Das Prinzip Hoffnung

05. November 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Hoffnung ist nicht nur Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Der deutliche Sieg von Barack Obama hat den USA und der Welt die Hoffnung wiedergegeben – die Hoffnung auf eine zivilisierte Weltmacht USA, die Hoffnung auf eine verantwortungsvolle Weltmacht USA, die Hoffnung auf einen Wechsel. So unterschiedlich die Wünsche und Sorgen der Menschen sind, so unterschiedlich sind die Erwartungen, die in den neuen Präsidenten gesetzt werden. Es ist vollkommen klar, dass er nicht all diese Erwartungen erfüllen kann – es wäre auch vermessen, dies einzufordern. Obamas Sieg ist aber mehr als nur der Erfolg eines charismatischen Afroamerikaners, der die Bush-Ära zu Grabe trägt – der Sieg steht vielmehr im Zeichen eines Paradigmenwechsels. Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt Kennedys hat das liberale progressive Amerika die Möglichkeit, Politik zu gestalten. Unweigerlich stellt sich dabei die Frage, wie wandlungsfähig und –willig das System überhaupt ist.

Barack Obama hat noch 77 Tage Zeit, sich auf das mächtigste und wichtigste Amt der Welt vorzubereiten. Diese Zeit muss er nun nutzen, um aus den wohlfeilen Wahlkampfslogans konkrete Politikansätze zu machen, ohne den Spirit seiner Unterstützer zu sehr abzukühlen. Wenn es je einen Moment gegeben hat, an dem das liberale Amerika Änderungen durchsetzen kann, dann jetzt. Die Demokraten haben die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, der Wille etwas zu ändern, hat mit Obamas Sieg eine klare Legitimierung vom Wähler erhalten und die Medien sind dem neuen Präsidenten noch wohl gesonnen. Die politische Gegnerschaft ist derweil in eine tiefe Selbstfindungskrise versunken. McCain taugte nicht als Bewahrer der konservativen Werte, die Vertreter religiös-konservativer und neokonservativer Strömungen sind nicht einmal im Ansatz mehrheitsfähig und Hoffnungsträger eines konsensfähigen Konservativismus sind am Horizont nicht zu erkennen. Einen derart positiven politischen Gestaltungsrahmen hatte kein demokratischer Präsident seit Kennedy.

So positiv der politische, so negativ ist der fiskalische Gestaltungsrahmen. George W. Bush hat das Land nicht nur moralisch, sondern auch ökonomisch abgewirtschaftet – die Staatsschulden haben exorbitante Dimensionen erreicht und die Finanzkrise mitsamt der folgenden Rezession haben ein wirtschaftliches Umfeld entstehen lassen, das keinen großen Spielraum für kostspielige Wohltaten bietet. Nach acht Jahren Abstinenz werden die demokratischen Abgeordneten Obama in seinen ersten Amtsmonaten mit aufgeschobenen Wünschen bombardieren. Das politische System der USA ist ein System des Gebens und Nehmens. Wenn Obama mit seinen ambitionierten Plänen nicht im Dickicht der Checks & Balances stecken bleiben will, muss er das System gut geschmiert halten. In Zeiten knapper Haushalte wird dies ein Kunststück sein. Der „Wind of Change“ könnte sich in den tristen Korridoren der Bürokratie schneller zu einem lauen Lüftchen abschwächen, als es die euphorisierten Wähler wahrhaben wollen.

Die Aufgabe, das abgewirtschaftete Land wieder auf Vordermann zu bringen, gleicht dem Ausmisten der Ställe des Augias. Ein nachhaltiger Wechsel ist nur möglich, wenn Obama eine stabile Kehrtwende in fast allen Bereichen der Politik vollzieht. Vor allem auf dem Feld der Finanzpolitik sind da berechtigte Zweifel angebracht. Außenpolitisch stehen die USA vor einem Trümmerfeld. Die Hybris ihrer Führer hat die USA in eine tiefe Krise manövriert. Das amerikanische Imperium ist in den letzten zehn Jahren rapide von einer Überdehnungsphase in eine Erschöpfungsphase, und schließlich in eine Abstiegsphase übergegangen. Dieser Prozess ist irreversibel, die USA stehen vor der Wahl, friedlich und ohne größere Erosionsprozesse Teil einer multipolaren Welt und bestenfalls ein „primus inter pares“ in der Völkergemeinschaft zu werden, oder aus ihrem Abstieg einen Absturz zu machen und verbrannte Erde zu hinterlassen. Die Chancen auf einen kontrollierten Abstieg, der die Welt nicht in Trümmern hinterlässt, sind unter Präsident Obama größer als unter jedem anderen Kandidaten. Dies stellt die USA jedoch vor eine Zerreisprobe.

Nixon soll einst gesagt haben: „Nur ich konnte die Truppen aus Vietnam holen, ohne einen Putsch von rechts auszulösen.“ Die Frage, was Obama überhaupt erreichen kann, hängt wohl vor allem von Obamas Fähigkeit ab, die rechten Eliten des Landes mit einzubinden. Gerade als afroamerikanischer Liberaler steht er da vor einer sehr schweren Aufgabe. Dass er das System bändigen will, steht außer Zweifel - ob er das System überhaupt bändigen kann, ist indes zu bezweifeln. Seine einzige Chance liegt in der messianischen Begeisterung, die er auszulösen vermag. Wenn er den „Spirit“ des Landes hinter sich hat, wird er das abgewirtschaftete Establishment vor sich hertreiben und einen echten „Wechsel“ herbeiführen können. Wenn er allerdings den „Spirit“ nach den ersten Rückschlägen verliert, wird Obama nur ein weiterer Präsident unter vielen sein, der den Kampf gegen das System verlieren wird. Der letzte Präsident, der das System bändigen konnte, war Franklin D. Roosevelt, dessen „New Deal“ auch nur dank einer moralisch und ökonomisch abgewirtschafteten Gesellschaft durchgesetzt werden konnte. Auch Roosevelt konnte den „Spirit“ des Volkes hinter sich vereinen.

Wenn es überhaupt einen Kandidaten gibt, der etwas zum Positiven ändern kann, so ist dies Obama. Das heißt nicht, dass sich nun alles zum Guten ändert. Auch Obama wird Kriege führen, auch Obama wird geostrategische Machtpolitik betreiben, auch Obama wird Konzessionen an das Establishment machen müssen – Obama ist ein Teil des Systems, das er ändern will. Ein Präsident McCain oder eine Präsidentin Clinton wären aber in jedem Falle die schlechtere Wahl. Mit der Amtseinführung des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten wird es keinen „Reset“ geben, nach dem nichts mehr so ist, wie es mal war. Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Wir wissen heute nicht, wie es ausgehen wird, aber wir haben die Gewissheit, dass der Wahlsieg Obamas einen Sinn hat. Mehr kann man realistisch nicht einfordern.

Jens Berger

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  1. [...] Hoffen wir, dass er das wirtschafts-, finanz-, sozial,- und außenpolitische Desaster, das ihm von selbstgerechten, größenwahnsinnigen und verantwortungslosen Republikanern hinterlassen wird, in den Griff bekommt. [...]


  2. 2 · Obaaaama » [gehirnstürm] am 5. November 2008 um 20:36

    [...] Der Spiegelfechter: Das Prinzp Hoffnung [...]


  3. 3 · This is your victory | F!XMBR am 5. November 2008 um 22:36

    [...] wird niemals all die Hoffnungen erfüllen können, da müssen wir uns nichts vormachen. Es wird mindestens beide Legislaturperioden [...]


  4. 4 · Versprechen | Rappelsnut am 6. November 2008 um 11:13

    [...] Lesenswerter Verweis zum Thema: Das Prinzip Hoffnung. [...]


  5. 5 · zoom » Aus dem politischen Orbit geflogen… am 6. November 2008 um 18:39

    [...] Obama” verweise ich auf die Nachdenkseiten und zum “Prinzip Hoffnung” auf den Spiegelfechter mitsamt der guten, sowie besseren und schlechteren [...]


  6. 1 Million Botschaften an Obama! | …de messages pour Obama!…

    Weltweiter Aufruf der internationalen Nichtregierungsorganisation avaaz.org
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    Avaaz ist ein aus der amerikanischen zivilgesellschaftlichen Friedens-, Rechte- und Demokratiebewegung hervorg…


  7. [...] Jens Berger warnt ebenfalls vor zu großen Erwartungen. Hoffen und “change we can believe in” [...]


  8. [...] PS 2.: Einen gelungenen Beitrag mit ähnlichem Tenor finden Sie auf dem Spiegelfechter. [...]


Kommentare:

  1. · Schwitzig am 5. November 2008 um 18:16 - Permalink

    @Sf Danke - ein sehr lesenswerter Beitrag.


  2. · Jens-Flens am 5. November 2008 um 19:00 - Permalink

    @SF Eine gute Analyse.

    Beeindruckend finde ich auch den internationalen Vertrauensvorschuss, mit dem Obama begegnet wird.

    Wir Deutsche mit unseren langweiligen Politikern sind ja oft leicht zu begeistern. Aber die Reaktionen vieler Menschen von denen ich gelesen habe, ob in Südamerika, China, Frankreich, Großbritannien und sogar im Nahen und Mittleren Osten, sind zum übergroßen Teil positiv und erwartungsfroh.

    Israel ist skeptisch, das kann ich verstehen. Was ist nicht verstehe, sind die aktuellen Töne aus Russland. Statt mit diplomatischen Wohlwollen knallt Medwedew dem neuen Präsidenten am Tag nach dessen Wahl Kurzstreckenraketen vor die Füsse.

    Russland fühlt sich sicher zurecht durch den “Raketenschirm” in Polen bedroht, keine Frage. Aber diese Provokation ist nicht auf Obamas Mist gewachsen. Dieses neue Gegenaufrüsten schränkt Obamas Optionen von Anfang an ein - und das ohne Not.

