Minima Moralia
geschrieben am 12. November 2008 von Spiegelfechter
James K. Polk hätte ein Denkmal verdient. Der elfte Präsident der USA ist weitgehend unbekannt, obwohl er doch ein Politiker der ganz besonderen Art war. Er machte nämlich genau das, was er im Wahlkampf versprach – die Gebiete Oregons und Texas dem Staatsgebiet der USA hinzuzufügen und dann, nach einer Wahlperiode, abzutreten. Er hielt Wort, trat ab und starb 103 Tage später. Andrea Ypsilanti hat noch viele Jahre Lebenszeit vor sich, doch auch für sie wird wohl nie ein Denkmal errichtet werden. Darüber wird sie auch nicht sonderlich traurig sein – wenn man den Volkszorn betrachtet, würde ihr zu Ehren wohl am ehesten das Mahnmal der anonymen Wahllüge errichtet werden. Sie hat zwar nichts anderes getan, als weiland Holger Börner, der 1982 den GRÜNEN noch eins „mit der Dachlatte in die Fresse hauen“ wollte, sich zwei Jahre später im Wahlkampf deutlich von jeglicher Zusammenarbeit mit den GRÜNEN distanzierte, nur um sich nach der Wahl von ihnen tolerieren zu lassen und ein Jahr später die erste rot-grüne Koalition zu bilden.
Holger Börner hatte es damals auch einfacher als seine Beinahe-Nachfolgerin. Er wäre im Traum nicht auf die Idee gekommen, zusammen mit der CDU eine Große Koalition in Hessen einzugehen, da hat der gewissenlose Lügner sich lieber mit Linksextremisten ins Bett gelegt. Zwar wetterten die Medien damals auch von einem „rot-grünen“ Chaos und der Turnschuhprolet Joschka Fischer ließ als Minister die bürgerliche Presse erschaudern. In der Bonner Republik aber gab es in der SPD eines noch nicht – das Gewissen.
Das Gewissen steht natürlich als ethisch-moralische Komponente nicht unter der Interpretationshoheit der gottlosen Sozen, sondern es ist Gott selbst, der über die Gewissensentscheidungen der Menschen zu urteilen hat. Da Gott aber bis heute weder eine Kommentarspalte in der WELT noch einen Internetauftritt hat, ist es sein politischer Arm in Deutschland, dem das Urteil zusteht, wann in der Politik das Gewissen einmal eine Rolle spielen darf. Ähnlich wie es im Klerus selbst keine Sünde gibt, gibt es in der Partei mit „C“ in ihrem Namen auch kein Gewissen – zumindest haben christdemokratische Abgeordnete davon noch nie öffentlich Gebrauch gemacht. Das Gewissen ist eine Tugend der SPD, was nicht unproblematisch ist, da der politische Gegner alter Zeiten ja die Interpretationshoheit innehat.
Die SPD gilt zurecht als die modernste Partei Deutschlands, sie ist hipp und hat den Zeitgeist inhaliert. Während früher der Beziehungszwist zweier imbeziler Schreihälse elegant mit einem Besenstoß der Untermieterin beendet wurde, schaut diese sich die Logorrhoe heute mit Vorliebe im Fernsehen an. Dieser modernen Methode des öffentlichen Gedankenaustausches kann sich natürlich auch die Volkspartei SPD nicht verweigern, daher tingeln Politdeppen der SPD in dieser Woche durch die Talkshows der Nation und erzählen rührselig von ihrem Gewissen und inszenierten sich selbst als Opfer.
Den Auftakt machte Andrea Ypsilanti selbst, die per Fernschalte ihre Wortbruchbeichte und ihre tiefe Trauer über den Dolchstoss der vier Renegaten dem geneigten Zuschauer von Anne Will entgegenheuchelte. Die „fantastischen Vier“ (FAZ) legten am Montag beim knallharten Powertalker Reinhold Beckmann nach und schauten dabei mit ihren betretenen Gesichtern aus wie Pennäler, die sich beim Schuldirektor dafür erklären mussten, warum sie der kleinen Andrea einen bösen Streich gespielt haben. Zum Glück hatten sie aber das Gewissen auf ihrer Seite und konnten so selbst konkrete Fragen, warum das geheimnisvolle Gewissen sich erst so spät manifestierte, mit küchenpsychologischen Rechtfertigungen entgegnen. Der Druck war gar übermenschlich und man heulte gar auf dem Küchenboden. Geheime Abstimmungen, in denen man seinem Gewissen freien Lauf lassen konnte? Nein, das gildet nicht – man habe ja schließlich erwähnt, dass man solche Abstimmungen nicht so toll fände, da könne man das Kreuzchen dann auch an der falschen Stelle machen. Warum man bei jeder Gelegenheit öffentlich Ypsilantis Kurs unterstützt habe? Ach weh, der übermenschliche Druck, den man nur als SPD-Politiker kennt, und außerdem habe man ja im kleinen Rahmen aus seinem Herzen auch keine Mördergrube gemacht. Nein, diesen vier Häuflein Elend kann man einfach nicht böse sein. Opfer des Gewissens und Opfer der unmenschlichen eigenen Partei – letztendlich sogar Opfer der LINKEN, der Nachfolgepartei der SED, also Opfer des Kommunismus´ und Opfer der Mauermörder. Ihren Frieden mit der Partei haben sie aber bereits gemacht – Thorsten Schäfer-Gümbel, ein Name, den man sich nicht merken muß, unterstützten sie ohne Vorbehalt, schließlich zeige sich dieser auch offen gegenüber einer Koalition mit der CDU. Doch Herr Schläfer-Gambel sollte aufpassen – wenn er mit den Kommunisten zu paktieren gedenkt, könnte in seiner Partei wieder das Gewissen erwachen.
Während die vier rechten Aufrechten bei Beckmann wenigstens würdig im Beiprogramm des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer auftreten durften, mussten sich Ypsilanti und ihr Famulus Schlaffer-Gimpel am Dienstag vom knallharten Powertalker Johannes Baptist Kerner in einer Freakshow im Rahmenprogramm von Ufologen und Löffelbiegern vorführen lassen. Um es vorwegzunehmen – weder Ypsilanti noch Schräger-Bembel haben etwas über Hitlers Autobahnen gesagt und durften das Studio auf regulärem Wege verlassen. Im Fernsehen durfte Frau Ypsilanti natürlich auch nichts gegen das Gewissen der gewissenlosen Verräter sagen, da der Vorzeigejournalist des Trash-TVs sich von seinen Assistenten für einen solchen Fall sicher knallharte Fragekärtchen hat vorbereiten lassen. Die Quintessenz Ypsilantis lautete daher auch wenig überraschend, dass auch sie ein Opfer sei. Opfer der Medien, Opfer der Parteirechten und Opfer des knappen Wahlergebnisses. Auf die Erkenntnis, dass sie Opfer ihrer eigenen Dummheit, Opfer ihres Dilettantismus´ und Opfer ihrer eigenen Hybris ist, warteten sowohl Kerner als auch die Zuschauer vergebenes. Wenigstens Schufa-Kimble durfte sich erstmalig und wahrscheinlich auch letztmalig einem größeren Publikum zeigen und es mit dem Mutterwitz eines Verwaltungsbeamten für sich einnehmen. Der Wahlverlierer in spe kann einem dabei fast leid tun – er ist sicher ein talentierter Nachwuchspolitiker, der zur falschen Zeit in den Ring gezerrt wird, um sich vom amtierenden Champion des Populismus´ abschlachten zu lassen. Aber in der Politik und in der Liebe ist nun einmal alles erlaubt und Herr Schnöder-Krempel scheint momentan auch genug Zeit für seine Hobbykandidatur zu haben. Vielleicht gelingt es ihm, was James K. Polk und Andrea Ypsilanti verwehrt bleibt, vielleicht wird eines Tages ihm zu Ehren ein Denkmal des unbekannten Politikers errichtet.
Gerüchte, dass die Damen Yspilanti und Metzger am Donnerstag beim knallharten Powertalker Oliver Geißen zum Thema „Meine Freundin hat mich verlassen“ eingeladen sind und dass Jürgen Walter am nächsten Sonntag im ZDF-Nachtstudio zusammen mit Jürgen Habermas und Walter Jens über die Bedeutung von Adornos „Minima Moralia“ für die politische Gewissensethik philosophieren will, fanden bisher keine Bestätigung.
Jens Berger
Bildnachweis (v.o.n.u.): Montage SF, Montage SF mit Material von ARD, Titanic-Magazin
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Kategorien: Deutschland Glosse Politclowns
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Hehe, sehr schön.
Ich habe den ganzen Quatsch immer mal mit einem Auge und einem Ohr verfolgt, war dann aber sehr überrascht, dass die SPD auf einmal diesen Sträfling-Kumpel hinter dem Ofen hervorzauberte.
Mal sehen ob es damit für die 5%-Hürde reicht.
Also die Schäfer-Gümbel-Brille könnte Kult werden!
Schöne Glosse! Auch die Photomontagen sind zum Brüllen und neben der guten Schreibe Dein zweites Markenzeichen.
Schade nur, dass Walter Jens mit Sicherheit nicht mehr im ZDF-Nachtstudio auftreten wird:
Vaters Vergessen
@cooljazz
Walter Jens´ Krankheit ist mir leider bekannt – das war als Insider gedacht, um zu unterschreichen, dass Walter zu diesem Thema auch nichts zu sagen hat. “Leider” bin ich humoristisch von den Pythons geprägt ;-)
Ich bin zwar auch kein Freund der SPD – mehr!
Aber selbst als Glosse oder Satire war das ein wenig zu nahe an der Wahrheit dran.
Schäfer-Gümpel (TSG für Parteifreunde) hat noch nichts richtiges gemacht und schon hackst du auch auf ihm herum. Warte erst einmal ab, bis er sich verypsilantiert. Dann kannst du auf ihn drauf hauen!
Ich glaube schon, das die SPD gute Chancen hat, ihr 18% minus-Programm auf Bundesebene zu schaffen. In Hessen wird es anders laufen. DIE LINKE hier wird wahrscheinlich bei dieser Landtagswahl zweitstärkste Partei. Was so viel heißen wird, das die Grünen wirklich den Tarek al-Wazir aufstellen müssen, wie es Free Willy in seinem eigenen Blog vor Monaten schon prophezeit hat. Der SPD-Mann wird nicht MP.
Aber Koch wird es auch nicht bleiben. Nicht, wenn er jetzt mit einem SPD-Parteiprogramm antritt, das grüner ist als das der GRÜNEN/B90! Abermals lügt Koch im Wahlkampf. Und abermals wird er damit scheinbar durchkommen. Ich hoffe, diesmal verliert er weitere 12%, dann ist endlich in Hessen Ruhe – und die GRÜNEN müssen zeigen, was sie können! Was meiner Meinung nicht viel mehr sein wird als den Schmuh, den CDU/FDP & SPD in den letzten Jahren gebracht haben. Es kann in Hessen nur schlechter werden.
MfG
Vielen Dank, mal wieder brillant.
Ach, könnte man doch mal solche Texte auf Deutschlands größtem Nachrichten- und Showbizportal Spon lesen, und Mohrs niveaulose Elaborate dafür auf seinem Blog, verlinkt bei den “Bissigen Liberalen”.
