Wie Gorbatschow die Macht gewann, sie nicht nutzte, und später verlor
geschrieben am 24. August 2010 von Spiegelfechter
ein Gastbeitrag von Andreas Fecke mit einem Interview aus dem Jahre 2000 mit Alexander Jakowlew, einem der engsten Berater und Vertrauensperson Gorbatschows.
Vor 25 Jahren wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU, vor 20 Jahren bekam er den Friedensnobelpreis. An die “Gorbi”-Euphorie insbesondere in Deutschland erinnern sich ältere Semester sicherlich – allerdings ist, wer 1985 20 Jahre alt war, heute 45. Und schon während der Gorbatschow-Jahre war die allgemeine deutsche Presseberichterstattung (die Platitüden einiger westlicher kalter Krieger ausgenommen) weniger auf die russisch-sowjetischen Hintergründe ausgerichtet als auf die Außenwirkungen von Glasnost und Perestroika.
Was wissen wir darüber, wie interessant ist das noch? Ist Gorbatschow heute für uns noch (oder war er es je?) ein “richtiger Russe” (oder Kommunist) oder eher ein Alien in der langen Reihe der Zaren, Lenins, Stalins, Chruschtschows, Breschnews und nunmehr Putins, in der sogar Jelzin kraft seiner Wodkaliebe und “russischen Bärenhaftigkeit” seinen Platz eroberte?
Dieser Artikel präsentiert in deutscher Übersetzung ein Kommersant-Interview aus dem Jahr 2000 mit Alexander Jakowlew, einem der engsten Berater und Vertrauensperson Gorbatschows. Die Zeitung “Kommersant” wurde 1990 mit dem Ziel qualitativer Arbeit zu Politik und Wirtschaft gegründet, war kritische Begleiterin der letzten Gorbatschowjahre, der Jelzinjahre und ist es seitdem weiterhin.
In den nächsten Tagen wird ein mein russischer Freund und Co-Übersetzers Andrey Komov ein Nachwort zu diesem Interview schreiben, das zusammen mit einer abschließenden Betrachtung Jens Bergers hier erscheienen wird.
Er wollte die Partei um den Finger wickeln
Vor fünfzehn Jahren wählte die Vollversammlung des Zentralkommitees der KPdSU Michail Gorbatschow auf den Posten des Generalsekretärs. Einer seiner damaligen engsten Verbündeten, das Mitglied der Akademie der Wissenschaften Alexander Jakowlew, erzählt dem Korrespondenten der Rubrik “Briefe von der Macht” der Zeitung Kommersant, wie es Gorbatschow gelang, diesen Posten zu bekommen, wie er seine Macht nicht nutzte, und wie er sie schließlich verlor.
Originaltext: “Он хотел обвести партию вокруг пальца”
Übersetzung von Andrey Komov und Andreas Fecke,
französische Übersetzung
“Michail Sergejewitsch ist ein ausreichend vorsichtiger Mann”
Alexander, wie gelang es Gorbatschow, den Posten des Generalsekretärs zu bekommen
Und wenn ich Ihnen jetzt die Wahrheit erzählen würde?
Das wünsche ich mir.
1983 ernannte man mich zum Direktor des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen (IMEMO) der Akademie der Wissenschaften. Für Gorbatschow wurde das IMEMO rasch seine wichtigste wissenschaftliche Organisation. Zwischen Michail Sergejewitsch und mir herrschte vollständiges Vertrauen. Nach dem Tod Andropows im Februar 1984 wurde, wie sie sich erinnern, der schwer kranke Tschernenko Generalsekretär. Die Frage der Macht blieb offen. Aber zu jener Zeit verleugnete Gorbatschow natürlich, dass er diesen Posten anstrebte. Und er unternahm keine sichtbare Aktivität, um ihn zu bekommen.
Hatte er in diesen Tagen nicht versucht, Werbung für sich zu machen? Ich hörte, er liebte es, im Kreise der Mitglieder des Politbüros mit seinen Kompetenzen zu glänzen …
Was meinen denn sie! Michail Sergejewitsch ist ein ausreichend vorsichtiger Mann. Der Generalsekretär lebte noch. So schwach er auch war, seine Macht war so groß, dass er bei einem geeigneten Anlass die radikalsten Entscheidungen hinsichtlich Gorbatschow hätte treffen können. Obwohl Michail Sergejewitsch mit seinem Verhalten, seiner Energie und seiner Gelassenheit jeden sehen ließ, dass sein Charakter das Risiko von etwas Neuem, Ungewohntem eingehen würde. Und er ließ die Parteielite, unsere Gerontokraten, hören, dass Gorbatschow ein Mann einer neuen Generation war, dass er aber einer der ihren bliebe, ein Mann der alten Schule.
Mit anderen Worten: bis zum Tod Tschernenkos hat Gorbatschow keinen Vorwand geliefert, ihn der Machtambitionen zu verdächtigen?
Als der Gesundheitszustand Tschernenkos im Dezember 1984 allgemein sichtbar wurde, gab es dann seitens Gorbatschows gleichzeitig zwei Demonstrationen seiner Bereitschaft zur Macht. Zunächst versammelte er das gesamte ideologische Personal der Partei aus allen Regionen der UdSSR zu einer Konferenz. Dazu gab es aus den Reihen der Parteigänger Tschernenkos stark negative Reaktionen. Für die Presse gab es von Seiten der Macht keine Berichte von dieser Konferenz. Die Chefredakteure, die trotzdem wagten darüber zu schreiben, wurden hart bestraft.
Ich hatte an der Organisation dieser Konferenz teilgenommen, von Anfang bis Ende, und dann an der Erstellung des Berichtes von Gorbatschow. Ich sage nicht, dass dieser Bericht viele neue Ideen enthielt. Wesentlich war aber, dass er nicht viele alte Klamotten enthielt. Das stellte für gewisse Leute eine Verletzung dar.
Als der Gorbatschowbericht fertig war, gab es aus dem Lager Tschernenkos Kommentare. Man warf uns vor, die Rolle der Partei, also Tschernenkos, nicht genug herauszustellen. Michail Sergejewitsch sagte: “Jacke wie Hose. Wir fügen einen Absatz hinzu. Das ist nicht schlimm.” Also haben wir diesen weiteren Absatz geschrieben. Wir änderten aber nichts bezüglich der Bedeutung der ideologischen Arbeit der Partei, wie man es von uns verlangt hatte. Zu der Zeit war das eine Sensation. Es war, als hätten wir aus dem Vaterunser die Hälfte der Worte weggelassen. Damals war das ein sehr harter Schlag.
Desweiteren fand im selben Dezember Gorbatschows Reise nach England statt und sein sehr erfolgreiches Treffen mit Frau Thatcher. Ich war bei dieser Unterredung in kleinem Kreise dabei. Und ich sah, wie die Aggressivität dieser “Eisernen Lady” sich in etwas verwandelte, was mehr als höfliches Interesse war. Die Reise und das Treffen waren ein Erfolg, der den sowjetischen Führungsspitzen signalisierte, dass hier ein Mann war, den der Westen empfing, der mit dem Westen auf gleicher Augenhöhe sprechen konnte.
Hatten Sie an der Vorbereitung dieser Reise teilgenommen?
Ich möchte meine Rolle nicht übertreiben. Gorbatschows Erfolg beim Treffen mit Thatcher war bei einer anderen Reise vorgezeichnet worden. Die erste westliche Persönlichkeit, die mit ihm sympathisierte, war nicht Thatcher, sondern der kanadische Premier Pierre Trudeau. Gorbatschow kam nach Kanada, als ich dort Botschafter der Sowjetunion war. Sein ungezwungenes Verhalten beeindruckte die kanadischen Führer. Anstelle eines privaten Treffens mit Trudeau gab es drei.
Man muss sagen, dass Gorbatschow ein sehr starker Verhandlungspartner war. Ihm gelang es, Entspanntheit mit Präzision zu kombinieren. Und das machte er virtuos. Er sagte sehr sehr interessante Dinge. Auch wenn man versuchte, wie in diplomatischer Praxis üblich, das Gespräch aufzuzeichnen, bleibt in der Erinnerung doch nur der Schlüsselsatz, auf den Gorbatschow das ganze Gespräch hinlenkte. Ich weiss genau, dass Trudeau den Führern der anderen Länder dann riet, auf Gorbatschow achtzugeben. Schließlich gelang es ihm dann, Thatcher zu erweichen. Das war eine sehr starke Bewerbung für die Macht. Eine internationale Bewerbung.
Wir wollten nicht die Hofnarren sein
Wie haben Sie es also geschafft, aus den Mitgliedern des Politbüros Partisanen von Gorbatschow zu machen?
In den letzten Lebenstagen Tschernenkos, als sein Zustand hoffnungslos wurde, rief Jewgeni Primakow mich an und sagte mir, der Sohn des Außenministers und Politbüromitglieds Andrej Gromyko, Anatoli Gromyko, hätte ihn gebeten, ein Treffen mit mir zu organisieren. “Um Himmels Willen, ja!”, sage ich. Er kommt also, und sagt, als spräche er nur für sich selber, als käme es von ihm (ganz schlau und diplomatisch, wie alle sich gaben), dass sein Vater der Arbeit im Außenministerium müde ist, dass er Michail Sergejewitsch respektiert und dass er ihn das wissen lassen möchte.
Ich gehe sofort zu Michail Sergejewitsch und erzähle ihm alles. Lange denkt er nach, macht unaufhörlich seine Runden im Büro, und entscheidet: “Geh und frage, was dahinter steckt.” Also gehe ich wieder, rufe Anatoli an, der am nächsten Tag wieder erscheint. “Du weisst, Anatoli Andrejewitsch”, sage ich, “wir wollen nicht die Hofnarren sein. Ich meine, pack aus.” Er sagt: “Wenn ich es richtig verstehe, möchte Andrej Andrejewitsch eine aktive Rolle für das Schicksal Gorbatschows spielen. Meinen Vater betreffend glaube ich, dass der dessen Nomination in den Obersten Rat sehr gut akzeptieren könnte.”
Was soll man unter “aktive Rolle” verstehen?
Das bedeutet, dass Gromyko der Erste sein würde, der dem Politbüro Gorbatschow für den Posten des Generalsekretärs vorschlagen würde. Das war sehr bedeutend. In der Breschnew-Ära hatte man alle Entscheidungen einstimmig getroffen. Und niemand würde dem ältesten Mitglied des Politbüros widersprechen.
Also gehe ich erneut ins Zentralkommitee. Erneut diskutiere ich mit Michail Sergejewitsch. Wir prüfen alle möglichen Reaktionen, wir wägen alles ab. Dann erklärt Gorbatschow, dass er, Gorbatschow, die Arbeit des Außenministers Andrej Gromyko schon immer geschätzt hat, ihn sehr respektiert und bereit ist, mit ihm zusammen zu arbeiten, in einem vom Politbüro und der Generalversammlung des ZK der Partei gesetzten Rahmen. De facto war dies sein Einverständnis zum Vorschlag Gromikos.
Am nächsten Tag lade ich Anatoli wieder ein und erzähle ihm alles, Wort für Wort. Er sagt: “Ich habe alles verstanden.” Er geht wieder zu seinem Vater und ruft mich von dort an: “Mein Vater hat alles genau verstanden. Aber, was denken Sie, ist es jetzt nicht Zeit für ein Treffen der beiden?” “Meine persönliche Meinung ist”, antworte ich, “ja, es ist der Zeitpunkt. Sie haben alle Chancen. Schließlich sind sie beide Mitglieder des Politbüros.”
Und besagtes Treffen hat stattgefunden. Ligatschow schreibt in seinen Memoiren, dass er sehr überrascht war, als Gromyko während der Sitzung des Politbüros aufstand und Gorbatschow für den Posten des Generalsekretärs vorschlug. Ich war natürlich nicht überrascht. Sodann wurde Gromyko noch einmal aktiv, mit seiner Initiative der Nominierung Gorbatschows auf der Generalversammlung des Zentralkommitees.
Gab es Widersprüche?
Alle haben ihn unterstützt. Es ist ein Märchen, dass es jemanden mit einer abweichenden Meinung gegeben hätte. Oder dass es andere Kandidaten gegeben hätte, wie Grischin oder Romanov. In der Tat hatten die dienstbaren Geister Grischins für ihn politische Dokumente und Statements vorbereitet – beides für den Generalsekretärsposten. Nach dem Vorschlag Gromykows im Politbüro allerdings beeilte der sich, das Wort zu ergreifen, um die Kandidatur Gorbatschows wärmstens zu unterstützen. Und dann gab es, wie von uns vorgesehen, eine vollständige und einstimmige Unterstützung. Bei der Generalversammlung war es dann dasselbe.
Also verdankt Gorbatschow seine Wahl Gromyko?
Nicht nur. Ich weiss, dass Ligatschow vor der Sitzung des Politbüros erfolgreiche Aktivitäten entfaltet hatte, um die Sekretäre der Regionalkommitees für die Wahl Gorbatschows zu gewinnen. Der wichtigste Faktor ist aber, dass es niemanden sonst gab, den man hätte wählen können. Die Mitglieder des Politbüros wären sich über andere Kandidaten schlicht und ergreifend nicht einig geworden. Romanov? Alle wussten, dass er trank. Grischin? Man mochte ihn nicht. Gerade weil er dachte, er sei nun an der Reihe für den Posten des Generalsekretärs.
Und Alijew?
Nach Stalin wollte man an der Spitze des Landes niemanden mehr sehen mit einer anderen Nationalität als der russischen. Ich glaube, aus diesem Grunde ist seine Kandidatur gar nicht geprüft worden.
Und Scherbitsky, der Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine, der passte auch nicht wegen seiner Nationalität?
Die Elite nahm Scherbitsky nicht ernst. Vor allem, weil er keine theoretischen Arbeiten gemacht hatte. Aufgrund der allgemeinen ideologischen Alphabetisierung liebten die Parteieliten Theoretisches zur Lektüre. Und wenn jemand etwas geschrieben hatte, dann öffneten sich vor Erstaunen alle Münder. Der übliche Komplex ignoranter, halbgebildeter Leute. Also war der Führer selbst auch verpflichtet, einen Beitrag zur “Theorie” zu liefern. Erinnern wir uns: Andropow hatte einen langen Artikel über Marx veröffentlicht. Richard Kosopalow hatte den für ihn geschrieben. Aber was für ein Erfolg! Ich arbeitete zu jener Zeit in Kanada, aber die Bewunderung der Parteieliten für einen “in der Theorie so bewanderten” Führer, die war bis zu uns zu hören.
Also hatte Gorbatschow mit der Organisation der Theoriekonferenz mit diesem Komplex gespielt?
Genau.
Und Ryschkow, war der nicht als Kandidat für das wichtigste Amt angesehen worden?
Nein. Er war damals nur Sekretär des Zentralkomitees. Er hatte Einfluss auf den Verteidigungssektor und hätte sicherlich von seiner Unterstützung profitieren können. Mir scheint jedoch, dass die Führer des militärisch-industriellen Komplexes die Gefahr einer Wahl Gorbatschows noch gar nicht wirklich verstanden hatten. Sie hatten ihr Gespür für die Situation verloren. Sie waren es gewohnt, unter dem väterlichen Schutz der Generalsekretäre zu leben. Vielleicht glaubten sie, dass das ewig so weitergehen würde. Dass man ihnen Geld gab, ohne Rechenschaft einzufordern.
