender Volkswirt … und nein, Sinn ist nicht ernst zu nehmen, was jeder Ökonom aus dem englischen Sprachraum bestätigen könnte.


  31. · Reinhard am 26. Juni 2008 um 16:02 - Permalink

    Armut ist eine Schande…für die Reichen! Ein Reicher ist immer auch ein Schmarotzer. Der Unterschied menschlichen Schmarotzertums zu sonst in der Natur vorkommenden Schmarotzern ist, dass der Wirt dem Schmarotzer auch noch huldigt! Reichtum sollte im Bewusstsein der Menschen als so verachtenswert verankert sein, wie es bereits einige wenige Mittel zum reich werden sind: Diebstahl, Raub, Betrug… Dass dem nicht so ist, liegt wahrscheinlich daran, dass allzu viele auch gern reich wären. Man kann ja schlecht anderen ankreiden, was man selbst gerne für sich hätte, oder?


  32. · salvo am 26. Juni 2008 um 16:10 - Permalink

    “Die Ausbeutung von Niedriglöhnern ist ein wallraffsches Märchen; denn warum sollte man Sie massenhaft entlassen, wenn sie einen hohen Mehrwert erwirtschaften?”

    als Niedriglöhner stehen diese Menschen wohl in einem Arbeitsverhältnis - und solange sie in solchem stehen, erwirtschaften sie einen Mehrwert - der, ob niedrig oder nicht, die Ausbeutung begründet

    p.s.

    die Etikettierung der Mitdiskutanten als ‘Sozialromantiker’ oder ‘Wunschdenker’ sollte gerade der nicht anwenden, der selbst nicht als ‘Zyniker’ bezeichnet werden möchte

    @Jens

    Habe ich etwas Anderes behauptet?


  33. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 16:13 - Permalink

    @salvo
    Deine Sozialethik und Vernunftökonomie hört sich angenehm an, jedoch fehlt Dein Nachweis, das sich irgendwo/irgendwann, ganz viele Einzelne freiwillig danach richten (werden). Die Globalisisierung gibt den “uns zu unserem Glück zwingen zu wollenden” Besserwissern den (verdienten) Rest.


  34. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 16:18 - Permalink

    @salvo

    Habe ich etwas Anderes behauptet?

    Nein ;-)
    Das war auch eher eine Ergänzung, als ein Widerspruch.


  35. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 16:24 - Permalink

    @klaus 56

    Die Globalisisierung gibt den “uns zu unserem Glück zwingen zu wollenden” Besserwissern den (verdienten) Rest.

    Nicht die Globalisierung, sondern die Art und Weise, wie sie kommuniziert wird. Deutschland ist (wie kaum ein anderes Land) technisch gesehen ein großer Gewinner der Globalisierung - nur vermeidet die politische Elite (erstaunlicherweise), das dieser “Sieg” bei einer breiten Bevölkerung als solcher wahrgenommen wird. Erst dann kann sich die Bevölkerung fragen, warum die Früchte des “Sieges” so ungleich verteilt werden. So lange sich die Bevölkerung aber als Verlierer der Globalisierung sieht, stellt sie diese Frage nicht. Das hat auch alles so gar nichts mit “linker Romantik” zu tun, sondern ist pragmatischer Realismus.


  36. · salvo am 26. Juni 2008 um 16:28 - Permalink

    @33

    vom Gebrauch meiner Vernunft lasse ich mich eben nicht abhalten - und die Hoffnung, dass es viele andere Menschen auch tun, habe ich noch. Solange ich noch genügend Kraft habe zu verhindern, zum konservativen resignierten Misanthropen zu werden, bin ich glücklich. Im Übrigen versuche ich mich innerhalb meiner Möglichkeiten an ‘Fakten’ zu halten (siehe oben).


  37. · Karsten Bier am 26. Juni 2008 um 16:33 - Permalink

    An klaus56:

    “Die Steigerung der Arbeitsproduktivität hat als Argument für Lohnerhöhungen für Niedrigverdiener ausgedient, weil:
    1. sie hauptsächlich durch Maschinen/Kapitaleinsatz + gut bezahlte Fachkräfte erhöht wird”

    Nun ja, in welchen Bereichen arbeitet denn heutzutage der Hauptteil der typischen Niedrigverdiener? Ich würde - ohne Beweise zu haben - mal behaupten, dass die Tätigkeiten, die maschinisierbar sind, schon längst maschinisiert wurden. Mindestens ein sehr großer Teil der Niedrigverdiener sind wohl eher Dienstleister wie Friseure, Pfleger, Kellner usw.

