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  • Fabrik ohne Welt – China am Scheideweg

    geschrieben am 16. Dezember 2008 von Spiegelfechter

    Die Finanzkrise erreicht das Land der Mitte

    Lange galt das aufstrebende Reich der Mitte in Zeiten der Finanzkrise als Fels in der Brandung. Chinas Finanzinstitute haben nur geringfügige Überschneidungen mit den kriselnden Finanzinnovationen des Westens, und dank hoher Außenhandelsüberschüsse sind die Reserven der Volksrepublik so groß, dass sie sich gut gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten absichern kann. Doch die Auswirkungen der Finanzkrise greifen nun auch auf China über und der rasante Absturz der volkswirtschaftlichen Kennzahlen im November überrascht sogar Experten. Für das nächste Jahr prognostiziert die Weltbank für China nur noch ein [extern] Wirtschaftswachstum von 7,5% – verglichen mit den OECD-Staaten ist dies zwar sehr viel, aber die chinesische Staatsführung weiß, dass das Land mindestens 8% Wachstum benötigt, um jährlich 20 Millionen Schulabgänger und Universitätsabsolventen in Lohn und Brot zu bringen. Angesichts rückläufiger Exportzahlen stemmt sich China nun durch ein massives Konjunkturprogramm gegen die Krise, um der Binnennachfrage auf die Beine zu helfen. Schafft China die Quadratur des Kreises nicht, könnten der kommunistischen Führung unruhige Zeiten drohen.

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    Die Finanzkrise erreicht das Land der Mitte Lange galt das aufstrebende Reich der Mitte in Zeiten der Finanzkrise als Fels in der Brandung. Chinas Finanzinstitute haben nur geringfügige Überschneidungen mit den kriselnden Finanzinnovationen des Westens, und dank hoher Außenhandelsüberschüsse sind die Reserven der Volksrepublik so groß, dass sie sich gut gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten ...
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    47 Kommentare:

    1. chriwi schrieb am 16. Dezember 2008 at 08:00 - Permalink

      Es ist wie bei uns. Es wird gejammert, dass keine Arbeit da ist und das Wachstum nicht ausreicht. Gleichzeitig fallen Unterrichtsstunden aus, die Bahn ist überlastet (nicht genügend Gleise), tausende Brücken müssten saniert werden, Polizeistellen werden nicht besetzt (stattdessen denkt man lieber über Bundeswehreinsätze im Inneren nach), Alte werden nicht vernünftig gepflegt, bei Augenärzten (als ein Beispiel) darf man sich ein halbes Jahr vorher anmelden und so weiter und so fort. Ähnlich wird es auch in China aussehen. Alles was den Menschen nützt wird gekürtzt. Wo ist der Schrein nach mehr sozialer Wärme, nach weniger Arbeit für alle? Nein der Binnenmarkt, der Exportmarkt, der Konsum. Momentan rennt die ganze Welt einem Gott hinterher, welcher ihre Welt zerstören wird. Wir sollten uns freuen, dass die Produktivität zunimmt und alle weniger arbeiten. Je weniger wir von der Arbeit abhängig sind, desto weniger sind wir von den Konzernen abhängig. Jenen absurden Gebilden, welche für 5 Cent Erparniss Kinder in die Sklaverei schicken. Jene Gebilde die über Einsparungen und Kosten lamentieren, aber die wahren Kosten für uns alle nicht angeben.
      Alle jammern rum, aber auf die Idee internationale Abkommen zu bilden, welche die Möglichkeit geben den Mensch in Vordergrund zu stellen will niemand kommen. Das ist mit Machtverlusten verbunden, die niemand haben will. –> “Schafft China die Quadratur des Kreises nicht, könnten der kommunistischen Führung unruhige Zeiten drohen.”
      Wie man sehr einfach sieht.

    2. misterL schrieb am 16. Dezember 2008 at 08:50 - Permalink

      @Jens #Artikel

      Der Verlust an Exporten Chinas ist der Verlust von Importen aus China für uns (unsere Wirtschaft). Wenn China die “Welt” als Handelsplatz verliert, was verliert die Welt an China als billige Werkbank für unsere Discounter und HighTech-Produkte? Können wir als Publikum eines möglichen (aber aus meiner Sicht unwahrscheinlichem) Abdriften in unsichere Zeiten Chinas zugucken oder müssen wir als abhängiger Importeur wesentlicher Produkte dort Regime stützend eingreifend helfen, falls es doch so kommen sollte?

      Schafft China die Quadratur des Kreises nicht, könnten der kommunistischen Führung unruhige Zeiten drohen.

      Nicht nur “der kommunistischen Führung”. Das Leben im Rest der Welt (also auch wir) wird teurer, fällt China aus. Darauf sind die Geldbeutel im Rest der Welt nicht eingerichtet.

    3. salvo schrieb am 16. Dezember 2008 at 09:20 - Permalink

      nach dem iwf soll der BIP um ‘magere’ 5% zulegen.

      http://www.ftd.de/politik/international/:Konjunktureinbruch-in-Fernost-Chinas-Wirtschaft-vor-dem-Kollaps/451974.html

      der Widerspruch ist schon erstaunlich: Da wächst eine Volkswirtschaft um stolze 5% – und wird dennoch ‘ärmer’. Vielleicht ein Indiz, dass da am System an sich etwas nicht stimmt

    4. Degnaphta schrieb am 16. Dezember 2008 at 10:22 - Permalink

      Da steht der chinesische Drache vor derselben Problematik, wie sie unser Land gerade schüttelt. Die Erfolgszahlen der Exportwirtschaft brechen weg und hinterlassen den ungeschminkten Blick auf eine explosive Schieflage. Die chinesische Führung dürfte ähnliche Diskussionen führen, wie sie im Artikel zur 20:80-Gesellschaft thematisiert ist. Denn nur da ist eine Chance auf eine weitgehend friedliche Lösung angelegt.
      So pragmatisch, wie sich Chinas Staatsverwaltung bisher gezeigt hat, ist ihnen sogar zuzutrauen, hier auf erstaunliche Lösungsansätze zu kommen, um eine Art ‘gleitenden Übergang’ vom Exportjunkie mit eingeschränkter Verteilungsgerechtigkeit der erzielten Erlöse zum Sozialstaat mit Versorgungsauftrag zu werden.

      …Das weiß Chinas Führung nur all zu genau und daher hat man in Peking vor fünf Jahren das Versprechen gegeben, eine Politik der ?sozialen Harmonie? zu verfolgen, die ?ein besseres Leben für alle? schaffen soll. …

      Hierbei bieten die ganzen Baustellen der Umweltproblematik ein reiches Feld, um spontanes Umschalten auf das ‘Füttern Überflüssiger ohne echte Gegenleistung’ schleichend heranziehen zu lassen.
      Allein der Kampf gegen die Desertifikation Chinas könnte eine boomende Beschäftigungstherapie und damit einen Binnenmarkt bilden, der noch auf traditionelles Geben und Nehmen basiert, auch wenn die Wiederaufforstung von Wüsten nur einen sehr langfristigen Gegenwert zu bilden in der Lage ist.
      Doch immerhin haben die Chinesen verschiedene Großbaustellen zu bieten. Wir haben die in dem Umfang nicht, was unsere 20:80-Diskussion drastischer ausfallen läßt, als es wünschenswert wäre.
      Zudem kann sich China auch noch als knowhow-Exporteur für Umweltfragen entwickeln. In der Wüstenbegrünung gelten sie bereits als die weltweiten Experten.
      Von China das Siegen zu erlernen mag auf den ersten Blick Widerwillen erzeugen, aber wenn an sich die Entwicklung hierzulande anschaut, gibt es doch erstaunliche Paralellen.

      China hat immer noch eine vergleichsweise geringe Binnennachfrage. Sehr vielen Chinesen fehlt schlichtweg das Einkommen für breiten Konsum ? vor allem in den inneren Provinzen. Die neue Mittelklasse zeichnet sich derweil durch eine sehr hohe Sparquote aus.

      Hier ist eine von uns selber erzeugte Übereinstimmung der Zustände, nur daß wir halt keine neue sondern eine bröckelnde alte Mittelklasse haben.

      Das Fehlen staatlicher Sozialprogramme und einer staatlichen Medizinvorsorge sind, neben traditionellen Gründen, die Hauptantriebsfeder, das verdiente Geld lieber ins Sparschwein zu stecken.

      Und hier holen wir bedenklich auf Dank unter dem Label Agenda2010 durchgeführter Entstaatlichung. Wie dämlich sind wir eigentlich?
      Selbst vor dieser Entwicklung scheinen unsere Führungsspitzen nicht zurück zu schrecken:

      Der inoffizielle Pakt zwischen Volk und Partei lautet ? so lange ihr uns reich macht, dulden wir Einschränkungen bei Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit.

      Wie weit wir diesebzüglich noch hinter dem chinesischen Drachen herhinken, läßt sich schwer einschätzen, doch sind die Rückschritte im freiheitlich-demokratisch grundgeordneten Deutschland so dramatisch wie besorgniserregend.
      Wenn ich dann noch sogenannte Experten im TV über die Bif-Problematik salbadern höre, die sich Sorgen machen, wie man denn an die Kinder der Ärmsten rankommen könnte, um dort die eventuellen Perlen auszusortieren, und gleichzeitig Vollzeitbetreuung als umfassender Lösungsansatz für die Erstarkung der Kinderfreundlichkeit unseres eher herzenskalten Landes propagiert sehe, dann gruselt es mich.