War Gorbatschow also bereit zu solchen entscheidenden Aktionen wie der Reduzierung der Finanzen für den militärisch-industriellen Komplex?
Zu jener Zeit gab es innerhalb der Partei drei Ansichten über die Zukunft des Landes. Drei Strömungen. Die Parteigänger der ersten meinten, die Gesellschaft müsse reformiert werden. Die Anhänger der zweiten Strömung waren einverstanden mit der Notwendigkeit von Reformen, aber sie hatten Angst, diese zu beginnen. Und dann gab es jene, die meinten, überhaupt keine Reform sei nötig. Sie waren für die Restauration, sie meinten, man müsse die Disziplin wieder straffen, und alles würde gut laufen. Anders gesagt, waren sie für eine Art Systemreinigung – mit dem Ziel es zu stärken.
Gorbatschow pendelte zögernd zwischen der ersten und der zweiten Ansicht. Mal war er einverstanden, dass man die Überreste des stalinistischen Totalitarismus zerstören müsse, mal wurde aus ihm ein sehr moderater Reformer. Er verstand sehr gut, dass wir in einer anderen Zeit lebten. Dass man zunächst, unter dem Vorwand einer Verbesserung des Systems, die schwindelerregendsten Absurditäten wegräumen musste. Zum Beispiel die politische Unterdrückung. Das Verhalten gegenüber der Kirche ändern. Nebenbei bemerkt – niemand war dagegen. Er wollte zunächst den Medien begrenzte Freiheit geben. In der Wirtschaft musste etwas getan werden. Er meinte, mit Kooperationen beginnen zu müssen. Für diese Epoche waren das gute, progressive Ideen. Aber wie immer wurde das alles in der Praxis dann verstümmelt.
Viellicht waren aber auch die ewigen Schwankungen Gorbatschows die Ursache des Scheiterns der Reformen?
Ich bin mit ihnen nicht einverstanden über das Scheitern. Alle Grundlagen der gegenwärtigen (2000) Demokratie, des parlamentarischen Systems, der Freiheit des Wortes, Glasnost, wurden in genau jenem Moment gelegt, von uns. Verstehen sie aber die Herausforderung, das Problem: Reformen hingen nicht nur vom Führer ab. Klar, wie Stalin kann ein Führer das ganze Land in Reih und Glied marschieren lassen. Wer nicht mit mir ist, der wandert ins Grab. 1985 und in den Folgejahren gab es jedoch keine fertigen Rezepte für unser Land. Ich erinnere mich gut, wie ich zwei Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, die in den Ansichten mit mir konform gingen, uns halfen, bat, einen öffentlichen Artikel zu schreiben über transformatorische Reformen der sozialistischen Wirtschaft in Richtung Markt. “Na los – sagte ich – macht eine Eulenspiegelei. Ich werde Euch anschließend verteidigen.” Glauben sie, die hätten etwas geschrieben? Nein. Die Angst war noch zu groß. Und hätte es auf einen Schlag Veränderungen gegeben, dann wäre ein neuer Andropow aufgetaucht und hätte gefragt: “Was, bitte schön, habt ihr unter Gorbatschow gemacht?”
Habt ihr zu diesem Zeitpunkt das Land in eine Marktwirtschaft führen wollen?
Wir wollen uns keine Ideen anheften, die wir nicht hatten. Als Metall wertvoller und teurer war als der mit ihm gebaute Traktor, da verstanden alle, dass das nicht normal sein konnte. Dass man in der Wirtschaft etwas ändern musste. Sollte die freie Entwicklung der Preise eingeführt werden? Wir haben das diskutiert. Wir besprachen Preisreglementierungen, die sich der Marktpreisbildung angenähert hätten, ohne Fantasmen zu sein.
Soll das heissen, die Transformation der Wirtschaft begann ohne irgendein Programm?
Während der ersten Etappe hatten wir eine Konzeption, in welche Richtung wir voranschreiten sollten. Beispielsweise war die Dezentralisierung der Wirtschaft notwendig. Aber welche? Davon hatten wir keine Ahnung. Wir verstanden die Notwendigkeit einer Reduzierung des Plansystems. Es war nicht möglich, alles zu planen, bis zum letzten Nagel, bis zu Haarnadeln. Aber dann: auf welches Niveau von Planung die Planwirtschaft reduzieren? Planwirtschaft branchenweise eindämmen? Oder nach Volumen der industriellen Produktion? Regionenweise?
Dasselbe Problem gab es mit der Meinungsfreiheit. In welchem Maß sollte die Presse reglementiert werden? Oder mit dem Parlamentarismus. Was für Wahlen sollte es geben? Bis zu welchem Punkt sollten die Alternativen reichen? Wir hätten konkrete Lösungen gebraucht, aber es gab keine.
Ich schlug eine nicht unbedingt demokratische Machtstruktur vor
Warum fand man die Lösungen nicht, als die Macht vollständig in den Händen des Generalsekretärs Gorbatschow verankert war?
Glasnost, die von uns vollzogene völlige Pressefreiheit, mischte sich ein. Von da an kümmerten sich alle Vollversammlungen des ZK mit egal welcher Tagesordnung vorrangig um ein Thema: die Reaktionen der Presse. Ich erinnere mich an die Vollversammlung über die Wirtschaft. Ryschkow präsentierte den Bericht. Damals waren Berichte normal. Ryschkows Bericht enthielt einige allgemein gehaltene Appelle zu Reformen. Alsdann gab es dazu einen oder zwei weitere Beiträge, und dann ging es los: “die Presse verhält sich nicht gut, Jakowlew hat ihr freie Hand gelassen.” Und dann hat man sehr schnell vergessen, warum man eigentlich versammelt war und man diskutierte nur noch mögliche Pressereaktionen.
Die Parteielite fühlte, dass die Presse sie sterben lassen würde. Ich disputierte unablässig mit Führern aller Ebenen. Unaufhörlich sagte man mir, die Presse diskreditiere die Partei und ihre Führung. Wie versuchte ich, die Situation im Politbüro und in den ZK-Versammlungen zu retten? Ich fragte: “Ist der Zeitungsartikel wahr oder nicht? Hat das so stattgefunden oder nicht? Wenn es Lügen sind, dann werden wir die Redakteure und Publizisten bestrafen, sie entlassen. Wenn es aber wahr ist, wer wird dann bestraft?” Gleichzeitig bat ich die mir nahestehenden Chefredakteure auf Knien: “Jungs, macht keine Fehler! Gebt ihnen keine Vorwände. Vergesst nicht, dass sich auf dem Weg der Reformen, auch der teilweisen Reformen, so ein Monster wie die KPdSU aufhält.” Der Generalsekretär hatte viele Befugnisse, aber er war nicht allmächtig. Er wollte die Partei um den Finger wickeln. Er hat es auch getan. Aber zu spät.
Denken Sie, dass der Fehler bei der Wahl der Reformstrategien gemacht wurde?
Der Kardinalfehler. Man hätte mit der Transformation der politischen Machtstrukturen beginnen müssen. Man hätte Möglichkeiten finden müssen, sich freundschaftlich zu verständigen, die Beleidigungen zu überwinden und man hätte sich in zwei Parteien aufspalten müssen. Schon im Dezember 1985 schrieb ich Gorbatschow eine Notiz über die Spaltung der Partei. Ich schlug eine nicht unbedingt demokratische Machtstruktur vor. Ich dachte, zu jenem Zeitpunkt sollte der Präsident aus zwei Parteien heraus vorgeschlagen und gewählt werden, aber dass die siegreiche Partei dann die Regierung bildet. Gorbatschow sagte aber: “Das ist früh, Sascha, das ist früh.”
Als sich dann 1987 die Frage von alternativen Wahlen innerhalb der Partei stellte, gab es in der Elite ein Schisma. Die Ersten Sekretäre der Regionen bekamen Angst. Sie verstanden, dass sie nicht an der Macht bleiben würden. Und dass dann alles auf ein Parteidebakel hinauslaufen würde. Die Partei ist nicht 1991 eingegangen, sondern ein Jahr zuvor, als man auf dem 28. Kongress ein klar sozialdemokratisch abweichlerisches Programm verabschiedete. Nur unternahm dann Gorbatschows neues Umfeld erneut rein bolschewistische Maßnahmen, denken Sie nur an die Ereignisse in den baltischen Ländern.
Sind Sie deshalb einen anderen Weg gegangen als Gorbatschow?
Einen anderen Weg? Ich konnte mit den Kanaillen, mit denen er sich dann umgab, nicht zusammenarbeiten. Mein harter Konflikt mit dem KGB über seine zukünfitge Rolle im Land ging weiter. Ich war mir sicher, dass sie sich in Richtung Putsch bewegten. Sie hatten keine andere Wahl: unter neuen Bedingungen, in einem demokratischen Staat, hätten all ihre Strukturen in der vorherigen Form sich nicht aufrecht erhalten lassen. Ich schrieb Gorbatschow über all das. Er lachte: “Du übertreibst deren Mut und mentale Kapazitäten.” Letzendlich hatte ich nicht übertrieben. Was passierte, ist sehr gut bekannt. Die schrieben auch an Gorbatschow, auch über mich: dass ich an der Spitze des Komplotts der Intellektuellen Moskaus und Leningrads gegen ihn sei, und andere Dümmlichkeiten.
Ich denke nicht, dass Gorbatschow das geglaubt hatte. Aber plötzlich empfang ich zehn mal weniger Informationen als zuvor, und was ich bekam, war wertloses Papier. Ich habe verloren, der KGB hat gewonnen. Das ist alles. Ich war mit der gorbatschowschen Art der Reformierung der Sowjetunion nicht einverstanden. Ich war für die Konföderation, er bestand auf dem Bundesstaat. Heute (2000) versucht Gorbatschow, die Ereignisse jener Zeiten neu zu überdenken. Ich will nicht als Ankläger sprechen noch als sein Verteidiger. Wir haben zusammen manche Stange Brot gebrochen, wir hatten viele gemeinsame Projekte, und wir haben viele Fehler gemacht. Die Zeit wird uns beurteilen, sie ist der beste Richter.
Übersetzernachwort
von Andreas Fecke: Dieses Interview ist auf dem Umweg einer dritten Sprache, der französischen, ins Deutsche übertragen wurden und daher nicht wörtlich zitierbar. Mein Russisch ist rudimentär, doch mein Freund Andrey Komov verständigen uns in der Arbeitssprache Französisch, die wir beide fließend sprechen; er legt vor, ich schreibe um, er korrigiert meine Fassung. Wir haben das oft so gemacht, entstanden ist hier ein hundertprozentig korrekter Text in Bezug auf Plauderton und Inhalt, aber manche Ausdrücke mögen im russischen Original etwas andere gewesen sein. Immerhin wurde die Übersetzung aber so noch einmal kontrolliert und verbessert.
Das Interview entbährt auf seine Art nicht einer gewissen Komik. Vielleicht hört man ja auch mal solche Zeugnisse aus den ehemaligen inneren Kreisen der SED-Führung, wo es kaum anders gewesen sein dürfte. Aber Gerechtigkeit soll walten: wie laufen solche Nominierungsprozesse hinter den Kulissen wohl in unseren heutigen Parteien ab, den “demokratischen”?
Entstanden ist diese Übersetzung, weil mein Freund Andrey mir den Text zuspielte nach meiner Frage, ob Gorbatschow damals wirklich von der Partei gewollt wurde. Oder ob er wohl, wie bei manchen Papstwahlen in der Geschichte, eine Art schwachbrüstige Notlösung seitens verschiedener gleichstarker Fraktionen war, die ihren Kandidaten nicht hätten durchsetzen können, also einen Hanswurst nach oben brachten, von dem sie glaubten, ihn schnell wieder loswerden zu können. Die dritte Lösung, “sie hatten keinen anderen”, hat mich dann doch überrascht.
Andrey Komov war in den Glasnost- und Perestroikajahren ein geachteter und treibender Redakteur im regime-oppositionellen, außerordentlich populären “Kanal Alternativa” des Leningrader Fernsehens. Wer dieses Interview von Interesse fand, wird mit seinem Essay “Freiheit” (2007) als Anschlusslektüre gut bedient sein, wo er den Zeitraum 1985 bis zu Putin teils spannend erzählt, teils kritisch reflektiert.
Das Interview entstand 2000, als man die Machtübernahme Putins organisierte. Ein weiterer kleiner Text, auf erstaunliche Weise authentisch und historisch, ist (vom 31.12.1999) die allerletzte Fernsehansprache Boris Jelzins, in der er seinem Volk seinen Rücktritt mitteilt.
Andreas Fecke

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Als Initiator und “Moderator” dieses Artikels will ich noch kurz anmerken
- dass wir das hier bringen, einfach weil das Interview interessant ist und wir es interessant finden, hin- und wieder zurückzublicken und zu fragen: was ist daraus geworden? Wie sahen wir das, wie sehen wir es jetzt? Mehr steckt nicht dahinter, es gibt keinen direkten politischen Bezug zur Aktualität, nur eben die beiden Jubiläumsdaten Gorbis. Das Interview erhebt auch keinen Anspruch auf wissenschaftliche historische Aufarbeitung, es ist “nur” ein Interview, allerdings zum interessanten Zeitpunkt gemacht, wo Putin definitiv im Zentrum der Macht installiert wurde.
- dass Teil II noch in Arbeit ist: mein Freund Andrey ist leider zeitlich durch mehrere Jobs eingespannt, schreibt soeben etwa 2 Seiten mir unbekannten Inhaltes, und der Spiegelfechterchef Jens Berger wird seinen Anteil vielleicht erst verfassen, wenn er Komov gelesen hat, den ich übersetzen und gegenlesen lassen muss. Meine Ambitiob für Teil II: ein junger deutscher Politwissenschaftler und Publizist sowie ein alter russischer literarischer Intellektueller blicken auf denselben Punkt, und wir mit ihnen.
Was soll das Ganze also? Nun, Sommerloch. Aber unter all den findbaren Sommerlochgeschichten ist es, denken wir, doch eine sehr interessante, die, hoffen wir, auch Freunde finden wird. Vielleicht ist es auch ein Zeichen, dass Gorbatschow in seinem doppelten Jubiläumsjahr nur noch Sommerlochgeschichten bietet?
- dass drittens Andrey kein Deutsch spricht. Wenn jemand ihm in seinem Blog hinter dem “Freiheit”-Essay einen Kommentar hinterlassen will, bedenke er bitte, dass ich ihm komplizierte deutsche Kommentare zwar übersetze, er aber Französisch, Englisch und per google übersetzbares, einfaches Deutsch selber lesen kann. Ersteres und letzteres gilt auch hier, besonders natürlich im kommenden Teil II.
Auf jeden Fall danken wir schon für Ihr Interesse.
Es scheint momentan nichts Wichtigeres zu geben am Ende des Sommerlochs!
Kann mich aber auch täuschen.
Du täuscht dich leider nicht. Bild war die Steinmeier Nieren Geschichte heute der komplette Politikteil wert und Sarazzin pöbelt mal wieder gegen muslimische Migranten. Ansonsten scheint unseren “Leitmedien” nichts Berichtenswertes einzufallen.
