Condi´s Coup
20. Juli 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Innerhalb der US-Regierung tobt seit längerem ein erbitterter Kampf zwischen den „Falken“ um Vizepräsident Cheney und den „Realisten“. Seit 9/11 hatten die „Falken“ zeitweise konkurrenzlos die Oberhand. Mit dem Ende der Ära Bush naht der Tag, an dem die obersten Regierungskreise und deren Berater ihre „Erfolgsbilanz“ offenlegen müssen, um sich für die Spitzenposten der Nachfolgeregierung zu bewerben. Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ Diese Weisheit scheint Condoleeza Rice nun verinnerlicht zu haben – die ehemalige „Fürstin der Dunkelheit“, die zu den einflussreichsten Souffleuren der „Falken“ im Vorfeld des Irakkriegs gehörte, hat anscheinend noch große Pläne. Laut Medienberichten gehört Sie zum engeren Favoritenkreis, als „Running Mate“ an McCains Seite für das Vizepräsidentschaftsamt zu kandidieren. Für dieses Vorhaben ist es äußerst kontraproduktiv, mit der bellizistischen und auf allen Ebenen gescheiterten Außen- und Sicherheitspolitik gleichgesetzt zu werden. Rice probt daher die 180° Wende und unter ihrem maßgeblichen Einfluss vollziehen die USA momentan einen historischen Paradigmenwechsel in den Iranbeziehungen.
Anfang dieser Woche erreichte den iranischen Außenminister Mottaki ein Vorschlag der USA, in dem mehrere konkrete Vorschläge gemacht wurden, das vergiftete bilaterale Verhältnis zu verbessern. So wurde neben der Einführung von direkten Flugverbindungen auch die Gründung einer amerikanischen diplomatischen Vertretung vorgeschlagen – seit 1979 unterhalten die USA keine direkten diplomatischen Verbindungen zu Iran, die Anliegen der USA werden von der Schweizer Botschaft in Teheran wahrgenommen. Einen ähnlichen – wenn auch weitreichenderen – Vorschlag hatte die iranische Seite der US-Regierung über Schweizer Kanäle im Jahre 2003 gemacht. Damals lehnten die Amerikaner ab, wobei die damalige Sicherheitsberaterin Rice wohl eine Schlüsselrolle gespielt hatte. Zu dieser Zeit planten die USA auch noch über eine „Demokratisierung“ Iraks die „Mullahkratie“ Iran wie in einem Dominospiel mit zu „demokratisieren“ - ein altes Dogma der US-Außenpolitik, das heutzutage als gescheitert gelten darf.
Dies stellt auch eine in der letzten Woche veröffentlichte Studie der – eigentlich als militaristisch und bellizitisch geltenden – RAND Corporation fest, die von der US-Air Force in Aufrag gegeben wurde. Die Studie nennt einen diplomatischen Aufbruch als erfolgversprechendsten Ansatz, Iran zu zähmen und zu vereinnahmen – auch Bushs Sanktions- und Bedrohungspolitik werden in der Studie als „nicht zielführend“ kritisiert. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie ist sicher kein Zufall.
Wie ein kleines Erdbeben schlug am Donnerstag die Meldung des Guardian ein, die USA würden einen hochrangigen Vertreter zu den 6+1 Gesprächen zwischen Iran und den Vertretern der EU, Frankreich, Russland, Großbritannien, China, Russland und Deutschland entsenden. Der Vorschlag wurde dem iranischen Außenminister vom US-Außenministerium unterbreitet. Das besondere an diesem Schreiben – es wurde von Außenministerin Rice persönlich unterschrieben. Genau so wie der Vorschlag zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen, wurde auch dieser Vorschlag von iranischer Seite mit Freude aufgenommen. Für Iran war die Tatsache, mit den „Proxies“ der USA und nicht direkt mit der treibenden Kraft aus Washington über das eigene Atomprogramm zu verhandeln, seit jeher ein Grund zur Unzufriedenheit. Für die USA war eine einseitige Suspendierung der atomaren Forschungs- und Produktionstätigkeiten seitens Iran eine „conditio sine qua non“ für direkte Verhandlungen. Die Teilnahme der Nummer Drei im US-Außenministerium Willam Burns an den Genfer Gesprächen kann daher als echter Paradigmenwechsel gelten und wurde von iranischer Seite eben so begrüßt, wie von chinesischer, russischer und französischer Seite.