    “2. sie auch mit noch geringer verdienenden und trotzdem fleissigeren Ausländern erzielt werden kann”

    Ich dachte, Fleiß wäre gerade eher die deutsche Tugend? Wenn ich mir die Arbeitsweise in manchen anderen Ländern ansehe, insbesondere die, die ein niedrigeres Lohnniveau haben, dann scheint da subjektiv auch irgendwas dran zu sein.

    “3. sie dadurch erhöht wird, die Niedrigverdiener ganz zu entlassen (nebenbei als Gegenbeweis, dass an jedem von Ihnen reichlich verdient wurde).”

    Das geht in sehr vielen Bereichen nicht, insbesonders bei den oben erwähnten Dienstleistungen. Zumindest nicht, ohne die Unternehmung als Ganzes zu beenden.

    Davon abgesehen ist der Niedriglohnbereich natürlich generell schon ein enormes Problem, das - wenn man die Arm-Reich-Scherenvergrößerung nicht akzeptieren will - auf jeden Fall eine größere Umstellung erfordert. Z.B.
    - eine globale Maschinensteuer
    - eine Veränderung der Besteuerungsmethode (nicht am Wohnort, sondern an dem Ort, an dem der Verdienst generiert wird - oder beides)
    - das Wichtigste: eine möglichst schnelle und drastische Verkleinerung der Anzahl unqualifizierter (vor allem junger) Menschen, z.B. mit einer wirklich _umfangreichen_ Bildungsoffensive. Also das Gegenteil von Studiengebühren (in der bei uns verwendeten Form). Die Restlichen müssen wir eben durchfüttern. Ich habe damit kein Problem.


  38. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 16:39 - Permalink

    @salvo
    Du hast Recht, wir sollten nicht persönlich werden, was ja den Unterschied dieses Forums ausmacht zu vielen Kotzforen.
    Romantiker sind aber keine schlechten Menschen und ich ertappe mich oft beim Wunschdenken. Wirtschaftliche Vorschläge müssen sich aber an den tatsächlichen Motivationen der Wirtschaftsteilnehmer orientieren und nicht “wie diese sein müßten” damit die Welt besser wird. Viel zielführender ist es, die natürlichen, egoistischen Motive für soziale Umverteilung zu nutzen. Die Chinesen haben es begriffen - hätten Sie doch bloß weitergeträumt, anstatt uns die Arbeitsplätze streitigzumachen.
    Die könnten jetzt einen aktuellen Armutsbericht erstellen nach Eurokriterien, wonach 500 Millionen arm sind, von denen es 400 Millionen besser geht als vorher.


  39. · Peinhard am 26. Juni 2008 um 16:49 - Permalink

    @38 klaus

    “Die Chinesen haben es begriffen - hätten Sie doch bloß weitergeträumt, anstatt uns die Arbeitsplätze streitigzumachen.”

    Wieso können die das überhaupt, gibt es etwa einen Mangel an Arbeit? Und wenn ja, warum?


  40. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 16:54 - Permalink

    @Karsten Bier

    Nun ja, in welchen Bereichen arbeitet denn heutzutage der Hauptteil der typischen Niedrigverdiener? Ich würde - ohne Beweise zu haben - mal behaupten, dass die Tätigkeiten, die maschinisierbar sind, schon längst maschinisiert wurden. Mindestens ein sehr großer Teil der Niedrigverdiener sind wohl eher Dienstleister wie Friseure, Pfleger, Kellner usw.

    Ganz genau - Wachpersonal und Verkaufskräfte sollte man auch nicht vergessen. Alles samt, nicht rationalisierbar.

    Ich dachte, Fleiß wäre gerade eher die deutsche Tugend? Wenn ich mir die Arbeitsweise in manchen anderen Ländern ansehe, insbesondere die, die ein niedrigeres Lohnniveau haben, dann scheint da subjektiv auch irgendwas dran zu sein.

