Iran und die letzte Option
geschrieben am 15. Juli 2008 von Spiegelfechter
Wie ein Damoklesschwert schweben die Gerüchte über dem Nahen Osten – es existierten „neue“ Pläne der USA oder Israels, einen Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen durchzuführen. Gefüttert wird diese Befürchtung durch die außenpolitische Berichterstattung im politischen Internet und in den Mainstreammedien. Während die meisten Experten die Wahrscheinlichkeit eines amerikanischen Angriffs sehr niedrig einschätzen, ist die Frage, ob und wann Israel einen solchen Militärschlag alleine oder mit Unterstützung der USA unternehmen wird, strittig. In diesen Wochen finden mehrere hochkarätige Besuche israelischer Falken in den USA statt. Verteidigungsminister Ehud Barak, IDF-Stabschef Ashkenazy und Geheimdienstchef Dagan treffen sich dort mit Vertretern der US-Regierung. Über die Inhalte dieser Gespräche ist natürlich nichts bekannt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es um das Thema „Iran“ gehen wird. Aber geht es hierbei eher um Meinungsverschiedenheiten, die hauptsächlich auf unterschiedlichen Expertisen der nationalen Geheimdienste über die zeitliche Komponente eines vermeintlichen iranischen Atomwaffenprogramms beruhen, oder gar um einen konkreten Aktionsplan?
Es kann kein Zweifel darin bestehen, dass Iran schon vor dem Irakkrieg das eigentliche „Endziel“ der neokonservativen Falken rund um Vizepräsident Cheney war. Für den engeren Kreis um Cheney ist dieses „Endziel“ auch heute noch ganz oben auf der außenpolitischen Agenda – nur haben sich die Parameter geändert. Im Jahre 2004 beschrieb Bushs oberster Berater Karl Rove das Verhältnis der obersten Clique der NeoCons zur Realität folgendermaßen: „Wir sind nun ein Imperium – und wenn wir agieren, schaffen wir damit unsere eigene Realität. […] Wir machen Geschichte.“
Das komplett missglückte „Irak-Abenteuer“ und weitere außenpolitische Rückschläge haben die NeoCons indes wieder auf die Basis der allgemein antizipierten Realität zurückgeholt – das Imperium bröckelt und inwieweit ein dezimierter Kreis aus den Falken rund um Cheney überhaupt noch „agieren“ und „Realitäten schaffen“ kann, mag umstritten sein. Cheney befindet sich jedoch zweifelsohne nicht mehr in der einflussreichen Position, die er vor dem Irakkrieg innehatte. Vor allem über die Kanäle von „George Bush dem Älteren“ wurden neue Personen, wie Verteidigungsminister Gates oder Stabschef Mullen, in der nächster Umgebung des Sohnemanns positioniert, die in puncto Iranpolitik teils diametrale Positionen zur Cheney-Clique vertreten.
Der Einflussverlust der Cheney-Mannen ist am Beispiel der Außenpolitik der USA hinsichtlich der Nuklearpolitik Nordkoreas erkennbar. Cheney bezeichnete den erfolgreichen diplomatischen Lösungsweg als eine Art „Waffenstillstandsabkommen der Polizei mit der Mafia“ und auch aus seinem näheren Umfeld – so von John Bolton – waren schroffe Worte der Ablehnung zu hören. Nordkorea stellt damit einen Fall unter vielen dar, in dem die Linie des Cheney-Flügels sich innerhalb der Bush-Regierung nicht durchsetzen konnte.
Nichtsdestotrotz agieren die USA bereits seit mehreren Jahren feindlich gegen Iran. Laut eines Berichtes des Journalisten Seymour Hersh wurde vom Kongress – mit Zustimmung der Demokraten -ein verdecktes Einsatzprogramm beschlossen, das es den US-Militärs und Geheimdiensten erlaubt, innerhalb Irans Separatisten zu unterstützen und das „Regime“ zu schwächen. Dieses Program hat ein Volumen von 400 Mio. US$ – keine Peanuts.
Die Rhetorik der US-Regierung und einiger Militärs lässt sich am besten mit dem Brusttrommeln eines paarungswilligen Silberrückengorillas vergleichen. Egal, ob es um iranische Waffen, die angeblich im Irak gefunden wurden, iranische Flottenmanöver, Waffentests oder um das Nuklearprogramm des Landes geht – stets wird ein bedrohlicher Ton angeschlagen und stets wird versichert, dass die militärische Option nicht vom Tisch sei. Dieses „ceterum censeo“ der US-Politik schwächt Verteidigungsminister Gates jedoch mittlerweile ab, indem er vom „üblichen“ Ausdruck „letzte Alternative“ abwich und fortan einen Militärschlag als „allerletzte Alternative“ bezeichnet – ein kleiner verbaler Schwenk, der in der Sprache der Diplomatie jedoch als deutliches Signal zu werten ist.
