Der Kanarienvogel in der Goldmine

07. Oktober 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Die Finanz-Wikinger befinden sich in Seenot. Jahrelang schien es so, als hätte Island das finanzielle Perpetuum Mobile erfunden. Die 300.000-Seelen-Insel hatte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre einen beispielslosen wirtschaftsliberalen Kurs eingeschlagen, staatliche Banken privatisiert und Reglementierungen gelockert. Dies brachte Island Spitzenplätze in den wirtschaftsliberalen Rankings der World Heritage-Foundation und der IMD ein. Die drei größten Banken des Landes expandierten in abenteuerlicher Art und Weise und hielten jüngst Werte in Höhe von 888% des nationalen BIPs – natürlich alles auf Pump, denn Geld war ja überall billig zu haben. Dieses Kartenhaus ohne jegliches Fundament brach nun im Sog der Finanzkrise jäh zusammen und Island steht vor dem Staatsbankrott. Nur noch die weißen Ritter aus Russland und vom IWF können nun ein Desaster verhindern. Die Wikinger-Party war kurz und heftig, der darauf folgende Kater wird lange anhalten.

Isländer müsste man sein – so hätte man es noch vor drei Jahren schreiben können. Die Löhne auf der Insel lagen rund ein Drittel über denen in der EU und die Lohnsteigerungen waren konstant höher als die Inflation. Wenn ein Isländer ein neues Auto haben wollte, ging er zu einem Händler und bekam einen Schnellkredit über die gesamte Kaufsumme. Der Kredit war zu zwei Drittel in Yen oder Schweizer Franken ausgewiesen und die Zinsen lagen weit unter der Inflation und den Lohnsteigerungen. Wer da nicht zugriff, war dumm – oder aber clever, wie die Entwicklung des letzten Jahres zeigte. Islands schneller Wohlstand, der in Europa nur von der Schweiz getoppt wurde, war mit der heißen Nadel gestrickt. Island brachte es in einem rasanten Aufstieg zur viertreichsten Nation, gemessen in BIP pro Kopf. Die Arbeitslosigkeit lag unter 1% und Island importierte Niedriglöhner für einfache Tätigkeiten aus Polen und Litauen, die dort immerhin den gesetzlichen Mindestlohn von 1.200 Euro im Monat verdienten. Durch Wasserkraft und Geothermie ist Energie in Island beinahe kostenlos – sogar die Straßen Islands konnten so beheizt werden. Dies erinnert alles eher an arabische Fürstentümer, als an einen europäischen Staat. Die Araber können sich diesen hohen Lebensstandard aufgrund von Ölexporten leisten, aber was hatte Island zu bieten, um seinen Bewohnern ein Eldorado zu bieten? Nichts, außer der sprichwörtlich heißen Luft.

Der Islandexperte der Ratingagentur Fitch bezeichnete Island einmal als Hedge-Fonds im Gewand eines Staates. Die Nettoauslandsverschuldung Islands wuchs im letzten Jahrzehnt fünfmal so stark wie das BIP und liegt momentan bei 312% des BIPs - 80% davon entfallen auf die isländischen Banken. Die USA haben zum Vergleich nur eine Nettoauslandsverschuldung von 25% des BIPs. Island hat sich über die Jahre zu einer gigantischen Schuldenblase entwickelt, von der die Isländer freilich profitierten. Das Zauberwort der Wikinger-Blase hieß „Carry Trade“. Man leiht sich in einem Land Geld, in dem es Kredite zu sehr günstigen Zinsen gibt – sehr beliebt sind da Japan und die Schweiz. Diese Kredite werden dann von der Zentralbank in die Landeswährung umgetauscht und man bietet ausländischen und inländischen Kunden hochverzinste Anlagen in der einheimischen Währung an, die mit den günstigen Krediten wieder zurückgezahlt werden, während die Einlagen der Kunden investiert werden. In Deutschland, Dänemark und vor allem Großbritannien waren diese „Kabeljau-Bonds“ sehr beliebt. Wenn man eine kleine, frei konvertierbare Währung wie die isländische Krone hat, kann man bei einem geschickten Währungsmanagement dieses Spiel so lange treiben, bis kein frisches Kapital mehr nachfließt oder große Fische auf dem Finanzmarkt die Chance erkennen und mit größeren Summen gegen die isländische Blase wetten. Im März dieses Jahres ist beides geschehen.

Als das Geld im Interbankenmarkt knapp wurde, bekamen die isländischen Banken plötzlich nicht mehr die Gelder, die sie brauchten, um auslaufende Anleihen und Schulden zurückzuzahlen. Gleichzeitig nutzten einige Hedge-Fonds die offensichtliche Schieflage des isländischen Systems aus und wetteten gegen die isländische Zentralbank, die mit Währungsreserven von gerade einmal vier Milliarden US$ im internationalen Vergleich ein Zwerg ist. Da selbst bei 15% Zinsen aufgrund der Währungsrisiken kaum mehr frisches Kapital in die isländischen Banken floss, die isländische Zentralbank mangels liquider Mittel keine Devisenkredite vergeben konnte und der internationale Geldmarkt ebenfalls austrocknete, kollabierte das Schneeballsystem. Die isländische Krone verlor in wenigen Tagen fast 30% an Wert, was die Inflation auf der Insel kräftig anheizte. Die isländische Zentralbank musste den Leitzins auf 15% anheben, damit brach das Geschäftsmodell der isländischen Banken zusammen. Bis vor wenigen Tagen konnten die Banken ihre Verpflichtungen noch über die Veräußerung von ausländischen Aktiva erfüllen, aber die Hoffnungen, dass sich das Islandtief schnell wieder verziehen würde, erwiesen sich als vergebens.

Um einen Bankrott des Staates abzuwenden, beschloss die isländische Regierung Notstandsgesetze, mit denen sie die drei großen Banken quasi verstaatlichte. Da daraufhin große Geldmengen von der Insel abgezogen wurden, brach der Kurs der isländischen Krone zusammen, was die Zentralbank nicht verhindern konnte. In den letzten zwei Monaten verlor die isländische Krone gegenüber dem wegen des „Carry Trades“ wichtigen Yen 54% an Wert. Wenn Island nicht schnellstens an frische Gelder kommt, muss es daher den Staatsbankrott anmelden, da es säumige Schulden nicht mehr bedienen kann. Als Retter in der Not bot sich der russische Botschafter an, der Island einen 4 Mrd. Euro Kredit in Aussicht stellte. Die isländische Zentralbank meldete umgehend, dass dieser Kredit bereits erteilt sei, was den dramatischen Absturz der isländischen Krone erst einmal stoppte. Die Verhandlungen über diesen Kredit sollen allerdings erst in den nächsten Tagen aufgenommen werden – dies musste im Laufe des Tages auch die isländische Zentralbank eingestehen. Daraufhin kündigte man an, man wolle den Kurs der Krone zum Euro bei 131:1 einfrieren. Dieses Vorhaben scheint der Zentralbank allerdings nicht geglückt zu sein. Zum Zeitpunkt des Artikels (06.10 19:00) betrug der Wechselkurs zum Euro stolze 220:1. Dies ist fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.

Der Kater für die isländische Bevölkerung wird bitter ausfallen. Jahrelang wurde auf Kosten billiger Kredite konsumiert. Diese Kredite werden nun unbezahlbar. Wenn ein Isländer ein Auto gekauft hat, dass zum Zeitpunkt des Kaufs 6 Mio. Kronen gekostet hat und das zu 66% über Devisenkredite finanziert wurde, so sind diese Kredite nun bei einer Verdreifachung des Umtauschkurses 14 Mio. Kronen wert – wie soll man diese Kredite zurückzahlen, da die Gehälter ja nicht in Euro, sondern in Kronen ausgezahlt werden? Selbst wenn der IWF oder Russland in die Bresche springen und Island mit frischem Geld versorgen, so ist die Überlebensfähigkeit Islands ungewiss. Der Lebensstandard wird auf jeden Fall massiv sinken – anstatt Sushi aus japanischen roten Thun, wird der Isländer wohl wieder Lammeintopf von heimischen Schafen essen müssen und die einheimische Jugend wird wohl wieder im Fischfang und der Landwirtschaft Jobs suchen müssen und nicht bei den Banken des Landes. Der Traum ist aus - es riecht nach Ragnarök in Reykjavik. Wahrscheinlich wird Island bald unter den schützenden Schirm der EU und des Eurosystems schlüpfen müssen, was für die Fischereiindustrie allerdings eine Katastrophe wäre. Zum Glück ist Island allerdings von Mutter Natur verwöhnt und energieintensive Betriebe, wie beispielsweise Aluminiumhütten, stehen bereits Schlange, um sich in Island niederzulassen. Und auch im Niedriglohnsektor sind viele Arbeitsplätze frei geworden – die Polen und Litauer haben bereits das Land verlassen, da es sich nicht mehr lohnt, isländische Kronen in die Heimat zu schicken.

Island wird nicht das letzte Opfer der Finanzkrise sein. Analysten sehen die nächsten Kandidaten bereits in Neuseeland, Australien, Südafrika und Rumänien – interessanterweise sind dies die Staaten, deren Währungen in den letzten Wochen gegenüber dem Yen am stärksten an Wert verloren. Das „Carry Trade“ Spiel scheint vorbei zu sein. Ob diese Länder wirklich unter die Walze der Finanzkrise kommen, ist ungewiss. Die Grundprobleme sind ähnlich, wenn auch längst nicht so exzessiv. Auch Irland zählt zu den Kandidaten, die aufgrund von überdimensionierten Bankgeschäften vor einem Scherbenhaufen stehen. Aber Irland hat das große Glück, mit dem Euro eine Währung zu haben, die zu den stabilsten der Welt gehört und die damit vor Spekulanten sicher ist. Es sollte langsam an der Zeit sein, eine internationale Lösung des Finanzkrisenproblems anzugehen. Nur all zu schnell könnten diese gefallenen Staaten einen Domino-Effekt auslösen. Der IWF sucht eh nach einer neuen Aufgabe, nachdem ihm sein ursprüngliches Geschäftsmodell, Länder über die Schuldenfalle zu einer Freihandelspolitik zu zwingen, abhanden gekommen ist. Bei den neuen Problemfällen könnte der IWF allerdings in eine Sinnkrise kommen – zu liberalisieren gibt es in diesen Ländern nichts mehr. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass die Staaten, die die wirtschaftsliberalen Rankings anführen, diejenigen sind, die beim Crash des Systems als erste unter die Räder kommen. Auch dies könnte eine wertvolle Lektion sein, wird aber sicher von wirtschaftsliberalen Vordenkern anders interpretiert. Die Welt hat noch nie aus Fehlern gelernt.