    Von daher finde ich den Ton und den Zeitpunkt von Medwedews Auslassungen mehr als fahrlässig.

    Jens


  3. · Stumpi am 5. November 2008 um 19:12 - Permalink

    @Jens-Flens
    Ich bitte Dich, ein “change” wird es ja wohl kaum mit HypnObama für Russland geben.


  4. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 19:16 - Permalink

    @Jens-Flens

    Russland fühlt sich sicher zurecht durch den “Raketenschirm” in Polen bedroht, keine Frage. Aber diese Provokation ist nicht auf Obamas Mist gewachsen. Dieses neue Gegenaufrüsten schränkt Obamas Optionen von Anfang an ein - und das ohne Not.

    Wer Russland skeptisch gegenübersteht, hätte da folgende Erklärung parat: Russland hat kein Interesse an einer Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, da es so bessere Einflussmöglichkeiten auf Europa hat.


  5. · freerk am 5. November 2008 um 19:25 - Permalink

    @Jens Flens

    die harte Gangart der Russen mag überzogen sein. Aber Medwedews Rede bezog sich ausschließlich auf die US-Regierung bzw. -politik. Persönliche Attacken auf Obama gab es überhaupt nicht.

    Ich vermute, für Ihre Argumente dient Frank Nienhuysen’s SZ-Kommentar, welcher die Rede des Medwedews als persönliche Attacke auf den neuen US-Präsidenten umgedeutet hat. Das ist nix neues in den sog. “Qualitätszeitungen”.


  6. · war2palaces am 5. November 2008 um 19:42 - Permalink

    Viele Worte, nix Konkretes. Bis jetzt ist Obama lediglich ein begeisternder Redner, nicht so eine Dumpfbacke wie der jetzige Regierende.

    “Wir wissen heute nicht, wie es ausgehen wird, aber wir haben die Gewissheit, dass der Wahlsieg Obamas einen Sinn hat.”

    Einen Sinn hätte McCains Sieg auch gehabt. Fragt sich, ob nicht im Endeffekt den Gleichen:
    America first!


  7. · RWE-Matt am 5. November 2008 um 19:42 - Permalink

    Die Russen haben doch auch von dem achsotollen, gehypten Obama nix zu erwarten. Zudem kennen Sie doch einen von Obamas Beratern nur zu gut…Zbigniew Brzeziński


  8. · knt am 5. November 2008 um 19:49 - Permalink

    Ich kann die Begeisterung schon verstehen. Nach den langen Jahren Bush, wird jemand Präsident der erst im Nebensatz mit Krieg droht und ansonsten auf der Hoffnungsflöte ganz allerliebst den US-Amerikanischen Traum spielt. Nach dem Massenmörder Bush ist ein Rattenfänger Obama schon ein gigantischer Vortschritt!

    Schauen wir mal! Gerne werde ich zu geben das ich mich geirrt habe. Ich werde mich voller Demut entschuldigen mir eine Baseball-Kappe aufsetzen und eine Lobeshymne auf US-Amerika singen. Sobald gewiss ist ob US-Amerika in Rassenunruhen versinkt oder nicht. Sobalt gewiss ist ob Obama einen wirklichen Gerechtigkeitssinn besitzt oder auch nur das für Gerecht hält was Amerika nützt. Sobalt gewiss ist ob er das gleiche “change in washington” meint von dem schon Bush in seinem Wahlkampf geredet hat - oder vielleicht doch ein anders. Sobald ich weiß, ob das US-Millitär Budget halbiert wird oder nicht. Sobald ich weiß ob Guantanamo und all die anderen BlackSites bedinungslos geschlossen wird oder nicht - sobald werde ich mich entschuldigen. Bisdahin bleibt auch der charmante und begeisternde Obama ein potentieller Massenmörder.


  9. · Jens-Flens am 5. November 2008 um 20:03 - Permalink

    @SF 4
    Wer Russland skeptisch gegenübersteht, hätte da folgende Erklärung parat: Russland hat kein Interesse an einer Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, da es so bessere Einflussmöglichkeiten auf Europa hat.

    Hehe, diplomatisch ausgedrückt und vermutlich hast Du Recht.

    @Freerk 5
    die harte Gangart der Russen mag überzogen sein. Aber Medwedews Rede bezog sich ausschließlich auf die US-Regierung bzw. -politik. Persönliche Attacken auf Obama gab es überhaupt nicht.

    Nein natürlich nicht. Medwedew hat ihn gar nicht erwähnt, geschweige denn ihn zu seiner Wahl gratuliert. Ich bin Russland gegnüber nun wirklich nicht übermäßig kritisch eingestellt (streite mich da auch häufig mit meiner Frau :-), aber so ein Verhalten gehört sch unter Demokraten nicht. Ich unterstelle dabei, dass sich Medwedew für einen solchen hält.

    Den SZ-Kommentar hatte ich noch nicht gelesen (eben nachgeholt). OK, vielleicht ist der Zeitpunkt tatsächlich Zufall, wie Nienhuysen nahelegt. Aber bei Obama wird so ein Verhalten wahrscheinlich mit einem Augenrollen quittieren. Ist er doch auch angetreten, um diese Kalte-Krieg-Rethorik zu überwinden.

    Jens


  10. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 20:06 - Permalink

    @knt

    Schön geschrieben. Ich werde natürlich die Entwicklung aufmerksam verfolgen und Herrn Obama ebenso hart anfassen, wie jeden anderen, wenn er die *realistischen* Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, enttäuschen sollte.


  11. · U.H. am 5. November 2008 um 20:14 - Permalink

    Ich glaube auch nicht, dass die Russen viel von Obama erwarten und erwarten können.
    Zudem ist es glaube ich Strategie erst einmal auf stur zu schalten und der Regierung Obama’s den Vortritt lassen. Umschwenken kann man bei Bedarf immer noch.

    Wie ich finde auch zurecht, schliesslich haben die Amerikaner zur Deeskalation nicht beigetragen (Stichwort NATO-Osterweiterung, Anerkennung des Kosovo, orangene Revolution Ukraine und Rosenrevolution in Georgien und die Kaukasus-Krise) und auf Kompromisse im Falle des Raketenabwehrschildes, wie z.B. den Aufbau einer gemeinsamen Radaranlage in Aserbaidschan, wurden nicht eingegangen. Insofern wären durchaus die Amerikaner in der Pflicht zu zeigen, dass auch sie keinen neuen Kalten Krieg wollen.


  12. · knt am 5. November 2008 um 20:33 - Permalink

    @9: “Nein natürlich nicht. Medwedew hat ihn gar nicht erwähnt, geschweige denn ihn zu seiner Wahl gratuliert.”

    Na was erwartest du? Hat die Merkel - oder irgend ein anderer EU Staatschef - Obama schon in einer öffendlichen Rede gratuliert? Das war auch nicht irgendeine Rede am Rande eines Essens mit Lokal-Prominenz - das war DIE politische Grundsatzrede des russischen Präsidenten vor der versammelten politischen Elite der stolzen russichen Nation. Natürlich wurde Obama nicht erwähnt - genauso wenig wie die Merkel einen Staatschef in ihrer Neujahrsansprache gratulieren würde.

    Medewedw wird Obama schon gratulieren/gratuliert haben - wie man sowas nun mal macht: persönlich per Telefon. Lawrow scheint auch schon ein erstes Treffen der beiden am Rande des Weltfinanzgipfels am 15. November in Washington vorzubereiten.


  13. · Gast am 5. November 2008 um 20:34 - Permalink

    SUDANESE FOREIGN MINISTRY SPOKESMAN ALI AL-SADIG
    “We don’t expect any change through our previous experience with the Democrats. When it comes to foreign policy there is no difference between the Republicans and the Democrats.”

    Das beschreibt ziemlich gut meine Vorstellung von amerikanischer Aussenpolitik. Obama mag zwar besonnen sein und nicht gleich die Kriegskeule schwingen aber schließlich hat er für alles bestimmt ein Dutzend Berater, die im die Bauchschmerzen schon wegreden werden.


  14. · aquadraht am 5. November 2008 um 20:34 - Permalink

    @9 Schlecht informiert: Medwedjew hat Obama sehr wohl zu seiner Wahl gratuliert. Die Ankündigung der Iskander-Raketen war eine Reaktion auf die Aufstellung der US-Raketen. Jede Verzögerung oder Unterlassung einer Reaktion hätte Russland da in die Defensive gebracht, spätere Reaktionen wären immer stärker als speziell auf den neuen Präsidenten gemünzt interpretiert worden. Insofern zielt die russische Reaktion auf eine verfehlte und aggressive US-Politik, nicht auf eine spezielle Regierung. Und da sich Obama während seines Wahlkampfs nicht gerade diplomatisch gegenüber Russland geäussert hat, kann er zumindest nicht auf Leisetreterei hoffen, nur weil er gewählt worden ist.

    Ich möchte hier die übliche Brzesinki-Debatte nicht allzusehr aufrollen. Aber bei Putin ist sicher, bei Medwedjew wahrscheinlich, dass er sowohl Grand Chessboard als auch Second Chance gelesen, zumindest zur Kenntnis genommen hat. Gegen solche Vorstellungen von haben die Russen Pflöcke eingeschlagen. Unilateralismus ist mit ihnen nicht zu machen, und auch eine US-Nato-Beherrschungspolitik in Eurasien dürfte da nicht so ohne weiteres hingenommen werden. Es ist diplomatisch eher vernünftig, das so rechtzeitig klarzumachen, dass es kein Affront gegen eine gerade neue Regierung wird. So sind meiner Meinung nach auch die Russischen Äusserungen zum Kaukasus etc. zu verstehen. Es liegt an Obama, daraus Schlüsse zu ziehen.