Dennoch besteht im Atomstreit keine Aussicht auf Entgegenkommen oder gar Entspannung. Die Positionen beider Seiten sind immer noch unvereinbar. Die Verhandlungspartner aus dem UN-Sicherheitsrat und Deutschland bestehen nach wie vor auf einer Suspendierung der Urananreicherung Irans als Vorbedingung für weitere Verhandlungen. Um diesen Punkt besser bewerten zu können, muss man sich den völkerrechtlichen Gesetzesrahmen vor Augen halten. Iran steht expressis verbis das Recht zu, zivile Nuklearforschung zu betreiben und die Kernkraft zivil zu nutzen. Die Weltgemeinschaft hat laut NPT sogar die Pflicht, Iran bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Die USA und ihre Partner können ihr Anliegen daher nicht auf eine völkerrechtliche Basis stellen, sondern lediglich auf Willkür. Ein Land wird sogar bei der militärischen Nutzung der Atomkraft unterstützt (Indien), ein Land hat nie den Sperrvertrag unterschrieben und sich rechtswidrig rund 200 Atomwaffen zugelegt (Israel), einem anderen Land (Iran) wird allerdings sogar die zivile Nutzung der Atomkraft verwehrt, da es zur willkürlich zusammengestellten „Achse des Bösen“ gehört. Das Verhandlungsangebot der 6+1 Partner besagt nichts anderes, als das Iran ein zugestandenes Recht aufgibt und dafür keinen verschärften Sanktionen ausgesetzt wird.
Dass Iran diese Praxis der doppelten Standards als unrecht, stigmatisierend und beleidigend betrachtet, ist verständlich. Drei mal hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bereits immer härtere Sanktionen gegen Iran beschlossen – Sanktionen, die dem Land mit seinen ökonomischen und demographischen Problemen vor allem wirtschaftlich sehr weh tun. Würde Iran die eigene Urananreicherung einstellen, so wäre dies wirtschaftspolitisch sicher sinnvoll – aber dies wäre auch ein eindeutiges Zeichen von Schwäche. Auf Druck einiger Großmächte würde man ein völkerrechtlich verbrieftes Recht aufgeben und sich somit zum “Paria-Dasein” bekennen – so etwas könnte man auch Erpressung nennen und dafür hätte allen voran das iranische Volk kein Verständnis.
Die Genfer Gespräche waren daher – mit oder ohne US-Beteiligung – schon vorher zum Scheitern verurteilt. Der iranische Verhandlungsführer Jalili unterbreitete dementsprechend seinen „Gegnern“ ein eigenes Verhandlungsangebot und zeigte sich nur bereit, über den zweiten und den dritten Schritt der Verhandlungen zu diskutieren, nicht aber über den ersten Schritt – die einseitige Einstellung der Urananreicherung. In zwei Wochen sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden, aber die einseitige Einstellung bleibt Vorbedingung für weitere Verhandlungen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, was in zwei Wochen geschehen wird. Neben einer unilateralen Verschärfung der Wirtschaftssanktionen der EU und der USA, die allerdings kaum noch zu verschärfen sind, wird die Causa Iran im September wieder den UN-Sicherheitsrat erreichen und es wird von Russland und China abhängen, inwieweit die UN-Sanktionen verschärft werden. Wegen des geplanten Einstiegs der Gazprom ins iranische Öl- und Gasgeschäft brauchen die Iraner sich da wohl keine all zu düsteren Gedanken machen.
Ein Scheitern der Gespräche wäre natürlich Wasser auf die Mühlen der „Falken“. John Bolton – einer ihrer letzten Wortführer – hatte bereits im Vorfeld der Genfer Gespräche Schaum vorm Mund und bezeichnete die Wende der US-Außenpolitik als „desaströsen Ausverkauf“ von US-Interessen, die sich „der gescheiterten Diplomatie“ der UN annähmen. Es wird sich spätestens im September zeigen, ob die USA es mit ihrer „Wende“ ernst meinen, oder ob dies nur eine strategische Täuschung war.