Hätte da noch den Busfahrplan von Königs-Wusterhausen im Angebot.
Sehr interessant! Danke.
Das Interview erzeugt bei mir das Bild eines taumelnden Narren. Vielleicht hätte er sich besser etwas mehr mit der Theorie befasst?
@spiegelfechter, die Sowjetunion war die erste Weltmacht der Geschichte, die ohne militärische Niederlage oder massiven äußeren Zwang in ganz wenigen Jahren kollabierte. Dafür muss es außerordentliche Gründe gegeben haben.
Es gibt mindestens zwei mögliche Antworten. Eine Antwort wäre, dass mit Gorbatschow als kleinste Puppe in der Matrjoschka ein vermeintlich kleiner unfähiger Steuermann an der Spitze des politischen Apparats gelangte, dessen Bewusstsein nur zu einer der niederen Stufen dialektischen Denkens vorgedrungen war, unfähig zur großen Synthese. Falls nun dieser Gorbatschow dazu noch über keine tieferen Wirtschaftskenntnisse verfügen sollte und auch keine wirklich tiefen Kenntnisse politischer Systeme haben sollte, würde er sein Werk mit einer Art Perestroika dilettantisch einleiten, die Kraft zur ökonomischen Reform zerstören und das System irreparabel destabilisieren und eliminieren.
Die andere Antwort wäre, dass an der Spitze des politischen Apparats mit Gorbatschow als kleinste Puppe in der Matrjoschka ein tatsächlich ganz großer Steuermann vom Kaliber Lenins+++ gelangte dessen Bewusstsein (unbewusst) zur höchsten Stufe der Dialektik vorgedrungen war. Dieser Steuermann würde sich z.B. Erde und Mond dialektisch als sich permanent stabilisierendes System vorstellen. Er würde sich nach einem Gespräch mit dieser turbokapitalistischen Frau Margareth Thatcher vorstellen, den Mond aus dem System zu entfernen. Also würde es nur noch die kapitalistische Erde geben. Diese kapitalistische Erde würde dann per Turbokapitalismus beschleunigt in die finale Systemkrise taumeln, dadurch das kapitalistische Weltsystem per Turbo irreparabel destabilisieren und es je nach Qualität der Rettungssysteme in vielleicht 20-25 Jahren zum totalen Systemkollaps bringen. Bis ca 2015 wäre es dann so weit.
Als noch offene Frage verbliebe dann, ob die USA + Kollaborateure als verbleibende Weltmacht des kapitalistischen Weltsystems noch die Kraft der Vernunft aufbringen können, in Ruhe immer schwächer zu werden oder ob diese verbleibende Weltmacht im größten Cash der Historie gewalttätig um sich schlagend kollabiert.
Interessante Geschichte. Manches hab ich schon in einem Artikel im Playboy (wirklich!) irgendwann so 1992 gelesen.
@ Sigmund
” ……….. in einem Artikel im Playboy ….”
Ehrlich ? :-)
Vielen Dank für die Mühe. Sehr spannend, zumal ich gerade Leonhard “Die Revloution entlässt ihre Kinder” gelesenen habe. Die Parteilogik der KPdSU ist für Aussenstehende doch sehr schwer zu begreifen. Das Interview ist ein weiterer Mosaikstein, danke. Dafür verzichte ich auch gern auf Steinmeiers Niere.
Er auch.
Wenn auch aus anderen Gründen.
Tschuldigung, ich konnte nicht anders…
^^
Herrlich geschmacklos. Danke.
Wären Sommerlochveröffentlichung doch immer so interessant.
Besonders aus dem Link:
“Wir hatten … entschieden alles ungeschnitten zu übertragen: keiner konnte sich vorstellen, der Zensor des Generalsekretärs der KPdSU zu werden.
Und doch wurde der Beitrag geschnitten. Wer war der Zensor von Gorbatschow? Das Geheimnis ist bis heute ungeklärt. Unsere Redaktionschefin, die von ihrem Vorgesetzten den Befehl dazu bekommen hatte, erlitt einen Herzinfarkt.”
Der Artikel illustriert die Entfremdung von der “Marktwirtschaft” über einen Zeitraum von Dekaden sehr gut.
Wer nur den Plan kannte und alles dem politischen Willen bzw. der Ideologie unterordnen zu hatte, dem waren die Absurditäten der Planwirtschaft, resultierend aus ökonomischen und politischen Zwängen, zu einer Blick verstellenden Normalität geworden, siehe das Beispiel Traktor im Artikel.
Es fiel allen sicher sehr schwer die vermeintliche absolute Kontrolle aufzugeben und einer ungewissen Zukunft entgegenzusehen.
Danke für den Artikel.
Absolut, und wichtig, was ich soeben erst verstehe, seit es weiter unten (9c und d) auch um Prägung geht. Fazit Ihrer Ausführung: auch die ehrlichen Reformer sind vom alten System geprägt.
Und wir glauben irgendwie immer, sie seien von dem geprägt, was sie schaffen sollen! Und dann kommen irrige Schuldzuweisungen, Leute mit den guten alten Zeiten und Prediger fertiger, unumstößlicher Wahrheiten…..
@ andreas_fecke
Hallo Andreas !
Betrachtesr Du überhaupt Gorbatschow als einen Menschen ?
Das würde ich gerne wissen.
Jakowlew war aber, (obwohl, wie die Russen sagen: ” Über die Toten, entweder was Gutes oder überhaupt nichts”, aber über Jakowlew kann ich überhaupt nichts gutes sagen) bestimmt kein Mensch.
PS. Ist Heute, was besondres passiert, daß Du Gorbatschow aus der Mottenkiste geholt hattest ?
Ich betrachte alle Menschen als Menschen. Bei manchen bedaure ich natürlich, dass es sie gab, was aus ihnen wurde, was sie der Welt beschert haben. Mein “negative Kräfte – positive Kräfte”- Schema dehne ich aber nicht so weit aus, gewissen Personen das Menschsein abzusprechen und damit das Menschengeschlecht besser zu reden als es ist.
Und Gorbatschow gehört für mich nicht zu denen, wo ich es bedaure. Bei all den Übeln, die die Welt heute bedrohen, sollte man nie vergessen, wie sie 1980 ausgesehen hat, was alles hätte passieren können. Den Friedensnobelpreis hatte er verdient. Für mich war das 20. Jahrhundert das der drei großen, extremistischen, hegemonialen, menschenfeindlichen, dogmatischen Ideologien: Faschismus, Kommunismus und Marktliberalismus. Er hat im Machtzentrum der einen die Axt an sie gesetzt, er hat nicht den Arzt am Krankenbett des Sterbenden gespielt, er hat die Kräfte freigesetzt, die die parareligiösen und totalitären Veranstaltungen “sozialistische Weltrevolution” und “sozialistische Staatengemeinschaft”, die sich ein Nichts um die Menschen scherten, für die einzutreten sie vorgaben, dann beerdigten.
Zum Glücke vieler Abermillionen Menschen, die das aberwitzige Dasein nicht mehr weiterführen mussten in einem der absurden Systeme, das überbewaffnet war und die Welt beherrschen (“befreien”) wollte, aber seine Menschen gnadenlos entrechtete, bevormundete, ideologisierte und nicht einmal mit Basisprodukten versorgen konnte. Ich war zwischen 12-1989 und 08-1992 sechs mal in Leningrad (dann Petersburg), insgesamt ca. 6 Monate, und nur unter einfachen Leuten, habe die Wirklichkeit der sozialistischen Endphase und die ersten kapitalistischen “Errungenschaften” dort erleben dürfen, auch fast ohne Geld. Es war der nackte Horror, es waren “afrikanische Verhältnisse” (darf ich als Afrikafreund so sagen) in einem normalerweise sehr reichen, fruchtbaren Land, das zudem historisch zum europäischen Zivilisationskreis gehörte und normalerweise so hätte aussehen müssen wie Frankreich (z.B.) zu jener Zeit.
So wie heute außer Verwirrten, Ewiggestrigen und Schlechtinformierten hier niemand mehr wirklich wieder in einem Nazideutschland leben wollen würde, so will auch in Russland eine riesengroße Mehrheit derjenigen, die es kennen, nie im Leben wieder in dieses System zurück.
Gorbatschow und Jelzin haben den Kalten Krieg beendet, sie haben ein marodes System ohne Blutvergießen gekippt unter dem vollen Risiko, dem Volk kein fertiges Paradies auf den Tisch legen zu können, und die russische Bevölkerung hat die unmittelbaren negativen Folgen dieses Systemwechsels alleine getragen. Wenn der Westen aus dem Ende des Kalten Krieges nichts Besseres hervorgebracht hat als die neoliberale Bereicherungswelle und ihre Geo- und sonstigen Politiken, dann ist das nicht Gorbatschow oder Jelzin anzulasten. Es gab Anfang der 1990er die Möglichkeit, die ganze Welt zu verbessern, und es gab das dafür nötige soziale und ökologische Know-How und sogar das Kapital. Es gab auch Gier, Opportunismus, Selbstbezogenheit und natürlich die letztverbliebene der drei Ideologien.
Nein, heute ist nichts Besonderes passiert, außer dass es für mich kein heute ohne gestern gibt, dass ich den Westen in einer ganz anders erscheinenden und doch ähnlichen Ausblutungssituation sehe wie damals der Ostblock sie hatte (oder am Beginn davon oder am Anfang des Endes) und mir meine Ratschläge gerne aus der Geschichte hole. Beispielsweise glaube ich nicht, dass man Obama beurteilen kann, ohne Gorbatschows Geschichte zu kennen und ohne zu berücksichtigen, dass Obama sie kennt. Aber ich will damit auf keinen Fall noch ein Thema setzen, das Obige reicht doch….
@andreas_fecke
Die Geschichte zeigt die Paralellität, dass sowohl Gorbatschow wie auch Obama wie Popstars als grosse Erlöser, als Personifikation des Guten, aufgebaut wurden; beide erhielten als Friedensnobelpreisträger strahlende Heiligenscheine verpasst.
Um jetzt mal zur Abwechslung etwas philosophisch zu werden: Goethe läßt den Mephisto im Faust sagen: “Ich bin die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.” Wenn nun nach Goethe der Satan die Kraft ist, die stets das Böse will und das Gute schafft, dann ist sein Gegenpol die Kraft, die stets das wirklich Gute will und stets das wirklich Böse schafft. Gorbatschow und Obama wären als gesalbte Friedensnobelpreisträger ganz offensichtliche Verkörperungen des wirklich Guten.
Verkörperungen des wirklich Guten sollen leider häufig die Hoffnung nähren, dass sich die Dinge zum wirklich Guten bessern, z.B. damit etwas richtig Böses passieren kann. Das Böse würde dann vollkommen dadurch, daß “Abermillionen Menschen” die “Schocktherapie in Permanenz” freiwillig herbeisehnen. Dies hat ja schon die “Schocktherapie in Permanenz” in Rußland sechs Jahre im Test live bewiesen, dass “Abermillionen Menschen … das … aberwitzige Dasein nicht mehr weiterführen mussten in einem der absurden Systeme, das überbewaffnet war und die Welt beherrschen (“befreien”) wollte.” Die Rußland die Schocktherapie zum „Guten“ verordneten, saßen zur Auswertung beim IWF, bei den internationalen Großbanken und bedienten sich dabei gewendeter Angehöriger der russischen Nomenklatur.
Wenn nun also Gorbatschows Heiligenschein als gesalbter Friedensnobelpreisträger in Wahrheit nur die “Schocktherapie in Permanenz” vorbereitete, so dürfte Obama mit strahlendem Heiligenschein als gesalbtem Friedensnobelpreisträger -womöglich diesmal im Westen- eine typische Gorbatschow-Rolle zugedacht sein.
Zunächst nur eines: Gorbatschow hatte den Preis immerhin nicht zu Beginn seiner Amtszeit bekommen. Aber ansonsten ist dieser “philosophsche Blick” auf die Parallelitäten wirklich interessant zu lesen. Die sind es, die mich interessieren. Ich hatte kurz nach der Wahl Obamas in meinem Blog mal einen Obamaartikel geschrieben und ihn “Der amerikanische Gorbatschow?” genannt, mich vor allem gewundert, dass unter den tausenden von Leuten, die damals über Obama schrieben, niemand diesen Aspekt gesehen oder für betrachtenswürdig gehalten hatte. (Soweit ich das mitbekam).
Beide sind Vollmitglieder einer politischen Klasse, schaffen es, von außen gesehen scheinbar aus dem Nirgendwoher, überraschend nach oben, in Supermächten. Beide sind aus einer neuen Generation und “irgendwie anders” als die vorherigen Chefs. Beide schaffen es zu einem Zeitpunkt, wo ihren Systemen ihre systemimmanenten, lange angebahnten, verschleierten und mit Zukunftshypotheken bezahlten und vorneweg geschobenen Probleme auf den Kopf zu fallen beginnen. Wo die Wechsel nicht mehr bezahlt werden können. Wo verantwortungsbewusste Leute sogar oben in der Macht zumindest eines genau erkennen: so kann es nicht weitergehen.
Wo Millionen von Menschen daheim und in der Welt enorme Hoffnungen in diese neuen Führer setzen. Beide, denke ich, wollen diese Hoffnungen wirklich erfüllen, untragbare Situationen ändern und bereit zu gewissen Konfrontationen mit den stärkeren anonymen Mächten, beide stoßen als erstes an die Grenzen ihrer doch so großen Macht, und beide haben ein Zeitfenster.
Ich denke, Gorbatschows Zeitfenster war etwa drei Jahre, 85-88, er hat es nur (aber glücklicherweise für den Rest der Welt) in der Außenpolitik genutzt. Verglichen mit Legionen von politischen Führeren der letzten Jahrzehnte hatte er sogar Mut zum Risiko, inklusive persönlichem Risiko. Leider nicht genug, ich denke, Jakowlew hatte Recht, die hätten die KPdSU zuerst in zwei Parteien, eine orthodoxe und eine sozialdemokratische, spalten sollen. Aber wer weiss. Ich denke, Obamas Zeitfenster ist kürzer, mal sehen.
Was ich nicht glaube, ist, dass es Mechanismen gibt, die solchen Politikern “eine Rolle zudenken” (oder anonyme Mächte, die homogen und stark genug dafür sind), eine Funktion, die sie dann nur exekutieren wie ein mechanisches Tanzäffchen, dem man den Schlüssel hinten aufgedreht hat. Ich denke schon, dass das, was tatsächlich passiert, vielen Wechselwirkungen unterliegt, dass nicht nur die Macht immer alles prägt (einschließlich ihres Personals), sondern dass auch Gorbis und Obis Situationen prägen können und selber auch von den Aspirationen der Völker mitgeprägt werden. Das ist allerdings nur ein Glaube, und er bezieht sich auch nur auf außergewöhnliche politische Führer, nicht auf jene, die wir normalerweise so kennen. Die Völker könnten mitwirken und die Möglichkeiten dazu waren nie größer als seit 20 Jahren. Etwas Weitblick, Gemeinsinn und “Mut zur Lücke” würden reichen – genau das was man sich von Politikern wünscht. Aber immer von den anderen…..
