Wird die CDU zur Opel-Gang?
18. November 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Deutschland hat wieder seine Lust am „Retten“ entdeckt. Sowohl die Regentin höchstpersönlich, als auch ihr Herausforderer im Außenministerium haben erkannt, wie sie beim Wähler punkten können. Der Erhalt von Arbeitsplätzen ist ein politisches Mantra und die Automobilindustrie ist nicht nur die wichtigste Branche in Deutschland, sondern auch der Politik liebstes Kind. Das „Retten“ eines Automobilherstellers ist somit die Paradedisziplin eines Politikers, der sich lieb Kind machen will. Während Berlin sich gegenseitig in wohlfeilen Absichtserklärungen suhlt, hat der hessische Übergangsregierungschef Koch bereits durch eine brutalstmögliche Kehrtwende sein Herz für die hessische Automobilindustrie demonstriert. Der Mann, der noch vor fünf Jahren im „Koch-Steinbrück-Papier“ Subventionen für die Wirtschaft verteufelte, brachte nun ein Gesetz ein, dass es ihm erlaubt, der Adam Opel GmbH bis zu 500 Mio. Euro Bürgschaften auszustellen.
Die wirtschaftlich Lage von Opel ist ernst – vor allem der Mutterkonzern General Motors steht vor riesigen wirtschaftlichen Problemen. Der Absatz des Gesamtkonzerns lag im Oktober 45% unter dem Vergleichswert des Vorjahresmonats. Jeden Monat verliert GM 2 Mrd. US$. Noch hat man in Detroit verfügbare Geldmittel in Höhe von 16 Mrd. US$, allerdings benötigt man auch rund 11 Mrd. US$ Cashflow-Reserve, um beispielsweise die Zulieferer zu bezahlen. Die Deutsche Bank senkte jüngst ihre Erwartungen für den Aktienkurs von GM auf Null – man geht in Frankfurt also davon aus, dass GM faktisch nichts mehr wert ist.
GM ist vor allem durch Fehlentscheidungen des Managements der amerikanischen Sparte in Schieflage geraten, aber auch die deutsche Tochter Adam Opel GmbH hatte schwere Zeiten in den 1980ern und 1990ern, in denen die damals noch solvente Konzernmutter aus Detroit tief in die Tasche griff. Wenn der hessische FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn GM als „miese Heuschrecke“ bezeichnet, so ist dies Populismus in Reinkultur. Opel gehört seit 1931 komplett dem amerikanischen GM-Konzern und hat vor allem in Krisenzeiten massiv von der großen Mutter profitiert – nun ist die Mutter selbst in einer schweren Krise und die leidlich gesundete Tochter aus Deutschland schaut mit Bangen in eine ungewisse Zukunft.
Als jahrzehntelanger Bestandteil des Gesamtkonzerns ist eine Trennung zwischen Opel und GM nicht so einfach möglich. 6.000 gut bezahlte Ingenieure werkeln im Internationalen Technikzentrum ITZ in Rüsselsheim für den Gesamtkonzern. Die gemeinsamen Plattformen werden von allen GM-Marken genutzt und über den genauen Verbleib der Patente, die in deutschen Landen von einer amerikanischen Firma entwickelt wurden, kann nur spekuliert werden. Die Fahrzeuge, die in Deutschland unter der Marke Opel verkauft werden, werden weltweit produziert und unter verschiedenen Namen verkauft – in Großbritannien heißen sie beispielsweise „Vauxhall“, in den USA „Saturn“, in Australien „Holden“ und in Südamerika werden sie als „Chevrolet“ vertrieben. Vor allem die enge Kooperation im GM-Konzern macht eine Trennung von Opel und GM sehr schwer – es werden gemeinsam Teile entwickelt, produziert und die Vertriebs-, Logistik- und Einkaufsketten sind ebenfalls im Gesamtkonzern integriert. Opel braucht GM, aber GM braucht vor allen Dingen auch Opel im F&E Bereich. Das zukunftsweisende Elektroauto Chevrolet Volt wird beispielsweise maßgeblich in Rüsselsheim entwickelt. Opel wäre zwar am liebsten unabhängig, darf es aber nach dem Willen der Mutter nicht sein.
In einer ähnlichen Zwickmühle wie die Adam Opel GmbH steckt auch die Politik, wenn sie der deutschen GM-Tochter helfen, aber auf jeden Fall verhindern will, dass die Steuerzahlermilliarden in die Konkursmasse der US-Mutter gehen. Wenn Merkel großspurig verkündet, es müsse klar sein, dass diese Gelder in Deutschland bleiben, so ist sie dabei ähnlich überzeugend wie eine Großmutter, die ihrem Enkel 10 Euro zusteckt, aber darauf besteht, dass dieser das Geld nicht für Schnaps und Zigaretten ausgibt. Wenn Hessen oder der Bund der Adam Opel GmbH Bürgschaften geben, so lässt sich dies nicht direkt von den Finanzen des GM-Konzerns trennen. GM könnte im Bedarfsfall dann halt andere Gelder aus Europa abziehen oder müsste für Bürgschaften der deutschen Tochter in diesem Falle eben nicht gerade stehen. Dem deutschen Zulieferer ist es herzlich egal, ob sein Geld aus Detroit oder Berlin kommt – Hauptsache, es kommt. Wenn in Detroit die Lichter ausgehen, ist die Adam Opel GmbH Bestandteil der Konkursmasse und sämtliche Staatssubventionen zählen dazu, sofern diese nicht mit einem Insolvenzvorrecht verbunden sind, was allerdings schwer zu bewerkstelligen wäre.
Konsequenter als Merkels Milchmädchenökonomie erscheint da schon der Vorschlag des Ökonomen Bofinger, der Opel im Zweifelsfall übergangsweise verstaatlichen würde, um den Konzern nach der Konsolidierung wieder zu privatisieren. Aber auch dieser Vorschlag geht nicht auf die Verflechtungen des GM-Konzerns ein – ist eine deutsche Adam Opel GmbH ohne Patente, ohne gemeinsam genutzte Strukturen mit dem GM-Konzern, überhaupt lebensfähig? Wäre eine europäische GM überlebensfähig? Und wer soll für eine europäische Auffanglösung die Gelder stellen? Deutschland, Großbritannien, Schweden, Polen, Belgien – oder alle zusammen, im Zweifel gar die EU? Da die amerikanische GM aber ohne die europäische Entwicklungsabteilung nicht überlebensfähig ist, käme Bofingers Gedankenspiel nur dann zum Tragen, wenn in Detroit wirklich die Lichter ausgehen würden. Der designierte Präsident Obama hat aber bereits angekündigt, dass der größte amerikanische Automobilhersteller „too big to fail“ ist und staatliche Hilfen bekommen wird. Die Bereitschaft aus Detroit, die europäischen Töchter, von denen das Leben der Mutter abhängt, zu verkaufen, wird daher nicht eben groß sein.
Die Politik könnte sich deshalb pragmatisch geben – da die europäischen GM-Töchter für die amerikanische Mutter zu wichtig sind, hängt ihr Überleben von Obamas Zahlungsbereitschaft ab. Solange aus Washington kein klares Signal kommt, GM fallen zu lassen, sollte man daher in Berlin und Wiesbaden die Füße still halten. Amerikanische Steuergelder werden wohl oder übel auch deutsche Arbeitsplätze sichern. Jeder Euro, der aus dem deutschen Steuersäckel in den GM-Sumpf fließt, wird in Washington mit Freude aufgenommen werden. Wenn man GM retten will, so wird dies am ehesten gemeinsam möglich sein – USA und EU Hand in Hand. Aber wer kassiert die medialen Lorbeeren für eine solche bürokratische Hilfsaktion? Nicht Frau Merkel und nicht Herr Koch, daher werden wohl bis Weihnachten größere Summen deutscher Steuergelder verbrannt werden – schreiben wir sie als Wahlkampfspende für die CDU ab.
Jens Berger
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Kleine Korrektur am Rande: Obama ist nicht Präsident in spe. Er ist mehr, nämlich: designiert. Oder so.
@ajku
Das hast Du streng genommen recht - ich ändere das ;-)
Man ist dann auch weniger geneigt, allzuviel Hoffnung auf ihn zu setzen ;)
“Opel-Gäng” heißt doch ‘n Lied bei den Hosen! Hosen-Fan, Spiegelfechter? ;-)
@dat krokodil
Als gebürtigem Düsseldorfer liegt einem das im Blut ;-)
unser hessischer Schwarzgeldverwalter steckt ja auch mitten im Wahlkampf ;)
wenn die allerdings Opel helfen, dann kommen die anderen auch alle…. alles verstaatlichen?
weissgarni...
Jeden Privatmenschen und kleinen Selbstständigen läßt man einfach Konkurs gehen…wenn ich mir den Beitrag von Weissgarnix durchlese, frage ich mich, was Opel von denen unterscheidet.
An der aktuellen Krise liegts auf jeden fall nicht
@SaTYr
Ob es so sinnvoll ist, die Bilanz eines einzelnen Konzernteils zu betrachten, mag ich mal bezweifeln ;-)
Ich glaube auch, man muss das vor dem Hintergrund sehen, dass Obama angekündigt hat, die US-Auto-Industrie staatlich retten zu wollen. Das war das Startsignal für diese “Rettungshelden”: Es bringt sie ganz pragmatisch in Zugzwang (US-Hersteller hätten sonst ungerechte Vorteilegegenüber Europäern, deutsche Politiker stünden sonst als kaltherzige Marktfetischisten da). Ich sag doch, Obamas Sieg ändert alles :). Laut ARD-Umfrage im Netz waren ja ca. 80% gegen eine Rettung, soviele Stimmen scheint das nicht zu bringen. Vielleicht haben sie sich da auch “verpokert”. Was ist eigentlich mit diesem Elektroauto “Volt”, das geht doch schon in die richtige Richtung. Bitte keine Benzinfresser auf dem technischen Stand “vor 7 Jahren” retten. Und wenn man einfach die betroffenen Menschen rettet, und ihnen die Möglichkeit gibt, etwas neues aufzubauen? Hingen die Arbeitsplätze nicht daran, müsste es doch niemanden jucken ob es nun einen Vauxhall, Opel etc. auf dem Markt gibt oder nicht.
Zum Datum “bis Weihnachten” muss man wohl weiter kein Wort verlieren, die Assoziationen sind klar.
Naja, ich frag mich halt nur, was Opel von anderen unterscheidet, abgesehen von der Größe. Und außer den 26.000 Opelanern wird das der koalition auch keine Wählerstimmen einbringen. Ich arbeite selbst in einem mittelständischen Industrieunternehmen und hab noch mit keinem einzigen Kollegen gesprochen, der das nicht für eine ungeheure Ungerechtigkeit hält.
Und was ist die alternative zu “Opel retten”? Sich zurücklehnen und hoffen, dass die amerikaner GM retten?
Ich denke zumindest, dass ein Konkurs von Opel ebenso verheerende psychologische Folgen hätte, wie in den USA der Konkurs eines der Big Three.
Insofern ist es wahrscheinlich deutlich teurer, Opel nicht zu retten als zu Opel zu retten.
mfg
Yoshi
GM oder Opel?
Mutter oder Tochter?
Orginal oder Fälschung?
Vieleicht ist es gut nicht alles nach Reuters, Dpa, Ap, +ijj zu sehen ;-)
Aber es ist doch sehr erstaunlich um welche Ölfrüchte geht es in diesem Fall?
spiegel.de...
spiegel.de...
Ein Schelm wer böses dabei Denkt!
War es nicht Bush der Öl gegen Lebensmittel tauschen “HANDELN” wollte.
Na sowas aber auch, und wieder sind wir machtlos.
can you eat Goldcard? ;-) Off Topic tzz tzz
Jens sorry für das Quiz!
@postgrün
Und genau anders herum macht das m.E. Sinn - ohne Obamas geäußerten Willen, GM zu retten, wäre Opel idT schwer gefährdet. So kann man in Rüsselsheim gelassen sein und in Berlin sollte man erst recht ruhig bleiben. Das Gegenteil ist der Fall und warum das so ist, wissen wir alle ;-)
Das ist klar ;-)
@11 Yoshi
Zuerst ja - wenn die Amis GM fallen lassen sollten (was nicht passiert), kann man sich immer noch Gedanken machen, die dann auch auf konkreteren Füßen stünden.
Das vermute ich allerdings auch - aber wenn man Opel “retten” will, muss man auch konkrete Pläne haben und nicht einfach mal so Geld rüberschieben.
mfg
Bei Daimler hatt es auch geklappt und Dr. Tetsche wagte den Spagat zwischen
Detroit Chrysler und Mercedes in Stuttgart, dies beflügelte sogar die Börse.
Vieleicht schaut sich doch einer mal den vorherigen presseartikel Artikel an!
Das hätte sich der alte Adam nicht Träumen lassen, das Konzernstrukturen
so ein imperialistisches geflecht ergeben.
Tz, tzz
Mfg Bunny
@SF
Das grundsätzliche Problem bei “Rettung” von Autokonzernen hast Du nicht angesprochen: Die Umsätze brechen weniger ein, weil es eine “Kaufzurückhaltung wegen der Umweltfreundlichkeit” und ähnlichem Schwachsinn gibt, denn dann wären z.B. die Japaner und Franzosen deutlich weniger betroffen - nein, es ist schlicht und ergreifend das Problem, dass durch die jahrzehntelange Reduzierung der Realnettolöhne die meisten Leute einfach nicht mehr in der Lage sind, sich einen neuen Wagen zu kaufen. Selbst auf Pump nicht mehr, was in den USA stärker als in Deutschland praktiziert wurde.
Die “Rettung” bewirkt also durch folgenden Lastenausgleich durch den Steuerzahler, dass genau die, die sowieso immer weniger haben, Produktionsgüter auf Halden produzieren. Das ist übrigens die grundsätzliche Konsequenz des Kapitalismus, weshalb es systemimmanent eine zyklische Produkt, Produktionsstätten und Menschenmaterialvernichtung geben muss.
Es ist politstrategisch dumm von Merkel, zu verkünden, der deutsche Steuerzahler würde für Opel geradestehen. Die Amis werden sich über jeden Euro freuen, den sie nicht selber aufbringen müssen bzw. den sie über Opel ins Ami-Land ziehen können, wie immer man das auch bilanziell regelt.
Wieso palavern Merkel und Koch jetzt schon von der Rettung Opels? Es ist noch zu früh. Je mehr die jetzt rumdröhnen, desto teurer wird es für den deutschen Steuerzahler. Die könnten ja wenigstens im Stillen arbeiten, ohne dass die Öffentlichkeit und bitte auch die Amis möglichst wenig merken. Aber bitte doch nicht so. Die Amis werden die Rettung von GM/Opel keineswegs unter dem Grundsatz transatlantischer Fairness (jeder trägt seinen Teil bei) durchziehen, das entspricht weder deren Mentalität noch deren Möglichkeiten (vollkommen überschuldet). Die Amis besitzen die Patente und werden das auch gnadenlos einsetzen. Europa wird sich dumm und dämlich zahlen.
Merkel und Koch benutzen das als Wahlkampfwerbung.
Herrgott, sind denn die Wähler wirklich so blöde, auf sowas reinzufallen oder glauben nur die Politiker, dass die Wähler so blöde sind?
Hoffentlich werden Merkel, Koch, CDU und SPD bei den nächsten Wahlen kräftig abgestraft.
Noch hinzufügen wollte ich, dass ich das Verhalten unserer Politiker durchaus auch für transatlantische Arschkriecherei halte, ich frage mich nur, wie hamm die Amis es hingekriegt, dass unsere polit. Repräsentanten derartig unterwürfig agieren?
Außerdem möchte ich mal den Sinn der Rettungsmaßnahmen hinterfragen, wie auch schon #16. hinterfragte.
Sinkende Löhne und die vermutlich zu erwartenden Lohnkürzungen/-zurückhaltungen dank der Finanzkrise lassen die Nachfrage sinken. Also können Autohersteller nur reagieren, indem sie weniger und billiger produzieren und das heißt auch immer Entlassung von Arbeitskräften.
Ist geradezu zynisch: Wird das, was gerettet wird, überhaupt gebraucht? Wird GM nach der Rettung wieder Autos verkaufen können und wieviele?
Von Sanierungsmaßnahmen und strategischen Kurswechseln habe ich bisher aber nix gehört bei im Zuge der Finanzkrise gefährdeten Firmen.
Zudem werden politische Rettungsmaßnahmen von Großkonzernen ziemlich schnell auch vom einfachsten Volke durchschaut, wenn dann die im Zuge der Neuordnung die Entlassungswelle einsetzt.
Wieso durchschauen Politiker das nicht?
Oder hoffen Merkel und Koch und CDU, dass die Entlassungswelle dann erst nach den Wahlen einsetzt?
Sehr sachliche Darstellung, ganz ohne dummen Anti-Amerikanismus, den viele andere Autoren zu diesem Thema durchblicken lassen. Klasse!
@Schwitzig
Das ist grundsätzlich natürlich richtig - ich wollte den Artikel aber schlank halten und nicht den makroökonomischen Rahmen ausführen. Zumal meine regelmäßigen Leser meine Position zu diesem ja kennen.
@13 SF
Sehr witzig fand ich diesen Opelmanager, der vor der Presse betonte, Opel sei jetzt aber nicht in akuten Schwierigkeiten, es ginge nur darum, eine Bürgschaft zu haben, falls welche auftreten. Die verwunderten Journalisten fragten ihn dann wohl, “warum dann die ganze Aufregung”, und er so, “naja, die Politiker wollten das jetzt unbedingt machen” (sinngemäß).
@12 BunnyBeam
Ich weiß nicht so recht, auf was Du hinaus willst. Als GM Opel 1929 bzw. 1931 übernommen hatte, war dies für Opel die Rettung vor dem Kollaps, der durch die Weltwirtschaftskrise bedingt wäre. Damals war GM der “weiße Ritter” und ließ Opel weitestgehend freie Hand - auch während des Nationalsozialismus, was sich bis 41 auch in barer Münze auszahlte. In der Nachkriegszeit war Opel ebenfalls weitestgehend unabhängig, bis Opel selbst den Konzern in den frühen 1980ern in die Krise führte. Das Konzernmanagement aus Detroit war später aber auch nicht eben hilfreich. Opel ist aber ganz sicher kein “Opfer” von GM.
@Sf
Kannst Du mir einen Link nennen der Beweißt das Opel schon vor der NS Zeit
schon zu GM gehöhrte.
Dann bedauere ich zutiefst meine unwissenheit!
MFG Beam
@BunnyBeam
Wie wäre es mit der Wikipedia?
“Der Erhalt von Arbeitsplätzen ist ein politisches Mantra und die Automobilindustrie ist nicht nur die wichtigste Branche in Deutschland, sondern auch der Politik liebstes Kind.”
Statt Mantra würde hier auch politischer Manta passen ;)
@SF
Die “Krise” war wohl eher “der große Sanierer” - ein typischer “Topmanager”-Vertreter namens Lopez, der im übrigen nicht nur Opel beinahe saniert hätte (sanieren ist wie reformieren ein verbranntes Wort, das die gegenteilige der ursprünglichen Bedeutung hat), sondern auch die Zulieferer teilweise erfolgreich saniert hat. Das Resultat waren nie gekannte Qualitätsproblem und die Erkenntnis, dass von nichts nichts kommt. Ein paar Quartale waren die Zahlen allerdings eines “Topmanagers” würdig.
@14 SF
Natürlich werden die Amerikaner GM retten, und wahrscheinlich auch Opel. Aber wenn man jetzt den Amerikanern hilft, müßte der nächste Präsident seine “global Cooperation” Rhetorik ernst nehmen.
mfg
@Schwitzig
Nö, Opel hat schon vor Lopez rote Zahlen geschrieben - das Hauptproblem war schon damals eine verfehlte Modellpolitik.
@Yoshi
“Den Amerikanern helfen” ist aber momentan sehr unpopulär und politisch kaum opportun.
Jens, du hast doch nicht etwa dein Herz für Politische Ökonomie entdeckt? Oder ist das eine Ausweichreaktion, weil du das Showering der versammelten Endzeitpropheten nicht mehr aushältst ;-)
Wir sollten dann aber so konsequent sein, auf den Populismus des Kandidaten Steinmeier zu verweisen. Wie ja überhaupt bei Protektionismus und Subventionismus Sozialdemokraten und Democrats immer vorne weg sind.
Dass Opel so ein gesunder Konzernbestandteil sei, dass bezweifeln ja mittlerweile viele. Die taz zum Beispiel mit Verweis auf die Neuzulassungszahlen: Beim gegenwärtigen Branchen-Rückgang sieht Opel besonders schlecht aus. Schon deshalb sollte man in Berlin vorsichtig mit Rettungszusagen sein.
Die Rettungspakete im Finanzsektor werden jetzt allenthalben als Vorbild bemüht. Man hat den Leuten nicht hinreichend erklärt, dass diese Maßnahmen mit den Arbeitsplätzen der Branche wenig zu tun hatten, sondern mit dem allgemeinen Gut, den der Kreditmarkt darstellt.
OK 44% Unternehmensanteil als die Wirtschaft hier florierte wurde ein
Dekret vom Herzog von Hessen (also doch imperialismus) nicht vom Adam
erlassen das die Söhne fortan geadelt wurden.
Aber seine Nähmaschinen konnte er fortan vergessen.
Das Amis auf Geschwindigkeit stehen und davon berauscht sind ist klar,
dies war aber nicht das Konzept mitdem Friedrich v. Opel trumpfte sondern
der Unternehmenanteil seines Vaters das er mit den Arbeitsplätzen riskierte
in die Rezesion mithineigezogen zu werden.
Adam hätte sich nie zugelassen das das Unternehmen an Imperialistische
Grenzen stößt, Zittiere: Deine Stinkekarren darfst du selber Fahren.
Adam hätte nie einen Hummer oder Kapitän gebaut.
Er wollte das Volksauto und setzte auf Inovation und nicht auf Einzelteilverkauf
von Industriesparten wie seine Söhne die darauf gesetzt hatten
Um in 80 Jahren wieder die gleichen Fehler zu machen.
GM war und ist ein allesfresser Ford, Fiat, “Chrysler”, “VW”, ihn war keine Rationalisierung
zu schade reine Profitgier des Kapitals Volkintressen waren zweitrangig.
Unter President Hover wurde zu Sklavenlöhne und Überstunden auf Halde Produziert.
und 40% sind nunmal keine mehrheit, daher ist Opel auch seit 2005 GmbH und nix
weiter was Treuhänder zu intressieren hätte.
aber kleinlaut gib ich Dir recht Jens!
@Karl-Heinrich
*g*
Och, da nehmen sie und die Konservativen sich aber gar nichts - und wenn selbst die FDP schon von “miesen Heuschrecken” spricht, wenn sie das Weltunternehmen GM beschreiben, ist der Populismus in der Politik wohl nicht mehr zu stoppen.
Da sind sich die Experten idT uneinig - viele geben Opel aber eine theoretische Chance, wobei man (siehe Text) hier sehr vorsichtig sein muß, da eine Loslösung aus dem Konzern nicht so einfach ist. Ich sehe das alles skeptisch.
Sehr richtig - die Probleme sind keinesfalls vergleichbar und man muß schon die Hilfen gegen die möglichen sozioökonomischen Folgen eines Konkurses gegenrechnen. Fest steht für mich, dass jedwede Hilfe nur Sinn macht, wenn realistische Aussicht auf bessere Entwicklungen bestehen - und da sehe ich idT schwarz.
Ich frag mich nur wie lang dieser Übergang dauern soll. Es ist ja nicht so das am 35. Mai alles wieder easy läuft und die Privatinvestoren dann wieder alles kaufen was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Also wäre es entweder eine langfristige Verstaatlichung oder eine Bremskauf (wie immer ihr VWL das nennt), zum Ziel der Arbeitsplatzrettung, mit gewissen Verlusten.
Aber wie hoch wären das in Summe pro geretteten Arbeitsplatzjahr? Ist ja nicht wie bei, dem derzeit viel zitierten Holzmannfall, das die Wirtschaftsumgebung eine Rettung auch mitzieht.
Das klingt jetzt BWLerisch, aber als Zwangsanteilseigener der BRD AG (aka Steuerzahler, Eurobenutzer) würde mich schon interessieren wie teuer das werden kann.
“Die wirtschaftlich Lage von Opel ist ernst – vor allem der Mutterkonzern General Motors steht vor riesigen wirtschaftlichen Problemen. Der Absatzrückgang des Gesamtkonzerns lag im Oktober 45% unter dem Vergleichswert des Vorjahresmonats.”
Das passt so nicht ganz zusammen. Wenn der AbsatzRUECKGANG um 45% *abgenommen* hat, stabilisiert sich doch die Lage. Schlimmer waere gewesen, wenn der Absatz selbst so zusammengebrochen waere. Oder sehe ich was falsch?
@33
gemeint ist wohl, dass 45% weniger Fahrzeuge als im Vorjahr verkauft worden sind. Interessant wäre dabei, ob das Vorjahr vielleicht einen Rekordabsatz hatte, denn das würde die Zahl 45% ja wieder relativieren.
@SF
OK - so richtig angefangen hat der Niedergang wohl mit Hughes, allerdings wollte Lopez den Konzern “neu aufstellen” und hat die Talfahrt rasant verstärkt. Darüber hinaus gab es doch damals auch noch die Diskussion, dass Lopez von VW Entwicklungen geklaut hatte, wenn ich mich recht entsinne?
Was ich auch nicht verstehe:
Wenn ich als Steuerzahler ständig irgendwelche Banken und jetzt auch noch Autokonzerne aus dem In- und Ausland “retten” darf - warum darf ich die dann nicht besitzen? In anderen Ländern wie den USA und GB - immerhin die Horts der Hardcorekapitalisten - geht das doch auch; nur in Deutschland darf ich bezahlen und bekomme nichts dafür ausser der Merkelschen Versicherung “die Arrrrbeitsplätze”. Welche dann bei jeder Gelegenheit abgebaut werden. Das ist ja noch nicht mal mehr ein Nullsummenspiel und ich frage mich, ob es nicht juristisch belangbar ist, dass Steuergelder derart umverteilt werden. Ich glaube nicht daran, dass die Wahl 2009 eine Änderung dieser Politik bewirken kann, da ich befürchte, dass bis dahin wieder einige Propagandasäue durch’s Dorf getrieben werden und der Michel angesichts der mittlerweile schon fast McCarthy-artig skizzierten “Roten Gefahr” mal wieder die “Volksparteien” wählen wird. Ungeachtet dessen gibt es in diesem Land sicherlich auch einige Juristen, denen diese Enteignung gegen den Strich geht. Gibt es da vielleicht schon Petitionen oder sogar Sammelklagen wie z.B. gegen die VDS, wo man sich beteiligen könnte?
ich meine, solche Meldung , zeigt deutlich die Ursachlichkeit der Absatzkrise bzw “Überproduktionskrise”, wie man so will
“Nur der rumänische Billiganbieter Dacia und die Luxusmarken Jaguar und Audi trotzen der Absatzkrise auf Europas Neuwagenmarkt.”
handelsbla...
das spiegelt wohl die zunehmende Schere in der Einkommensentwicklung wieder
zur Frage, was denn Obama zu ‘retten’ hat oder nicht sowie zur zynischen Spitze gegen so genannte ‘Untergangspropheten’ (die Chupze, mit der sich die Theologen der herrschenden Ökonomie gegen jede Art von Kritik selbst angesichts solcher Krisen zu immunisieren versuchen, finde ich schon erstaunlich) siehe diesen Artikel im newsweek
“The new president may think his only task is to rescue the economy. But like FDR, he may have to save capitalism itself.”
newsweek.c...
übrigens, es könnte sein, dass Obama gar nicht mehr die Gelegenheit bekommen wird, GM und andere US automakers retten zu können
ipezone.bl...
Würde denn das Hineinpumpen von Geld in den Opel Konzern
die Nachfrage nach den Produkten steigern?
Ich denke nicht. Somit wäre längerfristig kein einziger Arbeitsplatz gesichert.
Autos kaufen eben keine Autos.
@salvo #36
Ich könnte mir gut vorstellen, dass unsere Bundesregierung sehr bewußt den Dezember gewählt, um möglicherweise Hilfe zu gewähren, weil möglicherweise bis dahin die USA ihrerseits doch ihre carmaker gerettet haben und damit indirekt auch OPEL. Also man in Berlin die Hände in den Schoss legen kann, weil man sich mit seinen Freunden auf der anderen Teichseite verständigt hat oder wie das Formeldeutsch dann klingen wird.
Ansonsten ist am 18 Januar in Hessen Wahl. Wer will dagegen stimmen OPEL nicht retten zu wollen, selbst dann, wenn man es weder praktisch noch juristisch kann, solange OPEL zu GM gehört?
@misterL
nach einigen US-Quellen, die ich heute gelesen habe, ist es durchaus nicht sicher, dass die US-Regierung tatsächlich die US-Autoindustrie, GM, Ford, Chrysler ‘retten’ will und wird. Nach der ersten Quelle, die ich oben verlinkt habe, könnte die Lage gerade von GM so desaströs sein, dass das Unternehmen noch vor dem Amtsantritts Obamas kollabiert.
Nach diesem Artikel in der NewYorkTimes gibt es in der politischen Klasse (Senat, Kongerß, Regierung) große Vorbehalte dagegen, aus dem für das bailout der Finanzindustrie vorgesehenen Mitteln etwas für die Autoindustrie abzuzweigen. Man muss wohl sehen, dass diese im Vergleich zu Wall Street weit weniger Lobbyisten in der politischen Klasse hat, die für ihre Interessen Druck machen würden. Ganz im Gegenteil opponieren Wall Street Lobbyisten wie Paulson gegen eine Beteiligung anderer Wirtschaftssektorem an bailout-Mitteln.
nytimes.co...
“So Detroit’s lobbying presence and representation of former industrialists in government may be lacking compared to Wall Street’s clout in these respects [1, 2]. In addition to continued Republican opposition to using the $700B to bail out automakers, public opinion is firmly against a Detroit bailout.”
ipezone.bl...
@37
vielleicht könnte man sich an Obamas Plänen zur Unterstützung der US-Autoindustrie orientieren: Eine Subventionierung der Kosten für die Umstrukturierung der Produktion auf kostengünstige, verbrauchsarme, umwelfreundliche Produkte. Bleibt aber trotzdem das Problem der Nachfrageseite, wenn die Menschen kein Geld mehr haben und sich auch nicht mehr verschulden können (Kreditkartenkrise), um selbst solche Autos zu kaufen, hilft keine Umstellung der Produktion. Obamas Ansatz ist es u.a. die Nachfrage des öffentlichen Sektors zu erhöhen, was sicher sinnvoll ist - aber ob das ausreicht?
“Wer will dagegen stimmen OPEL nicht retten zu wollen, selbst dann, wenn man es weder praktisch noch juristisch kann, solange OPEL zu GM gehört?”
Schau mal hier - ist zwar nicht ‘repräsentativ’, aber dennoch:
umfrage.ta...
Autos kaufen keine Autos.
Wozu ein Werk am Leben erhalten, dessen Produkte niemand mehr kaufen möchte. Jetzt wäre für Opel der beste Zeitpunkt entlich die Autos zu bauen die wir dringend benötigen. Günstige Elektro-Autos!!
@salvo #39 und #40
Generell kann ich mir nicht vorstellen, dass man Schlüsselindustrieen die man erhalten will bei aller Fehlerhaftigkeit in der Vergangenheit vor die Wand fahren läßt. Das paßt nicht in mein Verständnis politisch Handelnder. Da mag es demnächst neue Erkenntnisse für mich geben. ;-)
Hierzu passen dann folgende Beiträge zur Anwendung von US Ballout-Masse…
ftd.de/unt...
oder
ftd.de/unt...
lass das mal nicht den US Bürger wissen… ;-)
Was wäre eine ebenso schnelle wirkende wie massentaugliche Alternative dazu?
@Peinhard #41
Was meint gestern ein OPELaner im TV dazu? Wenn Merkel OPEL retten würde, würde er sich bei der nächten Wahl schon erkenntlich zeigen.
@33 SPRND
Merci, da bin ich doch glatt in die alte Falle getappt. Peinlich ;-)
@McFly: Wenn das der Sinn hört *g* Seiner Theorie zufolge müßten die Unternehmen ja jetzt wie irre investieren, weil die Konsumenten ja für zukünftigen Konsum sparen. Aber vermutlich dachte er schon vor Jahren, daß er schief liegt und wollte lieber nichts sagen. Hach. Der Mann ist wirklich unterste Schublade.
Was Opel angeht: man müßte einfach die Nachfrage wieder ankurbeln. Weg mit Hartz IV, weg mit Abbau des Kündigungsschutzes, her mit dem Mindestlohn. Aber die Binnennachfrage ist ja nu von Übel und der Export unser Ein und Alles. Bis man merkt, daß die anderen Länder nicht mehr importieren können, weil die keine Kohle mehr haben.
Danke!
interessante Wendung
“Der Bonner Solartechnikkonzern hat sich überraschend in das Ringen um den angeschlagenen Autobauer Opel eingemischt. Solarworld schlägt vor, die vier deutschen Opel-Werke und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu übernehmen. Ziel sei es, das zum US-Konzern General Motors gehörende Unternehmen zum “ersten ‘grünen’ europäischen Autokonzern” weiterzuentwickeln. Diesen Vorstoß veröffentlichte Solarworld am Mittwoch.”
ftd.de/unt...
@salvo
interessant ja - wendung nein. wird wohl nicht passieren, obwohl es als perspektive kaum bessere denkrichtungen geben dürfte.
Tja, man kann über die Opel GmbH trefflich streiten, währendessen die weltweite Überproduktionskrise den Chemieriesen BASF erreicht hat, der mal kurz 80 seiner Anlangen stilllegen muss.
Die im Automobilsektor neu produzierten Fahrzeuge auf Halde werden direkt in die Schrottpresse wandern.
Der Tanz von Zentralisation und Konzentration des Kapitals hat erst begonnen, und über kurz oder lang sind wir alle Milliardäre, weil der Zirkus nicht mehr zu kontrollieren ist. Ach ja, die Supersentation Bank of Amerika, die sich bisher gegen alle anderen Konkurrenten behaupten konnte, meldet auch eine schwere Schieflage, nachdem sie ihre Konkurrenten noch fressen konnte.
Wenn Steinmeier von einer europäischen Lösung spricht, so sieht dieser wenigstens in seinem bürgerlichen Rahmen ein wenig gerade aus: für das national strukturierte europäische Kapital kann es in dieser Krise nur darum gehen, riesige europäischen Konzernchampions zu erschaffen, die im Wirtschaftskrieg gegen den Rest der Welt langfristig eine Chance haben. Wir werden eine Konzentration des Industriekapitals in allen Produktionsbereichen auf europäischer Ebene erleben, die es vorher noch nie so gegeben hat. Für die abhängig Beschäftigten samt den sowieso schon Ausgeschlossenen hat diese Entscheidung natürlich keine Verbesserung zur Folge.
Auf faz.net ist gerade zu lesen, dass Solarworld angeblich ein Angebot für den Kauf von Opel vorlegen will (Artikel + Videobeitrag mit Solarword-Chef Asbeck [kann ich mir auf der Arbeit leider nicht ansehen]).
Die Idee an und für sich find ich sehr sympathisch. Das würde, wenn man die Fäden ein bisschen optimistisch weiterspinnt einigen Schwung in die Autoindustrie bringen.
Ob das ganz dann wirklich realistisch und umsetzbar bzw. letztlich überhaupt erfolgreich wäre, sei mal ganz dahin gestellt.
Auf jeden Fall eine neue Note, abseits von staatlichen Hilfen oder Übernahmen durch andere Automobilhersteller.
Gruß Roman
(der link zum Artikel: faz.net/s/...)
Naja.
Die Wirtschaftspofis vonner Börse sind sich da wohl einig:
Und faznet resümisert dann mit kurzfristigen Kurswerten vs. langfristiger Strategien.
Also alles wie üblich. ;-)
Die Automobilbranche hat schon viel zu lange viel zu viele Privilegien und Subventionen erhalten (u.a. nicht-Einpreisung aller Externalitäten, Dienstwagenprivileg, usw.); die Exportmärkte brechen gerade massiv weg, es gibt Überkapazitäten in der AUtomobilproduktion - und da soll noch ein Cent an Steuergeldern reingeworfen werden? Um die MA tut es mir ja leid, aber letztendlich ist Opel einfach nicht wettbewerbsfähig.
Es kann nicht sein, dass jedem Unternehmen, was jetzt in schwierigeres Fahrwasser kommt, unter die Arme gegriffen wird. Das ist Moral Hazard pur!
Luschtich,luschtich….
Jetzt bekommt man Autos für nen Appel und n Ei,
und die Benzinpreise sind auch im Keller,
aber keine Sau kauft Autos…
Der Staat pumpt vielleicht Milliarden in die Konzerne,aber bringen wird das auch nix.
DieMenschen haben ganz einfach kein Geld mehr um sich nen neues Auto zu kaufen.
Und warum.
Weil sich die Energiemafia in Deutschland ungehemmt bereichert und den Leuten das Geld aus den Taschen zieht.
Es wird Zeit das Eon,Enbw und Konsorten brennen.
Oder zumindest verstaatlicht werden.
Dann wird das auch was mit dem Autokauf. ;-)
Mlg
Ich bin nicht überzeugt, dass Roland Kochs Opel-Rettung bei den Wählern überhaupt so gut ankommen wird. Abgesehen natürlich von den Leuten, deren Arbeitsplatz von Opel abhängig sind (und das sind sicher nicht so viele wie teilweise behauptet wird).
Die Umfrage der Tagesschau ist vielleicht nicht vom statistischen Standpunkt aus repräsentativ, aber in ihrer Aussage sicherlich doch. Jahrelang wurde den Leuten erzählt, dass die Globalisierung so komplex ist, dass der Nationalstaat die internationalen Konzerne nicht regulieren kann.
Und jetzt kommen ausgerechnet die Globalisierungs-Heraufbeschwörer von der CDU und meinen ein internationales Unternehmen mit Steuergeldern retten zu müssen.
Dafür dürften nicht einmal die CDU-Wähler wirklich Verständnis haben. Und ich glaube auch nicht, dass die Leute so dumm sind und auf diesen Auto-Retter-Trick hereinfallen. Soooo dumm sind die Bürger dieses Landes (hoffentlich) auch nicht.
Tja, irgendwo wäre es schon schade, wenn dieser Chevrolet Volt nicht gebaut würde. Scheint mir vom Antrieb her ein wegweisendes Konzept, zumindest so lange Peak-Oil aktuell und noch nicht von gestern ist: autozeitun...
Die Politik sollte sich aber besser in Schadenbegrenzung üben als den Retter der Wirtschaft zu spielen, während der Steuerzahler am Ende das Strohfeuer mit Zins und Zinseszins zurückzahlen darf. Überkapazitäten müssen abgebaut werden und Ziel sollte sein, das so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Arbeitszeitverkürzung inkl. Lohnausgleich ist allemal besser als Millionen zusätzlicher Arbeitslose, die dann wieder auf die Löhne der arbeitenden Menschen drücken, weil sie jederzeit austauschbar sind.
Letztenendes kommt mit einer 30 Stundenwoche netto da gar nicht mal so viel weniger bei raus und dem Staat sollte es immer noch lieber sein, als deutlich mehr Arbeitslose. Die Gewerkschaften kann ich an der Stelle auch nicht verstehen, da sie immer nur mehr Lohn fordern, meistens im Ausgleich längerer Arbeitszeit (kann sich noch jemand an die 35-Stundenwoche erinnern?), anstatt kürzere Arbeitszeiten zu propagieren, was rein mathematisch ja schnell auf Vollbeschäftigung hinauslaufen würde. Die einen klotzen sich zu Tode, damit netto mehr übrig bleibt, während die anderen Däumchen drehen und sich nur das Nötigste erlauben können, auf Kosten der Steuerzahler. Das Konzept ist nicht erst seit der Finanzkrise völlig absurd und die Wochenarbeitszeit ist in den letzten Jahren wieder deutlich über 40 Stunden gestiegen.
Mich wundert daher, warum man zwar immer spritsparende Autos propagiert, aber keine kräftesparenden Arbeitnehmer. Gerade in der jetzigen Krise könnte man da auch internationale Regelungen durchringen, um Wettbewerbsverzerrungen und Massenentlassungen zu minimieren. Mit dem ganzen Technikgedöns der letzten Jahre kann man die Zeit auch deutlich schöner totschlagen.
In ärmeren Ländern ist diese Form der Arbeitsteilung längst ein Teil des Überlebens. Entweder arbeiten mehr Menschen als produktiv nötig wären oder einer füttert die ganze Großfamilie durch. Da wäre die Arbeitszeitverkürzung doch humaner.
Aus meinem vorletzten Job bin ich auch rausgeflogen, weil sich die Kollegen asoziale Arbeits-Wettrennen geliefert haben plus jeden Tag ne Überstunde. Sehr viele Stellen, auf die ich mich beworben habe, waren auf ein Jahr begrenzt und wurden nur frei wegen Mutterschaftsurlaub. Einen Aufschwung, der trotz Produktivitätssteigerung neue Arbeitsplätze schafft, ist längst unrealistisch in industrialisierten Ländern und sowohl ökologisch als auch ökonomisch überflüssig wie ein Kropf. Schade, dass da keiner mehr drüber redet.
@Anindo
Das bestehende Einkommen auf mehr Leute verteilen schiebt den Binnenmarkt auch nicht an. Zudem braucht der Staat ein Mindestmass an Steuereinnahmen und Gesundheit und Rente braucht auch Geld statt abgebauter Zeitkonten. Wenn man Arbeit anders verteilen will - dafür spricht der Stellenwert von Arbeits in der Produktion sicher immer mehr - so muss man die gesamte Verteilung neu gestalten. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum man darüber nicht spricht plus den Fragen zu den gesellschaftlichen Kosten (siehe Anfang) und wer sie bezahlt.
Zum “Volt”: “Die Sensation aber ist die Reichweite im reinen Elektromodus: fast 65 Kilometer. ”
Erstaunlich… ;-))
Anindo:
“Arbeitszeitverkürzung inkl. Lohnausgleich ist allemal besser als Millionen zusätzlicher Arbeitslose, die dann wieder auf die Löhne der arbeitenden Menschen drücken, weil sie jederzeit austauschbar sind.”
Diese Zeilen nehm ich mal als Aufhaenger. Denn ich war der Ansicht, dass grad in der Autoindustrie diese ach-so-hochqualifizierten Arbeitsplaetze zu finden sind, wo die Leute nicht beliebig austauschbar sind. Schliesslich sei der Autostandort Deutschland ja absolut Haitech, weg- und zukunftsweisend. War vor Kurzem noch nicht lautstark der allgemeine ‘Fachkraeftemangel’ hierzulande beklagt worden? Ohne Anwerbung von gut zu bezahlenden Entwicklungshelfern aus dem Balkan, Suedostasien, und vielleicht noch Mexiko war doch der Aufschwung, sofern er denn einer war, so nicht haltbar. Und jetzt haben wir den Salat, sind schon mitten drin in der Rezession. Und das nur, weil sich diese ‘Hochqualifizierten’ nicht ins Land trauen. Oder?
Ansonsten ungeteilte Zustimmung.
@53/leslie:
Daran ist nicht nur das Oligopol der Energiekonzerne schuld.
“Runter mit den Löhnen” hieß die Devise doch lange Zeit - und eine Abkehr von diesem Blödsinn ist nicht zu erwarten. Zusammen mit sinkendem Kündigungsschutz und damit drohendem Hartz IV - wer kauft sich das freiwillig ein neues Auto?
Solange sich diese Rahmenbedingungen nicht ändern, wird es Opel schlicht nicht besser gehen. Also: völliger Schwachsinn, da Milliardenwürgschaften abzugeben.
Ein Umdenken ist allerdings nicht zu erwarten. Dafür müßte man ja zugeben, daß man jahre, ja jahrzehntelang völlig falsch gedacht hat. Da pumpen wir lieber weiter Milliarden in die Exportförderung, bis man merkt, daß es dafür Länder geben muß, die unseren Scheiß auch importieren.
was auch gegen die ‘Rettung’ der big 3 der US Autoindustrie spricht, ist der weiterhin weit verbreitete Wille, eine der letzten Bastionen gewerkschaftlich organisierter Gegenmacht zu zestören. Das scheint tatsächlich einer der Hauptmotive bei der politischen Klasse gegen die Stützung der Autoindustrie zu sein. Diese gewerkschaftsfeindliche Einstellung ist weiterhin - trotz ihres eigenen offenbaren Versagen - in der marktgläubigen Öffentlichkeit weit verbreitet. Vom Ende dieser Ideologie kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ihre Vertreter schicken sich an, die Krise zu nutzen, um die letzten Reste gesellschaftlicher Gegenmacht zu zerstören.
Man lese gerade die Kommentare zu diesem Artikel:
economix.b...
Die Zeilen im Spiegelfechter ohne Fechter unter dem Tenor “laßt Detorit bankrott gehen” spiegel.de... legt so wie es dort aufgeschrieben steht auch eher den Schluss nahe, dass die Reps die letzte Schlacht schlagen (wie pathetisch) wollen, solange sie dass per Entscheidungsmehrheit noch können. Dabei haben sie allerdings durchaus Argumente im Gepäck, die auch “Linke” hierzulande anbringen könnten bzw. anwenden.
Dem zu widersprechen fällt schwer…
tja, das ist nur vorgeschoben, meine ich, denn an der Finanzindustrie werden Forderungen nach der Änderung ihres ‘Geschäftsmodells’ nicht gestellt, ganz im Gegenteil, es wird alles getan, damit diese weiter zocken kann,
nein es ist unglaubwürdig, ich meine, die Aussicht mit den big 3 auch einer ganzen Kultur gewerkschaftlich organisierter Gegenmacht (ein Ergebnis des New deals übrigens) ein für allemal den Garaus zu machen, ist den Agenten der creative destruction viel zu verlockend
@59 61
Ja, für diese These scheint viel sprechen. Das kann man wirklich leicht übersehen. Würde mich nicht wundern, wenn man sie pleite gehen lässt und dann ein aufkaufen durch einen unbekannten Vierten ohne die UAW folgen würde.
eine weitere Anwendung der ’shock doctrine’ sozusagen
Die niedliche Idee, daß ja eine Solar-Firma Opel kaufen könne, um sich weiterzuentwickeln, wurde gestern auch in den RTL2-News bekannt gemacht.
Ebenso die sofortige Absage der amerikanischen Mutter. Mir fielen da sofort die genannten Verflechtungen zwischen Mutter und Töchtern ein, die einen Einzelverkauf doch eigentlich ausschließen müßten. Es wurde dorft auch gemutmaßt, daß es sich nur um einen PR-Gag der Solarfirma handelte.
Die big3 und die ihnen Verbundenen haben einen äußerst schlechten Stand. Hier wird auf den für die Marktradikalen interessanten Nebeneffekt der kompletten Ausschaltung gewerkschaftlicher Organisation hingewiesen, der gegen eine Rettung spricht. Das ist doch nur eine Art Sahnehäubchen.
Das Auto als Transportmedium ist bereits seit langem in der Kritik. Der Individualverkehr selbst steht aus ökologischer Sicht unter berechtigtem Beschuß.
Das sind schon schwere Wogen, die gegen diese Branche schwappen.
Die selbsterklärende Logik, daß ja Autos keine Autos kaufen können, macht eine Rettung einer Autofirma zusätzlich fragwürdig.
Der Gedanke, daß durch einen Totalausfall von Opel ja X neue Arbeitslose geschaffen werden, scheint genügend Schrecken zu erzeugen, daß die naheliegendste Lösungsmöglichkeit konsequent Nichtbeachtung findet. Der grundsätzliche Umgang mit dem Phänomen, daß wir mehr Menschen sind als für die Produktion notwendig, sollte sich wandeln. Es ist bereits seit Dekaden bekannt, daß wir einen immer größeren Überhang an Rädchen im Getriebe Wirtschaft haben. Mit der Agenda2010 hat man den allgemeinen Zwang zur Arbeit eingeführt, sodaß Erwerbslose plötzlich als Sündenböcke und moralische Sandsäcke zur Verfügung standen. Damit wurde der von Herrn Sinn so favorisierte ‘Niedriglohnsektor’ etabliert, der Lohnzurückhaltung gepaart mit Sklavenmentalität salonfähig macht. Geholfen hat es bisher nur Wenigen. Geschadet hat es den Meisten.
Sollte die Würde, die in unserem GG einen wichtigen Stellenwert einnimmt, tatsächlich Raum in unserem Leben erhalten, müßten Konzepte wie ein BGE her, um diese zu sichern, wobei dann gleichzeitg die dingliche Existenzsicherung mit im Sack wäre. Für mich ein erstrebenswerter Ansatz.
Dann könnte sich auch die völlig verwurstete Transportmittelbranche ohne größeres Geschrei (wegen der Arbeitsplätze) umstrukturieren. Das eröffnet eine ganz andere Bandbreite an Lösungsansätzen.
Doch irgendwie wird an echten Alternativen leider meistens vorbeigeredet. Was der Stürmer (www.spon.de) und der Rest der Leitmedien so anbieten, taugt hinten und vorne nicht…nicht mal bis zur nächsten Wahl, schon gar nicht bis zur nächsten Generation.
Robert Reich erklärt den Unterschied zwischen ‘bankrupcy’ und ‘bailout’ - und warum ein Bankrott für die Finanzriesen angemessener als ein bailout gewesen wäre
“So why, exactly, is the Treasury substituting government bailouts for chapter 11? Even if you assume Wall Street’s major banks and insurance giant AIG are so important to the national and global economy that they can’t be allowed to fail, that doesn’t mean they have to be bailed out. They could be reorganized under bankruptcy protection. True, their creditors, shareholders, and executives would take bigger hits than they’re taking now that taxpayers are bailing them out. But they’re the ones who took the risk. We didn’t.”
und unter welchen Umständen ein bailout für die big 3 der US-Autoindustrie richtig wäre
“There’s more at stake for Main Street when it comes to General Motors and other automakers now teetering on the edge of bankruptcy, because two and a half million households depend directly or indirectly on them for their paychecks. But the best way to protect all these people is not to pay off the automakers’ creditors, shareholders, and executives, with no strings attached. Recall that when the government bailed out Chrysler in the early 1980s, a third of its employees lost their jobs.
In exchange for government aid, the Big Three’s creditors, shareholders, and executives should be required to accept losses as large as they’d endure under chapter 11, and the UAW should agree to some across-the-board wage and benefit cuts. The resulting savings, combined with the bailout, should be enough to allow the Big Three to shift production to more fuel efficient cars while keeping almost all its current workforce employed. Ideally, major parts suppliers would adhere to the same conditions.”
robertreic...
Sind nicht auch die Richter ein wenig an der Verschärfung der Krise schuld?
Autos von der Halde dürfen doch seit relativ kurzer Zeit nicht mehr als Neufahrzeuge verkauft werden.
Und so bricht ein vielleicht wichtiger Puffer weg für die Autoindustrie.
Brutalstmögliche Rettung von Opel? Nur damit der “Hesse-Koch” weiter am Ruder bleibt!
Brutalstmögliche Rettung der Zocker - Bürgschaft für Merkle? Nur damit … was auch immer!
Milliarden für Big 3 (schon wieder)? Geschäftsmodell ändern! Auch die “Finanzindustrie” (widerlicher Begriff, was produziert diese “Industrie” eigentlich?)! Wir alle!!
Es ist schon toll, was für Purzelbäume geschlagen werden, nur um Symptome zu kurieren!
Gab’s da nich ‘mal ‘ne “Deutschland AG” - klar, war in anderem Zusammenhang und anders gemeint. Was ich hier meine: Der Vorschlag von Solarworld muss gut durchgedacht werden. Trotz aller Verflechtungen und Schwierigkeiten frei nach dem Motto: Es gibt keine Sachzwänge, nur Denkzwänge! Hier könnten sich massive (staatliche) Investitionen rechnen. (?) Interfraktionelles Denken und Handeln, Kooperation, “gemeinsam sind wir stark” - und nicht jeder wurstelt so vor sich hin, fährt im Ergebnis ganze Volkswirtschaften an die Wand und sagt dann: “Uups”
Beste Grüße
Vogel
@Vogel.
Wird es
als Mainstream vom Wahlvolk gefordert, werden die Politiker bzw. ihre Marketingstrategen entsprechend dafür werben.
Ich bin gaaanz optimistisch. ;-)
weiterer Rückschlag für die big 3s der US-Autoindustrie:
Ihr einflußreichster politischer Lobbyist im US-Kongress, der Demokrat John D. Dingell hat den Vorsitz über den “House Energy and Commerce Committee” verloren und wurde ersetzt durch Henry A. Waxman, der sich für strenge Maßnahmen gegen die globale Erwärmung ausspricht.
washington...
Also bitte, ich denke wohl kaum das Amerika so leicht GM (und damit auch Opel) sitzen lassen wird. Das sind zehntausende Arbeitsplätze. Die Fördern ganz anderen scheiß mit Milliarden, da wird sowas Dringliches und vor allem Wichtiges nicht einfach so hängen gelassen.
Gruß
Hinweis
“Bailouts for Bankers, Not a Cent for Autoworkers”
thenation....
Interview mit einem US-Gewerkschaftsaaktivisten zu den Hintergründen eines möglichen ‘orderly bankrupcy’ für GM und Chrysler, vor allem das Interesse, die abhängig Beschätigten um die gewerkschaftlich errungenen sozialen Sicherheiten zu bringen
democracyn...