Wege aus der neoliberalen Sackgasse
geschrieben am 23. Juli 2010 von Spiegelfechter
Ist unser marktwirtschaftliches System ein Selbstläufer? Oder neigt es zu periodischen Crashs? Kann man das Wirtschaftssystem lenken? Sollte man es lenken? Was soll dem Individuum überlassen werden und was muss der Staat tun, damit die Bevölkerung aus der Wirtschaft den höchsten Nutzen zieht? Erstaunlicherweise sind diese wichtigen Fragen – historisch betrachtet – relativ jung. Während der menschliche Geist sich schon sehr früh ausführliche Gedanken über alles Mögliche gemacht hat, ließ er die Volkswirtschaft weitestgehend links liegen. Das ist erstaunlich, hat die Volkswirtschaft doch einen größeren Einfluss auf unser Leben als die meisten anderen Wissenschaften.
Das liberale Paradox
Erst im fortgeschrittenen 18. Jahrhundert begann sich der Mensch mit der Volkswirtschaft wissenschaftlich zu beschäftigen. Die ersten Volkswirte haben die industriellen Revolution kommen sehen – man erinnert sich mit welcher Begeisterung Adam Smith die erste arbeitsteilige und maschinelle Nadelproduktion beschreibt – und sie haben in dem Adel und den von ihm gesteuerten Staat als ein Hindernis für diese neue Entwicklung gesehen. Wen mag es da verwundern, dass diese ersten Liberalen davon ausgingen, dass ein Laissez-faire und ein Abbau der staatlichen und gesellschaftlichen Schranken auch automatisch zu einer Steigerung des Nationaleinkommens führt, dass dann „durch eine unsichtbare Hand“ auch gerecht verteilt wird? Doch schon die ersten Nachfolger von Adam Smith, David Ricardo und Thomas Malthus, wurden durch die Realität eingeholt. Das gigantische Wirtschaftswachstum der frühen Industrialisierung führte zwar zu einer Steigerung des Nationaleinkommens, eine „gerechte“ Umverteilung blieb jedoch aus. Stattdessen verarmte das Proletariat ebenso rasant, wie die neuen Fabrikanten reicher wurden. Das Volk wurde unruhig, der damals noch junge Sozialismus beunruhigte die Eliten.
Offensichtlich führte die Liberalisierung des Wirtschaftssystems in ein Paradox. Je freier die Wirtschaft wurde, desto unfreier wurden die Leistungserbringer am unteren Ende der Wertschöpfungskette. Nach der liberalen Theorie, die immer mehr zu einer Religion des absolut freien Marktes wurde, hätte jedes Einlenken auf die Wünsche der Arbeiter dem Nationaleinkommen geschadet. Der erste Widerstand – man würde es heute fast nicht glauben – kam aus der „verspäteten Nation“ Deutschland. Ausgerechnet der „eiserne Kanzler“ Bismarck, auch mit der Absicht mit seinen Reformen den Sozialdemokraten den Schneid abzukaufen, setzte erste soziale Reformen durch. „Der Glaube an die Harmonie der Interessen“, sagte dieser Konservative, „hat in der Geschichte bankrott gemacht. Gewiss kann der einzelne viel Gutes tun, aber die soziale Frage lösen kann nur der Staat.“
Bismarck setzte fortan eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik um. Diese neue Ausrichtung der deutschen Politik hat dem großen deutschen Ökonomen Friedrich List einiges zu verdanken. List war zwar für eine freie Marktwirtschaft, der Staat sollte jedoch für die nötigen Investitionen sorgen. Aus gutem Grund merken daher auch einige Ökonomen seit mehreren Jahren an, dass auch die neue „verspätete Nation“ China für ihr Wirtschaftswunder nicht so sehr Adam Smith, sondern vor allem Friedrich List verdankt.
Das Deutsche Reich führte Mindestlöhne und Sozialsysteme ein und hat große Investitionen ins Leben gerufen. Beides ließ letztlich auch die Nachfrage steigen. In Großbritannien ließ man sich mit derlei Reformen hingegen Zeit und das Investieren überließ man den Individuen, genau nach dem heutigen Motto: Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt. Hätten die Verfechter des Laissez-faire Recht, dann hätte Großbritannien seinen ökonomischen Vorsprung weiter ausbauen müssen und Deutschland industriell abhängen müssen. Das Gegenteil war allerdings der Fall. Seit Bismarcks Reformen ging es mit Preußen und später dem Deutschen Reich rasant wirtschaftlich bergauf, während Großbritannien immer mehr seine ökonomische Vormacht einbüßte.
Deutschland in der Angebotsfalle
Bereits in der Weimarer Zeit hat sich Deutschland von List und Bismarck endgültig verabschiedet und sein Heil in der marktradikalen Angebotstheorie gesucht. Die Reformen von Kanzler Brüning stehen exemplarisch dafür. Schließlich hat man mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit die ganze Wirtschaft und Gesellschaft gegen die Wand gefahren. Nach dem Krieg kam eine große Wende – die „goldene Ära“ der Marktwirtschaft. Man kann sich heute aber sicher sein, dass ohne den direkten und indirekten Wettbewerb um die Köpfe der Menschen, der zwischen der Marktwirtschaft und der Planwirtschaft im Kommunismus ausgefochten wurde, das Wirtschaftssystem des Westens keinesfalls derart ausgeglichen gewesen wäre. Aber dann brach der Kommunismus zusammen und das Gespenst der reinen Marktlehre kehrte zurück. Die herrschende Lehre des Neoliberalismus ist seit mehreren Jahrzehnten nirgends so stark vertreten, wie in Deutschland. So wie damals in der Weimarer Zeit sind die Privatisierung, die Deregulierung, die Flexibilisierung und die Lohnsenkung zum Stein der Weisen geworden. Die Einkommen stagnieren bereits seit Jahrzehnten und dank diesem Lohndumping steigt das Nationaleinkommen unaufhörlich, aber gerade das kann zu unserem größten Problem werden.
Ein dermaßen exportorientiertes Land wie Deutschland kann nur in einer globalisierten Welt existieren – die großzügig für Nachfrage sorgt. Stockt die Nachfrage aus dem Ausland – beispielsweise durch Krisen, Marktsättigung oder Konkurrenz – droht dem deutschen Modell der Kollaps. Die Lehren daraus sind eigentlich offensichtlich: Nur wenn die Nachfrageseite von Konsumgütern wächst, kann auch die Volkswirtschaft aus eigener Kraft wachsen. Letztendlich ist der Absatz von jedem hergestellten Produkt – und sei es eine Maschine zur Herstellung anderer Investitionsgüter – am Ende immer von der Nachfrage eines Endkunden abhängig. Deshalb nutzt die vom Staat generierte Nachfrage mittel- und langfristig auch den Kapitalbesitzern – auch wenn diese dies nach der neoliberalen Gehirnwäsche nicht glauben wollen.
Unsere deutschen Ökonomieprofessoren, Wirtschaftsexperten und Wirtschaftweisen täuschen sich auch gewaltig – was sie von den Kollegen aus dem Ausland auch immer häufiger zu hören bekommen -, wenn sie die Stärkung der Nachfrage wegen der Inflation ablehnen. Ja, Deutschland musste tatsächlich in den 1920ern eine kurze Phase der Hyperinflation durchschreiten. Dies erklärt wahrscheinlich auch, warum die „Nachfrage-Ökonomen“ in Deutschland einen schweren Stand haben. Aber die in Deutschland geschürte Angst vor der Inflation entbehrt jeglicher rationaler Grundlage. Sie ist vielmehr ein Popanz der ideologischen Manipulation. Es war nicht die Inflation, sondern die von den deutschen Neoliberalen bewusst herbeigeführte Deflation, die das deutsche Volk in die größte Katastrophe seit dem 30jährigen Krieg stürzte.
Mit der Nachfragetheorie wieder aus der Krise
Doch es gibt Hoffnung! Sowohl der „nackte Kapitalismus“ als auch die „reine Planwirtschaft“ haben sich als historische Fehlentwicklungen erwiesen. Eine Kombination aus beiden Extremen könnte jedoch die goldenen Mitte ebnen. Chinas Modell einer freien Markwirtschaft mit einem starken, regulierenden und steuernden Staat hat sich – erst recht nach den Krisenwehen im Herbst 2008 – als robustes Modell herausgestellt. China hat die Wirtschaft liberalisiert und gleichzeitig durch staatliche Interventionen und Investitionen die Nachfrageseite gestärkt. Warum sollte dieser „paradoxe“ Spagat in Deutschland nicht gelingen? Ja, man kann sich im Augenblick nur schwer vorstellen, dass sich dies in einem Land realisiert lässt, in dem nachfrageorientierte Reformen nicht gewollt sind, und die deutsche Politik sich als Anwalt der Interessen der Kapitalseite versteht.
Es gibt allerdings kein System, das derart flexibel ist wie die Marktwirtschaft. Die Angebotspolitik feiert immer dann ihren Siegeszug, wenn es keine politischen oder gesellschaftlichen Widerstände gibt. Volkswirtschaftliche Reformen, die die Nachfrageseite gestärkt haben – vor allem durch umfangreiche soziale Systeme -, fanden nur sehr selten freiwillig statt. Sobald es in Deutschland einmal eine ernsthafte Bedrohung für den politischen Frieden gibt, wird auch die Politik reagieren. Bismarck hat seine Reformen auch erst umgesetzt, als der Sozialismus immer stärker wurde.
Aus der ökonomischen Sicht gibt es für das System nur eine überlebenstaugliche Alternative: Weg vom Neoliberalismus, hin zur Nachfragetheorie. Der Neoliberalismus hatte drei Jahrzehnte Zeit gehabt – das sollte doch eigentlich reichen. Selten hat man in einem nicht-totalitären System einem ideologischen Feldexperiment derart viel Platz gegeben wie dem neoliberalen. Aber anstatt sein Versprechen einzulösen, hat er sich als ideologische Sackgasse herausgestellt. Das Experiment ist endgültig und umfassend gescheitert. Es ist wirklich an der Zeit, neue Wege zu gehen. Packen wir es an! Wir müssen zurück zur Nachfragetheorie, die – anders als planwirtschaftliche Theorien – durchaus mit unserem System der individuellen Freiheiten und politischen Demokratie kompatibel ist.
Wissenschaftlich wurde die „Nachfrage-Ökonomie“ als erstes von John Maynard Keynes – als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise – umfassend zu Papier gebracht. Keynes Schwäche war es jedoch, sich zu sehr auf die geldpolitische Seite der Volkswirtschaft zu kaprizieren. Eine Senkung des Leitzinses – wie es die ganze Erfahrung vor dem Herbst 2008 zeigt- befeuert die Angebotsseite und den Finanzsektor, kommt aber nur selten bei der Nachfrageseite an. Und das würde selbst Keynes nicht wollen.
Wer sich über die wissenschaftlichen Grundlagen der Nachfragetheorie informieren will, der kann dies im Forum Systemfrage tun. Dort umreißt der Autor Paul Simek nicht nur die bisherigen theoretischen Ansätze, sondern er versucht die Nachfragetheorie auf neue analytische Grundlagen zu stellen. Er will über die bisherige monetäre Orientierung der Nachfragetheorie hinaus. Schon den Nachfragemangel erklärt er anders. Mehr darüber in seinem Aufsatz Der Nachfragemangel als Folge des nicht ausreichenden Einkommens
Jens Berger

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Nicht wirklich erstaunlich. Marktwirtschaft gibt es erst seit ein paar hundert Jahren. Vorher waren Eigentumsübertragungen z.B. an Grund und Boden ein politischer Akt. D.h. an konnte nicht einfach ein Landgut kaufen, weil man Geld hatte. So selbstverständlich es heute ist, vor 300 Jahren war es noch ein politischer Akt.
