Der Schmalspur-Keynes aus Unterfranken
geschrieben am 29. Juli 2008 von Spiegelfechter
In Bayern tobt der Wahlkampf und für die CSU geht es um viel – die Verteidigung der „gottgegebenen“ absoluten Mehrheit. Da die letzten Umfrageergebnisse hier keine eindeutige Sprache sprechen, versucht sich die CSU in dem, was sie am besten kann – Populismus. Ende letzter Woche füllte der unterfränkische Müllermeister Glos – eigentlich jeglicher wirtschaftspolitischer Kompetenz unverdächtig – mit einem kühnen Vorstoß das Sommerloch: Er plädierte für ein Konjunkturprogramm, das die deutsche Volkswirtschaft vor der drohenden Rezession schützt. Da staunt der Laie und der Kenner schnalzt mit der Zunge – „Konjunkturprogramm“? Dieses Wort tauchte im Sprachschatz deutscher Wirtschaftspolitiker in den letzten 30 Jahren kaum mehr auf. Keynes ist tot, es lebe Keynes?
Die Umsetzung eines echten Konjunkturprogramms wäre eine wirtschaftspolitische Kehrtwende. Was in den USA schon seit längerem zum wirtschaftspolitischen Alltag gehört, wird hierzulande als Vorstufe zum Sozialismus gesehen. Das Land der Gartenzwergökonomen hält nun einmal nicht all zu viel von moderner Wirtschaftspolitik, für die nicht nur die wissenschaftliche Elite der USA, sondern mittlerweile auch Weltbank und IWF stehen. Der deutsche „Aufschwung“ der letzten Jahre wurde nahezu ausschließlich durch die prosperierende Weltwirtschaft getragen. Die dunklen Wolken aus Kreditkrise und Energiepreisexplosion hängen heute allerdings bedrohlich über der Weltwirtschaft. Noch sind die Aufträge aus den letzten Quartalen nicht abgearbeitet, aber anlässlich der nachlassenden Konjunktur in den USA, Großbritannien und den meisten EU-Staaten sind positive Impulse aus der Weltwirtschaft momentan unwahrscheinlich. Länder mit einer ausgeprägten Nachfragepolitik fallen in solchen Fällen meist relativ weich, da eine stabile Binnenwirtschaft externe Faktoren abfedert. Deutschland hat allerdings in den letzten Jahren eine ausgeprägte Angebotspolitik betrieben und sich so – ohne Not – externen Faktoren ausgeliefert.
Glos’ Idee, so sie denn überhaupt ernst gemeint ist, würde sicher einen positiven Effekt auf die Konjunktur ausüben. Es geht jedoch vielmehr um die Frage, welche Maßnahmen beschlossen würden und in welcher Höhe Finanzspritzen verteilt werden. Über Glos’ Idee, haushaltsnahe Dienstleistungen zu subventionieren, müsste eigentlich nicht näher diskutiert werden – eine Lex „Dienstmädchen“ ist so ziemlich das letzte, was eine Volkswirtschaft im drohenden Abschwung brauchen könnte. Die Wiedereinführung der Pendlerpauschale – ein Lieblingskind der CSU – mag umstritten sein. Zwei weitere Punkte aus Glos’ Ideenpaket, der höhere Freibetrag bei der Einkommenssteuer und eine vernünftige Reform des Steuertarifs, würden sicherlich stimulierend wirken. Das Problem an diesen zwei Werkzeugen ist vielmehr die zeitversetze Wirkung. Gelder, die der Bürger Mitte 2009 nach dem Steuerausgleich wieder bekommt, wirken zur falschen Zeit. Konjunkturprogramme entfalten ihre beste Wirkung dann, wenn die wirtschaftliche Stimmung sich verfinstert und der Abschwung einsetzt. Finanzspritzen müssten also möglichst kurzfristig beim Bürger ankommen. Energieschecks oder rückwirkende Hartz-IV Erhöhungen, die per Scheck an die Haushalte verschickt werden, wären äußerst wirkungsvolle Konjunkturprogramme, da sie dort ansetzen, wo es am meisten hakt – beim Privatkonsum der Niedrig- und Normallohnempfänger, die unter der Inflation besonders leiden.
Ein 1.000 Euro Scheck an alle Empfänger von ALG-II und Bezieher von Einkommen in einer vergleichbaren Größenordnung hätte bei rund 8 Mrd. Euro Ausgaben einen maximalen Effekt – die Haushalte, deren marginale Konsumquote fast bei 1 liegt, würden dieses Geld sehr zeitnah wieder in die Wirtschaft zurückbringen und Haushalte, die damit ihre Schulden bedienen, hätten in den Folgemonaten ein höheres Budget, befreit von einem Teil der Tilgungslast. Über die Steuer- und Abgabemechanismen würde ein signifikanter Teil dieser Ausgaben auch wieder an den Staat zurückfließen. Ist ein solches Modell unvorstellbar? In den USA wurden 117 Mrd. US$ auf diese Art und Weise unter das Volk gebracht. In Deutschland scheint so etwas allerdings in der Tat unvorstellbar.
Sogar Glos’ gemäßigtes Konjunkturprogramm wurde von Finanzminister Steinbrück bereits als „Verbrennen von Geld“ abgewatscht. Es ist schon erstaunlich, wie das wirtschaftspolitische Profil der Parteien sich verändert hat. Galten die SPD-Rechten früher als Korrektiv, den keynesianischen Partei-Linken bei zu großer Ausgabefreude in Abschwungphasen, und zu geringer Haushaltsdisziplin in Aufschwungphasen auf die Finger zu klopfen, so diktieren sie heute das wirtschaftspolitische Credo vom ausgeglichenen Haushalt und lassen sich wirtschaftspolitisch sogar von der CSU links überholen. Man mag dies konsequent nennen, der Volkswirtschaft hilft es keinen Jota und beim Wähler kommen die Sparmeister der Nation auch nicht sonderlich gut an.
Auch wenn Glos’ Konjunkturprogramm im Kern eine gute Idee ist, so bleibt doch das schale Gefühl, dass dies nichts weiter als Wahlkampfgetöse ist. Weder die angebotsorientierte Schwesterpartei CDU, noch die wirtschaftspolitisch lustlose SPD würden einem solchen Programm zustimmen und dies weiß natürlich auch der unterfränkische Müllermeister. Dies mag sich ändern, wenn der Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr vor der Tür steht und die Rezession da ist – nur kommt ein Konjunkturprogramm dann bereits zu spät, um eine echte Wirkung zu erzielen.
Jens Berger
Zu diesem Thema:
Robert von Heusinger – Sehr geehrter Herr Steinbrück
Robert von Heusinger – Ein Kojunkturprogramm – jetzt!
Kategorien: Deutschland Neoliberalismus
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In einer besseren Welt würde sowas vielleicht passieren. Aber hierzulande werden “nicht als Einkommen zu berücksichtigende Einnahmen” ab einer Höhe von 50 Euro jährlich von etwaigen ALGII-Leistungen abgezogen. http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,7273803,00.html?dr=1
Wieso sollte man also etwas auszahlen, das dann sowieso wieder eingezogen wird?
Ich bin traurig!
> Was in den USA schon seit längerem zum wirtschaftspolitischen Alltag gehört, wird hierzulande als Vorstufe zum Sozialismus gesehen
Diese Analyse finde ich ein wenig oberflächlich. Wenn man den Umfang von Konjunkturprogrammen international vergleicht, sollte man dabei redlicherweise auch die Staatsquoten berücksichtigen. In Deutschland ist die Staatsquote nun mal wesentlich höher als in den USA (Pflichtsozialabgaben muß man natürlich einbeziehen). Das heißt: Wir fahren hier permanent ein gigantisches Konjunkturprogramm. Und das seit Jahrzehnten.
Wie wenig Konjunkturprogramme bringen, hat man doch in den letzten 15 Jahren in Japan gesehen. Und bitte nicht vergessen, wie wenig segensreich sich das mit Abstand größte Konjunkturprogramm der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgewirkt hat, der “Aufbau Ost” …
@Tim
Ganz richtig – man sollte die “Pflichtsozialabgaben” nicht vergessen – rechnet man die heraus, hat D eine niedrigere Staatsquote als die USA. Die Einbeziehung einer solchen, hilft also wenig.
Nun – ich fordere ja auch keine “sinn-” und “kopflosen” Ausgaben, sondern gezielte und vor allem zeitlich genau abgestimmte Stimuli für die Binnennachfrage. Die deflationäre Lage Japans und dessen Probleme lassen sich damit nur schwerlich vergleichen.
Meinst Du die 100 Mark Begrüßungsgeld? ;-)
Ist es nicht seltsam, dass Länder mit hohem Spitzensteuersatz und hoher Staatsquote, z.B. Dänemark oder Schweden, insgesamt gesehen bessere Ergebnisse vorzuweisen haben als Deutschland? Vielleicht liegt es doch an der gerechteren Verteilung der Einkommen. In Dänemark gibt es etwa 90 Prozent des letzten Einkommens als Arbeitslosengeld, und das vier Jahre lang. Aber wir brauchen ja unbedingt einen Niedriglohnsektor und leisten uns Hartz IV. Alles zum Wohle des Standorts Deutschland, versteht sich. Konjunkturprogramme wirken nur kurzzeitig, dennoch sind sie in bestimmten Situationen notwendig. Langfristig brauchen wir jedoch unbedingt eine Strukturreform – aber keine neoliberale.
Sers
Woher kommen gleich nochmal die 8 Mrd. € ?
Unter Kohl und Waigel wurde Geld auch auf diese Art und Weise aus dem Fenster geworfen…Du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass das sinnvoll war… ?
Liebe CSU,
nach dem 28. September höre ich mir die Ideen Deiner `Wirtschaftsexperten´ gerne wieder an. Dann sind sie vom Wahlkampfdruck befreit und können möglicherweise wieder ein wenig mehr Sachverstand walten lassen. Das jetzige Geeiere und Gehubere um die Pendlerpauschale (=Subvention für die Automobil- und Fertighausindustrie) beleidigt jedenfalls meine Intelligenz.
Dein überzeugter Nichtwähler
@ schub
Wie wäre es denn wenn wir ein paar Eurofighter weniger bestellen? Oder die Überschüsse der Agentur für Arbeit mit einbeziehen? Oder aus den Einnahmen der Mehrwertsteuererhöhung? Oder oder oder
Geld ist genug da, die Frage ist nur wofür es ausgegeben wird.
Es mag ja daran liegen, dass ich ein ökonomischer Laie bin – aber irgendwie erinnern mich Konjunkturprogramme immer an Münchhausen. Wie er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht: Wegnehmen, und dadurch Konsum unterdrücken – und dann verteilen, um Konsum anzukurbeln.
Und dann, aber das ist ein sehr persönlicher und mir sehr peinlicher Mangel an Glaubensstärke, zweifle ich daran, dass Bürokraten (oder die ihnen Empfehlungen gebenden Denker) per se ein höheres Wissen darüber besitzen, wo das von Ihnen eingezogene Geld am besten hingehört.
@Boche
Mal sehr vereinfacht “erklärt”: Ein Euro Mehreinkommen hat bei unterschiedlichen Gruppen eine unterschiedliche Wirkung auf die Volkswirtschaft. Hierbei geht es vor allem um die marginale Spar- und die marginale Konsumquote. Wenn beispielsweise ein wohlhabender Zahnarzt durch eine Kürzung des Spitzensteuersatzes einen Euro mehr in der Tasche hat, so verwendet er diesen Euro (lt. Statistik) zu einem großen Teil zum Sparen. Volkswirtschaftlich gesehen, kann man aber nicht sparen, da jedem Kreditor ein Debitor gegenüberstehen muss. Der Euro des Zahnarztes landet daher als Investment auf den Weltfinanzmärkten. Wenn ein Land, wie Deutschland, mehr Geld exportiert, als es importiert, entsteht zwar Wachstum, aber nicht im eigenen Lande. Ein Euro, den beispielsweise ein Niedriglöhner mehr bekommt, wird indes nur zu einem kleinen Teil die lokale Volkswirtschaft verlassen. Er wird konsumiert und dies stärkt die lokale Volkswirtschaft. Der Besuch beim Friseur, die Reparatur des Automobils, der Gang in die Gastwirtschaft, der Besuch im Freizeitpark oder diverse Konsumunternehmungen, die die Wirtschaft stärken, werden tendenziell wesentlich(!) stärker von niedrigen und mittleren Einkommen (bei zusätzlichen finanziellen Einnahmen) nachgefragt, als von hohen und Spitzeneinkommen. Darum dreht es sich bei meiner Argumentation.
hallo boche,
zweifeln sie wirklich daran, dass durch eine sinnvolle umverteilung positive effekte auf dem markt erzielt werden können? dasselbe passiert ja auch bei staatlichen investitionen (oder sollte sinnvoller weise so aussehen): wo in der gesellschaft genug kapital vorhanden ist, wird es zum teil abgeschöpft und verteilt – ohne diesen mechanismus gäbe es keine eisenbahn, keine atomkraft, keine raumfahrt, kein internet… (naja und soziale gerechtigkeit eben sowieso nicht!)
und bürokraten hin oder her – irgend jemand muss ja die entscheidungen treffen – besser dies passiert über eine demokratische kontrolle als wie im moment durch eine kleine elite von think tanks, die zwar vielleicht nicht so den bürokratischen ruf haben, dafür aber total undemokratisch sind. und denen es deswegen egal ist, ob jemand mit 300 euro im monat leben muss.