Ja: Solche Gewissensentscheidungen hätte man sich eher mal bei Agenda und Hartz4, bei Kriegseinsätzen und Finanzmarktliberalisierungen, bei Bahnprivatisierungen und Stasi-Schnüffelgesetzen gewünscht. Auch bei den Grünen! Und auch bei der Wahl der Kanzlerin, die eine solche Koalition im Wahlkampf vehement ausgeschlossen hatte. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie der bundesdeutsche Mainstreammedienchor in diesem Fall geheult hätte: “Verrat! Chaos! Italienische Verhältnisse!”. Wenn zwei das selbe tun, ist es noch lange nicht das Gleiche. Und unausgesprochen steht hinter der ganzen Affäre immer noch ein unsichtbarer Grundsatz: Die Linke ist anders als die anderen Parteien, eher wie die NPD, niemals darf sie mitregieren (und sich entzaubern lassen wie die Grünen derzeit in Hamburg).
Eine Regierungsbildung ohne CDU ist derzeit entsprechend verboten.
Die Beckmannshow ertrage ich normalerweise überhaupt nicht, die Herzensregungen der Elite tangieren mich eher peripher. Ich sah sie aber interessehalber an, und muss Beckmann zugestehen, dass er durchaus nicht einfach in den bundesdeutschen Chor der Ritter des reinen Gewissens einstimmte, sondern auch ziemlich kritische Fragen stellte. Das einzig interessante neue Detail, das ich der Sendung entnahm: Man hatte sich scheinbar bereits am Freitag mit dem SPD-Rechten Bökel verständigt, gibt aber an, sein Gewissen endgültig erst am Sonntag entdeckt zu haben.
Trotz meines Widerwillens gegen diesen Flügel der SPD muss ich aber zugestehen, dass die vier wirklich der Gewissensfreiheit der Abgeordneten eine mächtige mediale Bresche geschlagen haben, unabhängig von den konkreten Inhalten. Sowaqs gilt jetzt also als mutig, sowas wird von einer Mehrheit honoriert, das bedeutet auch, dass sich Kanzler- und MP-Kandidaten in Zukunft warm anziehen werden müssen – auch linke Abgeordnete haben Gewissen, und auf ihren Gewissen ist in den letzten Jahren unbarmherzig herumgetrampelt worden. Die Zeit der Fraktionsdisziplin, der Einpeitscher, der Bastakanzler scheint offiziell vorbei zu sein. “Unideologisch-pragmatisch” ist nicht mehr – es zählen wieder Grundüberzeugungen. Wenn sich Seeheim da nicht mal ein Kuckucksei ins Nest gelegt hat – aber so sind sie eben, sie denken taktisch, nicht strategisch. Wenigstens haben sie den kalten Krieg für sich therapeutisch noch einmal aufgearbeitet, von dem sie scheinbar so tief traumatisiert sind.
Bei Schäfer-Gümbel wittere ich Kultpotential, er sollte schleunigstens bei Abgeordnetenwatch die Fragen beantworten, youtube klug nutzen (lassen), eine ehrlich partizipative Kampagne a la US-Demokraten entwickeln und die rechte Koch-Schäuble-CDU frontal angehen, mit einer ansonsten positiven Message: Change. Die Sache ist nämlich überhaupt nicht gelaufen – Bankkrisenfurt liegt immerhin mitten in Hessen… Auch erwarte ich eher eine Umschichtung innerhalb des Linken Lagers, keine Gewinne für die fertige Hessen-CDU. Man liebt nicht gleich wieder Koch, nur weil man den “Verrat” der Yps schlecht findet.
@postgrün
Nein nein – in solchen Fällen wäre es kein Gewissen, sondern staatsgefährdendes Querulantentum. Du weißt, wo die Deutungs- und Interpretationshoheit liegen? ;-)
Und das wird in Thüringen, dem Saarland und MeckPomm noch lustig – aber darüber wollte ich nächste Woche noch ausführlich schreiben.
Er ist halt ein guter Journalistendarsteller, der auch den “Kritischen” geben kann – aber nachhaken und hinterfragen hat er noch nicht eingespielt.
Vielleicht ist Bökel nur eine Chiffre für den Heiligen Geist?
Nennen wir es lieber ein Medienspektakel, bei dem mit dem Wort Gewissen sehr oberflächlich umgegangen wird. Sehr passen fand ich da den Kommentar von Franziska Augstein in der SZ.
Dein Optimismus in allen Ehren, aber das glaubst Du doch selbst nicht. Linke haben kein Gewissen, das wissen wir doch ;-)
Ach watt – pragmatisch geht nur dann nicht mehr, wenn es um “linke” Politik geht.
Ich auch – ähnlich kultig wie der depperte Guido mit seinem Guidomobil ;-)
Hervorrragende Glosse, bin beim Lesen fast vom Stuhl gekippt vor lachen.
Jedes Land hat seine Politiker, die es verdient. Ohje was hat Hessen da wohl alles verbrochen?
du bist gemein – aber witzig. Mir persönlich fehlt etwas der hoffnungslose zynismus der sich in meinem kopf ausbreitet wenn ich an die SPD denke. Besonders gut hat mir natürlich gefallen, das es nun 3 Tauben und eine Alte Ziege mehr unter den Opfer der Kommunisten gibt. Sehr geschickt und diabolisch. Der Gimpel ist übrigends kein Schäfer sondern Agrarwissenschaftler – darauf hast du vergessen rumzureiten.
@knt
Nun ja – Schröder-Grabbel hat immerhin 1,5 Semester Agrarwissenschaften studiert – für einen “Wissenschaftler” reicht das wohl nicht, aber 2009 wäre er damit wohl die Idealbesetzung fürs Agrarministerium ;-)
Absolut! Ich hoffe auf dicke Gewinne für die Grünen. Schließlich soll jeder mal die Gelegenheit zum Umfallen haben!
Na toll,
wie billig sich auf das Niveau der allseits ansonsten mit Häme bedachten Springerpresse herabzubegeben.
Und die Claquere des Ypsilanti/Schäfer-Gümbel-Bashing applaudieren.
Ganz tolle Leistung.
Ich hätte mir sowas Niveauloses ausgerechnet hier bis heute nicht vorstellen können.
Vielleicht interessiert´s ja trotzdem:
http://www.mein-parteibuch.com/blog/2008/11/09/spd-hessen-tritt-mit-thorsten-schaefer-guembel-an/#more-3070
SF und Ihr anderen – ich bin nur enttäuscht.
@Schäfer-Gümbels Kultpotential:
Ich meine das nicht nur sarkastisch. Wenn er schlau ist, zeigt er bischen Selbstironie und nimmt sich selber bischen auf die Schippe (Doppelname, Loriot, Don Martin-Figuren… ), bietet aber zugleich ernsthafte Perspektiven und Politik an. Damit nimmt er entsprechenden Kampagnen gegen ihn gleich den Wind aus den Segeln. Die Ypsilanti-Hasser-Welle ist nun schon durchgerauscht, da ist nicht mehr viel so Drive dahinter. Und dass es etwas billig ist, ihn nicht zu wollen, weil er einen Doppelnamen hat, dürfte auch bald Mainstream werden. McKoch kann keine Selbstironie, der ist ganz ergriffen von sich selber und kann nur Häme und geheuchelte Nachdenklichkeit.
@Grüne
Laut Spon positionieren die sich gerade eher Richtung Lagerwahlkampf, und Cohn-Bendit steht auch dahinter. Wazir spekuliert wohl, in seinem Fall völlig zurecht, auf einen Obama-Faktor. Dann kann er aber keine neoliberale CDU-Politik mittragen. Mit Schwarzgrün-Hoffnungsträger Corts hat die junge hessische Intelligenzja noch ein Hühnchen zu rupfen (google: “Udo-Corts-Fanclub”). Und Roth wird von der rechten Hessen-CDU nicht akzeptiert. Gelaufen ist da nocht garnichts. Ihr Pessimisten. I say, lets win this thing. Schon allein wegen Kochs verdutztem Gesicht am Wahlabend.
Sagen wir einmal so:
TSG ist ein Hoffnungsträger. Nicht nur für die Hessen, sondern auch für solche Partteiverräter wie der Münzhering oder den Steinheimer! Beide sind ja bekennende Seeheimer Kreisler!
Wenn TSG die Wahl für sich entscheidet, oder die SPD nur zur drittstärksten Partei macht, reicht das schon aus, das die in Berlin dumm aus der Wäsche schauen. Der Rolli Koch wird die ersten 2 h der Wahlnacht noch wie ein Honigkuchenpferd grinsen, bis dann von ihm der Vorschlag kommen wird, das ER, ausdrücklich ER, der einzige ist, der eine Koalition mit der zweitstärksten Partei, DIE LINKE, eingehen wird! Ich wette, diese Lüge wird er so locker flockig von den Lippen kriegen, das kein Aas mehr nach Ypsilanti fragt.
TSG ist jetzt schon lebende Hoffnung. Andererseits hoffe ich auch, das van Ooyen endlich in DIE LINKE eintritt, damit man ihm das Scheißefaseln endlich offiziell von der Parteispitze her verbieten kann.
MfG
@12
ich wollte mich eigentlich zurückhalten, aber ich stimme hier zu, ich bin kein Sozialdemokrat, weder links noch rechts noch mittig, aber diese ekelhafte Schmierenkömodie auch hier fortzusetzen, ich weiß nicht, warum man auch noch das hier mitmachen muss
aber was solls, mein Bedarf an Zynismus hat sich für heute erledigt
@SF
Danke, danke, danke :-)
Derart beißender Sarkasmus war angesichts dieser Posse längst überfällig. Schade, dass vergleichsweise wenige Leser die Glosse genießen dürfen.
Das einzige Ärgerliche an den hessischen Possen(und Posten-)reissern ist, dass sie sich so teuer für ihre Show bezahlen lassen.
Obwohl, bei Artikeln wie diesem steigt der Wert :-)
@postgrün
Von letzterem gehe ich doch mal aus – aber ich hege ernsthafte Zweifel, ob dieser “Kultstatus” ausreicht, um eine herbe Niederlage zu verhindern. Vor allem da er gegen die geballte Macht der Medien ankämpfen muß und als “Strohmann von Ypsilanti” bereits hinreichend vorbelastet ist. Sein Kuschelkurs zur CDU lässt mich da eher zweifeln.
Das wiederum schließe ich eigentlich sogar aus – die Kampagnen gegen ihn werden eigentlich die Kampagnen gegen Ypsilanti sein. Und als Greehorn erscheint er mir da komplett überfordert zu sein. Sein gestriger Auftritt bei Kerner unterstreicht da meine Zweifel. Er wirkte eher wie Ypsilantis Laufbursche.
Da kennst Du aber die Medien nicht ;-)
Und so werden sie auch Erfolg haben, aber so viele Stimmen zu bekommen, dass sie die Verluste der SPD abfangen können, wird nicht möglich sein. Außer Herr Schiefer-Grömbel erweist sich als echtes Talent.
