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  • Kernspaltung bei der Union

    geschrieben am 30. August 2010 von Spiegelfechter

    Wenn Angela Merkel im ZDF laut nachdenkt, so kann dies schon einmal massive Auswirkungen auf die Börsenkurse deutscher Großkonzerne haben. Heute gehörten E.ON und RWE zu den größten Gewinnern am Frankfurter Parkett. Das ist verständlich, lassen die angedachten 10 bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke die Kassen der Strommonopolisten doch klingeln. Eine 15jährige Laufzeitverlängerung würde den Betreibern nach Berechnungen des DIW Zusatzeinkünfte von mehr als 96 Milliarden Euro bescheren. Selbst wenn die Regierung ihre Drohung wahrmachen und einen Teil der Mehreinnahmen über eine „Brennelementesteuer“ abschöpfen würde, blieben den Stromkonzernen noch rund 62 Milliarden Euro Mehreinnahmen – bei einer 10jährigen Laufzeitverlängerung wären dies immer noch 41 Milliarden Euro.

    It´s the economy, stupid

    Mit „Peanuts“ hat die Diskussion um Laufzeitverlängerungen nichts zu tun, es geht vielmehr um das ganz große Geld. Natürlich ist auch die Gegenseite keinesfalls von einem wie auch immer gearteten Öko-Spirit beseelt – die alternativen und regenerativen Energien sind ebenfalls ein Milliardenmarkt. Heute arbeiten 1,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor. Umwelttechnik ist damit noch vor Maschinenbau und Automobilindustrie der wichtigste industrielle Sektor Deutschlands. Noch wichtiger ist jedoch, dass der Umweltsektor die letzte echte Wachstumsbranche und Deutschland in diesem Sektor Weltmarktführer ist. Atom-Lobby kontra Anti-Atom-Lobby, wenn das politische Deutschland sich Gedanken über den Atomausstieg macht, verlaufen die Fronten längst nicht mehr zwischen lila Latzhosen und grauen Kapitalisten. Es geht vielmehr um eine der letzen Kernfragen deutscher Industriepolitik und die Fronten verlaufen sogar quer durch die schwarz-gelbe Regierungskoalition.


    Für die FDP steht fest, dass es Deutschland dann gut geht, wenn es der Industrie gut geht. Die Liberalen glauben den Strommultis daher auch gerne, dass sie Kosteneinsparungen an den Endkunden weitergeben werden – wobei es der FDP natürlich nicht um „den Endkunden“, sondern um die gewerblichen Endkunden geht. Das Mantra des funktionierenden Marktes ist in den Betonköpfen der Wirtschaftsliberalen nun einmal fest verankert. Marktmechanismen auf einen komplett dysfunktionalen Markt wie den Strommarkt anwenden zu wollen, zeugt jedoch nicht eben von intellektueller Leistungsträgerschaft. Wer glaubt, dass die Strommonopolisten Kosteneinsparungen an den Endkunden weitergeben und dadurch zehntausende Arbeitsplätze entstehen könnten, glaubt auch, dass die Finanzmärkte sich selbst regulieren. Relativ gut konnte bislang die Union mit dem Atomausstieg leben, schließlich gefällt sich Angela Merkel doch als Klimakanzlerin und liebt es, sich als Modernisiererin zu verkaufen. Die Kernkraft gilt jedoch als unmodern und ist unpopulär. Für eine Kanzlerinnen-Imagekampagne taugt sie damit nicht.

    Röttgens Ritt auf der Rasierklinge

    Wenn Bundesumweltminister Norbert Röttgen die Kernkraft als „Brückenlösung“ bezeichnet und die Betreiber über die Sicherheitsschiene zusätzlich zur Kasse bitten will, so hat dies wenig mit ehrlichen Sorgen hinsichtlich der Risiken zu tun. Röttgen war bereits designierter Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und gilt neben Ursula von der Leyen als einer der potentiellen Nachfolger Angela Merkels, der auch vom künftigen Wunschkoalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen geschätzt wird. Um sich als schwarz-grüner Diadoche in Position zu bringen, muss Röttgen sich als gemäßigter Kernkraftreformer positionieren. Doch diese Positionierung gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge. Ist Röttgen zu atomkraftkritisch, droht ihm der Widerstand der schwarzen Fürsten aus dem Süden des Landes.

    Als Röttgen jüngst warnte, die Nutzung der Kernkraft dürfe kein „Alleinstellungsmerkmal“ der Union werden, forderte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus sogar seinen Rücktritt. Das ist natürlich nicht ernst zu nehmen – Mappus befindet sich in seiner politischen Adoleszenzphase und muss mit halbstarken Pöbeleien punkten. Dennoch zeichnet sich beim Thema Kernkraft ein Nord-Süd-Konflikt innerhalb der Union ab. Während die “Südstaaten” traditionell atomfreundlich sind, versprechen sich die “Nordstaaten” wirtschaftliche Prosperität durch die Stärkung regenerativer Energien und stehen damit hinter Norbert Röttgen.

    Laufzeitverlängerung mit Sollbruchstelle?

    Um sein Image als schwarz-grüner Pragmatiker zu bewahren, brachte Norbert Röttgen am Wochenende die Sicherheitsfrage ins Spiel. Bei einer 12jährigen Laufzeitverlängerung kämen somit auf die Betreiber rund 20,3 Milliarden Euro Mehrkosten hinzu, um selbst alte Kraftwerke gegen einen abstürzenden Airbus A320 immun zu machen. Damit könnten E.ON, RWE und Co. allerdings immer noch gut leben, schließlich würde ihnen eine entsprechende Laufzeitverlängerung von zwölf Jahren brutto 77 Milliarden Euro Mehreinnahmen einbringen. Es ist natürlich verständlich, dass die Atomfürsten angesichts solch potentieller Regulierungen Krokodilstränen vergießen und Zeter und Mordio schreien – ihr Bluff ist jedoch nur allzu offensichtlich.

    Röttgens Sicherheitsbedenken sind jedoch auf ganz anderer Ebene eine Sollbruchstelle für die Laufzeitverlängerung. Ändern sich die Sicherheitsparameter, kann die Frage der Laufzeitverlängerung nicht mehr vom Kabinett „ex cathedra“ verkündet werden. Die Sicherheitsüberwachung obliegt auf operativer Ebene den Ländern, und damit wird das Thema ein Thema für den Bundesrat.

    Last Exit Karlsruhe

    Schwarz-Gelb hat jedoch im Bundesrat keine Mehrheit mehr und es erscheint unwahrscheinlich, dass ein Bundesland mit Regierungsbeteiligung von SPD oder Grünen einer Laufzeitverlängerung zustimmen würde. Im Gegenteil, neben den SPD-geführten Ländern haben auch die CDU-geführten Länder Hamburg, Thüringen und das Saarland ein gemeinsames Papier mit Kritikpunkten am Energiekonzept der Bundesregierung unterzeichnet. Die Laufzeitverlängerung ist also nur dann umsetzbar, wenn sie am Bundesrat vorbeigeschleust wird. Dieses Vorhaben ist allerdings sogar ohne die Sicherheitsfrage verfassungsrechtlich strittig.

    Nach Position des Innenministeriums benötigt erst eine Laufzeitverlängerung von mehr als zehn Jahren einer Zustimmung des Bundesrates. Das Justizministerium sieht diese Grenze jedoch bereits bei zwei Jahren. Um zu vernebeln, dass die Laufzeitverlängerung ohne ein klärendes Wort aus Karlsruhe ohnehin nicht durchsetzbar sein wird, spricht die Regierung daher lieber wachsweich von einer „moderaten“ Laufzeitverlängerung. Viele Verfassungsrechtler sind jedoch der Meinung, dass jede Form einer Laufzeitverlängerung eines Gesetzes bedürfe, das den Bundesrat passieren muss.

