Der Tod der Könige der Wall-Street
16. September 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Als die schwer angeschlagene Investmentbank Bear Stearns im März dieses Jahres mit staatlicher Hilfe von der Geschäftsbank JPMorgan Chase übernommen wurde, gönnte sich Richard Fuld eine Bonuszahlung in Höhe von 22 Mio. US$. Fuld ist CEO bei Lehman Brothers, der viertgrößten Investmentbank der USA, und gilt an der Wall-Street als selbstverliebter Geck. In den letzen fünf Jahren kassierte Fuld 312 Mio. US$ und sein 2% Anteil bei der Investmentbank war im März noch über 750 Mio. US$ wert. Diese Zeiten sind nun vorbei. Lehman Brothers musste am Wochenende Gläubigerschutz beantragen, da die Verbindlichkeiten in Höhe von 613 Mrd. US$ die Summe der Werte überstiegen hatten. Fuld kann nun seinen Ruhestand genießen - fortan trifft bei Lehman ein Konkursrichter strategische Entscheidungen. Da hat es Stanley O´Neil besser. Der ehemalige CEO von Merrill Lynch baute die Position seines Unternehmens im Ramschhypothekensektor massiv aus, verließ aber bereits im Oktober 2007 die bereits damals angeschlagene Investmentbank und ließ sich diese Selbstlosigkeit mit einem Schmerzensgeld in Höhe von 162 Mio. US$ vergüten. Dies war clever – mittlerweile werden die Verluste, die O´Neils Entscheidungen dem Unternehmen einbrachten, auf 52 Mrd. US$ geschätzt. Nur die Übernahme durch die Geschäftsbank Bank of America konnte verhindern, dass Merrill Lynch dem Beispiel von Lehman Brothers folgen und die Insolvenz anmelden musste.
Der Tod der beiden Investmentgiganten ist allerdings nicht nur auf das Fehlverhalten einiger weniger gieriger Manager zurückzuführen. Rund ein Jahr nach dem ersten Höhepunkt der Subprime-Krise ist das eingetreten, was als systemisches Risiko bezeichnet wird. Bis jetzt haben die Finanzinstitute zusammen 500 Mrd. US$ abgeschrieben. Das komplette Finanzsystem ist betroffen und ein Fortbestehen des Finanzsystems in der bisherigen Form ist auszuschließen. Von den fünf großen selbstständigen Investmentbanken, den Königen der Wall-Street, existieren nur noch zwei. Das Geschäft der Investmentbanken wird Stück für Stück von den großen Geschäftsbanken übernommen. Mit dem Geschäft der Investmentbanken übernehmen die Geschäftsbanken allerdings auch die diffusen Risiken der Investmentbanken. Während traditionelle Geschäftsbanken die Einlagen ihrer Kunden als langfristige Kredite vergaben und somit bereits immanent gegen Ausfallrisiken abgesichert sind, baut das Geschäftsmodell von Investmentbanken auf die Maximierung des Unterschiedes zwischen dem Zins, zu dem sie sich Geld leihen, und dem Zins, den sie durch ihre Investments einnehmen.
In den Zeiten des vermeintlich stetigen Wachstums in den 1990ern und den frühen 2000ern wurden dabei die internen Absicherungsmechanismen gegen Risiken auf komplexe Papiere ausgelagert, die breit gestreut wurden, um Einzelrisiken zu minimieren. Gleichzeitig wurde das Risiko durch immer höher werdende „Hebeleffekte“ erhöht. Das Problem des gängigen Risikomanagements der Finanzwirtschaft lag allerdings darin, dass die Mechanismen systemimmanent greifen sollten. Gegen ein systemisches Risiko ist das Finanzsystem aber nicht abgesichert. Mehr noch – die Entwicklung der Finanzkrise hat gezeigt, dass die Sicherungsmechanismen sich sogar ins Gegenteil umwandeln und einen Dominoeffekt auslösen können. Eine Volkswirtschaft, die im Wesentlichen vom Öffnen von Containern aus China und dem Verkauf dieser Güter auf Pump bei WalMart lebt und deren ökonomische Schrittmacher durch „Hebeleffekte“ unter hohen Risiken Renditen erzielen, die nur bei einem stetigen Wachstum „abgesichert“ sind, ist höchst anfällig. Dass ausgerechnet die großzügige Vergabe von Hypothekenkrediten an schlechte Schuldner die größte Finanzkrise auslösen könnte, die die Welt seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern erlebt hatte, überrascht indes auch alle Experten. Das Finanzsystem hat sich als derart komplex und intransparent herausgestellt, dass Korrekturen unausweichlich sind. Damit endet eine Periode, die seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahre 1973 die Freiheit des Marktes über staatliche Sicherungen und Regulierungen gestellt hat. Wohin die Reise führt, ist heute noch nicht zu sagen. Die Finanzkrise scheint ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht zu haben.
Kaum jemand weint Lehman Brothers und Merrill Lynch viele Tränen nach. Betroffen sind neben den Mitarbeitern vor allem Aktionäre, Investoren in Anleihen und Institute, die den Investmentbanken Interbankenkredite vergeben haben. Die Blütezeit der Investmentbanken ist endgültig vorbei. Da es keinen Platz für all die aufgeblähten Finanzgiganten mehr gibt und durch die gestiegene Volatilität und die gestiegenen Finanzierungskosten für frisches Kapital das Geschäftsmodell der Investmentbanken in großen Teilen abhanden gekommen ist, ist eine Marktbereinigung ein logischer Schritt. Die US-Regierung hat mit Lehman Brothers zum ersten Mal einen „Big-Player“ sterben lassen. Im Falle Bear Stearns stand die Regierung für Risiken gerade, die Immobiliengiganten Fannie Mae und Freddie Mac wurden sogar de facto verstaatlicht. Ein Kollaps hätte zu verheerenden Folgen im Wirtschaftssystem geführt, insofern war ein Eingreifen gerechtfertigt. Im Falle Lehman Brothers hielt man in Washington die Folgen für überschaubar. Ob Finanzminister Paulson mit dieser Einschätzung recht behält, wird die Zukunft zeigen. So sehr man auch einen „Sozialismus für Reiche“ ablehnen mag, Lehman kollabieren zu lassen, ist sehr riskant. Kaum jemand kann die möglichen Folgen abschätzen. Wenn Positionen von Lehman zur Liquidierung auf die Märkte schwappen, könnte dies unabsehbare Folgen für die Marktpreise strukturierter Produkte haben.
Alles dies geschieht in einem Moment, in dem ein weiteres Damoklesschwert bereits über der Wall-Street schwebt. Der zweitgrößte Versicherungskonzern der Welt, die AIG, hat in diesem Jahr bereits Verluste in Höhe von 18,5 Mrd. US$ vermelden müssen. Die AIG ist nämlich kein „normaler” Versicherungskonzern, sondern auch ein „Big Player” auf dem Finanzmarkt. Vor allem auf dem 60.000 Mrd. US$ Markt der Credit Default Swaps (Kreditderivate) ist die AIG der Ringleader. Aber auch in den Sektoren Hedge-Fonds und Hypothekenkredite ist die AIG ein signifikanter Marktteilnehmer. Ein Kollaps der AIG würde auf einen Schlag 441 Mrd. US$, die als von der AIG ausgegebene Kreditderivate im Markt sind, vernichten. Die Inhaber dieser Papiere sind weltweit gestreut und laut Angaben von Kenneth Lewis, CEO der Bank of America, gibt es keine größere Bank, die nicht signifikant bei der AIG versichert ist. Die bisherigen Abschreibungen der AIG haben nun dazu geführt, dass die Versicherung von den Rating-Agenturen heruntergestuft wurde und daher noch zusätzliches Kapital benötigt, um die Rücklageverpflichtungen zu erfüllen. Die AIG benötigt daher auf die Schnelle 75 Mrd. US$. Da in den USA nur Geschäftsbanken Zugang zu Geldern der FED haben und niemand der angeschlagenen AIG Kredit geben will, hat die FED sich an Goldman Sachs und JPMorgan Chase gewandt, die ein Paket für die AIG schnüren sollen. Wenn dies scheitert, steht die Wall-Street vor einem riesigen Problem. Der erste Investor, der Geld aus der AIG abziehen würde, würde die Insolvenz des Versicherungsgiganten auslösen. Dies würde eine weitere Büchse der Pandora aufmachen, deren Folgen niemand einschätzen kann.