Hat schon jemand mal berechnet wieviel die Lohnzurückhaltung der letzten 10 Jahre den deutschen Arbeitnehmer an Einkommen gekostet hat?
Steigerung um Inflationsrate Produktivitätszuwachs – reale Steigerungen.
Wäre es nicht besser gewesen einen Teil seines Lohnes für öffentliche Beschäftigung auszugeben?
Ich denke die Arbeitnehmer haben mehr als 70 Milliarden Euro geopfert(2 Millionen Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst).
Das BIP pro Kopf in den USA ist nicht höher als in Deutschland, zieht man einmal die Einkommen aus Scheintätigkeiten in den USA oder GB, aus einfachen Dienstleistungen z.B. Tütenpacken vom BIP ab.
@schub: Sind sie auch einer dieser “ein ausgeglichener Haushalt ist der Fixpunkt aller Finanzpolitik”-Gläubigen? Eine Volkswirtschaft ist kein Sparschwein – wobei das ja eine Erkenntnis ist, welche auch in Kreisen, die es definitiv besser wissen müssten, scheinbar nicht mehr verbreitet ist. Allerdings muss man in diesem Fall “zugute halten”, dass diese erkenntnisabweisende Haltung wohl durchaus politisch motiviert ist. Wer will schon Handlungsspielräume zugestehen, wo man eine unbeliebte Politik primär mit dem Argument der Alternativlosigkeit rechtfertigt.
Im übrigen stimme ich Herr Schöfer völlig zu. Eine gezielte – also tatsächlich den Konsum fördernde und nicht den “Anlagespielraum” höherer Einkommen begünstigende – Konjunkturpolitik würde kurzfristig wahrscheinlich durchaus Sinn machen. Langfristig wäre aber wohl nur ein grundsätzliches umsteuern in der Wirtschafts- und Finanzpolitik hilfreich. Aber dafür hierzulande eine politische Mehrheit zusammenzubekommen, ist leider auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Zumal der Großteil der politischen Klasse sich offenbar nur zu gerne aus der Verantwortung verabschiedet. Nur leider bleibt in den Augen des Großteils der Wähler die Letztverantwortung doch beim Staat – auch wenn man die Alleinverantwortung zum Gut teil freiwillig aufgibt. Deshalb letztlich ein hervorragendes Rezept, um ein demokratisches Gemeinwesen auszuhöhlen.
@Spiegelfechter
Vielen Dank für die Mühe, die du dir mit der Erläuterung gemacht hast!
Wenn ich bedenke, was du geschrieben hast, müsste es doch von Vorteil sein, den Kapitalexport komplett zu untersagen. Oder? Denn dann würde der Zahnarzt gezwungen (besser der von ihm beauftragte Fondmanager oder Anlageberater), allein nationale Investitionen zu tätigen. Das Geld bliebe komplett im Land!
Und: Setzen Geldgeschenke nicht auch Fehlanreize? Angenommen. ich bekomme einen 1000-Euro-Scheck und möchte damit einen Nachhilfelehrer für meine Tochter bezahlen. Der hat aber als Wenigverdiener auch so einen Scheck bekommen und ist erst einmal in den Urlaub gefahren (und gibt das Geld gar nicht im Inland aus!), weil er es sich nun leisten kann, den kleinen Job auch mal sein zu lassen.
@didlda
Ja. Aber das ist ja das zu Beweisende und nicht der Beweis.
Nein? Sicher?
Was die Entscheidungsebene angeht, weiß ich zwar nicht, wen du mit diesen think tanks meinst und was die entscheiden. Ich bin aber der naiven Ansicht, dass derjenige am besten über sein Geld entscheidet, dem es gehört. So lange er volljährig und zurechnungsfähig ist. Ob letzteres bei Reichen zutrifft oder generell zu bezweifeln wäre, um an ihr Geld zu kommen, kann man ja diskutieren.
@Öffentlicher Sektor
Wie definiert sich eine “Scheintätigkeit” genau? Dadurch, dass sie durch wenig qualifizierte Arbeiter erledigt werden kann? “Richtige Tätigkeit” wäre für diese Leute also besser von oben vorzugeben?
@13 Boche
Den Kapitalexport zu verbieten, ist natürlich nicht sinnvoll. Wenn im Lande erzielte Gewinne im Inland investiert werden müssten, würde dies beispielsweise zu Inflation führen. Die Lösung der aktuellen Probleme kann auch nicht in dem protektionistischen Lösungen, des vorletzten und frühen letzen Jahrhunderts erfolgen. Verbieten ist immer die falsche Lösung, Anreize setzen und ggf. steuernd einzuwirken, ist da schon sinnvoller. Außerdem verbieten internationale Abkommen (wie die WTO) auch einen solchen Protektionismus.
Was den Nachhilfelehrer angeht – das ist halt die Freiheit des Individuums, die natürlich das höchste Gut ist. Wenn er denn in den Urlaub fahren will, warum auch nicht? Der statistische Anteil des Mehreinkommens, das er im Ausland ausgibt, ist dennoch niedriger, als der Anteil, den sein Arbeitgeber in diesem Falle im Ausland ausgeben würde.
@Spiegelfechter
Inflation? Muss dafür nicht die Geldmenge steigen? Ein Gewinn ist doch aber nur die Verlagerung einer Menge Geld – kurz gesagt – vom Käufer zum Verkäufer?
Ich will es ihm ja beileibe nicht verbieten! Oh nein! Mir war es nur um die Idee des Anreizes gegangen: Was, wenn mein Geld entwertet wird, weil meine Mitmenschen dafür weniger zu leisten bereit sind? Da sie selbst ein wenig mehr von Geschenken als von erbrachter Leistung leben können?
Ja, mag sein. Aber ums Ausland gings mir in dem Beispiel nicht. Eher darum, dass er weg ist. Womit ich das Nicht-mehr-Leisten versinnbildlichen wollte. Siehe wieder mein Gedanke zu den Anreizen oben.
@Boche
Das würde sie in diesem Falle ja auch. Wenn das Geld die Volkswirtschaft nicht verlasen kann, bleibt es in ihr, womit die Geldmenge steigt. Es würden dann ja beispielsweise weniger Euros in Yen oder Dollar umgetauscht. Und Deutschland gehört im Ramen der Kapitalbilanz zu den größten Kapitalexporteuren.
Wenn man Transferleistungen als Geschenke betrachtet, so ist dies ja bereits heute so. Der Nachhilfelehrer – so er Student ist – bekommt beispielsweise uU BAFÖG. Wenn er ALG-II Empfänger ist, bekommt er auch staatliche Transferleistungen. Die Höhe der Transferleistungen hat natürlich Einfluss auf dem Preis, den er für die Leistung verlangt. Bekommt er beispielsweise 1.500 Euro BAFÖG im Monat (das ist natürlich hypothetisch), verlangt er für eine Stunde Freizeit ein höheres “Entschädigungsgeld”.
Dies wird in der Praxis aber kaum relevant sein. Wir sprechen hier ja auch nicht über eine fürstliche Rente auf Lebenszeit, sondern über punktuelle Finanzspritzen zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Die “Beschenkten”, die aufgrund dieser Spritze nicht mehr arbeiten, oder sich dem Wirtschaftsraum entziehen, wird so groß nicht sein.
@ Tim (Nr.2):
“Und bitte nicht vergessen, wie wenig segensreich sich das mit Abstand größte Konjunkturprogramm der deutschen Wirtschaftsgeschichte ausgewirkt hat, der “Aufbau Ost” …”
Ich finde, eines wird dabei immer vergessen: Wohin ist dann das Geld, dass in den Osten gepumpt wurde, geflossen? Die “Ossis” haben die Waren gekauft, die aus dem alten Bundesländern geliefert wurden, haben alte Autos gekauft, die aus dem Westen herangeschafft wurden, haben zusammen mit dem Staat Bauunternehmen aus Hamburg, Frankfurt und München erst den Abriss und dann den Wiederaufbau der Betriebe bezahlt etc.
Für die Unternehmen in den alten Bundesländern war der Osten doch ein Nachfrage-Eldorado, in dem die Gelder, die der Staat reingepumpt hat, wieder abgeschöpft und eine somit Menge Arbeitsplätze im “Westen” gesichert wurden…
Selbstverständlich haben die Bürger der alten Bundesrepublik dieses “Konjunkturpaket” zu großen Teilen selsbt bezahlt, aber gerade bei ihnen hat es doch auch super gewirkt…
Die Idee, bei nachlassender wirtschaftlicher Prosperität staatlich zu intervenieren, sei es durch direkte Nachfragestützung (€1000 für HIV) oder indirekt durch staatliche Investitionen ist meiner Meinung nach sinnvoll.
Allerdings ist, wie im Artikel geschrieben, die harte Konjunkturlandung ja hausgemacht. Insofern ist keynsianische Wirtschaftspolitik IMO immer zum Teil Symptombehandlung, wenn man eine hohe “Oszillation” der Konjunktur nicht als systemimmanent ansieht.
Sollte die primäre Zielrichtung der Politik nicht eine vernünftige Steuerung der Mehrwertverteilung (Unternehmensgewinn/Lohn) sein?
AK
@Spiegelfechter
Das verstehe ich rein mathematisch nicht: Wenn X vorher 100 Euro hatte und diese Y für irgendein Produkt gegeben hat (wovon dieser wieder einen Teil an diverse Lieferanten und Angestellte abgibt), dann bleiben es doch 100 Euro im Gesamttopf. Wo kommt denn da die steigende Geldmenge her?
In der verlinkten PDF habe ich eine Grafik gesehen, die die USA als enormen Kapitalimporteur ausweisen. Müsste deiner Logik nach die Inflation dort nicht riesig sein?
Ist es doch vermutlich auch.
Was nichts anderes bedeutet, dass die Bereitschaft zur Leistungserbringung sinkt. Der Staat erhöht künstlich den Preis privater Leistung. Was z.B. dazu führt, dass sie nicht mehr nachgefragt wird, weil ich es mit dem Preis, den ich zahlen kann, nicht mit dem Wettbewerber “Staat” aufnehmen kann.
Richtig. Aber ist es nicht von Belang, diese punktuellen Finanzspritzen in einem Gesamtbild zu sehen? Das u.U. durch mannigfaltige und in der Summe doch recht fürstliche Transfersummen gekennzeichnet ist? Irfgendwo las ich mal was von 400 Milliarden Euro, die pro Jahr ins Sozialsystem laufen. das fürstlich zu bezeichnen ist ja fast schon Untertreibung.
Wer ist nochmal der international anerkannteste deutsche Ökonom?
Und die hier gehören wahrscheinlich nur nicht zur wissenschaftlichen Elite. Der Nobelpreis ist auch nicht mehr das, was er einmal war…
Kommt drauf an, was mit “sparen” gemeint ist. Ökonomisch gesehen meint “sparen” Konsumverzicht.
Und wo kommen die inländischen Investitionen her?
Deutschland kann nur Euros exportieren. Und Euros kann man wiederum nur in Euroland ausgeben.
@19/Rafael
> Selbstverständlich haben die Bürger der alten Bundesrepublik dieses “Konjunkturpaket” zu großen Teilen selsbt bezahlt, aber gerade bei ihnen hat es doch auch super gewirkt…
Der Aufbau Ost war das mit Abstand größte Konjunkturprogramm der deutschen Wirtschaftsgeschichte, und man kann darin die Wirkungslosigkeit von Konjunkturprogrammen wunderbar ablesen. Dazu schaue man sich nur die enttäuschenden Wachstumsraten des gesamtdeutschen Bruttosozialprodukts in den 90ern an.
