Thailand droht im gelb-roten Chaos zu versinken
geschrieben am 01. Dezember 2008 von Spiegelfechter
Thailand steht an der Schwelle zu einem Bürgerkrieg ? nach einer zweijährigen Staatskrise stehen sich mit den ?Gelben? und den ?Roten? zwei politische Lager gegenüber, die unversöhnlich scheinen, und nur noch das Militär hat die Möglichkeit, eine Eskalation zu verhindern. Die politischen Gegner kämpfen in diesem Konflikt nicht um ideologische Fragen, sondern um die schiere Macht. Auf der einen Seite stehen die ?Roten?, die demokratisch gewählt, aber auch für ihren Nepotismus berüchtigt sind. Auf der anderen Seite stehen die ?Gelben?, ein konservatives Interessenbündnis, das die Demokratie abschaffen und durch einen Ständestaat ersetzen will. Eine besondere Rolle spielt das Militär, dessen Führer politisch zwar den ?Gelben? nahe stehen, das aber einen blutigen Bürgerkrieg befürchtet, wenn es sich von der außerparlamentarischen Opposition einspannen lässt.
?Ein Wähler, eine Stimme?
Der Name ?Thaksin Shinawatra? steht wie kein anderer für die jüngere Geschichte Thailands. Der Selfmademilliardär aus dem Norden Thailands, der mit seinem Mobilfunkunternehmen zu einem der reichsten Männer des Staates wurde, polarisiert das Land wie kaum ein anderer. Thaksin war der erste thailändische Premierminister, der eine gesamte Legislaturperiode ohne einen Putsch überlebte. Seine politische Macht stützt sich vor allem auf die armen Reisbauern im Norden und Nordosten des Landes, deren Stimmen er sich durch günstige Kredite für Bauern, ein flächendeckendes staatliches Gesundheitssystem und Infrastrukturinvestments in den ländlichen Gebieten sicherte. Den ärmeren Bevölkerungsschichten, die vor allem in den ländlichen Teilen des Landes leben, ging es unter Thaksin merklich besser als unter den Vorgängerregierungen. Unter dem Slogan ?ein Wähler, eine Stimme? propagierte Thaksin, der sich der Mehrheit der Wählerstimmen durch seine volksnahe Politik sicher sein konnte, ein demokratisches System für Thailand.
Doch Thaksin ist weniger ein ?linker? Demokrat, als vielmehr ein populistischer Kleptokrat, der das demokratische Votum als Legitimation begriff, sich selbst und seine Getreuen zu bereichern. Als Thaksin kurz nach seiner Wiederwahl 2006 sein Mobilfunkunternehmen an einen Konzern aus Singapur verkaufte und die Gesetze Thailands änderte, um für diesen Verkauf keine Steuern zahlen zu müssen, war die Geduld der Militärs, deren Hintermänner aus dem thailändischen Eliten dem Emporkömmling seit jeher feindlich gegenüberstanden, am Ende. Das Militär putschte, setzte die Verfassung außer Kraft, verbot Thaksins Partei ?Thais lieben Thais? und 111 führenden Köpfen der Partei für fünf Jahre jegliche politische Betätigung. Thaksin setzte sich ins Exil nach London ab.
Die Roten
Wenn in Bangkoks Strassen rot gekleidete Demonstranten aufmarschieren, so sind dies die Anhänger von Thaksin und dessen Nachfolgern. Als das Militär nach einer Übergangsperiode, in der eine neue Verfassung per Volksentscheid angenommen wurde, im Dezember letzten Jahres Neuwahlen abhielt, wurde die von Thaksins Anhängern gegründete ?Volksmachtpartei? (PPP) stärkste Kraft. Neuer Premierminister wurde Samak Sundaravej, ein Fernsehkoch mit ultrarechter politischer Vergangenheit. Kurz nach seiner Amtseinführung am 29. Januar dieses Jahres begannen Proteste der Opposition, die seinen Rücktritt forderten. Seit Ende August haben die Demonstranten das Regierungsgebäude besetzt. Samak wurde vom Obersten Gericht am 9. September für schuldig gesprochen, sein Amt für kommerzielle Interessen genutzt zu haben ? er hatte für seine Kochsendung im staatlichen Fernsehen rund 110 Euro Honorar bekommen. Natürlich war dies nur ein Vorwand ? die Eliten des Staates befürchteten vielmehr, Samak, der als Marionette Thaksins gilt, würde den alten Premier zurück ins Land holen. Samak stürzte über die ?Kochaffäre? und Somchai Wongsawat wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Somchai ist ein Schwager Thaksins und als solcher kaum geeignet, die Opposition zu einer Beilegung der immer heftiger werdenden Proteste zu veranlassen.
Thaksin selbst befand sich in der Übergangsphase in bester Gesellschaft von russischen Oligarchen und vertriebenen Despoten im Exil in London und führte dort ein ?standesgemäßes Leben?. Da ihm die schottischen Golfplätze zu kalt waren, flog der Milliardär zur sportlichen Ertüchtigung schon mal nach Miami ? und wenn er mal ?gut essen? wollte, brachte ihn sein Privatjet nach Paris. Um mit seinen Nachbarn im Exil mithalten zu können, gönnte Thaksin sich auch ein besonderes Hobby – für rund 100 Mio. Euro kaufte er sich den Fußballklub Manchester City. Dies löste in der britischen Profiliga einen mittleren Skandal aus, da Thaksins Liste an Menschenrechtsverletzungen, die ihm NGOs vorwerfen, sehr lang ist. Doch sein Hobby aufgeben musste Thaksin erst, nachdem die Justiz in der Heimat seine Konten weltweit eingefroren hat und dabei rund 1,2 Mrd. Euro sicherstellen konnte. Sein Reichtum ist damit auf geschätzte 250 Mio. Euro gesunken. Nachdem er in Thailand in Abwesenheit zu zwei Jahre Freiheitsstrafe wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurde, weil er seiner Frau während seiner Amtszeit zum Kauf von rund 55.000 m² Land im Herzen Bangkoks zu einem ?Vorzugspreis? verhalf, wurde ihm von den britischen Behörden am 8. November sein Visum entzogen. Seitdem hält er sich Berichten zu folge in Dubai auf.
Die Gelben
Die außerparlamentarische Opposition zu den ?roten?, demokratisch legitimierten Kleptokraten kleidet sich im royalistischen gelb und nennt sich ?Volksallianz für Demokratie? (PAD). Doch nicht überall wo Demokratie draufsteht, ist auch Demokratie drin. Hinter der PAD steht eine konservative Elite aus Royalisten, Militärs, Technokraten und Geschäftsleuten. Thaksin ist für sie nicht nur ein Emporkömmling, sondern auch ein wirtschaftlicher Konkurrent und ferner halten sie die armen Leute, die Thaksins politischer Rückhalt sind, für dumm und politisch unmündig. Demokratie lehnen sie daher ab und fordern einen Ständestaat, den sie hinter dem Euphemismus ?Neue Ordnung? verstecken. Diese ?Neue Ordnung? hebelt das demokratische Prinzip gewählter Volksvertreter aus und sieht ein Parlament vor, bei dem nur noch 30% der Abgeordneten gewählt und 70% vor allem aus den Kreisen der alten Eliten ernannt werden.
