Der vergessene Krieg der NATO
geschrieben am 11. Dezember 2008 von Spiegelfechter
Als die NATO-Truppen die Taliban aus Afghanistans Regierungsämtern trieben, keimte in Afghanistan ein Funke Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf. In sieben Jahren Krieg hat die NATO es allerdings nicht vermocht, die Hoffnung der Afghanen zu befriedigen – im Gegenteil. Unter den Augen der Besatzungsmacht erlangten die Aufständischen im letzten Jahr nicht nur die faktische Kontrolle über einen Großteil des Landes, sie erzielten auch Erfolge im Kampf um Meinungen und die Herzen der afghanischen Bevölkerung. Die Lage der NATO ist prekärer denn je – ACBAR, eine Dachorganisation, die über 100 Hilfsorganisationen vertritt, meldete eine Zunahme der Angriffe der Aufständischen um 50% im letzten Jahr, die Gefallenenquote der NATO überstieg in diesem Zeitraum die im Irak und eine Studie des Think-Tanks ICOS, die am Montag veröffentlicht wurde, weist eine dramatische Wende im Machtgefüge des Landes aus.
Laut der ICOS-Studie “Struggle for Kabul” sind die Taliban in 72% der Gebiete Afghanistans „permanent“ vertreten und üben schwere Aufstandsaktivitäten aus. In weiteren 21% des Landes sind sie „substantiell“ vertreten, nur in 7% des Landes sind sie nur „leicht“ präsent. Vor einem Jahr lagen die Zahlen noch bei 54% (permanent), 38% (substantiell) und 8% (leicht). Die NATO ist in der Fläche auf dem Rückzug – vor allem im Süden des Landes hat weder die NATO noch die Regierung Karzai die faktische Herrschaft. Laut ICOS rüsten sich derweil die Taliban zu einer „Winteroffensive“ auf Kabul, vor dessen Toren sie bereits stehen. Die USA haben bereits angekündigt, eine komplette Brigade vom Irak nach Kabul zu verlegen, um die Taliban zurückzuschlagen.

Quelle: ICOS
Kessel Kabul
Kabul ist derzeit nur über die Ausfallstrasse gen Norden über Land zu erreichen. Die Fernverbindungen Richtung Süden, Westen und Osten sind durch die Aufständischen entweder direkt blockiert oder Opfer von regelmäßigen Angriffen. Für die NATO ist es vor allem verheerend, dass die neu gebaute Fernverbindungsstrasse ins pakistanische Peschawar nur noch für schwer bewaffnete Konvois befahrbar ist – über diese Verbindung gelangen drei Viertel des Nachschubs der NATO-Truppen über den pakistanischen Hafen von Karatschi nach Afghanistan. Diese Nachschubroute ist allerdings nicht nur in Afghanistan gefährdet, auch in den „Stammesgebieten“, die auf pakistanischer Seite an Afghanistan grenzen, hat der pakistanische Staat keine Kontrolle mehr und die Aufständischen greifen die Nachschubkonvois der NATO auch hier immer häufiger an. Am letzten Sonntag haben die Aufständischen an die 100 Lastwagen auf pakistanischem Gebiet in Brand gesetzt und am Montag griffen sie ein Nachschublager in der Nähe von Peschawar an und zerstörten über 50 Tankbehälter.
Die Gefechte zwischen dem britische Truppenkontingent und den Aufständischen im Süden des Landes sind festgefressen. Den einzigen Ausweg aus diesem militärischen Patt sieht der Oberkommandierende der britischen Armee, General Sir David Richards, in einer Aufstockung der Truppen um 30.000 Mann. Damit fällt auch vorerst die wichtigste Alternativroute über Kandahar und den Süden des Landes für den Nachschub auf der Seeroute, über Pakistan, aus.
Nachschub über Russland
Die NATO verhandelt momentan mit Kasachstan und Usbekistan über die Einrichtung von Transitrouten über den Landweg in den relativ ruhigen Norden Afghanistans. Dies würde der NATO eine Alternative zur Einfuhr von Treibstoff gewähren. Bislang kommt der Großteil des Treibstoffs für die NATO-Truppen aus pakistanischen Raffinerien – wenn man sich mit den ehemaligen Sowjetrepubliken einig wird, könnte man Treibstoff aus Aserbaidschan und Turkmenistan über die Nordroute importieren. Mittel- bis langfristig plant die NATO bereits einen alternativen Versorgungskorridor via Eisenbahn von Europa bis nach Afghanistan. Mit Belarus und der Ukraine laufen diesbezüglich bereits Verhandlungen. Russland hat Deutschland bereits eine Genehmigung erteilt, Waffen und Ausrüstung für die Bundeswehr über russisches Territorium zu transportieren. Dies ist das erste Mal, dass Russland einem anderen Staat derartige Transitrechte einräumt.
Verhandlungen zwischen der NATO und Russland über ähnliche Transitrechte finden ebenfalls statt und werden in Moskau dankbar als gute Chance aufgenommen, die Beziehungen zwischen Russland und der NATO zu verbessern. Natürlich geben diese Transitrechte Russland auch ein Faustpfand im Streit um das Raketenabwehrsystem in Osteuropa in die Hand. Dies mag nahe legen, wie kritisch die Versorgungslage für die NATO-Truppen in Afghanistan von Brüssel beurteilt wird – freiwillig würde man Moskau ein solches Faustpfand sicherlich nicht gewähren.
Die NATO-Strategie hat versagt
Die Strategie der NATO, die Afghanen von der Überlegenheit des westlichen Demokratiemodells zu überzeugen und ihnen mit milliardenschweren zivilen Aufbauprogrammen die Vorzüge einer Westbindung zu demonstrieren, droht in einem Sumpf von Korruption und handwerklichen Fehlern zu ersticken. Der ehemalige, für Afghanistan zuständige, Staatssekretär im britischen Außenministerium Kim Howells beschreibt das Land als durch und durch korrupt auf allen Ebenen. Mit der NATO kam in weiten Bereichen des Landes auch eine unselige Form der Anarchie. Korrupte Würdenträger und Sicherheitsbehörden dienten demjenigen, der sie am besten bezahlt. Parallel wurde die wirtschaftliche Basis der Landbevölkerung in weiten Teilen des Landes vernichtet – der Opiumanbau.
Laut der ICOS-Studie hat die Vernichtung von Opiumfeldern durch die lokalen Sicherheitsbehörden nur dazu geführt, die Landbevölkerung in die offenen Arme der Taliban zu treiben. Welche Felder vernichtet werden, ist im Regelfall eine Frage des Schmiergeldes, das die rivalisierenden Drogenbarone und Warlords zu zahlen bereit sind. ICOS schlägt an dieser Stelle ein staatliches Aufkaufprogramm für Opium als Alternative zur Vernichtung der Anbaufelder vor. Das aufgekaufte Opium soll zu medizinischen Opiaten weiterverarbeitet werden. So würde der Landbevölkerung eine Einkommensquelle garantiert werden, die sie am wirtschaftlichen Leben teilhaben lässt und sie somit vor dem Einfluss der Taliban absichert.
Als besonders bedenklich stuft ICOS den Erfolg der Taliban beim Kampf um die Herzen und Köpfe der Bevölkerung ein. Die Liste der Fehler der Besatzungspolitik ist lang und geht über Vernichtung der Opiumfelder, die Bombardierung von zivilen Zielen, die hohe Arbeitslosigkeit, bis hin zum Versickern von Hilfsgeldern in einem korrupten Staatsapparat. All diese Fehler werden von den Taliban mit Erfolg instrumentalisiert und treiben die Bevölkerung scharenweise in ihre Arme.
Wer sind die Taliban?