  15. · Thomas am 5. November 2008 um 20:37 - Permalink

    RWE-Matt - Kommentar Nr. 7:
    Ich stimme Dir zu! Ende der 90er Jahre hatte Russland-Fresser Brzezinzki in einem Interview ausgeplaudert, daß er als Carters Sicherheitsberater gezielte Geheimdienst-Operationen gegen Afghanistan veranlaßte, um die Sowjetunion zum Einmarsch in dieses Land zu provozieren. Das US-Ziel: Man wollte der Sowjetunion ihr Vietnam bereiten.
    Afghanistan und die Welt leiden noch heute unter dem damals gezielt hochgezüchteten islamischen Fundamentalismus.


  16. · knt am 5. November 2008 um 20:40 - Permalink

    Abgesehen davon war auch die USA heute mit drohungen richtung Russland nicht zimperlich:

    Robert Gates sagt in seiner programmatischen Rede in der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden: “Ohne (Atomwaffen)Tests können wir weder eine zuverlässige Eindämmung sichern noch die Menge der Waffen reduzieren und diese modernisieren

    de.rian.ru...


  17. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 20:47 - Permalink

    @all

    Ach herrjeh, die Brzezinzki-Diskussion schon wieder ;-)

    Wo habt Ihr das eigentlich schon wieder her? Eigentlich wird doch nur in außenpolitischen Fachzeitschriften über ihn berichtet - und dann meist so kompetent, dass Ihr eigentlich nicht auf solche Gedanken kommen solltet.

    Ich sehe schon - da ist ein spezieller Artikel vonnöten.

    Jetzt nur soviel: Brzezinzki ist sicher kein “Russenfresser” - er vertritt allerdings idT eine distanzierte Linie gegen Russland. Jetzt einen neuen kalten Krieg herbeizureden, ist indes völlig falsch - Brzezinzki ist intelligent. Er ist so intelligent, dass er weiß, dass sich die USA einen neuen kalten Krieg weder leisten können, noch wollen. Zu seinen Reden und Taten aus der Vergangenheit: Er stand hinter der Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan - das war aber aus amerikanischer Sicht in den Zeiten des Kalten Krieges nicht eben dumm. Zum Boomerang wurde das erst, nachdem Reagan (Nachfolger von Carter, für den Brzezinzki gearbeitet hat) die Mudschaheddin hat fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel. Brzezinzki hat damals übrigens damals scharf dagegen opponiert.


  18. · transwarp am 5. November 2008 um 21:17 - Permalink

    Christian Malzahn…

    und mein Tag ist versaut….


  19. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 21:22 - Permalink

    @tranwarp

    Das “beste” an Obama ist, dass ihm Artikel des SPIEGELS vollkommen wurscht sein können ;-)

    Das natürlich nun die ganze deutsche Meinungsmacherszene mit Ratschlägen kommt, war klar - Malzahn, Steingart (auch der hätte Dir schon den Tag versauen können), Joffe und auch mein Freund Kornelius mussten natürlich schon ihren Sermon abgeben - aber damit verdienen sie schließlich auch ihr Geld.


  20. · Thomas am 5. November 2008 um 21:29 - Permalink

    SF - Kommentar Nr. 17:
    Zu Afghanistan: Das läßt sich nachlesen in Jürgen Roths Buch “Netzwerke des Terrors”.
    Brzezinski wurde in dem Interview darauf angesprochen, daß niemand der Sowjetunion damals glaubte, daß die USA verdeckte Operationen in Afghanistan ausführten bzw. unterstützten. Er wurde gefragt, ob er auch vor dem Hintergrund der negativen Folgen irgendetwas bereue. Das verneinte er, denn die Sowjetunion sei wunderbar in die afghan. Falle getappt.


  21. · Michael am 5. November 2008 um 21:37 - Permalink

    > Hoffnung ist nicht nur Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

    Das genau war der Satz, nach dem ich gesucht hatte, aber ums Verrecken nicht finden konnte.
    Die Dankesrede von Obama in Chicago hat mir, ehrlich gesagt, Tränen in die Augen getrieben (obwohl mir durchaus klar ist, daß der Präsident der USA keineswegs jene Macht zur Veränderung in den Händen hält, die man dem “mächtigsten Mann der Welt” gern unterstellt) - jetzt kann ich auch benennen, warum. - Danke, Jens.


  22. · zoom am 5. November 2008 um 21:38 - Permalink

    Jens, ein schöner Artikel. Eine Frage bleibt zumindest für mich an dich. Du hast geschrieben:
    “Die Hybris ihrer Führer hat die USA in eine tiefe Krise manövriert. Das amerikanische Imperium ist in den letzten zehn Jahren rapide von einer Überdehnungsphase in eine Erschöpfungsphase, und schließlich in eine Abstiegsphase übergegangen. Dieser Prozess ist irreversibel, …”
    Die Phasen mal beiseite gelassen - woher nimmst du die Gewissheit, dass der Prozess des Abstiegs irreversibel ist? Man kann das Modell des “overstretched imperiums” wohl aus der Geschichte des Römischen Reiches herauskristallisieren, aber wird die Geschichte der USA diesem Modell einfach folgen?


  23. · J. Berger am 5. November 2008 um 21:38 - Permalink

    Besonders dem letzten Abschnitt meine Zustimmung…wie war das:
    Würden Wahlen etwas ändern, wären sie längst verboten oder so.

    Allerdings bin ich schon gespannt, was für eine Bilanz in 4 Jahren gezogen wird.


  24. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 21:48 - Permalink

    @zoom

    Die Phasen sind dem Buch “Aufstieg und der Fall der großen Mächte” des englischen Historikers Paul Kennedy entnommen. Er hat Ende der 1980er eine umfassende Abhandlung über die Dynamik von Imperien abgefasst und (m.W. als erster Historiker) hierbei besonders die Ökonomie mit einbezogen. Eine der Kernthesen Kennedys ist, das diese Dynamik allenfalls kurzfristig außer Kraft aber nie zurückgedreht werden kann. Ich halte das auch im Falle des US-Imperiums für evident. Die Welt wird wieder in eine multipolare Phase eintreten, in der es vorerst keine neuen Imperien gibt.


  25. · Peter am 5. November 2008 um 21:51 - Permalink

    Danke für die gute Analyse der amerikanischen Wahlentscheidung. Ich bin auch gespannt, was Obama bewegen und ändern wird - besser als unter Bush wird es sicherlich. Allerdings hat Obama nun auch die Finanz- & Wirtschaftskrise vor der Brust, das wird ihm die Arbeit nicht gerade erleichtern.


  26. · Thomas am 5. November 2008 um 21:53 - Permalink

    Noch ein Nachtrag zu Brzezinski:
    In der Juli-Ausgabe der ‘Blätter für deutsche und internationale Politik’ erschien folgender Beitrag:
    “Die Welt als Schachbrett: Der neue kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski”.
    Diesen Beitrag gibts leider nur in der Print-Ausgabe.


  27. · zoom am 5. November 2008 um 22:00 - Permalink

    @spiegelfechter
    Vielen Dank für den Hinweis. Für mich ist allerdings immer noch die Absolutheit deiner Aussage “Dieser Prozess ist irreversibel” irritierend. Na, ja - man muss ja auch mal kraftvoll zubeißen ;-) Auf jeden Fall ein Punkt, den ich auf “Wiedervorlage” setze.


  28. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 22:19 - Permalink

    @Thomas

    Er wurde gefragt, ob er auch vor dem Hintergrund der negativen Folgen irgendetwas bereue. Das verneinte er, denn die Sowjetunion sei wunderbar in die afghan. Falle getappt.

    Damit hat er ja (wenn man die Ideologie einmal herausläßt) auch recht.

    In der Juli-Ausgabe der ‘Blätter für deutsche und internationale Politik’ erschien folgender Beitrag:
    “Die Welt als Schachbrett: Der neue kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski”.
    Diesen Beitrag gibts leider nur in der Print-Ausgabe.

    Den Artikel kenne ich nicht, aber alleine der Titel lässt mich zweifeln - die “Schachbrett-Doktrin” ist über zehn Jahre alt und wird von Brzezinski schon lange nicht mehr empfohlen. Seine Thesen aus den späteren Werken “The Choice” und “Second Chance” widerprechen der Schachbrett-Doktrin teilweise diametral. Bevor ich jetzt ins Detail gehe, verweise ich lieber auf den zu erwartenden Artikel über dieses Thema ;-)


  29. · postgrün am 5. November 2008 um 22:28 - Permalink

    “Unser” letzter Obama hiess Willy Brandt. Er konnte mit einer - moderat linken - Vision, nämlich “Mehr Demokratie wagen”, begeistern, egal wie sehr sie dann auch an den Klippen der Kalten-Krieg-Realität zerschellte und an Verschwörungen scheiterte.

    Seitdem gab und gibt es hier nur neoliberalen Zynismus a.k.a. “unideologischen Pragmatismus”, in allen Schattierungen - Kohl, Schröder, Merkel, rotgrün, schwarzrot, schwarzgrün, “Jamaika”. Und von links ein bischen Gestänkere und Gejammer dagegen, aber keine Vision davon, wie eine andere Welt aussehen könnte. Auch die derzeitige Linke nicht, als Partei. Einzelne wie Katja Kipping haben eventuell Visionen.

    Angeblich “linke” “soziale” Mainstream-Politik stellt sich in der Realität dann so abgefuckt und fertig dar wie die Agenda2010 oder die derzeitige (per definitionem, Spiegel Online!) Verschwörung in Hessen. Ypsilanti war schon zuviel an Idealismus.

    Und man muss ja nur die “Truther” und VT-Spinner hier in den Kommentaren betrachten, für die keine Spinnerei zu abwegig ist, die “Ihnen” jede ausserirdische übermenschliche Macht und Intelligenz und Raffinesse zutrauen, und deren “kritisches Denken” sich daher auch auch nebulöses Stänkern und Raunen in Internetforen beschränkt, denn was bringt es denn schon, sich da noch zu engagieren. Lieber “recherchiert” man auf den unseriösen Seiten rechtsradikaler Spinner nach, ob da nicht georg Soros und die Illuminaten die Fäden ziehen, und hält das dann noch für irgendwie “links”.

