Deutschlands Lateinamerika-Politik: Im Stil des Kalten Krieges
geschrieben am 10. November 2010 von Spiegelfechter
ein Gastartikel von Markus Weber
Die Südamerikareise von Dirk Niebel verdeutlicht den Strategiewandel in der Lateinamerikapolitik Deutschlands wie seiner gesamten Entwicklungspolitik: Statt um Armutsbekämpfung und Entwicklungschancen geht es vor allem um die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Industrie. Dabei arbeitet Deutschland vor allem in Lateinamerika verstärkt mit neoliberal ausgerichteten Staaten zusammen – und dies unabhängig davon, ob diese rechtsstaatliche Grundsätze erfüllen, und selbst davon, ob dort schwere Menschenrechtsverletzungen begangen werden.
Mauerstücke für Bolivien, Millionengelder für Peru
Das neue Lateinamerika-Konzept der Bundesregierung hatte es eigentlich schon hinreichend beschrieben: Im Vordergrund der Aktivitäten Deutschlands in Lateinamerika und in der Karibik sollen künftig Rohstoffsicherung, Exportförderung und die Absicherung der Interessen deutscher Unternehmen stehen. Hinzu kommen jedoch auch ideologische Gesichtspunkte: Unter Schwarz-Gelb erhalten Staaten mit einer wirtschaftsliberalen Ausrichtung deutlich mehr Gelder als andere. Länder mit einer sozialdemokratischen oder demokratisch-sozialistischen Regierung bekommen in vielen Fällen weniger Mittel.
So wurden etwa die Gelder für Bolivien gekürzt. Doch dabei blieb es nicht: Auf seiner Südamerika-Reise hatte Entwicklungsminister Dirk Niebel ein ganz besonderes Geschenk für Boliviens Präsident Evo Morales im Gepäck: ein Original-Bruchstück der Berliner Mauer. Er überreichte es ihm, so wörtlich, “in Erinnerung an die Überwindung von 40 Jahren sozialistischer Diktatur”. Morales ist zwar demokratisch gewählt, jedoch ist seine Politik eher links ausgerichtet – es gab sogar Verstaatlichungen (worüber Niebel auch gleich seine Besorgnis äußerte). Das ist natürlich zu viel für den überzeugten Neoliberalen Niebel, so dass er offenbar gar eine offene Beleidigung und Brüskierung für gerechtfertigt hielt. In Bolivien traf sich die deutsche Delegation dann auch noch mit zahlreichen Vertretern der rechten Oppositionsparteien.
In Peru dagegen traf man sich nicht mit der Opposition. Kein Wunder, handelt die Regierung dort doch auch getreu dem marktradikalen Dogma und ist ein treuer Verbündeter der EU und der USA. Folglich hat Deutschland ihr bis Ende 2011 bis zu 200 Millionen Euro zugesagt. Schwerpunktthemen der beiden Besuche waren laut Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Bolivien die Verstaalichung von Unternehmen, gegen die sich Deutschland wendet, in Peru, “dem Schwerpunktland deutscher Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika”, war es die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft.
Kolumbien: Beteiligung an einem Aufstandsbekämpfungsprogramm der Regierung
Noch deutlich weiter geht die neue Ausrichtung der Entwicklungspolitik unter Niebel in Kolumbien. Dort ist geplant, deutsche Entwicklungsexperten an einem Programm zur Aufstandsbekämpfung zu beteiligen. Es geht um ein umstrittenes Sicherheits- und Entwicklungsprogramm der rechten kolumbianischen Führung in der Krisenregion Macarena, einem Nationalpark in Zentralkolumbien. Dies ist eine Region, in der es seit Jahren zu schweren Kämpfen zwischen Guerillaorganisationen und Armee sowie Paramilitärs kommt. Der so bezeichnete „Raum-/ Umweltordnungsplan“ ist Teil eines von Kolumbien in Kooperation mit dem US-amerikanischen Militär entwickelten und 2007 begonnen Aufstandsbekämpfungsprogramms. Es ist deutlich militärisch geprägt, gilt als ein Teil der Militärpolitik im Kampf gegen die Rebellen. Und auch das BMZ selbst offenbart ziemlich unmissverständlich den wirklichen Charakter dieses Projekts, wenn es von einer zukünftigen “Ausweitung der bisherigen Zusammenarbeit im Bereich Friedensentwicklung und Krisenprävention auf den Bereich Umwelt- und Naturressourcenschutz” spricht.
Die Beteiligung der deutschen Entwicklungspolitik an diesem Programm ist ein vorläufiger Höhepunkt der von Niebel betriebenen Militarisierung der Entwicklungszusammenarbeit. Zweifelsohne sind dabei die meisten der Rebellengruppen, insbesondere die FARC, kaum als links ausgerichtete politische oder revolutionäre Kräfte zu betrachten, sondern eher als gewöhnliche Verbrecherbanden. Die Militärpolitik der kolumbianischen Regierung ist jedoch höchst umstritten. Ihr werden regelmäßig schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Kolumbien ist das Land mit den meisten Morden an Gewerkschaftern weltweit. Auch bei den Morden an Oppositionspolitikern liegt es im Spitzenbereich. Fehlende Rechte für Gewerkschaften, unhaltbare Arbeitszustände und Massenvertreibungen sind jedoch Zustände, von denen auch deutsche Firmen profitieren. Dies mag der Grund sein, warum Deutschland die kolumbianische Regierung, die einen großen Teil der Verantwortung dafür trägt, unter Schwarz-Gelb so direkt unterstützt.
Honduras: Unterstützung der rechten Putschisten
Der Abteilungsleiter für Asien und Lateinamerika im BMZ, der Niebel-Vertraute Harald Klein, war bereits 2009 in seiner Rolle als Auslandschef der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung einer der lautesten Propagandisten des Militärputsches in Honduras. Wir erinnern uns: Die Friedrich-Naumann-Stiftung (das ist übrigens die, die gerade einen Preis an die “Islamkritikerin” und Sarrazin-Verteidigerin Necla Kelek vergeben hat) hatte den rechten Putsch in Honduras offen gutgeheißen und unterstützt. Sie lobte den Militärputsch, sprach, ungeachtet politischer Morde, von einer “Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen” und unterstützte die rechtsgerichtete Putschistenregierung trotz zahlreicher Menschenrechtsverletzungen.
Und dies ist kein Einzelfall. Eigene Mitarbeiter werfen der “Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit”, so heißt sie vollständig, vor, sie arbeite in Lateinamerika mit Organisationen der extremen Rechten zusammen. All das ist für die deutschen “Liberalen” wohl gerechtfertigt, wenn es darum geht, eine Politik der Armutsbekämpfung zu verhindern, wenn diese gegen die Interessen der Wirtschaftselite steht.