Gleiches galt für arbeitsteilige Unternehmungen (so es sie denn gab). Wenn irgendwo etwas großes gebaut wurde war es ein staatlicher Akt. Oft sogar noch religiös motiviert und organisiert (Dombau etc.).
Auch eine freie Preisfindung auf dem Arbeitsmarkt gibt es erst seit der industriellen Revolution. Vorher war alles von irgendwelchen Zünften etc. festgelegt.
Die Fragen, die in der VWL behandelt werden haben sich vor Adam Smith schlichtweg nicht gestellt.
Wer sich dafür interessiert, wie unser heutiges marktwirtschaftliches “System” entstanden ist, dem empfehle ich “The great transformation” von Karl Polanyi.
Es ist sehr hilfreich, wenn man mit der heutigen Marktwirtschaft unzufrieden ist, noch vor den Keynesianismus zurückzugehen und sich mal anzusehen, was sich dadurch verändert hat, dass es z.B. einen Arbeitsmarkt gibt, auf dem Löhne der abhängig beschäftigten festgelegt werden. Wo werden eigentlich die der Kapitaleigner festgelegt?
Oder ob man das Eigentum an gemeinsam genutzten Produktionsmitteln (Firmen) einfach haben können sollte wie z.B. das an einem Fernseher. IMHO gibt es da Unterschiede. Und auf die bin ich durch obiges Buch gekommen…
Einer der besten Artikel in den letzten Monaten.
Ich war immer der Meinung Keynes Schwäche sei die Halbherzigkeit der von ihm beratenen Politiker, denn sie sind es, die immer nur die eine Hälfte seiner Theorie verwirklicht haben. Es ist immer einfacher das Geld auszugeben, z.B. als deficit spending, denn in den Boom-Phasen es wieder rein zu holen. Die ach so christlichen Demokraten sollten das aus der Bibel kennen.
Inzwischen halte ich den Anarcho- und Ellenbogen-Liberalen immer den Straßenverkehr und die von ihnen selbst unterstützten Berufsverbote vor: wie kann die FDP gegen die freie Berufswahl sein, Betrüger, Mörder und Diebe werden so von der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und natürlich dem Geld verdienen abgehalten. Alles in allem vermute ich, selbst Herbert Spencer rotiert seit ca. 25 Jahren im Grab.
Das für Arbeitnehmer weitgehend rechte- und sozialversicherungsfreie Ausbeutersystem in China als Modell vorzuschlagen, hat was. Freie Marktwirtschaft, hallo? Das ist eine sozialistische Marktwirtschaft, in einem undemokratischen, autoritären Staat.
Ich weiß nicht, woher du deine Kenntnisse über China hast. Ich war zwischen ’94 und ’01 ca. 10 mal dort, insgesamt wohl ein halbes Jahr lang, und bin ganz sicher, dass China für Deutschland kein Vorbild sein soll, in keiner Hinsicht.
Was wäre, wenn wir berücksichtigen würden, dass China (1) etliche Jahrhunderte überspringen will und dass (2) seit Jahren zahlreiche Menschen, es sind 100.000.000 mal x, ihren Lebensstandard sprunghaft verbessern.
Und natürlich, dass es in China keinen Herbst 2008 gab ;-)
Was wäre wenn wir die simple Realität berücksichtigen, dass China und Deutschland überhaupt nicht vergleichbar und die Rezepte nicht übertragbar sind?
Keiner will Rezepte 1:1 übertragen aber China hat gezeigt, dass ein Mix aus Markt- und Planwirtschaft funktionieren kann. Das dazu ein starker Staat notwendig ist der sich nicht von der Kapitalseite erpressen lassen lässt ist dazu aber unabdingbar. Und da ist dann auch das Problem warum es eben nicht in Deutschland funktioniert. Hierzulande ist der Staat eine Art privater Sicherheitsdienstleister der von den Konzernen gelenkt wird, sich gleichzeitig aber als “völlig” neutral gibt.
Wissen sie nicht, dass ein Wirtschaftssystem und ein Regierungssystem zwei völlig verschiedene Dinge sind? Man kann das eine nachahmen ohne das andere zu kopieren…
Nein, das weiß ich nicht. Das erscheint mir eine sehr gewagte These zu sein. Würden Sie geglückte Beispiele in der hier in Rede stehenden Größenordnung und Komplexität aufzeigen?
Korinthenausscheider-Modus on:
- Vorspruch = Vorsprung ?
- sprichwörtlicher = sprichwörtlichen
- Marksättigung
- Letztendlich ist [der] Absatz
- nutz = nutzt
- 30jähirgen
- nachfrageorientierten = nachfrageorientierte
- System[,] das
Ansonsten wie immer ein großartiger Artikel!
Du hast “Wirtschats” vergessen. ;)
was würde ich bloß ohne Euch machen ;-)
Danke
Hey – ihr liegt alle falsch! Der Aufschwung ist da:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,708077,00.html
Bismarck hat sich ja schon früher vom Laissez-faire verabschiedet.
1873 gab es den Gründerkrach, die ersten schweren Depressionszeit. In der Folge hat Bismarck dann die Schutzzollpolitik von 1878/79 betrieben. Also natürlich schwierig im Genauen einzuschätzen, aber dem wirtschaftlichen Aufstieg des Reiches hat das nicht wirklich geschadet, ganz entgegen vulgärliberaler Annahmen.
“Chinas Modell einer freien Markwirtschaft mit einem starken, regulierenden und steuernden Staat hat sich – erst recht nach den Krisenwehen im Herbst 2008 – als robustes Modell herausgestellt.”
Wie Recht Du hast. Doch ein Vergleich mit den USA wäre passender:
http://www.jungewelt.de/2010/07-23/031.php
Jens, du biegst dir da aus deiner Sicht ziemlich einen zurecht.
China ist doch *NOCH* export-orientierter als Deutschland. Und ausserdem hinken Vergleiche zwischen Ländern mit 8000 BIP / Einwohner Kaufkraftparität mit solchen mit 34.000 BIP /Einwohner Kaufkraftparität.
Ja, es gab zwischen 1980 und Ende der 90er ein übermässiges Vertrauen in Marktkräfte. Soweit stimme ich überein. Nur sieht das in der Volkswirtschaftslehre noch heute so aus?
Zum Beispiel hats in der Entwicklungsökonomie schon eine gewisse Verschiebung gegeben. Schau einmal hier rein: http://tinyurl.com/3yt9o2e (pdf-link). Die FTD stellt ja auch aktuell in einer Serie viele jenseits des neoliberalen mainstreams denkende Ökonomen vor.
Die sogenannten volkswirtschaftlichen Debatten kranken auch daran, dass alle sich als “links” verstehenden Leute jeden als hardcore Neoliberalen abstempeln, der nicht hundertprozentig in ihrem Boot sitzt. Genauso wie tea-party ähnliche Gestalten alles was nicht auf 100% Marktwirtschaft hinaufläuft als Kommunismus brandmarken. Würden die Kommentatoren mehr Bücher lesen und weniger Blogs, hätten diese Haltungen keine große Zukunft.
Diese Theorien sind ohnehin nur Steinbrüche für praktische Politik. Was viele vergessen ist, dass sich neoliberale Ideen gerade auch in heute erfolgreichen skandinavischen Ländern, Österreich und den Niederlanden durchsetzten. Irgendwas war schon dran… Nur bringt er halt auch eine Menge Probleme mit sich (wachsende Schere zwischen arm und reich, Finanzmärkte mit zu viel Risiko). Nun muss man sich halt aufbauend auf dem Bestehenden etwas suchen, dass die Probleme der Zeit besser beantwortet. Geistig ist der Neoliberalismus am Ende. Er lebt weiter als “Austrian Economics”, aber das hat längst nicht mehr die Ausstrahlung in die Politik wie etwa angebotsorientierte Wipol, Monetarismus Anfang der 80er.
Die aktuelle Lage der Weltwirtschaft ist doch durch starkes Wachstum in Ostasien und im geringeren Ausmaß aber immerhin auch in Lateinamerika. Ich halte diese aktuelle 9% Wachstumsrate in Brasilien nicht für nachhaltig, aber das schrieb der Economist seit 2005 jedes Jahr über die argentinische Wachstumsrate von 8%. Aber schon 5,5% in Lateinamerika und 8% in Ost/Südasien über 10 Jahre würd die ökonomische Struktur dieses Planeten weiter dramatisch ändern. Und die Schweden und wir kommen ja deshalb besser aus dem Loch, weil unsere Industrie diesen Leuten wirklich etwas anbieten kann. Das ist gut.
Wir benötigen keine neue “General Theory”. Wir benötigen einen unaufgeregten Diskurs und in Teilen sorgsam durchdachte Reformen. Die sozialen Konsequenzen dürfen dabei nicht ausgeblendet werden.
Wie jede erfolgreiche Ideenschule hatte der Neoliberalismus ja einige Erfolge vorzuweisen. Thatcher und Reagan wurden von der Mehrheit der Briten und US-Amerikaner geliebt. Auch in Skandinavien gabs eine Menge von der Bevölkerungsmehrheit getragene neoliberale Reformen. Die Privatisierung/Deregulierung/Aussenhandelsöffnung in vielen asiatischen Ländern und lateinamerikanischen Ländern war erfolgreich und wurde nur teilweise wieder ein wenig zurückgefahren. Nur zeigte sich dort dann früh, dass sich im Finanzmarkt aus der Deregulierung besondere Risiken ergaben. Lange Zeit unberücksichtigt blieb auch, dass diese Entwicklungen in Ostasien von einer rationalen und von Interessengruppen nicht wirklich kaperbaren Industriepolitik begleitet wurden.
Vor allen aber: Statt gegen die Windmühlen der Ökonomen des 18. und 19. Jahrhunderts abzuarbeiten, beschäftigt euch besser mit modernen Ökonomen wie etwa der oben verlinkte Dani Rodrik oder die Leute auf marginalrevolution.com. Oder Sinn. Aber wirklich lesen, was dieser Mann eigentlich schreibt.
Du bleibst mit Deinen Analysen aber immer tapfer innerhalb der kapitalistischen Binnenlogik.
Auch die Frage Staat oder Markt ist eigentlich keine, da Staat und Markt nur zwei Seiten derselben Medaille sind. Je mehr Markt, desto mehr Staat. (siehe hier) Es gibt da kein entweder-oder.
Warum ich innerhalb der marktwirtschaftlichen Logik bleibe, habe ich geschrieben.
Sorry, aber das halte ich für grundfalsch.
Offensichtlich nicht, da dieses System ohne Steuerung kontrahierend ist und dem Extremzustand mit allem Vermögen bei einer Person zustrebt, deren Bedürfnisse die Grösse der Wirtschaft bestimmt.
Es gibt sonst keine selbststabilisierenden Zustände im marktradikalen System.
really?
Hayek hat sich nun wirklich nicht sonderlich mathematisch ausgedrückt. Einen starken Einfluss hatten Samuelson oder Hicks als Keynes Interpret. Samuelson war eher neutral. Diese modernen Austrian Economics Leute neigen auch zum Modell-Bashing. Modelle, Regressionsanalysen wurden von Monetaristen und Keynesianisten verwendet, um die Welt in ihre Theorien zu lügen.
Ach ja wirklich. Und wieso ist eigentlich diese mathematisch erechenbare Sparquote in diesen asiatischen Ländern so gottverdammt hoch?
http://www.boersennotizbuch.de/sparquote-china-vs-usa.php
Systemfrager macht eigentlich das, was er der gesamten Volkswirtschaftslehre vorwirft. Er tätigt seltsame, in der realen Welt nicht auffindbaren Annahmen und drechselt sich dann mit Sprachtechnik, Diagrammen und ein paar mathematischen Formeln eine eigene Welt zurecht.