    Auf die Idee, vor einer Wahl mal bei ihren vor Jahren eingewanderten Nachbarn zu klingeln, um mit ihnen über Politik zu reden und sie zum wählen zu motivieren, würden solche Pfeifen wohl in hundert Jahren nicht kommen, mit oder ohne Obama. Auch würde hier kein türkischstämmiger Kandidat gewählt werden (klar, das wär ja auch nur ein Trick von IHNEN).

    Das kommt auch daher, dass in Luhmann-Deutschland politische Begeisterung, Emotionen, nach dem dritten Reich durch ein technokratisches Verwaltungssystem ersetzt wurden, in dem der Bürger alle vier Jahre über die Grundlinie abstimmt, und ansonsten sein Votum aber eher an der Supermarktkasse abgibt. Echte Partizipation ist hier schon lange nicht mehr gefragt. Volksentscheide werden ignoriert und abgeschafft. “Experten” wie Professor Sinn erklären den Bürgern lieber, was ihre Interessen sind. Und die armen Gimpel nicken dazu staunend.


  30. · firefly am 5. November 2008 um 22:29 - Permalink

    Während alle Welt in ihm einen Heiland sieht, gilt er in diesem Blog als Rattenfänger oder potentieller Massenmörder. Geht es vielleicht noch eine Spur extremer?


  31. · Thomas am 5. November 2008 um 22:41 - Permalink

    Nochmals zu Brzezinski und Afghanistan:
    Um Brzezinskis Bewertung zu schlucken, muß man m.E. viel mehr als nur die Ideologie außer Acht lassen. Brzezinski nahm 1979 billigend Hunderttausende oder gar Millionen von Toten, Verwundeten, Obdachlosen und Flüchtlingen (von den materiellen Schäden und dem starken Aufwuchs des islamischen Extremismus mal ganz abgesehen) in Kauf, um der SU eine “Vietnam-Schmach” zu bereiten. Und es juckt ihn heute nicht einmal.


  32. · superguppi am 5. November 2008 um 22:55 - Permalink

    Die US-Amerikaner wollen ihre Soldaten zurück aus Afghanistan und aus dem Irak. Die Bürger haben hohe Erwartungen und es bestehen Zweifel, ob Obama die Stärke besitzt, auf des Volkes Stimme zu hören. Leider haben Lobby-Vereine wie Heritage Foundation, Center for Foreign Relations, AIPAC, Bilderberg-Konferenz und weitere einen viel größeren Einfluss auf die Politik. Ist in Deutschland genauso.


  33. · aquadraht am 5. November 2008 um 22:55 - Permalink

    @SF: zu Brzesinskis Denke dies hier: welt.de/po... - und erzähle bitte nicht, der eiskalte Blutsäufer sei auf seine alten Tage emotional geworden. Das ist die irrationale konservativ-polnische Russophobie, gepaart mit dem Grössenwahn eines, der nie wirklich Amerikaner geworden ist. Und natürlich hasst er Putin, der ihm das Schachbrett umgeschmissen hat.

    Für Amerika kennzeichnend, und einer der Gründe für die durchschlagende ideologische Ausstrahlung Amerikas nach dem 2. Weltkrieg, war die Grosszügigkeit gegenüber den besiegten Feinden - und das war kein bzw. nicht nur Kalkül. Die CARE-Bewegung kam aus der Mitte der US-Bevölkerung und aus der Tiefe der US-amerikanischen Psyche. Einer der Gründe, warum ich immer wieder gern in den USA bin, ist die spontane Grossherzigkeit und Grosszügigkeit der Menschen aller Bevölkerungsschichten, ungeachtet der Engstirnigkeit, Unbildung, Provinzialität und Bigotterie und des allgegenwärtigen Hurrapatriotismus.
    Auch die Peace-Corps-Bewegung, mal abgesehen von den ideologischen Implikationen, war ein Ausdruck dieser Grossherzigkeit: Zehntausende meist junger Menschen haben da in fremden Ländern Arbeit geleistet, um nach ihrer Vorstellung zu einer besseren Welt beizutragen.
    Viele davon haben in den sechziger Jahren die Hippie- und Studentenbewegung und die Bewegung gegen den Vietnamkrieg mitgetragen und wurden als US-Amerikaner Vorbilder einer Generation.

    Das Verhalten der USA gegenüber Russland im Verlauf des Endes der UdSSR, das ganz wesentlich von Soros und Brzesinski beeinflusst war, zeigt dagegen eine Kälte und Grausamkeit, die den Geist des Generalplans Ost, von dessen geopolitischen Teilen Chessboard Game offenkundig beeinflusst ist, eher atmet als den einer Politik, die eine ganze Generation im Westen nach dem 2. Weltkrieg mit Amerika verbunden hat.

    Da wurde ja nicht einmal ein besiegter Gegner gedemütigt, sondern ein Land, das aus freien Stücken die alte Regierungsform abgeschüttelt, alle Eroberungen preisgegeben hat, weit über das hinaus, was etwa die Stalinsche Herrschaft errungen hatte, ein Land, das die Partnerschaft mit dem Westen gesucht hat und noch sucht. Und noch heute bedauert B. nur, dass es misslungen ist, das Land nach den Plänen Heydrichs weiter zu filettieren. Das ist eine US-Politik, wie sie nur bei den Narren im Baltikum und sonst in ein paar Ländern des “Neuen Europa” nicht die Alarmglocken klingeln lässt.

    Mal abgesehen davon, dass ich das Selbstlob, das in Afghanistan angezettelte Blutbad habe die UdSSR erledigt, genauso peinlich finde wie das der Reagan-Anhänger, jener habe die UdSSR totgerüstet.

    Nee, sag was Du willst, B. ist widerlich


  34. · Thomas am 5. November 2008 um 23:00 - Permalink

    Ich sehe bis zum Beweis des Gegenteils in Obama nur das kleinere Übel.
    Zweifel an einem wirklichen “Change” in der US-Politik wecken u.a. die überwiegende Finanzierung der US-Wahlkämpfe durch Privatspenden (so gehört z.B. die Wallstreet m.W. zu den Großpendern Obamas) und der starke Einfluß der Medienkonzerne auch (und vielleicht gerade) in den USA.
    Ich lasse mich jedoch gerne positiv überraschen.


  35. · Thomas am 5. November 2008 um 23:31 - Permalink

    aquadrat:
    Selbst wenn die These stimmen würde, der Afghanistan-Krieg habe die Sowjetunion erledigt, dann wäre dies in keinster Weise eine “Rechtfertigung” für den gefühlsmäßig stark untertemperierten Brzeyinski. Denn 1979 wäre selbst unter der Annahme einer Niederlage der SU in Afghanistan niemand auf die Idee gekommen, daß die SU deswegen zerfällt (abgesehen von den Gefahren für den Weltfrieden, hätte zu diesem Zeitpunkt ein Hardliner an der Spitze der SU gestanden).


  36. · Jonas Mayer am 5. November 2008 um 23:52 - Permalink

    Was soll daran toll sein, dass ein Führer einem Volk einen “Sinn” gibt? Inhaltsleerer geht es ja wohl kaum. Was ist denn der Inhalt von dem “Sinn”-Paket? Polemisch gesagt, hat Adolf Hitler seinem Volk auch einen “Sinn” gegeben. Kommt doch irgendwie auf den Inhalt an, oder?

    Inhaltlich stehen mit Obama harte Zeiten an. 160.000 Soldaten nach Afghanistan zum “Endsieg” gegen die Taliban - und jeder der sich auskennt weiß, dass dies nur geht durch einen Krieg gegen die Atommacht Pakistan (166 Millionen Einwohner also potentielle Opfer). Dafür hat Obamah die kriegerische Unterstüzung Europas gefordert (bei der Rede in Berlin, haben wohl alle überhört oder fanden das gut). Bei seiner Antrittsrede eben hat er gesagt, dass die Amerikaner patriotische Opferbereitschaft aufbringen sollen (super! kann sich jeder denken, wer da vor allem Opfer bringen soll, bestimmt nicht GM und co.). “Gemeinnutz geht vor Eigennutz” sozusagen, auch so ein Hitler-Zitat, ohne jetzt zu sehr in die Richtung abzugleiten. Außerdem hat er gesagt, dass die USA ihre Rolle als FÜHRUNGSMACHT der Welt wieder erfolgreich wahrnehmen soll - und der Rest soll sich der Führungsnation anschließen d.h. unterordnen. Das sind wahrlich schöne, “Sinn stiftende” Perspektiven.

    P.S. Ich verwette meine restlichen Lehman-Derivate darauf, dass es für die Armen in den USA eben keine bezahlbare und taugliche Krankenversicherung geben wird, weil das Geld für “wichtigere” Dinge (Kriege, Bankwesen, Wirtschaft) verwendet wird. Was bleibt? Sinn. Super!

    P.P.S. Außerdem sitzen in Obamahs Stab viele ausgewiesene Russenfeinde und Freunde der Freiheit und NATO-Mitgliedschaft Georgiens. Ich will mir gar nicht ausdenken, was uns in der Richtung noch alles blühen könnte.


  37. · Spiegelfechter am 5. November 2008 um 23:54 - Permalink

    @Jonas Meier

    Mhhh, nun sind wir schon bei Hitler-Vergleichen - nett ;-)

    Ich lehne mich zurück und amüsiere mich köstlich.