Präsidentschaftskandidat Obama ist ein Anhänger des diplomatischen Ansatzes – wenn die US-Regierung den Anschein erweckt, sie würde selbst diesen Ansatz verfolgen, kann Obama auf diesem Feld kaum mehr punkten. Vor allem dann, wenn McCains „Running Mate“ Condoleeza Rice heißt. Man sollte die diplomatische Wende also keineswegs überbewerten, sie könnte auch nur ein Wahlkampftrick sein. Dennoch gibt sie dem angespannten USA-Iran Verhältnis ein wenig Luft – wer miteinander redet, führt zumindest nicht in unmittelbarer Zukunft Krieg gegeneinander. Wenn im nächsten Frühjahr nach der Inauguration des neuen US-Präsidenten und der Präsidentschaftswahl in Iran auch ein diplomatischer Frühling folgen könnte, sind die momentanen Entwicklungen sicher nicht von Nachteil.
Jens Berger
Hintergrundartikel:
Abbas Edala - Keep watch on the hawks
Dan Froomkin - Cheney’s Waning Influence?
Graham Allison - Bush’s U-turn toward common sense
Kaveh L Afrasiabi - Flexibility points to Iran breakthrough
David Isenberg - A reality check on Iran
Jim Lobe - US lends Iran a listening ear
Bildnachweis (v.o.n.u.): Lenta.ru, CASMII, Al-Watan, IRNA












































































Hat der Iran nicht auch mehrere Menschenrechtsabkommen der UN unterzeichnet, hält diese aber nicht ein? Man könnte sich fragen, warum der Iran auf seinen Rechten besteht, aber seine Pflichten vernachlässigt?
Man kann sich daraufhin überlegen, ob, wenn der Iran schon andere Abkommen mißachtet, er nicht auch die exklusive zivile Nutzung der Atomenergie mißachtet…..
@7Schläfer
Das wäre ja auch möglich - man müßte Iran “nur” die zivile Nutzung gestatten und den Rest der IAEO überlassen, die genau so etwas in vielen Staaten macht.
@7Schläfer
Nachtrag: Welche Menschenrechtsabkommen meinst Du konkret? hat Iran nicht ratifiziert, was die vorhandenen Menschenrechtsverletzungen freilich keinen Jota “besser” macht.
Auch wenn ich gerne sehen würde, dass die Kriegsgefahr dort unten endlich mal zuende gehen würde, so fürchte ich, dass es sich dabei nur um ein Manöver der USA handelt, um sich in eine moralisch etwas bessere Position zu bringen, damit man hinterher gut sagen kann, dass man diplomatisch alles versucht hat, aber der Iran durch seine ununterbrochene Urananreicherung einen leider dazu zwingt anzugreifen. Würden die USA es ohne vorherige Verhandlungsteilnahme durchführen, wären sie in der öffentlichen Meinung sonst entgültig weltweit isoliert gewehsen.
Generell:
- Charta der UN
speziell:
- Internationaler Pakt über bürgerliche und
politische Rechte
- Internationaler Pakt über wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Rechte
@7Schläfer: wenn wir den Maßstab Bruch von internationalen Verträgen im Bereich der Menschenrechte anlegen, müßten so einige “Willige” der westlichen “Koalition” ihre Atomkraftwerke abbauen, respektive die Anreicherung einstellen.
Das fängt bei Verstößen gegen die Antifolterkonvention der UN an und hört bei völkerrechtswidrigen Angriffskriegen längst nicht auf.
Imübrigen gibt es genug Anlaß zur Sorge bezüglich der Menschen- und Bürgerrechte hierzulande. Warum den Blick in die Ferne schweifen lassen, denn das Übel liegt so nah…
Lesenswert der Betrag vom alten politischen Urgestein Michel Chossudovsky
jungewelt....
Original: globalrese...