Politik wie im Kalten Krieg
Dirk Niebel wird vorgeworfen, in Südamerika Gelder für politische Gesinnungsfreunde zu vergeben. Diesen Vorwurf kann man kaum bestreiten. Nein, daran, dass es sich um eine gezielte Strategie neoliberaler und rechtsgerichteter Staaten in Lateinamerika handelt, kann kein Zweifel bestehen. Peru und Kolumbien gelten nicht zu Unrecht als „Brückenkopf der USA“ in Südamerika und als Partner der NATO, nicht zuletzt wegen ihrer Gegnerschaft zur Bolivarianischen Allianz für Amerika (ALBA). Nicht zu unterschätzen, und vielleicht inzwischen noch bedeutsamer, ist ihre Loyalität gegenüber der EU. In dieser ist Deutschland das Land, das am meisten von den südamerikanischen Rohstoffen profitiert. Ob deren Förderung unter den unmenschlichsten Zuständen zustande kommt, ob die Länder von Militärjuntas oder Despoten regiert werden, ob sie auch nur die elementarsten Menschenrechte achten, spielt inzwischen nicht einmal mehr eine Nebenrolle.
Die deutsche Bundesregierung bedient sich teils offener Diktaturen, teils korrupter Regime und neoliberaler Brüder im Geiste in den lateinamerikanischen Regierungen, die bereit sind, die Ausbeutung der eigenen Bevölkerung zugunsten der Industriestaaten fortzusetzen – wenn sie als mächtige Elite im Lande ebenfalls profitieren. Deutschland wie die EU und die USA betrachten viele Regionen der Welt immer noch als Quasi-Kolonien, die ihrer Wirtschaft zu dienen haben. Die Entwicklungspolitik unter Niebel erinnert stark an das Verhalten der USA während des Kalten Krieges: Staaten, die die freie Marktwirtschaft unterstützen, und seien es noch so schlimme Diktaturen, erfahren Unterstützung. Alle anderen können ruhig in Armut verbleiben.
Eine Art “Kalter Krieg”, so könnte man es aber auch ausdrücken, geht heute weltweit weiter. Nur geht es diesmal um den Konflikt zwischen einer totalen, zügellosen, von großen internationalen Konzernen vorangetriebenen Globalisierung der Weltwirtschaft, die auf Abbau von sozialen und Umweltstandards, Senkung von Sozialausgaben, Deregulierungen und Privatisierungen drängt, und einer Politik, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit sozialer Verantwortung, Verminderung von Armut und Ungleichheit sowie mit ökologischer Nachhaltigkeit verbinden will. Manche der linken und demokratischen Regierungen – gerade in Südamerika – aber gefährden wegen teilweise beachtlicher sozialer und wirtschaftlicher Erfolge die Dominanz und die Überzeugungskraft der neoliberale Konzeptionen. Daher wird von den westlichen Regierungen und ihren Medien immer mehr versucht, diese zu delegitimieren und zu destabilisieren (man betrachte etwa die überaus einseitige Berichterstattung vor allem zu Venezuela, aber auch zu Bolivien. Selbst in Brasilien versuchten die westlichen Medien aus einer obskuren evangelikalen Kandidatin eine normale Grüne, im Gegensatz zu den angeblich erfolglosen Sozialisten, zu machen). Doch die Erfolge dieser Länder sprechen, jenseits jeglichen Agitprops, für sich.
Kritik von allen Seiten
Starke Kritik an Niebels Südamerikareise und der neuen deutschen Linie der Entwicklungszusammenarbeit kommt beispielsweise aus den nicht-neoliberalen Teilen der deutschen und der internationalen Presse, von attac, aber auch von deutschen entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen. Vor allem wird das Engagement in Kolumbien und dessen militaristische Ausprägung bemängelt. Auch der unter Niebel eingeleitete Strategiewechsel in der Entwicklungspolitik, hin zu engerer Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, erfährt deutliche Kritik von Entwicklungsorganisationen, die die Gefahr sehen, dass nur noch zugunsten deutscher Wirtschaftsinteressen gehandelt wird und wichtige Entwicklungsziele vernachlässigt werden könnten. Diese Befürchtung hat sich aber schon längst bewahrheitet.
Das Verhalten der Deutschen beim Milleniums-Zwischengipfel war ein unrühmlicher Tiefpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: Deutschland entpuppte sich bei den Bemühungen, Armut, Hunger oder Krankheit weltweit zu bekämpfen, als Verlangsamer, wenn nicht teilweise als Blockierer. Jetzt erntet die Bundesregierung wegen ihrer eigennützigen und zu geringen Entwicklungshilfe auch deutliche Kritik von der OECD. Unter anderem wird beanstandet, dass sie ihre Hilfszusagen nicht eingehalten habe. Nicht zuletzt gilt dies für die Gesamthöhe der Entwicklungshilfe: Im Jahr 2009 sank diese gar und lag bei 0,35 statt der versprochenen 0,51% des BIP. Die Regierung, so die OECD weiter, habe keine wirklichen Pläne für die Entwicklungspolitik, und sie richte diese vor allem zugunsten der deutschen Exportwirtschaft aus. Außerdem vergebe sie einen zu großen Teil der Entwicklungshilfe in Schwellenländer und deutlich zu wenig an die ärmsten Regionen, besonders an Afrika.
Während weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter wächst, wird die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung, eben auch ihre Entwicklungspolitik, diese womöglich nicht verringern, sondern gar vergrößern. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Dirk Niebel als schlechtester Bundesminister aller Zeiten in die deutsche Geschichte eingehen wird – so wie die gesamte schwarz-gelbe Regierung als schlechteste Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik. Bei aller berechtigten Kritik an ihrer Politik innerhalb Deutschlands sollten wir nicht übersehen, welchen Schaden sie auch international verursacht.
Markus Weber


Starker Artikel! Vielen Dank. Der Verteidigungsminister kann sich direkt einreihen, der redet auch immer viel von wirtschaftlichen Interessen, die militärisch verteidigt werden müssen…
So ist es: Eine Regierung, in der der Vertreidigungsminister offen das Grundgesetz und das Völkerrecht missachtet und Soldaten für die Interessen der deutschen Wirtschaft töten uns sterben lassen will, und ein Entwicklungsminister, der seine Aufgaben vor allem ind er Entwicklung der deutschen Großindustrie und in der weltweiten Verbreitung des Neoliberalismus sieht.
Unser Entwicklungshilfeminister sollte es nicht noch einmal wagen, so mit den Gefühlen des bolivianischen Präsidenten zu spielen. Es könnte ihm sonst ergehen, wie jüngst einem Lokalpolitiker aus La Paz:
Evo fackelt nicht lang
Frieden und Sozialismus, Mädels!
Ach, das war doch ganz klar Ball gespielt!!1!
Zwei!
Fazit: aus neoliberal wird neokolonial…
…schöne neue schwarz gelbe Geldwelt.
Stimme dem ersten Kommetar zu – ein sehr interessanter Artikel, der zur Abwechslung mal ein Thema abseits der “üblichen Trampelpfade” beleuchtet.
Ok.
Zunächst mal solltet ihr euch mal überlegen, wie bedeutsam die deutsche Entwicklungshilfe in Lateinamerika denn nun eigentlich ist. Lateinamerika ist nicht Afrika. Und angesichts der aktuellen Entwicklung der Preise für Rohstoffe so gar nicht.
Also ob deutsche Entwicklungshilfe nun ein wenig mehr nach Kolumbien und Peru fließt… Warum nicht… besonders bedeutsam ist sie ohnehin nicht.