@ andreas_fecke
“Betrachtest Du überhaupt Gorbatschow als einen Menschen ?”
Ich hätte diese Frage an Dich nie stellen sollen.
Ich habe einfach vergessen, daß Du (und der witzige @hmm, Komm.11) nicht aus Russland (bzw. SU) kommst und daß Du diese Frage gleich falsch (diese Frage war nicht auf Gorbatschows anthropologische bzw. anatomische Eigenschaften bezogen) verstehen würdest.
Sorry, mein Fehler.
Man muß schon unter Russen (natürlich Otto-Normal-Russen) leben, um diese Frage zu verstehen.
“Den Friedensnobelpreis hatte er verdient”.
Nobelpreis ist für mich schon seit langem kein Maß (Autorität) der Dinge.
Obama ist übrigens auch ein “Friedensnobelpreisträger” :-)
“Er hat im Machtzentrum ………. , für die einzutreten sie vorgaben, dann beerdigten.”
Er hätte das Land reformieren sollen und können, aber genau das hat er, obwohl das Volk das von ihm erwartete, nicht getan (ich könnte stundenlang darüber schreiben, habe aber leider nicht so viel Zeit).
” …… und nicht einmal mit Basisprodukten versorgen konnte.”
Eher nicht versorgen wollte.
” “afrikanische Verhältnisse” ”
Übertreibung total :-)
” ……… und normalerweise so hätte aussehen müssen wie Frankreich (z.B.) zu jener Zeit.”
Ich hoffe, Du glaubst diesen Quatsch nicht.
Die SU (und insbesondere heutiges russische Staatsgebiet) und Mongolei sind die zwei kälteste Staaten auf unserem Planeten.
Frankreich ist im Gegensatz zu diesen beiden Staaten, (klimatischbedingt) ein Paradies.
Egal wie fleißig die Russen arbeiten würden, Frankeich ist bzw. wäre immer im Vorteil.
” ……….. , sie haben ein marodes System ……”
“marodes System” – diese Behauptung ist höchst umstritten.
” …….. ohne Blutvergießen gekippt …….”
Und was ist mit Berg-Karabach, Tadschikistan, beiden Tschetschenienkriegen und Pogromen im kirgisischen Osch-Tal ?
Zu Übersetzung.
Nicht mit Kooperationen, sondern mit Kooperativen.
Kooperative ist eine Form von Genossenschaft.
Die hatten damals ein großes Problem: einerseits wollte man marktwirtschaftliche Innovationen in die Wirtschaft einführen, andererseits traute sich keiner, mit dem Tabu “privates Eigentum auf Produktionsmittel” zu brechen. So lag die Idee mit den Genossenschaften auf der Hand.
Meines Wissens wurde damit auch in DDR experimentiert oder zumindest einiges in der Richtung versucht.
@ COPOKA
Mein Vater war Mitglied einer Kooperative, die in Wirklichkeit eine Illusion war.
Das Problem war, die Kommunisten hatten Schiß vor dem Wort (brrrr) EIGENTUM.
In einer Kooperative (das war die eigentliche Idee der allgeliebten Kommunisten) waren/wären alle Mitglieder gleichberechtigte Eigentümer.
Das funktionierte aber ausnahmsweise auf dem Papier.
Mein Bruder (beispielweise) hat in einem megacoolen Restaurant, das als eine Kooperative galt und geführt wurde, als Keyboarder in einer Band gespielt.
Das Restaurant aber, gehörte einem einzigen Mann (Eigentümer !), der heute übrigens, immer noch ein sehr reicher Mann ist.
Also, alle Welt wußte, daß der Begriff “Kooperative” lediglich so eine Art “Schirm” war.
PS. Die Sowjetunion war nicht aus wirtschaftlichen Gründen zusammengebrochen oder weil sie (wie einige behaupten) den Afghanistankrieg verloren hat (was natürlich ein noch größerer Blödsinn ist).
In Wirklichkeit, brach die Sowjetunion an den diversen LÜGEN (wie diese, über die Kooperativen) zusammen.
Wir sind übrigens hier (in D.) auch auf einem ähnlichen Weg.
Wir werden hier ständig von Lügen umgeben, Lügen und Lügen und ………..
Beides. Die SU war aus wirtschaftlichen Gründen zusammengebrochen, aber das, weil das System auf Lügen, und zwar systematischen, ideologiebedingten Lügen und Selbstlügen, aufgebaut war.
Mit Freude lese ich hier den Satz “wir sind auf einem ähnlichen Weg”, wie auch weiter unten in dem englischen Kommentar. Beweisen kann ich das auch nicht, aber fühlen. Meine persönliche Motivation für solche etwas arbeitsaufwändigen Blicke “über den Tellerrand” und zurück in die Geschichte ist ja, solche Ansätze zunächst unausgesprochen in den Raum zu stellen, möglichst unter Vermeidung expliziter Ismus-Schuldzuweisungen. Die Ismen sind das Problem, also liegen Lösungen woanders, glaube ich.
So bin ich natürlich zufrieden und “entschädigt”, andere Leute dieses Gefühl spontan auch äußern zu hören bei einem Artikel, der auch auf eine Welle von Ablehnung hätte stoßen können a la “was soll denn dieser Mist schon wieder” oder Schlimmeres.
@ andreas_fecke
“Die Sowjetunion war aus wirtschaftlichen Gründen zusammengebrochen …….”
Ja, weil die Partei-Nomenklatura das Land mit voller Absicht in eine Katastrophe geführt hatte.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch war gewollt, von der Nomenklatura.
Die Nomenklatura-Genossen haben schon Anfang 80er, bei ihren Treffen, die künftige Machtverhältnisse aufgeteilt (die KGB-Leute haben die Genossen abgehört und darüber in den 90ern berichtet).
Andropow und Tschernenko waren lediglich als Übergangchefs gedacht, bis der ganze Kuchen aufgeteilt wird.
Gorbatschow wurde von der Nomenklatura an die Macht gebracht.
Seine Kompetenz bzw. sein Format war höchstens für das Regieren einer Kolchose gut, aber nicht für ein solches Land, wie die Sowjetunion es war.
Die Nomenklatura hatte offensichtlich viel Sinn für Humor, daß sie diesen Dummkopf Gorbatschow an die Macht brachte.
Wirtschaftliche Gründe und Lügen hingen zusammen.
Das System ist an der Nicht-Bezahlbarkeit der militärischen/machtpolitischen Anforderungen zusammengebrochen, die dem System vom Westen vorgeben worden. Es wurde zuviel in den militärischen Produktionbereich gepumpt. Ich habe diese hervorragend ausgestatteten Betriebe im Baltikum gesehen, die aber auf Grund der hohen Spezialisierung alle bankrott gegangen sind. Der Gegensatz waren die Betriebe, die für den täglichen Verbrauch produziren mußten – 100 Jahre zurück.
Heute haben die Menschen (vordergründig) mehr Freiheit als vor 20 Jahren , doch wirtschaftlich/sozial geht es ihnen heute viel schlechter.
Z.B. in Litauen haben 34% der jungen Menschen (laut EUROSTAT) keine Arbeit und in der GUS sieht es bestimmt nicht besser aus. Es hatte keiner gehungert, was heute wieder der Fall ist. Die Selbstmordrate ist die höchste in Europa.
Gorbatschow hatte versucht eine besseres System zu etablieren, aber er hatte in jeder Hinsicht keine Chance. Die Menschen waren dazu nicht fähig, da keiner wusste was Demokratie und Kapitalismus sind.
@R_Winter
Neulich unterhielt ich mich mit einem Monteur, der für einen großen Hersteller von Kunststoffblasmaschinen (z.B. für Kunststoffwasserflaschen) weltweit tätig ist. In der Gorbatschow-Ära besuchte eine sowjetische Delegation sein Werk, um eine grosse Kunststoffblasmaschine in der Größenordnung von knapp 1 Mio. einzukaufen. Es stellte sich schnell heraus, daß die Russen sich mehr für die Qualität der lokalen Bordelle als für die Qualiät der Maschinen interessierten. Der Zweck der Einkaufstour der Russen schien hauptsächlich dem nächtlichen Vergnügen zu dienen. Kurzum, die Maschine wurde in die SU geliefert aber völlig ungewöhnlich äußerten die Russen weder Interesse an der Montage und der Einarbeitung in der SU.
Drei Jahre später meldete sich der Kunde aufgeregt und verlangte innerhalb von 24 Stunden den Besuch eines deutschen Monteurs, bot 100% Aufschlag und sofortige Zahlung. Der Monteur flog sofort nach Moskau, dann weiter in Richtung Ural, auf dem Flugfeld wartete schon eine russische Limusine, die ihn durch verblühte Landschaften zu einem riesigen Kombinat fuhr, genauer gesagt direkt zu einer Industriebrache daneben. Der Fahrer bat den Monteur, ihm zu folgen, so schlugen sie sich durch dichtes Buschwerk und standen bald vor einem großen Holzverschlag, völlig überwachsen. Bei näherer Inspektion stellte es heraus, daß es sich um die originalverpackte Kunststoffblasmaschine für 1 Mio. handelte, geliefert vor 3 Jahren. Geschockt wurde der Monteur sofort zum Direktor geführt, der ihm erklärte, die Maschine müsse in 3 Wochen einwandfrei produzieren, Geld sei da. Der Monteur erklärte, die komplette Elektronik der teuren Maschine sei nach 3 Jahren unter freiem Himmel, bei Regen und Schnee, Schrott. Es stellte sich dann heraus, daß die Maschine seit 3 Jahren offiziell laut den gemeldeten Produktionsstatistiken produzierte und der Betrieb wegen der gemeldeten guten Produktionszahlen von einer Delegation des Ministeriums prämiert werden sollte.
Um es kurz zu machen, der deutsche Hersteller machte das Unmögliche möglich, daß die verrostete alt-neue Maschine in 3 Wochen im Werk der Russen Kunststoffflaschen produzierte, allerdings zum Preis von 2 neuen Maschinen.
@ R_Winter
“Das System ist an der Nicht-Bezahlbarkeit der militärischen/machtpolitischen Anforderungen zusammengebrochen, ……………”
Das ist kein Grund.
Versuche es zu verstehen, die Nomenklatura ist zum Feind übergelaufen, aber nicht weil sie an die westliche Demokratie oder andere Werte geglaubt hatte.
All die militärischen und machtpolitischen Anforderungen wären problemlos bezahlbar, aber die Nomenklatura wollte keine Spielchen mehr.
Die Nomenklatura hat die SU zerstört und das gekriegt, was sie kriegen wollte.
Nämlich, sie hatte alles, was offiziell dem sowjetischen Volk gehörte, an sich gerissen.
“Gorbatschow hatte versucht ein besseres System zu etablieren, ………..”
Gorbatschow hatte überhaupt nichts versucht, er war eine Null, sogar weniger als eine Null.
Die Nomenklatura hat diese Null, wie ein benutztes Kondom weggeworfen als diese Null für nichts mehr zu gebrauchen war.
” ………. , aber er hatte in jeder Hinsicht keine Chance”.
Stimmt nicht.
Die Kommunisten hatten nach dem 1 WK, Bürgerkrieg (1918-20) und darauffolgenden “Rasrucha” überhaupt keine Chance das Land wieder aufzubauen, aber sie hatten trotz aller Gegenmeinungen es geschafft, aus dem am Boden zerstörten Russland, eine Supermacht aufzubauen.
Und Gorbatschow hatte eigentlich gar keine Probleme, im Gegensatz zu Anfang der 20er Jahre, gehabt.
” …… was Demokratie und Kapitalismus sind”.
Über die mögliche oder unmögliche Demokratie in Russland, schreibe ich später.
Mit Deiner Ananlyse gehe ich nicht überein.
Die UdSSR hatte wirtschaftlich Probleme dem Westen militärisch zu folgen und gleichzeitig die Bevölkerung im westlichen Maßstab zu versorgen. Es war vom Westen bewußt in diese Situation gesteuert wurden.
Der Unterschied zwischen dem militärischen Komplex und den Versorgungsengpässe der Bevölkerung wurde immer Größer, da zu viele Ressourcen gebunden waren.
Gorbatschow war aus meiner Sicht nicht unfähig, sondern Realist und hatte erkannt, daß die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern verbessert werden mußte. Er hatte aus diesem Grund ein Schwerpunkt Programm aufgelegt. In allen Republiken sollte in jedem Bereich ein Musterbetrieb mit westlichen Technologien für qualitative, hochwertige Versorgungsgüter aufgebaut werden. Hier war aber ein Denkfehler, den die marode, unfähige Industrie war nicht Willens zu folgen (siehe den Betrag zu Plastikflaschen-Spritzmaschinen mit hochwertiger Technologie). Er mußte diesen Weg gehen, da alle Alternative zu langsam waren.
Gorbatschow wußte, daß militärisch ein Erstschlag des Militärs das Ende dieser Welt bedeutet hätte, darum hat er die unruhigen Satelliten-Staaten, das Balitikum und andere Randrepubliken in die Selbstständigkeit entlassen, um den Rest der UdSSR zu retten. Hier hatte aber der KGB nicht mitgespielt und Gorbatschow es falsch eingeschätzt ( z.B. Putin wird heute auf über 4 Mrd. Vermögen geschätzt).
Heute habe jene Schaum vor dem Mund, die noch immer vom Groß-Russischen-Reich träumen, aber die Geschichte wird positiv über Gorbatschow schreiben.
Er hatte versucht über den Tellerrand zu schauen.
@Truvor
Das war ich im Übrigen auch. U.z. als leitender Ingenieur in einem Entwicklungsbüro und hab’ Schweinegeld damit verdient. Davor war nur ein Staatssold, egal wie man sein Allerwertesten aufreißt. Zu Illusion wurde dieses Geld allerdings etwas später, schon in 90-rn.
Na ja, ich kann dir noch etliche Gründe dafür nennen, aber diese zwei würde ich keinesfalls ausschließen. Ist allerdings nur meine Meinung. Auf jeden Fall war der Zusammenbruch für mich keine Überraschung – mir wurde schon Anfang 80-rn klar, dass dieses System auf Lange Sicht nicht halten kann. Nur ahnte ich damals noch nicht, WIE es geschieht – man hofft immer auf etwas besseres und ist danach doch ganz bös’ überrascht.
Als Urgrund, wenn man alles doch darauf zurückführen möchte, würde ich ideologische Verbohrtheit und totale Realitätsferne der Führungriege in ihrem Marxistisch-Leninistischen Elfenbeiturm nennen. Und ich denke nicht, dass es so spezifisch russisch oder einmalig im Staatsbetrieb war/ist. Die Ideologien und die Regierungsformen mögen sich zwar unterscheiden, aber die Menschen sind und bleiben überall gleich, wenn sie zu mehr Macht und Einfluss gelangen – sie halten sich dann für Halbgötter.
@ COPOKA
” ………. , würde ich ideologische Verbohrtheit …….”
Kein Kommunist war in den letzten 20 Jahren der Sowjet-Ära ideologisch belastet.
Und das Volk hat sowieso nicht (mehr) an Kommunismus geglaubt.
” ………. und totale Realitätsferne der Führungsriege ……”
Diese realitätsferne Führungsriege (bzw. Nomenklatura) hat sich ihre eigene Realität erschaffen.