Jens Berger

Hintergrund und Quellen:

David Ibison und Yasmin Osman - Finanzkrise gefährdet ganz Island
Tracy McVeigh - The party’s over for Iceland, the island that tried to buy the world

Bildnachweis: chatirygirl auf Flickr, Dick Browne, ECB, NASA, FAZ mit Quelle Bloomberg

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  1. [...] Zeiten Bankensektor verstattlicht - Island kurz vor dem Staatsbankrott Island steht am Abgrund Island als Opfer der Finanzkrise Staatsbankrott in Island Banken Kollaps in [...]


  2. 2 · Das Ende des Kapitalismus… - Lälles am 8. Oktober 2008 um 12:56

    [...] nun vorbei sein. Hoffentlich… Ein interessanter Artikel zur Bankenkrise in Island gibts beim Spiegelfechter Geschrieben von Kil in Politik um 19:11 | Kommentare (0) | Trackbacks (0) Tags für diesen [...]


  3. [...] Punkt zum globalen Bankenfiasko gibt es doch noch, allerdings beim Spiegelfechter Jens [...]


  4. 4 · Schwarzer Freitag an der Börse | SEOwoman am 10. Oktober 2008 um 14:25

    [...] ausgespielt zu werden und einer der ersten Verlierer, der seine Währung schon verpokert hat, ist Island. Und wenn der “Retter” Russland heißt, bin ich ja total [...]


  5. 5 · Sechsmal um den Blog » medienlese.com am 13. Oktober 2008 um 13:01

    [...] wenn es um eine dezidierte (wirtschafts-)politische Berichterstattung in der Blogosphäre geht. Solch einen Artikel zum Thema ‘isländischer Staatsbankrott’ suchen wir beispielsweise in ganz Holzhausen [...]


  6. [...] sicher anlegen will, der sollte dieses ganz sicher nicht in Island tun. Gerade hier kam es zu einem Einbruch der Währung, die binnen eines Jahres drei Viertel des früheren Wertes verloren hat. Hierdurch ist auch das [...]


Kommentare:

  1. · nrq am 7. Oktober 2008 um 21:11 - Permalink

    Analysten sehen die nächsten Kandidaten bereits in Neuseeland, Australien, Südafrika und Rumänien

    Hast du dazu einen Link? In deinen beiden Links zum Schluss steht dazu nichts, das würde mich aber brennend interessieren.


  2. · Schwitzig am 7. Oktober 2008 um 21:27 - Permalink

    @SF
    Danke, interessanter Artikel. Wenn ich das richtig verstanden habe, zahlen die Zeche in diesem Fall also ausschließlich die knapp 300.000 Isländer, denn die isländischen Banken gehören ja nun quasi ihnen?
    Bei den Werten der Kredite, kann man die ganze Absurdität des Finanzsystemes sehen: Wenn der Kredit für das Produkt Auto nun plötzlich den fast 3-fachen Wert wie zuvor hat, aber er zum Startzeitpunkt dem akzeptierten Wert des Produktes entsprochen hat, ist das eine komplette Entkopplung von der Realität.

    Wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass 90% der Isländer die Kredite nicht zurückzahlen können werden, sind sie ja Schuldner bei ihrem eigenen Staat, richtig? Wenn also z.B. Russland gegenfinanziert, muß doch dennoch die Gesamtheit der gerade mal 300.000 Isländer über Steuern den Kredit bei Rußland abstottern?


  3. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 21:50 - Permalink

    @nrq

    Schau mal hier und hier nach. Eigentlich habe ich das aus einem IV mit einem Fitch-Analysten, das ich aber gerade nicht finde.

    Aber wenn Du Dir das hier anschaust …

    … sollte klar sein, das NZ momentan ein sehr gefährlicher Platz für Carry-Trades ist. Es schaut so aus, als würden dort gerade jede Menge Carry-Trades platzen und notabgewickelt werden.


  4. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 21:56 - Permalink

    @Schwitzig

    enn ich das richtig verstanden habe, zahlen die Zeche in diesem Fall also ausschließlich die knapp 300.000 Isländer, denn die isländischen Banken gehören ja nun quasi ihnen?

    Nein nein, auch Einlagen von Ausländern werden wohl über den Deister gehen. Dies betrifft einige Deutsche aber vor allem sehr viele Briten, bei denen die “Kabeljau-Bonds” sehr beliebt waren.

    Wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass 90% der Isländer die Kredite nicht zurückzahlen können werden, sind sie ja Schuldner bei ihrem eigenen Staat, richtig?

    Indirekt - der Staat ist (bis er Bankrott anmeldet) ja über die Banken Schuldner bei ausländischen Geldgebern. Ich schätze aber mal, dass ein Weg gefunden wird, die Bankschulden nicht in Staatsschulden umzumünzen. Ansonsten sähe es ganz schwarz für Island aus. Vielleicht findet der IWF da ja eine Lösung.

    Wenn also z.B. Russland gegenfinanziert, muß doch dennoch die Gesamtheit der gerade mal 300.000 Isländer über Steuern den Kredit bei Rußland abstottern?

    Richtig - Russland wird aber (das ist meine persönliche Meinung) etwas anderes im Hinterkopf haben, als “nur” Geld. Wait and See ;-)


  5. · misterL am 7. Oktober 2008 um 22:07 - Permalink

    @SF

    du meinst die isländer sollten schon mal russisch lernen. ausserdem energie, rohstoffe, fischfangflotte und einen neuen stützpunkt für ein paar raketen. mit der überlegung könnte man auch in den usa fragen - aus isländischer sicht. ;-)


  6. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 22:14 - Permalink

    @misterL

    Die Amis haben´s aber im Moment nicht so dicke ;-)

    Ich wollte auch nicht unbedingt gleich auch Raketen raus - der Kalte Krieg ist doch vorbei, wie wir wissen ;-) Russische Rohstoffunternehmen hätten aber sicher auch Interesse auf Island zu investieren und ein Partner mit gigantischen Seegrenzen ist für die Russen sicher auch nicht eben von Nachteil, wenn es um die Explorationsrechte auf See geht.


  7. · rotpeter am 7. Oktober 2008 um 22:24 - Permalink

    @5 misterL: Island ist bereits ein enger militärischer Partner der USA. Russland vergibt nun Kredite an Island, quasi direkt im amerikanischen Vorgarten.

    Ein Schelm wer da an Georgien denkt ;-) und fühlt sich etwas an wie im Kindergarten.


  8. · Gebintit am 7. Oktober 2008 um 22:26 - Permalink

    Die Isländer werden wohl arbeiten müssen bis sie tot umfallen, aber zu ihrem Trost: sie werden nicht die einzigen sein, die dieses harte Los trifft. Rente adieu.
    In der demografischen Entwicklung der “alten” Industriestaaten sehe ich einen Hauptgrund diese unglaublichen Auswüchse auf den Finanzmärkten.
    Die Hoffnung stirbt eben zuletzt und die Hoffnung war, die vielen Ruheständler (und Wähler!) über Spekulationsgewinne zu bedienen. Nun stehen die Politiker der alten Industriestaaten mit heruntergelassenen Hosen da: erst in guten Zeiten keine ausreichenden Rücklagen gebildet und dann auch noch Pech beim Glücksspiel. Dumm gelaufen! Altersarmut, wir kommen!


  9. · Yoshi am 7. Oktober 2008 um 22:29 - Permalink

    Was habe ich an der Finanzkrise eigentlich genau nicht verstanden? Sollte es nicht so sein, dass bei Finanzmärkten immer einer genau soviel gewinnt wie ein anderer verliert (an realem Geld, nicht an Buchwert)? Dann sollte sich die Finanzmärkte doch in der weltweiten Gesammtrechnung rausheben. Und nach meinem (wie oben ersichtlich beschränktem) Verständnis, sollte es deshalb entweder jemanden geben der eine menge Geld hortet, oder Finanzmarktkrisen können nicht auf die Realwirtschaft durchschlagen.

    mfg
    Yoshi


  10. · misterL am 7. Oktober 2008 um 22:30 - Permalink

    @rotpeter

    kannst du mir den “kindergarten” erklären?


  11. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 22:34 - Permalink

    @Yoshi

    Was habe ich an der Finanzkrise eigentlich genau nicht verstanden? Sollte es nicht so sein, dass bei Finanzmärkten immer einer genau soviel gewinnt wie ein anderer verliert (an realem Geld, nicht an Buchwert)?

    Was ist “reales Geld”? ;-)
    Nein, natürlich sind Finanzmärkte kein Nullsummenspiel - da kann man auch was verlieren und niemand gewinnt.


  12. · Matthestias am 7. Oktober 2008 um 22:42 - Permalink

    Ich schätze den Spiegelfechter sehr, noch besser fände ich es, wenn hier nicht die weitverbreitete Masche, Kurven dramatischer aussehen zu lassen, indem man die y-Achse einfach nicht bei 0, sondern am niedrigsten Punkt der Kurve enden (bzw die x-Achse schneiden) zu lassen, auch angewendet würde.
    Machen zwar fast alle so, trotzdem verzerrt es das Bild und ist oft manipulierend.
    Zusammengegoogelte Veranschaulichung z.B. hier: uni-koblen... (S. 11-13) oder sehr empfehlenswert: Walter Krämer: So lügt man mit Statistik.

    Viele Grüße!


  13. · misterL am 7. Oktober 2008 um 22:56 - Permalink

    @SF

    mal so ganz allgemein zum komplex bankenkrise. die häufig benutzte redeform ist ja, das sich die banken untereinander nicht mehr trauen und deshalb untereinander keine kredite mehr geben.

    eine an sich sehr simple methode dieses mentale problem zu lösen wäre ein supergipfel der top manager und ggf. versicherer. soviele werden es an sich nicht werden. die auswahl an weltgrossbanken ist nicht sooo wahnsinng gross.

    frage: warum machen die das nicht?