    5. fpk schrieb am 16. Dezember 2008 at 10:55 - Permalink

      Da wächst eine Volkswirtschaft um stolze 5% – und wird dennoch ?ärmer?. Vielleicht ein Indiz, dass da am System an sich etwas nicht stimmt.

      Wieso ärmer?

    6. salvo schrieb am 16. Dezember 2008 at 11:24 - Permalink

      @5

      ich schrieb ja auch ‘ärmer’

    7. Lemmy Caution schrieb am 16. Dezember 2008 at 11:59 - Permalink

      Vielleicht gehts doch nicht ohne Sozialstandards…
      Ich hab letztens mal von einem Buch über den indischen Bundesstaat Karnataka gehört. Die haben durch eine FÜR INDISCHE VERHÄLTNISSE sehr rigide Sozialgesetzgebung ein geringeres Wachstum als andere indische Bundestaaten aber dafür mehr soziale Ausgeglichenheit.
      Das Problem Chinas sind ja wohl die starken Einkommensunterschiede. Daraus resultiert eine extrem hohe Sparquote. Praktisch das Gegenteil zur USA mit seiner extrem niedrigen Sparquote und gleichzeitig starken Einkommensunterschieden.
      Wird sich zeigen wie sich nun Brasilien wachstumsmässig hält. Dort wurden ja in den letzten Jahren eine Menge wirksamer Sozialprogramme eingeführt. Die Armut konnte gemindert werden wie nie.
      Die möglicherweise bald politischen Probleme Chinas sind aber ein weiteres Beispiel dafür, dass der Neoliberalismus der letzten 30 Jahre irgendwie am Ende ist. Wird spannend sein, was an seine Stelle tritt.

      (Hinweis: Ich antworte nicht auf Antworten, die ich als polemisch empfinde. Ich find Commis zwar amüsant, aber auf die Dauer schon etwas ermüdend.)

    8. Spiegelfechter schrieb am 16. Dezember 2008 at 12:47 - Permalink

      @Lemmy

      Das Problem Chinas sind ja wohl die starken Einkommensunterschiede. Daraus resultiert eine extrem hohe Sparquote.

      Die Sparquote in China hat wenig bis nichts mit den Einkommensunterschieden zu tun – neben kulturellen Faktoren spielt hier vor allem das nicht vorhandene Sozialsystem eine Rolle.

      Praktisch das Gegenteil zur USA mit seiner extrem niedrigen Sparquote und gleichzeitig starken Einkommensunterschieden.

      In China sorgen die Einkommensunterschiede also für eine hohe Sparquote und in den USA für eine niedrige Sparquote … dann kann es an den Einkommensunterschieden ja wohl nicht liegen.

    9. Spiegelfechter schrieb am 16. Dezember 2008 at 12:55 - Permalink

      @4 Degnaphata

      So pragmatisch, wie sich Chinas Staatsverwaltung bisher gezeigt hat, ist ihnen sogar zuzutrauen, hier auf erstaunliche Lösungsansätze zu kommen, um eine Art ?gleitenden Übergang? vom Exportjunkie mit eingeschränkter Verteilungsgerechtigkeit der erzielten Erlöse zum Sozialstaat mit Versorgungsauftrag zu werden.

      Das sehe ich ähnlich

      Allein der Kampf gegen die Desertifikation Chinas könnte eine boomende Beschäftigungstherapie und damit einen Binnenmarkt bilden, der noch auf traditionelles Geben und Nehmen basiert, auch wenn die Wiederaufforstung von Wüsten nur einen sehr langfristigen Gegenwert zu bilden in der Lage ist.

      Zum Beispiel – aber man sollte auch nie vergessen, dass auch China nicht einfach so Geld drucken kann. Die Reserven des Landes wirken zwar gigantisch – aber die sind endlich.

      - Der inoffizielle Pakt zwischen Volk und Partei lautet ? so lange ihr uns reich macht, dulden wir Einschränkungen bei Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit.

      Wie weit wir diesebzüglich noch hinter dem chinesischen Drachen herhinken, läßt sich schwer einschätzen, doch sind die Rückschritte im freiheitlich-demokratisch grundgeordneten Deutschland so dramatisch wie besorgniserregend.

      Da gebe ich Dir sicher recht – aber die Unterschiede sind immer noch exorbitant.

    10. Lemmy Caution schrieb am 16. Dezember 2008 at 12:57 - Permalink

      Auch in den USA existiert ein äußerst löchriges Sozialsystem. Die Üppigkeit des Sozialsystems kann also auch nicht die Unterschiede in der Sparquote beider Länder erklären.
      Ersparnissbildung steigt ab einem gewissen Einkommen progressiv an. Deshalb sollte eine ausgeglichenere Einkommensverteilung ceteris paribus (z.B. kulturelle Faktoren) zu einer höheren Konsumneigung führen. Das gleiche gilt selbstverständlich für ein Sozialsystem. Wobei natürlich die Ausweitung des Sozialsystems zu einer ausgeglicheneren Einkommensverteilung führen sollte.

    11. Spiegelfechter schrieb am 16. Dezember 2008 at 13:11 - Permalink

      @Lemmy

      Da gebe ich Dir vollkommen recht

    12. misterL schrieb am 16. Dezember 2008 at 14:40 - Permalink

      @SF

      Wie kann man seriös zwei Volkswirtschaften mit ihrer völlig anderen Kulturgeschichte, poilitisch sozialen Entwicklung wie die USA und VR China miteinander vergleichen und sich dabei auf zwei drei Kennzahlen reduzieren? Vermutlich ist Korruption ein weitaus bedeutender Faktor in der chinesischen Wirtschaft/Vermögensverteilung als der Zustand der Sozialsysteme. Wäre immerhin möglich.

    13. Spiegelfechter schrieb am 16. Dezember 2008 at 14:42 - Permalink

      @misterL

      Man kann sie nicht gleichsetzen, vergleichen kann man die Kennzahlen aber schon. Was für Schlüsse man aus diesem Vergleich zieht, ist etwas anderes – daher hüte ich mich ja auch davor, monokausale Erklärungen abzugeben.

    14. Joerg schrieb am 16. Dezember 2008 at 16:02 - Permalink

      Ich denke der Abschwung in China wird nur von kurzfristiger Dauer sein. Werden die ganzen Konjunkturpackete in den Industrieländern und auch in China selber wieder greifen, werden die Firmen wieder ihre ganzen Vorprodukte in China bestellen. Die Chinesen sind da sehr flexibel, wo mal eben 67.000 Fabriken geschlossen werden, werden auch bald zigtausend neue stehen, die auf andere Produkte umgstellt haben. Hier in Deutschland ist jede geschlossene Fabrik eine nationale Tragödie (nun springt der Staat schon bei Qimonda ein, obwohl sich herausgestellt hat, das die Fertigung sich hier nicht rechnet), in China werden mal eben 2 neue dafür eröffnet.

    15. Lemmy Caution schrieb am 16. Dezember 2008 at 16:55 - Permalink

      Naja. Jörg. Das liest sich vielleicht aus der Vogelperspektive und den Statistiken so lully. Eben nur 5% Wachstum. Okay. Zwischenzeitlich 12% Arbeitslose. Aber wenn du da in der Froschperspektive drinsteckst?
      Mein beruflicher Werdegang war sicher nicht frei von Konflikten und auch Situationen, in denen ich im Flug aus dem Hubschrauber in den Dschungel geschmissen worden bin. Aber wenn ich das mit befreundeten Chilenen vergleiche. Da ist das, was ich hier betreibe, Binnenschifffahrt. Und die chilenischen Daten sind auch aggregiert seit 84 ständig nach vorne. Geringer als das chinesischen Wachstum aber stetig und nach wie vor im Vergleich reicher. Nur aggregiert sich das eben aus Einzelschicksalen, die schon mal ganz schön kämpfen müssen. China ist vermutlich für viele noch extremer. Hab mal gelesen, dass der chinesische Binnenmarkt dermassen umkämpft ist, dass die neue Mopeds knapp über Schrottwert verkaufen. Auf der Rasierklinge.
      Und wie SF geschrieben hat, denken wir uns Chinesen nicht so spontan zu Protest bereit wie sie offenbar sind. Das kann potentielle auch zu destabilisierenden politischen Prozessen führen.

    16. Joerg schrieb am 16. Dezember 2008 at 17:20 - Permalink

      @Lemmy Das war nicht lully gemeint. Für die betroffenen Personen wird das ein sehr hartes Jahr werden. Sie haben schliesslich keine staatliche Unterstützung die den Ausfall ihres Arbeitsplatzes kompensieren könnte.
      Was ich nur meinte, ist das sich die dortige Wirtschaft sehr schnell umorientieren kann. Es wird ein Jahr mit hoher Arbeitslosigkeit geben, dafür wird im nächsten wieder massiv Stellen aufgebaut. Sobald die Nachfrage anzieht wird in der grade eben aufgebenen Fabrik statt Spielzeuge eben Solarzellen hergestellt, je nachdem was die westlichen Staaten gerade wieder brauchen. Obama will in zwei Jahren 1 Billion Dollar in die Hand nehmen, so schnell können unsere Fabriken garnicht die Produktion hochfahren. So wird viel davon dann in China landen.