Und eben sind auch die Regierungen der “neoliberalen” Staaten wie Kolumbien und Peru von der Mehrheit der Bevölkerungen gewählt. Mit solchen seltsamen Etiketten verstellt ihr eher ein Verständnis der komplexen Entwicklungen in eben diesen Gesellschaften.
Die Bedeutung eines Landes für Deutschland als Handelspartner hängt sicher mehr von der Attraktivität des Markts ab als von der gerade regierenden d.e.m.o.k.r.a.t.i.s.c.h abwählbaren Regierung. Brasilien und Argentinien stehen wohl sehr weit oben auf der Liste der interessanten Länder. Und die werden noch eine lange Zeit irgendwie “sozialdemokratisch” regiert. Eigentlich ist dieser Begriff “sozialdemokratisch” sowieso extrem verkürzt, aber ich kann hier ja keinen Roman schreiben…
Niebel hätte sich bestimmt auch mit der peruanischen und kolumbianischen Opposition treffen sollen. Aber Rohstoffabbau am unteren Kongo als Ziel deutscher Außenpolitik. Bergbau ist nicht gerade die Stärke Deutschlands. Wir haben da überhaupt keine Unternehmen. Unsere wirtschaftlichen Ziele bestehen eher darin Maschinen und ein paar Autos zu verchecken.
Die Rückdrängung der FARC und der ELN (oder wie die heissen) in Kolumbien hat in diesem Land einen Boom ausgelöst. Diese Terroristen aus einer anderen Zeit besitzen heute so gut wie keine Unterstützung auch unter den Armen in Kolumbien. Zur Einführung bitte ich zumindest diese Webseite einmal zur Kenntnis zu nehmen: http://www.farc.de. Nur weil die manchmal kommunisitische Symbole auf ihre Fahnen malen, macht es keinen Sinn, euch mit denen zu verbrüdern. Im übrigen besitzt Kolumbien ein waches Justizsystem, das eben auch Übergriffe von rechts aufklärt. Die es unzweifelhaft gibt. Aber nur über eine weitere Zurückdrängung der Terroristen und Wachstum können die Fundamente aufgebaut werden, um ein wirksames Sozialsystem aufzubauen.
Deutsche Unternehmen profitieren sicher deutlich mehr von einem prosperierenden Kolumbien als von Elend und Vertreibung. Das sind einfach Hirngespinste von frustrierten Linken, deren süssen venezoelanischen und kubanischen Träumerleien nun wirklich langsam geplatzt sind. Wenn die Kolumbianer so dermassen mit der Peitsche des deutschen Imperialismus geschlagen werden, warum wählen sie dann Santos?
Ich könnte die Kritik der “nicht-neoliberalen” Presse ernster nehmen, wenn diese Presse auch ein wenig realistischer über Dinge berichten würde, die nicht in ihr recht simples Beute-Schema fallen. Zum Beispiel die 20% Ausweitung der Sozialausgaben der bösen mitte-rechts Regierung in Chile. Und die Ausweitung der ohnehin schon guten staatlichen Unterstützung für den Kauf von Wohnraum. Oder die Tatsache, dass Kuba dabei ist 15% der Staatsbediensteten auf die Straße zu setzen. Was wäre los, wenn dies in einem “neoliberalen” Land geschehen würde? Oder die immer katastrophalere wirtschaftliche, politische oder moralische Situation in Venezuela.
Wichtiger sind ohnehin die Beziehungen innerhalb Lateinamerikas. Der Schenkelklopfer wäre, wenn 140 Jahre nach Beendigung des Guerra del Pacifico, eine mitte-rechts Regierung in Chile Bolivien unter einem indianischen Präsidenten durch Abtretung von Land Zugang zum Meer geben würde.
Niebel find ich nun auch nicht den burner, aber deine Sichtweise erscheint mir doch ein wenig einseitig. Wir werden in den nächsten 5 Jahren eine Menge positive Nachrichten aus Lateinamerika hören. Es geht klar nach vorne. Und zwar fast überall.
So und nun wendet sich Lemmy das neonliberale MSLM (oder wie das heißt) Monster wieder seiner Ozren Agnic Lektüre zu. Oder geht er noch zu Mc Fit und hört dabei Violencia y Control Social Podcast. Nein, zu spät (Tipp für alle, die chilenisches Spanisch halbwegs verstehen)…
Du solltest es hier nicht aus der deutschen Perspektive betrachten, sondern aus der der jeweiligen Staaten: Für ein Land wie Peru bspw. sind 200 Mio. Euro nun keine “peanuts”.
Genau wie die nicht-neoliberalen Regierungen in Bolivien, Venezuela oder Brasilien. Anders aber in Honduras.
Und warum hat er das wohl nicht gemacht?
Darum ging es hier auch nicht.
Deshalb schrieb ich ja auch: “Zweifelsohne sind dabei die meisten der Rebellengruppen, insbesondere die FARC, kaum als links ausgerichtete politische oder revolutionäre Kräfte zu betrachten, sondern eher als gewöhnliche Verbrecherbanden:”
Wenn das Justizsystem so wach ist, warum bleiben dann 97% der Morde an Gewerkschaftern ohne Strafe und gibt es nur in einem Bruchteil der Fälle Ermittlungen?
Nun, Kuba besitzt ein zweifelsohne ja äußerst ineffizientes Planwirtschaftssystem, das es nun ein wenig zu reformieren versucht.
Was ist denn wirtschaftlich dort so katastrophal? Und wieso “moralisch”?
Perus BIP betrug 2009 126,8 Mrd US $. 200 Mio $ sind 0,2 Mrd US $.
Das ist ein Tropfen. Und über wieviel Jahre ist das. Wieviel davon ist Kredit? Bei der aktuellen Kupfer- und Goldpreisralleye sind das Peanuts.
Brasilien setzt nach wie vor auf Aussenöffnung, Freiheit für Unternehmen, stabile Währung, Entschuldung der staatlichen Haushalte. Daneben existiert ein wenig Industriepolitik und eine Betonung von f.u.n.k.t.i.o.n.i.e.r.e.n.d.e.n Sozialprogrammen (wie übrigens auch in Chile unter Piraña). Ich seh da wenig Verbindungen zu Venezuela… Bolivien ist dagegen uebrigens nicht sonderlich sozial. Schau dir mal die Daten der Armutsbekämpfung etwa von der bolivianischen Zentralbank an.
Glaubst du wirklich diesen Zahlen? In Gesamt-Kolumbien gingen die Mordraten seit 2002 deutlich zurück. Früher mal lebensgefährliche Städte wie Medellín sind heute auch von Gewerkschaftlern bewohnbar. Eine Menge mächtiger kolumbianischer Politiker sind der Gegenstand von juristischen Untersuchungen. Natürlich bleibt die Lage in dem Land undurchsichtig. Nur geht der Trend halt auch in eine korrekte Richtung. Und Deutschland macht mit wesentlich weniger Crime-Verseuchten Ländern wie etwa Chile einfach bessere Geschäfte. Diese Folklore von Verbrechen und bösen europäischen Unternehmen könntet ihr mal ein wenig vergessen.