  38. · Spiegelfechter am 6. November 2008 um 00:20 - Permalink

    @aquadraht

    Größtenteils gebe ich Dir ja auch recht, auch wenn Du das alles m.E. etwas derb formulierst. Außenpolitik ist aber mehr als das Great-Game zwischen Russland und den USA und man sollte auch keineswegs den Fehler machen, Putin von jeglicher Schuld loszusprechen. Er ist vielmehr ein passender Antagonist zu den amerikanischen Globalstrategen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine Seite zu verurteilen und die andere reinzuwaschen - wie es unsere Regierung und viele Medien immer gerne tun - ist freilich heuchlerisch und bigott. Ich teile B.´s Russland-Politik übrigens nicht einmal im Ansatz, aber vor allem in puncto Naher- und Mittlerer Osten teile ich B.´s Positionen in fast allen Punkten und da ich den Konflikt USA und Rußland eher als einen virtuellen Konflikt betrachte, während in anderen Krisenregionen tagtäglich tausende Menschen sterben, gewichte das etwas anders als Du. Von daher kann ich auch kein großes Problem darin sehen, dass B. ein Berater von Obama ist - wenn man sich die potentiellen außenpolitischen Berater des US-Politgeschäfts so anschaut, ist B. sicher einer der besseren.

    Das ist nun aber auch mein letzter Kommentar zum leidigen Thema B..

    Ich habe mal kurz in der Bloggosphäre herumgeschaut und bin nun doch ein wenig erheitert:

    In einem Interview sagte B. auf die Frage, was die Bilderberg Group bei ihren geheimen Treffen macht, an denen er doch teilgenommen hat, folgendes:

    „Der Zweck dieser geheimen Treffen ist es, effektive Wege zu finden, wie man den Armen das Blut aussaugen kann, sie auszunutzen, ihre Identität zu unterdrücken und sie abhängig zu machen von fremder Kontrolle“

    Der Mann hat wenigstens Verstand und Humor - anders als der berichtende Blogger, der die Ironie nicht einmal erkennt. Das Netz ist schon lustig ;-)


  39. · edgar am 6. November 2008 um 01:01 - Permalink

    Wir sind arme Menschen, solange wir glauben von einer Person geht eine positive Veränderung aus. Selbst wenn dies mal passiert, wird es langfristig nichts ändern.

    Wie traurig ist es um uns bestellt, darauf Hoffnung haben zu müssen.


  40. · postgrün am 6. November 2008 um 01:14 - Permalink

    @12

    youtube.co...

    Sogar der Spiegel fragt, ob sie mit dem neuen Präsidenten wohl warm wird.


  41. · Herr Sondermann am 6. November 2008 um 02:40 - Permalink

    @38 „Der Zweck dieser geheimen Treffen ist es, effektive Wege zu finden, wie man den Armen das Blut aussaugen kann, sie auszunutzen, ihre Identität zu unterdrücken und sie abhängig zu machen von fremder Kontrolle“
    Der ist wirklich gut! LOL


  42. · Schwitzig am 6. November 2008 um 05:56 - Permalink

    Thema Einzelpersonen:
    Was mir immer wieder auffällt ist, dass viele Menschen politische Strömungen an Einzelpersonen wie Obama und Brzezinski knüpfen.
    Ich glaube eher, dass es eine Gesellschaftsdynamik wie im kleinen Kreis eine Gruppendynamik gibt, die durch Einzelpersonen zwar repräsentiert wird, aber eben diese Individuen nur durch die eigene Dynamik nach oben spült.
    Ein Schäuble wäre nicht ohne eine breite Grundhaltung in der Bevölkerung möglich, ebensowenig wie ein Bush oder sonstwer.
    Dass in den USA eine Rekordwahlbeteiligung für einen “Change” (was immer das auch werden wird) gestimmt hat, hat meines Erachtens eine Gesellschaftsdynamik in Gang gesetzt, die andere Ideologien und gesellschaftliche Strukturvorstellungen nach oben spülen wird. Selbst der schlimmste Alleinherrscher kann ohne sein Volk nur kurzzeitig regieren und das auch nur sehr ineffektiv.
    Vielleicht befinden wir uns wirklich an einem Wendepunkt, bei dem ein Obama nur ein beschreibendes Mosaiksteinchen ist. Schön wär’s und das Verhalten der Amerikaner läßt zumindest auf den Willen zu einer Neuorientierung schließen. Vielleicht werden im Rahmen dieser gesellschaftlichen Bewegungen ja auch neue Einzelpersonen nach oben gespült, die bessere Entscheidungen treffen als ihre Vorgänger.
    Der springende Punkt ist: Brzezinski’s und andere Menschenverachter sind nur ein Spiegel der hinter ihnen stehenden Gesellschaft, die ohne breiten Rückhalt in der Gesellschaft zwar ihre Pestilenz in die Welt kotzen aber nicht umsetzen können. Der Mensch ist ein Rudeltier, richtig, aber wer schon mal mit Wolfs- und Hunderudeln zu tun hatte weiss, dass die einzelnen Alphatiere nur dann mächtig sind, solange sie Entscheidungen treffen, die dem allgemeinen Konsens der Nutzhaftigkeit entsprechen. Ich denke, dass wir hier völlig unabhängig von den Protagonisten eine Chance sehen und hoffe, dass sie von den “richtigen” Einzelpersonen ergriffen werden wird.
    Es wird sicher keinen Knall geben und alles ist gut. Aber vielleicht gibt es endlich die Intention, die Welt etwas besser und lebenswerter zu machen. Auch kleine Schritte können langfristig zu einem großen Ziel führen.


  43. · Schwitzig am 6. November 2008 um 06:06 - Permalink

    Meine Güte, der Mahlzahl hat echt schwere psychische Probleme (was ein Pimpf):
    spiegel.de...

    Russland im Artikel fett gedruckt; Satzkonstruktionen wie diese:

    “Das aggressive Vorpreschen des Russen wird auch jene Politiker in Europa verstören, die bisher Verständnis für Moskaus Position gezeigt haben.”

    werden mittlerweile als normal wahrgenommen. Wie würden wir sie wahrnehmen, wenn er so lauten würde:

    “Das aggressive Vorpreschen des Österreichers wird auch jene Politiker in Europa verstören, die bisher Verständnis für Wiens Position gezeigt haben.”


  44. · name am 6. November 2008 um 06:51 - Permalink

    Der mit Milliarden Dollar finanzierte Wahlkampf für die Kandidaten der Eliten hat die tatsächlich bestehenden Nöte, Wünsche, Hoffnungen, Bedürfnisse der einfachen amerikanischen Bürger ironischerweise widerspiegeln müssen, sie angetrieben und als ein Gefühl der notwendigen Veränderung verkauft. Ein Gefühl, dessen innerer Kreis unklar, verschwommen und der innerhalb der Vertreter und Vertretenen zu sich selbst entgegengesetzt steht. Während die Eliten von einem “Change has come to Amerika” von der weiteren Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums innerhalb der Vereinigten Staaten träumen, träumen die davon Betroffenen genau den entgegengesetzten Traum. Dieser von tatsächlichen Nöten getragene Traum wird im schlimmsten Fall im Dauerfeuer der Medienkonzerne und Werbemillionen erstickt werden und in einem nationalisierten Bürgerkrieg nach Farbe und Sprache untergehen oder im besten Fall, eine Bewegung hervorbringen, die einer Chavezierung der Vereinigten Staaten gleichkommt.

    Für die Eliten soll Obama nur die Kontrolle dieser geweckten Emotionen sicherstellen, die sozialen Gegensätze kanalysieren und zu einer realistischen imperialen Politik der Vereinigten Staaten zurückkehren. Das ist seine einzige Aufgabe.


  45. · Thomas am 6. November 2008 um 08:39 - Permalink

    Was bei mir Zweifel an einem tatsächlichen Richtungswechsel weckt, ist zum einen die
    starke Finanzierung der US-Wahlkämpfe über Privatspenden. Meines Wisses gehört z.B. die Wallstreet zu den Großspendern Obamas.
    Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die US-Medienkonzerne einen deutlichen Richtungswechsel der US-Politik zulassen werden. Der nachdenklichere Teil der US-”Eliten”
    hat zwar erkannt, daß Bushs Politik den US-Interessen in der Welt massiv geschadet hat.
    Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese “Eliten” viel mehr als ein rethorisch geschickteres
    Verkaufen der US-Politik zulassen werden.
    Man wird auch genau darauf achten müssen, daß das stärkere Einbeziehen z.B. der Europäer sich nicht darin erschöpft, völkerrechtswidrige Elemente der US-Politik auf eine
    international breitere Grundlage zu stellen. Denn dies ändert nichts am völkerrechtwidrigen
    Charakter dieser Politik.
    Ich muss allerdings zugeben: Es kann durchaus sein, daß ich die Dinge zu pessimistisch sehe. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Die mehr als deutlich zu Tage tretenden
    weltweiten “Kollateralschäden” der neoliberalen Ideologie erhöhen möglicherweise die
    Optionen Obamas für eine wirkliche Neuausrichtung der US-Politik (mit hoffentlich positiven
    Ausstrahlungseffekten z.B auch auf Europa).


  46. · Gruss am 6. November 2008 um 09:00 - Permalink

    Hallo,

    soweit ich weiss ziehen es die Russen vor, mit republikanischen US-Präsidenten Verträge zu unterzeichnen. Dass die Russen mehr als skeptisch sind kann ich jedoch sehr gut nachvollziehen. Alleine der Georgienkonflikt und die wenig hinterfragte Bekundung der US-Administration auf der Seite Georgiens zu stehen und der Konflikt über den Aufbau der Raketenstellungen in Polen und Tschechien, haben Russland verständlicherweise misstrauisch werden lassen.
    Dass die Russen nun in Kaliningrad Störsender und Raketenmaterial stationieren ist ausschliesslich dem Misstrauen gegenüber der wahren Intention der US-Administration zu verdanken und somit eine fast logische Konsequenz. Auch wenn man dazu neigt, dieses Wettrüsten abzulehnen, kann ich die russische Reaktion (nicht Aktion) durchaus verstehen. DIe Amerikaner haben sich, wie in Jens` Artikel ja gut dargelegt wurde, überdehnt und leider auch sehr in die europäische Sicherheitspolitik (m.E. eher “Unsicherheitspolitik”) eingegeriffen, wobei sie ja weit weg von vermeintlichen Krisenherden in Europa wären, wenn es denn knallt.
    Um es kurz zu machen, ich glaube die US-Nation ist sehr stark auf dem absteigenden Ast und die Obama-Administration hat mit einem Berg von Problemen zu kämpfen, der so gross ist, dass es sehr viele Rückschläge geben wird…Abgesehen von eventuellen kriegerischen Handlungen, die man jetzt noch nicht prognostizieren kann (vielleicht Iran, vielleicht Pakistan, vielleicht Russland, vielleicht China), wird das schlimmste Erwachen der US-Administration und der US-Bürger sein, dass sie wahrscheinlich ab dem Jahr 2009 die Zinsen ihrer Schulden nicht mehr zurückzahlen können, was das Finanzsystem endgültig der Bessemerbirne übergibt. Dann knallt es an allen Ecken und Enden und “froh” kann sich der schätzen, der weiss, wie man in einer chaotischen Welt überlebt…

    infokrieg....

    infokrieg....