    17. fpk schrieb am 16. Dezember 2008 at 18:12 - Permalink

      Aber wieso ‘ärmer’?

      “Der inoffizielle Pakt zwischen Volk und Partei lautet ? so lange ihr uns reich macht, dulden wir Einschränkungen bei Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit.”

      Wie weit wir diesebzüglich noch hinter dem chinesischen Drachen herhinken, läßt sich schwer einschätzen, doch sind die Rückschritte im freiheitlich-demokratisch grundgeordneten Deutschland so dramatisch wie besorgniserregend.

      Zugegeben, der Abbau bürgerlicher Freiheiten kann besorgt stimmen, von chinesischen Verhältnissen sind wir dann aber doch noch etwas weiter entfernt.
      Und man sollte vielleicht auch nicht die Eigentumsrechte vergessen, die bei uns etwas besser geschützt sind. Bei den meisten der Aufstände in China gehts um Landenteignungen, oder Umweltzerstörung.

    18. freerk schrieb am 16. Dezember 2008 at 19:14 - Permalink

      So wie ich die Chinesen kenne, wird es nicht so einfach sie auf Massenkonsum auf Schnelle zu stimulieren.

    19. aquadraht schrieb am 16. Dezember 2008 at 21:15 - Permalink

      @Jens guter Artikel, aber schon ein paar Anmerkungen. Allerdings: die Prognosen beurteile ich Ende 2009. Sicher ist, dass die chinesische Regierung das Richtige tut, nämlich so früh wie möglich so stark wie möglich gegensteuern. Gerade hat der Volkskongress die für 2009 veranschlagten Mittel vorfristig freigegeben.

      Trotzdem darf ich mal wieder meckern: Wo kommen die 20 Millionen Schulabgänger her? Die stärksten Jahrgänge des Maoschen Babybooms waren gerade mal 26-27 Millionen stark, und die sind mittlerweile 35-40 Jahre alt. Selbst damals gab es eine Beschäftigtenquote kleiner 1 in den Berufsanfängerjahrgängen, und davon waren noch die in Rente gehenden abzuziehen, ok, das waren damals ca. 5 Millionen im Jahr.

      Die zweite Babyboomwelle, die Kinder der Mao-Babyboomer, war auf Grund der Einkindpolitik “nur” noch 18-21 Millionen/Jahrgang stark, diese Leute sind jetzt 20-30 Jahre alt und stehen mehrheitlich im aktiven Arbeitsleben. Die jetzt nachrückenden Jahrgänge sind von 17 Millionen abwärts stark, sie werden bis 2020 auf ca. 12 Millionen abnehmen. Gleichzeitig sind die ins Rentenalter kommenden Jahrgänge stärker geworden, 2009 dürften rund 10 Millionen Altersrentner aus dem Erwerbsleben aussscheiden, etwa von 2015 oder etwas später werden die Abgänge vom Arbeitsmarkt die Zugänge übertreffen.

      Schon in der ersten demographischen Welle der Reformära (die Mao-Babyboomer traten um das Krisenjahr 1989 ins Erwerbsleben ein) wurde mit der Fünftagewoche, Ausdehnung des
      Jahresurlaubs und Verlängerung der Schulzeit gegengesteuert. Die seit letztem Jahr in Kraft befindlichen Arbeitsgesetze dürften auch beschäftigungsverknappend wirken. Stärker noch könnte die Einführung der in den Stadtregionen üblichen 9-10jährigen Schulzeit auch in den ländlichen Regionen wirken (zumindest ein Bewußtsein der Notwendigkeit, von der als Zugeständnis an Bauern und Hirten gedachten verkürzten Schulzeit abzugehen, ist vorhanden).

      Für die chinesische Regierung dürfte entscheidend sein, ob sie es schafft, die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung als gemeinsam zu bestehende Herausforderung glaubhaft zu machen, wie sie das mit den Naturkatastrophen (und den antichinesischen Kampagnen) des letzten Jahres hinbekommen hat. In dem Falle dürfte mit destabilisierenden Wirkungen kaum zu rechnen sein. Proteste werden seit Jahren von der Bevölkerung zunehmend als gutes Recht angesehen, nicht selten wird allein dafür etwas abgefackelt, dass die Proteste ins Fernsehen kommen :) – insofern sind das eher Anzeichen einer sich festigenden Zivilgesellschaft. Die fast zweijährigen Kämpfe bei Walmart 2005/6, die dazu geführt haben, dass in China als einzigem Land der Welt eine landesweite Gewerkschaftsorganisation bei dieser Firma existiert, waren auch nicht regierungsfeindlich.

      Mal eine Anmerkung zu der Einkommensverteilung: Die rührt überwiegend daher, dass zwar alle Einkommen in den letzten dreissig Jahren eindrucksvoll gewachsen sind (wodurch der städtische Mindestlohn in China über dem industriellen Durchschnittslohn etwa in der Ukraine liegt), aber die der Ingenieure, Betriebsleiter und anderer Fachkräfte wie auch die erfolgreicher Gewerbetreibender und Unternehmer geradezu explodiert ist – diese Berufsgruppen verdienen zwischen einem Drittel und der Hälfte vergleichbarer westlicher Kollegen (und leben damit auf Grund der Kaufkraftunterschiede eher besser).

      Während aber jeder hypnotisiert auf die Einkommensverteilung schaut, bleibt völlig ausser acht, dass die Vermögensverteilung in China eine der flachsten der Welt ist – ähnlich ist das interessanterweise in Japan, Taiwan, Korea und Singapur. Man kann sehr wohl davon ausgehen, dass von den hohen Einkommen der chinesischen Mittelschicht recht viel längs der kulturellen Loyalitäten in den Familien umverteilt wird. Auch wenn es auch im städtischen China mittlerweile soziale Arroganz (etwa gegenüber den Arbeitsmigranten vom Lande: “meiyou wenhua” – die haben keine Kultur) gibt, ist das mit der eingefressenen Ignoranz etwa lateinamerikanischer Mittelschichten für die Situation der Unterklassen ihrer Völker nicht vergleichbar.

      Generell wird das natürlich kritisch und spannend mit dieser Krise, die mit einiger Wahrscheinlichkeit neben 1873 und 1930 zu den grossen weltweiten Wirtschaftskrisen zählen wird, aber nicht nur und vermutlich nicht im grössten Masse in China.

    20. Martha schrieb am 16. Dezember 2008 at 21:22 - Permalink

      Konsum-Masse hin Masse her, am Ende kommt es auf die Qualität an und die ist ja bei Chinesichen Produkten nicht immer gegeben.

    21. Bunny Beam schrieb am 17. Dezember 2008 at 09:19 - Permalink

      Unterschätzen Sie nicht das BIP von China bei knapp einerMilliarde Menschen.
      Der Leitzins in der USA bewegt sich lt. FED bei 0,25 Prozent, der abhängige
      Export ist Chinas grösstes Problem.

    22. Bunny Beam schrieb am 17. Dezember 2008 at 09:27 - Permalink

      Unterschätzen Sie nicht das BIP von China bei knapp einer Milliarde Menschen.

      Der Leitzins in der USA bewegt sich lt. FED bei 0,25 Prozent, der abhängige
      Export ist Chinas grösstes Problem.

      Hier nochmal mit dem Link:
      http://english.aljazeera.net/news/americas/2008/12/20081216211015570671.html

      Mich beschäftigt mehr die Frage wie in weit reißt die Rezession noch hier in Europa
      Löcher mit rein wg. dem ständig angepassten Leitzins EU.

    23. name schrieb am 17. Dezember 2008 at 09:38 - Permalink

      Treffende Bestandsaufnahme zu China Jens! Sehr guter Artikel!

      Der Versuch der chinesischen Führung ist ja eindeutig: uns rettet nur noch ein autonomes Handeln innerhalb der chinesischen Grenzen, unabhängig von den restlichen kapitalistischen Weltzentren. Ob dieser Versuch bei gleichzeitiger Rohstoffabhängigkeit gelingen kann, wer weiß.. Einen riesigen Vorteil hat China: es ist die Werkbank der Welt mit modernen Produktionskapazitäten für fast alle Sektoren und sollte der Dollar ins Nichts verschwinden und der chinesische Export in die Vereinigten Staaten mit diesem sich in Luft auflösen, so produzieren sie halt für ihren eigenen Binnenmarkt und verstaatlichen oder pfänden alle westlichen Produktionskapazitäten in China.

      Das könnte natürlich dann direkt Krieg mit den Vereinigten Staaten bedeuten.

      Ach ja:

      http://www.jungewelt.de/2008/12-17/042.php

    24. Lemmy Caution schrieb am 17. Dezember 2008 at 13:36 - Permalink

      @name: Die Exportabhängigkeit ihres Wachstumsmodells dürfte der chinesischen Führung wohl bewußter sein als dir. Gott sei Dank für die Chinesen.