Wer sind eigentlich die Aufständischen in Afghanistan genau? In westlichen Medien hat sich der Begriff „Taliban“ eingeprägt. Die Taliban sind allerdings mehr als die religiösen Eiferer mit Turban und langen Bärten, die gerne in den Medien gezeigt werden. Die Taliban sind kein monolithischer Block, sondern eine heterogene Masse von Aufständischen, die nur ein Ziel vereint – die Besatzer aus dem Land zu treiben. Unter den Taliban finden sich neben den islamistischen Ultras auch nationalistische Studenten, arme ungebildete Bauern, Veteranen des antisowjetischen Kampfes der Mudschaheddin und Warlords wie Banditen jeglicher Couleur, deren „Geschäfte“ in Konkurrenz zur staatlichen Kamarilla stehen. So heterogen wie die Gruppen selbst, ist auch deren Strategie und Vorgehensweise. Die klassischen Taliban nutzen dieses Sammelbecken des Widerstandes, um das staatliche Vakuum in den umkämpften Gebieten zu füllen – mit ihrer extremen Form der Scharia stehen sie in Konkurrenz zur gewalttätigen Willkürherrschaft und Korruption des Staates. Wenn der Westen es nicht vermag, seinen Satelliten in Kabul dazu zu bringen, Willkür und Korruption zu besiegen, sehen die Prognosen für die islamistische Alternative wohl oder übel Erfolg versprechend aus.
Vergessen Sie den Unfug, wir seien darauf vorbereitet in den Bergen und Ebenen Afghanistans für weitere 30 Jahre zu kämpfen. Die Leute werden die Auffassung nicht akzeptieren, dass britische Familien ihre Söhne und Töchter, ihre Enkel und Enkelinnen, an einen der gottverlassensten Orte der Welt zu senden, um ihr Leben dabei aufs Spiel zu setzen, gegen religiöse Fanatiker, nationalistische Stammeskrieger, korrupte Warlords und Heroinschmuggler zu kämpfen.
Kim Howells, ehemaliger Staatssekretär im britischen Außenministerium
Wenn der Westen den Krieg in Afghanistan noch gewinnen will, muss er neben den militärischen Erfolgen vor allem auch die Herzen der Afghanen gewinnen und die Prognosen dafür stehen heute schlechter denn je. Auch die Sowjets wurden 1979 zuerst von der Mehrheit der Bevölkerung eher als Befreier, denn als Besatzer gesehen. Dieses Verhältnis kippte mit der Zeit und auch eine massive Aufstockung der Truppen brachte keinen Erfolg. Glaubt man dem ehemaligen sowjetischen General Ruslan Aushev, begeht die NATO genau die gleichen Fehler, die weiland der Roten Armee das Genick brachen. Das nächste Jahr wird nach Angaben der britischen Militärführung die Weichen für die Zukunft Afghanistans stellen. Alles andere als ein Erfolg auf ganzer Linie wäre für die NATO eine Niederlage – die Afghanen haben Steherqualitäten, dem Westen geht die Zeit aus.
Jens Berger
Hintergrund und Analyse:
Anand Gopal – Deep in the land of the Taliban
Richard Norton-Taylor, Julian Borger und Suzanne Goldenberg – Convoy attacks trigger race to open new Afghan supply lines
Nir Rosen – The Broken State
Jerome Starkey – Tribal leaders to sabotage West’s assault on Taliban
Michael Shank und Shukria Dellawar – Waking up to Afghanistan’s realities
Kategorien: Ausland
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Wir müssen da weg!
Diese Forderung ist zwar alt, aber die Umsetzung wird immer dringlicher.
@ Degnaphta, #1
Ganz Deiner Meinung! Kabul bietet m.E. alle Aussichten, das Dien Bien Phu der NATO zu werden, wobei sich natürlich noch die Frage stellt, wer der General Giap der heterogen aufständischen Gruppierungen werden könnte.
Ein sehr wichtiger Punkt, was nicht bei der ganzen Diskussion vernachlässigt werden darf ist der Grund warum die Nato oder die Bundeswehr jetzt in Afghanistan ist.
Das Land steht schon seit jahrzehnten im Abgrund und kein Schwein hat es interessiert.
Kurze Zeit vor 11. September und wo es noch kein Mensch hier eine Ahnung hatte wer die Taliban sind und wo Afghanistan liegt kam Ahmad Shah Massud (http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Schah_Massoud), der einzige von den Modschahedins, der sich wirklich für das Volk interessierte nach Frankreich. Er hat alles genau detailliert erläutert, dass es in Afghanistan Bin Laden und seine Männer Terrorcamps aufgebaut haben und Terroristen ausbilden und es eine Frage der Zeit wäre, bis diese den Westen angreifen würden.
Er hat dann um Hilfe gebeten. Hätte man damals schon das Übel an der Wurzel gepackt wäre es gar nicht soweit gekommen. Aber die Europäer hatten nie was zu sagen und die Amis waren mit anderen Gedanken beschäftigt…oder wussten die selber was da vor sich geht????
Naja. seltsamer Weise wurde Massud am 9. September von Al Qaida ermordet….
Und jetzt tut Nato so als wäre sie einzig und allein wegen dem afghanischen Volk da.
Wo es darauf ankam war das Land allen scheiß egal. Die deutschen wären auch nie auf die Idee gekommen dort hinzugehen, wenn es der Ami nicht gewünscht hätte.
Außerdem muss man die militärischen Ausgaben und die Ausgaben für den Wideraufbau vergleichen.
Hab mir von deutschen Soldaten sagen lassen, dass sich dort viele Waffen schön unkompliziert testen lassen, für die man hier jahrelange Papierarbeiten und Genehmigungen durchlaufen müsste. Davon machen nicht nur die deutschen Gebrauch. :)
Alles in allem muss man zugeben, dass hinter der ganzen Einsatz keine wirklich feste Motivation und Wille steckt. Allein wie die Debatte in Deutschland diskutiert wird zeigt doch wie Überzeugt man davon ist. Das gleiche denken auch die Soldaten und die Generäle dort.
Mich würde auch interessieren welche Nation dort wegen Afghanistan und den Afghanen tätig ist und welche wegen Onkel Bush. :)
Das der Krieg in Afg militärisch nicht zu gewinnen ist, ist den Generälen, Politikern und Experten schon lange klar. Auch dem einen oder anderen aufmerksamen Medienkonsumenten wird diese reichhaltige Erkenntniss nicht entgangen sein. Beobachter fordern schon lange in Verhandlungen mit den Taliban zu treten. Eine sehr gefährliche Strategie.
Wäre ich ein Taleb würde ich höchstens nur Lippenbekenntnisse abgeben weil ich weiß das die Zeit für mich spielt. Keine Verhandlungen zu führen sind auch eine Option für mich. Also was tun, liebe Nato? Das die amerikanische Strategie die im Irak angewandt wurde nicht auf Afg übertragbar ist, ist wohl noch nicht zu den genialen Strategen im Pentagon durchgedrungen. Paschtunische Stämme mit Waffen und Geld zu versorgen, damit sie gegen die Taliban kämpfen, ist Selbstmord. Den Widerstand, also die Taliban zu kaufen, ist ebenfalls utopisch. Die Araber im Irak haben sich kaufen lassen, nichts ungewöhnliches für Araber, aber das die Surge-Strategie auch in Afg funktionieren soll, bestätigt die grenzenlose Naivität der Nato-Herren in Washington.
Ich muss zugeben das ich mich in dem Thema nicht so gut auskenne, aber ich kann das [link=http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/taliban-sind-keine-marsbewohner/]Interview mit Christoph Hörstel[/link] in der heutigen Taz empfehlen, der Sich klar dafür ausspricht, mit den Taliban zu verhandeln. Sehr interessant.
Jeder Politiker sollte sich fragen, ob er/sie bereit wäre, den eigenen Sohn in Afghanistan zu opfern. Das militärische Abenteuer wäre schnell beendet.