Das Finanzsystem ist heute an einem Scheideweg angekommen. Bereits unter den vorhandenen Regulierungs- und Sicherungsmechanismen ist eine Rückkehr zum „goldenen Zeitalter“ der letzten zwei Jahrzehnte nicht mehr möglich. 500 Mrd. US$ sind bereits „verbrannt“ und weitere gigantische Summen werden folgen. Durch die Rückkehr der Volatilität und das Versagen der systemimmanenten Sicherungsmechanismen ist auch die Zeit des „Hebeleffektes“ vorbei. Ob und in welcher Form sich diese Abschreibungen von „Wall-Street“ auf „Main-Street“ ausweiten werden, ist fraglich. Der Zugang zu Krediten wird wohl auch für mittelständische Unternehmen und Privatpersonen deutlich schwerer werden. Darunter leiden sowohl Investitionen als auch der Konsum. Beides hat Auswirkungen auf die Realwirtschaft. In den USA wird dies wohl zu einer längeren Rezession führen. Deutschland ist zwar in bestimmten Bereichen auch vom US-Markt abhängig, die Kreditvergabepraxis ist hierzulande aber dank des Sparkassensystems weniger störanfällig als in anderen Ländern. Auch Deutschland wird die sich abkühlende Weltkonjunktur zu spüren bekommen. Die Zeiten, in denen ein auf Pump finanzierter Motor USA die Weltwirtschaft angetrieben hat, sind erst einmal vorbei.
Jens Berger
Hintergrundartikel im Web:
Paul Krugman - Financial Russian Roulette
Matthias Pindter -
Robert von Heusinger - Vergesst Wall Street!
Eric Frey - Das Ende der Banken-Freifahrt
Lucas Zeise - Fertigmachen zum Schrumpfen!
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Ohne irgendeine Ware zu produzieren und deren Wert im Verkauf. in Geld zu verwandeln, macht das Bankkapital aus einer Geldsumme ein größere und produziert riesige Geldvermögen. Dieses Wunder findet alle Welt völlig normal; jedenfalls solange es funktioniert…
Mag vielleicht ein wenig kleinkariert sein, aber Bear Stearns wurde im März nicht vom Staat, sondern von der FED herausgekauft, da sie letztlich bei der Übernahme durch J.P.Morgan faktisch die Risiken übernahm. Kommt on the long run aber aufs selbe raus, da man, um es platt auszudrücken die Druckerpresse angeschmissen hat und Ottonormalverbraucher das ganze mit einer höheren Inflation bezahlen darf.
“Nur die Übernahme durch die Geschäftsbank Bank of America konnte verhindern, dass Merrill Lynch dem Beispiel von Lehman Brothers folgen und die Insolvenz anmelden musste.”
Falsch. Lehman Brothers hat keineswegs Insolvenz angemeldet, sondern Gläubigerschutz beantragt. Was in etwa genau das Gegenteil einer deutschen Insolvenz ist. Wenn diesen Unterschied nicht einmal sogenannte “Börsen-Fachmänner” in der Glotze kennen, wie soll das ein Amateur-Ökonom wie der Spiegelfechter wissen?
@Stephan
OK, rein formal hast Du da recht. Ich betrachte die FED aber (trotz der Besitzverhältnisse) nicht als Privatbank, da der Staat volle Kontrolle über die FED ausübt.
Dass die 30-Mrd Garantie die Inflation anheizen sollte, halte ich auch für unwahrscheinlich. Durch die Garantie wird die Geldmenge ja nicht erhöht.
Ich glaube auch nicht, dass es ein Fehler war, Bear Stearns zu “retten”. Das Unternehmen verfügte ja über die Werte, nur nicht über die Rücklagen und konnte so nicht an Liquidität kommen, um den nötigen Cash-Flow bereit zu halten.
An der ganzen Kreditkrise finde ich ja am interessantesten, dass die realen Werte, hinter denen die “strukturierten” Papiere stehen, ja keinesfalls relevant an Wert verloren haben, es nur keinen Markt für derartige Papiere gibt, da sie niemand versteht und die potentiellen Käufer ohne Ausnahme Angst vor “Leichen” im Depot haben.
Das ist ja nicht nur Bear Stearns; die hat gestern und heute 120 MRD. $ in den Geldumlauf gepumpt. Ganz abgesehen davon, dass man jetzt auch seine Schrottanleihen bei denen abliefern kann und dafür einen Phantasiepreis gutgeschrieben bekommt. Und seit dem Wochenende kann man bei denen auch Aktien einbuchen, um Knete zu bekommen, auch wenn die gerade fallen. Das ist Entschuldung über Inflation. Der Witz an den Krediten war, dass man aus Sch**** Gold gemacht hat, indem man sie verbriefte und so kompliziert gestaltete, dass sie keiner mehr verstand. So lange die Häuserpreise immer weiter stiegen war das auch kein Problem. Erst als die Immobilienblase stagnierte, stellte man fest, dass das mit der Alchemie immer noch nicht so funzt.
Ich hoffe ja immer noch dass bei den Unsummen mit denen die da um sich werfen, irgendwann mal ganz ausversehen was bei mir hängen bleibt. Dann lade ich Euch alle auf ne Kreuzfahrt ein. Versprochen!
@Alex
Das Chapter 11 ist also das Gegenteil einer deutschen Insolvenz? Eine mutige Aussage ;-)
Ich schreibe auch an keiner Stelle das Lehman Insolvenz nach deutschem Recht vor einem deutschen Gericht beantragt hätte.
Der Gläubigerschutz nach US-Recht ist übrigens ebenfalls das genaue Gegenteil des deutschen Gläubigerschutzes … wenn Du schon Haare spalten willst, dann bitte auch richtig.
@ 3 u. 7 wir können uns ja darauf einigen, dass Lehman de facto pleite ist und die Gläubiger derzeit nichts bekommen können.
@Alex
Richtig, als Tender, der nach fest definierter Zeit wieder zurückgezahlt wird. Die Auswirkung auf die Geldmenge, die für die Inflation von Bedeutung ist, können wir da ja wohl vernachlässigen.
Das ist vielmehr ein Einsehen, dass die FED-Mechanismen zwar bei ziehungsberechtigten Banken aber nicht bei Investmentschuppen und Versicherungen ziehen. Hier muß man wohl drigend etwas ändern. Ein neuer Glass-Steagall Act wäre da wohl die beste Lösung. Aber was sollen die BoA und JPMorgan dann mit den schönen neuen Spielzeugen machen?
@7Schläfer
Nö, natürlich gibt es noch einiges an Masse. Das Problem ist vielmehr die Liquidierung. Soll man die Papiere jetzt auf den Markt schmeißen, um Gläubigerinteressen zu befriedigen? Das könnte sich fatal auswirken.
Ja so ein Glass Steagal Act wäre wohl angebracht. Mal sehen wie lange Steinbrück erstmal braucht, um einzugestehen, dass man in eine Rezession schlittert. Dann müsste man nur noch die Mitarbeiter der Banken im Finanzministerium überzeugen, dass die Geschäfte ihres Arbeitgebers ein wenig schrumpfen müssten…
Nach Chapter 11 will man gerade die Liquidierung vermeiden, um aus der Insolvenz wieder rauszukommen; während dieser Zeit können die Gläubiger nur über ein Insolvenzgericht ihre Forderungen geltend machen.
