Das Prinzip Hoffnung
geschrieben am 05. November 2008 von Spiegelfechter
Hoffnung ist nicht nur Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Der deutliche Sieg von Barack Obama hat den USA und der Welt die Hoffnung wiedergegeben – die Hoffnung auf eine zivilisierte Weltmacht USA, die Hoffnung auf eine verantwortungsvolle Weltmacht USA, die Hoffnung auf einen Wechsel. So unterschiedlich die Wünsche und Sorgen der Menschen sind, so unterschiedlich sind die Erwartungen, die in den neuen Präsidenten gesetzt werden. Es ist vollkommen klar, dass er nicht all diese Erwartungen erfüllen kann – es wäre auch vermessen, dies einzufordern. Obamas Sieg ist aber mehr als nur der Erfolg eines charismatischen Afroamerikaners, der die Bush-Ära zu Grabe trägt – der Sieg steht vielmehr im Zeichen eines Paradigmenwechsels. Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt Kennedys hat das liberale progressive Amerika die Möglichkeit, Politik zu gestalten. Unweigerlich stellt sich dabei die Frage, wie wandlungsfähig und –willig das System überhaupt ist.
Barack Obama hat noch 77 Tage Zeit, sich auf das mächtigste und wichtigste Amt der Welt vorzubereiten. Diese Zeit muss er nun nutzen, um aus den wohlfeilen Wahlkampfslogans konkrete Politikansätze zu machen, ohne den Spirit seiner Unterstützer zu sehr abzukühlen. Wenn es je einen Moment gegeben hat, an dem das liberale Amerika Änderungen durchsetzen kann, dann jetzt. Die Demokraten haben die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, der Wille etwas zu ändern, hat mit Obamas Sieg eine klare Legitimierung vom Wähler erhalten und die Medien sind dem neuen Präsidenten noch wohl gesonnen. Die politische Gegnerschaft ist derweil in eine tiefe Selbstfindungskrise versunken. McCain taugte nicht als Bewahrer der konservativen Werte, die Vertreter religiös-konservativer und neokonservativer Strömungen sind nicht einmal im Ansatz mehrheitsfähig und Hoffnungsträger eines konsensfähigen Konservativismus sind am Horizont nicht zu erkennen. Einen derart positiven politischen Gestaltungsrahmen hatte kein demokratischer Präsident seit Kennedy.
So positiv der politische, so negativ ist der fiskalische Gestaltungsrahmen. George W. Bush hat das Land nicht nur moralisch, sondern auch ökonomisch abgewirtschaftet – die Staatsschulden haben exorbitante Dimensionen erreicht und die Finanzkrise mitsamt der folgenden Rezession haben ein wirtschaftliches Umfeld entstehen lassen, das keinen großen Spielraum für kostspielige Wohltaten bietet. Nach acht Jahren Abstinenz werden die demokratischen Abgeordneten Obama in seinen ersten Amtsmonaten mit aufgeschobenen Wünschen bombardieren. Das politische System der USA ist ein System des Gebens und Nehmens. Wenn Obama mit seinen ambitionierten Plänen nicht im Dickicht der Checks & Balances stecken bleiben will, muss er das System gut geschmiert halten. In Zeiten knapper Haushalte wird dies ein Kunststück sein. Der „Wind of Change“ könnte sich in den tristen Korridoren der Bürokratie schneller zu einem lauen Lüftchen abschwächen, als es die euphorisierten Wähler wahrhaben wollen.
Die Aufgabe, das abgewirtschaftete Land wieder auf Vordermann zu bringen, gleicht dem Ausmisten der Ställe des Augias. Ein nachhaltiger Wechsel ist nur möglich, wenn Obama eine stabile Kehrtwende in fast allen Bereichen der Politik vollzieht. Vor allem auf dem Feld der Finanzpolitik sind da berechtigte Zweifel angebracht. Außenpolitisch stehen die USA vor einem Trümmerfeld. Die Hybris ihrer Führer hat die USA in eine tiefe Krise manövriert. Das amerikanische Imperium ist in den letzten zehn Jahren rapide von einer Überdehnungsphase in eine Erschöpfungsphase, und schließlich in eine Abstiegsphase übergegangen. Dieser Prozess ist irreversibel, die USA stehen vor der Wahl, friedlich und ohne größere Erosionsprozesse Teil einer multipolaren Welt und bestenfalls ein „primus inter pares“ in der Völkergemeinschaft zu werden, oder aus ihrem Abstieg einen Absturz zu machen und verbrannte Erde zu hinterlassen. Die Chancen auf einen kontrollierten Abstieg, der die Welt nicht in Trümmern hinterlässt, sind unter Präsident Obama größer als unter jedem anderen Kandidaten. Dies stellt die USA jedoch vor eine Zerreisprobe.
Nixon soll einst gesagt haben: „Nur ich konnte die Truppen aus Vietnam holen, ohne einen Putsch von rechts auszulösen.“ Die Frage, was Obama überhaupt erreichen kann, hängt wohl vor allem von Obamas Fähigkeit ab, die rechten Eliten des Landes mit einzubinden. Gerade als afroamerikanischer Liberaler steht er da vor einer sehr schweren Aufgabe. Dass er das System bändigen will, steht außer Zweifel – ob er das System überhaupt bändigen kann, ist indes zu bezweifeln. Seine einzige Chance liegt in der messianischen Begeisterung, die er auszulösen vermag. Wenn er den „Spirit“ des Landes hinter sich hat, wird er das abgewirtschaftete Establishment vor sich hertreiben und einen echten „Wechsel“ herbeiführen können. Wenn er allerdings den „Spirit“ nach den ersten Rückschlägen verliert, wird Obama nur ein weiterer Präsident unter vielen sein, der den Kampf gegen das System verlieren wird. Der letzte Präsident, der das System bändigen konnte, war Franklin D. Roosevelt, dessen „New Deal“ auch nur dank einer moralisch und ökonomisch abgewirtschafteten Gesellschaft durchgesetzt werden konnte. Auch Roosevelt konnte den „Spirit“ des Volkes hinter sich vereinen.
Wenn es überhaupt einen Kandidaten gibt, der etwas zum Positiven ändern kann, so ist dies Obama. Das heißt nicht, dass sich nun alles zum Guten ändert. Auch Obama wird Kriege führen, auch Obama wird geostrategische Machtpolitik betreiben, auch Obama wird Konzessionen an das Establishment machen müssen – Obama ist ein Teil des Systems, das er ändern will. Ein Präsident McCain oder eine Präsidentin Clinton wären aber in jedem Falle die schlechtere Wahl. Mit der Amtseinführung des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten wird es keinen „Reset“ geben, nach dem nichts mehr so ist, wie es mal war. Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Wir wissen heute nicht, wie es ausgehen wird, aber wir haben die Gewissheit, dass der Wahlsieg Obamas einen Sinn hat. Mehr kann man realistisch nicht einfordern.
Jens Berger
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Kategorien: US-Wahlen 08 USA
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@Sf Danke – ein sehr lesenswerter Beitrag.
@SF Eine gute Analyse.
Beeindruckend finde ich auch den internationalen Vertrauensvorschuss, mit dem Obama begegnet wird.
Wir Deutsche mit unseren langweiligen Politikern sind ja oft leicht zu begeistern. Aber die Reaktionen vieler Menschen von denen ich gelesen habe, ob in Südamerika, China, Frankreich, Großbritannien und sogar im Nahen und Mittleren Osten, sind zum übergroßen Teil positiv und erwartungsfroh.
Israel ist skeptisch, das kann ich verstehen. Was ist nicht verstehe, sind die aktuellen Töne aus Russland. Statt mit diplomatischen Wohlwollen knallt Medwedew dem neuen Präsidenten am Tag nach dessen Wahl Kurzstreckenraketen vor die Füsse.
Russland fühlt sich sicher zurecht durch den “Raketenschirm” in Polen bedroht, keine Frage. Aber diese Provokation ist nicht auf Obamas Mist gewachsen. Dieses neue Gegenaufrüsten schränkt Obamas Optionen von Anfang an ein – und das ohne Not.
Von daher finde ich den Ton und den Zeitpunkt von Medwedews Auslassungen mehr als fahrlässig.
Jens
@Jens-Flens
Ich bitte Dich, ein “change” wird es ja wohl kaum mit HypnObama für Russland geben.
@Jens-Flens
Wer Russland skeptisch gegenübersteht, hätte da folgende Erklärung parat: Russland hat kein Interesse an einer Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, da es so bessere Einflussmöglichkeiten auf Europa hat.
@Jens Flens
die harte Gangart der Russen mag überzogen sein. Aber Medwedews Rede bezog sich ausschließlich auf die US-Regierung bzw. -politik. Persönliche Attacken auf Obama gab es überhaupt nicht.
Ich vermute, für Ihre Argumente dient Frank Nienhuysen’s SZ-Kommentar, welcher die Rede des Medwedews als persönliche Attacke auf den neuen US-Präsidenten umgedeutet hat. Das ist nix neues in den sog. “Qualitätszeitungen”.
Viele Worte, nix Konkretes. Bis jetzt ist Obama lediglich ein begeisternder Redner, nicht so eine Dumpfbacke wie der jetzige Regierende.
“Wir wissen heute nicht, wie es ausgehen wird, aber wir haben die Gewissheit, dass der Wahlsieg Obamas einen Sinn hat.”
Einen Sinn hätte McCains Sieg auch gehabt. Fragt sich, ob nicht im Endeffekt den Gleichen:
America first!
Die Russen haben doch auch von dem achsotollen, gehypten Obama nix zu erwarten. Zudem kennen Sie doch einen von Obamas Beratern nur zu gut…Zbigniew Brzeziński
Ich kann die Begeisterung schon verstehen. Nach den langen Jahren Bush, wird jemand Präsident der erst im Nebensatz mit Krieg droht und ansonsten auf der Hoffnungsflöte ganz allerliebst den US-Amerikanischen Traum spielt. Nach dem Massenmörder Bush ist ein Rattenfänger Obama schon ein gigantischer Vortschritt!
Schauen wir mal! Gerne werde ich zu geben das ich mich geirrt habe. Ich werde mich voller Demut entschuldigen mir eine Baseball-Kappe aufsetzen und eine Lobeshymne auf US-Amerika singen. Sobald gewiss ist ob US-Amerika in Rassenunruhen versinkt oder nicht. Sobalt gewiss ist ob Obama einen wirklichen Gerechtigkeitssinn besitzt oder auch nur das für Gerecht hält was Amerika nützt. Sobalt gewiss ist ob er das gleiche “change in washington” meint von dem schon Bush in seinem Wahlkampf geredet hat – oder vielleicht doch ein anders. Sobald ich weiß, ob das US-Millitär Budget halbiert wird oder nicht. Sobald ich weiß ob Guantanamo und all die anderen BlackSites bedinungslos geschlossen wird oder nicht – sobald werde ich mich entschuldigen. Bisdahin bleibt auch der charmante und begeisternde Obama ein potentieller Massenmörder.
@SF 4
Hehe, diplomatisch ausgedrückt und vermutlich hast Du Recht.
@Freerk 5
Nein natürlich nicht. Medwedew hat ihn gar nicht erwähnt, geschweige denn ihn zu seiner Wahl gratuliert. Ich bin Russland gegnüber nun wirklich nicht übermäßig kritisch eingestellt (streite mich da auch häufig mit meiner Frau :-), aber so ein Verhalten gehört sch unter Demokraten nicht. Ich unterstelle dabei, dass sich Medwedew für einen solchen hält.
Den SZ-Kommentar hatte ich noch nicht gelesen (eben nachgeholt). OK, vielleicht ist der Zeitpunkt tatsächlich Zufall, wie Nienhuysen nahelegt. Aber bei Obama wird so ein Verhalten wahrscheinlich mit einem Augenrollen quittieren. Ist er doch auch angetreten, um diese Kalte-Krieg-Rethorik zu überwinden.
Jens
@knt
Schön geschrieben. Ich werde natürlich die Entwicklung aufmerksam verfolgen und Herrn Obama ebenso hart anfassen, wie jeden anderen, wenn er die *realistischen* Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, enttäuschen sollte.
Ich glaube auch nicht, dass die Russen viel von Obama erwarten und erwarten können.
Zudem ist es glaube ich Strategie erst einmal auf stur zu schalten und der Regierung Obama’s den Vortritt lassen. Umschwenken kann man bei Bedarf immer noch.
Wie ich finde auch zurecht, schliesslich haben die Amerikaner zur Deeskalation nicht beigetragen (Stichwort NATO-Osterweiterung, Anerkennung des Kosovo, orangene Revolution Ukraine und Rosenrevolution in Georgien und die Kaukasus-Krise) und auf Kompromisse im Falle des Raketenabwehrschildes, wie z.B. den Aufbau einer gemeinsamen Radaranlage in Aserbaidschan, wurden nicht eingegangen. Insofern wären durchaus die Amerikaner in der Pflicht zu zeigen, dass auch sie keinen neuen Kalten Krieg wollen.
@9: “Nein natürlich nicht. Medwedew hat ihn gar nicht erwähnt, geschweige denn ihn zu seiner Wahl gratuliert.”
Na was erwartest du? Hat die Merkel – oder irgend ein anderer EU Staatschef – Obama schon in einer öffendlichen Rede gratuliert? Das war auch nicht irgendeine Rede am Rande eines Essens mit Lokal-Prominenz – das war DIE politische Grundsatzrede des russischen Präsidenten vor der versammelten politischen Elite der stolzen russichen Nation. Natürlich wurde Obama nicht erwähnt – genauso wenig wie die Merkel einen Staatschef in ihrer Neujahrsansprache gratulieren würde.
Medewedw wird Obama schon gratulieren/gratuliert haben – wie man sowas nun mal macht: persönlich per Telefon. Lawrow scheint auch schon ein erstes Treffen der beiden am Rande des Weltfinanzgipfels am 15. November in Washington vorzubereiten.
SUDANESE FOREIGN MINISTRY SPOKESMAN ALI AL-SADIG
“We don’t expect any change through our previous experience with the Democrats. When it comes to foreign policy there is no difference between the Republicans and the Democrats.”
Das beschreibt ziemlich gut meine Vorstellung von amerikanischer Aussenpolitik. Obama mag zwar besonnen sein und nicht gleich die Kriegskeule schwingen aber schließlich hat er für alles bestimmt ein Dutzend Berater, die im die Bauchschmerzen schon wegreden werden.
@9 Schlecht informiert: Medwedjew hat Obama sehr wohl zu seiner Wahl gratuliert. Die Ankündigung der Iskander-Raketen war eine Reaktion auf die Aufstellung der US-Raketen. Jede Verzögerung oder Unterlassung einer Reaktion hätte Russland da in die Defensive gebracht, spätere Reaktionen wären immer stärker als speziell auf den neuen Präsidenten gemünzt interpretiert worden. Insofern zielt die russische Reaktion auf eine verfehlte und aggressive US-Politik, nicht auf eine spezielle Regierung. Und da sich Obama während seines Wahlkampfs nicht gerade diplomatisch gegenüber Russland geäussert hat, kann er zumindest nicht auf Leisetreterei hoffen, nur weil er gewählt worden ist.
Ich möchte hier die übliche Brzesinki-Debatte nicht allzusehr aufrollen. Aber bei Putin ist sicher, bei Medwedjew wahrscheinlich, dass er sowohl Grand Chessboard als auch Second Chance gelesen, zumindest zur Kenntnis genommen hat. Gegen solche Vorstellungen von haben die Russen Pflöcke eingeschlagen. Unilateralismus ist mit ihnen nicht zu machen, und auch eine US-Nato-Beherrschungspolitik in Eurasien dürfte da nicht so ohne weiteres hingenommen werden. Es ist diplomatisch eher vernünftig, das so rechtzeitig klarzumachen, dass es kein Affront gegen eine gerade neue Regierung wird. So sind meiner Meinung nach auch die Russischen Äusserungen zum Kaukasus etc. zu verstehen. Es liegt an Obama, daraus Schlüsse zu ziehen.
RWE-Matt – Kommentar Nr. 7:
Ich stimme Dir zu! Ende der 90er Jahre hatte Russland-Fresser Brzezinzki in einem Interview ausgeplaudert, daß er als Carters Sicherheitsberater gezielte Geheimdienst-Operationen gegen Afghanistan veranlaßte, um die Sowjetunion zum Einmarsch in dieses Land zu provozieren. Das US-Ziel: Man wollte der Sowjetunion ihr Vietnam bereiten.
Afghanistan und die Welt leiden noch heute unter dem damals gezielt hochgezüchteten islamischen Fundamentalismus.
Abgesehen davon war auch die USA heute mit drohungen richtung Russland nicht zimperlich:
@all
Ach herrjeh, die Brzezinzki-Diskussion schon wieder ;-)
Wo habt Ihr das eigentlich schon wieder her? Eigentlich wird doch nur in außenpolitischen Fachzeitschriften über ihn berichtet – und dann meist so kompetent, dass Ihr eigentlich nicht auf solche Gedanken kommen solltet.
Ich sehe schon – da ist ein spezieller Artikel vonnöten.
Jetzt nur soviel: Brzezinzki ist sicher kein “Russenfresser” – er vertritt allerdings idT eine distanzierte Linie gegen Russland. Jetzt einen neuen kalten Krieg herbeizureden, ist indes völlig falsch – Brzezinzki ist intelligent. Er ist so intelligent, dass er weiß, dass sich die USA einen neuen kalten Krieg weder leisten können, noch wollen. Zu seinen Reden und Taten aus der Vergangenheit: Er stand hinter der Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan – das war aber aus amerikanischer Sicht in den Zeiten des Kalten Krieges nicht eben dumm. Zum Boomerang wurde das erst, nachdem Reagan (Nachfolger von Carter, für den Brzezinzki gearbeitet hat) die Mudschaheddin hat fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel. Brzezinzki hat damals übrigens damals scharf dagegen opponiert.
Christian Malzahn…
und mein Tag ist versaut….
@tranwarp
Das “beste” an Obama ist, dass ihm Artikel des SPIEGELS vollkommen wurscht sein können ;-)
Das natürlich nun die ganze deutsche Meinungsmacherszene mit Ratschlägen kommt, war klar – Malzahn, Steingart (auch der hätte Dir schon den Tag versauen können), Joffe und auch mein Freund Kornelius mussten natürlich schon ihren Sermon abgeben – aber damit verdienen sie schließlich auch ihr Geld.
SF – Kommentar Nr. 17:
Zu Afghanistan: Das läßt sich nachlesen in Jürgen Roths Buch “Netzwerke des Terrors”.
Brzezinski wurde in dem Interview darauf angesprochen, daß niemand der Sowjetunion damals glaubte, daß die USA verdeckte Operationen in Afghanistan ausführten bzw. unterstützten. Er wurde gefragt, ob er auch vor dem Hintergrund der negativen Folgen irgendetwas bereue. Das verneinte er, denn die Sowjetunion sei wunderbar in die afghan. Falle getappt.
> Hoffnung ist nicht nur Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat
Das genau war der Satz, nach dem ich gesucht hatte, aber ums Verrecken nicht finden konnte.
Die Dankesrede von Obama in Chicago hat mir, ehrlich gesagt, Tränen in die Augen getrieben (obwohl mir durchaus klar ist, daß der Präsident der USA keineswegs jene Macht zur Veränderung in den Händen hält, die man dem “mächtigsten Mann der Welt” gern unterstellt) – jetzt kann ich auch benennen, warum. – Danke, Jens.
Jens, ein schöner Artikel. Eine Frage bleibt zumindest für mich an dich. Du hast geschrieben:
“Die Hybris ihrer Führer hat die USA in eine tiefe Krise manövriert. Das amerikanische Imperium ist in den letzten zehn Jahren rapide von einer Überdehnungsphase in eine Erschöpfungsphase, und schließlich in eine Abstiegsphase übergegangen. Dieser Prozess ist irreversibel, …”
Die Phasen mal beiseite gelassen – woher nimmst du die Gewissheit, dass der Prozess des Abstiegs irreversibel ist? Man kann das Modell des “overstretched imperiums” wohl aus der Geschichte des Römischen Reiches herauskristallisieren, aber wird die Geschichte der USA diesem Modell einfach folgen?
Besonders dem letzten Abschnitt meine Zustimmung…wie war das:
Würden Wahlen etwas ändern, wären sie längst verboten oder so.
Allerdings bin ich schon gespannt, was für eine Bilanz in 4 Jahren gezogen wird.
@zoom
Die Phasen sind dem Buch “Aufstieg und der Fall der großen Mächte” des englischen Historikers Paul Kennedy entnommen. Er hat Ende der 1980er eine umfassende Abhandlung über die Dynamik von Imperien abgefasst und (m.W. als erster Historiker) hierbei besonders die Ökonomie mit einbezogen. Eine der Kernthesen Kennedys ist, das diese Dynamik allenfalls kurzfristig außer Kraft aber nie zurückgedreht werden kann. Ich halte das auch im Falle des US-Imperiums für evident. Die Welt wird wieder in eine multipolare Phase eintreten, in der es vorerst keine neuen Imperien gibt.
Danke für die gute Analyse der amerikanischen Wahlentscheidung. Ich bin auch gespannt, was Obama bewegen und ändern wird – besser als unter Bush wird es sicherlich. Allerdings hat Obama nun auch die Finanz- & Wirtschaftskrise vor der Brust, das wird ihm die Arbeit nicht gerade erleichtern.
Noch ein Nachtrag zu Brzezinski:
In der Juli-Ausgabe der ‘Blätter für deutsche und internationale Politik’ erschien folgender Beitrag:
“Die Welt als Schachbrett: Der neue kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski”.
Diesen Beitrag gibts leider nur in der Print-Ausgabe.
@spiegelfechter
Vielen Dank für den Hinweis. Für mich ist allerdings immer noch die Absolutheit deiner Aussage “Dieser Prozess ist irreversibel” irritierend. Na, ja – man muss ja auch mal kraftvoll zubeißen ;-) Auf jeden Fall ein Punkt, den ich auf “Wiedervorlage” setze.
@Thomas
Damit hat er ja (wenn man die Ideologie einmal herausläßt) auch recht.
Den Artikel kenne ich nicht, aber alleine der Titel lässt mich zweifeln – die “Schachbrett-Doktrin” ist über zehn Jahre alt und wird von Brzezinski schon lange nicht mehr empfohlen. Seine Thesen aus den späteren Werken “The Choice” und “Second Chance” widerprechen der Schachbrett-Doktrin teilweise diametral. Bevor ich jetzt ins Detail gehe, verweise ich lieber auf den zu erwartenden Artikel über dieses Thema ;-)
“Unser” letzter Obama hiess Willy Brandt. Er konnte mit einer – moderat linken – Vision, nämlich “Mehr Demokratie wagen”, begeistern, egal wie sehr sie dann auch an den Klippen der Kalten-Krieg-Realität zerschellte und an Verschwörungen scheiterte.
Seitdem gab und gibt es hier nur neoliberalen Zynismus a.k.a. “unideologischen Pragmatismus”, in allen Schattierungen – Kohl, Schröder, Merkel, rotgrün, schwarzrot, schwarzgrün, “Jamaika”. Und von links ein bischen Gestänkere und Gejammer dagegen, aber keine Vision davon, wie eine andere Welt aussehen könnte. Auch die derzeitige Linke nicht, als Partei. Einzelne wie Katja Kipping haben eventuell Visionen.
Angeblich “linke” “soziale” Mainstream-Politik stellt sich in der Realität dann so abgefuckt und fertig dar wie die Agenda2010 oder die derzeitige (per definitionem, Spiegel Online!) Verschwörung in Hessen. Ypsilanti war schon zuviel an Idealismus.
Und man muss ja nur die “Truther” und VT-Spinner hier in den Kommentaren betrachten, für die keine Spinnerei zu abwegig ist, die “Ihnen” jede ausserirdische übermenschliche Macht und Intelligenz und Raffinesse zutrauen, und deren “kritisches Denken” sich daher auch auch nebulöses Stänkern und Raunen in Internetforen beschränkt, denn was bringt es denn schon, sich da noch zu engagieren. Lieber “recherchiert” man auf den unseriösen Seiten rechtsradikaler Spinner nach, ob da nicht georg Soros und die Illuminaten die Fäden ziehen, und hält das dann noch für irgendwie “links”.
Auf die Idee, vor einer Wahl mal bei ihren vor Jahren eingewanderten Nachbarn zu klingeln, um mit ihnen über Politik zu reden und sie zum wählen zu motivieren, würden solche Pfeifen wohl in hundert Jahren nicht kommen, mit oder ohne Obama. Auch würde hier kein türkischstämmiger Kandidat gewählt werden (klar, das wär ja auch nur ein Trick von IHNEN).