Nein, dass macht dann die SPD
@salvo
Ich bin auch kein Spezialdemokrat, in keiner der vier Himmelsrichtungen, aber es gibt mir Hoffnung, dass ich nicht der einzige bin, dem Zynismus ab einer gewissen Dosis auch tierisch auf die Nüsse geht
@Aristoteles
Wenn sie in Hessen gewinnen würden, würde man in Berlin idT dumm aus der Wäsche schauen. Wenn sie Hessen schlechter als FDP oder GRÜNE abschnitten (drittstärkste Partei), dann sicher auch. Aber die Wäsche hätte dann eine andere Qualität ;-)
Ich attestiere Dir hiermit ein humoristisches Talent ;-)
… für einen zweiten Platz der LINKEN? Na, so weit würde selbst ich als chronischer Zyniker nicht gehen.
@michael und salvo
Es ist nicht “nur” blanker Zynismus. Ypsilanti hat durch ihren unsagbaren Dilettantismus das Projekt Rot-rot-grün schwer beschädigt. Dafür verachte ich sie aus reinem Herzen – sorry.
@SF
Verstehst Du unter Dilettantismus das Veranstalten von zig Regionalkonferenzen, Sonderparteitag etc. pp., eine 95%ige Zustimmung ihrer eigenen Partei? Oder ist ihr Dilettantismus deswegen vorhanden, weil ihr seit Monaten Machtgeilheit (in männlicher Version natürlich Machtbewusstsein, Durchsetzungskraft etc.) von der gleichgeschalteten Presse zugeschrieben wurde?
Oder ist ihr Dilettantismus Ihre Aussage vor der WAhl, nie mit der LINKEN? Da sollte man doch mal hinterfragen, auf wessen Betreiben sie diese Aussage zu tätigen hatte.
Im übrigen sich mittels des Doppelnamen-Bashings in eine Reihe mit Merkel-Zäpfchen Hugo Müller-Vogg zu begeben, hat auch schon was Tragisches.
http://notatio.blogspot.com/2008/11/nachgetreten-ypsilanti-und-die.html
Aber das schreiben doch alle. Wo genau siehst du denn den Dillentatismus? Zuletzt hat sie doch alles getan, was man fordern könnte. Die Intrige gegen sie hätte sie vielleicht am Wochenende noch mitbekommen können, und mit einem Rücktritt zuvorkommen können. Was hätte es geändert? Ich finde sie, ernsthaft, ziemlich tough. Gegen den politischen Gegner, die Bild und die eigene rechte Bundespartei anzutreten, und diesen Gegenwind auszuhalten, weil man einfach Überzeugungen hat – Hut ab. Fast hätte sie es ja auch geschafft. Die vier SPDler sagten bei Beckmann ja, sie hofften immer auf ein Scheitern der Koalitionsverhandelungen. Seeheim wohl auch.
@michael
Die Liste ist lang. Ja, ihre Aussage bzgl. der Kooperation mit der LINKEn war der erste Fehler. Dann – wohlwissend, dass sie in einer Schlangengrube sitzt, vorzupreschen, ohne sich persönlich zu vergewissern, dass die Metzgerin mitzieht, war der zweite dramatische Fehler. Sich dann auch noch ein weiteres Mal vorführen zu lassen, was wohl auch (aber nicht nur) etwas mit ihren Personalentscheidungen Scheer/Walter zu tun hat, ist Dilettantismus in Reinkultur, eine Steilvorlage für CDU und FDP, für die SPD-Rechte und die bürgerliche Presse.
@SF
Da muß ich dir leider widersprechen – welches den Fehler Walter/Scheer betrifft!
Die Narretei ging hier eindeutig von Walter aus, der nicht zulassen wollte, das sich Scheer als Wirtschaftsminister lächerlich macht und er dann, rein demokratisch, sein Ministerium einfach in sein Verkehr- & Europaministerium integriert.
Der Egomane Walter wollte schlauer sein und lehnte dann jeglichen Ministerposten ab. Nachdem er jedoch mitbekam, das er sich selbst ins Bein geschossen hat (das ist Dilettantismus in Reinkultur) kommt er auf den Trichter, das er so etwas wie ein Gewissen besitzt und inszeniert die öffentliche Bloßstellung seiner Landesparteichefin.
Wäre ich noch SPD-Mitglied in einem Ortsvereinsvorstand hätte ich in dem Moment in meinem Ortsverein Unterschriften dafür gesammelt, das der Kerl nicht nur aus der Partei rausgeworfen, sondern auch geteert und gefedert wird! DAS war nämlich echter Dilettantismus und eine Narretei oben drauf.
Walter wußte es besser, nun ist er gar nichts mehr. Und niemand nimmt auch nur noch ein Brötchen von ihm hier in Hessen. Der Mann war vorher schon bei der Bevölkerung unten durch, als er mit der Großen Koalitions-Idee kam, wo sich einige immer noch fragen, ob ihm die nicht die Ehefrau eingeflößt (die Ex-Pressesprecherin von Rolli Koch) hat! Seitdem mochte ihn hier in Hessen nicht einmal mehr der Seeheimer Flügel, weil die sich auch verarscht vorkamen.
MfG
@Postgrün
Das ist nicht der Punkt. Politik ist ein schmutziges Geschäft, vor allem bei der SPD und insbesondere bei der hessischen SPD. Als Politikerin in der Verantwortung muß(!) man seine Feinde kontrollieren, wenn man sie entmachten will – wenn man das nicht vermag, besteht das reale Risiko zu scheitern. Wenn es nur Ypsilanti selbst wäre, die gescheitert ist – Schwamm drüber; dummerweise hat sie damit aber eine ganze politische Idee (die Idee der breiten Mehrheit links der Mitte) schwer beschädigt.
Sie hätte besser Sunzi und Machiavelli gelesen als das hier ;-)
@Jens
sorry, aber ich sehe es nun mal so, angesichts der Übermacht ihrer Gegner wäre sie wohl nicht die einzige gewesen, die gescheitert wäre
Es geht mir es auch die Wahrung eines Mindestmaßes an Achtung gegenüber einem Menschen, der wie kein kaum ein anderer zuletzt durch den Dreck gezogen wurde, angebliche Fehler hin, Fehler her.
Andererseits scheint es auch hier ein breites Bedürfnis zu geben, sich über die Unmöglichkeit einer inhaltlichen politischen Wende sich auch noch lustig zu machen, denn das ist die eigentliche Lehre, die wir aus ganzen ekelhaften Geschichte ziehen können.
@salvo
Inhaltlich will ich Dir da kaum widersprechen – Satire darf aber alles, wenn man den ollen Tucholsky glauben mag und ich denke, dass zwischen den bitterbösen Zeilen auch viel Wahrheit steckt, die auch von den Sympathisanten der SPD-Linken – zu denen ich mich ausdrücklich zähle – wahrgenommen werden sollte. Das “Debriefing”, warum man nun plötzlich so mies dasteht, findet noch nicht statt und da sollte man selbstkritisch herangehen und nicht nur die Schuld bei den Anderen suchen. Das heißt natürlich keinesfalls, dass die Anderen unschuldig sind.
@Aristoteles
Na aber sicher – Walter ist (frei nach Leutheusser-Schnarrenberger) ein intrigantes Arschloch. So what? Das war nicht eben neu. Mit so etwas muß man aber rechnen.
Vielleicht war es so. In der hessischen SPD gab es aber anscheinend kein Konzept, ihn zu eliminieren, bevor er Schaden anrichtet. Nehmen wir es mal als stochastisches Modell. Es besteht ein Restrisiko von 50%, dass der eigene Kurs torpediert wird. Was tun? Wenn einem die Sache so wichtig ist, wie sie sein sollte und man klar bei Sinnen ist, verzichtet man. Wenn man allerdings va-banque spielt, darf man sich hinterher nicht aufregen, wenn man verliert. Die Alternative wäre es, das Restrisiko zu minimieren – und zwar so sehr zu minimieren, dass es tragbar ist. Und genau bei diesem Punkt haben die SPD-Linken in Hessen gepfuscht.
Walter ist jemand, den man auf englisch “loose cannon on rolling deck” nennen würde. Man muß(!) ihm (und den anderen Dreien) natürlich Vorwürfe machen, man muß(!) sie sogar aus der Partei ausschließen, wenn man ernst genommen werden will. Wenn man allerdings das “Putchen-Brammel” gibt und so gar nicht verstehen will, dass man mit seinem Risikomanagment komplett versagt hat, macht man sich in meinen Augen lächerlich.
Das hat meine volle Zustimmung.
An Ypsilantis Stelle hätte ich den lieben Walter kurz nachdem er die Nominierung verloren hat mit Schimpf und Schande aus der Partei gejagt. Schon damals ließ er gelegentlich dilettantisches Verhalten durchblicken.
Wie in Pfungstadt, wo er auf dem Nominierungsparteitag des Parteibezirks es mit den Stimmbändern hatte und sein Parteiprogramm nicht vorstellen konnte. Als die Sache dann gelaufen war – und er mit 4 Stimmen Vorsprung gewonnen hatte – führte er sich auf wie King und schrie und brüllte mit Parteikollegen, als ob er ein Megaphon eingebaut hätte!
Schon damals war ich dafür, ihn eher zu entsorgen als ihn weiterhin in der Partei zu halten. Bei dem Parteitag habe ich dann auch Free Wily kennengelernt, der da kurz vorm Parteiaustritt stand.
Aber zur Sache zurück, TSG (Müller-Lüdenscheid, das paßt sogar irgendwie) könnte es tatsächlich schaffen, sofern er die Riesendummheit unterläßt und die Große Koalition von vorne herein ausschließt, wie der Parteitag befunden hat. Wenn er nämlich das macht, kann man gleich Koch wählen gehen, weil der dann sowieso bleiben wird.
MfG
Meine Güte, die werden doch auch ihre Medienberater und PR-Fuzzies haben. Die ihnen mal hätten sagen können, wie was wirkt, und was man an der Selbstdarstellung verbessern könnte. Sie müssen doch jetzt nur Obamas Wahlkampf analysieren und das schlau auf hiesige Verhältnisse übertragen, bzw. Aspekte davon passend auf Grüne, SPD und Linke verteilen. Sich abstimmen. Und von 3 Seiten aus die CDU angreifen. Kampagnen wie die “Lügilanti”-Nummer erschöpfen sich irgendwann (nämlich jetzt bald) und dann ernten entsprechende Sprüche auch keine johlende Zustimmung mehr, sondern Gähnen und Abwinken. Wie TSG seine oberflächlichen “Schwächen” in Stärken verwandeln könnte, habe ich versucht zu skizzieren. Denn ich will ja auch, dass der gewinnt und die drei eine Mehrheit kriegen. Aber dass man über Politiker jetzt nicht mehr lachen darf, und dieses ganze Pathos, finde ich etwas unangebracht. Das ist eher genau ein Problem dieser Linken. Natürlich war es alles eine Sauerei, eine von vielen. Aber TSG ist jetzt der Underdog, der angeblich keine Chance hat, während einige Umstände aber äusserst günstig für ihn sind.
Waere Frau Ypsilanti ein Manager, wuerde man euphemistisch sagen: “Sie hat gluecklos agiert.”
Ausserdem sollte man nicht vergessen, dass sie den Wahlkampf vorher selbst personalisiert hat, Ypsilanti-Kampagne (‘Y’) und eben nicht das Parteiprogramm im Vordergrund stand.