Eine Liquidierung würde man durch Chapter 7 einleiten.
Ich geb der AIG noch zwei Tage, maximal. Diese Versicherung ist sowas von massiv angeschlagen. Selbst wenn sie einen Notkredit erhalten sollte, wird dies allenfalls zur Überbrückung reichen. Einzig der Staat könnte den Konzern noch retten. Und da bin ich mir nicht sicher, ob das Sinn macht.
Wenn man denkt man ist schon alles von unserer hoch professionellen KFW gewöhnt, da kommt dann sowas (aus der ftd):
8.24: Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kostet die bundeseigene KfW-Bank nach einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Die KfW habe Engagements mit Lehman im mittleren dreistelligen Millionenbereich bestätigt. Mögliche Ausfälle bedrohten aber weder die Existenz der Bank noch deren Förderfähigkeit, sagte ein Sprecher. Noch am Montag, als die Insolvenz erwartet worden war, habe die KfW 300 Mio. Euro an Lehman überwiesen. Die KfW habe mit Lehman bei Wertpapieren und Finanzmarkttermingeschäften (Swaps) zusammengearbeitet, sagte ein Sprecher. Insgesamt liege das Engagement der KfW mit Lehman im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Ein Teil davon in Höhe von rund 300 Mio. Euro sei auf eine fehlerhaft ausgelöste Swap-Zahlung am Montag zurückzuführen, deren Umstände durch die Innenrevision geprüft würden. Mögliche Ausfälle seien für die KfW absolut verkraftbar, sagte der Sprecher.
Da wird mal ausversehen 300 Mio an eine Bank überwiesen von der jeder am Montag wusste das sie pleitegeht. Ich pass schon bei Überweisungen vonn 300€ besser auf wo die eigentlich hingehen.
Wie krank ist das kapitalistische System? Das wäre meines Erachtens die grundsätzliche Frage angesichts der aktuellen Ereignisse.
Das auf Lug und Trug aufgebaute Spiel ist inzwischen als solches erkannt worden, weshalb das Vertrauen der Marktteilnehmer untereinander abhanden gekommen ist. Eine Wirtschaftsordnung in der nicht der ehrbare Kaufmann, sondern der größte Abzocker Erfolg hat, ist früher oder später zum Untergang verurteilt.
Subprime steht für die ganze Veranstaltung, nicht nur für Kredite.
Subprime steht für das westliche System schlechthin.
Subprime steht für Niedergang.
Mir fehlt noch, dass unter GWB die Zinsen für Hypotheken kontinuierlich steigen können. Dass damit die Hypothekennehmer sich völlig überschulden, wurde billigend in Kauf genommen. Gvr Eliot Spitzer ist dagegen angegangen und wurde wegen einer Affäre mit einer Prostituierten selbst angeklagt. Bei der Sichtung von internen Unterlagen von Countrywide kam heraus, dass die Einkommen von Hypothekenantragstellern wesentlich höher notiert wurden, als tatsächlich vorhanden waren. Außerdem hatten VIPs bessere Konditionen als das Volk bekommen.
Verallgemeinernt könnte man sagen, dass Betrug auf allen Ebenen passiert ist.
“Eine Wirtschaftsordnung in der nicht der ehrbare Kaufmann, sondern der größte Abzocker Erfolg hat, ist früher oder später zum Untergang verurteilt.” (15)
Lieber früher als später.. wer weiß wieviele Menschen noch darunter zu leiden haben wenn dieser Riese in seinem Todeskampf alles mitreißt was er zu packen bekommt.
Allerdings wird es dann auch langsam mal Zeit sich vernünftige Alternativen zu überlegen, bevor wir es mit exakt derselben Nummer nocheinmal versuchen - oder anderen zum Scheitern verurteilten Wirtschaftsformen.
@SF, #4
Dann ist es kein realer, sondern ein Buchwert. Oder?
Beim Teppichhändler um die Ecke ist auch 999,- fett durchstrichen und wird stolz radikal reduzierter Preis 699,- präsentiert. Und das schon seit Jahren ;) Offensichtlich hat der Teppichhändler noch Mittel zur Existenz.
Erst, wenn die Papierbesitzer in Liquiditätsklemme geraten, stellt sich der reale Wert der Papiere heraus. Im Moment scheint es noch nicht soweit zu sein.
Oder es werden zunächst die Leichen vom Schlachtfeld entfernt und gezählt, um das Heer neu aufzustellen - es wird mit Sicherheit die Banker noch ‘ne Weile beschäftigen.
Bankenzocker sollte man sein. Läuft das Spiel, gibt es fette Boni für die man sich ein neues Luxusauto, oder eine neue Villa kaufen kann, läuft es nicht, dann werden Gelder in den “Kreislauf” gepumpt, die Nichtzocker auf dumme herkömmliche Art erwirtschaftet haben. Vielleicht wäre ein reinigende Krise wirklich besser als eine Fortführung der Perversion!
Oh, ich drück die Daumen das AIG fällt! Bitte, Bitte, Bitte, Bitte!
Allerdings, glaube ich nicht drann. FED hat in der letzten Monat (?) 50mrd mehr Geld gedruckt, die EZB sogar 70mrd - insgesammt gibt es also 120mrd neues Geld wahrscheinlich das AIG davon 75mrd “geschenkt” bekommt.
Drecksschweine! Die 70mrd die die EZB da druckt, werdem mir indirekt vom Lohn abgezogen, da sie das Geld was ich bekomme (und das bischen was ich an vermögen aufbauen konnte) entwerten. ICH HOFFE SIE KREPIEREN AN IHREM GELD!
@18 COPOKA
Also wenn Du schon die schönen Schlachtbilder anführst, dann darfste aber auch die Leichenfledderer nicht vergessen. So eine Leiche kann ja noch ein paar tolle Sachen bei sich haben, die sie selber nicht mehr braucht.
Tadaaa…
Rettung für AIG
US-Regierung unterstützt angeschlagenen weltgrößten Versicherungskonzern American International Group (AIG) mit einem 85-Milliarden-Dollar-Kredit.
tagesschau...
Und mit Sackarsch Willi haben sie auch wieder gelabert…
Georgiens Präsident Saakaschwili will die Demokratisierung seines Landes vorantreiben. In den Tagesthemen sagte er, es sei einiges erreicht, doch der Prozess müsse fortgeführt werden. Zu einem NATO-Beitritt Georgiens sagte er, dabei gehe es nicht um militärische Hilfe.
tagesschau...
Psychopathen sind halt Europas Lieblinge…
mLG
Interessant dürfte in den nächsten Wochen werden, welche Informationen über die Sharia konformen Banken in die Öffentlichkeit gelangen. Nach bisherigen Informationen sind diese Institute von der derzeit sich abzeichnenden Systemkrise nicht wirklich betroffen.
“Vor allem auf dem 60.000 Mrd. US$ Markt der Credit Default Swaps (Kreditderivate) ist die AIG der Ringleader.”
Also, Gesamtmarkt CDS (weltweit? vermutlich) beträgt 60 Bio, abgeschrieben/vernichtet sind 0,5 Bio, möglicherweise mit AIG ~1 Bio.
D.h. die Spitze des Eisberges.
Damit ich das richtig verstehe, CDS sind lediglich “Versicherungen” für eine Schuld, also kein Schuldtitel an sich, wodurch eigentlich auch keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft (durch Kreditkündigung z.B.) möglich sind, da nur mit Risiken ohne definierten Wert gehandelt wurde.
Soweit richtig?
Die Subprime Krise (die Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat) hat also erst nachrangig mit CDS zu tun.
Nehmen wir mal an die CDS wären völlig überwertet, CDS also wertlos für ihre Besitzer.
Aber warum ist dies jetzt ein so großes Problem, irgendwo hin müssen auch die Verkaufsgewinne der CDS gegangen sein.
