In den Klauen des Bären
geschrieben am 29. Oktober 2008 von Spiegelfechter
Russland und die Finanzkrise
Als Premier Putin Anfang September Russland als „ruhigen Hafen im globalen Sturm der Märkte“ bezeichnete, hing das Damoklesschwert der Finanzkrise bereits über dem Land. Durch die Nebeneffekte der Finanzkrise und den rasanten Verfall des Ölpreises ist Russland in eine schwierige Lage geraten. Standard & Poor´s hat am letzten Donnerstag den Ausblick für das langfristige Kreditrating Russlands von „stabil“ auf „negativ“ herabgesetzt und der in US$ notierte russische Aktienindex RTS ist mit einem Verlust von 73% seit Mai im weltweiten Vergleich am stärksten vom Börsenbeben betroffen. Die ersten Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind bereits zu verzeichnen und auch in Russland hat sich eine Immobilienblase gebildet, die nun zu platzen droht. Noch ist Russland mit Devisenreserven in Höhe von 515 Mrd. US$ in der komfortablen Lage, gegensteuern zu können. Die Reserven schrumpfen allerdings rapide und wenn sich die gegenwärtige Lage fortsetzt, sind sie im Juni 2009 aufgezehrt. Wenn die Ölpreise in nächster Zeit nicht wieder steigen, ist der russische Traum ausgeträumt.
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| Tags: Russland Wirtschaft | |
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Dagegen folgt der Gaspreis dem Ölpreis erst mit einer halbjährigen Verspätung und ist momentan so hoch wie nie. Die russische Börse ist deswegen so stark gefallen, weil dort internationale Spekulanten, vor allen aus den USA, wo die Krise ja schon seit 2006 tobt, kurzfristig positioniert haben. Es war das überproportionale Wachstum von früher, das jetzt korrigiert wurde.
Um Russland ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, müsste der Ölpreis noch viel tiefer fallen, denn das russische Budget ist gerade für das Niveau 60§ konzipiert.
@Der Unbequeme
Der Gaspreis orientiert sich an einem Durchschnittspreis für Öl und wird in einem halben Jahr ebenfalls abstürtzen, was nichts an der Grundaussage des Artikels ändert.
So so ;-)
Meines Wissens beträgt die Summe dieser Gelder 36 Mio. US$ – im internationalen Finanzgeschäft ein “Fliegenschiss”, der ganz sicher nicht für den Bärenmarkt verantwortlich ist.
Das russische Budget ist nicht für diesen Grenzwert konzipiert, sondern dieser Grenzwert markiert die Defizitschwelle. Bei lange anhaltenden niedrigen Ölpreisen wird die Defizitschwelle gesenkt werden müssen, d.h. die Staatsausgaben werden gekürzt.
Offtopic: Bitte die Uhr hier auf Winterzeit umstellen :-)
Ein russischer Freund und Co-Blogger, der bei einem Petersburger Fernsehen arbeitet, schrieb mir heute nacht, dass sein Sohn in einem Moskauer TV mit einer ganzen Gruppe sofort entlassen wurde und bei ihnen 15% Stellenabbau für fristlos angesagt wurden. Anscheinend rollt dort schon eine erste Entlassungswelle durchs Land – und natürlich kann man solche Dinge da schneller erledigen als hier.
@cooljazz
Yep, Danke
Zu 1). Ich wollte damit sagen, dass Russland dadurch einen längerem Atem hat, als hier dargestellt. Langfristig wird der Ölpreis aber wieder steigen, denn an der Grundtendenz des Nachfrageanstiegs in China, Indien und anderen Ländern sowie an der Verknappung der Vorkommen wird sich nichts ändern.
Zu 2). Nur 36 Millionen? Das scheint mir unrealistisch. Außerdem ändert das nichts an der Grundaussage.
Zu 3). Du sagst es selbst: erst wenn der Ölpreis für einen längeren Zeitraum 60$ unterschreitet, müssen Staatsausgaben gekürzt werden. Darüber passiert nichts schlimmes, was Russland bedrohen könnte. Und selbst ein Defizitfall kann abgefangen werden. Könntest du noch bitte erklären, wie genau das Datum Juni 2009 zustande kommt?