    Merkel distanziert sich von sich selbst

    Warum Angela Merkel sich ohne Not aus dem Fenster lehnt und eine Laufzeitverlängerung von zehn bis fünfzehn Jahren als „fachlich vernünftig“ bezeichnet, entzieht sich nicht nur der fachlichen, sondern auch der politischen Logik. Noch nicht einmal das von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Gefälligkeitsgutachten des von E.ON und RWE finanzierten Kölner EWI konnte sich dazu durchringen, eine solche Laufzeitverlängerung in Hinblick auf die Punkte Strompreis, Versorgungssicherheit und CO2-Bilanz als „fachlich vernünftig“ darzustellen. Der einzige Grund, warum die EWI-Studie überhaupt marginale volkswirtschaftliche Vorzüge bei einer Laufzeitverlängerung sieht, ist der Umstand, dass Alternativinvestitionen und ungeklärte Probleme, wie beispielsweise die Zwischen- und Endlagerfrage, gar nicht betrachtet werden. Dabei kann es eigentlich keine zwei Meinungen darüber geben, dass ein Verzicht auf Laufzeitverlängerungen positive volkswirtschaftliche Effekte hätte, da Ersatzinvestitionen in Alternativenergien aus industriepolitischer Sicht durchaus vernünftig sind. Das weiß auch die Kanzlerin, doch manchmal ist es anscheinend schwer, sich aus der Umarmung der Lobbykrake zu befreien. Heute ließ der neue Regierungssprecher Seibert bereits verkünden, Frau Merkel habe sich trotz ihrer Aussagen am Wochenende in dieser Frage noch nicht festgelegt. Alles andere wäre bei „Angela Cunctator“ auch überraschend.

    Jens Berger

    67 Kommentare Print This Post
    Wenn Angela Merkel im ZDF laut nachdenkt, so kann dies schon einmal massive Auswirkungen auf die Börsenkurse deutscher Großkonzerne haben. Heute gehörten E.ON und RWE zu den größten Gewinnern am Frankfurter Parkett. Das ist verständlich, lassen die angedachten 10 bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke die Kassen der Strommonopolisten doch klingeln. Eine 15jährige ...
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    67 Kommentare:

    1. 7schläfer schrieb am 30. August 2010 at 17:13 - Permalink

      Das eigentlich perfide ist doch, dass auch bei den gewerblichen Endkunden der Preis steigt und steigt. In einem neulich ausgestrahlten Frontal21 Bericht hat ein gewerblicher Großkunde erst mit der Drohung ein eigenes Kraftwerk zu errichten erwirkt, dass der Strom für seine Firma billiger wird.
      Billig zieht halt in unserer heutigen Zeit am Besten, wenn man die Zustimmung der Bevölkerung sucht ;)

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 18:03 - Permalink

        Leider wird das auch aus der Standortdiskussion immer wieder ausgeblendet. Ein guter Freund von mir ist Forschungsleiter bei einem regionalen Automobilzulieferer (Dichtungen aus Kautschuk und Gummi), der kurz vor dem Aus steht. Natürlich dreht sich die gesamte Diskussion wieder einmal nur um die Lohnkosten. Die Energiekosten betragen bei diesem Unternehmen aber ein Vielfaches der Lohnkosten und letztlich sind sie es, die hier rund 2.000 Arbeitsplätze vernichten werden. Die Aufträge übernimmt ein Konkurrent aus der Türkei – dort sind nich nur die Lohn-, sondern vor allem die Energiekosten (rund 1/4 der deutschen) sehr konkurrenzfähig. Die strategische Entscheidung, ein eigenes Kraftwerk zu bauen, wurde übrigens von der Hausbank vor Jahren abgelehnt. Die Hausbank gehört zu den Aktionären des regionalen Energieversorgers – wen wundert es?

        • 7schläfer schrieb am 30. August 2010 at 23:14 - Permalink

          “Danke” für das Beispiel :(

          wir (Deutschland) haben ja “ausschließlich” hohe Lohnkosten; dass der Fall auch diametral entgegengesetzt betrachtet werden muss, ist mehr als nur erschreckend!

          Unsere Volksvertreter, inkl. der FDP, wissen garantiert um diese Sachlage, da wird sich nicht nur der Check im vermutlichen 7-stelligen Bereich angenehmer in der Kasse bemerkbar machen, sondern auch der Job in der “freien Wirtschaft” nach der politischen aktiven Zeit beeinflussend auf die politischen Entscheidungsträger auswirken (sry für Polemisierung).

          Sachliche Diskussionen zu diesen, oder ähnlich gelagerten, Themen sind somit politisch de facto unerwünscht, da sie den individuellen und parteilichen Interessen entgegenlaufen.

          Da werden lieber tausende Arbeitsplätze riskiert, anstelle mal auf die Bremse zu treten; vielleicht leiden ja die Politiker unter der Schwäche, unter der ältere Semester im Straßenverkehr leiden: sie verwechseln das Gas- mit dem Bremspedal…. schlechte Analogie….. schlechte Politik -> schlechte Analogie…

          • Vogel schrieb am 31. August 2010 at 21:33 - Permalink

            Moral aus Euer beider Beiträge: Energie muss billig bleiben / billiger werden … alles muss einfach billiger sein/bleiben/werden!

            Überall?!!

            Ich bin für die Zehntelung der Energiepreise, dann kann ich mir 107cm Plasma-Flat leisten, dann kommt der Q 7 ins Haus, dann mahl’ ich meinen Kaffe wieder elektrisch. Denn viel verbrauchen iss gut für’s Wachstum! Denn dann wächst das Wachstum … das Waxxtum, der Wachturm, das Wixxtum, bleiben die Arbeitsplätze in Urgroßvaters Industrie – das Auto stammt aus dem 19ten Jh. – erhalten … der Wohlstand wächst, wir alle wachsen mit … “Schöne neue Welt” – wie weit isses noch bis Soma?

            Zum Thema zurück: Nieder mit Atom, mit Großvaters Technik (die [Hoffnung auf saubere, sichere] Atomkraft stammt aus den 40/50/60-igern des vorigen Jhts. – oder das Endlager nach Süddeutschland. Dort gibt es, wie man weis, Endlagerstätten, die dreimal tauglicher sind als das Ex-Zonenrandgebiet. Und die Atomindustrie zahlt die milliardenschweren Förderungen der letzten 50 Jahre zurück – und die Kosten für die Endlagerung! Aus die Maus!

            • 7schläfer schrieb am 1. September 2010 at 00:54 - Permalink

              Das ist doch gar nicht der Punkt. Der Punkt ist doch, die Atomenergiegielobby mit ihren eigenen, bzw. ökonomischen, Argumenten zu widerlegen.

              Gut, ein Teilpunkt an Dich. In unserem gegenwärtigen Gesellschaftssystem geht Wachstum über alles. So lange dies so ist, muss man sich damit abfinden, und damit auch hier in Deutschland weiterhin Wachstum stattfinden kann, und zwar nicht ausschließlich über niedrige Löhne, müssen in diesem Fall die Energiepreise sinken. Interessanterweise verhalten sich ja die Energiepreise nicht so, wie es bei Großvaters Erfindungen normalerweise üblich ist: die Energiepreise steigen nämlich von Jahr zu Jahr anstelle zu fallen, und, in diesem Fall die Atomlobby, die Betreiber lachen sich ins Fäustchen und füllen ihre Konten noch mehr auf. Reinvestitionen? Fehlanzeige…. kostet ja nur Geld.

            • Vogel schrieb am 1. September 2010 at 08:49 - Permalink

              Ich glaube, die kann man nich mit ihrem eigenen Geschwurbel widerlegen. Ich bin mir sicher: Mit garnix. Die wollen einfach – weil’s so schön rentierlich iss, weil Du und ich die Entsorgung zahlen, weil Du und ich den Anbieter nich wechseln usw.! Ende.

              Ich weis nich, was Energie 1950 gekostet hat, gemessen am Einkommen(!) – ich weiß aber noch, dass mein Vater ca. 1956 die Lohntüte auf dem Küchentisch ausgeschüttet und nach gezählt hat: 486,.. DM für einen ganzen Monat schwere Arbeit als Schlosser. Da iss ‘ne kWh für den neuen Elektroherd sicher ganz schön reingeschlagen!?

              PS.: Das Thema: Stromanbieter wechseln wrd’ ich noch’mal der family unterbreiten. ‘Mal sehen, ob die Trägheit überwunden werden kann.

    2. vera schrieb am 30. August 2010 at 17:14 - Permalink

      Och, na ja – Cunctatora hat sich auch über Bundesbank und Sarrazyn geäußert, und es hat nix geholfen.