Die PAD ist keine Bewegung von unten, sondern ein straf gegliedertes Interessenkartell, hinter dem fünf führende Köpfe stehen. Neben schwarz gekleideten und meist bewaffneten Wachleuten beschäftigt die PAD auch Sprecher und PR-Leute, die das Fußvolk organisieren. Als einflussreichster Mann der PAD gilt der Medienmogul Sondhi Limthongkul, der im Westen vor allem durch die englischsprachige Internetzeitung ?Asia Times Online? bekannt, die er publiziert. Neben diversen Zeitungen besitzt der nationalistisch eingestellte ?Rupert Murdoch Thailands? auch den populären Fernsehkanal ASTV, der sich während der momentanen Unruhen vor allem dadurch auszeichnet, dass er den ganzen Tag Propaganda für die PAD sendet. In einem Interview in seiner Internetzeitung ?Asia Times Online? erklärt Sondhi sein Verständnis von einer ?neuen Politik?:
Die 70%-30% sind ja nur ein Modell. Das Ganze ist ein Teufelskreis, da wir uns momentan in einer Phase der ?alten Politik? befinden. Was ich sage ist, dass wir einen neuen Weg finden müssen, um Demokratie so anzupassen, dass sie auf Thailands Verhältnisse anwendbar ist. Lasst uns nicht eine Demokratie bekommen, so als ob wir bei McDonalds einen Hamburger bestellen ? Demokratie ist immer noch ein Export aus dem Westen.
Wie schon bei den ?farbigen Revolutionen? im postsowjetischen Raum, zeichnet sich auch die ?gelbe Revolution? in Thailand durch professionelle Organisation aus. Den Demonstranten wird eine gute Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Toilettenhäuschen geboten und das ?Branding? kann sich ebenfalls sehen lassen ? gelbe Klatschhändchen und gelbe T-Shirts mit politischen Slogans sorgen für ein TV-taugliches ?Corporate Design?. Die zurückhaltende Begeisterung westlicher Medien für die bunten Demonstranten ist somit eher der demokratiefeindlichen Ausrichtung der PAD geschuldet.
Auf dem Weg zu blutigen Zusammenstößen?
Die Taktik der PAD ist klar – sie wollen das Land in ein Chaos stürzen, um auf diese Art und Weise einen neuen Militärputsch zu provozieren, der ihre ?Neue Ordnung? als Lösung für die Krise in einer neuen Verfassung manifestiert. Nichts eignet sich besser, um Chaos zu stiften, als die Besetzung der beiden Flughäfen von Bangkok, dem Herz der thailändischen Wirtschaft und des Tourismus´. Für die PAD geht es jetzt um alles ? ihr Rückhalt in der Bevölkerung scheint zu bröckeln, während die Armee sich weigert, Farbe zu bekennen. Die Forderung des Armee-Chefs Anupong Paojinda, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen, ist eine List, die amtierende Regierung auf ?demokratischem? Wege abzulösen. Am morgigen Dienstag entscheidet der Oberste Gerichtshof über ein Verbot der regierenden PPP, der der Kauf von Wählerstimmen bei den letzten Parlamentswahlen vorgeworfen wird. Beobachter gehen davon aus, dass die Klage Erfolg haben wird. Bei einem Schuldspruch würde der Premier sein Amt verlieren und die Partei würde verboten, die Abgeordneten würden allerdings so lange in ihrem Amt bleiben, bis das Parlament durch Neuwahlen oder einen Putsch des Militärs aufgelöst wird. Auch wenn mit der neu gegründeten Partei Puea Thai bereits ein Auffangbecken für Parlamentarier der PPP gegründet wurde, besteht das Risiko, dass Neuwahlen ohne Demokraten stattfinden könnten und die PAD die Demokratie mit demokratisch legitimiertem Mandat abschaffen will.
Für morgen haben die regierungstreuen ?Roten? bereits einen Marsch auf das Oberste Gericht angekündigt, um es zu blockieren und so einen Urteilsspruch zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, wie Polizei und Armee auf die nächste Eskalationsstufe reagieren werden. Die Polizei gilt als tendenziell ?regierungsfreundlich?, während die Armee als ?oppositionsfreundlich? gilt. Einen offenen Bürgerkrieg wollen jedoch sowohl Polizei- als auch Armeekreise verhindern. Das Zünglein an der Waage könnte in diesem Falle die Monarchenfamilie sein. Während der greise König Bhumibol, der am Freitag seinen 81. Geburtstag feiert, sich aus der Tagespolitik heraushält, gelten sowohl seine Frau als auch der Kronprinz als Sympathisanten der oppositionellen PAD. Einen Königsweg aus der Krise gibt es nicht ? keine der Parteien zeigt sich bislang dazu bereit, das Land in einer ?Allparteienregierung? zu einen. Im schlimmsten Falle droht offener Bürgerkrieg und eine Spaltung des Landes, da die Eliten aus Bangkok im Norden keine Unterstützer haben ? Premier Somchai ist bereits im nordthailändischen Chiang Mai eingetroffen und schart seine Unterstützer um sich.
Jens Berger
Hintergrund und Analyse:
Willi Germund – Thailändisches Schmierentheater
Peter Mühlbauer – “Kampf bis zum Tod” für ein ständisches Wahlrecht
Manfred Götzke – Thailands “Volksallianz” will demokratische Wahlen abschaffen
Zu diesem Themenbereich sind auch die entsprechenden Artikel in der englischsprachigen Wikipedia sehr zu empfehlen
Bildnachweis: Alle Bilder Wikicommons CC
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Anscheinend haben die nur die Wahl zwischen dem Teufel und dem Belzebub, oder so ähnlich. Für Demokratie sollte man echt mal nen Patentschutz einreichen. Jeder möchtergen Diktator nennt sich demokratisch und wenn im Staatsnamen plötzlich das Wort Demokratie auftaucht, kann man sicher sein, dass dort grausige Diktatur herrscht. Dieser Wortmissbrauch ist ja kaum noch auszuhalten. Mal schauen was das noch gibt.
Seh das als eine ähnliche Situation wie in Venezuela, Bolivien und in 2 Jahren vielleicht Peru.
Eine recht gut ausgebildete und keineswegs nur reiche Schicht kann sich allein demographisch nicht gegen eine Gruppe durchsetzen, die die Soziale Frage in den Mittelpunkt der Politik stellt.
Die Gelben sind keineswegs nur Geschäftsleute sondern auch eine technisch – ökonomische Mittelschicht (Ingeniöre, Informatiker, BWLer, etc.). Politiker wie Bachelet oder Lula da Silva gelingt es beides in Einklang zu bringen. Für das von der Soziale Frage kommende aber kompromißbereite argentinische Kirchner-Schlafzimmer wirds eng.
Lula da Silva war sehr kompromißbereit gegenüber der technisch-ökonomischen Mittelschicht. Chavez und Evo Morales deutlich weniger.