Das kommt auch daher, dass in Luhmann-Deutschland politische Begeisterung, Emotionen, nach dem dritten Reich durch ein technokratisches Verwaltungssystem ersetzt wurden, in dem der Bürger alle vier Jahre über die Grundlinie abstimmt, und ansonsten sein Votum aber eher an der Supermarktkasse abgibt. Echte Partizipation ist hier schon lange nicht mehr gefragt. Volksentscheide werden ignoriert und abgeschafft. “Experten” wie Professor Sinn erklären den Bürgern lieber, was ihre Interessen sind. Und die armen Gimpel nicken dazu staunend.
Während alle Welt in ihm einen Heiland sieht, gilt er in diesem Blog als Rattenfänger oder potentieller Massenmörder. Geht es vielleicht noch eine Spur extremer?
Nochmals zu Brzezinski und Afghanistan:
Um Brzezinskis Bewertung zu schlucken, muß man m.E. viel mehr als nur die Ideologie außer Acht lassen. Brzezinski nahm 1979 billigend Hunderttausende oder gar Millionen von Toten, Verwundeten, Obdachlosen und Flüchtlingen (von den materiellen Schäden und dem starken Aufwuchs des islamischen Extremismus mal ganz abgesehen) in Kauf, um der SU eine “Vietnam-Schmach” zu bereiten. Und es juckt ihn heute nicht einmal.
Die US-Amerikaner wollen ihre Soldaten zurück aus Afghanistan und aus dem Irak. Die Bürger haben hohe Erwartungen und es bestehen Zweifel, ob Obama die Stärke besitzt, auf des Volkes Stimme zu hören. Leider haben Lobby-Vereine wie Heritage Foundation, Center for Foreign Relations, AIPAC, Bilderberg-Konferenz und weitere einen viel größeren Einfluss auf die Politik. Ist in Deutschland genauso.
@SF: zu Brzesinskis Denke dies hier: http://www.welt.de/politik/article2296378/Russlands-Vorgehen-aehnelt-dem-von-Hitler.html – und erzähle bitte nicht, der eiskalte Blutsäufer sei auf seine alten Tage emotional geworden. Das ist die irrationale konservativ-polnische Russophobie, gepaart mit dem Grössenwahn eines, der nie wirklich Amerikaner geworden ist. Und natürlich hasst er Putin, der ihm das Schachbrett umgeschmissen hat.
Für Amerika kennzeichnend, und einer der Gründe für die durchschlagende ideologische Ausstrahlung Amerikas nach dem 2. Weltkrieg, war die Grosszügigkeit gegenüber den besiegten Feinden – und das war kein bzw. nicht nur Kalkül. Die CARE-Bewegung kam aus der Mitte der US-Bevölkerung und aus der Tiefe der US-amerikanischen Psyche. Einer der Gründe, warum ich immer wieder gern in den USA bin, ist die spontane Grossherzigkeit und Grosszügigkeit der Menschen aller Bevölkerungsschichten, ungeachtet der Engstirnigkeit, Unbildung, Provinzialität und Bigotterie und des allgegenwärtigen Hurrapatriotismus.
Auch die Peace-Corps-Bewegung, mal abgesehen von den ideologischen Implikationen, war ein Ausdruck dieser Grossherzigkeit: Zehntausende meist junger Menschen haben da in fremden Ländern Arbeit geleistet, um nach ihrer Vorstellung zu einer besseren Welt beizutragen.
Viele davon haben in den sechziger Jahren die Hippie- und Studentenbewegung und die Bewegung gegen den Vietnamkrieg mitgetragen und wurden als US-Amerikaner Vorbilder einer Generation.
Das Verhalten der USA gegenüber Russland im Verlauf des Endes der UdSSR, das ganz wesentlich von Soros und Brzesinski beeinflusst war, zeigt dagegen eine Kälte und Grausamkeit, die den Geist des Generalplans Ost, von dessen geopolitischen Teilen Chessboard Game offenkundig beeinflusst ist, eher atmet als den einer Politik, die eine ganze Generation im Westen nach dem 2. Weltkrieg mit Amerika verbunden hat.
Da wurde ja nicht einmal ein besiegter Gegner gedemütigt, sondern ein Land, das aus freien Stücken die alte Regierungsform abgeschüttelt, alle Eroberungen preisgegeben hat, weit über das hinaus, was etwa die Stalinsche Herrschaft errungen hatte, ein Land, das die Partnerschaft mit dem Westen gesucht hat und noch sucht. Und noch heute bedauert B. nur, dass es misslungen ist, das Land nach den Plänen Heydrichs weiter zu filettieren. Das ist eine US-Politik, wie sie nur bei den Narren im Baltikum und sonst in ein paar Ländern des “Neuen Europa” nicht die Alarmglocken klingeln lässt.
Mal abgesehen davon, dass ich das Selbstlob, das in Afghanistan angezettelte Blutbad habe die UdSSR erledigt, genauso peinlich finde wie das der Reagan-Anhänger, jener habe die UdSSR totgerüstet.
Nee, sag was Du willst, B. ist widerlich
Ich sehe bis zum Beweis des Gegenteils in Obama nur das kleinere Übel.
Zweifel an einem wirklichen “Change” in der US-Politik wecken u.a. die überwiegende Finanzierung der US-Wahlkämpfe durch Privatspenden (so gehört z.B. die Wallstreet m.W. zu den Großpendern Obamas) und der starke Einfluß der Medienkonzerne auch (und vielleicht gerade) in den USA.
Ich lasse mich jedoch gerne positiv überraschen.
aquadrat:
Selbst wenn die These stimmen würde, der Afghanistan-Krieg habe die Sowjetunion erledigt, dann wäre dies in keinster Weise eine “Rechtfertigung” für den gefühlsmäßig stark untertemperierten Brzeyinski. Denn 1979 wäre selbst unter der Annahme einer Niederlage der SU in Afghanistan niemand auf die Idee gekommen, daß die SU deswegen zerfällt (abgesehen von den Gefahren für den Weltfrieden, hätte zu diesem Zeitpunkt ein Hardliner an der Spitze der SU gestanden).
Was soll daran toll sein, dass ein Führer einem Volk einen “Sinn” gibt? Inhaltsleerer geht es ja wohl kaum. Was ist denn der Inhalt von dem “Sinn”-Paket? Polemisch gesagt, hat Adolf Hitler seinem Volk auch einen “Sinn” gegeben. Kommt doch irgendwie auf den Inhalt an, oder?
Inhaltlich stehen mit Obama harte Zeiten an. 160.000 Soldaten nach Afghanistan zum “Endsieg” gegen die Taliban – und jeder der sich auskennt weiß, dass dies nur geht durch einen Krieg gegen die Atommacht Pakistan (166 Millionen Einwohner also potentielle Opfer). Dafür hat Obamah die kriegerische Unterstüzung Europas gefordert (bei der Rede in Berlin, haben wohl alle überhört oder fanden das gut). Bei seiner Antrittsrede eben hat er gesagt, dass die Amerikaner patriotische Opferbereitschaft aufbringen sollen (super! kann sich jeder denken, wer da vor allem Opfer bringen soll, bestimmt nicht GM und co.). “Gemeinnutz geht vor Eigennutz” sozusagen, auch so ein Hitler-Zitat, ohne jetzt zu sehr in die Richtung abzugleiten. Außerdem hat er gesagt, dass die USA ihre Rolle als FÜHRUNGSMACHT der Welt wieder erfolgreich wahrnehmen soll – und der Rest soll sich der Führungsnation anschließen d.h. unterordnen. Das sind wahrlich schöne, “Sinn stiftende” Perspektiven.
P.S. Ich verwette meine restlichen Lehman-Derivate darauf, dass es für die Armen in den USA eben keine bezahlbare und taugliche Krankenversicherung geben wird, weil das Geld für “wichtigere” Dinge (Kriege, Bankwesen, Wirtschaft) verwendet wird. Was bleibt? Sinn. Super!
P.P.S. Außerdem sitzen in Obamahs Stab viele ausgewiesene Russenfeinde und Freunde der Freiheit und NATO-Mitgliedschaft Georgiens. Ich will mir gar nicht ausdenken, was uns in der Richtung noch alles blühen könnte.
@Jonas Meier
Mhhh, nun sind wir schon bei Hitler-Vergleichen – nett ;-)
Ich lehne mich zurück und amüsiere mich köstlich.
@aquadraht
Größtenteils gebe ich Dir ja auch recht, auch wenn Du das alles m.E. etwas derb formulierst. Außenpolitik ist aber mehr als das Great-Game zwischen Russland und den USA und man sollte auch keineswegs den Fehler machen, Putin von jeglicher Schuld loszusprechen. Er ist vielmehr ein passender Antagonist zu den amerikanischen Globalstrategen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine Seite zu verurteilen und die andere reinzuwaschen – wie es unsere Regierung und viele Medien immer gerne tun – ist freilich heuchlerisch und bigott. Ich teile B.´s Russland-Politik übrigens nicht einmal im Ansatz, aber vor allem in puncto Naher- und Mittlerer Osten teile ich B.´s Positionen in fast allen Punkten und da ich den Konflikt USA und Rußland eher als einen virtuellen Konflikt betrachte, während in anderen Krisenregionen tagtäglich tausende Menschen sterben, gewichte das etwas anders als Du. Von daher kann ich auch kein großes Problem darin sehen, dass B. ein Berater von Obama ist – wenn man sich die potentiellen außenpolitischen Berater des US-Politgeschäfts so anschaut, ist B. sicher einer der besseren.
Das ist nun aber auch mein letzter Kommentar zum leidigen Thema B..
Ich habe mal kurz in der Bloggosphäre herumgeschaut und bin nun doch ein wenig erheitert:
In einem Interview sagte B. auf die Frage, was die Bilderberg Group bei ihren geheimen Treffen macht, an denen er doch teilgenommen hat, folgendes:
„Der Zweck dieser geheimen Treffen ist es, effektive Wege zu finden, wie man den Armen das Blut aussaugen kann, sie auszunutzen, ihre Identität zu unterdrücken und sie abhängig zu machen von fremder Kontrolle“
Der Mann hat wenigstens Verstand und Humor – anders als der berichtende Blogger, der die Ironie nicht einmal erkennt. Das Netz ist schon lustig ;-)
Wir sind arme Menschen, solange wir glauben von einer Person geht eine positive Veränderung aus. Selbst wenn dies mal passiert, wird es langfristig nichts ändern.
Wie traurig ist es um uns bestellt, darauf Hoffnung haben zu müssen.
@12
http://www.youtube.com/watch?v=36Kt5loB8g4
Sogar der Spiegel fragt, ob sie mit dem neuen Präsidenten wohl warm wird.
@38 „Der Zweck dieser geheimen Treffen ist es, effektive Wege zu finden, wie man den Armen das Blut aussaugen kann, sie auszunutzen, ihre Identität zu unterdrücken und sie abhängig zu machen von fremder Kontrolle“
Der ist wirklich gut! LOL
Thema Einzelpersonen:
Was mir immer wieder auffällt ist, dass viele Menschen politische Strömungen an Einzelpersonen wie Obama und Brzezinski knüpfen.
Ich glaube eher, dass es eine Gesellschaftsdynamik wie im kleinen Kreis eine Gruppendynamik gibt, die durch Einzelpersonen zwar repräsentiert wird, aber eben diese Individuen nur durch die eigene Dynamik nach oben spült.
Ein Schäuble wäre nicht ohne eine breite Grundhaltung in der Bevölkerung möglich, ebensowenig wie ein Bush oder sonstwer.
Dass in den USA eine Rekordwahlbeteiligung für einen “Change” (was immer das auch werden wird) gestimmt hat, hat meines Erachtens eine Gesellschaftsdynamik in Gang gesetzt, die andere Ideologien und gesellschaftliche Strukturvorstellungen nach oben spülen wird. Selbst der schlimmste Alleinherrscher kann ohne sein Volk nur kurzzeitig regieren und das auch nur sehr ineffektiv.
Vielleicht befinden wir uns wirklich an einem Wendepunkt, bei dem ein Obama nur ein beschreibendes Mosaiksteinchen ist. Schön wär’s und das Verhalten der Amerikaner läßt zumindest auf den Willen zu einer Neuorientierung schließen. Vielleicht werden im Rahmen dieser gesellschaftlichen Bewegungen ja auch neue Einzelpersonen nach oben gespült, die bessere Entscheidungen treffen als ihre Vorgänger.
Der springende Punkt ist: Brzezinski’s und andere Menschenverachter sind nur ein Spiegel der hinter ihnen stehenden Gesellschaft, die ohne breiten Rückhalt in der Gesellschaft zwar ihre Pestilenz in die Welt kotzen aber nicht umsetzen können. Der Mensch ist ein Rudeltier, richtig, aber wer schon mal mit Wolfs- und Hunderudeln zu tun hatte weiss, dass die einzelnen Alphatiere nur dann mächtig sind, solange sie Entscheidungen treffen, die dem allgemeinen Konsens der Nutzhaftigkeit entsprechen. Ich denke, dass wir hier völlig unabhängig von den Protagonisten eine Chance sehen und hoffe, dass sie von den “richtigen” Einzelpersonen ergriffen werden wird.
Es wird sicher keinen Knall geben und alles ist gut. Aber vielleicht gibt es endlich die Intention, die Welt etwas besser und lebenswerter zu machen. Auch kleine Schritte können langfristig zu einem großen Ziel führen.
Meine Güte, der Mahlzahl hat echt schwere psychische Probleme (was ein Pimpf):
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,588738,00.html
Russland im Artikel fett gedruckt; Satzkonstruktionen wie diese:
“Das aggressive Vorpreschen des Russen wird auch jene Politiker in Europa verstören, die bisher Verständnis für Moskaus Position gezeigt haben.”
werden mittlerweile als normal wahrgenommen. Wie würden wir sie wahrnehmen, wenn er so lauten würde:
“Das aggressive Vorpreschen des Österreichers wird auch jene Politiker in Europa verstören, die bisher Verständnis für Wiens Position gezeigt haben.”
…
Der mit Milliarden Dollar finanzierte Wahlkampf für die Kandidaten der Eliten hat die tatsächlich bestehenden Nöte, Wünsche, Hoffnungen, Bedürfnisse der einfachen amerikanischen Bürger ironischerweise widerspiegeln müssen, sie angetrieben und als ein Gefühl der notwendigen Veränderung verkauft. Ein Gefühl, dessen innerer Kreis unklar, verschwommen und der innerhalb der Vertreter und Vertretenen zu sich selbst entgegengesetzt steht. Während die Eliten von einem “Change has come to Amerika” von der weiteren Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums innerhalb der Vereinigten Staaten träumen, träumen die davon Betroffenen genau den entgegengesetzten Traum. Dieser von tatsächlichen Nöten getragene Traum wird im schlimmsten Fall im Dauerfeuer der Medienkonzerne und Werbemillionen erstickt werden und in einem nationalisierten Bürgerkrieg nach Farbe und Sprache untergehen oder im besten Fall, eine Bewegung hervorbringen, die einer Chavezierung der Vereinigten Staaten gleichkommt.
Für die Eliten soll Obama nur die Kontrolle dieser geweckten Emotionen sicherstellen, die sozialen Gegensätze kanalysieren und zu einer realistischen imperialen Politik der Vereinigten Staaten zurückkehren. Das ist seine einzige Aufgabe.
Was bei mir Zweifel an einem tatsächlichen Richtungswechsel weckt, ist zum einen die
starke Finanzierung der US-Wahlkämpfe über Privatspenden. Meines Wisses gehört z.B. die Wallstreet zu den Großspendern Obamas.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die US-Medienkonzerne einen deutlichen Richtungswechsel der US-Politik zulassen werden. Der nachdenklichere Teil der US-”Eliten”
hat zwar erkannt, daß Bushs Politik den US-Interessen in der Welt massiv geschadet hat.
Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese “Eliten” viel mehr als ein rethorisch geschickteres
Verkaufen der US-Politik zulassen werden.
Man wird auch genau darauf achten müssen, daß das stärkere Einbeziehen z.B. der Europäer sich nicht darin erschöpft, völkerrechtswidrige Elemente der US-Politik auf eine
international breitere Grundlage zu stellen. Denn dies ändert nichts am völkerrechtwidrigen
Charakter dieser Politik.
Ich muss allerdings zugeben: Es kann durchaus sein, daß ich die Dinge zu pessimistisch sehe. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Die mehr als deutlich zu Tage tretenden
weltweiten “Kollateralschäden” der neoliberalen Ideologie erhöhen möglicherweise die
Optionen Obamas für eine wirkliche Neuausrichtung der US-Politik (mit hoffentlich positiven
Ausstrahlungseffekten z.B auch auf Europa).
Hallo,
soweit ich weiss ziehen es die Russen vor, mit republikanischen US-Präsidenten Verträge zu unterzeichnen. Dass die Russen mehr als skeptisch sind kann ich jedoch sehr gut nachvollziehen. Alleine der Georgienkonflikt und die wenig hinterfragte Bekundung der US-Administration auf der Seite Georgiens zu stehen und der Konflikt über den Aufbau der Raketenstellungen in Polen und Tschechien, haben Russland verständlicherweise misstrauisch werden lassen.
Dass die Russen nun in Kaliningrad Störsender und Raketenmaterial stationieren ist ausschliesslich dem Misstrauen gegenüber der wahren Intention der US-Administration zu verdanken und somit eine fast logische Konsequenz. Auch wenn man dazu neigt, dieses Wettrüsten abzulehnen, kann ich die russische Reaktion (nicht Aktion) durchaus verstehen. DIe Amerikaner haben sich, wie in Jens` Artikel ja gut dargelegt wurde, überdehnt und leider auch sehr in die europäische Sicherheitspolitik (m.E. eher “Unsicherheitspolitik”) eingegeriffen, wobei sie ja weit weg von vermeintlichen Krisenherden in Europa wären, wenn es denn knallt.
Um es kurz zu machen, ich glaube die US-Nation ist sehr stark auf dem absteigenden Ast und die Obama-Administration hat mit einem Berg von Problemen zu kämpfen, der so gross ist, dass es sehr viele Rückschläge geben wird…Abgesehen von eventuellen kriegerischen Handlungen, die man jetzt noch nicht prognostizieren kann (vielleicht Iran, vielleicht Pakistan, vielleicht Russland, vielleicht China), wird das schlimmste Erwachen der US-Administration und der US-Bürger sein, dass sie wahrscheinlich ab dem Jahr 2009 die Zinsen ihrer Schulden nicht mehr zurückzahlen können, was das Finanzsystem endgültig der Bessemerbirne übergibt. Dann knallt es an allen Ecken und Enden und “froh” kann sich der schätzen, der weiss, wie man in einer chaotischen Welt überlebt…
http://infokrieg.tv/brzezinski_krise_2008_11_03.html
http://infokrieg.tv/was_ist_obamas_krise_2008_10_22.html
Ich bin immer wieder überrascht wie naive & undifferenziert über Obamas rassischen Hintergrund, als auch im Allgemeinem über die Situation von Minderheiten, dem Thema entsprechend speziell von Afro-Amerikanern, hier in Deutschland oft berichtet wird.
Obama ist ein “Half-breed” !! Er ist innerhalb der weißen Mittelklasse erzogen worden, nach seiner Rückkehr aus Indonesien.
Im Gegenteil zu dem in den europäischen oder deutschen Medien vorherrschenden Rassenverständnis, wird Obama DORT als black/white MISCHLING betrachtet.
Also, als ein Angehöriger einer SOZIALEN SCHICHT, DIE in ihrer Mehrheit, statistisch bewiesen, sich als eigene Rasse bzw. gesellschaftliche Gruppe identifizieren !! Ihre “Mitglieder” siedeln ihre Leben sehr häufig fern der “true colored brothers & sisters” an und schlagen >JENE< auf allen Gebieten. Von der Ausbildung bis zur Karriere.
Wer mehr über die derzeitige gesellschaftliche Position der Afro-Amerikaner wissen will, bitte, diesen Artikel lesen: WHITE AMERICA von Paul Street. Zu finden unter http://www.zmag.org/zspace/paulstreet oder http://www.zmag.org/viewArticle/19005. Oder die Web-Seite von black author Kai Wright: http://www.kaiwright.com/new
Abgesehen davon muss Barack Obama eine monumentale Aufgabe vollbringen um die >ailing States of America< zu sanieren und politisch zu rehabilitieren.
Von den stark eingeschränkten gegenwärtigen Bürgerrechten bis zu dem SIGNING STATEMENTS. Von den DESASTERN im Gesundheitswesen als auch im öffentlichen Schulwesen, was vor allen Dingen Afro-Amerikaner stark benachteiligt, bis zur Finanzmisere und einer möglichen multilateralen Aussenpolitik.
Ob Senator JO BIDEN dafür der richtige Vize-President und Berater an seiner Seite ist, bezweifele ich doch stark. Angesichts seiner "BLUTIGEN" Rolle bezüglich der politischen Rechtfertigung des Irak-Angriffs bzw. Krieges.
Ansonsten.... WER besser über die amerikanische Innen- als auch Aussenpolitik informiert sein möchte, der klicke doch bitte - http://www.democracynow.org – an.
Dort hört oder sieht, Mann oder Frau, was in deutschen Medien, egal, von der FAZ bis zur TAZ, leider eher gar nicht stattfindet. Nämlich gute Analysen über AMERICAN REALITY.
Nach dem ewigen CHANGE- und HOPE-Geschwafel, wird er Flagge zeigen müssen. vor allem wenn mir den neuen Vize-Presidenten, Senator Jo Biden
Fortsetzung zu 46:
Auch wenn dieser Fall hoffentlich nicht eintrifft, gibt es doch eine ganze Reihe weiterer massiver Finanzprobleme: Kreditkartenblase, Derivateblase, Hedgefonds.
Leider übersteigt es meinen Intellekt, warum Banken, Hedgefonds und Privatiers weiterhin Finanzinstrumente wie Derivate/ Leerverkäufe nutzen können. Leerverkäufe wurden einige Tage für einige Bankentitel an der US-Börse und an europäischen Börsen verboten, aber kurz danach wieder gestattet. Das sagt mir nur, dass sich nicht wirklich etwas gebessert hat. Das Problem zu lösen liegt alleine in der Möglichkeit der souveränen Staaten selbst Geld auszugeben und dies nicht einem elitären Finanzzirkel (Privatbanken) zu überlassen, um aus der Schuldenfalle, die die Welt an den Abgrund (d)rückt, zu entkommen.
http://infokrieg.tv/geldsystem_und_welfinanzkrise_2008_10_31.html
Obama ist kein neuer Martin Luther King. Die Unterschiede zwischen beiden könnten kaum größer sein: der eine studierte in Harvard, der andere war Pfarrer und wurde über zwei Dutzend Mal wegen Bürgerrechtsdemonstrationen inhaftiert.
Der Apparat der Bushisten existiert nachwievor. Das ausführende Personal ist weiterhin tätig. Die Zusammensetzung des obersten Gerichtshofs wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten kaum wesentlich ändern. Die sog. “Heimatschutzbehörde” wird weiter Bestand haben. Murdoch bleibt Eigentümer von Fox und kann damit – zumindest in den USA – auch zukünftig die mediale Deutungshoheit beanspruchen. Vielleicht wird wenigstens das weltweite American Gulag geschlossen.
Die wirtschaftliche Situation der USA ist verheerend. Das sog. Rettungspaket, das Bush und die Verantwortlichen für die Krise ausgebrütet haben, wird über Bushs Abwahl hinaus Bestand haben und den wirtschaftspolitischen Spielraum der neuen Administration begrenzen. Die Verträge mit Halliburton, Kellogs & Brown etc.pp. werden nicht ungültig, bloß weil die Person, die im Oval Office sitzt, gewechselt hat. Usw.usf.
Ich lasse mich natürlich gerne positiv überraschen, aber vorerst bleibe ich skeptisch. Obama wäre nicht der erste sogenannte Hoffnungsträger, der die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuscht. Der letzte war Clinton. Das Ergebnis dürfte bekannt sein.
@42
ja, ich sehe das ähnlich, auch wenn ich glaube, dass politisches Handeln, insofern es im Rahmen des Establishments ist, nicht restlos ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Es gibt Brüche, mehr oder weniger große, die ausdrücken, in welchem Maße dem Establishment es gelingt, seine Interessen als die allgemeinen durchzusetzen. Ich gehe davon aus, dass das, was Obama an die Macht gespült hat, seine Kraft im Wesentlichen auch von einer an der Basis verankerten Gegenbewegung zum politischen Handeln des Establishments ist. Insofern drückt sich darin ein Bruch aus. Diese Bewegung hat in Obama ihren personifizierten Ausdruck gefunden. Das ist die eine Geschichte. Die andere ist das Produkt Obama, das sie Medien verbreiten und das zur Projektionsfläche eigener Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen ist. Das andere ist Obama selbst, immerhin die Persönlichkeit, der diese konkrete breite Gegenbewegung zum Großteil ihr Vertrauen gegeben hat, und die ist widersprüchlich, gerade wenn man seine Reden und sein politisches Handeln betrachtet: Es gilt als liberaler und progressiver Senator, ein engagierter community organizer, und auch wenn er jetzt Teil der Establishments ist, ist er nicht aus ihm hervorgegangen. Ein anderes ist sicher auch die Rolle, die ihm das Establishment ihn aufzustülpen versuchen wird, die er selbst vielleicht jetzt schon voll erfüllt, wie die Skeptiker jetzt schon befürchten.