Hallo
Lustig ist vor allem, wie Leute, die vor dem Kollaps des Systems warnten(Schiff, Roubini, Rogers), noch 2006 verlacht wurden. Abgesehen davon, was man von Schiff’s Goldvorhersagen etc. halten will, Recht hat er behalten.
youtube.co...
(Buch-)Geld ist weiterhin in fast unbegrenzter Höhe vorhanden und wird sich neue Instrumente suchen. Wenn die reinen Finanzprodukte wirklich außer Mode geraten (und nicht nur neue Formen entwickelt werden), dann sehen wir eben eine neue Immobilienblase in Asien oder das Geld drängt in die Rohstoffmärkte.
Natürlich schlägt die Krise auf die realen Märkte durch, weil die Kreditbeschaffung für alle Unternehmen teurer wird. Aber es bleibt anzuwarten, wie viel dieser Effekt ausmachen wird. Ernsthafte Folgen erwarte ich daraus nicht, zumal solide Unternehmen der Realwirtschaft seit rund zehn Jahren auch andere Instrumente als den klassichen Kredit zur Verfügung haben.
Mal doof gefragt: Wo sind die 500 Milliarden eigentlich hin? Wer hat die nun?
Wie funktioniert Geld:
elementart...
Genauso wie Buchgeld aus dem nichts entsteht (die Banken verleihen viel mehr Geld, als sie haben), kann es auch wieder verschwinden.
@12 7Schläfer
Sorry, da habe ich mich zu schwammig ausgedrückt. Ich meine natürlich nicht die komplette Liquidierung von Lehman, sondern die Liquidierung von Papieren, die Lehman emittiert hat durch andere institutionelle Investoren und die Liquidierung von Papieren, die Lehman hält, um Schulden ausgleichen zu können. Es ist (im letzteren) ja nicht so, dass Lehman momentan auf dem Interbankenmarkt irgendetwas bekäme -> siehe auch hier. Vielleicht hilft die Barclays Offerte für das NA-Geschäft ja, die Lage ein wenig zu beruhigen.
Irgendwie weigere ich mich zu akzeptieren, dass diese Unsummen einfach “verbrannt” sein sollen.
Ich bin der Auffassung, die ganzen Konstrukte muss ja irgendwer gekauft haben. Also wird es da auch nen Verkäufer geben. Wenn dann ständig unverhältnismäßig hohe Gehälter durch die Führungsetage rausgezogen wird, dann ist doch klar, wo das Geld hin ist. Da sitzt mit Sicherheit nirgendwo einer, der die “Geldscheine” anzündet.
Wo es Verlierer gibt, gibt es immer auch Gewinner. Wie gesagt, irgendwer hat ja das Geld bekommen für das, was verkauft wurde, und dieser Jemand wird sich tierisch freuen, das ihm niemand ans Bein pi**en wird.
Ich frage mich eigentlich wieviel Geld die FED zusätzlich in diesem Jahr gedruckt hat? Im Frühjahr warens 200 Mrd. $ für Bear Stearns, …
Wie sanieren wohl die USA ihren “Parasitären” Import-Haushalt? Durch die Leitwährung US-Dollar natürlich der Rest der Welt (zum kleinen Teil auch der amerikanische Steuerzahler). Wenn jetzt die Chinesen ihre 1500 Mrd. Dollarreserven auf den Markt schmeißen würden, gebe es wenigstens ein Ende mit Schrecken.
Aber was lehrt uns der Kapitalismus? Kriege “helfen” da: erstens zum ablenken, zweitens zur Sanierung. Mal schaun was sich da in Georgien, der Ukraine, Iran oder Pakistan anbahnt. Die 1Mrd. für den Aufbau von Georgien hat da wohl nicht gereicht. Dieses Geld was wohl wieder (wie bekannt) zur Aufrüstung in Georgien an us-amerikanische Rüstungskonzerne zurückfließen wird…
Schönen Tag noch
@13 kimschmitzii
Genau dies ist ja nun über Nacht eingetreten. AIG wurde verstaatlicht. Auch ich habe Bauchschmerzen mit solchen gigantischen Bail-Outs. Aber ich denke, es war richtig, die AIG zu verstaatlichen. Sie waren einfach “too big to fail” und die Auswirkungen auf den CDS-Markt wären katastrophal gewesen. Aber ich kann mich da auch nur auf Analysen verlassen. Folgende Analyse von Michael Lewitt finde ich recht überzeugend.
@18 COPOKA
Was ist ein realer Wert? Auch mit den Buchwerten ist das sehr komplex, da es in den USA recht freie Regeln gibt, während man in D restriktiver ist.
Die 999,- sind dann aber sicher kein Buchwert ;-)
Das sehe ich (wir hatten das ja häufiger) ganz anders. Wie viel ist ein Picasso wert? In der realen Welt sehr viel. Wenn eine kleine Gruppe auf einer Insel strandet und miteinander handelt, um ums Überleben zu kämpfen, ist ein Gemälde wohl kaum mehr wert, als dessen Brennwert. Ist der Picasso deshalb wirklich nur so viel wert, wie in Notzeiten? Ganz sicher nicht. Daher sind die “Papiere”, von denen Du sprichst, auch nicht generell nur so viel wert, wie in klar umrissenen Notzeiten.
@20 knt
Die Zentralbanker gehen also in den Keller und werfen die Druckerpresse an? So läuft das nicht. Die Summen, von denen Du sprichst, sind Kurzzeitkredite, sogenannte Tender. Der 70 Mrd. Tender der EZB hatte beispielsweise nur eine Laufzeit von einem Tag. Die 70 Mrd. Euro sind also heute schon wieder zurückgezahlt und damit aus der Geldmenge getilgt.
Welche Tender wann in welcher Höhe und für welche Laufzeit aufgelegt wurden, kannst Du übrigens bei der BuBa nachlesen.
Du kannst Dich gerne über zig Sachen in der Finanzwirtschaft aufregen. Das Tenderverfahren gehört aber nicht dazu. Ein Schnelltender sollte auch keine wahrnehmbaren Auswirkungen auf die Inflation haben.
@24 SD6
Jein, die 500 Mrd. US$ sind ja nicht alles Schuldtitel.
Auch hier wieder ein klares “Jein”. Die Werte, zu denen die “Versicherungen” in den Büchern stehen, gehen ja in die Bilanz ein. Verluste, die durch Abschreibung dieser Werte entstehen, müssen von den Instituten bei den Rücklagen etc. pp. berücksichtigt werden. Das führt dazu, dass in vielen Fällen Rücklagen erhöht werden müssen - bei den chronisch illiquiden Zockerbuden kann dies dazu führen, dass andere Papiere verkauft werden müssen, was den Markt zusätzlich unter Druck setzt. Im kleinen Rahmen passiert dies täglich. Der Lehman-Kollaps wird noch kräftige Auswirkungen in diesem Punkt habe und wenn die AIG zusammengebrochen wäre, so wäre dies ein wahrer Tsunami.
Hi,
ich bin begeisterter Spiegelfechter-leser. Allerdings muss ich beim Thema Finanzwirtschaft immer wieder feststellen, dass ich kaum was verstehe. Ich hab eine ungefähre Ahnung, was in den USA läuft, aber die einzelnen Mechanismen durchschaue ich nicht mehr. Jetzt frage ich, gibt es irgendwelche empfehlenswerte Literatur zu dem Thema, die einen nicht gleich mit den üblichen Vokabeln bombardiert und die Welt der Kurse, Finanzströme und Spekulationen näher beleuchtet? Vielleicht auch kritisch beleuchtet?