Kuba versucht seit 50 Jahren. Vor 2 Jahren redeten ähnliche Leute wie du noch von dollen Wachstumsraten. Nun hat Hugo selbst keine Bananen mehr, um sie denen zu schicken. Plötzlich fällt denen auf, dass ihr Planwirtschaftssystem “äußerst ineffizient” ist. Soll ich jetzt klatschen? Es wird soweit gehen, dass die Castro Bande weiter die Kontrolle behält. Und falls sich ein neuer mit Spendierhosen findet ( a la Sowjetunion oder Venezuela) werden die versuchten Reformen wieder zurückgedreht…
chupate esas mandarinas…
http://devilsexcrement.com/
http://venezuela-europa.blogspot.com/
http://caracaschronicles.com/
Was hat das damit zu tun?
Eher als denen der kolumbianischen Regierung.
Wer profitiert denn von den dortigen Arbeitsbedingungen inklusive der – sagen wir – Gewerkschaftssituation, vo Vertreibungen und Gewalt?
Zu Kuba: Natürlich ist es ein Fortschritt, wenn man dort (endlich) Irrtümer der VErgangenheit erkennt und korrigiert.
Zu Venezuela: Ich verlasse mich da lieber auf die (objektiven) ökonomischen Daten und die soziale Situation.
Bei der aktuellen Preise der Gold- und Kupferpreisen sind Wachstumsraten von an die 10% drin. Das bedeutet 13.2 Mrd US$ pro Jahr allein an Wachstum. 200 Mio US$ deutscher Hilfe über mehrere Jahre z.T. als Kredit hat spielt da keine sonderlich große Rolle.
Ich trau den Mitgliedern der kolumbianischen Regierung so einiges zu. Nur ist das halt die gewählte kolumbianische Regierung. Und eine Menge Skandale sind durch die Justiz herausgekommen. Etwa die falsos positivos. Das ist ein gutes Zeichen. Und die Situation ist halt undurchsichtig. D.h. es gibt eben neben sauberen Gewerkschaftlern halt auch solche, die mit den Narcos zusammenarbeiten. Die Zurückdrängung der FARC eröffnet jedenfalls Möglichkeiten einer weiteren Zurückdrängung der Gewalt.
Bestimmte inländische Unternehmer.
Die erste Welt eher nicht. Die Terms of Trade Lateinamerikas sind aktuell sehr positiv. Wir haben Kupferpreise von bald 9 Euro je Tonne. Es wird vermutet, dass die sich über längere Zeit auf 8 Euro stabilisieren. Ende der 90er schwankten die zwischen 1,8 und 2,5 Euro. Ungefähr. Ähnliches gilt für Öl, Soja, Gold, etc.
In Kuba ist seit 50 Jahren Fortschritt. 1958 wars das 3.-best entwickelte Land von Lateinamerika/Karibik (hinter Argentinien, Uruguay). Heute vergleichen wir es mit Nikaragua oder Haiti.
Du meinst die seit 2008 sinkenden realen Mindestlöhne? Der immer dramatischere Mangel an Wohnraum? Die Rekord-Inflation im letzten Jahr? Die sinkende Nahrungsmittelproduktion? Die Rekord-Krimalität? Die Zahl der Schlaglöcher in den Straßen? Die Zahl der an Dengue-Fieber erkrankten? Die Verluste der verstaatlichen Unternehmen? Das Negativ-Wachstum seit 2009?
@ Lemmy Caution am 11. November 2010 at 00:28
Venezuela: Vielleicht auch bspw. das Rekordwachstum in den Jahren 2003 bis 2008 und die Wachstumserwartungen für dieses Jahr, nachdem es 2009 wie in sehr vielen Ländern der Welt zu einer Rezension kam. Oder die Halbierung der Armut, der Abbau der Arbeitslosigkeit, die Verdreifachung der Sozialausgaben pro Kopf, die freie Gesundheitsversorgung, …
Endlich mal jemand der Latein Amerika versteht und nicht nur den typischen Abwasch wiederholt mit dem man in Europa bzgl dieser Laender verbreitet. DANKE aus Mexico Stadt
Endlich mal jemand der Latein Amerika versteht und nicht nur den typischen Abwasch wiederholt den man in Europa bzgl dieser Laender verbreitet. DANKE aus Mexico Stadt
Coca Cola ein inländisches Unternehmen? Das die “Para”militärs der AUC finanziert für die Verfolgung und Ermordung von Gewerkschaftern!
Ja. Ja. Das war ein übrigens äusserst undurchsichtiger Einzelfall, der vor 5 oder mehr Jahren sehr groß durch die deutsche “Links-”Presse ging, weils so gut in diese Primitiv-Sicht paßte: Großunternehmen der 1. Welt leben von Gangster-Methoden in Lateinamerika.
So siehts aber einfach nicht aus. Eine Menge gerade deutsche Unternehmen sind begehrte Arbeitgeber, da sie vorbildlich mit ihren Arbeitern und Angestellten umgehen.
Du hast in allen stark wachsenden Schwellenländern in Asien oder Lateinamerika problematische Arbeitsverhältnisse. Das hat nichts mit Neoimperialismus zu tun. In der Entwicklung und mit der besseren Kapitalausstattung der Wirtschaft geht der Anteil dieser Arbeitsplätze zurück.
@ Lemmy Caution am 11. November 2010 at 07:04:
Und die über 500 weiteren Morde an Gewerkschaftern seit 2002 sind auch alles “undurchsichtige Einzelfälle”.
Lieber Markus.
Nicht gerade wenige dieser Gewerkschaftler sind genauso in den Gewalt & Drogensumpf verwickelt wie der AUC.
Ich find ihre Sehnsucht nach lateinamerikanischen Helden putzig.
Lemmy hat halt Sehnsucht nach faschistischen Mördern, egal ob Noske oder Uribe. Und seine Distanzierungen von Pinochet sind auch nicht glaubwürdig.
a^2
GENAU – und nun fehlt nur noch das Che Shirt.
Laut der Übersetzung der jungen welt zu einem mexikan. Interview
http://www.jungewelt.de/2010/11-11/012.php
sagte Correa (Präsident von Ecuador):
“Alle Geheimdienstkader (gemeint sie diejenigen Ecuadors, meine Anm) arbeiteten für die CIA.”
“Als ich an die Regierung kam, hatte dieses Thema für mich aufgrund meiner akademischen Herkunft ehrlich gesagt keine Priorität. Das war mein großer Fehler.”
Ich kann nur hoffen, dass sich die Mittel- und Südamerikanischen Regierungen und Gesellschaften dem Umfang dieser Fremdsteuerung bewusst werden und sich daraus befreien können.
Mittelfristig bleibt mir nur die Hoffnung, dass die menschenverachtende Politik, konkret hier Niebel, scheitert.
Konkret scheitern könnte diese teils bestehende teils forcierte egoistische neoliberale Politik der NATO (Staaten, also Eliten, nicht der Wille der Bevölkerungen) wohl am Einfluß und der Wirtschafts- und Finanzkraft durch die BRIC-Staaten. Leider ist diese ebenfalls weitgehend neoliberal und ausbeuterisch.