Afghanistan war ein Alibi-Angriff der Amis nach dem 9/11. Deswegen hatte man auch keine wirkliche Strategie für dieses Land. Es wurde einfach bombardiert, aus Rache. Jetzt haben wir halt den Käse!
Wirklich gute Chance wurde verspielt, jetzt braucht man sehr viel Geld und Geduld, bis man die Lage unter die Kontrolle bekommt. Schnelle Lösungen gibts nicht. Bei einer gut geplanten Strategie bräuchte man mindestens 10 Jahre, um überhaupt irgendwelche positive Ergebnisse zu erreichen.
Quelle: german-foreign-policy.com/de/
Newsletter von heute, 12.12.2008
- Afghanistan sagt Danke
BERLIN/KABUL/FRANKFURT AM MAIN (Eigener Bericht) – Angesichts
zunehmender Kontrollverluste in Afghanistan stärkt die Bundeswehr ihre
Bemühungen um die Einbindung kollaborationswilliger Teile der
afghanischen Eliten. Während am Hindukusch Militär, Polizei und Medien
gemäß deutschen Vorstellungen instruiert werden, intensiviert die
Truppe im eigenen Land den Aufbau informeller deutsch-afghanischer
Netzwerke. Jüngster Ausdruck dieser Entwicklung ist eine
Kooperationsveranstaltung in Frankfurt am Main, die von einem Offizier
der Bundeswehr-Truppe für “Operative Information” initiiert worden
ist. Ihr Motto spielt auf ein archaisches Verbrüderungsritual an, dem
zufolge die Afghanen bereit seien, für den Schutz ihrer (westlichen)
“Gäste” im Ernstfall zu sterben. Während die Bundeswehr mit Projekten
wie jetzt in Frankfurt ihre Netzwerke stärkt – eine Art indirekter
Aufstandsbekämpfung -, wenden sich wachsende Teile der afghanischen
Bevölkerung von den Besatzern ab. Afghanische Frauenrechtlerinnen
etwa, die vor Jahren noch die Anwesenheit der Besatzungstruppen
befürworteten, fordern inzwischen die Menschen im Westen auf, “Druck
auf ihre eigenen Regierungen zu machen, in Afghanistan nicht länger
militärisch vorzugehen”.
mehr:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57418
[Text gelöscht wg. Copyright/SF]
# 3
Afghanistan und, und , und…
die Zahl der Länder und Orte, bei denen “eingegriffen” wird – rund um die Welt – nehmen kontinuierlich zu …
… das ist gewollt … und hat mit der tatsächlichen Lage vorort nix zu tun…
… ganz KONFORM zur Definition der EU als Militärmacht, wie sie der Verfassungsvertrag LEGITIMIERT…
Eher sollte man sagen: jede Gelegenheit ist gut … und die jeweilige tatsächliche Lage vorort dient nur dazu, die eventuell kritische Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen.
Die Umdeutung der EU als zukünftige Welt-Militärmacht war übrigens einer der Haupt-Kritikpunkte der Franzosen, als sie die Gelegenheit nutzten und sich das Machwerk SELBER DURCHLASEN, bevor sie es per Referendum ablehnten.
Diese Möglichkeit sollten sie auf gar keinen Fall noch einmal kriegen. Gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft unternahm Sarkozy einen 1. dicken Angriff auf die Demokratie: er verlagerte die Abstimmung ins Parlament und liess den Verfassungsvertrag ratifizieren… unter dem befriedigten Grinsen der hiesigen Parlamentarier und Parteien…
Tja, und jetzt haben wir den Salat !
@6 gebintit
Aber nein – es würde ein “Gesetz” erlassen werden, das es verbietet, dass Politikersöhne nach Afghanistan dürften.
letzter… dann hör ich auf, versprochen !
noch 1 guter artikel auf Telepolis zum Spiegelfechter-Thema
heute, 12.12.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29331/1.html
Tja, Chance verspielt imho.
Mal schauen wie Obama das angehen wird.
Die obige ICOS-karte wird ja besonders deutlich wenn man diese hier gleichzeitig in einem separatem Tab öffnet und daneben hält.
Die Idee mit dem Opiumankauf hatte ich auch, ich halte die für beide Seiten sinnvoll (Bauern da/Junkies hier) und man könnte dann schrittweise auf Heilpflanzen etc umstellen.
@ corax:
Mal schauen wie Obama das angehen wird.
Hat er das nicht schon angekündigt? Schwerpunkt vom Irak nach Afghanistan verlegen, d.h. Truppen verstärken? Schon jetzt ist der Nachschub ein Riesenproblem. So groß, daß sogar die Russen um Unterstützung gebeten werden; nachdem es vor kurzem noch hieß, man solle eine militärische Auseinandersetzung zwischen Nato und Russland wegen Georgien nicht kategorisch ausschließen – zumindest wenn man im Präsidentschaftswahlkampf steckt und den Namen einer Pommesfirma trägt. ;-) Wenn man also freiwillig dem wiederentdeckten alten Feind ein ausgezeichnetes Druckmittel in die Hand gibt, muß die Situation ziemlich verzweifelt sein.
Mehr Truppen verlegen = größerer Nachschubbedarf = noch größere Nachschubschwierigkeiten. Man macht sich kaum Vorstellungen davon, was so eine moderne Armee so alles täglich geliefert bekommen muß, um funktionsfähig zu sein.
Die Idee mit dem Opiumankauf hatte ich auch, ich halte die für beide Seiten sinnvoll (Bauern da/Junkies hier) und man könnte dann schrittweise auf Heilpflanzen etc umstellen.
Da Schlafmohn eine Heilpflanze ist, plädierst du also für einen Ausbau des Mohnanbaus? :-)
@corax
Eigentlich wäre das eine gute Lösung. Wenn die EU im “Einvernehmen” mit den Herstellern von synthetischen Opiaten, per Gesetz vorschriebe, ihre Einkäufe an Rohopium, etwa zum 10-fachen Erzeugerpreis (gegenüber illegalen Ankäufen) zu tätigen, könnte das Problem gelöst sein. Übrigens, Corax, ich halte die Gegenüberstellung von “Bauern da/Junkies hier” für bedenklich. Vielleicht hast Du in Deiner Nachbarschaft oder Deinem Bekanntenkreis noch keinen tödlich an Krebs Erkrankten aus nächster Nähe erlebt. Mach Dich da mal etwas schlauer.
Fast alle Krebskranken im Endstadium erhalten Opiate, allerdings zumeist synthische. In der Regel können sie danach noch ein paar Jahre schmerzfrei leben. Warum allerdings werden überwiegend extem teuere synthetische Präparate für Todkrake verwendet….ja…warum? (Pharmaindustrielobby?) Eine begründete Notwendigkeit für synthetische Morphine besteht meines Wissens nicht.
Sie könnten auch die Produkte aus kontrolliertem Mohnanbau aus Afghanistan erhalten, und den Bauern wäre geholfen und der Schwarzmarkt damit nahezu ausgetrocknet.
Also “Bauern da/natürliches Schmerzmittel dort” und das zu einem fairen Preis abgekauft, kann ich unterschreiben.
@Fiend_THeyde
„Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie messen.“ ;-)
@Fiend_THeyde
@carlo
Beim Mohnanbau habt ihr mich beide mißverstanden.
Verstärken will ich den Mohnanbau nicht, gibt ja eh genug davon. Und mit Heilpflanzen meinte ich dann zusätzliche Sachen, falls die Pharmazeutische Industrie dann eh schon vor Ort ist. Irgendwelche Kräuter halt, gibt ja auch Leute die bezahlen für Mineralwasser aus Nepal oder Salz aus der Gobi. Mir gehts darum, dass die Bauern ordentlich bezahlt werden und das Opium dann an offizielle Stellen abngeben statt an den Schwarzmarkt. Wenn man daraus dann Medikamente herstellen kann ist das ein zusätzlicher Nutzen, (Win/Win) falls nicht kann man das Zeug meinetwegen auch verbrennen. Hauptsache das Zeug wird nicht zu illegalen Drogen verarbeitet und landet dann irgendwann hier am Bahnhof bei unseren Drogensüchtigen während sich die Warlords und andere damit die Taschen voller Geld vollgestopft haben.