Ohne kompromißbereite Politiker entsteht direkt diese tiefgehende Spaltung des politischen Systems.
@Lemmy
Verfluchte Demokratie! Dieses Problem wird auch noch ganz andere Länder beschäftigen – Stoibers “nur die dümmsten Lämmer, wählen ihren Schlachter selbst” hat ja auch einen demokratierelativierenden Kern. Da stellt sich die Frage, warum Regierungen, die von den Eliten gewählt werden, es nicht schaffen, die “Soziale Frage” hinreichend zu beantworten, um Populisten jeglicher Couleur den Schneid abzukaufen?
Die “Gelben” werden vor allem von einer kleinen elitären Clique eingespannt, um die Demokratie abzuschaffen.
Das hab ich nicht gesagt.
Ich bin ziemlich pro Lula da Silva und Michelle Bachelet.
Ohne den ernsthaften Versuch eines Sozialen Ausgleichs gehts nicht. Und Teile der dortigen ökonomisch-technologische Mittelschicht ist da schon ein wenig härter drauf als wie hier bei uns.
Sie müssen.
Das sind ziemlich viele Leute. Zu sagen die wären “eingespannt” spricht denen jegliche Fähigkeit zu einer eigenständigen politischen Artikulation ab. Du meinst das nicht so, aber für mich grenzt das an Rassismus. Ich kenn in Chile Wähler von rechten Parteien. Meine engsten Bekannten wählen Concertación. Aber ich kann den anderen nicht jegliche Rationalität absprechen und sie wollen keine Rückkehr zu den Verhältnissen vor 1989. Ich denke, dass ist in Thailand ziemlich ähnlich. Natürlich kann man auf Dauer keine Partei verbieten, die die Mehrheit des Volkes repräsentiert. Aber die Angst vor dem Populismus ist echt.
“Wie schon bei den ?farbigen Revolutionen? im postsowjetischen Raum, zeichnet sich auch die ?gelbe Revolution? in Thailand durch professionelle Organisation aus. Den Demonstranten wird eine gute Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Toilettenhäuschen geboten und das ?Branding? kann sich ebenfalls sehen lassen ? gelbe Klatschhändchen und gelbe T-Shirts mit politischen Slogans sorgen für ein TV-taugliches ?Corporate Design?. Die zurückhaltende Begeisterung westlicher Medien für die bunten Demonstranten ist somit eher der demokratiefeindlichen Ausrichtung der PAD geschuldet.”
Ich kenne das aus Jakarta in Indonesien. Dort können die Ärmsten sich ein paar Dollars verdienen wenn sie zu aktuellen Anlässen farbige T-shirts tragen. Dem aufmerksamen Beochachter mögen immer wieder die gleichen demonstierenden Personen über den Weg laufen. An einem Tag mit einem “gelben” und am nächsten mit einem”roten ” T-shirt bekleidet.
@Lemmy
In Thailand ist es weniger die Angst vor dem Populismus als solchen, sondern vor den sehr teuren Bonbons, mit denen die “Roten” ihre Klientel hinter sich bringen wollen.
zu 5: wobei ich nicht sagen will dass es in Indonesien oder Thailand keine politisch-bewussten und engagierten Freedomfighter gibt! Die gibt es! Jedoch haben diese aufgrund der extremen Armut und dem täglichen Kampf ums nackte Überleben, dem ihre Landsleute ausgeliefert sind, wenig Chancen, genügend Verbündete hinter sich zu einigen.
Wie bei solchen Konflikten üblich spielen auch ethnische Spannungen zwischen Zentrum und Peripherie hinein. Das wird ja auch deutlich darin, dass der Premier jetzt im nördlichen Chiang Mai einen Behelfsregierungssitz aufmacht.
Bangkok und die thailändische staatliche Identität ist Zentral-Thai. Daneben gibt es noch das Erbe anderer Königtümer und überhaupt zahllose sprachliche Minderheiten. Nicht alle Beziehungen sind problembehaftet, natürlich. Insgesamt aber ein schwieriges Gelände.
Guter Artikel (so weit ich beurteilen kann) und mal wieder ein Beweis, dass es zwischen Demokratie (jeder darf wählen) und Diktatur (keiner darf wählen) es mal ein Zwischending geben sollte nach der Art: “nur der Wissende darf wählen”. Mich kotzt jedenfalls auch in D-Land an, dass meine Stimme genau so viel wert ist wie die eines jeden Idioten, der sich um Politik noch keinen Pfifferling geschert hat und auf die dümmsten Sprüche reinfällt. Wer Auto fahren will, braucht den Führerschein, wer den pissigsten Job kriegen will, braucht ne Ausbildung usw., aber für´s Wählen und Kinderkriegen braucht man nix. Klar, dass da eine demokratisch-politische Macht nur zwischen Volksmanipulation und Interessenvertretung tendiert und hier nur funktioniert, weil noch keiner dran verhungert.
@Anindo
Was für ein Quark – mit diesem Unfug hättest Du zumindest einen Platz im Vorstand der Jungen Union sicher ;-)
@Jens,
Danke, so ähnlich hatt’ ich dat auch gesehen, jetzt hab’ ich Info genug, meine Meinung zum Thema zu festigen.
Aber die Fragen aus #3, sinngemäß wiedergegeben: Warum wird die soziale Frage nicht gelöst? Und: Warum ist das so schwierig mit der Demokratie? ist, für mich jedenfalls, beantwortbar: “…” :-) Daraus folgt, dass soetwas wie eine “gelenkte Demokratie (unter aufgeklärter Herrschaft)” wohl schon irgendwie notwendig ist. Wir haben’s ja auch lernen müssen, wie alle anderen.
Beste Grüße
Vogel
Intelligent ist der, der kompliziertes versteht?
Kann es sein das es auch eine einfache Intelligenz gibt. Eine einfache Intelligenz des einfachen Menschen? Die Intelligenz eines Bauern, oder eines Schweissers, oder sogar die eines “üblen” Arbeitslosen.
Hmm, warum sollen sich diese “Normalos” Gedanken über die Politik machen ?
Die “Normalos” verstehen nicht die Sprache der Politik.
Ein Schweisser ist zum schweissen ausgeblidet, ein Bauer für die Landwirtschaft, ein Bäcker zum backen.
Warum sollen diese Menschen überhaupt gezwungen sein sich von etwas leiten zu lassen das sie nicht verstehen?
Sind sie es nicht würdig mitzureden? Wie sollen sie überhaupt mitreden, wenn sie nicht diese “Politologen” Sprache sprechen?
Was will man überhaupt wählen?
Thailand : Rot oder Gelb?
USA : Demokraten oder Republikaner?
Deutschland : Rot oder Schwarz?
Österreich : Rot oder Schwarz ?
Da greif ich mir als Schweisser doch an den Kopf, die einen wollen Konjukturpakete und die anderen wollen Staatshaushalt aufpeppen…… Ich verstehe die einen sowie die anderen nicht, egal ich mach mein Kreuz , weil ich ja Wahlberechtigt bin.
Ich geniesse meine grosse Wahlfreiheit und entscheide mich zwischen zwei Dingen die ich sowieso nicht verstehe.