    3. 7schläfer schrieb am 30. August 2010 at 17:21 - Permalink

      Nachtrag zu 1.)

      Frontal21-Bericht: Im Würgegriff der Konzerne bei 39:08

    4. lebowski schrieb am 30. August 2010 at 17:23 - Permalink

      Das Wort “Cunctator” ist positiv konnotiert, da es der Beiname eines römischen Feldherrn war, der durch sein Zögern eine Schlacht gewonnen hat. Merkel zögert ja nicht, Entscheidungen zu treffen, sie trifft einfach keine. Ihr Vorgehen ist, solange zu warten, bis alles den Bach runtergeht, dann auf die Schnelle irgendeine Notmaßnahme zurechtzupfuschen und dann dem Volk mitteilen, dass man keine Alternative hatte.

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 18:04 - Permalink

        Merkel hat so manche Schlacht gewonnen – so falsch finde ich den Vergleich nicht.

    5. ppp schrieb am 30. August 2010 at 17:29 - Permalink

      Was für ein Gewürge!
      Wie soll das denn erst bei Bundeswehr, Hartz IV und Sparpaket werden?!

      In der GroKo hat die SPD sich als dankbares Opfer alles aufladen lassen, und die paar bisherigen Sachen bei Schwarz-Gelb waren nicht der Rede wert…. ein bisschen unsoziales Zeugs, das ist doch inzwischen Routine.

      Aber jetzt kommt die erste wirklich harte Entscheidung, bei der sich Merkel nicht mehr verstecken kann. Natürlich versucht sie es noch so lange wie möglich – was anderes kann sie ja nicht. Aber da die ersten Meiler laut Atomausstieg jetzt abgeschaltet werden müssten, herrscht unwiderruflich Entscheidungsdruck. Dumm gelaufen für Mutti.

    6. Mikadozapler schrieb am 30. August 2010 at 17:42 - Permalink

      Irgendwie freue ich mich auch darüber wenn mittelständige Unternehmen darüber nachdenken sich eigene Erzeuger zu bauen. Das schafft Binnennachfrage die im Land der Umwelttechnik genau dazu führt das das eigentliche Versorgungsnetz überflüssig wird und damit die Abhängigkeit geringer. Dumm nur für den Endverbraucher, aber selbst er hats im Zweifel in der Hand sich sein Heim mit Silizium zuzupflastern (leider auch auf Kosten der Umwelt, dafür aber kostendeckend, ohne Erpressung)

      • matze schrieb am 30. August 2010 at 18:10 - Permalink

        Das “mittelständige” Unternehmen wird seine Strom- und Wärme-Überschüsse auf dem Markt anbieten. Kann nur gut sein. Nur, welche Primärenergie wird verwendet? Werden dann viele kleine Kohlekraftwerke gebaut?

        • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 18:15 - Permalink

          oh, da gibt es viele Möglichkeiten. Biomasse ist momentan die erste Wahl. Je nach Unternehmen kann dabei vor allem die Prozesswärme richtig sinnvoll eingesetzt werden.

          Mit dem Verkauf auf dem Markt ist es da allerdings nicht so toll. Es gab sogar Zeitpunkte, an denen an der Strombörse negative(!!!) Preise für Strom aus Blockkraftwerken gezeichnet wurden. Die Multis bestimmen das Geschäft – leider.

      • Vogel schrieb am 31. August 2010 at 21:41 - Permalink

        … sein Heim mit Silizium zuzupflastern (leider auch auf Kosten der Umwelt …)

        stimmt, wird häufig vergessen, dass es Photovoltaik nich “umsonst” gibt. Aber: Es gibt nich nur Photovoltaikzellen, die sich ökologisch erst nach ca. 7 Jahren in die “grüne” Zone begeben, es gibt auch solche, wo die Schwelle bereits nach ca. 3 Jahren erreicht wird!

    7. unbequemer schrieb am 30. August 2010 at 17:43 - Permalink

      Niemand sollte vergessen, diese “Abgabe” wird doch wieder in den Preis einkalkuliert. Es ist wie mit der Mineralölsteuer. Die Tankstellenpächter werden für die Preise kritisiert, nicht die Regierung. Es ist eine indirekte Steuererhöhung, so wie damals bei der Einführung der Sektsteuer für die Marine.

      WIe groß wäre der Aufstand, wenn nun die Mehrwertsteuer auf 30% erhöht würde – aber wenn der “dumme Bürger” sieht, hey, die Regierung will was von den großen Konzernen, toll, und dann dieser gelernte Demagogin bei der nächsten Wahl dann wieder sine Stimme gibt, dann hatte der Weg wieder zum Ziel geführt.

      • Vogel schrieb am 31. August 2010 at 21:44 - Permalink

        Stimmt!!

        Das iss genauso mit dem “solidarischen Arbeitgeberanteil”, also dem Brutto vor dem Brutto, dem Abzug vor dem Abzug (alles Lohnkosten!! Kalkulationsposten, sonst nix!!) … *würg*

    8. R_Winter schrieb am 30. August 2010 at 18:09 - Permalink

      Mit „Peanuts“ hat die Diskussion um Laufzeitverlängerungen nichts zu tun, es geht vielmehr um das ganz große Geld.

      Ja, es geht um´s große Geld. Das Gutachten zeigt laut FAZ vom 30.8.10 an Nachbesserungsbedarf:
      20,3 Mrd. € für 12 Jahre
      36,2 Mrd. € für 20 Jahre Laufzeitverlängerung und
      dabei 0,7 Cent je KWh Reduzierung = 10% des Strompreise an der Strombörse (Krümmel zur Beruhigung für die Bevölkerung).

      Wer an eine Senkung glaubt, ist ein Träumer.
      Die Gas-Mafia aus GUS hat für die nächsten Jahre schon eine Preissteigerung von 100% voraus gesagt und wer ist auf deutscher Seite “Partner”? Der Strom wird folgen.
      Die Nachrüstungskosten werden zur Folge habe, daß die Solarbranche fast ausgeschaltet wird und das Projekt Sahara-Gas im Projektstudium stecken bleibt.

      Es geht um viel Geld und da ist auch viel Geld für “Entscheider” in Politik und Justiz vorhanden.

    9. Rossi schrieb am 30. August 2010 at 18:16 - Permalink

      Also ich halte nichts von einer Laufzeitverlängerung, aber wenn es wirklich dazu kommen sollte, dann sollte man doch lieber die Finger von einer Sondersteuer lassen. Sinnvoller wäre da meiner Meinung nach die Industrie dazu zu verpflichten einen bestimmten Prozentsatz dieser Gewinne in eine nachhaltige Energiewirtschaft zu investieren… am besten unter Mitbestimmung eines Expertenrates aus Wissenschaftlern. Naja, das wäre wohl zu zielführend und in der Lösungsart zu simpel.

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 18:23 - Permalink

        davon halte ich persönlich nichts. Mich erinnert das an meine alte Oma, die mir früher 5 Mark in die Hand gedrückt hat und darauf bestand, dass ich dieses Geld nicht für Zigaretten ausgebe. Kunststück, da habe ich halt die Zigaretten mit meinem anderen Geld bezahlt. Bei den Energiekonzernen ist das ähnlich. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass dieses Geld zusätzlich investiert wird. Es wird anstelle des regulären Budgets investiert und die naiven Kunden, die Ökostrom beziehen, zahlen für dieses Angebot auch noch fürstlich. Da sich auch mit regenerativen Energien sehr(!) viel Geld verdienen lässt, sind die Multis ja sehr wohl in diesem Bereich präsent. Dazu muss man sie nicht zwingen. Letzlich wäre das ein klassisches linke Tasche-rechte Tasche-Modell.