@salvo:
Vielleicht fuehrst Du mal ein paar Beispiele an, in denen Frau Y. persoenlich angegriffen wurde die ueber Wertungen ihrer Kompetenz als Politikerin hinausgehen. Und welche uebermaechtigen Gegner meinst Du eigentlich?
also für mich das Thema erledigt, viel Spaß noch damit
@Fuzzy: Es wurde fast nichts über ihr Programm berichtet, ausser dass da Scheer irgendwas mit der Energie machen will, was bestimmt unsere gute Wirtschaft kaputtmacht. Die meisten Medien hatten sich festgefressen auf diese obskure “Wir-sind-betrogen-worden”-Nummer, die der rechten Bundes-SPD auch sehr gelegen kam. Dazu hatte sie Landes- und Bundes-CDU noch gegen sich. Artikel vom Tenor “Das könnte gut sein, was die machen will” oder “wie war es denn unter Koch so” – größtenteils Fehlanzeige. Sie hatte Fraport gegen sich, und die Energielobby hinter Clement. Das kann man schon übermächtigen Gegner nennen, und in diesem Licht hat sie sich wacker geschlagen. Wer war denn überhaupt FÜR sie, möchte ich mal fragen: Die hessische SPD, und die Wähler, sehr knapp. Wenn man nicht mal mehr erwarten kann, das die eigene Bundespartei einen neuen Ministerpräsidenten stellen will, weil sie lieber bescheuerte und drittklassige Macchiavellinummern hinter den Kulissen abzieht, kann man es alles doch auch ganz bleiben lassen, was soll das dann überhaupt noch.
Dass sie nicht für eine raffinierte zynische Machtpolitik steht (obwohl genau das der “machtgeilen” “Tricksilanti” auch vorgeworfen wird), sehe ich eher als etwas besonders honorables an. Man macht es sich so viel schwerer, klar, ein Sieg bedeutet dann aber auch viel mehr. Gäbe es solche Leute nicht ab und zu erfolgreich in der Politik, würde wohl niemand mehr noch an repräsentative Demokratie glauben – siehe USA.
http://www.bildblog.de/3309/politik-mit-gimmick/
Moin moin,
ich kann ja die Satire um Frau Y. verstehen, auch der Kumpel Schäfer gibt was her. Aber Wortbruch bei Wahlversprechen ist Standard, leider. Münte hat das ja bestätigt, messen an Wahlversprechen ist brutalstmöglich unfair. Was mich richtig anmacht und da verstehe ich den deutschen Wahlmichel gar nicht, falls die Hessen den brutalstmöglichen Judenvermächtnisverwalter nochmal wählen, dann sind sie brutalstmöglich blöd!
“… als weiland Holger Börner, der 1982 den GRÜNEN noch eins „mit der Dachlatte in die Fresse hauen“ wollte, …”
Dazu gibt es mindestens zwei Darstellungen:
1.) „Ich bedauere, daß es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins auf die Fresse zu hauen. Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.“ (über militante Demonstranten gegen die Startbahn 18 West in einem Interview im Mai 1982 mit der “Bunten Illustrierten”.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Börner
2.) Legendär wurde Börners Zitat, wonach man Probleme wie die mit den Startbahngegnern „früher auf dem Bau mit der Dachlatte“ gelöst habe. Bei den Grünen brachte ihm dies den Spitznamen „Dachlatten-Börner“ ein. Vor wenigen Monaten relativierte er seine Worte und sprach im „Stern“ von einer „Verdrehung“ von Journalisten. Er habe in Wahrheit gesagt: „Vor 40 Jahren auf dem Bau hätte ich einen Angriff auf meine Person mit der Dachlatte beantwortet.“
http://www.focus.de/politik/deutschland/holger-boerner_aid_112946.html
Dass er jemals gesagt hatte, den GRÜNEN eins „mit der Dachlatte in die Fresse hauen“ zu wollen, lässt sich offenbar nicht belegen. Da Holger Börner hinreichend viele, andere Anlässe für Kritik bietet, könnte man auf die Wiederholung dieses zweifelhaften Gerüchts doch verzichten, oder?
Sry Jens,
ich fand’s auch nicht sonderlich gut…
aber was soll’s? :)
@ spiegelfechter
Du verachtest Ypsilanti aus reinem Herzen für ihren unsagbaren Dilettantismus?
Weil Sie das Projekt rot-rot-grün schwer beschädigt hat?
Sie ganz allein?
Was genau hat sie denn getan, das sie ein so starkes Gefühl wie Verachtung verdient?
Das von Dir ja ebenfalls in der Glosse thematisierte Fehlverhalten von Metzger und Co unter freundlicher Mithilfe der Medien führte doch erst zu diesem “gefühlten” Dilettantismus.
Deine lange Liste der Verfehlungen der Ypsilanti ist ehrlich gesagt ganz schön kurz.
Der erste Fehler war ein Fehler, aber sicher nicht nur auf Ypsilantis Mist gewachsen, sondern
auch auf dem der Bundes-SPD, und verglichen mit dem vielfachen Bruch von Wahlversprechen, bei denen es um politische Inhalte ging, (Mehrwertsteuer, Kohlekraft,
Elbvertiefung) zumindest für mich, verzeihlich.
Aber wen interessieren schon inhaltliche Lügen, wenn man auch auf gebrochenen wahltaktischen Versprechen rumhacken kann.
Die anderen beiden Fehler sind für Dich, genau wie für alle anderen, doch erst im nachhinein als solche zu erkennen. Es hätte ja auch gutgehen können, oder war für Dich vorher klar wie es laufen wird?
Der Versuch, eine Koalition zu bilden, in der man seine politischen Inhalte umsetzen kann, erscheint vielleicht naiv (schlimm genug), “Dilettantismus in Reinkultur” sieht m.E. anders aus.
@Kai Ruhsert
Ich wußte, dass dieser Einwand kommt und Du hast auch recht. Da die GRÜNEN 1982 aber eng mit der Startbahngegnerschaft verbändelt waren, habe ich mir die Freiheit genommen, das Zitat auf sie zu münzen, was – wie Du ja auch schreibst – von den GRÜNEN selbst auch so gemacht wurde. Ich finde das Annektötchen halt zu schön, um es wegzulassen. Mich wundert in diesem Zusammenhang auch, dass die hessische SPD nicht ganz offensiv mit diesem Vergleich an die Öffentlichkeit geht.
@Samuel Brainsample
Die Fehler lagen sicherlich nicht bei den Inhalten, sondern bei der Fahrlässigkeit, mit der man die Umsetzung dieser Inhalte verunmöglicht hat. Das ich mit meinem Pragmatismus polarisiere, ist mit durchaus bewusst. Es ist ja wunderbar, wenn man die richtigen Ideen hat, nur was nutzen die, wenn man sie nicht umsetzen kann?
Der Hinweis, dass die Fehler sich erst im Nachhinein als solche herausstellten, ist m.E. irrelevant, da man einfach davon ausgehen muss, dass die Akteure ihr Handwerk verstehen.
Natürlich nicht! Aber sie ist nun einmal die Projektverantwortliche.
Natürlich – aber da kommen wir unweigerlich zu der Frage, ob die SPD-Linke mit einem solchen Fehlverhalten rechnen mußte. Als Außenstehender ist das unmöglich einzuschätzen. Insider haben allerdings bereits vor Ypsilantis “Wortbruch” genau das prophezeit, was passiert ist. Nach der “Affäre Metzger” hat die Majorität derer, die das Projekt eigentlich befürworten, unablässlich gewarnt, sich ein zweites Mal eine blutige Nase zu holen.
Absolut! Sie hätte diesen “Fehler” auch korrigieren können, wenn sie ihre Partei unter Kontrolle gehabt hätte. Ich habe mich ja bereits weiter oben darüber ausgelassen.
Na klar, das ist “ungerecht”. Darüber habe ich mich ja auch mehrfach ausgelassen. Aber die Welt ist nun einmal “ungerecht” und die Medien ebenfalls. Das weiß man als Politiker aber. Den Sturm hätte sie aber ohne Probleme ausgestanden, hätte sie die Fraktion unter Kontrolle gehabt.
Natürlich nicht – ich bin aber auch kein hessischer SPD-Politiker in leitender Funktion ;-)
Der Vorwurf des Dilettantismus´ hat gar nichts mit den Inhalten zu tun. Ich meine damit machtstrategische Fragen und da fällt mir leider kein anderer Begriff ein.
@ SF:
Du erinnerst dich an meinen Beitrag vor ein paar Wochen wegen des Rettungspaketes in USA? Daß es m.E. nicht auf 700 Milliarden beschränkt ist, respektive diese Summe mitnichten das Gesamtvolumen ausmachen würde, wie in den Medien kolportiert, sondern wohl eher eine Höchstgrenze für die jeweilige Transaktion darstellt? Man hatte damals nämlich mit dem Rettungspaket die erlaubte Höchstgrenze der Gesamtverschuldung wesentlich erhöht. Du wolltest dem ursprünglich damals nachgehen, aber das ist wohl untergegangen. Nun schau mal hier:
http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_321470
Von wegen “Rettungspaket”…
@Fiend
Tja, was soll ich da sagen? ;-)
Du hattest recht und ich unrecht.
“Während andere Befehlen folgten, folgten sie ihrem Gewissen.”
Das Poster hier
http://img3.imagebanana.com/img/xebhzl5j/valkyrieposter4.jpg
wäre so eine geniale Steilvorlage für eine Foto-Montage-Verarsche mit Hessens Jürgen Walter und seiner ebenso hinterfotzigen Meuchel-Clique…möchte jemand erstellen (hab leider kein Programm dafür)? ;)
@Patte
geniale Idee – da setzte ich mich morgen dran ;-)
“Der Vorwurf des Dilettantismus´ hat gar nichts mit den Inhalten zu tun. Ich meine damit machtstrategische Fragen und da fällt mir leider kein anderer Begriff ein.”
Aber Jens, soll Ypsilanti extra zur machtpolitischen Drecksau (buchstäblich) werden, um sich die Abweichler vom Halse zu halten? Was verlangst du da? Koch’sche “Qualitäten”? Das ist doch kein Stil, damit hätte sie sich noch mehr Feinde in ihrer Partei gemacht.
Die Aussage am Jahresanfang, nichts mit der Linken zu machen – DAS war naiv und unbedacht, das ist kritikwürdig, aber nicht was danach kam.
Unmittelbar bevor die-4-Grossen-Gewissenhaften ihre Show “Wir A-Sozialdemokraten sind eine grooosse ehrliche Familie, ehrlich!” abzogen, hat Y. in ihrer Partei 95% Zustimmung für ihre Pläne gekriegt, und zwar nach einer geduldigen (und vielleicht vorbildlichen?) Tournee durch die Gremien.
Nach dem Debakel will ihre Partei sie weiter als Chefin, und ihre Pläne werden auch bestätigt. Statt jetzt zu sagen: dann legen wir doch diese Pläne den Wählern erneut zur Abstimmung vor, mit mir, Y., als derjenigen, die dafür den Kopf hinhält – versteckt sie sich jetzt hinter sonem Strohmänneken namens Lupo Schwuppdi-Gimpel. Und der macht da auch noch mit ! Puppentheater, echt! Kukuuu, ich bins, aber doch nicht so richtig. Habt ihr das auch schön gemerkt, liebe Kinder? Hallo, ich will euch führen… aber nicht so ganz…äähm…nicht unter meinem Namen…äähm…aber sonst… äähm… doch doch…eehhh…ja… schon.