Die Apologeten eines militärischen Angriffs sind sich bereits weitestgehend über den Terminplan einig. Vor den US-Wahlen wird nichts passieren können, da ein neuer Krieg die Erfolgschancen von Bushs Wunschnachfolger McCain drastisch verschlechtern würde. Im Falle eines Sieges Obamas erwarten sowohl Seymour Hersh, als auch Daniel Pipes, einen Angriff der USA im Zeitraum, der zwischen der Wahl und der Amtsübergabe steht – also ab November 2008. Einem Wahlsieger McCain wird laut diesen Analysen das „jus primae noctis“ wohl selbst gewährt. John Bolton hält das gleiche Szenario für wahrscheinlich, nur dass er auf einen Präventivschlag Israels im fraglichen Zeitfenster rechnet.
Ob diese Analysten nun warnen wollen (Hersh), den Druck auf Iran erhöhen (Bolton) oder auch selbst überzeugte Falken sind, die wirklich einen Krieg sehen wollen (Pipes) – ihre Argumente haben einen bedrohlichen Kern, gehen aber von einem politisch-historischen Akteur aus, wie ihn Karl Rove beschrieben hat. Einem Akteur, der vorhandene Realitäten gegen seine eigenen ersetzen kann und Geschichte nach eigenen Vorstellungen schreiben kann – also einem omnipotenten Akteur. Sowohl Bush, als auch Olmert, sind jedoch keinesfalls omnipotent, man darf eher zweifeln, ob sie außenpolitisch überhaupt potent sind, über einen Krieg gegen Iran entscheiden zu können. Ökonomische, militärische und politische Realitäten, die nicht aus der Welt geräumt werden können, sprechen eine klare Sprache und die heißt: Kein Krieg – und dafür gibt es Argumente zuhauf:
Die Sicherheitslage im Irak würde sich massiv destabilisieren. Vor allem die Schiiten im ölreichen Süden würden zweifelsohne einen offenen Krieg gegen die US-Truppen führen, wenn die USA Iran angreifen würden. Die irakische Allparteienregierung unter dem schiitischen Premier al-Maliki hat bereits unmissverständlich erklärt, dass sie militärische Aktionen von US-Truppen gegen Iran von irakischem Gebiet aus, nicht dulden werden. Ein Bruch der USA mit der vermeintlichen „Marionettenregierung“ wäre die Folge. Damit entstünde die brenzlige Situation, dass große Teile der regulären irakischen Armee plötzlich Feinde der Besatzungsruppen wären.
Für den Nahen Osten und Israel wäre die Destabilisierung der Sicherheitssituation ebenfalls verheerend. Sämtliche diplomatischen Vorstöße Israels in Richtung Libanon, Syrien, Hisbollah und Hamas wären plötzlich null und nichtig und Israel sähe sich einem bunten Strauß an neuen Bedrohungen ausgesetzt.
US-Verteidigungsminister Gates umschrieb dies jüngst mit den Worten: „Wir würden damit Generationen von Jihadisten erschaffen und noch unsere Großkinder würden hier – in Amerika – mit ihnen zu kämpfen haben“. US-Stabschef Mullen verglich das Wahrnehmen der militärischen Option mit einer Büchse der Pandora.
Desweiteren besteht laut Meinung der meisten Analysten gar nicht die Möglichkeit, diese Option in allen Facetten wahrzunehmen. Es würde nicht bei einem reinen Luftangriff bleiben, das haben die Iraner bereits mehrfach klar gemacht – sie würden reagieren und es ist mehr als zweifelhaft, ob die USA ihrerseits auf die iranische Reaktion reagieren könnten. Die USA haben bereits arge Probleme, das vergleichsweise kleine Kontingent in Afghanistan personell und materiell aufzustellen. Ein potentieller „Feuerball Nahost“, der durchaus nicht unwahrscheinlich ist, übersteigt ihre Möglichkeiten. Jüngere Pläne, Kriege dieser Art auf arabische „Proxys“ auszulagern, scheiterten ebenfalls kläglich.
