Südamerika gegen die DEA
geschrieben am 12. November 2008 von Spiegelfechter
Wie die USA den ?Krieg gegen die Drogen? verlieren
Frei nach Clausewitz ist der Krieg für die USA zu einer Fortführung der Politik mit anderen Mitteln geworden. In Asien und Afrika betreiben die USA aktiv Interessenpolitik unter der Fahne des ?Krieges gegen den Terrorismus?, im eigenen Hinterhof in Südamerika heißt das Deckmäntelchen der US-Interessenpolitik ?Krieg gegen die Drogen?. Wie auch der ?Krieg gegen den Terrorismus? ist der ?Krieg gegen die Drogen? als politisches Instrument auf der ganzen Linie gescheitert. Im Laufe des letzten Monats haben die Links-Regierungen von Bolivien, Ecuador und Venezuela die Arbeit der Drug Enforcement Administration (DEA) torpediert und deren Mitarbeiter des Landes verwiesen. Aber auch die letzten Verbündeten der USA in Lateinamerika gehen immer stärker auf Distanz, wenn es um den ?Krieg gegen die Drogen geht?.
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@SF, eigentlich schade, dass gute Artikel wie dieser das Bild beleuchten, dass es bei “Kriegen gegen [Platzhalter]” nur sehr selten um den [Platzhalter], aber fast immer um Machtpolitik und Geld geht.
Doppelmoral und Heuchelei ist oft offensichtlich, aber wird von der breiten Masse wohl dennoch nur sehr selten wahrgenommen.
Bezüglich “Drogen” pflege ich persönlich übrigens die Meinung, dass das daraus resultierende Leid zu einem erheblichen Prozentsatz durch die Illegalisierung, die ja gerade erst exorbitante Gewinne ermöglicht, verursacht wird.
Da ist dann der Gesetzgeber der liebende Bruder des Drogenhändlers.
“Da ist dann der Gesetzgeber der liebende Bruder des Drogenhändlers.”
Oh!, da ist viel mehr dran als du glaubst. Es gibt da sehr gute Quellen, die die Verquickung von CIA, Drogen undder Wall Street ausleuchten. An erster Stelle möchte ich da auf Mike Ruppert verweisen, der eine BEACHTLICHE dokumentation auf google.video veröffentlichte. Als ehemaliger Drogenfahnder stellt er ungeheuerliche Beschuldigungen an- den zielgerichteten Import harter Drogen des CIA in die USA. Frachtmaschinen die tonnenweise Heroin und Kokain in die USA verbrachten/verbringen!
Die Iran Contra Affäre war nur die Spitze des Eisberges. Wer mehr erfahren möchte:
http://video.google.de/videoplay?docid=-7009998324250484369&ei=KHYaSZybCY-o2wKJhKnGDQ&q=mike ruppert
und noch viel aktueller (unbedingt sehenswert!):
http://video.google.de/videoplay?docid=8797525979024486145&ei=o3YaSemIJ4Kg2gLmxMmlCg&q=mike ruppert
Ich möchte auch Spiegelfechter bitten, die letzere Doku in einer ruhigen Minute anzusehen.
Liebe grüsse,
Naki
Ich denke, dass Du die eine Seite der Bismarck’schen amerikanischen Außenpolitik gut ausgeleuchtet hast, aber Du solltest auch die koloniale Hybris erwähnen, mt der diese Außenpolitik legitimiert wird. Früher hieß es doch so “schön”: “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.” und vergleichbar sieht sich Amerika immer noch als “Land of the free and home of the brave”, als Heimat der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.
Ohne eine solche Hybris ist weder die Drogenpolitik in Amerika noch die Anti-Terror-Politik in der ganzen Welt selbst für Amerikaner legitimierbar.
Ist jetzt Spiegelfechter Telepolis?
Man will ja wissen wo man dran ist.
@Elvloots
Nee, die TP-Artikel schreibe ich zusätzlich zum Blog – Du weißt, das liebe Geld ;-)
Südamerika ist in keinster Weise monolytisch. So zeigen alle Umfragen, dass die Kolumbianer mit einer überwiegenden Mehrheit den z.T. DEA finanzierten Krieg gegen die FARC befürworten. Evo Morales ist auch kein Repräsentant Südamerikas. Chilenen sehen ihn als schlechten Amtsträger an (mal gobernante). Sogar sein eigenes Land ist hinsichtlich ihres Präsidenten sehr gespalten. Seine inneren Gegner sind eben nicht einfach nur “rückwärtsgewandte Faschisten” wie dies die Junge Welt darstellt, sondern zum großen Teil eine bildungsinteressierte, kompetente und nicht unbedingt indio-feindliche Mittelschicht.
Die letzten OAS Meetings haben auch einen deutlichen Rückgang des Einflußes der USA auf die Region gezeigt. Dank der schröcklichen neon-liberalen Politik ists auch vielen Staaten massivst gelungen, sich nachhaltig zu entschulden sowie neue Wirtschaftspartner in Asien und Europa zu finden. Dies führte natürlich zu einer unabhängigeren Außenpolitik v.a. in Brasilien, aber auch des kleinen Chile. Dies zeichnete sich bereits in der extrem geringen Unterstützung südamerikanischer Regierungen für den Irak-Krieg ab.
Südamerika lediglich als Opfer der USA zu sehen, wird dieser z.T. eben auch höchst dynamischen Region verdammt noch mal nicht gerecht. Die meisten Minen sind in den letzten 70 Jahren nationalisiert worden. In Ländern wie Argentinien und Chile sind europäische (darunter viele spanische) Unternehmen viel stärker positioniert als US-amerikanische.
Da fragt man sich zwangsläufig nach dem Erfolg der US-Lateinamerikapolitik. So toll sieht das nämlich nicht aus: Zum einen gibts mehr Wirtschaftsflüchtlinge als den USA lieb ist (ca. 18% der US-Bev IST heute latino), zum anderen wird man selbst aus Ländern, denen man sehr viel Hilfe bereitstellt (Bolivien) rausgeworfen.
Bismarcks Außenpolitik war dagegen erfolgreich.
Und für Freunde alter Mythen: Die Handels- und Investitionsdaten zeigen eben genau nicht, dass sich die USA an Lateinamerika bereichert.
Und kulturell?
Die lieben Kleinen gehen gerne zum “Macdonal”, wie ich damals auch.
Erwachsene würden aber natürlich immer ein traditionelles Asado vorziehen, wie ich auch.
Vor allem Frauen gucken gern “Sex in the City”, wie unsere Frauen auch.