    Dazu ein “nettes” Annektötschen - auf einer Großbaustelle in Kuwait wurden die “Schweiß- und Muskelarbeiten” von Indern getätigt. Die dort angelieferten Dimmerschränke hatten Maße von rund 2×1,5 Meter - genug um darin zu schlafen. Vor jedem Anhieven der Schränke mit einem Kran, mußte ein Aufseher die Schränke kontrollieren, ob in ihnen Inder schliefen - was sehr oft auch der Fall war. Ein Planungsleiter dort erzählte mir, das Todesfälle durch Sturz aus einem Objekt, in dem man schlafen kann, dort zur Regel gehören. Der Standardsatz dort war übrigens IBM … Inshallah Bukra Malesh - morgen, so Gott will.


  41. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 16:58 - Permalink

    @Karsten
    Die geforderte Maschinesteuer ist typisch für den Versuch, unerwünschtes Verhalten durch Auflagen/Abkassieren zu steuern. Das geht im nationalen Strafrecht aber nicht in der globalisierten Wirtschaft.
    Die mobilen Maschinenbesitzer und Mechaniker wandern aus und lassen die einfachen immobilen Arbeiter auch noch arbeitslos zurück.


  42. · FloG am 26. Juni 2008 um 17:08 - Permalink

    Nein, bei einer GLOBALEN Maschinensteuer wie sie gefordert wird kann man nirgendwo hin auswandern um sie zu umgehen, so lange die Menschheit auf die Erde beschränkt bleibt.


  43. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 17:12 - Permalink

    @Peinhard
    Es geht um den Mangel an bezahlter bzw. bezahlbarer Arbeit. Nimmst Du dem Klempner nicht “böswillig” seine Arbeit weg, wenn Du die Rohrleitung selbst reparierst? Du bist nicht böswillig; denn er ist Dir schlichtweg zu teuer oder? Wir können nicht (arbeitsplatzvernichtendes) wirtschaftliches Handeln bei uns selbst für ganz normal halten und dasselbe bei Betrieben für volksschädlich halten - je größer der Betrieb/Konzern desto größer der Hass auf die “Arbeitsplatzvernichter”.
    Und die neuen 5% Sparzinsen der Deutschen Bank sind auch dem kleinsten Sparer gerade recht, der sich gleichzeitig aufplustert, wenn die das für 8% weiterverleiht oder ein Konzern 7% Kapitalrendite erwirtschaftet.


  44. · otti am 26. Juni 2008 um 17:25 - Permalink

    “Mogelpackung Armutsbericht”. Klar, Teuschland eben.
    “Strategische Finesse”? Nein, einfach Propaganda!

    Die Entwicklung des Gini-Koeffizienten macht die Problematik deutlich. Die deutsche Politikerkaste glaubt der Person aus den Vereinigten Staaten nacheifern zu müssen.
    Von dieser Person zu lernen, das heißt verlieren zu lernen.

    Wo Lug und Trug herrscht gibt es keine positive Zukunft. Eine solche Gesellschaft ist zum Untergang verurteilt.

    Überlassen wir unser Land nicht Leuten, die unser Vertrauen nicht verdienen, die uns an die Machthaber verscherbeln (s. auch aktuell Gesetzgebungsverfahren wg. so genannter Kreditverkäufe, Grundschuld etc.).


  45. · Kommentar am 26. Juni 2008 um 17:37 - Permalink

    @Klaus56
    Du schriebst: “Die Ausbeutung von Niedriglöhnern ist ein wallraffsches Märchen; denn warum sollte man Sie massenhaft entlassen, wenn sie einen hohen Mehrwert erwirtschaften?”
    …weil der Markt überschwemmt ist und sich nur noch wenige in Deutschland lebenden Menschen Deutsche Produkte leisten können. Teilweise wurden/werden Arbeitnehmer entlassen, weil es noch günstigere Produktionsstätten gibt.
    Wallraff dramatisiert - und? Der Spiegel etc. machen das mit Sicherheit nicht…