Es ist auch fraglich, was ein solcher Militärschlag überhaupt bezwecken sollte – was sind die Ziele und lassen sie sich überhaupt ausschalten und was bringt dies konkret? Über diese Fragen ist ein Streit zwischen israelischen Falken und Realpolitikern ausgebrochen. Die israelischen Falken scheren sich um solche Detailfragen wenig, und ziehen einen gefährlichen Aktionismus vor. Realisten bezweifeln indes die potentielle Wirksamkeit eines solchen Schlages – die Anlagen sind „ersetzbar“, oft unterirdisch und die gefährlichste Komponente sind nicht etwa die Anlagen selbst, sondern das Know-How in den Köpfen und dies ist nicht „weg zu bomben“. Auch die Falken kochen also nur mit Wasser und bei näherer Betrachtung zerfallen ihre Argumente in Staub.
Der entscheidendste Grund, der gegen einen Militärschlag spricht, ist jedoch der massiv gestiegene Ölpreis. Experten sind sich uneins, wie stark der Ölpreis bei der bloßen Eröffnung eines Militärschlages steigen würde – die Schätzungen schwanken zwischen 200 und 400 US$ pro Barrel. Die mittel- und langfristigen realen Förder- und Lieferausfälle sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Neben der Gefahr der Blockade der Straße von Hormuz drohen der Golfregion noch weitere Gefahren, die weit über den zu erwartenden Förderrückgang Irans selbst hinausgehen. Der schiitisch dominierte Südirak wäre zweifelsohne ebenfalls wegen Sabotage und Anschlägen massiv betroffen und auch die förderstärksten Ölquellen Saudi-Arabiens liegen in den Gebieten des Landes, die von einer schiitischen Minderheit bevölkert werden. Anschläge und Sabotage wären auch hier zu erwarten. Für iranische Mittelstreckenraketen wäre es ferner ein leichtes, die Ölquellen Kuwaits, Saudi-Arabiens, Katars oder der VAE derart zu schädigen, dass ein Ölengpass entsteht, der massive Auswirkungen auf den Ölpreis hätte – „The sky is the limit.“
Die Auswirkungen des momentanen Ölpreises sind für die USA bereits jetzt katastrophal – eine weitere Explosion der Ölpreise, wie sie zweifelsohne zu erwarten wäre, würde dem Land den wirtschaftlichen Todesstoß und damit eine Weltwirtschaftskrise auslösen. Kein Präsident der USA könnte dies unter den gegebenen Umständen auch nur im Ansatz seinen Wählern vermitteln. Es ist schlicht undenkbar und die Wahrscheinlichkeit, dass Bush seinem Nachfolger nur „verbrannte Erde“ hinterlassen will, ist ebenfalls unwahrscheinlich – bislang handelte er stets rational, wobei diese Ratio sich auf den Meinungskanon seiner Berater und seines Umfeldes gründete. Nach 9/11 und vor dem Irakkrieg war der Meinungskanon weitestgehend identisch mit der bellizistischen Politik, die dann auch real umgesetzt wurde – heute ist er es nicht. Es gibt neben Gates und Mullen noch viele weitere Stimmen im nächsten Umfeld Bushs, die von einer militärischen Option nicht gerade begeistert sind – dazu gehören neben seinem Vater auch die „alte Garde“ um James Baker und die „neuen Realisten“, die noch eine politische Zukunft haben, so z.B. Condoleeza Rice.
Eine wesentliche größere Gefahr geht derweil von Israel aus – die israelische Außenpolitik ist bei Fragen der Landessicherheit oftmals unberechenbar. Es kam jedoch noch nie vor, dass die Israelis sich offen gegen die Interessen der USA gestellt haben. Sollte Bush – wovon auszugehen ist – sich in diesem Falle ausdrücklich eine Konsultation vor einem etwaigen Militärschlag der Israelis erbeten haben, ist es wenig wahrscheinlich, dass die Israelis ohne grünes Licht aus Washington zuschlagen würden. Ein israelischer Angriff wäre daher immer auch ein amerikanischer Angriff – und Iran hat eben dies bereits mehrfach verkündet. Die Reaktionen Irans wären daher auch in diesem Falle nicht nur gegen israelische Interessen, sondern auch gegen amerikanische Interessen zu erwarten.