Kann ja nicht angehen, dass unser THW dort Brunnen für die Opiumbauern bohrt während hier kein Geld für Polizisten und Drogentherapieplätze vorhanden ist.
Das mit den Erkrankten ist doch ganz was anderes, da brauchts kein afghanisches Opium für, die nötigen (legalen) Opiate kann unsere Pharmabranche wohl locker alleine herstellen. Aber falls das doch Sinn macht, dass die Industrie Rohopium dort einkauft solls mir auch recht sein.
Wichtig halt, die Bauern können was anbauen was ihnen zu einem Preis abgekauft wird von dem sie leben können und der Schwarzmarkt fällt trocken.
@corax
Wenigstens eine kleine Zustimmung…deinerseits. Andererseits wäre afghanisches Rohopium erheblich billiger als das derzeit erzeugte synthische Produkt. Übrigens, weder den ersten noch den zweiten Weltkrieg hätte man ohne “natürliches Rohopium” führen können, mach Dich da mal schlauer. Muß denn immer Hoffmann-La Roche oder Sandoz etc. profitieren? (und wenn, was haben diese Konzerne zum Guten denn beigetragen???)
@carlo
Das scheint dir ja ein wichtiges Anliegen zu sein und das ist es ja auch aber es führt halt imho hier am Thema vorbei bzw schweift etwas ab.
Thema hier: Afghanistankrieg – Wie bringt man die Bevölkerung weg von den Aufständischen auf seine/unsere/alliierte Seite?
Die Gegebenheiten beim legalen Opiatehandel und deren Herstellung kenn ich nicht, und mit Schmerztherapien hab ich mich auch noch nicht beschäftigt.
Und nein – ich bin kein Freund der Pharmaindustrie und wenn statt ihrer Kleinbauern stärker profitieren können find ich das gut und befürworte das.
Wenn deine Ausführungen stimmen (wovon ich ausgehe) dass man afghanisches Rohopium volkswirtschaftlich sinnvoll legal verwenden kann, dann soll man das natürlich machen.
Hab ich doch gar nix dagegen.
Nix für ungut. ;—)
Grüße.
Entweder sind die Poster hier Drogensüchtig oder es ist wie mit Hr. Peer Steinbrück wieso
in aller Welt soll der Opiumpreis dadurch hochgedrückt werden.
Und die Taliban gestärkt mit Schutzgeld dann die Bauern erpressen Sorry hier fehlt mir jedes
Verständnis.
Wir haben da nichts verloren und sollten uns vielmehr um Staatliche Terrorbekämpfung kümmern
übrigens in der TAZ konnte man entnehmen das dies nicht erst seit Gestern oder 11/9 ein Problem
ist NEIN die Taliban wurden zugar hochgerüstet von CIA usw. um den Drogenanbau wie in der
jetzigen Zeit betreiben zu können.
Hierzu hatte Hr. Hörstler ehml. ARD Korrespodent in seiner Zeit der Bundewehrausbildung schon
eine Karte bekommen die mehr zu den heutigen Schlagzeilen aussagt als die Karte der Stammes-
besetzten Gebiete.
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/taliban-sind-keine-marsbewohner
Allerdings stimme ich nicht mit Hr. Hörstel in jeden Punkt überein, aber vielen Dank
an @Jesus für den Link.
Auch die Engländer hatten schon mal Krieg wg. Opium mit China geführt und verloren
zumindest wurde Shanghai nicht zum Opiumanbau verpflichtet.
Frieden schaffen ohne Waffen.
WIR HABEN DORT NICHTS VERLOREN !!
@ bismodo Forentrolliger
Möge die Macht mit dir sein?
Schlaf dich mal Schlau, und schau dich nicht blöd.
@corax
Die Lösung hängt damit zusammen…..ohne Abweichung vom Problem, Afghanistan exportiert nichts außer Opium und schwarzem Afghan. Daher ist es nett gesagt………die Verwendung von afghanischem Rohopium zu sagen wir mal politischen Preisen, also das etwa 10 fache der illegalen Ankäufer wärs….freut mich das Du da zustimmst. Das wär definifitv die Lösung
Glück Auf
carlo
@Lieber Herr Hasenstrahl oder Bunny Beam
Ich denke doch das im Gegensatz zu ihren Ansichten hier mal eine einfache Lösung präsentiert wird. Drogensüchtig (übrigens eine Frechheit!) sind die Poster hier eigentlich nicht, weil im besonderen ja der notwendige Gebrauch von Opiaten für Krebskranke betont wurde. Oder, Herr Bunny Beam halten sie generell Krebskranke für Drogensüchtig und für Junkies. Dann bräuchten wir ja nach ihrer alberen Meinung nach keine Krebsvorsorge oder Nachsorge mehr.
Kleine Frage: Wie alt sind Sie denn? (vielleicht pubertieren Sie noch?)
Durch eine Erhöhung des Ankaufspreises um das “ZEHNFACHE”
bei den Mohnbauern gehe ich nicht davon aus das mehr verfeinertes Opium auf dem illegalen Markt landet. Ist das dann so schwer….zu begreifen?
Der Krieg in Afgahnistan ist ein sozialer Krieg Aller gegen Alle.
Auf der einen Seite die unter dem Schutz der Nato stehenden fundamentalistischen Drogen- und Waffenhändler um die Familie Karsai, die Ihren eigenen Staat und Profite zum Festpreis garantiert bekommen haben, weil sie die politischen Garanten für die westliche Geopolitik im terrestrischen Flugzeugträger Afgahnistan spielen, deren Gewalt gegen die eigene Bevölkerung, gegen die Frauen und den sozialen Krieg gleichzeitig als originäres Beiwerk hingenommen wird, und auf der anderen Seite, die fundamentalistischen Talibschüler mit Ihren Madrassas, eine soziale Bewegung Ausgeschlossener und Radikalisierter, und nationalisierter Afgahnen, die diesen politischen Schutz der Drogenproduktion und die geopolilitischen Ziele fremder Besatzungsmächte wie der Nato nicht hinnehmen und die gleichzeitig einen furchtbaren Krieg gegen alle führt, die ihre politischen Ziele nicht teilt.
Drogenhändler gegen Drogenhändler in einem zerfallenden, vom kapitalistischen Weltmarkt sonst ausgeschlossenen, patriachalen Staat, ähnlich, wie in Mexico und dem Kosovo, wobei die “Unseren” politisch von der Nato beschützt werden.
http://www.rawa.org/german.htm
http://www.rawa.org/rawa/2008/10/02/interview-zoya-im-gespr-ch-ber-gewalt-gegen-frauen-und-die-internationalen-truppen-in-afghanistan.html
Jens, klasse Dein Artikel!
@18-20: Erstmal Bunny: Ich finde es in den Diskussionen hier angenehm, daß es nicht so in Hauen und Stechen ausartet wie bei Heise oder im Usenet. Dafür ist vonnöten, sich etwas am Riemen zu reissen. Wenn hier jemand drogensüchtig wäre, wäre das immer noch eine Sache zwischen ihm und seinem Arzt.