Der Teil von Obama, dem ich jedoch vertrauen kann, ist der erste Aspekt, wenn man ihn als Phänomen fassen will: als Ausdruck der breiten gesellschaftlichen Gegenbewegung, die tatsächlich den Wandel will, und zwar keinen bloß symbolischen, sondern einen realen, der den Interessen von Herrschaft entgegengesetzt ist.
Ich glaube, die grundsätzlich skeptische Haltung einiger Linke – ich habe den Eindruck, dass sie bei Teilen der deutschen Linke besonders ausgeprägt ist, diese dunkle Lust am totalen Untergang – führt entweder nur zu Resignation oder zur Einschätzung, dass nur Gewalt positive Veränderung bringen kann. Vielleicht wird die Zukunft zeigen, dass sie recht haben. Ich habe aber Vertrauen zu den Menschen in den USA, die progressive Basis, die diese Gegenbewegugn trägt, und von denen ich ausgehe, dass sie wachsam sein werden. Sollte Obama restlos in die ihm vom Establishment vorgesehene Rolle aufgehen, bin ich mir sicher, dass diese Menschen sich nicht mit dem Medienprodukt abfinden werden, mit dem das Establishment sie zu versöhnen versuchen wird. Und wenn man sich anschaut, was diese Menschen zu tun gedenken, stimmt mich das optimistisch: Die werden nicht abwarten, was eine Obama Regierung tut, sondern sie daran erinnern, wozu sie an die Macht gebracht worden ist.
http://www.democracynow.org/2008/11/5/iraq_vet_calls_on_antiwar_movement
http://www.thenation.com/doc/20081117/kvh
http://www.thenation.com/blogs/edcut/380292/transformational_presidency
usw
@Ashino Wolf
du hast zum Teil recht, Obama ist bei Teilen der politische organisierten Schwarzen umstritten. Er ist ihnen wohl nicht ’schwarz’ genug. Aber was willst du damit sagen? Nur weil seine Sozialisierung eine andere ist als die der meisten benachteiligten Schwarzen, soll er prinzipiell unwillens und unfähig sein, für ihre Interessen einzutreten? Man sollte nicht vergessen, dass der überwiegende Teil der Schwarze, zumindest derer, die gewählt haben (bei der höchsten Wahlbeteiligung seit dem 2. Weltkrieg), ihm ihre Stimme gegeben haben. Man sollte zwar vor dem blinden Euphorismus hüten, aber auch vor solchem resignierten Fatalismus.
“Was bei mir Zweifel an einem tatsächlichen Richtungswechsel weckt, ist zum einen die
starke Finanzierung der US-Wahlkämpfe über Privatspenden. Meines Wisses gehört z.B. die Wallstreet zu den Großspendern Obamas.”
ja, so ist die Realität des US-Präsidentschaftswahlkampfs. Mir gefältt sie auch nicht. Es wäre besser, wenn die Abhängigkeit von privater Fianzierung zurückgedrängt würde. Man darf aber nicht vergessen, dass der Ursprung der Finanzierung in der main street liegt, in den Gemeinden, bei den Menschen, die von Anfang an, Obama unterstützt haben, als er noch nur ein Außenseiter war, und zwar nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen. Das hat auch Obama bei seiner ersten Rede nach dem Sieg nochmals verdeutlicht.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Art und Weise, wie in den deutschen mainstream-Medien über diesen Wechsel geschrieben wird. Ganz nach Art der Dichotomie Gewinner-Verlierer wird er als persönlicher Erfolg von Obama betont, als vorläufiger Abschluß in der Karriere eines begabten Menschen, der sich diese Position, dieses Privileg verdient hat; die breite gesellschaftliche Bewegung, die das erst möglich gemacht hat und deren Ausdruck er ist, wird, wenn überhaupt, nur nebenbei erwähnt.
@Jens
Ok, ich darf keine Hitlervergleiche machen. Geschenkt, auch wenn du mir nicht erklärst, warum ich das nicht machen darf. Wenn hundertausende Patrioten ihrem nationalen Führer zujubeln, dann erinnert mich das eben daran. Aber, wie gesagt, geschenkt, wenn du dich darüber so sehr empörst, dass dir zu dem, was ich inhaltlich gesagt habe, deshalb gar nichts mehr einfällt.
Also nochmal: wieso sollte man jemanden bewundern, der den “War on Terrorism” unter “American Leadership” weiterführen will, ihn in Afghanisten mit 10.000den neuer Soldaten sogar total eskalieren lassen will? Was, wie gesagt, auf einen Krieg gegen Pakistan hinauslaufen wird. Und dort leben 160 Millionen potentielle Kriegsopfer.
Ich empfinde bei Obama nicht Hoffnung sondern Furcht:
“And to all those watching tonight from beyond our shores, from parliaments and palaces to those who are huddled around radios in the forgotten corners of our world –- our stories are singular, but our destiny is shared, and a new dawn of American leadership is at hand. To those who would tear this world down –- we will defeat you.”
http://latimesblogs.latimes.com/washington/2008/11/barack-obama.html
@52
Sagen wir es mal so…
Einmal habe ich live eine Rede von ihm gehoert & gesehen, und ja, er wirkte sehr verführerisch und war äusserst charismatisch. Er war in meinen Augen fast (zu) perfekt, und das hat auch mich erst mitgerissen und Begeisterung für diesen Menschen und seine Ideen haben lassen; aber dann ist mir doch aufgefallen, dass man u.U. (speziell Deutsche) etwas vorsichtiger mit solch mitreissenden und womöglich die Massen beeinflussenden Menschen sein sollte. Die Gefahr, hier masslos manipuliert zu werden ist immanent und u.U. gefährlich.
Gruss
Gruss
Zum Thema Kurzstreckenraketen ein paar Gedanken:
Könnte es sich dabei um eine Art des Testballon Medwedews um die Reaktionen des “neuen” Washingtons auszuloten? Folgt Obama eher dem Kurs Bushs, dann hat man sie schon in einer Frühphase in Stellung gebracht, zeigt Obama sich kooperativ kann man sie ja immer noch wieder als Geste des guten Willens abziehen.
Vielleicht will man auch die Übergangsphase in der sich die neue US Regierung nun konstituiert auch nutzen um strategische Fakten zu schaffen in einer Zeit in der all zu heftige Reaktionen aus Washington eher unwahrscheinlich sind, da Obama noch mit der Regierungsbildung beschäftigt ist und noch keinen klaren strategischen Kurs gegenüber Russland ausgebildet hat? So hätte man auch ein “Handelsgut” falls die Regierung Obama bereit ist über die Aufstellung des “Raketenschirms” neu zu verhandeln.
Außerdem erinnere ich mich, dass die Aufstellung von Mittelstreckenraketen schon länger angedroht war, daher halte ich die These, dass die Botschaft mit der Aufstellung weniger an die US-Regierung gerichtet ist , sondern mehr an die eigenen Eliten und die Staaten Osteuropas.
gut, Einige muss man wohl dem verschworenen Untergang und dem Bunker überlassen, in dem sie sich selbst eingesperrt haben, zu solchen Vergleichen sage ich lieber nicht, was mir einfällt
als Kontrapunkt zur Stimme derer, denen nichts Anderes als das Ausmalen der totalsten Weltuntergangsbilder einfällt, die folgende Stimme
“Barack Obama’s resounding victory has brought even this cynical observer of Democratic Party politics to dare to hope, believing that — as a child of the Eisenhower era — I will soon be witnessing the most progressive presidential administration of my lifetime.
This hope, which I fully realize may prove to be naive, rests upon Obama’s personal history as a community organizer, his base of support in the party’s left wing, and the remarkable shift in internal Democratic Party politics in recent years.”
http://www.alternet.org/election08/106137/the_hope_of_obama_/
p.s.
es fehlt auch noch, dass hier ein Bürgerrechtler wie Jesse Jackson auf Grund seiner Tränen bei dem Wahlerfolg Obamas mit den Deutschen verglichen wird, die begeistert Goebbels ‘wollt ihr den totalen Krieg’ zustimmten
Leute, habt ihr sie noch alle? Nein, offensichtlich nicht
eine andere, medienkritische Stimme
der Wahlkampf als kontinuierlicher medialer Selbstzweck, in den Medien geht es schon um den nächsten
“imperial election”
http://www.tomdispatch.com/post/174998/heading_for_2012
Aus dem tagesschau.de-Ticker: “US-Präsident Bush hat seinem Amtsnachfolger Obama gratuliert. Er sprach von einem “beeindruckendem Sieg”, der den amerikanischen Traum widerspiegele. Vor Obama liegen nun große Herausforderungen: “Zwei Kriege, ein Planet in Gefahr und die schwerste Finanzkrise”, sagte der künftige Präsident nach seinem Sieg.”
@55
Ich habe nichts gegen Hoffnung, und auch ich hoffe auf eine bessere Zeit…
Die Vorzeichen und die Probleme, die die USA und auch die Welt zu bewältigen haben, sind jedoch nicht von “schlechten Eltern”.
Die Euphorie ist schön und gut, nur bestehen einfach Bedenken, ob nicht alle Wünsche und Träume und Sehnsüchte des Volkes, harsch auf dem Boden der Realität aufprallen werden. Es wird sicherlich nicht alles “anders oder besser” sein unter Obama, da auch er in Zwängen (wie jeder Politiker) steckt, die nicht einfach so überwunden werden können.
Hoffend, dass er ein guter Mensch mit einer Seele, einem grossen Herzen und mit gesundem Menschenverstand ist, müssen wir ihn in den schwierigsten Job der Welt entlassen…
Gruss
Gruss
“Die Welt als Schachbrett” von Hauke Ritz ist ungekürzt auf hintergrund.de abrufbar:
http://www.hintergrund.de/index.php?option=com_content&task=view&id=235
Die These, dass Brzezinskis strategische Denkweise in die aussenpolitischen Vorstellungen der Obama-Administration einfliessen dürfte ist nicht abwegig wenn man berücksichtigt, welche Personen von Obama als entscheidende Berater hinzugezogen werden. Immerhin lässt sich die amerikanische Afghanistan- und allgemein Eurasien-Politik nur nachvollziehen, wenn man die zentralen Prämissen Brzezinskis einschliesst.
@ 55 salvo:
… and the remarkable shift in internal Democratic Party politics in recent years.”
Als da wäre? Hat es ein, durch die Demokraten initiiertes, Amtsenthebungsverfahren gegen Bush gegeben, von dem ich nichts mitbekommen habe? Ist etwa geplant, das sogenannte “Rettungspaket” (aka Boni und Dividenden für die Investmentbranche aus der Steuerkasse) rückgängig zu machen? Haben die Demokraten schon angekündigt, die usamerikanischen Truppen aus Afghanistan und Irak zurückzuziehen?
Bislang ist Obama nur eines: eine Projektionsfläche für mancherlei Hoffnungen, die zum Teil sogar diametral entgegengesetzt sind. “Yes we can” ist ein ziemlich schwammiges Motto, das Interpretationen jede Menge Raum bietet.
Als Clinton seinerzeit Bushs Daddy ablöste und somit scheinbar die Reaganzeit beendete, gab es ebenfalls eine Menge Hoffnungen auf sozialen Wandel und einen Wechsel in der Außenpolitik. Stattdessen bekamen wir den Jugoslawienkrieg, der das Völkerrecht irreparabel schädigte und die Lewinski-Bombardements in Sudan und Afghanistan, mit denen Clinton von seiner Zigarrenaffäre abzulenken hoffte.
Übrigens gab es bei den Bushisten ebenfalls sog. Afroamerikaner in der Administration: Rice und Powell. Muß ich wohl nicht näher ausführen, oder? Nicht jeder dunkelhäutige USamerikaner ist automatisch ein “Bürgerrechtler”.
Sollte Obama restlos in die ihm vom Establishment vorgesehene Rolle aufgehen, bin ich mir sicher, dass diese Menschen sich nicht mit dem Medienprodukt abfinden werden, mit dem das Establishment sie zu versöhnen versuchen wird. Und wenn man sich anschaut, was diese Menschen zu tun gedenken, stimmt mich das optimistisch: Die werden nicht abwarten, was eine Obama Regierung tut, sondern sie daran erinnern, wozu sie an die Macht gebracht worden ist.
Und das glaubst du wirklich? Bislang hat noch fast ausnahmslos jeder Präsident der USA zum Mittel des Krieges zwecks patriotischer Begeisterung gegriffen, wenn die sozialen Spannungen zu groß wurden. Das hat in der Regel auch prima geklappt. Wenn das “Starspangled Banner” gespielt wird und die Airforce blauweißrote Streifen in den Himmel zeichnet, kommen der übergroßen Mehrheit der Amis die Tränen.
Wenn Obama das American Gulag schließt (das gesamte, nicht nur Guantanamo!) und die Truppen den Irak/Afghanistan tatsächlich verlassen haben, werde ich gerne in den Lobgesang auf Obama einstimmen. Bis dahin ist er für mich nur ein weiterer Präsident unter vielen.
@52 Jonas Mayer
Du darfst machen, was Du willst – ob es hilft, Deine Argumente zu unterstützen, bezweifele ich allerdings.
Ich stelle mal die mutige Behauptung auf, ich könnte anhand jeder politischen Grundsatzrede eines Vertreters der Exekutive “Hitlervergleiche” aufstellen. Churchills “Blut und Tränen”, Kennedys “Frag nicht, was Deine Nation für Dich tun kann” und auch Herzogs “Ruck” … alles stilistisch mit Hitlers Reden vergleichbar. Nur was sagt uns das? Solche Vergleiche zeigen eigentlich nur, dass emotionale Elemente einer Rede auch von Hitler (und von ihm zuhauf) gebraucht wurden.
Du warst sicher auch einer der Kritiker, die bei der WM 2006 eine Wiedergeburt des Nationalismus´ in Deutschland ausgemacht haben?
Das ist ein guter Kritikpunkt, den ich ja auch im Text selbst anspreche. Obama ist kein Pazifist, er ist kein Isolationist – man kann auch ein System nicht von heute auf morgen um 180° umdrehen, die USA sind ein riesiger Tanker und kein kleines Motorboot. Masse ist träge und das US-System ist eine riesige Masse.
Das ist Dir unvoreingenommen – man kann ja nicht immer einer Meinung sein.
@60
Ach, Fiend.
Nehmen wir es uns mal Punkt für Punkt vor:
1. Amtsenthebung: Bush hatte es geschafft, sich als “war president” einer Nation, die sich im Krieg befindet, zu verkaufen. Dass er das Land unnötigerweise in diese Lage manövrierte (irak) – geschenkt. Aber unter diesen Umständen wäre eine Amtsenthebung als sowas wie Hochverrat verkauft worden, und selbst einige Demokraten vom Schlage Lieberman hätten da nicht mitgemacht. Man hätte auch echte Beweise und Smoking Guns gebraucht. Cheney hat seine Ränkeschmiede aber gut genug abgesichert, juristisch so wasserdicht wie möglich. => Gefühlt gerechtfertigt, aber unrealistisch.
2. Rettungspaket – das Rettungspaket hat erstmal die Welt vor einem financial meltdown gerettet, bzw. ihn verzögert. Selbst Lafontaine hat ihm in D. nachdrücklich zugestimmt. Was wäre der Vorteil eines meltdowns oder die Alternative gewesen?
3. Was würde denn deiner Ansicht nach postives nach einem sofortigen Abzug passieren in Irak und Afghanistan? Ringelrein-tanzen und Blumenstreuen? Eine große Friedensparty? Oder eher blutiger Bürgerkrieg, in dem der stärkste und grausamste religiöse Warlord gewinnt? Mittelfristig ist der Abzug ja geplant. Dass das ein stinkender Haufen ist, den Bush hinterlässt – geschenkt.
4. Hoffung: Kennwa nich, brauchma nich, oder was?
5. Clinton spielte Saxophon, hielt sich militärisch verhältnismässig zurück, verlustierte sich lieber im Oval office und hinterliess Wohlstand und einen ausgeglichenen Haushalt. Schon jetzt denkt man in den USA an die “goldenen Clinton-Jahre” zurück. Ein Horror waren sie eher für die Republikaner, wegen dem angeblichen Verfall von Sitte und Anstand. Jugoslawien kann man genauso der Konrad-Adenauer-Stiftung und Bertelsmann anlasten.
6. Es geht nicht darum, dass C. Rice keine Bürgerrechtlerin ist/war, sondern eine neokonservative zynische Karrierefrau. Es geht darum, dass Bush damit dem rechtsextremen KKK-Spektrum in den USA symbolisch eine vor den Latz knallte, und zum anderen natürlich Aufstiegschancen für Afroamerikaner symbolisierte. Zudem war es strategisch schlau, um den Demokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil das eigentlich ihre Themen sind – benachteiligte Minderheiten. Nicht jeder Schwarze ist redenschwingender Bürgerrechtler, nicht jeder Weiße waffenschwingender Superchrist – ganz genau.
7. Guantanamo: Dann haben wir eben ein wenig Geduld, und warten es ab, ich bin da ziemlich zuversichtlich.
Obama kann sich eine ganze Menge an Change leisten, weil er jetzt eine eigenständige starke Basis jenseits des demokratioschen Establishments hat, und ein viel stärkeres Mandat als Bush je hatte, zugleich aber der demokratische Partei nach Jahren des Niedergangs und Elends zu neuem Glanz verholfen hat, was auch das Establishment hinter ihn zwingt.
@60 ich glaube gar nichts, unter anderem glaube ich auch jenen nicht, die jetzt schon wissen wollen, wie Obama als zukünftiger Präsident handeln wird, so … und da ich eine Diskussion darüber zum jetztigen Zeitpunkt idiotisch finde, überlasse ich sie denen, die sie brauchen
zum Thema Brzezinskis: Es ist erstaunlich, was man auf die Schnelle im Cyberspace alles dazu findet, von Rechtskonservativen, die ihn für einen kommunistischen Agenten halten, der Amerika ausverkaufen und unter der Kontrolle eines sozialistischen world governemnt setzen will, bis zu Stimmen von so genannten Freunden Israels, die ihn für einen Feind Israels erklären.. und die nicht zu vergessen, die ganz genau wissen, wie er jede Bewegung Obamas steuert
@salvo
Ich will das Fass nicht schon wieder aufmachen, aber wenn man über Brzezinski spricht, sollte man auch so etwas nicht vergessen. Er ist eine Person, die ungemein polarisiert.
Soso, der einzige Kandidat, der etwas zum Guten wenden kann, ist also Obama. Wie sieht’s aus mit McKinney oder Nader? Obama hat in allen seinen Reden zur Außenpolitik klar gemacht, dass er die bodenlos zynische und menschenverachtende Politik des War on (of!) Terror voll unterstützt und fortzuführen gedenkt. Die “Leitmedien” beschwören uns schon seit einiger Zeit, dass unter Obama nun endlich auch “wir” stärker aktiv an diesem Desaster teilnehmen müssen. Ich bin sehr gespannt, was noch an Propaganda auf uns zukommt, jetzt, wo der “böse” Bush als “Entschuldigung” bald weg fällt.
Mir fallen spontan drei Dinge ein, die Obama sofort in die Wege leiten könnte, um das Bild der USA in der Welt ein wenig zu verbessern und die überhaupt nichts kosten würden:
1. Sofortige Einstellung des “Star Wars” Prgramms, aka. Raketenabwehrschild.
2. Schließung von Guantanamo und Abschaffung der “military commissions”.
3. Stopp der Bombardierung von Dörfern in Afghanistan und Pakistan (und Syrien!)
Wollen wir mal sehen, wie Mr. Change dazu steht.
value
Bei den Nachdenkseiten ist heute ein zweiter FTD-Artikel verlinkt, in dem Fricke noch mal bekräftigt, dass das ökonomische Programm Obamas kein neoliberales “weiter so” ist, auch wenn A. Müller dessen impact auf Deutschland und EU noch sehr bezweifelt.
Ich glaube hingegen nicht, dass Deutschland vor diesem Hintergrund weiterhin seine neoliberale Politik weiterfahren kann, Bertelsmann hin, INSM her. Bisher wurde diese Politik nämlich vor dem Hintergrund verkauft, dass die ganze Welt, und die USA voran, sich in diese Richtung bewegt, und Deutschland keine “Insel der Seeligen” sei, die sich dem entziehen könnte. Nun aber hat sich das alles genau umgedreht. Wie man bei der Wahl 2009 der Bevölkerung verkaufen will, dass Deutschland eine Unglücksinsel des gescheiterten Neoliberalismus bleiben soll, die die USA rechts überholt (oder auch nicht), während die durch Degregulierung verursachte Rezession gerade voll durchschlägt – darauf bin ich doch sehr gespannt.
Wann sind eigentlich die nächsten Europawahlen?
Die Eurpawahl findet Anfang Juni 2009 statt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl
Irgendwie sind die doch verrückt, diese Amis:
http://www.netzeitung.de/spezial/uswahlen2008/1210277.html
@ 62 Postgrün:
Nehmen wir es uns mal Punkt für Punkt vor:
Dito! ;-)
1. Amtsenthebung: Bush hatte es geschafft, sich als “war president” einer Nation, die sich im Krieg befindet, zu verkaufen. Dass er das Land unnötigerweise in diese Lage manövrierte (irak) – geschenkt. Aber unter diesen Umständen wäre eine Amtsenthebung als sowas wie Hochverrat verkauft worden, und selbst einige Demokraten vom Schlage Lieberman hätten da nicht mitgemacht. Man hätte auch echte Beweise und Smoking Guns gebraucht. Cheney hat seine Ränkeschmiede aber gut genug abgesichert, juristisch so wasserdicht wie möglich. => Gefühlt gerechtfertigt, aber unrealistisch.
Ansatzpunkte hätte es eine Menge gegeben, aber die Demokraten fürchteten sich vor dem Vorwurf fehlender patriotischer Gesinnung. Ich will darüber auch nicht richten, sondern zweifle nur den angeblichen shift innerhalb der demokratischen Partei an. Obama mag der erste dunkelhäutige Präsident sein. H.Clinton wäre die erste Frau gewesen. Weder das eine, noch das andere bedeutet zwangsläufig einen Wandel zum Besseren. Merkel ist die erste Frau als Kanzlerin und tritt zumindest den empirischen Beweis an, daß Machtversessenheit und Inkompetenz keineswegs geschlechtsspezifisch verteilt sind. :-)
2. Rettungspaket – das Rettungspaket hat erstmal die Welt vor einem financial meltdown gerettet, bzw. ihn verzögert. Selbst Lafontaine hat ihm in D. nachdrücklich zugestimmt. Was wäre der Vorteil eines meltdowns oder die Alternative gewesen?
Ich war ebenfalls für das Rettungspaket… bis zu dem Augenblick, als die ersten sog. Rettungsgelder in Boni und Dividenden geflossen sind. Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande (z.B. finanzierte die Commerzbank auf Staatskosten die Übernahme der Dresdner Bank). Der Meltdown geht dagegen ungebremst weiter. Aber ein paar Anteilseigner machen einen guten Schnitt.
3. Was würde denn deiner Ansicht nach postives nach einem sofortigen Abzug passieren in Irak und Afghanistan? Ringelrein-tanzen und Blumenstreuen? Eine große Friedensparty? Oder eher blutiger Bürgerkrieg, in dem der stärkste und grausamste religiöse Warlord gewinnt? Mittelfristig ist der Abzug ja geplant. Dass das ein stinkender Haufen ist, den Bush hinterlässt – geschenkt.
Entschuldige bitte, aber den Bürgerkrieg haben wir schon. Und die US-Army mischt kräftig mit. Die letzte Besatzungsstrategie in schwierigen Lagen: suche einheimische Verbündete, um mit diesen gemeinsam gegen die übrigen Parteien vorzugehen. Die Italiener haben dies auf dem Balkan seinerzeit so praktiziert und gewisse “Erfolge” mit dieser Strategie gehabt.
Mit Warlords ist man in Afghanistan bereits “verbündet”, z.B. mit einem gewissen Dostum.