  47. · Ashino Wolf am 6. November 2008 um 09:10 - Permalink

    Ich bin immer wieder überrascht wie naive & undifferenziert über Obamas rassischen Hintergrund, als auch im Allgemeinem über die Situation von Minderheiten, dem Thema entsprechend speziell von Afro-Amerikanern, hier in Deutschland oft berichtet wird.

    Obama ist ein “Half-breed” !! Er ist innerhalb der weißen Mittelklasse erzogen worden, nach seiner Rückkehr aus Indonesien.

    Im Gegenteil zu dem in den europäischen oder deutschen Medien vorherrschenden Rassenverständnis, wird Obama DORT als black/white MISCHLING betrachtet.

    Also, als ein Angehöriger einer SOZIALEN SCHICHT, DIE in ihrer Mehrheit, statistisch bewiesen, sich als eigene Rasse bzw. gesellschaftliche Gruppe identifizieren !! Ihre “Mitglieder” siedeln ihre Leben sehr häufig fern der “true colored brothers & sisters” an und schlagen >JENE< auf allen Gebieten. Von der Ausbildung bis zur Karriere.

    Wer mehr über die derzeitige gesellschaftliche Position der Afro-Amerikaner wissen will, bitte, diesen Artikel lesen: WHITE AMERICA von Paul Street. Zu finden unter zmag.org/z... oder zmag.org/v.... Oder die Web-Seite von black author Kai Wright: kaiwright....

    Abgesehen davon muss Barack Obama eine monumentale Aufgabe vollbringen um die >ailing States of America< zu sanieren und politisch zu rehabilitieren.

    Von den stark eingeschränkten gegenwärtigen Bürgerrechten bis zu dem SIGNING STATEMENTS. Von den DESASTERN im Gesundheitswesen als auch im öffentlichen Schulwesen, was vor allen Dingen Afro-Amerikaner stark benachteiligt, bis zur Finanzmisere und einer möglichen multilateralen Aussenpolitik.

    Ob Senator JO BIDEN dafür der richtige Vize-President und Berater an seiner Seite ist, bezweifele ich doch stark. Angesichts seiner "BLUTIGEN" Rolle bezüglich der politischen Rechtfertigung des Irak-Angriffs bzw. Krieges.

    Ansonsten.... WER besser über die amerikanische Innen- als auch Aussenpolitik informiert sein möchte, der klicke doch bitte - democracyn... - an.

    Dort hört oder sieht, Mann oder Frau, was in deutschen Medien, egal, von der FAZ bis zur TAZ, leider eher gar nicht stattfindet. Nämlich gute Analysen über AMERICAN REALITY.

    Nach dem ewigen CHANGE- und HOPE-Geschwafel, wird er Flagge zeigen müssen. vor allem wenn mir den neuen Vize-Presidenten, Senator Jo Biden


  48. · Gruss am 6. November 2008 um 09:23 - Permalink

    Fortsetzung zu 46:

    Auch wenn dieser Fall hoffentlich nicht eintrifft, gibt es doch eine ganze Reihe weiterer massiver Finanzprobleme: Kreditkartenblase, Derivateblase, Hedgefonds.
    Leider übersteigt es meinen Intellekt, warum Banken, Hedgefonds und Privatiers weiterhin Finanzinstrumente wie Derivate/ Leerverkäufe nutzen können. Leerverkäufe wurden einige Tage für einige Bankentitel an der US-Börse und an europäischen Börsen verboten, aber kurz danach wieder gestattet. Das sagt mir nur, dass sich nicht wirklich etwas gebessert hat. Das Problem zu lösen liegt alleine in der Möglichkeit der souveränen Staaten selbst Geld auszugeben und dies nicht einem elitären Finanzzirkel (Privatbanken) zu überlassen, um aus der Schuldenfalle, die die Welt an den Abgrund (d)rückt, zu entkommen.

    infokrieg....


  49. · Fiend_THeyde am 6. November 2008 um 09:23 - Permalink

    Obama ist kein neuer Martin Luther King. Die Unterschiede zwischen beiden könnten kaum größer sein: der eine studierte in Harvard, der andere war Pfarrer und wurde über zwei Dutzend Mal wegen Bürgerrechtsdemonstrationen inhaftiert.

    Der Apparat der Bushisten existiert nachwievor. Das ausführende Personal ist weiterhin tätig. Die Zusammensetzung des obersten Gerichtshofs wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten kaum wesentlich ändern. Die sog. “Heimatschutzbehörde” wird weiter Bestand haben. Murdoch bleibt Eigentümer von Fox und kann damit - zumindest in den USA - auch zukünftig die mediale Deutungshoheit beanspruchen. Vielleicht wird wenigstens das weltweite American Gulag geschlossen.

    Die wirtschaftliche Situation der USA ist verheerend. Das sog. Rettungspaket, das Bush und die Verantwortlichen für die Krise ausgebrütet haben, wird über Bushs Abwahl hinaus Bestand haben und den wirtschaftspolitischen Spielraum der neuen Administration begrenzen. Die Verträge mit Halliburton, Kellogs & Brown etc.pp. werden nicht ungültig, bloß weil die Person, die im Oval Office sitzt, gewechselt hat. Usw.usf.

    Ich lasse mich natürlich gerne positiv überraschen, aber vorerst bleibe ich skeptisch. Obama wäre nicht der erste sogenannte Hoffnungsträger, der die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuscht. Der letzte war Clinton. Das Ergebnis dürfte bekannt sein.


  50. · salvo am 6. November 2008 um 09:54 - Permalink

    @42

    ja, ich sehe das ähnlich, auch wenn ich glaube, dass politisches Handeln, insofern es im Rahmen des Establishments ist, nicht restlos ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Es gibt Brüche, mehr oder weniger große, die ausdrücken, in welchem Maße dem Establishment es gelingt, seine Interessen als die allgemeinen durchzusetzen. Ich gehe davon aus, dass das, was Obama an die Macht gespült hat, seine Kraft im Wesentlichen auch von einer an der Basis verankerten Gegenbewegung zum politischen Handeln des Establishments ist. Insofern drückt sich darin ein Bruch aus. Diese Bewegung hat in Obama ihren personifizierten Ausdruck gefunden. Das ist die eine Geschichte. Die andere ist das Produkt Obama, das sie Medien verbreiten und das zur Projektionsfläche eigener Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen ist. Das andere ist Obama selbst, immerhin die Persönlichkeit, der diese konkrete breite Gegenbewegung zum Großteil ihr Vertrauen gegeben hat, und die ist widersprüchlich, gerade wenn man seine Reden und sein politisches Handeln betrachtet: Es gilt als liberaler und progressiver Senator, ein engagierter community organizer, und auch wenn er jetzt Teil der Establishments ist, ist er nicht aus ihm hervorgegangen. Ein anderes ist sicher auch die Rolle, die ihm das Establishment ihn aufzustülpen versuchen wird, die er selbst vielleicht jetzt schon voll erfüllt, wie die Skeptiker jetzt schon befürchten.
    Der Teil von Obama, dem ich jedoch vertrauen kann, ist der erste Aspekt, wenn man ihn als Phänomen fassen will: als Ausdruck der breiten gesellschaftlichen Gegenbewegung, die tatsächlich den Wandel will, und zwar keinen bloß symbolischen, sondern einen realen, der den Interessen von Herrschaft entgegengesetzt ist.

    Ich glaube, die grundsätzlich skeptische Haltung einiger Linke - ich habe den Eindruck, dass sie bei Teilen der deutschen Linke besonders ausgeprägt ist, diese dunkle Lust am totalen Untergang - führt entweder nur zu Resignation oder zur Einschätzung, dass nur Gewalt positive Veränderung bringen kann. Vielleicht wird die Zukunft zeigen, dass sie recht haben. Ich habe aber Vertrauen zu den Menschen in den USA, die progressive Basis, die diese Gegenbewegugn trägt, und von denen ich ausgehe, dass sie wachsam sein werden. Sollte Obama restlos in die ihm vom Establishment vorgesehene Rolle aufgehen, bin ich mir sicher, dass diese Menschen sich nicht mit dem Medienprodukt abfinden werden, mit dem das Establishment sie zu versöhnen versuchen wird. Und wenn man sich anschaut, was diese Menschen zu tun gedenken, stimmt mich das optimistisch: Die werden nicht abwarten, was eine Obama Regierung tut, sondern sie daran erinnern, wozu sie an die Macht gebracht worden ist.

    democracyn...
    thenation....
    thenation....

    usw


  51. · salvo am 6. November 2008 um 10:05 - Permalink

    @Ashino Wolf

    du hast zum Teil recht, Obama ist bei Teilen der politische organisierten Schwarzen umstritten. Er ist ihnen wohl nicht ’schwarz’ genug. Aber was willst du damit sagen? Nur weil seine Sozialisierung eine andere ist als die der meisten benachteiligten Schwarzen, soll er prinzipiell unwillens und unfähig sein, für ihre Interessen einzutreten? Man sollte nicht vergessen, dass der überwiegende Teil der Schwarze, zumindest derer, die gewählt haben (bei der höchsten Wahlbeteiligung seit dem 2. Weltkrieg), ihm ihre Stimme gegeben haben. Man sollte zwar vor dem blinden Euphorismus hüten, aber auch vor solchem resignierten Fatalismus.