Die Evangelikalen haben beachtliche Missionserfolge vor allem unter den Armen.
Ich kenn aber zumindest eine selbsterklärte Anhängerin des charismatischen Katholizismus, die den durch die Evangelikalen eingeführten Wettbewerb sehr positiv für die katholische Kirche hält. Die Concertación Regierung hat inzwischen den Reformationstag zum Feiertag erklärt. Die Aufweichung des Mono-Katholizismus halt ich für eine gute Sache.
Dafür beschweren sich nicht nur Rechte, dass die Militär-Paraden des Unabhängigkeitstages an Pracht verloren haben. Das find ich auch gut.
Grundsätzlich halt ich es für fraglich, ob der Drogenkrieg in den Anbauländern überhaupt gewonnen werden kann. In Kolumbien ist zwar die FARC deutlich geschwächt worden, die kolumbianische Coca-Produktion aber nicht. In die Angebotslücke sind andere kriminelle gesprungen, z.T. ohne politischen Hintergrund oder mit rechtsgerichteter para-política Ideologie. Allerdings werden diese rechtsgerichteten Grüppchen auch durch den Niedergang der FARC geschwächt, da ihnen dadurch die Legitimation schwindet.
Die Option des schnellen Geldes durch Drogen führt in den Herkunftsländern leicht ein Gewaltelement in die Politik ein. Wir müßten die Drogen in den Nachfrageländern bekämpfen.
Mit der in den USA sehr tiefen Wirtschaftskrise, der nach wie vor hohen Nachfrage nach Rohstoffen in Asien und der vielversprechenden Fokussierung auf Bildungspolitik vor allem in Chile und Brasilien (im krassen Gegensatz zu Venezuela, btw) wird der Einfluß der USA in der Region weiter sinken.
So einfach ist das auch nicht. Besonders in Hinblick auf Kolumbien sind US-Menschenrechtsgruppen sehr wichtig.
Für einen Abbau der Klassen-Elemente im Justizsystems wird die USA oft als Referenz angeführt. Zu Recht!!! und mit positiver Wirkung.
Auch im Hinblick auf Respekt gegenüber dem politischen Gegner, für die zwar nicht unbedingt Fox News aber z.B. Mc Cain nach der Niederlage gute Beispiele geben.
@Lemmy
Das ist richtig – Hitler wurde auch zu großen Teilen von einer bildungsinteressierten, kompetenten und nicht unbedingt juden-feindlichen Mittelschicht gewählt. Aber was soll das “Argument”? Morales politische Opposition ist nun einmal im besten Falle reaktionär zu nennen.
Das hat so ziemlich nichts mit neoliberaler Politik zu tun – die war für die Kredite verantwortlich – sondern mit hohen Rohstoffpreisen und vor allem auch mit der Hilfe vom bösen Onkel Hugo ;-)
Ja ja, ist schon klar. Ein Südamerikaner hat mir mal einen Witz erzählt: Warum gab es in den USA nie einen Militärputsch? … Weil es dort keine US-Botschaft gibt. Das trifft es ;-)
Nein, United Fruit war ein Verein von altruistische Fair-Trade Hampeln
Und was soll daran toll sein?
Ohne den “Krieg gegen die Drogen” hätte die FARC diese Geldquelle gar nicht bekommen.
“der vielversprechenden Fokussierung auf Bildungspolitik vor allem in Chile und Brasilien (im krassen Gegensatz zu Venezuela, btw)”
hier werden wohl deine politischen und ideologischen Präferenzen deutlich:
das schreibt coha, ein us ngo, zum chilenischen Bildungssystem
“Despite student and faculty efforts to stall the forward movement of the LGE through Congress, the bill has already passed through the Chamber of Deputies and is currently on the Senate floor for a final vote. If ratified by that body, Chile will continue its lamentable tradition of inequality in the country?s educational institutions. As thousands of students continue to march against the contested LGE bill, it is clear that today?s pupils will not stand for the deplorable conditions that directly affect their, and their less fortunate counterparts?, futures. Many worry that the LGE measure does not do enough for Chile?s low-income students and will instead serve to maintain Pinochet?s creed of favoring those coming from wealthier backgrounds, while subjecting the poor to inferior learning standards.
In order to correct the current inequalities within the school system, the Bachelet government needs to reassess the structure of Chile?s education system and strive for a long-term overhaul of Pinochet-era divisions between rich and poor families. Chile?s education system is failing the students that need it the most. Rather than continue privatization, critics argue that Santiago should discontinue voucher subsidies to all private schools and instead redirect such funds to public education. This major reform would marshal badly needed monetary resources in order to better provide a quality education in public schools and help raise SIMCE scores. Free public education is an intrinsic human right, and Chilean authorities should be prepared to more effectively prioritize this essential public service to ensure a brighter future for the children of the country?s low income and entrenched poor populations. ”
http://www.coha.org/2008/07/the-failings-of-chile?s-education-system-institutionalized-inequality-and-a-preference-for-the-affluent/
Die partielle politische Unabhängigkeit der südamerikanischen Staaten war ein Prozess, der zwei direkte Ursachen hat: einerseits die verlustbringenden Dauerkriege der Vereinigten Staaten im Nahen Osten, die sämtliche finanzielle Resourcen schlichtweg aufgefressen haben und der direkte organisierte indigene Widerstand gegen die neoliberalen Regierungen, die seit knapp 60 Jahren das politische Geschehen in Südamerika, im amerikanischen Interesse bestimmt haben. Der Verlust der amerikanischen Vorherrschaft in Südamerika hat seine Blutschuld in den toten Irakern und Afgahnen und in der tiefen ökonomischen Krise, in der sich die amerikanische Industrie befindet.
Selbst Duzfreund Uribe in Kolumbien zeigt eigene nationale Tendenzen, sich von seinem Finanzier klammheimlich davon stehlen zu wollen. Auf die ach so bildungsinteressierten alten Eliten, denen die Fleischtöpfe abhanden gekommen ist und die nun auf einmal mit rassistischen Argumenten sich einer Teilung mit der indigenen Mehrheit verweigern, brauchen wir hier keine Loblieder singen. Diese spekulieren momentan nur, ob sie allein über die nötige Macht verfügen, den ganzen Rohstoffkuchen separatistisch für sich allein nutzen zu können, ohne sowohl den eigenen indigenen Bauern als auch den amerikanischen Freunden etwas davon abgeben zu müssen, oder mit wem es sich am krisensichersten teilen lässt.