Vielen Dank
@25 Biertje
Es war nicht sonderlich schwer, eine Krise der US-Finanzssystems vorher zu sehen. Die Risikomechanismen waren ja nicht unbekannt. Schiff und Roubini haben kräftig am Rad gedreht. Teilweise haben sie recht behalten, teilweise hatten sie unrecht und einige ihrer Prognosen sind (noch) nicht eingetreten. Wenn der Himmel sich mit schwarzen Wolken überzieht, ist es nicht schwer vorherzusagen, dass es regnen wird. Roubini und Co sagen indes auch voraus, dass es zu Bränden durch einschlagende Blitze und schweren Überschwemmungen kommt. Beides ist (im Finanzsystem) so noch nicht eingetreten. Und Roubinis “Roadmap” (gibt es m.W. leider nur im kostenpflichtigen Bereich seines “Monitors”) hat sich ebenfalls bereits als falsch herausgestellt. Man darf nie vergessen, dass die “Katastrophenökonomen” kräftig(!) Kasse mit ihren Weltuntergangsgeschichten machen. Sie sind sicher helle Ökonomen (bei Schiff bin ich mir da allerdings nicht so sicher, seine Nähe zu Ron Paul gibt da zu denken), aber sie sind keine Hellseher und auch kein Messias.
@26 Marc B.
Der Großteil des Buchgeldes ist idT noch da. 500 Mrd. US$ (und das ist nicht wenig) sind indes weg. Schwerwiegender ist jedoch, dass die “alten” Mechanismen so nicht mehr funktionieren. Natürlich kann man noch “klassisch” investieren. Mit einem Hebel von über 20 zu 1 bei geringem Eigenkapital kann man jedenfalls momentan nicht mehr in “neue” Märkte gehen. Der Casino-Kapitalismus wird eine Pause einlegen müssen.
Vollkommen richtig! Probleme sehe ich bei Unternehmen, die von Fonds übernommen und über Fremdfinanzierung ausgequetscht wurden. Es kann passieren, dass diese Unternehmen von den Fonds verkauft werden müssen, um die Kapitaldecke der Fonds zu sanieren. Diese komplett überschuldeten Unternehmen werden so leicht keinen neuen Käufer finden, da die Banken vorsichtiger sind. Auch in D gibt es da so einige Beispiele. Ein Untergang des Abendlandes ist das aber auch nicht.
@27 VdU
Der größte Teil dieses Geldes ist weg, “verbrannt”. Wenn heute alle denken, der Picasso, den ich in meinem Wohnzimmer hängen habe, sei echt, so habe ich ein “theoretisches” Vermögen von z.B. 50 Mio. Euro, das ich (ich vereinfache das jetzt mal) auch beleihen kann. Wenn sich nun herausstellt, der Picasso ist eine Fälschung, sinkt mein Vermögen auf 0. 50 Mio Euro sind verbrannt. Die Kredite, die ich dafür in Anspruch genommen habe, haben damit aber erst einmal nichts zu tun, wenn ich den Verkauf des Bildes nicht in mein Tilgungskonzept aufgenommen habe. Glaube bitte keinen You-Tube Videos, die Dir mit messianischer Stimme erzählen wollen, wie Geld “gedruckt” wird ;-)
@28 supperguppi
Sorry, aber das Filmchen ist kompletter Unfug ;-)
Aber im Netz findet dieser Unfug sehr viel Anklang - es ist eine wahre Seuche *lol*
@30 x2
Vereinfacht ausgedrückt. Wenn ich Dir 100 Euro leihe, haben wir 100 Euro “gedruckt”. Wenn Du mir sagst, Du könntest sie nicht zurückzahlen, sind diese 100 Euro “verbrannt”. Das Problem bei solchen Sachen ist immer die Bilanzierung. Kommen wir da zum Picasso-Beispiel zurück. Wenn ich bei Dir für 100 Euro ein olles Bild kaufe und sich herausstellt, das es sich dabei um einen Picasso handelt, hast Du 100 Euro eingenommen und ich sitze auf einem “Wert” von 50 Mio. Euro. Wenn nun allerdings jemand sagt, es sei doch kein Picasso, sind die 50 Mio. weg und plötzlich wieder nur noch 100 Euro wert. Das heißt aber nicht, dass Du als Verkäufer dadurch “Verluste” hättest oder die 50 Mio. in irgend einer Form “noch” besitzen könntest.
Wer gewährleistet eigentlich,dass die Kurzkredite der Notenbanken in Form der Tender wie bei der EZB
a) überhaupt zurückgezahlt werden
und
b) das die dafür hinterlegten Sicherheiten, überhaupt wertmässig sicher sind?
schaut man sich hier
bundesbank...
die Art und Weise der Sicherheiten und die Art und Weise wie diese Sicherheiten bewertet werden, direkt an, so wird einem eher Angst und Bange.
ecb.int/mo...
Da ist letztlich gar nichts sicher. Wenn die Geschäftsbanken sich unter einander nicht mehr trauen, weil keiner weiss, was deren externe schwarze Bücher und Konten wirklich erzählen, und dabei die Notenbanken als Retter aufmarschieren müssen, gibt es überhaupt keine Gewähr dafür, dass die Tender doch bedient werden können. Momentan kauft man sich nur Zeit und kleine Zeitfenster und hofft dabei.
Was am schlimmsten ist: im weltweiten Spielkasion knallt es weiter und die angeblichen Gesundbeter, die die Zirkulationsphäre des Kapitals, als völlig unproblematisch für reale Wirtschaft laut daherbeten, lügen wie gedruckt.
Wer wertlose Luft als verbriefte Rechte von abhängigen Ratingagenturen verscherbeln lässt, spielte von Anfang an auch mit der realen Wirtschaft. Die progressive Rolle der Börsen ist schon lange vorbei. Was wir erleben, ist ein zutiefst krankes ökonomisches System, ein Finanzkapital das selbst nur noch zur Zerstörung fähig ist und, dessen Ursache letztlich in der weltweiten Überproduktionskrise und der Art und Weise, wie wir anarchisch produzieren, seinen Grund hat.
Die Endzeitstimmung die aus einigen Kommentaren und auch Teilen des Artikels herausklingt finde ich etwas übertrieben. Das endgültige Ende des Subprime-Marktes oder gar der Investmentbanken als solche halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.
Der Kapitalismus verhält sich wie ein evolutionäres System, er kann alles absorbieren. Das System Investmentbank hat über Jahrzehnte unglaublich effizient Geld verdient, es hat sich fortgepflanzt und aufgeweitet. Konkurrenzdruck durch andere Investmentbanken ist entstanden, jede einzelne geht mehr Risiko um mehr zu verdienen und den anderen auszustechen. Mehr Raubtiere fressen immer weniger Beutevieh. Das ist der normale Vorgang. Jetzt ist man an einen Punkt gelangt, an dem ein (vergleichsweise) kleiner Aulöser schon genügt um dieses riskante Kartenhaus zumindest in Teilen einstürzen zu lassen. Der Zyklus kehrt sich um, ein Teil der Investmentplayer geht pleite, andere werden es mit Ach und Krach überstehen.
Fakt ist aber, dass sich mit Finanzspekulationen hervorragend Geld verdienen lässt. Also werden diese oder ähnliche Player wieder zurückkommen und nach einem ähnlichen, zur Vermeidung einer Krise wie der aktuellen leicht modifizierten Geschäftsmodell weiter Unmengen verdienen. Es handelt sich nicht um das Ende der Investmentbranche, wie hier oft gemunkt wird, sondern “nur” um eine Neustrukturierung.
Wie sich das auf uns kleine Ameisen auswirken wird, ist eine andere Frage und ohne fundierte Kenntnisse in Finanzwirtschaft und Volkswirtschaft kaum zu beantworten. Gut möglich dass wir vor eine Phase der Rezension mit für alle spürbaren Folgen stehen, aber der ewige Schweinezyklus wirds auch wieder richten.
@ Jens:
Nunja. Wenn du mir 100€ leihst, dann haben wir die nicht mal eben gedruckt. Sondern die hattest du vorher verdient/eingenommen/geschenkt bekommen/eingetauscht/wie auch immer…Sofern du dich jetzt nicht als Zentralbank siehst meine ich.