Nein, Konjunkturprogramme sind wie alle staatlichen Subventionen letztlich nur eine Umverteilung. Wer Konjunkturprogramme fordert, darf sich später nicht beschweren, wenn die soziale Ungleichheit wieder mal zugenommen hat.
@15 Boche
Diese Tätigkeiten müssen nicht sein.
In Bayern hat eine Grundschullehrerin 97% ihrer Schüler für das Gymnasium fit gemacht.
Sie wurde dafür von ihren Vorgesetzten gerügt.
Denn ihre Aufgabe ist die Selektion. Und damit die Zuweisung späterer Einkommen.
Nehmen wir doch die Forderungen der SPD beim Wort.
Spitzensteuersatz und Erbschaftssteuer sollen solange erhöht werden, bis 50 % aller Universitätsabsolventen aus Arbeiterhaushalten stammen und 20% aus den Haushalten kleiner Angestellter.
Ich stelle mir Westerwelle im Bundestag vor, mit Schaum vor dem Mund.
Es ist nicht gerecht , das das unterste Quartil mit durchschnittlich 6,88 Euro Stundenlohn abgespeist wird.
Viele aus der SPD, z.B. Wowereit dessen Muttter Arbeiterin war, bekamen in der Schule zu hören, das sie nicht einmal für die Realschule taugen.
Das die Bildungsbeteiligung der unteren Schichten nicht gewollt ist, wissen also viele aus dieser Partei.
Siehe hierzu
Preisendörfer: Das Bildungsprivileg.
@24 Öffentlicher Sektor
Wer entscheidet das?
Aha. Dazu kann ich nichts sagen und verstehe auch den Zusammenhang nicht.
Besteuerung führt also zu Universitätsabschlüssen? Interessante aber reichlich exotische Theorie…
Abgesehen von der Gerechtigkeit: Bist du der Ansicht, dass Lohn auch etwas mit der Produktivität der geleisteten Arbeit zu tun hat?
Schöne neue Verschwörungstheorie, die ich gleich mal in meine Sammlung aufnehme.
@21 Boche
Es geht ja auch nicht um die globale Geldmenge, sondern um die Geldmenge, die in einer Volkswirtschaft kursiert. Wir sprachen ja schließlich von der Kapitalbilanz, insofern ist Dein Beispiel aus dem Warenhandel auch gar nicht zielführend.
Nein, wieso sollte sie? Vom Umkehrschluss sprach ich nie.
Natürlich ist das so. Wenn Du es “vernünftig” findest, einem Nachhilfelehrer 5 Euro die Stunde zu bezahlen, so ist dies Deine subjektive Interpretation von “Vernunft” – volkswirtschaftlich ist dies nicht vernünftig.
Aha, erzähle bitte mehr davon. Meinst Du damit ALG-II, die Rente oder das BAFÖG?
Wenn Du einen Plattenbau mit 100 heruntergekommene Wohneinheiten besitzt und pro Wohneinheit vom Staat 400 Euro Kaltmiete als “Wohnkostenzuschuss” bekommst, ist dies für Dich ein fürstliches Entgelt, für den Staat sind dies monatliche Transferleistungen in Höhe von 40.000 Euro. Für die Bewohner sind diese Verhältnisse, trotz der “hohen” Summe, keinesfalls fürstlich. Vom Transfervolumen alleine, kann man keine Rückschlüsse auf die Qualität der Zahlungen ziehen.
@22 Ravson
Wie wäre es mit Karl Marx? ;-)
Von den momentan aktiven Ökonomen hat eigentlich kein einziger Weltrang.
Was hat die Empfehlung von McCains wirtschaftspolitischer Agenda mit der deutschen Ökonomie zu tun? Außerdem weißt Du sicher genau, dass die Mehrheit der “neueren” Nobelpreisträger (Akerlof, Stiglitz u.a.) einen vollkommen anderen wirtschaftspolitischen Ansatz verfolgen, als es die Talkshow-Ökonomen aus Deutschland tun.
Und was passiert mit Euros, die z.B. in Yen eingetauscht werden?
Inflation? Muss dafür nicht die Geldmenge steigen?
Das würde sie in diesem Falle ja auch. Wenn das Geld die Volkswirtschaft nicht verlasen kann, bleibt es in ihr, womit die Geldmenge steigt. Es würden dann ja beispielsweise weniger Euros in Yen oder Dollar umgetauscht. Und Deutschland gehört im Ramen der Kapitalbilanz zu den größten Kapitalexporteuren.
Geld eines Währungsraumes verlässt diesen nie, außer es würde im Ausland anstelle der dortigen Landeswährung benutzt, weil diese z.B. stark inflationiert ist. (Die DM kursiert bis heute in manchen Balkanländern) Ansonsten kann Geld in andere Währungen getauscht werden, um so auf den dortigen Märkten aktiv zu werden. Damit ist das Geld aber nach wie vor im Land, es hat nur ein anderer in Händen. (Der Tauschpartner hat es nun) Die Geldmengensteuerung erfolgt ausschließlich über die ausgabeberechtigen Banken (EZB, Bundesbank). Unkontrollierte Inflation findet immer dann statt, wenn Geld zwar angenommen werden muss, die Weitergabe aber im Ermessen des Einzelnen liegt. Ich bitte bei diesem gedanken zwischen der öffentlichen Einrichtung Geld und der durch das in Geldwerten ausgedrückten Leistungserbringung des Geldhalters zu unterscheiden.
Die Gestaltung des Geldsystems ist eine wichtige Aufgabe. Die wichtigste Erkenntnis sollte sein, dass das Geldsystem gestalt-und veränderbar ist. Und genau das sollte nach Jahrtausenden des Stillstandes in Angriff genommen werden.
@ Spiegelfechter:
“die Haushalte, deren marginale Konsumquote fast bei 1 liegt, würden dieses Geld sehr zeitnah wieder in die Wirtschaft zurückbringen”
Die dahinterstehende Überlegung (hohe Konsumquote = hohe Konjunkturwirksamkeit) löst bei mir zwei Fragen aus:
1. Warum lässt man dann nicht den Staat direkt konsumieren? Die Konsumquote liegt dann sicher bei 1, und der Konsum kann zielgerichteter in z.B. beschäftigungsinstensiven Branchen anfallen? Warum macht man den “teuren” Umweg über die Kleinverdiener (Effizienzverlust durch doch wahrscheinlich geringfügig niedrigere Konsumquote und geringere Steuerungsmöglichkeiten)? Wenn man streng der Konsumquotenlogik folgt, ist das eigentlich nicht zu erklären, oder doch?
2. Mal ganz grundsätzlich: Letztlich können die Wirtschaftssubjekte definitionsgemäß ihr Einkommen nur für Konsum oder Investition verwenden. Daraus folgt, daß eine höhere Konsumquote eine niedrigere Investitionsquote nach sich zieht. Die gesamte Umverteilungsüberlegung (angedeutet z.B. in den Beiträgen 10. und 12.) fusst also darauf, daß die Konsumnachfrage eine stärkere Konjunkturwirkung auslöst, als die Invesitionsnachfrage. Das ist meines Wissens nirgendwo belegt und auch logisch nicht einwandfrei zu eklären.
Testfrage an Spiegelfechter und die anderen Diskussionsteilnehmer: Wenn sich wissenschaftlich fundiert ergäbe, daß die Investitionsnachfrage stärker konjunkturwirksam sein sollte als die Konsumnachfrage, würden Sie dann ein Umverteilungsprogramm “von unten nach oben” (also von Konsumquote zu Investitionsquote, von “Arm” zu “Reich”) mit Verweis auf Keynes begrüßen? Oder, deutlicher ausgedrückt: Geht es Ihnen um Keynes, weil Sie von der Richtigkeit der Keynesianischen Theorie überzeugt sind (absolute Einkommenshypothese, Nichtgeltung des Say’schen Theorems, etc…), oder geht es Ihnen zuerst um Umverteilung, die dann passenderweise (?) keynesianisch begründet wird? Im letzteren Falle führen wir dann nämlich keine ökonomische Diskussion mehr, sondern eine politische, und dann können wir uns die ökonomischen Argumente auch gleich sparen…
An 29 jopa:
Zu 1: Das könnte man natürlich tun, aber warum nicht mit dem Konjunkturproblem gleichzeitig ein enormes gesellschaftliches Problem mildern: Die zu hohe Armut in manchen Bevölkerungsschichten. Der “Konjunkturverbesserungsverlust” durch deren Sparquote dürfte ziemlich gering sein.
Zu 2: Doch, das ist ein ganz logischer Zusammenhang, wenn man nicht das globale Gesamtsystem betrachtet, sondern die Sicht des Landes Deutschland einnimmt. Investitionen werden nun einmal hauptsächlich im internationalen Finanzmarkt getätigt, wovon Deutschland wenig hat. Das ist beim Konsum (vor allem der ärmeren Bevölkerungsschichten) eben gerade nicht so. Dieses Geld landet viel eher im Binnenmarkt.
Wie funktioniert eigentlich solch ein ominöser internationaler Finanzmarkt? Zupft man dort seine Gewinne aus den schicken Nadelstreifen heraus? Oder wo kommen die her? Oder wird dort gar kein Gewinn gemacht, sondern nur inverstiert, weil es schick ist, sein Geld auf einem internationalen Finanzmarkt zu verbrennen, anstatt es sinnvoll zu investieren?
@ Spiegelfechter:
Alleine mit der marginalen Konsumneigung armer Haushalte zu argumentieren, ist m.E. zu einfach gedacht.
Denn was passiert mit dem Geld, wenn es nicht umverteilt wird?
Es wird zu einem Teil von Reichen verkonsumiert, der Rest gespart. Das, was gespart wird, wird wiederum zu einem Teil im Inland, zum Teil im Ausland investiert. Nachfrage nach Investitionsgütern ist aber auch Nachfrage.
Dazu kommt dann noch die Tatsache, dass natürlich bei beiden Gruppen immer nur ein Teil der Konsumausgaben (und Ausgaben für Investitionsgüter) im Inland “verbleibt”, gespartes und im Ausland investiertes Geld aber Kapitalerträge einbringt. Das ist doch schon bilanztechnisch unvermeidbar.
Zu guterletzt kann man jetzt noch den Wohlfahrtsverlust mit einberechnen, der durch die zur Umverteilung nötigen Besteuerung oder Verschuldung anfällt (das Argument “das Geld ist ja da” ist Blödsinn, danach wäre eine Staatsquote von 1 bei unendlicher Verschuldung optimal; ansonsten wäre es aus Sicht des Staates besser dafür zu sorgen, dass das Geld “nicht da” ist, wenn sie verstehen).
…und über die Frage, ob Politiker das Konjunkturprogramm ideal gestalten würden, brauchen wir doch nicht ernsthaft zu diskutieren, oder? Kann mich nicht erinnern, dass das schon mal passiert wäre.
Was die USA vormachen, muss nicht optimal sein, amerikanische Politiker wollen auch gewählt werden. Die USA können sich so etwas im Gegensatz zu Deutschland aber leisten.
Grüße,
F.Alfonzo
@Spiegelfechter (26)
Ach so. Ich hatte deinen unter (16) geschriebenen Satz “Wenn im Lande erzielte Gewinne im Inland investiert werden müssten, würde dies beispielsweise zu Inflation führen.” dann wohl etwas laienhaft interpretiert. Erzielte Gewinne kann ich mir nämlich nur als in einem Geschäft erzielten Gewinn vorstellen.
Wenn das nun nicht so ist, verstehe ich gar nichts mehr.
Inflation Kapitalexport/-import
Stimmt. War meine eigene, auf Gesetzen simpler Logik beruhende Schlussfolgerung. Aber vermutlich fehlen mir da viele Prämissen und der Umkehrschluss ist doch nicht logisch.
Der Preis für die Stunde wäre mir egal – wenn ich mehr Geld verfügbar hätte. Aber ich sehe dann eben ein, dass Nachhilfestunden für meine Tochter volkswirtschaftlich unvernünftig sind. (Oder ist dieser Umkehrschluss wieder unzulässig?)
400 Milliarden. Wo auch immer.
Das stimmt wohl.
@Spiegelfechter
Das dürfte so nicht ganz stimmen.
Die Damen und Herren, die sich da zusammengefunden haben, dürften wirtschaftspolitische Maßnahmen befürworten, die den von dir gewünschten so sehr entgegenstehen, dass du sie entweder zu deutschen “Gartenzwergökonomen” machen oder ihnen die Zugehörigkeit zur wissenschaftlichen Elite verweigern musst. Was von beiden nimmst du?