Mag sein das es ein Zeichen von Intelligenz ist, wenn man kompliziertes verstehen kann, und dann sein Kreuz “bewusst” auf eine von zwei Lösungen setzt.
Jeder ist in seinem Job der Meister, sogar der Politiker.
Nur das die Politiker heutzutage die einzigen Entscheidungsträger sind, die einzige Kraft, die sogar in der Lage ist Verfassungen zu ändern, und an den Grundrechten zu wackeln.
Das Problem ist nur das sich diese repräsentativen Demokraten allzu leicht von der Macht beeinflussen lassen.
“Da hatte Meister Joda schon recht” :-)
Das Volk, von dem die Politiker reden, versteht Sie nicht.
Das Volk empfindet sich nicht als Staat, wobei das Volk eigentlich der Staat wäre.
Das Volk versteht nicht einmal die Sprache des Staates, es braucht sogar Anwälte um seine Rechte zu kennen.
Das Volk versteht nicht was Konjuktur, Staatsschuld, Resolution, Rezession, Hartz4, Agenda2000 usw. heisst.
Das Volk fühlt aber Ungerechtigkeit ohne Absätze und Artikel zu kennen.
Das Volk spürt die Enttäuschung nach jeder Wahl.
Es wird einfach politisch eingelullt. Verzaubert.
The show must go on.
Bis zu den nächsten Wahlen.
Wie kann es eine Demokratie zulassen das die “politischen Parteien” so gross werden ?
Wie kann es in einer Demokratie nur so wenige verschiedene Meinungen geben?
Für mich persöhnlich ganz klar:
Politik und Gewalt haben versagt, beide benutzen Macht um zu regieren.
als Ansatz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Radikaldemokratie
@ Der Schachspieler
Da haben es die Amis eben besser. Die wählen einfach den, der am besten aussieht oder der seine Versprechen am telegensten verpackt. Auch als Messias daherkommen ist nicht schlecht. Nachteil dieser Methode: Keiner, den es bei uns nicht auch geben würde. Vorteil: Man kann wenigstens nach 8 Jahren Schluss machen, wenn es nicht geklappt hat.
Was allerdings Deinen weiteren Ansatz betrifft: Radikale Demokratie kann nicht funktionieren, direkte Demokratie auf bestimmten Ebenen sehr wohl. Aber auch das muss man lernen, und es erfordert eine unerhörte Disziplin der Wähler.
Ich bin verwirrt.
Was sollte denn die ganze Demonstriererei, wenn das Urteil angeblich schon sicher war?
Hätte man als “Gelber” nicht einfach eine Woche warten können und so der Wirtschaft weniger schaden?
Ausser man wollte dadurch die Richter beeinflussen aber das würde kein gutes Licht auf sie werfen.
Das Problem liegt wohl auch darin, dass in bäuerlich geprägten Gesellschaften die demokratische Mehrheit immer auf patriarchale, nepotistische Strukturen setzt: alles versammelt sich um den dicksten Bauern. Deshalb haben demokratische Mehrheiten dort auch immer korrupte Regierungen zur Folge.
Seh ich anders. Geht nicht nur um Geld. Diese technologisch-ökonomische Mittelschicht ist daran gewöhnt, innerhalb des Systems für sich selbst zu sorgen (Weiterbildung, Flexibilität, Arbeitsethos).
Die Populisten versprechen immer kübelweise Liebe und Wohlstand für alle. Kenn das natürlich besser von Chavez, aber ich denke, dass das in Thailand nicht viel anders ist. Die wo das System von innen kennen, wissen, dass es so nicht funktionieren kann.
Ausserdem agieren sie extrem autoritär. Sie stauchen ihre Untergebenen und die Presse auf eine Art zusammen, die man so als proaktives Rad im Getriebe einfach nicht gewöhnt ist. Ausserdem reden sie Blech. Da sind immer großartige Versprechungen, aber eigentlich gehts den Populisten vor allem auch darum, einen inneren Zirkel mit Reichtum zu versorgen. Die gestarteten Sozial- und Bildungsprogramme zeigen oft keine Ergebnisse. Und die technologisch-ökonomische Mittelschicht hat Ergebnis-Orientierung verinnerlicht.
Und dagegen wehren sie sich dann.
Ohne die funktioniert aber die Wirtschaft nicht. Bei hohen Ölpreisen hat das in Venezuela ein paar Jahre funktioniert. Aber schon in Bolivien zeigen sich inzwischen bereits deutliche Lücken in der Versorgung mit Gas und Treibstoff. Thailand besitzt darüber hinaus nicht so viel Rohstoffe. Die Wirtschaft hängt zu einem größeren Teil an der Partizipation im südostasiatischen Entwicklungsprozeß ab.
Auf der anderen Seite rebellieren natürlich die Armen, wenn die Soziale Frage zu wenig adressiert wird. Und die Armen dort sind einfach ärmer als die Armen hier. Sobald die das Gefühl haben, vom Entwicklungsprozess chancenlos abgekoppelt zu werden, gewinnen diese autoritären Populisten.
Und die technologisch-ökonomische Mittelschicht hat oft wenig Gespür für diese Armen. Die sind oft selbst in besser situierten Familien aufgewachsen. Mit einem quasi industrie-staatlichen mindset. Gute Ausbildung. Disko. Keine Existenzsorgen.
Die kubanische Revolution und die Unidad Popular unter Allende besassen noch viele Anhänger unter den Studenten. Diese heutigen Populisten eben nicht.
Du unterschätzt einfach den Umfang und die Mentaliät der Mittelschicht, die in den letzten 20 Jahren in vielen Schwellenländern entstanden ist.
Denke das ist in Thailand nicht anders. Hab mal eng mit einem Holländer zusammengearbeitet, der in Thailand verheiratet, 2-Kinder und ein Haus hatte und sich finanziert hat, indem er für IT-Projekte in verschiedene europäische Länder geflogen ist. Rob hat sogar wochenweise bei mir gewohnt. Das war damals zur Zeit des Putsches in Thailand. Vieles was er erzählte erinnerte mich an Südamerika. Die Familie seiner Frau war gespalten. Die Linie der Spaltung erschien aber ziemlich unerbittlich. Diplomierte Ingeniöre mit Auslandstätigkeiten in Taiwan haben einfach keinen Bock auf diese Populisten.
Die Menschen sind einfach zu dumm für die Demokratie, wirtschaftliche und politische Zusammenhäge viel zu kompliziert, um sie ohne Studium kapieren zu können.
Es gab mal einen Kanzler der sagte : Wer keinen Ausbildungsplatz bekommt. ist entweder nicht “Ausbildungswillig oder -fähig”, also zu dumm oder zu Faul. Ein amerikanischer Präsident sprach von “Wellfarequeens” als er von alleinerziehnden Frauen sprach, die mit 16 – 18 Jahren Kinder bekamen, keine Ausbildung machen konnten, von den Vätern verlassen wurden und nun “auf Kosten der Allgemeinheit” leben.