      @aquadrat: So herausragend ist die Stellung der asiatischen Länder in der Vermögensverteilung nun auch nicht (http://tinyurl.com/6eaa5z). Sie mag auch daher herrühren, dass sie in Vergleich zu uns industrielle Spätentwickler waren.
      In der Einkommensverteilung sieht China nun wiederum wie erwarten nicht besonders ausgeglichen aus:
      http://tinyurl.com/4uzvxd
      Und diese edle Umverteilung innerhalb der Familien. Na, ich weiss nicht.
      Ich hör bei euch beiden immer “Führung”, “Regierung”. Dabei agiert der dynamische Teil der chinesischen Wirtschaft seit einiger Zeit bekanntlich recht autonom.
      China hat bei einem PPP-BIP von 2007 $5.400 immer noch einen weiten Weg vor sich, um den Wohlstand Chiles (ca. 2.7 mal so hoch) oder der Bundesrepublik (6 mal so hoch) zu erreichen. Auch wenn diese Werte nicht genau die Realität wiederspiegeln können, so geben sie doch eine Tendenz an.
      Es ist auch ein wenig auffällig, dass im Kontext Spanien laut Umweltzerstörung gebrüllt wird, dieses Thema aber im Kontext Chinas – vielleicht auf Grund der Begeisterung über den schönen Stern auf der Fahne – leider vergessen wird.

    25. Degnaphta schrieb am 17. Dezember 2008 at 13:45 - Permalink

      @SF, fpk

      Da gebe ich Dir sicher recht – aber die Unterschiede sind immer noch exorbitant.

      Zugegeben, der Abbau bürgerlicher Freiheiten kann besorgt stimmen, von chinesischen Verhältnissen sind wir dann aber doch noch etwas weiter entfernt.
      Und man sollte vielleicht auch nicht die Eigentumsrechte vergessen, die bei uns etwas besser geschützt sind. Bei den meisten der Aufstände in China gehts um Landenteignungen, oder Umweltzerstörung

      Die Unterschiede sind sicherlich vorhanden und auch beträchtlich, doch sollte man nicht außer Acht lassen, daß wir anders ticken als die Chinesen. Bei uns würde bereits eine Annäherung an chinesische Verhältnisse den endgültigen Zusammenbruch unserer Gesellschaft bewirken. Deswegen halte ich es für grenzwertig oder gar leichtfertig, hier allzu strenge Vergleichsmaßstäbe anzusetzen. Der Status der Demokratie in China liegt außerhalb meines tatsächlichen Einschätzungsvermögens. Ebenso sieht es mit der Meinungs- und Pressefreiheit aus. Die Wahrscheinlichkeit, daß diesebezüglich sowhl gehöriger Verbesserungsbedarf als auch ebensolches Potential im chinesischen Drachen steckt, ist so hoch, daß man auch von ‘mit Sicherheit’ sprechen kann. Trotzdem bin ich über das subjektive Druckempfinden des ‘Standardchinesen’ keineswegs im Bilde, sondern kann hierüber nur spekulieren.
      Doch die Verhältnisse in diesem unseren Lande kann ich sehr wohl einschätzen. Etliche Bereiche kann ich über den Verlauf mehrerer Dekaden sogar recht präzise beschreiben. Und bei dieser Betrachtung, bei der ich dann zeitgeistige Maßstäbe der 60er und 70er anlege, komme ich zu entsetzlichen Rückschlüssen. Wir befinden uns in einer Talfahrt, deren Geschwindigkeit sich bedrohlich dem freien Fall annähert. Das Phänomen hat in meiner persönlichen Nomenklatur die Bezeichnung ‘faschistoide Umgestaltung’ erhalten, was mir genügend diffus und gleichzeitg genügend aussagekräftig erscheint.
      Wenn ich jetzt Diskussionen betrachte, in denen es um den Umstand geht, daß selbst in D Leute verhungern oder erfrieren, dann fällt mir auf, daß die Abrede dieser Umstände damit untermauert wird, es würden noch keine Verhungerten auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand liegen. auch würden noch keine brennenden Autos oder marodierende Banden den Arbeitsweg beeinträchtigen. Doch sind das für mich keine echten Argumente, da es bis zu solchen Extremen erst kommen wird, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen sein wird. Das halte ich eher für ziemlich lahme und durchsichtige Versuche der Selbstberuhigung.
      Die in China angemäkelte (fehlende) Pressefreiheit oder auch die Internetzensur sind aus unserer Sicht schwere Mißstände, die kein gutes Licht auf das Land werfen. Die von oben kontrollierten Medien entsprechen althergebrachten Störungen, wie wir sie auch aus unserer Geschichte kennen. Die Internetzensur wird aus unserer Sicht schwerwiegender eingeschätzt als von den Betroffenen selber. Für Chinesen sei das Internet sowieso nicht das medium für den politischen Diskurs. Kritisch wird innerhalb der Familien oder dörflicher Kleingruppen in der persönlichen Auseinandersetzung argumentiert aber nicht via Internet, sodaß die Internetzensur für ‘den Chinesen’ keine großartige gesellschaftliche Baustelle mit besonderem gewicht darstellt. Das wurde mir berichtet, klingt für mich recht plausibel und hat einen Wahrheitsgehalt, den ich ebenso wenig nachprüfen kann wie Berichte aus Spiegel, Bild oder der jungen Welt.
      Wenn ich mir aber ansehe, mit welchen Methoden und aus welcher Richtung unsere hiesige Pressefreiheit schwere Sabotage erfährt, dann sehe ich da ungleich größeres Gefahrenpotential für eine freiheitliche gesellschaftliche Entwicklung. Als Stichworte seien ‘agenda setting’, ‘agenda cutting’ oder auch die ‘Schweigespirale’ genannt. Diese Art der Untergrabung der Pressefreiheit und freiheitlichen, offenen Meinungsbildung sowie die Pervertierung des journalistischen Informationsauftrages bieten ganz andere Qualitäten der Menschenfeindlichkeit. Das ist keine Einschränkung, die durch eine Regierung gesteuert wird, wie es althergebrachte Pressemanipulation autoritärer Regime betrieben und betreiben, sondern hier wird mit neuen Mitteln gearbeitet. Die Ausmaße der Schäden sind zwar erahnbar aber keineswegs in ihrer letztendlichen Auswirkung abzusehen.
      “Frei und unabhängig” plakatiert sich unser lokales Käseblatt wie wahrscheinlich die meisten Zeitungen im Lande. Frei von Skrupeln und unabhängig vom humanistischen Geist unserer Verfassung lautet meine Interpretation.
      Und wohin unsere Demokratie wandert, läßt sich am Lissabon-Vetrag und allem Drum und Dran ablesen.
      Sich damit zu trösten, daß wir ‘noch nicht so schlimm dran’ sind wie die Chinesen, schafft keine Abhilfe.

    26. Mile schrieb am 17. Dezember 2008 at 13:50 - Permalink

      Wenn man dem Fernsehbericht gestern glauben schenken will, dann ist noch etwas ein Problem: China ist ein “Hochlohnland” geworden.
      Und wenn z.B. in Vietnam 2Cent billiger produziert werden kann, dann zieht die Karawane halt dahin.
      Und da beisst sich der Hund in den Schwanz.

    27. name schrieb am 17. Dezember 2008 at 13:52 - Permalink

      Zuckst du mal wieder als selbsternannter ahistorischer “Agnosticer” mit Gott und China rum Lemmy ?

      China wird eines machen: kein Export mehr, nur noch Binnenmarkt und der Rest der kapitalistischen Welt kann sehen, wo er bleibt. Die Vereinigten Staaten können langfristig die Verlagerung der Produktionskapazitäten nicht mehr verkraften und kompenieren, und das Signal der Nullzinspolitik der FED “Inflation Sofort” an China bedeutet Krieg.

      Spanien Lemmy, ist übrigens bankrott und Onkel Ackermann lässt sich eben seine Verluste dort über die alte Bad Bank Idee kompensieren.

    28. Lemmy Caution schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:00 - Permalink

      … du meinst die chinesische Marine macht auf Grund dieser Provokation bereits mobil…
      Von dir erfährt man Dinge, die in der Tat in der reaktionären Presse nicht zu finden sind ;-)
      Die späteren Ming-Kaiser haben ja auch mal eine Entscheidung für eine Abschottung nach Außen getroffen, die aus heutiger Sicht als eher fatal eingeschäftzt wird. Zwischen 1550 und 1975 hat es bekanntlich in der chinesischen Wirtschaft eine nicht besonders kurze Phase der Stagnation gegeben…

    29. Degnaphta schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:02 - Permalink

      @ Lemmy

      Es ist auch ein wenig auffällig, dass im Kontext Spanien laut Umweltzerstörung gebrüllt wird, dieses Thema aber im Kontext Chinas – vielleicht auf Grund der Begeisterung über den schönen Stern auf der Fahne – leider vergessen wird.

      Da sehe ich deutliche Unterschiede zwischen dem spanischen und dem chinesischem Umweltbewußtsein. In Spanien scheint es keine Sau zu interessieren, was jedoch in einer Demokratie einen zwingenden Umstand darstellt, damit sich eine ‘politische Willensbildung’ manifestieren kann.
      Im zentralistisch regierten China wird zwar an etlichen (zuvielen!) Stellen auf Umweltbelange geschissen, aber gleichzeitig gibt es vorzeigbare Erfolge, die wirklich als erstaunlich und bewunderungswürdig einzustufen sind, was die Begrünung verwüsteter Gebiete betrifft. Sollte die chinesische Führung sich entschließen, aus welchen Gründen auch immer, eine nächste Umweltbaustelle in Angriff zu nehmen, werden sie auch wieder erstaunliches zu leisten imstande sein. Da wären in Spanien großflächige Umwälzungen innerhalb der spanischen Bevölkerung vonnöten. Diese hängen aber von einer entsprechenden Bearbeitung des Themenkomplexes durch die Medien ab. Die Medien sind in Spanien ebenso vom Profizwang verzerrt wie im Rest von Euroland.
      Wir (Europäer) haben da eine häßliche Kugel am Bein.