Wie siehts eigentlich im russischen Bildungssystem aus? Hat man das vielleicht in dieser “wir sind wieder wer, bilden die kubanische Flag-Schützen aus und machen Manöver mit Mucho Macho, Caudillo von Hugoslawien” ein wenig verdrängt?
Jemand irgendwelche Informationen?
Bevor Rußland endgültig zu einem karibik-artigen Rohstoffexporteur-Gebilde degeneriert, ist diese Krise vielleicht ganz heilsam?
Werden die Krallen des russischen Bären stumpf?
http://stockcharts.com/charts/candleglance.php?$XEU,$XJY,$XAD,$CRB,$GOLD,$WTIC,$GYX,$TNX,$DAX,$OEX|D|B14
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Russland aus dieser Situation als Verlierer hervorgehen wird. Es scheint mehr, dass Oligarchen an Einfluss verlieren werden, so wie auch bisher, und die Machtbasis der Regierung gestärkt wird. Der Grund warum ich daran zweifle ist, dass Russland und China aufgrund ihrere Devisenreserven tatsächlich dieses Finanzsystem zu Fall bringen könnten, in einer koordinierten Aktion. (und man liest ja nun täglich über neue Kooperationsabkommen zwischen RU/CHN)
Nicht dass dies für diese Länder selbst wünschenswerter wäre, als weiterhin konsequent innerhalb des Systems weiterzuagieren, und auch weiterhin ihren Einfluss im Rahmen des Systems zu vergrössern, aber es erscheint jedendfalls ausgeschlossen, dass eine Entität, die Mittel hat, um das System zu stürzen, sich den Regeln des Systems unterwerfen wird, auch wenn es dabei in Summe Verlierer wäre.
Was wir in Russland sehen, ist eine Entwicklung zu einer gigantischen Machtakkumulation weniger Konzerne (vor allem Gazprom), bei der es praktisch keine erkennbaren Grenzen zwischen dem Konzern und dem Staat gibt.
Man sieht ja eindeutig, dass sich Konzerne wie Gazprom nicht ausschliesslich dem Streben nach Gewinn unterwerfen, sondern dass sie stattdessen auch verlustreiche Projekte verfolgen, wenn diese einem geopolitischen oder sozialen Ziel dienen.
1. Immobilienblase platzt? Kann nichts besseres passieren, endlich werden Häuser wieder zu kaufen sein.
2. Westliche Anleger haben keine Gelder mehr um Russland auszukaufen? Wunderbar. Gute Gelegenheit für Russen zuzugreifen. So günstig wie nie. Viele “arme” russische Oligarchen machen das bereits.
3. Indexe fallen? Wen interessiert’s! 1% der Russen haben Depot. Und früher auch ordentlich Gewinne gesammelt. Der Fall sieht zwar brutal aus, ist aber die Folge des Systemsfehlers: Wenn ein Depp gerade goldenen Ehering für 1 Euro verkauft, weil er dringend Geld braucht, sollen doch andere goldene Ehringe nicht gleich alle 1 Euro kosten. Bei der Börse wäre das aber der Fall. Alles virtueller Quatsch.
4. Der russischen Wirtschaft geht es besser denn je. Einziges Problem – Problem mit Liquidität bei den Banken. Durch Westens wirtschaftliches Versagen verursacht. Tolles Geschenk aus Westen. Wie immer halt :). Russland hat aber genügend Geld um das Probem zu lösen, man braucht halt etwas Zeit.
5. Wer jetzt Dollar kauft, spielt mit dem Feuer. Jahrelang 5 Milliarden US Dollar pro Tag gedruckt und jetzt wahrscheinlich noch mehr… Dass Rubel gegenüber Dollar fällt, ist völlig logisch. Rubel ist auch an Euro gebunden. Und Euro fällt gegenüber Dollar. So steigt Rubel Euro gegenüber.
6. Kudrin ist Derjenige, dem Russland Rubelkrise 1998 zu verdanken hat. Er hat es auch verhindert, dass Nachfrage innerhalb Russlands gefordert wird. Dafür in amerikanische Papiere investiert. Mit grosser inneren Nachfrage wäre Russland völlig egal, was für Scheiss Amis bauen. So wie in den 30-er als 2 Mio. Menschen in USA wegen Hunger gestorben sind und sowjetische Wirtschaft unbeeinflusst nach oben explodiert hat.
7. Ratings von Standard & Poor´s kann man bestens als Toilettenpapier verwenden. Nicht mal dafür taugt es was. Amerikanische Banken, die gefallen sind, waren am Tag voraus noch als sichersten gewertet. Das sind amerikanische Firmen (alle 3, die Ratings vergeben) und die vertreten amerikanische Interessen.
etc etc bin zu faul um weiter zu schreiben :).
Richtig Dominik, und so muss es sein.
Und übrigens, wer Geldemission in der Hand hat, der kann nicht verlieren, der wird mir jedem gedrucktem Geldschein reicher, und zwar durch anderen. Wenn Russland und China es tatsächlich schaffen eigene Währungen in der Welt zu platzieren, werden sie die grössten Gewinner sein.
Guter Artikel Jens, gerade, wenn man bedenkt, dass der Höhe der Vermögen der Oligarchen Russlands annährend die gleiche (!) Höhe von Forderungen gegen Sie gegenübersteht, und deren Fälligkeitszeitfenster nicht besonders groß ist.
Momentan scheint es jedoch so, dass eher das Neue Europa samt deren Gläubiger im alten Europa, die europäischen Banken, auf der Abschlussliste zu stehen.
Die Frage könnte wirklich lauten: Wer fällt schneller: Europa, wie Österreich, dessen Banken halb Osteuropa aufgekauft haben und nun erkennen, dass da nur heisse Luft ist, oder Rußlands Kapitalisten? ;)
@6 Der Unbequeme
Das sehe ich ähnlich – nur eine weltweite Wirtschaftskrise könnte und würde diesen Trend umkehren. Und in welcher Art und Weise die Finanzkrise sich auf die Weltwirtschaft ausübt, ist momentan fraglich. Ein düsteres Szenario, das auch Russland hart trifft, ist zumindest nicht auszuschließen.
Habe ich gelesen – bei echtem Interesse könnte ich die Quelle suchen.
Was heißt bedrohen? Die momentanen Entwicklungen (Immobilienpreise, Arbeitslosenzahlen, Zahlungsschwierigkeiten) sind nicht “nichts”. Und dies beobachten wir bereits jetzt, bei einer kurzfristigen Delle.
Das bezieht sich auf die 7,5 Mrd. US$, die die russische ZB momentan pro Woche aufwendet, um eine Abwertung des Rubels zu verhindern.
Wie ich heute auf rian gelesen habe und hier auch beschrieben wurde, ist es sehr wichtig, dass Russland und China nun versuchen, mit Yuan/Rubel miteinander zu handeln. Das wäre ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Diese Position vertritt auch Joseph Stiglitz seit längerer Zeit und hat auch in seinem letzten Buch wunderbar beschrieben. Die Devise muss jeztz heißen: weg vom Dollar!!!
Die internationale Energieagentur warnt bereits wieder vor Ölknappheit, da Investitionen in neue ÖlFörderanlagen unterbleiben. Der Ölpreis wird wieder deutlich steigen. Russland muß mehr Firmen aufbauen, die im weltweiten Wettbewerb bestehen können. Gute Ingenieure hat das Land. Es sollte sich auch nicht scheuen hohe Importsteuern auf Luxusgüter zu erheben. Und viel andere Waren.
Nun, wenn man sich die Situation Form einer Zeitkurve vorstellt, in welcher man die Devisen den monatlichen Verlusten usw gegenübersetzt, mag es durchaus eine akkurate Berechnung sein, wenn man prognostiziert, bis Juni 2009 ist alles aufgezehrt, dies möchte hier gar nicht anzweifeln, deiner Recherchearbeit vertraue ich prinzipiell.
Der Grund warum ich dann trotzdem eine andere Ansicht habe, obwohl ich die selben Fakten anerkenne ist dieser:
Der Artikel zeichnet die Finanzkrise bzw den fallenden Ölpreis ein wenig als etwas, dass ausserhalb des Wirkungsbereichs Russlands liegt, als ob die Regierungen dies mit ihren Prognosen nur von außen beobachten können, und darauf hoffen müssen, dass sich das Ganze wendet. So nach dem Motto, hoffentlich steigt der Ölpreis bis zum Datum X wieder auf den Wert X an, sonst haben wir ein Problem.
Vielleicht trifft diese Sichtweise für Österreich zu (wo ich lebe), vielleicht hat meine Regierung hier weniger Möglichkeiten, aber dennoch kann auch eine kleines Land wie Österreich etwas nach links oder rechts schweifen (damit meine ich jetzt nicht Ideologien), und aus der Situation trotzdem als Gewinner hervorgehen.
Das trifft auf ein Land wie Russland umso mehr zu, die könnten sich ja ab einem gewissen Zeitpunkt entscheiden mit den Devisen irgendetwas zu kaufen, dass womöglich großen Nutzen für ihre Volkswirtschaft hat, oder sie könnten auch versuchen die Leitwährung Dollar zu stürzen, oder auch in eine ganz andere Richtung gehen. Man stelle sich mal vor, wieviele Länder man einäschern könnte mit den zur Verfügung stehenden Mitteln.
Ich will damit nur sagen, dass es immer genug Spielraum in allen Richtungen gibt. Man passt einfach seine Strategie an, und hält sich alle Optionen offen. (selbst die unvorstellbarsten – USA hat ja auch einen Plan zum Einmarsch in Kanada, falls es mal notwendig werden sollte, in den Schubladen liegen)
Und genau diese Optionen sind dann auch der Ausdruck von echter Souveränität, derer USA/Russland/China/Indien ausreichend besitzten, und aus diesem Grund sehen wir auch täglich, wie sich Nationen oder Blöcke wirtschaftlich/politisch (seltener auch militärisch) bekämpfen.
Wenn man das Ganze aus dieser Perspektive betrachtet, dann ergibt es auch Sinn, warum in den letzten Jahren die Kritik(Propaganda) gegen Russland/China schliesslich dieses nicht mehr in Relation zum realen Verhalten stehende Niveau angenommen hat.
Die Kritik steigt in Wirklichkeit nur in Relation zur potentiellen Bedrohungskapazität, und desto grösser diese geworden ist, desto heftiger wurde bei jedem Angriffpunkt auch in den Medien attackiert. (bis hin zur offenen Lüge)
@16 Dominik
Ich glaube natürlich auch nicht, dass dieser Fall eintritt – das Beispiel habe ich nur eingefügt, um zu verdeutlichen, dass die gigantischen Reserven, im worst-cast so gigantisch gar nicht sind.
… das versuchen sie ja auch. Leider waren die Investments bis dato nicht immer mit einem glücklichen Händchen ausgewählt ….
Ich bezweifele, dass die 515 Mrd. US$ ausreichen, den Dollar zu stürzen. Außerdem wäre dies nicht eben klug, da dies auch die Einnahmen Russlands verringern würde.
Ja natürlich – darum sollte man auch tunlichst vermeiden, Russland in die Ecke zu treiben. Das gilt übrigens nicht nur für Russland, sondern für jede Atommacht oder eigentlich jede Nation, die im internationalen Konzert eine wichtige Rolle spielt.
Klar, das ist normal und man sollte das nicht überbewerten. Die Welt ist nun einmal so. Die Zeiten eines Bi- und eines Unilateralismus´ sind vorbei. Wir leben in einer mulipolaren Welt – ob das gut oder schlecht ist … ich vermag es nicht zu sagen.
Richtig – es geht mehr darum, das Volk hinter sich zu bringen und das Volk ist nun einmal “dummerweise” eher der Kooperation und dem Frieden zuneigt, als der Aggression und dem Krieg. Wer sich alle Optionen offen halten will, muss Feindbilder schaffen.
Grundsätzlich ja – aber es gibt auch Ausnahmen, wie z.B. Serbien.
Mal eine Bemerkung zu den Stützungskäufen: Die russische Zentralbank gibt ja das Geld in dem Sinne nicht aus, sie tauscht es um. Das ist ein Nervenkrieg der Spekulanten gegen und für den Rubel. Verliert die Zentralbank und muss der Rubel, sagen wir um 20% abgewertet werden, dann verliert die Zentralbank exakt diese 20%. Umgekehrt: Wenn sich die Spekulation gegen den Rubel nicht nur als erfolglos, sondern auch als fundamental unfundiert erweist, und wenn dann der Rubel die verteidigte Linie nicht nur hält, sondern überschreitet, hat die Zentralbank Kasse gemacht.
Fundamental dürfte die Zentralbank eher richtig liegen (spekuliere ich mal :)): Da sind die Energie- und Rohstoffexporte, und auch sonst ist die russische Aussenwirschaftsposition so schlecht nicht. Was man auch nicht vergessen sollte: Die Zentralbank wettet mit ihrem Guthaben, die Spekulanten wetten auf Kredit. Und wenn sie noch andere Überschussländer von der eigenen Position überzeugt, etwa China, dann dürfte der Atem länger als bis zum nächsten Sommer reichen.
Ich weiss natürlich nicht, ob ich richtig liege, aber die Spekulation gegen den Rubel könnte auch übel in die Hose gehen. Und dann stünde die Zentralbank mit ihren Stützungen glänzend da.
Tja, Russland hat´s relativ stark erwischt, aber wer kann diesen ganzen Aktien-Indexen noch trauen, angesichts der aktuellen VW-Achterbahn. Wenn man die Verluste global vergleicht, scheinen europäische und auch amerikanische Anleger einfach nur langfristiger an steigende Kurse zu glauben, während Asien & Co. völlig panisch (oder realistisch?) reagieren: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/10/meltdown-der-marktkapitalsierung.html
Müsste es nicht die USA und GB sein, die am deutlichsten abstürzen? Halt die Länder, die prinzipiell kaum was produzieren für den Weltmarkt außer Bankenwesen und Nachfrage. Sollte nicht in GB hinter dem Finanzdesaster noch ne riesige Immobilienblase auf die Nadel warten?
Jedenfalls scheinen mir Artikel wie diese momentan näher am Geschehen als die Probleme der Oligarchen in Gasprom-County: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/10/bdi-unter-1000-punkte.html
“Die Prognosen für das russische Wirtschaftswachstum wurden jüngst auf 5% statt der anvisierten 6,7% herabgesetzt – für 2010 gehen die Experten bereits von einem Nullwachstum aus. In den Jahren des ölpreisgetriebenen Booms hat man es in Moskau versäumt, die Wirtschaft zu diversifizieren und auf eine breitere Basis zu stellen.”
Mich würde die quelle für eine solche prognose interessieren. Ein nullwachstum ist ja schon eine gewagte these. Hängt natürlich sehr stark vom ölpreis ab und trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass der ölpreis jetzt für längere zeit bei 60$ bleiben wird.
Das versagen der russischen regierung bei der diversifizierung der wirtschaft ist jedoch wirklich ein schwachpunkt. Die hoffnung, dass sich eine kaputte volkswirtschaft in 8 putin jahren von den 70 jahren sozialismus erholt ist aber ebenfalls absurd.
Man kann hoffen, dass die verantwortlichen nun die augen aufmachen und ihre bemühungen verstärken. Wegen den -immernoch- soliden geldreserven kann der staat eine positive rolle spielen, denn abgesehen von der rüstungs- und der raumfahrt-industrie ist russland noch weit von der weltspitze weg. Jetzt könnten die veantwortlichen mal aufhören mit den großen reserven zu prallen und mal was tun.
Noch ist die russische konjuktur nicht eingebrochen.
gazeta.ru schreibt(leider nur auf russisch): “Подкрепила российские рынки и макроэкономическая статистика, опубликованная Минэкономразвития.
По данным мониторинга, прирост ВВП России в третьем квартале составил 7,1%, за 9 месяцев – 7,7%. Это все еще выше даже правительственного прогноза (7–7,5%) и гораздо выше того, что прочат по итогам года эксперты (прогноз Goldman Sachs – 6,5%).”
Soweit bis jetzt.
Da hat der Spiegelfechter des grauens wieder zugeschlagen!
@transwarp
*g*
Ja, der SPIEGEL kommt nicht von mir los ;-)
@18 aquadraht
Klar, aber sie gibt Devisen aus und wohin es führen kann, wenn eine ZB keine Devisen mehr hat, mußte auch Russland schon am eigenen Leibe erfahren. Dann sind die Rubel, die im Tausch eingenommen werden, nämlich plötzlich nichts mehr wert.
Richtig – so sieht das aus, wenn es Spekulanten sind, die hinter den Verschiebungen stehen. Dies wird von Zentralbanken interessanterweise immer als Grund genannt, obwohl (wie auch im Falle Russlands) die Verschiebungen auch ganz ohne Spekulation glaubhaft erklärbar sind.
Im letzten Monat hatte Russland ein Aussenhandelsdefizit (zumindest legen die Zahlen dies nahe). Hinzu kommen die aus dem Lande fließenden Gelder – der Rubel ist momentan unter Druck.
Oh, wenn es wirklich Spekulanten sind, so hat die ZB eigentlich bereits gewonnen. Ich kenne keinen Spekulanten, der so dumm ist, es mit der russischen ZB aufzunehmen. Gegen 515 Mrd. Reserve plus Zuflüssen plus etwaigen Krediten, die natürlich auch die ZB aufnehmen kann, hat ein Spekulant, und sei er noch so groß, keine Chance.
@19 Anindo
Produzenten sind austauschbar, Nachfrager nicht – eine goldene Regel der Marktwirtschaft ;-)
@20 jamesf
-> Quelle Nullwachstum
Dies wird von einigen Experten und Analysten als Worst-Case(!) prognostiziert. RBC Daily und Независимая газета berichten übereinstimmend von russichen und internationalen Experten, ohne diese beim Namen zu nennen. Rufo nennt u.a. Goldman-Sachs … ich weiß ;-)
@SP (24)
Gasproduzenten sind am wenigsten austauschbar, vor allem im Winter. Also mir scheint, dass Anleger in den Industriestaaten die Aktien eher halten, weil das oft langfristige Rücklagen fürs Alter sind und man aus der DotCom-Krise glaubt zu wissen, dass die Kurse auch wieder steigen. Dieser Mittelstand verkauft jedenfalls nur mit Verlust, wenn gar nichts mehr geht und stützt die Kurse der Industrieländern.
In China dagegen sind Aktien eher Lotto-Alternative. Auch kleine Anleger wollen da kurzfristig Gewinne machen, möglichst von heute auf morgen. Außerdem wird ja hier munter weiterkonsumiert, jedenfalls kaum an “Made in China” gespart, vor allem vor Weihnachten. Russland ist auch mehr auf Importe angewiesen, wenn man das Gas weglässt. Also die Aktien-Indexe kann man aktuell nicht als wirtschaftliche Stärke oder jetzt Schwäche einer Volkswirtschaft interpretieren. Schwellenländer wie Russland, China und Indien haben jetzt so ne Art Krise, ähnlich der OPEC-Krise in den 70ern. Da wird überreagiert, aber hinterher genau so weitergemacht.
Die Industriestaaten haben dagegen eine echte Krise des Spätkapitalismus, weil wir an die Wachstumsgrenzen längst gekommen sind, aber weiterhin Wachstum brauchen, damit das System überhaupt funktioniert.
Allein am Ölpreis würde ich das jetzt nicht ausmachen. Sicherlich ist hier gerade eine Spirale im Gange, die durch den Schmierstoff Börse noch beschleunigt wird. Wenn es in der Realwirtschaft am miesesten aussieht, steigt sie meist schon längst wieder. Der RTX war schonmal bei 80 Punkten, das Land gabs aber immer noch…Wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.