Nein, das weiß ich nicht. Auch wenn die beiden von dir genannten 2001 den (geteilten) Nobelpreis bekommen haben, reicht das wohl nicht aus, eine “Mehrheit” zu konstatieren. Becker (1992), Buchanan (1986), Smith (2002) und Mundell (1999) stehen jedenfalls auf McCains Unterstützerliste… Der letzte (2006) derart ausgezeichnete Makroökonom war übrigens Edmund Phelps.
Aber “vollkommen anders” stimmt sowieso nicht. Wahrscheinlich wären die meisten überrascht, wie einig sich z.B. ein Stiglitz und ein Sinn in den grundlegenden Punkten sind.
Sie wechseln den Besitzer. Was nichts ändert.
@ 30 (Karsten):
1: Womit wir beim Knackpunkt wären. Im Rahmen der oben geltend gemachten Logik wäre es rein ökonomisch betrachtet eben doch sinnvoller, den Staat direkt konsumieren zu lassen, mag der Verlust durch die geringfügig niedrigere Konsumquote auch noch so klein sein (ist er das?) Die beschriebene “zu hohe Armut” in den genannten Schichten ist ein rein politisches Argument, kein ökonomisches.
Es deutet sich also doch das an, was ich schon im ersten Post unterstellte: Es geht nicht um eine optimale Wirtschaftspolitik, es geht um Sozialpolitik. Insofern ist dann auch der Vorwurf an Glos (“Schmalspur-Keynes”) aus der Luft gegriffen, da es den meisten Teilnehmern hier genauso wenig um Keynes geht wie Herrn Glos – oder nicht? Bitte um Aufklärung.
2: Das behauptest Du pauschal, es wäre aber noch zu belegen. Zum einen können wir eine ganz enge Korrelation zwischen Ersparnis und inländischer Investition beobachten (naheliegender Zusammenhang, da die meisten Inlandsinvestitionen mit inländischem Eigenkapital finanziert werden dürften), zum anderen muß die Wertschöpfung des Inlandskonsums auch nicht notwendigerweise im Inland anfallen: Wenn die Leute z. B. billge T-Shirts aus Fernost kaufen, ist der Wertschöpfungsanteil im Inland sehr gering, es findet zwar formal ein Inlandskonsum statt, aber ein Großteil der Nachfrage fließt dann doch über Umwege ins Ausland ab. Zusätzlich Arbeitsplätze, wenn überhaupt, entstehen in China.
Generell impliziert diese”Konsumquoten-Theorie” einige putzige Schlußfolgerungen: Ganz illustrativ war eine Untersuchung über die inländischen Arbeitsplatzwirkungen unterschiedlicher Automodelle durch den Autopapst Dudenhöfer: Wer etwas für den Arbeitsmarkt tun will, kauft also keinen Porsche (vergleichsweise geringer inländischer Wertschöpfungsanteil), sondern einen MB SL. Generell gilt übrigens, daß bei teureren Konsumgütern der inländische Wertschöpfungsanteil höher ist. Dementsprechend konsumieren die “Reichen” also zwar relativ weniger, dafür wäre ihr Konsum aber “wertvoller”, da stärker konjunkturwirksam. Also doch besser Umverteilung “von unten nach oben”?
Zu 32: (SF war gefragt, ich erlaube mir aber mal, meinen Senf dazuzugeben)
Der Teil im Ausland dürfte signifikant größer sein, da das Geld sehr bald bei einer Bank/Investmentfond landet und solche Institutionen investieren global. Davon kommt zwar ein Teil auch wieder nach Deutschland, aber der Anteil ist wohl aufgrund der geringen Größe Deutschlands im Vergleich zur Welt sehr gering.
Und wie hoch sind diese Erträge im Durchschnitt? 5% der Summe? 10%? 15%? Und werden diese Erträge nicht zum größten Teil gleich wieder reinvestiert?
Und zudem: Bei Konjunkturprogrammen geht es um die _kurzfristige_ Belebung der Konjunktur. Da helfen langfristige Zinsgewinne nicht viel.
Das Ganze ist wohl so eine Art Mischkalkulation. Eine momentane Verschuldung (was im Übrigen gar nicht unbedingt stattfinden muss, man könnte ja z.B. auch einfach nur die nächste Steuersenkung aussetzen oder verschieben) soll für eine Abschwächung einer Rezession sorgen und damit im Endeffekt auch für mehr Steuereinnahmen.
“Ideal” ist doch nicht das einzig denkbare Ziel. Es reicht doch, wenn am Ende für die Gesellschaft eine positivere Entwicklung herauskommt als ohne Konjunkturprogramm.
Für diese Aussage hätte ich gerne eine Begründung.
@ Spiegelfechter:
Mich stören an Ihrer Argumentationskette 2 Bereiche,
1. Sie unterstellen dass Harz IV Empfänger nicht mit Geld umgehen können indem Sie Annehmen das Sie sämtliche Transferzahlungen komplett Konsumieren werden.
Meiner Meinung würde ein nicht unerheblicher Teil der Harz IV Empfänger ihre Sonderzahlung aufsparen um beispielsweise Ihr Kind mal mit auf Klassenfahrt schicken zu können oder auch um sich mal einen neuen Kühlschrank kaufen zu können sollte der Alte seinen Geist aufgeben. Die Konsumquote wird also mitnichten annähernd 1 sein
2. Wir befinden uns nicht in einer geschlossenen Gesellschaft.
Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister, wir sind auch Importeuromeister. Soll heißen, dass ein nicht unerheblicher Teil des deutschen Konsums ins Ausland fließt und so aus der Multiplikatorwirkung bereits nach der ersten Iteration verschwindet. Den Kühlschrank, welcher der Harz IV Empfänger kauft wird nicht in Deutschland hergestellt.
Gerade bei den unteren Einkommensschichten die bei nahezu jedem Konsum auf den Preis als wichtigstes Entscheidungskriterium achten (müssen) wird die Quote der im Ausland hergestellten Konsumgüter entsprechend Groß sein.
My 2 cents
@Boche
Du hast ihn schon so “um”interpretiert, wie es Deiner Intension entspricht. Ob eristische Dialektik hier irgendjemanden weiterbringt, mag ich allerdings bezweifeln.
Das will ich nicht ausschließen; zumal die Erzielung von Gewinnen nichts mit der Unterscheidung zwischen Kapital- oder Warenbilanz oder der eigentlichen Frage zu tun hat.
Keinesfalls – die Kontraposition zu einer Implikation ist nur dann vollziehbar, wenn die hinreichenden Bedingungen dies zulassen. Das ist nicht immer der Fall, aber das weißt Du ja ganz genau.
Vermutlich
Sind sie das? Ein fairer Preis ist der, den der Käufer bereit ist zu zahlen und zu dem ein Verkäufer bereit ist ohne Zwang abzugeben.
Dies ist keine zufriedenstellende Antwort.
@37 chthon
Das ist zumindest in Teilen sicher auch möglich – die Sparquote bei einer zusätzlich verfügbaren Geldsumme sinkt allerdings mit dem sonstigen Einkommen des Wirtschaftssubjekt. Ob sie wirklich gegen 0 geht, mag idT angezweifelt werden. OK.
Schon richtig, nur dass auch bei einem importierten Artikel der Gros der Kaufsumme im Lande bleibt. Marketing, Distribution, Einzelhandel, Steuern etc. pp.. Ich würde mal schätzen die Preisspanne zwischen einem Kühlschrank ohne Zoll und ohne Steuern ab Hamburg Hafen und dem Endpreis im Media Markt dürfte rund 200% sein.
Der Spiegelfechter schlug vor:
Das Geld soll dann sicher wieder mal von den »Besserverdienenden« genommen werden. Klar ausgedrückt also von denen, die ein jährliches Bruttoeinkommen ab etwa 50.000 Euro haben. Was spricht denn eigentlich dagegen, den Leistungsträgern aus der Mitte der Gesellschaft mal etwas zurückzugeben, anstatt sie noch mehr zu belasten?
Nach Ihrer Theorie spricht dagegen, dass dann womöglich ein gewisser Anteil gespart würde. Aber Sparen hat immer ein Ziel: größere Anschaffungen, Studium, Urlaub … Also würde der Konsum wahrscheinlich später erfolgen. Und während dieser Zeit kann das Geld natürlich investiert werden, es ist also nie wirklich aus dem Wirtschaftskreislauf verschwunden. Investitionen schaffen auch Arbeit.
Nehmen wir aber mal einen Augenblick an, dass das Geld wirklich ausgezahlt würde. Dann würden wahrscheinlich die Preise für bestimmte Warengruppen [beispielsweise in den großen Elektronikmärkten] steigen. Wenn jemand das Geld »geschenkt« bekäme, würde ihn das nicht sehr schmerzen. Wenn er das Geld aber erarbeitet hätte, würde er seine Kaufentscheidung verschieben und auf einen Zeitpunkt mit einem besseren Preis hoffen. So würden andere Leute kaufen, aber es würde wohl kaum mehr gekauft.
Auch einen ALG-II-Empfänger kann man nicht dazu zwingen, von seinem schönen Scheck Waren aus Deutschland zu kaufen. Er kann nach Frankreich, Belgien, Polen oder in die Tschechische Republik fahren, er kann auch importierte Waren kaufen. Dann wird unser schönes
StrohfeuerKonjunkturprogramm ganz woanders Wärme spenden ;-)Zu 35 jopa:
Sicher, das habe ich nicht bestritten. Da es bei jedem politischen Eingriff (und nur die Politik kann solche Änderungen vornehmen) um die Verbesserung der Situation für die Gesellschaft gehen sollte und nicht um die Verbesserung der Ökonomie um ihrer selbst Willen, sehe ich da auch kein prinzipielles Problem.
Nein, es geht um beides. Warum sollte man das trennen? Mit der beschriebenen Methode könnte man eben zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Zunächst kann ich nicht für den SF sprechen. Aber mir geht es nicht um eine beinharte Befolgung der keynesschen Lehren, sondern um eine Verbesserung der Situation für die Gesellschaft. Und da kann man eben manchmal Keynes-Instrumente sinnvoll ansetzen und manchmal auch andere. Je nach Situation. In Deutschland haben wir jedenfalls seit Jahren eine enorm schwächelnde Binnenkonjunktur, und da bietet sich momentan eben Keynes an.
Das kann ich nicht, ich bin auch nur ein Amateur-Ökonom. Vielleich kann da der SF weiterhelfen (so er denn überhaupt übereinstimmt).
Gibt es dafür Belege? Das finde ich nicht so einsichtig.
Ein sehr großer Teil der Wertschöpfung findet im Handel statt. Der ist durchaus auch im Inland. Und bei Dienstleistungen dürfte die Wertschöpfung fast ganz im Inland sein.
Was die Reichen konsumieren, konsumieren sie jetzt auch schon. Das wird nicht signifikant mehr, auch wenn sie mehr Mittel bekommen. Diese zusätzlichen Mittel dürften fast vollständig investiert werden.
Die USA haben übrigens kein Programm gestartet, das den Sozialhilfe-Empfängern einmalig mehr Geld zur Verfügung stellt. Man hat dort (laut dem verlinkten taz-Artikel) an schätzungsweise 117 Millionen Haushalte Schecks mit Beträgen zwischen 300 und 1.200 Dollar verschickt. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass diese Rückzahlung von Steuern nach der Leistungsfähigkeit gestaffelt wurde: wer mehr Steuern gezahlt hatte, bekam auch mehr Geld zurück.
Dagegen spricht, dass es Armut gibt.
Immer? Keinesfalls. Woher kommen denn dann die Riesensparvermögen. Was wollen diese Leute kaufen? Das Empire State Building? Natürlich wird das Geld _irgendwann_ ausgegeben. Das hilft bei kurzfristigen Konjunkturproblemen und Rezession aber nicht weiter.
Ja, aber die Frage ist, ob das in Deutschland geschieht oder anderswo.
Das ist für das Ziel der kurzfristigen Konjunkturbelebung nicht gerade gut.
Also, die Leute haben mehr Geld, die Waren werden teurer, das Geld sitzt locker in der Tasche (da nicht hart erarbeitet). Und dann wird nicht mehr gekauft? Wie kommt man auf die Schlussfolgerung?