Hoffentlich ergreifen die süd- und mitelamerikanischen Regierungen und Gesellschaften die Möglichkeiten, die sich aus der Konkurrenz der NATO und der BRIC ergeben werden, allerdings ohne selbst in Neoliberalismus abzugleiten (Brasilien als BRIC-Staat erscheint mir eine politische Führungsrolle einnehmen zu können, obwohl mir die Politik Brasiliens zu ressourcenzerstörend ist).
So seltsam es klingen mag: Je länger unfähige Entscheidungsträger wie Niebel an der Macht sind (und ihre groteske Politik betreiben), desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Politik in Mittel- und Südamerika auf Ablehnung trifft, evtl. allein aus emotionalen Gründen.
Allerdings kann es durchaus sein und ist schon oft genug vorgekommen, dass diese Ablehnung mit militärischer Gewalt und autoritären Maßnahmen unterdrückt wird. Ist es das wert?
Zunächst mal eine westeurop. konservative Quelle:
http://www.bpb.de/themen/MAN81F,0,0,Brasiliens_Aufstieg%3A_M%F6glichkeiten_und_Grenzen_regionaler_und_globaler_Politik.html
Auszug:
“Brasilien hat auch nach der Umbenennung der CSN in Union der Südamerikanischen Nationen (Unasur) 2007 auf Veranlassung von Venezuelas Präsident Hugo Chávez seinen Führungsanspruch in der Region keineswegs aufgegeben, sondern eher ausgebaut, indem es verschiedene Unterorganisationen des Unasur ins Leben gerufen hat. Darunter stellt der Südamerikanische Verteidigungsrat (CDS) sicherlich das politisch wichtigste institutionelle Kooperationsinstrument dar, weil jetzt zum ersten Mal Verteidigungs- und Außenminister der Region – unter Ausschluss der USA – gemeinsam an der Etablierung einer regionalen Sicherheitsarchitektur arbeiten. Dieser sicherheitspolitische Emanzipationsprozess Brasiliens zeigt am deutlichsten seine Bereitschaft, der Süd-Süd-Kooperation – sei es innerhalb der Region oder auch weltweit – den Vorrang vor der bisher in Sicherheitsfragen weitgehend reibungslosen Zusammenarbeit mit den USA einzuräumen.”
Eine nicht ganz so konservative Quelle:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/01/15.mondeText.artikel,a0036.idx,9
Auszug:
“Über die Unasur erhob Brasilien auch heftigen Einspruch gegen die Errichtung von sieben US-Militärbasen in Kolumbien. Konflikte in der Region sollen ohne Eingriffe von außen geregelt werden. Deshalb prangerte Lula da Silva auch die Reaktivierung der 4. US-Flotte im April 2008 an, die in den südamerikanischen und karibischen Gewässern patrouillieren sollte.
Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Brasilien und den USA zeigten sich jedoch am deutlichsten im Fall Honduras. Seit dem Staatsstreich vom 28. Juni 2009 forderte die Unasur die Wiedereinsetzung des Präsidenten Manuel Zelaya bis zum Ende seiner Amtszeit. Mit der Aufnahme des gestürzten Staatschefs in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa am 21. September 2009 trat Lula da Silva an vorderste Front. Aurélio Garcia schimpft: “Brasilien hat alle Sanktionen und Druckmittel eingesetzt, die ihm zur Verfügung stehen, aber das ist sehr wenig gegen das, was die USA hätten ausrichten können. Wenn wir deren Möglichkeiten besäßen, hätten wir sie auch genutzt.”
Le Monde erwähnt allerdings auch Folgendes:
“Im Itamaraty-Palast, dem Sitz des brasilianischen Außenministeriums, hatte man mit dieser neuen Politik zunächst große Schwierigkeiten. Die konservativen, größtenteils aus der Oberschicht stammenden Diplomaten pflegten eine deutliche Vorliebe für die sogenannte Elizabeth-Arden-Tour, die die Glamourmetropolen Rom, Paris, London und Washington umfasst.
Applaus kam dagegen von den Arbeitgebern, denn die Außenpolitik hielt mit der Expansion der brasilianischen Multis Schritt. Der Energieriese Petrobras, der Bergbaukonzern Vale, die führenden Bauunternehmer Odebrecht und Camargo Correa, der Fleischgigant JBS Fribol und der größte Hühnerzüchter BRF, der Flugzeughersteller Embraer, die Itaú-Bank – ganz zu schweigen von den Ethanol- und Sojaproduzenten – konnten ihre Exporte und Auslandsinvestitionen explosionsartig vergrößern. Mit der Entdeckung bedeutender Ölvorkommen wuchsen die Exporte Brasiliens noch weiter. China lieh Petrobras 10 Milliarden Dollar, um sich den Zugang zu den brasilianischen Ölreserven zu sichern. Im Jahr 2009 überholte China die USA als Hauptabnehmer brasilianischer Produkte.
Politik und Geschäft harmonieren jedoch am allerbesten in Lateinamerika selbst. Die Brasilianer profitierten als Erste von der stark wachsenden Nachfrage im benachbarten Venezuela. Als dort auch die Ärmsten den Konsum entdeckten, sah sich Caracas gezwungen, in Ermangelung eigener Landwirtschaft und Industrie Fleisch, Milch, Haushaltsgeräte und Ähnliches zunächst aus Kolumbien zu importieren, dann – infolge der immer schlechteren Beziehungen zu Bogotá – aus Brasilien.
Wirtschaft und Diplomatie
In Argentinien trägt der brasilianische Brauereikonzern Ambev Sorge, dass die Bevölkerung nichts von seiner Übernahme der traditionellen Biermarke Quilmes erfährt. Die wichtigsten argentinischen Fleischhersteller gehören mittlerweile Brasilianern, und genauso ist es in Uruguay, wo auch der zentrale Nahrungssektor Reis in brasilianischen Händen ist. In Bolivien sind es der Soja- und Gasmarkt, mehr als ein Fünftel der Wirtschaft des Landes. In Paraguay wächst auf den fruchtbaren Böden der Bezirke Alto Paraná, San Pedro, Concepción, Amambay und Canindeyú vor allem brasilianische Soja.”
Brasilien könnte – wie gesagt – eine Führungsrolle übernehmen. Ob sich die politische und wirtschaftliche Oberschicht von Brasilien jemals wieder als Vasallen der “Yankees” verstehen und einordnen lassen wollen ? Einzelne Geheimdienstaktionen oder gar Militäreinsatz gegen Brasilien halte ich nicht mehr für realistisch.
Die Handlungen von Niebel werden im brasilianischen Außenministerium sicher genau beobachtet und analysiert. “Emotional” wird er damit sicher nicht punkten.
Die neu gewählte brasilianische Präsidentin Rousseff, die während des – von den USA wohlwollend tolererierten – Militärregimes nach eigenen Angaben 1970 in Haft gefoltert worden ist, wird, so denke ich, einem Neoliberalen mit Bruchstücken aus der Berliner Mauer, der aber gleichzeitig Militärputschs wie in Honduras positiv gegenübersteht, allein schon “emotional” wenig Positives entgegenbringen.