@name
Geht so - er hat sich ja seit Jahren darauf eingeschossen, dass der Krieg gegen Iran unmittelbar bevorsteht. Bei diesem Thema hat er bei mir keine Glaubwürdigkeit mehr - wer den Hammer in der Hand hält, sieht überall nur Nägel ;-)
Sei nicht so streng mit Ihm Jens ;) Eine leuchtende Zukunftsglaskugel wird auch er nicht zu Hause mit der Hand streicheln, und die Wandlungen und deren darauf folgende Handlungen innerhalb der amerikanischen politischen Eliten, die Du ja auch sehr aufmerksam und detailiert aufzeigst, sind zum Glück nicht vorhersehbar.
Trotzdem Jens, sein damaliges Buch Global Brutal, und seine jahrelangen Analysen, waren und sind Meilensteine in der politischen Beobachtung, lange bevor Naomi Klein mit Ihren Büchern als Werbeträger vom gutbürgerlichen Mainstream aufgesaugt, umarmt und dabei erdrosselt wurde. Klein ist leicht, Chossudvosky zu unbequem, und er hat im Gegensatz zu anderen, den Putsch am elten neunten gegen Salvador Allende in Chile direkt am eigenen Leib miterlebt.
@name: Ich schätze die Artikel der Jungen Welt, aber das permanente Beschwören eines us-geführten Angriffs gegen den Iran erscheint mir langsam etwas übertrieben.
Trotzdem beinhaltet der Artikel durchaus einige interessante Ansätze.
P.S.: Ich wusste, dass bald eine Antwort auf den Spiegel-Artikel über Blogs folgen würde.
Verständnisproblem: Worin besteht dieses Dogma der US-Außenpolitik? Darin, dass Demokratie eine ansteckende Krankheit ist, die sich von einem infizierten Land zum nächsten ausbreitet? Und wenn ja, warum sollte gerade die gescheiterte Ansteckung des Irak, bzw. die Immunreaktion, mit logischerweise fehlender Übertragung auf den Iran, als Beweis für das “Scheitern” des Dogmas herhalten?
@Lago
Nun, dass ist bzw. war das Demokratisierungsdogma, das die NeoCons seit Ewigkeiten vor sich hin beten. Im Irak zeigte sich, dass Demokratie der Wille des Volkes ist und man im Nahen Osten nicht unbedingt erpicht darauf ist, scharf auf Coca Cola und McDonalds zu sein und eine westlich orientierte Gesellschaftsform anzustreben. Mittlerweile ist die Demokratisierung des Nahen Ostens selbst für eingefleischte NeoCons ein “No go”, wie zig Fachartikel und Studien der Think-Tanks nahelegen. Das alte Motto “Er mag ein Hurensohn sein - Hauptsache, er ist unser Hurensohn” feiert derweil ein Comeback.
@Fiend_THeyde
Da hast Du vollkommen Recht! Das “Problem” ist nur, dass der Iran nicht aus einer Position der Stärke argumentieren kann, zumal er es ja auch abgelehnt hat “fertige” Atomkraftwerke zu kaufen. Der Iran argumentiert ja, dass ihm dieses Recht zusteht. Ich werde generell hellhörig, wenn jemand Rechte einfordert, aber seinen Pflichten nicht nachkommt, und dieses spezielle Recht eine ganze Region destabilisieren kann.
Die EU, die USA und ein paar andere werden es auf keinen Fall dulden, dass der Iran eine Atombombe herstellen kann.
auch wenn sich grad alles auf sp0n stürtzt, halte ich diesen artikel für weitaus bedeutender…
@7schläfer
nehmen wir an dein nachbar heißt shell und is scharf auf deine frau…. würdest du von diesem nachbarn ein auto kaufen, das nur mit seinem sprit fährt und auch nur von ihm repariert werden kann ?
ich werde auch generell hellhörig, wenn man jemand nach willkürlichen regeln privilegien verteilt. wobei das mit der willkür natürlich bullshit ist. da wird einfach machtpolitik betrieben.
das der iran aus einer position der schwäche heraus argumentiert sit so auch nicht richtig. zum einen haben sie genug rakete, die den golf zu einer tanker und kriegsschiffreien zone machen können und zum anderen sehen sie ja auch den “erfolg” der usa im nachbarland.