@ Lemmy
ich weiß auf dich ist immer Verlass. Du hast deine einfache Welt, der Stammtisch gibt dir Recht.
Was kann sich ein Mensch mehr wünschen (vor allem wenn er Lemmy heißt)
Deine Antwort auf die sachbezogenen Inhalte kommt noch, oder bleibt es beim zurückstänkern ob des letzten Satzes? :)
Auf “sachbezogene Inhalte” immer und sehr gern. Aber die müssen mir zuerst mittgeteilt werden.
Glaub mir, das ist eine alte dumme Reihenfolge – woher kommt sie keine Ahnung.
;-)
In diesem Kommentar bin ich konkret auf einige Aussagen in deinem Text eingegangen.
Bis auf den letzten Absatz sehe ich da nur sachbezogene Inhalte :)
Der letzte Absatz ist sachbezogen.
Es stellt vielmehr den wichtigsten Schluss dar, den ich aus meinem VWL-Studium gezogen hab und den ich seit Jahren erfolgreich auf Produkt/Prozessbeschreibungen von IBM, Oracle, openSource und wem_auch_immer anwende.
Eine Methode der Auseinandersetzung, das sich in seiner Mächtigkeit mit Regulären Ausdrücken messen läßt ;-)
Es ist kein persönlicher Vorwurf. Eher schon ein Kompliment. Ich drechsle meinen Kunden auch eine Welt zurecht. Es ist menschlich. In der Auseinandersetzung kritisiert man die Annahmen. Die Schwächen von IT-Systemen- vor denen ich einen großen Respekt habe – bestehen oft in Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat. Die Schwächen von Systemfragers Text sind Annahmen, die er aus meiner Sicht nicht ausreichend hinterfragt hat.
Und wieder der “dritte Weg” – der uns wieder wohin führt?
ins Paradies – wohin sonst?
Nich in das “andere Tal”? .-D (ein einäugig Lachender)
Wie stark es aussichtsreich ist, durch “Anregung der Nachfrage” zu einem besseren Pfad der Wirtschaftsentwicklung zu gelangen, ist dennoch strittig. Vor allem muss man sich sehr genaue Gedanken machen, auf welche Weise der Staat eingreift. Beispiel:
A) Nicht alle Investitionen, die der Staat anregt (z.B. mit Steuernachlässen), sind für die Wirtschaftsentwicklung positiv. So hat die Kohl-Regierung vielhunderte von Milliarden Euro an Wirtschaftskraft – komplett sinnlos – in einen Bauboom verpuffen lassen, der von “Sonderabschreibungen” angeregt wurde. Die damals entstandenen Gewerbeimmobilien sind heute bereits zu einem guten Teil abgerissen!
B) Subventionen zum Strukturerhalt (Beispiel: Steinkohle) können ausgesprochen investiv wirken – und damit eine Fehlstruktur erzeugen, welche nicht nur Steuergelder auf unproduktive Weise versenkt, sondern auch zu vieltausenden gescheiterten Berufsbiografien führt.
C) Ich persönlich glaube (aus diversen Gründen, die den Rahmen hier sprengen würden), dass ein moderater Mindestlohn, z.B. in Höhe von 8 Euro/Stunde und mit ein oder zwei Ausnahmebranchen, sogar den Beschäftigungsgrad und die Wirtschaftskraft insgesamt steigert (übrigens auch darum, weil damit der Lohnabstand zu Transferleistungsbezug wieder steigt, aber auch, weil dann Wenigverdiener effizienter eingesetzt werden).
Das wäre für mich ein Beispiel für eine kluge Nachfragepolitik. Allerdings ist auch hier immer die Gefahr gegeben, “zuviel des Guten” zu tun. Spätestens ab einem Mindestlohn von 10 Euro werden sich die positiven Wirkungen (auch: auf die gesellschaftliche Verteilungsgerechtigkeit und die in der Bevölkerung spürbare Wirtschaftskraft) ins Negative umkehren.
Man muss bei solchen Maßnahmen also immer mit Bedacht vorgehen, und vielleicht auch überlegen, ob für Studenten/Schüler/Menschen ohne Berufsausbildung/Ü50er Sonderprivilegien eingeführt werden sollten, damit diese am Arbeitsmarkt eine Chance erhalten.
Allgemein gesagt: Eine effektive Stärkung der Schwachen stärkt die Gesellschaft und die Wirtschaft insgesamt! Und im Wesentlichen lässt sich so etwas nur durch staatliches Handeln, durch politische Aktivität (wir!) und Solidarität erreichen.
D) Noch wesentlicher finde ich es, den Nachfragegedanken wettbewerbsseitig in die Wirtschaftspolitik einzubringen. Leider erleben wir zur Zeit das Gegenteil, beispielsweise die politisch begünstigte Bildung von Monopolen/Kartellen “zur Stärkung im internationalen Wettbewerb”. Was für ein Schmarrn! Wettbewerb unter den Anbietern muss gefördert werden, zugunsten von Verbrauchern, Konsumenten und Arbeitnehmern! Allein in der Gesundheitsbranche (Stichwort: Pharma) könnte eine Wirtschaftspolitik, welche ungerechtfertigte Gewinne der Anbieter abschöpft und Wettbewerb unter den Anbietern begünstigt (bei gleichzeitiger Erhaltung von Sozialstandards für die Beschäftigten), zu sogar massiven Einsparungen, Verbesserungen und Effizienzvorteilen führen. Gleiches gilt für die Strombranche: Durch Zerschlagung der (regionalen) Anbietermonopole und Abschöpfung der Monopolgewinne könnten pro Jahr (!) etwa Vorteile für die Konsumenten in Höhe von 20 bis 30 Milliarden erwirtschaftet werden.
Leider ist unsere, immer noch neo”liberal” bzw. einseitig anbieterorientierte Politik sehr weit davon entfernt.
E) Eine andere Form der Nachfrageorientierung ist die Regulation und der Verbraucherschutz. Würde die Finanzaufsicht den stinkenden Sumpf des Grauen Kapitalmarktes in Deutschland austrocknen (und die Banken wieder in einen seriösen Umgang mit ihren Kunden zwingen), so könnte man damit eine volkswirtschaftiche Geldvernichtung in Höhe von mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr beendigen – zugunsten aller. Die Verbraucherzentralen müssen massiv aufgerüstet werden, Markttransparenz muss in vielen Bereichen erst (und zwar: vom Staat!) erzwungen werden.
Es gäbe viel zu tun, würde man mit einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik anfangen wollen.
F) Das Letzte, ja sogar das Allerletzte wäre jedoch die sogenannte “Ankurbelung” der Wirtschaft mittels idiotischer Ausgabenprogramme. Was die bringen, hat man z.B. bei den umfassenden Infrastrukturprogrammen für Ostdeutschland gesehen: Nun hat man dort die allerbesten Autobahnen – aber immer noch keine Jobs. Pardon, das Geld – für das die Normalarbeitnehmer sehr lange buckeln mussten – wurde hier weitgehedn sinnlos versenkt. Grundsätzlich Ähnliches lässt sich von der EU-Wirtschafts- und Agrarpolitik sagen. Hier bereichern sich wenige (z.B. Konzerne, Molkereien, Großverarbeiter, Großgrundbesitzer) auf Kosten der Gesellschaft, ohne dass damit relevente Vorteile einher gehen.
Also: Bei Weitem nicht jedes Ausgabeprogramm ist nützlich! Tatsächlich ist überwiegend eher vom Gegenteil auszugehen, das gilt übrigens auch für indirekte Ausgabeprogramme, wo Verbraucher zur Finanzierung von chinesischen Solarmodulen heran gezogen werden. Auch das ist eine Geldvernichtung, die bald schon einen zweistelligen Milliardenbetrag (pro Jahr!) ausmacht.
Ich warne also vor direkten und indirekten Ausgabeprogrammen. Eine kluge nachfragegesteuerte Wirtschaftspolitik kommt weitgehend ohne sie aus!
Welche anderen Wissenschaften sollten das denn sein? Ich z.B. sitze (Schwerkraft -> Physik) vor meinem Computer (Physik, Mathematik resp. deren Derivate Elektrotechnik und Informatik) auf meinem Büro-Stuhl (Physik, Chemie) uns schreibe (bedingt: Sprachwissenschaft) diesen Beitrag. Das ich das kann habe ich durchaus auch der Medizin zu verdanken und in der ganzen zeit habe ich sehr zum Ärger meines Chefs nichts erwirtschaftet ;-).
Ehrlich gesagt verstehe ich die Mär‘ vom ewigen Neoliberalismus nicht ganz. Wo ist er denn?
Ich sehe überall nur noch Staat. Ein Unternehmen (Opel, Karstadt) strauchelt? Der Staat hilft.
„Systemrelevante“ Banken gehen pleite? Der Staat schnürt ein noch nie dagewesenes Rettungspaket.
Wo ist denn da bitte der neoliberale, oder kapitalistische Leitgedanke, dass zum Erfolg das Scheitern ebenso gehört? Auch wenn es sich um Opel, Nord LB oder HRE handelt.
Meines Erachtens ist noch nie so viel subventioniert und umverteilt worden wie heutzutage. Und bei einer Staatsquote von nahezu 50% oder höher sollten wir eher vom Neosozialismus als vom Neoliberalismus sprechen.
Mit dem alten Sozialismus haben diese Umverteilungen aber wenig zu tun, da sie eigentlich immer nach dem Prinzip “Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren” vorgehen. Unterm Strich also eine Umverteilung von unten nach oben.
Deswegen sind die skandinavischen Länder mit ihren Staatsquoten jenseits der 50% auch in der ganzen Welt als sozialistische Diktaturen verschriehen! Und es ist ja auch allgemein bekannt, das es denen seit Jahren sehr schlecht geht und sie nicht etwa in den ganzen Rankings so ziemlich immer ganz vorne stehen…
Btw: Deutschland hat ohne Sozialversicherungssysteme eine Staatsquote von knapp 25% (!) das ist weniger als die USA mit 34%, und bei denen sind fast alle Sozialsysteme privat organisiert!
@John Dea:
Klar sollte man die volkswirtschaftlichen Resourcen nicht sinnlos verpulvern. Aber sie einfach brach liegen zu lassen indem man sich viele Arbeitslose leistet und Güter ins Ausland exportiert aber viel zu wenig importiert, ist genauso schlecht. Eigentlich sogar noch schlechter, da ein sinnloses Bauprojekt wenigstens viel Arbeit gebracht hat, für deren Entlohnung sich wiederum die Arbeiter für sie sinnvolle Güter gekauft haben.
So in etwa lautete ja immer der Ratschlag der Vulgär-Keynesianisten…
Pardon, das soll nicht so abfällig klingen, wie es gerade rüber kam. Tatsächlich gibt es konjunkturelle Situationen, wo dieser Ratschlag (Achtung: in moderater Form – und ohne die Auslösung problematischer Branchen-Sonderkonjunkturen) nützlich sein kann, zumal dann, wenn die damit geschaffenen Produkte/Investitionsobjekte/Infrastrukturen tatsächlich einer echten (!) Nachfrage entsprechen (Beispiel:Altenpflege oder nützliche öffentliche Güter), die womöglich mit Marktmitteln nur teilweise zu befriedigen ist.
Nur, schneller als gedacht (und ganz und gar unkeynesianisch) verwandeln sich derartige Maßnahmen in Dauereinrichtungen und Belastungen nicht nur der öffentlichen Kassen, sondern auch des volkswirtschaftlichen Systems (gemeint von mir sind dabei besonders die Normal-Arbeitnehmer, aus deren Taschen man sich dann nämlich mit solchen Maßnahmen bedient).