    30. name schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:23 - Permalink

      Tja Lemmy, dir sollte wenigstens auffallen, dass zwischen dem Ming Kaiser und dem heutigen China ein gewaltiger Unterschied qualititativer besteht: China ist Werkbank für die gesamte Welt, wenn du begreifst, was das überhaupt bedeutet. Alle Produkte weltweit stammen genau aus diesm Umfeld: alle, gleichgültig, welche Marke sich dahinter verbergen mag. Chinas Ankündigung vor Wochen riesige Summen nur noch im eigenen Land zu investieren, die intere Umschichtung auf andere Währungen seit fast zwei Jahren, haben den direkten Weg vorgegeben.

      Was anderes ist für China jetzt noch wichtiger, neben der Rohstoffabhängigkeit: die eigene Nahrungmittelversorgung der Bevölkerung. Sie importieren dort mehr, als sie selbst produzieren, und die chinesische Regierung wird auf dieses Problem ihr Hauptaugenmerk legen.

    31. Lemmy Caution schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:27 - Permalink

      Degnaphta: Woher gründen eigentlich deine tiefen Kenntnisse der spanischen Bevölkerung?
      Kennst du Spanier? Sprichst du die Sprache? Liest du spanische Zeitungen oder Blogs? Bist du öfters mal dort?
      Bei Leuten mit einer engeren Bindung zum Land hört sich das nämlich etwas anders an: http://tinyurl.com/5h7fsn
      Und ob man Ziele wirklich zentral so gut erreichen kann… kann mich da an gewisse 5-Jahrespläne erinnern … und die hatten auch immer “bewunderswürdige Beispiele”.
      Naja. Vielleicht sind die Umweltprobleme dank der starken Führung in Zukunft kein Problem …. Ist halt auf die Zukunft bezogen. Und die Prognosefähigkeit des Menschen … eine Glaubensfrage. Du glaubst halt so, ich anders.

    32. Lemmy Caution schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:35 - Permalink

      name, es ehrt mich gemeinsam mit jemandem in einem Blog kommentieren zu dürfen, der so furchtlos, frei von Zweifeln und nahe am Puls des Zeitgeschehens steht.
      Wann brichtn der Kriech nun aus?

    33. Lago schrieb am 17. Dezember 2008 at 14:55 - Permalink

      @Lemmy

      Die späteren Ming-Kaiser haben ja auch mal eine Entscheidung für eine Abschottung nach Außen getroffen, die aus heutiger Sicht als eher fatal eingeschäftzt wird. Zwischen 1550 und 1975 hat es bekanntlich in der chinesischen Wirtschaft eine nicht besonders kurze Phase der Stagnation gegeben?

      Nun, wie du sicher weißt, war Kernmerkmal der Ming-Periode der Kampf Chinas gegen die Mongolen (die bis dahin die chinesischen Kaiser stellten!). Wie so immer mal wieder war die Ming-Dynastie aus aufständischen Bauern hervorgegangen, und wie so oft verstand sich die Restaurationspolitik der neuen Dynastie als Rückkehr zum eigentlichen China. Die japanische Expansionspolitik, die Ausbreitung der arabischen Einflusssphäre, die Ankunft der Europäer, das waren alles noch nicht so großartige Probleme für die Ming wie die Bedrohung durch die mongolischen Barbaren. Ich sehe im defensiven Umgang mit diesen keine großartig andere “Isolationspolitik” als vorher. Ach ja, die Ming wurden ja unmittelbar abgelöst, mal wieder während Bauernaufständen, durch ein anderes Barbarenvolk aus dem Norden, die Manchu (welche sich ihrerseits als Abkömmlinge der mongolischen Khane darzustellen versuchten).

      Ich sehe auch, wenn ich die damalige Politik Japans und Chinas vergleiche, keine großartigen Unterschiede im Bezug auf die Isolation. Japan hat allerdings, anders als China, rechtzeitig und sehr schnell die Isolation aufgegeben (allerdings auch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts), um im Spiel der Kolonialmächte mitspielen zu können. Wie man heute sehen kann, machten sie das ja recht erfolgreich, während China gleichzeitig die Kriege auf eigenem Territorium für die Erhaltung desselben praktisch allesamt verlor (während beispielsweise Japan keinen einzigen Krieg auf eigenem Territorium führen musste). Ja, Isolation ist offensichtlich Mist, allerdings nicht unbedingt aus primär wirtschaftlicher Sicht.

    34. misterL schrieb am 17. Dezember 2008 at 15:02 - Permalink

      @All – Ein Zwischenruf.

      Es ist ja obeflächlich nicht ein Thema, dass zum Anschieben des chinesischen Binnenmarktes gehört, zeigt aber meiner Einschätzung nach etwas anderes auf. Angefangen hat der Artikel mit der Überschrift “Fabrik ohne Welt – China am Scheideweg” und wenn auch sarkastisch fragt Lemmy nun “Wann brichtn der Kriech nun aus?”.

      Schöne, liebe Katastrophendebattenkultur. Es muss am Ende einer Debatte immer schlimmer bestellt sein, als es möglicherweise sein könnte. Ein Beispiel dafür und deshalb ist mein Beitrag Teil-OT finde ich gearde auf der ftd.de Seite. Der Stand des Dollars zum Euro. Erinnert man sich noch? Da gab es auch einen Artikel zu, über Verfall des Euros und der schlimmen Folgen.

      Der Euro steht wieder bei 1.00 zu 1.40x zum Dollar und der ganze Verfall des Euros mit seinen nicht eingetreten Folgen ist 4 Wochen – ich weiß es so genau auch nicht mehr, her.

      Was ich ausdürcken will, weniger Katastrophengetöse wäre mehr Inhalt.

      Zwischenruf beendet.

    35. Lago schrieb am 17. Dezember 2008 at 15:15 - Permalink

      Tja, misterL, da hast du dir aber gerade ein schlechtes Beispiel ausgesucht. Der Euro hat sich erholt? Ist es nicht eher der Dollar, der aufgrund der FED-Politik nun ohne Fundament dasteht? Prinzipiell hast du natürlich Recht, nur weil sich die Wechselkurse etwas ändern, geht die Welt nicht unter. Der Euro hat sich stabilisiert, etwa im Vergleich zum Yen nichts mehr verloren, gegenüber Renminbi bleibt der Euro auch in der Nähe des Tiefststandes aus dem Herbst. Der Dollar wertet ab, aus Gründen der Zinspolitik. Dass z.b. der Yen, als im Moment stabilste Währung, darauf hindeuten würde, dass die japanische Wirtschaft als stärkste die aktuelle Rezession überstehen wird, nun, das wäre allerdings genauso großer Unfug wie aus der Dollar-Schwäche das Ende der US-Wirtschaft vorherzusagen.

    36. Spiegelfechter schrieb am 17. Dezember 2008 at 15:23 - Permalink

      @misterL

      OT aber wurscht: Thema Dollar – der Dollar wird auch wieder (mE signifikant) steigen, da die Europäer wohl keine Wahl haben, die fiskalischen Schritte der Amis nachzumachen. Und “gejammert” habe ich ganz sicher nicht, da ich in einem schwachen Euro einen großen Vorteil sehe ;-)

    37. Degnaphta schrieb am 17. Dezember 2008 at 16:08 - Permalink

      @ Lemmy #36

      Degnaphta: Woher gründen eigentlich deine tiefen Kenntnisse der spanischen Bevölkerung?
      Kennst du Spanier? Sprichst du die Sprache? Liest du spanische Zeitungen oder Blogs? Bist du öfters mal dort?

      Weder beherrsche ich die spanische Sprache, noch bin ich jemals dort gewesen (ein Besuch auf Gran Canaria zählt wohl nicht richtig), doch ich kenne Spanier, die hier in D lebten, und auch Deutsche, die nach Spanien gezogen sind.
      Und: Ich glotz’ TV!

      Bei Leuten mit einer engeren Bindung zum Land hört sich das nämlich etwas anders an: tinyurl.co…

      Mit dem Autor jener Zeilen hätte ich gerne die Reportage gesehen, die letztens auf 3sat (oder so) gezeigt wurde. Dort wurden Karten gezeigt, die die Wasser-Problematik verdeutlichten. Dort wurden Statistiken gezeigt, die die Investitionsflüsse verdeutlichten. Dort wurde auf das Korruptionsproblem hingewiesen, welches die Investitionen nach wie vor an den Umweltproblemen vorbei lenkt. Dort wurde auf die mangelnde Thematisierung der Umweltsituation innerhalb der Parteienlandschaft hingewiesen. Zudem wurden ‘gestorbene’ Projekte industrialisierter Landwirtschaft beispielhaft gezeigt, die leider auch gestorbene oder sterbende Landschaft nach sich zieht.
      Fernando würde wahrscheinlich in Tränen ausbrechen, wenn er das Ausmaß der Fehlentwicklung so konzentriert vor Augen geführt bekommen hätte. Aber vielleicht hätte mich Fernando auch beruhigen können, weil er mir das Ausmaß der Verzerrung des Dargestellten hätte glaubhaft machen können. Möglicherweise war das eine üble Spanien-bashing-Darstellung. Das kann ich weder bestätigen noch in Abrede stellen.
      Allerdings habe ich bereits vor über einem Viertel Jahrhundert die ersten Berichte von Spanienreisenden (hatten dorthingezogene Verwandte besucht) über eine beginnende Desertifikation einiger Landstriche vernommen. Desweiteren habe meine Beobachtungen der europäischen Landwirtschaft einen Boom der Industrialisierung mit allen umweltzerstörerischen Nebeneffekten als Erkenntnis gebracht. Auch das nicht erst seit gestern sondern seit Dekaden.
      Wenn ich nun alle Mosaiksteinchen aus Augenzeugenberichten und wie auch immer gefärbten Medienbeiträgen betrachte, dann sieht es auf jeden Fall nicht gut aus für die iberische Halbinsel.
      Ob Santander ebensoviel Wüstenbegrünung betreibt wie Formel1-Werbung, wage ich aus dem Bauch heraus zu bezweifeln.

      Und ob man Ziele wirklich zentral so gut erreichen kann? kann mich da an gewisse 5-Jahrespläne erinnern ? und die hatten auch immer ?bewunderswürdige Beispiele?.
      Naja. Vielleicht sind die Umweltprobleme dank der starken Führung in Zukunft kein Problem ?. Ist halt auf die Zukunft bezogen. Und die Prognosefähigkeit des Menschen ? eine Glaubensfrage. Du glaubst halt so, ich anders.

      Auch aus dem TV habe ich die Information über verschiedene Projekte chinesischer Wüstenbegrünung. Da stand mir wirklich der Mund offen vor Staunen. Was die da mit Handarbeit und Hartnäckigkeit an zumindest optisch oberflächlicher Restaurierung einer ehemaligen Wüste geleistet haben, hätte ich nicht für möglich gehalten. Als fast spaßige Nebenbemerkung fand dann noch Erwähnung, daß die Wiederaufforstung ohne Förster durchgeführt wurde, da dieser Beruf in China wohl unbekannt ist. Daß diese Arbeit in Form von Zwangsarbeit den beteiligten Chinesen abgepresst wird, geht mir zwar auch gegen den okzidentalen Strich, aber wie die Chinesen mit sich untereinander umgehen, muß mir ja nicht gefallen. Wenn ich in die chinesische Historie blicke, kann ich meistens nur feststellen, daß die scheinbar einen anderen Draht zum Leben des Einzelnen haben, als meine Denkgewohnheiten es gutheißen können, doch sitze ich hier am anderen Ende der Welt und habe hier nen Haufen Dreck zu beregeln. Da mag ich mir die heimische Situation nicht noch damit verkomplizieren, daß ich jetzt Haltungsnoten für fremde Vorgehensweisen vergeben müßte.
      Die westlichen Ökologen, die an chinesischen Umweltprojekten mitarbeiten, sind eher in der lernenden als in der beratenden Position. Die Techniken und Methoden, die die Chinesen dort entwickeln, werden wir auf freiwilliger Basis zur Anwendung bringen müssen, sollten wir nicht auch zu autoritären Regimen zurückkehren. Das wird noch’n Spaß, prophezeie ich mal.

    38. aquadraht schrieb am 17. Dezember 2008 at 17:57 - Permalink

      @Lemmy: Dass Du von Mathematik nichts verstehst, ist ja nichts Neues. Sonst würdest Du nicht behaupten, ein Gini-Koeffizient von 0,55 (China) im Vergleich zu einem von 0,89 im Weltdurchschnitt sei kein nennenswerter Unterschied. Mit Geschichte stehst Du auch auf Kriegsfuss: Japan war “im Vergleich zu uns” gewiss kein “industrieller Spätentwickler”, sein wirtschaftlicher Aufstieg begann in dritten Viertel des 19. Jahrhunderts annähernd zeitgleich mit dem deutschen.

      Mal abgesehen davon sind dimensionslose Aggregatwerte wie der Gini-Koeffizient ohne genauere Betrachtung der zugrundeliegenden Daten begrenzt aussagekräftig. Wenn man die Mathematik dahinter versteht, kann das nicht verwundern: der gleiche Gini-Koeffizient kann sehr verschiedene Ungleichheiten ausdrücken. Das und meine Ausführungen zur Einkommensentwicklung in China seit 1978 ignorierst Du aus ideologischer Verbohrtheit. Das mit den innerfamiliären Transfers hat im übrigen mehr mit (vorwiegend konfuzianischer) Tradition als mit Edelmut (oder Kommunismus) zu tun. Es ist aber eine Tatsache, die jeder bestätigen kann, der die Länder (nicht nur China) kennt.

      Was Deine ständige Aufschneiderei angeht: Andere sprechen auch Spanisch und haben vermutlich mehr wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Untersuchungen auch aus Spanien und Lateinamerika gelesen als Du. Die spanische Bilanz in Umweltfragen ist nun in der Tat zwiespältig: einer Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien steht z.B. ein katastrophales Wassermanagement gegenüber. Auch in China gibt es da sehr widersprüchliche Tendenzen, allerdings werden Umweltprobleme seit einigen Jahren immer ernster genommen und immer entschiedener angefasst.

      Ganz peinlich sind Schwanzvergleiche auf BIP/Kopf-Basis. Das sind die problematischsten Werte, da sie im Unterschied zu Medianwerten, Betrachtungen je Dezil/Zentil etc. in der Tat nur primitive arithmetische Mittelungen sind, bei denen der Milliardär das Gewicht von hunderttausenden oder mehr Niedrigverdienern hat. Das schaffen auch PPP-Betrachtungen, die die Kaufkraft der Länder auf ein Mass USA=100 beziehen, nicht aus der Welt.

      Klar ist eins: In den unteren Einkommenszentilen mag man lieber nirgends auf der Welt leben, aber in China immer noch lieber als in Chile (auch wenn das in Bezug auf Elend nicht einmal das schlimmste Land Lateinamerikas ist). So etwas wie die ninos de calle von Santiago, Concepcion, Valparaiso und anderswo in den chilenischen “Boomregionen” wäre in Shanghai, Guangzhou, Suzhou oder Beijing nicht denkbar.

    39. fpk schrieb am 17. Dezember 2008 at 18:17 - Permalink

      @Degnaphta

      Die Internetzensur wird aus unserer Sicht schwerwiegender eingeschätzt als von den Betroffenen selber. Für Chinesen sei das Internet sowieso nicht das medium für den politischen Diskurs. Kritisch wird innerhalb der Familien oder dörflicher Kleingruppen in der persönlichen Auseinandersetzung argumentiert aber nicht via Internet, sodaß die Internetzensur für ?den Chinesen? keine großartige gesellschaftliche Baustelle mit besonderem gewicht darstellt. Das wurde mir berichtet, klingt für mich recht plausibel und hat einen Wahrheitsgehalt, den ich ebenso wenig nachprüfen kann wie Berichte aus Spiegel, Bild oder der jungen Welt.

      Pardon, aber so ist es keineswegs. Das Internet ist sehr wohl ein wichtiges Medium in China. Wenn es zu Debatten kommt, dann dort. Die Netzines haben im letzten Jahr des öfteren die traditionellen Medien vor sich her getrieben und diese zu mehr und besserer Berichterstattung gezwungen. Ohne das Internet sähe es um einiges schlimmer aus.

      Und du verkennst auch den grundlegenden Unterschied zwischen D und C. Die Verwischung der Grenzen zwischen PR und Journalismus sind bedenklich, aber bei uns gibts eine grundgesetzlich verbriefte Pressefreiheit. Einklagbar. Das ist der entscheidende Punkt. Und von so was ist China noch ziemlich weit entfernt.

      Wens interessiert: hier ein O-Töne mit engl. Untert. (http://tinyurl.com/5aya5w) von der diesjährigen chinesischen Blogger-Konferenz.

    40. carlo schrieb am 17. Dezember 2008 at 18:56 - Permalink

      @7Lemmy

      Das Problem Chinas sind ja wohl die starken Einkommensunterschiede. Daraus resultiert eine extrem hohe Sparquote.

      Lemmy, das war genial, dabei ist mir tatsächlich das Glas umgefallen. Gehst Du bei Herrn Merckle in die Lehre?
      Dann pass gut auf und lern auch was draus!
      Deine Weisheit ist zwar nicht von dieser Welt, aber kämpfe darum!
      Dir zugewandt und Dich unterstützend….Schweige nicht und bleibe Philosoph!
      Bürgerinitiative “Rettet Lemmy vor der roten Flut”

    41. Degnaphta schrieb am 17. Dezember 2008 at 18:58 - Permalink

      @ fpk

      Pardon, aber so ist es keineswegs. Das Internet ist sehr wohl ein wichtiges Medium in China. Wenn es zu Debatten kommt, dann dort. Die Netzines haben im letzten Jahr des öfteren die traditionellen Medien vor sich her getrieben und diese zu mehr und besserer Berichterstattung gezwungen. Ohne das Internet sähe es um einiges schlimmer aus.