Was soll sich ein möglicher Wähler bei sowas eigentlich denken? Was denkt die eigentlich, was der sich bei sowas denkt. Dass er ernstgenommen wird?
DAS ist mMn dilettantisch – und abgrundtief unpolitisch.
So gesehen, gut dass sie weg ist.
@ 21
Du sprichst mir aus dem Herzen, auch mit Deiner Anmerkung zur Minister-Zickerei Walters (vielleicht kriegt er ja in einem Kabinett Koch als Judaslohn das Wirtschaftsministerium).
Noch eine Anmerkung zum “Dilletantismus” Y.tis: Sie stand permanent unter Medien-Druck/Beschuß. Da passieren viel eher Fehler als z.B. bei Merkel, die von einer permanenten Hofbericht-Erstattung profitiert. Merkel-Fehler werden durch die Medien wegretuchiert.
@17 SF
Die Umstände dieser “Spitzenkandidatur” sind doch nun wirklich dazu angetan, die Ypsilanti-Hasser-Welle erneut aufbranden zu lassen. Madame bietet einen Laufburschen auf, und will nicht mal insofern die Form wahren, als sie einen ihrer Sessel für ihn frei macht. Absolutely disgusting!
@Thomas
Vielleicht sollten wir mal das Freund/Feind-Schema beiseite lassen. Natürlich sind wir uns 100% einige über die Bewertung der Politikinhalte, die Ypsilanti durchsetzen wollte und die Politikinhalte, die Merkel durchsetzt.
Wenn wir nun aber die handwerkliche Arbeit der beiden Damen bewerten, muss man – auch wenn man sie überhaupt nicht ausstehen kann – Merkel leider attestieren, dass sie ein machtpolitischer Profi ist, auch wenn sie idT recht einfach hat, da sie die Medien als Verbündete hat.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass – Medien hin, Bundes-SDP her – die Kernfrage ist, warum Ypsilanti ihre politischen Inhalte nicht umsetzen konnte. Und hier stelle ich die Zusatzfrage, ob sie dafür Verantwortung trägt, in dieser Frage gescheitert zu sein. Ich sage “ja” und habe das ja oben versucht zu begründen, Du (und andere) sagen “nein”. Wir sind uns allerdings vollkommen einig darin, dass Walter und Co. politischer Abschaum sind, die Medien eine ekelhafte Kampagne gegen die SPD-Linke und die LINKE führen und die politischen Inhalte der letzteren “uns” tendenziell zusagen.
Was den Vorwurf angeht, wer sich über Ypsilanti oder TSG lustig macht, ein geistiger Verbündeter von BILD und Co wäre, so kann ich den nur als die klassische Humorlosigkeit politisch Verbissener einordnen.
@Karl-Heinrich
Das hat nichts mit “disgusting” zu tun, sondern ist ein weiter strategischer Fehler, der sich m.E. in der naiven Unterschätzung der Macht des Kampagngenjournalismus erklären lässt.
@SF
Die Frau kann nicht Ziel einer Negativkampagne werden.
P.S. [OT]: Die neuesten Entwicklungen in Washington möchte ich der geschätzten Aufmerksamkeit anempfehlen. Paulson setzt zur zweiten Runde der Verstaatlichung an. Die Entwicklungen bei AIG und Amex waren dafür schon Vorboten. Demnächst ist das G8-Finanzministertreffen zugleich das Verbandstreffen der Finanzindustrie.
@41 SF:
Tja, was soll ich da sagen? ;-)
Du hattest recht und ich unrecht.
Darum gehts mir allerdings nicht wirklich. ;-)
Die Chuzpe dieser Leute ist tatsächlich atemberaubend.
Wenn man bedenkt, daß für die Belange der Bevölkerung angeblich kein Geld da ist, jedoch die Kohle mit vollen Händen für Bonuszahlungen & Dividenden der Finanzwirtschaft rausgehauen wird…
Es wird wohl keine Veränderung ohne die ganz große Not geben, d.h. der Druck des Faktischen muß noch wesentlich größer werden. Erst wenn die Staatskassen restlos geplündert worden sind, wird sich eventuell ein Umdenken einstellen. Da dieser Punkt wahrscheinlich in den G8-Staaten kaum erreicht werden wird… nun denn… ;-)
@42 patte
Dein Wunsch war mir Befehl.
Mangels Zugang zu hochauflösenden Bildmaterial im passenden Farbton ist das Ergebnis zwar nicht perfekt, aber ich denke, es kann sich dennoch sehen lassen ;-)
@33 postgrün:
Ich finde erstmal gut, dass Du konkret wirst.
Ernstzunehmen sind die Gegner schon, übermächtig sind sie meiner Ansicht nach nicht. Und sie sind auf keinen Fall überraschend. Wer Herrn Scheer als Wirtschaftsminister nominiert, muss sich nicht über Gegenwind aus der (Energie-)Wirtschaft wundern und das vorher Frau Ypsilanti von Wogen der Sympathie aus dem rechten SPD Flügel getragen wurde, habe ich auch nicht gehört.
Das Gejammere nach den vergeigten Abstimmungen erinnert mich an den Typus von frisch gebackenem Manager, der sich persönlich herabgesetzt fühlt, weil seine Vorschläge nicht von allen Chefs, Kollegen und Mitarbeitern sofort mit Applaus bedacht und umgesetzt werden.
Ich stimme SF in seiner Kritik an den handwerklichen Fehlern des linken SPD Flügels absolut zu. Mit einer geschickteren Macht-Strategie wäre wenigstens ein Großteil der Politik umsetzbar gewesen, jetzt ist die Chance auf die Umsetzung linker Positionen ungleich geringer. Vielleicht überrascht TSG (Mister X) uns ja alle und wächst aus den Schuhen seiner Mentorin Frau Y schnell heraus. Der SPD Politik in Hessen wünsche ich es. Sonst bleibt nämich nur der bayerische Weg: Eine moralisch hochanständige SPD ohne den Hauch einer Chance, ihre Politik je umzusetzen. Das aber natürlich unangefochten, ehrlich und kompromißlos.
Spiegelfechter:
Ich habe Dir nicht den Vorwurf gemacht, Du seist wg. Y/TSG – Spott ein geistiger Verbündeter von BILD & Co.
Ich glaube, die allermeisten Medien werden alles daran setzen, nicht nur in Hessen eine Regierungsbildung ohne die Schwarz-Gelb zu verhindern (zur Not “Jamaika” mit den Grünen als fünftes Rad am Wagen. Das läßt sich zudem noch als “Modernisierung” der Union verkaufen).
eine andere Sicht dazu
“Andrea Ypsilanti verdient unseren Respekt”
http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=18894
Die Dilettantismusbehauptung, die sich dank der einschlägig interessierten Presse in der Bevölkerung so ungehindert verbreitet hat, hat sich mir vor ca. einem halben Jahr in den Worten eines hessischen Kollegen erschlossen, der selber zwar eher einfach gestrickt war, aber doch recht überzeugt davon, dass “die Ypsilanti nicht einen geraden Satz herausbringen könne und sich nicht klar verständlich machen könne.”
Nun weiß ich gar nicht, ob die Redekunst wirklich eine hessische Erfindung ist, aber ich achtete von da an mal auf das, was “die kleine Andrea” von sich gab, und ich fand das gar nicht mal so schlecht artikuliert. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Leute immer froh sind, wenn sie sich über ihre eigenen Unzulänglichkeiten mit der vermeintlichen Unfähigkeit von anderen hinweg trösten können. Und sein wir doch mal ehrlich, eine Frau ist doch einfach unfähiger als ein Mann, oder etwa nicht? (Ironie aus)
Kürzlich sah ich in den Schlagzeilen, dass die SPD, die mir übrigens als im Ausland wohnender, bekennender Nichtwähler reichlich wurscht ist, durch das “Hessen-Debakel” in ihren Umfragewerten “abgestürzt” sei, wenn man die nochmalige Verschlechterung denn so nennen möchte. Insofern handelt es sich bei den vier Gewissenhaften um Mitglieder, die ihrer Partei gleich doppelt geschadet haben: die Machtergreifung verhindert und das Ansehen der Partei geschädigt. Ein stolzer Preis für den flüchtigen Ruhm, in ein paar Talkshows sein schauspielerisches Talent zum Besten geben zu dürfen.
Unlängst wollten da ja einige Genossen ein hochverdientes Altmitglied der SPD, der eine ganze Reihe von Jahren in der Obersozenliga mitspielte und als Ministerpräsident und Minister nicht nur nicht unbedeutend war, sondern auch mehrere Jahre seine Lebenskraft in den Dienst der Partei gestellt hatte, für einige Bemerkungen und seine Unbeugsamkeit aus der Partei werfen (lassen). Wenn aber ein paar unbedeutende Hinterbänkler ihrem Seelenfrieden zuliebe der Partei mal richtig schaden, dann darf es da natürlich keine Reaktion auf dieser Ebene geben.
Wenn das nicht Dilettantismus im Parteimanagement ist, dann weiß ich echt nicht, was man noch machen kann. In jeder Partei außer bei den Grünen, in jeder Firma, in jedem Verein wären die vier wegen Verrat geteert und gefedert worden. Und was macht die SPD? Geräuschlos abservieren ist jetzt die Devise, alles andere wäre ja wirklich nicht mehr zu glauben.
@54 und @55
Stimme Euch in diesen Punkten voll zu.
Nun ist die mediale Gehirnwäsche auch beim Spiegelfechter angekommen. Als kritisch kann ich diesen Bolg nicht mehr empfinden. Da kann ich mich gleich der Milliardärspresse widmen.
Was ich aber bestimmt nicht machen werde.
Es kann kein Projekt rot-rot-grün geben, solange die LINKE nicht im Westdeutschen Establishment akzeptiert wird.
Die LINKE wird im Westdeutschen Establishment nicht akzeptiert, da diese Partei starke DDR-restaurative Strömungen enthält, die sie nie loswerden wird.
Ein großer Teil der SPD und Grünen-Wähler (zu denen ich potentiell auch gehöre) wünscht einfach keine Koalition mit der LINKEN.
Für meinen Geschmack wird auch zu wenig über die Taktik der LINKEN während der Verhandlungen nachgedacht:
- erstmal aus taktischen Gründen nur an der Macht partizipieren
- keine klaren Forderungen stellen
Die innerparteiliche Streit innerhalb der SPD ist mir wesentlich lieber als diese hundertste Version einer kommunistischen Kader-Partei mit machiavellistischer Cleverness aber ohne praktikables Programm oder auch nur einen ernsthaften innerparteilichen Diskurs.
@Salvo: Meinst Du mit dem “Unbeugsamen” etwa W. Clement, den Ritter der Energiekonzerne? Den Mann hätten sie schon früher rauskanten müssen, und zwar, als er diesen unsäglichen Bericht über “Sozialbetrüger” rausbrachte, in dem drinstand, Parasiten in der Natur hätten – entgegengesetzt zu Sozialbetrügern – keinen freien Willen. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dagegen ist die Tatsache, daß der Mann ganz handfest die Interessen seiner Brötchengeber (nein, nicht des Volkes, sondern der Energiewirtschaft) vertrat, eine Kleinigkeit.