  14. · Yoshi am 7. Oktober 2008 um 22:56 - Permalink

    @SF
    mit “realem Geld” meine ich Geld, mit dem ich mir etwas kaufen kann ;) Mein Argument ist im wesentlichen: Wenn mein Depot um einen gewissen Betrag X steigt, dann bedeutet das, dass jemand mir X mehr bezahlt, als ich (wahrscheinlich jemand anderem) gezahlt habe. Sollten dann die Kurse wieder auf das ursprüngliche Niveau sinken, dann ist im Endeffekt nur der Betrag X von der Tasche des Käufers in meine gewandert, aber die gesammte Geldmenge ist gleich geblieben, es wurde nichts produziert etc…

    @Matthestias
    Solange es einem auffällt, dass die Graphen nicht bei Null anfangen, sieht man so die Veränderungen besser. Das Buch von Krämer ist dem Verständnis aber sicher förderlich.


  15. · rotpeter am 7. Oktober 2008 um 23:02 - Permalink

    @10 misterL: Ich meinte diese Zufälligkeit, das Russland plötzlich Kredite an Island vergeben will. Diese winzig kleine Summe hilft niemanden, schon gar nicht jemandem der schon zu viele Kredite im Keller hat…
    Aber Island braucht ein Zeichen für die Börsen und Bürger, welches Russland ermöglicht.


  16. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 23:09 - Permalink

    @Matthestias

    *g* Ich kenne das Buch und schätze Krämer sehr, aber hier habe ich gleich zwei Punkte zur Verteidigung:

    - Die Grafik kommt von der EZB und nicht von mir. Beschwerden nimmt Herr Trichet sicher gerne entgegen ;-)
    - Es geht ja darum den Trend zu zeigen. In einer Grafik mit dem Minimum 0 würde der Trend vor dem scharfen Anstieg im letzten Monat kaum erkennbar sein. Dies sollte aber nicht Sinn dieser Grafik sein. Als Alternative hätte ich sie “verlängern” können. Das wäre wissenschaftlich korrekt, würde aber den Lesefluß stören, da so ein großer Klotz zu viel Platz wegnehmen würde.

    Auch wenn ich Dir prinzipiell vollkommen recht gebe, sehe ich das in diesem konkreten Fall nicht soooo eng.


  17. · Daniel B. am 7. Oktober 2008 um 23:10 - Permalink

    Die Interpretation, an welcher die Vordenker der Wirtschaftsliberalen stricken, ist meiner Ansicht nach schon jetzt gut zu sehen und so einfach wie unverfroren - der Staat war es. Indem von ihm angeblich falsche Anreize gesetzt wurden, soll wie immer derselbe Gottseibeiuns verantwortlich sein. Wenn man ernsthaft daran glaubt, dass es so etwas wie “freie Märkte” gibt, die in einem solchem Idealzustand automatisch ein Equilibirium anstreben, macht das ja auch beinahe Sinn. Jeglicher Eingriff führt für Anhänger des wahren Glaubens nur zu Verzerrungen.
    Dass viele derselben Stimmen, die gerne das Mantra des freien Marktes vor sich her brabbeln im Dienste der eigenen Interessen durchaus gerne auf politische Intervention setzten und nach wie vor setzen, stört da offensichtlich auch nicht wirklich. In Wirklichkeit ist den meisten wohl durchaus klar, dass unter einigermaßen realistischen Prämissen die Ökonomie in weiten Teilen politisch ist und bis auf weiteres auch bleiben wird. Aber dies zu verneinen und sich gleichzeitig dessen zu bedienen ist ja gerade der Trick…


  18. · Mason am 7. Oktober 2008 um 23:17 - Permalink

    @4,SF
    Austritt Islands aus der Nato und eine russische Basis bei Keflavik ? Na das waer doch mal eine pfiffige Antwort auf die Osterweiterung ;)


  19. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 23:18 - Permalink

    @misterL

    frage: warum machen die das nicht?

    Weil jeder sein eigenes Süppchen kocht. Außerdem ist die Absicherung von Kreditrisiken ein einträgliches Geschäft. Ich bezweifele auch, dass ein solches Treffen überhaupt Sinn machen würde. Was sollte denn da beschlossen werden? Ich sehe da eher eine zweiteilige Lösung.

    - ein internationaler Trash-Fonds, der u.U. über den IWF finanziert wird und der die Papiere abwickelt. Die Institute, die Papiere abgeben kriegen dafür den Market-to-Market Wert. Dies würde zu kräftigen Abschreibungen führen, aber das System wäre rein. Institute, die daraufhin insolvent würden, könnten ggf. unter staatliche Schirme schlüpfen. Das wäre dann Sache der Nationalstaaten. Die Gewinne aus der Abwicklung könnten in Projekte fließen, die die Weltwirtschaft stabilisieren.

    - parallel müßte allerdings ein neues Finanzreglement ausgearbeitet werden, dass weltweit (z.B. über die WTO) verpflichtend sein muss. Institute aus Staaten, die dies nicht ratifzieren (z.B. die Offshore Steuerparadiese) dürften dann keinen Zugang mehr zum Weltfinanzmarkt haben.

    Leider ist dies nicht eben marktfreundlich, da es verzerrend ist und ist daher sehr unwahrscheinlich. Daher werden wir wohl lieber an unserer Marktgläubigkeit zugrunde gehen - nicht mittel- aber langfristig.


  20. · Spiegelfechter am 7. Oktober 2008 um 23:19 - Permalink

    @Daniel B

    100% ACK


  21. · fabiank22 am 7. Oktober 2008 um 23:20 - Permalink

    @Yoshi:

    Einfaches Beispiel das fast aus meinem BWl-Kurs stammen könnte(stark vereinfach, aber ich hoffe nicht unbrauchbar:

    In einer 10-Personen-Volkswirtschaft hat jeder 100GE(Geldeinheiten) von dem er sich zu essen kaufen kann. Diese 100GE werden auf Äckern erarbeitet und dann ausgegeben um Essen von eben diesen Äckern zu kaufen. Wir haben also einen geschlossenen Kreis.

    Nun stell dir vor was passiert wenn ein Jahr nicht genug Essen produziert wird um die Kunden zu bedienen. Der Ackerbesitzer wird die Preise erhöhen um das auf dem Markt theoretisch erhältliche Kapital zu bekommen. Er hat aber keineswegs mehr GE am Ende, vielleicht sogar weniger. Der Verbraucher verliert, aber keiner gewinnt.

    Bezogen auf die Finanzkrise konnten die Kreditnehmer den Kreditgebern in einem Jahr am Ende eben kein Geld mehr geben, was wiederum dazu führt das diese im nächsten Jahr kein Geld mehr ausgeben können/wollen. Normalerweise sollte es Sicherungen dagegen geben, die haben wir aber unter der Prämisse “freie Marktwirtschaft” abgeschafft. Wir haben also eine Abwärtsspirale in der jeder verliert und zwar solange bis irgendwoher wieder GE in den Markt kommen.

    Schau dir zusätzlich Wikipedia zu Begriffen wie Inflation an - solange die Löhne nicht stärker steigen als das Geld das du verdienst an Wert verliert verlierst du immer - und zwar ohne das zwangsweise wer am anderen Ende gewinnt.


  22. · Avantgarde am 7. Oktober 2008 um 23:29 - Permalink

    Island ist für die US Raketenabwehr von hoher strategischer Bedeutung… go figure

    Obwohl die Amis dafür wahrscheinlich bald eh kein Geld mehr haben werden


  23. · Karl Heinrich am 8. Oktober 2008 um 00:19 - Permalink

    Ich schätze aber mal, dass ein Weg gefunden wird, die Bankschulden nicht in Staatsschulden umzumünzen.

    Tja, dafür ist die Nationalisierung aber genau der falsche Weg. Meint auch Willem Buiter:

    [Iceland] does not have the fiscal resource base to support a credible nationalisation of its banking sector

    (Er hält übrigens die Russland-Connection für einen Trick, weil sie den Russen Anteile am Flughafen von Keflavik verschaffe, und das müsste eigentlich andere auf den Plan rufen.)


  24. · Yoshi am 8. Oktober 2008 um 00:22 - Permalink

    @fabiank22
    Vielen Dank, ich glaube ich habe das ursprüngliche Missverständnis durch ein neuartiges ersetzt ;)


  25. · Spiegelfechter am 8. Oktober 2008 um 00:25 - Permalink

    @Karl Heinrich

    Tja, dafür ist die Nationalisierung aber genau der falsche Weg.

    Und was wäre die Alternative? Die Banken Konkurs gehen lassen? Schwierige Frage.


  26. · Karl Heinrich am 8. Oktober 2008 um 00:45 - Permalink

    Ach ja: Schöner Text, tolle Metapher als Überschrift.


  27. · bling am 8. Oktober 2008 um 01:17 - Permalink

    “Staat böse, Markt gut, Hayek Gott”

    weltwoche....

    Ideologisch von der Realität an die Wand genagelte Neoliberale in Erklärungsnot verfassen dann solche Hässlichkeiten:

    Amerikas Linke fordert bereits eine Neuauflage des New Deal - benannt nach dem historischen Regierungsprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Grossen Depression der dreissiger Jahre -, und die Propheten des staatlichen Interventionismus können sich inzwischen sogar auf der Meinungsseite des Wall Street Journal (WSJ), dem Leitblatt der Finanzbranche, ausbreiten. Dort forderte die Chefredaktorin des linken Wochenblatts Nation, Katrina Vanden Heuvel, Amerika solle dem Vorbild von New-Deal-Erfinder Franklin D. Roosevelt folgen. «Alle Amerikaner müssen profitieren, nicht nur die Banker an der Wall Street», schreibt sie in ihrem WSJ-Kommentar und schiebt ihre Wunschliste gleich nach: Eine staatliche Krankenkasse müsse her für die 50 Millionen unversicherten Amerikaner. Und ein finanzieller Rettungsplan für jene rund vier Millionen Hausbesitzer, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Während die Linke die hohle Hand macht, …

    (kurzer Einwurf: Man spürt hier förmlich den Zorn der Autoren über eine Linke, die hier nun schamlos plötzlich Krankenkassen oder Behausungen für die Bevölkerung fordert, vulgo eben - “die hohle Hand macht” - jaja, so denken diese Marktfans wirklich ! Aber weiter:)

    …werten neoliberal gesinnte Blogger das parlamentarische Nein als grossen Erfolg und George W. Bush als «sozialistischen Präsidenten». Der Markt funktioniere auch ohne Bares aus der Staatskasse, argumentieren die Internet-Talker, und weil das so sei, hätte vergangene Woche beispielsweise die Investmentbank JP Morgan Chase ganz ohne staatliche Einmischung die bankrotte Sparkasse Washington Mutual gekauft, und nach dem gleichen Drehbuch habe Citigroup das Bankgeschäft der Wachovia geschluckt. Tatsächlich war die Wachovia-Lösung entschieden marktwirtschaftlicher konzipiert als Paulsons unsorgfältig geschnürtes Multimilliarden-Paket.