ein problem bleibt natürlich die wirtschaftliche lage des iran. aber wenn sich die elite dort nicht völlig blöd anstellt, können sie die wut darüber durchaus zu ihrem vorteil nutzen.
ganz grundsätzlich denke ich auch, dass du einen völlig falschen ansatz bei der beuteilung des probs wählst. moralische kriterien interessieren grade auf der außenpolit ebene doch keinen der akteure. ( mal abgesehen davon, dass der Westen(tm) sich nichtmal mehr schamfrei auf seine eigenen werte berufen könnte).
@14 markus
um bei Deinem Vergleich zu bleiben: wenn ich das Auto unter allen Umständen haben will, und dies der einzige gangbare Weg wäre, würde mir wohl nichts anderes übrigbleiben.
klar, bestreitet ja niemand…. allerdings von beiden Seiten; ich würde noch den Begriff der Sicherheitspolitik hinzunehmen
ich weiß ja nicht, wie Du Stärke definierst: wenn der Iran das “Falsche” macht wird er “platt gemacht”. So etwas nenne ich eine Position der Schwäche
Da war wohl der Wunsch Mutter des Gedankens: ich denke nicht, dass die Elite dort sich über die aktuelle politische Situation freut. Außerdem: Wut ist ein sehr schlechter Ratgeber.
ich habe lediglich die Argumente der Kritiker des Irans angeführt, namentlich die “westliche” Gemeinschaft. Bei allem Idealismus solltest Du den Realismus nicht aus den Augen verlieren, denn realistisch betrachtet bringt die Diskussion wer welches Argument verwenden darf herzlich wenig.
In der Serie “Document” bei BBC Radio 4 gibt’s einen interessanten Stream zum Anhören: bbc.co.uk/...
America’s Response to a Nuclear Pakistan
America suspects that a particular country is developing a nuclear bomb even though it’s leader strongly denies it.
Prolonged economic and political pressure fails to persuade that nation to abandon it’s weapons programme and there’s talk of a military strike.
This is not about the current stand-off with Iran but concerns the fierce row that developed between the USA and Pakistan during the late 1970’s.
India had recently tested it’s first nuclear bomb and it’s smaller neighbour, Pakistan was desperate for parity.
Committed to stopping such proliferation during these dangerous cold war days, yet failing to do so at every step, a worried Washington began losing patience.
With the help of formerly top secret papers and a number of key participants from the day, Mike Thomson investigates how close America came to launching a paramilitary attack or bombing raid on Pakistan’s nuclear base.
In einem haben die “Falken” wahrscheinlich recht - Iran entwickelt klammheimlich eine Bombe. Würde ich jedenfalls tun, nach all dem Getöse und den Drohungen aus Washington und Tel Aviv, die wohl auch als Herausforderung gemeint waren. Eher eine Frage der Ehre als der Selbstverteidigung, weil Iran in einer militärischen Auseinandersetzung auch mit Bombe langfristig keine Chance hätte. Den iranischen “Falken” traue ich dieses gefährliche Spiel jedenfalls zu, und in Washington glaubt man sowieso nichts anderes.
Nun sind die Iraner nicht dumm - Mr. Strangelove steht unter Zeitdruck, Raketen und Flugzeugträger sind in Position. Schlauerweise sollte Iran Zugeständnisse machen und auf Zeit spielen. Allerdings geht es auch darum, nicht das Gesicht zu verlieren.
Iran hat durchaus eine starke Position - ein Raketenangriff kann zum totalen Krieg mit Israel führen! Falls die Hardliner sich nicht einfach durchsetzen, dann haben die USA kein Geld, keine Lust und wohl auch zuwenig Soldaten und “popular support” zu einer teuren Invasion wie im Irak. Ich weiß nicht, ob die Israelis bereit sind, in Massen zu sterben.
