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  • Grönland – auf dem Weg zum sozialistischen Öl-Dorado?

    geschrieben am 30. Juli 2010 von Spiegelfechter

    Das Rennen um das schwarze Gold im ewigen Eis ist eröffnet. Sollten die Probebohrungen erfolgreich sein, wird Grönland endlich seine volle Autonomie erreichen

    Nach 300 Jahren dänischer Herrschaft steht Grönland vor dem Schritt in die Selbständigkeit. Nachdem die Grönländer im letzten Jahr ihre Teilautonomie feiern konnten, stellt der erste sozialistische Premier des Landes nun die Weichen für die Zukunft. Geologen schätzen, dass sich mehrere Milliarden Barrel Rohöl auf grönländischen Hoheitsgebiet befinden. Nur durch das schwarze Gold kann Grönland unabhängig von den Transferzahlungen aus Kopenhagen werden und die gigantischen Probleme des Landes angehen. Doch dieses Vorhaben ist riskant, zeigt doch das Unglück im Golf von Mexiko, welche Gefahren Off-Shore-Ölbohrungen mit sich bringen.

    PR-Schwindel der Wikinger

    Es gibt zwei Wege, die Geschichte der Insel Grönland zu erzählen – den europäischen und den grönländischen. Aus Sicht der Europäer ist Grönland nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte: Die erste größere Besiedlung beruhte auf einem PR-Schwindel. Nachdem der Wikinger Erik der Rote seine Exil-Heimat Island, in die sein norwegischer Vater schon wegen eines Mordes verbannt wurde, ebenfalls wegen eines Mordes verlassen musste, setzte er die Segel gen Westen und ließ sich auf einem kargen Eisplateau nieder, das wenige Jahre zuvor von den Wikingern entdeckt wurde. Um Siedler auf die ungastliche Insel zu locken, gab er ihr den Namen “grünes Land” – Grönland. Die 3.000 nordischen Siedler liefen in die Falle und konnten sich nicht an das arktische Klima anpassen, so dass die letzten Wikinger um das Jahr 1500 herum auf der Insel ausstarben. Die folgenden zweihundert Jahre genoss die Insel ihre Ruhe vor den Europäern.

    1721 endete diese Ruhe. Dänische Walfänger gründeten einen Stützpunkt auf Grönland und hissten den Dannebrog. Fortan galt Grönland als Kolonie Dänemarks. Den Inuit, die das Land schon lange vor den Europäern bewohnten, war dies relativ egal. Sie lebten ihr traditionelles Leben und ließen sich beim Fischen und Jagen nicht von den Dänen stören.

    Die eigentlichen Probleme der Inuit begannen erst, als Dänemark sich gleichzeitig seiner kolonialen Verantwortung bewusst wurde und die Jagd- und Fischereigründe der Inuit systematisch leerfegte. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wollte man aus den Inuit Dänen machen und ihnen die Segnungen der Moderne nahe bringen. Man siedelte sie um, gab ihnen Alkohol und europäische Verwaltungsstrukturen und beutete das Land auf eigene Rechnung aus.

    Der harte Sturz in die Moderne

    Mit der formellen Entkolonialisierung, die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte, begann die kulturelle Kolonialisierung. Die Büchse der Pandora war geöffnet, die Inuit wurden von der Jungsteinzeit in die Moderne katapultiert und zerbrachen daran. Heute ist Grönland für die Inuit die Hölle auf Erden – Alkoholismus, Gewalt und Hoffnungslosigkeit bestimmen ihr Leben. Jedes dritte Mädchen unter fünfzehn Jahren wurde schon einmal sexuell missbraucht, jeder vierte grönländische Jugendliche hat mindestens einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Würde Grönland als eigenständiger Staat in den Statistiken geführt werden, so wäre es Spitzenreiter in der Selbstmordstatistik.

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    44 Kommentare:

    1. robert schrieb am 30. Juli 2010 at 14:40 - Permalink

      Es ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sollte Grönland die Cahnce bekommen sich wirtschaftlich etwas aufzubauen und gleichzeitig unabhängig sein Ding zu machen. Andererseits bleibt dafür nur das Öl…wenn das nicht mal ein Deal mit dem Teufel ist…

      • Truvor schrieb am 30. Juli 2010 at 16:26 - Permalink

        @ robert

        ” …….. und gleichzeitig unabhängig sein Ding zu mach”.