      Da lasse ich mich gern belehren, fpk. Meine Darstellung über die Einschätzung des Internets entstammt einem bereits Jahre alten Gespräch. Müßte gewesen sein, als bekannt wurde, daß Google Zensur implementiert, um den deal abschließen zu können – oder einem ähnlichen event, na jedenfalls durchaus veraltet. Da gab es noch keine ‘China-Farmer’ in der online-game-Szene, und Internetanwendungen, an deren Entwicklung ich beteiligt war, tröpfelten trotz offiziell eigentlich akzeptabler Rahmenwerte von timeout zu timeout. Es sollte auch primär als Beispiel für die Schwere einer Einschätzung von außen dienen.
      Daß es eine fruchtbare Komponente neben den offiziellen medien gibt, nehme ich als Hoffnung fördernde Neuigkeit für mich zur Kenntnis. Noch ein Aspekt mehr, den Selbstheilungskräften des chinesischen Drachen Vertrauen zuzumessen und alles Gute zu wünschen.
      Wenn ich an die Kapriolen unserer Medien denke, die im Rahmen der Eröffnung der olympischen Spiele stattfanden, dann kan ich heute noch nur ungläubig den Kopf schütteln. Daß die sich nicht schämen, muß man sich fragen. Da sitzt ein Willem Rogersen und ne andere Journalistenmaus vorm Fernseher und kommentieren das dort Gezeigte. Über den journalistischen Auftrag wird Salbadert, über Kinderarbeit und Massenbeeinflussung. Die beiden waren sich für nichts zu schade – und das auf 3sat, im ÖR, vom Volke bezahlt. Die ARD war auch nicht besser und ausgerechnet die Privaten zeigten, wie es geht. Auf DSF wurde über die beim Einlauf vorbeiziehenden Sportler und deren berichtenswerte Details wie Form, frühere Leistungen oder auch manchen Tratsch gesprochen.
      Was ist an den Denkhilfen von TV-Macherseite juristisch zu machen?
      Oder nehmen wir das Spiegel-Forum. “Spiegel-Leser wissen mehr.” will uns die Werbung einreden. Wenn ich jedoch im Spiegel-Forum zu hartnäckig gegen den Meinungsstrom schwimme, dann durchdringen meine Beiträge nicht mehr die vorgeschalteten Moderatoren. In Spitzenausfallszeiten steigt die Verlustrate der Beiträge über 50%. Wer da den Löschknopf drückt, ist von außen nicht feststellbar. Daß es sich jedoch nicht um ‘normale Internetfehler’ handelt, sagt mir meine Sachkunde. Da findet eine schwere Meinungsmanipulation statt, die wahrscheinlich juristisch nur äußerst schwer nachweisbar und damit behebbar ist.
      Was ist mein Lieblingsgrundgesetz jetzt noch wert?

    42. Lemmy Caution schrieb am 17. Dezember 2008 at 19:07 - Permalink

      aquadrat, mich langweilen wirklich diese Beleidigungsschlachten. Unterlass es einfach. Ich machs auch.
      Selbstverständlich kann in einem Land, in dem die vor 30 Jahren ALLE noch mit Fahrrädern und Mao-Einheitskleidung rumgegurkt sind das Vermögen nicht so wahnsinnig auseinanderliegen. Vermögensunterschiede bilden sich erst in Folge von Einkommensunterschieden und da ist China ziemlich gut dabei.
      Du kannst das technische Niveau der japanischen Industrieproduktion nicht mit der deutschen Ende des 19. Jhdt. vergleichen.
      Im Ausland hab ich eigentlich immer festgestellt, dass so mechanistische Vorstellungen bezüglich einer anderen Kultur oft in der Realität so nicht stimmen. Deshalb zweifel ich das mit dem Familiensinn weiterhin an. Wie gut kennst du eigentlich China? Warst du schon mal dort?

      Was Deine ständige Aufschneiderei angeht:

      Aufschneiderei ist bei mir quasi Teil des Geschäftsmodells. Ich bin Consultant. Und hör bitte auf mit den persönlichen Angriffen. Es ist mir zu kindisch. Oder antworte mal auf meine t.e.c.h.n.i.s.c.h.e.n Fragen in dem anderen Thread. Vermutlich bist du deshalb ein wenig erregt.

      Ganz peinlich sind Schwanzvergleiche auf BIP/Kopf-Basis. Das sind die problematischsten Werte,

      Wenn du es mit der Einkommensverteilung verbindest, erhält das schon ein gewissen Aussagewert. Und in Sachen Einkommensverteilung ist China nicht besonders ausgeglichen.
      In Chile gibts zwar Armut aber Straßenkinder sind im Stadtbild eigentlich nicht sichtbar. Du verwechselt das mit Sao Paulo. Warst du schon einmal in Chile?
      Und. Was gefunden ->
      http://tinyurl.com/6z47vt

      El estudio, realizado durante el 2003, permitió detectar que una estimación de 1.039 niños y niñas se encuentran en situación de calle en el país, los que se distribuyen mayoritariamente en las regiones Metropolitana (330 casos), Octava (168 casos) y Quinta (164 casos).

      Die Studie aus dem Jahr 2003 kam zu dem Ergebnis, dass im Land geschätzte 1.039 Jungen und Mädchen auf der Straße leben.
      Sie verteilen sich schwerpunktmässig auf die folgenden Regionen:
      Metropolitana -> 330 (Santiago)
      Octava -> 168 Fälle (Concepción, evtl. Chillán)
      Quinta -> 164 Fälle (Valparaíso)

      Ich find das nicht so überragend viel. Sogar in Deutschland gibts das Phänomen.

    43. carlo schrieb am 17. Dezember 2008 at 19:36 - Permalink

      @42 Lemmy

      Aufschneiderei ist bei mir quasi Teil des Geschäftsmodells. Ich bin Consultant.

      Lemmy, aber nein, jetzt muß ich als Feldwebel mal ein Machtwort sprechen.
      Deutsche Sprache soll ins Grundgesetz und Du fällst uns in den Rücken. Was ist das? Ein Construkta oder Consultant, vielleicht noch in der welschen Version des Con? Du bist kein Construkta oder sowas Neues, sondern ein Kämpfer für die Freiheit des Wortes und aller damit gesegneten unseres Landes.
      Bedenke den Leitspruch der Bürgerinititiative die Dich hochhält:
      Own ideas are luxury…..let think by (fullfill here).
      Rettet Lemmy “vor der roten Flut”

    44. aquadraht schrieb am 17. Dezember 2008 at 20:27 - Permalink

      Lemmy, was die Aufschneiderei angeht: Damit kannst Du BWLer beeindrucken (vielleicht). Hier erntest Du damit Antipathien. Lass es einfach. Wenn Du Argumente bringst: die beeindrucken eher. Wenn Du im Inland lernunfähig bist, bist Du es auch im Ausland, Deine Vorurteile reisen mit Dir.

      Was den Consultant angeht: Ich arbeite schon seit langer Zeit als selbständiger EDV-Spezialist, habe mich aber bisher nicht dafür aufblasen müssen. Skill- und Projektbeschreibungen sowie Referenzen haben immer gereicht, Understatement überzeugt eher als Lärm, vor allem, wenn man Ergebnisse vorweisen kann. Davon abgesehen: hier ist nicht die Arbeit, keiner will Dich einstellen.

      Was die Strassenkinder angeht: Mit 16 Millionen Einwohnern ist Chile kein sehr grosses Land, und gewiss gibt es Länder, in denen es den Menschen noch schlechter geht. Die Schätzung von über 1000 Strassenkindern bezieht sich wohl auf die, die dauerhaft auf der Strasse leben (mir scheint sie niedrig), angesichts der Tatsache, dass es allein in Chile ca. 40 Heime und Projekte für solche Kinder und die grössere Gruppe der in der Gefahr einer solchen Lebensweise stehenden (Kinder, die den grösseren Teil ihrer Zeit, oft auch Nächte, auf der Strasse verbringen, ohne obdachlos zu sein) gibt, ist das Problem so klein nicht. Und ja, ich war schon in Chile. Und auch in China, und nicht bloss einmal.

      Was Du über Einkommens- und Vermögensverteilung schreibst, bestätigt den Eindruck von Inkompetenz, den Du schon zuvor abgegeben hast. Wenn hier einer Dich beleidigt und herabwürdigt, bist Du das selbst. Du sperrst Dich aus ideologischen Gründen gegen jegliche Tatsachen, die Dein Weltbild in Frage stellen. Wenn Du dafür nicht kritisiert werden willst, betreibe solche Realitätsflucht privatim vor dem Hausaltar oder was immer, das fällt dann unter Religionsfreiheit.

      Wenn Du von der Einkommensverteilung in China schreibst, was weisst Du denn darüber ausser einem aus der Wikipedia (warum hinter tinyurls verstecken, so lang ist die doch nicht) entnommenen Gini-Koeffizienten? Und wieso sollen Menschen, deren Nettoeinkommen sich mit denen hiesiger Ingenieure und Facharbeiter durchaus vergleichen lassen, nicht grössere Vermögen anhäufen können, binnen Jahrzehnten? Die geringe Vermögensungleichheit ist in China sogar erklärungsbedürftiger als in Japan oder der BRD, denn in China gibt es vor allem auf dem Lande immer noch grosse Gruppen mit 1000? und weniger Jahreseinkommen, während andere, gleichfalls nicht kleine Gruppen annähernd europäische Nettoeinkünfte erzielen, bei wesentlich niedrigeren Lebenshaltungskosten.