    Du schriebst außerdem: “Diese Problemlösung der hohen Löhne ist gerade das “neue” Problem. So drehen sich die Linksromantiker wie immer im Kreis.”
    Also: Ich habe gerade einen Vollzeitjob mit einem Lohn von 7 €uro abgelehnt, weil mir mit den Fahrtzeiten zur Arbeitsstelle (1-2 Stunden pro Fahrt), dem untertariflichen Lohn und den Tarifbrüchen bei der Zeitarbeitsfirma nicht geholfen wird. Dem Staat übrigens auch nicht, weil er mich (bzw. die Firma) fast mit denselben Geldern “subventionieren” müßte wie jetzt… Es handelte sich um eine Arbeitsstelle im Logistikbereich (kein Packjob: SAP&co…) über eine Zeitarbeitsfirma, welche laut eigener Aussage mind. das Doppelte an mir verdient - pro Stunde. (IronieAn) Wäre ich Linksromantiker, würde die Zeitarbeitsfirma am besten gleich das 5fache an mir verdienen… (IronieAus). Wieso stellt mich die Logistikfirma nicht gleich direkt an? Ist denen das etwa zu teuer? Oder können die mit mir keinen befristeten Arbeitsvertrag aushandeln?
    Für mich sind die Methoden der sog. “präkeren” Jobs in der Wirtschaft kriminell. Da stoßen sich Manager reich und lassen ihre Unternehmen durch den Staat via HartzIV subventionieren - mehr nicht.
    Z.Zt. arbeite ich übrigens im sozialen Bereich. Wüßte nicht, daß es Firmen im sozialen Bereich besser geht als Logistikfirmen. Aber bezahlt werde ich besser.


  46. · Peinhard am 26. Juni 2008 um 17:40 - Permalink

    @43 klaus

    “Es geht um den Mangel an bezahlter bzw. bezahlbarer Arbeit.”

    Richtig. Aber woran liegt das und was folgt daraus? Muss Arbeit billiger werden? Was folgt dann aber daraus für die Nachfrage, die ja wieder Grundlage der Arbeit ist? Oder muss sie im Gegenteil teurer werden, damit sie ‘bezahlbarer’ wird? Was sagt uns die Tatsache, dass von ‘der Wirtschaft’ heute nicht in erster Linie die Produktion von Gütern und Leistungen verlangt wird (von der sie ohne weiteres ein vielfaches herstellen könnte), sondern ausgerechnet die Schaffung von Arbeit? Steht da nicht irgendetwas auf dem Kopf?


  47. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 17:47 - Permalink

    @FloG
    Die gobale Maschinensteuer, die globalen Arbeitsbedingungen, die globalen Sozialleistungen, die globalen Umweltauflagen und die globale Ideologie wie dieses ausgestaltet wird und die Einnahmen umverteilt werden - wohl alles ganz demokratisch oder?


  48. · klaus56 am 26. Juni 2008 um 18:08 - Permalink

    @Peinhard
    Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist ein volkswirtschaftlich nützliches “Abfallprodukt” eines egoistischen Unternehmers (oder hört sich “Menge von Kleinaktionären” besser an?), der sich von der Bank Geld leiht, an den Sparer Zinsen zahlt und an der Zinsdifferenz verdient, was wiederum Arbeitsplätze schafft und Gewinnsteuern für den Staat. Die ungleiche Belohnung dieser Millionen Einzelwesen ist die produktivste Kraft. Je mehr man nivelliert, desto geringer wird sie - mit größtem Schaden für die Ärmsten! Insofern darf man die soziale Umverteilung nicht an die kritische Grenze ausweiten, an der die stark nachgefragten Leistungsträger keine Lust mehr haben.
    Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann niemals das Primärziel sein - es ei denn man sehnt sich nach DDR Läden mit 5 Verkäuferinnen an einem Grabbletisch mit DDR Anstecknadeln.