Tut mir leid, aber so jemand ist für mich kein “Unbeugsamer”, sondern – nein, das fiele nicht mehr unter die Meinungsäußerung.
Falls das von Dir Ironie sein sollte, dann nehme ich natürlich alles zurück :-)
An 58 Lemmy Caution:
Ich finde die Argumente gegen die Linke nicht sehr stichhaltig, in dieser Formulierung eigentlich sogar ziemlich falsch. Aber das ist ein anderes Thema. Wichtig ist eher, dass es ohne die Linke mittelfristig keine nicht-rechtsgerichtete Regierung geben kann. Wenn man das nicht will (ist das bei dir der Fall?), ist ein Mindestmaß an Pragmatismus bzgl. der Linken erforderlich. Oder siehst du einen Ausweg, der mir verborgen geblieben ist?
An SF bzgl. Humor:
Lass’ dir bloß nicht einreden, derartige Artikel seien nicht erwünscht. Ich sehe die Fehler Ypsilantis zwar nicht so schwer wie du (auch wenn man die Feinde innerhalb der eigenen Reihen erkennt, stellt sich immer noch die Frage, was man denn zu deren Eindämmung überhaupt unternehmen kann), aber die Vorwürfe der Annäherung an BILD etc. sind mehr als lächerlich. So sehr ich einige Ideen und Standpunkte Scheers schätze, wenn Y die Ministerien nicht umbesetzt hätte, wäre es IMO anders ausgegangen. Das (und IMO nur das) hat Y falsch gemacht und dafür kann man dann auch ein wenig draufhauen.
@59 Roman
sorry, aber ich weiß nicht, worum es hier geht
@58 Lemmy
Wer ist das Establishment? Die Mittelschicht, die Bildungselite oder gar die bekannten Honoratioren aus der Wirtschaft? Bei letzteren wird die LINKE wohl nie akzeptiert werden, bei ersteren schon. Warte mal ein paar Jahre ab.
Wenn man den Meinungsumfragen Glauben schenken darf, ist dem so. Aber wieviele SPD-Wähler hätten bei einer Meinungsumfrage 1984 gesagt, dass sie rot-grün wünschten?
Hätten sie das Gegenteil gemacht, hättest Du schimpft wie ein Rohrspatz, dass sie mit klaren Forderungen die SPD erpressen, vor sich hertreiben oder whatever. Wie wäre es dem Herrn den recht? Aus Scham vor dem medialen Gegenwind sich selbst auflösen?
Das ist mir klar, ist dies doch die Garantie, das Schwarz-Gelb an die Macht kommt.
@SF
über Prognosen läßt sich im Grunde nicht diskutieren.
Unter Establishment versteh ich die Mittelschicht. Ich denke, die Akzeptanz wird in den nächsten Jahren eher abnehmen.
Die Grünen besetzten neue Politikfelder. Die LINKEN kochen aus meiner Sicht alte Ideen auf.
Mir wäre es lieber, wenn sie konkrete Forderungen stellen würden.
In den ersten Jahren der Grünen haben heftige innerliche Debatten stattgefunden. Die Grabesruhe der LINKEN mit dem nebeneinander von Berliner Sparhaushalt-Befürwortern, pragmatischen Ost-Deutschen Bürgermeistern, die auch mit der Wirtschaft können, Chávez-Jublern, hardcore Marxisten, Viel-Versprechern, etc. wirkt auf mich – gerade angesichts der echt nicht gerade demokratischen Geschichte von weiten Teilen der extremen Linken – vorsichtig gesprochen nicht gerade vertrauenserweckend.
Nein, man sollte nicht in den Zynismus verfallen, einer hinterrücks Erschlagenen Naivität oder gar Dilettantismus vorzuwerfen: „Selbst schuld, wenn du solchen Leuten vertraust und ihnen den Rücken zukehrst…“
Gegen Leute, die bis zuletzt Unterstützung vortäuschen, kann sich kein noch so ausgebuffter Politiker schützen, sowenig wie gegen körperliche Angriffe oder Attentate (mit denen er schließlich auch – die Welt ist schlecht – stets zu rechnen hat.)
By the way: Wenn es Ypsilanti allein um die Macht gegangen wäre, wie oft und gern unterstellt („Machtgeilheit“), wäre es ein Leichtes gewesen, Walter zum Wirtschaftsminister zu machen, Frau Evers und Frau Tesch hätten dann schön gekuscht.
Der Dilettantismus von Frau Ypsilanti ging übrigens weit über rein machttaktisches Versagen hinaus. Ein rot-grünes Bündnis in Hessen unter Duldung der LINKEN bei so knapper Mehrheit war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wäre Frau Ypsilanti zur Ministerpräsidentin gewählt worden, hätte es ein erbarmungsloses mediales Trommelfeuer gegen sie gegeben, das unabhängig von den politischen Resultaten ihrer Politik den Eindruck eines totalen politischen Chaos vermittelt hätte. Einer solchen Regierung hätte man kein halbes Jahr geben können. Man wundert sich daher beinah, daß unsere Elite ein solches Experiment nicht zugelassen hat; denn eine Regierung Ypsilanti hätte für eine linke Politik einen horrenden Image-Schaden bedeutet. Daß die SPD-Linke in Hessen und mit ihr Frau Ypsilanti die wahren Machtverhältnisse in der Bundesrepublik so sehr verkennen – das ist ihr wahrer Dilettantismus und gibt leider Anlaß zu tiefstem Pessimimus für die nächsten Jahre.
Im Übrigen: Ihre Satire hat mich köstlich amüsiert; sie beschreibt schon recht treffend den Geist oder besser: Ungeist unserer Mediendemokratie.
“Die LINKEN kochen aus meiner Sicht alte Ideen auf.”
dieser Satz hat es in sich, vor allem angesichts der Geschichte solcher ‘Ideen’ – oder sind es Begriffe? – wie Demokratie, Freiheit, Recht ….
Vielschichtige Analysefacetten und Spekulationen blühen im Spiegelfechter. Was würde da Frau Y und Mister X, gestatten Schäfer-Gümbel, sagen? Und das Wahlvolk, der freundlich unkalkulierbare Hesse an sich? Eine weitere Facette will ich beisteuern:Jeder Polit-Zocker muss auch verlieren können. Sind nun die vier SPD-Abweichler die Helden oder die Huren von Hessen? Wer verkauft hier eigentlich wen oder was?
Die Begriffe Gewissen, Glauben, Grundüberzeugung, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Treue werden noch bis zur Neuwahl am 18. Januar schwer geschunden; jeder Akteur der Stunde ganz inbrünstig, zeitvergessen, in seiner dünnwandigen Egotrip-Blase gefangen. Anfangskapitel einer neue politischen Kultur der schwadronierenden Kaltschnäuzigkeit?
Nur CDU und die Linke schließen sich wechselseitig aus. Ansonsten ist nur klar, dass diesmal ausgeschlossen wird, dass man im politischen Farbenspiel nichts ausschließt. Immerhin! Klar dürfte auch sein, dass der Hesse an sich keine deutsche graue Grummelgriesgram-Politik gebrauchen kann. Er braucht aber auch keinen Rückgriff auf amerikanisches Gestammel vom Schlage “all is nice, beautiful, wonderfull, I like it, I love you with fast food, coke and icecream, enjoy your meal ..” Nein, ein amerikanischer Konformismus der Sprechblasen- und Esskultur braucht in Europa (in Hessen!) niemand. Zurzeit von Amerika lernen, nicht nur von der Lichtgestalt Obama, könnte heißen: mehr Begeisterung in der Politik, Demokratie wagen. Oder wie es die 106-jährige Amerikanerin Ann Nixon Cooper als Geheimnis ihres langen Lebens sagt: “Dont worry, be happy und immer eine dicke Lippe riskieren.” Der Hesse an sich ist dafür empfänglich von Heppenheim über Frankfurt bis Eschwege.
In der Bildungs- und Schulpolitik sollte vor allem eins von allen Parteien besser verstanden werden: 20.000 Lehrerinnen und Lehrer gehen in den nächsten Jahren allein in Hessen in die verdiente Pension. Deshalb brauchen wir endlich eine neue Strategie der Personalgewinnung und der innovativen Lehrerausbildung. Auf den Lehrer kommt es an – ein Loblied auf die pädagogische Vernunft, die das 21. Jahrhundert im Blickfeld hat.
SPD-Zerleger, Schäfer-Gümbel und der freundlich unkalkulierbare Hesse an sich ziehen ihre autonomen Kreise und Hessen ist immer für eine Überraschung gut.
Wenn ich das alles so lese ..
Ehrlich gesagt, ich fand die Glosse gut geschrieben und gewiss lustig, aber die richtige Freude konnte nicht aufkommen. Das ganze hatte zu sehr den Geschmack des Tretens nach denen, die am Boden sind, und das sollte man den Joseph Fischers dieser Welt überlassen. Obendrein fand ich die Analyse schlecht. Hat Ypsilanti wirklich so versagt? War sie so dilettantisch, wie nun ein Chor aus allen Lagern ruft?
Ich neige der Analyse zu, die Georg Fülberth vor kurzem in der Jungen Welt veröffentlichte. Er führt aus, dass die Kandidatur Ypsilantis von der Agenda-SPD-Führung und den dahinter stehenden Interessengruppen mit einem einzigen Ziel zugelassen und der aussichtslose Walter dafür auf den hinteren Platz verbannt wurde: nämlich um den Einzug der Linken in westliche Parlamente zu verhindern bzw. einzudämmen.
Das hätte in Hessen fast geklappt: eine Situation, in der die Linke an der 5%-Hürde scheitert und Ypsilanti zweite Siegerin bleibt, hätte perfekt für Schuldzuweisungen an alle Linkswähler getaugt: “Ihr seid Schuld, dass das Froschmaul dranbleibt” oder so. Ypsilanti hat also versagt, und gleichzeitig war sie zu erfolgreich, um sie zu entsorgen. Ich glaube daher so wenig an einen Zufall bei Dagmar Metzgers im Urlaub erwachten Gewissen. Das war der erste Versuch, Ypsilanti wegzumobben, und da wurde bereits die Strategie (“dilettantisch”, “machtgeil”) vorgegeben.
Hätte es geholfen, wenn Ypsilanti streng nach Macchiavelli oder Sun Zi vorgegangen wäre? Ich wage zu zweifeln. Ok, alle Netzwerker und Seeheimer in einem Schloss versammeln und vergiften wäre ohnehin, so sympathisch die Vorstellung ist, eher unzeitgemäss und mit der Rechtsordnung nicht ganz kompatibel.
Die weichgespülte Variante wäre gewesen, Walter mit seiner Ämtergeilheit einzuwickeln, Formelkompromisse und seidenweiche Worte auf dem Parteitag zu finden und sich dann – hoffentlich – wählen zu lassen. Nachher das Kabinett umbilden bzw. die Konkurrenten aus der Regierung zu ekeln, wie das Schröder mit Lafontaine gemacht hat, wäre dann eher eine einfache Übung gewesen. Allerdings gebe ich Peter Pasche Recht, dass in diesem Fall der gesamte Mob aus Medien, Bertelsmännern und Spin Doctors gleich dreimal so laut “machtgeil” und “dilettantisch” geheult hätte. Und recht bald wären dann Evertz, Walter und Konsorten vor lauter Gewissen zur CDU übergelaufen.