        Ist das ein Scherz ?

    2. sokrates schrieb am 30. Juli 2010 at 15:01 - Permalink

      Oder andersherum gefragt; Wie lange wird es dauern, bis das erste Ossama-Video auftaucht, wo er neben einem Inuit am Lagerfeuer Sitz und der Westen Militär entsenden muss, um das Land vom Terror zu befreien.

    3. Truvor schrieb am 30. Juli 2010 at 16:22 - Permalink

      @ Spiegelfechter

      Sorry Jens, ich habe irgendwie nicht verstanden, was Du uns in- und mit diesem Artikel sagen willst.
      Daß die grönländische Inuit, insbesondere wenn diese Statistik (im letzten Absatz) stimmt, nicht überlebensfähig ohne Außenwelt sind ?
      Das ist aber kein großes Geheimnis.
      Oder steckt vielleicht eine andere Botschaft zwischen den Zeilen ?

      • Spiegelfechter schrieb am 30. Juli 2010 at 16:24 - Permalink

        Du hast schon auf den Link “Telepolis” geklickt? Oder?

        • Truvor schrieb am 30. Juli 2010 at 17:04 - Permalink

          @ Spiegelfechter

          “Du hast schon auf den Link “Telepolis” geklickt? Oder?”

          :-) :-) :-) Genau das habe ich nicht gemacht.
          Und ich Idiot dachte schon, was ist mit Jens passiert, daß er solch blutleere Artikel schreibt.
          Sorry Jens, daß ich so schlecht über Dich gedacht habe.
          Am Sonntag gehe ich zu meinem Beichtvater, versprochen !
          Kommt nie wieder vor :-)

          Hinter den Unabhängigkeitsbestrebungen Grönlands sehe ich die Öhrchen der Amis.
          Ich glaube diese Idee der Unabhängigkeit ist viel weitreichender als manche Europäer sich denken.
          Ich hoffe, Du hast es schon gehört, daß Gestern wieder ein russisches Forschungsschiff den Hafen gen Nordpol verlassen hat.
          Der Kampf um Arktis hat nämlich begonnen :(
          Die amerikanische Konzerne brauchen nicht mal ein Ossama-Video (sokrates) um Grönland den Dänen wegzureißen.
          Also, die Unabhängigkeit Grönlands liegt schon ganz nah (in 10 Jahren vielleicht).

          • Spiegelfechter schrieb am 30. Juli 2010 at 17:31 - Permalink

            Die USA haben natürlich ein Interesse an neuen Ölquellen in einem sicheren, nahen Gebiet. Aber an einer Unabhängigkeit eines sozialistischen(!) Grönlands haben die USA kein Interesse. Man denke nur an Chavez und Morales. Die USA hätten sicher lieber mit den Sozialdemokraten Geschäfte gemacht, die sind so schön käuflich. Kleist scheint ein sehr integerer Mann zu sein.

            Der Wettlauf um die Arktis ist ein anderes Thema. Da schreibe ich sicher noch mal drüber.

            • Truvor schrieb am 30. Juli 2010 at 18:09 - Permalink

              Ja, ich stimme Dir auch teilweise zu.
              Heute haben die USA bestimmt kein Interesse an Grönlands Unabhängigkeit, sonst müßten sie diese 57 000 Grönländer finanziell (und nicht nur) unterhalten bzw. ernähren.
              Und wer unterhält heute die Grönländer ?
              Jawohl, die blöde (aus der Sicht der Chefs der Großkonzerne) Dänen (verdammte Sche.., sie haben den Serben ihre Wiege, nämlich Kosovo, entrissen, denkt irgendjemand, die Amis würden nach einer Begründung suchen, um den Dänen Grönland zu entreißen ?).
              Aber nach etwa 20 bis 30 Jahren, wenn die Arktisfrage mit Russland geklärt ist, wenn die Technologien für die Arbeit in der Arktis ausgereift sind und dann wenn weitere 20 000 Grönländer wegsterben, dann bräuchten sie 100%ig (wer will schon Schmarotzer haben) keine Dänen mehr.
              Das klingt zwar Düster, was ich hier schreibe, aber sorry, ich sehe keine Zukunft für die Inuit :-(

          • Vogel schrieb am 30. Juli 2010 at 21:34 - Permalink

            Wie kann man bloß nur so ährlich sein?! *lol*

            Das mit dem Beichtvater – bitte belegen!