Dennoch: Das von dir angeführte Argument mit der Arbeitsbrache ist sehr wertvoll – in meinen Augen. Es ließe sich hier viel Gutes tun durch A) allgemeine öffentliche Beschäftigung (wichtig auch hier: Nützlichkeit ebendieser Beschäftigung – z.B. in Form von Bildung), durch B) wirksame Anreize zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen und Problemgruppen (z.B.: VeSrplichtung der Unternehmer, mindestens 5 Prozent der Belegschaft aus Langzeitarbeitslosen zu rekrutieren), sowie durch C) Schaffung eines öffentlichen und produktiven (!) Reha/Sonderarbeitsmarktes (z.B. als “Gemeinwohlarbeiter”) und durch D) Beschleunigung/Vereinfachung von Arbeitsaufnahme, Ermutigung zu Bewerbungen, Jobtrainings, arbeitsmarktgerechte Qualifizierungen, Jobrotationsmodellen (a la Dänemark) usw. usf. und E) Ausbildungsplatzumlage und zudem F) ganz allgemein, aktive, bedarfsgerechte Arbeitsmarktpolitik.
Wenn das gut organisiert ist, steigt dadurch der Wohlstand einer Gesellschaft, es verbessert sich das gesellschaftliche Klima, die allgemeine Chancengleichheit nimmt zu und ganz besonders in den unteren Einkommensgruppen käme es zu spürbaren Wohlstandsgewinnen.
Genau genommen wäre auch dies das Gegenteil der neo”liberalen” Angebotspolitik, obwohl hierbei die Anbieter von Arbeitsplätzen ebenfalls profitieren würden – und das gleich doppelt, nicht nur über Qualifizierungsgewinne sowie eine verbesserte Konjunkturlage/Binnenkonjunktur, sondern auch dadurch, dass durch eine entsprechend klug vorgenommene Politik die Kosten der sozialen Sicherung sogar deutlich sinken würden.
Wir könnten es tun! Linksliberalismus 2.0
Jens, eine auf die Stärkung der inländischen Nachfrage zielende Umorientierung der deutschen Wirtschaft wird nicht passieren. Es sei denn, die Bevölkerungen der Eurozone-Peripherie, denen jetzt das deutsche Modell aufgezwungen wird, rebellieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass der ‘Staat’ nicht massiv intervenenieren wird, natürlich wird er das tun, dazu ist er im Kapitalismus da, aber nur, um die vom Kapitalismus profitierenden Eliten aus der nächsten Krise zu retten und die eigene Bevölkerung zu disziplinieren. Wenn es darum gehen wird, die Kosten der kommenden Krisen zu sozialisieren. In diesem Sinne ist der Kapitalismus immer sehr solidarisch gewesen – nach oben. Nach unten wird getreten. Schon die letzten “Rettungsaktionen” vergessen? Die haben wohl nichts mit der Textbook-Ideologie des Neoliberalismus zu tun gehabt. Ja, natürlich, man besinnt sich auf diese Ideologie, wenn es darum geht, die Arbeitskosten zu drücken, das hat aber praktisch eher mit der neo-merkantilistischen Ausrichtung der deutschen Exportwirtschaft zu tun. Wie Martin Wolf oder Bill Mitchell schreiben, ist es das Ziel der deutschen Eliten, in der Eurozone den Lebensstandard so weit zu senken, dass diese zur kollektiven Exportmacht wird. In diesem Konzept tritt das Problem der Nachfrage überhaupt nicht auf, lediglich als das der anderen, die zum bloßen Absatzmarkt werden. Über die Konsequenzen der daraus entstehenden krisenbeschleunigenden Ungleichgewichte wird einfach nicht nachgedacht.
Übrigens, es würde sich lohnen, nicht nur auf Keynes als Alternative zum herrschenden pseudo-ökonomischen Wahnsinn zu verweisen, sondern gerade auf die unter den Sammelbegriff Post-Keynesianismus fallenden witschaftstheoretischen Ansätze, zB die MMT [Modern Monetary Theory], zB hier
“The Deficit: Nine Myths We Can’t Afford”
http://www.newdeal20.org/2010/04/27/the-deficit-nine-myths-we-cant-afford-10162/
p.s.
man sollte sich schon etwas kritischer mit den Begriffen auseinandersetzen, die man verwendet, zB den des Liberalismus. Immerhin ist dieser Konzept historisch aus einer Gesellschaft hervorgegangen, die der Widerspruch zum Feudalismus ebenso auszeichnete wie der Kolonialismus und die Sklavenhaltung. Es war zu der Zeit beileibe kein Widerspruch, als liberaler Sklavenhalter angesehen zu werden.
Jau, das wär’s! Die annern zwingen uns durch Importverweigerung selbst zu konsumieren! Geiler Gedanke!
Solange kommunale Wälder nicht an die Forstwirtschaft sondern (wie in Sachsen-Anhalt an Geschäftführer von Wohlfahtsorganisationen veräußert wird, solange Brandenburger Seen an Privatiers gehen, solange Krankenhäuser privatisiert werden und Kriege, -solange glaube ich nicht, daß der Westen sich an China orientieren will.
Momentan wird in zu vielen Bereichen unvernünftig weiter privatisiert -mit einer bodenlosen Frechheit, daß man sich förmlich eine chinesische Lösung wünscht.
Die Diskussion um angebots- oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik greift meiner Meinung nach zu kurz. Ein zukunftstaugliches Wirtschafts- und Sozialsystem wird mit einigen nicht ganz unbedeutenden Problemen fertig werden müssen:
- der Klimawandel ist nicht mehr zu verhindern. Selbst die Versuche ihn einzudämmen sind praktisch eingestellt worden. Das wird zu weltweiten Verwerfungen führen, da ganze Regionen des Planeten unbewohnbar werden
- das Energieproblem ist in keiner Weise gelöst. Den begrenzten Restbeständen fossiler Energien, die wegen ihrer Klimaschädlichkeit einerseits und ihrer Bedeutung für die Petrochemie andererseits schon heute nicht mehr verbrannt werden dürften, steht eine schnell steigende Nachfrage gegenüber. Alternative Energiequellen stehen in absehbarer Zeit nicht im erforderlichen Maße zur Verfügung. Dazu werden sie deutlich teurer sein als die in den letzten Jahrhunderten aus der Erde sprudelnden.
- ähnliches gilt für die Rohstoffreserven allgemein und für Trinkwasser
- die Weltbevölkerung wächst weiter stark an
- der technologische Fortschritt wird den Menschen als Produktionsfaktor immer weiter entwerten
Und dann wird es auch noch die vom Finanzkapitalismus hinterlassenen Trümmer abräumen müssen:
„Laut der Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beträgt das Volumen aller ausstehenden Derivate (Wetten auf die künftige Preisentwicklung von Gütern, Zinsen und Währungskursen) unvorstellbare 615 Billionen US$. Ausgeschrieben sind dies 615.000.000.000.000 – dies entspricht dem Zwölffachen des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.“
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2653/behemoth#more-2653
Ich glaube nicht, dass irgendeine Form von Marktwirtschaft all diese Probleme lösen kann.
Passend zum Thema gab es auf Telepolis vor kurzem ein Interview mit Robert Kurz über die globale Wirtschaftskrise, die Krise der Staatsfinanzen und Gefahren von Deflation und Inflation
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32931/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32932/1.html
Die Schuldenbremse ist ein Stück neoliberaler Ideologie in die Verfassung geschrieben.
Und die Schafe haben nicht geschrien.
Eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik in Deutschland ist nicht mehr möglich.
Das ist so nicht richtig, denn nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik muss keinesfalls immer über Schulden gemacht werden.
Man kann diejenigen, bei denen man die Schulden gemacht hätte, auch direkt besteuern.
Letztendlich sind alle Staats-Schulden, die sich über mehr als einen Konjunkturzyklus halten, auch ein Zeichen von falscher Verteilung der Lasten.
Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Makabererweise kann man nur hoffen, dass der nächste Crash früher als später kommt und hoffen, dass es dann irgendjemanden mit großer Macht gibt, der diese unsägliche freie Marktwirtschaf als das erkennt, was es sie ist: Ein Monstrum die Menschen zu knechten! http://www.ariva.de/Wir_sind_im_Arsch_t355594>:(
Vermittel den Inhalt des Artikel mal Herrn Sinn. Der setzt sich nämlich schonmal das Partyhütchen auf.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,708077,00.html
Das wäre sinnlos ;-)
sinnlos oder Sinnlos? *lol*
Auch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik wird den Kollaps (Währungsreform, Game Over) nicht vermeiden können, weil man Vertrauen nun mal nicht erzwingen kann.
Ich empfehle eindringlichst, sich mit dem Debitismus auseinanderzusetzen.
Der kleinster Anstieg von Infla/Zins kann in einer Rekordschuldenökonomie nicht mehr bedient werden, wodurch die Infla seit rund 20 Jahren immer bereits automatisch im Keim erstickt wird.
Gruß!
IIIIEK, Debititsmus! Jetzt kommen die Ökohomöopahten ;-)
*duckweg*
Ökohomöopathen? Was willst du damit sagen?
Gruß!
zur Ergänzung meines Kommentars oben zitiere ich Bill Mitchell:
“It is not so much about the SGP rules (Germany and France are serial violators of those rules in the past). What Germany wants is for the other European
nations to unwind social and labour protections just like they did under the Hartz reforms. They are dressing this up as a fiscal sustainability issue
but the reality is they are pursuing a neo-liberal deregulation strategy that the European citizens have resisted to date.”
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=8893
Zu 8 Lemmy Caution:
SF hat China als Vorbild in Hinsicht einer Marktwirtschaft in Kombination mit einem stark regulierenden Staat dargestellt, was aus dem Text ziemlich klar ersichtlich ist. Das hat mit dem Exportüberschuss-Problem nichts zu tun. Ich habe den Verdacht, du wolltest das falsch verstehen.
Und inwiefern sich neoliberale Ideen in heute erfolgreichen skandinavischen Staaten durchsetzten, das verstehe ich nicht. Mir war, als wäre das gerade nicht so (oder zumindest lange nicht so stark wie hier in Schland).
Wenn ich das nicht völlig falsch verstanden habe, meint ihr im Groben und Ganzen aber wohl sowieso das Gleiche: Marktwirtschaft mit stärkerer Regulierung als im Moment. Du willst das nur unbedingt mit dem Begriff “neoliberal” verbinden (was IMO nicht zulässig ist, da gerade letzteres so massiv von den “neoliberalen” Kräfte bekämpft wird). Warum du das machst, weiß ich nicht, aber ich halte es nicht für besonders sinnvoll.
Karsten,
ich bin ein großer Bewunderer Chinas. Der chinesische Aufstieg im Industriesektor ist für Chile der beste ökonomische externe Effekt seit der Entdeckung der riesigen Kupfervorräte Ende des vorletzten Jahrhunderts.
Ich will nie etwas falsch verstehen. Ich bin immer so dumm oder schlau wie ich hier schreibe.
China hat:
- eine Sparquote von 45%
- die ganze Wirtschaft ist EXPORTORIENTIERT. Es ist nicht nur der hohe Exportüberschuss. Es ist auch das Volumen des Aussenhandels an der Gesamtwirtschaft. Das ist wirklich extrem, insbesondere für ein großes Land, die tendentiell weniger Aussenhandel haben, weils verhältnismässig mehr Inland gibt.
Wenn man mir nun erklärt, dass die deutsche Sparquote zu hoch ist sowie Deutschland zu exportorientiert ist und mir dann gleichzeitig China als Gegenbeispiel präsentiert, find ich das eher willkürlich als logisch nachvollziehbar.