Das daneben im Korrurenzkampf europäischer Konzerne gegen die amerikanischen Konzerne, spanischer , als auch deutscher , die den Machtverlust der Vereinigten Staaten ebenso für ihre Interessen auszunutzen verstehen und verstanden, ist überhaupt nichts besonderes, und beruht auf der gleichen Blutschuld, wie die teilweise Unabhängigkeit der nationalisierten südamerikanischen Eliten, die intern darüber streiten, ob und wie man den Konkurrenzkampf zwischen imperialistischen Europa, den Vereinigten Staaten und China verhält und für sich selbst oder für alle oder in welchem Sinne diese Konkurrenz direkt genutzt werden kann. Da tanzt die katholische Kirche ganz vorn in der ersten Schlachtreihe.
Der Rauswurf der DEA hat letztlich genau mit diesen Ursachen zu tun, und das letzte Wörtchen, wie der zukünftige politische Weg der Unabhängigkeit aussieht (alle tanzen allein oder fassen sich gemeinsam mit Lula am Händchen) und ob dieser weiter in Südamerika möglich ist, ist noch lange nicht entschieden.
Hinter dem Drogenkrieg in Mexico und Kolumbien steht eigentlich die politische Frage, in wessen Taschen die zukünftigen Erlöse fliessen sollen, ob diese nationalisiert werden oder ob weiterhin nur einzelne Kartelle für sich selbst davon profitieren können. Es geht da nur um die politische Kontrolle der Produktion und der Transportrouten der Drogen, mit einem ähnlichen Ziel, wie sie in Russland mit der Renationalisierung der russischen Rohstoffvorkommen mit Gasprom organisiert wurde.
http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/7721608.stm
Das eigentlich Problem, warum es so eine riesige Nachfrage im modernen Hightechkapitalismus nach Hightechdrogen geben muss, wird dadurch natürlich nicht gelöst.
In einem Le Monde Diplomatique Artikel von vor 6 Wochen oder so wurd das anders dargestellt. Im östlichen Tiefland gibts eben auch nicht gerade reiche Gruppen, die sich nicht von Morales repräsentiert fühlen. Morales ist da ziemlich auf Konfrontation gegangen. Im übrigen spricht Morales für Bolivien, das in extrem vielen Hinsichten verschieden von Chile, Argentinien, Brasilien oder Uruguay ist. Oder selbst Peru.
Der nachhaltige Schuldenabbau in Chile, Brasilien, Mexiko, Uruguay, etc. begann wesentlich vor der Machtübernahme durch Chávez. Chile ist heute vollkommen schuldenfrei. Im übrigen erhalten lediglich politisch genehme Länder Mittel von Chávez. Dazu gehören Chile, Peru, Kolumbien, Brasilien eben nicht. Du überschätzt Chávez.
Der Verschuldungskrise 1982 gingen in allen Fällen ausser Chile sogenannte heterodoxe, vulgär-keynesianische, importsubstitutive Wirtschaftspolitiken voraus. Die “neoliberale” Phase fand in den meisten Ländern zwischen 1983 bis 1999/02 statt. Die IWF Programme drängten auf eine Konsolidisierung der öffentlichen Haushalte. Das gemeinhin als wirtschaftspolitisch neoliberal geltende Chile gelang es sogar VÖLLIG schuldenfrei zu werden.
Bachelet hat den Witz Bush erzählt. Der Putsch 1973 kam aber aus Teilen der chilenischen Gesellschaft. Les mal Constable, Valenzuela, “A nation of enemies”. Viele Gespräche mit Chilenen, die die Zeit miterlebt haben, bestätigten mir diese Sicht. Und zwar aus beiden politischen Lagern. Wir haben heute eine recht erfolgreiche 20-jährige Entwicklung eines demokratischen Chiles, das – aus guten Gründen – eben nicht an die Unidad Popular anknüpfte. Die Dinge lassen sich nicht so einfach in gut und böse einteilen. Ich versteh in Chile so manches nicht, aber du auch nicht und die in Deutschland auch nicht.
Wie du sagst “war”. Heute operieren die auch anders. Im übrigen operierten die niemals in Chile, Brasilien oder Argentinien. Die chilenische Landwirtschaft ist mega-divers. Es gibt viel von einer staatlichen und recht marktwirtschaftlich denkenden Organisation unterstützte Kleinbauern-Kooperativen, traditionelle Latifundisten, Investitionen vor allem in die südlichen Fischfarmen, umweltschutz-Initiativen, die von ausländischen Geld finanziert werden, etc.
So kenn ich sie. Ich mag die.
Die FARC ist seit spätestens den frühen 80ern im Drogengeschäft. Immerhin besser als das Entführungs-Business. Im übrigen ist die FARC ein Produkt der kolumbianischen Geschichte wie Pinochet der chilenischen. Warum haben diese seit nun bald 200 Jahren existierenden Republiken kein Anrecht auf eigene Fehler in der Geschichte. Sind wir Deutschen nicht auch an Hitler Schuld? Und bei den edlen, befederten Wilden sinds immer die ach so mächtigen Amis.
@salvo: Ich red mit Müttern von 5-jährigen Kindern, die wiederum gut beraten werden. Natürlich werden Privatschulen leider immer noch verhältnismässig ein wenig zu viel subventioniert. Nur sind in den letzten Jahren die Lehrergehälter von entwürdigende auf akzeptablere Niveaus gegangen. Der Staat investiert eine Menge Geld, um auch den Lehrern öffentlicher Schulen modernere Schulpraktiken zu vermitteln.
@name: Bei dir haben Latinos keine Akteursrolle. Sind sind Objekte der USA. Ich erleb im nunmehr 12-jährigen Kontakt, dass es da schon eine Menge Eigendynamik bei denen gibt.
Und die USA transferiert selbst in ein Land wie Bolivien mehr Mittel als es zurückerhält. Chile exportiert weit mehr in die USA als es importiert.
Ausser in Bolivien und Paraguay gibts auch in keinem südamerikanischen Land eine indigene Mehrheit. Du kannst Hochland-Bolivien nicht mit Südamerika verwechseln.
Die dolle Unabhängigkeit von Bolivien und Venezuela besteht wirklich nur aus hohen Rohstoffpreisen.
In Brasilien, Chile, Uruguay, Kolumbien und auch Argentinien sieht das aber deutlich anders aus.
Du kannst als Staat kein Drogenhändler sein, deshalb kann Kokain-Verarbeitung und -Handel nicht nationalisiert werden.