Kann er nicht, da er seinen Wohnort nicht ohne wichtigen Grund verlassen darf…
@ 41 (Karsten):
“Verbesserung der Situation für die Gesellschaft” “zwei Fliegen mit einer Klappe”
Was eine Verbesserung wäre, liegt bei solchen Fragen stets nur im Auge des Betrachters. Das mit den zwei Fliegen mit eienr Klappe stimmt so aber nicht: Entweder, man optimiert das Konjunkturprogramm und verzichtet auf die “soziale” Komponente, oder man betont diese, und nimmt einen konjunkturellen Abschlag hin. Die beiden Ziele stehen hier diametral zueinander. Willst Du Konjunktur oder Soziales? Wenn K, dann können wir über Konjunkturpolitik diskutieren. Wenn S, dann brauchen wir gar nicht mehr ökonomisch zu argumentieren, sondern können gleich allgemein unspezifisch über Gerechtigkeit schwafeln…
“Gibt es dafür Belege? Das finde ich nicht so einsichtig.”
Ja, gibt es. Das Problem: Ich sitze am Arbeitsplatz und habe im Moment nicht die Zeit, die Untersuchungen zu zitieren…
“Ein sehr großer Teil der Wertschöpfung findet im Handel statt. Der ist durchaus auch im Inland.”
Stimmt teilweise durchaus. Der Haken ist nur: Das meiste davon entfällt auf den Außenhandel, Marketing, etc. Das sind aber vergleichweise (human-)kapitalintensive Branchen, bei denen vergleichsweise wenige höherspezialisierte Arbeitskräfte tätig sind. An den Problemfällen im Arbeitsmarkt geht diese Nachfrage vorbei, sie dürfte vor allem zu Einkommenszuwächsen bei ohnehin relativ gut verdienenden Spezialisten führen.
“Was die Reichen konsumieren, konsumieren sie jetzt auch schon. Das wird nicht signifikant mehr, auch wenn sie mehr Mittel bekommen.”
Damit unterstellst Du eine Grenzkonsumquote von 0, das wird so kaum der Fall sein. Und wie gesagt: Ich bezweifle auch, daß eine höhere konsumquote automatisch zu höherem BIP-Wachstum führt.
Grundsätzlich zeigt sich hier ohnehin, daß die ganze Frage der konjunkturellen Wirksamkeit solcher Umverteilungsprogramme an bestimmten Annahmen bzgl. der Konjunkturwirksamkeit des jeweiligen Konsum- oder Investitonsverhaltens hängt – und da diese Annahmen schwer zu überprüfen und abzuschätzen sind, steht also die ganze Konsumquoten-Theorie in meinen Augen auf eher wackeligen Füßen.
Diese ganze Debatte vermeidet man übrigens, wenn man tatsächlich wie oben beschrieben den Staat direkt konsumieren lässt – und sich die Umverteilung an die “Armen” schenkt. Aber offensichtlich geht es hier eben doch zunächst um Sozialpolitik, die dann keynesianisch bemäntelt wird – wie gesagt, keinen Deut besser als der Müllermeister aus Franken…
Zu 44 jopa:
Aber nur, wenn man auch solche Betrachter einbezieht, die nicht die gesamtgesellschaftliche Verbesserung im Blick haben.
Wenn man einen (in meiner laienhaften Einschätzung geringen) Abschlag hinnimmt, stehen die Ziele diametral zueinander? Das ist eine ganz schön schwarz/weisse Sichtweise, oder? Mir scheint, es geht dir um eine theoretische Diskussion um die optimale (und wirklich nur um die _optimale_) Ökonomie. Ok, aber da bin ich aufgrund meines Amateur-Status nicht der richtige Diskussionspartner. Vielleicht meldet sich ja noch ein Anderer.
Karsten, wenn ich mich zu den Preissteigerungen missverständlich ausgedrückt habe, dann sage ich es Ihnen hier noch mal mit ganz einfachen Worten: Es gibt bestimmte Warengruppen, die im Fall des Spiegelfechter-Konjunkturprogramms verstärkt nachgefragt würden. Im Elektronik-Markt wären das z.B. die Gruppen »weiße Ware« und Unterhaltungselektronik. Dort würden die Preise natürlich steigen. Für die ALG-II-Empfänger wäre das kein Problem, weil sie das Geld ja geschenkt bekämen. Arbeitende Menschen wie ich würden dagegen ihre Kaufentscheidung eher in die Zukunft verschieben (ich kaufe doch nicht zu dem Zeitpunkt, wo der Preis am höchsten ist).
Selbstverständlich dürfen ALG-II-Empfänger (hier: aus Dresden) nach Polen oder in die Tschechische Republik zum Einkaufen fahren [im Volksmund: man fährt »zu den Polen« oder »zu den Tschechen«, um Zigaretten, Kleidung und vieles andere zu kaufen]. Wer hat Ihnen denn den Unsinn erzählt, dass ALG-II-Empfänger nicht in den Nachbarstaat zum Einkaufen fahren dürfen?
Wenn Sie den Arbeitnehmern mit ca. 50.000 Euro Jahreseinkommen Geld wegnehmen wollen, um es an die ALG-II-Empfänger zu verteilen, dann verhindern Sie Konsum auf der einen Seite, um ihn auf der anderen Seite zu ermöglichen. Denn so hoch ist die wirklich langfristige Sparquote in diesem Einkommensbereich wirklich nicht mehr.
@stefanolix
Das Geld “soll” aus dem Steuersäckel kommen, in das alle – je nach Leistungskraft – einzahlen; auch der Niedrigstlohnbezieher, denn auch der zahlt natürlich Konsumsteuern.
Wer will sie denn noch “mehr” belasten? Gegen eine leichte Erhöhung des Spitzensteuersatzes hätte ich zwar nichts, aber darum geht es in diesem Artikel nicht.
Für die Unter-/Mittelschicht stimmt dies meistens. Für die Spitzenverdiener trifft dies allerdings nicht zu – und wenn ich hier von Spitzenverdienern spreche, dann meine ich die oberen 5% und nicht den mittleren Angestellten.
Bloß wo? Natürlich bleibt das Geld im globalen Wirtschaftskreislauf, aber die Frage lautet ja, wie kann ich mit 1 Euro einen möglichst positiven Impuls für die deutsche Volkswirtschaft ausüben, und nicht unbedingt für die Weltwirtschaft. Im letzteren Falle wäre der beschriebene Ansatz sicher nicht die beste Lösung.
Nicht auszuschließen, da ich aber von einer einmaligen Spritze und nicht von Dauersubventionen spreche/schreibe, sollte dieses Phänomen nicht weiter von Interesse sein, da der Preis sich sehr schnell wieder einpendeln wird.
Er kann das Geld auch im Kamin verbrennen oder sich mit dem Scheck einen Joint drehen – der Möglichkeiten gibt es viele, aber wir sollten doch lieber beim Thema bleiben.
@Spiegelfechter (38)
Bitte keine Unterstellungen! Bislang war das Gespräch doch angenehm sachlich, oder?
Ich versteh das nicht mehr, tut mir leid. Ich weiß nicht, was du hier meinst, was du mit den erzielten Gewinnen meintest, die Inflation verursachen, blieben sie im Land … ich bin nun völlig ratlos.
Das sehe ich auch so. Nur verändert der Staat in diesem Bild und in unserem Beispiel mal eben die Preise zu meinen Ungunsten. Das finde ich dann vielleicht unfair. Außer, mir wird erklärt, warum meine Tochter keine Nachhilfestunden zu für mich bezahlbarem Preis verdient. Den sie vor dem Staatseingriff nämlich erhalten hätte.
Das Gesamtbild besteht aber aus dieser Summe. Denn der eine Teil des Transfers – vom Bürger zum Staat – beläuft sich nun einmal darauf. Da Geld ja nicht verschwindet, transferiert der Staat diese Summe also dann irgendwo hin. Ist es für unsere Diskussion entscheidend, wohin im Einzelnen?
Es wird mit dieser Regierung kein ‘Konjunkturprogramm’ geben, oder wenn, dann werden sie uns weitere Unternehmenssteuersenkungen als ein solches verkaufen. Die ganze Debatte ist aber auch schon deshalb gespentisch, weil Wachstum, sprich ‘Konsum ankurbeln’, vielleicht kurzfristig noch einmal etwas ‘Linderung’ bringen würde, aber mittel- und langfristig gar keine Option mehr sein kann. Wir wissen eigentlich ganz genau – auch ohne den ‘Klimawandel’ zu bemühen – dass wir massiv Energie und Rohstoffe einsparen müssen, wenn wir diesem Planeten nicht in immer absehbarerer Zeit den Garaus machen wollen. Wir befinden uns damit im Rahmen dieses Wirtschaftssystems längst in einer unauflöslichen Zwickmühle – sozial bräuchten wir ein geradezu immenses Wachstum, um die sozialen Verwerfungen – Massenarbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung, Niedriglöhne – bei weiter fortschreitender Rationalisierung wenigstens auf ein wieder eingermaßen erträgliches Maß zurückzuführen (von ‘Wohlstand für alle’, gar global, ganz zu schweigen), gleichzeitig können wir uns das schon ökologisch längst nicht mehr leisten, bei ohnehin fraglichem Erfolg. Zwischen Scylla und Charibdis ist kein Durchkommen mehr – Augen zu und drauf heisst die Devise. Wir debattieren so nur noch über die Wahl des Felsens – das aber immerhin leidenschaftlich. :(
Fassen wir mal alles zusammen, was aus meiner Sicht gegen Ihren Vorschlag spricht:
- es würde ein kurzes Strohfeuer entfacht, das kaum einen Arbeitsplatz schaffen würde,
- es würden die einen höher belastet, um die anderen mehr konsumieren zu lassen
- oder es würden Schulden gemacht, obwohl wir schon völlig überschuldet sind,
- die Preise würden kurzfristig steigen, was der arbeitenden Mehrheit die Lust am Konsum verderben würde,
- der Anteil der »deutschen Wertschöpfung« am Konsum kann überhaupt nicht eingeschätzt werden,
- die Armut würde auch nicht bekämpft, weil die Leute ja gerade nicht sparen, sondern konsumieren sollen.
Ich hoffe, dass meine Steuergelder sinnvoller eingesetzt werden ;-)
Man könnte beispielsweise über progressiv berechnete einmalige Steuerrückzahlungen reden, meinetwegen sogar mit einer bestimmten Kappungsgrenze. Aber über 90% der Beschäftigten müssten auf jeden Fall davon profitieren.
Noch eine Anmerkung: Die Unterscheidung zwischen »unserer Wirtschaft« und der »Weltwirtschaft« wird immer weniger relevant. Wir gehören zur Weltwirtschaft. Würden alle nur in ihren Grenzen denken, dann wäre es für uns wesentlich schwerer, etwas zu exportieren. Davon leben wir aber. Je eher man dieses kleinliche Denken in deutschen Grenzen ablegt, desto besser.
Zu 46:
Ah, hatte ich missverstanden.
Früher war das so (zumindest nicht ohne Einverständnis des ARGE-Betreuers). Wie ich eben hier lese
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/06/26/der-deutsche-hartz-iv-empfanger/
ist das inzwischen offenbar wieder aufgehoben.
Ich habe nicht gesagt, dass man dieser Einkommensklasse Geld wegnehmen solle. Es gibt auch noch deutlich höhere Einkommensklassen.
“Aber nur, wenn man auch solche Betrachter einbezieht, die nicht die gesamtgesellschaftliche Verbesserung im Blick haben.”
:-)) Da müsste man sich lange streiten, was denn nun eine “gesamtgesellschaftliche Verbesserung” wäre. Vielleicht etwas pareto-optimales? Nein, im Ernst: Kein Mensch kann sicher sagen, was eine gesamtgesellschaftliche Verbesserung wäre, niemand. Insofern hat auch niemand die gesamtgesellschaftliche Verbesserung im Blick…
Komm jetzt bloß nicht auf die Idee, Deine persönliche Meinung zum gesamtgesellschaftlichen Optimum hochzustilisieren!
“Wenn man einen (in meiner laienhaften Einschätzung geringen) Abschlag hinnimmt”
Tja, ist er wirklich gering? Du unterstellst es, niemand weiß es. Es könnte ja auch sein, daß dieser Abschlag riesig groß ist, und die Wirkung der Ausschüttung gen Null geht?
Wie gesagt, meine Ausgangsfrage war ja auch: Wenn sich der Autor hier für einen “großen Keynesianer” hält (jedenfalls im Vergleich zu Herrn Glos), warum wählt er dann nicht die keynesianisch optimale Lösung? Und die Antwort ist offensichtlich: Genausowenig wie Herrn Glos geht es ihm wirklich um Keynes, sondern um politische Ziele. Man bewegt sich also auf dem gleichen Niveau – etwas boshaft formuliert: “Schmalspur-Keynesianer” unter sich…
Aber danke für die Antworten.