4. Hoffung: Kennwa nich, brauchma nich, oder was?
Ich bin mittlerweile zu alt und hab zuviele Hoffnungsträger kommen/gehen sehen, um mich mit Hoffnung allein zu begnügen. Wie gesagt: wenn Obama die Hoffnungen wenigstens ansatzweise umsetzt, bin ich bereit, in den Lobgesang einzustimmen. Vorher nicht! :-)
5. Clinton spielte Saxophon, hielt sich militärisch verhältnismässig zurück, verlustierte sich lieber im Oval office und hinterliess Wohlstand und einen ausgeglichenen Haushalt. Schon jetzt denkt man in den USA an die “goldenen Clinton-Jahre” zurück. Ein Horror waren sie eher für die Republikaner, wegen dem angeblichen Verfall von Sitte und Anstand. Jugoslawien kann man genauso der Konrad-Adenauer-Stiftung und Bertelsmann anlasten.
Ohne usamerikanische Beteiligung, wäre der Krieg niemals durchgezogen worden. Und es waren usamerikanische Spindoktoren, die der serbischen Seite die Nazirolle zuschrieben. Die Deutschen haben sich dagegen auf Kontinuität beschränkt und ihre alten Verbündeten (die Kroaten) reaktiviert.
Die Luftangriffe auf Irak gingen übrigens während der Clintonzeit ebenfalls wöchentlich weiter, während Bill das Saxophon blies und seines geblasen bekam. Die Hinterbliebenen der Toten , die dieses Gebläse im Sudan und in Afghanistan kostete, dürften dafür wenig Verständnis aufbringen oder gar meinen, daß Billyboy sich zurückgehalten hätte. Sein kriegerischer Orgasmus war kurz, aber dafür umso heftiger. Die Praxis der “renditions” hat Billyboy übrigens ebenfalls eingeführt, nicht nur Zigarren. :-)
Gehofft wurde übrigens bspw. auf eine Gesundheitsversorgung für alle, nicht auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Mit dieser Aussage ist Clinton angetreten und u.a. deshalb gewählt worden. Ein halbes Jahr oval office Vergnügen und es war nicht mehr die Rede davon.
6. Es geht nicht darum, dass C. Rice keine Bürgerrechtlerin ist/war, sondern eine neokonservative zynische Karrierefrau. Es geht darum, dass Bush damit dem rechtsextremen KKK-Spektrum in den USA symbolisch eine vor den Latz knallte, und zum anderen natürlich Aufstiegschancen für Afroamerikaner symbolisierte. Zudem war es strategisch schlau, um den Demokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil das eigentlich ihre Themen sind – benachteiligte Minderheiten. Nicht jeder Schwarze ist redenschwingender Bürgerrechtler, nicht jeder Weiße waffenschwingender Superchrist – ganz genau.
Ebendrum! :-)
7. Guantanamo: Dann haben wir eben ein wenig Geduld, und warten es ab, ich bin da ziemlich zuversichtlich.
Guatanamo ist allerdings nur die Spitze des Eisberges. Deswegen habe ich explizit darauf verwiesen, das gesamte (!) Gulag zu schließen. Also ebenso Bondsteel etc.pp.
Obama kann sich eine ganze Menge an Change leisten, weil er jetzt eine eigenständige starke Basis jenseits des demokratioschen Establishments hat, und ein viel stärkeres Mandat als Bush je hatte
Ähm, es heißt zwar “usamerikanisches Imperium”, aber das alte Rom ist lange vergangen. Die Zeiten, wo es wichtig war, die Plebejer hinter sich zu wissen, sind lange vorbei. Die Plebs haben keinen nennenswerten Einfluß auf die Handlungen Obamas. Sie können hoffen, aber das wars auch. Zwingen können sie ihn nicht.
, zugleich aber der demokratische Partei nach Jahren des Niedergangs und Elends zu neuem Glanz verholfen hat, was auch das Establishment hinter ihn zwingt.
Naja, der Einäugige ist König unter den Blinden. Die GOP hat abgewirtschaftet. Der scheinbare Glanz der Demokraten ist die Blindheit (im Sinne von fehlendem Glanz) der GOP.
Was glänzt, ist die Freude über Bushs Abwahl und die Hoffnung auf Veränderung zum Besseren. Tatsächliche Konzepte hat Obama bislang nicht vorgelegt, sondern sich darauf beschränkt, die diversen Hoffnungen zu bündeln, die – wie gesagt – zum Teil einander widersprechen. Die einen hoffen bspw., daß Obama den Krieg beendet, die anderen, daß er eine Strategie entwickelt, die den Krieg zum siegreichen Abschluß bringt. Die einen hoffen auf Truppenabzug, die anderen auf eine stärkeres Engagement (also mehr Truppen) in Afghanistan.
Wie gesagt: ich warte ab und werde erst dann lobpreisen, wenn es tatsächlich zu Veränderungen kommt. Ich bin dabei gar nicht anspruchsvoll oder würde gar eine komplette Kehrtwendung verlangen. Wenn er das Gulag schließt, die renditions beendet, habeus corpus erneuert und die widerrechtlich Verschleppten/Inhaftierten freiläßt, ist schon viel gewonnen.
Das sind alles Dinge, die er problemlos umsetzen könnte, wenn er denn will.
@ 66 salvo:
@60 ich glaube gar nichts, …
So las sich das aber nicht, was du über Obama geschrieben hast.
…unter anderem glaube ich auch jenen nicht, die jetzt schon wissen wollen, wie Obama als zukünftiger Präsident handeln wird, so … und da ich eine Diskussion darüber zum jetztigen Zeitpunkt idiotisch finde, überlasse ich sie denen, die sie brauchen
Was er tun oder lassen wird, kann niemand wissen. Er hat sich diesbezüglich nicht festgelegt und sämtliche Türen offengehalten. Es ist überhaupt nicht idiotisch, über die Möglichkeiten zu diskutieren, respektive zu spekulieren. Es sei denn, jede Diskussion die über Glaubensbekenntnisse und Hoffnungschoräle hinausgeht, wäre idiotisch.
@66
Denkfehler: Die Vereinigten Staaten hätten und würden eine neoliberale Wirtschaftspolitik betreiben.
Seit knapp zehn Jahren herrscht in den Vereinigten Staaten eine keyensianische Kriegspolitik, die gesamte Militarisierung der Politik, innenpolitisch mit seiner Gefängnissindustrie, die in Guantanamo seinen Exportschlager und mit dem Heimatschutzministerium seinen vorläuftigen Abschluss fand und auch außenpolitisch, mit den beiden heissen Kriegen Irak und Afgahnistan.
@63
Obamas Macht beruht vor allem auf dem institutionalisierten Parteiapparat der Demokraten, die sich von den Republikaner fast überhaupt nicht unterscheiden. Sämtliche Recourcen stammen aus diesem Umfeld. Er hat sich sehr schnell von früheren Bürgerrechtler und der Graswurzelbewegung öffentlich distanziert, und irgendwelche Machtpositionen erlangt dieser Teil seiner Jugendsünden keinesfalls.
Man darf nie Vergessen: ohne Clintons Kriegspolitik, die Aushungerungspolitik gegen die irakische Bevölkerung, den Überfall auf Belgrad, die Machtspiele in Ruanda gegen Frankreich, hätte es auch keinen Bush Junior geben können. Clinton konnte seine Barbarei im Westen nur besser und lachender verkaufen, und seine Zuhörerinnen wollten von seinem Bodycount nie etwas wissen, obwohl dieser quantitativ höher liegt, als der von Bush Junior.
Zitate von Jens:
“Ich stelle mal die mutige Behauptung auf, ich könnte anhand jeder politischen Grundsatzrede eines Vertreters der Exekutive “Hitlervergleiche” aufstellen. Churchills “Blut und Tränen”, Kennedys “Frag nicht, was Deine Nation für Dich tun kann” und auch Herzogs “Ruck” … alles stilistisch mit Hitlers Reden vergleichbar. Nur was sagt uns das? Solche Vergleiche zeigen eigentlich nur, dass emotionale Elemente einer Rede auch von Hitler (und von ihm zuhauf) gebraucht wurden.”
- Danke für die Zitate! Sie zeigen – entgegen deiner Aussage – Gemeinsamenkeiten im Inhalt und nicht in der Form. Es ist tatsächlich allen politischen Führern, seien sie nun demokratisch oder faschistisch orientiert, gemein, dass sie sich vom gemeinen Volk Opferbereitschaft für “das große Ganze” wünschen. Dass “das große Ganze” vom einfachen Menschen immerzu Opfer verlangt sagt ja im Grunde auch schon alles aus über dieses “tolle” “große Ganze”.
“Du warst sicher auch einer der Kritiker, die bei der WM 2006 eine Wiedergeburt des Nationalismus´ in Deutschland ausgemacht haben?”
- Nein, die Leuten waren schon vorher Nationalisten. Bei der WM haben sie das bloß ausgelebt. Ist halt eine tolle Gemeinschaftserfahrung, mal mit dem Chef in schwarz-rot-gold zu schunkeln, der einen vorgestern noch entlassen hat…
“Obama ist kein Pazifist, er ist kein Isolationist – man kann auch ein System nicht von heute auf morgen um 180° umdrehen, die USA sind ein riesiger Tanker und kein kleines Motorboot. Masse ist träge und das US-System ist eine riesige Masse.”
- Du unterstellst Obama einen guten Willen, den er aber nicht umsetzen kann. Wie kommst du darauf? Warum denkst du, dass Obama eigentlich was anderes will als er verspricht? Ist das jetzt die neue Masche, zu sagen, Bush und Obama machen in vielen Bereichen den gleichen Dreck, aber bei Bush war alles böser Wille und bei Obame verhinderter guter Wille? Eine schöne General-Entschuldigung für Mister Obama!
@69 Wohl wahr, hat der SF hier ja auch schon ausgeführt.
Aber man muss reden und handeln da trennen: Seit der Reagan-”Revolution” war es üblich, von free markets und deregulation zu schwärmen. Das war sozusagend Staatsräson, offizielle Ideologie. Dass Obama trotz “Socialism”-Vorwürfen und trotz seiner Betonung des “wir” gegenüber dem “ich” mit so einer großen Mehrheit gewann, dass Ayn-Rand-Fan Greenspan einen erbärmlichen Abgang vor dem Kongress hat und völlig entzaubert ist, dass Krugman den Wirtschaftsnobelpreis erhält, scheint doch alles auf einen echten Paradigmenwechsel hinzuweisen. Wäre ja auch komisch, wenn es anders wäre. Die Moden kommen und gehen.
Hier, guckt euch mal an, wie empört und konsterniert die Fox-Kommentatoren zur Kenntnis nehmen, dass nun Sense ist mit ihrer heissgeliebten, neoliberalen “trickle-down-theory”, immerhin einem Herzstück dieser Ideologie:
http://www.youtube.com/watch?v=85pKr5h4g4s
Obama ist übrigens auch Reagan-Fan – aber in dem Sinn, dass er bewundert (und kopiert), wie dieser einen Aufbruchsgeist und, ja, auch Hoffnung verbreitete, die immerhin für die nächsten 30 Jahre weltweit bestimmend wurden, Washington Consensus etc.. Er übernimmt also einige Reagan-Elemente direkt, aber er dreht sie inhaltlich genau um. Lest euch seine “Gewinnerrede” noch mal ganz genau durch…
http://www.ftd.de/politik/international/:Obama-Rede-im-Wortlaut-Eine-Botschaft-f
@Jonas Mayer
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren ;-)
Das denke ich nicht einmal – die entscheidende Frage ist vielmehr, ob er da kann. Da habe ich (siehe Text) doch so meine Zweifel.
Das ganze läuft eh auf die Diskussion Idealismus kontra Realismus hinaus. Du kritisierst (teilweise ja auch vollkommen zurecht) Obama. Ich stelle mir indes die Frage, was die Alternativen zu Obama wäre und bin (trotz aller Zweifel und Kritik) froh, dass Obama und nicht McCain oder gar Clinton Präsident wurden. Natürlich hätte auch ich lieber einen Präsidenten, den ich mir selbst gebacken hätte, nur würde dieser Präsident schneller am System scheitern, als ich ein Artikel über ihn und seine Aufgaben schreiben könnte. Auch wenn Du oder Ich selbst (rein hypothetisch) in diese Rolle schlüpfen würden, könnten wir de facto nichts am System ändern, da wir das System zu wenig kennen. Idealismus und Moralismus sind in der theoretischen Diskussion wichtig – keine Frage -, wenn es um die praktische Diskussion geht, muss man “leider” Kompromisse machen. Das System ist komplex und man kann “leider” nicht mit ein paar Richtlinienentscheidungen das System von heute auf morgen umkrempeln – das geht nur (wenn überhaupt) in einer strafen Diktatur.
Das ist Quatsch und das weißt Du auch ;-)
@51 salvo
Was ich damit sagen wollte?
Die Wahrnehmung stört mich. Obama steht wie alle Mischlinge zwischen den Rassen. Er ist nicht per se SCHWARZ, weil er genau soviel WEISS ist. Erstaunlich wird dies in den Medien nicht sonderlich wahrgenommen. Verwunderlich als auch heuchlerisch, für mich, die Folgerung: nur weil er eine dunklere Hautfarbe bestitz wird er unmittelbar mit Afro-Amerikanern gleichgestellt, obwohl er genau so gut als weisser Mittelständler “klassifiziert” werden könnte. Was er tatsächlich auch ist, schwarze Ehefrau hin oder her.
Ich lebe nicht in Deutschland. Schon seit langer Zeit lebe und arbeite ich meiner Wahlheimat Chiang Mai, muss aber häufig beruflich in die USA. Dort arbeite ich wie in Ch M viel mit Afro-Amerikaner zusammen. Das hat mein Bild völlig verändert. Abgesehen von einer nicht allzu grossen >black middle classamerican delusion of the political & higher middle or upper classblack communitiy< betreffend.
Tja, dies bezüglich hat es Barack einfach, wie mir viele schwarze Wähler versicherten, ER ist “ja nur ein Half-breed”, mit einem heiter-ironischen Lächeln auf den Lippen.
Arrivederci
@60: Bislang ist Obama nur eines: eine Projektionsfläche für mancherlei Hoffnungen, die zum Teil sogar diametral entgegengesetzt sind. “Yes we can” ist ein ziemlich schwammiges Motto, das Interpretationen jede Menge Raum bietet.
Das Obama eine “Projektionsfläche für mancherlei Hoffnungen” ist, ist treffend ausgedrückt – aber ist das nicht bei jedem (“gutem”) Politiker so? Ist es nicht genau das was Wahlkampf ausmacht? Auch das die in ihn gesetzten Hoffnungen sehr schwammig und vielleicht auch entgegengesetzt sind liegt doch in der Natur der Sache: Kann den jemand in diesem riesigen zu tiefst zerrissenen Land anders eine Mehrheit bekommen? Ist Obama Establishment? Natürlich! Jeder Penner wäre Establishment wenn er es schaft Präsident zu werden, umsomehr wenn der Penner von Harvard kommt…
Was ich damit sagen will – obwohl ich dir vollkommen recht gebe – werte ich das nicht als Nachteil für Obama. Ja er ist Projektionsfläche für Hoffnung, aber genau deshalb ist es möglich das sich die Hoffnung erfüllt – oder ebend nicht.
Sehr interessant wird die Frage sein, wie das US-amerikanische Volk reagiert wenn sie herrausfinden, das sie SCHON WIEDER betrogen wurden…
@knt
Das sehe ich genau so. Die m.E. beste Politik, die es in D je gab, wurde mit dem Slogans “Willy wählen” und “Mehr Demokratie” wagen eingeleitet – beides auch sehr schwammig.
Hach ist das lustig, der der feine Herr Posener ist so richtig angefressen ;-)
@76
Köstlich. Seinen Bullshit-Button sollte er sich an die Stirn kleben.
Tja Herr Posener: neoliberal = antiamerikanisch. Get used to it.
Hier noch ein aktueller Beitrag aus den heutigen NachDenkSeiten:
“Zwei Kriege, Finanzkrise, die Wirtschaft in der Rezession, eine tief greifende Automobilkrise, eine geplatzte Immobilienblase, Staatsschulden in Rekordhöhe, eine beängstigend hohe Auslandsverschuldung, ein notorisches Außenhandelsdefizit, Risiken für den Dollar, ein Land, mit dem höchsten Schadstoffausstoß und der klimaschädlichsten Energiebilanz, eine in arm und reich gespaltene Gesellschaft im Innern und eine Vorherrschaft der Reichen, eine Glaubwürdigkeitskrise des Rechtsstaats, eine der höchsten Kriminalitätsraten, ein Land, in dem die Freiheitsrechte von einer nationalen Sicherheitshysterie bedroht sind, ein Gesundheitssystem, das zunehmend zerfällt, geschwächte Gewerkschaften…
Auf Obama warten schier unlösbare Herausforderungen.
Obama hat den amerikanischen Traum und den Wandel beschworen, ein wohldefiniertes Programm hat er nicht. Deshalb ist alles möglich – zum Guten wie zum Schlechten.
Alles, was Obama angekündigt hat, wird auf scharfen Widerstand stoßen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse haben sich mit der Wahl nicht geändert. Die neokonservative Bewegung und die (fast ausschließlich) rechten Denkfabriken haben noch immer das große Geld auf ihrer Seite. Die „Kultur der Vetternwirtschaft und der Korruption“ (Paul Krugman) hat nach wie vor die gesellschaftliche Dominanz. Die konservative Medienmacht wird massives Störfeuer liefern.
Die Geldgeber für Obamas Wahlkampf werden ihre politischen Dividenden einklagen.
Obama hat nur eine Chance auf einige Erfolge, wenn er auf die Bewegung von unten baut, die ihm den Wahlsieg beschert hat. Enttäuscht er die Jungen, die Frauen, die Diskriminierten, die durch die Neokonservativen vom Wohlstand Abgekoppelten, dann platzt der Traum und aus dem Phänomen Obama wird ein Phantom.
Wer von Obama Wunderdinge erwartet, wird schnell von der Wirklichkeit eingeholt.
Aber vielleicht strahlt die Bewegung, die Obama ins Präsidentenamt getragen hat, ja auf andere Länder aus. Der letzte konservative Paradigmenwechsel ging von Amerika aus, vielleicht könnte der Wechsel in den USA einmal mehr eine neue politische Epoche einläuten. Aber dazu braucht es gleichfalls eine Bewegung von unten.”
http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=3566
Bei der Präsidentschaftswahl 2008 geht es um dasselbe wie schon 2004: “…die Abwahl oder Wiederwahl der wahrscheinlich radikalsten Regierung, die das Land je gehabt hat.”
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/76/45/dokument.html?titel=Ein+Bush%2C+der+Berge+versetzt&id=32565467&top=SPIEGEL&suchbegriff=&quellen=&vl=0
Glückwunsch für das US-amerikanische Volk. Die US-Mafia muss sich nun neue Löcher graben.
ja, für die deutsche politische Rechte ist die Welt nicht mehr in Ordnung
in der ftd schreibt w. Münch von der Zeit, als diese Welt noch so war, wie sie sein sollte, und in der cdu mann noch über Neger Witze reißen konnte, da war Onama nämlich noch ein bloßer Außenseiter
lesenswerte Gegenbeispiele zum allgemeinen Zerrbild der Mainstream-Medien:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13105
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,546968,00.html
@81
Wieso lesenwert, wieso “Gegenbeispiele”? Da les ich nur den bundesdeutschen Mainstream-Nörgel: “Der Obama ist nur ein Blender, und wird nix ändern, und außerdem wird er von Millionären finanziert. ” Diese Ruhrzeitung versuchts auch noch, ganz geschickt, mit unsympathischen alten Zigarrettenfoto.
Da kann ich auch die Welt lesen, oder bei der GOP anrufen. Warum schreibt wohl der Spiegel lieber sowas, als was über Obamas Wirtschaftsprogramm, hmm? Es erinnert sehr an die “Lafontaine-ist-ein-Millionär-und-wohnt-in-einer-Villa-ausserdem-verspricht-er-alles-aber-kanns-nicht-finanzieren”-Suada, die man vom Spiegel bereits so gut kennt.
@postgrün und auch andere
Wir befinden uns (wahrscheinlich) an der Schwelle eines Zeitenwandels – da ist es schwer, seine eigene Orientierung zu finden. Die letzten acht Jahre (und vielfach auch schon länger) haben wir einen (meist durchaus begründeten) Antiamerikanismus gebildet. Bei einigen war er politikbezogen, bei anderen strukturell. Das ist eine lange Zeit, die auch das politische Denken bestimmt hat. Vor allem die jüngere Generation kennt gar nicht mehr den Gedanken, dass von “da drüben” etwas kommen könnte, das löblich ist. Selbst wenn (was unwahrscheinlich ist) Obama wirklich Wunderdinge vollbringen sollte, wird es v.a. bei den strukturellen Antiamerikanern weiterhin Fundamentalkritik geben.
Ich versuche für meinen Teil unvoreingenommen an die Sache heranzugehen. In den letzen Jahren habe ich das “andere Amerika” zu schätzen gelernt. Internetmedien wie Mother Jones, Toms Dispatch, Foreign Policy in Focus, Counterpunch, CommonDreams, Alternet, The American Prospect oder The New Republic zeichnen sich durch eine profunde Kritik am amerikanischen Politiksystem aus – alles samt “linke” Medien, die allerdings kaum mit den europäischen “linken” Medien zu vergleichen sind. Die amerikanische “Linke” nennt sich liberal und progressiv. Die europäische Linke hat einen historischen Antiamerikanismus im Blut – ein Erbe aus der Nachkriegszeit, dem Vietnam-Krieg, dem Kalten Krieg und der jüngeren Politik. Ich versuche zwischen diesen beiden Polen gute Ansätze zu finden. Die o.g. amerikanischen “links-progessiven” Medien haben allesamt seit Beginn des Wahlkampfes (als Obama noch krasser Aussenseiter war) Obama als Wunschkandidaten auserkoren – neben Edwards und Kucinich. Die Argumente sind sachlich und m.E. überzeugend und ich gewähre ihnen gerne einen Vertrauensvorschuss. Mal schauen, was kommt. Ich bin da ganz offen.
also die nhrz ist eigentlich eine gute kritische alternative Quelle. Ich sehe das problem darin, dass viele ‘Linke’ in Obama schon jetzt allerlei Negatives projizieren, als Gegenstück zur positiven Projektion der Enthusiasten. Man sollte schon, wie Jens das hier geschrieben hat, die Realität nicht vollends vergessen. Obama ist kein Linker, zumindest nicht, wie man sich hier einen ‘Linken’ vortsellt, er ist kein Sozialist. Sein Wandel, wenn er überhaupt kommt, und wie auch immer, wird kein Systemwechsel sein. Aber was man von ihm erhoffen kann, ist ein deutlicher Bruch mit der politik, die in der Bush-Regierung ihr Ende gefunden hat. Innenpolitisch, wirtschaftpolitisch. Dafür stehen die Chancen besser, weil er es der eigenen Bevölkerung schuldet. Aussenpolitisch wird es wohl schwieriger, weil er Machtpolitik wird betreiben müssen wie alle anderen. Er wird unter enormen Druck stehen, wenn es um angebliche US-Interessen geht. Aber auch hier wird er unter Druck von der Starße stehen, von der Antikriegsbewegung zu Hause. Zu erwarten, dass er einzig und allein einen totalen Kampf gegen das Establishment fürht, ist unrealistisch. Wie Jens geschrieben hat, gäbe es jetzt keinen Präsidenten Obama, wenn er das wirklich wollte. Was ich nicht verstehe, ist diese negative Einstellung, die a priori keinen Raum für positive Veränderungen läßt.
@84
Diesen weisen Überlegungen kann ich nur zustimmen, und möchte zum Abschluss noch auf eine wirklich lesenwerte Diskussion hinweisen, die auch Spaß machen könnte:
Auf “little green footballs”, einem erzneokonservativen Bush-Jubel-Blog, auf dem auch der Vorschlag, Mekka zu “Nuken”, durchaus Lob und Beifall fand, ergeht man sich gerade in einer Strategiediskussion, wie es denn rechts.konservativ weitergehen soll. Die Reagan-Fans geraten sich in die Haare mit den Ultrachristen. Es sieht alles so aus, als würde denen der ganze Laden demnächst erst mal gehörig auseinanderfliegen.
http://littlegreenfootballs.com/article/31824_Should_the_GOP_Double_Down_on_Social_Conservatism
Viel Spaß damit, und noch einen angenehmen Abend.
@84
Momentan gibt es keinen wie auch immer gearteten fassbaren progressiven Ansatz für eine positive Politik. Es gibt eine Menge Hoffnung, mehr aber auch nicht.