In Schweden und anderen skandinavischen Ländern haben in den 90ern starke neoliberal orientierte Reformen stattgefunden. Siehe etwa den deutschen Wikipedia Eintrag zu Schweden in der Sektion Nachkriegszeit.
Für mich stellt sich nicht die Frage nach mehr oder weniger Regulierung, sondern eher die Frage nach der *richtigen* Regulierung. Ich plädiere nicht für grundsätzlich *weniger* Regulierung. Ich bin konkret mit chilenischen Freunden verbunden und halte viele Bereiche dort für definitiv unterreguliert. Das bedeutet aber nicht, dass ich jede Regulierung für einen Schritt in die richtige Richtung halte. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht neoliberal denke. Deregulierung war ein wichtiger Bestandteil der neoliberalen Agenda. In einigen und nicht allen Bereichen war diese Deregulierung richtig. Es ist jeweils eine konkrete Einzelfall-Entscheidung. Deregulierung sollte weder grundsätzlich verteufelt noch grundsätzlich für die beste Erfindung seit geschnitten Brot verkauft werden.
Und viele Dinge sind in China weniger reguliert als in Deutschland. Mächtige Instrumente der Regulierung stellen nämlich sowas wie Verbraucherschutz, Arbeitsschutz, Umweltschutz, etc. dar. Und da ist der staatliche Regulierungsgrad in China geringer als in Deutschland. Es fällt dir mehr auf, wenn du mal an den Sorgen und Nöten in so einem Schwellenland teilnimmst.
zur angeblichen Exportorientierung Chinas
“Haven’t we been continually hearing how the Chinese exchange rate is killing the US economy and allowing it to accumulate huge trade surpluses? Sometimes things are not as they seem.
Have a look at this graph. The data comes from the Ministry of Commerce of the People’s Republic of China and shows the most recent balance of trade
results with the dotted lines forecasts based on preliminary data.
Minister of Commerce Chen Deming told the China Development Forum in Beijing last Sunday that China will probably record a:
“record trade deficit … [in March] … I believe there will be a trade deficit in March – which will be the first since May 2004.”
The Minister said that the economy had recovered from the crisis as a result of fast and significant fiscal stimulus and imports were rising because
domestic demand was now much stronger than demand in the rest of the world. The import growth is in investment goods and primary commodities.
Whether the trade deficit persists is another matter and one would expect that once world demand improves then Chinese exports will rise again. But with rising domestic incomes import growth will remain stronger than in the past.
Further, nothing is what is seems at first glimpse. The other angle on China’s trade with the US which the Chinese are publicising is that the US
(presumably for ideological reasons) blocks the export of certain US made goods to China. The reports are that “computers, aerospace technology and
digital machine tools” have been restricted.
The Chinese claim that the surplus with the US would be lower if the US was more open in its trade with China. Clearly, you would be mad to believe a
word that the official Chinese press produces. But even Joseph Stiglitz is now running this line. He was reported as saying at the Development Forum that:
“restrictions on high-tech products, rather than the exchange rate contribute to the US deficit with China … [and that] … Washington … [should]
… relax the curbs to balance trade.”
Another interesting China Daily news story (March 16, 2010) claims that “China’s trade surplus with US misread” 20.
It claimed that:
“… most US officials ignore a very important fact: a majority of China’s exports to the US are produced by US-funded companies and huge profits go back into American pockets – half of China’s exports came from the processing trade – where imported components were assembled at factories in China and 60 percent were made by foreign-funded companies or joint ventures with foreign partners.”
You might be skeptical about this.
But the topic is being studied by US researchers at UC Irvine. In a 2009 study entitled – “Innovation and Job Creation in a Global Economy: The Case
of Apple’s iPod” – they examined who benefits when there are large investments in new technologies and infrastructure in a global economy. They were seeking to see whether investment in the US (perhaps as a fiscal stimulus measure):
“… will create more jobs outside the U.S., because many high-tech products currently are manufactured offshore … The same could turn out to be true
of alternative energy, hybrid/electric cars, and other new technologies. While these investments have other merits beyond their job-creation potential,
it is worth looking at how innovation in a global economy creates jobs in the U.S. and elsewhere.”
They used the iPod as a case study and “looked at which companies and countries capture financial value” from their production. They found that in 2006, iPod’s “accounted for about 41,000 jobs worldwide” (27,000 outside the US). The “offshore jobs are mostly in low-wage manufacturing, while the jobs in the U.S. are more evenly divided between high wage engineers and managers and lower wage retail and non-professional workers”. China had the largest share of off-shore jobs.
They found that “the iPod supports nearly twice as many jobs offshore as in the U.S., yet wages paid in the U.S. are over twice as much as those paid
overseas.”
In relation to who benefits overall, they found that:
“We found that the largest share of financial value (defined as gross margin 24) went to Apple, which captures a large margin on each iPod. Although the
iPod is assembled in China, the value added in China is very low … So it appears that innovation by a U.S. company can benefit both the company and
U.S. workers, even if production is offshore and foreign suppliers provide most of the inputs. However, there is no guarantee that U.S. firms will keep
engineering and other white collar jobs in the U.S. in the future.”
The computations on a $US300 iPod suggests that China retains $US4 of value-added yet the whole value is billed against China’s exports.
So the real debate in the US might be about a fairer distribution of income rather than worrying about exchange rates. I plan to write a blog some day
about industry policy and protection.”
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=8879
… und wenn die mal 1 Monat ein Defizit hatten, sind die nun nicht mehr export-orientiert.
Wirklich nicht, Salvo. Im übrigen ist der Anteil des Aussenhandels in China zwar niedriger als in Deutschland (25% gegenüber 35%). Allerdings exportiert Deutschland einen großen Teil seiner Waren in die EU. EU und USA haben meines Wissens einen Außenhandels-Anteil am BIP von 10%. Wesentlich geringer als 25% im Falle Chinas.
… und was ist mit der Sparquote von 45%?
Ich freue mich schon ein wenig auf die in seinen Augen hoch-intelligenten Ergüsse des bildungsfernen und sich nicht mit einer hohen intelligenzspezifischen genetischen Disposition auszeichnenden Kollegen schwitzig. Es sieht das natürlich ganz anders. :-)
@salvo
Wie immer ein klasse Link.
Hallo, toller Artikel. Leider macht der gesamte Ökonomische Sacherverstand hier einen großen Fehler. Ihr blendet das im Kapitalismus enthaltene Geldsystem mit Zins und vor allem Zinseszins-Effekt aus. Ob Nachfrage- oder Angebotsökonmie, das System muss crashen. Ein toller Ökomom der das Problem erkannt hat und auch hinreichend analysiert hat, auch mit Blick auf die unterschiedlichen Ökonomischen Theorien und ihrer Vertreter ist Prof. Bernd Senf. So und nun viel Spaß noch….
Nun, man kann dieses ganze Neoliberale Gedöns auch als so das lesen wie ich es mache.
Propaganda und zwar von allen Seiten, auch und gerade derer die durch ein “mehr Staat” etwas ähnliches “mehr sozial und mehr gerecht” erreichen wollen.
Mainstreamwirksame Begriffe von Staat und Wirtschaft sind in den Köpfen derer die sich als intellektuell verstehen, so scheint es mir, als eine Art Antipoden verankert. Nur hält diese Begriffsbesetzung keiner realen Prüfung stand.
Staat und Wirtschaft sind eins, die gleichen Figuren, die gleiche Propaganda die gleichen Interessen und die gleiche Volksverarsche.
Fakt ist z.B. das die unteren Lohngruppen so wenig verdienen weil der Staat ihnen aus einer Vielzahl von direkten und indirekten Steuern, direkten und indirekten Abgaben und v.a. m. kein verfügbare Einkommen lässt. Da liegt der Hase im Pfeffer, nicht bei der Distanz des sog. Nettoeinkommens (sprich der kläglichen Reste dessen was ein Arbeitnehmer zu erwirtschaften hat um wenigstens diesen Betrag als “Sichteinlage” zu erhalten) zu den sog. Hartz IV / SGB XYZ Empfängern.
Da kann man noch so über die bösen Arbeitgeber und Wirtschaftsformen schimpfen, das Staatsgebilde (das wie ein Krebs im Gewebe der Gesellschaft sitzt und mittlerweile mehr als 50 % der Wirtschaftsleistung aufsaugt) ist Ursache und Wirkung, nicht Ansprechpartner für eine bessere Gestaltung von Rahmenbedingungen. Seien diese nun Neolib, -Con oder welchem -Ismus auch immer verhaftet. Nebelbomben hinter denen es sich trefflich ein unproduktives konkurrenzloses Verwaltungs- und Bestimmungmonopol aufbauen lässt das durch ständige Regelungs- und Personlavermehrung keine Mittel für die eigentlichen Aufgaben lässt. Straßenverkehr mit der immer maroder werden Substanz bei exorbitanten Abgaben ist hier ein einfaches sichtbares Beispiel.
Exzellent! Danke, Jens!
Schreib’s auf Deine “Best-of-Liste” an erste Stelle!
“Fakt ist z.B. das die unteren Lohngruppen so wenig verdienen weil der Staat ihnen aus einer Vielzahl von direkten und indirekten Steuern, direkten und indirekten Abgaben und v.a. m. kein verfügbare Einkommen lässt.” [TreBon]
Drück mal in % aus, wieviel das bei einem Brutto von 1500 € ausmacht. Dann haben wir 50% der Einkommensbezieher in D schon abgehandelt… – Wahlweise kannste deinen Beitrag auch für nichtig erklären. Oder erklären, wie ein abgabenbefreiter Staat funktionieren soll. m(
@sf
Nicht: “jedoch”. Die ganze Veranstaltung war eben darum so lohnend, WEIL eine “ungerechtere” (d.h. ungleichere) Umverteilung dadurch möglich wurde. “Liberalismus” à la Smith (schon Ricardo ist viel “düsterer” – ihm folgt Marx) ist nur das erste Feigenblatt dieser Veranstaltung, so wie Keynes sein letztes.
Aber das Spiel geht nicht mehr weiter. Die Chinesen spielen nur darum noch mit, weil sie die Regeln verstanden haben und darum auch, dass bald ein neues Spiel beginnen wird.
Eine sehr wichtige Sache, die man herausstellen sollte:
Die Politik war – und ist – nicht Angebotsorientiert, sondern Anbieterorientiert, und auch das nur selektiv, je nach Einfluß der Branche/des Anbieters und immer der Kapitalisten als Vermögensvermehrer.
Das Problem war nicht der Neoliberalismus als ökonomische Theorie, die ist zwar auch Blödsinn, aber in diesem Fall wurde sie lediglich bei Bedarf mal kurz aus der Kiste geholt und wenn nicht nützlich halt daringelassen.
Ähnlich wie der Keynesianismus eben jetzt, da staatliche Stützung der Anbieter angesagt ist, halt mal kurz aus der Kiste durfte. Anbieter konsolidiert, Rezession immernoch da, aber Keynes bei uns schon wieder in der Kiste.
Generell sollte man immer die Produktionskapazitäten und die Ausbaumöglichkeiten selbiger berücksichtigen, besonders die Limitierung durch Rohstoffe. Ist da Spielraum nach oben, ist Wohlstandsvergrößerung durch eine andere Verteilung von Geld Möglich. Im Rahmen des globalen Wettbewerbs (unter nicht Berücksichtigung der Freihandelsidiotie, die jeglichen Fortschritt ohnehin fast verunmöglicht) sollten dort nationale Spielräume immer möglichst schnell genutzt werden.
Aus der Anekdotenkiste:
Das ist einfach falsch.