Zu 50:
Bei einem Konjunkturprogramm zur Rezessionsverhinderung geht es doch eher um die Vermeidung von Arbeitsplatzabbau bis der nächste Aufschwung da ist. Und diesen Zeitraum könnten Strohfeuer evtl. überbrücken.
Denkbar wäre eine höhere Belastung nur bei denjenigen, die so viel Geld haben, dass sie trotz der Zusatzbelastung ihren maximalen Konsumrahmen ausschöpfen.
Kann sich dennoch rechnen. (Und ausserdem: Was heißt überschuldet bei einem Staat?)
Eingeschätzt werden von kundigeren Menschen evtl. schon, aber wohl nicht genau bestimmt.
Dann ist ein Mensch mit 100k Euro Jahreseinkommen arm, wenn er alles verkonsumiert?
Davon haben die Armen gar nichts, denn die zahlen keine Steuern.
@Karsten: Am Wochenende durften ALG-II-Empfänger schon immer in die beiden Nachbarstaaten fahren und dort florierten dann die Geschäfte. Der Regierungsbezirk Dresden grenzt nun mal an Polen und Tschechien, die Nahverkehrstarife sind sehr günstig und die Fahrtstrecke ist sehr schön. Ich wette, dass [bezogen auf unsere Gegend] sehr viel Geld aus dem Geschenk an Einkommensschwache nach Polen oder Tschechien fließen würde.
In den deutlich höheren Einkommensklassen sind mit Sicherheit nicht einfach mal diese acht Milliarden Euro zu holen, die der Spiegelfechter einfach verteilen möchte. Zumindest nicht ohne volkswirtschaftliche Folgen. Aber das wissen Herr Lafontaine und die anderen Befürworter solcher Steuererhöhungen natürlich auch. Deshalb haben sie ja den Begriff »Besserverdienende« geprägt — und meinen damit praktisch immer Arbeitnehmer ab 50.000 Euro Bruttoeinkommen.
Zu 52 jopa:
Nö, habe ich nicht vor. Aber ich behaupte einfach mal, dass alle Massnahmen, die die Arm-Reich-Schere nicht (wenigstens langfristig) verkleinern, dem gesamtgesellschaftlichen Optimum nicht zuarbeiten. Einen wasserdichten Beleg habe ich dafür nicht, sorry. Aber IMO ergibt sich das schon aus dem vielzitierten gesunden Menschenverstand.
“IMO ergibt sich das schon aus dem vielzitierten gesunden Menschenverstand.”
Und genau den halte ich für sehr gefährlich…
@Jopa: Ein ausgewachsener Keynesianer würde sein Programm natürlich noch mit neuen Krediten finanzieren. — Und er käme überhaupt nicht auf die Idee, mal bei Bastiat über die Folgen solcher staatlichen Eingriffe nachzulesen ;-)
@Karsten: Dein gesunder Menschenverstand in allen Ehren: aber diese Schere kann man auch dadurch etwas schließen, dass man den Einkommensschwachen ganz unbürokratisch bessere Zuverdienstmöglichkeiten gibt. Was zur Zeit noch auf den Monat begrenzt ist, könnte man zum Beispiel mit 12 multiplizieren und auf ein ganzes Jahr beziehen. Man könnte diese Betrag auch auf eine runde Summe erhöhen. Das würde mit Sicherheit dazu führen, dass Arbeit angeboten und nachgefragt würde.
@all: Wir müssen uns wohl von der Idee verabschieden, dass man mit einem einzigen Instrument das Gute und das Richtige tun kann. Was immer wir mit diesem Instrument tun: es wird [teilweise absehbare] Risiken und Nebenwirkungen haben. Damit will ich nicht sagen, dass man gar nichts tun sollte. Aber den genialen Vereinfachern wie Lafontaine & Genossen, die ja auch gern solche Programme anbieten, sollten wir schon ganz genau auf die Finger sehen.
So, ich muss mich jetzt leider bis heute abend verabschieden, hier liegt noch eine Menge Arbeit herum und gerade kam auch noch die Post rein. Aber es war sehr nett, mal die Meinungen ausgetauscht zu haben. Jetzt weiß ich wenigstens noch genauer, warum ich gegen solche Geschenkprogramme bin ;-)
Zu 56 jopa:
Bedeutet das, dass du den Satz “Alle Massnahmen, die die Arm-Reich-Schere nicht (wenigstens langfristig) verkleinern, arbeiten dem gesamtgesellschaftlichen Optimum nicht zu.” als nicht gültig ansiehst? Wenn ja, würde ich gerne die Begründung hören.
Und was mich noch interessieren würde: Hat nichts, was man nicht mit _eindeutigen_ Zahlen o.ä. belegen kann, eine Relevanz? Empirie ist unnütz? Einschätzungen?
Zu 57 stefanolix:
Klar. Das es keine anderen Möglichkeiten gibt, hat ja auch keiner behauptet.
Es ging ursprünglich um Konjunkturförderung. Die Aussage, auf die du dich beziehst, bezog sich aber auf die aus der “von unten nach oben”-Umverteilungstheorie von jopa entstandenen Diskussion. Das hat nur indirekt miteinander zu tun.
Kann ich voll und ganz unterschreiben und ich bin mir sicher, das sieht auch der SF nicht anders. Der Artikel hat zumindest IMO keine widersprechende Aussage.
Den Weg zu diesem Gedankenschluss hast du aber wohl nur im Kopf vollzogen, uns mitgeteilt hast du ihn jedenfalls nicht (was du ja auch nicht musst, wenn du nicht willst). Oder sollte ich da etwas überlesen haben?
@58 (Karsten):
1. Frage nach dem gesellschaftliches Optimum:
Ein entschiedenes Jein. Letztlich liegt das gesellschaftliche Optimum stets im Auge des Betrachters. Ein irgendwie objektives gesellschaftliches Optimum existiert in meinen Augen aber nicht. Insofern würde ich den Satz, bezogen auf GESETZLICHE Maßnahmen, tatsächlich ablehnen. Da es kein allgemeingültiges gesellschaftliches Optimum gibt, ist die Frage, ob die Maßnahme die Arm-Reich-Schere schließt oder nicht, bedeutungslos – es ist so oder so in Ordnung.
Anders im privaten Bereich: Wenn hier jemand versuchte, diese Welt auf Basis freiwilliger Teilnahme zu verbessern, dann würde ich das tendenziell begrüßen. Mir persönlich würde eine egalitäre(re) Gesellschaft ja auch besser gefallen. Ich würde nur niemals wollen, daß der Staat meine Ideen (oder die anderer Leute) mit Gewalt durchsetzt, daß ist hier der springende Punkt.
2. Empirie
Doch schon, sicher. Diese Welt wird sich mit Zahlen niemals ganz erfassen lassen. Aber wenn es darum geht, Menschen mit Gewalt zu etwas zu zwingen, was sie nicht wollen, dann sollte die Maßnahme, wenn schon nicht vermeidbar, bestens begründet sein, und da helfen Zahlen ganz ungemein. Es ist nicht das Ziel, daß ich ablehne. Es sind die Mittel und Wege dahin.
Zu 59:
Du hast recht, wenn man alle Sichtweisen als gleichwertig akzeptiert. Kann man machen. Wenn man aber den Gleichheitsgrundsatz aller Menschen als Grundprämisse annimmt, gibt es ein objektives Optimum. Nämlich dann, wenn jeder Mensch bei Einsatz seiner vollen Leistungsfähigkeit (von Mensch zu Mensch unterschiedlich und von vielen Faktoren beeinflusst!) den gleichen Lohn erhält. Bei weniger als dem vollen Einsatz entsprechend weniger.
Es gibt eine Reihe von Menschen, die diese Prämisse nicht akzeptieren. Aber nur unter Einhaltung dieser Prämisse ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Ansonsten gibt es auf die eine oder andere Weise eine mehr oder weniger große Störung dieses Friedens.
Ist ein funktionierendes friedliches Zusammenleben überhaupt erstrebenswert? Ich denke die überwältigende Zahl der Menschen dürfte diese Frage bejahen.
Oha, starker Tobak!
Aber eigentlich auch wieder nicht. Denn das ist die pure Wolkigkeit. Wei nämlich will man den subjektiven Wert des “vollen Einsatzes” messen und feststellen?
@ 60 (Karsten):
“Du hast recht, wenn man alle Sichtweisen als gleichwertig akzeptiert. Kann man machen.”
Ich würde sogar sagen, man sollte.
“Wenn man aber den Gleichheitsgrundsatz aller Menschen als Grundprämisse annimmt, gibt es ein objektives Optimum. Nämlich dann, wenn jeder Mensch bei Einsatz seiner vollen Leistungsfähigkeit (von Mensch zu Mensch unterschiedlich und von vielen Faktoren beeinflusst!) den gleichen Lohn erhält.”
Würde ich nicht unterschreiben. Zum einen nicht aus ethischen Gründen (ein solcher Zustand lässt sich nur mit Gewalt herstellen, s.o.), zum anderen nicht aus praktischen Gründen (Durchführ- und Überprüfbarkeit, Anreizwirkung). NB: Der Gleichheitsgrundsatz ist prinzipiell auf die Gleichheit vor dem Recht bezogen, was die staatliche Neutralität gewährleisten soll, auch im Sinne des “alle Sichtweisen als gleichwertig” akzeptieren – ich akzeptiere Deine ja auch.
“Aber nur unter Einhaltung dieser Prämisse ist ein friedliches Zusammenleben möglich.”
Aha. Begründung?
“Ist ein funktionierendes friedliches Zusammenleben überhaupt erstrebenswert? Ich denke die überwältigende Zahl der Menschen dürfte diese Frage bejahen.”
Ja, sicherlich. Wie definierst Du denn friedliches Zusammenleben?
Zu 61:
Es ging um ein theoretisches Optimum. Das das in der Praxis genau wg. solchen Dingen wie du sagst nicht vollständig erreichbar ist, sollte klar sein. Es sollte aber feststellbar sein, ob man sich darauf hin oder davon weg bewegt.
Zu 62:
Nun ja, bei manchen Sichtweisen nur solange sich daraus keine Handlungen ergeben. Oder würdest du jmd. akzeptieren, der die überspitzte Sichtweise “ich töte alles und nehme mir was ich will” auslebt?
Für mich reicht die Freiheit des Einzelnen nur bis dahin, wo die Freiheit des Nächsten anfängt. Dies führt logisch zum Gleichheitsgrundsatz.
Dann musst du den Staat an sich ablehnen. Der macht nämlich genau das.
Ich hätte einen anderen Begriff wählen sollen. Ich denke du weißt, wie es gemeint ist. Kann aber natürlich sein, dass du zu der schon erwähnten Gruppe gehörst, für die das eben nicht Grundprämisse ist.
Weil sonst der Benachteiligte irgendwann auf die Idee kommt, den Zustand zu verändern und den Frieden beendet, indem er in die Freiheit des Bevorteilten eingreift.
Den theoretische Zustand, in dem jeder nicht in die Freiheit von Anderen eingreift.
zu 63:
“Nicht vollständig” halte ich für eine starke Untertreibung. Es dürfte so ziemlich vollständig unmöglich sein, die subjektive Leistungsfähigkeit zu bestimmen und gegen die erbrachte Leistung abzugleichen.
Und deshalb ist die Idee der darauf fußenden Lohngleichheit doch vollkommen irreal.
Zu 64:
Versteh’ mich nicht falsch. Wir reden hier gerade wirklich nur rein theoretisch. In der Praxis dürfte die Umsetzung so schwer sein, dass man sich das nicht zum Ziel machen sollte. Mir würde es schon reichen, wenn die wirklich Reichen so viel von ihrem wirklich enormen Überfluß/Vorteil abgeben würden, das ein menschenwürdiges Leben für alle (möglichst global) erreicht wird. Die globale Produktion reicht dafür IMO locker aus, da bleibt immer noch ein ordentlicher Überschuß, so das die Menschen, denen die Anhäufung von Reichtum Befriedigung verschafft, ihrem “Hobby” weiter fröhnen können. Mit steigender technischer Entwicklung wird es zudem immer noch einfacher werden (bezogen auf die globale Produktion).
Aber die momentanen Zustände halte ich nicht für tragbar und in gesellschaftlichem Interesse halte ich daher (größere) Eingriffe für notwendig. Man kann ruhig anderer Meinung sein, das akzeptiere ich schon, sehe solche Menschen aber natürlich im demokratischen Rahmen als politische Gegner an.