Kommst du aus Radebeul? Bist du ein Verwandter von Karl May?
… und dann verlinkst du den HDI Bericht.
Da geht aber draus hervor, dass die überwiegende Mehrheit der Entwicklungs- und Schwellenländer gegenüber den traditionellen Industrieländern hinsichtlich des Human Development Index aufholen. (z.B. S. 49 der von dir verlinkten deutschen Version).
Für meinen Geschmack kann es nicht schnell genug gehen. Aber die Kluft zwischen Ländern sinkt nicht. Und die Armen ausserhalb Afrikas holen gegenüber uns auf. Die Mittelschicht sowieso. Problem sind die oft recht scharfen sozialen Unterschiede in Schwellenländern. Aber da böse Absicht zu unterstellen, trifft das Problem nicht.
Und erklär mir mal die HDI Performance Venezuelas unter Chávez…
http://tinyurl.com/29cgfbc
Dies ist aer vor allem auf die Schwellenländer zurückzuführen. Und wie du sagst, Afrika verharrt in Armut und hat zunehmend sogar größtenteils schlechtere Bedingungen.
Und die Studie besagt auch, dass weltweit beim Einkommen eine erhöhte Divergenz zu erkennen ist.
Deutlicher wird es aber, wenn man sich nicht nur die Reichtumsverteilung zwischen den Ländern, sondern zwischen den Bevölkerungssegmenten weltweit (also bspw. die ärmsten 10% versus die reichsten 10%) anschaut.
Da schau dir besser nochmal Seite 49 des von dir selbst verlinkten Berichts an. Deine Aussage ist nämlich schlichtweg falsch. Aus dem Diagramm geht nämlich hervor, dass der Human Development Index stärker in Afrika als in OECD Ländern anstieg.
Naja. Von den untersten 10% leben die meisten in Staaten, die mit Welthandel und Marktwirtschaft nun wirklich nicht viel zu tun haben.
Schau aber bspw. mal auf Seite 195.
Die Betrachtung der Bevölkerungssegmente ist aber tatsächlich der eigentlich wichtigere Punkt, wenn man sich die Zahl der Allerärmsten auf der Welt anschaut, bspw. den Welthunger-Index, der zeigt, dass es weltweit immer noch 925 Mio. Hungernde gibt, es in der neusten Zeit kaum Verbesserungen gibt und die vorherigen fast ausschließlich mit dem Aufstieg Chinas zu erklären sind. Oder die ausbleibenden Fortschritte bei den allermeisten UN-Millenniumszielen.
Ach. Jetzt wechseln wir also die Statistik?
Guckst du bitte noch einmal hier:
http://websie.eclac.cl/infest/ajax/cepalstat.asp?carpeta=estadisticas
unter
Estadísticas e Indicadores Demográficos y Sociales
und dort: Sociales/ Pobreza y Distribución del Ingreso
Und da: Pobreza en América Latina
Schaus dir für verschiedene Länder an. Auch für ganz pöhs neoliberale.
In vielen Ländern ist die Armut auf dem Rückmarsch. Das gleiche gilt auch für Asien.
Ich bitte wiederum um nicht-spanischsprachige Quellen.
Cepalstat gibt es auch in Englisch:
http://www.eclac.org/estadisticas/default.asp?idioma=IN
Es ist eine wichtige Quelle für Sozialdaten der Region.
Hier gings um:
Demographic and Social Statistics and Indicators
/
Social
/
Poverty and Income Distribution
/
Poverty in Latin America
Die andere herangezogene Statistik betraf das BIP Wachstum. In englischer Sprache findest du das unter:
Economic Statistics and Indicators
/
National accounts
/
Annual National Account from 1990
Statt immer auf die immer gleichen links-teutonischen “Weisen” über Lateinamerika zu lesen, fänd ichs besser, dass sich zumindest Leute, die sich berufen fühlen, Blogeinträge über die Region zu schreiben, sich eben dort auch selber zu informieren.
Das ist ja das schöne am Internet: Auch Primärquellen mit weniger Mitteln erhalten eine Stimme.
Beispielsweise gibts im chilenischen Internet interessante linke Beiträge zu entdecken:
http://www.theclinic.cl
http://www.elciudadano.cl/
http://violenciaycontrol.blogspot.com/
Hat jemand was anderes erwartet? Die deutschen verteidigen des Amis Hinterhof auch wenn schon die Chinesen im Regierungsviertel stehen. Die Deutschen sind durchaus nicht unbeliebt in Lateinamerika aber das bedeutet nicht das irgendwer auf ihre, geizig und mit zittrigen Händen übergebenen, hundert Mark angewiesen ist.
Deutschland ist, politisch gesehen, in Lateinamerika ein Niemand und das ist auch gut so.
Hier wird ja munter doppelt gepostet, ist aber immernoch ein guter Artikel.
Markus Weber, ein weiteres Opfer der Propaganda Hugo Chávez (und seiner Apologeten).
Oben schreibt er:
Nun schauen wir uns mal Cepalstat an.
Hier: http://websie.eclac.cl/infest/ajax/cepalstat.asp?carpeta=estadisticas
Und klappen aus: “Estadísticas e Indicadores Económicos”. Dann “Cuentas Nacionales” und darunder “Cuentas nacionales anuales desde 1990″
Wählen wir in der Auswahl “Producto interno bruto por habitante a precios constantes de mercado, tasas anuales de variación.”
Wir klicken rechts auf “Países” und Venezuela.
Das sind nun die dollen “Rekordwachstumsraten” Venezuelas unter dem Militärpräsidenten Hugo Chávez Frias.
1998 bis letztes Jahr:
98 -1.7
99 -7.8
00 1.7
01 1.5
02 -10.5
03 -9.4
04 16.2
05 8.4
06 8.0
07 6.3
08 3.0
09 -3.9
Aufgrund der größten Erdölpreisrallye der Geschichte gabs zwischen 2004 und 2007 mal ein paar gute Jahre, die überdies zu einem großen Teil als aufholendes Waschstum nach der schweren Krise 2002/3 bezeichnet werden können. Die übrigen 8 Jahre lassen sich allerdings nur als sehr bescheiden bis katastrophal bezeichnen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es in Venezuela nach wie vor ein für lateinamerikanische Verhältnisse sehr hohes Bevölkerungswachstum von 2% pro Jahr gibt.
Besonders augenfällig wird der Niedergang in diesem Jahr. Während der Rest Lateinamerikas brummt, wird Venezuela als einziges südamerikanische Land ein negatives Wachstum aufweisen. Die äußerst schädigenden Eingriffe nach Art der Ossi-Kommunisten von der SED zeigen ihre zerstörerische Wirkung halt immer stärker. Kein anderes Land der Region ist in der Finanzkrise dermassen unter die Räder gekommen wie Venezuela.
Während sich Sebastián Pinera zu jährlichen Wachstumsraten von 6% mit oder ohne Erdbeben commitet, brandmarkt Hugo C. Wirtschaftswachstum als böses kapitalistisches Konzept.