    Da tanzt die Logik munter Pirouetten, damit nur das neoliberale Weltbild nicht erschüttert wird von der bösen Realität, und im Artikel darunter meldet sich dann noch Roger Köppel persönlich zu Wort, um nochmal zu sagen, dass alles ok ist. In ihren quasireligiösen Anrufungen des Marktes erinnern die Beteuerungen der Wirtschaftspropheten mehr und mehr an Comical Ali und den späten Honecker.

    Währenddessen einige km weiter:

    As many as 80 percent of Americans are stressed about their personal finances and the economy, according to the annual survey conducted by the American Psychological Association.

    edition.cn...


  28. · GoeZz am 8. Oktober 2008 um 01:46 - Permalink

    und noch mal wass zum schmoekern, keine 10 monate alt!
    zeit.de/20...
    die dummen deutschen, tztztz!


  29. · Fiend_THeyde am 8. Oktober 2008 um 02:55 - Permalink

    @ 17 Daniel B.:

    So wars auch damals bei der UMTS-Lizenzversteigerung. Nachdem sich gierige Mobilnetzbetreiber (und solche die es werden wollten) gegenseitig mit Milliardenbeträgen für Lizenzrechte/Frequenzen überboten hatten, nur um hinterher festzustellen, daß die milliardenteure Lizenz nicht das Geringste einbringt, wenn man nicht noch einmal Milliarden in die nötige Netzstruktur investiert (und selbst dann wäre ein Erfolg höchst unsicher gewesen), da sind dann ebenfalls die üblichen “Kritiker” des Staates aufgetreten und haben darüber öffentlich lamentiert, daß Eichel & Co. für den UMTS-Flop die Verantwortung trügen, weil sie die Unternehmen nicht davon abgehalten hätten, Milliarden für (nahezu wertlose) Lizenzen auszugeben.

    Der Auktionator sollte also Schuld daran sein, daß die Teilnehmer der Auktion sich das Zeug nicht leisten konnten, das sie im Überschwang ersteigert hatten. Es ist immer wieder erstaunlich, in welche Verrenkungen Marktradikale flüchten, wenn die Wirklichkeit der Ideologie nicht entspricht. Ist eben eine (Ersatz)religion. Wenn die Realität nicht folgen will, war der Glaube nicht stark genug (respektive die Dosis der “Reformen” zu gering).


  30. · Michael Kostic am 8. Oktober 2008 um 03:26 - Permalink

    Schön beschrieben ;-)

    Aber ich kann mir auch nur schwer vorstellen das die richtigen Schlüsse aus dem Debakel gezogen werden. Ich hatte letztens auch eine nette Diskussion mit einem Kapitalinhaber zu dem Thema, der sich “natürlich” beschwerte wie ein “Rohrspatz”. Als ich ihn fragte wann er denn das letzte mal in Produkte oder Leistungen investiert hätte, deren innere Schlüssigkeit bzw. deren Möglichkeit zur Mehrwertgenerierung er wirklich verstanden hätte, war die Diskussion beendet.

    Es ist ein Jammer. Die Leute tragen ihr Kapital zur Bank und sagen “Mach doll viel daraus!”. Derweil kann alles passieren, es juckt sie nicht. Die verstehen nicht einmal die simpelsten Mechanismen…


  31. · Schwitzig am 8. Oktober 2008 um 05:52 - Permalink

    @28 GoeZz

    Der Zeit-Artikel liest sich beinahe wie ein religiöses Manifest. Wo ist der Unterschied zwischen “Börsianern” und einer Sekte, wie z.B. der Moon-Sekte?
    Letztes Jahr oder Anfang des Jahres haben Steinbrück und Glos in gutmütiger Manier zu “ihrem Volk” gesprochen und eine Beteiligung an der Börse wie in dem Zeit-Artikel beschworen. Der Deutsche sollte “vertrauen” usw.. Als ich das gelesen habe, dachte ich mir sofort, dass wohl eine Katastrophe bevorsteht und Steinbrück Geld organisieren wollte. Glos wird wahrscheinlich nicht verstanden haben, was er gesagt hat und es auch nicht böse gemeint haben, aber Steinbrück dürfte sehr genau gewußt haben, was in den folgenden Monaten zu erwarten war.


  32. · misterL am 8. Oktober 2008 um 08:13 - Permalink

    @SF #19.

    was es bringen soll? eine vertrauensbildende massnahme untereinander der feinen zwirnträger. die ist mit abstand günstigste variante, damit sich die häuser wieder wechselseitig geld borgen. das verdienen mit geld an den wettbewerb geht gegen null, wenn man sich wechselseitig nicht mehr vertraut und deshalb dafür die zinsen erhöht, was die anderen nicht mehr zahlen können oder wollen. an der stelle sind die feinen zwirne in den glashäusern brandstifter ihres eigenen feuers. an sich grottendämlich - aber wenn’s spass macht…

    …jede andere form des feuerlöschens kostet sehr viel mehr geld. offensichtlich will man das lieber ausgeben.

    gibt es eingentlich eine wissenschaftliche grúndlage für die option, ich nenne es mal lust auf und am untergang im system als teil des systems?


  33. · andreas_fecke am 8. Oktober 2008 um 09:34 - Permalink

    Ich möchte nur ein Kompliment machen: der “Blick über den Tellerrand”, wie ich ihn mag. Mir den von Innenansichten kurzsichtigen Blick dadurch entnebeln, dass mir über das “ist ja weit weg, bedeutungslos und hat nichts mit uns zu tun” Island doch wieder meine Welt erklärt wird, abseits von “unseren” oder US- Politikerfragen, bei denen man ja immer etwas voreingenommen ist.
    Schön!


  34. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 12:15 - Permalink

    Wenn dieses Finanz-Debakel irgendwann vorbei ist, werden natürlich mit Sicherheit wieder diese neoliberalen De-Regulierer aus ihren Löchern kommen und versuchen die alten Zustände wieder herzustellen. Das ist ja auch gerade in oder nach einer Wirtschaftskrise verlockend, weil es ja eine lange Zeit “gut gegangen” ist und sehr viel Wohlstand generiert hat (siehe z. B. Island).

    Aber diese Finanz- und Wirtschaftskrise ist so gravierend und stark, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man hinterher zu Tagesordung über geht.
    Weil wir reden hier ja vom Staatsbankrott, der droht. Selbst bei uns, ist der ja mittlerweile zumindest im Bereich von vorstellbar. Das werden zukünftige Regierungen und Bevölkerungen mittelfristig sicher nicht vergessen. Man wird das Bankwesen und Kredithandel, etc. sicher nicht abschaffen, aber sehr viel mehr kontrollieren. Den Leuten, die alle Banken verstaatlicht sehen wollen, wird das natürlich nicht reichen.

    Und an Island, Irland, GB, USA usw. kann man sehen, dass die Verhältnisse bei uns in Deutschland doch noch relativ vergleichsweise stabil sind. Dass man bei uns etwas besser gewirtschaftet hat und eine etwas bessere Konrolle gegriffen hat. Die Ausnahme bestätigt die Regel.
    Weder gibts bei uns so ne Immobilien-Kredit-Blase, noch haben sich die Banken so stark in solche extremen Finanz-Kapriolen hereinziehen lassen. Das trifft uns alles hauptsächlich indirekt. Aber vermutlich wird man mir hier (sicher teils zurecht) sehr wiedersprechen. :)

    Was wir brauchen, ist ein bisschen Optimismus. Und wenn es der Glaube an das zukünftige Schlaraffenland und den Weihnachtsmann unter der “ewigen Kanzlerin” Angie Merkel ist. :D
    Auch wenn die Frau wirklich nicht mein Fall ist.


  35. · name am 8. Oktober 2008 um 12:36 - Permalink

    Was wir erleben ist kein Finanzdebakel, sondern die Auswirkungen der weltweiten Überproduktionskrise, der puren Anarchie eines verschwenderischen ineffizienten ökonomischen Systems.In der Automobilindustrie knallt es weltweit überall: keine Sau braucht und kauft diese Karren.

    Wenn der alte Erich wüsste, dass gestern zum Republiksgeburtstag in Europa die Banken verstaatlicht werden mussten und an allen kapitalistischen Börsen egal ob Moskau, Tokio, London, New York oder Frankfurt Land unter herrscht , weil nichts mehr funktioniert im kapitalistischen Irrenhaus, würde er lachend aus Grube springen.

    An einer komplett geplanten, nicht kapitalistischen, weltweiten Wirtschaftsentwicklung führt langfristig kein Weg vorbei.


  36. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 12:55 - Permalink

    @name:

    1. Absatz: Ja!
    2. Absatz: das ist mir eigentlich egal :)
    3. Absatz: Nein. Dann haben alleine die Leute die Macht, die von oben alles “planen”. Aber vielleicht gibts ja irgendwann Star-Trek-Verhältnisse, oder ähnlich.


  37. · name am 8. Oktober 2008 um 13:22 - Permalink

    @36

    Die Umweltprobleme dieser Erde kann letztlich nur eine weltweite Planung direkt, für die Mehrheit der Menschen gegen diese wenigen parasitären 10.000 Superreichen, lösen.

    Planung ist zumindest dann eine Form der Dikatur, wenn man den zu errreichenden Zweck, der die Vorgaben festlegt, als Kriterium dafür hochhält. Das gilt aber letztlich für jede Art der Planung. Die viel wichtigere Frage ist, welcher Zweck für wen und wie erreicht werden soll. Dieser kann durchaus durch demokratische Abstimmungen begleitet, diskutiert und erreicht werden, wenn der Beteiligungsprozeß wirklich gewährleistet ist.

    Man darf nie vergessen: Jedes kapitalistische Unternehmen plant, nur, bei dieser Art der Planung steht als Zweck nur die schnellen, möglichst hohen und risikolosen Profite im Vordergrund, und führt letztlich zu dieser Form der Anarchie, die wir heute über die Liveticker lesend sehen und sehend lesen dürfen.