Meiner Meinung nach hat Ypsilanti die Chance genutzt, die sie nie hatte. Ich sehe einfach nicht, was sie viel besser hätte machen können, einzelne Patzer gewiss eingestanden.
Was nun Schäfer-Dingsbums angeht, stimme ich der Kritik an seinem Umfall zu. Er versiebt offenbar selbst die Chance, die er eh nicht hat. Denn ohne Zehnstimmenmehrheit, besser mehr, für Rotgrün-Rot, wird sich immer ein Gewissen finden.
Ich fände es nicht mal falsch, wenn er theoretisch keine Koalition ausschliesst, das Minimum wäre aber, dass er den Abtritt Kochs als absolute Vorbedingung stellte, eine Forderung, die die CDU natürlich lautstark ablehnen muss. Man darf aber raten, warum die CDU bei der Ypsilanti-Wahl, vor der sie Walter und Konsorten bewahrt haben, der Fraktion ein Wahlverbot auferlegen wollte (man könnte das so deuten, dass der “sympathisch unberechenbare Hesse” fraktionsübergreifend zum Heckenschützentum neigt). Gezielt den Verdacht streuen, die CDU werde Kochs Kopf eh für den Machterhalt bieten, könnte diese im Wahlkampf lähmen.
Schäfer-Bla scheint es aber schon geschafft zu haben, Herrmann Scheer zu vergrätzen, der der Hetzkampagne und des parteiinternen Kesseltreibens müde ist. Daher wird wohl, selbst wenn der Wähler nicht nur der regierungsunwilligen SPD, sondern auch des regierungsunfähigen Kochregimes – und im Schatten der Krise der FDP-Sprücheklopferei – müde ist und keine schwarzgelbe Mehrheit entstehen lässt, Steinmeiers Wunschregierung herauskommen, die Juniorpartnerschaft der SPD wie im Bund. Steinmeier, der Vizekanzlerkandidat, und Schäfer-Wienochmal, der Vizeministerpräsident.
Von Hessen ist nichts mehr zu erwarten. Vielleicht bei der übernächsten Wahl. Warten wir auf Thüringen und das Saarland.
@Jens
Zunächst habe ich herzlich lachen können über Deinen satirisch überzeichneten Beitrag. Er tat meiner Seele gut, habe ich doch gerade mein rotes Buch zurückgeschickt, weil ich die Parteirechte nicht mehr ertrage.
Zum unterstellten Dilletantismus von Andrea Ypsilanti: sie hat sicher ein paar Fehler gemacht, aber so schlimm fand auch ich diese wirklich nicht. Dass sie Scheer zum Wirtschaftsminister machen wollte, zeigt doch im Übrigen, wie klar ihre politischen Überzeugungen sind und wie wenig sie Machtpolitikerin ist. Das mag tatsächlich ein Auslöser für ihr Scheitern sein. Und die Parteilinke, lieber Jens, wird nie die Seeheimer und Netzwerker kontrollieren können, dafür sind diese viel zu gut vernetzt und zu machtgeil
Problematisch war eher das Ziel, das eigentlich richtige Ziel, Roland Koch in die Wüste zu schicken, aber ohne eine eigene Mehrheit zu haben.
Die einzige Alternative wäre doch die Strategie gewesen, Koch zum Aufgeben zu zwingen durch Parlamentsbeschlüsse wie zur Abschaffung der Studiengebühren. Aber was sich doch schon abgezeichnet hat, war doch, dass er sich in der Rolle als Landesvater eher stabilisiert. Ab April bereits hatte schwarz-gelb in den Umfragen eine stabile Mehrheit, was bis heute offenbar anhält.
Also war der Versuch, Koch zu kippen und dafür Mehrheiten zu organisieren, im Grunde richtig. Aber Andrea Ypsilanti ist nun mal nicht Ethan Hunt, die Trickkiste war also nicht so reich ausgestattet, dass es reichen konnte. Shit happens. Zur üblen Rolle der fanatischen Vier ist schon viel geschrieben worden, hier und anderswo, ebenso zur Rolle der Parteirechten, sodass ich das hier nicht wiederhole.
Zum Scheitern hat beigetragen, dass die Bundes-SPD nach wenigen zaghaften und kaum überzeugenden Signalen nach links im Sommer wieder auf Seeheimer-Linie gebracht wurde – allerdings die Kommunikation zwischen den Parteizentralen in Berlin und Wiesbaden offenbar gar nicht funktioniert hat und somit Ypsilanti eine große Schar bekennender und versteckter Gegner hatte, beginnend bei Koch und Konsorten über Müntefering und Steinmeier hin zu den hier bereits treffend beschriebenen Renegaten. Das Pressefeuer wäre weniger schlimm und zu ertragen gewesen, wenn Müntefreing gesagt hätte; “Koch muss weg, er hat Hessen vor die Wand gefahren. Wir haben ein gutes und überzeugendes Programm. Und wenn die LINKE uns hier unterstützt, ist das gut, denn wir machen keine Koalition und auch CDU-Landtagsabgeordnete sind in ihrer Gewissensentscheidung frei und können den Weg in eine erfolgreiche Zukunft Hessens unterstützen. Dass die LINKE sich vorstellen kann, das Rot-Grüne Regierungsprogramm zu unterstützen, zeigt ihren Realismus auf Landesebene, auch im Hinblick auf die Bundestagswahlen 2009… blabla…”, aber es kam doch bestenfalls lauwarmes rüber. Steinbrück und Koch können doch auch so gut miteinander, sodass man sich in Berlin gut mit de Situation in Hessen arrangieren konnte und wollte.
Bei TSG ist zu hoffen, dass mehr in ihm steckt, hat er doch aus Berlin jegliche Freiheiten zur Regierungsbildung bekommen, gerade weil ihm keine linke Mehrheit zugetraut wird. Also Müntefering eins auswischen und in Hessen doch noch eine klare linke Mehrheit auf die Beine zu stellen, wäre doch klasse.
Nachtrag:
Die Seeheimer und die Netzwerker lassen sich einbinden, sobald es ein realistische, für sie wahrnehmbare Machtoption geben wird. Wenn die LINKE ihr Stigma loswird und es nicht mehr heiß, “spiel nicht mit den Schmuddelkindern”, sondern die Fleischtöpfe, sprich Ministerposten plötzlich links stehen, dann machen sie gerne mit.
So konnte 1998 Rot-Grün die Mehrheit erreichen, aber Achtung, in einer solchen Situation müssen sie dann bis zu einem gewissen Grade tatsächlich kontrolliert werden, wissend, wie schwierig dies ist.
Dies war der erste ‘Spiegelfechter’-Artikel, bei dem ich mehrmals herzhaft lachen musste. Danke dafür!
offener Text
warum kann ich eigentlich über den Text nicht lachen? Bin ich einfach zu humorlos? So kenne ich mich eigentlich nicht. Was nicht bedeutet, dass das nicht doch der einfache Grund sein könnte. Ich habe darüber nachgedacht und lege in kurzer ungeschlossener Form einige dieser Gedanken dazu dar:
Wenn es ein Lachen ist, ist es ein resigniertes. Es ist ein Lachen der Art, wie es Hermann Broch im ‘Tod des Vergils’ durch seine Hauptfigur hat beobachten lassen: Das Lachen des Pöbels, das sich über die Bilder der Herrschenden lustig macht, die er sich davon machen kann und darf. Es ist ein folgenloses, ohnmächtiges Lachen, das nicht nur alles so beläßt, wie es ist, sondern nicht einmal das Bewußtsein von der Notwendigkeit schafft oder stärkt, es verändern zu wollen oder zu müssen.
Ist es eine Satire? Ja, der Form nach, aber in ihrer Intention? Ich meine nein. Es ist eher comedy der Art, wie sie richtling, diese Karikatur einer Karikatur, dem Pöbel vorwirft, der sich danach sehnt, in der medialen Entfremdung, in der es gehalten wird, sich zumindest austoben zu können. Die Grimasse, die richtling schneidet, läßt den Zuschauer auch zum Täter werden – und dafür ist ihm dieser dankbar. Diese Grimasse verzerrt nicht, um die Wirklichkeit zu kritisieren, sondern um von ihr abzulenken. Mit der Wirklichkeit, ihren Widersprüchen, wird der Zuschauer gar nicht konfrontiert – er soll ja gar nicht auf dumme Gedanken kommen: Er soll Zuschauer bleiben, Täter in der virtuellen Welt, aber nicht Akteuer in der echten werden. Sie verzerrt die Person mit der Intention, die Verzerrung zu verdinglichen, eine Verzerrung um der Verzerrung willen, hinter der das Politische verschwindet. Und da reicht es lediglich zum Lachen des Pöbels bei Broch: in sich resigniert, weil real ohnmächtig, wird er zum Täter am Bild. Aber nein, so schlecht wie die Un-Kunst eines richtlings ist der Text natürlich nicht. Nein, der Text ist gar nicht schlecht, er ist sogar gut – aber eben keine Satire.
Er setzt den medialen Diskurs fort, den er zu kritisieren meint, weil er über die Produkte nicht hinausgeht, die ihm dieser vorgibt. Er beteiligt den Leser, sein Publikum, an der Tat. Denn mehr als dem Zuschauer, dem Leser, die Bühne zur n-Hinrichtung (des Bildes) Y. zu bereiten, tut er nicht.
Und wie lautet nun die Frage an den verehrten Zuschauer: Heute schon mal bei der Hinrichtung Y. gewesen?
offener Text
@SF #20
Du bist zu hart und zu schnell. Das Projekt “Rot-Rot-Grün” ist noch nicht erledigt. Oder besser gesagt, das Projekt “linke” Mehrheit. Nach der Maischberger Runde diese Woche sehe ich das durchaus optimistischer. Eine solche Runde wie vom 11.11.2008 war vor einem halben Jahr nicht denkbar. Schon gar nicht das die “Linken” in dieser Runde hätten ausreden können dürfen.
Es ändert sich etwas (Obama sei Dank, Finanzkrise sei Dank, was auch imer sei Dank???).
Diesen Beginn von Öffnung nach Links ohne Häme sollte man hegen und pflegen. Ihre Wegbereiter und/oder Wegbegleiter (so fehlerhaft sie auch waren/sind/sein werden) gleich wieder in die Tonne zu werfen, wäre das Spiel der Widersacher zu spielen. Dieser Ansatz wie er sich in Deinem #20 ausdrückt ist letztlich immer auch ein Stück Grundlage, warum “linke” Mehrheit es sich selber so schwer machen zu stande zu kommen. Das ist ab Ende durchaus als politisch dumm einzuordnen, auch wenn der emotionale Frust, weil es mal wieder nicht funktioniert hat, verständlich ist.
Hallo Jens,
wunderbar polemisch formuliert. Eine schön zu lesende Zusammenfassung all der Leserbriefe und Kommentare zu dem Thema von ganz normalen Bürgern.
Leider bleibt zum Schluß die Erkenntnis: Wir haben keine Wahl – oder, wie mein Schwiegervater zu sagen pflegte: “Die Futtertröge bleiben immer die Selben, nur die Schweine wechseln.”