            • Truvor schrieb am 30. Juli 2010 at 22:57 - Permalink

              “Das mit dem Beichtvater – bitte belegen!”

              Aha, ich mache das öffentlich (weil Du es bist) :-)

    4. OAlexander schrieb am 30. Juli 2010 at 16:47 - Permalink

      Der Artikel bietet mir – neben einem willkommenen kurzen Abriss der Geschichte – die Information, dass Grönland p.a. von Dänemark € 400m an Transferleistungen erhält. Das sind rund € 7000 pro Kopf. Das soll in etwa die Hälfte der Wirtschaftskraft des Landes ausmachen. Nun ein GNP pro Kopf von € 14.000 scheint mir nicht allzu schlecht zu sein; da spielt das Land statistisch in einer Liga mit bspw. Neuseeland, was ja auch beileibe keine Insel der Armen ist, wenngleich das Wetter dort, wenn auch unwesentlich, milder ist.

      Nun wird weiter berichtet, dass die Einkommensverteilung recht ungleichgewichtig ist. Ist das der einzige Grund warum das Land quasi in Armut lebt und eine Bildungsmisere hat? Was genau macht nun der sozialistische Regierungschef um Abhilfe zu schaffen, außer nach Öl und möglicherweise auch in der Nase zu bohren?

      Die hohe Selbstmordquote, steifer Alkoholmissbrauch und diverse andere asoziale Exzesse scheinen mir hier eher was mit endlos langen und langweiligen Winternächten kombiniert mit extrem schlechten Fernsehprogramm zu tun zu haben. Oder ist es die ungewohnte Salat-Diät? Oder aber auch eine allgemeine Dissoziation von der Gesellschaft, was wiederum nach weiteren Erklärungen rufen würde.

      Übrigens, auch Rinderzucht findet zum ersten mal seit den Wikingern wieder auf Grönland statt, wie ich mal vernommen habe.

      • Spiegelfechter schrieb am 30. Juli 2010 at 16:58 - Permalink

        Ein Hauptproblem ist die Zersiedlung. Nehmen wir mal das Schulsystem. Wie soll man Primär- oder gar Sekundarschulen in einer Siedlung anbieten, in der drei Kinder leben, wenn die nächste Nachbarsiedlung 100km entfernt ist und nicht auf dem Landwerg erreicht werden kann? Kern aller Probleme ist natürlich der Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Kann man sein Leben noch als Jäger und Fischer fristen, wenn man Baywatch im Fernsehen schaut? Das ist die Büchse der Pandora.

        Einen guten Einblick bietet auch dieser Artikel

        • zeno schrieb am 31. Juli 2010 at 08:06 - Permalink

          Eigentlich sehe ich da nur die Möglichkeit des Unterrichts per Internet. Auch Vorlesungen könnten so angeboten werden. Ich weiss allerdings nicht, wie weit die da mit dem Breitband-Netz sind und ob das überhaupt bei den Temperaturen funktionieren kann. Gelegentlich könnten dann noch Nachhilfelehrer die Siedlungen abklappern.

          • Phil schrieb am 31. Juli 2010 at 18:02 - Permalink

            Die Australier haben da doch schon ihre Erfahrungen. Wenn zwar auch nicht übers Internet, jedoch per Funk unterhalten sie ein Klassenzimmer.

            Internet wäre in Grönland m. E. technisch am einfachsten per Satelit realisierbar.

          • Gebintit schrieb am 1. August 2010 at 19:45 - Permalink

            Ihr seid ja lustig, als ob die fehlende Beschulung das Hauptproblem der Inuit wäre. Was würden sie denn mit einer modernen Bildung auf dem grönländischen Arbeitsmarkt groß anfangen?