Der Kommunismus wurde als systemische Bedrohung seit allerspätestens 1953 nicht mehr ernst genommen. Ein paar Intelektuelle hielten den Marxismus noch bis in die 70er für eine Alternative. Sicher nicht der normale Mann auf der Straße.
http://tinyurl.com/3xfmt2b (S. 21)
West-Deutschland hatte in den 50ern und 60ern einen Gini Koeffizienten von 0.4. Heute sind wir niedriger bei 0.32. D.h. in Zeiten der dollen “System-Alternative” Kommunismus war die Einkommensverteilung in der Bundesrepublik ungerechter als heute.
In den 70ern fand dann eine starke Bewegung hin zu einer gerechteren Einkommensverteilung statt. Dieser Trend kehrte sich dann ab Mitte der 80er Jahre wieder um.
Zur Zeit des Trends hin zu einer ausgeglicheneren Verteilung wurde der Kommunismus nun wirklich nicht mehr ernst genommen.
Und forscht man nach, dann stellt man immer fest, dass alles gelogen ist, was dieser Mensch da verzapft. Er schmeißt sich mit Zahlen herum, damit es seriöser aussieht. Prüft man sie, dann sind diese immer falsch.
Ein Blogger, Keynesianer, hat dies wie folgt beschrieben:
Ich hab gekennzeichnet, wo ich die Zahlen her habe.
Du kannst diese DIW Zahlen kritisieren, du kannst andere Zahlen liefern, aber mit der Behauptung “Lemmys Zahlen sind grundsätzlich falsch” machst dus dir ein wenig zu einfach…
Absolut richtig. Was auch in Übereinstimmung von allen volkswirtschaftlichen Lehren ist, bei starkem Wirtschaftswachstum nehmen die Einkommensunterschiede zu. Nur viel das damals nicht so auf, weil alle Einkommen mehr oder weniger stark wuchsen. Ein echter Volkswirt wüsste das. Ein Ideologe verweigert sich derartiger Erkenntnis. Wo kamen den plötzlich die Grundigs her? Und Quandt war wegen dem nahen Bankrott seines Unternehmens verarmt wie weiland Frau Schickedanz.
Pneudo-wissenschaftlicher Blödsinn ist der angebliche “Gini-Faktor”. Die Einkommensverteilung war nie gerecht und ist heute noch ungerechter. Die Schere geht immer mehr zwischen unten und oben auseinander. Wer Zahlen von 1960 (also 50 Jahre alt) anführen muß, um seine neoliberale Unfähigkeit zu begründen, hat auch nur weniger als 4% bei der nächsten Bundestagswahl verdient.
Fakt ist, das nur seit 2002 bis 2007 die Vermögensverteilung so aussieht
unten – 5,7%
obere +6,6%
oberste +10%
und dieses ist eindeutig die Folge, dass es keine Regulierung in der globalisierten, ungezügelten Wirtschaftordnung mehr gibt.
… das ist mir durchaus bewußt.
Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass in Zeiten als der Kommunismus noch ansatzweise als Systemalternative wahrgenommen wurde (Anfang der 50er) die Einkommensunterschiede größer waren als heute.
Die Einkommensunterschiede haben in den 70ern abgenommen. Damals wurde der Kommunismus des Ostblocks aber nicht als Systemalternative sondern als furchtbarer Irrtum wahrgenommen. Das war nach dem Bau der Mauer und der Niederschlagung des Prager Frühlings.
Deshalb kann ich das Argument der SED-Nach-Nachfolgerpartei, die DDR hätte für eine stärkere Partizipation der unteren Schichten am Wohlstand unseres Landes gesorgt, nicht nachvollziehen kann.
Falls jemand hofft, auf Kuba, in China oder in Venezuela wären die Einkommensunterschiede geringer als in Deutschland, kann er mal dahin fahren. Er wird sein blaues Wunder erleben….
@R_Winter et al,
abgesehen von dem dummen Zeug, das einige Vorredner hier bzgl GINI verbreiten:
1) der GINI-Index ist notorisch unzuverlässig, was allein schon daher kommt, dass die obersten 1% statistisch nur schlecht erfasst werden.
2) Einkommen akkumuliert sich zu Vermögen.
es sind also ZWEI GINIs zu unterscheiden.
Was Wikipedia zB ganz gut macht.
a) Grundsätzlich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gini-Koeffizient
Der Artikel ist gut, und sollte Schwaflern eigentlich das Maul stopfen. Was er nicht tut, da Schwafler notorisch nicht bis drei zählen können, und man ihnen ein Leben lang vorbeten muss, wie das geht: die Magie des Zählens und Addierens.
Leider ohne Erfolg, wie es scheint.
b) Einkommen
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Einkommensverteilung
c) Vermögen
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung
Wegen der allfälligen Verschleierungstaktik tendiere ich dazu, die Zahlen
jeweils als BEST-case zu interpretieren.
Wenn jemand OHNE belastbare Quellen behauptet, dass der GINI-D. in den 50er-60ern höher war als heute, klopfe ich das erstmal in die Tonne.
Es gab damals keine vergleichbare Datenaufnahme.
Die GINI-Entwicklung von ca 1990 bis 2010 geht stramm Richtung höherer Ziffern.
CIA factbook sagt das:
Distribution of family income – Gini index-D. : 27 (2006)
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/gm.html
halte ich für -ähem- falsch/gelogen.
(Was ich natürlich beweisen müsste. Aber ich sage das mal so.)
Interessanter wäre die VERMÖGENS-Verteilung, also i.w. das akkumulierte Einkommen.
Also:
Nur als Merkposten.
Der VERMÖGENS-GINI D ist 67 (78)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung
Und was das bedeutet, wird auch knackig beschrieben:
…
“Der weltweite Gini-Koeffizient von 89,2 sagt z. B. aus, dass von 10 Personen einer 99 % besitzt, während sich die anderen das übrige Prozent teilen.[2] Betrüge das gesamte Vermögen beispielsweise 1000 Euro, so besäße einer 990 und die anderen je 1,11 Euro.”
…
OK?
http://tinyurl.com/3xfmt2b (S. 21)
Und im übrigen ist es allgemein bekannt, dass in den 70ern bis Mitte der 80er in der Bundesrepublik und anderen Industrieländern ein Aufholprozess der Einkommen der unteren Schichten gegenüber den oberen stattgefunden hat. Danach hat sich dieser Prozess ein wenig umgekehrt. Aber in Deutschland immer noch deutlich schwächer als in den USA oder UK.
Noch Ende der 80er konnte ich zwischen Zivildienst und Studium in Köln ohne Ausbildung 25 DM für einfache Arbeiten bekommen. Insbesondere wenn man die Inflationsrate mit einkalkuliert ist das wohl verhältnismässig schlechter geworden. Hat neben dem neoliberalen Zeitgeist der Epoche (die gerade endet) auch etwas mit Automatisierung und Globalisierung zu tun.
Das ist interessant, aber ich möchte daran erinnern, dass
a) der Koeffizient UNZUVERLÄSSIG ist,
b) dass es eigentlich um den VERMÖGENS-GINI geht!
Vermögen ist das Integral von Einkommen
Und das fällt regelmässig unter den Tisch.
Vielleicht darf ich mal Werbung für einen wunderbaren blog machen:
http://taxjustice.blogspot.com/
Bitte.
Danke.
“… comment is awaiting moderation…”
keine Ahnung, was für dreckige Worte ich schon wieder benutzt habe.
Effektiv ist mein Argument aus der Debatte gekickt.
schon frustrierend, das.
Man muss schon erhebliche Verrenkungen begehen, um zu Schlussfolgerungen für eine einseitige nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik zu kommen wie hier geäußert. Und so stechen die Unplausibilitäten überall ins Auge. Der Neoliberalismus wäre einzigartig in einer freien Gesellschaft am längsten probiert? Da haben einige die lange Phase des getesteten Keynesianismus verpasst, der erst in den 1980er Jahren langsam zu Grabe getragen wurde, nachdem man feststellen musste, wie wenig praktikabel eine solche Theorie von Zuckerbrot und Peitsche in einer demokratischen Gesellschaft ist. Die Peitsche akzeptiert der wählende Bürger nunmal nicht und vom Zuckerbrot wurde er süchtig, dass die Entzugserscheinungen bis heute andauern. Ein Großteil der heutigen Staatsverschuldung in den meisten OECD-Staaten ist der empfohlenen Konjunktur- und Sozialpolitik geschuldet.
Wer immer über eine schwache Binnennachfrage lamentiert, sollte irgendwann mal Roß und Reiter nennen, welche Quote er denn als angemessen oder wünschenswert sähe. Bleibt dies aus, nährt dies den Verdacht ideologischer Voreingenommenheit. So wird es sein. Und während andere Länder unter einer gezielten Nachfragepolitik die Förderung breiter und breitester Gesellschaftsschichten durch Steuersenkungen und Bonusgutschriften ansieht, ist man da hierzulande völlig anderer Meinung. Nachfragesteigerung soll hier durch verstärkte Umverteilung zu Arbeitslosen und Rentnern erreicht werden. Was der Ingenieur oder die Start-up-Unternehmerin nicht ausgibt, soll dem Hartz-IV-Empfänger dargereicht werden zum Unter-die-Leute-bringen.
Amerikaner, Briten und Spanier, Vorbilder einer nachfragegesteuerten Konjunkturpolitik, kommen heute sehr schwer in die Gänge, während Deutschland zur Lokomotive der europäischen Wirtschaftspolitik avanciert. Über das schräge Bild zu China’s „Nachfragepolitik“ hat sich lemmy caution bereits geäußert. Und es gibt tatsächlich wohl kaum ein Land, dass so stark auf Angebotspolitik in allen Facetten – und das heißt incl. staatlich geförderter Industriespionage, Aushöhlung des internationalen Patentrechts und Förderung von Joint-Ventures – setzt wie China.
Längst setzen die meisten Staaten daher auf einen Mix von Angebots- und Nachfragepolitik und Steuerung. Die reine Lehre ist seit vielen Jahren bereits out, nur in Deutschland hat es so mancher gar nicht mitbekommen. War in der tiefsten Wirtschaftsrezession seit den 1930er Jahren Keynes angesagt, gelten andernteils wieder klassische Elemente. Denn tatsächlich kann sich niemand auf der Welt den immer vulgär verstandenen Keynesianismus leisten.
Der typische deutsche neoliberale Stümper und Ganove führt uns wieder was vor:
Na so was! Man dachte bis zu diesem Augenblick, die Chinesen haben ein Konjunkturpacket geschnürt, das sich bei weitem nicht mit dem vergleichen lässt, was der Rest der Welt getan hat. Und siehe mal da, kein Konjunktureinbruch bei den Chinesen – obwohl sie Exportweltmeister sind! Na so was! (Übrigens, die Amerikaner, Briten und Spanier haben nichts anderes getan, als ihren Banken das Geld nachgeschmissen, die dann die „Leistungsträger“ der kollabierten Banken abgesahnt haben. Und das soll eine„nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik“ sein!)
Nun sind in den Augen der deutschen neoliberalen Stümper und Ganoven die Chinesen angebotsorientiert. Na so was! So kann nur ein völlig kranker Kopf die Welt sehen.
Es wird ja immer verrückter. Deine Fantasie ist grenzenlos.
Es geht heute nicht mehr um angebotsorientierte oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik.
Es geht auch nicht um Kapitalismus oder Sozialismus.
Es geht darum, die Fehler im Geldsystem zu verstehen die da wären:
- Geldschöpfung als Schneeballsystem
- exponentieller Zinseszinseffekt
Der Kreditkontrakt ist die Mutter des Kaufkontrakts. Oder mit anderen Worten: Zuerst kommt das Geld (Kreditkontrakt) und dann die Wirtschaft (Kaufkontrakt)
Wer den Kreditkontrakt nicht verstanden hat ist ein unaufgeklärtes Schaf und sollte nicht über Wirtschaftspolitik reden.
“Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum geht in einer begrenzten Welt immer weiter, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.”
(Prof. Kenneth Boulding, Britischer Ökonom)
“Elimination des Zinswesens aus den Wirtschaftssystemen der Völker ist daher die Voraussetzung für eine haltbare, nicht auf völlige Desorganisation hinsteuernde Wirtschaftstätigkeit.”
(Prof. Ernst Abbe, Physiker und Gründer der Zeiss Werke)
“99% der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als ‚nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.”
(Prof. Hans Christoph Binswanger, Schweizer Ökonom)
„Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird.“
(Prof. Karl Barth, Theologe)
“Wir zweifeln nicht daran, daß eine Zeit kommen wird, in der sich eine christliche Bewegung gegen den Zins erhebt.”
(Friedrich Naumann, Theologe)
“Der Grund für dieses verzweifelte Sichblindstellen liegt in einem Wirtschafts- und Finanzsystem, das inzwischen alle Merkmale einer veritablen Karzinombildung angenommen hat: Es muß ständig wachsen , um zu existieren. Dieses Prinzip gilt für den ehemaligen Staatskapitalismus ebenso wie für dennoch existierenden Privatkapitalismus.(…) es hat keinen Zweck, an den erschreckenden Folgesymtomen herumzuflicken: Das ganze Wirtschaftssystem muß eben geändert werden. Aber das kann man nicht, oder man will es auch gar nicht.
Ich bin überzeugt, daß die großen Wirtschaftsleute und die verantwortlichen Politiker aller Lager dieses Problem längst sehen – aber sie schweigen. Sie wagen nicht darüber öffentlich zu sprechen. Denn eine Partei, die ernsthaft eine Alternative, das heißt nichtkapitalistische Wirtschaftsform auf ihr Programm setzen würde, wäre aus mancherlei Gründen sehr schnell weg vom Fenster. Sie würde wohl nicht einmal Wähler finden. Also werden es, wie ich fürchte, die Ereignisse sein, die uns belehren.
Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen.”
(Michael Ende, Autor)
“Ich erfreue mich an dem glänzenden Stil von Silvio Gesell. … Die Schaffung eines Geldes, das sich nicht horten läßt, würde zur Bildung von Eigentum in anderer wesentlicherer Form führen.”
(Albert Einstein)
“Freigeld könnte der beste Regulator der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sein, die der verwirrendste Faktor in der Stabilisierung des Preisniveaus ist….Ich bin ein bescheidener Schüler des Kaufmanns Gesell.”
(Prof. Irving Fisher, US-Amerikanischer Ökonom)
Kinder, nun verschont das Blog doch bitte mit diesem esoterischen Dummfug. Ihr habt doch schon genug Habitate im Netz, in denen ihr Euer alleinseligmachendes Freigeld bejubeln könnte *kopfschüttel*
werter Jens,
‘Dummfug’ ist vielleicht doch etwas stark.
Ich persönlich enthalte mich solchen Urteils gegenüber Homöopathen oder Gesellianern.
Das sind offene Fragen, denen ich zwar nicht anhänge, aber der Sack ist nicht endgültig zu.
Kannst Du in Deinem mentalen Raum nicht irgendwo ein Reservat einrichten, wo alternative Deutungen ihren Platz haben?
Der mainstream ist doch schon verrückt genug, oder?
Was nicht heissen soll, dass wir in einem chaotischen Bruch alle Gesellianer werden sollten, aber ein kontinuierlicher Übergang in ein anderes Paradigma kann es doch wohl auch nicht sein.
Also was?
Gemessen daran, was diese Freigeld-Jünger so denken, verkünden und glauben, ist das Wort “Dummfug” von doch außerordentlicher Höflichkeit gekennzeichnet…
Also zunächst: Diese Diskussion hat nichts – aber auch gar nichts – mit Volkswirtschaft zu tun. Hier geht es um esoterische Weltanschauungsfragen. Wenn ich einmal einen Artikel zu solchen Sachen schreibe, können die Sektenjünger gerne hier ihre Lehren ausbreiten. Wir hatten dieses Thema hier schon x-mal und ich weiß, dass die “Diskussion” eh nichts bringt. Wer glaubt, soll gerne glauben.
Sigh.
Die “Volks(!)wirtschaft” IST eine esoterische Weltanschauung.
Das mit dem verschwundenen Geld von dem Krämer, Sozialdarwinisten und Lassezfaire-Blödmann Gesell ist es so wie mit den Ausserirdischen:
Keiner hat sie gesehnen aber so viele sind überzeugt, dass es sie gibt.
Keiner hat das vergrabene Geld gesehen, aber so viele sind überzeugt, irgendwo ist es – vielleicht neben der Atlantis. Jetzt hat BP wertvolle Erfahrungen gesammelt, wie wäre es, wenn wir BP hinschicken, das versunkene Geld zu suchen
Kaprizieren! Genau richtig! SF wenn du dir nur vorstellen könntest, wie ich von dieser (sonnen-)klaren Aussage begeistert bin! Ich genieße sie richtig. Die Gesellianer sind die falschen Schlangen unserer Zeit. Ihre ganze Auffassung ist so dumm, dass sie bestimmt nicht viele überzeugen werden, aber sie sind so eine Plage wie die Zeugen Jehovas.
PS
Natürlich dass das Geld wichtig ist, sehr weichtig sogar und Probleme verursachen kann, aber … usw …
usw
Da fällt mir noch was ein:
Albrecht Müller / NachDenkSeiten hat einmal einen ausgezeichneten Artikel geschrieben, über die „Geldschwemme“; er hat denjenigen opponiert, die das Geld für den Herbst’08 verantwortlich machen.
Ein großartiger Artikel … er hat aber auf seiner Seite keine „Suche“ … wenn jemand da nachhelfen könnte
Meinst du dies hier?
Die Suche ist schon da, nur ist sie etwas weiter unten versteckt
was meinst Du genau?
http://www.nachdenkseiten.de/?s=%E2%80%9EGeldschwemme%E2%80%9C&Submit.x=0&Submit.y=0
??
Die NDS haben schon ne Suche die muss man aber auch finden ;-)
Meinst du diesen Artikel:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3615
Edit: drei idioten ein gedanke :P
@ Klinke
@ Groo
@ Elbarto
Danke ;-)
Danke ;-)
Danke ;-)
Nun wo liegt das Geld – die “Geldschwemme”?
Ja, so ist es Herr Müller!
Sehr richtig!
Auch darum geht es nicht.
Es geht darum, die Macht der oberen 10 % weltweit zu brechen und eine Vermögensdeckelung einzuführen (ist natürlich Utopie). Solange dies nicht geschieht, ist alles andere graue Theorie und geistiges Beschäftigungsfutter, ändert aber nichts am Ergebnis.
Von den anderen Problemen (Umwelt und Population Mensch) einmal ganz abgesehen.
Und wie wollen sie die Macht dieser 10 % brechen ?
Das Machtinstrument dieser 10 % ist das Geldsystem Herr Müller. Die 10 % der Superreichen kontrollieren dieses Geldsystem und haben es bewusst implementiert. Es ist nicht gottgegeben!
Anstatt dieses System zu hinterfragen, werden sie wohl empfehlen die Eigentums und Vermögensfrage über die Umverteilung durch Einkommenssteuern zu regulieren.
Aber warum nicht vorher ansetzen und ein gerechtes Geldsystem entwerfen, welches den gegenwärtigen Widerspruch Geld als öffentliches Gut (Tauschmittel) und Geld als privates Sparguthaben (Vermögen) aufhebt ?
Gegenwärtig werden täglich 800 Mio Euro über die Zinsen in den Warenpreisen von Arm nach Reich umverteilt.
Sorry – aber Dummfuck von Feinsten ist das, was du und die Gesellkinder einem verkaufen wollen.
Das eigentliche Problem ist nicht der Zins oder ähnliches, sondern die innere Wertschranke der realkapitalistischen Verwertung, die ihre Ursache und Bedingung in der kaptialistischen Produktion hat.
Selbst, wenn es keinen Zins geben würde, würde jede realkapitalstische Produktion keinen Mehrbedarf an der Ware Arbeitskraft besitzen, weil diese schlichtweg überflüssig und nicht verwertbar ist.
Entschuldigung das ist doch genau der Sinn der Wirtschaft, den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft zu senken. Wir leben doch nicht um zu arbeiten.
Mit Dummfuck macht man es sich etwas zu einfach. Das wusste selbst Ricardo schon, der kritisierte, dass Smith Theorie der unsichtbaren Hand die auf einem physischen Geld aufbaut, nicht mehr gültig ist, wenn man Geldschöpfung ins Spiel bringt.
Wie will man denn erklären, dass das reale Einkommen der breiten Schichten stets hinter dem Produktivitätszuwachs zurückbleibt? Politischer Wille, böse Neoliberale mit ihrer Politik? Oder doch eher eine Systemeigenschaft? Was unterscheidet eine Wirtschaft mit physischem Geld das stets normalverteilt ist von einer Wirtschaft mit Geldschöpfung, bei der es keine Grenze mehr gibt und Vermögen und Einkommen somit exponential verteilt sein können und sind?
Was will denn Keynes? Die Nachfragelücke durch staatliche Investition schließen. Aber wo kommt die denn her? Die Rezession entsteht doch erst durch die Nachfragelücke, kann also nicht ursächlich sein.
Man kann zum Freigeld stehen wie man will, wenn man behauptet, das Geldsystem hat keinerlei Einfluß auf die Wirtschaft und bei uns läuft alles prima, brauchen nur ein wenig mehr Binnennachfrage greift man wohl zu kurz.
Um die Disskusion noch mal aufzugreifen: diese beliebte Behauptung stimmt einfach nicht und wurde von den DDR-Apologeten erfunden.
- Die SU und ihr System war für die übergroße Mehrheit nie eine attraktive Alternative.
Siehe ihr öffentliches Image ab “Archipel Gulag”, Auswandererzahlen, Wahlerfolge der KPs
- Als Reagan den neoliberalen Umbau forcierte, stand die SU – für SU-Verhätnisse – wirtschaftlich doch glänzend da, allein wegen der gestiegenen Öl- und Gaspreise.
- Ich glaube ja nicht, dass die Ursachen der Nachkriegs-wirtschafts- und Sozialpolitik in den Ängsten der Eliten liegen, aber beeindruckender als die Autokratie in Rußland waren doch eher Weltwirtschaftskrise, Faschismus und Weltkrieg. Kann man zumindest mit der gleichen Plausibilität behaupten.
@ Fuentes
Die Mehrheit der Menschen war im 19. Jahrhundert absolut ärmer als im vorhergehenden. Kann man z. B. an ihrer Körpergröße festmachen. Ich behaupte nicht, dass die Ausweitung des Kapitalismus kausal war, eine Korrelation gibts schon.
@ Interessierte
Artikel wie Kommentare bestehen größtenteils aus ideologischen Behauptungen (mehr könnte ich auch nicht liefern und man kann die Welt nicht in einem kurzen Blogeintrag erklären). Trotzdem Beispiele:
Aus der ökonomischen Sicht gibt es für das System nur eine überlebenstaugliche Alternative: Weg vom Neoliberalismus, hin zur Nachfragetheorie.
Ich warne also vor direkten und indirekten Ausgabeprogrammen. Eine kluge nachfragegesteuerte Wirtschaftspolitik kommt weitgehend ohne sie aus!