        • Rossi schrieb am 30. August 2010 at 18:35 - Permalink

          Jo, der Einwand hat was für sich. Unter dem Gesichtspunkt kann man allerdings eigentlich direkt jegliche Art der Abgabenerhebung bei einer Laufzeitverlängerung sein lassen, weil wie man es dreht und wendet wird es so oder so beim “linke Tasche-rechte Tasche-Modell” enden. Es sei denn die Politik würde die Preise begrenzen, aber damit würde man dann ja den ganzen Privatisierungswahn in Frage stellen… Es bleibt also: Schlussendlich muss die Politik die Ziele vorgeben und eben auch mit ausreichend viel Druck durchsetzen. Dafür ist sie nunmal eigentlich da, nur -naja- das grenzt mittlerweile ja schon fast an eine Utopie.
          Alternativ könnte man vielleicht auch die Einnahmen zur Subventionierung der Strompreise aus regenerativen Energiequellen verwenden. Klar würde das die Konzerne nicht schwächen, aber zumindest mir ist aktuell erst einmal egal, ob der Umbau in der Energiewirtschaft in der Hand weniger grosser Konzerne liegt oder in den Händen vieler kleiner Produzenten. Zweiteres wäre zwar imo zu bevorzugen, aber Vorrang sollte aktuell wohl erstmal der Umbau überhaupt haben.

        • carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 20:23 - Permalink

          @spiegelfechter

          Da sich auch mit regenerativen Energien sehr(!) viel Geld verdienen lässt, sind die Multis ja sehr wohl in diesem Bereich präsent. Dazu muss man sie nicht zwingen. Letzlich wäre das ein klassisches linke Tasche-rechte Tasche-Modell.

          Die Linie ist doch sonnenklar zu erkennen. Merkel legt den Korridor von 10-15 Jahren vor. Die Energiekonzerne kontern mit der Offerte, bei 10 Jahren Verlängerung x% der Mehrgewinne in regenerative Energien zu investieren und bei 15 Jahren Verlängerung y% in regenerative Energien. Je länger die Laufzeitverlängerung, desto höhere Summen werden die Konzerne in regenerative Energien investieren. Damit werden die Grünen durchgegeknetet und die Lobby der Windanlagenbauer hyperventiliert. Im Ergebnis werden Branchen wie z.B. die Windenergie von Big Money kontrolliert und wo Big Money ist, ist die Mafia nicht allzu weit. Die Weiterentwicklung dieser Zukunftstechnologien wird dann im kleinen Kreise festgelegt.

        • ähh schrieb am 30. August 2010 at 20:58 - Permalink

          blöde frage, aber müsste man dann nicht einfach nur die pflichtinvestition hoch genug ansetzen, damit sie das “reguläre budget” übersteigt?
          schon hätte man zusätzliche investitionen.

        • Vogel schrieb am 31. August 2010 at 21:48 - Permalink

          Die Story mit der Oma iss ja köstlich!! *lol*

          Die Stromkonzerne wissen seit ca. 30 Jahre, spätestens seit Mitte der 90-iger, allerspätestens seit dem Ausstiegsvertrag, seit 10 Jahren(!!) wohin die Reise geht, wo die Defizite liegen. Was iss passiert? Nix!!

          Haut ‘se in die Schnauze bis die lachen – und wenn ‘se lachen: Haut’se in die Schnauze weil ‘se lachen!! *grrh*

          PS.: Update doch bitte ‘mal: Wie kommts zu dieser Diskussion? Ich hab’ das Nich mehr auf’m Schirm. Die hatten sich doch geeinigt und in Tinte gegossen: Ausstieg! (Hintergrund: Alle sind dagegen, Risiken unkalkulierbar und steigend mit dem Alter der Anlagen, entsorgen… auch so’n Thema) Who the fuck put this ugly item on the agenda?? Warum ss dess ‘n Thema (geworden)?

          PSS.: Was meint der SF: Wechselt die Regierung nach der nächste BuWa kriegen wir dann wieder ‘n Ausstieg aus’m Ausstieg aus’m Ausstieg??

    10. elwu schrieb am 30. August 2010 at 18:22 - Permalink

      Das übliche ideologische Geleier wider FDP, Union und Industrie. Zur Laufzeitverlängerung an sich hast du leider fast nichts geschrieben. Die Energieprognose 2009 wäre zum Thema eine interessante Quelle, man muss sich ja nicht allein auf das EWI oder gar Äußerungen von Politikern jedweder Coleur stützen.

      Was die Kosten für die Endkunden angeht, ist ein Hinweis auf das EEG der rotgrünen Regierung angebracht. Die EEG-Umlage, derzeit ca. 2 Cent pro KWh (übrigens hat das BMU unter Herrn Trittin diese im Jahr 2003 für 2010 vorausberechnet mit 0,45 Cent/KW und irrte damit ‘nur’ um den Faktor vier) wird die nächsten Jahre noch weiter steigen. Je nach Quelle auf 2,8 bis 4 Cent pro KWh. Bis sie ab ca. 2016 langsam sinken soll. Die Mehrkosten für die Endkunden betragen allein 2010 etwa 15,2 Mrd Euro (laut RWI). Ein von der Realität der Kapazitätszubauten inzwischen überholter Bericht aus 2009 findet sich hier. Die durch das EEG gewährten Zusatzprofite für die Hersteller und Betreiber der Anlagen übersteigen akkumuliert deutlich die vom DIW genannten 96 Mrd € für eine 15jährige Laufzeitverlängerung der AKW.

      Ach ja, ich bin gegen jede Laufzeitverlängerung der AKW.

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 18:30 - Permalink

        Das übliche ideologische Geleier wider FDP, Union und Industrie

        Im Gegenteil, zumal die Union ja durchaus eine ambivalente Position hat und “die Industrie” ein Opfer der Entwicklung ist.

        Zur Laufzeitverlängerung an sich hast du leider fast nichts geschrieben. Die Energieprognose 2009 wäre zum Thema eine interessante Quelle, man muss sich ja nicht allein auf das EWI oder gar Äußerungen von Politikern jedweder Coleur stützen.

        Auf dieses glatte Eis will ich mich gar nicht begeben. Ich versuche daher die volkswirtschaftliche Sichtweise heranzuziehen. Und da bin ich durchaus mit Merkel und Röttgen auf einer Linie – wobei man bei Merkel ja nie weiß, welche Linie sie gerade vertritt.

        Was die Kosten für die Endkunden angeht, ist ein Hinweis auf das EEG der rotgrünen Regierung angebracht.

        Na klar, das ist eine Subventionierung der alternativen Energien bzw. der Hersteller der nötigen Hardware auf Kosten der Haushalte und vor allem der produzierenden Wirtschaft. Das Hauptproblem ist alledings die Privatisierung der Stromkonzerne bzw. der mangelnde Wettbewerb unter ihnen.

        Die durch das EEG gewährten Zusatzprofite für die Hersteller und Betreiber der Anlagen übersteigen akkumuliert deutlich die vom DIW genannten 96 Mrd € für eine 15jährige Laufzeitverlängerung der AKW.

        Sicher, nur dass dieses Geld idT eine sinnvolle industriepolitische Subvention darstellt, während ich in einer Subventionierung der alten AKWs nun wirklich nichts erstrebenswertes sehe.

        • elwu schrieb am 30. August 2010 at 22:59 - Permalink

          Na klar, das ist eine Subventionierung der alternativen Energien bzw. der Hersteller der nötigen Hardware auf Kosten der Haushalte und vor allem der produzierenden Wirtschaft.

          Sicher, nur dass dieses Geld idT eine sinnvolle industriepolitische Subvention darstellt,

          Das ‘idT’ darf man auch anders sehen. Ich halte die EEG-Subventionen in der gewährten Höhe für völlig überzogen, innovationshemmend und gegenüber den Zwangszahlern unanständig. Eine Deckelung auf niedrigem Niveau ist dringend angezeigt. Zumal die deutschen Hersteller inzwischen zunehmend in Billliglohnländern produzieren lassen, was den volkswirtschaftlichen Nutzen für Deutschland enorm mindert.

          Ich bin also gegen eine Laufzeitverlängerung der AKW und für sofortige erhebliche Subventionsreduzierungen beim EEG. Ist doch gut, auch mal für etwas sein zu können, statt immer nur gegen alles Mögliche :)

    11. Schneemann schrieb am 30. August 2010 at 19:51 - Permalink

      …während ich in einer Subventionierung der alten AKWs nun wirklich nichts erstrebenswertes sehe.

      Macht und Pfründe sichern — zugegebenermaßen nicht für alle so erstrebenswert.