    5. knus horlanski schrieb am 30. Juli 2010 at 16:58 - Permalink

      ahoi, ganz so düster würde ich das bild der grönlandbesiedlung im mittelalter nicht zeichnen, knochenfunde belegen bspw., dass die ernährung bzw. die allgemeinen lebensverhältnisse dort lange zeit besser waren als in vielen anderen teilen europas. das lief dort also lange zeit ziemlich gut, von daher würde ich nicht unbedingt von einer “falle” sprechen.

      ich finde viele artikel hier extrem gut recherchiert und differenziert, von daher möchte ich davor warnen, inhaltliche richtigkeit für die eine oder andere schnittige formulierung zu opfern.

      auch wenn es nur um so belanglosen blödsinn geht wie die geschichte grönlands :)

      • Eduard II schrieb am 30. Juli 2010 at 17:28 - Permalink

        Volle Zustimmung

      • Spiegelfechter schrieb am 30. Juli 2010 at 17:34 - Permalink

        na ja, das ist natürlich arg verkürzt, trifft aber m.E. den Kern nicht all zu schlecht ;-)

        Ich wollte das Thema, über das ich ordentlich recherchiert habe, nur in einen Rahmen packen, da kaum jemand etwas über Grönland weiß und viele Leser mit den isolierten Infos über Kleist und den Öldeal wohl nicht allzu viel anfangen könnten.

    6. andreas_fecke schrieb am 30. Juli 2010 at 17:02 - Permalink

      Als Afrikabeobachter finde ich so einen Bericht sehr interessant: die “afrikanische Situation”, sie gibt es also auch um die Ecke, und wer weiss, wo sonst noch….
      Klappt die neue Politik nicht, bekommen internationale Konzerne zu viel Sagen, macht man sich zu sehr von zu vielen Krediten gegenüber zu wenigen Investitionen in die heimische Kleinstwirtschaft abhängig, dann jedenfalls wird es in dreißig Jahren heissen: “Die Eskimos sind selber schuld, dass sie arm sind und saufen.”
      Immerhin ist das Land eine Insel am Ende der Welt, der Kalte Krieg ist vorbei, bewaffnete Konflikte sind fern, religiöse Fanatiker scheinen sich für die 50.000 Leutchen auch nicht zu interessieren, vielleicht hat dieser Regierungschef tatsächlich gute Chancen.
      Hoffen wir es.
      PS: Waren schon chinesische Geschäftsleute vorstellig? Die bringen gerne eigene Baufirmen mit für Strassen und Regierungsgebäude…..

      • Spiegelfechter schrieb am 30. Juli 2010 at 17:37 - Permalink

        Ja, die Chinesen sind wohl schon im Boot. Sie werden wohl beim Eisenerz-Deal einsteigen und einen Hafen bauen. 100% sicher ist das aber (noch) nicht. Man muss immer vorsichtig sein, wenn “Investorenbriefe” die einzige Quelle sind ;-)

        • andreas_fecke schrieb am 30. Juli 2010 at 17:57 - Permalink

          Nun, da hoffe ich für die Grönländer doch, dass dieser Hafen etwas besser wird als das von Chinesen (gegen Öl) im links regierten Angola gebaute Krankenhaus von Luanda. Das musste neulich nach nur vier Jahren wegen Einsturzgefahr geräumt werden.
          Ja, die vielen wahren Freunde, wenn man was unter dem Boden hat, und zudem noch etwas Abstand zu den Westmächten haben möchte!
          Den Hafen werden sie allerdings wohl solider bauen, er ist ja für sie selber…..

      • Vogel schrieb am 30. Juli 2010 at 21:40 - Permalink

        die “afrikanische Situation”, sie gibt es also auch um die Ecke

        iss das Dein Ernst? Schon ‘mal aus’m Fenster geguggt?

        Warum in die Ferne schweifen wenn “das Gute” liegt so nah? J.W. Goethe – Anführungszeichen von mir)

        • andreas_fecke schrieb am 30. Juli 2010 at 22:38 - Permalink

          Der nicht hilfreiche Stein-Fels-Vergleich. Gucke ich aus dem Fenster auf unsere und auch meine persönliche soziale Situation, dann sehe ich unverdauliche Steine, wo Tomaten stehen könnten, so fruchtbar ist der Boden. Ja. Aber blicke ich über unsere Steine hinaus in die Ferne, dann sehe ich riesige Felsen, die auch aus der Distanz noch größer sind als meine Steine.