Wenn ich dir also ein Bild als angeblichen Picasso andrehe, dann habe ich an dir 100€ verdient. Du dachtest, es wäre 50 Mio wert. Pech gehabt. Der Punkt ist. Ich habe an dir vllt. 90€ Gewinn gemacht, weil mich das Bild in der Anschaffung nur 10€ gekostet hatte. Den Verlust trägst allein du.
Was ich damit sagen will ist, das bei dem Kauf und Verkauf von diesen Konstrukten ja keinerlei Wert geschaffen wird/werden kann. Da wird nur das Geld des einen zum anderen rübergeschoben. Ist das Konstrukt aber unverkäuflich geworden, sitzt der Käufer drauf und der Verkäufer macht ne lange Nase.
Es ist meiner bescheidenen subjektiven Meinung nach einfach nicht möglich, durch solche Transaktionen nachhaltige Werte zu schaffen.
Vllt sehe ich das ganze auch zu einfach. Aber ich komm beim besten Willen einfach nicht zu dem Schluss, dass das Geld, was bei solchen Geschäften im Umlauf ist, einfach weg sein soll, ohne das da jmd Gewinn gemacht haben soll.
@31 Drops
Sicherheiten sind kein “gedrucktes” Geld ;-)
Seit März ist die Geldmenge M3 zum ersten Mal seit der Rezession Anfang der 90er Jahre nicht gestiegen. Und diese Daten beziehen sich auf August.

Ich möchte wetten, dass die Geldmenge im September sogar zurückgegangen ist.
@36 Chrome
Meines Wissens gibt es so etwas leider nicht. Leider gibt es allerdings zuhauf Artikel und Filmchen die bewußt eine einfache Sprache sprechen und Unfug verbreiten.
@43
Der Kapitalismus ist bei einigen Gläubigen so evolutionär, wie der Papst, und Schumpeters angeblich schöpferische Kraft zerschlägt wenigstens nun weltweit den kompletten Immobilienmarkt und schafft Häuser ohne Menschen. Das ist wirklich unheimlich evolutionär. Statt den Menschen in den Mittelpunkt als direkt bewußt handelndes Subjekt in den Vordergrund zu stellen, glaubt man lieber ;)
@43 bunteskanzler
Guter Kommentar. So endzeitmäßig meinte ich es im Artikel auch gar nicht. Ich spreche ja auch von Weichenstellungen und einem Ende des Finanzsystems in der bisherigen Form. Damit meine ich nichts anderes, als Du, wenn Du von Evolution sprichst.
@47 name
Unfug
Ich weiß ja nicht, woher Du diesen hübschen Chart hast, aber die FED veröffentlicht seit 2006 M3 nicht mehr. Oder ist das der Euroraum?
@49
Das werden wir noch sehen, ob das Unfug ist.
In Spanien, Italien, Großbritanien, Irland werden dir Menschen als Zeltbewohner dir nämlich auch den Spiegel direkt vorhalten und dann kannst Du selbst bewerten, ob das springen im Viereck irgendwelche Erkenntsnisse liefert.
@44 x2
Das Beispiel war ja auch vereinfacht. Ich sah mich (im ersten Beispiel) jetzt als Geschäftsbank mit Zugang zur Zentralbank ;-)
Und genau das passiert momentan in weiten Bereichen des Finanzmarktes. Strukturierte Papiere, deren Wert niemand so recht beziffern kann, stehen in den Büchern, finden aber keine Käufer. Hier gibt es massive Korrekturen.
Was ist nachhaltig? ;-)
@Stephan
M3 wird zwar nicht mehr veröffentlicht, lässt sich aber anhand anderer FED-Zahlen errechnen. Die Quelle ist folgende. Dort wird auch erklärt, wie M3 berechnet werden kann.
@Spiegelfechter
das ist ja leider nichts Unübliches im Internet. Gerade deswegen, wollte ich hier einmal nachhaken. Dann sieht es wohl leider so aus, dass ich den Weg in diesen Djungel alleine finden muss. Trotzdem Danke und mach weiter so :)
Ich habe kein Problem damit mich zu outen, daß ich vom Sprachgebrauch der Finanzgurus keine Ahnung habe. Gerade auch wenn es um die Definition von “Geld” geht.
Meines Erachtens lenkt die geschaffene Rhetorik daher auch nur vom eigentlich Sinn ab. Wahrscheinlich vom unerfüllten Wunschtraum Geld bzw. Kapital aus dem Nichts zu schaffen. Jede Hausfrau muß mit dem Geld wirtschaften, daß sie zur Verfügung hat. Sie würde nie von der Nachbarin Geld leihen, wenn sie nicht wüßte das sie es nicht zurückzahlen könnte. Genau hier liegt auch die Krux begraben. Die Verkettung von Krediten und die kriminelle Falschbewertung in dem vorliegenden Maßstab widerspricht genau diesem Prinzip. Parallelen zu einer Staatsverschuldung sind nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn einige meinen Kredite/Verschuldung gehören unentbehrlich zum System… Was für ein System soll das dann sein, vor allem wie steuerbar? Das dieses nicht zu kontrollieren ist lernen wir jetzt gerade erst wieder kennen. Da hofft wohl einer auf das Chaos?
Diesem jenen würde ich in keinster Weise Verantwortung übertragen. Auch wenns wie nach einer provinzialen Meinung klingt: Wofür brauchen wir deshalb noch die Börse? Erst recht wenn alle (gibts es eigentlich zuverlässige) Kontrollorgane versagen? Mit der Grundidee einer Aktiengesellschaft kann ich mich ja noch anfreunden: Geldgeber legen für ein größeres Projekt zusamenn und werden demzufolge an dem entstehenden Gewinn stetig beteiligt. Wie weit sind wir heutzutage von diesem “gutsinnig” gedachten Konzept in Zeiten des Renditedenkens entfernt?
Die Börse ist doch nichts weiter als ein Spielplatz für egozentrische Glücksspieler geworden. Der Tummelplatz des mitunter exorbitanten Privatkapitals, welches uns eines der heuchlerischsten Argumente für Entlassungen und Ausschlachtungen von Firmen liefert: “Zum Wohle des Aktionärs.”
@52 Ich denk der größte Teil des Geldes das dabei “geschaffen” wurde, ist wohl mitlerweile in China, im Nahen Osten und in Russland gelandet. Da die Amerikanischen Bürger die Kredite ,die sie für ihre überbewerteten Häuser bekommen haben und nun nicht mehr zurückzahlen können, hauptsächlich für Konsumausgaben verwendet haben. Die Gewinne, die die Anteilseigner der Investmenbanken in den letzten Jahren gemacht haben dürfte größtenteils schon längst sich in den Pleiten von Bear Stearns, Lehman, AIG usw aufgelöst haben.
faz.net/s/...
Dein Beispiel Jens ist im übrigen ungenau: die Möglichkeit, zwischen einem Kredit als Geschäftsbank an einen Dritten und dem Recht dieser Geschäftsbanken (in Europa mit Zustimmung der EZB) oder direkt zwischen den Geschäftsbanken und der EZB, selbst Geld in Form von Buchgeld (bei diesem Vorgang (!!)) zu “prägen” machst du überhaupt nicht kenntlich.
Von den vermeintlichen Sicherheiten ,die für diese Kredite hinterlegt werden, schweigen wir lieber mal ganz.
PS:
Nicht einmal die Höhe des deutschen Einlagensicherungsfonds für die Absicherung fauler Darlehnen deutscher Banken ist bekannt.
ftd.de/unt...
Nun gut. Verstehe, aber nicht, in wie fern du Roubini widerlegt siehst; seine Aussagen sind bisher alle eingetroffen bzw. wurden durch diesen anrüchigen Deal im März verhindert.