Carlo allerdings: Der Rohopiumpreis ist auch kein komplett politischer Preis. Der legale Weltbedarf an Morphinen ist begrenzt und auf Grund der Entwicklung synthetischer zentral wirkender Analgetika auch eher rückläufig. In Afghanistan war eher das Problem, dass die nördlichen Warlords der Anti-Taliban-Fraktionen am Drogengeschäft verdienten, während die pashtunischen Stämme darin nicht involviert waren und die Taliban auch ideologisch gegen Drogen sind. Hinzu kommt die jahrzehntealte Drogenliaison der CIA, die dem Vernehmen nach schon immer erhebliche Teile ihrer Schattenhaushalte aus diesem Geschäft zieht.
Was den Artikel von Hölstel angeht: danke für den Link, der Mann ist vernünftig. Und ich sehe hier eigentlich wenige, die meinen, der Krieg in Afghanistan solle fortgesetzt werden.
Die westlichen Interventionstruppen haben bislang ca. 1000 Mann an (öffentlich eingestandenen) Gefechtstoten verloren, ein Sechstel der 6.400 der Roten Armee, allerdings dürfte aufgrund des schnellen Ausfliegens Schwerverletzter (wodurch im Hospital in Wiesbaden Verstorbene nicht als Afghanistangefallene zählen) und der besseren medizinischen Versorgung die Verluste eher bei einem Drittel als bei einem Sechstel der sowjetischen liegen dürften. Und sie sind noch nicht so lange da. Die materiellen Verluste dürften eher jetzt schon über den sowjetischen liegen. Insgesamt stellt sich eher die Frage, wann man endlich einsieht, dass man nur abziehen kann, als die, ob man abzieht.
Ach ja:
Die Zerstörung der Opiumfelder in Afgahnistan dient eigentlich nur der Vernichtung von Überproduktionskapazitäten der innerafgahnistschen Konkurrenz, und , wie hier schon richtig angemerkt wurde, besteht mit den Chemiekonzernen und ihren syntestischen Drogen im Westen eine zweite Liga von Konkurrenten, die kein Interesse an direkten Überkapazitäten hat.
Westlicher Kapitalismus mit westlicher Moral und westlichen Werten, was anderes ist das leider nicht.
@6 Gebintit
dazu passt diese Montage:

@ aquadraht
die sowjets hatten über 15000 tote zu beklagen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Afghanischer_Bürgerkrieg_und_sowjetische_Invasion
und die materiellen schäden für geringer zu halten finde ich alles andere als realistisch.
ich war dort und kann man an überreste der konvoys errinern. Lagen an jeder straßenecke.
die sowjets hatten beim abzug fast alles liegen lassen. wieviel material da “verschwendet” wurde, kann man sich überhaupt nicht vorstellen.
Die russen haben ja auch die Nationalarmee auch sehr gut ausgestattet.
Die Verluste in Afghanistan haben doch den Zerfall der Sowjetunion eingeleitet.
Naja.. das tut nicht der sache…aber wer sich genauer mit der sowjetischen Invasion beschäftigt hat weiß, dass die Nato dort langfristig keine chance hat.
Afghanistan ist nicht Irak. Die Menschen dort haben eine ganz andere Mentalität.
Den Begriff “Besatzung” will da keiner hören. Ist nicht zu spaßen.
Zu beachten ist auch, wie schon erwähnt, dass die Nato die Mission nicht für Afghanistan macht sondern NUR eigene Ziele verfolgt. Es steckt keine richtige Motivation dahinter.
So kann kein Krieg gewonnen werden.
@momen: Ich beziehe mich auf G.F. Krivoseev, John Erickson, Soviet Casualties and Combat Losses, London/Mechanicsburg 1997, p. 285ff.
Es trifft zu, daß die Gesamtverluste der UdSSR 14.453 Tote betrugen, davon 13.833 Militärpersonen. Davon waren aber nur 6500 direkte Gefechtsverluste. Insgesamt lag die Zahl der getöteten Militärpersonen bei 8.984, weitere 1708 starben durch Unfälle und Selbstmord, an Verwundungen starben 2.337, und 804 an Krankheiten. Die “combat losses” der Truppe waren in der Summe 11.321, die “non-combat losses” 2.512.
Übrigens hatte die UdSSR zwischen 25.12.1979 und 15.2.1989 insgesamt 620.000 Mann im Einsatz in Afghanistan. Abgesehen davon, dass die sowjetischen Verlustzahlen ungeschminkte interne Daten sind, dürften die prozentualen Verluste der NATO angesichts der niedrigeren Truppenzahl jetzt schon mindestens an die sowjetischen Verluste heranreichen.
Was die materiellen Verluste angeht, mag das bezüglich des absolut zerstörten Materials strittig sein. Ich bin nicht da unten, Wracks zählen. Wertmässig war der NATO-Krieg gewiss schon teurer. Und was die NATO beim Abzug liegenlässt, werden wir erst sehen.
Bei Wikipedia und politischen Themen wäre ich vorsichtig. Das fängt bei AKW an, wo es kaum möglich ist, die Phalanx der Aktivisten und Spin Doctors zu durchbrechen.
Die Behauptung, Afghanistan habe den Zerfall der UdSSR eingeleitet, halte ich für genauso fragwuerdig wie die, Reagan habe die UdSSR erfolgreich totgerüstet. Bestenfalls hat Afghanistan zur Legitimationskrise der UdSSR beigetragen.
@Bunny Beam
Sorry….ich war nur etwas sauer wegen des nicht angebrachten Drogenmißbrauch-Vorwurfs.
Sonst bin ich auch Deiner Meinung…..was sollen deutsche spätpubertierende mit Sturmgewehren und Straßenpanzern in einem Land, wo sie nicht einmal die Sprache beherrschen, mehr noch….ich gehe davon aus, daß die Bundeswehrsoldaten sich dort ohne Begleitung nicht einmal im Basar oder in dortiger Gastronomie einen Tee bestellen können.
Also….Abzug des deutschen Kontingents in Afghanistan halte ich selbstverständlich für geboten und richtig.
Das nur gesagt um Unklarheiten auszuräumen!
Leider hat der “Spiegelfechter” recht, es handelt sich hier um einen vergessenen Krieg.
Man siehts schon an der geringen Resonanz.
Um das etwas aufzuwerten: Brüll ich jetzt mal…..
Krieg schafft Arbeitsplätze…..an der Front!
Mehr Atomrüstung…………..sollen russische Kinder ewig leben?
als Herz-Jesu-Christ geht das doch durch…….oder?
Weiss jemand wer der cool aussehende Typ mit dem weissen Turban ist ? Habe das Bild schon öfter gesehen. Ist sicher bereits verstorben…So ne Art Geronimo (berühmter Apachenhäuptling) im Namen Allahs
@SF #24
Ist das Zitat von meinem “Landesvater” Günther Öttinger (BaWü)? [Brechreiz]
Wenn sich ein Politiker einen Krieg herbeiwünscht, um das System zu “resetten”, dann ist das sehr vielsagend.
Auch wenn man sich unser Steuer- und Verwaltungssystem anschaut, bei dem selbst die Juristen nicht mehr durchblicken, könnte man sich einen Reset durch einen Krieg herbeiwünschen. Holen wir doch die Taliban nach Deutschland, dann müssten wir unsere Truppen nicht mehr so weit transportieren, hätten geringere Nachschubprobleme, könnten die grüne Tarnfarbe an den Fahrzeugen lassen und die bärtigen Taliban ließen sich hier auch leichter von der Zivilbevölkerung unterscheiden.
@gebintit: Gute Idee, die verteidigen dann den Hindukush am Rhein. Wir sollten vielleicht Entwicklungshilfegelder bereitstellen, damit sie Flächenbombardements auf deutsche Städte machen können. Das Kanzleramt sieht so Scheisse aus ..
@aquadraht
Die Entwicklungshilfe wäre vielleicht nicht nötig. Die Amis würden uns schließlich im Kampf gegen die Taliban unterstützen. Braucht nur der Thierse ins Kanzleramt spazieren, die CIA beobachtet das, hält ihn für einen Taliban, GPS-Koordinaten durchgegeben, Missile programmiert und schon ist das Gebäude weg.