          Diese Geschichte über das Schicksal der Inuit während und nach der dänischen Dominierung hat mich natürlich spontan an Afrika erinnert und genau so spontan und anscheinend treffsicher stellte sich die Frage, ob die Chinesen dort nicht schon ihre Bagger und Bohrer ausladen.
          Da gibt es Analogien, mehr wohl auch nicht.
          Zwischen der Armut in Afrika und der Armut in Deutschland solche direkten Vergleiche anzustellen, das wird weder der einen noch der anderen gerecht, denn es ist maßlos übertrieben und verwischt konkrete Begriffe, so ähnlich wie z.B. das Bezeichnen verschärfter Überwachung als “Faschisierung” einzig den Faschismusbegriff verwässert, entwertet und letztlich den Faschismusopfern noch einen letzten Tritt verpasst. Die hatten andere Probleme als wir, auch in der Epoche vor den Lagern.

          In dem Sinne glaube ich kaum, dass es dem Kampf gegen unsoziale Politik in Deutschland zuträglich sein dürfte, alles Greifbare in diese Schublade zu stopfen. Es ist ohne Maß – vielleicht einer der Gründe, warum soziale Initiativen hierzulande keine Mobilisierungsfähigkeit haben?
          Aber diese Diskussion lenkt ab vom Grönlandartikel, der Besseres verdient, und so belasse ich es bei diesen kleinen Anmerkungen bzw. hoffe, aus eventuellen Repliken still noch etwas lernen zu können.

          • Vogel schrieb am 31. Juli 2010 at 08:14 - Permalink

            Jede Analogie, jeder Vergleich hinkt, so auch diese(r), da hast Du natürlich recht. Beim guggen auf die Felsen Achtung: “Nich über die Steine vor den Füßen stolpern!” Mehr will ich (mit Goethe) nich sagen.

            Stein-Fels-Vergleich kannte ich noch nich. Danke! Klingt gut – und treffend.

        • derwaechter schrieb am 2. August 2010 at 12:16 - Permalink

          Wo wohnst denn Du, dass es vor Deinem Fenster afrikanische Verhältnisse gibt?

    7. SwENSkE schrieb am 30. Juli 2010 at 21:11 - Permalink

      Jedes dritte Mädchen unter fünfzehn Jahren wurde schon einmal sexuell missbraucht,…..

      Gott sei Dank haben die Inuit-Jungs ja keine Probleme.

      Rette sich wer kann, Frauen und Kinder zuerst.

    8. Vogel schrieb am 30. Juli 2010 at 21:26 - Permalink

      Aber auch energieintensive Betriebe, wie beispielsweise Aluminiumhütten, haben aufgrund der Möglichkeit, günstigen Strom aus Wasserkraft gewinnen, bereits ihre Fühler gen Grönland ausgestreckt.

      Hervorragende Idee: Das Schmelzwasser des letzten Kubikmeters Inlandeises treibt die Turbine an, die die Wirtschaft, die diesen zum Schmelzen brachte, antreibt. Das nenn’ ich Kraislaufwirtschaft!

      Bin aus Neugierde auf das Link “Cairn Energy” gegangen – halber Kram! Das Motto muss noch ergänzt werden: “Discovering Hidden Value – Polluting Unhidden Value!” So muss das korrekt heißen!

      Der Golf iss in aller Munde, das fällt ja auch auf! Wer denkt noch an Ixtoc I oder Ekofisk Bravo? Längst vergessene Desaster! Die Küste von Nigeria? Heimliches Desaster! Die Nordsee? Heimliches Desaster! (mit jedem Liter Rohöl kommt auch Wasser hoch, mehr oder weniger (unabhängig vom Förderort!), das wird dann auf der Plattform getrennt und geht mit im Wasser enthaltenen Restöl ins Meer, pro Förderplattform ca 10.000 l Öl p.a. …) usw. Jens, was läuft eigentlich in Sibirien? Wie geht’s den Pipelines und Förderanlagen dort? Und in Kanada? Und in Alaska? Vorschriften!? *Pfff*

      Hat schon jemand nachgeguggt, ob auch in der Antarktis ‘was zu finden iss? “Drill baby, drill!” Lithium kriegen wir ja aus der Atacama und vom Salar de Unyuni! “Schürf baby, schürf!”