Bald werden die Chávez Apologeten davon faseln, dass das Land deshalb nicht mehr auf die Beine kommt, weil manche Leute böse über Venezuela sprechen.
Als nächstes kommt dann, dass die ossi-naturbürschliche Regierung Venezuelas tatkräftig “Reformen” durchführt, die die “Misstände” beseitigen.
Siehe Argumentation des Autors zum Thema Kuba.
ÜBERHOLEN OHNE AUFZUHOLEN HALT har har har har har
Da ich schätze, dass die Mehrheit der Leser hier des Spanischen nicht mächtig ist, wäre eine deutsch- oder englischsprachige Quelle natürlich etwas netter gewesen.
Dass es also im besagten Zeitraum ein Rekordwachstum gab, ist unbestritten. Aber auch im gesamten Zeitraum der Regierungszeit von Chavez, in die ja große politische und wirtschaftliche Krisen fielen, war das Wirtschaftswachstum höher als unter seinen Vorgängern und nicht niedriger als der regionale Durchschnitt. Wenn man die zusätzlichen sozialen Verbesserungen dabei berücksichtigt, kann man wohl kaum von “bescheiden bis katastrophal” reden.
Und wie sieht die Lage aktuell aus? Die Wirtschaft Venezuelas ist in Erholung, wuchs im zweiten Quartal 2010 wieder um 5,2%.
Junge, Junge,
die Zahlen kann man ja wohl auch mit Sächsisch oder Berlinerisch-Kenntnissen verstehen.
Ein Jahr mit 16,8% Wachstum macht halt kein NACHHALTIGES ENTWICKLUNGSMODELL.
Es war eine Zeit mit dramatisch gestiegenen Ölpreisen. In den 70ern – letzte Ölpreisrallye – war das Wirtschaftswachstum DEUTLICH HÖHER.
Die Quartalszahlen der venezoelanischen Wirtschaft 2009 bis 2/2010 waren:
-2.6%, -4.6%, -5.8%, -3.3%,
-5.2% -1.9%
Im dritten Quartal fand eine leichte Erholung statt. Dies als Erfolg zu feiern, erscheint wenig zielführend. Die Zahlen sind meines Wissens überhaupt noch nicht publiziert. Bei Weißbrot steht da jedenfalls nichts von drin.
Hier übrigens eine differenzierte Betrachtung des letzten Weissbrot-Papers:
http://settysoutham.wordpress.com/2010/09/13/since-no-one-else-is-taking-the-bait/
Es findet in Venezuela keine nachhaltige soziale Verbesserung statt. Der staatliche Wohnungsbau findet nicht statt. Die Kriminalität – unter denen v.a. die Armen leiden – nimmt immer apokalyptischere Formen an und die Anzahl von wirklich produktiven Arbeitsplätzen nimmt immer mehr ab.
Halbierung der Armut…
Schau dir mal unter cepalstat nochmal die Statistik für Armut an. (s.o.)
nimm Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung.
Für Venezuela steht da für das Jahr 1979 ein Armenanteil von 25%. Hugo Chávez konnte während SEINER Ölpreisrallye diesen Wert nicht wieder erreichen können.
97: 48%, 2004: 45,4%. UND dann 2007: 28,5%.
Seitdem nimmt der Anteil der Armen zu.
In dem ach so pöhs neoliberalen Chile lag der Anteil der Armen 2006 bei 13%.
Verdreifachung der Sozialausgaben pro Kopf…
Ein Witz. Der Großteil der Sozialausgaben versickert in der chavistischen Bürokratie.
Kostenlose Gesundheitsversorgung gab es bereits vor Chávez. Er schuf lediglich mit den “misiones” ein äußerst beschränktes Parallelsystem zu den funktionierenden Kliniken, deren Mittel zunehmend gestrichen wurden.
Ich habe mal hier (englischsprachig) geschaut: http://sedlac.econo.unlp.edu.ar/eng/statistics-detalle.php?idE=34 (1. Dokument)
Ok, die Daten ähneln sich. Hier sind sie jedoch zusammengefasst für die Länder Lateinamerikas und für jedes Jahr, bis 2009.
Du hast wohl die Zahlen für “moderate Armut”, und auf Haushalte bezogen. Dies sind laut der angegeben Statistik 1997 48,1%, 2007 28,5% und dann nahm der Anteil nicht zu, sondern ab, auf 2009 24,2% – also eine Halbierung!
Bei der extremen Armut ist es noch stärker: 1997 19,3%, 2009 6,0%.
Und was soll da bitte der Vergleich zum wirtschaftlich immer schon deutlich stärkeren Chile? Oder der zu 1979? Was kann den die jetzige Regierung für die Situation 1979-1998? Bleib doch bitte beim Thema. Für den Zeitraum unter Chavez wurde die Armut drastisch reduziert.
Deine dollen Armutslinderung Venezuelas findet sich in dem Dokument “1. Official poverty headcounts (national) “. Das sind die nationalen Statistiken der Regierungen selbst. Die wohl unabhängigere CEPAL Statistiken dadrunter weichen im Fall Venezuelas stark von der nationalen Statistik ab. Warum wohl? ;-)
In einem Erdölboom ist es in Venezuela keine Kunst die Armut zu lindern. Das wurde in den 70ern viel besser erreicht.
Schau dir mal Cepalstat an:
Economic Statistics and Indicators
/
National accounts
/
Annual National Account from 1990
Klick Chile und Venezuela an.
1990 betrug das BIP pro Kopf in Dollars von 2002:
Venezuela: 4 828.1
Chile: 3 081.3
1998
Venezuela: 5 118.9
Chile: 4 845.9
(noch zu Amtsantritt Hugo Chávez war das BIP pro Kopf in Venezuela höher als in Chile!!!)
2008
Venezuela: 5 883.8
Chile: 6 235.2
Soviel als zum “wirtschaftlich immer schon deutlich stärkeren” Chile.
Venezuela ist ein bedeutendes Förderland für Erdöl. Es war über die 70er und 80er das reichste Land Lateinamerikas.
Wie gesagt: Das Wirtschaftswachstum Venezuelas ist im Regierungszeitraum von Chavez nicht niedriger als in Schnitt der Region, und höher als in vielen neoliberalen.
Chile nun hatte zum ersten 2000-2010 sozialistische Regierungschefs.
Zum zweiten betrug das Wirtschaftswachstum in Venezuela, nach den heftigen Einbrüchen 2002/2003 – die, wie du wohl zugestehen wirst, eher außergewöhnlichen Ereignissen zu verdanken waren und “aus der Reihe tanzten” – im Zeitraum von 2004 bis 2009 durchschnittlich 6,33% p.a, in Chile waren es 2,63%.
Markus, was soll das?
Wirtschaftswachstum hängt nun wirklich von einer Menge Faktoren ab. Und ziemlich massiv von den Terms of Trade. Venezuelas Wirtschaft hängt aber seit mindestens 1920 sehr stark von dem EINEM Gut namens Erdöl ab. 1998 lagen die Preise für venezoelanisches Erdöl bei 17$. Zwischenzeitlich stieg dieser Preis auf 130$. Erdöl macht zur Zeit deutlich über 90% der venezoelanischen Exporte aus…
… auf eine post-allendistische Weise sozialistisch. Mit Chávez hatten die nun wirklich nix zu tun. Und die wirklich starken Wachstumsraten gabs etwa zwischen 1986 und 1996. Die Concertación gelang zumindest eine stetige Wirtschaftsentwicklung. Sie gestand aber selber ein, dass dies für den Aufholprozess nicht ausreichte.