Wozu brauchst du Feinde, wenn du solche Freunde hast (sie betreiben ja auch schon in Friedenszeiten munter Industriespionage).
Aus dem Alltag in Afghanistanin loser Folge
Taliban Country (2004)
Die australische Filmemacherin Carmela Baranowska war
für diesen Film drei Wochen lang mit US-Marines
in Afghanistan unterwegs, in einem gefährliches Gebiet,
wo weder die UNO noch Hilfsorganisationen arbeiten.
Carmela drehte, wie die Marines Jagd auf Taliban machen.
Danach machte sich die Autorin noch einmal auf den Weg
in dieselbe Region – diesmal ohne US-Soldaten.
Ihr gelingt es, einfache Dorfbewohner zum Sprechen
zu bringen. Unzensiert können sie erzählen, was ihnen
die US-Soldaten während ihrer Razzien antaten. Aus beiden
Perspektiven, der der US-Soldaten und der ihrer Opfer,
entsteht ein ungeschminktes Bild eines Krieges, der immer
noch andauert und den die Weltöffentlichkeit beinahe schon
wieder vergessen hat.
Carmela Baranowska hat mit Taliban Country, so der englische
Originaltitel, ein seltenes und aufschreckendes Dokument über
die Taten und Untaten USamerikanischer Soldaten vorgelegt.
Sie gewann dafür den Walkley Award, vergleichbar mit dem Pulitzer-Preis.
Auf der Jagd nach Taliban – US Soldaten und ihr Krieg in Afghanistan
*Doku* in 5 Teilen
Teil 1/5[deutsch]
http://www.youtube.com/watch?v=TXhB8m53A-s&feature=related
Original[english]
http://www.archive.org/details/Taliban
Cui bono?
There were 8 publicly-reported Defense Contracts listed
[Today 12/11/2008 ] totaling $240,774,813
[quelle militaryindustrialcomplex.com]
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Hi,
da hier auch viel über die Aufkaufpläne der Opiumproduktion diskutiert wird (pro/contra) möchte ich für alle interessierten darauf hinweisen, dass diese Strategie von den USA bereits angewendet wurde. Konkret im Falle der Türkei, wo noch vor einigen Jahrzehnten grosse Teile der ländlichen Bevölkerung darauf angewiesen waren. (ich glaube es wurden 2 oder 3 Jahresernten seinerzeit gekauft)
Im Bezug auf die Türkei hatte dies jedenfalls Erfolg.
Dennoch hoffe ich auf eine baldige Niederlage der Nato in Afghanistan, da ich den Standpunkt vertrete, dass sich Gesellschaften nur aus eigenem Antrieb heraus “befreien” können – Gewaltsames Nationbuilding ist immer zum Scheitern verurteilt. (zumindest auf lange Sicht)
Das erkennt man sogar beim Vergleich von versch. Westlichen Nationen, wie z.B USA und Deutschland, die ansich eigentlich laut Medien gemeinsame Werte und Freiheitsverständis (angeblich) haben.
Vergleicht einfach wie leicht es in den USA (die sich selbst “befreit” haben) als Privatmann ist, eine/n eigenen Radiosender, Fernsehsender oder Zeitung zu betreiben und das bei echter Meinungsfreiheit, oder wie leicht man dort an Waffen rankommt, und sogar vom Staat unabhängige Milizen gründen kann, und wie schwer/unmöglich es im Vergleich dazu in Deutschland ist!
In Deutschland ist man ja mittlerweile schon so weit, dass man nun über die staatlich vorgeschriebene Geschichtsdeutung bzgl des zweiten Weltkriegs hinaus auch die Leugnung vom türkischen Völkermord an den Armeniern, dem serbischen Völkermord an den Bosniern usw unter Strafe stellen will.
In der Türkei wiederum gilt ein staatlich angeordneter Zwang zum Leugnen des Völkermordes an den Armeniern, was im Endeffekt dazu führen könnte, dass Personen, die sich oft im Ausland aufhalten, verschiedene gesetzlich angeordnete Geschichtsinterpretationen berücksichtigen müssen.. Also wenn das die vielgepriesene westliche Freiheit sein soll …
Vielleicht wird uns ja dann nach der Niederlage in Afghanistan angeordnet, dies als einen historisch glorreichen Sieg zu interpretieren :P
@30 Gebintit
Aber genau das tun wir doch! Indem wir in ihr Land scheissen und in Afghanistan eine Rassenjustiz praktizieren, motivieren wir die Leute dort erst richtig, hier in Deutschland sogenannte Anschläge durchzuführen. Hier passt ein Peter Ustinov-Zitat:
“Der Terrorismus, der im furchtbaren 11. September kulminierte, ist ein Krieg der Armen gegen die Reichen. Der Krieg ist ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen.”
Ungeachtet des miesen Trutherrufes, die den Ausspruch “cui bono” geprägt haben, ist diese Frage hier in Deutschland durchaus angebracht:
1) Ist unsere Regierung moralisch und ethisch tatsächlich so erhaben, dass sie eigene Ressourcen (neben ihren Nebenverdiensten) einsetzen, um in irgendwelchen Käffern notleidende Menschen von Ungerechtigkeit zu befreien?
2) Wieso gibt es in Afghanistan 2 “Mandate”? Operation Enduring Freedom – allgemein als Rachefeldzug anerkannt und das ISAF-Mandat, welches offiziell die afghanische Infrastruktur aufbauen soll und ein Menschenrechtverletzerregime abschaffen soll? Kann ISAF unter diesen Zusammenarbeitsvoraussetzungen überhaupt etwas anderes als eine Straf- und Unterdrückungsmission sein?
3) Wer bezahlt die Waffen, die in Afghanistan am Objekt getestet werden und vor allem: Welche Konzerne bekommen das Geld?
4) Was hat Deutschland für einen Vorteil davon, dass es sich an dem Krieg beteiligt?
5) Was hätte Deutschland für einen Nachteil. wenn es sich nicht beteiligte?
6) Wie ist die Menschenvernichtungsmission in Afghanistan zu betrachten, wenn man die anderen geplanten und aktuellen Menschenvernichtungsmissionen (Krieg genannt) Deutschlands z.B. in Afrika oder damals im Irak (BND) betrachtet?
7) Sind wir wirklich willkommen? Wenn ja, wieso gibt es dann plötzlich immer mehr Anschläge auf Deutsche?
8) Was ist mit den AWACS-”Aufklärern”?
Und viele Fragen mehr. Wenn ich mir das so überlege, komme ich zu dem Schluss, dass einige deutsche Konzerne in Afghanistan Geld verdienen können – Neusprech: Arrrbeitsplätze werden geschaffen. Die Gekauften in Berlin erfüllen also mal wieder einen Auftrag. Und wie so oft, schädigt er unser Land, unsere Bewohner, unserem Ansehen und die Bewohner des Schlachtfeld liefernden Landes – in diesem Falle Afghanistan.
Jeder Westentaschenstratege wusste spätestens nach dem UDSSR-Debakel, dass man schon alleine aufgrund der Topographie in einem Land wie Afghanistan einen Krieg niemals gewinnen kann. Es geht also um das Geld für die Konzerne, die unsere Regierung kaufen.
# 35
…”die unsere Regierung kaufen”
a) … gekauft haben!
b) … die IHRE RegierungEN gekauft haben.