Habt ihr euch schon mal gefragt, ob die “Dummheit” der Menschen vielleicht mit ihrer Schulausbildung zu tun haben könnte ? Schlechte Schulausstattung, Studiengebühren, soziale Herkunft… Schaut die Studien der UNO und der OECD an.
Die ach so komplizierten Sachverhalte sind sehr viel einfacher, als dargestellt. Aber wenn wir vergessen zu fragen, wem etwas nutzt, dann wird es kompliziert. Aber gibt man einfache Antworten ist man Populist.
Welches Land in Mittel und Südamerika hat den höchsten Bildungs- und Gesundheitsstandard ? Warum stehen in Deutschland (und auch Weltweit) innerhalb kürzester Zeit Gelder zur Verfügung, um Banken und Versicherungen zu “retten”, aber für Gesundheits und Bildung fehlt es seit Jahren? Warum besitzen einzelne Menschen mehr Geld als manche Staaten BIP?
ich
In Sachen Gesundheitsstatus ist das sehr umstritten.
In Sachen Bildungsstandard: Seltsamerweise, dass gleiche Land, in dem die Mittelschicht aus Kofferträgern, Huren und Barmixern für Europäer besteht, in dem es sehr viel Elend gibt und das inzwischen 50% seiner Nahrungsmittel importiert, davon 85% aus den USA.
Ich kann jeden empfehlen da mal hinzufliegen und sich die Schei** mal von Nahe anschauen.
… weil Banken bei der Geldschöpfung und Geldvernichtung eine Multiplikatorwirkung besitzen?
Hi Lemmy,
ja genau dieses Land meine ich :-) und deiner Beurteilung der Zustände (Sch…) stimme ich voll zu. Aber was fehlt, um die Standards zu erhalten UND die politische Kanalisation in Gang zu bringen ?
Das, was du so schön Mutiplikatorenwirkung bei Geldschöpfung und -vernichtung nennst, wurde einmal mit dem Begriff der Akkumulation des Kapitals beschrieben. Wobei hier aber auch zusätzlich die noch die Anhäufung desselbigen gemeint war.
Nur wessen Geld sammeln und vernichten sie ? Und warum gehen diese Sammler dabei immer mit noch mehr Geld und Macht nach Hause, während “die Menschen” in der Sch… sitzen bleiben, bzw. hineingestoßen werden ? Wie können wir unsere politische Kanalisation in Gang bringen ?
Gruß
Ich
Hui, interessanter Artikel mit wenig Hoffnung für Thailand erzeugenden Elementen.
Die Kommentare lassen dannn zusätzlich noch die Hoffnung auf Demokratie als ‘Lösung’ zerbröseln.
“Gegen Dummheit kämpfen Götter gar vergebens.” weiß der Volksmund zu berichten. Ebenso aus dieser Quelle entstammt “Dumm bleibt dumm. Da helfen keine Pillen.”
Dennoch dürfte sich aus diesen Erkenntnissen nicht zwingend ableiten lassen, daß die Dummen die ewigen und garantierten Verlierer sein sollten. Die Menschenrechte gelten doch für jede Schwester und jeden Bruder auf Mutter Erde – oder befinde ich mich damit in einer schlichten Irrtumssituation? Nein! Dessen bin ich mir absolut sicher – hierüber kann es keinen grundsätzlichen Zweifel geben.
Doch wie mag die Lösung aussehen? Feudalismus war es nicht. Auf den ‘guten Diktator’ wartete man lange vergeblich. Knetokratie stellt sich auf dieselbe untaugliche Stufe. Wohin also soll die Reise gehen? Wohin kann die Reise gehen?
Humanismus im Reisegepäck scheint mir schon mal ein hilfreicher Ansatz. Aber selbst das wird in modernen Zeiten zur vermeintlichen Ewiggestrigkeit degradiert. Bedenkliche Rück- und Fehlentwicklung.
@Mile
Die Lesart, dass die Demonstrationen auf die Urteilsverkündung abgestimmt seien, höre ich heute das erste mal. Ich halte von der Erklärung auch nichts. Ich denke eher, dass die “Gelben” auf die Armee gesetzt haben, nun ihre Chancenlosigkeit eingesehen haben und eine Lösung gefunden haben, “das Gesicht zu bewahren”. An der Krise ändert dies jedoch wenig, da sich an den Umständen nicht geändert hat.
Die Justiz ist keinesfalls neutral – darum stand das Urteil ja auch bereits fest.
@Chat Atkins
Darum hatte F.J. Strauß ja auch bei den Bauern immer eine sichere Mehrheit ;-)
@17
Die bürgerlichen Eliten betrachten seit Jahrhunderten die “Menschen” als dumme Manöviermasse. Der große Verdienst von Chavez war es, diejenigen, die abwertend nicht mehr wahrgenommen werden sollten, eine Stimme gegeben zu haben und betrachtet man die Elemente der direkten demokratischen Mitbestimmung, so ist dieses Modell denen der westlichen Demokraturen meilenweit voraus.
Hier in Europa spielt man mit dem zynischen Umstand, die Menschen würden sich für nichts interessieren, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist. Bestünde ersthaft die juristische Möglichkeit die politisch tätigen Eliten direkt abzuwählen, ausserhalb der Elemente der repräsentativen mittelbaren Demokratie, so würden die heimlichen Volksverachter eine ganz andere Politik machen müssen.
Zu Chile, weil das hier immer betont wird, mal ein wenig Klarheit zur aktuellen Lage dort. In Italien wird es einen Generalstreik in 10 Tagen geben.
http://de.indymedia.org/2008/12/234465.shtml
Die Menschen sind überhaupt nicht dumm und schaut man sich an, mit welchem riesigen finanziellen Aufwand Ihnen Informationen vorenthalten und Lügen verkauft werden und das beim täglichen Überlebenskampf der Mehrheit, so ist der Zynismus der politischen Eliten nur noch ekelhaft. Demokraten gibt es in der westlichen Demokratie fast keine mehr.
http://whale.to/b/bernays.pdf
@McFiddich
Schön wär´s ja, wenn es so einfach wäre. Ist es aber eben nicht. Es gab z.B. mal eine Zeit in Deutschland, da waren die Schul- und Ausbildungsbedingen wesentlich schlechter als heute. Das Ergebnis war trotzdem besser. Deswegen sind auch die von Dir erwähnten Studien wertlos. Das wichtigste Kriterium, nämlich die Einstellung des Elternhauses zur Bildung im allgemeinen, findet überhaupt keine Berücksichtigung. Für die Zukunft eines Kindes ist aber das Wichtigste: Antrieb und Hilfestellung von den Eltern. Das kann keine Schule und keine Gesellschaft leisten. Es wird auch nicht darüber geredet, dass in Zeiten einer massenweisen Einwanderung es für jede Gesellschaft reine Glückssache ist, aus welchem Kulturkreis diese Einwanderer stammen und welchen Einfluß sie auf die Statistiken nehmen.
Wenn Bauern sich “immer” so organisieren, hätte es die französische und russische Revolution, geschweige denn die deutschen Bauernkriege etc nicht gegeben.