  49. · alighieri am 26. Juni 2008 um 18:20 - Permalink

    Die Möglichkeiten für einen Job sein reeles Geld zu erhalten, sinken mit der Angst der Arbeitnehmer ihren Status zu verlieren. Diese Angst wird durch diverse “begleitende” Massnahmen kontinuierlich aufrechterhalten und erhöht. Hier wären die Presse und die Statistiken (eben auch jene, die Grundlage für die heutigen Diskussion ist), ebenso wie das Drohgespenst der “billigen” Arbeitskräfte aus dem Ausland. Wenn das nicht reicht, um die AN zu verängstigen, dann haben wir die guten alten Gewerkschaftsfunktionäre (von denen auch schon der Eine oder Andere direkt und offensichtlich die Seite wechselt, als ob es das Normalste der Welt wäre) die “ihre” Basis auf den richtigen Kurs “einschwört” und reicht das nicht, dann werden einzelne Teilbereiche von Konzernen direkt in die Wüste geschickt.
    Und in der Zwischenzeit gibt es Brot (Hartz IV) und Spiele (nach der Europameisterschaft, kommt ja noch einiges medial “Großartiges”), während weitere Anpassungen auf dem Sektor der Steuerschenkungen für Konzerne erfolgen und Einschränkungen im Bereich der persönlichen Freiheiten erfolgen. Dies natürlich medienwirksam kaum von der Öffentlichkeit bemerkt.
    Und als Markt taugen die unteren Schichten eh nicht mehr. Da sind die arabischen und asiatischen Märkte doch viel interessanter, höhere Rendite, kleineres Risiko und passendere Währung. Die Produktion kann sogar vor Ort erfolgen, bis auch dort die “Lohnebenkosten” unser Niveau erreichen und dann sind wir vielleicht schon wieder als Markt interressant!?


  50. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 18:46 - Permalink

    @klaus56

    Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann niemals das Primärziel sein - es ei denn man sehnt sich nach DDR Läden mit 5 Verkäuferinnen an einem Grabbletisch mit DDR Anstecknadeln.

    Das sag doch bitte der Großen Koalition, die die Schaffung von Arbeitsplätzen als Primärziel sieht. Primärziel sollte die wirtschaftlich vertretbare Maximierung des Wohlstandes in der Breite sein - Arbeitsplätzteerschaffung als Selbstzweck ist da kontraproduktiv, da hier Marktregeln herrschen und ohne weitere Reglementierung mehr Arbeit vor allem durch eine Verbilligung des Faktors Arbeitskosten erzielt werden kann. Das heißt, niedrigere Löhne, was wiederum “Gift” für die Nachfrageseite ist und damit mittel- bis langfristig kontraproduktiv für eine breite Wohlstandsmehrung.


  51. · Peinhard am 26. Juni 2008 um 19:15 - Permalink

    @48 klaus

    “Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist ein volkswirtschaftlich nützliches “Abfallprodukt” eines egoistischen Unternehmers (oder hört sich “Menge von Kleinaktionären” besser an?), der sich von der Bank Geld leiht, an den Sparer Zinsen zahlt und an der Zinsdifferenz verdient, was wiederum Arbeitsplätze schafft und Gewinnsteuern für den Staat.”

    Schön, soweit die Theorie. Die Frage war aber, warum die immer weniger funktioniert, warum wir eine stetig steigende Massenarbeitslosigkeit haben - und zwar nicht nur in Deutschland - und was man dagegen machen könnte.


  52. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 19:24 - Permalink

    @Peinhard

    Schön, soweit die Theorie. Die Frage war aber, warum die immer weniger funktioniert, warum wir eine stetig steigende Massenarbeitslosigkeit haben - und zwar nicht nur in Deutschland - und was man dagegen machen könnte.

    Gar nichts, wir müssen “bloß” den Arbeitsbegriff neu definieren - weg von der Lohnarbeit, die “marktgerecht” entlohnt wird, hin zur Tätigkeit, die auch gerne mal sinnvoll sein kann und von der Allgemeinheit - sprich, dem Staat - entgolten wird. Siehe dazu auch die Schriften von Götz Werner, dessen theoretische Analyse ich voll und ganz stütze, aber mit dessen praktischem Teil ich so meine Probleme habe ;-) Aber das ist ein ganz anderes Thema.