    Wenn es darum geht, die Energieressourcen dieser Erde so umweltschonend wie möglich für die Mehrheit der Menschen dieser Erde zu nutzen, habe ich nichts dagegen, wenn eine Minderheit, die sich dem aus ganz privatem Eigenprofitinteresse dagegen stellt, weggeplant wird. Das weltweite, wirklich akute Problem der Umweltverschmutzung kann letztlich nur durch eine massiv organsierte Planung gelöst werden.


  38. · misterL am 8. Oktober 2008 um 13:50 - Permalink

    @name #35 abs 3

    das geht nicht. ein “komplett geplantes” system ist weder vorstellbar und erst recht nicht umsetzbar. jedes system braucht freiraum für dynamische entwicklung. es braucht ein komplexes, systemische regelwerk. wie in der natur muss auch dort der untergang einzelner individuen oder einheiten möglich sein. jede natürliche, komplexe und systemische beziehung basiert auf dem zerfall systemischer bestandteile auf dem neues erwächst. es braucht allerdings wirkungsvolle systeme, um sich vor virenartig ausbreitenden epedemien zu schützen, die das gesamtsystem gefährden. ebenfalls notwendig sind funktionierende gegenkreisläufe, die das gesamtsystem vor zu starker konzentration einzelner individuen oder einheiten schützt, weil diese ebenfalls dasgleichgewicht des gesamtsystemes gefährden. wo ein komplexes system sich auf einen bestandteil stütz und sich alle seinen weiteren funktionen und teilsysteme davon abhängen darf niemals dereguliert benutzt werden. auf solche hauptsätze eines systems kommt es an. nicht auf die vielen tausend kleinen nebensätze. ;-)

    deratige komplexität (sie kann heissen wie sei will), wie sie sich oben nur andeutet bezogen auf ein system mit ca 6 milliarden teilnehmern ist niemals komplett planbar. die hauptsätze sollten allerdings in stein gemeiselt werden, auf dass sie niemand mehr ändert.


  39. · Peinhard am 8. Oktober 2008 um 14:07 - Permalink

    Es kommt tatsächlich weniger darauf an, ob wir ‘verplant’ werden, sondern von wem und zu welchem Zweck und in welchen jeweiligen geographischen und zeitlichen Rahmen. Und am besten machen wir es natürlich gleich selbst. Denn dass bereits geplant wird, und zwar auch in großem Maßstab, ist eigentlich wirklich keine Frage. Und wenn das hier erstmal wieder vorbei ist, wird sich die wirtschaftliche Macht ein weiteres Mal konzentiert haben. Es kommen einem bei den Aussichten ja sogar Begriffe wie ‘Stamokap’ mal wieder in den Sinn… ;)


  40. · name am 8. Oktober 2008 um 14:51 - Permalink

    @38

    Deine Vorstellung in aller Ehren, nur gab es diese, deine geschilderte Systemvorstellung von der Natur historisch nie, zu keinem Zeitpunkt auf dieser Erde. Sie ist ein pures idealistisches Produkt.

    Der Mensch ist Mensch, weil er in der Lage ist, bewusst, ziel- und zweckgerichtet die Natur für seine Bedürfnisse zu verändern. Er ist kein Tier, das sich anpassen muss, sondern er passt seinen Bedürfnissen die Natur, je nach Erkenntniss oder Unkenntniss selbstständig an. Das hat er seit Jahrtausenden immer getan.

    Die Frage ob irgendwie gehandelt werden muss, steht überhaupt nicht mehr zur Debatte, die Frage lautet auch hier, wie diese Handlungen mit welchem Zweck aussehen werden, wen und gegen wen gehandelt werden wird: für die Mehrheit oder für eine Minderheit.

    Das eine Planung einem festen, ich nenne es mal einen humanen Zweck und Geschäftsgrundlage, der den Erhalt der Erde samt seiner reichen, immer noch unbekannten Tier und Pflanzenwelt als erstes Gebot folgen und einschliessen muss und auch kann, steht dabei für mich absolut fest.

    @39

    Absolut Richtig!

    Eine massive Konzentration und Zentralisation des Kapitals wird das Ergebniss dieser Krise sein, die schon die Samen für die nächsten Krisen gleich in sich trägt.

    PS: Ein schönes, natürlich historisches Zitat, zu der Krise 1844 und zur Verstaatlichung der Banken in London heute vom ollen Marx.

    „Dass es in der Periode der Krise an Zahlungsmitteln (= Bargeld zur Schuldtilgung) fehlt, ist selbsteinleuchtend. … Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung, wie die von 1844/45 kann diese Geldkrise erschweren. Aber keine Art Bankgesetzgebung kann die Krise besei-tigen.

    In einem Produktionssystem, wo der ganze Zusammenhang des Reproduktionsprozesses auf dem Kredit beruht, wenn da der Kredit plötzlich aufhört und nur noch bare Zahlung gilt, muss augenscheinlich eine Krise eintreten, ein gewaltsamer Andrang nach Zahlungsmitteln.

    Auf den ersten Blick stellt sich daher die ganze Krise nur als Kreditkrise und Geldkrise dar. Und in der Tat handelt es sich nur um die Konvertibilität der Wechsel in Geld. Aber diese Wechsel repräsentieren der Mehrzahl nach wirkliche Käufe und Verkäufe, deren das gesellschaftliche Bedürfnis weit überschreitende Ausdehnung schließlich der ganzen Krise zugrunde liegt.

    Daneben aber stellt auch die ungeheure Masse dieser Wechsel bloße Schwindelgeschäfte vor, die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital getriebene, aber verunglückte Spekula-tionen; endlich Warenkapitale, die entwertet oder gar unverkäuflich sind, oder Rückflüsse, die nie mehr einkommen können.

    Das ganze künstliche System gewaltsamer Ausdehnung des Reproduktionsprozesses kann natürlich nicht dadurch kuriert werden, dass nun etwa eine Bank, z. B. die Bank von England, in ihrem Papier allen Schwindlern das fehlende Kapital gibt und die sämtlichen entwerteten Waren zu ihren alten Nominalwerten kauft.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 507.


  41. · Spiegelfechter am 8. Oktober 2008 um 15:17 - Permalink

    @name

    Die Umweltprobleme dieser Erde kann letztlich nur eine weltweite Planung direkt, für die Mehrheit der Menschen gegen diese wenigen parasitären 10.000 Superreichen, lösen.

    Lieber name, sehe es doch bitte endlich ein. Es sind nicht nur 10.000 parasitäre Superreiche, die Komfort und Lebensqualität im Jetzt abstrakten Problemen von morgen vorziehen. Wir(!) sind Parasiten - das ist nun einmal so. Was sollen wir da machen?

    Die viel wichtigere Frage ist, welcher Zweck für wen und wie erreicht werden soll. Dieser kann durchaus durch demokratische Abstimmungen begleitet, diskutiert und erreicht werden, wenn der Beteiligungsprozeß wirklich gewährleistet ist.

    Jo und was ändert dies am Status-Quo? Außer ein paar plebizitären Elementen, die idT fehlen, gestalten “wir” diese Planung demokratisch. Mir passt es auch nicht, dass der Pöbel diese Politik haben will … aber leider ist es nun mal so. Das einzige, was “wir” machen können, ist aufklären. Erfolgsaussicht marginal. That´s live - und sage nicht, niemand hätte “uns” gewarnt.

    Man darf nie vergessen: Jedes kapitalistische Unternehmen plant, nur, bei dieser Art der Planung steht als Zweck nur die schnellen, möglichst hohen und risikolosen Profite im Vordergrund, und führt letztlich zu dieser Form der Anarchie, die wir heute über die Liveticker lesend sehen und sehend lesen dürfen.

    Der übliche neomarxistische Sermon. Unternehmen böse, Volk gut. Wer sind denn “die” Unternehmen? 10.000 Superreiche? Ach, vergiss es. “Wir” sind die Wirtschaft. Und erzähle mir nicht, jedes kapitalistische Unternehmen sei nur am schnellen Reibach interessiert. Das ist Blödsinn und wird durch Wiederholungen nicht besser. Schau Dich in Deiner Heimatstadt um, frage doch mal die Handwerker, die Mittelständler und die kleinen Klitschen, ob sie böse Casinokapitalisten sind, sie werden Dich wahrscheinlich auslachen.

    Das der Shareholder-Value Gedanke regelementiert werden muß und v.a. die Banken was auf die Finger bekommen müssen … klar, da sind wir sicher einer Meinung. Aber bitte differenziere mal ein wenig und hol das Florett raus und lass die Streitaxt stehen.

    Wenn es darum geht, die Energieressourcen dieser Erde so umweltschonend wie möglich für die Mehrheit der Menschen dieser Erde zu nutzen, habe ich nichts dagegen, wenn eine Minderheit, die sich dem aus ganz privatem Eigenprofitinteresse dagegen stellt, weggeplant wird. Das weltweite, wirklich akute Problem der Umweltverschmutzung kann letztlich nur durch eine massiv organsierte Planung gelöst werden.

    Toll, Ökodiktatur … ein vielversprechender Weg ;-)


  42. · misterL am 8. Oktober 2008 um 15:32 - Permalink

    @name # 40 teil 1

    was meine vorstellung ist oder nicht lass ich mal beiseite. nicht beiseite lassen kann ich deine aussage der mensch sei nicht bestandteil des systemischen faktums natur. das ist gelinde geschrieben unsinn. selbstverständlich ist er das. nur weil ständig die natur des systems zu verbiegen trachtet ist er ja nicht ausserhalb dieses systems. das er mit seinen verbiegungung das system ändert ist auch richtig, aber das system hat dennoch die oberhand. ansonsten dürfte es soetwas wie klimawandel, aussterbende arten, wandernde arten, sich agressiv an die bedingungen im system anpassende pollen (allergene) nicht geben. ;-)

    egal, entscheidend sind ein paar andere fragen. ist der x-mus ein system in der natur oder gegen die natur des systems. ist der mensch, der diesen x-mus entwickelte dabei mehr systemgeprägt (also mehr naturmensch) oder mehr durch eine vorherrschende ethik in seiner denkweise konditioniert (also mehr denaturiert)? dabei kann die vorherrschende ethik (religionsgetrieben) durchaus gegen die natur des systems gerichtet sein.

    x-mus kann dabei durch kapitalismus, sozialismus, kommunismus, sonstwas-mus ersetzt werden (auch religionen sind fast beliebig einsetzbar).

    es wird dich nicht überraschen. ich gehe davon aus, er wird in der hauptsache (wenn nicht in gänze) konditioniert ist. somit hat er ein religionbasiertes-weltbild (auch als kommunist wächst man in einer ggf. katholisch orthodoxen umgebung auf und wird daurch konditioniert - auch wenn es am ende eine anti-konditionierung wird) und darauf aufbauend irgendeinen x-mus als subsystem mit subsystemen. innerhalb von weltbildern geht es immer nur darum die (sub-) subsystem zu verändern. mehr geht nicht.