Ich hab noch nicht ganz gelesen… vll. steht es ja irgendwo :) Taliban bedeutet übersetzt übrigens ‘Studenten’. Das hab ich mir mal von einem Pakistaner erklären lassen. Das soll jetzt nichts über die Absichten bestimmter Taliban-Gruppierungen aussagen. Man sollte das allerdings wissen. Gerade Journalisten neigen nämlich dazu nicht immer so genau hin zu hören. Taliban ist da ein schönes Schlagwort. ‘Die Taliban besuchen vermehrt den sehr gefragten Chemieunterricht an der Uni’ könnte bei einer journalistischen ‘Übersetzung’ / Interpretation etwas völlig anderes bedeuten als es der Realität entspricht. In diesem Zusammenhang noch eine interessante Info: jener Pakistaner sagte mir, dass es ein Sprichwort gibt, welches da lautet ‘wenn es in Indien regnet, sind die Pakistaner dran schuld’.
Nunja. Ich werde mich dem Artikel hier noch richtig annehmen. Meine Äußerungen bitte nicht als Kritik verstehen. Ich persönlich finde es nur sehr interessant (um nicht zu sagen ’spannend’), wenn man mal einen anderen / weiteren Blickwinkel erhält :)
@37
Klar heißt Taliban “Schüler, Student”. Aber damit sind ja fundamentalistische Koran-Schüler gemeint. Und die selber verstehen sich auch so.
Und … manno! – Ich will mich jetzt mal was naiv geben:
Könnte nicht alles viel besser sein, wenn die Taliban bleiben würden wo sie sind und nicht gegen die Nato-Truppen kämpfen? Wäre dann nicht alles viel besser? Könnten die nicht versuchen ihr Leben zu führen, verlieben, Kinder kriegen usw.? Was soll der Quatsch? Der ganze nervende Mist wegen diesen Idioten!
Die Nato will dort doch eigentlich gar nichts Schlechtes. Man ist da ja nicht “einfach so” hingegangen, um die mit der “Überlegenheit der Demokratie” zu beglücken. Und es geht doch auch nicht darum den Leuten ihre Lebensweise zu verbieten, oder so. (Vermutlich muss der Westen wirklich Opium aufkaufen, statt Felder zu verbrennen.)
Und dann ginge es den Leuten doch auch überall sehr viel besser als unter der Taliban-Herrschaft. Das ist ja teilweise schon jetzt so. Die Probleme liegen doch einfach zu 70% an den Taliban und nicht so sehr an der Nato. Weil es doch die Taliban sind, die die Nato-Soldaten ständig angreifen. Also so eigentlich …
Aber vermutlich haben die Amerikaner mit ihrer “Operation Enduring Freedom” so heftig und rücksichtslos angebliche Terroristen gejagt und das Land und den Wiederaufbauf durch die Fixierung auf den Irak so fahrlässig vernachlässigt, dass die Lage jetzt so ist wie sie ist.
Und “die Taliban” (und alles was man dazu zählt) haben nichts anderes gelernt als ihr Leben lang Krieg zu führen und mit der Waffe in der Hand Leute zu beeinrucken und forcieren auch deshalb den Krieg.
Dort bleiben kann man jetzt nur unter sehr ungünstigen Bedingungen.
Und abziehen geht auch nicht.
@38 & 39
Die Mohnfelder der Familie Karsai und deren Unterstützer werden nicht verbrannt. Verbrannt werden diejenigen Felder, die der Konkurrenz gehören. Der Markt für das Produkt Opium ist gesättigt, und weder die westlichen Chemiekonzerne, noch die politischen Unterstützer in Afgahnistan benötigen auf diesem Gebiet eine Konkurrenz, die den Monopolprofit gefährden könnte.
Gleiches gilt für den immer gern erwähnten naiven Vorschlag, die afgahnischen Bauern sollten doch ein anderes Produkt statt Mohn für den Weltmarkt anbauen, einen Weltmarkt, welcher sowieso schon von westlichen Agraindustriekonzernen und deren Regierungen dominiert wird.
Man muss verstehen, dass geostrategische Kriege wie in Afganistan auch und im Kern immer Kriege um und für kapitalistische Märkte und gegen deren Konkurrenten sind. Märkte, die gesättigt sind.
Die Talibschüler sind in letzter Konsquenz ein soziales Problem. Überflüssige, die einen sozialen Krieg führen, ähnlich wie die “Überflüssigen” in Deutschland und Westeuropa.
@40 name
“Man muss verstehen, dass geostrategische Kriege wie in Afganistan auch und im Kern immer Kriege um und für kapitalistische Märkte und gegen deren Konkurrenten sind. Märkte, die gesättigt sind.”
Mag schon sein. Aber wenn für die Bevölkerung etwas dabei heraus kommt, das nur halbwegs besser ist, als das was vorher unter der Taliban stattgefunden hat, dann ist das ja egal. Die Amis dürfen dann von mir aus auch ne dicke Pipeline bauen.
Und trotzdem sollte man versuchen den Mohn aufzukaufen (und dann den größten Teil zu verbrennen). Da muss doch was besseres möglich sein. Auch wenn es nur ein fauler Kompomiss sein sollte. Selbst wenn die Regierung Karsai das große Problem ist.
Eigentlich müsste man Afghanistan zum EU-Fördergebiet erklären. :)
Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die afghanische Bevölkerung unter normalen Umständen die Taliban zurück wünscht.
Wenn die Taliban Afghanistan “zurück” erobern, dann werden die sich vermutlich erstmal wieder die nächsten 10 Jahre gegenseitig bekämpfen. Dann wird erst Recht nichts besser. Weder für uns, noch für die.
@38: Kurz und einfach falsch. Talib ist hocharabisch für Schüler, nicht mehr und nicht weniger. Es bezeichnet genauso die kleinen Lernenden in einer Grundschule wie die Lernenden an einer Universität.
Warum sich die Taliban (Mehrzahl von Schüler) so genannt haben, wird hier ganz gut beschrieben:
http://www.wer-weiss-was.de/theme87/article881467.html
#41
mir scheint, daß du komplett im Informationssumpf des medialen Mainstreams feststeckst. Was war denn bitte ‘vorher’? Doch ‘nur’ ein Krisengebiet, wie es leider noch zuviele auf Mutter Erde gibt. Daß man (USA & Friends) da nun unbedingt kriegerisch intervenieren mußte, hatte zu keinem Zeitpunkt tatsächliche ‘humanitäre Gründe’ oder sonstige der Menscheit und speziell den Afghanen dienliche Ambitionen.
Da wird uns eine äußerst häßliche Scharade vorgeführt.
@38
was tut die NATO denn in Afghanistan, wenn sie nichts Schlechtes tut. Gutes auf jeden Fall nicht. Was bitte machen Deutsche dort, ich jedenfalls verstehe es nicht.
Ich gebe zu, nicht wirklich zu wissen, wie es der Bevölkerung vor dem November 2001 ging, mein Vertrauen in deutsche Medien ist mir genau am 12.09.2001 komplett verloren gegangen.
Und die bösen Taliban? Wer bitte hat sie einst (als sie noch nicht böse waren) finanziert? Woher nimmt die westliche Welt mit den USA an der Spitze überhaupt einen Anspruch, überall als Weltgendarm aufzutreten?
@corax, carlo u.a.
Resolving Afghanistan’s opium crisis is the key to
the international community’s successful stabilisation
and development of the country. Yet, by over-emphasising
failed counter-narcotics strategies such as forced poppy
eradication, the United States-led international community
has aggravated the security situation, precluding the very
reconstruction and development necessary to remove Afghan
farmers’ need to cultivate poppy. In 2006 Afghanistan
produced 92% of the world’s total illegal opium, directly
involving at least 13% of the country’s population.
weiterlesen–> poppyformedicine.net[eng]
…in nuce < ')"={
@44
“was tut die NATO denn in Afghanistan, wenn sie nichts Schlechtes tut.”
Sie verhindert Zustände wie hier beschrieben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Taliban#Ideologie.2C_Religion_und_Praxis
Das alleine ist natürlich kein ausreichender Kriegsgrund.