    “Was bei mir Zweifel an einem tatsächlichen Richtungswechsel weckt, ist zum einen die
    starke Finanzierung der US-Wahlkämpfe über Privatspenden. Meines Wisses gehört z.B. die Wallstreet zu den Großspendern Obamas.”

    ja, so ist die Realität des US-Präsidentschaftswahlkampfs. Mir gefältt sie auch nicht. Es wäre besser, wenn die Abhängigkeit von privater Fianzierung zurückgedrängt würde. Man darf aber nicht vergessen, dass der Ursprung der Finanzierung in der main street liegt, in den Gemeinden, bei den Menschen, die von Anfang an, Obama unterstützt haben, als er noch nur ein Außenseiter war, und zwar nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen. Das hat auch Obama bei seiner ersten Rede nach dem Sieg nochmals verdeutlicht.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Art und Weise, wie in den deutschen mainstream-Medien über diesen Wechsel geschrieben wird. Ganz nach Art der Dichotomie Gewinner-Verlierer wird er als persönlicher Erfolg von Obama betont, als vorläufiger Abschluß in der Karriere eines begabten Menschen, der sich diese Position, dieses Privileg verdient hat; die breite gesellschaftliche Bewegung, die das erst möglich gemacht hat und deren Ausdruck er ist, wird, wenn überhaupt, nur nebenbei erwähnt.


  52. · Jonas Mayer am 6. November 2008 um 10:29 - Permalink

    @Jens

    Ok, ich darf keine Hitlervergleiche machen. Geschenkt, auch wenn du mir nicht erklärst, warum ich das nicht machen darf. Wenn hundertausende Patrioten ihrem nationalen Führer zujubeln, dann erinnert mich das eben daran. Aber, wie gesagt, geschenkt, wenn du dich darüber so sehr empörst, dass dir zu dem, was ich inhaltlich gesagt habe, deshalb gar nichts mehr einfällt.

    Also nochmal: wieso sollte man jemanden bewundern, der den “War on Terrorism” unter “American Leadership” weiterführen will, ihn in Afghanisten mit 10.000den neuer Soldaten sogar total eskalieren lassen will? Was, wie gesagt, auf einen Krieg gegen Pakistan hinauslaufen wird. Und dort leben 160 Millionen potentielle Kriegsopfer.

    Ich empfinde bei Obama nicht Hoffnung sondern Furcht:

    “And to all those watching tonight from beyond our shores, from parliaments and palaces to those who are huddled around radios in the forgotten corners of our world –- our stories are singular, but our destiny is shared, and a new dawn of American leadership is at hand. To those who would tear this world down –- we will defeat you.”

    latimesblo...


  53. · Gruss am 6. November 2008 um 10:42 - Permalink

    @52

    Sagen wir es mal so…
    Einmal habe ich live eine Rede von ihm gehoert & gesehen, und ja, er wirkte sehr verführerisch und war äusserst charismatisch. Er war in meinen Augen fast (zu) perfekt, und das hat auch mich erst mitgerissen und Begeisterung für diesen Menschen und seine Ideen haben lassen; aber dann ist mir doch aufgefallen, dass man u.U. (speziell Deutsche) etwas vorsichtiger mit solch mitreissenden und womöglich die Massen beeinflussenden Menschen sein sollte. Die Gefahr, hier masslos manipuliert zu werden ist immanent und u.U. gefährlich.

    Gruss
    Gruss


  54. · Aphyx am 6. November 2008 um 10:46 - Permalink

    Zum Thema Kurzstreckenraketen ein paar Gedanken:

    Könnte es sich dabei um eine Art des Testballon Medwedews um die Reaktionen des “neuen” Washingtons auszuloten? Folgt Obama eher dem Kurs Bushs, dann hat man sie schon in einer Frühphase in Stellung gebracht, zeigt Obama sich kooperativ kann man sie ja immer noch wieder als Geste des guten Willens abziehen.

    Vielleicht will man auch die Übergangsphase in der sich die neue US Regierung nun konstituiert auch nutzen um strategische Fakten zu schaffen in einer Zeit in der all zu heftige Reaktionen aus Washington eher unwahrscheinlich sind, da Obama noch mit der Regierungsbildung beschäftigt ist und noch keinen klaren strategischen Kurs gegenüber Russland ausgebildet hat? So hätte man auch ein “Handelsgut” falls die Regierung Obama bereit ist über die Aufstellung des “Raketenschirms” neu zu verhandeln.

    Außerdem erinnere ich mich, dass die Aufstellung von Mittelstreckenraketen schon länger angedroht war, daher halte ich die These, dass die Botschaft mit der Aufstellung weniger an die US-Regierung gerichtet ist , sondern mehr an die eigenen Eliten und die Staaten Osteuropas.


  55. · salvo am 6. November 2008 um 10:52 - Permalink

    gut, Einige muss man wohl dem verschworenen Untergang und dem Bunker überlassen, in dem sie sich selbst eingesperrt haben, zu solchen Vergleichen sage ich lieber nicht, was mir einfällt

    als Kontrapunkt zur Stimme derer, denen nichts Anderes als das Ausmalen der totalsten Weltuntergangsbilder einfällt, die folgende Stimme

    “Barack Obama’s resounding victory has brought even this cynical observer of Democratic Party politics to dare to hope, believing that — as a child of the Eisenhower era — I will soon be witnessing the most progressive presidential administration of my lifetime.
    This hope, which I fully realize may prove to be naive, rests upon Obama’s personal history as a community organizer, his base of support in the party’s left wing, and the remarkable shift in internal Democratic Party politics in recent years.”

    alternet.o...

    p.s.

    es fehlt auch noch, dass hier ein Bürgerrechtler wie Jesse Jackson auf Grund seiner Tränen bei dem Wahlerfolg Obamas mit den Deutschen verglichen wird, die begeistert Goebbels ‘wollt ihr den totalen Krieg’ zustimmten

    Leute, habt ihr sie noch alle? Nein, offensichtlich nicht


  56. · salvo am 6. November 2008 um 11:55 - Permalink

    eine andere, medienkritische Stimme

    der Wahlkampf als kontinuierlicher medialer Selbstzweck, in den Medien geht es schon um den nächsten

    “imperial election”

    tomdispatc...


  57. · textablage am 6. November 2008 um 12:30 - Permalink

    Aus dem tagesschau.de-Ticker: “US-Präsident Bush hat seinem Amtsnachfolger Obama gratuliert. Er sprach von einem “beeindruckendem Sieg”, der den amerikanischen Traum widerspiegele. Vor Obama liegen nun große Herausforderungen: “Zwei Kriege, ein Planet in Gefahr und die schwerste Finanzkrise”, sagte der künftige Präsident nach seinem Sieg.”


  58. · Gruss am 6. November 2008 um 12:35 - Permalink

    @55

    Ich habe nichts gegen Hoffnung, und auch ich hoffe auf eine bessere Zeit…
    Die Vorzeichen und die Probleme, die die USA und auch die Welt zu bewältigen haben, sind jedoch nicht von “schlechten Eltern”.
    Die Euphorie ist schön und gut, nur bestehen einfach Bedenken, ob nicht alle Wünsche und Träume und Sehnsüchte des Volkes, harsch auf dem Boden der Realität aufprallen werden. Es wird sicherlich nicht alles “anders oder besser” sein unter Obama, da auch er in Zwängen (wie jeder Politiker) steckt, die nicht einfach so überwunden werden können.
    Hoffend, dass er ein guter Mensch mit einer Seele, einem grossen Herzen und mit gesundem Menschenverstand ist, müssen wir ihn in den schwierigsten Job der Welt entlassen…

    Gruss
    Gruss


  59. · Markus am 6. November 2008 um 12:38 - Permalink

    “Die Welt als Schachbrett” von Hauke Ritz ist ungekürzt auf hintergrund.de abrufbar:

    hintergrun...

    Die These, dass Brzezinskis strategische Denkweise in die aussenpolitischen Vorstellungen der Obama-Administration einfliessen dürfte ist nicht abwegig wenn man berücksichtigt, welche Personen von Obama als entscheidende Berater hinzugezogen werden. Immerhin lässt sich die amerikanische Afghanistan- und allgemein Eurasien-Politik nur nachvollziehen, wenn man die zentralen Prämissen Brzezinskis einschliesst.


  60. · Fiend_THeyde am 6. November 2008 um 12:54 - Permalink

    @ 55 salvo:

    … and the remarkable shift in internal Democratic Party politics in recent years.”

    Als da wäre? Hat es ein, durch die Demokraten initiiertes, Amtsenthebungsverfahren gegen Bush gegeben, von dem ich nichts mitbekommen habe? Ist etwa geplant, das sogenannte “Rettungspaket” (aka Boni und Dividenden für die Investmentbranche aus der Steuerkasse) rückgängig zu machen? Haben die Demokraten schon angekündigt, die usamerikanischen Truppen aus Afghanistan und Irak zurückzuziehen?

    Bislang ist Obama nur eines: eine Projektionsfläche für mancherlei Hoffnungen, die zum Teil sogar diametral entgegengesetzt sind. “Yes we can” ist ein ziemlich schwammiges Motto, das Interpretationen jede Menge Raum bietet.

    Als Clinton seinerzeit Bushs Daddy ablöste und somit scheinbar die Reaganzeit beendete, gab es ebenfalls eine Menge Hoffnungen auf sozialen Wandel und einen Wechsel in der Außenpolitik. Stattdessen bekamen wir den Jugoslawienkrieg, der das Völkerrecht irreparabel schädigte und die Lewinski-Bombardements in Sudan und Afghanistan, mit denen Clinton von seiner Zigarrenaffäre abzulenken hoffte.