Du glaubst nicht, wie viel Coca mir in einem 3 wöchigen Kuba-Aufenthalt angeboten wurde. Von kubanischen Konsumenten. Hab – wie immer – abgelehnt, weil ich Koka verabscheue.
@11
Italien hat in Afgahnistan öffentlich vorgeschlagen Heroin als Rohstoff zu nationalisieren und die entsprechenden Gesellschaften zur Produktion, Ankauf und Verteilung dafür zu gründen, und wurde nicht zurückgepfiffen, weil das unmöglich wäre, sondern weil diese Strukturen politisch längst bestehen.
Gleiches ist in Kolumbien und Mexico gelaufen, nur mit dem Unterschied, dass in den letzten 15 Jahren die Kartelle zu selbstständig, zu international geworden sind, und für den politischen Schutz einfach nicht mehr zahlen, weil das neoliberale Dogma einen staatenlosen Zustand erschaffen hat. So wie in den Sonderwirtschaftzonen in Mexico jahrelang produktive Steuerparadiese für die internationalen Großkonzerne politisch eingerichtet wurden, die für den amerikansichen Markt fast ohne staatliche Aufsicht wirtschaften, so wirtschafteten die Kartelle in gleicher Regie zu gleichen Konditionen.
Diese Zeit ist nun vorüber. Was Uribe in Kolumbien als Produktionsort von COCA Hand in Hand mit Mexicos Staatschef Caledron als Chef der Transportenrouten eben organisiert ist, nichts anderes als eine politische Renationalisierung des Drogenhandels.
Ach ja, ich wüsste nicht, dass das die Nachfrage in Kuba nach COCA mit denen der in Vereinigten Staaten irgendwie auch nur in Ansätzen vergleichbar wäre. Ich halte dieses geschilderte Erlebnis schlicht für gelogen, weil es in Kuba überhaupt keinen direkten Markt für COCA gibt und der kubanische Tourismus staatlicherseits so direkt durchorganisiert ist, dass dein Erlebis ein eurobeschlagener FOX Headliner geworden wäre, den Du sicher charakterlich auch so verkauft hättest, hätte es diese Verkaufsmöglichkeit wirklich gegeben.
Bei Venezuela ist US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten, d.h. versuchter Putsch, ziemlich gut belegt. Von SBS-TV (Australien, staatlich/ html-text): http://news.sbs.com.au/dateline/uncle_sams_coup_130724
Darüberhinaus Kudos an Jens für seine Betrachtungen zum südamerikanischen Kontinent dessen brache Strukturen durchaus stark vom US-Einfluss gezeichnet sind. Zutiefst schmerzhaft und widerwärtig! Es ist gut zu sehen, dass den USA dort nunmehr scheinbar die Kontrolle entgleitet. Argentiniens Menem scheint dort der letzte Mohikaner gewesen zu sein der noch artig auf IMF geheiss das Land vollends deindustrialisiert hat.
Übrigens: weiss jemand etwas zum Thema der chilenischen, auf dem Aktienmarkt basierenden Renten, die ja bis vor kurzem noch das hochgepriesene Modell für die Zukunft der Welt waren?
@name: In Kuba gabs zumindest in den 90er einen Individual-Tourismus. Gibts wohl noch heute. Du brauchtest damals nur für die erste Nacht ein offizielles Hotel. Ich hab erst bei einem Mitglied der Leibwache Fidel Castros gewohnt, der mehrere Häuser in Havana besaß und später bei Studenten in einem Viertel, das zum Anlaß von irgendwelchen Panamerikanischen Spielen errichtet worden ist.
Mit dem Koka hat mich auch gewundert. Aber es war definitiv da. Glaub, dass auf Kuba Koka überhaupt nicht wachsen kann. Ich vermute, die waren in Distributionsrouten eingeklingt.
Ich zweifel übrigens, dass in den USA der Konsum von Koka wesentlich stärker verbreitet ist als in Südamerika. Wie gesagt. Ich persönlich und viele andere Leute haben da eine klare Politik: Finger weg. Bestimmte Auftritte von Linda Ron (Chávez-Verbündete) kann ich mir btw. auch nur mit Koka erklären. Im übrigen geht natürlich mittlerweile viel Koka nach Europa über Venezuela. Der Reyes Laptop hatte diesbezüglich eine Menge von Indizien. Vorher gabs Reportagen in “El País” und anderen Zeitungen, an deren grundsätzlicher Redlichkeit ich eben als kritischer Leser glaube.
Du zimmerst dir da auch eine Weltsicht zurecht, die denke ich mehr auf deinen eigenen Plausibilitätsüberlegungen denn auf eigenen Aufenthalten in Kolumbien/Mexiko oder auch nur auf niveauvoller Sekundärliteratur beruht.
Sicher waren Teile des kolumbianischen und mexikanischen Staats in Drogenhandel verwickelt. Man kann aber wohl echt nicht sagen, dass die das kontrollieren. Das ist alles sehr unübersichtlich.
“In einem Le Monde Diplomatique Artikel von vor 6 Wochen oder so wurd das anders dargestellt. Im östlichen Tiefland gibts eben auch nicht gerade reiche Gruppen, die sich nicht von Morales repräsentiert fühlen. Morales ist da ziemlich auf Konfrontation gegangen.”
hmm.. ich lese die monde diplomatique regelmäßig, der letzte Artikel über Bolivien, den ich gelesen und gefunden habe, ist das
http://www.monde-diplomatique.fr/2008/09/LEMOINE/16252
und da kann ich nichts davon finden
der Artikel handelt vom Kampf zwischen der Zentralregierung und den vier Provinzen, Santa Cruz, Beni, Pando et Tarija, den Bastionen der Rechte. Der Artikel macht deutlich, dass es ein Kampf zwischen der weißen Oligarchie und der indigenen Bevölkerungsmehrheit ist. Das drückt sehr gut die Beschreibung der Provin Santa Cruz aus. In der reichen Haupstadt herrschen die Weißen, die durch die politische Rechte repräsentiert werden, im armen Umland die Indios, die Morales unterstützen. Der Artikel beschreibt auch, wie die Weißen, die Rechte, mit den Anhängern Morales umgegangen sind.
Ihre Räpresentanten wurden als persona non grata quasi für vogelfrei erklärt, Seine Anhänger wurden durch rechte Schlägertrupps zusammengeschlagen, gedemügt und dazu gezwungen, öffentlich Morales abzuschwören.