      “Macht euch die Erde untertan!” Wann können wir endlich Vollzug melden? *Klapp*_”Sieht_jetzt_aus_wie_der_Mond”_*Klapp*

      Was tut man nich alles für Geld unn Unabhängigkeit? Auch den Ast absägen …

    9. Linus schrieb am 30. Juli 2010 at 22:03 - Permalink

      Das sind nicht unbedingt rosige Aussichten. Wieviele afrikanische Länder leiden unter dem “Fluch der Rohstoffe”. Besonders prekär wird es wohl, wenn es keinerlei Strukturen gibt, die dem hemmungslosen Raubbau einen Riegel vorschieben. Kolonialismus II, geschickt verpackt halt.

    10. Berkenheim schrieb am 31. Juli 2010 at 00:17 - Permalink

      Die Ausbeute der Welt ist noch nicht zuende. Im Gegenteil. Die Bohrungen, egal ob Meer oder Land, sind wie in Afrika, sehr risikoreich und schädigen die Bevölkerung. Aber die Nachfrage aus den Industrieländern ist, denke ich, das eigentliche Problem. Solange die Nachfrage nach dem begehrten “Gold” nicht reduziert wird, solange wir gebohrt und gebuddelt.

      Wir haben es in der Hand, entweder wir beeilen uns die Ressourcen zu bewahren und die alternativen Energien anzukurbeln ( Energie Mix ) oder wir haben bald ein dickes Problem mit dem Betrieb von Maschinen und Anlagen sowie allen von Treibstoff abhängigen Geräten.

      Das ist uns sicherlich schon bewußt, nur derzeit ist es einfacher mit bestehenden Systemen weiter zu verfahren und diese ausgiebig zu nutzen. Wenn ich an den Verbrauch der Chinesen denke, dann wird mir recht mulmig. Deren Verbrauch steigt jedes Jahr durch den Wirtschaftswachstum in schwindelige Höhen. Ebenso der Verbrauch von Schüttgütern, welche z. B. aus Australien angeliefert werden. Wie lange werden diese Ressourcen reichen ? Ebenso Kupfer oder auch sauberes Wasser. Auch wenn hier von Grönland gesprochen wird, betrifft es alle Ecken des Planeten.

      Ich frage mich, wie lange wir noch warten wollen und auf was ?

    11. leslie schrieb am 31. Juli 2010 at 06:47 - Permalink

      In Grönland die Inuit…
      In Amerika die Indianer…
      Und in Australien die Aboriginals…

      Alle haben sie die gleiche traurige Geschichte… :-(

      Mlg

    12. carlo schrieb am 31. Juli 2010 at 09:08 - Permalink

      Naja; immerhin können Grönländer zwischen Sozialisten und Sozialdemokraten unterscheiden….;-)

    13. Rossi schrieb am 31. Juli 2010 at 10:05 - Permalink

      Sehr interessanter Artikel! Mein Bruder war für ca. ein Jahr dort als Braumeister tätig und es klingt doch alles sehr bekannt, was du da schreibst.
      Vielleicht sollte Grönland besser Grossbrauereien bauen und darüber indirekt ihr arktisches Wasser vermarkten… würde irgendwie mehr zu der Umwelt passen, aber naja… das wird wohl nicht passieren.

    14. André schrieb am 31. Juli 2010 at 12:08 - Permalink

      Rezept für Grönland aus amerikanischer Sicht:
      1. Autonomiefreundliche Bewegungen medial und finanziell unterstützen (z.B. eine hellblaue Autonomiebewegung kreieren)
      2. Unabhängigkeitsabstimmung begleitend unterstützen
      3. Protegierte Köpfe in der neuen Regierung installieren
      4. Aufgeblasene Wirtschaftsentwicklungsdaten verkünden
      5. Kraftwerke, Flughäfen usw. aufgrund der aufgeblasenen Wirtschaftsentwicklungsadaten als dringende Notwendigkeit fordern
      6. Grosszügig Kredite zum Bau der dringend notwendigen Infrastrukturbauten gewähren
      7. Verschuldung von Grönland sicherstellen
      8. Nochmalige Kredite gegen Sicherheit von Bodenschätzen gewähren
      usw.