@62 jopa
“Würde ich nicht unterschreiben. Zum einen nicht aus ethischen Gründen (ein solcher Zustand lässt sich nur mit Gewalt herstellen, s.o.), … ”
Das Argument lässt allerdings völlig ausser acht, dass auch der gegenwärtige Zustand nur auf massiver Gewalt beruht.
@64 Boche
“Es dürfte so ziemlich vollständig unmöglich sein, die subjektive Leistungsfähigkeit zu bestimmen und gegen die erbrachte Leistung abzugleichen.
Und deshalb ist die Idee der darauf fußenden Lohngleichheit doch vollkommen irreal.”
Hier analog – auch die gegenwärtige ‘Lohnfindung’ ist vollkommen irreal – auch und gerade bezüglich irgendeines ‘Leistungsgedankens’.
Wen es interessiert, welche Politik Arbeitsplätze schafft. Und wo das Geld aus den erwirtschafteten Leistungsbilanzüberschüssen bleibt.
Und warum Lohnzurückhaltung keine Arbeitsplätze schaffen kann.
siehe
http://www.tvdvring.de
@65:
Ich denke eben nur, dass vage, theoretisch bleibende Ideen leicht zu missbrauchen sind. Zumal, wenn sie Forderungen statt an sich selbst vor allem an Andere (die “Reichen”) stellen.
@66
Die derzeitige Lohnfindung folgt aber (weitgehend) dem Marktprinzip. Und damit bleibt die Entscheidung (weitgehend) der Verhandlung der Individuen vorbehalten.
Mal abgesehen davon, dass dieses Prinzip auch dafür sorgt, dass Leistung (bzw. das, was der Nutznießer dieser Leistung als solche ansieht) belohnt und Nicht-Leistung bestraft wird.
@ 63 (Karsten):
Ich habe das Gefühl, daß sich das hier zu der X-ten Wiederholung einer Grundsatzdebatte auswächst, die ich eigentlich nicht führen möchte, weil man dann zunächst über diverse Begriffe wie Freiheit, Gleichheit, etc. Klarheit herstellen müsste. Darüberhinaus ist das auch nicht Thema dieses Threads, in dem es eingentlich um Konjunkturpolitik geht / gehen sollte.
Es ist zwar beliebt, aus der fachlichen Diskussion in die nebulöse Welt wolkiger Grundsatzdebatten zu flüchten, wo man mit schön klingenden Begriffen herrlich abstrakt über GOTT und die Welt philosophieren kann, ohne sich mit der traurigen Realität und ihren ganz profanen Problemen befassen zu müssen, aber leider auch sehr unproduktiv und etwas -naja- billig. Wenn Du noch einen Beitrag zu Fragen und Problemen der Konjunkturpolitik hast, würde ich mich freuen, ansonsten wünsche ich einen schönen Abend.
@ 66 (Peinhard):
Habe ich den gegenwärtigen Zustand irgendwo verteidigt?
Ich glaube aber auch nicht, daß wir je eine Welt ohne Gewalt erleben werden, so funktioneren Menschen nun einmal in der Realität nicht. Ein Zustand mit möglichst minimaler Gewalt würde mir daher schon reichen, aber den sehe ich in der von Karsten (ja bereits als illusorisch) beschrieben Zielsetzung nicht. Aus Gründen der Gewaltminimierung würde ich versuchen, sämtliche Verteilungsfragen staatsfern zu regeln. Wenn der Staat für sie zuständig ist, steigt die Versuchung, die vorhandene staatliche Gewalt in der Auseinandersetzung zu nutzen, was dann das “Gewaltniveau” erheblich steigern wird. Solange der Staat nur darauf achtet, daß die Individuen möglichst gewaltfrei miteinander interagieren, und sich selbst der Debatte enthält, hätten wir in meinen Augen das niedrigste realisierbare Gewaltniveau…
Ansonsten habe ich mich zum Thema “Grundsatzdebatten” ja bereits geäußert.
@68
“Die derzeitige Lohnfindung folgt aber (weitgehend) dem Marktprinzip. Und damit bleibt die Entscheidung (weitgehend) der Verhandlung der Individuen vorbehalten.”
Wenn’s nicht so traurig wär würd ich lachen.
@69
Es wäre bzw ist aber höchste – allerhöchste – Zeit, eben nicht mehr nur über ‘Konjunkturprogramme’ zu reden, sondern gerade über Grundsätzliches (siehe auch mein Beitrag #49).
@70
Die gegenwärtige Gewalt besteht in erster Linie in der Fortschreibung der historischen (gewaltsamen) Trennung der Menschen von ihren Produktionsmitteln. Die ‘Verteilungsfragen’ dem solcherart entstandenen ‘Markt’ zu überlassen statt einem wenigstens noch irgendwie demokratisch legitimierten Staat hiesse gerade den Bock zum Gärtner zu machen. 2% der Weltbevölkerung besitzen inzwischen gut 50% dieser Erde – das davon ausgehende Erpressungs- und damit Gewaltpotential ist ungeheuer. Und diese Konzentration wird gerade in der sich erst anbahnenden Krise noch einmal zunehmen, wie bisher noch jedesmal. Das Ziel ist für mich aber auch nicht ein ‘Superstaat’, sondern im Gegenteil eine gemeinsame Gestaltung aller Bereiche in freier Verabredung (und damit auch Aufhebung der Trennungen).
@ 71 (Peinhard):
“Es wäre bzw ist aber höchste – allerhöchste – Zeit, eben nicht mehr nur über ‘Konjunkturprogramme’ zu reden, sondern gerade über Grundsätzliches.”
Nö. Erstens glaube ich nicht, daß das Ergebnis der Debatte eine Verbesserung darstellte, und zweitens halte ich diese Position offen gesagt für Hysterie (auch und gerade Beitrag #49). Wer immer noch nicht begreifen will, daß es der Menschheit noch nie so gut ging wie heute, mit dem machen Debatten keinen Sinn, weil man sich noch nicht einmal über die Fakten wird einigen können. Schönen Abend!
@71
Nein, mit jemandem, der ‘gut gehen’ mit einer Warenansammlung verwechselt und dazu noch übersieht, dass sie eh nur einer Minderheit wirklich zugänglich ist, ‘macht’ es wohl keinen Sinn. Gute Nacht…
Zu 68 Boche:
Erstens, woher weißt du denn, dass ich nicht reich bin? Zweitens ist das ein rhetorischer Trick. Da die Reichen die für sie überflüssigen und an anderer Stelle fehlenden Ressourcen haben, an wen soll man denn bitte die Forderungen stellen? An die, die nichts haben? Sehr witzig.
Frage: Wie soll beispielsweise jmd., der sich sein Leben lang hauptsächlich mit der Montage von Autoteilen beschäftigt hat, in einer wirtschaftlichen Verhandlung gegen jmd., der gelernter Verhandler und in manchen Fällen auch noch intelligenter ist, nicht unterliegen?
Der freie Markt bevorteilt bestimmte Menschen auf extreme Weise.
Zu 69 jopa:
Du bist derjenige, der anfing, aus der einfachen Tatsache “warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen” eine Grundsatzdiskussion zu machen, indem er den Nutzen von einer wirtschaftlichen Verbesserung von Geringverdienenden grundsätzlich in Zweifel zog und eine Konzentration auf die ökonomische Sicht als einzig berechtigte definierte. Jetzt so zu tun, als hätte ich mich aus Erklärungsnot (was falsch ist) in “wolkige” und unkonkrete Phantasiegebilde zurückgezogen finde ich ehrlich gesagt ziemlich unredlich.
Zu 72:
Selbst wenn diese Aussage in ihrer Absolutheit stimmen sollte, was ich anzweifle (insbesondere, wenn man die ganze Welt heranzieht und nicht nur Deutschland), so stimmt die Aussage relativ an der globalen Gesamtproduktion (an dessen Entstehung gerade die einfachen Menschen den wohl größten Anteil haben) auf _gar_keinen_Fall_.
@48 Boche
Natürlich
Wenn Kapital nicht abfließen kann, muss es innerhalb der VW investiert oder konsumiert werden; dies erhöht die Geldmenge, ohne die reale inländische Produktion in gleicher Form zu erhöhen -> Inflation. Zumindest ist dies die volkswirtschaftliche Lehrmeinung.
Das ist klar – es lässt sich nun mal nicht immer eine Win-Win Situation hinbekommen, die jeden zufriedenstellt.
Schon der alte Aristoteles wußte aber, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile ;-)
Aber natürlich – zumindest dann, wenn man die volkswirtschaftlichen Effekte diskutiert. Die Mieteinnahmen, die Vermieter beispielsweise als Transferleistung für ALG-II Mieter bekommen, haben eine ganz anderen Effekt auf die VW, als die direkten Zahlungen an die ALG-II Empfänger. Und dies ist nur ein Beispiel.
@50 stefanolix
Direkt lässt sich dies freilich nicht in “Arbeitsplätzen” messen, aber der Effekt würde sicher auch Arbeitsplätze sichern, wie es ein konjunktureller Schub immer tut.
Jein – es gebe ja keine Zusatzbelastung. Außerdem ist Konsum ein wichtiger Faktor für die Einkommen derjenigen, die Du wohl als “Belastete” siehst – außer sie arbeiten in einem Bereich, der 100% nichts mit inländischer Nachfrage zu tun hat, aber das sind zumindest in der “freien Wirtschaft” nur sehr wenige.
Sind wir das? Wenn ich Gesamtschulden von 60% meines Jahresgehaltes hätte und über Sicherheiten noch und nöcher verfügen würde und einen “unkaputtbaren” Cash-Flow hätte, würde ich mich keinesfalls als überschuldet bezeichnen.
Das ist ein kühne Vermutung, die so kaum zutreffen würde.
Ah ja? Lies mal vergleichbare Studien, die Paul Krugman über die Krise Japans verfasst hat – diese lassen sich recht ordentlich auf D adaptieren, auch wenn es sicher landesspezifische Unterschiede gibt.
Richtig! Durch Konsum wird die Armut bekämpft. Das ist paradox? Keinesfalls ;-)
Das denke ich mir *rolleyes*
Auch möglich, nur würde dies nicht zum richtigen Zeitpunkt den gewünschten Effekt auslösen, sondern zeitversetzt. Und wer weiß, was im Sommer 2009 opportun ist?
Dies ist mE ein weitverbreitetes Mißverständnis. Schaue Dir doch nur die amerikanische und die deutsche VW an. Die USA leben und lebten vom Konsum. Ohne den amerikanischen Konsum, ginge es der deutschen VW wesentlich schlechter (und der Weltwirtschaft sowieso). Deutschland hat das Problem, international äußerst konkurrenzfähig zu sein, ohne dass sich dies großartig auf den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung umschlagen würde, da durch Reallohnrückgänge seit vielen Jahren der Konsum vernachlässigt wurde. Du hast recht – alles hängt zusammen, aber auf eine Art und Weise, die einfache Wahrheiten nicht mehr gelten lässt.
@54 stefanolix
Aber sicher! Schau Dir nur die Steuerstatistiken an – gibt es online beim BMF, ich habe gerade keine Zeit, das nachzuschlagen. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf altes Kohl-Niveau, oder eine Vermögensbesteuerung nach internationalem Vorbild, wäre kein “rote Revolution”, auch wenn die “INSM-Büttel” dies nahelegen ;-)
@diverse Diskutanten
-> Gleichheit und gleiche Löhne
Es kann nicht erstrebenswert sein, dass es für jeden gleiche Löhne gibt. Menschen sind verschieden, haben verschiedene Begabungen und leisten verschiedene Arbeiten. Innovation treibt die Gesellschaft an und Innovation entsteht zuförderst durch Anreize. Was kann ein besserer Anreiz sein, als ein wirtschaftlicher Vorteil?
Wir leben allerdings in einer Gesellschaft, in der es wesentlich mehr Konsumenten als Produzenten gibt und das ist ja auch gut so. Durch ein hohe Arbeitsteilung und eine hohe Rationalisierung der Prozesse, gibt es einen großen Anteil (die Schätzungen reichen von 15 bis 75%) von potentiell Werktätigen, für die es keine bezahlbare(!) Tätigkeit in unserer Gesellschaft gibt. Als Konsumenten werden diese Menschen aber unbedingt gebraucht, um den allgemeinen Wohlstand zu sichern. Der Weg kann also nur eine sinnvolle Beschäftigungsform für diese Menschen sein, die sowohl die Würde wahrt, als auch ein Einkommen gewährleistet, dass sie an der Gesellschaft teilhaben lässt. Dies so ziemlich das wichtigste Problem, dem sich Politik und Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten stellen müssen, wollen wir nicht den Kit, der die Gesellschaft zusammenhält, schmelzen lassen. Die Folgen kann keiner von uns wollen – egal, ob er “ALG-IIer”, “Normal-/Besserverdiener” oder ein Mitglied der sogenannten Eliten ist.