Die Amerikaner haben es auch in den 70ern nicht geschafft, ein nukleares Pakistan zu verhindern - selbst bei einem Militärschlag ist eben nicht gewährleistet, dass man alles “erwischt” - mal abgesehen von den Kollateralschäden - und nicht einfach woanders weitergemacht wird. Selbst ein Regimewechsel hat damals nichts gebracht. Wenn ein Land die Bombe (oder Atomtechnik) absolut will, dann kann wohl nichts außer Eroberung und Unterwerfung wie im Irak das verhindern. Hoffen wir, dass Bush nicht von Anfang an genau das im Sinn hatte - oder dass, was immer ihn bis jetzt gehindert hat, weiterhin die Oberhand behält! Falls hier die Bilder toter Israelis über die Mattscheibe flimmern, kann und wird sich das mit dem “popular support” schnell ändern.
Im Prinzip geht es, Bombe hin oder her, eigentlich schon immer um Irans strategische Position am Kaspischen Meer und ums Öl. Mittlerweile sind die Neocon-Think Tanks auch in Deutschland schwer aktiv:
06/05/08 - Germany’s First Neo-Con Conference Pushes for War on Iran
payvand.co...
@me
Ich habe die Diskussion um die angebliche Stärke des Iran immer versucht aufmerksam wahrzunehmen und was mir aufgefallen ist: der Iran ist militärisch schwach und schwach, trotz gegenteiliger Behauptungen. Er ist /war nicht so schwach wie der geschwächte und ausgeblutete Irak, oder das isolierte und ökonomisch schon zerstörte und schwache Ex-Jugoslawien, aber der Iran/Irakkrieg wirkt trotzdem noch nach und wirklich gefährliches Potential hat der Iran einfach nicht.
Das waffenstarrende Nordkorea hätte (vom Schutz durch China mal abgesehen) Seoul im Vergleich zum Iran bei Bedarf tatsächlich mit konventionellen Waffen in Schutt und Asche legen können.
Ich bringe bei dieser Diskussion immer gern das Beispiel mit der kleinen DDR:
diese hatte in allen militärischen Waffengattungen (Heer, Luftwaffe und Marine ) bei nur 17 Millionen Einwohnern ohne die russischen Weststreitkräfte (!) qualitativ und quantitativ eine viel stärkere Armee als der Iran es heute hat. Das sollte man sich mal in Ruhe überlegen, wenn man vom Iran irgendwelche Wunder erwartet.
Der Iran ist militärisch schwach, und die Meldungen, der Iran könnte und könnte, halte ich für unglaubwürdig.
Den Iran kann man nicht besetzen, dass mag stimmen, aber aktiv militärisch etwas ausrichten, können die paar Raketentruppen und die Reste, was man iranische Luftwaffe nennt, fast nichts.
Hoffen wir bloß, dass die amerikanischen Militärs mittlerweile so wütend und kriegsmüde auf ihre eigene Führung sind, dass es keinen Krieg gibt.
@name: Natürlich, das habe ich gar nicht bestritten - nur würde ein Krieg die Israelis zehntausende von Opfern kosten. Da ist ein bisschen mehr zu erwarten als die gelegentliche selbstgebastelte Rakete aus dem Gazastreifen. Fragt sich, ob sie bereit sind, diesen “Preis” zu bezahlen. Und ob es überhaupt zu einem “Krieg” kommt und nicht “nur” zum gegenseitigen Raketenaustausch Auge um Auge. Dem Iran muss auch klar sein, dass er letztlich verliert.
“würde ein Krieg die Israelis zehntausende von Opfern kosten.”
Wobei das m.E. auch schon übertrieben ist, der Luftschutz dürfte recht gut organisiert sein und das einzige was aus Richtung Iran kommen könnte sind deren Raketen.
Iranische Luftwaffe fällt komplett aus, da nichtmal eine gemeinsame Landesgrenze vorhanden ist und die IRIAF überm Irak zerpflückt werden würde.
Was da schon bedeutender ist, wäre die Frage ob die Iraner es schaffen den eigenen Luftraum einigermaßen sauber zuhalten, sodass die Israelis gar nicht auf den Gedanken kommen das Osirak-Unternehmen zu wiederholen.
Denn viel mehr als ein Luftangriff gegen iranische Einrichtungen und Infrastruktur wird es nicht geben können, schon aus ermangelung vorhandener Bodenkräfte seitens USA/NATO/Israel.
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