Es wäre schon viel, wenn er versuchen würde, den Schwung und Hoffnung,die Begeisterung der vielen einfachen Amerikaner abseits der demokratischen Machtpositionen irgendwie machtpolitisch für sich und eine wirklich neue Politik zu nutzen, und sich nicht von der alten Clintongarde umzingeln zu lassen. Wenn es solche Handlungen zukünftig geben sollte, bin ich gerne bereit ein wenig mehr auf die Hoffnung zu setzen, aber solange seine Distanz zur Graswurzelbewegung bestand hat, wird er derjenige sein, der die Nationalgarde marschieren lässt, wenn die Rezession in den Vereinigten Staaten zu politischen Unruhen führen wird.
Gar zu viele Leute scheinen den Müll zu glauben, der in den etablierten deutschen Medien verbreitet wird: dass die Amis völlig unpolitisch einem charismatischen Redner ohne Programmatik auf den Leim gehen. Obama hat doch recht konkrete Vorstellungen (Krankenversicherung, automatischer Angleich der Mindestlöhne an die Inflation, “Reichensteuer”), und all das wissen auch die, die gespendet haben – dürfte also niemanden überraschen. Ich sehe es eher so: die Eliten in den USA sind sich klar darüber, dass sich etwas ändern muß, und da ist Obamas Chance. Das wird laaaangsam vonstatten gehen, mit viel Kompromissen, aber es wird ein Richtungswechsel sein.
Wir hier können angesichts unserer völlig korrumpierten und uneinsichtigen Eliten da nur neidisch übern Teich gucken, so sehe ich das. Obama ist ein Albtraum für Merkel, Ackermann und Co.
Jens widmet sich Brzezinski??????
Mach was daraus!
Ach herrlich…….sofort kommt das Thema Brzezinski auf den Tisch und alle glauben ihn sofort zu verstehen. Jens geht in seinem nächsten Bericht dann sehr schön darauf ein wie er sich mit seinen aktuellen Vorstellungen von denen Bushs entkoppelt und schneidet seine Denkweisen auf Obama zu. Sicher kontrovers, aber halt Artikelkonform.
Wir haben Alle keine Ahnung wozu dieser Mann bereit ist, was er als eine Schlüsselfigur im afghanisch-geopolitischen Segment der US-Auslandspolitik zu verantworten hat und welche seiner Grundtendenzen sich in Obamas neuer Ausrichtung wiederspiegeln. Soviel steht fest: Die Familie Brzezinski stellt sich in einer wichtigen Front hinter Obama auf und bildet mit Zbigniew Brzezinski den Aussenpoltikberater Obamas, mit dem Sohn Mika Brzezinski den Innensicherheitsberater und mit der eher zu vernachlässigende Tochter Mika Brzezinski eine unterstützende TV-Journalistin bei MSNBC. Alles in Allem ein Trio das sich desöfteren direkt mit Obama, seinem Finanzier Soro und Joe Bidden öffentlich gezeigt hat.
Ich würde dies jedoch nicht als ein wertvolles Indiz dafür deuten, das Obama von diesen Denken ergriffen ist. Vielmehr müsste ein ganzer Finanzierstab hinter Obama davon angetan sein. Die Hinterhofkampagne Obamas ist eine dreiste Lüge. Auch wenn Tarpley mit seinem Buch “Obama: Wie ein Präsident gemacht wird” ebenfalls gerne auf die Verschörungsdrüse setzt; es gibt zumindest 100% Fakten das die Hinterhofkampagne mit einer Millionen-Dollar-Kampagne durch höchste US-Finanziers um Soro eingeleitet wurde.
Jetzt kommen die findigen Verschwörungsfanatiker gerne auf die Idee Obama mit den faschistischem Gedankengut in Verbindung zu bringen. Obama als “kalter Krieger”, getrieben von Brzezinski.
Vollkommender Schwachsinn! Getrieben wird Obama von einem Meer an Gläubigern und bestehenden Parteifunktionären. Sicher geben die Denkweisen der Finanziers und der Elite-Strukturen alleine durch die Kapitalbasis eine entscheidene Beeinflussung . Politik wurde noch nie in Unabhängigkeit ausgeübt. Weder in den USA, noch in Deutschland! Ein Vertreter vertritt immer die empor gehobenen Eliten, die zugfähigen Finanziers und medialen Wissenschaften. So versammeln sich um Obama ganz automatisch die oft zerissenen Bilderberger, der Council of Foreign Relations und natürlich auch die trillateralen Verbindungen inkl. Atlantikbrücke e.V. etc.
Hier von Verschwörungen zu sprechen und bereits abgemachte Handlungsstränge zu erkennen ist “Non-Sence” da nicht vorhanden. Eine Kriegabsicht gegenüber Russland zu unterstellen ist absurd, da definitiv nicht finanzierbar und von Wirtschaft und den Finanziers tragbar! Es findet sich einfach kein Kapital für ein solches Wagniss.
Was Obama jedoch bestärken kann, das sind die Forderungen aller Strukturen die ich oben aufgezählt habe: Die Sicherung von greifbaren Ressourcen und Aufrechterhaltung der Versorgungen. Ein nicht unerhebliches Ziel stellt deshalb in naher Zukunft Afrika dar.
Mit dem AFRICOM hat das US-Millitär bereits eine breit gefächerte Einsatzkoordinierung in Afrika geschaffen. Nicht ohne Grund; China hatte jüngst 40 Vertreter afrikanischer Gebiete geladen um Versorgungen zu festigen. Eine stärkere Politik der USA in Afrika dürfte deshalb zu erwarten sein. Wie diese aussieht (Krieg, Bürgerkriege zur Destablisierung, kolonieartige Förderprogramme) bleibt Fantasie. Fest steht: Über Afrika und die bisher im Visier genommenen Staaten Pakistan, Afgahnistan, Iran und Irak werden die USA China enormen Schaden zufügen. Eine Währungsreform könnte den Rest dazu beitragen, schaut man sich die Dollarreserven Chinas an. Chinas Versorgung wird gefährdet und eine politische Spannung mit Russland wird wahrscheinlicher. Die Destablisierung Tibets war wie wir wissen ebenfalls ein seit Jahrzehnten finanziertes Interesse der transatlantischen Finanziers. Sollte China wirklich einem “noch” fantasiebehafteten Konflikt mit Russland entgegen sehen, so wäre dies 1000000% mal realistischer als die direkte Konfrontation mit Russland. Russland muss man als Minimalverbraucher gewinnen, wenn auch mit strengen Auflagen. Dafür werden die Kapitalströme der Finanziers sorgen; Russland wird mehr und mehr lenkbar, wie es die aktuelle Krise zeigt. Da es noch viel weiter Berg ab gehen muss, wird Russland noch enorme Schierigkeiten bekommen Öl mit einem Ratingkonformen Preis anzubieten. So werden sie weiter von den westlichen Kapitalhaltern beschossen und Russland gezwungen vertragliche Abnahmen mit Europa zu festigen. So sieht es Brzezinski, so verstehen ihn die wenigsten!
Ich bin gespannt auf deinen Artikel Jens
Diskussion über die möglich Außenpolitik unter Obama auf democraynow
http://www.democracynow.org/2008/11/6/president_elect_obama_and_the_future
Also wenn ich mir anschaue, mit welchen Hoffnungen und Erwartungen Obamas Präsidentschaft befrachtet wird, kann der Mann nur scheitern. Er ist weder Gott, noch ein Alleinherrscher und muß wie jeder demokratische Politiker Kompromisse machen.
Moderne Staatswesen funktionieren unabhängig von der Person, die gerade den Regierungschef gibt, weil die Strukturen nicht von dessen unmittelbaren Entscheidungen abhängen. Sonst würde jeder Regierungswechsel zu völligem Stillstand führen (ein Bild, das gerne als Schreckgespenst an die Wand gemalt wird, wenn es nicht zur Regierungsmehrheit reicht).
Augenblicksberauschtes “yes we can” Gedöns wird uns allerdings mittel- bis langfristig nicht weiterbringen. Sobald das Gulag nachweislich dicht ist, die renditions aufgehört haben, die Tribunale aufgelöst wurden, die widerrechtlich Verschleppten/Inhaftierten frei sind und habeus corpus wieder gilt, bin ich gerne bereit, Obama zu applaudieren. Vorher jedoch nicht. No way! Vorschußlorbeeren verteile ich keine mehr.
Ich lasse mich jedoch gerne eines Besseren belehren, denn ich bin viel lieber jeden Tag glücklich als im Recht. Allerdings lasse ich mich nur durch Taten beeindrucken, nicht durch Absichtserklärungen oder Hosiannagesänge! Bis dahin bleibe ich skeptisch. Wenn das als vergnatzt oder antiamerikanisch gewertet wird, seis drum! Das tangiert mich nicht besonders. :-)
Postgrün – 06.11 08, 13.46 Uhr:
Die m.E. zunehmend ins neoliberale Lager abdriftende FRANKFURTER RUNDSCHAU in einem Kommentar zur Obama-Wahl:
“So wie in Deutschland es die SPD war, die den Abbau des Sozialstaates vorantrieb, vorantreiben mußte, so wird in den USA Obama den Menschen klarmachen, klarmachen müssen, daß sie den Gürtel enger zu schnallen haben.”
Die neoliberale Ideologie ist noch immer quicklebendig!
@91
“Die neoliberale Ideologie ist noch immer quicklebendig!”
das darf man nicht verallgemeinern. Auf Teile der mehr oder weniger gleichgeschalteten (auch wenn einigen Leuten der Begriff nicht gefällt, für deutsche Verhältnisse ist er durchaus angebracht) deutschen Journaille trifft das zu. Man muss sich immer die Frage stellen, wem denn die Medien gehören und welche Interessen sie vertreten. Dass eine Obama Regierung viele, besonders aus dem linken Spektrum, wird enttäuschen, ist keine Frage, aber wir können jetzt schon davon ausgehen, dass er trotzdem nicht eine bloße Funktion der deutschen Journaille werden wird.
@91
Das ist je nachdem, was in 2009 bezüglich der Staatsschulden und der Rückzahlung der Zinsen passiert, vielleicht noch harmlos. Wenn es so sein sollte, dass die Rückzahlung der Zinsen nicht mehr getragen werden kann und der US-Dollar den Nimbus der Welt-Reservewährung verliert, wird es in den USA zu einer Art Militärdikatur kommen (müssen), egal ob der Präsident Obama, Mc Cain oder Onkel Dagobert heisst. Dann wird es in den USA richtig hässlich werden, auf dem Weg dahin, sind sie ja schon…
Gruss
Gruss
PS: Habe gestern/heute noch das hier gelesen, ein Schritt in die richtige Richtung:
http://www.zeit.de/dpa/2008/11/6/iptc-bdt-20081105-281-dpa_19469212.xml
http://www.jungewelt.de/2008/11-07/039.php
Dann hätte die finanzielle Kontraktion zumindest eine friedliche Auswirkung auf die sicherheitspolitische Lage in Europa bzw. weltweit…
@salvo
Es ist doch schon ein “Ruhmesblatt” für die FR das sie das, was die Sozen (und nicht zu vergessen die Grünen!) während der Gerd-Show verzapft haben, als das benennt, was es war. Abbau des Sozialstaates. Das ist doch schon ein gewaltiger Qualitätsunterschied zu 90% der restlichen Medien hier in D.
Die ehemalige “Partei des kleinen Mannes” hat in diesem Land den Sozialstaat geschliffen, wie keine andere Partei in keinem anderen Industrieland auf diesem Planeten. Jedenfalls in diesem Jahrtausend. Das haben wir ja inzwischen schriftlich von der OECD bestätigt bekommen.
Das dies als “notwendig” bezeichnet wird, kann man dann aber IMHO getrost als Teil des neoliberalen Agitprop ablegen.
soeben in der jungen welt gelesen
wäre schön, wenn es so wäre, ein erster Schritt
“Wackelt Washingtons Raketenschild?”
http://www.jungewelt.de/2008/11-07/039.php
Gruss – Kommentar-Nr. 93
Die Frankfurter Rundschau verschweigt, daß Bush den Wohlhabenden in den USA
riesige Steuergeschenke hat zukommen lassen. Obama sollte mit hoher Priorität
darangehen, die immer ungleichere Einkommens- und Vermögensverteilung
abzubauen. Das ist nicht nur ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch
der ökonomischen Vernunft.
die us-Rechte dreht jetzt vollkommen durch
“Sales of handguns, rifles and ammunition have surged in the last week, according to gun store owners around the nation who describe a wave of buyers concerned that an Obama administration will curtail their right to bear arms.
“He’s a gun-snatcher,” said Jim Pruett, owner of Jim Pruett’s Guns and Ammo in northwest Houston, which was packed with shoppers on Thursday.
“He wants to take our guns from us and create a socialist society policed by his own police force,” added Mr. Pruett, a former radio personality, of President-elect Barack Obama.”
http://www.nytimes.com/2008/11/07/us/07guns.html?_r=1&hp&oref=slogin
@96, Thomas
Auch wenn jetzt (fast) die ganze Welt begeistert ist, dass mit Obama ein Halbschwarzer und Liberaler Praesident wird, sollte man keinesfalls so naiv sein, zu denken, es handele sich um eine Wahl, die keinen “inneren Preis” hat.
Natuerlich kann nur eine Person fuer dieses Amt in Frage kommen, die gewisse Huerden, besonders im Establishment (Industriekapitaene, Finanzkapital usw.) nehmen musste, also Kompromisse eingehen musste, von denen wir momentan noch nicht viel oder gar nichts wissen…
Die Wahl wurde sozusagen, und vielleicht auch aufgrund der Obamanie des Volkes, von “oben” geduldet und abgesegnet, aber nur im Tausch gegen gewisse Zugestaendnisse des designierten Praesidenten fuer die Interessen des Establishments.
Gruss
Gruss
die italienische Rechte macht wieder von sich reden, Berlusconi beschreibt Obama in einem Interview als “e bello e abbronzato”, als schön und gebräunt, und versteht die Welt (“imbecilli”, also Dummköpfe, wie der italienische Führer meint) nicht, die sich völlig humorlos darüber empört
http://www.repubblica.it/2008/11/sezioni/esteri/italia-obama/berlusconi-imbecilli/berlusconi-imbecilli.html
http://www.lemonde.fr/europe/article/2008/11/07/consternation-en-italie-apres-la-blague-de-berlusconi-sur-obama_1115916_3214.html#ens_id=1115033
Hahaha, jetzt schreibt die Bild Obama schon runter, das ging ja schnell:
http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/11/07/barack-obama/ist-er-haerter-als-george-w-bush.html
Wenn man bedenkt, wie sie Bush damals in den Himmel gehoben haben…
Jaja… und als Kronzeuge wird Steinmeier zitiert…
Hallo Spiegelfechter!
Zuerst einmal: Dein Blog zeigt, dass zumindest semiprofessionelles Niveau trotz Ein-Mann-Betrieb und nur wenigen finanziellen Mitteln möglich ist – ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.
Ein Rat: Zwing dich selbst, dich zu hinterfragen. Die Welt ist dialektisch. D.h. Recht hat man zumindest 100% nie. Natürlich ist es wichtig, in einer Diskussion zuzuspitzen, zu übertreiben und auch zu polemisierten. Doch sollte dies immer mit offenen Armen geschehen. Wer Toleranz erwartet, muss diese auch selbst pflegen.
Desweiteren noch eine kleine Bemerkung zum “Linksdrall” deiner Seite: Ich unterstütze dich in vielen deiner Ansichten und mache auch oft Werbung für deinen Blog. Es würde mir aber leichter fallen, wenn es hier auf der Seite auch mal mehr um diejenigen geht, die Werte schaffen. Um kleine Mittelständler, um Mütter und Väter, die tagein, tagaus arbeiten, um Menschen, die früh aufstehen, pendeln, sich trotzdem für die Allgemeinheit engagieren, ihre Umgebung sauber halten, Kultur fördern und besuchen, Kinder bekommen und aufziehen, Werte und Normen retten und verbreiten. Kurz gesagt: Lass auch mal die einmalige deutsche Zivilgesellschaft zu Wort kommen. Genug von bösen Managern und Imperatoren, genug von Steuergeldempfängern und Auf-Kosten-anderer-Lebenden.
Nun noch zu Russland: Ich habe die letzten 3 Jahre in Nizhniy Novgorod und Samara gearbeitet, kenne das Land also schon ein bisschen mehr als andere. Das Land verwandelt sich Schritt für Schritt wieder in die alte Sowjetunion – nur das die sog. Oligarchie in einer Art Parallelwelt Narrenfreiheit hat. Die Nomenklatur, die alten FSB-Schergen und deren Staats- und Rechtsverständnis werden Russland schädigen und lähmen. Ich sehe für – nicht nur das geisteswissenschaftliche – Russland schwarz. Sicher, ich unterstütze nicht die Maßnahmen von NATO und Bush-Regierung rund um Russland, muss aber leider feststellen, dass die Putin/Medwedew-Regierung jeglichen moralischen und politischen Anspruch verloren hat, sich über die Makel anderer aufzuregen.
Für Kritik und Anregungen bin ich jederzeit offen – immer raus mit der Sprache. Ich versuche, hier jetzt kein stummer MITleser mehr zu sein. Denn nur durch Aktivität ist eine Veränderung von Zuständen erreichbar.
Grüße, Kristof
Sehr schöner Artikel aus der Asia Times, welcher die außenpolitischen Spielräume Obamas beleuchtet und sich speziell mit den Beziehungen der USA zu Iran befasst.
http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/JK08Ak02.html
;-) Für Deutschland bedeutet Obama erst einmal eines: Mehr Soldaten nach Afghanistan, hinnein in einen Krieg der nicht zu gewinnen ist und das Elend der Afghanen verschärfen wird.
Robert Dreyfuss über die Möglichkeiten im Verhältnis zum Iran, mit Verweis auf einen offenen Brief des iranischen Präsidenten an Obama
http://www.thenation.com/blogs/dreyfuss/381513/obama_and_iran
Schon gelesen wer Chief of Staff von Obama werden soll?
==> http://www.politico.com/news/stories/1108/15371.html
Was haltet ihr davon?
Hallo Jens, sehr feiner Beitrag!
Lediglich Deine Prognose zum irreversiblen Abstieg der USA teile ich nicht. Ich bin zwar ein Freund der Morphologie Spenglers, aber erachte die Staaten noch als zu jung und zu dynamisch, um bereits jetzt einen Niedergang zu sehen (ich vermute, Du spekulierst ein wenig auf die Prognose Spenglers in Bezug auf Rußland ;-)
Als gutes Indiz kann man die enormen Kräfte nehmen, die bisher langsam, aber täglich stärker wirken im ganzen Bereich der Umwelttechnologie. Neben Silicon valley besteht längst ein Green Valley. Obamas Umweltpolitik wird den dort Aktiven die Fesseln wegnehmen. Europa und insbesondere wir in Deutschland werden uns wundern, was Amerika in diesem Bereich alles auf die Beine stellen wird in den nächsten Jahren.
Ein Beweis für eine Zukunftsprognose ist das natürlich auch nicht.
M
@105
Ich halte einen Abstieg der USA für durchaus gegeben. Man muss sich nur die Probleme der Konsumenten und der Automobilindustrie sich anschauen. Grüne Technologien sind zwar schön und gut, aber jeder 10te Arbeitsplatz hängt an der Automobilindustrie.
Ich seh aber kein Land aktuell in der Lage die Rolle der jetzigen USA einzunehmen, und das ist auch gut so. Willkommen in einer multipolaren Welt ohne Imperien :)
@106: Martin redet – so wie ich ihn verstehe – nicht von einer Rezension – wie tief und wie lange auch immer – und nicht von einem relativen Machtverlust US-Amerikas innerhalb der “westlichen Welt” sondern von einem Kollaps der westlichen “Welt an sich” – dem ultimativem Zerfall der Euro-Atlantischen Macht- und Gesellschaftsverhältnisse dessen ideologischer Vordenker und Vorleber US-Amerika ist.
Ich bin zwar auch ein Anhänger des Aufstiegs und Untergangs von Zivilisationen, doch bin sehr skeptisch diese Dialektik für Prognosen zu verwenden. Amerika ist schon so oft tot gesagt worden und ganz wie Rom ist es so oft wieder auf erstanden.
In einem bin ich mir aber sicher: Im Krieg gibt es nichts zu gewinnen und alles zu verlieren. Die Russen haben den Kalten Krieg schon verloren. Der “dem Westen” aber wird ihn noch verlieren.
@107 Natürlich ist das vorallem erstmal eine Rezession, aber eine die die amerikanische Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Die Investmentbanken waren die Ikonen der modernen Wirtschaftsordnung und Sinnbild der Wall Street. Es gibt sie nicht mehr. Die amerikanische Automobilindustrie war von den einst drei größten Autokonzernen geprägt, deren Produktionskraft ausreichte den ganzen Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg mit Fahrzeugen und Panzern zu versorgen. Die meisten Amerikaner glauben wohl weniger an den amerikanischen Traum als an den Albtraum ihrer eigenen Schulden.
Wenn sich die USA nur noch als ein Staat unter vielen unter die größten Wirtschaftsnationen einreihen würden, wäre das schon ein gewaltiger Abstieg. Die amerikanische Politik ist noch immer vom Denken an die Außergewöhnlichkeit Amerikas überzeugt und der Meinung die Welt im Griff zu haben. Hat Amerika nicht mehr, es wird äußerst große Anstrengungen bedurfen das Ruder wieder rumzureissen, es dürfte da keine Kraft mehr für Machtdemonstrationen übrig sein, außer hier und da mal ein paar Häuser wegzubomben.
http://en.wikipedia.org/wiki/David_Axelrod_(political_consultant)
http://change.gov/americaserves/
@Jörg: Um von “Denken der Ausergewöhnlichkeit” beherrscht zu werden braucht es keine reale existierende Macht sondern nur einen kranken Geist und einen tiefverankerten (oftmals, aber nicht immer religösen) Mythos. Beides gibt es in den USA im Überfluss. ;)
Sicher die Wahrscheinlichkeit für einen wirtschaftlichen Abstieg und einem Machtverlust Amerikas ist da – aber das wäre ebend nur ein Abstieg und nicht der Kollaps von dem Martin wohl redet: Eine tiefe Rezesion ist zuersteinmal nicht tötlich fürs (kapitalistische) Geschäft! Im Gegenteil, die Phase der Destruktion macht die folgenden Phase des Wachstums um so profitabler. So what? Time to buy!
@110
natürlich. Wie sollte denn ein Kollaps aussehen? Selbst die Weltwirtschaftskrise war zwar eine schwere langanhaltende Wirtschaftskrise, aber auch die ging irgendwann mal vorbei und es ging wieder nach oben. Kapitalistische Systeme haben nunmal ein hohen Zerstörungspotenzial aber auch enorme Selbstheilungskräfte.
Hm, verstehe ich das richtig? Obama verpflichtet Kinder und Jugendliche zu Arbeitsstunden für den Wiederaufbau der Nation? Ich dachte die Idee wäre mit den Thälmann Pionieren gestorben! “Seid bereit! – Immer bereit!” *lach* man verrückte Zeiten – ich kann mich noch an die Morgenappelle und Arbeitseinsätze erinnern – Leute die Welt hat sich weitergedreht *kopfschüttel* Ihr Wessis könnt die Entfernungen die ich (und millionen andere) durchschritten habe garnicht ermessen. Ihr träumt von Revolution? Nicht schon wieder…
Und was soll nur aus denjenigen deutschen Politikern werden die gewohnt sind dem Führer der freien Welt zu folgen? Entweder die kriegen nen Herzkasper oder es gibt neue Wendehälse….
@112
Ich konnte es erst auch nicht glauben. Aber das Peace Corps ist eine Erfindung aus den USA der Sechzigerjahre. Kennedy: “Don’t ask, what your country can do for you..”, etc. Siehe auch http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29093/1.html
Aber Merkel oder Steinmeier brauchten garnicht erst zu versuchen, mit sowas anzukommen, das stimmt. Die partizipativen Elemente bei Obama stehen in der Tradition der 68er, der Bürgerrechtsbewegung, und damit hat weder Merkel noch Steinmeier irgend etwas am Hut. Der liberale Flügel der Linken und der linke Flügel der Grünen, vielleicht auch der der SPD, könnten für so einen Wandel stehen. Und wo jetzt allgemein die Selbstständigkeit und Gewissensfreiheit der Abgeordneten so gestärkt wird, würde ich mir an Steinmeiers oder Merkels Stelle mal langsam Sorgen machen, wie zeitgemäß sie eigentlich beide 2009 noch wirken werden. Obama wird der Seeheimer Kreis nicht mittels Intrigen stürzen können, er muß mit ihm leben. Und die ganze SPD kann sich beim Seeheimer Kreis bedanken – eine linkere SPD hätte unter diesen Umständen jetzt auf den Obama-Zug aufspringen können. Aber Münte, Steinmeier? No Way.