      • Lemmy Caution schrieb am 31. Juli 2010 at 16:36 - Permalink

        Warum sollten die USA den gescheiterten Plan Venezuelas in Honduras kopieren?

    15. antiferengi schrieb am 31. Juli 2010 at 19:00 - Permalink

      Na ja. Auch wenn ich allem anderen zustimme, (Kann man übrigens stellenweise durchaus Äquevalenzien mit dem evtl. Beitritt Islands zu Europa ziehen, wenn auch nicht ganz so drastisch), – so irrritiert mich der Kurzabriss der Besiedelung Grönlands durch die Wikinger doch ein wenig. Da kann man sich stellenweise die Historie allzu sehr interpretativ nach Bedarf raus suchen. Also bitte nicht als Kritik ansehen. Sagen wir eher, ein wenig zur Rehabilitation Eriks des Roten eine ganz brauchbare Zusammenfassung davon. Nirgendwo findet man mehr Streithähne, als bei den Historikern die den Mord Eriks des Roten versuchen unter einen Hut zu bringen. Das ist Stoff für ganze Theatraliken.

      • gregor schrieb am 1. August 2010 at 00:48 - Permalink

        auch das kapitel über grönland in kollaps von j diamond ist sehr lesenwert!

    16. Toiletman schrieb am 31. Juli 2010 at 19:04 - Permalink

      Och nö. Immer diese Antikolonialismus gelaber. Erstmal ist es falsch, dass Grönland ein karges Eisplateau war. Das Klima in jener Zeit war generell wärmer, auch in Deutschland, sodass man damals hier sogar Feigen hatte. Auch Grönland war tatsächlich Grün. Hier kannst du die Temperaturschwankungen in den letzten 1000 Jahren sehen. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4f/1000_Jahr_Temperaturen-Vergleich.png Der Abzug der Wikinger fällt in die immer geringer werdenden Temperatur. Auch die Eskimos als Eingeborene, die irgendwie mehr Recht auf das Land hätten ist eher naiv. Die Vorfahren der modernen Inuit sind erst seit ungefähr 900 auf Grönland und ihr Hauptsiedlungsraum in anderen Teilen Grönlands.

      Und auch das mit dem Sozialismus würde ich eher vorsichtig sehen. Für mich sieht es eher aus wie Links-Nationalismus und Sozialdemokratie. Sozialistisch höchstens im Vergleich zu den heutigen sozialdemokratischen Parteien, die sich so ziemlich dem Neoliberalismus angepasst haben. Ich kann den ganzen Ethnozentrismus eh nicht verstehen. Warum braucht jedes Volk ein eigenes Land? Mir wären jedenfalls integrative Tendenzen lieber als seperatistische und das gilt nicht für dieses Beispiel sondern generell für die Welt. Als ob man noch irgendwas in kleinen Nationalstaaten lösen könnte… Aber naja hier stehen wohl eher ökonomische Motivationen hinter den Unabhängigkeitsbestrebungen. Faszinierend, dass immer die Gebiete mit den meisten Rohstoffen unabhängig werden wollen (siehe auch Bolivien).

    17. carlo schrieb am 31. Juli 2010 at 19:20 - Permalink

      @13 Rossi
      Da hast Du recht! Große Brauereien sind besser als undichte Ölbohrlöcher!

    18. firefly schrieb am 31. Juli 2010 at 19:26 - Permalink

      Teil des Kultur-Imperialismus ist es aber auch, den Grönländern einzureden, dass Robben und Wale jagen böse sei, dass sie Schulen bräuchten und die Intoxikation von Alkohol Missbrauch sei. Für was zum verfaulten Henker braucht man Alkohol, wenn nicht zum Betäuben??