Den Bauern interessiert ersteinmal eins : Land. Und dann möglichst ein eigenes Stück, von dem er selber leben kann, noch besser wäre aber auch etwas mehr, damit er etwas für den Markt produzieren kann und er sich dadurch einen höheren Lebensstandard erarbeiten kann.
Von den jetzigen Zuständen einer patriachalisch-feudalen Gesellschaftsordnung darauf zu schließen, dass Bauern “immer” zu diesen Zuständen neigen, heißt Ursache und Wirkung verkennen und zusätzlich ohne Rücksicht auf Strömungen und Veränderungen zu interpretieren.
Eine Partei/Gruppe, die den Menschen ihre elementarsten Bedürfnisse verspricht wird unterstützt. Dies kann man auch bei Lula daSilva in Brasilien sehen, der an die Macht kam, ua weil er der Landbevölkerung eine Landreform versprach, nur hat er sie genauso wenig durchgeführt, wie die ganzen anderen selbsternannten Retter der Bauern. Die Folge ist eine Verschärfung der sozialen Frage.
Demokratie würde bedeuten den Armen auch auf Kosten der Reichen zu helfen und sich dabei auf die Mehrheit zu stützen. Das bedeutet wiederum beharrlich aufzuklären, zu organisieren und gemeinsam zu kämpfen – international.
Ich
@scipio : “Das wichtigste Kriterium, nämlich die Einstellung des Elternhauses zur Bildung im allgemeinen, findet überhaupt keine Berücksichtigung. Für die Zukunft eines Kindes ist aber das Wichtigste: Antrieb und Hilfestellung von den Eltern.”
Kannst du dir vorstellen, dass es sehr wohl Eltern gibt, die genau der selben Meinung sind, aber gar keine Möglichkeit haben ihre Kinder zu unterstützen ? Weder finanziell, noch zeitlich ? Es gibt in diesem Land immer mehr Menschen, die von diesen Mißständen betroffen sind.
Früher war es wesentlich schlechter. Ja und wir hatten auch mal einen Kaiser.
Entschuldige bitte, aber auch damals wurde gegen diese Umstände protestiert und es wurden auch Veränderungen erreicht, allerdings gab es solche umfassenden Studien in den 50- 80er Jahre nicht Die wenigen Verbesserungen die die früheren Proteste erreichten, werden zur Zeit zurückgeschraubt : Studiengebühren, Lernmittelfreiheit, privatisierung und kommerzialisierung an Schulen und Universitäten, Verkürzung von Studium und Abitur bei gleichem Themenstoff
ich
Der output der Bildungselite hier am lokalen Gym besteht zum größten Teil aus ethikbefreiten Moralkrüppeln. Nicht nur daß die insgesamt erschreckend wenig drauf haben, was schlichte in Allgemeinbildung reichende Belange betrifft.
Nein, sie halten Adams Smith für das Nonplusultra der gesellschaftlichen Organisation, das Scherbengericht für zeitgemäße Demokratie, wollen ‘Arbeitslose in die Minen schicken’ und wählen in doppelter üblicher Rate FDP. Der Direktor des Gyms ist bekennender FDPler und Verfechter umfassender Marktliberalisierung. Das Selbst-Schuld-Dogma ist die Generalerklärung für alles Übel dieser Welt.
Was da so verzapft wird, schlägt dem Faß die Krone aus. Es ist zum Heulen.
War der Abi-Jahrgang 2008 schon eine Schande für die Nachfahren Geothes und Kants, wird es mit den 2009ern leider nicht besser.
Ich verfolge die Abi-Dokumentationen seit über zwölf Jahren und bekomme mehr und mehr Angstzustände über die moralisch-ethische Aufstellung der zukünftigen ‘Eliten’.
soviel zu den ‘Dummen’ im Lande :-(
Spiegelfechter,
soweit ich es mitbekommen habe, war doch der Grund der Demonstration, die jetzige Regierung abzusetzen.
Warum also nicht darauf warten, dass das die Richter machen?
@ McFiddich #26
Ja ich weiß: Die ganze Palette die immer wieder durchgekaut wird. Weißt Du Mc, das ist doch nur Propaganda. Als ich zur Schule ging, wurde noch Schulgeld verlangt. Die Leute hatten keine müde Mark in der Tasche und haben ihre Kinder trotzdem dahin geschickt. Und warum war das so? Weil Bildung noch einen Wert hatte. Später dann, als Deine sogenannten Verbesserungen erkämpft wurden, ließ das Interesse an Bildung nach. Je mehr Geld in die Bildung gesteckt wurde, je schlechter wurde der Output. In einem Land das jährlich 100 Milliarden für Reisen ausgibt, in dem die Fußgängerzonen zu Weihnachten wegen Überfüllung geschlossen werden müssen und in dem sich der Durchschnittsprolet mehr für seinen Handyklingelton und den neuesten Flachbildschirm interessiert als für die Ausbildung seines Kindes, hört sich daher Deine Verelendungstheorie etwas eigenartig an.
Da fällt mir grad noch ein: Die meisten Nobelpreisträger hatte Deutschland zu Zeiten des Kaisers.
@26 , 29
So ist es. Die realwirtschaftliche Krise, die seit Jahren besteht, schlägt natürlich auch im Bildungssektor gnadenlos zu. Das Argument, die Eltern müssten, sollten, ist lachhaft, wenn man sich den baulichen Zustand der Schulen in Deutschand anschaut. Das gilt für München, für Hamburg, für Berlin selbst für reiche Kommunen wie Potsdam.
In den Schulklassen unter den Schülern spiegelt sich direkt der Gegensatz von Arm und Reich wieder. Da gibt es drei reiche Einzelkids und der Rest schaut finanziell in die Röhre und wird in der freien Zeit von den “Kauf Mich Nimm mich ich bin wichtig” Angeboten gnadenlos von den Konzernen erzogen. So sieht es in Schulen der meisten Metropolen in Deutschland aus.
Die Frage, die man berechtigt sich einmal stellen sollte, wie sollen Eltern gegen die Medienmacht von ein paar Einzelfamilien und deren Konzerne noch an solidarische allgemein humanistische, umfängliche Interessen fördern, Sichtweisen und Werte vermitteln, wenn die Vermittelung und Erziehung kapitalistischer Werte überall im öffentlichen Raum gnadenlos stattfindet?
Schaut Euch doch die Städte an, was aus denen geworden ist, und dann fragt, welchen Einfluss die Eltern da noch nehmen können, gerade dann, wenn sie selbst in finanziellen Nöten sind. Die Möglichkeit zur Bildung, können gerade noch so die finanziell besser gestellten leisten.
Um Bildung im Sinne von Humbolt geht es nämlich schon lange nicht mehr. Seit dem neoliberalen Prozess in Europa und Deutschland, gilt als Bildung nur noch das, was sich verkaufen lässt.
“Das wichtigste Kriterium, nämlich die Einstellung des Elternhauses zur Bildung im allgemeinen, findet überhaupt keine Berücksichtigung. Für die Zukunft eines Kindes ist aber das Wichtigste: Antrieb und Hilfestellung von den Eltern. Das kann keine Schule und keine Gesellschaft leisten.”