Das eigentliche Problem ist nicht der Zins oder ähnliches, sondern die innere Wertschranke der realkapitalistischen Verwertung
Es geht heute nicht mehr um angebotsorientierte oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Es geht auch nicht um Kapitalismus oder Sozialismus. Es geht darum, die Fehler im Geldsystem zu verstehen die da wären:
Wer den Kreditkontrakt nicht verstanden hat ist ein unaufgeklärtes Schaf und sollte nicht über Wirtschaftspolitik reden.
Ich empfehle eindringlichst, sich mit dem Debitismus auseinanderzusetzen.
Und das dööfste zum Schluss (schreibt man dööfste mit zwei ö?):
Es gibt allerdings kein System, das derart flexibel ist wie die Marktwirtschaft.
Gähn. Schade, dass ich nicht müde bin.
PS: Empfehle auch Pohlanyi
@Spiegelfechter:
Nur ne kleine grammatikalische Anmerkung, weil mir das in unregelmäßigen Abständen bei deinen Artikeln auffällt: du verwendest immer mal wieder “dass” anstatt “das”. “Das” muss es immer dann heißen, wenn du dich mit deinem Nebensatz auf ein Substantiv beziehst.
Grüße
Godot
Dass Godot Korinthen kackte, hat uns der alte Samuel wohlweislich verschwiegen….
@Godot:
Ich erlaube mir diesen vermeindlichen Fehler zu erklären!
Es muss doch “das” heißen, denn man kann das Wort durch “welches” ersetzen.
“Wen mag es da verwundern, dass diese ersten Liberalen davon ausgingen, dass ein Laissez-faire und ein Abbau der staatlichen und gesellschaftlichen Schranken auch automatisch zu einer Steigerung des Nationaleinkommens führt, welches dann „durch eine unsichtbare Hand“ auch gerecht verteilt wird?”
@ Spiegelfechter:
“Das Deutsche Reich führte Mindestlöhne und Sozialsysteme ein und hat große Investitionen ins Leben gerufen. Beides ließ letztlich auch die Nachfrage steigen. In Großbritannien ließ man sich mit derlei Reformen hingegen Zeit und das Investieren überließ man den Individuen,…”
In meinen Augen rührt die damalige Überrundung Großbritanniens durch das Deutsche Reich zu einem nicht unerheblichen Teil daher, dass das Deutsche Reich die allgemeine Schulpflicht für alle Kinder einführte und damit mehr innovative Menschen in breiteren Gesellschaftsschichten ausbildete.
Dies führte – aus technisch-ökonomischer Sicht – zu einem enormen Anstieg bzw. Überlegenheit in fast allen Bereichen des Lebens!
Ich denke, der Überrundungs- bzw. Aufholprozessr des Deutschen Reiches gehört zu den interessantesten Kapiteln der Wirtschaftsgeschichte. Viele der damaligen Unternehmer (z.B. Abbe,Bosch,Siemens) waren sozial fortschrittlich eingestellt – und zwar in einem Ausmaß, das man heute garnicht für möglich hält. Die Blüte von Kultur, Wissenschaft und Bildung hatte (m.E.) auch damit zu tun, dass viele Fortschrittsgeister und Linksliberale, die von der politischen Entwicklung enttäuscht waren, sich umso schwungvoller in ebendiese anderen Bereiche stürzten, ja und auch Unternehmer wurden. Damals galt es diesen Leuten als Verpflichtung, als tiefes inneres Anliegen “der Menschheit zu dienen” oder “dem Fortschritt”, und gemeint war damit allemal auch ein sozialer und kultureller Fortschritt. Es gab reihenweise Unternehmer und Akademiker, die sich bei der Gründung und dem Unterhalt von Arbeiterbildungsvereinen (eine deutsche Besonderheit), Bibliotheken und Volkshochschulen einbrachten, und zwar in einem Umfang, das der heutigen deutschen Wirtschaftselite glühende Schamesröte ins Gesicht treiben sollte!
Jedenfalls, ich denke, viele der damaligen Entwicklungen sind bis heute noch nicht vernünftig analysiert und verstanden worden. In den Schulbüchern ist ab und an die Erklärung zu lesen, dass mit der deutschen Einheit bzw. dem einheitlichen Verkehrsgebiet die Ausbildung von Märkten und die wirtschaftliche Entwicklung voran getrieben wurde. Aber das ist maximal ein Drittel der Erklärung – und sicher nicht ausreichend um zu begründen, warum innerhalb von 60 Jahren eine Weltmacht wie England (mit überlegener Infrastruktur, Ressourcen in Hülle und Fülle, reichen Kolonien usw.) in vielen Teilbereichen überrundet wurde.
Genannt wurde hier Bildung und Wissenschaft als Grund für diese Entwicklungen. Daran ist viel dran. Aber auch der besondere Geist, in dem dies betrieben wurde und nicht zuletzt auch das staatliche Handeln, z.B. der enorm treibende Ausbau der Infrastruktur (z.B. Eisenbahn), unterschied sich stark von anderen Ländern. Die Geschichte des 1873 gegründeten Vereins für Socialpolitik (der immens einflussreich war) war in den ersten 60 Jahren sehr stark von dieser speziellen Philosophie geprägt. Der Verein sah seine Aufgabe darin, die Politik des Laissez-faire in der Sozialpolitik, wie sie die deutschen Manchesterliberalen betrieben, zu bekämpfen. Gleichzeitig propagierten sie ihre Ideen aber auch als gezielte Abwehr von Kommunismus – und stießen bei den deutschen Konservativen damit auf offene Ohren, zumal Männer wie Schmoller oder Max Weber (um nur zwei Namen zu nennen) über weite Parteigrenzen hinaus Autorität ausübten – bis hin zu Bismarck, der in seiner Politik gerne und oft auf Empfehlungen des Vereins für Socialpolitik zurückgriff.
Vieles von dem, was uns heutzutage selbstverständlich gilt, z.B. Sozialversicherungen, die Arbeitszeitverordnung und vieles mehr, rührt exakt aus diesen Anfängen her – und legte interessanter Weise zugleich eine Grundlage dafür, dass ein gigantisch reiches Land wie England in der industriellen Entwicklung ein- und in Teilbereichen überholt wurde. Während es in England nämlich zur zigmillionenfachen (!) Flucht von Arbeitern kam (die der Verelendung durch die sozialpolitischen Ergebnisse des Manchester-Liberalismus entkommen wollten), blühte Deutschland auf, kulturell, wirtschaftlich, in der Wissenschaft und Bildung.
Tja, und dann radikalisierte sich der deutsche Nationalismus, es kam zu Weltkriegen und Hitler. Ich denke aber, das ist eine traurige und völlig andere Geschichte.
Was ist mit Unternehmern wie Robert Owen, den cooperatives, Gewerkschaften und der Labour Party?
Und ist der radikalisierte Nationalismus wirklich eine “andere Geschichte” oder vielleicht doch eine logische Folge? Im Hinblick auf das Vorbild China eine nicht ganz unwichtige Frage.
Den Weg durch die “Mitte” würde auch ich begrüßen, aber einen Vergleich mit China halte ich für recht gewagt. Darf man doch bei allen positiven Seiten, die negativen nicht vergessen! Der Preis für einen notwendigen “starken Staat” ist gerade in China verheerend und nicht besonders wünschenswert…
@SF
Erstens, Marktwirtschaft ist das Gegenteil von System. Zweitens: ja und? Wofür genau ist diese Flexibilität gut? Wird die Verschmutzung der Umwelt beendet – jetzt da wir sie fast zerstört haben? Werden alternative Energieformen genutzt, die nachweislich eine bessere Energiebilanz, als die fast aufgebrauchten, haben? Das Zitat oben ist eine alte Legende aus den Zeiten, wo Kapitale noch unerschlossene Regionen erschliessen konnten. Heute – in der Zeit der staatlichen Rettungsversuche – zeigt sich gerade die Unfähigkeit der Marktwirtschaft, ihre eigenen Widersprüche zu lösen. Die Keynsianische Fraktion hat Glück, dass ihre Vorschläge sich in naher Zukunft nicht in der Realität beweisen müssen. Anders als ihr ideologisches Gegenstück, leben sie in der Illusion, dass die Interessen von Wirtschaft und Politik getrennt seien.
Das ist aus anderen Gründen schwer vorstellbar. Denn auch Deine Vorschläge nützen in erster Linie den Interessen der Kapitalseite – jegliche Wirtschaftsaktivität ist initiiert und motiviert von der “Kapitalseite”. Erst in nachgeordneter Instanz soll dem Pöbel das Konsumieren erleichtert werden.
Das ist richtig. Ich würde sogar sagen nicht nur kompatibel sondern symbiotisch. Aber wer will denn unser derzeitiges System der “individuellen Freiheit” und “politischen Demokratie”? Eine Mehrheit hat sich doch längst davon abgewendet.
In vielen vorhergehenden Artikeln kritisierst Du die Politik und noch immer ist Dir das zugrundeliegende System alternativlos?
Die alte Leier. Der Lebensstandard der Arbeiter stieg jedoch keineswegs durch den Fürsten Bismarck, noch durch irgendwelche Helden der Arbeiterbewegung. Denn er stieg genauso – und teilweise noch mehr – dort, wo die Genannten nicht ihr segensreiches Wirken entfalteten, zum Beispiel in den USA.
Stattdessen hat der Wohlstand der Arbeiter immer mit der Produktivität zugenommen.
Wenn Du Deine eigenen Ausführungen hinterfragen würdest. dann müsstest Du erkennen, welchen Blödsinn Du von Dir gibst. Dieser Schwachsinn ist höchstens “bildzeitungsreif”, aber nicht hier angemessen.
Wenn ich all den ideologischen Schwachsinn hier lese, den die Mehrzahl von sich gibt, erinnert mich das an Platons Höhlengleichnis.
Auszug aus Wikipedia:
Platon beschreibt einige Menschen, die in einer unterirdischen Höhle von Kindheit an so festgebunden sind, dass sie weder ihre Köpfe noch ihre Körper bewegen und deshalb immer nur auf die ihnen gegenüber liegende Höhlenwand blicken können. Licht haben sie von einem Feuer, das hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und ihren Rücken befindet sich eine Mauer. Hinter dieser Mauer werden Bilder und Gegenstände vorbeigetragen, die die Mauer überragen und Schatten an die Wand werfen. Die „Gefangenen“ können nur diese Schatten der Gegenstände wahrnehmen. Wenn die Träger der Gegenstände sprechen, hallt es von der Wand so zurück, als ob die Schatten selber sprächen. Da sich die Welt der Gefangenen ausschließlich um diese Schatten dreht, deuten und benennen sie diese, als handelte es sich bei ihnen um die wahre Welt.
Ach und Debitismus oder Gesell als “Ökohomöopathie” zu bezeichnen ist Ignorant und hat mehr von einem debilen Geist als das es witzig ist, da beide die wichtigen und grundsätzlichen Fragen zum System stellen, statt mit dem Mikroskop nach Argumenten zu suchen die das global-ökonomische Wirtschaftssystem versucht zu rechtfertigen und die Probleme zu “kleinen Ausrutschern” versucht zu verharmlosen.
Die eigentliche Frage/n sollte also lauten:
- Was ist Geld ?
- Was ist Wirtschaft / Ökonomie ?
Eine wirklich neutrale Antwort kann also nur lauten, das beide in ihrer Funktion und Wesen sozial- und ordnungspolitische Instrumente sind, die das zusammenleben von Menschen vereinfachen und transparenter gestalten sollen.
Wir reden also von Hilfsmitteln und nicht von einem religiösen Dogma bei dem der Mensch nur ein billiger Erfüllungsgehilfe einer höheren oder göttlichen Botschaft ist, die es um jeden Preis durchzusetzen gilt.