    ändert man die grundlegenden hauptssätze im weltbild, betritt man an sich ein neues weltbild. aber auch das ist immer noch bestandteil des gesamtsystems. ;-)

    zurück zu den hauptsätzen. ein basisrohhstoff (nennen wir ihn geld) eines systems (nennen wir es kapitalismus) von dem sämtliche subsysteme (nennen wir sie märkte und personen) in irgendeiner form abhängen, darf niemals (ich wiederhole mich gerade) dereguliert verwendet werden. mit ihm darf nicht spekuliert werden und es darf keine strukturen geben, die verhindern, das mittelbar abhängige subsysteme dazu keinen zugang haben bzw. bekommen. wenn du also etwas neues planst, dann baue diesen hauptsatz ein. ein hinweis noch: er ist bestimmt nicht vollständig. ;-)


  43. · Spiegelfechter am 8. Oktober 2008 um 15:38 - Permalink

    @40 name

    Der Mensch ist Mensch, weil er in der Lage ist, bewusst, ziel- und zweckgerichtet die Natur für seine Bedürfnisse zu verändern.

    Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.
    Schopenhauer

    Diesen Spruch möchte ich Dir ins virtuelle Poesiealbum schreiben ;-)

    Die Frage ob irgendwie gehandelt werden muss, steht überhaupt nicht mehr zur Debatte, die Frage lautet auch hier, wie diese Handlungen mit welchem Zweck aussehen werden, wen und gegen wen gehandelt werden wird: für die Mehrheit oder für eine Minderheit.

    Jede Minderheit sagt, dass sie für die Mehrheit spricht und wenn es die schweigende Mehrheit ist.


  44. · AK am 8. Oktober 2008 um 16:02 - Permalink

    Etwas OT, aber sehr interessant die Artikelserie ‘China’s Gold Millstone’ in der Asia Times, in der es um staatliche Finanzpolitik im Allgemeinen und die chinesische im Besonderen geht:

    atimes.com...
    atimes.com...
    atimes.com...
    atimes.com...

    @SF: Wenn Du mal keine Idee für einen neuen Artikel hast… ich glaube die Serie gibt mehrere gute Ansätze. ;-)


  45. · Mile am 8. Oktober 2008 um 16:05 - Permalink

    Was mir beim Lesen gerade eingefallen ist.
    Wie geht es den chilenischen Rentner momentan?
    Bei den Isländern sind es ja “nur” Kredite aber um die chil. Rentern dürfte es doch viel schlimmer stehen.


  46. · Spiegelfechter am 8. Oktober 2008 um 16:17 - Permalink

    @Mile

    Kann ich Dir auch nicht genau sagen - in vergleichbaren Staaten (z.B. Südafrika) geht man von einem Verlust von rund 25% bei den Renten aus - bei momentanem Stand. In Island geht es übrigens nicht “nur” um Kredite, auch in Island werden die Renten/Pensionen am Kapitalmarkt angelegt. Der isländische Pensionsfonds war sogar der akute Auslöser für den Crash - aber das geht jetzt zu sehr ins Detail ;-)

    @AK

    Danke - interessante Artikel!


  47. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 16:55 - Permalink

    @42 misterL:

    “egal, entscheidend sind ein paar andere fragen. ist der x-mus ein system in der natur oder gegen die natur des systems.”

    Ich meine, der Kapitalismus mit dem Privateigentum und der Marktwirtschaft entspricht noch am ehesten der Natur des Menschen. Das hat den Vorteil, dass man die Menschen nicht durch Zwang und Diktatur in ein System zwingen muss, sondern, dass man den Kapitalismus “nur” in Regeln fassen muss. Im Prinzip würde der aber auch ganz ohne Regeln funktionieren.

    Schon die Menschen in der Steinzeit haben sicher Tiere gejagt und zum Teil Getreide (?) angebaut. Und wenn jemand zuviel Getreide hatte und etwas Fleisch wollte, dann haben die das sicher getauscht. Nichts anderes ist Marktwirtschaft und Privatbesitz = Kapitalismus. Etwas eigenes zu besitzen zu wollen, entspricht der Natur des Menschen. Und das dann zu tauschen, liegt einfach nahe. Und Geld ist nur ein Zwischenschritt dabei.

    Aber das sind so philosophische Fragen, da kann ich eigentlich nicht ganz mitreden … :)

    P.S.: Ist der Mensch “von Natur aus” eigentlich gut und macht ihn erst die Kultur und das Zusammenleben mit andern Menschen schlecht (z. B. neidisch und habgierig),
    oder ist der Mensch von Natur aus schlecht (z. B. egoistisch und gewalttätig) und erst die Regeln der Kultur züglen das Schlechte im Menschen? :)


  48. · name am 8. Oktober 2008 um 17:47 - Permalink

    @42

    Kurz klar und eindeutig:

    die Tier und Pflanzenarten sterben nicht wegen einer abstrakten Natur aus, sondern durch menschliches Handeln. Punkt. Es gibt ein direktes Kausalverhältnisse zwischen den menschlichen Tätigkeiten und der bewussten und unbewussten Veränderung dieser Erde.

    Das ist der entscheidene Faktor und nicht eine idealistische Naturvorstellung, die es so nie gab. Der Vorwurf an die heutige ökonomische menschliche Produktionsweise lautet, dass sie ohne Rücksicht auf Mensch und Natur, andere Menschen, Pflanzen und Tiere ausrottet. Der Vorwurf an Monsanto und BASF lautet: Ihr nutzt die menschlichen Erkenntnisse egoistisch und bedenkenlos für eine Minderheit von Menschen gegen diejenigen aus, die sich dagegen nicht wehren können. Ihr bestimmt, was leben und überleben darf.

    Eine abstrakte Natur gab es nie, dass träumen sich höchstens irgendwelche Romantiker zurecht, die weder von der Erkenntnis der Feuerstelle, noch von der Biogentik etwas wissen wollen.

    @ 41 & 43

    Naja Jens, “Pöbel” , die Bezeichnung für die normale bürgerliche Volksverachtung, und das “Wir” “Wir”, welches so tatsächlich so nicht tatsächlich als kollektive Form gibt, ist nicht so meine zynische Sprach- und Sichtweise, genausowenig, wie die eurozentrische Sichtweise, die meinige ist ;)

    Eine ökologische Diktatur wird es geben, die Frage ist nur, wer die direkt Begünstigten sein werden. Solange, die Mehrheit der Menschen (und damit meine ich das aus Sicht der Bewohner des Trikonts, des “Pöbels” von hier und da), samt der Pflanzen und Tiere dadurch wenigstens überleben wird oder ein eigenständiges Leben wird führen können, dann ist diese Form der Diktatur gegen den Markt weniger Profiteure die einzig gerechte Variante.

    Mit dem Zitat kann ich wenig anfangen. Es ist mir zu idealistisch (wer kann schon tun, was er will, wenn er materiell keine Erbschaft wie Schopenhauer wegstudieren konnte?), zu pessimistisch, zu wenig neugierig, auch zu deutsch, zu viel schwere rückwärtsgewandte Romantik, welches historisch zu einem Zeitpunkt entstand, als es Umbrüche gab, die auch der Arthur nicht wahrnehmen wollte und eher vor diesen weglief.

    Ich könnte das Zitat auch entgegen Schopenhausers pessimistischer Intension auch nach seiner Erkenntnis, aber ohne seine Verweigerungshaltung, positiv ausdeuten: der Mensch kann nur so viel tun, wie er in der Lage ist, Erkenntnisse und Einsichten zu gewinnen, und würde dem dann natürlich zustimmen.

    @47

    In der Steinzeit gab es keinen Tausch in Form gleichwertiger Waren, was unsere heutige juristische Kateogrie vom Tausch inhaltlich qualitifiziert, es gab kein privates Eigentum. Die Menschen kannten dieses gar nicht und später in der Umbruchsphase, dem entstehen einer gesellschaftlichen Organisation in Form von Herrschaft, wurde dieses sogar verachtet. Das private Eigentum ist historisch auf einer bestimmten Stufe der menschlichen Entwicklung (mit dem entstehen des Mehrprodukts) entstanden und keineswegs eine natürliche menschliche Kategorie.


  49. · Baumhausbesitzer(in) am 8. Oktober 2008 um 18:02 - Permalink

    Der Kapitalismus ist eine unvollendete Theorie, welche längst zu einem Weltbild der zu bändigen Wirtschaftswissenschaftler und Volkswirte verkommen ist. Eine so beschränkte Sicht wie es die Wirte und Professoren unserer Welt haben zeigt, das eben auch nicht mehr davon in Politik und Bankenwesen wurzelt.

    Ich habe mir gestern die Debatte bei Phoenix angesehen. Was da fabriziert wird ist der Wille der Finanzwelt. Jeder prügelt auf jeden ein und weisst die Schuld dem Gegenüber zu. Null-Komma-Null loslösende Denke über effiziente Gegenmittel dieser Krise, kein Wissen über die Geldentstehung und kein Wissen über die Verbindung von Bankenaufsicht und Politik. Es war amüsant die Diskussion über Vertrauen in die Währung zu verfolgen.

    Dabei kann uns von den nichtwertigen Volksvertretern nicht Einer erklären wie die Kreditschwemme entsteht, wie sie ausgedehnt wird (CP-Programm) und wie sie den Kapitalsmus der klassischen Lehre blind in ein Geschwürr von Ungleichgewichten und Spekulationsgeilem Fremdkapital werden lässt.

    Island trifft es da besonders hart. Die jährliche Nettoauslandsverschuldung liegt wie beschrieben bei 312 Prozent des BIP. Die Pensionsfonds haben dem Staat Mittel in Höhe von 200 Mrd. isländischen Kronen (1,4 Mrd. Euro) zugesagt. Russland ist zur Rettung uninteressant und das Land de facto Bankrott. Baden es halt die unwissenden Rentnergenerationen aus. Solange bleibt der Bankrott inoffiziell.