Das, was man gerade produziert ist eine Meute von Zombiebanken, -versicherungen und -hedgefonds, die uns noch allen auf Jahre hinaus auf die Nerven gehen werden, da sie bei der leisesten Verwerfung wie ein Junkie nach Liquidität rufen werden. Die Maßnahmen der FED hatte ich ja schon in Kommentar 5 beschrieben. Vielleicht kann man bei denen demnächst auch sein Klopapier hinterlegen.
tickerforu...
Zum Nachlesen.
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Sonst landet man in Japan der 90′er, das immer und immer wieder irgendwelche Finanzunternehmen rettete und ein ganzes Jahrzehnt damit zubrachte, die Realwirtschaft zu vernachlässigen, um irgendwelchen Bankern ihre Kontrakte abzukaufen.
Woher kommt das Geld für die Bail-outs?
@55 Drops
Geld aus dem “Nichts” zu schaffen, ist aber nicht ungewöhnlich. Der Maler macht auch aus dem “Nichts” einen Wert - die Leinwand und die Farbe kann man da wohl vernachlässigen.
Wenn dem so wäre, hätte es nie eine Subprime-Krise gegeben ;-)
Da kommen wir dem Kern schon recht nahe. Es hat sich ein Wust aus unrealistischen Erwartungen, komplexen Strukturen und unzureichenden Sicherungsmechanismen entwickelt, den niemand durchschaut und wohl auch niemand wirklich durchschauen wollte, solange es gut ging. Nun brennt das Haus und es gibt keinen Feuerlöscher.
Ich denke, dass komplexe Systeme nie steuerbar sind. Man kann höchstens Parameter aufstellen und hoffen, dass diese eine ungewünschte Entwicklung verhindern. Noch nicht einmal dies wurde ernsthaft versucht. GB und die USA haben sich bis jetzt standhaft gewährt, erfolgversprechende Parameter in Form von Regularien international durchzusetzen.
Ich glaube eher, dass man (montan) nichts unternehmen kann, ohne das fragile System vollends aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Die Börse erfüllt schon ihren Sinn - der Handel an den Börsen müsste nur strenger reglementiert werden. Außerdem ist Börse nicht gleich Börse. Wenn ich mir eine Porsche-Aktie kaufe, ist das etwas komplett anderes, als wenn ein Zocker Leerverkäufe für Warenterminkontrakte abschließt. Bitte nicht alles in einen Topf schmeißen.
Börsen und Aktien gibt es allerdings schon sehr lange und die Shareholder-Value Orientierung, die Du vollkommen zu recht kritisierst, ist eine relativ junge Entwicklung.
@56 Coldhand
Auch dort, ein noch größerer Teil ist allerdings m.W. auf den Bermudas, den Bahamas, den Caymans, den Kanalinseln, in Liechtenstein gelandet. Auch in der City of London und an der Wallstreet sind Unmengen(!) dieses Geldes gelandet (teilweise über die genannten Länder). Wo das Geld sicher nicht angekommen ist, ist Liverpool, Detroit oder Wanne-Eickel.
Das ist richtig - wie hoch die Verluste von Finanzvehikeln sind, die nicht ordentlich gelistet sind und komplett intransparent sind, ist derweil vollkommen unbekannt. Es werden aber ebenfalls gigantische Summen sein.
@57 name
Der verlinkte Artikel ist recht gut, aber in einem ganz zentalen Punkt falsch. Natürlich wird jemand durch die Geldschöpfung reicher - die Geschäftsbanken. Die Differenz zwischen dem Leitzins, zu dem sie sich Geld von der EZB besorgen und dem Zins, den der Kunde an die Banken bezahlt, besteht eine gehörige Differenz. Diese Differenz deckt die Ausfälle ab und beinahltet auch noch eine ordentliche Marge, von der die Banken leben.
Weil ich diesen Punkt für komplett irrelevant halte.
@ 43 47 48
“Der Kapitalismus verhält sich wie ein evolutionäres System, er kann alles absorbieren”
sorry, bei allem Respekt für Adepten der Zinsmonopolreligion, aber das, und der darauf folgende Abschnitt ( soweit er ein ganz und gar schiefes Haupschulbiologiebild bemüht ) ist wirklich pathetischer Schmarrn, mag der Rest nun stimmen oder nicht
Natur kann nur im Rahmen der Thermodynamik, Kapitalismus jedoch nur gegen die Thermodynamik, “der Grosse frisst die kleinen bis er platzt” ist ein Dogma der verwirrten, kein Axiom der Natur usw usf -
man das kann das System meinetwegen noch als “Triumph über die Thermodynamik” feiern, aber sicher nicht als “evolutionäres” oder sonstwie naturgegebenes System, das genaue Gegenteil ist der Fall
( zeigt mir mal einen physikalischen Buchwert… LOL
nicht mal “Vakuumenergie” oder “virtuelle Teilchen” kommen auch nur in die Nähe von solchen Konstrukten,
Vergleichbares gibt es allenfalls bei deb Katholiken - hier jedoch in Form des “Sündenregisters” …)
Berechtigte und ( ausnahmsweise mal ) milde Kritik an diesem schrägen Vergleich durch name ausgerechnet mit “Unfug” abzutun ist, nunja, … es macht jedenfalls keine gute Figur
Stimmt Jens, in diesem Punkt ist der FAZ Artikel inhaltlich absolut falsch.
Warum das so ist, weiss vielleicht nur der Teufel, oder die Goldmarie ;)
@58 Stefan
Seine Vorhersagen sind beileibe nicht alle eingetreten, es werden nur immer genau die Vorhersagen zitiert, die eingetreten sind. Leider sind die älteren Artikel auf dem RGE-Monitor nicht mehr kostenlos zu lesen. Roubini nimmt also Geld dafür, ihn widerlegen zu können ;-)
Also ich bin da ganz normal für umsonst angemeldet und kann auch ältere Artikel lesen und was nicht ist kann ja noch kommen. Ich halte dieses japanische Szenario auf jeden Fall für plausibel, wobei der Unterschied besteht, dass Japan (Staat, Privathaushalte, Unternehmen) bei weitem nicht so verschuldet waren, wie es die USA sind.
Diese erneute Bankenkrise erinnert mich an einen Kurs in Finanzmathematik den ich mal an der Uni besucht habe. Ein Banker der Deutschen Bank erzählte uns da ein paar Tage lang wie man aus Derivaten Geld macht.
Ich stellte dann die Frage was Investment-Banker aus der Asienkrise gelernt haben, der gute Mann guckte sehr betroffen und meinte “ja, ja, die Asien-Krise, das war schlimm, da haben viele Banker ihren Job verloren”
..mal ganz zu schweigen von mehreren Ländern die ins völlige Chaos stuerzten, aber das schien ihm nicht so ganz in den Sinn zu kommen.
Solange eine Abfindungszahlung und ein bisschen Jobsuche das einzigste ist wovor Investment Banker Angst haben muessen wenn sie neue abenteuerliche Wetten auf weiss ich was abschliessen wird es wohl alle paar Jahre eine solche Krise geben.
Es verwundert mich aber doch dass es immer noch kaum Diskussionen um mögliche Kontrollmechanismen gibt.
@SF
Meine wenig vorteilhafte Meinung zum Kapitalismus und dem deckelnden Zinsssystem dürfte ja bekannt sein. Da die aktuellen Vorgänge (Verarmung weiter Teile der Bevölkerungen) mir ganz objektiv recht geben, werde ich da nicht weiter drauf eingehen - _aber_:
“Geld verbrennen”
Sorry, das ist Unfug. Geld wird nicht “verbrannt”, sondern Geld stellt in der Menge x den Gegenwert zu der Menge n=Produkte dar. Es kann also die relative Geldmenge und der Lagerungsort verändert werden.