Sie hat absichtlich das Land zerstört, um das Volk zu enteignen.
Jetzt müssen sie sich nicht von dem Volk verstecken, jetzt gehört alles ihnen.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch war von der Nomenklatura vorbereitet und all die anderen Gründe, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion führten, hatte auch die Nomenklatura zu verschulden.
Der Afghanistankrieg war von dem Außmaß her, ein Mückenschiß für mächtige Sowjetunion und kaum Wert ihn als Grund für Zusammenbruch der SU zu nennen.
Heutiges, verarmtes und militärisch total geschwächtes Russland hat zwei Kriege in Tschetschenien geführt, dessen Außmaß größer war als das afghanische und wie wir alle sehen, existiert Mütterchen-Russland immer noch.
@ R_Winter 26.08.10 06:07
Bevor ich einige Punkte aus Deinem Kommentar beantworte, möchte ich zuerst etwas erklären.
Ich vermute, daß der Autor (Andreas Fecke) und einige Kommentatoren hier nicht verstanden haben, was ich in meinen Kommentaren zu diesem Thema, überhaupt sagen will.
Meine Botschaft ist: “Die Partei-Nomenklatura hat die Sowjetunion absichtlich zum Fall gebracht !”
Genaugenommen die Neue-Partei-Nomenklatura.
Das war die Nachkriegsgeneration-Junior-Nomenklatura.
@ COPOKA erwähnte Gestern die “ideologische Verbohrtheit der Führungsriege”.
Ja, er hat zum Teil recht, aber nur zum Teil.
Die alte Garde Breschnew, Gromyko und der Rest der Gang, war(en) (vielleicht !) ideologisch belastet, aber diese Gang bestand hauptsächlich aus Greisen, die zu nichts mehr fähig war(en).
Ich vermute, Du erinnerst Dich an den allgeliebten Genossen Tschernenko.
Lieber Gott, das war doch eine lebende Mumie.
Und die anderen “Jungs” waren auch nicht bzw. kaum in der besseren Verfassung.
Es hat dann die Stunde der Juniore(Nomenklatura) geschlagen, dessen einzige Ideologie MACHT und GELD war(en).
Am liebsten viel Macht und sehr viel Geld, und noch lieber uneingeschränkte ………
Im Artikel wird beschrieben, wie Gorbatschow ohne Erlaubnis von Tschernenko eine Konferenz organisierte.
Die Junior-Nomenklatura hat ihm den Rücken gestärkt, ohne “Juniore” hätte er nie gewagt gegen Tschernenko & Co. zu rebellieren.
Du denkst doch nicht, daß Gorbatschow mutig, tapfer etc. war bzw. ist ? :-)
Oder diese Stelle, wo Gorbatschow die “Eiserne Lady” besuchte.
Ach, die Junior-Nomenklatura, zu der übrigens “unser” Gorbi auch gehörte, hatte schon in den 70ern Kontakte mit der West-Elite.
Ihr denkt doch nicht, daß Gorbatschow im Alleingang die “liebe” Lady besucht hätte und mit ihr die Zukunft der Welt besprochen hätte?
Er ist doch kein Selbstmörder, er war lediglich ein Karierist, wie alle anderen Juniore.
OK., ich mache`s kurz.
Die Sowjetunion hatte alles um allen Widrigkeiten zu trotzen: Überragende Wissenschaftler, fleißige und talentierte Arbeiter bzw. Bevölkerung, mutige Soldaten etc. und allerart Ressourcen/Rohstoffe.
UNBEGRENZT !
Das Land wäre, wenn die Junior-Nomenklatura es gewollt hätte, problemlos reformierbar.
Wir dürfen nicht vergessen, daß Sozialismus als System, am besten für Russland geeignet ist.
Nicht einfach Sozialismus, sondern der AUTORITÄRE SOZIALISMUS (darüber später).
Die Junior-Nomenklatura hatte diese Gorbi-Ära (1985-91) genutzt, um die SU in allen Bereichen zu schwächen.
Wirtschaftlich, Miltärisch, Politisch etc.
Am Ende war die belogene und betrogene Bevölkerung für alles bereit, hauptsache Richtung Besserung (der Lage).
Und danach konnte die Junior-Bande alles mit der SU und dem Volk alles tun, was sie wollte.
Du mußt leider russisch kennen, um das zu erfahren, was ich über Russland bzw. SU weiß.
Ich habe hier http://www.alexbattler.com einen Autor, wo Du zumindest was in englisch lesen könntest.
Und das http://www.olegarin.com ist die umfangreichere, russische Version.
@ andreas_fecke
Andreas, Alex Battler kann soweit ich weiß auch französisch (ich weiß aber nicht, wie gut).
Du kannst Dich in seinem Blog an ihn wenden.
Er ist einer der besten Kenner der SU und der Kommunistischen Partei.
Sorry, muß kurz weg ………
@ truvor
Innerhalb zweier Tage bist Du in diesem Kommentarbereich von oben nach unten gestiegen und zurück nach oben. Teilweise bieten Deine Aussagen das Gegenteil einer inneren Logik, teilweise sind sie “trollig”, teilweise erkennt man ein irgendwie tiefgelagertes Bdürfnis mitzureden, teilweise erkenne ich, dass Du innerhalb dieser 36 Stunden Rat gesucht hast, denn eine Art Begründungsentwicklung Deiner Statements ist erkennbar.
Die Worte “mutige Soldaten” und “fleissige Arbeiter” kommen nicht von Dir, sondern von Deinem Vater, es sei denn Du spielst hier allen total etwas vor und bist wirklich ein Troll.
Deine Idee, eine “Junior-Nomemklatura” hätte gewollt ein System, das den Zuspruch der Bevölkerung gehabt hätte, weil es ihr so gut dabei ging, zu Fall gebracht und Gorbatschow und andere Lügner dafür ins Rennen geschickt, um diese Bevölkerung zu enteignen, das entspricht vielen Verschwörungstheorien, wie wir sie hier kennen.
Vielleicht hast Du aber recht? Ich lade Dich ein, einen Artikel darüber zu schreiben. Ich veröffentliche das, unzensiert, und verlinke es auch hier im Spiegelfechter, wenn nicht sogar der Dich als kompetenten Gastautor akzeptiert . Zeit oder Mangel daran spielen keine Rolle, es ist ein historisches Thema.
Fang also frohen Mutes an, ich warte auf einen kompakten Text.
Nein, mit Kooperationen. Um die Reform der Landwirtschaft ging es damals (leider) noch gar nicht. Gemeint war das, was dann später als Joint-Ventures umgesetzt wurde, also wirtschaftliche Kooperationen sowjetischer Betriebe mit westlichen Unternehmen.
@andreas_fecke
Hmm, ich hab’ mir nun das Original-IV angeguckt, und da steht es tatsächlich: “… что-то надо было делать. Вышли на кооперацию. Хорошая, прогрессивная для того времени была идея.”.
Russ. коопераця bedeutet zwar Kooperation, aber dieser Satz “Вышли на кооперацию.” ist ein typisches Politiker Bla-bla: nebulös, unpräzise und unvollständig ja gar ungebildet – alle müssen ja schon verstehen, was die Wichtigtuer damit gemeint haben sollen.
Sinngemäß bedeutet der Satz in etwa: “Wir kamen (ideenmässig) auf die Kooperatin [hinaus]” oder “Man kam auf die Idee Kooperation”. (Wer mit wem oder was womit?)
Man muss ja wissen, dass die Schlagworte in der Anfangszeiten der Perestrojka хозрасчёт (d.h. Wirtschaftlichkeit aufgrund wirtschaftlicher Rechnungsführung) und кооперативы (d.h. Kooperative oder Genossenschaftsbetriebе) waren.
Das mit den Joint-Ventures ist eine spätere Idee und es wurde übrigens auf Russisch fast genau so artikuliert – джойнт-венчер.
Also kann Jakovlew an der Stelle in seinem IV nur die Kooperative bzw. Genossenschaftsbetriebе gemeint haben – er berichtet denn über die Anfangszeiten der Perestrojka.
Lass es uns schließen mit beide haben recht. Sinngemäß haut Kooperativen genau so gut hin. Es geht im Satz um die Phase ganz am Anfang, daher haben wir Kooperation genommen, ohne weiter hineinzuschreiben, was präzise das sein soll. Er sagt ja auch, dass man keine genauen Vorstellungen hatte.
@andreas_fecke
Ok ;)
Zunächst dachte ich bloß, dass es bescheuerte Übersetzung sei, aber der Satz ist schon im Original-IV so bescheuert.
Ja, das ist wohl die wahre Botschaft und allgemeines Problem mit allen “Reformen” – man kann nicht mehr weiter so wie zuvor, hat aber auch keine Ahnung wie’s weiter gehen soll damit alles bei Altem bleibt :)
Well, in my opinion the interview seems to be a bit biased and much in favor of the Reformers. Obiviously the only persons able to tell a lot about what was really going on would have to be former insiders, so it would have been hard to get a more objective interview I guess.
Gorbatschow may have been a good thing for the world as a whole an a nice person, but the reforms turned out to be a total failure when it comes to Russia and most of the former aligned states.
When it comes to the economy – even under communistic rule there usualy was more progress in twenty years, when it comes to the majority of the population in those countrys it is economically probably even worse than twenty years ago.
Agreement by the western Nations to disband the NATO if Russia would let their puppets go – broken.
Democracy in Russia – Oligarchs followed in Gorbatschows footsteps until Putin came out on top, now they politically fell pretty much back to Sowjet times like structures.
There is probably more theoretical personal freedom (which is already declining again I guess), it just dosent help a lot when everyone is broke and cant make much use of it.
Today only resources and Nukes save Russia from beeing a totaly unimportant third world country full of starving people.
He proved a very important point though. You cant really reformate a whole established system from within. If you try it will break, and because there is no new power (like f.e. during a Revolution) to replace it, there is chaos with uncertain and mostly unpleasant outcome. So no, Gorbatschow wasnt a successfull reformer, just the usual weak guy at the end of a burned out system which had no real support anymore. There was not “no one else but Gorbatschow”, but actually really just no one ;)
Similiarities to our current system are evident btw.
Besonders Ihrem letzten Absatz stimme ich voll und ganz zu.
Weiter oben kommen allerdings Dinge wie “heute geht es der Mehrheit sogar schlechter als vor 20 Jahren” und dass es unter kommunistischer Regierung in vergleichbaren Zeiträumen mehr Fortschritte gegeben habe. Für mich ist das eine (sicherlich unwillentliche, weil mit Äpfel-Birnen-Vergleichen arbeitende) Schönfärberei. Das Volk ist vom Regen in die Traufe gefallen und aus der Traufe ins Gewitter gestiegen, ja, aber deswegen war der Regen nicht weniger nass.
Die Wirtschaft war total marode. Man hatte jahrzehntelang keine Abschreibungen gemacht (damit Rüstung und die “sozialen Errungenschaften” finanziert), Maschinenparks und Infrastrukturen verfallen. Wenn an einem Arbeitsplatz, wo es Arbeit für eine Person gibt, vier Leute beschäftigt sind (einer arbeitet, einer kontrolliert und organisiert, zwei stehen während der Arbeitszeit in Läden stundenlang Schlange, um Baisprodukte zu kaufen), mit Ausnahme von staatswichtigen Sachen nur Schrott produziert wird und in kalten Wintern Nahrungsmittel rationiert werden, dann ist das kein Fortschritt. Und für ein besseres Leben kann man das auch nur halten, wenn man es nicht kennengelernt hat.
Extrem wurden diese Situationen erst in den Gorbatschowjahren und von manchen auch mit ihm identifiziert, aber das gab es vor ihm (deswegen gab es ihn überhaupt, man sah es und brauchte eine Lösung) und es war diese 20 Jahre vorher angelegt worden.
“Similiarities to our current system are evident.” Yes, Sir, deswegen mache ich so etwas, siehe Kommentar 8b, auch was die Verantwortung des wortbrüchigen Westens angeht.
Nur aus deutschen Gründen habe ich mich entschieden, Ihnen in einem Punkt zu widersprechen, ansonsten bin ich sehr dankbar für Ihren kompetenten Kommentar, den man ruhig zweimal lesen sollte!
@andreas_fecke
Die Sowjetunion war etwas, das es nach der Marxschen Entwicklungstheorie gar nicht geben sollte. Ein menschlicher Fötus entwickelt sich und wird nach 9 Monaten als biologisch existenzfähiges Lebewesen geboren. Wird es schon nach 6 Monaten geboren, kommt es zum Überleben und zur schnellen Entwicklung in einen Brutkasten und kann bleibende Schäden davon tragen. Die stalinistische Entartung des Sozialismus war so eine Art Brutkasten, um das nicht genug entwickelte revolutionäre Russland mit brutalster Gewaltherrschaft in wenigen Jahrzehnten auf das Niveau „des Westens“ zu industrialisieren (auch weil die militärische Zerschlagung durch “den Westen” absehbar war).
Als die Sowjetunion in den 1950er Jahren ein Industriestaat geworden war und durch die eigene Atombombe („Gleichgewicht des Schreckens“) militärisch unangreifbar geworden war, hätte die Sowjetunion nach dem Tod Stalins die repressiven Organe der Entwicklungsdiktatur abwerfen können.
„Am 25. Februar 1956 schlug dann Chruschtschows Stunde. Er verlas ein 42-seitiges Manuskript „Über den Personenkult und seine Folgen“. „Personenkult“ war nur ein anderes Wort für Stalins Gewaltherrschaft, die nach späteren Berechnungen des Stalin-Biographen Boris Souvarine 100 Millionen direkte und indirekte Opfer gefordert hatte. …
Der Altstalinist Ulbricht stellte sich für kurze Zeit an die Spitze der Entstalinisierung und manipuliert diese so, dass am Ende seine Position enorm gefestigt und seine innerparteilichen Gegner wie Schirdewan, Wollweber und Harich auf der Strecke blieben.
In anderen Ländern zeigte die Entstalinisierung weit größere Folgen: Im polnischen Posen wagten streikende Arbeiter im Juni 1956 eine Kraftprobe mit dem Regime. 53 Menschen kamen dabei ums Leben. Und in Ungarn begann am 23. Oktober 1956 ein Volksaufstand, der bis zum 4. November durch russische Panzer blutig niedergeschlagen wurde.“
http://www.n-ost.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=825&Itemid=106&lang=germanf
Um es präzise zu sagen, die Stalinisten in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten hatten mit dem blutigen Niederschlagen der Volksaufstände in der DDR und in Ungarn schon 1956 das Ende des Experiments Sowjetunion endgültig besiegelt, indem sie seine offene Weiterentwicklung mittels der Völker mit Gewalt abschnitten.
Der “Erlöser” Gorbatschow wusste 30 Jahre später, dass er nur eine mininale Chance hatte, weil Leute wie Gorbatschow 30 Jahre zu spät an die Schaltstelle der stalinistisch gebliebenen Sowjetunion gelangten. Es war 30 Jahre zu spät. Es war schon 30 Jahre vorbei und Gorbatschow wußte (wie viele andere auch), dass das Grosse Spiel im Grunde schon gelaufen war.