“Il y a à Sucre, comme dans n?importe quelle ville bolivienne, des traces de discrimination à l?égard de l?« Indien ». Sans plus. Jusqu?à l?arrivée du nouveau chef de l?Etat. Puis l?installation de l?Assemblée constituante, dans cette ville, précisément. Dès son élection à cette assemblée, M.Urquizo Cuéllar, dirigeant de la Fédération unique des peuples originaires de Chuquisaca, se voit déclaré persona non grata. Sa photo et celles de ses compagnons indigènes élus avec les voix du MAS s?étalent sur les murs, dans les boutiques, dans les restaurants, accompagnées d?inscriptions : « Traîtres. Ennemis du département ».”
“Ceux-ci débarquent de camions venus des campagnes pour accueillir « Evo ». Des groupes de choc de l?Union Juvenil Cruceñista (Union des jeunes de Santa Cruz), arrivés par cars de l?est du pays, se mêlent aux étudiants de l?université, très bien organisés, appuyés par les voitures de la mairie. Ils pourchassent les indigènes, les capturent. Coups de pied, coups de poing. Des femmes tentent de s?échapper, le visage terrifié, la bouche ouverte dans un cri. On les rattrape par les cheveux. « Tuez-les ! Tuez-les ! » Menacés d?être lapidés ou brûlés vifs, des dizaines de pauvres hères pacifiques sont brutalement poussés jusqu?à la place principale. On les dévêt à demi. On les oblige à s?agenouiller, à embrasser le sol, à insulter le président. Déchaînée, la foule manifeste son attachement à la démocratie : « Sucre debout ! Evo à genoux ! »”
Der Artikel beschreibt auch die Widersprüche, die aus diesem Verlust der politischen Macht für die Weißen resultieren. Die indigene Bevölkerungsmehrheit erringt mit Morales zum ersten Mal die Macht und nutzt diese, um soziale Projekte umzusetzen, die den Reichtum egalitärer verteilen. Das ist der Grund des Konfliktes mit den Provinzen und der Rechte. Dass viele Weiße sich durch diesen Wandel ungerecht, benachteiligt, behandelt fühlen, wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht, ist zwar nachvollziehbar, aber historisch begründbar .
Ach ja Lemmy :
zu deiner unglaubwürdigen Drogengeschichte: dir ist schon bewusst, das in den 90 ziger Jahren in Kuba die Todesstrafe für den Handel mit Drogen bestand, und das Anbieten und der Handel mit Drogen mit schwersten Strafen sanktioniert ist, und ein Kubaner oder eine Kubanerin eher das selbst schwer kalkulierbare Risiko eingeht, einen terroristischem Touristen auszurauben, als diesem Drogen anzubieten.
Und ja klar, du hast bei der Leibwache gewohnt, vielleicht sogar bei zwei Leibwachen ;) Ich halte dich schlicht für einen Lügner Lemmy.
Namen Adressen Orte: sonst kannst du deinen Unsinn jemand anderem verkaufen.
Wo genau in Havanna? Die genaue Strasse und die Häuser bitte, und den Stadteil von Havana , die der Leibwache so gehört haben.
Es war dieser Artikel war. Ich les die deutsche Ausgabe von Le Monde Diplomatique, weil ich leider nie die Zeit gefunden hab, Französisch zu lernen. Kann das aber – mit Mühe und teilweise nicht- aufgrund meiner spanisch-kenntnisse lesen. Ich mein der Abschnitt, der hier anfängt:
In dem Artikel wird – soweit ich mich erinnern kann – der konfrontative Stil von Morales kritisiert. Du stellst das alles ein wenig einseitig dar.
Und ausserdem ist die Situation in Bolivien nicht repräsentativ für Südamerika. Du hast ausserhalb von Bolivien und Paraguay nirgendwo eine indigene Mehrheit.
@name: Kuba war zumindest zeitweise in die Koka-Logistik eingebunden:
http://www.zeit.de/1989/35/Gegen-die-Macht-der-Mafia
@17
also, Lemmy, soory, aber Du stellst den Artikel eindeutig einseitig dar. Du hebst die Aussage im Artikel hervor, auf die ich in meinem Beitrag eingegangen bin, mit den Worten, dass es Weiße gibt, die sich furch die Politik Morales, wohl nicht ganz zu Unrecht, benachteiligt fühlen. Das habe ich geschriben. Von den jahrezehntelangen Unterdückung der Indios durch die Weißen hast du kein Wort erzählt, ebensowenig von der Behandlung der Repräsentanten der Regierung und ihre Anhänger durch die Rechte. Ebensowenig davon, im Falle des chilenischen Bildungssystems, dass es noch weitgehend auf das von Pinochets Faschsisten durchgesetzten beruht. Sorry, aber Deine Einseitigkeit hast du hier zur Genüge zum Ausdruck gebracht.
p.s.
ein Grund, warum ich die deutsche taz-Übersetzung von md nicht lese, ist, dass ich feststellen mußte, dass die taz Inhalte wegläßt oder sinnentstellend widergibt, wenn sie nicht dem politischen Konsens der zeitung entsprechen.
@name: Die genauen Adressen hab ich nicht mehr. Das Haus des Leibwächters befand sich in einer der Seitenstraßen des Paseo de Martí, parallel zum Malecón.
Die Villa Panamericana läßt sich in Google Maps suchen.
Namen würd ich in keinen Fall nennen.
Natürlich ist das nicht nachprüfbar. Du kannst mir glauben oder auch nicht.
Ehrlichgesagt find ich die Verbesserung der Situation der öffentlichen Schulen wichtiger als die Tatsache, dass unter der Pin8 Diktatur auch Schulgesetze erlassen wurden.
Ich weigere mich aber chilenische Geschichte als ewigen Kampf der “guten” Linken und der “bösen” Rechten darzustellen. Schliesslich haben bei den letzten Munizipalwahlen die Rechte gegen die Concertación gewonnen und die ganz linken Parteien sind nicht mal Mitglied der Concertación sondern Christdemokraten und die SPD-mässigen Sozialisten. Links davon gibts aber auch noch Parteien. Ich hoffe btw., dass nächstes Jahr die Concertación gegen die deutlich gestärkte rechte Opposition gewinnt. Der nicht auszuschliessende andere Fall wär aber auch kein Drama, weil das inzwischen auch Demokraten sind.
Ich denke, dass auch die originalsprachliche Le Monde Diplomatique auch nicht alles “richtig” abbildet. Wie übrigens The Economist, El País (liberal), Página12 (links), Estrategía (neoliberal) und El Mercurio (rechts-liberal) auch nicht.