Weiterhin hat man damals – sorry – in der Tat mit Segen des UN-Sicherheitsrates Al-Kaida aus Afghanistan vertrieben und teilweise gefangen genommen. Weiterhin hat man Ausbildungslager von dort beseitigt.
Und meiner bescheidenen Meinung nach gab es damals auch keine andere Möglichkeit als dies so zu tun.
Alles zusammen war ein ausreichender Kriegsgrund.
“Was bitte machen Deutsche dort, ich jedenfalls verstehe es nicht.”
Zum einen hat die Bundesregierung sicher schon 2001 gemerkt, dass Bush in den Irak will. Die Beteiligung in Afghanistan hat diplomatischen Handlungsspieraum geöffnent, um beim Irak nein zu sagen. Vielleicht hat man auch gedacht wir gehen in den sicheren Norden und können das dann vorschieben.
Außerdem war das in Afghanistan auch nicht völliges Unrecht und die Gründe waren m. E. weitesgehend echte.
Zudem Bündnistreue. Die Nato ist auch nicht völlig unwichtig, so dass man die einfach auflösen könnte. Sorry.
“Ich gebe zu, nicht wirklich zu wissen, wie es der Bevölkerung vor dem November 2001 ging, mein Vertrauen in deutsche Medien ist mir genau am 12.09.2001 komplett verloren gegangen.”
Siehe oben. Wieso soll das Vertrauen in deutsche Medien völlig weg sein?
Nicht alles ist immer Propaganda. Es tut mir leid. So ist die Welt m. E. einfach nicht. Über Afghanistan, Al-Kaida und Bin-Laden wurde auch schon vor 2001 berichtet. Ich selber hab Interviews mit Bin-Laden gesehen wo er Anschläge angekündigt hat.
Beim Irak waren die deutschen Medien dagegen äußerst kritisch und gegen die USA. Da gibts doch keine böse us-treue “Mainstreammedien-Linie”.
“Und die bösen Taliban? Wer bitte hat sie einst (als sie noch nicht böse waren) finanziert?”
Muss man prizipiell alte Fehler/Politik von Vorvorgänger-Regierungen fortsetzen?
Kann das ein Kriterium sein? Jede Art von Politik (und erst Recht Krieg) hat ihre Ursache in fehlerhafter Politik von Vorgängerregierungnen. Das kann doch schlicht und einfach keine entscheidende Rolle spielen.
“Woher nimmt die westliche Welt mit den USA an der Spitze überhaupt einen Anspruch, überall als Weltgendarm aufzutreten?”
Das sollte sie nicht. Aber nach dem 11.09.2001 konnte das in Afghanistan nicht so bleiben wie es war. Sorry. Man konnte doch nach diesen Anschlägen nicht Taliban, Bin-Laden & Co. einfach so völlig unbehelligt dort rumlaufen und in die Kamerea grinsen lassen. Und eine andere Möglichkeit gab es nicht. Und auch wenn man damit natürlich nicht alle Probleme lösen konnte. Das hat auch vorher keiner behauptet. Außer vielleicht Bush.
Deshalb sind wir da. Und deshalb haben wir heute dort die Probleme. Und weil man alles falsch angepackt hat. Ja. Aber dort gab es echte Gründe für den Krieg.
Wegen des Irak-Fiaskos hält sich die Welt ja überall sehr zurück. Z. B. in Afrika.
Ich hätte als US-Präsident auch den Krieg in Afghanistan geführt, aber dann auf eine Politik des Ausgleichs gegen alle anderen gemäßigten Moslems gesetzt.
@43 Degnaphta
Natürlich hatte/hat der Afghanistankrieg nicht hauptsächlich”tatsächliche ‘humanitäre Gründe’ oder sonstige der Menscheit und speziell den Afghanen dienliche Ambitionen”.
Sondern ganz handfeste eigene Interessen der westlichen Staaten.
Aber eben *auch*. Und viel mehr kann man realistischerweise nicht erwarten.
Ob das heute auch noch so ist, oder ob man nicht alles zu verfahren hat, ist die Frage.
Aber ich bin wohl zu sehr im Mainstream … :)
(Entschuldigung, aber Mainsteam heißt m. E. nicht zwingend falsch.)
@Sukram #47
Der Mainstream-Sumpf bedient sich verständlicherweise auch und wahrscheinlich sogar überwiegend nachweislicher Tatsachen. Sonst würde die Propaganda ja auch zu schnell als solche entlarvt.
Am Beispiel der psychologischen Vorbereitung für den Afghanistan-Feldzug läßt sich eigentlich äußerst gut nachvollziehen, wie mit einer Mischung aus Tatsachen, Über- u Untertreibungen sowie schlichter Lügen, ein allgemeines Meinungsbild kreiert werden kann, das dann die Basis für eine Legitimierung des Einmarsches herhalten muß.
Es wurden äußerst benachteiligte Frauen und Kinder vorgezeigt, die Gleichberechtigung und Bildung vorenthalten bekamen. Es wurde der schreckliche Volkssport ‘Ziegenball’ als Abscheu erregend und abschaffenswürdig an den geschockten Okzidentalen herangetragen. Es wurde die Sprengung der Buddha-Statuen weiträumig thematisiert, ohne daß Ansätze einer Klärung der tatsächlichen Hintergründe stattfand.
Die hiesige Emanzipation der Frau hapert am Arbeitsplatzargument. Würden die Löhne geschlechtsneutral angeglichen, würden Arbeitsstellen vernichtet, was aber keine(n) richtig aufzuregen scheint, daß der deregulierte Markt die Emanzipation nicht finanzieren kann.
‘Ziegenball’ dürfte halt _die_ Sportart im nördlichen Himalaya sein, wenn man den Reportsendungen über diese Region Glauben schenken kann.
Die Denkmalsprengung mag ebenso von einem ‘pfiffigen’ Schlapphut stammen wie von einem überdrehten religiösen Hardliner.
Dennoch ist die Summe dieser Darstellungen genug, um ‘den Normalbürger’ glauben zu lassen, daß eine militärische Intervention geradezu hochnotwendig ist. Nebenher gab es noch das nein-ilewen-tötet-Osama-Geheule.
Daß in dem Sumpf jede differenzierte Meinung respektive Sichtweise schlicht untergeht, sollte nachvollziehbar sein.
Hier ist doch eine einleuchtende Darstellung der Komplexität der afghanischen Situation aufgeführt. Die Vielzahl der beteiligten Stämme, Klans, Volksgruppen mit den ihnen eigenen Wertvorstellungen, die sich nicht auf profit- oder machtgierige Warlords reduzieren lassen. Daß es so verworren zugeht, war mir als kritischem Beobachter auch nicht in vollem Umfang klar. Die Fülle der Details schreien mich auf jeden Fall an:”FINGER WEG! Da steigt außer den direkt Beteiligten sowieso niemand durch.”
Wäre ich Afghane, würde ich den vom Westen akzeptierten Präsi dort, für einen widerlichen Kollaborateur und Volksverräter halten, außer er wäre mein Onkel oder so.
Aber da gibt es für die Deutschen keinen Blumentopf zu gewinnen – und gäbe es den, dann stünde er wohl den Afghanen und nicht den Deutschen oder anderen Fremdlingen zu.
Würden in Ruhe gelassene Afghanen um Hilfe beim Brückenbau oder sonstigen technischen Projekten um Unterstützung ersuchen, dann hätten sie auch ein Team vom THW verdient, keine Frage, aber da mit Waffengewalt als Besatzungsmacht aufzutreten, weist uns als lernresistente Nation aus. Haben deutsche Soldaten nicht für alle Zeit genügend Unheil in der Welt verbreitet? Fuhren wir nicht auch sehr gut damit, als wir noch eine Pause mit der waffengestützten Weltverbesserung durchhielten?