Ebenso schwer wirkt die innenpolitische Krise in Israel gegen ein solches Szenario. Ebenso wie in den USA wird auch in Israel ein Militärschlag von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Premier Olmert ist politisch ein wandelnder Toter – niemand rechnet damit, dass er noch lange im Amt bleibt. Neuwahlen werden daher stattfinden, die Frage ist wann? Und hier besteht ein Konflikt zwischen dem israelischen und amerikanischen „politischen Kalender“. Vor November 2008 kann Israel nicht mit und auch nicht ohne grünes Licht aus Washington zuschlagen. Weder die Republikaner noch die israelischen Falken würden dieses Risiko kurz vor einer Wahl eingehen. In der Übergangszeit zwischen US-Wahl und Amtswechsel, könnte Israel nur dann (mit oder ohne grünes Licht) zuschlagen, wenn in Israel bereits eine neue gefestigte Regierung an der Macht wäre – dies ist angesichts des eher knappen Zeitraums allerdings unwahrscheinlich. Wenn der nächste US-Präsident – egal ob er Obama oder McCain heißt – erst einmal inauguriert ist, wäre eine Aktion der Israelis ohne Zustimmung der Amerikaner undenkbar, dies wäre ein außenpolitischer Affront, der die Beziehungen zwischen Israel und den USA signifikant stören würde. Im Falle einer Wahl Obamas würde die israelische Passivität im genannten Zeitfenster indes auf eine echte Nagelprobe gestellt. Obama will Iran diplomatisch begegnen, was zwar gute Aussichten auf Erfolg hat, aber den Falken in Israels Regierung, Militär und Geheimdiensten gar nicht zusagt.
In Bushs Amtsperiode wird von Iran kein diplomatisches Entgegenkommen zu erwarten sein. Obama will verhandeln – das wollen die Iraner auch und sie setzen alles auf die Karte „Obama“. In Iran wird im Mai 2009 ein neuer Präsident gewählt – gewinnt Obama die Wahl und eröffnet Iran diplomatische Wege ist sehr wahrscheinlich, dass dies durch die Wahl eines „Reformkandidaten“ – wie z.B. Ali Laridschani – goutiert werden würde. Dann stünde der Weg zu einer dauerhaften Lösung des Problemfalls „Iran“ sperrangelweit offen. Wenn der neue US-Präsident allerdings McCain heißen wird und kurz nach seiner Amtseinführung verbale Pfeile in Richtung Teheran abschießt, ist es wahrscheinlich, dass die Iraner sich hinter ihrem amtierenden Präsidenten scharen würden und ihn im Amt bestätigen würden. Ein Aufeinanderprallen der beiden „Dickschädel“ lässt indes – allen rationalen Argumenten zum trotz – nicht mehr viel Raum für Optimismus. Die Gefahr eines Irankrieges ist momentan nicht akut. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sie sich mittelfristig auch nicht verschärfen. Mit welchen Entwicklungen bis Zur Inauguration des nächsten US-Präsidenten allerdings noch zu rechnen ist, kann unmöglich vorhergesagt werden und gewisse Restrisiken bestehen immer noch. Es besteht daher kein Grund die Hände beruhigt in den Schoß, aber es besteht auch kein Grund die Stirn in Sorgenfalten zu legen.
Jens Berger
Lektüre zur Vertiefung und Quellen:
Tom Engelhart: Why the US won´t attack Iran
Seymour Hersh: Preparing the Battlefield
Laura Rozen: Iran Red Lines
Tony Karon: Despite all the sabre-rattling, it looks as if Iran wants to talk
| Tags: Ausland Irak Iran USA | |
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Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass alle in diesem Artikel gedanklich durchgespielten Abläufe von einer Militäraktion der USA und Israel, nicht des Irans, als Kriegsursache ausgehen. Der Iran wird Israel nicht angreifen, denn das wäre Selbstmord. Die ganze westliche Welt, allen voran die USA würden den Iran in wenigen Wochen dem Erdboden gleichmachen. Um bewusst in eine so auswegslose Situation zu steuern sind nicht einmal die iranischen Mullahs verblendet genug.
Je unwahrscheinlicher eine Militäraktion im Ausland vor der US-Wahl wird, desto wahrscheinlicher wird jedoch ein Anschlag im Inland, zur rechten Zeit, vielleicht ein, zwei Wochen vor der Wahl. Einem Kandidaten wird die so verbreitete Angst sehr nützlich sein.
Guter Text Jens. Alles aus der Sicht der Vernunft.
Jedoch befürchte ich, das es der amerikanischen Rüstungsindustrie darum geht, ihre Gewinne zu maximieren. Was kann es besseres für sie geben als eine Kriegsregion die sie beliefern können ohne auf ihren eigenen Boden einen Krieg zu führen. Und ihre Lobby ist mächtig! Auch kann damit der Dollarverfall nach hinten verschoben werden.
Dazu kommt, das Krieg immer gut ist um auf innerpolitische Probleme abzulenken. Also ebenfals gut für die USA und Israel.
Und Obama, ich hab seine Anbiederung an die AIPAC auf CNN gesehen, lässt mich ernsthaft zweifeln ober er der Heilsbringer ist.
Ich glaube leider das es einen massiven Schlag seitens der USA und Israel gibt. Dann ein paar Scharmützel. Aber die Region steht in Flammen. Das ist was sie wollen. Was für ein riesen neuer Markt der versorgt werden muss!