    Übrigens gab es bei den Bushisten ebenfalls sog. Afroamerikaner in der Administration: Rice und Powell. Muß ich wohl nicht näher ausführen, oder? Nicht jeder dunkelhäutige USamerikaner ist automatisch ein “Bürgerrechtler”.

    Sollte Obama restlos in die ihm vom Establishment vorgesehene Rolle aufgehen, bin ich mir sicher, dass diese Menschen sich nicht mit dem Medienprodukt abfinden werden, mit dem das Establishment sie zu versöhnen versuchen wird. Und wenn man sich anschaut, was diese Menschen zu tun gedenken, stimmt mich das optimistisch: Die werden nicht abwarten, was eine Obama Regierung tut, sondern sie daran erinnern, wozu sie an die Macht gebracht worden ist.

    Und das glaubst du wirklich? Bislang hat noch fast ausnahmslos jeder Präsident der USA zum Mittel des Krieges zwecks patriotischer Begeisterung gegriffen, wenn die sozialen Spannungen zu groß wurden. Das hat in der Regel auch prima geklappt. Wenn das “Starspangled Banner” gespielt wird und die Airforce blauweißrote Streifen in den Himmel zeichnet, kommen der übergroßen Mehrheit der Amis die Tränen.

    Wenn Obama das American Gulag schließt (das gesamte, nicht nur Guantanamo!) und die Truppen den Irak/Afghanistan tatsächlich verlassen haben, werde ich gerne in den Lobgesang auf Obama einstimmen. Bis dahin ist er für mich nur ein weiterer Präsident unter vielen.


  61. · Spiegelfechter am 6. November 2008 um 13:11 - Permalink

    @52 Jonas Mayer

    Ok, ich darf keine Hitlervergleiche machen. Geschenkt, auch wenn du mir nicht erklärst, warum ich das nicht machen darf.

    Du darfst machen, was Du willst - ob es hilft, Deine Argumente zu unterstützen, bezweifele ich allerdings.

    Ich stelle mal die mutige Behauptung auf, ich könnte anhand jeder politischen Grundsatzrede eines Vertreters der Exekutive “Hitlervergleiche” aufstellen. Churchills “Blut und Tränen”, Kennedys “Frag nicht, was Deine Nation für Dich tun kann” und auch Herzogs “Ruck” … alles stilistisch mit Hitlers Reden vergleichbar. Nur was sagt uns das? Solche Vergleiche zeigen eigentlich nur, dass emotionale Elemente einer Rede auch von Hitler (und von ihm zuhauf) gebraucht wurden.

    Wenn hundertausende Patrioten ihrem nationalen Führer zujubeln, dann erinnert mich das eben daran.

    Du warst sicher auch einer der Kritiker, die bei der WM 2006 eine Wiedergeburt des Nationalismus´ in Deutschland ausgemacht haben?

    Also nochmal: wieso sollte man jemanden bewundern, der den “War on Terrorism” unter “American Leadership” weiterführen will, ihn in Afghanisten mit 10.000den neuer Soldaten sogar total eskalieren lassen will? Was, wie gesagt, auf einen Krieg gegen Pakistan hinauslaufen wird. Und dort leben 160 Millionen potentielle Kriegsopfer.

    Das ist ein guter Kritikpunkt, den ich ja auch im Text selbst anspreche. Obama ist kein Pazifist, er ist kein Isolationist - man kann auch ein System nicht von heute auf morgen um 180° umdrehen, die USA sind ein riesiger Tanker und kein kleines Motorboot. Masse ist träge und das US-System ist eine riesige Masse.

    Ich empfinde bei Obama nicht Hoffnung sondern Furcht:

    Das ist Dir unvoreingenommen - man kann ja nicht immer einer Meinung sein.


  62. · postgrün am 6. November 2008 um 13:15 - Permalink

    @60

    Ach, Fiend.

    Nehmen wir es uns mal Punkt für Punkt vor:

    1. Amtsenthebung: Bush hatte es geschafft, sich als “war president” einer Nation, die sich im Krieg befindet, zu verkaufen. Dass er das Land unnötigerweise in diese Lage manövrierte (irak) - geschenkt. Aber unter diesen Umständen wäre eine Amtsenthebung als sowas wie Hochverrat verkauft worden, und selbst einige Demokraten vom Schlage Lieberman hätten da nicht mitgemacht. Man hätte auch echte Beweise und Smoking Guns gebraucht. Cheney hat seine Ränkeschmiede aber gut genug abgesichert, juristisch so wasserdicht wie möglich. => Gefühlt gerechtfertigt, aber unrealistisch.

    2. Rettungspaket - das Rettungspaket hat erstmal die Welt vor einem financial meltdown gerettet, bzw. ihn verzögert. Selbst Lafontaine hat ihm in D. nachdrücklich zugestimmt. Was wäre der Vorteil eines meltdowns oder die Alternative gewesen?

    3. Was würde denn deiner Ansicht nach postives nach einem sofortigen Abzug passieren in Irak und Afghanistan? Ringelrein-tanzen und Blumenstreuen? Eine große Friedensparty? Oder eher blutiger Bürgerkrieg, in dem der stärkste und grausamste religiöse Warlord gewinnt? Mittelfristig ist der Abzug ja geplant. Dass das ein stinkender Haufen ist, den Bush hinterlässt - geschenkt.

    4. Hoffung: Kennwa nich, brauchma nich, oder was?

    5. Clinton spielte Saxophon, hielt sich militärisch verhältnismässig zurück, verlustierte sich lieber im Oval office und hinterliess Wohlstand und einen ausgeglichenen Haushalt. Schon jetzt denkt man in den USA an die “goldenen Clinton-Jahre” zurück. Ein Horror waren sie eher für die Republikaner, wegen dem angeblichen Verfall von Sitte und Anstand. Jugoslawien kann man genauso der Konrad-Adenauer-Stiftung und Bertelsmann anlasten.

    6. Es geht nicht darum, dass C. Rice keine Bürgerrechtlerin ist/war, sondern eine neokonservative zynische Karrierefrau. Es geht darum, dass Bush damit dem rechtsextremen KKK-Spektrum in den USA symbolisch eine vor den Latz knallte, und zum anderen natürlich Aufstiegschancen für Afroamerikaner symbolisierte. Zudem war es strategisch schlau, um den Demokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil das eigentlich ihre Themen sind - benachteiligte Minderheiten. Nicht jeder Schwarze ist redenschwingender Bürgerrechtler, nicht jeder Weiße waffenschwingender Superchrist - ganz genau.

    7. Guantanamo: Dann haben wir eben ein wenig Geduld, und warten es ab, ich bin da ziemlich zuversichtlich.

    Obama kann sich eine ganze Menge an Change leisten, weil er jetzt eine eigenständige starke Basis jenseits des demokratioschen Establishments hat, und ein viel stärkeres Mandat als Bush je hatte, zugleich aber der demokratische Partei nach Jahren des Niedergangs und Elends zu neuem Glanz verholfen hat, was auch das Establishment hinter ihn zwingt.


  63. · salvo am 6. November 2008 um 13:28 - Permalink

    @60 ich glaube gar nichts, unter anderem glaube ich auch jenen nicht, die jetzt schon wissen wollen, wie Obama als zukünftiger Präsident handeln wird, so … und da ich eine Diskussion darüber zum jetztigen Zeitpunkt idiotisch finde, überlasse ich sie denen, die sie brauchen

    zum Thema Brzezinskis: Es ist erstaunlich, was man auf die Schnelle im Cyberspace alles dazu findet, von Rechtskonservativen, die ihn für einen kommunistischen Agenten halten, der Amerika ausverkaufen und unter der Kontrolle eines sozialistischen world governemnt setzen will, bis zu Stimmen von so genannten Freunden Israels, die ihn für einen Feind Israels erklären.. und die nicht zu vergessen, die ganz genau wissen, wie er jede Bewegung Obamas steuert


  64. · Spiegelfechter am 6. November 2008 um 13:31 - Permalink

    @salvo

    Ich will das Fass nicht schon wieder aufmachen, aber wenn man über Brzezinski spricht, sollte man auch so etwas nicht vergessen. Er ist eine Person, die ungemein polarisiert.


  65. · value am 6. November 2008 um 13:37 - Permalink

    Soso, der einzige Kandidat, der etwas zum Guten wenden kann, ist also Obama. Wie sieht’s aus mit McKinney oder Nader? Obama hat in allen seinen Reden zur Außenpolitik klar gemacht, dass er die bodenlos zynische und menschenverachtende Politik des War on (of!) Terror voll unterstützt und fortzuführen gedenkt. Die “Leitmedien” beschwören uns schon seit einiger Zeit, dass unter Obama nun endlich auch “wir” stärker aktiv an diesem Desaster teilnehmen müssen. Ich bin sehr gespannt, was noch an Propaganda auf uns zukommt, jetzt, wo der “böse” Bush als “Entschuldigung” bald weg fällt.

    Mir fallen spontan drei Dinge ein, die Obama sofort in die Wege leiten könnte, um das Bild der USA in der Welt ein wenig zu verbessern und die überhaupt nichts kosten würden:

    1. Sofortige Einstellung des “Star Wars” Prgramms, aka. Raketenabwehrschild.
    2. Schließung von Guantanamo und Abschaffung der “military commissions”.
    3. Stopp der Bombardierung von Dörfern in Afghanistan und Pakistan (und Syrien!)

    Wollen wir mal sehen, wie Mr. Change dazu steht.

    value


  66. · postgrün am 6. November 2008 um 13:46 - Permalink

    Bei den Nachdenkseiten ist heute ein zweiter FTD-Artikel verlinkt, in dem Fricke noch mal bekräftigt, dass das ökonomische Programm Obamas kein