    19. Lemmy Caution schrieb am 1. August 2010 at 09:41 - Permalink

      Es ist ja nicht damit getan, dass man Erdöl besitzt und dann sind alle glücklich. In Arabien gibts einige Länder mit höchst fragwürdigen Institutionen und einer großen Ungleichheit trotz des Erdöls. Von Extremfällen wie Nigeria oder Venezuela möchte ich hier gar nicht sprechen.

      An die staatliche Minen-Gesellschaft stellt die Realität recht hohe Anforderungen:
      1. Sie muss weiterhin effizient funktionieren. Darf nicht sein, dass sie zum Ruhekissen einiger weniger wird.
      2. Sie muss der Rest-Gesellschaft genug Mittel überweisen, damit die Gesamtentwicklung des Landes voranschreitet.
      3. Rohstoffpreise sind volatil. Bei hohen Preisen müssen die temporär sehr hohen Einnahmen neutralisiert werden. Ansonsten werden falsche Anreizstrukturen gesetzt. In Zeiten hoher Preise fliessen zu viele Produktionsfaktoren in den Rohstoffsektor.
      4. Im Rohstoffsektor gibts häufig hohe Gewinne, aber relativ wenig Bedarf an Arbeitskräften. Auch deshalb ist Punkt 2 wichtig.
      5. Der hochpreisige Rohstoffsektor darf nicht andere Export-Sektoren ersticken. Auch deshalb ist Punkt 2 wichtig.
      6. Es müssen ausreichende Umweltauflagen existieren und die müssen auch umgesetzt werden.

      Diese Liste besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie kann weiter verfeinert und hinsichtlich Ursache-Folgewirkungen klarer formuliert werden.

      Für mich ergibt sich daraus, dass die Inwertsetzung von Rohstoffvoräten für die Entwicklung einer ja immer auch pluralistischen Gesellschaft eine sehr anspruchsvolle Aufgabe darstellt.

      Eine zu geopolitische/geostrategische Perspektive, also immer den vermeintlichen Imperialismus ausländischer Mächte ins Feld zu führen, verdeckt dieses Wirkungsgeflecht.

      Im übrigen leben wir insbesondere in der Wirtschaft in einer immer multipolaren Welt.
      In der Förderung von Metallen spielen US-Multis heute keine herausgehobene Rolle mehr. In dem Sektor ist kein US-Konzern so groß wie der brasilianische Rio do Vale Doce.

    20. Winne2 schrieb am 1. August 2010 at 20:04 - Permalink

      Schauen wir uns mal das Setting an: 57.000 Grönländer (davon xx% Kolonialistennachkömmlingen, x% Inuit und x% Mischlinge – mehr oder weniger alle nach hunderten Jahren Kolonialismus schwer traumatisiert) und xx Milliarden Barrel Öl plus sonstige Rohstoffe. Das alles dicht vor der kanadisch-us-amerikanischen Küste mit ca. 450 Millionen Einwohnern und nicht allzuweit von GB/EU. Die “Grönländer” sind in das Globalisierungsspiel (Verkauf Förderlizenzen…) ein- oder aufgestiegen. Ob Chavez oder ähnliche borderline Persönlichkeiten da helfend, schützend eingreifen werden darf stark bezweifelt werden.
      Da horchen wir mal ehrlich und leidenschaftslos in uns rein (obwohl das schwer fällt, da nicht zu leiden…) – und dann müssen wir wohl feststellen:
      Diese 57.000 Grönländer werden vom imperialen Finanzsystem “wegassimiliert” werden wie Türkspor Kreuzberg in der Bundesliga es würde. Da bleibt nicht mehr viel, ausser es hoch gebildet zu analysieren. Oder nach einem Sponsor a la Hopp Ausschau halten…. ;o) – das wird eine weitere bittere Geschichte mit mehr als 80% Wahrscheinlichkeit.

    21. Grönland schrieb am 3. August 2010 at 10:32 - Permalink

      Guten Tag,

      Du hast ja hier wirklich einen interessanten, umfangreichen & übersichtlichen Blog – mein Kompliment.
      Auch dieser Artikel ist gut formuliert, nicht zu lang aber dennoch informativ. Weiter so!

      Immer wieder schön zu sehen das sich Leute noch so viel Mühe machen.

      Mfg
      Grönland Fan


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