Wird die Geldmenge erhöht, sinkt der Wert des einzelnen x, wird sie erhöht, steigt er. Wenn der Wert sinkt (z.B. Kredite an Privatunternehmen durch “in den Markt pumpen”), wird das die Ärmeren logischerweise härter als die ohnehin Wohlhabenden treffen. Es wird also nicht “gepumpt”, sondern effektiv mal wieder von unten nach oben verteilt.
@Jens mit Bezug auf No 61:
Doch, das Geld ist auch in Wanne-Eickel und Liverpool angekommen. Denn die immense Verfügbarkeit von (Buch-)Geld, die erst durch die inflationären Finanzinstrumente möglich wurde, hat auch für diese Regionen die Zinsen niedrig gehalten und damit Investitionen tendenziell erleichtert. Natürlich nicht in vergleichbarem Maße mit dem Perlflussdelta, Bangalore, Manhatten, London oder auch München.
Hi Jens
@37
Du schreibst, dass die Krise des US-Finanzsystems vorhersehbar war. Für wen war sie vorhersehbar? Wieso haben dann nur so wenige Wirtschfts”wissenschaftler” davor gewarnt? Hätte es nicht einen Aufschrei angesehener Ökonomen geben müssen?
Weiterhin schreibst du:”Roubini und Co sagen indes auch voraus, dass es zu Bränden durch einschlagende Blitze und schweren Überschwemmungen kommt.”
Was wäre passiert, wenn die FED weder Bear Stearns, noch Freddie&Fannie, noch AIG “rausgehauen” hätte? Wäre es zu den Bränden gekommen? Für MS sieht es ja im Moment trotz Gewinn auch nicht so rosig aus.
Natürlich machen “Untergangsökonomen” kräftig Kasse, sie setzen ja nicht, wie der Rest der Herde, auf die bekannten riskanten Geschäfte, sondern auf konservativere Anlagemöglichkeiten (zumindest Schiff). Gold scheint ja heute 8% zugelegt zu haben und in Asien öffnen die Börsen ja erst noch.
Leider hab ich als Naturwissenschaftler kaum Ahnung von Wirtschaft, aber zumindest die Erklärungen von Schiff waren für einen “Aussenstehendenr” relativ leicht zu verstehen und bisher hat er mit vielem Recht gehabt. Dass es weder Hellseher, noch einen Messias gibt, sollte jedem logisch denkenden Wesen bekannt sein.
Kannst du gute und relativ leicht verdauliche Literatur/Webseiten zur Ökonomie empfehlen?
Gruß
Biertje?
P.S. Geile(s?/r?) Blog, weiter so!
P.P.S. Wie zitiert man hier?
@47, 48, 49
“Unfug”?
Ein verantwortungsvoller Kapitalismus ist sicher kein Unfug. Die Maßlosigkeit des Finanzkapitalismus ist allein seiner Gier geschuldet. Die hat sich in der Tat evolutionär ausgebreitet und ist lediglich in ihrer Komplexität ein einzigartiges Phänomen, nicht jedoch in ihrem regelmäßigen Vorkommen als solche. Nichts zu tun hat dieser bisherige Hype mit den realen Gütermärkten, die nichtsdestotrotz von den gegenwärtigen finanzwirtschaflichen Auswirkungen massiv betroffen sein werden.
Ein neoliberaler Kapitalismus, der nur dem Götzen “Rendite” huldigt, kann mit Fug und Recht als nicht menschengemäß bezeichnet werden und schöpft im Übrigen selbstverständlich die dem originären Wirtschaftssystem innewohnenden Potenziale nicht aus.
Die neoliberale Dreck ist am Ende!
Eine über 25-jährige Hausse endet nun mal irgendwann in einer Baisse (s Japan).
Daran ändern auch Beruhigungspillen von Banken-Joes nichts, die bisher erweislich falsch waren.
Es bleibt dabei:
Der Kapitalsimus in seiner Gier, der verreckt jetzt hier.
@Otti
Es gibt keinen “vernünftigen” Kapitalismus. Das sollte man sich in Ruhe mal einprägen. Das Finanzkapital, so wie es heute sein Gesicht zeigt ist genau dieses jene Kind des Kapitalismus, genau das Resultat unserer eigenen Produktionsweise.
Wer Kapitalismus als Wirtschaftssystem haben will, bekommt diesen mit allen seinen Facetten und Farben, Verbrechen und Betrügereien, und all seinen Charaktermasken.
Wer behauptet, der Zusammenhang zwischen realer Güterproduktion, oder das, was man Industriekapital nennt, und dem Finanzkapital bestehe nicht, hat nicht erfasst, wie qualitativ und quantitaiv beide Zirkulationssphären zusammenhängen, sich gegenseitig bedingen und von einander anhängig sind.
Heute sagte Heiner Geißler (CDU) auf WDR5, dass Marx “sogar mit Sicherheit Recht gehabt hat”.
:-)
Ich warte immer noch auf den SPON-Artikel zu dem Interview.
@68 Schwitzig
Yep, aber warum soll das Unfug sein? Wenn der Picasso heute 50 Mio Euro wert (das heißt, jemand wäre bereit diese Summe zu zahlen) ist und morgen nur noch 100 Euro, ist die Summer der “Produkte” um 49.999.900 Euro gesunken, die Menge des Geldes folgerichtig auch. Wo ist die Differenz? Etwa nicht “verbrannt”?
Das nennt sich Inflation bzw. Deflation, ist aber ceteris paribus zu betrachten.
Jein, in der grauen Theorie stimmt das. Wenn die “hereingepumpten” Geldmengen aber innerhalb des Verteilungszirkel der Investmentklitschen bleiben, hat dies kaum (ich würde sogar sagen keine, bin mir da aber VWLtechnisch nicht so sicher) Auswirkungen auf die allgemeine Inflation. Dein Brot wird nicht dadurch teurer, dass eine Investmentklitsche sich ein paar Mrd. Dollar Geld leiht, um mit einer anderen Investmenrklitsche ein Nullsummenspiel zu veranstallten.
@70 Biertje?
Den gab es, nur wollte ihn kaum wer hören ;-)
Ich schrieb schon in einem meiner ersten Artikel über dieses Thema. Roubini, Paul Krugman und andere sprechen schon seit Jahren von den Folgen, die jetzt eintreten. Stieglitz hat m.W. auch bereits seit Jahren gewarnt.
Das gerade das Subprime-Desaster zum Auslöser werden könnte, war m.W. allerdings den wenigsten klar. Aber auch Rainer Sommer hat bereits im Januar 07 bereits vor einem Crash im Subprime-Markt gewarnt. Damals investierten IKB, Sachsen-LB und wie die ganzen anderen “Profis” noch so heißen mögen, noch kräftig in dieses Segment und schwadronierten vom ewigen Wachstum des US-Immobilienmarktes.
Vielleicht wäre es zu diesen “Bränden” gekommen, wer weiß? Roubini nannte dies zumindest (ich muß mal die Artikel herauskramen) unabwendbar - so sieht es im Moment aber nicht aus.
Wer´s glaubt *g*
Ich bezweifele, dass die Gold-Apologeten wirklich “nur” Gold in ihrem Depot haben. Wenn ich sicher wäre, dass die Finanzwirtschaft kollabiert, würde ich andere Anlagen bevorzugen und mir erst kurz vor dem Kollaps etwas wertstabiles kaufen.
Leider nein. Als sehr gute Quelle kann ich den Blog “Economist´s View” empfehlen. Aber leicht verdaulich sind die Artikel dort nicht unbedingt.
Mit dem Blockquote-Tag
Gruß
SF
@72 name
Unfug^2 ;-)
@76
Wirklich Unfug?
Angenommen, der Kapitalismus basiert auf dem homo oeconomicus und Adam Smiths Menschen- und Weltbild der berühmten unsichtbaren Hand: Jeder strebt nach seinem eigennützigen, größtmöglichen Vo