Zu Karstens Anforderungen an die Armen und die Reichen: Es gibt ja nicht nur materielle Anforderungen. Es gibt auch die Anforderung, sich beruflich zu bilden oder bestimmte Fähigkeiten (wieder) zu erwerben. Es gibt die Forderung nach Eigeninitiative. Es gibt die Anforderung, Aufgaben pünktlich und ordentlich zu erledigen. Natürlich hat der Arbeitgeber dann seinerseits die Pflicht, die Arbeit pünktlich und leistungsbezogen zu bezahlen.
Selbstverständlich haben auch gutverdienende Arbeitnehmer und wirklich Reiche in einer Gesellschaft bestimmte Pflichten, aber sie tragen ja jetzt schon den größten Anteil der Lasten des Sozialstaats. Wenn starke Schultern schon mehr tragen, muss man nicht auch noch draufschlagen.
Der Spiegelfechter schrieb: es lässt sich nun mal nicht immer eine Win-Win Situation hinbekommen, die jeden zufriedenstellt. Wenn dem Beispiel aus den USA gefolgt würde (einmalige leistungsbezogene Rückzahlung von Steuern), dann würden viel mehr Leute gewinnen.
Zu den Forderungen nach Gleichmacherei sage ich nichts weiter, als dass dieses Streben immer in einer sozialistischen, kommunistischen oder stalinistischen Diktatur enden wird und dass diese Diktatur alles andere als Gleichheit herstellen wird. Das hat die Geschichte ja nun eindrucksvoll gezeigt.
PS: Den Kommentaren 76 und 77 widerspreche ich später am Abend oder morgen, jetzt ruft erst mal das Privatleben ;-)
Zu 78 SF:
Das sehe ich nicht ganz so. Zum einen, wer schon einmal einen echten Wissenschaftler oder Künstler in Aktion gesehen hat, der weiß, dass es deutlich mehr Anreize für Innovationen gibt als nur ein wirtschaftlicher Vorteil. Das beste Beispiel ist wohl dieses Blog. Welchen wirtschaftlichen Vorteil hast du denn für die ganze Mühe? Oder hast du hier für die Zukunft schon Werbung geplant?
Zum anderen sagte ich bereits, die Löhne sollten nur gleich sein bei vollem Einsatz. Den ist keineswegs jeder bereit zu leisten. Daher würden die besonders Fleissigen dennoch belohnt.
Drittens: Wie gesagt, das ist nur die wohl auf sehr weit absehbare Zeit unumsetzbare Theorie.
Beim Rest stimme ich aus praktischer Sicht völlig zu. Schön formuliert. Wobei, es fehlt noch der Hinweis auf den dringenden Bedarf einer enormen Bildungsoffensive, um die 15%-75% zu verringern und mehr Menschen eine bessere Beschäftigung und Perspektive zu geben als Richtersendungen anzusehen.
Zu 79 stefanolix:
Ja, aber ich denke, dass es da im großen Stil eher an Möglichkeiten als am Willen der Betroffenen fehlt.
Ist deine Schlussfolgerung aus diesen Extrem-Erfahrungen, dass das andere Extrem zu den “richtigen” Ergebnissen führt? In der Nähe zu dem anderen Extrem befinden wir uns nämlich und gehen weiter darauf zu. Wenn man da gegensteuert, bewegt man sich natürlich wieder in die Richtung, die bei Übertreibung zu den Dingen führt, die du beschreibst. Kann man nicht vor der Übertreibung stoppen? Oder dürfen wir vor lauter Angst vor Stalin keinen einzigen Schritt mehr in diese Richtung machen, egal wie weit wir uns auf der anderen Seite befinden?
@78 Spiegelfechter
“Als Konsumenten werden diese Menschen aber unbedingt gebraucht, um den allgemeinen Wohlstand zu sichern. Der Weg kann also nur eine sinnvolle Beschäftigungsform für diese Menschen sein, die sowohl die Würde wahrt, als auch ein Einkommen gewährleistet, dass sie an der Gesellschaft teilhaben lässt.”
Dann schlage ich mal ‘Konsumarbeit’ vor und melde mich freiwillig. Mal im Ernst – findest du nicht, dass die Argumentation mal wieder Kopf steht bzw ein Zeichen dafür ist, dass die Wirtschaft längst Kopf steht? Wir brauchen (weiteren) Konsum, damit wir unseren Wohlstand sichern? Wozu? Und um wessen Wohlstand weiter zu sichern müssen wir uns eine Unterkaste zulegen, die gerade noch so zumutbar beschäftigt und entlohnt wird? Damit die anderen weiter 40 Stunden arbeiten und ein ‘normales’ Leben führen können? Was soll das?
@Karsten Bier
Es gibt auch Ansätze jenseits einer Polarität von ‘Marktfundamentalismus’ und ‘Stalin’. Um nur mal einen zu nennen:
http://peerconomy.org/wiki/Deutsch
Parecon mit seinem Ansatz von ‘effort and sacrifice’ ist dir ja wahrscheinlich eh schon ein Begriff… ;)
@ 82 – Peinhard
du triffst den nagel auf den kopf ;)
mir wurde schon von einer politikerin ernsthaft gesagt, dass unser wohlstand flöten gänge, wenn das wirtschaftswachstum zurückgänge:
diese real-life-parodie ist einfach herrlich..
Zu 82 Peinhard:
Ich glaube, aus Sicht der Marktfundamentalisten ist das Stalin…
Zumindest würden sie sowas wohl genauso bekämpfen.
@84 Karsten:
Konzepte wie Parecon, peerconomy, “Selbstverwaltung”, etc. sind einer Marktwirtschaft grundsätzlich umsetzbar (und werden, wenn auch in sehr geringer Zahl ausprobiert). Theoretisch ließen sich die Konzepte auch in einer stinknormalen Marktwirtschaft fast beliebig ausdehnen, wenn genug Leute am selben Strang ziehen.
Im Gegensatz dazu ist Eine Gesellschaft die nach einem Konzept wie Parecon modelliert ist, indem das Privateigentum abgeschafft ist, kein Platz mehr für marktwirtschaftliche organisierte Unterstrukturen – und am Ende steht die Knute für jeden der versucht welche zu errichten.
Daher kann man aus “marktfundamentalistischer” Sicht bereits aus so grundsätzlichen Überlegungen (ohne auch nur ein Wort über die tatsächliche Funktionsfähigkeit solcher Konzepte im größeren Rahmen zu verlieren) sowas ablehnen.
Da muss man Stalin nicht bemühen für. Wäre mir persönlich auch zu billig.
Gut reichlich, theoretische Diskussion. Fiel mir gerad noch schnell dazu ein als ich hier über die Diskussion gestolpert bin.
PS: “Marktfundamentalist” ist man in diesem Land doch schon, wenn man vorschlägt das Schornsteinfegermonopol abzuschaffen. Anscheinend gibts keine Graustufen mehr.
@85 googlehupf
“Im Gegensatz dazu ist Eine Gesellschaft die nach einem Konzept wie Parecon modelliert ist, indem das Privateigentum abgeschafft ist, kein Platz mehr für marktwirtschaftliche organisierte Unterstrukturen – und am Ende steht die Knute für jeden der versucht welche zu errichten.”
Diese Zwangsläufigkeit sehe ich eigentlich nicht, da ich davon ausgehe, dass solche Strukturen letztlich sowohl für Produzenten wie Konsumenten (‘Prosumenten’) attraktiver sein werden, der ‘Privatunternehmer’ also Schwierigkeiten haben dürfte, erstens Leute zu finden, die sich an seine Maschinen stellen und/oder zweitens solche, die neben dem Produkt auch noch einen wie immer gearteten Gewinn zu ‘bezahlen’ bereit sind. Natürlich könnte eine Gesellschaft auch beschliessen, dass Privateigentum an Produktionsmitteln und damit Lohnarbeit im heutigen Sinne ‘verboten’ würden. Abgesehen davon dass das ebenso ‘ihr gutes Recht’ wäre wie es das Recht dieser Gesellschaft ist, eben diese Form von Eigentum zu heiligen, wäre die Freiheitsbeschneidung durch Untersagung *dieser Form des Privateigentums* abzuwägen gegen die Freiheitsbeschneidung, die die Verallgemeinerung desselben nach sich zieht, also der dadurch bedingte systemische Zwang für einen Großteil (bzw die überwältigende Mehrheit), ihre Arbeitskraft zu verkaufen und unter fremde Disposition zu stellen.
@ 86 – Peinhard
privatbesitz entstand mit dem raub (privare), also durch die gewalt.
annahme: ohne gewaltausübung kein privatbesitz.
umsetzung: weltweites umdenken von der dialektischen weltanschauung zum mit-, statt gegeneinander -> allgemeiner bewußtseinssprung nötig
schlussfolgerung: nicht ohne zwischenschritte umzusetzen (anm.: ähnelt sehr dem kommunistischen gedanken).
frage: wie sollten diese zwischenschritte konkret aussehen?
@Jens
Her mit der immobilienblase! das hast Du doch wohl nicht gemeint? Von Amerika lernen heißt siegen lernen! das doch wohl auch nicht … oder? Der Link auf den taz-Artikel zeigt ja, dass es so wohl doch nicht geht! Und: Lass’ Alan Grünspahn ruhen!
Daher: Durchschnittliches aus Deiner Feder zur gegenwärtigen Situation und zu möglichen (Aus-)Wegen. Schade, dass man die Konjunktureinflussfaktoren nicht einfach an- und ausknipsen kann, wie die Nachttischlampe :) – und mit Prognosen, zumal wenn sie die Zukunft betreffen sollen …
Die unteren Einkommensbezieher und Familien müssen dauerhaft besser unterstützt werden! Ich hoffe, da kommt ‘ne politische Mehrheit zu Stande – dat isses ja am Ende!
Beste Grüße
Vogel
Keynsianische Politik hört sich in der Theorie immer sehr plausibel an, allerdings ist nicht ein Fall bekannt, in dem man sie richtig angewendet hätte. In konjunkturell schlechten Zeiten Geld ausgeben ist gut, es belebt die Wirtschaft und erzeugt Wachstumsdynamik. Allerdings bedeutet keynsianische Wirtschaftspolitik auch, die in schlechten Zeiten auf Pump finanzierten Geschenke in guten Zeiten wieder einzusparen, was bisher in noch keinem Land der Welt geschehen ist. Im übrigen sollte man sich sowohl an den USA wie auch am IWF und der Weltbank nicht wirtschaftspolitisch orientieren. Die Liste der Staaten, die mit derlei Rezepten geradewegs in den Bankrott geführt wurden ist lang.
Letztlich eine Korrektur: Die Inflation trifft einen H4-Empfänger nicht stärker als jeden anderen Bürger auch. Das ist Theatralik oder was auch immer, aber keine seriöse Ausführung.
@Hajo
Nun, die US-Haushaltspolitik zu Clintons Zeiten hat dies beispielsweise geschafft. Und es gibt noch zig andere Beispiele.
Öhm, Inflation ist nun leider aber nicht “gleich” im Bezug auf alle Güter. Und da sich das Ausgabenprofil von Armen, Normalen und Reichen ja doch deutlich unterscheiden kann, wirkt die Inflation teilweise sehr unterschiedlich. Würden beispielsweise die Preise für Nahrungsmittel und Energie besonders stark steigen, würden die “Armen” diese Inflation deutlich stärker spüren als Normale oder Reiche.
“Öhm, Inflation ist nun leider aber nicht “gleich” im Bezug auf alle Güter. Und da sich das Ausgabenprofil von Armen, Normalen und Reichen ja doch deutlich unterscheiden kann, wirkt die Inflation teilweise sehr unterschiedlich. Würden beispielsweise die Preise für Nahrungsmittel und Energie besonders stark steigen, würden die “Armen” diese Inflation deutlich stärker spüren als Normale oder Reiche.”
Völlig richtig – aber warum ‘würden’…? Die Inflation bzw Teuerung dürfte für einen HatzIV-Haushalt bereits deutlich im zweistelligen Bereich liegen. Diesen interessiert nur wenig, dass im ‘Warenkorb’ enthaltene Dinge wie Fernseher und Notebooks sogar einem Preisverfall unterliegen. Das geht aber in die offiziellen inzwischen auch schon 3,x% munter mit ein.