  53. · Peinhard am 26. Juni 2008 um 19:40 - Permalink

    @52 Spiegelfechter

    “Gar nichts, wir müssen “bloß” den Arbeitsbegriff neu definieren - weg von der Lohnarbeit, die “marktgerecht” entlohnt wird, hin zur Tätigkeit, die auch gerne mal sinnvoll sein kann und von der Allgemeinheit - sprich, dem Staat - entgolten wird. Siehe dazu auch die Schriften von Götz Werner, dessen theoretische Analyse ich voll und ganz stütze, aber mit dessen praktischem Teil ich so meine Probleme habe”

    Vielleicht, weil man ‘dem Markt’ nicht so einfach ein zentrales Element aus der Krone brechen kann, ohne gleich die ganze Veranstaltung in Frage zu stellen?

    “Aber das ist ein ganz anderes Thema.”

    Na denn man tau mit Herrn Pastor sin Kauh. ;-)


  54. · Spiegelfechter am 26. Juni 2008 um 19:58 - Permalink

    @Peinhard

    Vielleicht, weil man ‘dem Markt’ nicht so einfach ein zentrales Element aus der Krone brechen kann, ohne gleich die ganze Veranstaltung in Frage zu stellen?

    Das sehe ich anders - beide Bereiche können sich sehr gut ergänzen. Wie “wir beide” wissen, gibt es sehr viele Bereiche des Lebens, die entweder nicht marktgerecht gestaltet werden können, oder auch dürfen. Eine 50jährige Frau, die zwei oder drei alten Damen in der Nachbarschaft bei der Gestaltung ihres Lebens hilft, erfüllt beispielsweise für die Gesellschaft einen sehr sinnvollen Dienst - ebenso, wie der Jugendfußballtrainer, derjenige, der sich für kulturelle Belange einsetzt, oder - ganz profan - auch der Blogger ;-) Nur lassen sich durch diese Tätigkeiten natürlich über die klassischen Märkte keine Einkommen erzielen, da niemand bereit oder im Stande ist, dafür so zu zahlen, dass es für die Erzielung eines “normalen” Einkommen reichen würde. Eine Art “Grundeinkommen” oder “Bürgergeld” würde all diese Bereiche stärken, was gesellschaftlich sinnvoll wäre und die Marktwirtschaft keineswegs aus den Angeln heben würde … im Gegenteil. Der klassische Arbeitsmarkt hat seine Grenze erreicht, da die Arbeit derart effektiv organisiert ist, dass es permanent weniger Angebot als Nachfrage gibt, was einerseits die Marktpreise drückt und andererseits breite Schichten zu “Aussenseitern” macht. Das muß nicht so sein, eine Kombination zwischen dem ersten Arbeitsmarkt und einem steuerlich finanzierten zweiten Arbeitsmarkt ist keinesfalls volkswirtschaftlich unvorstellbar. Aber dazu werde ich noch mal einen Artikel schreiben, da die Realisierung äußerst schwer ist.


  55. · Schwitzig am 26. Juni 2008 um 20:39 - Permalink

    @SF

    er klassische Arbeitsmarkt hat seine Grenze erreicht, da die Arbeit derart effektiv organisiert ist, dass es permanent weniger Angebot als Nachfrage gibt, was einerseits die Marktpreise drückt und andererseits breite Schichten zu “Aussenseitern” macht.

    Das sehe ich auch so. Es ist eigentlich ein Witz: Erstmals in der Geschichte der Menschheit, sind wir so produktiv und haben unser Leben und dessen Erfordernisse so weit automatisiert, dass ein Großteil der Lebenszeit auf Hobbies, Selbstverwirklichung oder gesellschaftliches Erleben verwendet werden könnte.
    Und was macht die Menschheit mit der Zeit, die sie sich durch Kreativität er”wirtschaftet” hat? 10% nutzt sie, um 90% der Menschheit in die bitterste vorstellbare Lebensrealität zu prügeln, damit sie sie NOCH ein bißchen mehr haben, das sie nicht ausgeben oder benutzen geschweige denn wertschätzen können.

    Lächerlich.


  56. · Anindo am 26. Juni 2008 um 23:33 - Permalink

    Tja, ich bin jetzt auch schon einige Monate auf Jobsuche und das ist schon sehr frustrierend. 50 Bewerber auf eine Stelle sind normal und bei dem Überangebot kann man die Löhne natürlich sehr schön drücken oder wenigstens viele Überstunden verlangen. Also wenn man einen Job kriegt, fängt der Krieg erst an und so richtig Lust habe ich da nicht drauf. Hartz IV plus einige Euros nebenbei verdient und man lebt deutlich stressfreier.