Eine ausgewogene und nachvollziehbare Darstellung der Sachlage.
Aber: Krieg ist immer irrational. Krieg wird immer von den Machthabern, nicht vom Volk, angezettelt. Krieg ist immer etwas Persönliches.
Sehr gute Arbeit Herr Spiegelfechter!
Ihren Blog zu lesen macht mir jedes Mal aufs neue Spass, ausgewogene Sichtweisen ohne extreme ideologische Färbungen und verengte Horizonte! Oder vielleicht sind wir auch nur immer einer Meinung und ich denke deshalb, dass sie so gut schreiben ;) Egal wie auch immer, bitte behalten sie ihren Stil und ihre ausgewogenen Bewertungen bei!
Ich habe im Bezug auf das Thema mehr Angst vor einem unüberlegten israelischen Angriff auf den Iran mit einem folgenden Nahost-Krieg (Intifada?) als vor einem unilateralen Handeln der USA. Diese sind einfach zu geschwächt, militärisch, politisch und moralisch um einen solchen Angriff verantworten bzw. durchführen zu können! Gerade im Bezug auf die Armee kann ich nur das Buch “A tale of two Quagmires” von Kenneth Campbell empfehlen der den Vietnam und den Irak Krieg vergleicht. Er hat selber in Vietnam gedient und beschreibt wie sich die US-Truppen moralisch und taktisch aufgelöst haben. Ich sage nur “Fragging the Commander” – Hier wurden die Offiziere in der Nacht von ihren eigenen Untergebenen (nach schlecht durchgeführten Einsätzen) per “Frag Grenade” in die Luft gesprengt! Soweit ist es im Irak sicher noch nicht, aber so ein “Guerilla” Krieg schwächt doch die Moral der eingesetzten Truppen sehr arg. Ich schweife ab, sorry ;)
Meiner Meinung nach ist der Iran in der derzeitigen Lage einfach unangreifbar, da er einer der weltgrößten Lieferanten von Erdöl und Erdgas ist und die verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben sie in ihrem Artikel ja schon treffend dargestellt.
Im Ausblick auf Obama teilen wir die selben (naiven?) Hoffnungen… Obama for President! :)
gruß
Die Argumentation hat einen Schwachpunkt: Ich bezweifle, dass es den israelischen Falken so wichtig wäre, die US-Wahl abzuwarten, um damit die Wahrscheinlichkeit eines McCain-Sieges leicht zu erhöhen, wenn ein Angriff vorher sinnvoller ist. Ich glaube nicht, dass es für Israel einen bedeutenden Unterschied machen würde, ob Obama oder McCain US-Präsident wären. Ob die innenpolitische Lage in Israel einen Angriff vor der US-Wahl zulässt, ist wieder eine andere Frage, die ich aber nicht beantworten kann. (Jens, du gehst offenbar davon aus, dass Olmert dafür zu schwach ist, nicht?.)
Grundsätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass Israel nicht so stark von den USA abhängig ist, wie es manchmal den Anschein hat. Militärisch ist es schon lange stark genug, um mit allen Bedrohungen selbst fertig zu werden. Ein (unwahrscheinlicher) Verlust der hohen Direktförderungen sind für Israel als wirtschaftlich starkes Land auch zu verkraften. Wenn man dann noch Fälle wie http://en.wikipedia.org/wiki/USS_Liberty_incident bedenkt, komme ich zum Schluss, dass die Beziehung in der Tendenz einseitig ist, Israel sich gegenüber den USA also mehr Freiheiten nimmt als umgekehrt.
@SF
Ein schöner, rationaler Artikel – Danke. Auch wenn es, wie schon erwähnt, im Interesse der Rüstungsindustrie ist, die ganze Welt in Flammen zu sehen, wird diese sich diesmal im Gegensatz zum Irakkrieg mit ihren Interessen nicht durchsetzen können, da das Wahlvieh erstmal ruhig gehalten werden muss.
Noch ein Krieg ist zur Zeit schlicht und ergreifend zu teuer und angesichts der rasant wegbröckelnden und u.U. Aufstandsbereiten Mittelschicht nicht vermittelbar.
Man sollte nicht vergessen, dass eine private Bewaffnung in den USA Grundrecht ist, so dass ein unzufriedenes Volk sich viel effektiver wehren kann, als es in den europäischen Wirtschaftsdiktaturen möglich ist.