    Packt euch warm ein! Was auf uns zukommt zeigt die jüngste Terroroper in Frankfurt, die beschlossene Überwachung des gesamten Internets und der Einsatz der Bundeswehr im Inland. Alles nebensächlich? Für die Oberflächenschwimmer ja!

    Interessante Recherche:
    baumhaus-0...


  50. · Caspar Hauserq am 8. Oktober 2008 um 18:39 - Permalink

    @ 15 rotpeter

    Wieso “winzig kleine Summe”? Für Island sind 4 Mrd. EUR exorbitant viel - je nach Wechselkurbetrachtung ca. 30% vom BIP. Zum Vergleich: das wäre äquivalent zu einem Kredit in höhe des Paulson-Plans an die Bundesrepublik Deutschland. Als “winzig klein” würde ich eine solche Summe definitiv nicht bezeichnen.


  51. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 19:19 - Permalink

    @48 name

    Na selbst in der Steinzeit, werden die Vormenschen wohl ein Fell als Umhang gehabt haben, das sie als ihr “eigenes” bezeichnet haben. Und die haben es sicher nicht Fremden gegeben, ohne etwas anderes als Ausgleich dafür zu verlangen.

    Und ich glaube, was Schoppenhauer mit dem Zitat u. a. sagen will, ist die Erkenntnis, dass der unbewusste Wille des Menschen 10 mal größer und stärker ist, als sein bewusster Wille, oder das was er dafür hält. Der Mensch meint, er hätte sich bewusst für etwas entschieden, dabei hat schon längst vorher sein Unterbewustsein die Weichen dafür gestellt. Und die Vernunft versucht nur noch nachträglich zu rechtfertigen, was vorher schon feststand. Und das intelligente Tier Mensch kann halt nicht so ohne Weiteres aus seiner Haut, schon alleine weil wir nicht fähig sind, mit unseren Sinnen die Welt vollständig und objektiv zu erfassen. Aber darüber kann man sicher ne Doktor-Arbeit schreiben. Man vergebe mir meine laienhafte Anmaßung. :)
    Ich werd gleich mal lesen, ob das so korrekt ist.


  52. · doctore am 8. Oktober 2008 um 19:22 - Permalink

    Wir haben nur einen Weg den es zu bestreiten gilt:
    Den totalen Zerfall des Finanzsystems!

    Alles Andere ist in dieser Welt, bei den Herrschenden nicht möglich. Niemals wird der Doktor zur Behandlung erscheinen. Niemals wird die Regierung die Kontrolle erhalten.
    Doch egal welcher Tod, niemals wird das System der Verschuldung einbrechen!

    Denn egal an welche Tür der zitternde Mensch klopft, es stehen Hintermänner dahinter und lachen sich tot.

    Meine Prognose: Wie eh und jeh ein systembereinigender Krieg am Rande der Demokratie und dessen Verschuldungszwang.

    Hört auf in euren Traumwelten von rettungsfähigen Politikern zu denken! Es war nie so, es wird nie so! J.F.Kenndy war der einzige US-Präsident der das FED-System wieder verstaatlichen wollte um die Verschuldung in Staatshand zu legen!

    GAME OVER!

    dasgelbefo...


  53. · Peinhard am 8. Oktober 2008 um 20:01 - Permalink

    “Na selbst in der Steinzeit, werden die Vormenschen wohl ein Fell als Umhang gehabt haben, das sie als ihr “eigenes” bezeichnet haben. Und die haben es sicher nicht Fremden gegeben, ohne etwas anderes als Ausgleich dafür zu verlangen.”

    Selbst wenn dem so gewesen sein sollte, entspricht das nicht unserem Begriff von ‘Privateigentum’ (eher schon Marx’ ‘individuellem Eigentum’) mit seinem ganzen Rattenschwanz aus Äquivalententausch, Wertbegriff, Preisen, Lohnarbeit etc. Vor allem aber ist so ein Umhang eben kein ‘Produktionsmittel’. Was du hier machst nenne ich in Ermangelung eines besseren Begriffs mal eine ‘Rückprojektion’ heutiger Verhältnisse in die Vergangenheit. Den ollen Umhang will dir ja auch gar niemand nehmen. ;)


  54. · COPOKA am 8. Oktober 2008 um 20:11 - Permalink

    @name, #48

    die Tier und Pflanzenarten sterben nicht wegen einer abstrakten Natur aus, sondern durch menschliches Handeln. Punkt.

    Die Tier- und Pflanzenarten kamen und gingen auch vor dem Menschen. Die werden es mit Sicherheit auch dann tun, wenn unsere Art das Irdische auf alle Ewigkeiten gesegnet hat. Es ist unbestritten, dass Menschen darauf zu starken Einfluss nehmen, aber andererseits gäbe es ohne Menschen so manche Arten überhaupt nicht, oder zumindest wären sie nie so erfolgreich wie jetzt gewesen: Katzen und Hunde, Schafe und Hühner, Weizen und Kartoffeln etc.pp.
    Auch einige Tierarten, wie z.B. Flöhen und Ratten, trugen dazu bei, dass die Menschen mancherorts fast ausgestorben sind - Pest! So ist das Leben.

    Es gibt ein direktes Kausalverhältnisse zwischen den menschlichen Tätigkeiten und der bewussten und unbewussten Veränderung dieser Erde.

    Ja und? Ist zwar nicht so direkt wie es uns lieb wäre, aber das ist nun mal unvermeidbar, dass alle Arten ihr Einfluss auf das gesamte System ausüben - manche mehr, die anderen weniger. Auch dann, wenn sie, oberflächlich betrachtet, ‘nur’ passiv eine Nische in der Umgebung für sich in Anspruch nehmen. Das liegt in der Natur der Sache, die wir Natur nennen.

    Der Vorwurf an die heutige ökonomische menschliche Produktionsweise lautet, dass sie ohne Rücksicht auf Mensch und Natur, andere Menschen, Pflanzen und Tiere ausrottet.

    Produktionsweise? Vllt meinst du doch polit-ökonomische Verhältnisse?


  55. · Schwitzig am 8. Oktober 2008 um 20:55 - Permalink

    @COPOKA

    Ja und? Ist zwar nicht so direkt wie es uns lieb wäre, aber das ist nun mal unvermeidbar, dass alle Arten ihr Einfluss auf das gesamte System ausüben - manche mehr, die anderen weniger. Auch dann, wenn sie, oberflächlich betrachtet, ‘nur’ passiv eine Nische in der Umgebung für sich in Anspruch nehmen. Das liegt in der Natur der Sache, die wir Natur nennen.

    Das sehe ich genauso. Es driftet hier mittlerweile extrem ins metaphysische ab, obwohl meiner Ansicht nach jetzt eher Pragmatismus angesagt wäre. Der Kapitalismus in der aktuellen Form ist ein Haufen Scheisse, der schnellstmöglich weggeräumt werden muss - richtig. Aber ausgerechnet die Natur - ein zutiefst unethisches System - als Vorbild für eine neue Systemstruktur zu nehmen, halte ich für falsch. Vielleicht sollte man einen kleinen Anfang machen und überlegen, wie man weltweit ein Menschenrecht auf Existenzsorgenfreies Leben und Geldunabhängige Gesundheitsversorgung in Einheit mit Populationskontrolle etabliert und vor allem praktisch durchsetzt. DAS wäre ein Anfang.


  56. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 21:22 - Permalink

    @55 Peinhard

    Das mag schon durchaus sein. Vielleicht ist Steinzeit auch ein schlechtes Beispiel. :)

    Aber trotzdem scheint mir Warenhandel, Arbeitsteilung, Privatbesitz eine ziemliche Konstante in der Geschichte zu sein. Kapitalismus (Privatbesitz Marktwirtschaft) funktioniert irgendwie in einfacher Form auch ohne jede Organisation und Regel. Quasi automatisch von selbst. Weil es den Egoismus, die Gier, die Eigeninitiative, die Unterschiedlichkeit, das Besser-sein-wollen, die Freude über Geschaffenes der Menschen von vorne herein einplant, so dass man das steuern und zum Gemeinwohl nutzen kann. Und vor allen Dingen auch ohne/wenig Diktat von oben.

    Planwirtschaft und Ähnliches funktioniert dagegen nur mit Organisation, Aufwand und wenn alle freiwillig oder gezwungenermaßen mitmachen. Das muss dann von oben geplant und durchgesetz werden. Es hemmt Eigeninitiative, wenn man nicht persönlich was davon hat.

    Und mein Eindruck ist halt, dass das Erstgenannte - trotz allem - besser funktioniert, weil es näher am Wesen des Menschen ist. Auch wenn ich hier nicht in allen Einzelheiten “Das Wesen des Menschen” definieren will und kann. :)

    Aber vielleicht denken sich die Leute in 100 Jahren, wie dumm wir heute alle waren, dass wir täglich so viel gearbeitet haben und die Welt so unglaublich ungerecht und schlecht organisiert ist. So ähnlich wie wir heute übers Mittelalter denken.