      Die Laufzeitverlängerungsdebatte geht allerdings ziemlich am Kern vorbei. Meinetwegen können die alten Schrottmeiler gerne noch ein weiteres Jahrzehnt ihre Belegschaft und nähere Umgebung verstrahlen, wenn die Haftungsfrage eindeutig(er) geregelt wird. Dazu gehört die sofortige Abschaffung von §34, Abs. 1 AtG, dazu gehört, daß die Konzerne hinreichende finanzielle Rücklagen für Katastrophen bereitstellen, dazu gehört, daß die Betreiber den anfallenden Strahlemüll über die erwartete Laufzeit sicher entsorgen können. Dazu gehört auch, daß im Falle von Unfällen mit Personenschäden und/oder Freisetzung die Topbosse der Konzerne auf Staatskosten unmittelbar Urlaub hinter Gittern antreten, anstatt sich hinter kleinsten Betriebs-GmbH-Strukturen verstecken zu dürfen.

      Als Nachweis finanzieller Potenz kann ein öffentlich gewähltes, öffentliches Verwaltungsgremium dienen, welches allein über die Milliarden verfügt, sie sicher anlegt und verwaltet, auf das die Konzerne jedoch keinerlei Einfluß haben. Als Nachweis der Müllentsorgung kann die Zusage eines funktionierendes Endlagers dienen, den voraussichtlich anfallenden Dreck verbindlich anzunehmen. Asse gelte jedoch nicht als solches.

      Ohne die Milliarden der Strom- und Gaskunden schwindet der Einfluß der Energiekonzerne rasch, so daß die Politik – gegebenenfalls nach gründlicher Säuberung – wieder im Sinne der Bürger agieren kann. Und beispielsweise dem TÜV beibringt, daß ein Auto mit 15 Jahren Laufzeit nicht wegen wackliger Bremspedale oder Rost an tragenden Teilen aus dem Verkehr zu ziehen ist, da 40 Jahre alte Atommeiler ja ebenfalls auf die Menschheit losgelassen werden.

      Übrigens: Three Miles Island 2 war grad neun Jahre alt, als er hochging, Tschernobyl 4 eben dreie. Vielleicht bringt ja die Evakuierung Frankfurts nach einem Biblis-’event’ neue Einsichten hinsichtlich der Vertretbarkeit von Atomkraft hierzulande? Oder sieht der Katastrophenschutzplan dies erst gar nicht vor?

    12. carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 19:56 - Permalink

      Warum Angela Merkel sich ohne Not aus dem Fenster lehnt und eine Laufzeitverlängerung von zehn bis fünfzehn Jahren als „fachlich vernünftig“ bezeichnet, entzieht sich nicht nur der fachlichen, sondern auch der politischen Logik.

      DAS zentrale schwarz-gelbe Projekt: Milliarden-Zusatzgewinne in die Kassen der Energiekonzerne schaufeln. Das Mittel: Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern, Das Problem: Seit der Niederlage in der NRW-Wahl ist die Bundesratsmehrheit von Schwarz-Gelb weg! Verlängert Schwarz-Gelb die Laufzeiten der AKW ohne Zustimmung des Bundesrats, wird die Politik ganz heiß, bevor es richtig heiß wird.

      Mit ihrem Spruch „10-15 Jahre“ seien „fachlich vernünftig“, hat Merkel ihre Taktik offengelegt. Am Ende wird Merkel vermutlich auf den unteren Rand gehen und den Bundesrat ignorieren mit dem oberfaul verzweifelten „Argument“, bei „nur 8-9 Jahren Verlängerung“ sei die Zustimmung des Bundesrats ja nicht erforderlich.

      Will sagen: Schwarz-Gelb wird die Laufzeitverlängerung ohne Zustimmung des Bundesrates durchs Parlament bringen. Dann muß der extra neu installierte neue Bundespräsident Wulff noch einmal prüfen, ob das Gesetz zustimmungspflichtig ist oder nicht. Falls Wulff das Gesetz für zustimmungspflichtig hält, wäre das der ultimative KO-Schlag für Schwarz-Gelb. Falls Wulff das Gesetz für nicht zustimmungspflichtig hält, würde erstmal nix passieren und die Opposition würde vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Falls das Verfassungsgericht das Gesetz aber für zustimmungspflichtig hält, wäre das der terminierende KO-Schlag für Schwarz-Gelb UND den neuen Bundespräsidenten. Wulff wäre so scheintot wie Köhler.

      Mit anderen Worten: Bundeskanzlerin Merkel steht nun vor dem Problem, wie sie die Kraftprobe mit dem rechtskonservativen Flügel ohne Verlierer geenden kann, indem sie die Laufzeiten der AKW genau richtig einstellt. Stellt sie die Laufzeiten falsch ein, wird die CDU spätestens unmittelbar nach der baden-württembergischen Landtagswahl 2011 wie Glas zersplittern.

      Entsprechend intoniert schon mal der Hardcore-Zionist Prof. Wolfsohn am 28.8.2010 in Springers WELT morbide die Begleitmusik: „Die Union wird sich spalten. Das Wann ist offen, nicht das Ob. Der Riss wird quer durch die CDU und CSU gehen. Entstehen wird je eine freisinnig konservativ-liberale (oder liberal-konservative) sowie eine wirtschaftsliberal-altkonservative Partei. (…) Das „Sarrazin-Segment“ der deutschen Gesellschaft dürfte dieser Partei zuneigen.“
      http://www.welt.de/debatte/kommentare/article9250275/Koch-und-Merz-werden-Spaltung-der-Union-einleiten.html

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 20:06 - Permalink

        Interessante Theorie, die allerdings im Detail hinkt. Sollte Schwarz-Gelb eine Laufzeitverlängerung ohne Bundesrat beschließen, wird die Sache definitiv in Karlsruhe landen. Das haben Bremen und Rheinland-Pfalz ja bereits angekündigt. Die Chancen, dass die Verlängerung das BVerfG passieren wird, gehen m.E. gegen Null. Viel Geschrei um nichts.

        • carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 20:54 - Permalink

          @spiegelfechter

          Die Chancen, dass die Verlängerung das BVerfG passieren wird, gehen m.E. gegen Null. Viel Geschrei um nichts.

          Nun gut, es regnet von allen Seiten Nebelkerzen. Meine “interessante Theorie” besagt dagegen ganz einfach, daß die Laufzeiten der Kernkraftwerke am Ende des Tages genau bis zu dem Punkt verlängert werden, ab dem der Bundesrat sie bestätigen müßte.

          • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 21:10 - Permalink

            ja, aber der Bundesrat “muss” gar nichts bestätigen. Wenn er Laufzeiten ablehnt, lehnt er sie ab und das Gesetz scheitert.

            • carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 21:29 - Permalink

              @spiegelfechter
              “ja, aber der Bundesrat “muss” gar nichts bestätigen. Wenn er Laufzeiten ablehnt, lehnt er sie ab und das Gesetz scheitert.”
              Du machst zu viel Geschrei um semantische Fragen. Es geht bei dem Ding um so viel Euronen, dass du die Sache einfach analog und nicht digital betrachten mußt. Aber gut, wenn dir der Glaube hilft, dass das Bundesverfassungsgericht über den Wolken schwebt, dann wird dir der Glaube vermutlich helfen.

            • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 21:50 - Permalink

              Das hat nichts mit zu tun. Aber bei Dir schreibe ich eh gegen Mauern.

            • carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 22:04 - Permalink

              ja, aber der Bundesrat “muss” gar nichts bestätigen.

              Na sagte ich doch! Die Schwarz-Gelben werden die Laufzeiten der Kernkraftwerke sekundengenau bis zu dem Punkt verlängern, AB dem der Bundesrat sie bestätigen müsste, d.h. der Bundesrat NICHT bestätigen muss! Den genauen Punkt dealen die Schwarz-Gelben vorher mit den Bundesverfassungsrichtern ab, die ja auch nur Juristen sind. Also wo soll da das Problem sein, das du da digital siehst?

            • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 22:15 - Permalink

              Du redest wirres Zeugs und meine Lebenszeit ist mir zu kostbar, um mich mit derlei Unfug auseinanderzusetzen.