Die Israelische Administration ist zwar dafür bekannt, keinerlei Skrupel oder Gewissensbisse zu besitzen, aber selbst in der isralischen Armee keimt immer mehr Widerstand gegen die menschenvernichtende Führung auf. Ein Angriff auf den Iran wird nicht durchsetzbar sein, da rationale Kräfte in Israel sehr wohl wissen, dass das Land davon ausschließlich Nachteile hat. Ähnlich wie die religiösen Fanatiker im Iran wird dies die religiösen Fanatiker in Israel davon abhalten, sinnlos Selbstmord zu begehen.
Es wird daher in nächster Zeit sicherlich eine Menge “Terroranschläge” geben, um die Stimmung heiss zu halten, bis die Machtstrukturen in den USA und Israel wieder gefestigt sind.
Off topic
Hallo Spiegelfechter,
kann man mit Dir auch Kontakt per Mail aufnehmen?
Gruß
Matze
@Matze
Klar – Mailadresse gibts im Impressum oder bei mir direkt … ;-)
redaktion@spiegelfechter.com
teppfihler: haben?
.~.
@1 yxcv
Daran habe ich noch gar nicht gedacht … wenn man es sich so vor Augen führt, erkennt man die Paradoxie der ganzen Situtation.
@5 Georg
Wenn dem so wäre, warum haben die Israelis dann bis jetzt noch nicht angegriffen? Es ist für Israel total unüblich, schon fast regelmäßig Meldungen “durchsickern” zu lassen (ich würde dazu eher “streuen” sagen), die auf einen bevorstehenden Angriff hindeuten lassen. In den Fällen Osiriak oder Operation Orchad (und vielen anderen) ging so etwas klammheimlich und effektiv – kein Säbelrasseln, keine “Lecks”. Ich glaube nicht daran, dass Israel zum momentanen Zeitpunkt überhaupt wirklich angreifen will – zumal dies Selbstmord wäre.
Das denke ich nicht – Obama ist am ehesten mit Jimmy Carter zu vergleichen, einem Präsidenten, der in Israel geachtet aber nie geliebt wurde, da er Israel wesentlich weniger Vorzüge gewährte, als jeder andere Präsident. McCain steht da in stolzer Tradition republikanischer Kandidaten.
Ja und ich glaube auch nicht, dass sich z.B. Ehud Barak mit einer so unpopulären Maßnahme die zukünftigen Chancen bei Wahlen verbauen würde.
Es ist weniger die “direkte” Hilfe, als die Protektion. Im Sicherheitsrat wurde z.B. durch die USA bis jetzt jede Resolution gg. Israel abgelehnt. Sie können sich nicht mit den USA überwerfen, ansonsten sind sie schnell international isoliert – Deutschland hat ja bekanntlich kein Vetorecht in der UN.
@9 dottildedot
Danke
Hier noch ein Link zu Uri Avnery zum Thema:
http://www.uri-avnery.de/magazin/artikel.php?artikel=443&type=2&menuid=4&topmenu=4
Bleibt uns also nur abzuwarten ob die Vernunft wirklich die Oberhand gegenüber gewissen Unbelehrbaren Leuten behält.
Wie realistisch ist es eigentlich das der Iran sein Atomprogramm Aufgibt oder Aussetzt?
Bestehen da unter einem neuen Iranischen Präsidenten und einem vernüftigen US Präsidenten Möglichkeiten?
Oder ist das so ein Programm wo die Iranische Führung ihr Gesicht verliert wenn sie das machen würde?
Sonst könnte ich mir vorstellen das es da immer wieder zu Streitereien kommen wird.
Ich will ja nicht meckern und Hersh hat sicher die höhere Reichweite, aber das, was er in seinem Artikel “Preparing the Battlefield” schrieb, hat Andrew Cockburn bereits Anfang Mai berichtet: Alexander Cockburn: Two Months Later, Seymour Hersh Strains to Catch Up With CounterPunch
http://www.counterpunch.org/cockburn07012008.html
Der Artikel von Andrew Cockburn im Mai 2008: Secret Bush “Finding” Widens Covert War on Iran
http://www.counterpunch.org/andrew05022008.html
Die Vernichtung des Iran ist zwar für die nächste Zeit eher unwahrscheinlich, aber er wird ebenso wie der Irak zwischen 1991 durch die menschenverachtenden Sanktionen für den späteren Angriff präpariert. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und Israel hat den Irak-Krieg zwar eher widerwillig (wenn auch sehr aktiv) unterstützt, weil es eigentlich den Iran zuerst erledigen wollte, aber der Wille zur Destabilisierung des Nahen Ostens ist zweifellos noch immer sehr ausgeprägt im Ländle. Momentan ist das Theater, mit dem wir gerade “unterhalten” werden, aber auch meiner Meinung nach nur ein Ablenkungsmanöver, mit dem von den innenpolitischen Schwierigkeiten abgelenkt werden soll. Also von Olmerts Korruptionsverfahren und von den wirtschaftlichen Problemen, die Bush den USA eingebrockt hat.
1.Kommentar
“Je unwahrscheinlicher eine Militäraktion im Ausland vor der US-Wahl wird, desto wahrscheinlicher wird jedoch ein Anschlag im Inland, zur rechten Zeit, vielleicht ein, zwei Wochen vor der Wahl. Einem Kandidaten wird die so verbreitete Angst sehr nützlich sein.”
Nein glaube ich nicht, Madrid hat gezeigt dass die Menschen in Angstsituationen auch links wählen können.
Mehr als 50% der US-Amerikaner denken dass 9/11 nicht so abgelaufen ist wie es einem der Mainstream verkauft und diese Leute haben harte Fakten.
Zudem wissen die Menschen nun über das politisch-militärische Mittel von False-Flag-Aktionen was zuvor eher unbekannt war.
Mein Optimismus sagt mir, sie können sich nichts mehr leisten weil dann das Spiel vorbei ist.
Dafür braucht es aber kritische BürgerInnen die den Mut haben die Politiker mit ihren Lügen, wie dem 11.September, zu konfrontieren.
Man muss schon froh sein, dass das israelische Terrorregime (und dies ist nicht so ironisch gemeint, wie ich es mir wünschen würde), auf die Zustimmung der USA zu warten hat. Was zeigt, wie autonom diese Nation ist, was aber im Hinblick auf ihre Postion als “einzige Demokratie im nahen Osten” auch nachzuvollziehen ist.
Tatsächlich denke ich aber, dass selbst der antisemitische Iran mehr Weitsicht besitzt als das Gespann Olmert|Bush jun., und deshalb hoffentlich diesen völlig unnützen Krieg nicht beginnen würde. Nordkorea hat ja schon gezeigt, dass die “Schurkenstaaten” nicht so uneinsichtig sind, wie von den USA gern kolportiert, sie wollen nur -und das ist eine völlig verständliche Haltung- keine Abhängigkeit von den USA erlangen.
Hoffen wir auf Obama.
Und, bitte, bitte, bitte, nicht so oft “Falken” verwenden, eine derartig penetrante Wortwiederholung gehört verboten ;)
Danke für die -wie erwartet- vielen neuen Einsichten
wie wahrscheinlich ist die Möglichkeit, dass es zum Krieg kommt (incl. USA) und der Welt George W. als oberster Befehlshaber vorerst erhalten bleibt? (Die Gesetze dafür hat er ja selbst geschaffen)
@Tim: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Bush weiter die Amtsgeschäfte führen würde, selbst, wenn es zu einem Krieg kommen sollte, bevor er seinen Hut genommen hat. Bush ist inzwischen sogar seinen republikanischen Parteifreunden nur noch peinlich und die meisten können es nicht erwarten, bis Bush die Partei von seiner Anwesenheit erlöst. Allein die Möglichkeit, dass Bush weiterhin die USA repräsentiert, bzw. blamiert, dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Krieges eher herabsenken.
Wenn das Kriterium eines Angriffs das Wohlergehen der amerikanischen Bevölkerung wäre, dann würde er ohne Frage unterbleiben müssen. Auch mit der Staatsraison wäre er nur schwer zu rechtfertigen.
Wer hingegen schaut auf die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes in den USA und in Israel (der jeweils hochrangig in der rRegierung besetzt ist), dann sieht die Rechnung anders aus: auf dem Weg eines Irankriegs ließen sich Umsätze und Profite noch einmal maximieren.
McCain deutete auch bereits die Möglichkeit an, die Wehrpflicht wieder einzuführen, und das bevorstehende ökonomische Desaster wäre beantwortet mit der Option: Kriegswirtschaft.
Die wichtigsten Argumente für den Krieg werden selten genannt: die Schwächung Chinas und der übrigen Aufsteigerstaaten, die den westlichen Ländern den Rang abzulaufen drohen.
Die könnte man durch einen ekzessiven Ölpreis in die Knie zwingen, während man selbst die Umstellung betreibt auf Energie-Alternative: die üppigen kanadischen Ölsände, die ab 60$ / Barrel rentabel sind sowie diverse heimische und andere Energieträger (auch Biosprit usw.), die sich nun rechnen. Auch bestünde die Möglichkeit, die Energieproduktion der USA komplett auf Solarstrom umzustellen: die Technik ist vorhanden, die Flächen ebenfalls.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass die Atomanlagen eine ernsthafte Rolle spielen.
Im Fall eines Krieges ginge es – soweit möglich – darum, das Land soweit als möglich, zu verwüsten, aufs massivste zu schwächen.