    Ich halte es anbetrachts dieser Situation für volkswirtschaftlich sinnvoll, erst einmal die Arbeitszeit zu verkürzen. Das könnte z. B. so aussehen, dass eine 3/4- oder Halbtagsstelle steuerlich deutlich bevorteilt wird und es für den Arbeitgeber preiswerter ist, die Arbeit auf mehr Leute zu verteilen. Das würde die Nachfrage nach Arbeitnehmern erhöhen und ihre Position stärken. Statt dessen will man selbst im öffentlichen Dienst die Leute noch länger arbeiten lassen. Die einen rackern sich krank, die anderen drehen Däumchen. Also das nützt ja wohl keinem. Auch ein Arbeitgeber sollte daran interessiert sein, dass seine Leute ausgeschlafen und fit zur Arbeit kommen und manchmal ist die Lösung doch sehr simpel. Früher war mal die 35-Stundenwoche in aller Munde, heute gibt´s diesen Begriff nicht mal mehr.

    In der dritten Welt hätten die sich mit unserer Arbeitsteilung schon gegenseitig die Köpfe eingehauen. Eine Arbeit, die locker einer machen könnte, machen da manchmal drei, vier Leute, die wiederum eine Familie ernähren müssen. Das Zauberwort heißt “Teilen”.


  57. · Franktireur am 27. Juni 2008 um 00:34 - Permalink

    Ich habe in meinem eigenen blog schon so viel drüber geschrieben über diesen Armutsbericht. Hier finde ich all das in verständlicher, detaillierter Form wieder - danke.
    Nur eins noch zu dem ewig gleichen Lügengebäude der Globalisierung. Wenn die tatsächlich unser Land so sehr unter Druck setzt, warum dann nicht auch die anderen länder, die bessere Löhne zahlen? Und warum ist D dann trotzdem Exportmeister der EU? Das kann doch schon mal nicht stimmen. Und wenn man sich die anderen EU-Länder ansieht, die immer tiefer in die Miesen rutschen, weil sie unter der vorpreschenden deutschen “Billiglohnmasche” zu leiden haben, dann liegt es wohl auf der hand, daß sich andere den deutschen Verhältnissen anpassen, weil D die in der EU vorgibt! Die deutsche Politik und Wirtschaft ist an Verlogenheit nicht mehr zu überbieten.


  58. · Peinhard am 27. Juni 2008 um 09:26 - Permalink

    @Schwitzig

    “Lächerlich.”

    Nein, ‘marktgerecht’. Ich traue mich ja kaum es zu sagen, aber warum das so ist kann man eben auch schon bei Marx nachlesen. Und obwohl diese natürlich auch ‘ihre Interessen vertreten’ (und auch sicher nicht zu knapp), greift die Unterstellung reiner Gier oder Boshaftigkeit ‘der 10%’ viel zu kurz.

    @Spiegelfechter

    Ich bin gespannt - und spare mir meine Einwände dann einstweilen auf. Für ‘äußerst schwer realisierbar’ halte ich das allerdings auch…


  59. · RN am 27. Juni 2008 um 10:21 - Permalink

    Bezugnehmend auf Kommentar 56 von Anindo:

    Das ist auch so eine Sache, die ich nicht verstehen kann.
    Die Arbeit ist da, aber statt sie (gerecht) aufzuteilen, muss einer buckeln.
    Das kann doch eigentlich nicht im Sinne des Unternehmens sein und schon gar nicht im Sinne der Gemeinschaft.
    Dieser eine rackert sich ab, wird krank, geht mit immer weniger Lust zu Arbeit und verursacht dem Unternehmen, wenn es schlecht läuft, auch noch weitere Kosten, indem seine Fehler später wieder repariert werden müssen.
    Zumal diesem arbeitenden auch noch zusätzliche Lasten in Form von Steuern und Abgaben aufgebürdet werden.
    Er muss durch seine Leistung die anderen mitziehen, die nichts für die Gemeinschaft tun. Damit kann man auch einen schönen Frust oder sogar Hass auf all diese Gruppen erzeugen. Wird dies dann noch in die richtigen Bahnen gelenkt, dann steht man wieder vor der Hitler’schen Tür. Jüngstes Beispiel: rechtsradikale Ausschreitungen in Sachsen nach dem Sieg von Deutschland.