      Bezüglich der Unterstützung der Familien: Du kannst es glauben oder bleiben lassen. Wenn es Dir ideologisch nicht in den Kram passt, ist das eine Sache. Du wirst das aber von jedem hören, der öfter in Ostasien (nicht nur China) war. Ich finde es erheiternd, wie Du Dich da sperrst. Ich fände viel interessanter, wie das vom europäischen (und auch lateinamerikanischen) Vermögensverteilungsniveau so auffallend abweichende in Spanien kommt. Ich habe zwar Verwandte in Spanien, aber offen gestanden keine Erklärung. Wie eng der Gini-Koeffizient und die reale Vermögensverteilung in Dezilen zusammenhängen und wie sie in den Ländern aussehen, wäre natürlich schon aufzuklären.

      Was Du über Japan schreibst, ist erst recht schlicht Blödsinn. Natürlich kann man das deutsche und japanische Entwicklungsniveau im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts vergleichen. Die Kriegsflotte, die bei Tsushima 1905 die russische vernichtete, war komplett in Japan gebaut worden und eine der moderneren der Welt. Wie das deutsche Reich kannte auch Japan ein Nebeneinander zwischen aufblühender Industrie und bitterer Armut unter der Arbeiterschaft und in ländlichen Stagnationsregionen, die Ausbeutung in den Fabriken war dort wie hier nicht gross anders, das Wohnungselend der Arbeiter in Deutschland auch nicht besser als in Japan. Und Japan war z.B. durch die Gründerkrise weniger betroffen worden als Deutschland, daher konnte es zur Zeit der Meijireformen existierende Rückstände auch schneller aufholen.

      Nochmal: Schwanzvergleiche auf BIP/Kopf-Basis sind bevölkerungsstatistisch Quatsch. Entweder informier Dich und lerne etwas, oder glaub es einfach. Oder lass es bleiben.

    45. aquadraht schrieb am 17. Dezember 2008 at 23:28 - Permalink

      @name: Um mal zu einem anderen Thema zu kommen: Wie kommst Du darauf, dass die Chinesen die US-Zinssenkung als “Kriegserklärung” auffassen müssen? Eine Hyperinflation des Dollar sehe ich so schnell auch nicht, zumal derzeit ein wichtiges Element für einen Preisauftrieb, nämlich ein Nachfrageschub, wirklich nicht zu sehen ist. Wenn jetzt Firmen und Privatleute teure Kredite durch billige ersetzen können, stärkt das allerdings die Zahlungsfähigkeit, und daran kann auch China Interesse haben. Wenn der Dollar auf den Währungsmärkten einbricht, verliert China zwar Geld bei seinen Dollarguthaben (aus denen längst nicht mehr alle Reserven bestehen), gewinnt aber bei den Realaustauschverhältnissen, was der chinesischen Binnenkaufkraft zugute kommt.

      Ich denke, man sollte sich nicht von Hysterie mitreissen lassen, auch wenn die Märkte hysterisch reagieren. Daran zeigen sich Strukturschwächen der Marktwirtschaft, Marktversagen eben. Hart rangenommen werden derzeit die Rohstoffländer. Das durch den Rückgang der Rohstoffpreise ausgelöste “Konjunkturprogramm” für die Industrieländer kommt im Umfang an die offiziellen Konjunkturprogramme der Industrieländer heran. Wenn sich die Rohstoffpreise im nächsten Jahr nur auf 120% des Niveaus der letzten drei Monate halten (das wären noch Ölpreise von gut 60$/Brl und Bandstahlpreise von 300?/t, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe), dann wäre China allein auf Jahresbasis um mehrere hundert Mrd. $ entlastet, für die BRD wäre die Wirkung ungleich höher als die des läppischen “Konjunkturprogramms”.

      Derzeit ist die BRD das einzige bedeutendere Land, das ein “beggar thy neighbour” betreibt, und steht damit ziemlich in der Kritik. 1930 hätte solche Kritik noch nationalistische Hysterie ausgelöst. China hat gerade auch die Importzölle weiter gesenkt. Insofern fehlt eine bedeutende Komponente der Krisen von 1873 und 1930, nämlich die sich verstärkende Funktionsunfähigkeit des Weltmarkts. Ok, das kann noch kommen. Bisher hat es ja noch nicht richtig weh getan.

      Nebenbei: In unmittelbarer zeitlicher Beziehung zu den grossen Krisen hat es keine Revolutionen oder Aufschwünge von bedeutenden revolutionären Bewegungen gegeben. Ausnahme war der New Deal, der eine Art bürgerlicher Revolution in den USA darstellte. Aber da muss man den Begriff schon heftig dehnen.

    46. Lemmy Caution schrieb am 18. Dezember 2008 at 09:51 - Permalink

      Consultant
      Ach, name. Weisst du. Diese Worte sind doch alle problematisch. Ich bezeichne mich selbst meistens als Progger, da ich ohne Eintippen von source-code in einen wie auch immer gearteten Editor auf die Dauer nervös werde. In meinem cv taucht oft das Wort “Architekt” auf. Manche nennen das eben so. wenn du schwerpunktmässig oo/jee/frameworks arbeitest.
      Consultant find ich noch ganz ok als Begriff, da ich intensiv mit agilen Methoden des Projektmanagements wie scrum oder XP gearbeitet hab und ganz gute Erfolge in Moderatoren-Tätigkeiten von verschiedenen Teil-Teams hatte. So ist das eben. Ob Leute, die diese Begriffe grundsätzlich ablehnen die besseren Menschen sind? Wohl eher nicht.

      Zu Chile:
      Ich behaupte doch gar nicht, dass es in Chile keine gravierenden sozialen Probleme gibt. Nur sollte man das ganze eben in einem gewissen realistischen Rahmen belassen. Die Welt ist eben ambivalent.

      Du sperrst Dich aus ideologischen Gründen gegen jegliche Tatsachen, die Dein Weltbild in Frage stellen.

      Was sollen solche sehr allgemeinen General-Vorwürfe. Ich denke, ein recht ambivalentes Weltbild zu besitzen.

      In aktuellen Artikeln über China lese ich doch, dass die Führung selbst zu der Überzeugung gelangt, dass die inneren Schwierigkeiten des Landes im sozialen und umweltpolitischen Bereich dramatisch sind.
      Z.B. heute in El País:
      http://tinyurl.com/45zlfw
      Ich zitier das als deutsch raus:

      Hu Jintao/ Wen Jiabao:
      - Die sozialen Ungleichgewichte haben eine unbekannte Stärke erreicht.
      - Die Korruption ist sehr weit verbreitet.
      - Die Umweltverschmutzung ist ein großes Problem.
      Das Bip pro Kopf hat in den Städten 117 ? erreicht. Auf dem Land ist es ein Drittel.
      [trotz der langen Wachstumsphase so toll nun immer noch nicht]
      Zentrales Ziel der Politik ist die Verringerung der Unterschiede zwischen arm und reich [selbst die Führung kennt also an, dass konfuzianische Traditionen offenbar leider doch nicht ausreichend sind]
      Probleme:
      - Fehlen eines Sozialsystems
      - höchst löchrige medizinische Versorgung

      Ich bin eher pro-chinesisch eingestellt. Und zwar nicht nur, weil sie gut viel Kupfer kaufen.
      Ausserdem bin ich ein begeisteter phasenweiser, aber nicht so guter, Go-Spieler (ca. 12 kyu) und hab mal Laotse gelesen. Mehr verbindet sich nicht mit China. Gut. Ausser vielleicht, dass ich grundsätzlich ein wenig den Hang hab, mit ehemalig kolonialisierten Gebieten zu sympathisieren.
      Der chinesische Aufstieg wird zweifellos weitergehen. Nur erzähle man mir bitte nicht, dass dies alles ohne Probleme wäre.

    47. salvo schrieb am 18. Dezember 2008 at 11:53 - Permalink

      Michael Plettis meint in seinem Blog, die chinesische Politik hätte noch nicht die globalen Implikationen des gigantischen Handelsüberschusses Chinas begriffen:

      “It is not that China isn?t doing anything to address the problem. The slate of bad economic numbers this week and last (trade is down, we are racing towards deflation, investment and consumption growth is down, manufacturing output growth was only 5.4%, electricity consumption was down 8.6%) has confirmed what we all dreaded: things are slowing quickly. The government is trying to do all it can to boost the economy and, especially, employment, but I am afraid they still don?t understand their place in the global mayhem. They continue to see China as an innocent victim of the global crisis ? not as one of the fundamental creators of the payments imbalance that led to the crisis ? and much of their strategy seems to assume that China can adjust domestically without worrying about the impact on the global market.

      For example two days ago I was part of a panel that included a prominent Chinese economist and think tanker who I know and like very much, and as we discussed what needed to be done I got the impression that he hasn?t considered global implications at all (although as we discussed them he acknowledged many of my arguments). For example, much of his currency focus was on how China can retain export competitiveness without encouraging hot money outflows. But that is not the right way to think about it. China needs to think not only about the domestic impact of its currency but also about the global impact of its currency policy, and how that affects the adjustment that trade deficit countries are undergoing. If it makes things worse for them, there is no reason to assume that they will remain indifferent to Chinese domestic policies, and there is even less reason that they will run policies that accommodate China?s needs.”

      http://mpettis.com/


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