Warum aber wurde der Stalinismus nach Stalins Tod fast 30 Jahre einbalsamiert? Die Antwort ist klar: weil es auf westlicher Seite der Mauer und auf östlicher Seite mächtige Kräfte gab, die den Status Quo erhalten wollten, weil er einigen mittels der Angst im stalinistischen Apparat ihre Stellungen sicherte, weil es mächtigen Kreisen (“im Westen”) die Chance bot, das gegnerische System fundamental zu zerstören und mittels ihrer Art der Schocktherapie in ein wildes Reich des Finanzkapitals zu transformieren. Als der Tag kam, fanden sich in der stalinistischen Nomenklatur genügend Werkzeuge (Gaidar, Tschubais, Fjodorow etc.).
Absolut klasse Ausführungen. Ich will die Liste mit zwei Dingen erweitern und sogar zunächst mal ein kleines Wort für die Sowjetunion einlegen:
Die waren von der ersten bis zur letzten Minute unter starkem Druck von außen. In der ganzen Zeit der Rüstungsspirale haben sie immer nachgezogen. Und schon zu Beginn der Sowjetmacht dauerten die bewaffneten “weissen” Rebellionen glaube ich bis 1927. (Hier schreibe ich aus der verschwommenen Erinnerung heraus, kann mich täuschen…) Kaum war das vorbei, machte ein Hitler deutlich, was er mit dem Bolschewismus vorhatte. Der verbrannten Erde der Nazis folgte unmittelbar der Kalte Krieg.
Das entschuldigt kein einziges Opfer, aber man kann es dem platten rechten Antikommunismus entgegenhalten, den ich auch ziemlich widerlich finde.
Aber auch: meines Wissens nach wurde das erste Goulag schon 1919 gebaut, von Lenin, für linke Revolutionäre gegen den Bolschewismus. Es hatte Räteversammlungen gegeben mit der Forderung “Rätedemokratie ja, aber ohne die Bolschewisten”. Ein neuer Aufstand der Kronstädter Marinesoldaten, diesmal gegen die Bolschewistenmacht, hatte stattgefunden und war von der Roten Armee blutig niedergeschlagen worden.
Was hätte Rosa Luxemburg dazu wohl gesagt?
Das Problem dieser ganzen “marxistischen Idee” (und der Millionen kommunistischer Idealisten auf der Welt, die in den Lagern ihrer Systeme starben) scheint mir zu sein, dass man das veranschlagte Ziel, die endgültige Befreiung des Menschen, verstanden hatte, ohne genau den Weg zu lesen: Diktatur des Proletariats mit der Partei als Vorhut.
@andreas_fecke
Das Problem scheint mir zu sein, daß Leute wie du glauben, es gäbe ein festes Ziel und einen Weg, der nachzulesen ist. Alle Vorstellungswelten der Geschichte kennen die Pole des Determinismus und des Voluntarismus, der Pole Notwendigkeit und Freiheit. Ein Karl Marx kritisierte in seinen „Thesen über Feuerbach“, dass bei Feuerbach „ Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv… In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i.e. die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen“. Will sagen: Geschichte ist für Marx Praxis, das heißt Tun, Handeln; im Tun, Handeln erschafft der Mensch Geschichte, das heißt sich selbst. Zukunft. Politische Zukunft ist für Marx offene Praxis, freies Ergebnis konkreten Tuns.
http://de.wikipedia.org/wiki/Praxis-Gruppe
Das „kommunistische“ System des Stalinismus war –wie gesagt- schon seit den Volksaufständen in Ungarn und der DDR 1956 unwiderruflich gescheitert, weil es erwiesenermaßen seine Weiterentwicklung nicht aus dem Händen einer bürokratischen Parteielite ergebnisoffen in die Hände politisch handelnder lebendiger Menschen legen konnte und wollte. Das allumfassende totale Misstrauen bedingte umfassende Kontrolle, Zentralisierung, bürokratischen Stillstand, Erstarrung im Polizei- und Geheimdienststaat, Absterben. Das „kapitalistische“ System des Neoliberalismus läuft nun aber nach 9/11 letztlich auf den gleichen Zustand hinaus und wird zu den gleichen Resultaten führen, was ja schon die „Konvergenztheorie“ behauptete, „die die strukturelle Annäherung kommunistischer und kapitalistischer Gesellschaftsordnungen behauptete“.
Nun heißt es in dem Jakowlew-Interview über Gorbatschows
Es mag ja eine abenteuerliche Spekulation sein, aber die Vermutung liegt nahe, dass die glühende Neoliberale Thatcher bei diesen Treffen Gorbatschow „umdrehen“ konnte mit dem schlagenden „Argument“, dass Stalinismus und Neoliberalismus beide auf den gleichen Zukunftszustand hinauslaufen, was Gorbatschow das völlige Fehlen von Erfolgsaussichten seiner Reformpolitik vor Augen führte.
Ich denke, dass Obama eines der Ergebnisse der Politik Gorbatchows ist. Gorbatschow war allerdings „echt“, Obama ist ein künstliches, synthetisches Produkt. Gorbatschow hat womöglich dunkel geahnt, dass er das stalinistische System der Sowjetunion nur durch die Zerstörung der Sowjetunion selbst zerstören kann. Eines der Spätfolgen dieser Zerstörung ist (nach GW Bush) der synthetische Barak Obama. Obamas Zeitfenster ist kürzer, weil der Kollaps des kapitalistischen Weltsystems schneller sein könnte.
Ich verstehe den zweiten Absatz nicht völlig, da ich darin keinen Widerspruch zu dem von mir Geschriebenen erkennen kann. Warum Äpfel mit Birnen ? Wirtschaftliche Entwicklung davor und danach wurde verglichen, davor gab es (über die Jahrzehnte betrachtet) eine stagnierende bis leicht positive, kontinuierliche, danach einen massiven Absturz. Was ja das Wetterbeispiel im Wesentlichen auch aussagt.
Meintest du “Es wurde vor Gorbatschow schon schlechter (Wo der Grund des Widerspruches läge), während und nach ihm dann noch schneller schlechter” und widersprichst deshalb aus Gründen der deutschen Gründlichkeit ?
Ja. Planwirtschaft ist völlig ineffizient, aber eben immernoch besser als die folgende chaotische Korruptionswirtschaft, war was ich damit ausdrücken wollte. Ist nicht so zu verstehen, dass dort vorher alles gut gewesen wäre
Die SU war eine eigenständige Macht, es hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, die zwei Lebensmittelwarter in der (erweiterten)Lebensmittelproduktion einzusetzen, Beschränkungen durch Dinge wie z.B. Geld stellen in einem solchen System keine Hindernisse da, solange es nicht um Importe geht. Planwirtschaft ist eben zu Komplex, um Effektiv zu sein. Hier und da große Fabriken aus dem Boden stampfen, kein Thema, Mikro und Makromanagement – keine Chance.
Bei uns ist es ja nicht viel Anders, einer bedient die Maschine, drei(ßig) verwalten und kontrollieren das Ganze drumherum ;)
Wenn ich das richtig erinnere, ist der häufigste Beruf hierzulande “Bürokaufmann”, spricht Bände. Lediglich schnellerer technischer Fortschritt hat das so lange gut gehen lassen. Dadurch können wir uns mehr Ineffizienz leisten.
Ich verstehe nicht ganz, was du mit “Abschreibungen” meinst ? Ich weiss, was es hier bedeutet, aber dort ? Meinst du etwas in Richtung von “Keine Investitionen in die Wirtschaft getätigt” ? Das ist sicher Richtig, wenn man es als viel zu wenig und an falscher Stelle auslegt. Dadurch waren Probleme vorprogrammiert. Allerdings wurden während und nach Gorbatschow auch kaum welche getätigt, teilweise laufen die Dinger heute noch. Bis zur endgültigen Weltwirtschaftskrise kamen dann langsam Investitionen im Rohstoffsektor in Gang, aber sonst ? Das ist noch Russland, wenn man die ehemaligen Vasallenstaaten mitzählt, da sehen die östlicheren noch übler aus.
Ja, wir stehen hier in keiner Kontroverse. Mit deutschen Gründen meine ich: wären wir Kanadier oder so, ich hätte keinen Widerspruch eingelegt. Wir sind aber hier, und mit dem Argument, heute ginge es den Leuten schlechter (und die vielen Arbeitslosen, und damals die vielen Betriebskindergärten….), gehen hierzulande politische Kräfte hausieren, die ich für nicht weniger reaktionär halte wie die Fans der Autobahnen und Kraft durch Freude Camps von anno dazumals.
Äpfel und Birnen meint: beides Obst, aber unterschiedliches. Bei Armut: beides schlechtes Obst, da ist für mich kein besser-schlechter Vergleich drin. Es gab in den Ostblockländern in den 80ern eine andersartige Massenarmut als die in den neukapitalistischen Ländern heute, aber es gab sie. Wären damals die starken sozialen und familiären Bindungen (und Selbstversorgungen) nicht gewesen, Menschen wären verhungert. Diese Bindungen gab es aber nicht wegen dem Gesellschaftssystem und seiner Doktrin, sondern als Widerstand und Überlebensmittel, aus Tradition, dagegen.
Die Armut in Russland ist heute vielleicht gravierender (und war es in den Umbruchjahren jedenfalls), die Arbeitslosigkeit ist groß, aber sie ist ehrlicher als die sowjetische Vollbeschäftigung für Geld, mit dem nichts zu kaufen war.Vor allem: wollten sie es, die Russen könnten sich heute eine andere Regierung wählen, und niemals würden im heutigen Russland Panzer (ich rede von Panzern) gegen Streikende oder demonstrierende Arme rollen. Damals gab es für Arme und gegen Armut nur die Möglichkeit, das totalitäre System zu zertrümmern, denn die Gorbatschowjahre hatten ja gezeigt, dass es nicht bereit war, sich reformieren zu lassen.
Kurz eine Geschichte: ich stand Ende 89 Schlange in einer Studentenkantine in Leningrad, da sehe ich hinter dem Tresen eine superdünne, mindestens achtzigjährige Oma schwere Stapel von dicken Tellern schleppen (und hinter ihr lungerten drei Typen herum, deren Job war das ja nicht, der ihre war getan, man wartete auf den Feierabend). Meine Freunde erklärten mir: “sie hat sicherlich ihr Leben lang in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet. Dort bekam sie einen großen Lohnteil in Naturalien. Ihre Rente wird aber nur auf den Geldlohn berechnet, und nun muss sie arbeiten, bis sie tot umfällt – und das ist nicht neu bei uns.”
Systembedingte Armut, unsichtbare Armut im Sozialismus. Kann man vergessen, lässt sich aber nicht beschönigen mit dem Hinweis auf die sichtbare kapitalistische Massenarmut heute. Das System war nicht solidarisch.
Ja, mit Abschreibungen meine ich die bilanzbuchhalterische (oft als simplen Steuertrick mißverstandene) Praxis, den Wertverfall (zB über 10 Jahre) von Produktionsmitteln negativ in den real erwirtschafteten Gewinn (dann natürlich steuermindernd) einzurechnen, um danach die neue Maschine nicht auf Kredit anzuschaffen, sondern aus den vergangenen Betriebsergebnissen bereits bezahlt zu haben. Das hat man im Osten nicht gemacht, der Gewinn wurde stattdessen zum Beispiel für die berühmten Betriebskindergärten verwendet, auf hoher Ebene für Rüstung. So verrottete aber alles.
Der Bürokaufmann: ja, aber wieder nicht vergleichbar. Ein “richtiger Arbeiter” plus 29 Leute Überbau hier, aber 30 Leute, von denen keiner nur bezahlt wird, damit es offiziell keine Arbeitslosigkeit gibt, weil es sie im Arbeiter- und Bauernparadies nicht geben darf. Das war dort aber dominierende Praxis.
Ich will aber die Hand reichen: so nötig die Systemzerstörung war, so sehr sehe ich den Westen in einer kardinalen Mitverantwortung für das folgende Chaos. Gorbatschow bemängelt die Phase kurz nach ihm: “Wir zerstörten das alte System, als noch kein neues da war.” (Er war ja immer für die kleinen Schritte, die auf der Stelle). Genau zu dem Zeitpunkt hätte der Westen sich für das Ende des Kalten Krieges bedanken müssen, Mächte und Bürger. Sobald man jedoch bemerkte, dass der Zugriff auf die russischen Reichtümer innerhalb Russlands ohne Raffchancen für den Westen ablief, kehrte man dem Land völlig den Rücken (und startete den west-neoliberalen Raubzug woanders). Auch Deutschland: 1990 “Gorbi, Gorbi”, “Russland toll”; 1993: kein Schwein interessierte das noch. Man hatte gewonnen, lass sie doch in ihrer … schmoren. Kurzes Gedächtnis für ein Land mit dem die Alliierten nach 1945 dasselbe hätten tun können.
Die Hand must du da nicht reichen. War nie ein Fan von Kommunismus oder auch nur Sozialismus, nichteinmal des durchaus symphatischen Ideals. Habe nur gerne meine Geschichte richtig und mag dieses Verteufeln um jeden Preis nach dem “Wir sind die Guten, die sind die Bösen” Schema nicht.
Bedeutet dann als Deutscher eben meistens “Den Westen” deutlich negativer und “Die Anderen” manchmal etwas positiver zu sehen. Nicht zu verwechseln mit die anderen positiv und uns negativ im Vergleich.
Als Beispiel: Kennt man das Wirken des Westens in Ländern wie dem Iran, kommt man nicht auf den Trichter deren Abneigung irgendwie als Islam vs Christentum zu deuten – die draraus resultierende Meinung wirkt dann eben Iran Freundlich, obwohl sie es garnicht ist.
Ist halt hierzulande ( und ziemlich überall anderes auf der Welt auch) das Standartbild, wenn wir was machen hat es gute und rechtschaffene Gründe, machen es die Anderen ist es hinterlistig und bösartig. Ursache dafür natürlich die mediale Vermittlung und der Wunsch zu den Guten zu gehören beim Empfänger.
Bevor es da zu Missverständnissen kommt, du bist damit nicht Gemeint.
Das Nato Beispiel war eher in Richtung Gorbatschow gemünzt – es war Naiv anzunehmen, es gäbe soetwas wie Freundschaft zwischen Staaten, Russland war danach halt nicht mehr der Feind, aber eben auch kein ernstzunehmender Gegner mehr, daher war die Entwicklung Absehbar. Warum Russland beachten, wenn man es weder ausbeuten kann noch fürchten muss ?
@ andreas_fecke
“Die Armut in Russland heute ist vielleicht gravierender …..”
Kein “vielleicht”.
Die Armut in Russland heute ist mehr als gravierend, sie ist katastrophal.
” ……….. , die Arbeitslosigkeit ist groß, ……”
Mehr als groß.
” ………….. , aber sie ist ehrlicher als die sowjetische Vollbeschäftigung für Geld, ………”
Klingt, wie das philosophische, realitätsferne Geschwätz eines West-Bürgers, dessen Wissen über die SU hauptsächlich aus den Mainstreammedien kommt .
” …….. , mit dem nichts zu kaufen war.”
Weitere Übertreibung.
” ……… Panzer (ich rede von Panzern) gegen Streikende oder demonstrierende Arme rollen”.
Hast Du was von OMON gehört ?
Das halte ich für falsch. Gegenbeispiele sind China, Vietnam, vermutlich auch Cuba.