  60. · klaus56 am 27. Juni 2008 um 10:41 - Permalink

    Man schaue mal in die Zeitungen, wie viele gut bezahlte Jobs dort angeboten werden. Sollen diese Anbieter ihre Angebote umstellen, bis etwas für jeden dabei ist? Wann richtet sich diese Welt endlich nach meinem Ausbildungsstand und Bedürfnissen?


  61. · klaus56 am 27. Juni 2008 um 10:58 - Permalink

    @Anindo
    “Teilen” ist als Auforderung an andere tatsächlich ein Zauberwort - Abrakadabra.
    Du könntest es ja mal mit “Gut Zureden” versuchen.
    Ich bin erstaunt wie nach gescheiterten sozialistischen Umerziehungsversuchen jetzt neuerlich von einem “anderen” Menschen geträumt wird.


  62. · Spiegelfechter am 27. Juni 2008 um 11:52 - Permalink

    @klaus56

    Man schaue mal in die Zeitungen, wie viele gut bezahlte Jobs dort angeboten werden.

    So? Welche Zeitungen liest Du denn so? In denen, die ich lese, steht die Entlohnung nur bei Jobs im ÖD als Tarifgruppe - alle anderen Inserenten bieten zwar teils gute Jobs an - keine Frage - aber über Entlohnung steht dort nichts.


  63. · lupe am 27. Juni 2008 um 12:40 - Permalink

    “Mit dem Armutsbericht lügt sich die Regierung selbst in die Tasche”

    Das glaube ich nicht. Die Regierung weiß, was sie tut. Jedoch lügt sie den Bürgern in die Tasche. Das ist viel schlimmer!


  64. · Michael Kostic am 27. Juni 2008 um 13:28 - Permalink

    @lupe:

    “…Die Regierung weiß, was sie tut….”

    Entschuldigung, welche Regierung meinst Du gerade?

    :-)


  65. · klaus56 am 27. Juni 2008 um 13:56 - Permalink

    @spiegelfechter
    Ich empfehle das Hamburger Abendblatt am Samstag: seitenlang mittleres Management, Facharbeiter, Computerfachleute alles über € 40.000.- p.a.. Mein Webdesigner hatte als Realschüler eine Lehrstelle in einer kleinen Softwarefirma, sein Abschluß war gut aber nicht überragend. Bereits Mitte 3. Lehrjahr zahlte man ihm € 1.000.- obendrauf und danach Anfangsgehalt € 2.500.-. Jetzt ist er Zivi und arbeitet zusätzliche 20 Std. wöchentlich, um weiter gut leben zu können. Er klagt nur über zu hohe Steuern.
    Sag dem mal folgendes:
    Spiegelfechter empfiehlt, aus seinen Steuerabzügen den zweiten Arbeits”markt” zu finanzieren, also Jobs, die Spaß machen, sozial wünschenswert sind, gut für die Völkerverständigung, Zuschuss für Niedriglöhne etc.. Ich befürchte, der würde in die Schweiz abwandern wie unsere Ärzte oder nach Singapur wie unsere Gentechniker.


  66. · Spiegelfechter am 27. Juni 2008 um 14:23 - Permalink

    @Klaus56

    Spiegelfechter empfiehlt, aus seinen Steuerabzügen den zweiten Arbeits”markt” zu finanzieren, also Jobs, die Spaß machen, sozial wünschenswert sind, gut für die Völkerverständigung, Zuschuss für Niedriglöhne etc..

    Ich schätze mal, ihm dürfte es eigentlich egal sein, ob mit seinen Steuergeldern Niedriglohnarbeitgeber á la Pin-Group subventioniert werden, oder die gleichen Gelder in einen sinnvollen zweiten Arbeitssektor fließen. Die öffentliche Diskussion ist rein populistischer Natur - wer, wie SPD und CDU, von der baldigen Vollbeschäftigung schwadroniert, streut dem Wahlvieh