Auch Geheimdienste von Industrienationen (z.B. den USA) mischen im Kokaingeschäft mit.
Kokain ist momentan die ertragreichste Droge für die organisierte Kriminalität. Auch die Polizei wird m.A. vielerorts geschmiert. Organisierte banden wie z.B. die Hells Angels sorgen für den Vertrieb der Droge. Mich wundert, dass das Kokainproblem nicht öffentlich diskutiert wird. Stattdessen wird ständig die Hanfpflanze verteufelt.
Ja, ich.
Die Aktien sind seit 2002 wesentlich stärker gestiegen als sie jetzt gefallen sind.
Im übrigen können AFP Kunden zwischen 5 verschiedenen Portfolios wählen, die sich im Aktienanteil unterscheiden. Den unter 40 jährigen wird zu einem Konto mit einem hohen Aktienanteil geraten. Man kann aber zwischen diesen 5 Typen wechseln. Viele sind zu Beginn der Krise in Typ A gewechselt, der nur festverzinsliche Papiere enthalten darf, und versuchen nun wieder den richtigen Einstiegspunkt finden ;-)
Bemerkenswert ist v.a., dass es Chile gelang vom Umlange-Verfahren auf Kapitaldeckung zu wechseln und dabei gleichzeitig den Staatshaushalt zu sanieren.
Hier die Entwicklung des chilenischen Aktienindexes IPSA seit 2003: http://tinyurl.com/6c9pyu
Leute, die bereits 2003 mit AFP in Aktien investiert waren, haben davon sehr stark profitiert.
über dien Zustand der chilenischen Altersvorsorge würde ich mich lieber nei unabhängigen Quellen informieren, wenn ich dazu komme und was finde, werde ich das mitteilen
noch Fragen zu den Vorzügen einer Militärdiktatur?
nur kurz, Aktuelles dazu:
“Chile has no plans to nationalize its pioneering private pensions system.
Argentina’s president wants a government takeover of its US$30 billion pension system to protect retiree money.
But Finance Minister Andres Velasco says retirement funds for 8.2 million Chilean workers are well protected.
Chile’s private plans have accumulated US$93 billion since 1981. Since the global financial crisis began, Chile’s pensions have lost about US$16 billion. But experts say the losses are temporary and should reverse once markets recover.
Velasco spoke on Tuesday, praising reforms the Chile has made to the private system.”
dann wollen wir für die Chilenen wohl hoffen, dass sich der Markt bald wieder erholt :-)
http://www.iht.com/articles/ap/2008/10/21/business/LT-Meltdown-Chile-Pensions.php
@7 Lemmy:
Hast recht. Ich vergesse manchmal, dass das amerikanische Selbstverstaendnis nicht nur fuer die Rolle Amerikas als Weltpolizist und als Deckmaentelchen fuer Geschaeftemacherei verantwortlich ist, sondern auch fuer so positive Dinge wie Menschenrechtsorganisationen, Barack Obama und eine kritische lautstarke Oeffentlichkeit, von der sich Deutschland ein Stueck abschneiden kann. Mixed Blessing, eben.
@26
absolut richtig, ich liebe die liberalen, progressiven USA, die sich aber gewiss ihrer anderen dunklen Seite bewußt sind, welche wiederum unser lieber Lemmy zu verdrängen scheint
Hinzu möchte ich den Spiegel Artikel “Tödliche Gefahr nicht Drogen sondern wir sind das Problem”
empfehlen.
Alle 3 Artikel enthalten zu den Heutigen Themen einen vergleichkonsens
Absolut sehenswerte Berichterstattung unter Tatsächlichen Politischen verzehrten
Repressionismus
http://wissen.spiegel.de/wissen/resultset.html;iso?suchbegriff=Frank+Charles+Carlucci&site=SPIEGEL
Err schließt sehr genau die Lücke zwischen Reeagan bis Bush administration.
Und führt vor allen an das in dessen Legislatur der Anbau vonDrogen um ein vielfaches zunahm.
Euer Bunny Beam
Ich find die US Lateinamerika Politik der letzten 190 Jahre nicht besonders intelligent.
Meine Kritik richtet sich lediglich darauf, dass durch die Überrepräsentanz des chavistischen Lautsprechers wesentlich vielversprechendere Entwicklung nicht wahrgenommen werden.
Chávez führt einen Diskurs der 60er/frühen 70er, der schon damals in verschiedene Desaster geführt hat. Und jetzt genau wieder dahin führt.
Chávez Konsorten besitzen keinen Entwicklungsplan für die Wirtschaft, Sozial- und Rassefragen und Bildgungspolitik.
Chile und Brasilien sind hinsichtlich von Lösungsansätzen dieser Fragen wesentlich vielversprechender, wenn auch leiser.
Und USA? Sitze in einem US-geleiteten Projekt, implementiere Designvorgaben von Humberto und eine Inderin namens Nita entscheidet über meine Eingaben. Ich bin weiß. Lateinamerika wird dafür noch 50 Jahre benötigen. Bin ich deshalb jetzt “anti-deutscher”? ja ja ja.
An 29 Lemmy Caution:
Könntest du das bitte belegen? Ich lese da nämlich mindestens in Bezug auf Sozial- und Bildungspolitik öfter Gegenteiliges. Lt. Wikipedia ist die Armut unter Chavez ziemlich stark gesunken. Und es gab mal einige Telepolis-Artikel, nach denen insbesondere die Bildungsquote in den armen Bevölkerungsschichten massiv erhöht wurde. Auch die Gesundheitsversorgung hat sich wohl sehr stark verbessert. Den Reichen geht es aber schlechter als vorher, das stimmt wohl, auf wessen Kosten sollte eine solche Entwicklung auch wohl sonst aufbauen?
In Chile scheint all’ das eben Gesagte gegenteilig zu verlaufen. Kann es sein, dass du die Dinge einseitig aus der Sicht der Wohlhabenden beurteilst? Gerechtfertigt wahrscheinlich mit dem oft gepredigten Umstand, dass es letztendlich allen besser geht, wenn es den Reichen besser geht?
hier gibts dazu eine Menge Material http://www.pensarenvenezuela.org.ve/
Ökonometrische Studien zeigten auch, dass sich die Lage der Armen unter Chávez deutlich schlechter entwickelten als in früheren Erdölpreis-Boomzeiten. Die realen Effekte der großartig angekündigten Programme sind äußerst bescheiden (http://caracaschronicles.blogspot.com/2007/02/empty-revolution.html) .