    13. klaus baum schrieb am 30. August 2010 at 20:38 - Permalink

      ich glaube nicht, dass die eingangs von dir erwähnte rechnung aufgeht: 10 jahre = x gewinn, 15 jahre = y gewinn.

      wenn nur eins der kraftwerke in die luft geht, muss man wohl die gewinnrechnung ändern. oder?

      • Spiegelfechter schrieb am 30. August 2010 at 21:07 - Permalink

        sicher, aber warum sollte ein AKW in die Luft fliegen sollte. Die Rechnung hat dennoch einen Haken. Da die AKW-Betreiber gerne bei Kleinigkeiten schlampen, stehen ihre Meiler nun einmal öfters still. Die DIW-Zahlen beziehen sich aber auf Laufzeit und nicht auf Stillstandzeit.

        • carlos manoso schrieb am 30. August 2010 at 21:44 - Permalink

          @spiegelfechter

          sicher, aber warum sollte ein AKW in die Luft fliegen

          Wenn die Anlagen länger laufen, steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass das ein oder andere AKW mal in die Luft fliegt. Genau das ist übrigens der Grund, weshalb die Betreiber vorher möglichst hohe Gewinne machen müssen und möglichst wenig Steuern abführen sollten, falls mal plötzlich Schluß mit dem Betrieb sein sollte. Hinterher gehts ja nicht mehr und ein Betonsarg wie in Tschernobyl frisst die Gewinne der Jahre davor wieder weg.

      • Kalle schrieb am 30. August 2010 at 21:07 - Permalink

        Nur um läppische 500 Mio Euro. Da ist die Versicherungssumme für AKWs nämlich gedeckelt. Natürlich fällt dann noch die Produktion des einen Kraftwerks weg, aber dat lohnt sich trotzdem.

    14. Shitop schrieb am 30. August 2010 at 22:32 - Permalink

      Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der hatte in einer früheren Tätigkeit an den Sicherheitsberechnungen von Kernkraftwerken mitgewirkt. Die Anekdoten, die er zu dieser Tätigkeit zum Besten gab, lassen mich noch heute frösteln. Gerechnet wurde mit Lochkarten als Datenträger. Unerwünschte Abweichungen wurden von Hand korrigiert, etc.

      Bei den Betreibern hat sich da bis heut nicht viel geändert, wenn die jetzt ihre Kraftwerke mit Nebelkerzen gegen gezielte Abstürze sichern wollen, als gäbe es noch kein GPS. Ganz reale Geisterbahn …

    15. Mentaler Hilfsdienst schrieb am 31. August 2010 at 00:30 - Permalink

      Ach,

      warum die Muehen hier jeden Tag eure Zeit mit all dem Bloggen zu vergeuden!

      Die kannst tagein und tagaus alles Moegliche in unserer pluralistischen Gesellschaft niederschreiben. Auch wenn es mal fuer ein paar Monate ganz nett ist – nichts, gar nicht aendert sich! Schreiben und schreiben, darueber Reden, warum nicht sich in einer Partei engagieren? Wie viele Menschen wollt ihr denn erreichen bevor ihr etwas unternehmen wollt? Warum noch die Blogs lesen, wenn man doch weis was dort noch kommt. Ist doch alles ausgelegte Strategie. Der Economist hat schon letztes Jahr Empfehlungen ausgesprochen in Energiekonzerne zu investieren die auf Automeiler setzen. Vor einem Jahr wusste man doch schon das ±320 neue Atommeiler weltweit geplant und gebaut werden sollen.

      Bin des Lesens der taeglichen geschieht hier und geschieht dort, ueberdruessig. Hier werden weltweite Strategien eines ueberdimensionalen Brettspiels von einigen geziehlten Interessen bedient. Die Frage ist doch nur wann die Gewichte auf den Seiten der gesellschaftlichen Pyramide sich verschieben und ob man dann noch drauf steht oder nicht.

      Oder, – was um vielfaches schwieriger sein wird, selbst mit Einfluss zu nehmen. Allein Worte haben und werden nichts aendern….

    16. leslie schrieb am 31. August 2010 at 01:43 - Permalink

      Strommafia in Deutschland sofort enteignen…!!!

      Ist ja nach Grundgesetz möglich…

      http://video.google.com/videoplay?docid=250484236244219752#
      http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/72746/Das-Kartell—Im-Wuergegriff-der-Konzerne#/beitrag/video/72746/Das-Kartell—Im-Wuergegriff-der-Konzerne

      Mlg

    17. André aus H. schrieb am 31. August 2010 at 06:51 - Permalink

      Strommafia enteignen??? Die Energiekonzerne sind Deutschland! Und sie legen nur sich selbst und ihren Aktionären Rechenschaft ab. Hier geht es um das ganz große Geld, und da wird auch schonmal die Regierung dieser Bananenrepublik als Geisel genommen.

      Meine Prognose: Die Kernkraftwerke laufen bis zum Sankt Nimmerleinstag, und die Strompreise steigen Jahr für Jahr weiter.

      Übrigens, wie klingt in Euren Ohren das Wort “Brückentechnologie”?? Genau, sehr positiv. In diesem Land wird nichts dem Zufall überlassen. Selbst die kleinste Formulierung ist sauber kalkuliert.

    18. kimschmitzii schrieb am 31. August 2010 at 10:57 - Permalink

      In einem der ersten Kommentare wird doch schon eines klar: es geht nicht um günstige Strompreise, was für mich übrigens auch ein Widerspruch wäre. Der Sinn und Zweck von kapitalintensiven Großlösungen sind doch Monopolstellungen. Die Politik wird schon dafür sorgen, dass dezentrale regenerative Energien zu keinen ‘Wettbewerbsverzerrungen’ – aka Verzerrungen des aktuellen Istzustandes – führen werden.

    19. Heldentasse schrieb am 31. August 2010 at 11:08 - Permalink

      SF, danke für die überwiegend politisch wirtschaftliche Betrachtung dieses wichtigen Themas. Was m.E. aber die AKW grundsätzlich disqualifiziert, ist die objektive Unbeherrschbarkeit des GAU und die ungelöste Endlagerproblematik des Atommülls.

      Stichpunkte zur Sicherheit

      Greenpeace Studie zur Gefährdung der AKW durch Verkehrsflugzeuge
      Quelle

      Die deutschen AKW sind nicht gehärtet gegen einen Beschuss durch tragbare Panzerabwehrwaffen, Zitat:

      Aus Munitionsdepots der Bundeswehr wurden bereits des öfteren Panzerabwehrraketen gestohlen. Diese Raketen sind genügend stark, um die Abschirmungen eines Atomkraftwerks zu durchschlagen. Mit tragbaren Lenkwaffen, wie z.B. der “Pars-Sagger”, lassen sich noch aus drei Kilometer Entfernung meterdicke Betonwände durchschlagen

      Quelle

      Stark beanspruchte Teile im „heißen“ Inneren von AKW können praktisch nicht ausgetauscht werden, und die Experten streiten sich z.Z. noch über die Versprödung von Werkstoffen durch Strahlung in diesen „heißen“ Bereichen. Es besteht IMO da auf jeden Fall noch erheblicher Forschungsbedarf
      Quelle

      Die moderne und wirksame Sicherheitskomponente “Core-Catcher” ist in keinem deutschen AKW zu finden und können/ werden aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen wohl nicht nachgerüstet. Zitat:

      Dem Nachrüsten sind allerdings Grenzen gesetzt, erklärt Christoph Pistner, beim Öko-Institut Experte für Anlagensicherheit. Er meint, man kann die Systeme nicht einfach wie eine Betonwand verdoppeln, oder andere Systeme einbauen oder nachrüsten, wie zum Beispiel einen Core Catcher. Das ist ein Kernfänger, zu vergleichen mit einem Aschenbecher, der bei einem Super-GAU das schmelzende Kernmaterial auffangen kann. Aber damit sind die deutschen AKW noch nicht ausgestattet.

      Quelle

      Das Endlagerproblem ist weltweit nicht gelöst!

      Sind das nicht genügend Gründe am besten sofort(!) oder zumindest wie z.Z. gesetzlich festgelegt aus dieser Technologie auszusteigen?