Gruß, EO
@aquadraht
Vergiss mal nicht, dass die Hälfte der verbalen Gülle über Walter&Co ausgekippt wird und Frau Ypsilanti genießt bei mir (regelmäßige Leser wissen das) auch keinen “Heiligenschutz”.
Vor ein paar Jahren hat die Nation sich aufgeregt gefragt, ob man über Hitler lachen dürfe, und meine Antwort war, mann darf nicht nur, man muß. Warum sollte man also über Ypsilanti nicht lachen dürfen?
Das halte ich nicht für ausgeschloßen, aber wer veranlasste sie dann zur Aussage, nicht mit der LINKEn zu kooperieren? Soll dies etwa Teil der “Abmachung” gewesen sein? Immerhin kam die Aussage nicht von Walter, sondern von ihr selbst.
Ich glaube auch nicht an einen Zufall – keineswegs. Dennoch ist Ypsilanti hier ein schwerer strategischer Fehler unterlaufen. Sie verlässt sich auf die Beurteilung ist altbekannten Parteifeindes, wenn es um Metzgers Zustimmung geht? Das ist bestenfalls grob fahrlässig, schlimmstenfalls dilettantisch.
Der von mir “analysierte” Dilettantismus kommt aber erst später – wissend, dass ihr Feind mit gezinkten Karten spielt und sie vernichten will, läuft sie sehenden Auges ein zweites Mal ins Messer. Ich finde dafür nur das Wort Dilettantismus. Wenn man ein grob unzuverlässiges intrigantes Arschloch in seinen Reihen hat und das ganz genau weiß, verlässt man sich dann auf ihn?
Um das zu verdeutlichen können wir ja mal weg von der emotionsbeladenen Politik gehen. Wenn Du im Geschäftsleben eine Grundsatzentscheidung treffen mußt, von der das Wohl Deines Unternehmens, Deiner Unternehmensphilosophie und letztendlich auch Deiner Person selbst abhängt und Du Dir vollkommen im Klaren bist, dass es große Risikofaktoren gibt – würdest Du dann eine Entscheidung treffen, in der Du alles (eigentlich ohne Not) aufs Spiel setzt, ohne Dein Risikomanagement vorher zu optimieren?
*g*
OK, dann hätte man es vielleicht lassen sollen und aus der Opposition heraus politische Beschlüsse fällen müssen, die Koch umzusetzen hätte – eine amüsante Vorstellung, die auf Dauer eher Koch als Ypsilanti geschadet hätte.
So ungefähr hätte man es idT machen können.
Möglich
Das sehe ich ganz genau so, nur sehe ich – anders als die meisten Kommentatoren – die Zwangssituation nicht. Hätte sie nach oder besser noch vor dem Metzger-Attentat gesagt, dass eine Zusammenarbeit mit der LINKEn zwar ihrem Gusto entspräche, diese aber leider innerhalb der Partei nicht umzusetzen sei, was wäre dann passiert? Kochs CDU hätte vier Jahre als Minderheitsregierung ohne Chancen auf Mehrheiten in strittigen Feldern vor sich hin dilettieren müssen und die SPD stünde bei den nächsten Wahlen gestärkt da und könnte dann mit einer mutigeren Wahlaussage punkten und die Parteirechte mit einer frühen Ansage herausfordern.
Hätten historische Persönlichkeiten wie Gandhi oder Mandela so unbesonnen nach der Macht gegriffen, womit ich Macht keineswegs negativ meine, sondern als Mandat, etwas zu verändern, hätten sie nur wenig zum positiven verändert und die Geschichte wäre anders verlaufen. Manchmal braucht man Langmut, um politische Umwälzungen zu erreichen. Dieser Langmut hat Ypsilanti gefehlt und der Wille hier und jetzt schnell etwas zu verändern, hat ihr das Genick gebrochen – Dilettantismus hin, Verrat her.
Yep, das sehe ich auch so.
Schaun wir mal – mit dem Thema setze ich mich ausführlich auseinander.
Deine Kritik an Ypsilanti, die Du seit Anfang an klar und deutlich kenntlich machst , teile ich natürlich Jens: Ihr fehlt oder fehlte, vielleicht auch ihrem Umfeld, die klare Freund Feind Kennung und der klare kalte Machtinstinkt: Hätte Sie von Anfang an klar und deutlich gemacht “Koch gehört weg, und das auch mit der Linken”, wäre sie heute Ministerpräsidentin und Koch wäre weg. Ein geschlossen auftretender Landesverband kann einiges verändern, auch gegen Gestalten aus der Bundespolitik, und diese auch treiben, wenn den Protagonisten klar ist, worum es Ihnen geht und sie von Anfang an ihre parteipolitischen Gegner überzeugen, oder kaltstellen kann. Es kann doch wirklich nicht sein, dass Abgeordnete auf den Wahllisten landen, die insgeheim am ganz äusseren rechten Rand ihre eigentliche Heimat sehen.
@SF #75
“Unbesonnen” halte ich für den falschen Begriff, denn es gab ja wohl (als Aussenstehender Hessens) reichlich SPD-Regional-Konferenzen, um hier den Boden zu bereiten. Die Zustimmung von 96% ist und war letztlich Ausdruck ordentlicher Bodenarbeit durch Ypsilanti und ihre Mannen, den ich gehe nicht davon aus, dass alle die diesem Weg ihre Zustimmung gaben, glühende Verfechter von RRG sind.
Möglicherweise muss man das Ganze auch im Nachhinein anders betrachten, setzt man sich die Strategiebrille auf. Immerhin will man die drei Abtrünnigen aus der hessichen SPD ausgrenzen, hat wieder ein Vertreter pro linke Mehrheit im Rennen und die Berliner SPD muss Flagge pro linke Mehrheit zeigen im Wahljahr 2009. Das ist ein strategischer Gewinn auch wenn Hessen erstmal verloren ist/scheint.
@misterL
Es sollte aber hinlänglich bekannt sein, dass man eine “loose cannon on rolling deck” nicht durch eine Abstimmung unter der Mannschaft “entschärft” werden kann ;-)
Sprachlich virtuos, das muss man schon sagen. Das Polittheater scheint dich köstlich zu amüsieren. Aber bist du nicht selbst auf diesem schlingernden Schiff? Ich meine, ist das wirklich noch lustig?
@ aquadraht, #68
Du schuldest mir m.W. immer noch eine Antwort :-P
hannilein
@79 Gebintit
Hmmm … ohne Vorbehalt … ja!!! ;-)
@SF #78
Der Schuss, der vermeintlich nach hinten los ging, könnte aber Kraft seines Rückhaltes dennoch wieder vorne ankommen. Politik bewegt sich halt auf Kreisbahnen. ;-)
@misterL:
Es sind wohl eher zylindrische Spiralen(Helix), keine Kreise. Wobei ich nicht weiß, welches Ereignis eine Windung vorher/tiefer war. Aber eins ist sicher, der Wahnsinn der Politik wächst mit jeder Runde.
@aquadraht
“Von Hessen ist nichts mehr zu erwarten. Vielleicht bei der übernächsten Wahl.”
Nein, die freundlich unkalkulierbaren Hessen sind als Wahlvolk allemal immer für eine Überraschung gut. Jamaika ist drin, wenn die CDU unter 40% bleibt. Die Grünen werden auch mit Roland Koch und der FDP regieren können, wenn der Wähler so entscheiden sollte. “Koch muss weg” erschöpft sich als Parole und wird einem neuen Realismus weichen. “Schäfer-Gümbel steigt empor” wird weniger die Bevölkerung in seinen Bann schlagen. Insgesamt sollte nicht vergessen werden: Die politischen Spielräume sind deutlich geringer als gerne überschwänglich (vor allem in den Medien) suggeriert wird. Wer in Deutschland will denn schon ernsthaft eine radikal ökologische Wende, eine gerechte Gesellschaft und eine Abkehr vom weltweit blinden Konsumismus der Superlative?
@78
Zur “loose cannon on rolling deck” fällt mir eine Anekdote über einen französischen Admiral der Marine ein, der für seine kompromisslose Konsequenz und Härte berühmt-berüchtigt war:
Bei einer Fahrt in stürmischer See riss sich eine Kanone los, rutschte über das Deck und drohte die Rehling und Aufbauten zu zerstören. Der verantwortliche Matrose hatte sie nicht ausreichend befestigt. Auf eine solche Nachlässigkeit stand die Todesstrafe. Diesem Matrosen gelang es nun, trotz größter Gefahr selbst über Bord zu gehen, die Kanone festzumachen. Er rettete dadurch das Schiff.
Nachdem der Sturm vorbei war ließ der Admiral die Mannschaft auf Deck antreten. Feierlich wurde dem Matrosen zu seiner Heldentat gratuliert und ihm ein hoher Orden der Marine verliehen. Anschließend wurde Gericht über sein Vergehen gegen die Dienstvorschriften gehalten und die Strafe, Tod durch Erschießen, an dem frisch dekorierten Matrosen vollstreckt.
Und die Moral aus der Geschicht’: konsequentes Handeln kann sehr grausam sein!
Habe mir mal den Lebenslauf von Schnöder-Krempel, dem Mann ohne aktuelle Termine angesehen. Der ist ja ein Konvertit (Römisch-katholisch getauft, heute evangelisch). Sind Konvertiten nicht grundsätzlich terrorverdächtig?
@hannilein 80: Ich wüsste nicht, welche Antwort. In diesem Thread jedenfalls nicht. Es gibt auch keine Lese- und Antwortpflicht, zumal es ein RL gibt, in dem der Kundenanruf aus London oder Singapur oder das Lernpensum des Tages wichtiger sein mag als die Antwort im SF-Thread. Für Erläuterungen wäre ich aber dankbar.
@ aquadraht, #87
Das war eine Anspielung darauf, daß mir im TP-Forum iirc noch eine Antwort von Dir fehlt(e).
Ist aber auch nicht so schlimm, zumal das “Bürscherl” bereits sein virtuelles Leben wieder ausgehaucht hat… ;-)
Schönen Abend wünscht
hannilein
Nun ist es vollbracht und Hessen kann sich auf Herr MP Koch freuen.
Der Schuss, er ging nicht nur nach hinten los, er spaltete die Verluste fein säuberlich 6.x % nach wirtschaftsliberal (also ?PD-Rechts) und 6.x% nach wirtschaftsgrün (also ?PD-Halblinks).
Allerdings gibt es auch noch einen anderen Nebeneffekt.
Die politische Lebenszeit ist (erstmal) beendet. Ob es ein Comeback geben kann liegt an der zukünftigen Ausrichtung der ?PD. Sie muss jene Mitte in der Gesellschaft finden, die (noch) nicht bereit ist entweder zur FDP oder zu den GRÜNEN zu flüchten, sondern lieber jegliche Wahlen meidet statt mit der Faust in der Tasche doch die ?PD zu wählen. Aber Obacht – nicht die Verpellen, die den Linken ihre Stimme nicht geben. Denn auch das ist eine Aussage von Hessen für die alte Rebulik. Die Linken profitieren nur begrenzt von der Profillosigkeit der ?PD.
Die ?PD muss endlich wieder ganz stinknormale Arbeitnehmerinteressen vertreten. Also dafür sorgen, dass vom grossen Kuchen auch ein paar Rosinen für “die da unten” im Mittelbau abfallen. Ob das begriffen wird?