Im Grunde ist das kein besserer Determinismus als der “marxistisch-leninistische”, und es wird vom Ergebnis her dasselbe als unausweichlich hingestellt.
Ich halte Gorbatschow nicht für den Verräter, als den ihn viele in Russland sehen. Aber er war gegenüber dem Westen mindestens grobfahrlässig, wenn nicht kriminell leichtgläubig und naiv.
Natürlich kann man sich fragen, ob man sich einen Erhalt der UdSSR überhaupt gewünscht hätte. Aber die Humankosten der Ära Yelzin-Gaidar gehen mindestens in die Millionen. Und Gorbatschow war der Wegbereiter.
a^2
China ist nichteinmal ansatzweise Vergleichbar.
Die Reformen dort haben bisher an den Machtverhätnissen ziemlich Nichts geändert.
Wie die SU ist auch China kein Nationalstaat – deren Vasallen sind fester denn je geknebelt.
Demokratische Ansätze gibt es dort auch nicht.
Die Partei, die Partei hat immer Recht, gilt dort nach wie vor uneingeschränkt.
Was China getan hat (und das sehr Erfolgreich) ist lediglich sein ökonomisches System zu verändern. In eine Art geplante Marktwirtschaft. Erfolgreich ist dies lediglich, weil die entwickelten Länder ihren Wirtschaftslobbys hörig sind, welche gerne dort Menschen ausbeuten möchten, um die Produkte daraus in die Länder zu exportieren, welche, weil dort weniger Ausbeutung Möglich ist, (aus selbigen Günden schwindende) Nachfrage zur Verfügung stellen.
Man sollte auch nicht vergessen, dass China im Gegensatz zur SU ein dritte Welt Land war und der Lebensstandart dort selbst heute noch niedriger ist als es der in der ehemaligen SU war.
Man sollte nicht auf unsere Medien hereinfallen, welche Versuchen uns die 1% chinesische Oberschicht als dortige Mittelschicht anzudrehen, Protzbauten und Wohlhabende gibt es auch in Nordkorea, mit der entsprechenden Brille ist es dort dann auch toll.
Womit wir u.A. bei den Ursachen der Wirtschaftskrise wären, aber egal.
Bei Vietnam magst du Recht haben oder auch nicht (Da du China für ein Vorbild einer erfolgreichen Reformation von Innen hälst), damit kenne ich mich nicht aus.
Edith meinte noch: Das sollte übringens keine unabänderliche Feststellung sein, es ist nur einfach so, dass ich mich mit Geschichte recht gut auskenne und mir da kein wirkliches positiv Beispiel bekannt ist. Also einer Art Revolution von Innen meine ich.
Es gibt auch wenige Fälle, in denen das überhaupt versucht wurde, also freiwillige Selbstentmachtung einer ganzen Machtkonzentration.
@mir : Dies ist ein ganz persönlicher (10.- Euro) Literaturhinweis zu China heute, der mit dem Thema SU 1985 und der Debatte hier schlicht nichts zu tun hat, der aber, vermute ich, Deinem Interesse sehr zu gute kommen könnte:
Das Paperback “Wie China debattiert”, mehr als 150 Seiten, mehr als 30 auf deutsch übersetzte Beiträge von verschiedenen Leuten aus der chinesischen Intelligentsia zu wesentlichen nationalen und internationalen Themen. Erstellt, übersetzt, herausgegeben und vertrieben von der Heinrich-Böll-Stiftung.
Buchvorstellung inklusive eines Artikels daraus in meinem Blog hier.
@Truvor
!11!!eins!elf!!!
Was soll die Trollerei!?
Man muss die beiden nicht mögen aber deshalb nicht gleich dämonisieren – das bringt gar nichts wie auch allg. Verklärung der Menschen .
Auch Hitler und Stalin sind Menschen gewesen, ja sogar Herr Bush Junio ist einer. Ist es so schwer, sich damit abzufinden?
@ COPOKA
“Ist es so schwer, sich damit abzufinden ?”
Beide sind Arschlöcher (Auch Hitler, Stalin und Bush Junior). Punkt.
Mit meiner Meinung muß Du Dich abfinden. Punkt.
Ums Arschloch-sein gings doch gar nicht, Komma, sondern ums kein-Mensch-sein? Fragezeichen. Dass die genannten allesamt Menschen sind bzw. waren, Komma, ist jedoch keine Meinung sondern eine Tatsache. Punkt. Wieso man das einem Menschen überhaupt erklären muss wundert mich. Punkt. Oder bist du etwa keiner? Fragezeichen.
Ok.
Achso, dann werde ich Hitler usw. ab jetzt nicht mehr dämonisieren! ;-)
Soll man Gorbatschow jetzt hochjubeln, nur weil einer seiner engsten Berater aus dem Nähkästchen plaudert und Gorbi Honig um’s Maul schmiert? :D
Für eine andere Darstellung Gorbatschows Glasnost und Perestroika (bzw. Uskorenije) empfehle ich Viktor Timtschenkos Buch “Putin und das neue Russland”.
http://books.google.de/books?ei=qmZ0TJ3wK8mV4gbGjoCACQ&ct=result&id=JyNpAAAAMAAJ&dq=putin+und+das+neue+russland&q=tschernobyl#search_anchor
Die Auszüge sind wegen dem Urheberrechtsstatus des Buches leider sehr knapp . . .
Truvor hat meiner Meinung und meinem Geschichtsverständnis nach Recht. Die Sowjetunion ist leider an ihren Widersprüchen gescheitert. Eigentlich ist die Gründung dieser meinem Verständnis der marxistischen Dialektik nach der Beginn der Widerspruchs, der nur durch Stalins “Gewaltexzesse” überleben konnte.
Schade, aber die Zeit (sprich die Menschen) ist und war einfach nicht reif dafür!
Danke für das interessante Interview und den Blick hinter die Kulissen!
@ Teja552
Ich empfehle Dir (und Anderen) nicht alles zu glauben, was der Lügen-Baron Jakowlew (& Co.) so alles erzählt.
Was hinter den Kulissen tatsächlich geschah, werden wir nie erfahren (oder frühestens, in ferner Zukunft).
Als Initiator dieses kleinen Artikelprojekts, auf dessen nicht allzufernenTeil II (gewissermassen nunmehr Teil III, denn der zweite Teil ist der Großteil der Kommentardiskussion hier unten geworden) ich schon gespannt bin, verabschiede ich mich aus Zeitgründen, zumindest was meine Dauerpräsenz hier angeht. Dank an die mehreren Kommentatoren, die, auf vielfältige Weise, kompetente Ansichten oder Wissen beigebracht haben; nur eine Person gab es bislang, die versuchte, überall anzudocken und -zuecken ohne selber etwas liefern zu können.
Thema und diese Artikelart (nichts selber vertiefen und aufarbeiten, keine These anbieten, sondern wie eine TV-Sendung anmoderieren, Interview zeigen, ausmoderieren mit Programmhinweis) hätten gar keine oder eine degenerierte, abschreckende Diskussion nach sich ziehen können, was ich mit meinem allerersten Kommentar oben schon im Vorfeld etwas ausbremsen wollte. Stattdessen haben mich mehrere Beiträge verführt, einige Stunden hier mitzumachen, was ich leider nur einen Tag lang kann.
Ursprünglich vorgesehen war, das Interview in einen einzigen, einen “richtigen Artikel” einzupacken: eine thematische Spiegelfechtereinleitung von Jens Berger, Interview, mein Übersetzernachwort und Schlusskommentar von Andrey Komov. Nun bin ich froh, dass Jens mich überredete, die Geschichte zweizuteilen und Teil eins ohne Tiefgang selber zu übernehmen. Der Tiefgang ist hier unten begonnen worden und ich kann mir vorstellen, dass Elemente daraus in den zweiten Teil einfliessen, was diesen allerdings nicht schneller fertig werden lässt. Macht nix, und das ist das Angenehme an historischen, “uninteressanten” Themen… Danke, die Damen und Herren, auf demnächst!
“Wie Hunderte die Macht gewannen, sie nutzten und (später) starben”
Ging in bold durch meinen Kopf als ich die Überschrift las. Wieso?
Interessantes Inverview und Selbstbildnis, zu welchem es aus einer anderen Sichtweise noch viel mehr zu schreiben gäbe. Die Zeit dafür ist leider noch nicht reif, sonst würde ich hier auch Details auf ähnlicher Ebene wie Jakowlew & Co. bringen können – in 100 Jahren vielleicht.
PS: Danke an den Autor (!), und Truvor kommt mit seinen Einsichten der Wahrheit sehr nahe.
Ok – ich würd mich dann gern beitragend beteiligen ;-)
Meinst Du, es reichen 100 Jahre… zum ‘sachlich reden können’^^
Das hat weniger mit Sachlichkeit zu tun, sondern eher mit dem Umstand, daß die Geschichte dafür noch zu jung ist, mit allem was da dazu gehört..;)
Schon ok. ;-)
….
@andreas_fecke, du wirfst „Truvor“ vor:
Es geht hier um Dimensionen, von denen du offenbar keinerlei Schimmer hast. Eine Dimension ist der Hochverrat der “sowjetischen Junior-Nomenklatura“, begangen an Millionen Menschen in Russland aus niedrigster Gier, der Unterwerfung und Versklavung von Millionen Menschen im Auftrag der Machelite der feindlichen Supermacht, ihr gemeinsames Verschmelzen zum Organisierten Verbrechen. Für diesen verachtenswerten Hochverrat wird nicht nur Russland, sondern die gesamte Welt und vor allem auch wir Europäer einen extrem hohen, sehr blutigen Preis bezahlen.
Die meisten Menschen haben bis heute wenig davon begriffen, denn die noch sichtbaren altbekannten Institutionen der “zivilisiertenwestlichen Welt” basieren ja immer noch auf der Bipolarität des Kalten Krieges, die -für uns selbstverständlich- auf ungefährer Parität von Gewalt, Gleichheit im Gleichgewicht der Kräfte fußte. Die heutige Realität ist aber eine ganz andere, eine barbarische Realität, von der wir schon einen kleinen Vorgeschmack in Guantanamo, Abu Ghraib, Irak, Afghanistan erkennen. Die heutige Realität ist die real existierende Unipolarität einer einzigen Supermacht, eine Struktur angestrebter und in Teilen vollendeter totaler Dominanz und Unterwerfung, d.h. totaler Herrschaft der Machtelite, des Zentrums, über den Rest der Welt.
Die Regierung Deutschlands hat in dieser neuen barbarischen Welt die Wahl entweder der vollen Teilhaberschaft in der US-geführten internationalen Ordnung als Mittäter und Kollaborateur oder der feindlichen Isolation. Nun haben sich deutschen Regierungen für die volle Teilhaberschaft entschieden und als Beweis ihrer bedingungslosen Unterwerfung unter die unipolare Macht müssen sie ihre Bundeswehr an die Söldner-NATO abstellen und an in den weltweiten Angriffskriegen für die US-Hegemonialmacht in Afghanistan und anderswo mitmorden und Mega-Schutzgelder (“Rettungspakete”) für systemrelevante “Finanzstrukturen” abführen.
Im Ergebnis hat Gorbatschow die bipolare Struktur des internationalen Systems zerstört und somit die heutige totale Hegemonie des „kapitalistischen Westens“ ermöglicht. Wir wissen, dass das internationale System sich zyklisch entwickelt, es entwickelt sich von der Multipolarität zur Bipolarität, dann zur Unipolarität/Hegemonie, die dann wieder in Multipolarität zerfällt etc.
Der noch laufende Übergang von der Struktur der Bipolarität (Kalter Krieg) zur Unipolarität (US-Hegemonie) hat als Treibmittel viele “heiße Kriege” auf regionaler Ebene, globale Konflikte und (Welt)Kriege auf der strategischen Ebene. In den frühen 1990ern wurde per neoliberaler Schocktherapie Russlands das bipolaren System zerstört, aus dem von der verbleibenden Weltmacht USA in kürzester Zeit ein unipolares System geschaffen wurde. Zur Abschreckung wurden geringste Versuche des Widerstands (in Jugoslawien, im Nahen Osten, in Irak, in Afrika, in Lateinamerika, in Südostasien) unverzüglich militärisch isoliert und bekämpft bzw. durch Präventiv- bzw. Vernichtungskriege der Hilfstruppe NATO (Kosovo, Irak, Afghanistan, Iran? etc.) bekämpft.
Nach der Logik der zyklischen Entwicklung könnte eine unipolare Welt nach deren Scheitern in den Zustand einer multipolare Welt umschlagen, z.b. indem die hegemoniale Macht kollabiert. So stellt sich die entscheidende Frage: wird das Gesetz der Zyklen funktionieren? In der Periode der Bipolarität stand der Kapitalismus auf der einen Seite, der „real existierende Sozialismus“ auf der anderen. In der möglichen multipolaren Welt sind von den drei Ländern, die das zentrale Bindeglied des Widerstandes gegen die US-Hegemonie bilden, zwei Staaten – Russland und Indien – kapitalistischen Staaten (Privateigentum an Produktionsmitteln als dominierende Form, bürgerliche „Demokratie“ als politische Form). Es wird also eine multipolare Welt aus kapitalistischen Mächten im Übergang zu etwas Anderem und sozialistische Mächte (China, Kuba), Mächte wie der Iran, die Türkei und Brasilien im Übergang zu etwas Anderem. Wenn der Kapitalismus in seiner bekannten Form definitiv am Ende ist, was wird dann das Andere werden?
Auch Dir, Carlos, biete ich an, einfach mal einen Artikel dazu zu schreiben, nicht reaktiv, sondern aktiv. Du kannst gelesen werden!
@ andreas_fecke
Ach, Andreas, Andreas, Du bist aber ein Komiker !
Bietest Du denn jedem an, der (übrigens, ist @carlos manoso Deiner Meinung nach, auch ein Troll ?) nicht Deiner Meinung ist, einen Artikel zu schreiben ? (Bist Du nicht zufällig mit Madam “Isi” verwandt ? Jens mußte soger ihren Artikel löschen. Sie konnte auch keine Kritik und andere Meinung (v)ertragen :-))
Wenn wir alle hier jetzt schreiben würden, wer soll dann unsere Werke kommentieren ?
Hast Du darüber nachgedacht ? (und der bezeichnet mich auch noch als einen Troll :-))
PS. Nein “mein Lieber”, Du hast versagt, wenn Du Dein Schwert des Autors an uns Leser/Kommentatoren übergibst.
Habe ehrlich zu sagen, keinen Bock mehr, mit solchem “Autor” zu diskutieren.
Dann tu es nicht und packe mein “Schwert” ein. Dieses Wort steht in Anführungszeichen, weil es aus Deiner Gedankenwelt kommt, nicht aus meiner.
Die Einladung an Dich, selber etwas zu schreiben, besteht fürderhin.
@Truvor
Ich frage : Muß man ein Spitzenkoch sein, um Restaurant-Kritiker zu werden?
Du bist nicht allein mit Erfahrungen.
Da Du ja gut in Sprichworten bist, hier ein deutsches Sprichwort:
“Er sah den Wald vor lauter Bäumen nicht”.