Ich weiß nicht genau. Ich stell mir das ähnlich vor wie den Kollaps der DDR…
Stell dir vor du wachst eines Tages in deiner Stadt, in deiner Wohnung auf – nur ist das in China (oder irgendeinem andern dir völlig fremden exotischen unverständlichen Land) und Deutschland existiert nicht mehr.
Du stehst auf und gehst zur Arbeit und all deine Kollegen sind auch gerade in China aufgewacht – jeder den du kennst ist genauso Plan, Sinn und Ziellos wie du. Stell dir vor alles was du gestern für richtig gehalten hast ist heute falsch: egal ob Weltanschauung, Statussymbole, Musikgeschmack, Kleidungsstile, Moralvorstellung, Haarschnitt ja selbst die kleinste Banalität wie die Art einander zu grüßen oder die Art mit seinem (neuen) Chef zu reden.
@knt
Deine Interpretation meines Kommentars ging durchaus in die richtige Richtung.
Was den Untergang der USA anbelangt, bedarf es etwas mehr als das verdiente Verschwinden der Investmentbanken. Die schwere Krise in der Automobilindustrie ist, nun ja, schwer. Aber auch das ist zu bewältigen. Der Untergang einer Hochkultur erfolgt nicht durch die Wirtschaft, sondern durch die Ermattung. Dann geben eher wir den Löffel ab als die Amerikaner.
Buchlektüre gefällig? John Steinbecks “Früchte des Zorns”. Darin wird die 30er Krise beschrieben. Dagegen nimmt sich das, was wir heute in den Staaten erleben aus wie ein Schnupfen im Vergleich zu Krebs. In 2 Jahren ist das Schnee von gestern.
@Kristof @ SF
Den anregenden Beitrag von kristof unterstütze ich. Auch ich schätze die Arbeit des SF sehr. Manchmal ist es mir aber auch zu viel mit dem ständigen Anrennen gegen das vermeintliche Establishment. Ich habe auch nur einen “ganz normalen” Job und kann einiges kritisieren. Wer aber nur Kritik kennt wird erstens selbst nicht froh und wird zweitens auch andere kaum ermutigen können, etwas “Aufbauendes” im doppelten Sinn des Wortes zu schaffen. Ab und zu einen durch und durch positiven Beitrag (gibt das die Welt nicht her?) würde den SF abrunden und aufwerten. Wenn es die Bewohner von Soweto zustande bringen, mindesten zwischendurch bester Dinge zu sein, sollte das in unserem ach so kritteligen Deutschland auch möglich sein, oder?
Lieber @sf
………es wäre ja mal gut wenn jetzt damit abgeschlossen, und Du Dich wieder der deutschen sogenannten Wirklichkeit zuwendest. Das ganze Gehäuse der Spekulation, was, wer, wann, wo, wie, und ob überhaupt…..stecks an und sieh was oder wer rauskommt. Es ist einfach halt noch nicht soweit, irgendwas zu sagen. Wie der selige Wittgenstein: Worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen!
……also bitte mehr zu Deutschlands Themen…..da ist Dein Blog Spitze (und das ist keine Schleimerei! meine Kollegen sagen das auch!) Was sollen wir über ein Land sagen, deren Bewohner nicht einmal wissen was America, so nennen sie sich ja selbst, überhaupt bedeutet? Nichts, abwarten…..auf Sitting Bull! :-)
Nur, um es jetzt mal so in den Raum zu werfen:
Ist Obama ein Neoliberaler?
Ist er? Kaum gewählt, und noch nicht angetreten, heisst es, er habe zahlreiche Manager gebeten, sich Gedanken zur Lösung der finanzkrisengebeutelten amerikanischen Autoindustrie zu machen. Klingt das nicht ein bisschen nach Schröder? Wieso fragt denn heutzutage keiner mehr irgendwie unabhängige Menschen, wenn es um das Wohl des Volkes geht? Wie wäre es zur Abwechslung mit Noam Chomsky oder meinetwegen auch Al Gore? Und dann, dann fand ich noch diesen schon einige Monate alten Artikel auf mediamouse.org:
http://www.mediamouse.org/griid/electionwatch/2008/06/obama-embraces-neoliberal-econ/
…und da wurde mir etwas bang. Was kommt denn da auf uns zu? Heisst das Motto heute weltweit: Blende die Pseudointellektuellen und Randgruppen durch Rasse (Obama) oder Geschlecht und Herkunft (Merkel aus dem demokratiesüchtigen Osten) und mach’ munter Dein neoliberales Ding, oder was?
Fragt sich besorgt: demokratie-ist-wichtig.de http://www.demokratie-ist-wichtig.de
ich glaube, man sollte es Jens überlassen, worüber, wie viel und in welcher Form er schreibt. Unkritisches gibt es in den Mainstream-Medien zur Genüge.
@118
ich würde abwarten und mich bei kritischen US-Medien informieren. Ich weiß nicht, was du unter Manager verstehst, nach dem, was ich weiß, hat sich Obama bis zur Amtsübernahme mit einem kleinen Kreis von Beratern umgeben, die schon zum Wahlkampfkern gehört haben. Außer der Position des chief of staff (keine in der Administration) an Rahm wurden noch keine Positionen vergeben.
Michael Moore:
http://www.michaelmoore.com/words/message/index.php?id=240
Naomi Klein:
http://www.huffingtonpost.com/naomi-klein/real-change-depends-on-st_b_141122.html
Na, lass mal die Kirche um Dorf – das der zukünftige Präsident eines Welt-Imperiums einen Anarcho-Syndikalisten wie Chomsky um Rat fragt ist doch — etwas — weit hergeholt. Das kannst du doch nicht wirklich erwartet haben?
Obama ist (Sozial?-) Demokrat und kein Sozialist und er glaubt natürlich an die (heilende) Kraft des Marktes und die Überlegenheit des Kapitalismus. Ein “Neoliberaler” im deutschen Sinne (schlanker Staat, freihandel, keine regulation, keine sozialeversicherung) ist er allerdings wohl nicht. Er ist da differenzierter.
Naomi Klein hat es auf den Punkt gebracht
wir werden sehen, wofür sich Obame entscheidet, dem massiven Druck des Establishment nachgibt, möglichst alles beim Alten zu belassen, oder einen echten change einleitet, der den Willen der grassroots Bewegung wiedergibt, die ihn an die Macht gespült hat. Tut er das Erstere wird er nicht nut die Unterstützung dieser Bewegung, von main strret, verlieren, sondern er wird auch vom Establishment fallen gelassen, nachdem es sich ihn angeeignet hat – ganz einfach weil dieses kein Obama braucht.
“Can Grassroots Movement that Propelled Obama to Victory Chart a Better Economy?”
http://www.democracynow.org/2008/11/7/can_grassroots_movement_that_propelled_obama
auch hier geht es um die Spannung zwischen den Kräften des Establishments, die sich jetzt um Obama scharen, und denen der Basisbewegung, der Obama seinen Wahlsieg verdankt. Eigentich dreht sich die Frage nur darum, wie sehr er dem Druck des Establishments standhält, um wie viel er nachgibt. Ich glaube, dass Robert Kuttner recht hat, wenn er meint, dass Obama weiß, dass er nur verlieren kann, wenn er zu sehr diesem Druck nachgibt. Auch wenn er dann versuchen würde, symbolisch und über die Medien, die Basis zu versöhnen mit einer Realpolitik, die die abgewählte fortführt – ich glaube nicht, dass sich die Basis davon einnehmen lassen wird. Und das ist auch für uns wichtig, weil ich glaube, dass ein echter progressiver politischer Wandel im Interesse der Menschen, von main street, sich über kurz oder lang auch auf uns auswirken wird.
ps
die Liste der ökonomischen Berater im Obamas Team spricht leider nicht für den versprochenen und notwendigen change, zu sehr corporate, zu sehr wall street, kein einziger aus der Arbeiterbewegung, nur zwei wirklich progressive: Reich und Bonior
Besonders Rubin und Summers stehen für die Politik der Deregulierung in der Clinton Ära. Letzterer wird als möglicher Finanzminister (Treasury Secretary) gehandelt.
- David Bonior (Member House of Representatives 1977-2003)
- Warren Buffett (Chairman and CEO, Berkshire Hathaway)
- Roel Campos (former SEC Commissioner)
- William Daley (Chairman of the Midwest, JP Morgan Chase; Former Secretary, U.S. Dept of Commerce, 1997-2000)
- William Donaldson (Former Chairman of the SEC 2003-2005)
- Roger Ferguson (President and CEO, TIAA-CREF and former Vice Chairman of the Board of Governors of the Federal Reserve)
- Jennifer Granholm (Governor, State of Michigan)
- Anne Mulcahy (Chairman and CEO, Xerox)
- Richard Parsons (Chairman of the Board, Time Warner)
- Penny Pritzker (CEO, Classic Residence by Hyatt)
- Robert Reich (University of Cal, Berkeley; Former Secretary, U.S. Dept of Labor, 1993-1997)
- Robert Rubin (Chairman and Director of the Executive Committee, Citigroup; Former Secretary, U.S. Dept of Treasury, 1995-1999)
- Eric Schmidt (Chairman and CEO, Google)
- Lawrence Summers (Harvard University; Managing Director, D.E. Shaw; Former Secretary, U.S. Dept of Treasury, 1999-2001)
- Laura Tyson (Former Chairman, National Economic Council, 1995-1996; Former Chairman, President’s Council of Economic Advisors, 1993-1995)
- Antonio Villaraigosa (Mayor, City of Los Angeles)
- Paul Volcker (Former Chairman, U.S. Federal Reserve 1979-1987)
http://www.motherjones.com/mojoblog/archives/2008/11/10744_obama_to_hold_f.html
noch ein Hinweis, auf ein Kommentar in einem Blog. Bezieht sich auf Summers, der dem engen ökonomische Beraterteam Obamas angehört und als Deregulierer der Clinton-Ära bekannt ist. Er ist auch derjenige, der der Weltbank einst ein Papier vorgelegt hat, in dem er vorschlug, Umweltverschmutzung (pollution) von den Industrie- in Entwicklungsländer zu exportieren, weil diese ‘under-polluted’ wären. Unfaßbar, aber das hat er getan. Dass so ein Mann als ‘treasury secretary’ gehandelt wird, zeigt, wie wenig es mit einem echten change zu tun hat. Natürlich kann der Mann, sollte er tatsächich in die Adminstration kommen, eine andere Politik machen. Aber, ist das glaubwürdig und realistisch? Auch hier werden ja die Böcke zum Gärtner gemacht, Stichwort Asmussen und Issing. Kritiker meinen, Obama solle sich eher von Menschen wie Krugmann, immerhin frischer Nobelpreisträger, beraten lassen.
Der Kommentar hier drückt sehr gut aus, welcher Kampf derzeit dort ausgetragen wird, zwischen so genannten ‘moderate’ (das Establishment, wie es sich charikiert – in deutschen Termini die Mitte :-)) und angeblichen ‘lefties’ (auf deutschen medialen Kampfjargon übertragen: die ewiggestrigen Sozialromantiker :-)) . Leider stehen die Zeichen dafür, dass das Establishment sich weitgehend durchsetzen wird. Das wird die Bewegung spalten und Obama spätestens in 4 Jahren wieder wegspülen. Kommt uns bekannt vor, nicht? Hoffentlich ist in Obama noch genug grassroots Bewegung, um dieser Gefahr zu entgehen.
“Obama’s campaign united centrists and lefties. A lot of this had to do with Bush, but it also had to do with Obama’s rhetorical ability and his biography, which may have attracted some lefties who would otherwise have objected to his moderate hawkishness (including his steadfast support for Israel) and some of his domestic policy proposals.
I’m not sure how long the moderate-lefty alliance will survive now that the GOP is in eclipse and Obama is actually going to be running the show. On NPR this morning, I heard someone complain that Obama ought to be consulting with Paul Krugman and Jeffery Sachs instead of Summers and Rubin. The attacks on Summers that you reference — all of which are from the left — may be the first salvo in a battle between moderates and increasingly disillusioned lefties.
Anyhow, I couldn’t agree more, Noam. Unfortunately, the Democratic coalition contains old-style, short-sighted lefty interest group activist types who think tangential grievance issues ought to be given more weight than, say, experience, creativity, intellectual capacity, and understanding of economics and capital markets — all things that Summers has in spades. And, as you point out, Summers’ record suggests that he’s neither a misogynist nor an anti-environmentalist.
Thankfully, I think future President Obama (feels great to write that) thinks more like us.
”
http://blogs.tnr.com/tnr/blogs/the_stump/archive/2008/11/07/in-defense-of-larry-summers.aspx
Die Personalie Lawrence Summers als möglicher Finanzminister weckt Zweifel, ob Obama wirklich für eine neue Politik steht. Der Nobelpreisträger Josef Stiglitz
(Ökonomischer Chefberater Clintons, danach Chefökonom der Weltbank) äußerte sich in seinem Buch “Die Schatten der Globalisierung” äußerst negativ zu Summers. Stiglitz
schildert die negativen Folgen aus der äußertst engen Verbindung zwischen US-Finanzinisterium und IWF.
Er beschreibt wie der Staatssekretär im Finanzministerium (und heutige Präsident der Harvard-Universität) Lawrence Summers, zusammen mit dem Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrats, Robert Rubin, eine Denkschrift des Wirtschaftssachverständigenrats gegen eine zu schnelle Liberalisierung der südkoreanischen Kapitalmärkte unterdrückte. Beide unterbanden später in der Krise auch die Idee eines asiatischen Währungsfonds. Als “Sachverwalter der Interessen der Finanzwelt” mache sich der IWF mehr Sorgen um die Zahlungsfähigkeit von Ländern (damit diese Länder ihre Dollar-Kredite zurückzahlen können), als um deren globale Stabilität und ihre wirtschaftliche Erholung.
Krugman schrieb gestern in der N.Y. Times über den Druck auf O., jetzt Politik für die Mitte zu machen, bzw. dass “kein Geld da” sei. Er meinte, O. solle sich um den Druck nicht kümmern und einfach sein Ding durchziehen, Amerika sei nach links gerückt und das ginge. Wenn kein Geld da sei, solle er vorrübergehend auch Schulden machen. Leider nur noch mit NY-times-Login: http://www.nytimes.com/glogin?URI=http://www.nytimes.com/2008/11/07/opinion/07krugman.html&OQ=_rQ3D1Q26em&OP=363004cdQ2F2Q7Cqt2Q5BQ3FQ5C8XQ3FQ3FiQ222Q22WWp2Q3AQ3A2W12Q3FVMQ2BMQ3FQ2B2W1_XmQ24dQ2AQ2By3idG
@126
es geht auch ohne login
http://www.nytimes.com/2008/11/07/opinion/07krugman.html?_r=1&oref=slogin
ciao
>>Dass er das System bändigen will, steht außer Zweifel (…)<<
Was macht dich da so sicher, dass er es “will”? Weil er das gesagt hat? Weil er das ausstrahlt? Schonmal darüber gedacht, dass dieses ganze “Change”-Gefasel teil einer Wahlkampfstrategie ist? Und schonmal mit Obamas Biografie (er ist auch nur ein Kind des Establishments) und seinem Umfeld, respektive seiner Frau (CFR), seinem Vize (Biden) und seinem außenpolitischen Sicherheitsberater (Brzezinski) auseinandergesetzt? Diese Leute beeinflussen den Präsidenten ungemein und dass er den eigenen, starken Willen hat, etwas zu ändern, halte ich für eine gewagte These.
Ich finde diesen Artikel ehrlich gesagt arg oberflächlich. Da kann ich auch den Stern oder den SPIEGEL lesen und bekomme denselben oberflächlichen Input.
Robert Kurz hat wie ich finde gute Argumente und Begruendungen geliefert, warum Obama (leider) eher als eine tragische Figur enden wird.
http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=18&posnr=383&backtext1=text1.php
Untergehende Imperien tendieren zudem noch dazu, von ihren grossen Schwierigkeiten durch Kriege ” (Iran?) abzulenken”. Betrachtet man dann noch die Personen und Berater die Obama umgeben, ist auch eher davon auszugehen, dass sich die Krise ausweitet, weil die Amerikaner versuchen ihren wirtschaftlichen Zerfall dadurch abzuschwaechen, deren Auswirkungen auf andere Volkswirtschaften zu “exportieren”, anstelle nach Strategien zu suchen, damit selbst fertig zu werden, d.h. ihre Schulden abzutragen. Das sind dann auch die Segnungen der globalisierten Welt, na jedenfalls wird 2009 noch fuer so manche Ueberraschung sorgen- und fuer neue Chancen,viel interessanter Stoff fuer den SF!
Achja: Obama ist verwandt mit einer Reihe von US-Präsidenten: „Zu seinen entfernten Cousins gehören der Amtsinhaber George W. Bush ebenso wie dessen Vater George H.W. Bush. Außerdem gibt es da auch noch Gerald Ford, Lyndon Johnson, Harry S. Truman und James Madison. Im Klub der Obama-Cousins sind auch Vizepräsident Dick Cheney und der britische Premierminister Winston Churchill.“
http://i8t.de/a7ucz617
@EST
Ich möchte wetten, er ist auch entfernt mit Stalin, Castro, Chavez und Hitler verwandt – interessante Aussage *rolleyes*
“Ich möchte wetten, er ist auch entfernt mit Stalin, Castro, Chavez und Hitler verwandt – interessante Aussage *rolleyes*”
Ja, wenn du so 1000-2000 Jahre zurückgehst, hast du da gute Chancen. Die Verwandtschaften zur amerikanischen Polit-Elite ist übrigens nur ein weiterer Beleg dafür, dass Obama nicht der schwarze Arbeitersohn ist, der sich hochbuckeln musste, sondern ein Zögling des Establishments. Ebenso seine akademische Laufbahn zeigt das und seine frühen Kontakte zu seinem heutigen Mentor, der grauen Eminenz, Brzezinski. Aber mit solchen biografischen Details hast du dich wohl nicht aufgehalten.. *rolleyes*
@129
na ja, bei Kurz habe ich mittlerwile den Eindruck, von vornherein zu wissen, was er schreiben wird. Mag sein, dass er recht behält, aber sein vom jedlichen Selbstzweifel ungestörter Vollzug der eigenen theoretischen Vollkommenheit, wirkt auf mich recht bizarr. Man sollte Kurzs Texte als das sehen, was sie strukturell sind: Literatur.
“Zu befürchten ist leider, dass der erste schwarze US-Präsident nicht als Lichtgestalt in die Annalen eingehen wird, sondern als tragische Figur, die gerade in der Eigenschaft des afroamerikanischen Aufsteigers vom kollektiven Unbewussten dazu auserkoren wurde, die Krise des Weltkapitals und der letzten Weltmacht auszubaden.”
also sorry, eine kollektiv unbewußt vollzogene Verschwörung? Komisch, dass ausgerechnet die offen rassisitische US-Rechte sich erfolgreich dieser Kollektivität entziehen konnte. Sollten am Ende diese bewußter sein als die sich selbst als progressiv mißverstehende Basis Obmas?
Kurz ist zu sehr von den eigenen theoretisierenden Fähigkeiten eingenommen, auch ein Opfer des Unbewußten, wenn man so will.
@EST:
“Ja, wenn du so 1000-2000 Jahre zurückgehst, hast du da gute Chancen. Die Verwandtschaften zur amerikanischen Polit-Elite ist übrigens nur ein weiterer Beleg dafür, dass Obama nicht der schwarze Arbeitersohn ist, der sich hochbuckeln musste, sondern ein Zögling des Establishments. Ebenso seine akademische Laufbahn zeigt das und seine frühen Kontakte zu seinem heutigen Mentor, der grauen Eminenz, Brzezinski. Aber mit solchen biografischen Details hast du dich wohl nicht aufgehalten.. *rolleyes*”
Bitte? Das ist doch nun wirklich an den Haaren herbei gezogen. Der letzte gemeinsame Vorfahre von Obama und Bush/Cheney/Truman lebte im 17. Jahrhundert, und allein schon räumlich befand sich Obama vom “Establishment” lange Zeit recht weit entfernt. Es sei denn, du möchtest behaupten, dass Indonesien, Hawaii und das Occidental Liberal Arts College in Los Angeles neuerdings die Angelpunkte amerikanischer Politik-Elite sind.
Sicher, danach kam Columbia, aber vor Harvard auch nochmal jahrelange Arbeit als Community Organizer. Dass er über Columbia und Harvard natürlich sein “in” in die amerikanische Politik hatte, bestreitet niemand. Dass er kein armer Arbeitersohn war, sondern in einer soliden, sogar wohlhabenden Mittelklassefamilie aufgewachsen ist, steht auch nicht zur Debatte. Aber ihn deswegen als “Zögling des Establishments” zu betiteln, scheint mir etwas zu überzogen.
Was diese “biografischen Details” allgemein angeht: Klar, wenn man einzelne Puzzleteile mit genügend Gewalt aneinander presst, kann man sich daraus fast jedes Motiv zusammen basteln und ihnen dadurch unendliche Wichtigkeit verleihen. Wenn man sie aber im Gesamtbild sieht, sind sie in den meisten Fällen deutlich unwichtiger, als man es gerne hätte.
So finde ich es ungemein interessant, dass die einen ihn als “nur ein weiterer Teil des Establishments” bezeichnen, während die anderen ihm einen absoluten Fehlstart in Washington prophezeien, weil er und seine direkten Berater kein Teil der “Washington-Elite” sind. Die Wahrheit liegt mit Sicherheit irgendwo dazwischen, aber nicht in den Extremen.
Deinem Widerspruch kann ich zwar zustimmen: Es ist einfach abstrus, sich aus Fragmenten, von denen jedes eigentlich zuvor bewertet werden müßte, ein Bild zusammenzubasteln, aus dem absolut hervorgeht, was Obama tun wird. Hinzu kommt, dass die Fragmente, die dazu benutzt werden, selektiv aus einer offenen Menge ausgewählt werden, weil sie in einer bestimmten Form auslegbar sind, nämlich so wie das gewünschte Gesamtbild es vorgibt.
Aber ….
“Die Wahrheit liegt mit Sicherheit irgendwo dazwischen, aber nicht in den Extremen.”
auch das ist wohl nur ein Mythos
“Aber ihn deswegen als “Zögling des Establishments” zu betiteln, scheint mir etwas zu überzogen.”
Das sehe ich etwas anders. Obama hat das, wofür der durchschnittliche Politiker Jahrzehnte braucht, in wenigen Jahren geschafft. Vor zwei Jahren war er noch ein absoluter Nobody in der Öffentlichkeit. Man wird nicht einfach mal so in zwei Jahren zum US-Präsidenten weil man jung ist und gute Reden halten kann. Da gehört mehr dazu – eine ganze Maschinerie die einen trägt, der Einfluss bereits etablierter und angesehener Leute, die einen mit einer Unmenge an Ressourcen (Geld, Kontakte, Medienkampagnen, Schulungen, etc.) unterstützen. Allein schon wegen seiner Frau Michelle und ihrem CFR-Involvement, spreche ich Obama dieses Prädikat weiterhin zu. Wer Reden im Council hält, der IST nunmal Teil des Establishments, oder glaubst du die lassen da “Systemveränderer” rein? Das halte ich schlichtweg für naiv.
“Es ist einfach abstrus, sich aus Fragmenten, von denen jedes eigentlich zuvor bewertet werden müßte, ein Bild zusammenzubasteln, aus dem absolut hervorgeht, was Obama tun wird.”
Wer hat denn behauptet zu wissen, was Obama “absolut” tun wird? Dennoch gilt es, dem ganzen “Change”- und “Yes we can”-Gefasel etwas entgegen zu setzen. Laut der BZ von gestern hat Obama bereits zugesagt am Raketenschild-Projekt festhalten zu wollen (ganz im Zeichen seines Ziehvaters Brzezinski) und weiterhin hat er sich nun die Clinton-Kriegshelden Rahm und Co. angeworben (was will er denn mit diesen Haudegen? Nur das Klima verändern und den Sozialstaat retten?) – davon allerdings reden die ganzen Obama-Jünger eher wenig oder gar nicht.
Keiner “weiss” was Obama tun wird, aber die Tendenzen sind durch seine Vergangenheit und sein Umfeld gezeichnet. Das allerdings blendet der obige Artikel größtenteils aus.
“Hoffnung ist nicht nur Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Der deutliche Sieg von Barack Obama hat den USA und der Welt die Hoffnung wiedergegeben – die Hoffnung auf eine zivilisierte Weltmacht USA, die Hoffnung auf eine verantwortungsvolle Weltmacht USA, die Hoffnung auf einen Wechsel.”
Also nach den Zeilen, ist mir die Lust am Weiterlesen echt vergangen ! Von welcher Hoffnung ist denn eigentlich immer die Rede ? Bei mir kam nichts an, überhauptnichts ! Ganz im Gegenteil, da ich schon seit dem Vorwahlkampf, aufmerksam sein Mimenspiel beobachte, und ganz ehrlich, ich halte Obama für hochnäsig und falsch, und so wie der den Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton durchzog, sogar noch etwas anderes mehr.