Ausser ein paar Familien, sind die traditionell besser gestellten Familien eben sehr wohl wieder in die Pfründe-Wirtschaft des Erdölstaats eingebunden. Die netten Worte von wegen sozial sind nur für die europäischen Groupies.
Venezuela nimmt im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Staaten nicht an PISA teil.
http://venezuela-europa.blogspot.com/2008/05/education-and-accountability.html
PISA berücksichtigt die Partizipation von ärmeren Schichten an der Bildung sehr stark. Die PISA Berichte zu Chile kritisieren diesen Punkt zu Recht genauso wie die zu Deutschland, btw.. Nur gibt diese Offenheit eben auch die richtigen Anreize für die mitte-links Koalistionsregierung.
Venezuela macht Show-Aktionen wie Uni-voucher an ärmere Schichten zu verteilen oder schlecht organisierte Blitzausbildungen aus dem Boden zum stampfen (und wieder verotten lassen)-> http://venezuela-europa.blogspot.com/2008/02/chavez-and-universities.html. Die entsprechenden Kandidaten sind aber für eine Universitätsausbildung in keinster Weise vorbereitet und wurden von den Unis ausgesperrt. In den Schulen werden Bücher mit einem niedrigeren Abstraktionsniveau verteilt!
In Chile findet dagegen eine Verbreiterung der Mittelschicht und sehr nachhaltige Bemühungen zur Verbesserung der Bildung an öffentlichen Schulen statt. Im übrigen sind chilenische Privatschulen preislich und sozio-kulturell bei weitem keine Oberschichts-Veranstatlung mehr.
Meine chilenischen Freunde gehören weitgehend der Mittelschicht an, nicht der Oberschicht. Nein ich glaube nicht, dass es automatisch allen besser geht, wenn es den Reichen besser geht.
@Lemmy
in welcher PR-Abteilung bist du eigentlich tätig? schade, dass ich derzeit die Zeit nicht habe, mich mit deiner Propaganda auseiannderszusetzen. ich muss nämlich arbeiten
“Chávez Konsorten besitzen keinen Entwicklungsplan für die Wirtschaft, Sozial- und Rassefragen und Bildgungspolitik.”
auf die Frage, ob du deine Erkenntnis auch belegen könntest, verweist Du auf diese Quelle
http://www.pensarenvenezuela.org.ve/
ich vermute zwar, dass du keinen einzigen Text davon gelesen jast. Solltest du es aber doch getan haben, solltest du bitte mitteilen, welche denn aus den Dutzenden deine Aussage belegen sollen. Wenn du das tust, wäre es auch nett, wenn du über die Hintergründe dieser Quelle aufklären würdest, so dass man ihre Aussage vor dem Hintergrung etwaiger Interessenverflechtungen bewerten kann. Die Quellen sind zudem auf Spanisch. Die Mehrzahl der Leser, wenn sie sich überhaupt dafür interessieren, dürfte sie nicht lesen können.
zu PISA
ich verweise einfach auf den vielfältigen kritischen Diskurs der PISA Methodik
http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_den_PISA-Studien
Fazit:
ich vermute, dass es Einiges an der venezolanischen Regierung zu kritisieren gibt , wie denn nicht, aber deine einseitiger und indifferenzierter Ansatz drückt in meinen Augen
nichts Anderes als deine persönliche grundsätzliche Gegnerschaft aus. Und man sollte sich nicht das Wesen des Schafes von einem Wolf erklären lassen.
@19
Off-Topic:
[blockquote]
ein Grund, warum ich die deutsche taz-Übersetzung von md nicht lese, ist, dass ich feststellen mußte, dass die taz Inhalte wegläßt oder sinnentstellend widergibt, wenn sie nicht dem politischen Konsens der zeitung entsprechen.[/blockquote]
Hallo Salvo,
Eine sehr interessante Bemerkung von Dir
und schön zu hören das jetzt einmal bestätigt zu bekommen.
Ich kann zwar leider kein französisch, habe aber bereits zuvor einige Artikel über den Kongo & Ruanda gelesen gehabt, die sich wiederum eigentlich auf die franz. Le Monde Diplomatique gestüzt haben. Dann zurück zur taz, gab es verwunderlicher Weise ein etwas mehr oder weniger differenziertes Bild von sich ab. Selbst einige Leserkommentare ließen mir damals schon etwas anmerken. bei den ein oder anderen Thema.
Nun ja, pünktlich zur Olympiade und im Schatten des Georgien Konflikts, reichte Ruanda ja eine Völkermord Anklage gegen Frankreich ein. Und soweit ich weiß, hatte Frankreich sich ja schon immer mit allen möglichen Tricks imens dagegen gewehrt gehabt.
Mich würde jetzt gerne interessieren, ob nun doch noch vielleicht International was von statten geht?
zum Kontext pisa ein lesenswerter Beitrag aus den nachdenkseiten
“Deutsches Bildungssystem: Eine Art Meerschweinchenzucht
Ein Kommentar von Alexander Putzier
Der vergangene Mittwoch, 12.11.08, hätte Immanuel Kant sehr glücklich gemacht und kann unter dem Motto ?Kleine ganz groß? zusammengefasst werden. Mir kommt dieses Motto irgendwie vertraut vor, weshalb ich nach ihm google. Das Suchergebnis irritiert mich im ersten Augenblick, aber dennoch lässt es sich in den Kontext Schule und Bildung zweifelsohne einbetten: Meerschweinchenzucht.