Was hindert Dich einen Artikel zu schreiben, der lesbar ist und auf nachprüfbaren Fakten beruht? Hass war schon immer ein schlechter Ratgeber.
@ R_Winter
Ich schulde Dir übrigens, noch eine Antwort (Fortsetzung) auf Deinen Kommentar.
Versuche es Morgen zu machen.
“Er sah den Wald vor lauter Bäumen nicht”.
Ich mag und kenne (bin schließlich auch Deutscher) dieses Sprichwort (meine Großmutter kannte mehrere).
Dieses Sprichwort ist aber ziemlich international, die Russen haben auch was ähnliches.
” Was hindert Dich einen Artikel zu schreiben, ………”
Ich bin Musiker und gar nicht so schlechter.
Andreas (oder Jens) ist ein Autor, Journalist, Schriftsteller? was weiß ich.
Jeder soll das tun, was er am besten kann !
Ich mag es lieber zu kommentieren (kommentieren ist leichter :-)).
” ………. und auf nachprüfbaren Fakten beruht ?”
Wie willst Du denn diese Fakten überprüfen ?
Kannst Du russisch ?
Können auch andere Leser/Kommentatoren russisch ? (mit ein paar ausnahmen)
Ich habe schon eine Quelle, da oben, genannt.
Das Buch von Alexander Hinstein: “Kak ubiwajut Rossiju”.
Ich kann auch weitere Quellen geben, es wäre besser diese Bücher und Artikel zu lesen als z.B. mit meinem Geschreibe sich zu quälen.
Die Fakten/Quellen in deutscher bzw. englischer Sprache habe ich nicht.
In deutscher Sprache kannst Du nur das Dissidenten-Geschmiere finden, aber das sind doch keine Fakten.
Ich möchte noch ein Mal sagen: Wenn Ihr (Alle) irgendwelche Fakten über Russland erfahren wollt, dann bleibt es Euch leider nichts anderes als russisch zu lernen.
“Hass war schon ……. ”
Ach Quatsch, ich hasse ihn nicht.
Ich fand sogar seine Afrika-Artikel sehr gut.
(Ich hasse aber, gerade meinen Hintern, weil er sehr weh tut, vom vielen schreiben :-))
Hiermit stelle ich meine Mitarbeit beim Spiegelfechter ein; zu viel Zeit- und Nervenverlust, um mich mit Gedankenmüll anderer Leute kaputtzumachen. Ich bin zu alt dafür.
Die versprochenen Fortsetzungen (Teil II Gorbatschow und die langfristig konzipierte Afrikaserie) werden gebracht werden und findbar sein, aber nicht mehr hier.
Ich kritisiere selber, bin auch Kritiker aber nicht nur, und zolle Kritikern an meinen Arbeiten und Ansichten Respekt: Ihr habt gewonnen.
Schuster, bleib bei deinen Leisten, go home.
@Andreas Fecke: Schade. Vielleicht hättest Du die Mitarbeit nicht darauf konzentrieren sollen, auf fast jeden Artikel im Kommentarteil zu reagieren. Jens bekommt diese Kurve nach meinem Eindruck ganz gut, er beteiligt sich durchaus, kann aber sehr wohl auch mal “mir wird es zuviel” sagen bzw. schreiben, ohne deshalb die Publikationsarbeit oder den Blog einzustellen. Und er ist stets bereit zu einem höflichen agree to disagree. Falls Leute ausfällig werden, gibt es eh auf die Nase.
Du kannst auch nicht von jedem Kritiker erwarten, dass er selbst durchrecherchierte und publikationsfähige Beiträge (das ist mehr als ein Forenkommentar, und das solltest Du selbst wissen) erstellt oder erstellen kann. Und Du kannst bei einem hochkontroversen Thema wie dem Ende der UdSSR und des Ostblocks nicht erwarten, dass jeder Deiner Meinung ist oder Deine Schlussfolgerungen teilt. Im Grunde ist es eher verwunderlich, wie zivil die Diskussion hier abgelaufen ist.
Gruss, a^2
Fast wie Andrei Gromyko oben sage ich “ich habe das alles verstanden”, und leider noch viel mehr. Ich kann (und wir sagen beide, dass die Diskussion hier ein erstaunlich gutes Bild abgibt) hier nicht erreichen , was ich möchte, ich kann es schlicht und ergreifend hier nicht machen. Anderswo, ja, also Tschüss. Hier geht es um Einschaltquoten und um Antikapitalismus bzw Antimacht. Ich kann keine dieser Interessen bedienen, sicherlich wird Jens Berger andere, bessere Gastautoren dafür finden.
Ich kann Deine Einstellung nach empfinden – trotzdem schade.
Zu häufig werden persönliche Eindrücke als Fakt dargestellt.
Die Rußlandfraktion hier ist nicht immer objektiv.
Der Blog ist nicht immer gerecht und kann es auch nicht sein.
Danke für den Artikel.
@ R_Winter 28.08.10 12:56
“Zu häufig werden persönliche Eindrücke als Fakt dargestellt”.
Und was ist so schlimm daran ?
Die ganze Menschheitsgeschichte besteht aus persönlichen Eindrücken.
Die Historie ist wie ein PUZZLE.
Jedes Puzzleteil ist eine persönliche Geschichte.
Im Übrigen, in diesem Interview mit Jakowlew wird auch Jakowlews persönlicher Eindruck dargestellt.
Die persönliche Eindrücke können nur dann als Fakt durchgehen, wenn sie durch andere Quellen überprüfbar sind.
z.B. Ein persönlicher Eindruck bzw. Erlebnis von mir ist: In der zweiten Hälfte der 80er (das geschah glaube ich im Jahr 1987, auf jeden Fall nach der Tschernobyl-Katastrophe) sind plötzlich Zigaretten (Papirossen etc.) in der SU aus dem Handel verschwunden.
Jawohl, Zigaretten sind über die Nacht ein strategisches :-) Defizit/Produkt geworden (über die Gründe beim Bedarf ein anderes Mal).
Und jetzt eine Frage an Dich: Ist dieser persönlicher Eindruck überprüfbar oder nicht ?
Natürlich ist er überprüfbar, sogar Du könntest das machen und zwar, ohne fremde Hilfe.
Du mußt Dich nur an die Russlanddeutschen- oder in Deutschland lebenden Russen wenden, die älter als 40+ sind (insbesondere die Raucher, die haben ein seeeeehr langes Gedächtnis, sowas vergißt man so schnell nicht), sie werden Dir bestimmt (falls sie nicht Senil sind :-)) diese Geschichte bestätigen.
Und jetzt eine andere Frage: Können wir Jakowlews, Gorbatschows etc. Geschichte(n) bzw. Eindrücke überprüfen ?
Nie im Leben.
Ihre (Jakowlews etc.) Eindrücke sind wie ein Wolkenkratzer, der aus lauten Lügen besteht.
Lügen, lügen und noch millionenfach lügen.
Irgendwo dazwischen steckt natürlich auch die Wahrheit (nur ein bißchen), aber Du müßtest schon Glück haben um sie (die Wahrheit) überhaupt zu erkennen.
Mist, muß wieder weg
Fortsetzung folgt ……….
@ R_Winter 28.08.10 12:56
“Die Russlandfraktion hier ist nicht immer objektiv.”
An welcher Stelle genau war/ist die Russlandfraktion nicht objektiv ?
Kapiere ich nicht.
Es wundert mich nicht, daß Du (Ihr) noch nie was von der Zerstörung der Sowjetunion durch Partei-Nomenklatura gehört hast (habt).
Hier (in Deutschland und EU) kannst Du problemlos die Bücher/Artikel von (z.B.) Boris Nemzow, Garry Kasparow etc. oder auch vom allgeliebten Gorbi finden.
Es gibt auch viele andere Autoren, die hier gedruckt und dessen Arbeiten gelesen werden.
Aber all diese Autoren und ihre Werke sind liberal (liberaler Natur), was natürlich nicht unbedingt schlimm sein muß, aber sie sind auch leider allesamt einseitig.
Diese Liberalen, werden aber nie im Leben darüber schreiben, nie, weil sie mit Rat und Tat die Junior-Nomenklatura dabei unterstützt hatten.
Die anderen, nicht liberale Autoren werden nicht mal ins Deutsche übersetzt.
Wie willst Du denn die Wahrheit herausfinden, wenn Du nur die eine Seite der Medaille gesehen hast ?
Ich weiss natürlich nicht, was Du erreichen willst. Aber für mich bleibt da ein fader Nachgeschmack von “ich will nur vor Bekehrten predigen”. Das ist umso enttäuschender, als Deine Auffassung zum Untergang der “realsozialistischen Länder” deutlich mainstreamkonformer ist als die von Dir beklagte Gegenrede (der ich durchaus nicht pauschal zustimme, mit Truvor habe ich regelmässig mehr Dissens als Einigkeit), und die war keinesfalls unisono, viele haben Dir in vielen Punkten zugestimmt. Wenn Dir der Spiegelfechter und sein Publikum zu kapitalismuskritisch ist, ist das nicht zu ändern. Vielleicht werde ich das, was Du schreibst, auch an anderer Stelle lesen. Ich denke aber nicht, dass ich Dich mit Kritik belästigen werden.
Gruss, a^2
Mit einem solchen Schritt kann man nichts erreichen wollen, sondern nur etwas vermeiden. Mich hat Kritik bis zu einem gewissen Punkt auch nicht belästigt, es ist doch sichtbar, dass ich die Debatte an vielen Stellen über einen Tag lang mitgefüttert hatte, egal ob andere so denken wie ich oder anders. Bis zu einem gewissen Punkt allerdings nur, wo ich mir überlegen darf, ob ich meinen besten Freund beispielsweise oder afrikanische Autor(inn)en, die ich schätze, oder andere Themen auch noch so einem Forum zum Opfer darbieten will – es ist ja euer Forum, nicht meins.
Ich bin auch froh, dass es den Spiegelfechter gibt, tolle Webseite. Wo dieser sachlich ist, teile ich natürlich auch den Antikapitalismus, nur kann man ja mal zur Einsicht gelangen, dass man selber nicht dazu gehört und es langfristig besser und befriedigender sein kann, seine Arbeiten in einem etwas kontrollierbareren Rahmen anzubieten, auch wenn es dann eben tausend Leute weniger mitbekommen. Es ist eine Frage des Alters, mehr nicht, wie lange man sich und seine Themen welcher Art von Diskussionskultur auszusetzen vermag. So sehr liebe ich Jakowlew nicht, um das fortzusetzen, aber andere Leute, die ich übersetze (und die nicht selber mitdisputieren können, die ich verteidigen würde) mag ich zu sehr dafür. Etwas schreiben und danach abwesend zu sein, das bringe ich nicht fertig. Entweder- oder. Lieber oder, wenn entweder nicht schmeckt…..
Danke , es ist ein Kompliment. Aber: Jens ist vermutlich 30 Jahre alt, ich habe 52 auf dem Buckel.
Hätte der Betrieb von Jens das Geld, jemanden einzustellen oder Aufträge zu verteilen, bekäme ich veilleicht eine mail? Nie und nimmer.
Und das ist korrekt.
Einen Witz (1990) möchte ich noch erzählen:
Moskau, Riesenhochhaus stürzt ein. Regierungskommission kommt, um die Schuldigen zu finden.
Sand, Du bist schuld!
Ich kann nicht schuldig sein: einmal, zweimal, dreimal gesiebt!
Ziegelstein, Du bist schuld!
Ich kann nicht schuldig sein: vorne rot, hinten rot, links rot, rechts rot, innen rot; ich bestimmt nicht!
Sagt die Regierungskommission:
Na also, Zement, Du bist schuld.
Sagt der Zement:
“Kann nicht sein, ich war doch gar nicht dabei!”
@ andreas_fecke 28.08.10 08:44
Andreas, das ist nicht fair, daß Du wegen meines “Gedankenmülls” den anderen Lesern/Kommentatoren von Spiegelfechter den “Teil ll Gorbatschow” und die “Afrikaserie” vorentziehen willst.
Wir haben hier keine Kollektiv-Schuld.
Wenn ich was ausgefressen habe, dann hacke doch bitte auf mir rum oder ignoriere einfach meine Kommentare, aber bestrafe doch bitte die Anderen nicht.
Ich verspreche hier hoch und heilig, daß ich Deine Artikel, falls Du Dir anders überlegst und die Artikel hier trotzdem unterbringst, nie mehr kommentieren werde !
Ich werde sie mit großer Interesse lesen, insbesondere die Afrika-Artikel, aber kommentieren, nie, nie !
…ohne Gorbi wären wir Deutschen immer noch geteilt. Vor einigen Jahren konnte ich Gorbi dafür danken, ich traf ihn vor der Frankfurter Oper, alleine, nur mit einem Leibwächter…
Wäre das schlimm?
a^2
Hattest Du bei diesem Treffen auch Dein “cooles” Baseballcap auf?
In den Köpfen sind die Deutschen immer noch geteilt.
@andreas_fecke schrieb am 30. August 2010 at 13:05
Schade, Deine Niveau hat gut zu SF gepaßt, aber wenn Dein Fell nicht dick genug ist, kann ich Deine Haltung verstehen.
Ich habe im Laufe der Zeit jedoch ganz andere, härtere Auseinandersetzungen bei SF gelesen und sie machen das gute Ansehen des Blog von Jens Berger aus.
Ja, ich auch, aber genau die kann ich jetzt noch vermeiden, vor allem unter Namen anderer Leute, deren Texte ich einführen würde. Mittlerweile habe ich mich auch kurz mit Jens ausgetauscht und nehme den Irrtum auf mich. Danke für das Verständnis; tut mir leid für Jens, der kurzfristig nun einige wenige Artikel weniger zu Themen hat, die auch bei ihm Nischenthemen sind, aber ansonsten nichts verliert. So verbleibt jeder mit gemachten Erfahrungen, bevor wirklich unangenehme Situationen entstehen, weil nicht jeder und alles überall hinpassen kann.
@ andreas_fecke
Mein Kommentar ist verschwunden.
Hast Du ihn gelöscht oder Jens ?
das war meine Wenigkeit
@ Spiegelfechter
Wieso ?
War mein Kommentar zu scharf ?
Oder wolltest Du diesen dünnhäutigen Andreas Fecke schützen ?
Der Kommentar war nicht “scharf”, sondern ungehörig und verletzend.
@ Spiegelfechter
Ungehörig und verletzend ?
Komisch, er bezeichnet mich als einen Troll und das ist Deiner Meinung nicht “ungehörig” und “verletzend”.
Wenn ich aber ihn als Troll bezeichne, dann ist es “ungehörig” und dazu auch noch “verletzend”.
Was ist mit Deinem Gerechtigkeitssinn, Jens ?
Er hat aber es nicht geschafft, meine These zu widerlegen.
Er hat offensichtlich nicht erwartet, daß Dein Blog inzwischen von russischsprechenden- und verstehenden Lesern unterwandert ist.
Und ich, im Gegensatz zu ihm, kann problemlos meine Behauptung belegen (es gibt heute viel zu viel Information darüber).
Dafür muß er aber russisch können.
Französisch ist im Bezug auf Russland einfach die falsche Sprache.
Also, wie gesagt, ich verheimliche meine Quellen nicht.
Ein paar Quellen habe ich schon da oben genannt.