Wahrscheinlich wird er wiedermal den Beweis antreten, daß ein Afroamerikaner genauso eine beschissene (sorry für das Wort, aber es gibt kein anderes treffendes) Politik wie ein Weißer machen kann.
Er fängt ja schon an zu relativieren, und meint durch die Blume, daß mit der “Change” kann schwierig werden. Wie sagte er die Tage, die Finanzkrise wolle er “frontal” angehen. Spitzenidee, darauf muß man erstmal kommen, andere würde sie womöglich umgehen und ihr in den Rücken fallen, oder gar einkesseln, nicht er, er machts “frontal” – was für ein Held !
Und dann noch mein “Freund” the liar Powell. Ganz stark. Erst verarscht er wissentlich die ganze Welt im Weltsicherheitsrat, alle nicken es andächtig ab, und dann geht der Irakkrieg geht los. Aber interessiert wohl keinen mehr, bin schon auf dessen “Beratung” äußerst gespannt.
Das ganze errinnert mich ein wenig an Schrödersn, und dessen Wahl ‘98. Da hieß es nicht “Change”, aber es kam ungefähr auf’s selbe raus, “Kohl muß weg”. Dann kam der Schwachsinn der uneingeschränken Solidarität, die dann wieder relativiert wurde, um den Wähler nicht zu verstimmen, und dann sein Unsinn mit der Agenda 2010.
Ich weiss, jetzt werden mich einige vielleicht hassen, bzw. mich dann hier abwatschen wollen, aber ich schreibs trotzdem, da ich es wirklich so dachte. Als Obama nach seinem Wahlsieg vor einer Masse Mensch stand, und dort seine Parole brachte, und wie der Reporter meinte, es wie aus einem Mund von der Masse wiederholt wurde – ich dachte spontan, ist ja wie 1936, nur die Farben sind irgendwie anders.
Trotzdem, angenehmen Sonntag noch.
@129 Ekkerhart
Auf welche historischen Beispiele beziehst Du Dich da?
Diese Gefahr besteht natürlich. Ich kann bei Obamas Beratern aber nicht unbedingt eine Tendenz entdecken, dies zu forcieren. Natürlich sind das alle samt keine Engel – verglichen mit Frau Clinton erscheint mir das Beraterteam Obamas aber eher rational zu sein.
@137 Anyonmous
Deine Zweifel will Dir auch niemand ausreden. Für den einen ist ein Glas halbvoll, für den anderen halbleer. Letztendlich läuft es wohl darauf hinaus, was man in Obama hineinprojiziert. Natürlich wird er keine Revolution einleiten und natürlich bleibt mehr beim alten, als es sein Fans wahrhaben wollen. Das alles schreibe ich allerdings auch genau so im Artikel.
Wer war Willy Brandt, als er Kanzler wurde? Er war ein Teil des Bonner Politiksystems und er schaffte es mit simplen Botschaften (Mehr Demokratie wagen) gewählt zu werden und als Kanzler eine Politik zu machen, die in Deutschlands Geschichte bislang einmalig war auch wenn einige Kritiker von linksaußen und rechts ihn dafür kritisieren.
Wer war Michail Gorbatschow? Er war Teil des Moskauer Politiksystems, anders wäre auch nie in die Position gekommen, aus der er die Welt verändert hat. Mit simplen Botschaften (Glasnost, Peristroika) hat er geholfen, die unmenschliche Form des real existierenden Kommunismus zu überwinden. Natürlich erntete er dafür nicht nur Lob, sondern Kritik von linksaußen und von rechts.
Obama wird im besten Falle ein Reformator sein, der die USA zurück in die Staatengemeinschaft bringt und sie “zivilisiert” – mehr wird nicht möglich sein. Natürlich wird es hunderte Dinge geben, wegen derer er von allen Seiten dafür kritisiert werden wird. Die “linken” Medien in Deutschland haben sich ja auch schon gut positioniert und auch er bürgerliche Mainstream wird Obama zerfleischen, da er andere Vorstellungen hat, als unsere neoliberalen “Vordenker”. Täusch Dich mal nicht, der Medientenor wird kippen und das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Mal schauen, wie zwanghafte Nonkonformisten darauf reagieren werden – werden sie Obama dann hochschreiben oder werden sie plötzlich mediale Verbündete von SPIEGEL und WELT. Ich bin gespannt ;-)
@ Spiegelfechter am 9. November 2008 um 13:09
Ganz richtig erkannt, ich komme eher aus dem Pessimistenlager, die eigetlich immer recht haben, oder aber positiv überrascht werden. Und ja, auch ich bin gespannt, besonders über die Schreiberlinge aus dem selbsternannten “linken” Lager, die einem diese Obamamanie unterjubeln wollten. Bei “sowas” geh’ ich automatisch auf Abstand. Zumal mich auch dieser Unsinn stört, daß genau jetzt, mit Obamas Wahlsieg, der Rassismus in den USA überwunden wurde. Leider kann ich nicht wirklich zum Ausdruck bringen, wie mich solcher Schwachsinn aufregt !
Ich kann deinen Standpunkt nun etwas besser verstehen, nach deinem Kommentar, nur überlege mal, wenn so ein Obamamaniegeschädigter wie ich, im ersten Satz bei dir viermal das Wort Hoffnung liest, dann ist mein Unmut vielleicht auch verständlich. War eben ein doofer Einstieg, wie ich finde;ich kann das Wort Hoffnung langsam echt nicht mehr hören.
Ich schau ja öftermal rein bei dir, werd’ den Artikel dann später lesen.
Machs gut, schönen Sonntag noch.
kritische Distanz ist notwendig, sie sollte aber nicht dazu führen, dass man sich a priori alle Möglichkeiten versperrt. Obama handelt innerhalb des Systems, er wird es nicht überwinden, sondern es, wenn überhaupt, verändern. Es ist abslout naiv zu gluaben, alles hinge vom Handeln eines einzigen Menschen ab, der vor einem Übel steht, das er nach seinem Gusto umgestalten kann. Sollte er wirklich etwas in dem Sinne der Basis verändern wollen , die ihn zum Wahlsieg verholfen hat und und kein bloßer Agent des Bösen sein, wie einige hier unterstellen, wird er dennoch vom Handeln des Systems abhängig sein, von den Machtstrukturen, die ihm seine Grenzen setzen, er wird davon abhängig sein, in welchem Maße er wesentliche Teile des Establishments auf seine Seite ziehen kann. Obama ist keine mythische Figur, die es allein mit dem Bösen aufnimmt und die Welt davon befreit.
Man sollte sich nicht nur auf die Person von Obama konzentrieren, ob er das wirklich will oder kann, wofür er im Wahlkampf gestanden ist. Er ist zwar wichtig, weil er jetzt diese Machtstellung inne hat und die reale Möglichkeit, etwas zu verändern. Weit wichtiger ist aber die Bewegung, die ihm zum Wahlsieg verholfen hat, dass sie sich von ihm emanzipiert und sich als eigenständige Kraft etabiliert, wie Amy Goodman es geschrieben hat
“The Obama campaign benefited from the participation of millions. They and millions more see that the current direction of the country is not sustainable. From the global economic meltdown to war, we have to find a new way. This is a rare moment when party lines are breaking down. Yet if Obama buckles to the corporate lobbyists, how will his passionate supporters pressure him? They have built a historic campaign operation—but they don’t control it. People need strong, independent grass-roots organizations to effect genuine, long-term change. This is how movements are built. As Obama heads to the White House, his campaign organization needs to be returned to the people who built it, to continue the community organizing that made history.”
http://www.truthdig.com/report/item/20081105_unchaining_history/
@136 EST
Halten wir also fest – wenn es ein “Nobody” schafft, stecken “gewisse” Interessen vom Establishment dahinter. Ist es kein “Nobody”, handelt es sich eh um einen Vertreter des Establishments. Letztendlich ist es also egal, ohne das Establishment erreicht niemand hohe politische Posten. Was ist neu an dieser Einsicht?
Da wird er sich aber freuen. Von welchem mysteriösen “CFR-Involvement” sprichst Du da eigentlich ständig? Geht es da um Frau Obamas Postion im Chicago Council? Wenn dem so wäre, ist dieser Vorwurf einigermaßen lächerlich. Warum sollte ein hochgebildete und politisch interessierte Frau nicht in einem Studienzentrum für Außenpolitik tätig sein? Oder kommen jetzt wieder die Bilderberger und die Neue Weltordnung als Erklärung?
Reden vor “dem” Council haben auch Ollenhauer und Brandt gehalten. Aber mal was anderes: Warum vertrittst Du eigentlich implizit die Meinung, alles, was Teil des Establishments ist, sei negativ? Dass ein Joe Sixpack mit einer Ausbildung zum Trucker kein Präsident werden kann – und es auch nicht sollte – ist doch offensichtlich.
Und Du bist tatsächlich der Meinung, (abstruse) Hinweise auf eine Verwandtschaft mit Bush und das ganze Anti-Establishment Gefasel würden ernst zunehmende Kontradiktionen sein? Gib Dir mal etwas mehr Mühe – es gibt gute Punkte gegen Obama; es gibt sie zuhauf – aber doch bitte nicht so etwas an den Haaren herbeigezogenes.
Daraus hat er im Wahlkampf auch nie einen Hehl gemacht.
Die “Obama-Jünger” – wenn Du damit die progressiven US-Medien meinst – reden von kaum etwas anderem. Nur weil sie eine pragmatischere Einstellung zu Emanuel haben, heißt das nicht, dass sie dieses Thema totschweigen.
“Halten wir also fest – wenn es ein “Nobody” schafft, stecken “gewisse” Interessen vom Establishment dahinter.”
Du willst wohl nicht bezweifeln, dass Falken, Irakkriegsbefürworter und eiskalte Geostrategen, wie etwa Biden und Brzezinski oder Colin Powell Obama “oben” sehen wollen, ebenso wie gewisse Strukturen der Finanz- und Unternehmenselite (Zahlen und Namen die das belegen finden wir zur Genüge)? Und wenn das so ist: Was glaubst du erhoffen sich diese Leute von Obama? Haben diese Strukturen ihre Ansichten in puncto Geopolitik und hegemonialer Ansprüche plötzlich geändert und fahren nun einen “soften” Kurs? Wollen dieselben Leute, die Lügner und Hardliner nun die Umweltverschmutzung bekämpfen und wieder Sozialpolitik betreiben? Ich denke nicht. Aber genau von solchen Leuten ist Obama umgeben und gefördert. Warum?
Lies doch mal “The Grand Chessboard” von Brezinski oder schau dir an was Biden (und sein Freund McCain) so im Thinktank “Project for a new American Century” schreiben und fordern. In deinem Artikel blendest du diese, wie viele andere Dinge einfach aus. “Das Prinzip Hoffnung” könnte auch eine Überschrift im SPIEGEL oder im Stern sein.
“Von welchem mysteriösen “CFR-Involvement” sprichst Du da eigentlich ständig?”
Google doch einfach mal. Du weisst selbst wie man an die Infos rankommt. Die Karriere von seiner Frau Michelle Obama ist sehr interessant, wenn man bedenkt was er so alles “verändern” will.
@EST
Nun wirf mal nicht munter alle in einen Topf. Obamas außenpolitische Berater waren neben Zbigniew Brzezinski (den ich nicht als Falken und ganz sicher nicht als Irakkriegsbefürworter einschätzen würde) Samantha Power, Joseph Cirincione und Lawrence Korb – das sind ganz sicher keine Falken.
Die Falken Randy Scheunemann, Bill Kristol, James Woolsey, Robert Kagan, Max Boot, Gary Schmitt und viele viele andere waren in McCains Team.
Was verstehst Du unter einem “softem” Kurs? Vielleicht so etwas:
“Ich würde dem Präsidenten raten, schnellstmöglich Schritte zu ergreifen, um den Irak-Krieg politisch zu beenden. Zunächst sollte man alle irakischen Führer an einen Tisch holen – nicht nur diejenigen, die in der „Green Zone“ residieren, um mit ihnen einen konkreten Zeitplan für den amerikanischen Truppenabzug zu erstellen. Dadurch werden die Iraker gezwungen, sich ernsthaft mit ihren internen Zwistigkeiten auseinanderzusetzen. Zweitens muss er alle irakischen Nachbarn – inklusive Syrien und Iran – an einen Tisch holen und mit ihnen die regionalen Sicherheitsfragen bei einem Abzug der US-Truppen erörtern. Jeder dieser Nachbarn hat ein vitales Interesse, dass der Irak nach dem Abzug nicht zu einem Pulverfass wird, das explodiert. Weiterhin sollte der Präsident versuchen, muslimische Staaten ins Boot zu holen – Marokko, Ägypten und Algerien können helfen, Irak nach der Besatzung zu stabilisieren. Drittens sollte man sich nach internationaler Unterstützung umschauen – wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn man die UN mit einbeziehen könnte, um die irakische Zivilgesellschaft wieder aufzubauen. Und ich würde dies alles mit ernsthaften Bestrebungen verbinden, Gespräche mit Iran aufzunehmen und Israel entschlossen dazu zu bringen, ernsthafte Friedensgespräche Palästina aufzunehmen und nicht – wie bisher – nur fruchtlose Waffenstillstandsverhandlungen zu führen.”
Das stammt vom “Falken” Brzezinski.
*smile*
Schön, dass Du mich auf eine Schrift aus dem Jahre 1998 aufmerksam machst. Lies Du doch bitte “The Choice” und “Second Chance”, die sind etwas aktueller und vermitteln einen besseren Einblick in seine Vorstellungen.
So so nun ist Biden plötzlich ein NeoCon. Es ist schlimm genug, dass Biden z.B. unter einen umstrittenen offenen Brief des PNAC bzgl. der Demokratie in Russland seine Unterschrift setzte. Ihn nun aber in die Nähe des PNAC zu rücken, ist skurril. Biden ist unter anderem der Senator, der vom PNAC-NeoCon Michael Rubin erst jüngst “Irans Lieblingsenator” genannt wurde. Das PNAC hat sich m.W. geschloßen hinter McCain gestellt, obgleich auch er sicher nicht ihr Traumkandidat war.
Natürlich tue ich das – der Artikel ist ein Kommentar und kein Buch, das die kompletten Hintergründe über Obama und seine Berater “enthüllen” will.
Und?
OK, wenn Du Dein großes “Geheimwissen” nicht teilen willst, behalte es für Dich. Mir macht es den Eindruck, als ob Du Dich in Deinem Nonkonformismus ein wenig verheddert hast.
“OK, wenn Du Dein großes “Geheimwissen” nicht teilen willst, behalte es für Dich. Mir macht es den Eindruck, als ob Du Dich in Deinem Nonkonformismus ein wenig verheddert hast.”
Das ist kein Geheimwissen, du kannst es recherchieren, du musst dir nur die Zeit nehmen und ein wenig über den Tellerrand hinausschauen. Ebenso wie du alleine recherchieren kannst, dass die Familie Brzezinski einerseits Barack Obama “berät” (Mark Brzezinski) und andererseits John McCain (Ian Brzezinski). Zbig Brzezinskis familiäres Verhältnis zu David Rockefeller ist auch kein Geheimnis. Damit wären wieder einige Verbindungen hergestellt die so explizit keiner benennen will, die aber wichtig sind. So etwas nennt man “Netzwerken” oder “networking”. Wem solche Fakten nicht wenigstens zu denken geben, mit dem muss ich jetzt auch nicht unbedingt eine breite Diskussion führen.
@EST
Schwache Antwort
Wie kommst Du darauf, dass dies niemand benennen will? Das Netz quillt doch von diesen Stories nur so über.
Es erscheint mir eh sinnlos, mit Leuten zu “diskutieren”, die ominöse Zusammenhänge in den Raum stellen, ohne sie benennen zu wollen, keine Quellen nennen und deren “Argumente” eine Mischung aus Name-Dropping und halbgaren Schlüssen aus irgendwelchen Mosaiksteinchen, die zwanghaft in eine nonkonformistische These gezwängt werden, bestehen.
Biden:
http://infokrieg.tv/was_ist_obamas_krise_2008_10_22.html
http://www.youtube.com/watch?v=WD_EAe1N9-M
Die wissen, dass es eine international Krise in den ersten 6 Monaten der Präsidentschaft von Obama geben wird. Woher wollen die das wissen? Wenn diese Leute so erfolgreiche Wahrsager sind (oder sein werden bzw. wollen), warum gehen sie dann nicht in ein Casino und machen aus 10 Dollar einfach das Hunderttausendfache?
Ich glaube eher, diese Leute fabrizieren etwas oder sie haben einen ganz genauen Plan, was innerhalb der kommenden Monate auf der Agenda steht. Dass das kein Kindergarten-Tanz sein wird, dürfte den Lesern dieses Blogs klar sein.
Gruss
Gruss
Panta rhei.
und noch ein Hinweis dazu
konservative Medien bemühen sich nach den Wahlerfolg Obamas die Botschaft zu verbreiten, das Land sein trotz alledem konservativ geblieben, dh ‘mitte-rechts’, einige gehen so weit zu behaupten, mit der Wahl hätten die Wähler die Ideen der Konservativen bestätigt.
Joshua Holland widerspricht dieser Botschaft
“America Is a Center-Left Country No Matter How Much the Corporate Media Say Otherwise”
http://www.alternet.org/election08/106276/america_is_a_center-left_country_no_matter_how_much_the_corporate_media_say_otherwise
weiter:
Schritte zum möglichen Wandel?
“Obama Won’t Commit to Bush Admin Missile Shield
Obama has also announced he won’t commit to continuing the Bush administration’s controversial missile shield in eastern Europe. A spokesperson clarified Obama’s stance after Polish President Lech Kaczynski said Obama had told him the program would continue under the new administration. The program has been widely derided as bellicose, expensive and useless to its stated goals of protecting national security. Poland would host ten ballistic missiles along with a radar site in the Czech Republic. The Bush administration says the missile system would protect Europe from Iranian missiles, but it’s widely seen as a first-strike weapon.”
“Report: Obama Plan Would Try Gitmo Prisoners in US Courts
Meanwhile, the Associated Press is reporting Obama advisers are crafting a plan that would put Guantanamo Bay prisoners on trial in US courts. Under the proposal, some prisoners would be freed, while others would be sent to the US for trial in criminal courts. A third group of prisoners would go in front of a new court system designed to handle so-called “national security” cases.”
http://www.democracynow.org/2008/11/10/headlines#13
zum Prinzip Hoffnung
“A lot of activists expect that for every action there is an equal and opposite and punctual reaction, and regard the lack of one as failure… But history is shaped by the groundswells and common dreams that single acts and moments only represent. It’s a landscape more complicated than commensurate cause and effect. Politics is a surface in which transformation comes about as much because of pervasive changes in the depths of the collective imagination as because of visible acts, though both are necessary. And though huge causes sometimes have little effect, tiny ones occasionally have huge consequences… History is like weather, not like checkers. A game of checkers ends. The weather never does.”
Rebecca Solnit
http://www.tomdispatch.com/post/174999/rebecca_solnit_day_of_the_citizen
Als Schachspieler frage ich mich schon:
Wozu ein Abwehrschild in Europa, wenn seine zukünftige Aussenpolitik Iran-freundlich ist ?
@Schachspieler
Frage Dich lieber, wozu ein Abwehrschild gegen iranische Raketen, die gar nicht existent sind und warum in Osteuropa, obwohl die Raketen auf ballistischer Flugbahn über den Nordpol flögen ;-)
Ich meinte Obamas Schachzüge.
Wie kann es sich der zukünftige Hoffnungsträger der Menschheit leisten, solche unlogischen Gesichtspunkte zu vertreten?
Die erkennt sogar ein Joe Sixpack Truckfahrer , wie ich.
Guter Beitrag, gute Seite. respekt und weiter so ;-)
und noch ein Text zum ‘Prinzip Hoffnung’
“Don’t Let Barack Obama Break Your Heart”
http://www.tomdispatch.com/post/175001/no_breathing_space_in_washington
zum Prinzip Hoffnung und zu dem der Ernüchterung
Obama will nach eigenen Worten in der Tat Guantanamo schließen lassen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass er am System der präventiven Inhaftierung (preventive detention) festhalten will, also er will gewissermaßen dieses System lediglich ‘humanisieren’
http://www.democracynow.org/2008/11/17/as_obama_reiterates_call_to_close
und noch mehr zum Prinzip Ernüchterung
Obama und die demokratischen Senatoren haben sich entschieden, Joe Liebermann sowohl den Vorsitz des Homeland Security Ausschusses im Senat als auch im Caucus der Demokraten. Liebermann hatte im Wahlkampf McCain unterstützt und scharf Obama angegriffen. Er gilt auch als Verfechter der aggressiven interventionistischen Außenpolitik der Bush Regierung.
http://www.thenation.com/blogs/thebeat/384384
“Is it me or is it just hard to tell the difference between “change” and “status quo”?”
Eingeständnis der US-Progressiven
Obama wird nicht den Wandel bringen, den sie sich erhofft haben und um dessentwillen sie ihn unterstützt und zum Wahlsieg verholfen haben.
Es ist an dieser Bewegung, sich jetzt neu zu orientieren und ihre Ziele, den change, gegen den Willen und die Interessen der US-Administration unter Obama durchzusetzen
Wandel, zumindest einer, der für die unten positiv ist, kann nur von unten kommen. Das gilt nicht nur für die USA, sondern such für uns.
“Let’s Be Clear About Obama”
http://www.thenation.com/blogs/edcut/385749
siehe auch hier
Paul Craig Roberts
“conned again”
http://www.countercurrents.org/roberts121108.htm
die deutsche Übersetzung
Die Berater Obamas sind ein Betrug am Wähler
http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2008/nr47-vom-17112008/die-berater-obamas-sind-ein-betrug-am-waehler/
@salvo
Den Roberts-Artikel wirst Du ja wohl kaum als ernst zunehmende Kritik auffassen? Oder?
worum gehts inhaltlich?
@salvo
Ich bitte Dich … Rahm “Israel” Emanuel und ein terroristischer Hintergrund, der darin besteht, dass sein Vater bei der Irgun war. Das ist genauso tendenziös, wie der Rest des Artikels. Dass ein Herr Roberts, seines Zeichens Vater der “Reaganomics”, sich über Rubin echauffiert (unter dessen Ägide die Staatsschulden zurückgingen), ist alleine schon grotesk – aber das ist natürlich “ad hominem”. Sorry, es gibt viele gut geschriebene kritische Artikel über Obamas Personalpolitik, u.a. der von Dir verlinke Artikel in “The Nation”, aber Roberts Verschwörungsmist (die AIPAC, also das Judentum, bestimmt in Wirklichkeit die Politik) gehört sicherlich nicht dazu ;-)
Aber, sorry, auch nicht tendenziöser als deine Kritik. Insbesondere finde ich keine Äußerung, dass die AIPAC ‘in Wirklichkeit die Politik bestimmt’ – nur dass sie ‘mächtig’ sei – und erst recht keine Gleichsetzung von ‘AIPAC’ und ‘Judentum’ – nur den Ausdruck ‘Israel-Lobby’. darüber mag man sich immer noch streiten – aber nicht über ‘das Judentum bestimmt in Wirklichkeit die Politik der USA’.
@Peinhard
Wenn Du das so siehst …
Das macht man heute auch nicht mehr, lieber Peinhard. Die neue Rechte hat ihre eigenen kryptischen Synonyme.
Natürlich muß man sich mit dem AIPAC kritisch auseinandersetzen, was Roberts macht, hat mE aber damit recht wenig zu tun. Es ist die gleiche “dumme” Leier, wie man sie stets aus der Ron-Paul Ecke hört, der er mW auch nahesteht.
lieber sf,
ich habe nicht die Person Craig gewissenstechnisch überprüft. Er schreibt u.a. hier
http://www.antiwar.com/
und hier
http://www.counterpunch.org/
wenn ich mich recht erinnere, hast du letzte Quelle als eine des ‘progressiven Amerikas’ auch hier verlinkt. Ob Craig dazu gehört, weiß ich nicht, will ich auch nicht beurteilen, sollen doch die Leser selbst entscheiden, wofür sie ihn halten.
die Kritik an Obama ist im Lager der ‘Progressiven’ mittlerweile vielstimmig, Craig gehört dazu und sein Artikel gibt Vieles von dem wieder, was auch viele andere aus dem progressiven Milieu schreiben
Lese mal die Kommentare zu den Artikeln auf thenation zB
@Salvo
Um Himmels Willen – nichts gegen Antiwar und Counterpunch ;-)
Beides sind aber offene Plattformen und man muß nicht jeden Autor mögen und auch nicht jeden Autor als ernst zunehmenden Progressiven einordnen – aber das ist idT “ad hominem” und ich mag solche Diskussionen eigentlich nicht. Mir hat der verlinkte Text aus diversen Gründen einfach nicht gefallen – über Geschmack lässt sich aber bekanntlich nicht streiten ;-)
@Jens/163:
Peinhard: “erst recht keine Gleichsetzung von ‘AIPAC’ und ‘Judentum’ – nur den Ausdruck ‘Israel-Lobby’.”