Allererstes Ziel wäre die Ölindustrie, die vernichtet würde.
Das ist der Punkt, der der Bush-Regierung am schwersten im Magen liegt: dass iranisches Öl und Gas nach China exportiert werden, die chinesische Wirtschaft füttern und sich die Iraner an den Einnahmen mästen.
Deshalb (aus amerikanisch-israelischer Sicht): die Ölindustrie muss vernichtet werden.
Solange keine amerikanischen Konzerne am iranischen Öl verdienen, hat es im Boden zu bleiben.
Man möchte es vielleicht ähnlich machen, wie im Irak: man verwandelt das Land über ein bis zwei Jahrzehnte in einen Bombenabwurfplatz, bis von ihm nichts mehr übrig geblieben ist, als ein grosser Schuttplatz.
Erst dann schickt man die Marines hinein um schliesslich auch das Öl herausquetschen zu können.
Es ist zu befürchten, dass ein Dick Cheney so denkt und dass er Verbündete dafür findet; auch von John McCain wird man solchen Plänen gegenüber nicht viel Vorbehalte zu erwarten haben. Er outet sich heute schon als zukünftiger Kriegspräsident, der das Land wieder zu Ruhm und Sieg führen wird.
Die Ölindustrie wird nichts gegen den Krieg haben: mit großer Wahrscheinlichkeit sitzen sie auf langfristigen Verträgen – zb. mit Kuwait und Saudi-Arabien – die ihnen für Jahre Öl zu Preisen zwischen 20 und 50 $ sichern. bei einem Ölpreis von 300$ im Fall eines Kriegs haben sie nur das Problem, dass sie ihre Geldspeicher noch einmal deutlich erweitern müssen.
Hallo Jens,
meinst Du das an diesem Artikel hier
http://tinyurl.com/5pfw8t
etwas dran sein könnte?
Danke
Schöne Grüße
@hugo
Na ja, du glaubst doch nicht etwa, Russland würde dem Iran offen zur Hilfe kommen und damit
einen Krieg mit den USA riskieren? Auch wenn Russland Interessen in der Region hat, den dritten Weltkrieg mit atomarer Apokalypse und allem drum und dran werden sie sicher vermeiden wollen;)
P.S. guck die mal die Hauptseite deines Links an, soviel zum Thema Seriösität der Quelle…
@Hugo
Ich halte die Schlüße aus dem Artikel für überzogen. Russland hatte sich bereits mehrfach aus Iran zurückgezogen und Iran Signale gegeben, man solle sich doch endlich mit der IAEO voll arrangieren.
Desweiteren ist der “Deal” keinesfalls so bedeutend und ein LOI ist nur eine vage Erklärung auf eine optionale Zusammenarbeit. Viel interessanter finde ich in dem Zusammenhang die “stillen” Verhandlungen Irans mit Österreich (OMV), Italien (ENI) und einer schweizer Energiefirma über die Kooperation im Rahmen des Nabucco-Projektes.
@Spiegelfechter
Von Ferne betrachtet gibt es ja keine möglichen Lieferanten für Nabucco und trotzdem steigt RWE als 6. Gesellschafter ein. Diese Tatsache belegt doch das es irgendwo Verhandlungen mit einem unbekannten Lieferanten geben muss und das eine Chance auf die Realisierung des EU-Projekts besteht!
@jones
Offiziell wird da ja immer wieder der Irak ins Spiel gebracht – was aber aufgrund der dortigen Rahmenbedingungen eher unwahrscheinlich ist. Der RWE-Einstieg überraschte mich übrigens auch.
Moin Jens,
ich hoffe sehr, Du hast mit Deiner Analyse recht. Du schreibst mit einer Vernunft, die ich der Regierung Bush absolut absprechen muß. Ich halte mittlerweile den “11. September 2001″ für “getürkt”, d.h. die daraus entstandenen Folgen sind absolut berechnete und damit gewollte Konfrontationen. Hinweise gibt es genug. Aber dies scheint nicht Dein Spektum (?) zu sein, deswegen bietest Du auch immer eine gedankliche Alternative!
Ich sage nur, Deine Analyse in “Gottes Ohren”. Ich hoffe, Du behälst Recht.
Gruß … Elvloots
Der Iran-Konflikt wird sich in diesem Jahr noch zuspitzen. Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass die Bush-Administration wirklich noch vor dem Ende von Bush(idos) Amtszeit einen Angriffskrieg beginnt? und dann gute Nacht?
Wollen wir mal nicht hoffen das die Bush Ära in eine verlängerung geht, sollte es zu einem weiteren Krieg kommen!!!