Mal angenommen, dem ist so – wie erklärt sich dann der beklagenswerte Zustand der Elternhäuser? Ohne wiederum auf ‘Schule’ und vor allem ‘Gesellschaft’ zu rekurrieren? Sollte man dann nicht vielleicht doch Springer enteignen, Bertelsmann gleich mit und das Privatfernsehen einstampfen, dass auch vornehmlich diese ‘Einstellungen’ transportiert? Oder ist das etwa nicht auch ‘Gesellschaft’?
@ scipio #29
glaubst du allen Ernstes, daß die Verdummungsfortschritte auf Grund einer allgemeinfinanzierten Bildung fußen? Weil Bildung erschwinglich wurde, erfuhr sie eine gefühlte Wertlosigkeit?
Da erscheint mir der verschwörungstheoretische Ansatz des Zeitgeistmovies deutlich überzeugender, muß ich sagen. Man vergleiche den furztrockenen Herrn Haber, der uns die Wettermaschine erläutert mit dem Galileo-Firlefanz. Das spricht doch Bände.
Zudem gab es nicht 24/7-Berieselung auf knapp dreißig Kanälen (das gibt meine Schüssel her), sondern vormittags, nachmittags und nachts wurde ein Radio-Sender mit nem Testbild ‘gezeigt’.
Das Radio hat einen ähnlichen Verfall erleben dürfen. Früher vermochte nicht einmal die Zuhilfenahme von rauschenden und quietschenden Mittel- oder gar Langwellensendern für eine Dauerberieselung zu sorgen. Heute mache ich den Radiowecker nur deswegen an, weil mich extremes Wetter eine Katastrophe vermuten lassen…inzwischen schaue ich sogar eher im Internet nach, ob die Busse noch fahren.
Da liegt wohl eher der Hund begraben.
@Peinhard
Keine Ahnung, warum die Verblödung immer weiter fortschreitet. Ich schätze mal , das ist eine gewisse Wohlstandsdekadenz. Oder es hat die Blödheit schon immer so gegeben und sie wird durch die modernen Kommunikationsmittel jetzt nur sichtbarer. Tatsache ist aber, dass die Korrumption durch den Massenwohlstand zu einer geistigen Verelendung der Elternhäuser geführt hat. Das geht quer durch alle sozialen Schichten, bei den sogenannten Besserverdienern fällt es nur nicht so auf. Und die Gesellschaft hat nur insofern damit zu tun, dass sie sich aus diesen ganzen Individuen zu einem Ganzen zusammenfügt.
Den Artikel und auch die Kommentare kann man doch mit der alten Erkenntnis zusammenfassen: der Mensch ist schwach und unvollkommen! Und dass wir diese Unvollkommenheit bevorzugt bei den anderen wahrnehmen, ist vielleicht einer der schlimmsten Charakterfehler. So ist der Gedanke, den Ungebildeten das Wahlrecht abzusprechen für Leute, die sich für einigermaßen gebildet halten (dazu zähle ich selbstverständlich auch mich), zunächst verlockend. Kann man aber wirklich sicher sein, dass ein Ackermann der Deutschen Bank, den ich durchaus für gebildet halte, eine bessere Politik machen würde, als ein relativ ungebildeter Bauer vom Land?
Meine Oma war so eine “einfache”, schlecht gebildete Frau aus der Landwirtschaft und sie war einer der vorbildlichsten Menschen die ich bis heute kenne, zumindest in ihren unerschütterlichen ethischen Werten. Hätte sie Deutschland gelenkt, würde es sicher weniger Ungerechtigkeit und vor allem weniger Schulden geben.
In den wichtigsten Fragen, nämlich der ethischen Bewertung des handelnden Menschen, unterscheiden sich gebildete und ungebildete Menschen vermutlich weniger, als man annehmen könnte. Dies ist nur eine Vermutung, vielleicht kennt ja einer eine Studie. Ich halte es mit dem Spruch: die Demokratie ist eine schlechte Staatsform, aber die Alternativen sind noch schlechter. Betonen muss man allerdings auch die Notwendigkeit einer funktionierenden Gewaltenteilung. Denn wie gesagt, der Mensch ist schwach und Macht verführerisch …
@ scipio
Für das elterliche und leider großflächige Versagen kann ich aus eigener Erfahrung zwei mögliche Erklärungsansätze liefern.
Zum einen ist die ‘Privatzeit’ schlicht zu gering bemessen. Wann sollen sich denn die Eltern mit ihren Sprößlingen beschäftigen, wenn die Maloche umfassend ruft? Die paar gemeinsam verbrachten Minuten können äußerst unvergnüglich werden, wenn man eine der Hauptaufgaben der Elternschaft ernstnimmt, nämlich seinen Kindern den Umgang mit Grenzen nahezubringen. Hat man das von Anfang an angemessen betrieben, mag es als normale Fortsetzung von Gewohntem sicherlich funktionieren. Hat man jedoch niemals diesbezüglich eine Notwendigkeit erkannt und einen entsprechenden Ehrgeiz entwickelt, schießt man gefühlt der eigenen ‘Kinderliebe’ ins Knie, wenn nicht durchweg eitel Sonnenschein herrscht. Bei dieser Bwetrachtung bleiben die vor den Kindern in die Arbeit Fliehenden natürlich außen vor.
Als zweites Hemmnis sehe ich den mehr oder minder reflektierten Wunsch zur Normerfüllung. Was ist ‘das Beste’ für die Kinder? Wie sieht ‘gute Förderung’ aus? Wer sich dazu nicht genügend Gedanken macht oder aus anderen Gründen lieber den Blick in die Ferne (Umfeld, Medien) schweifen läßt, hat schnell nur noch die ‘große Liste’ (Fahrrad, TV, Konsole, pädagogisch wertvolles Spielzeug usw) vor Augen. Das ist jedenfalls konkret und sieht halbwegs abarbeitbar aus. Dummerweise unterstützt es die erste Problematik, weshalb die Zeit nochmals knapper wird. Ein Teufelskreis entsteht.
Wie der durchbrochen werden soll, ist im Einzelfall nur schwer auszumachen, manches Mal sogar ohne echte Aussicht auf Erfolg. Die sinkenden Reallöhne der letzten Dekaden haben eine üble Erschwernis draufgepackt. Der in den Medien häufig verzapfte Unsinn (Kein Handy für den Sprößling erzeugt ‘mediale Caspar Hausers’ usw) macht es keineswegs leichter, gegen diesen Strom zu schwimmen. Und dann muß man diese Umstände auch erstmal als hinderlich erkannt haben. Das wird nicht einfach, diese Schraube zurück zu drehen.
@Gebintit
Ich finde deine Erkenntniss nicht richtig.
Weil diese “Erkenntniss” , diese Aussage des :
“Die Demokratie ist nicht gut, aber sie ist das beste was wir haben.”
Diese Aussage hörte ich zum ersten mal in der Hauptschule, und das ist jetzt lange her.
So eine Aussage mag stimmen, für einen Staat der sich frisch nach dem zweiten Weltkrieg formiert.
Aber für die heutige Zeit finde ich das unangebracht.
Der Mensch zeichnet sich doch aus in der Erforschung und Entwicklung neuer Ideen.
Kann es sein das wir seit 60 Jahren denken : Demokratie ist schlecht, sie ist aber das beste was wir haben, und keinen Schritt zur Weiterentwicklung beitragen?
Wir haben es uns sehr einfach gemacht, wir haben die Demokratie erreicht und jetzt machen wir es uns hier gemütlich. Die Ideeale und die Werte, die uns soweit gebracht haben das wir eine halbwegs passable Demokratie aufstellen konnten, die interessieren uns nicht mehr.
Heute ist es viel wichtiger “Joggen” zu gehen, damit man fitter für die Karriere ist.
Die Demokratie ist eine Mehrheitsregierung. Und die Mehrheit sind die Arbeiter Und Bauern.
Wenn es den Adligen und Studierten nicht passt, das diese Mehrheit “dumm” ist, dann sollen sie nicht lügen und eine Demokratie propagieren.
Dann sollen Sie sagen was sie wollen, nähmlich eine “Kastendemokratie”.
Die Menschen sehnen sich nach “ehrlichen” und “beseelten” Politikern.
Nur eins , sei ganz gewiss, die die egoistisch sind, sind es nicht.
Den “Pöbel” kann man täuschen, aber das ist nie auf Dauer.
Warum wird jeder Diktator irgendwann gestürzt ?
Weil es das Volk “kollektiv” so will.
Warum werden die “charismatischen” Volksführer nicht gestürzt ?
Warum sagen die meisten Kroaten, Serben, Albaner das sie besser gelebt haben in Titos Diktatur?
Warum folgen die Inder “Mahatma Ghandi”?
Von wem reden die Amerikaner wenn sie Ihre grossen Präsidenten erwähnen ?
Die Dummheit liegt bei denen die das “kollektive Unbewusste” unterschätzen, und wirklich glauben das sie mehr Intelligenz als ein ganzes Volk haben.
Sie meinen wirklch sie könnten mit “Medien” dies alles beeinflussen, lächerlich :-)
Sie sind sogar so eitel, um das Volk mit dem Mob zu vergleichen.
Das Volk ist einfach zu beschäftigt, es muss “Leben”, es hat “Kinder”, es hat “Probleme”.
Das Volk löst andere Aufgaben, die viel wertvoller sein können als Politik (Nahrung).
Das Volk wählt Politker damit sich diese mit den politischen “Problemen” befassen.
Das Volk ist aber nicht so dumm, das es nicht sieht, wenn es ausgebeutet wird.
Und das Volk sind wir alle, auch der studierte.
Das “Paradoxum” des studierten:
“ER/SIE sollte eigentlich so schlau sein, und verstehen.”
Wenn es das “Dumme” Volk nicht versteht, dann sollte der Studierte, wenn er seinen Rang und Namen verdient, es verstehen.
“Demokratie ist eine Mehrheitsentscheidung”.
Ich habe sogar einen Vorschlag…..
Der Kanzler muss aus dem Volk kommen, es darf kein Politiker sein.
Eine richtige Opposition.
Eine Opposition die nicht aus Politikern bestehen darf.
Eine Opposition die rechtlich geschützt und bezahlt wird wie “Geschworene” vor Gericht.
Menschen zufällig aus dem “normalen” Leben gezogen, für einen einjährigen Staatsdienst verpflichtet.
Eine “Humanistische Opposition”, sofort.
@Schachspieler
Du hast natürlich recht, dass man es sich mit dem Churchill-Zitat (“Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.”) nicht bequem machen darf. Gesellschaften, Staaten, die Bürger,… – sie müssen sich immer fortentwickeln und versuchen die Systeme zu verbessern. Das Bessere ist des Guten Feind. Auch in diesem Punkt – Entwicklungsfähigkeit – sind die meisten Demokratien verbesserungsfähig, sind aber doch den anderen Staatsformen überlegen. Mangelnde Flexibilität ist doch einer der Hauptnachteile von Planwirtschaften.
Hier im Blog wird offenbar von einigen eine “gelenkte” Demokratie befürwortet. Diese(r) Lenker sollte natürlich möglichst weise, gerecht und ethisch handelnd sein. Aber nach welchem Verfahren gewährleistest du, dass du eine Kontinuität dieser weisen, gerechten, etc. Lenker hast?
Ich jedenfalls, lebe lieber in einer Demokratie mit Fehlern und einer Gewaltenteilung (mit Fehlern), als in einer gelenkten “Demokratie” nach dem Vorbild Kubas, oder dem Jugoslawien Titos.
Mangelnde Flexibiltät der Grundrechte ist nicht unbedingt ein Lob.
Ich finde Grundrechte sollten nicht flexibel sein, warum auch ?
Grundrechte sollten nur flexibel sein wenn sie gegen sich selber verstossen.
Zwei Sachen dürfen wir nicht verwechseln. Wirtschaft und Demokratie.
Ob es eine Planwirtschaft, ein Kapitalismus oder eine sonstige Abart des Güterverkehrs ist, es hat nichts mit Demokratie zu tun.
Jegliche Wirtschaft ist vorstellbar unter einer wahren Demokratie, wenn es die Mehrheit entscheidet.
Was ist eine gelenkte Demokratie?
Ist eine Diktatur auch eine “gelenkte” Demokratie?
Die Betonung dient bei deiner Aussage auf Lenkung , und nicht af Demokratie.
Demokratie wird durch viele verschiedene Mittel gelenkt, sei es Kommunismus oder Kapitalismus.
Irgenjemand hat mal gesagt :
“Die einzig richtige Demokratie wäre, wenn die Entscheidungsträger, nachdem sie eine Entscheidung im Parlament getroffen haben, unmittelbar in den “Lebensverhältnissen” leben müssten die Ihre Entscheidung benachteiligt.
D.h, einer der Hartz4 vorschlägt müsste nach seiner Dienstzeit im Staat, als Hartz4 Empfänger leben, um die Wirkungsweise seiner Entscheidung zu spüren.
Die Kommunisten haben versagt als sie anfingen Demokratien zu lenken.
Die Kapitalisten haben versagt als sie anfingen Demokratien zu verkaufen.
Beide behaupten von sich demokratisch zu sein.
Den nächsten Versuch sollten wir wagen, aber nicht gleich zum Gottesstaat :-)
Warum will eigentlich keiner der “Aufgeklärten” Schicht weitermachen in Punkto:
Menschenrechte, Tierrechte, Solidarität.
Will keiner weitermachen weil die Begriffe: Demokratie, Freiheit, Humanismus, schon zu sehr “abgefuckt” sind?
Oder hat man einfach keinen Mum ?
Hat man nicht genug in der Hose , um für die Freiheit zu denken? ;-)
Also ich bin echt gespannt was das noch gibt… ich finde diese Ständestaatidee der “Gelben” nicht nur konservativ, sondern auch absurd, aber ein Gauner, der sich “Demokrat” nennt, ist auch nicht unbedingt die bessere Wahl…
Interessante, kontroverse Diskussion. Ich lese Spiegelfechter immer wieder gerne. Danke!