Jens: “Das macht man heute auch nicht mehr, lieber Peinhard. Die neue Rechte hat ihre eigenen kryptischen Synonyme.”
Naja, Jens, soll das heißen, dass “AIPAC” oder “Israel-Lobby” immer ein Synonym der neuen Rechten für “das Judentum” sei? Kann es nicht auch sein, dass einfach nur AIPAC gemeint ist? AIPAC ist eine Lobby-Organisation wie jede andere auch. Neben der NRA die einflussreichste in Washington. Na, und? Wieso soll man das nicht sagen können, ohne gleich als “Neo-Rechter” in die Ecke gestellt zu werden? Ich finde, du argumentierst gar nicht und machst dir diese seltsame Rhetorik des Verdachts zu eigen, die immer dann hergenommen wird, wenn man inhaltlich dem Sprecher nichts anhängen kann. Du behauptest einfach, Roberts spräche verklausuliert von der jüdischen Weltverschwörung und damit ist das Thema erledigt.
Das Thema ist schwierig und es stimmt, dass einige AIPAC nur als Synonym für die Weltverschwörung nehmen, aber so zu tun, als gäbe es keine Lobby für Israel in Washington und jeder, der sowas behauptet, sei in Wirklichkeit ein Neo-Rechter, der seinen Antisemitismus verbergen will, halte ich dann doch für ziemlich übertrieben.
lesenswertes von Noam Chomsky über Obamas Wahl
in Stichpunkte:
Chomsky setzt hier zwei Konzepte von Demokratie gegenüber: Die Zuschauerdemokratie und die partizipative Demokratie. Auf dem Konzept der Zuschauerdemokratie beruht die grassroots-Bewegung, die Obama zum Wahlsieg verholfen hat. Es ist ein elitäres Konzept, das die Bevölkerung nur als selbst passives Instrument zur politischen Machtergreifung durch die Eliten reduziert – sie bleibt von der politischen Entscheidungsfindung selbst ausgeschlossen, welche die Elite (the smart guys) unter sich organisieren. Als demokratisches Gegenkonzept stellt er die partizipative Demokratie gegenüber, wie sie in Haiti und Bolivien stattgefunden hat. Eine real von unten bewußt gesteuerte breite grassroots-Bewegung, in der die Bevölkerung einen von ihnen (Aristides, Morales) – und damit sich selbst – basisdemokratisch an die politische Macht gebracht haben.
Vor diesem Hintergrund lann man in der tat die Personalwahl Obamas und den Diskurs nachvollziehen, mit dem auch im so genannt progressiven US-Milieu sie verteidigt wird. Sie implementiert das Konzept der Zuschauerdemokratie. Die Menschen, die aktiv Obama zum Wahlsieg verholfen haben, haben mit dem Wahlsieg Obamas ihre Schuldigkeit getan. Von der politischen Partizipation bleiben sie ausgeschlossen. Diese ist den ’smart guys’ vorbehalten, die sich ausschließlich aus den bestehenden Eliten rekrutieren. (btw es ist tatsächlich so, dass in den Medien, auch in den angeblich progressiven, Personalentscheidungen wie die Summers oft mit dessen angeblicher Brillianz legitimiert werden, von der demokratischer Mitsprache der Basis ist hier keine Rede, allein der Führer, das abgeschlossene Zirkel der Eliten, haben das Entscheidungsrecht) ‘ Sie sind in diesem Konzept lediglich als passive Mobilisierungsarmee vorgesehen, die auf Befehle von der exklusiv die politische Macht ausübenden Eliten wartet.
Chomsky beschreibt auch wie das Marketing mit dem Medienprodukt Obama, die Marke Obama, die irrationale Verbindung zwischen der grassroots-Bewegung und den Interessen der Elite erzeugt hat. Wesen des Marketings ist es ja, die Menschen durch Desinformation dazu zu bringen, bei der Wahl des Produktes irrational vorzugehen, dh gegen die eigenen Interessen zu handeln. In diesem Sinne war das Marketing für das Produkt Obamas erfolgreicher als das für das Produkt McCain.
http://www.democracynow.org/2008/11/24/noam_chomsky_what_next_the_elections
@167
Dass manche konservative und DLC-Demokraten nun glauben, jetzt, wo das Ding im Kasten ist, könne es einfach weitergehen wie unter Clinton, Business as usual, ist die eine Seite. Dass die gesamte progressive Blogosphäre und all die 25$-Spender nun sehr kritisch nach Washington schauen, und nicht daran denken, sich nun zu Zuschauern degradieren zu lassen, die andere.
http://www.dailykos.com/storyonly/2008/11/24/11290/520/364/665789
Die Kabinettsbildung wird sehr kritisch begleitet. Clinton wird da mit gemischten Gefühlen aufgenommen, Liebermann geht garnicht, und nur Chefberater Axelrod wurde bisher relativ enthusiastisch begrüßt. Durch die Macht des Internets drängen sich die einstigen Zuschauer gerade aufs Spielfeld. Übrigens auch in der “gelenkten Demokratie” (CDU) in D., wo es mit partizipativer Demokratie seit Brandt ja noch viel düsterer aussieht, und Politik so ganz selbstverständlich gegen Volksentscheide und Willen der Mehrheit gemacht wird – Mindestlohn, Bahnprivatisierung, Leihbeamte, etc. Aber auch hierzulande ist mit der DFB-Zwanziger-Geschichte manchen Mainstreammedien gerade aufgegangen, dass da zukünftig ein etwas anderer Wind wehen könnte.
Was Obama angeht, so hat er zumindest verbal die Bürger zur direkten aktiven Beteiligung aufgerufen, Töne, die man hierzulande nur als hohle Appelle kennt, sich doch zu engagieren, und in eine der guten überalterten Volksparteien einzutreten. Und/oder sich ansonsten von unseren hervorragenden Experten brav verwalten zu lassen, die wissen, waqs gut für uns ist. Deutschland hat da eine viel autoritärere Tradition. Er muss aber auch die Leute einbinden, die sich für ihn engagierten, und ihre Ziele ernstnehmen, denn das ist seine Basis, die so schnell wieder verschwinden kann, wie sie entstand. Er will die Wirtschaftsprobleme ja mit einer keynesianischen New-Deal-Politik angehen, und an den Community Spirit der Bürger appellieren, sich zu engagieren, Wissen und Fähigkeiten einzubringen, in all den Peace-, School-, Senioren- und Umwelt-Corps, um so die kommenden Schwierigkeiten zu meistern, da der Markt ja versagt hat und die USA am Rande des Bankrotts stehen. Business as usual geht da nicht mehr.
http://www.dailykos.com/storyonly/2008/11/23/9488/3386/438/662648
Das hat schon eine andere Qualität – und auch Würde – als die blattrechenden 1-Eurojobber hierzulande, die vom ex-Wirtschaftsminister und Zeitarbeitslobbyist Clement (Ex-SPD) noch vor kurzem mit Parasiten verglichen wurden. Natürlich kann es auch alles nur eine zynische Show sein. Das wäre Pech, und bitter. Aber warten wir doch erst mal die ersten vier Wochen Obamas Regierung ab.
http://www.dailykos.com/storyonly/2008/11/24/10402/538/546/665583
@postgrün und Salvo
Was wir in den USA gerade erleben, ist der alte Konflikt “Realos” und “Fundis”. Wenn die Grassroot-Bewegung wirklich dachte, Obama wäre “ihr Mann in Washington”, war sie natürlich höchst naiv. Von daher konnte ich den Enthusiasmus aus der “progressiven Ecke” eh nie verstehen. Obama ist natürlich kein “Fundi”, sondern ein “Realo” – anders wäre er auch nie(!) ins Amt gekommen. Seine Personalentscheidungen sehe ich allerdings ebenfalls sehr kritisch. Geithner halte ich für eine gute Entscheidung (*duckweg* ;-)), über Gates (so er denn kommt) lässt sich streiten, aber er ist sicher keine Katastrophe, aber die Wahl von “Mamma Warbucks” als Außenministerin ist für mich ein unverzeihlicher Fehler – die Politikerin, die vor allem auf dem außenpolitischen Feld katastrophal zu werten ist, wird von ihm in Amt und Würden gesteckt. Das ist idT ein Verrat an den Wählern. Dennoch sollte man mE (aller Kritik zum trotz) erst einmal abwarten – der Junge ist ja noch nicht einmal im Amt ;-)
Dennoch halte ich immer noch Obama für den bestmöglichen (die Betonung liegt auf “möglichen”) Präsidenten – besser als McCain/Palin oder die unsägliche Clinton ist er allemal.
@169
Naja, viel wichtiger ist, dass die politischen Strukturen in den Vereinigten Staaten, das klassische Zweiparteiensystem mehr als eine Naivität nicht möglich macht. Ich gehe davon aus, wenn es Obama nicht gelingt, einen Teil der Grassrootbewegung irgendie politisch mit einzubinden, ist das klassische Zweiparteiensystem definitiv am Ende. Es wird zerfallen wie italienische DC. Diese Entwicklung wäre wenigstens dann zu begrüßen.
Ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass sich eine politische Bewegung von Unten, wie in ganz Südamerika, auch in den Vereinigten Staaten bilden kann. Das wissen die Realos um Obama ebenso.
“Dass die gesamte progressive Blogosphäre und all die 25$-Spender nun sehr kritisch nach Washington schauen, und nicht daran denken, sich nun zu Zuschauern degradieren zu lassen, die andere.”
Zumindest wäre das zu hoffen – den einen oder anderen ‘Marsch auf Washington’ vielleicht inklusive… ;)
@Kati
Um Himmels Willen – nein!
Wie ich schon ober schrieb, Kritik an AIPAC und Co ist wichtig und richtig. Das Buch von Mearsheimer und Walt fand ich beispielsweise hervorragend. Craig Roberts ist allerdings nicht Mearsheimer/Walt und sein Artikel ist ein Beispiel, wie die neue Rechte ihren modernen Antisemitismus pflegt.
Das Thema ist höchst strittig, ich weiß. Ich selbst wurde desöfteren von Antideutschen als Antisemit beschimpft, ich kenne die Keule ;-)
Woher der Wind weht, wußte ich bei dem Artikel bereits beim “Emanuel” Absatz. Der beiläufige Nennen des zweiten Vornamens “Israel” ist hier bereits Programm – so etwas kennt man auch von PI, die beispielsweise Obama immer mit zweitem Vornahmen “Hussein” nennen, um nicht nur gegen die Person, sondern ein ganzes Volk zu hetzen. Der “terroristische Hintergrund” tat sein übriges.
Roberts ist (das legen seine Bücher nahe) ein fundamentaler Gegner Israels – nicht des Zionismus´und der zurecht kritisierten Regierung, sondern des Staates an sich. Bei seiner Fundamentalkritik schießt er oft über das eigentlich Ziel hinaus. Der verlinkte Artikel spricht genau diese Sprache – Obama beruft einen bekennenden Juden mit Verbindungen zur AIPAC zu seinem Staabschef … fein, das kann man kritisieren und viele Schreiber tun dies auch. Roberts spuckt allerdings gleich Geifer und Galle und zimmert sich einen tendenziösen Anti-Obama Artikel. Man kann dies gut finden, man kann dies nicht gut finden – ich bevorzuge letzteres.
Damit ist das Thema nicht erledigt – aber ich kann hier wohl kaum eine komplette Textexegese vorlegen. Dann müsstet Ihr noch einen weiteren Tag auf den nächsten Blogbeitrag warten ;-)
Wenn Ihr die Kritik von mir als unangemessen seht, dann “ok” – ich muss nicht immer recht haben und kann mich dieser Kritik an meinem Einwurf auch beugen.
Ich auch
@SF
Der Fundi-Realo-Eindruck drängt sich zwar auf, ist aber so nicht ganz stimmig: Bei den Grünen, wo dieser Konflikt herkommt, ging es ja um die Frage Opposition und Sauber-bleiben vs. Pragmatismus, Posten und alles nicht so eng sehen. Der Sieg der Realos bedeutete den Einzug des Neoliberalismus auch bei den Grünen. Pragmatisch zu sein, schien zu bedeuten, sich nicht mit den Finanzmärkten anzulegen (J. Fischer), Privatisierungen und Krieg mitzutragen, wenn man dafür bischen Nischenpolitik machen dürfte.
Obama ist kein Fundi, er hat immer auf Sieg gesetzt. Er verdankt seinen Wahlsieg aber gerade dem Scheitern dieser, u.a. realogrünen, Seeheim-SPD-, wirtschaftsliberalen Politik. Wie Krugman am Tag der Wahl schrieb: Die Medien stellten seine Umverteilungspläne heraus (“Socialist”), und die Leute wählten ihn einfach trotzdem. Das ist für USA-Verhältnisse scheon ein Umbruch, sowas wie der Sturz der CSU in Bayern. Aber natürlich muss er nun innerhalb der Demokraten auch die Realo-Fraktion beglücken (DLC, konservative demokratische Kongressmitglieder von der Wahl 2006). Dass er sich deswegen aber bald als US-Schröder entpuppt, halte ich wie gesagt, für sehr unwahrscheinlich, selbst wenn er das mal geplant hätte: Die Krise verlangt nach einer ganz anderen Politik. Neoliberal ist nicht mehr pragmatisch. Und bisher traue ich ihm auch durchaus weiterhin zu, einige Fundi-Ideale aus seiner Sozialarbeiter- und Bürgerrechtlerzeit in Chicago zu pflegen und in Politik zu verwandeln. Was heisst denn Fundi: Als Zerrbild heisst es “störrischer Fundamentalist, der die Realität nicht zur Kenntnis nehmen will, und auf seinen Idealen beharrt.” Ins Positive gewendet: Kein Opportunist, kein Karrierist, sondern jemand, der Werte und eine klare Linie vertritt und sie sich nicht abkaufen lässt.
Übrigens ist wohl noch nie ein neuer US-Präsident von unserer Presse so kühl und abweisend aufgenommen worden wie Obama (“Blender”, “Messias”, “Heilserwartungen”), und unsere Realo-Mainstream-Presse vertritt ja bekanntermaßen die bewährte Weiter-so-Politik unserer geliebten großen Koalition. Mit Obama kann sie wenig anfangen. Nur die Wirtschafts-Fachpresse lobt ihn.
@all
Ein m.E. guter Kommentar zum Thema: Julian Delasantellis:
Obama not a ghost of Clinton past
@174
eine streng ökonomistische Sichtweise: Dass eine Obama Administration eine andere als eine bloße Fortsetzung der Wirtschaftspolitik unter Clinton umsetzen wird, ist durchaus wahrscheinlich, am Umstand, dass diese dennoch in erster Linie den selben Profiteuren zugeschnitten sein wird wie bislang, dürfte das dennoch wenig ändern.
Meine Enttäuschung besteht darin, dass Obama sich nicht einmal um einen Ausgleich zwischen der progressiven Basis, die ihm zum Wahlsieg verholfen hat, und dem Establishment bemüht hat, sondern in toto sich – zumindest was seine Personalentscheidungen widerspiegeln – von der Basis abgegrenzt und sich letzterem hingewendet hat. Dass muss man einräumen. Und das tun immer mehr aus dem progressiven Milieu, die bislang Obama unterstützt haben. (btw die Übertragung von kategorien aus dem deutschen politischen Diskurs, wie ‘Realos’ und ‘Fundis’ halte ich für abwegig, gälte es erst einmal diese kritisch zu analysieren und auf ihrem mythisch-ideologischen Gehalt zu prüfen)
Robert Scheer drückt es so anschaulich wie resigniert aus:
“Obama Chooses Wall Street Over Main Street”
“Maybe Ralph Nader was right in predicting that the same Wall Street hustlers would have a lock on our government no matter which major party won the election. I hate to admit it, since it wasn’t that long ago that I heatedly challenged Nader in a debate on this very point.
But how else is one to respond to Barack Obama’s picking the very folks who helped get us into this financial mess to now lead us out of it? Watching the president-elect’s Monday introduction of his economic team, my brother-in-law Pete said, “You can see the feathers coming out of their mouths” as the foxes were once again put in charge of the henhouse. He didn’t have time to expound on his point, having to get ready to go sort mail in his job at the post office, but he showed me a statement from Citigroup showing that the interest rate on Pete the Postal Worker’s credit card was 28.9 percent, an amount that all major religions would justly condemn as usurious.”
http://www.truthdig.com/report/item/20081125_obama_chooses_wall_street_over_main_street/
btw, vieelicht ist es wirklich auch so, wie nicht nur Roberts andeutet, dass sich nicht einmal der angeblich ‘mächtigste Mann der Welt’ gegen die verfestigten Strukturen der Macht durchsetzen kann. Ich erinnere mich, in einem anderen Artikel gelesen zu haben, dass Bush vor seinem Amtsentritt eigentlich auch als Nicht-Interventionist galt.
sehr anschaulich auch dieser Einblick auf die real existierenden Verhältnisse in der ‘main street’
“Starving for Change”
http://www.truthdig.com/report/item/20081124_starving_for_change/
btw
die liberalen progressiven usa leben trotz Obama weiter
wieder zwei lesenswerte Berichte auf democracynow
Obama sprach sehr viel über die Situation des vom Abstieg bedrohten ‘Mittelstands’ (von dem er sich übrigens mit seinen Personalentscheidungen abgewendet hat), aber wenig über die wachsende Armut im Land. Laut dem Bericht des Census Bureau lebten 2007 12,5% der US-Amerikaner in Armut, dh unterhalb der statistisch erfaßten Armutsgrenze. Durch die Wirtschaftskrise wird sich die Zahl der von Armut betroffenen Menschen erhöhen und ihre Lage insgesamt weiterhin verschlechtern. Stephen Pimpare klärt über den öffentlicher Diskurs von Armut auf:
“We have historically understood poverty as a more failure. In fact, we have a whole architecture of language we use to talk about this, the culture of poverty. The notion that there is either something inherent in individuals that leads them to be poor selling them to be poor, some sort of moral emotional, intellectual failing, or some sort of collective culture that is born and bred in poor communities, in which we pass poverty around, almost as if it is some sort of disease.”
http://www.democracynow.org/2008/11/25/stephen_pimpare_on_a_peoples_history
Naomi Klein bringt es sehr gut auf den Punkt
“I think in many ways we are paying the price of the intellectual dishonesty of the progressive liberals left during the bush years.”
wie sie sieht auch Robert Kuttner die Personalwahl Obamas sehr kritisch an. Besonders Summers gilt ihnen als festgefahrener absolute free-market Ideologe, als einer der maßgeblichen Täter, die jahrelang das Gebet der drei ‘ation’ (liberalization, privatization, stabilization) gepredigt haben, und den höchstens der eigene Opportunismus zu einer Hinwendung zur Realität bewegen könnte. Der Umstand, dass der mann in den Medien als ‘brilliant’ gilt, bringt ihn eher in die Nähe des ‘klügsten Professors’ Deutschlands.
Kuttner hebt auch die Rolle hervor, die Summers als Chef-Ökonom der Weltbank in Russland gespielt hat und aus dem Umstand, dass Obama die Wall Street Strukturen und Macht unangetastet lassen will schließt er, dass Wall Street, dh die großen Vermögen, der große Profiteur aus den Infrastrukturprogrammen der Obama Administration werden wird: Wie in Russland derzeit liegt der Schlüssel der Obama Administration darin, mit einer extensiven Ausgabe öffentlicher Mittel privaten Reichtum zu erzeugen:
“And the most worrisome aspect of the appointment of summers is indeed as Naomi pointed out, what he did in Russia, under privatization that will be ruling Russia for the next hundred years. The key was to use public expenditure that would increase private wealth. I think what the plan is, from everything Obama has said, is that there is going to be a heavy government expenditure infrastructure here, very much like it was in Chicago, and this infrastructure is going to create huge real estate fortunes for the property along the line that in the vicinity of the location of the infrastructure. It’s going to create huge financial fortune.”
Dafür werden Beispiele aus Chicago und London genannt, Michale Hudson weist dabei darauf hin, dass Obama bei seinen Steuerplänen immer nur auf die Einkommenssteuer fokussiert hat, deren Erhöhung für hohe Einkommen jedoch nur marginale Auswirkung auf die Vermögensverteilung haben wird. Die großen Vemögen aus reinen Kapitalgewinnen, also nicht aus Einkommen, lassen Obamas Steuerpläne völlig aus – gerade die Vermögen, die massiv aus den öffentlichen Infrastrukturprogrammen profitieren werden, für deren Kosten der Staat allein zu sorgen hat.
“In London when they built the tube extension to their financial district of the loop, they created 13 billion pounds worth of increased in real estate value. The tube itself cost only $8 billion. They left this $13 billion real estate value in the hands of the private landlords. Same thing in Chicago in the US. It can be a very heavy investment in mass transportation here. This is going to create enormous real-estate values. The tax system, leaves these in private hands. I think all of the tax proposals that Mr. Obama have spoken about, have to do with income tax primarily. The rich people prefer not to earn income. They prefer to make capital gains. So the intention of the economic gain that Mr. Obama brought in is really to create a huge capital gains economy. Even more disparity of wealth while leaving in place the one thing that should address in the last year and that is the enormous debt overhead. Nothing is happening on that. He is adding to debt, not reducing it.”
http://www.democracynow.org/2008/11/25/naomi_klein_robert_kuttner_and_michael
um nicht einseitig zu wirken: Es gibt natürlich nich Stimmen aus dem ‘progressiven Milieu’, die Obamas Personalentschedungen (zumindest was den ökonomischen Teil betrifft) positiv sehen, zB Robert Reich
“How Obama is Already Taking Charge”
http://robertreich.blogspot.com/2008_11_01_archive.html
eine interessante Umfrage zum Thema Rahm Emanuel – ich schätze, Obama hatte da ein glückliches Händchen ;-)
die Medien, die corporate media wie die progressiven, sind sich einig: Obama ist ein ‘Pragmatiker’. Doch was bedeutet denn Pragmatismus? Dem Establishment bedeutet ‘Pragmatismus’, dass politisches Handeln weitestgehend mit den eigenen Interessen vermittelt ist – alles Andere wird auch als ‘Ideologie’ diskreditiert. Jenseits der Instrumentalisierung des Begriffes gibt es aber eine andere, genuine Bedeutung von Pragmatismus:
http://www.thenation.com/doc/20081229/hayes
Kritik von Obamas ’stimulus package’, vor allem die vorgesehenen Steuersenkungen werden als unangemessen kritisiert
“Well, we still haven’t seen that much of it, but I think—I am concerned that it isn’t large enough. He’s talking about around $750 billion. And keep in mind, that’s over two years. So we’re talking about somewhere on the order of $370, $380 billion in year one. And roughly 40 percent of that now is going to be tax cuts. We know tax cuts will have less stimulatory impact than spending. So I’m concerned that we’re not talking about a big enough package.
And frankly, I find the talk about the budget deficit just a little perverse. I know the Washington Post here has a jihad going after the budget deficit, but that’s the last thing we should be worried about now. It’s a little crazy. It’s kind of like if your house is on fire, you’re worried about watering the plants. It’s a bit loony. We need to spend lots of money to get the economy going, and unfortunately, I’m not sure that President Obama’s plan will go far enough.”
kritisiert werden auch die angedeuteten Einschnitte ausgerechnet im Sozialbudget angesichts des gewaltigen Haushaltsdefizits
“Larry Summers, who—he’s the one who’s really going to be in charge of the economic plan. He had an opinion piece in the Washington Post a couple months ago, where he said we need to address entitlements. And what that is, is codeword for “We need to cut Social Security and Medicare.” And that’s a terrible idea. Now, if you need to cut money, cut it from the military. You’re talking about a budget that’s almost a trillion dollars, if they need to talk about cutting spending.”
http://www.democracynow.org/2009/1/7/obama_warns_trillion_dollar_deficit_could
auch hier werden die Steuersenkungspläne Obamas als Fortsetzung der schädlichen Steuersenkungspolitik der Bush-Regierung angesehen
“Who can seriously argue that a family still earning an income of up to $200,000 is enduring such economic hardship that it, too, needs a tax cut? ”
http://www.alternet.org/workplace/118086/obama_to_continue_bush%27s_tax-cutting_orgy_/
Und so scheint das Prinzip Hoffnung sich in einer “Bad Bank” zu bestätigen.
Yes we can