  57. · Peinhard am 8. Oktober 2008 um 21:49 - Permalink

    @Sukram71

    Wenn du an ein ‘kleinteiliges Ideal’ - den Markt an der Kirche sozusagen - denkst mag das gerade noch hinkommen - aber unter solchen Umständen funktioniert Planung und Kooperation eben auch. Aber schon mit den Manufakturen und dem ‘doppelt freien Lohnarbeiter’ ist das mit dem ‘wenigen Diktat’ recht schnell vorbei. Nur tritt es meist nicht offen auf, sondern als über Generationen sozusagen eingeübter und verinnerlichter ‘Sachzwang’. Bei näherer Betrachtung ist das Maß an Zwang und Herrschaft enorm. Nun kann man natürlich feststellen, wenn man das nicht (mehr) merke mache es ja nichts. ;)

    Aber erstens merkt man es halt doch immer wieder, und zweitens kann ich mir eine freiwillge Kooperation als Alternative schon vorstellen. Auch wenn ich mir den ‘Output’ dieses Systems so ansehe. Und du sprichst bei Kooperation von ‘Zwang’, lobst in der Konkurrenz an der gleichen Stelle - der ‘Motivation’ - die ‘Eigenintiative’. Ja hat man denn durch Kooperation nichts davon? Natürlich nicht so leicht auf Kosten anderer, wobei wir beide wohl eher zu denen gehören, auf deren Kosten gelebt wird und die gerade mehr davon hätten. Jetzt kann man natürlich noch anmerken, dass man mit Kommunisten auch einen zwanglosen Kapitalismus aufziehen könne, aber… ;)

    Und ich gehe ja auch beileibe nicht nur von Frieden Freude Eierkuchen aus, sondern schon vom ‘Einfachen, dass so schwer zu machen ist’ (so ähnlich Brecht mal). Und Organisation, Aufwand, sogar Plan - hast du doch so auch. Siehst doch den Aufwand, den es braucht um Geld zu scheffeln - abstrakten Reichtum wohlgemerkt, nicht mal konkreten…


  58. · name am 8. Oktober 2008 um 21:49 - Permalink

    @56

    Da geht mit den Kategorien einiges ganz schön quer durcheinander und spielt mit ahistorischen Ewigkeiten, ohne die besonderen juristischen Formen, Kategorien der kapitalistischen Produktion überhaupt zu beachten, sich die Unterschiede mal direkt klar zu machen. Nur mal ein Beispiel nochmal, für die historisch verschiedene Bedeutung des Tausches, und seiner Entwicklung. Tausch, im bürgerlich rechtlichen Sinne, sprich im Sinne einer Produktionsweise unter kapitalistischen Bedingungen, setzt die Gleichwertigkeit der zu tauschenden Waren voraus. Der “Tausch” bzw. richtiger Gabe dagegen zum Zeitpunkt des Steinzeitalters ist kein Tausch nach unseren bürgerlichen Vorstellungen. Er hatte einen völlig anderen rechtlichen Inhalt und Bedeutung.

    Jede juristische Kategorie hat seine eigene historische Geschichte, deren Entstehen und vergehen direkt mit der zugrundliegenden Produktionsweise zusammenhängt.


  59. · Sukram71 am 8. Oktober 2008 um 22:07 - Permalink

    @58 name

    Ja. Aber besser kann ich es halt nicht ausdrücken. :)

    Gute Nacht, dann …


  60. · Spiegelfechter am 8. Oktober 2008 um 22:19 - Permalink

    @name

    die Tier und Pflanzenarten sterben nicht wegen einer abstrakten Natur aus, sondern durch menschliches Handeln. Punkt. Es gibt ein direktes Kausalverhältnisse zwischen den menschlichen Tätigkeiten und der bewussten und unbewussten Veränderung dieser Erde.

    Sicher gibt es das. Und wenn Du Dir die Problematik mal ernsthaft durch den Kopf gehen lässt, gibt es zwei Alternativen. Die erste wäre eine radikale Reduzierung der Erdbevölkerung. Fein, aber seeeeehr unehtisch. Die zweite Alternative wäre die Maximierung des Austoßes, so dass ein Jedermann mit einem ordentlichen Versorgungslevel bedient werden kann. Fein, aber seeeeeehr unökologisch und böse böse, weil dies ja Kapitalismus in Reinkultur wäre. Wo ist der Mittelweg? Es gibt ihn nicht. Ärgerlich!

    Der Vorwurf an die heutige ökonomische menschliche Produktionsweise lautet, dass sie ohne Rücksicht auf Mensch und Natur, andere Menschen, Pflanzen und Tiere ausrottet.

    Ja ja - böser böser Mensch.

    Der Vorwurf an Monsanto und BASF lautet: Ihr nutzt die menschlichen Erkenntnisse egoistisch und bedenkenlos für eine Minderheit von Menschen gegen diejenigen aus, die sich dagegen nicht wehren können. Ihr bestimmt, was leben und überleben darf

    Ein schönes Beispiel, wie antikapitalistische Zwangsdenke in die Falle tappen kann und dennoch seeeeehr attraktiv klingt ;-)

    Monsanto, BASF und Co sind Bösewichter - keine Frage, das sehe ich genau so. Aber was ist die Alternative? Ökologischer Ackerbau wie zu Nebukadnedezers Zeiten? Wohl auf Kamerad. Viel Spaß beim Ernähren der 7 Mrd.. Nieder mit dem Fortschritt.

    Eine abstrakte Natur gab es nie, dass träumen sich höchstens irgendwelche Romantiker zurecht, die weder von der Erkenntnis der Feuerstelle, noch von der Biogentik etwas wissen wollen.

    Wohl wahr

    Naja Jens, “Pöbel” , die Bezeichnung für die normale bürgerliche Volksverachtung, und das “Wir” “Wir”, welches so tatsächlich so nicht tatsächlich als kollektive Form gibt, ist nicht so meine zynische Sprach- und Sichtweise, genausowenig, wie die eurozentrische Sichtweise, die meinige ist ;)

    Fein, also sind “wir” die Intelligenzia, die Elite? Ok, und was sollen wir dann mit “denen” machen? Warst Du in den letzten Jahren mal unter Menschen? Ja? Und was haben Dir die Menschen so gesagt? Mal ganz ungefiltert und nicht uminterpretiert?

    Schon der olle Churchill sagte, “das beste Argument gegen die Demokratie ist ein 5minütges Gespräch mit einem x-beliebigen Wähler”. Und er hatte recht!! Er sagte aber auch, dass die Demokratie die beste aller Regierungsformen ist, die bislang ausprobiert wurden. Und auch da hat er recht! Scheiß Situation - ich kenne das. Man hat die besseren Antworten, aber niemand hört einem zu. That´s life, that´s democracy. Und das ist gut so - leider.

    Eine ökologische Diktatur wird es geben, die Frage ist nur, wer die direkt Begünstigten sein werden.

    Und ich bin der Erste, der dagegen auf die Barrikaden geht.

    Solange, die Mehrheit der Menschen (und damit meine ich das aus Sicht der Bewohner des Trikonts, des “Pöbels” von hier und da), samt der Pflanzen und Tiere dadurch wenigstens überleben wird oder ein eigenständiges Leben wird führen können, dann ist diese Form der Diktatur gegen den Markt weniger Profiteure die einzig gerechte Variante.

    Wow! Das klingt ja toll. Schon mal beim Diktatoren-Seminar mitgemacht? Damit kriegt man Teile des Plebs sicher rum.

    Mit dem Zitat kann ich wenig anfangen. Es ist mir zu idealistisch (wer kann schon tun, was er will, wenn er materiell keine Erbschaft wie Schopenhauer wegstudieren konnte?), zu pessimistisch, zu wenig neugierig, auch zu deutsch

    Das dachte ich mir. Du bist nun mal (das meine ich nicht(!) negativ sondern sogar sehr anerkennend) ein Idealist. Ich bin leider (auch das “leider” meine ich sehr ernst) ein Realist. Als diplomierter PR-Mensch kenne ich die Macht der Waffen, in denen auch ich geschult wurde, leider(!) zu gut.

    Ich könnte das Zitat auch entgegen Schopenhausers pessimistischer Intension auch nach seiner Erkenntnis, aber ohne seine Verweigerungshaltung, positiv ausdeuten: der Mensch kann nur so viel tun, wie er in der Lage ist, Erkenntnisse und Einsichten zu gewinnen, und würde dem dann natürlich zustimmen.

    Ja ja ;-)

    Aber wozu ist er in der Lage, was beinflußt ihn und wessen Gedanken sind es, die die Macht haben, gedacht zu werden?

    In der Steinzeit gab es keinen Tausch in Form gleichwertiger Waren, was unsere heutige juristische Kateogrie vom Tausch inhaltlich qualitifiziert, es gab kein privates Eigentum.

    Fein ;-)

    In der Steinzeit gab es aber auch keine arbeitsteilige Gesellschaft. In der Steinzeit … ach nee, hören wie auf ;-)


  61. · COPOKA am 8. Oktober 2008 um 23:49 - Permalink

    @ Schwitzig, #55

    Es driftet hier mittlerweile extrem ins metaphysische ab, obwohl meiner Ansicht nach jetzt eher Pragmatismus angesagt wäre.

    Ja, das ist mir auch aufgefallen. Es ist fast unvermeidbar, wenn man sich an die Sachen traut, die für unser rationales Verständnis zu komplex sind.
    Hinter dem Klammern an die heile/gerechte Welt steckt urmenschlicher Gedanke, oder sogar urmenschliche Annahme, das die Welt an sich eigentlich gut und einfach von dem höheren Wesen erdacht und erschaffen wurde. Wir müssen also nur noch dahinter kommen, wie diese heile und gerechte Welt erdacht wurde, uns die Grundprinzipien dieser Schöpfung verinnerlichen und danach leben, damit alles wieder gut wird ;)
    Auch wenn diese Annahme an sich durchaus konstruktiv ist - ist im Grunde Ursprung all unseres Wissens und menschlicher Kreativität schlechthin, ist sie jedoch absolut falsch. Wir können es zwar mit unserem Verstand begreifen, nicht jedoch uns innerlich damit endgültig abfinden. Und das ist gut so.

    Der Kapitalismus in der aktuellen Form ist ein Haufen Scheisse, der schnellstmöglich weggeräumt werden muss - richtig. Aber ausgerechnet die Natur - ein zutiefst unethisches System - als Vorbild für eine neue Systemstruktur zu nehmen, halte ich für falsch.

    Ja, daher schreibe ich auch, dass es gut ist, diese an sich falsche urmenschliche Annahme nicht aufzugeben.

    Vielleicht sollte man einen kleinen Anfang machen und überlegen, wie man weltweit ein Menschenrecht auf Existenzsorgenfreies Leben und Geldunabhängige Gesundheitsversorgung in Einheit mit Populationskontrolle etabliert und vor allem praktisch durchsetzt.

    Na ja, ausgerechnet dann, wenn die Kacke so mächtig am Dampfen ist, besteht wirklich eine reelle Chance, dass daraus was progressives geboren wird. Aber die Chance ist noch kein Zwang.
    Ich sehe es so. Solange das ‘perpetuum mobile’ läuft und den meisten einigermaßen gut geht, hat eigentlich keiner das wirkliche Interesse daran, etwas prinzipiell zu ändern. Auch dann nicht, wenn es vielen bereits einleuchtet, dass das Mobile in ganz falscher Richtung läuft. Erst, wenn es ins Stottern gerät, wird nach Lösungen und Auswegen gesucht.
    Es ist also eine Chance.

    Noch was zum Schmunzeln: