Der Maverick auf Mission Impossible
geschrieben am 04. November 2008 von Spiegelfechter
In der heutigen Nacht blicken die Augen der Welt auf die USA. Beobachter schätzen, dass 130 Mio. Amerikaner heute bei den Präsidentschaftswahlen ihre Stimme abgeben werden – dies wäre eine Rekordbeteiligung. Wenn die ganze Weltbevölkerung den mächtigsten Mann der Welt wählen könnte, würde Barack Obama einen Erdrutschsieg einfahren. Beim nicht repräsentativen „Global Electoral College“ des Economists bekam Obama 86% aller Stimmen und konnte in allen Ländern der Welt außer dem Irak, Kuba, Algerien und dem Kongo eine Mehrheit der Stimmen für sich verbuchen – in Deutschland holte Obama 91% der Stimmen. Wenn man den jüngsten Umfragen glaubt, wird Obama auch bei den echten Präsidentschaftswahlen einen Erdrutsch-Sieg erringen. Noch nicht einmal die berüchtigten Wahlpannen, die an diesem Wahltag wieder hunderttausende Stimmen ungültig machen werden, können daran etwas ändern. Technisch hat McCain nur noch eine Siegeschance von 1,9%. Um 2.00 deutscher Winterzeit könnte Obama bereits technisch als Sieger feststehen.
Die aktuellste Umfrage des renomierten Gallup-Instituts sieht Obama bei 53% und McCain bei 42%. Konkurrent Zogby sieht den Vorsprung Obamas mit 51% zu 43,8% zwar etwas geringer, aber der Trend ist auch hier eindeutig. Für amerikanische Verhältnisse ist dies ein Riesenvorsprung. Traditionell sind jeweils 40% der Wähler felsenfeste Unterstützer der Demokraten und der Republikaner. Sogar Ronald Reagan hat bei seinem historischen Sieg über den Außenseiter Walter Mondale 1984 „nur“ 59% der Stimmen bekommnen, während Mondale 40% bekam, was aber nur für zwei Staaten reichte. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass McCain derart untergehen wird. Die Prognosen von Real Clear Politics sehen McCain in 14 Staaten als klaren Sieger – dies sind neben Alaska vor allem die traditionell konservativen Staaten des Bible-Belts und des mittleren Westens. Diese 14 Staaten stehen allerdings nur für 118 Wahlmänner.

Der zukünftige Präsident der USA benötigt mindestens 270 Wahlmänner. 228 Stimmen hat Obama nach den Prognosen von RCP bereits sicher – dies sind mit Ausnahme von Montana und Pennsylvania genau die Staaten, die John Kerry 2004 gewinnen konnte. Auch in den „Kerry-Staaten“ Montana und Pennsylvania liegt Barack Obama vor John McCain und zusätzlich liegt er in den Wahlprognosen für die Staaten New Mexico, Colorado, Nevada und Idaho klar vorn. Wenn McCain nicht entgegen dieser Prognosen einen dieser Staaten holen kann, heißt der nächste Präsident Obama. Hinzu kommen zehn Staaten, von denen acht über mehr als zehn Wahlmänner verfügen, die nach den Prognosen noch umkämpft sind. Würde Obama außer den sicheren „Kerry-Staaten“ nur einen dieser acht Staaten holen, wäre er ebenfalls Präsident, auch wenn McCain alle Staaten holen würde, in denen Obama vorne liegt und die nicht zu den „Kerry-Staaten“ gehören.
McCain hat bereits fast alle “Kerry-Staaten” aufgegeben – nur in Pennsylvania und New Hampshire führt er überhaupt noch Wahlkampf. Nach jüngsten Umfragen liegt Obama jedoch in Pennsylvania mit 7,3 Punkten und in New Hampshire mit 10,6 Punkten vorne. In den „Bush-Staaten“ Iowa (Obama +15,3), New Mexico (Obama +7,3) und Nevada (Obama +6,8) liegt Obama weit vor McCain. Wenn Obama nur diese drei Staaten und die „Kerry-Staaten“ gewinnen würde, hätte er bereits 269 Wahlmännerstimmen.
Der erste Staat, den McCain heute nacht gewinnen muß, ist Virgina – in diesem Staat liegt Obama nach den jüngsten Fragen mit 4,4 Punkten vor McCain. Wenn Obama als erster Demokrat seit Lyndon B. Johnson Virginia und seine 13 Wahlmänner holen könnte, müsste McCain entgegen der Vorhersagen bereits in mindest einem größeren „Kerry-Staat“ gewinnen, um mehr als 270 Wahlmänner für sich gewinnen zu können.
Um 1.00 MEZ schließen die Wahllokale in Virgina und mit den ersten Prognosen könnte bereits eine wichtige Vorentscheidung fallen. Zur gleichen Zeit schließen auch die Wahllokale in Georgia und Indiana – beides „Bush-Staaten“, in denen die beiden Kandidaten bei den Umfragen Kopf an Kopf liegen. Wenn McCain einen dieser Staaten nicht gewinnt, ist Obama technisch gesehen bereits der neue Präsident. In diesem Falle müsste McCain nämlich mehr als einen großen „Kerry-Staat“ gegen alle Prognosen gewinnen, was fast auszuschließen ist.

Wenn um 2.00 MEZ die Wahllokale in Pennsylvania schließen, entscheidet sich McCains Schicksal. Pennsylvania mit seinen 21 Wahlmännern ist der einzige „Kerry-Staat“, den McCain theoretisch holen könnte. Wenn McCain hier nicht punktet, muss er jeden einzelnen Staat holen, der momentan umkämpft ist, um Obama mit seinen „Kerry-Staaten“ plus Iowa, New Mexico und Nevada zu übertrumpfen. Obama würde im Falle eines Sieges in Pennsylvania ein einziger dieser umkämpften Staaten ausreichen, um den Sieg klar zu machen.
Es gibt kein realistisches Szenario, nach dem McCain noch irgendeine Chance hätte, wenn es um 2.00 heißt, Obama hat Pennsylvania gewonnen. Wenn McCain gewinnen will, muss er zu dieser Zeit bereits in Indiana, Georgia und Missouri gewonnen haben und sowohl in Virgina, North Carolina und Florida vorne liegen und aus Pennsylvania müsste das berüchtigte „too-close-to-call“ erklingen. Wenn McCain diesen ersten Zwischensieg erringen könnte, werden die Augen auf Colorado blicken. Dort schließen um 3.00 die Wahllokale und wenn McCain Pennsylvania und die übrigen umstrittenen „Bush-Staaten“ holen sollte, müsste er auch Colorado und seine 9 Wahlmänner holen, um Obama schlagen zu können. In Colorado liegt Obama in den Umfragen mit 5,5 Punkten vorne. Nur wenn jeder einzige Battleground gegen alle Prognosen und Erwartungen an McCain gehen sollte, gibt es nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Staaten, die um 3.00 die Wahllokale schließen, überhaupt eine Chance für McCain. Die Karten stehen sehr schlecht.
Wenn McCain Präsident werden will, muss er Pennsylvania holen und darf in nicht mehr als zwei der folgenden Staaten verlieren: Virginia, North Carolina, Georgia, Indiana, Florida, Ohio, Missouri, Colorado, Arizona, Louisiana, North Dakota und Montana. Wenn er Pennsylvania verliert, dann würde eine Niederlage in jedem der genannten Staaten ein technisches Knock Out für McCain bedeuten.
Diese Prognose basiert auf dem Artikel “Election Night Watch Guide: How Long Can McCain Hang On?” von Steve Kornacki.
Jens Berger
Der aktuelle Zwischenstand (powerd by CNN):
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Kategorien: US-Wahlen 08 USA
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Kommentare
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dann bin ich ja mal gespannt, ob es wirklich so kommt und die hochrechnungen stimmen. oftmals lagen sie ja schon daneben
Und jetzt erwähnt irgendjemand den Bradley-Effekt – auf geht’s!
Tatsächlich aber steht es wirklich schlecht um McCain. Alle Umfragen müssten sich gewaltig irren und viel weiter vom tatsächlichen Ergebnis abweichen als dies 2000 und 2004 der Fall war. Ein Wahlsieg McCains wäre für alle Umfrageinstitute eine schallende Ohrfeige. Bei dieser Wahl gibt es zwar tatsächlich viele Unbekannte – was ist mit der steigenden Anzahl derer die nur ein Handy besitzen, wie viele gehen auch wirklich zur Wahl, und so weiter – und wenn sich Umfragen mächtig irren, dann irren sich in der Regel alle in gleicher Richtung, aber nichts spricht besonders dafür oder dagegen, dass sie sich zum Beispiel auch in Richtung McCains irren könnten.
Nach acht Jahren Bush wäre es auch durchaus ein Wunder wenn die Republikaner noch eine Chance bekommen würden – die Frage scheint jetzt nur zu sein welches Mandat Obama bekommt: Erdrutschsieg oder nicht? Ich tippe mal ganz konservativ auf so 350 durchaus erdrutschartige Wahlmänner.
@michael
Den Bradley-Effekt kann man hier m.E. herauslassen – McCain hat sich ja klar als liberaler Republikaner positioniert und es ist ja nicht eben anrüchig, ihn zu wählen, wie es bei Bush sicher der Fall wäre. Im Bible-Belt ist vielleicht auch ein umgekehrter Bradley-Effekt auszumachen. Als guter Christ und Konservativer sagt man, man wähle McCain, macht sein Kreuzchen in der Kabine dann aber doch bei Obama, weil man ihn sympathischer findet.
Wenn der Maßstab Wahlbeteiligung irgendeine Relevanz hat und die Bilder mit eher farbigen in den Warteschlagen eine Deutung zulassen, die halbwegs mit meiner persönlichen Erwartungshaltung zu tun, dann hat Mc Cain keine Chance.
Aber warten wir es ab. In den USA ist ja Mehrheit und Mehrheit nicht ein und das selbe…
@misterL
Das stimmt, aber wenn man sich diesmal wieder so eine “Ork-Teufelei” einfallen lässt, gibt es einen Bürgerkrieg – die Zeichen stehen klar auf Wandel.
naja, falls es Obama doch nicht schaffen sollte, haben die Medien auf jeden Fall schon mit VTs vorgesorgt ;)
Ist es denn wirklich wichtig, wer wie wen wo wählt? Ist es nicht wichtiger wer wo wie zählt?
Aber wahrscheinlich ist heute gegen die allgemeine Stimmung auch mit den gröbsten Wahlfälschungen nichts mehr zugunsten McPalins auszurichten.
Fragt sich also, ob Obama für uns und die restliche Welt ausserhalb der USA tatsächlich eine real andere Politik praktizieren wird als Dabbelju? Nicht nur eine bessere Public Relations betreibt.
Mir geht die Gabe der Prophetie ab, ich zweifle nur.
@war2palaces
Natürlich wird er das. Die spannendere Frage ist, worin der Unterschied (v.a. außenpolitisch) zwischen McCain und Obama besteht – und dieser Unterschied ist gewaltig:
Obama and beyond
McCain und der Krieg
Die klaren Defizite Obamas und McCains sind allerdings bei der Finanzpolitik zu suchen – dort wird sich idT wenig bis nichts zum Bushismus ändern.
Auch auf die Gefahr hin, etwas penetrant zu wirken, möchte ich hier inzwischen zum dritten Mal auf folgenden, ursprünglich bei den Nachdenkseiten gefundenen Link hinweisen
http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Thomas-Fricke-Obama-goes-Oskar/432941.html?mode=print
und den Artikel der Runde mal zur Diskussion stellen. Mich wundert nämlich, dass bisher keiner was dazu gesagt hat. Das ist doch unglaublich. Ich meine, euch sind die Konsequenzen davon schon klar, oder? Auch für unsere Innenpolitik hier in D. Was da gemacht wird, wird mit etwas Verzögerung und leicht modifiziert auch bei uns und anderswo gemacht. Das war mit Reagan so, das war mit Bushs War on Terror und Homeland Security so, das wird auch jetzt so sein. Über Bande spielen. Einen deutschen neoliberalen Sonderweg wird es längerfristig nicht mehr geben. Change? You betcha! Ein bischen hat es sich bereits auch im Wahlkampf angedeutet, der ganze Ayers-smear hatte ja ein Fünkchen Wahrheit an sich. Obama hing durchaus mit links- bis linksradikalen Intellektuellen und Ex-Weather-People-Terroristen (siehe Wikipedia) rum, und hmm, ob INSM und Bertelsmann irgendwie große Freude an ihm haben werden, wie er da im den United States of America am Lenker sitzt und Seeheim links überholt… ich weiß ja nicht. Aber klar, man wird sehen, was davon umgesetzt werden wird, kommt jetzt auch sehr auf die Stimmenverhältnisse an. Und, klar, er ist US-Präsident, mit allen negativen Folgen, die der Job zwangsläufig auch hat. Darcy Burner wünsche ich auch viel Glück, ich glaube die ist ganz gut.
Wie erfrischend nach dem gestrigen Tag, mal wieder erfolgreiche progressive Politik im TV agucken zu können. Ich freu mich auch jetzt schon auf die säuerlichen Glückwünsche von Merkel.
The line it is drawn
The curse it is cast
The slow one now
Will later be fast
As the present now
Will later be past
The order is
Rapidly fadin’.
And the first one now
Will later be last
For the times they are a-changin’.
http://www.youtube.com/watch?v=lZ_XwLSN45I
Ich fände es wirklich gut, wenn McCain das Rennen macht. Warum?
Es geht bei dem Event nicht um die Wahl eines “Führers” mit der ultimativen Entscheidungsgewalt, welcher das System “USA” beliebig gestalten kann. Das System lässt wohl kaum eine große Variation für eine neue Ausrichtung zu. Von daher ist es also ziemlich egal, wer von den beiden Superstars letztlich das System präsentieren(!) wird.
Betrachtet man den Wahlkampf der beiden “Supertypen”, muss einem unweigerlich auffallen, dass die Standpunkte der Kandidaten nur über die Auswahl der zu verteilenden Geschenke an das Volk klar gemacht wurde. Da wurde fleißig in den großen Topf gegriffen und sorgfältig ausgewählt: Obama holte u.a. ein sozialeres Krankenversicherungssystem hervor, McCain will die Soldaten aus dem Irak als stolze Sieger nach Hause holen … Wie das alles umgesetzt werden soll wurde nicht gesagt. Fundierte Systemkritik und entsprechende Pläne zur tieferen Umgestaltung wurden natürlich schon gar nicht geliefert. Warum wohl?!
Ich unterstelle Obama also einfach nur ein viel zu gutes Image, vor allem vor der Weltöffentlichkeit – das hat er im Rahmen dieser Kindergartendebatte auch wirklich gut aufgebaut, Respekt!. Natürlich wird auch er nichts an der prinzipiellen Ausrichtung der USA als einziger Supermacht ändern (können).
Unter diesen Voraussetzungen wäre es vom europäischen Standpunkt aus wünschenswert, wenn McCain gewinnt: Ganz einfach weil sein Image näher an der Realität liegt und die Weltöffentlichkeit im Falle seines Sieges weniger verblendet mit den USA umgehen wird.
Ich denke auch, dass die Chance auf den Wahlsieg für McCain/Palin gar nicht mal so schlecht ist: Frau Palins sekundäre Geschlechtsmerkmale haben sicher einen großen Eindruck auf Joe Sixpack gemacht. Klingt erstmal gemein – wenn man sich aber nochmals das wirklich unterirdische Level des Wahlkampftheaters vor Augen führt und dabei bedenkt, dass die US-Bevölkerung das wohl auch noch großartig findet (siehe Wahlbeteiligung) … da scheint alles möglich!
@war2palace
es ist sehr unwahrscheinlich, dass us-außenpolitik sich so rasch ändert. Full Spectrum Dominance-Doctrine, Patriotism-Doctrine, Bush-Doctrine usw. bleiben auch nach dem Sieg Obamas in Kraft.
Joe Biden hat vor kurzem von einem großen Härtetest für Obama nach den Wahlen gesprochen.
Aber ich bleibe trotzdem optimistisch!
Die USA leben von einem blühenden Binnenmarkt auf dem zB “wir” liebend gerne exportieren. Die Ansprüche an mehr Geld in den Taschen des Volkes nach/während der Finanzkrise sind also gar nicht soweit weg von der notwendigkeit in den USA für eine wachsende Wirtschaft. Das ist bei uns unserer Exportausrichtung der Politik/Wirtschaft eher egal.
Obama wird kein besonders linker Präsident sein. Ich seh’ ihn ganz klar eher in der Mitte, schon weil er für das was er machen will Mehrheiten im Kongress braucht. Auch wenn da demokraten die Mehrheit haben – die sind nicht alle extrem progressiv. Ich sehe Obama als sehr pragmatischen, intelligenten Politiker, der sich lieber von Realität als von Ideologie leiten lässt. Oder, um es mit Andrew Sullivans Worten zu sagen: Obama ist eben ein “liberal empiricist”. Nun ist das nicht besonders aufregend, für die USA aber in diesem Fall ein großer Fortschritt.
Bei der derzeitigen Lage der USA muss ein Präsident Obama wohl leider enttäuschen, er wird kaum eine andere Wahl haben. Und wahrscheinlich werden auch die Republikaner nicht zur Vernunft kommen und eher noch weiter abdriften – in Richtung Sarah Palins. Auf jeden Fall werden die nächsten vier Jahre sehr interessant.
@spiegelfechter
PS, die ewigen Verweise auf den Bradley-Effekt kann ich ebenfalls nicht mehr hören. Gut für vielleicht ein Prozent, einen halben Prozent, wenn überhaupt, und trotzdem ständig nach vorne gezerrt. Ich wollte nur, dass diese unsinnige diskussion auch hier nicht nicht geführt wird ;-)
@postgrün
Da hast Du recht ;-)
Darum sage ich jetzt auch was:
Es ist ja nicht eben neu, dass die USA in wirtschaftspolitischen Dingen wesentlich “linker” sind, als Good old Nazi Germany ;-)
Alleine Bushs Konjunkturprogramme wären in Deutschland pures “kommunistisches” Teufelszeugs. Ich habe den Eindruck, in Deutschland ist in den letzten Jahren eine Form der McCarthy Ära angebrochen. Alles, was “links” von der SPD ist, ist wahlweise “Sozialismus”, “Populismus”, “dummes Zeugs”, “nicht bezahlbar” oder “realitätsfremd”. Hinterfragt werden diese gedanklichen Scheuklappen nur von einigen Fachjournalisten in der FTD oder der FR.
Dass die deutschen Volkwirtschaftler internationale Lachnummern sind (außer Flassbeck und Co.), habe ich ja bereits häufiger geschrieben. Die im Artikel erwähnten Krugman und Stieglitz (aber auch viele andere) haben längst erkannt, dass unsere neoliberale Autobahn eigentlich eine Sackgasse ist. Krugman hat bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Berlin gesagt, der einzig “vernünftige” deutsche Wirtschaftspolitiker hieße Oskar Lafontaine – das ist schon starker Tobak für die deutsche Journallie, darum wurde es auch nirgends publiziert.
Deine Hoffnung in Ehren – das glaube ich nicht. Der amerikanische Weg ist ja nicht eben neu und auch andere Staaten haben längst die Schlüsse aus den Fehlern der Vergangenheit gezogen. Wenn Deutsche etwas machen, machen sie es gründlich und hinterfragen ihr Tun nicht. Das kann man auch bei der irrgeleiteten Wirtschaftspolitik betrachten. Ich schätze, Deutschland wird sich mehr und mehr ins internationale Abseits begeben und das als den teutonischen Sonderweg verkaufen, der goldrichtig ist – das wissen wir ja von den INSM-Hohepriestern und ihren Talkshowlakaien.
Oh, sie werden eine Menge Freude an ihm haben. Obama setzt auch internationale Kooperation – d.h. unsere netten Transatlantiker werden Kosten en masse produzieren, die anderweitig eingespart werden müssen. Und das ist ja das Paradefeld der INSM-Schranzen.
@spiegelfechter 8 & @freerk 11
Who´s behind? Wer steckt hinter Obama, wem schuldet er nach der Wahl was? Gerald Ford, Ronald Reagan und George W. Bush waren dumm wie Bohlen, waren sie wirklich die “mächtigsten Männer der Welt”?
Schwer zu glauben. Warum also Obama? Er ist ein guter Rhetoriker – um nicht das Unwort Populist zu gebrauchen – aber ist er nicht eventuell auch nur Marionette, kommt nur authentischer rüber? Wer zieht an den Fäden?
Lediglich Skepsis, keine Verschwörungstheorie!
@SF
Du meinst, als Ex-Exportweltmeister könnte die BRD weiterhin eine ideologisch-angebotsorientierte Wirtscgaftspolitik fahren, während rundherum, also auch in der EU, alle mehr und mehr auf nachfrageorientiert umsatteln? Solange sie bei uns genug einkaufen vielleicht. Aber die Leute hier sind ja auch nicht ganz doof und kriegen ja dann irgendwann mit, dass anderswo irgendwie viel mehr gezahlt wird für ihre Arbeit, ob das langfristig gut gehen kann? So gut kenne ich mich ja auch nicht aus. Was Obama und die neuen Kongressmitglieder und Senatoren betrifft, würde ich mir eher eine Art kulturell-politischen Wandel vorstellen, der da längst existiert und zu uns rüberschwappt. Politisierte Jugend etc. Wenn man auf Blogs wie Daily Kos (und die sind ja nun wirklich nicht irgendwie linksradikal) erlebt hat, wie sie da den “Neoliberalism” ideologisch auseinandergenommen haben, der ja mit McCain identifiziert wird und mit “Bushs Cronies”, wenn man gesehen hat, wie dieser Community Spirit stattdessen hochgehalten wird, und zwar nicht hohl und verlogen, sondern wirklich ernsthaft, ist es schwer, sich vorzustellen, dass bei uns alles so weitergehen könnte wie gehabt. Klar gibt es auch sehr konservative Demokraten oder free-market-Fetischisten. Aber hessische Zustände in den USA?
Ich glaube auch, viele in CDU und SPD sind nicht fanatisch neoliberal, sondern taktische Mitläufer und Opportunisten, die dann auch recht schnell wieder ganz anders können, wenn es die Lage erfordert. Manche wären vielleicht auch ganz froh. Andere können einfach nicht mehr zurück – der Seeheimer Kreis z.B.
Hier wird ja immer viel von “links” gesprochen. Allerdings ist schon die Begriffsdefinition alles andere als einfach.
Hier gab es vor einiger Zeit mal einen guten Artikel, in dem ging es um ein System zur Bestimmung politischer Standpunkte. Das ganze wurde auf so ein dreiachsiges Diagramm abgebildet. Leider finde ich diesen Artikel nicht mehr.
@Spiegelfechter: Hast du da einen Link?
@11 freerk
Kein Grund das so schwarz zu sehen – zu diesem Thema erscheint morgen bei TP ein Hintergrundartikel von meinem Co-Autor Nick Abee – Lesetipp ;-)
Bevor hier ´ne Obama Manie ausbricht: Schaut wer deren berater sind, und seht das Brzezinski bei beiden hinten dran steht. Ist nur ne Frage ob die neue Puppe schwarz oder weiss sein wird, der Puppenspieler bleibt gleich.
Ausserdem bin ich gespannt, ob Obamas Abstammung noch ne jurististische Rolle spielen wird (bin fast sicher das jemand klagen wird).
@nakimushi
Was hat Brzezinski mit McCain zu tun? Er ist außenpolitischer Berater von Obama und das ist gut so ;-)
@17 Dreiachsiges Diagramm? Ich bin multidimensionaler. Aber ernsthaft: Obamas Hintergrund ist die Bürgerrechtsbewegung, darüber, dass er “Community Organizer” war, haben sich die Reps noch lustig gemacht. Für Ayers, mit dem er im Verwaltungsrat einer Schule (?) saß, hat er mal, lang ists her, eine nettes Vorwort für dessen Buch über Bildungspolitik geschrieben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Bill_Ayers
(Auf little green footballs haben sie dass alles mühevoll genau nachrecherchiert, weil sie sicher waren, dass das Obama das Genick brechen würde, und wurden dann fuchsteufelswild darüber, dass es einfach niemanden mehr interessierte.)
Nun heisst das natürlich alles noch nicht viel, und natürlich ist Obama wie Reagan auch einfach ein Super-Präsidentendarsteller. Aber mal andersherum gedacht: Wie müsste denn wohl ein Präsidentschaftskandidat in den USA auftreten, der einigermassen linke Ziele durchsetzen wollte, aber auch die Konservativen nicht verschrecken und mit einbeziehen müsste? Und wie würden die Reps ihn wohl nennen: Socialist? Communist?
McCains Pech war die Finanzkrise, sie hat seine ganze Ideologie über den Haufen geworfen, und zudem musste er eingestehen, von Wirtschaft nicht viel zu verstehen. Vor einem halben Jahr meinte er mal, er würde dann halt einen Vizepräsidenten mit wirtschaftlichem Sachverstand wählen. Dann wurde aber Sarah Palin VP. Aber sein Wahlkampf war sehr lustig, vor allem das “Zombiefoto” nach der Präsidentschaftsdebatte. Da war eigentlich schon klar, dass er verloren hat.
@Was hat Brzezinski mit McCain zu tun? Er ist außenpolitischer Berater von Obama und das ist gut so ;-)
Hmm, im Ernst? Das ist eigentlich eher eine meiner Sorgen. Oder ist auf seine alten Tage eine Taube aus dem Falken geworden?
@16 postgrün
Klare Anwort: ja!
Klare Antwort: ja! …. wenn man “gut gehen” mit einer weiteren Unterstützung dieser Politik gleichsetzt. Die Leute sind doof und kriegen nicht mit, dass woanders mehr für ihre Arbeit gezahlt wird. Wäre dem anders, würden sie das bereits jetzt mitkriegen.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich defätistisch klinge: Nein. Die Politisierung der US-Jugend ist nur durch 8 Jahre Bush so weit getrieben wurden. Davon sind wir in D noch meilenweit entfernt. Klar, es wird (wie immer schon) eine Minderheit geben, die hoch politisiert ist – die Maße guckt aber RTL und liest BILD und weiß nicht, wer Kanzler ist.
Die Vorgänge in den USA hast Du ja richtig analysiert, aber was passiert davon in D? Blogs wie SPIEGELFECHTER und NACHDENKSEITEN (und viele andere) sind Freaks, die weder Reichweite noch gesellschaftliche Bedeutung haben. Dies ist in den USA idT anders – nur sehe ich keine Chance, dass sich in D da was ändert.
Der Neoliberalismus ist tot – es lebe der Neoliberalismus. Hast Du nicht mitbekommen, welchen radikalen Linksschwenk die großen Parteien im letzten Jahr gemacht haben? ;-)
@22 postgrün
Er war nie ein Falke, sondern ein Realist. Wenn´s hilft, hier ein Ausschnitt aus einem IV mit dem Prospect Magazin aus diesem Jahr:
“Ich würde dem Präsidenten raten, schnellstmöglich Schritte zu ergreifen, um den Irak-Krieg politisch zu beenden. Zunächst sollte man alle irakischen Führer an einen Tisch holen – nicht nur diejenigen, die in der „Green Zone“ residieren, um mit ihnen einen konkreten Zeitplan für den amerikanischen Truppenabzug zu erstellen. Dadurch werden die Iraker gezwungen, sich ernsthaft mit ihren internen Zwistigkeiten auseinanderzusetzen. Zweitens muss er alle irakischen Nachbarn – inklusive Syrien und Iran – an einen Tisch holen und mit ihnen die regionalen Sicherheitsfragen bei einem Abzug der US-Truppen erörtern. Jeder dieser Nachbarn hat ein vitales Interesse, dass der Irak nach dem Abzug nicht zu einem Pulverfass wird, das explodiert. Weiterhin sollte der Präsident versuchen, muslimische Staaten ins Boot zu holen – Marokko, Ägypten und Algerien können helfen, Irak nach der Besatzung zu stabilisieren. Drittens sollte man sich nach internationaler Unterstützung umschauen – wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn man die UN mit einbeziehen könnte, um die irakische Zivilgesellschaft wieder aufzubauen. Und ich würde dies alles mit ernsthaften Bestrebungen verbinden, Gespräche mit Iran aufzunehmen und Israel entschlossen dazu zu bringen, ernsthafte Friedensgespräche Palästina aufzunehmen und nicht – wie bisher – nur fruchtlose Waffenstillstandsverhandlungen zu führen.”
Für mich klingt das nicht eben nach einem Falken.
@17 Herr Sondermann
Aber natürlich ;-)
@ Spiegelfechter
Man muss bloß realistisch bleiben. Wie es gerade in den Massenmedien gejubelt wird, kann ich nicht nachvollziehen.
Ich bin gespannt auf den morgigen Artikel, wirst du ihn auch hier verlinken?
@Spiegelfechter: Brzezinski rühmt sich noch heute damit, die Russen in die Afghanistan Falle gelockt zu haben. Es wundert mich nicht, dass er den Irakabzug befürwortet, da sie haben was sie wollten: Ihren Stützpunkt. Und der wird auch viele Jahre dort bleiben. Im Hinblick auf “The Grand Chessboard” ist Brzesinskis (was ein Name! :P) Endziel (was ein behafteter Ausdruck!) klar: Russland.
Darum geht´s. Ich fürchte ernsthaft, dass wir extreme Aussenpolitische Spannungen zwischen den Großmächten erwarten müssen (bin oller Schwarzmaler, man verzeih´es mir). Liebe Grüsse an Dirk, werd´ heute wohl nicht mehr posten können… (spät). Trotzdem aber ne spannende Wahlnacht von meiner Stelle und klasse aufgearbeiteter Artikel von dir =)
@Die Leute sind doof und kriegen nicht mit, dass woanders mehr für ihre Arbeit gezahlt wird. Wäre dem anders, würden sie das bereits jetzt mitkriegen.
Aber die umliegenden Länder in der EU könnten doch ein Interesse daran haben, dass Deutschland sich keinen ruinösen Steuer- und Lohnwettbewerb nach unten mit ihnen liefert. Vielleicht sollte Sarkozy einfach heimlich die Linke finanzieren. Obwohl, wer weiß, zu was das dann führt.
Ich glaube auch, wie gesagt, dass das mit steigendem Interesse an Politik und Kommunikation im Netz auch hier zunimmt. Bei Studenten jedenfalls habe ich es erlebt, da hat sich innerhalb der letzten paar Jahre einiges getan. Problem ist wohl eher: Hier gibt es keinen Obama.
@nakimushi
Und? Warum sollte er sich dessen rühmen?
Wer das “Chessboard” zitiert, sollte diesbezüglich lieber “Second Chance” lesen und zitieren. Das “Chessboard” ist aus dem Jahre 1998 und nicht mehr sonderlich aktuell – die Welt hat sich nun mal “ein wenig” geändert.
@freerk
In den Kommentaren gerne – als eigenen Text nicht. Das wäre zu viel unbezahlte Werbung für Heise ;-)
@ postgrün
besonders in Hessen konnte man letztes Mal sehr viele Studenten mobilisieren. Ausschlaggebend waren dafür vor allem Bildungs- und Umweltpolitik. Mal schauen, ob es weiterhin so bleiben wird.
@postgrün
Das haben sie ja auch! Dänemark und Holland haben sich auf höchster Ebene bereits über die neoliberale Politik Deutschlands beschwert und auch auf dem EU-Gipfel im slowakischen (Name einsetzten – ich habe ihn vergessen) ist man über Deutschland hergefallen. Was ist passiert? Nichts. Wer hat darüber berichtet? Niemand.
Wie auch immer man zu Obama steht – das stimmt wohl. Aber ich glaube, ein Obama kann nur funktionieren, wenn es auch einen Bush gab. Und das Merkel ist vieles, aber kein Bush.
>> Dass die deutschen Volkwirtschaftler internationale Lachnummern sind (außer Flassbeck und Co.), habe ich ja bereits häufiger geschrieben. Die im Artikel erwähnten Krugman und Stieglitz (aber auch viele andere) haben längst erkannt, dass unsere neoliberale Autobahn eigentlich eine Sackgasse ist. Krugman hat bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Berlin gesagt, der einzig “vernünftige” deutsche Wirtschaftspolitiker hieße Oskar Lafontaine – das ist schon starker Tobak für die deutsche Journallie, darum wurde es auch nirgends publiziert. <<
Gibt es dafür vielleicht eine (nicht-deutsche) Quelle? Würde mich wirklich interessieren.
Wahlprobleme in Ohio und Pennsylvania, Leute stehen plötzlich nicht mehr im Wahlregister und müssen provisorisch wählen. Außerdem gehen wohl SMS rum, dass wegen der langen Schlangen (tw. 1 1/2 Stunden) vor den Wahllokalen die Obama-Anhänger morgen wählen sollen…
Aber andererseits sind Anwälte der Demokraten in einer massenweisen Aktion überall präsent, wo es Probleme geben könnte, es gibt Notfallnummern, etc. Ausserdem sind mittlerweile in vielen Bezirken, wo es “Wahlmaschinenprobleme” gab, inzwischen Demokraten am Ruder. Ich las auch, dass da nach 2004 Leute wegen nachgewiesener Wahlfälschung in den Knast gewandert sind, und die Demokraten sagen, sie wissen, wie es gemacht wurde und werden eine Wiederholung verhindern – davon hat man hier irgendwie garnichts gehört in den Medien. Jemand rechnete auch vor, dass bei so einem großen Abstand die Fälschung auf sehr hoher Ebene und massenweise geschehen müsste um zu funktionieren. Dieses Jahr wäre das, anders als 2004, wohl sehr schwer.
Erste Exit-Poll-Ergebnisse sollen gleich kommen, die aber höher für Obama sein werden, als dann in Wirklichkeit, was wohl normal ist und irgendwie an den Exit-Polls liegt.
its the economy, stupid:
laut CNN Wirtschaft scheinbar wichtigstes Thema bei der Wahl (62%).
Terrorism abgeschlagen bei 9%.
@N.
Das Zitat ist bei einer Diskussion mit Studenten der FU Berlin im Mai dieses Jahres gefallen – die genaue Quelle werde ich Dir nachliefern, sofern ich sie wiederfinde.
Ich habe mich übrigens oben falsch ausgedrückt – es war nicht bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde (die war mW 1998), sondern im Rahmen einer Veranstaltung, auf die er als Ehrendoktor der FU eingeladen wurde – sorry.
Spiegelfechter!
Das Quellzitat von Krugman über Lafontaine bitte unbedingt liefern, falls möglich. :-)
Sonst fragt ihn doch einfach selbst:
http://krugman.blogs.nytimes.com/
Erster Zwischenstand 1:00
Das Desaster für McCain bleibt vorerst aus – sowohl Virgina, als auch der Battleground-State Indiana melden “too-close-to-call”.
Erste Ergebnisse aus Indiana weisen darauf hin, dass Obama wesentlich besser abgeschnitten hat als Kerry – aber die Basis dafür ist sehr dünn.
Umverteilungsdebatte, anyone?
“When you spread the wealth around, its good for everyone.”
- President Barack Obama
http://www.youtube.com/watch?v=85pKr5h4g4s
Noch ein Video, das bei vielen wohl den Nerv traf:
http://www.youtube.com/watch?v=Qq8Uc5BFogE
Tina Fey als Sarah Palin:
http://www.youtube.com/watch?v=0Y7E235ujJ4
Ein Palin-Papagei:
http://www.youtube.com/watch?v=aP6SaTP0R3M
Zwischenstand 2:00
Obama holt den Schlüsselstaat Pennsylvania. Damit sind die Chancen von McCain praktisch auf 0 gesunken. Obama ist technisch Präsident.
wir wollen uns ja nicht zu frueh freuen….
cnn hat ohio gecalled. :-)
eine gute nacht!
Was für eine Party…
verdammt. bin immer noch wach.
gerade die letzte Rede von Martin Luther King gefunden (einen Tag bevor er erschossen wurde):
“Well, I don’t know what will happen now. We’ve got some difficult days ahead. But it doesn’t matter with me now. Because I’ve been to the mountaintop. And I don’t mind. Like anybody, I would like to live a long life. Longevity has its place. But I’m not concerned about that now. I just want to do God’s will. And He’s allowed me to go up to the mountain. And I’ve looked over. And I’ve seen the promised land. I may not get there with you. But I want you to know tonight, that we, as a people will get to the promised land. And I’m happy, tonight. I’m not worried about anything. I’m not fearing any man. Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord.”
His dream come true.
Nun, Obama scheint ja nun gewonnen zu haben. Unabhängig davon, was Obama für eine Realpolitik betreiben wird, ist dies in meinen Augen eine klare Absage der Wähler an den neolib/kon-Kurs. Ich bin gespannt, wie das die gerade geführten und noch anstehenden Kriege beeinflussen wird.
Vielleicht wird ja ausnahmsweise doch mal etwas besser – OK, nach Bush wird zwangsläufig alles besser, aber das ist ein anderes Thema :-).
Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ausgerechnet die Amerikaner einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt haben. Wer hätte das gedacht? Muss ich vielleicht mein Bild vom amerikanischen Rassisten revidieren? Selbst Iowa (!) hat Obama den Vorzug gegeben.
Das lag bestimmt an Slipknot – die kommen ja da her und haben die tumben Bauern dort aufgerüttelt :-).
Ich befürchte ja, dass er langfristig sinnvolle Reformen anschiebt, die natürlich nicht sofort Früchte tragen und die Wähler nächste Wahl wegen der immernoch kaputten Wirtschaft wieder wechseln.
Diese Wahlzyklen verhindern für mich weitsichtige Politik, eine bessere Alternative habe ich aber leider auch nicht.
@45 Rudi
Ich auch noch ;-)
Ich komme gerade von einer Wahlparty und durfte dort Amerikaner sehen, die sich wie kleine Kinder gefreut haben. Nett ;-)
Dem Thema werde ich aber (heute?) sicher noch einen Artikel widmen.
mit müden, verquollenen Augen… bin ich trotz allem froh und hoffnungsvoll.
Natürlich kann niemand Wunder erwarten von Obama; er ist Teil des Empires (http://tinyurl.com/6×2bmq) und all seine Ausstrahlung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein schweres Erbe übernimmt. Doch das sind Phrasen wie ich sie heut Nacht 100erte Male hörte…
Sein Gepäck ist Hoffnung. Und ich wünsche ihm, dass ihm das nicht zu schwer wird.
Er ist die Figur im Rampenlicht; es bleibt abzuwarten, ob sich die Strippenzieher im Weißen Haus und in der Wirtschaft auf (s)einen neuen Weg wagen.
Dieser Tag könnte der Anfang einer Hoffnung sein. Mehr noch nicht.
In Krugmans Worten:
also den symbolischen Wandel haben die US-Amerikaner geschafft – schön wäre es wenn auch die so selbstgerechten Europäer es hinkriegen würden – hoffen wir, dass es auch zu einem inhaltlichen Wandel kommt, so wie es die Menschen in den USA wollen.
Angesichts der deprimierenden Resignation hier teile ich gerne die Freude der US-Amerikaner. Europa, besonders meine beiden so genannten Heimatsländer, sehen heute in der Tat alt aus.
Ja woll, was wir eigentlich alle schon vorher gewusst haben, hat sich heute nun bewahrheitet. Jetzt es der Obama Präsident! Gott sei Dank!
Übrigens: Es gibt keine “deutsche Winterzeit”. Gemeint ist wohl die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Dieser wird im Sommer eine Stunde zugerechnet, was dann Sommerezeit genannt wird (MESZ).
Wenn du einen Artikel schreibst Jens, dann gehe auch bitte auf die bisher nicht vorhandene Strategie des US-Präsidenten, seinen durch US-Finanziers und Elitebünden gereichten Paradigmen und der bisher ersten Lüge des US-Präsidenten Obama ein:
Es hätte in einer Hinterhofgarage angefangen!
Und scheue dich mal nicht davor die Beziehungen zu dem Hauptfinanzier Soro und den von uns bereits scharf diskutierten Brezinzki in den Vordergrund zu stellen. Die gleiche um Soro hat damals den European Council on Foreign Relations finanziert. Also eine Vereinigung die uns näher steht als wir denken und stark von Obamas Politik beeinflusst werden wird. Die Frage danach wer Obama beeinflusst lasse ich mal im Raum stehen. Diese in den vergangen Tagen beleuchteten Eliteverknüpfungen, die Teilnahme Obamas am Bidlerbertreffen etc. sind sicherlich Strukturen die auf eine weltlich gerichtete Finanzierpolitik blicken lassen. Ein Gutes hat es für Obama sich mit Rockefeller, Bernake und Paulson zu einigen, er hat die größten Mächte der US-Finanzwelt neben sich stehen!
In erster Linie wurde Bush samt Administration abgewählt – und das ist die gute Nachricht. Und auch, daß es ein Afroamerikaner geschafft hat, nach Jahrzehnten der (immer noch latent vorhandenen) Rassendiskriminierung Präsident der USA zu werden. Der frenetisch zu nennende Jubel in allen deutschen Medien und in vielen Kommentaren über die Wahl Obamas erscheint mir allerdings ziemlich naiv und blauäugig zu sein, vor allem, da sein Programm (soweit man es überhaupt kennt!) sich im Wesentlichen wenig von dem McCains unterscheiden wird. Eine “neue Weltordnung”? Pustekuchen.
Bush kaputt!
@53
du hast einerseits recht, Obama ist kein Messias, zu gutem Teil nur ein Medienprodukt, wie alle anderen politischen Figuren, die in unseren Gesellschaften in Machtpositionen kommen. In meinen Augen ist er aber nicht nur das: Er steht tatsächlich für einen konkreten Wandel, den die progressive, liberale und linke Basis, die ihn getragen hat, auch will. Ich habe dazu einen vielsagenden Artikel von einem US-amerikanischen marxistischen Blogger gelesen, der gewiss keinerlei Naivität in bezug auf die realen politischen Gestaltungsmöglichkeiten Obamas zeigt, aber dennoch seine Hoffnung ausdrückt, auch wenn der ‘Wandel’ hier
realpolitisch nur zu einem bloßen Korrigieren der Auswüchse neoliberaler/neokonservativer Politik schrumpft.
“Speaking for myself, and risking the wrath of my many ultraleft friends, I for one would be very happy to see Obama carry out the program his rightwing opponents are frothing at the mouth at.”
@sawo
manchmal ist es auch ganz schön, naiv und blauäugig zu sein. Selbst wenn der Verstand einem sagt, dass die Verzückung bald nachlassen wird. Ich habe mich heute Nacht zum zweiten mal in diesem Jahrtausend als Amerikaner gefühlt. :-)
Zur Einordnung von Obamas Programm empfehle ich Thomas Fricke:
http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Thomas-Fricke-Obama-goes-Oskar/432941.html
Dass der Mainstream normalerweise kommentiert “er wird gar nicht so viel ändern können” ist m.E. zum großen Teil damit zu erklären, dass die Angst vorherrscht, vom Wandel überrannt zu werden.
Als damals der Sozialismus zusammenbrach, war Gorbatschow in der DDR ein Hoffnungsträger. Und was war “Gorbis” Parole? Glasnost und Perestroika. Offenheit und Wandel. Change. Zufall.
Übrigens noch eine Parallele. In Berlin sprach Obama von seiner Hoffnung auf eine Atomwaffenfreie Welt.
Dann sind wir mal gespannt auf die Erfüllung der kenianischen Prophezeiung:
- Prophet Of Barack Obama Warns Of Catastrophic US Destruction
Prophezeiungen dienen natürlich eher der zweckmäßigen und geplanten Selbsterfüllung (Vorbereitung von Gog & Magog). So auch hier:
- Colin Powell warnt vor kommender Krise “über die wir im Moment nicht einmal Bescheid wissen”
- Joe Bidens aufschlussreiche Warnung vor der Zukunft
- Mehr Informationen zu kommenden »Schocks« und über die Warnungen von Powell und Biden
Als ob also die natürlich unvermeidliche Krise nicht bewußt gerade jetzt herbeigeführt worden wäre… ;)
@Carla
Du liest wohl kein Internet ;-)
Hier haben fast alle gewußt, dass es Obama nicht werden kann, da die Wahlcomputer, die Klansmen, die Medien und wer nicht sonst alles, etwas gegen ihn haben ;-)
Ich erinnere mich noch sehr gut an den frenetischen Jubel als Rot-Grün Kohl ablöste und die vielen Hoffnungen auf eine sozialere Politik. Das Gegenteil ist eingetreten. Obama mag eine dunklere Hautfarbe haben, doch er ist kein Pastor und er kommt aus der ohnehin priviligierten Schicht.
Aber warten wirs ab…
@ 59 Jens:
Hier haben fast alle gewußt, dass es Obama nicht werden kann, da die Wahlcomputer, die Klansmen, die Medien und wer nicht sonst alles, etwas gegen ihn haben ;-)
Die Mühe hat man sich gespart, weil doch im Jahre 2012 der Planet Nibiru (die Heimat der Nephilim) nach 3600 Jahren wieder an der Erde vorbeirast und diese zerstört. Vom Südpol aus, ist der Planet bereits sichtbar, was jedoch nachrichtentechnisch von der NASA unterdrückt wird. Aus einem Bohrloch in Sibirien dringen bereits die Schreie der Hölleninsassen. Abgesehen davon, ist der Planet ohnehin eine erst 10000 Jahre alte, hohle Scheibe. ;-)
Hauptverbreitungsgebiet dieser “Theorien” sind übrigens in erster Linie die USA. Bis auf die Geschichte mit dem Bohrloch, die sich ein Norweger ausgedacht hat, um die Leichtgläubigkeit gewisser usamerikanischer Kreise, respektive Medien zu testen. :-)
Nach Meinungsumfragen glaubt übrigens angeblich mehr als die Hälfte der USamerikaner, daß die Erde erst 10000 Jahre alt ist.
Jux beiseite: daß es Befürchtungen bezgl Wahlunregelmäßigkeiten bis hin zur Fälschung gab, ist doch wohl nachzuvollziehen, wenn man daran denkt, was bei Bushs erster “Wahl” so passiert ist. Auch diesbezüglich waren die Befürchtungen in Amiland am größten. Man sollte das also nicht als Spinnerei vom Tisch wischen (auch wenns Spaß macht, siehe oben. ;-) ).
@Fiend
So war das auch nicht gemeint ;-)
Klar haben die USA ein praktisches Wahlsystem, wie ein Drittweltland und die Fehler tauchen meist dort auf, wo “arme” Menschen leben, was v.a. die Demokraten benachteiligt. Auch gibt es immer wieder kleinere Betrügereien – geschenkt.
Die zentrale Aussage unserer Freunde von der VT-Front war ja, dass “Diebold” es nie zuslassen würde, das Obama Präsident wird. In den letzten Wochen haben sie freilich umgelernt – nun ist Obama der Kandidat der Weltverschwörer. Diese Version, die zukünftig vorherrschen wird, schließt natürlich den Kreis zwischen den Rechten, den Ultrarechten und den Truthern, der sich ja auch in anderen Bereichen (Haider”mord” usw.) andeutet. Ein recht dubioser Sumpf tut sich da auf.
“Aber warten wirs ab…”
ja das sollten wir, der für viele Linke, oder die sich dafür halten, typische Fatalismus bringt niemanden weiter
der politische Wechsel ist nicht folgenlos, gerade bei denen, den Progressiven, die massiv für den Wechsel durch Obama gearbeitet haben, die Basis, auf der auch meine Hoffnungen und mein Optimismus beruhen, geht jetzt die Diskussion darüber los, worin konkret dieser Wandel bestehen kann, zB beim Umgang mit der Finanzkrise, was wird die Obama Regierung tun, um die strukturellen und persönlichen Voraussetzungen zu ermitteln, die dazu geführt haben? Das wird nicht einfach sein, da das demokratische Establishment kräftig darin involviert ist
“And standing too close to the old order does not seem very promising. Given this country’s deformities of power, the president usually needs the establishment’s help to prevail or at least avoid open warfare on important matters. Given the extreme circumstances Obama would inherit, he may face a very different calculation. If the old financial order is at the heart of the economic problem, would the president be better off protecting it or trying to disturb its power and cut its institutions down to size? For the first time in many decades, it may be smarter politics to confront the “malefactors of great wealth” (as FDR called them in the 1930s) and force major reforms of their behavior. Does Obama have the guts for such a dramatic confrontation? We don’t yet know. But we do know it took a lot of nerve for a young African-American man with a different vision of the country to run for president when the reigning elders told him it was not his turn. ”
http://www.thenation.com/doc/20081117/greider
interessant ist auch die Sicht von Paul Krugmann von der Entwicklung der Republikaner nach dieser Niederlage. In seinen Augen wird sich die Partei weiter nach rechts radikalisieren, ein Sammelbecken von Rechtskonservativen werden, ideologisch durch das Selbstbild des ‘real america’ zusammengehalten.
http://www.nytimes.com/2008/11/03/opinion/03krugman.html
Meine Güte, Euch scheint der Obamawerbefilm mit seinen bunten Bildchen, trotz aller jetzt schon verfügbaren Quellen, auch das Hirn gewaltigt vernebelt zu haben…
Wenn ich mir anschaue, bei wem da alles auf einmal der kollektive Gottesjubel ausbricht, kann man wirklich nur noch auf eine Idee kommen: TV Stream fürs Tittytainment im Dauerabo freischalten.
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57381
ja, da stellt sich dann nur noch die Frage, ob eine US-Regierung unter Obama sich auch an den Vorgaben eines deutschen Think Tank hält
@67 salvo
Natürlich – Obama taugt momentan als Projektionsfläche für so ziemlich alles ;-)
@Siegelfechter:
Könntest du uns vielleicht noch die Quelle für das Lafontaine/Krugman -Zitat geben. Ich konnte leider nichts finden.
Danke.
@ 63 Jens:
Die zentrale Aussage unserer Freunde von der VT-Front war ja, dass “Diebold” es nie zuslassen würde, das Obama Präsident wird. In den letzten Wochen haben sie freilich umgelernt – nun ist Obama der Kandidat der Weltverschwörer. Diese Version, die zukünftig vorherrschen wird, schließt natürlich den Kreis zwischen den Rechten, den Ultrarechten und den Truthern, der sich ja auch in anderen Bereichen (Haider”mord” usw.) andeutet. Ein recht dubioser Sumpf tut sich da auf.
Das ist eben die Gefahr, wenn man sich intensiv mit sogenannten VTs beschäftigt. Daß es Verschwörungen gibt, ist klar. Nur bedeutet das eben nicht, daß hinter jedem Ereignis automatisch eine solche am Werk ist, wie die Gegenpole Wischn./Kellerbauer – jeder auf seine Weise – vermuten. :-)
Es gab bekanntlich Befürchtungen, daß Bush sich eher zum Diktator auf Lebenszeit ernennen (lassen) würde, als daß er, respektive die GOP zuließe, die Macht zu verlieren. Dabei ist solch grobes Vorgehen überhaupt nicht nötig, wenn beide Kandidaten von den gleichen Kräften unterstützt werden. Das Prinzip, das bspw. in D die Wahl zwischen wirklichen Alternativen aufgehoben und durch die Wahl simulierter Gegensätzlichkeiten ersetzt hat, stammt bekanntlich aus den USA, bzw. ist dort entwickelt worden. Obama stammt aus den üblichen Kreisen, die üblicherweise die Präsidentschaft unter sich ausmachen. Seine Sozialisation setzt ihm natürliche Grenzen, die er nur schwer überwinden wird können.
Obama wird den Einfluß des militärisch-industriellen Komplexes ebensowenig beseitigen können, wie Schröder/Fischer die Prohibition von Hanf aufgehoben haben. Stattdessen gabs unter Rot-Grün HartzIV und Leiharbeit.
Die Cons in der GOP haben sich den Einfluß auch ohne Bush langfristig gesichert. Am obersten Gerichtshof wird bekanntlich auf Lebenszeit praktiziert. Das Heimatschutzministerium wird weiterbestehen und der Patriot Act kaum aufgehoben werden. Stattdessen wird der Krieg weitergehen und die entsprechenden Leute werden weiter Geld verdienen. Das sogenannte Rettungspaket ist über die Abwahl Bushs hinausdatiert und wird Obama wirtschaftspolitisch die Hände binden.
Eine Wahlfälschung – sofern überhaupt jemals geplant – wäre daher völlig überflüssig gewesen. Obama besitzt kaum politischen Spielraum, weil Bushs Erbe jede Inititative im Keim ersticken wird.
apropos Oberstes Gerichtshof, also Verfassungsgericht
genau dort ergeben sich für eine Obama Regierung Möglichkeiten, da einige Richter sich auf Grund ihres hohen Alters während der Legislaturperiode Obamas wohl werden zurückziehen.
Zumindest ist jetzt gesichert, dass diese frei werdenden Positionen nicht von Rechtskonservativen besetzt werden.
http://www.sueddeutsche.de/politik/675/315565/text/
@70 Fiend_THeyde
>> Obama stammt aus den üblichen Kreisen
Also nur weil er in Harvard studiert hat, ist er in Wirklichkeit ein Rechtskonservativer?
>> Seine Sozialisation setzt ihm natürliche Grenzen, die er nur schwer überwinden wird können.
Ja, bevor er Senator wurde arbeitete er in Chicago als Bürgerrechtsanwalt und lehrte an der dortigen Uni Verfassungsrecht. Welche “natürlichen Grenzen” setzt ihm das Deiner Ansicht nach?
>> Die Cons in der GOP haben sich den Einfluß auch ohne Bush langfristig gesichert.
Ausser Filibustern haben die Republikaner ab dem kommenden in Washington gar nichts mehr zu sagen. Das mit dem Obersten Gerichtshof hat Salvo ja schon erklärt.
>> Obama besitzt kaum politischen Spielraum, weil Bushs Erbe jede Inititative im Keim ersticken wird.
Das sehe ich anders, aber ich bin zugegebenermaßen auch Optimist ;-)
Alleine das Versprechen, die Steuererleichterungen für Superreiche nicht zu verlängern und gleichzeitig die Altersvorsorge von Geringverdienern geringer zu besteuern zeigen, welche Richtung er einschlagen wird. Größeren Einfluss auf das Steuersystem kann er als Präsident allerdings auch nicht ausüben.
Deiner Schlussfolgerung, die ich heute und in den letzten Tagen des öfteren in einschlägigen Foren lesen musste, kann ich nicht zustimmen. Alleine die Art von Obamas Wahlkampf (und ich rede nicht von ästhetischen Fragen) lässt das Gegenteil vermuten.
Hier scheint wirklich jemand zu stehen, der den Willen besitzt, im Argen liegende Dinge zu verbessern. Das mit seinem Amtseintritt nicht das Paradies auf Erden entsteht, hat er selbst mehrfach betont. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal einen Präsidentschaftskandidaten in dieser Form, von Bescheidenheit und Aufrichtigkeit sprechen gehört zu haben.
Jens
Zu 72 Jens-Flens:
Tja, es gibt allerdings durchaus auch das Bild sehr stark trübende Vorkommnisse. Ich erinnere an Obamas Zustimmung zur _rückwirkenden_ Legalisierung der Datenweitergabe an Geheimdienste durch amerikanische Telekommunikationsunternehmen.
Ich würde sagen: Schau’ ‘mer mal. An seinen Taten sollten wir ihn messen.
An SF:
Ich hätte auch starkes Interesse an einem Link zur Krugman/Lafo-Sache. Ich kenne so viele eigentlich intelligente Leute, die sich enorm durch die ganzen Medien-Kampagnen beeinflussen lassen. Ein Link zu der Krugman-Sache wäre tolle “Munition”.
@70 Fiend
Jein – in den USA gab es lange ausgeprägtere politische Strömungen, die durch das Mehrheitswahlrecht verstärkt wurden. Die Kapitulation der deutschen Politik vor einer Ideologie würde ich nicht in diesem Zusammenhang sehen. Gerade das Beispiel Wirtschaftspolitik zeigt, wie flexibel die USA im Vergleich zu Deutschland seien können … wenn sie wollen.
Weil er in Harvard studiert hat? In den USA sind es nun einmal nicht Lehrer und Verwaltungsbeamte, die die politische Klasse stellen. In GB und Frankreich wirst Du auch nur Absolventen von Elite-Unis in den oberen Klassen der politischen Eliten finden.
@Karsten Bier
-> Lafonatine-Zitat
Das habe ich wohl “leider” aus dem Blätterwald – ich habe aber sowohl Krugman, als auch Lafontaine angeschrieben. Wenn ich Antwort bekommen, werde ich sie hier in diesem Thread posten.
ich warte auch ganz sehnsuechtig ;)
@75 Jens:
Jein – in den USA gab es lange ausgeprägtere politische Strömungen, die durch das Mehrheitswahlrecht verstärkt wurden. Die Kapitulation der deutschen Politik vor einer Ideologie würde ich nicht in diesem Zusammenhang sehen.
Naja, da die Ideologie in den Staaten ausgebrütet wurde, ist der Zusammenhang sehr wohl gegeben. Natürlich mit deutscher Gründlichkeit umgesetzt. ;-)
Was eine gute Überleitung zu Punkt 2 darstellt.
Gerade das Beispiel Wirtschaftspolitik zeigt, wie flexibel die USA im Vergleich zu Deutschland seien können … wenn sie wollen.
Nun, die US-Regierungen haben zwar ebenfalls dereguliert, ausgesourct und “fit gemacht”, aber sich daneben stets protektionistisch verhalten, sobald es um usamerikanische Interessen ging, während die deutschen Regierungen sich stattdessen mit ideologischem Feuereifer dem Marktradikalismus ergeben haben, ohne nach dem Nutzen zu fragen. Du hast also völlig recht, was die Flexibilität betrifft. Deshalb tun sich Merkel&Co. auch so schwer mit dem usamerikanischen Krisenmanagement. Die haben das ideologische Wortgetöse ernstgenommen und sind dementsprechend verunsichert.
Weil er in Harvard studiert hat? In den USA sind es nun einmal nicht Lehrer und Verwaltungsbeamte, die die politische Klasse stellen. In GB und Frankreich wirst Du auch nur Absolventen von Elite-Unis in den oberen Klassen der politischen Eliten finden.
Ganz genau! Deshalb! Ich erwähnte das nur, weil es Leute gibt, die aus Obama so eine Art Martin Luther King reloaded machen wollen. Das ist Obama ganz bestimmt nicht. In D findest du bspw. sehr viele Rechtsanwälte in den Parlamenten, was erklärt, weshalb gegen das Abmahnunwesen wenig bis gar nichts unternommen wird, denn Anwälte profitieren in erster Linie davon.
Obamas Sozialisation wird ihm in ähnlicher Weise Grenzen setzen. Obama ist auch nicht schwarz, sondern hat nur eine dunklere Hautfarbe als andere. Mit den Schwarzen, die in Slums und unter Brücken hausen, respektive aus ihren Wohnungen in New Orleans vertrieben wurden, verbindet ihn genausoviel wie Bush, nämlich gar nichts. Ob er diese Grenzen überwinden kann, wird man sehen. Man möge mir allerdings verzeihen, wenn ich diesbezüglich ein wenig skeptisch bin. :-)
Und wie gesagt: Bush ist zwar endlich weg, aber seine “Errungenschaften” bleiben. Ebenso der Apparat, den die GOP in den letzten Jahren aufgebaut hat. Clinton galt ebenfalls als Hoffnungsträger… das Ergebnis ist bekannt.
@Jens: Es gab offensichtlich keine Antwort bezüglich des Krugman/Lafontaine-Zitates, oder?