Schüler und Meerschweinchen gehören biologisch gänzlich unterschiedlichen Arten an und dennoch verbinden sie gleich mehrere Gemeinsamkeiten: die überfüllten Klassenräume ähneln den zu engen Gehegen, die tägliche Abfütterung gleicht der Abfertigung der Schüler, das begrenzte Gehege ist identisch mit der von den Schülern erwarteten Anpassung an antiquierte Regelwerke und die Absage an die Ausbildung eines eigenen, gestärkten Willens ? wer anderes behauptet, der lügt. Immanuel Kant wäre darüber sehr unglücklich gewesen und würde sicherlich die eine oder andere salzige Träne verlieren. Die Schüler resignieren aber nicht vor dem Hintergrund solcher schlechten Bildungsbedingungen, sondern sie machen sich gemeinsam stark, treten als eine kollektive Kraft auf. Ein Beweis dafür, dass die deutschen Schüler alles andere als dumm sind (auch wenn die PISA-Studie gerne das Gegenteil behauptet). In mehr als 30 Städten fanden sich insgesamt mehrere zehntausend Schüler zusammen, um gegen den Meerschweinchenzustand unseres Schulsystems zu streiken. Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule und stellvertretende Vorsitzende, konstatierte: ?Schülerinnen und Schüler brauchen ? ebenso wie die Lehrkräfte ? gute Schulen und gute Lebensbedingungen. Nur so können Bildungsprozesse gelingen.? Das Bündnis ?schulaction? hatte zu diesem Streik aufgerufen. Die Schüler wussten sich darauf vorzubereiten und fertigten Transparente an, auf denen Schriftzüge zu lesen waren wie ?Wir sind keine Versuchskaninchen?, ?Bildungsblockaden einreißen? u.v.a. Es ist allgemein bekannt, dass man Meerschweinchen gut zusammen mit Kaninchen halten kann. Aber was machen, wenn sie autonom und selbstbewusst auftreten und sich eben nicht kompatibel mit dem Ist-Zustand des Schulsystems zeigen? Die Schüler formulierten klar und deutlich ihre Forderungen: eine kostenlose Bildung, mehr qualifizierte Lehrer, kleinere Klassen, die Abschaffung des G8. Und sie streikten gegen die Abfertigung von Schülern und die starke Determination des Bildungsweges durch soziale Herkunft. ?Schülerinnen und Schüler brauchen und wollen gute Schulen und gute Lernbedingungen. Mit ihren Aktivitäten machen sie der Öffentlichkeit klar, dass in Baden-Württemberg in vollen Klassenzimmern, mit Halbtagsunterricht oder in schlecht ausgestatteten Ganztagsschulen nicht gut gelernt werden kann?, so Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Bildungsministerien und manche Schulleitungen haben im Vorfeld des Streiks durch ihre Reaktion besonders an Glaubwürdigkeit verloren und die Berechtigung einer Schüler-Demonstration ex negativo deutlich gemacht: Während den Schülern im Unterricht immer wieder gepredigt wird, sie sollen zu selbstbewussten Menschen mit einem eigenen Willen erzogen werden, wobei gerne an den Aufklärer Immanuel Kant erinnert wird, versuchten sie den angekündigten Streik mittels der Androhung von Sanktionen im Falle des Fernbleibens vom Unterricht zu zerschlagen. Hier beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, denn einen besseren Beleg für einen eigenen Willen als den gestrigen Streik kann es nicht geben.
Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Schülerinnen und Schüler Kant verstanden haben. Wie wird dem Guten nun zu Mute sein? Oh, armes deutsches Bildungssystem! Es ist an der Zeit, dass sich was dreht.”
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3590#more-3590
Lieber salvo,
ich muss auch arbeiten.
Finds aber schon ein wenig seltsam, dass Sozialismus-des-21.Jhdt.-kritische Leute wie ich irgendwann immer der PR verdächtigt werden. Ich halte beispielsweise Tariq Ali für Propaganda. Aber es bringt nichts, darüber zu streiten.
Neben den spanischen Texten verweise ich auch auf viele englischsprachige Blogs von Leuten, die auch wirklich nicht Anhänger des ancien regimes sind.
Chávez, Evo Morales, Rafael Correa sind eben nicht überall beliebt. Auch in Venezuela nicht. Warum sonst droht Chávez offen mit Panzern oder Entzug von Mittelzuflüßen auf den Straßen von Bundesstaaten, die sich in den Wahlen am 23.11. gegen ihn entscheiden werden?
Ich komm auch nicht mit der Authentizitätskeule. Ich hab ziemlich viele Monate in Chile verbracht. Hab dort immer noch Mittelschichts-Freunde und fahr im Januar wieder runter. Bin da sicher irgendwie emotional involviert und ich kenne – wie du auch – nur Ausschnitte.
Aber als einen Erfolg sehe ich das Chávez-Regime nun wirklich nicht. Lateinamerika besitzt für meinen Geschmack zu viel:
a) Klassengesellschaft
b) Rassismus
Du siehst das vermutlich ähnlich. Es geht also nur um die Mittel.
Viele linke Regierungen sind in den vergangenen 80 Jahren in Lateinamerika gescheitert. Die für meinen Geschmack zu unkritische Konsumption der chavistischen Propaganda unter gewissen Europäern zeigt für mich eigentlich nur, dass ihr eure Hausaufgaben nicht macht.
Es gibt viel Zustimmung zu all den schönen Worten des Zambo von Barinas. Nur wenn ein solches Flugzeug dann mal wieder selbstverschuldet ins Trudeln gerät, dann leidet die dortige Bevölkerung. Ihr nicht.
PISA-Kritik ist ja schön und gut. In Chile führt nur die PISA Teilnahme zu einer Diskussion um kindgerechte Didaktik, Abschaffung des Frontalunterichts, Autonomie der Lehrer gegenüber Eltern, Verbesserung der Lehrpläne, bessere Bezahlung der Lehrer, etc. Ich hab genug Latinos/as kennengelernt, die sich inzwischen nicht mehr zum Legasteniker erklären, die nun Dreisatz beherrschen und brauchbar Englisch gelernt haben. In einem mühsamen Prozess neben der Arbeit. An der grundsätzlichen Intelligenz hats nicht gemangelt…
@lieber Lemmy
ok, ich nehme Deine kritische Einstellung an, und auch, besonders nach diesen Deinen letzten Beitrag, auch ernst
Bezüglich der Verwicklung der Geheimdienste (DEA und CIA) in den Drogenhandel empfehle ich die Webseite von Ex-DEA-Agent Celerino Castillo: http://www.powderburns.com sowie seine Interviews auf Youtube.
@salvo #33
“man sollte sich nicht das Wesen des Schafes von einem Wolf erklären lassen”
Sehr gut, geht in meine Sammlung ein. Frage: Gibt’s ‘ne Quelle? oder Eigenkreation?
Grüße
Vogel
PS.: Für Dich (ähnlich): Willst Du einen Teich trocken legen darfst Du nicht die Frösche fragen!
Unbedingt lesenswert in diesem Zusammenhang die Ausführungen von Dario Azzellini
http://www.jungewelt.de/2008/11-22/020.php
http://www.jungewelt.de/2008/11-24/033.php
http://www.azzellini.net/
Sean Penn’s
“Conversations With Chavez and Castro”
http://www.thenation.com/doc/20081215/penn?rel=hp_picks
@Salvo
Sehr guter Text – Penn ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein sehr kluger Mensch.
@jens
ja, ich liebe ihn