      Ach so, das möchte ich euch nicht vorenthalten auch wenn es etwas sentimental erscheint:
      Plutos Reich

      • Brixius schrieb am 31. August 2010 at 13:18 - Permalink

        elenafilatova :-)
        mit der 1100 Ninja (147PS) durch das Chernobyl Gebiet. So bescheuert das es wieder gut ist. thx für den Link (Plutos Reich)

        • Heldentasse schrieb am 31. August 2010 at 13:50 - Permalink

          Ja, Elena hat einen gewissen Kultstatus in der Bikerszene. Was sie macht erscheint surreal, ist aber 100% wirklich und rüttelt (hoffentlich) an der Wahrnehmung, die mir persönlich – auch hier im Forum – etwas verzerrt erscheint. Denn was nützt das ganze intellektuelle Fingerhakeln, wenn grundsätzlich elementare Risiken während des Betrieb von AKWs und der Entsorgung des Atommülls vorkommen, die von Menschen räumlich und zeitlich gar nicht erfassbar, geschweige denn zu verantworten sind.

          Dazu ein Fragment als Beispiel, die Quelle erspare ich mir:

          Wäre der Tschernobyl GAU in der BRD passiert, hätten wir es nicht eindämmen können, weil unsere Gesellschaftsform es nicht zulässt 50.000 Liquidatoren in den Tot zu schicken. „Zum Glück“ war das für die UDSSR kein Problem.

          • Brixius schrieb am 31. August 2010 at 15:07 - Permalink

            Stimmt, so verrückt es ist, es ist kein Computerspiel. Verstrahlte Wölfe sind real.
            Habe nur von Ihr gehört, kannte die Aufnahmen und die Seite aber noch nicht. Aufnahmen von Tschernobyl und Kinder mit großen Köpfen, drei Beinen aber schon.
            Die BILD ist doch immer für so Aufnahmen gut. Warum nicht mal eine Fotoserie mit Leukämie-kranken Kindern… Es ist grausig, aber die Diskussion ist wirklich fern von Wirklichkeit.

        • Thomas schrieb am 6. September 2010 at 16:40 - Permalink

          Klasse Link, hat mich gerade ein paar Stunden gekostet…

    20. Ludowika schrieb am 31. August 2010 at 12:27 - Permalink

      Ich bewundere die anderen Kommentatoren dafür, dass sie in Energiefragen zwischen dem Ausmaß der Wirtschaftshörigkeit von schwarz/gelb und dem von rot/grün tatsächlich noch Unterschiede wahrnehmen können.

    21. Constanze Heringer schrieb am 31. August 2010 at 12:52 - Permalink

      ”… da Ersatzinvestitionen in Alternativenergien aus industriepolitischer Sicht durchaus vernünftig sind.” So ein Satz schreibt sich so leicht dahin. Und ”Versorgungssicherheit” ist bei den alternativen angeblich auch kein Problem. Ich empfehle dem Spiegelfechter dringend, sich einmal mit den elektrotechnischen Realitäten zu beschäftigen. Sehr zu empfehlen: die Seiten von Wilfried Heck (http://wilfriedheck.tripod.com/). Solange es keine ernstzunehmende grundlastfähige alternative Energie gibt (die müßte erst einmal gefunden werden, wahrlich ein Anlaß für ein neues Manhattan Project), führt der Weg, für den sich in Deutschland unisono alle Parteien entschieden haben, nur zu ständig steigenden Strompreisen.

      • Spiegelfechter schrieb am 31. August 2010 at 12:59 - Permalink

        Sie interpretieren in meine Aussage Dinge hinein, die ich nicht sage. Es geht um die Laufzeiten der AKWs und nicht um eine Vollversorgung durch alternative Energien. So habe ich z.B. kein Wort über Kohle und Gas verloren.

      • Rossi schrieb am 31. August 2010 at 13:19 - Permalink

        zum Thema “grundlastfähige alternative Energie”:

        Da seien mal nur die Pumpspeicherkraftwerk erwähnt. Alternativ kann man auch einfach Wasser spalten und den daraus gewonnenen Wasserstoff anschließend für die Grundlast verwenden usw usf… Ideen und damit Möglichkeiten gibt es nun wirklich ohne Ende.
        Dabei ist es auch eher nicht so wichtig ob diese Techniken sofort in ausreichendem Masse zur Verfügung stehen, denn es geht ja nunmal darum eine Entwicklung zu beginnen bzw. in Deutschland halt fortzuführen. Dass das alles von heute auf morgen geht behauptet wohl wirklich niemand.

    22. Stefan K. schrieb am 31. August 2010 at 12:59 - Permalink

      Tja, das ist ein gutes Beispiel, dass der Markt eben nicht alles regelt/ regeln kann.
      Wo es monopolistische Strukturen gibt – m.E. nach betrifft das alle die einen Versorgungsauftrag beinhalten – wird ein System so lange gefahren wie sich Einnahmen damit generieren lassen, denn es fehlt der Anpassungs-/ Innovationssdruck von Konkurrenten.
      Es bleibt also nur die politische Entscheidung, um die Unternehmenspolitik in die gesellschaftlich gewünschte Richtung zu führen.

    23. Kerz schrieb am 31. August 2010 at 14:54 - Permalink

      Vor ca. einem Jahr kam eine Aussschreibung zur Kompetenzerhaltung Kernkraft heraus. Ursprünglich waren bis zu 200.000€ je Projekt vorgesehen. Im Laufe der letzten Monate wurde das Volumen auf 20.000€ zusammengestrichen. Irgendwie ist mir nicht ganz klar, wieso das Budget gekürzt wurde und gleichzeitig die Diskussion um die Laufzeitverlängerung aufkommt. Kann das irgendjemand erklären?

    24. klebnikow schrieb am 31. August 2010 at 16:10 - Permalink

      Die Atomenergie ist tatsächlicher Hauptkonkurrent der Enerneuerbaren. Und zwar bezogen auf den Aspekt “flexibel” und “unflexibel”. Kohlekraftwerke oder Gaskraftwerke sind flexible Energieerzeuger, da sie jederzeit an und ausgeschaltet werden können – je nach Strombedarf (hängt auch von den Tageszeiten ab). Die Erneuerbaren und Atomenergie sind unflexible Stromproduzenten. Wind und Sonne sind nicht steuerbar, was ja plausibel ist. Und somit unflexibel. Aber auch Atomkraftwerke laufen, wenn sie erstmal laufen. Also auch unflexibel. Daher auch die momentane Propaganda Schlacht gegen die Erneuerbaren (v.a. gegen Solarenergie) der Multis. Weil sie erkannt haben, dass die Erneuerbaren ihnen mittlerweile enorme Mengen “wegfrisst”. Wenn man das weiter spinnt, heißt das sogar: Je mehr Atomstrom, desto mehr Kohlekraftwerke. Weil diese als Ausgleichskraftwerke dienen müssen. Die Funktion haben diese natürlich auch bei den Erneuerbaren. Vermutlich soll die Diskussion soweit zugespitzt werden, dass man sagt: Die flexiblen Kraftwerke können wir nur begrenzt bauen- also muss entweder die AKW- oder Erneuerbaren Branche verschwinden (bzw. zurück gestutzt werden). Beide nebeneinander mit zunehmender Produktionmenge können nicht existieren. Wenn aber erst die AKW-Verlängerung beschlossen ist, wird die nicht so schnell rückgängig zu machen sein. Und somit versperrt die Atomkraft den Ausbau der Erneuerbaren um etliche Jahrzehnte. Wenn die dann geschwächte Branche überhaupt nochmal “wiederbelebt” werden kann. Also, wir haben momentan wirklich die entscheidenden Wochen: Atomkraft oder Erneuerbare.

      • carlos manoso schrieb am 31. August 2010 at 17:47 - Permalink

        @klebnikow

        Wenn aber erst die AKW-Verlängerung beschlossen ist, wird die nicht so schnell rückgängig zu machen sein. Und somit versperrt die Atomkraft den Ausbau der Erneuerbaren um etliche Jahrzehnte. Wenn die dann geschwächte Branche überhaupt nochmal “wiederbelebt” werden kann. Also, wir haben momentan wirklich die entscheidenden Wochen: Atomkraft oder Erneuerbare.

        Es geht noch um einen ganz entscheidenden Aspekt, und der ist die Netz-Infrastruktur und vor allem das kommende Thema Smart Grid. Die Stromkonzerne wollen mit der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke sicherstellen, daß sie sterbende Dinosaurier bleiben können.

        Man muß es sich so vorstellen: Bisher wurde Strom erzeugt in einem “festen” (Grundlast) und einem flexiblen Segment (Gaskraftwerke, Windenerie, solarenergie etc) , dann über die Stromnetze kaskadenartig verteilt. Die Stromerzeugung wird immer zu 100% abgenommen, Erzeugter Strom, der weder im Inland noch im Ausland abgenommen wird, verschwindet im Nichts. Das bisherige Modell ist somit extrem simpel und extrem konservativ: Die Stromerzeugung muß so hoch sein, daß sie zu jeder Zeit die Stromnachfrage deckt, das Stromnetz ist einfach nur ein Durchleiter. Erzeugungsüberschüsse gehen ins Nichts.

        Nun wurde durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz die dezentrale Stromerzeugung aus volatilen Quellen (Wind, Sonne etc) angestoßen. Dami t wird das bisherige Modell instabil, da die Stromerzeugung nicht mehr zu 100% beeinflußt werden kann. Die Stromkonzerne fahren das bisherige Modell aber stur weiter und packen die dezentrale Stromerzeugung aus volatilen Quellen einfach oben auf ihr altes Modell drauf. Teilweise machen sie mit dem Export des zusätzlichen Stroms Mehrgewinne und den “Rest”, der ja im “Nichts” verschwindet, stellen sie dem Staat in Rechnung. Somit können die Stromkonzerne die Strompreise erhöhen mit dem Argument, die Stromverbraucher müßten den Ökostrom ja subventionieren.

        Nun setzt die zunehmende dezentrale Stromerzeugung (Windstrom, Solarstrom) die Stromnetz-Infrastruktur unter Stress, Transformatoren altern schneller etc. Also sind hohe Investitionen absehbar. Also lagern die Stromkonzerne die Stromnetze in eine eigene Netz-Gesellschaft aus.

        Also nochmal: ein Strommarkt im Sinne von Abstimmung von Angebot und Nachfrage ist im alten Modell physisch unmöglich, sodaß die gegebene Nachfrage durch das Angebot der Oligopole jederzeit gedeckt werden muß. Überschusreserven der Stromerzeugung über die Stromnachfrage werden somit aus physikalischen Gründen für das Nichts produziert.

        Stellen wir uns nun zur Abwechslung ein neues Modell vor, das SMART GRID, das intelligente Stromnetz. Heute laufen große Tests in den USA (z.B. Miami) und auch in Deutschland (Teile von Hamburg). Die Idee ist einfach: der aktuelle Stromverbrauch von Geräten, Maschinen etc in den Unternehmen, Haushalten wird permanent online erfaßt, nicht nur erfaßt wird, sondern auch aktiv zentral gesteuert. Zum Beispiel könnten die mittags auftretenden Stromspitzen wg. Elektroherden kurzfristig abgesenkt werden, indem zum Beispiel 100.000 Waschmaschinen gleichzeitig vom Netz genommen werden.
        http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligentes_Stromnetz#Aktuelle_Aktivit.C3.A4ten_in_Europa

        Von der US-Regierung werden die durch Smart Grid erzielbaren “Einsparungen” der Stromerzeugung auf mindestens 30% geschätzt. Mit anderen Worten: die Atomkraftwerke könnten auf Dauer vom Netz genommen werden, ohne daß der Stromkunde es merken würde. In diesen neuen Märkten werden Firmen wie eon oder Vattenfall kaum noch eine Rolle spielen, da künftig Switches und Router von Firmen wie CISCO etc. und Elektronik von tausenden mittelständischer Firmen gefragt sind. Die Stromkonzerne wären nur noch Dinosaurier und würden untergehen.

        Geht Schwarz-Gelb den Weg der Verlängerung der AKW-Laufzeiten, wird Deutschland selbst zum Dinosaurier. In den USA existieren z.B. fünf Stromnetze die technisch völlig überholt sind. Ein Kollaps würde das Zusammenbrechen der USA als Industriestaat bewirken. Daher investiert die Omama-Administration derzeit fieberhaft Milliarden in Smart-Grid-Projekte, um a) die maroden Stromnetze neu zu bauen, b) die Kosten der bisherigen Stromerzeugung um mindestens 30% zu senken und c) die maroden Kernkraftwerke ohne Einbußen auf der Kundenseite bei Bedarf endgültig abschalten zu können.

    25. R_Winter schrieb am 31. August 2010 at 16:30 - Permalink

      …und dieses wollen wir dem Profit opfern?

      http://www.andiesisle.com/creation/magnificent.html

    26. Teja552 schrieb am 31. August 2010 at 17:12 - Permalink

      Ich finde es schon eine Sauerei das es den Konzernen nur um die Profite geht, diese machen sie doch mit erneuerbaren Energien auch, auch wenn jetzt noch nicht in entsprechender Höhe!

      Gerade wenn Deutschland weltweit führend im Umweltsektor ist sollte man alles tun dieses noch weiter auszubauen.

    27. Fake schrieb am 2. September 2010 at 16:02 - Permalink

      Warnung!

      Der angebliche Blog von Thilo Sarrazin bei blogspot ist ein FAKE.

      Zumindest liegt das sehr nahe, wenn man sich sein “Profil” ansieht, aber auch an der Art und dem Stil, aber auch den geäußerten Positionen in den Blogbeiträgen.

      Ich denke nicht das Sarrazin einen solchen Blog führen würde, er wäre ihm von unseren MSM auch schon längst um die Ohren geschlagen worden, scheinbar ist aber selbst für unsere Qualitätsjournalisten schnell ersichtlich, dass dies nicht Herrn Sarrazins Blog ist.

      Man sollte dem Betreiber von Blogspot Hinweis-E-Mails schicken und auch über Anzeigen bei der Polizei gegen Unbekannt nachdenken, da ich befürchte Sarrazin selber ist nicht Internetaffin genug um den internetspezifischen Teil der Schmutzkampagne mitzubekommen! Gerade deswegen sollte jemand auch Herrn Sarrazin einen Brief oder anderweitig eine Nachricht schicken, wenn jemand eine Kontaktmöglichkeit kennt.

    28. Fake schrieb am 2. September 2010 at 18:31 - Permalink

      Warum soll eigentlich die Verlängerung der AKW-Laufzeiten die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien behindern? Kann man später doch immer noch bauen. Ineffiziente Solarzellen aus Fernost zu subventionieren bringt es eh nicht. Und wenn man die Erneuerbaren schon fördern will, kann man auch direkt die Forschung und Weiterentwicklung fördern.

    29. Fake schrieb am 2. September 2010 at 18:32 - Permalink

      Direkte Förderung der Forschung wäre zumindest effektiver.

    30. egghat schrieb am 2. September 2010 at 22:25 - Permalink

      Merkels Atomstudie fehlerhaft bis manipuliert … Und das schlimmste daran: Es ist nicht ein mju überraschend …

      http://egghat.tumblr.com/post/1054631810/atomstudie-massiv-manipuliert

    31. ibex44 schrieb am 3. September 2010 at 11:42 - Permalink

      Fakten:
      1. Die reinen Brennstoffkosten (Natururan) für Spaltungsreaktoren (Meiler stehen im Wald) betragen <0,1 cent/kWh. Daraus folgen Einspeisekosten von ~ 2 cent/kWh ab Kraftwerks-Trafo.
      2. Efemere Spielzeuge liefern keinen REGELBAREN Strom und würden an der Börse allenfalls mit den vermiedenen Brennstoffkosten (siehe oben) bezahlt.

      Wenn unsere Grundwasser-Wärmepumpe (waermebrunnen.de), die 15 Tonnen ČO2 im Jahr einspart, genauso subventioniert würde wie PV-Spielzeuge, würden wir statt 1600€ zu bezahlen, 20000€ erhalten müssen.

      Der deutsche "Atomausstieg" ist ein Morgenthauplan, der mit psychologischer Kriegführung realisiert wird.


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