Dir fällt inzwischen wohl schon selber auf, wieviel Mühe du aufbringen mußt, um die “richtigen” Jahre herauszupicken. Während Venezuela während ihres Terms of Trade Booms 2004 bis 2008 das Geld mit vollen Händen unter die Leute brachte, sparte Chile während seines Terms of Trade Booms. Damit war für die Finanzkrise UND das Erdbeben genug Geld da. Ich befand mich während des Erdbebens im Flugzeug auf dem Weg in den nördlichen Teil der sehr betroffenen 8. Region. War dann in Sao Paulo und konnte nur über Buenos Aires und dann Bus in Chile einreisen. Zwar sind die Chilenen baulich und psychologisch vergleichsweise hervorragend vorbereitet auf Erdbeben. Trotzdem ist da eine Menge zerstört. Lefty Shefties würden diese Zerstörungen 5 Jahre für schwache Wachstumsraten vorbringen. Chile wächst dieses Jahr um zwischen 5 und 6%.
@ Lemmy Caution am 11. November 2010 at 12:48
Die Abhängigkeit vom Erdöl ist aber kein Argument, dass es mit einer neoliberalen Regierung anders oder besser laufen würde.
Zum Wirtschaftswachstum:
Ok, keine Zeiträume, gehen wir die Jahre rückwärts durch: Wann lag Chiles Wirtschaftswachstum über dem Venezuelas?
Nach den massiven Einbrüchen Venezuelas 2002/2003 nur noch einmal, im Krisenjahr 2009.
Aber es handelte sich in Chile eben auch um keine neoliberale Regierung.
und 2010. Sogar sehr deutlich Chile wächst um 5,5%. Venezuela negativ. 2011 dann wieder. Und eine Menge Folgejahre.
In Sachen nachhaltiger Entwicklung werden in Venezuela allenfalls dumme Volksreden geschwungen. Getan wird nix.
Les dich mal ein bischen durch die Oppoblogs. Das sind wenigstens Lateinamerikaner, die das schreiben.
Vor allem das hier: http://devilsexcrement.com/
Aber auch: http://settysoutham.wordpress.com/ (ein Ami)
http://www.incakolanews.blogspot.com/ (uups noch ein ami)
http://www.caracaschronicles.com
http://venezuela-europa.blogspot.com/
http://venepiramides.blogspot.com/
http://lasarmasdecoronel.blogspot.com/
Markus: Deine Geduld ist bewundernswert, pass auf, dass Du keinen Heiligenschein kriegst, dann passt Dir kein Hut mehr ;). Prinzipiell fällt das aber ein wenig in die Kategorie 对牛弹琴. Ok, Du schreibst es nicht (nur) für Lemmy.
Generell finde ich, dass sich die Wirtschaft Venezuelas angesichts doch recht tiefgreifender gesellschaftlicher Reformen und der vorhersehbaren Sabotage der Gegner im In- und Ausland erstaunlich gut entwickelt hat. Das soll Patzer, Dummheiten und erst späte strukturpolitische Massnahmen (etwa in der Energiepolitik) nicht schön- oder kleinreden. Chavez macht in vieler Hinsicht training on the job, so schlecht schlägt er sich bei aller berechtigten Kritik nicht dabei.
a^2
@ Markus,
Hier nehme ich mal an, dass du dich auf Marina aus dem Urwald (ein durchaus humorvolles Spiel mit ihrem Namen und Herkunft) beziehst. Marina hat durchaus glaubwürdige linke und eher fundamental Grüne Positionen, im Unterschied zu beispielsweise den ins Konservative abgeglittenen deutschen Grünen. Es ist aber durchaus anzunehmen, dass zahlreiche Pfingstler, die sich in Brasilien vermehren wie weiland die Karnickel in Australien, alleine aus gruppenspezifischen Gründen für sie stimmten. Ansonsten ist der am Ende doch relativ knappe Wahlausgang ein deutliches Zeichen wie groß der Einfluss von Globo (Brasiliens Medienriese) und Co. letztendlich ist.
Die ”Trabalhadores” von Lula und Dilma sind in der Praxis eher rechteren Sozialdemokraten gleichzusetzen. Was aber der Freude keinen Abbruch tut, dass diese der neoliberalen Mode entsagten, was heutzutage schon sehr viel ist, und damit große Erfolge für Land und Leute erzielten und einen allgemeinen Wohlstand ohne historisches Vorbild geschaffen haben. Anzumerken ist aber auch, dass diese trotz einer nach außen begrüßenswert klar differenzierten Position zu USA & Co. gerade aber Rüstungsimporte aus Usanien deutlich aufgestockt haben. Die Brasilianer dürften aber dennoch in offener Feldschlacht bspw. gg. Chile als klarer Zweiter hervorgehen. Das Militär ist immer noch arg fett in Chile. Brasilien ist traditionell, relativ, untermilitarisiert.
Was Hugo in Klein-Venedig anbelangt, hier verdichten sich zusehends die Argumente, dass seine Politik arg ineffizient ist, dass er in der Tat aus den stark verbesserten finanziellen Rahmenbedingungen arg wenig gemacht hat, was aber nicht bedeuten soll, dass neoliberales Management in dieser Zeit in irgendeiner Form bessere Resultate für die unteren 50% der Bevölkerung erbracht hätte.
Die Problematik ist ja diese, dass Neoliberalismus weltweit bspw. einen allgemeinen Ausbau von Staatsverschuldung ohne historisches Vorbild und eine vorher wohl kaum gesehene Einkommensumverteilung von unten nach oben einbrachte. Auf der positiven, nach Sichtweise, Seite steht der Aufbau eines dickensischen industriellen Proletariats in China et. al.
Das einzige westliche Land mit relativer neoliberaler Erfolgsgeschichte ist Australien, das Dank eines selbst dort vorher unbekannten Rohstoff-Booms mit vernachlässigbarer Staatsverschuldung dasteht. Auch die Verweigerung der Banken-Derugulierung hat hier einen Beitrag geleistet. Auf der anderen Seite ist das Gesundheitswesen im Siechtum, und die S-Bahn von Parramatta nach Sydney braucht 10 Minuten (50%) mehr als vor 20 Jahren – die Infrastruktur, wie vieles andere auch, geht am Stock. Dass die Rohstofflastigkeit den Rest des Landes, außer West Australien, bald nahe an den Abgrund bringt, ist eine andere Sache. Die Konservativen haben entsprechende Gegenmaßnahmen einstweilen abgeblockt.
Hier irrst du gewaltig. Die meisten Sozialprogramme a la Chávez waren sehr, sehr ineffizient. Etwa verschimmelte ein gewaltiger Anteil der importierten, subventionierten Lebensmittel. Ein noch größerer Teil der Mittel wurde gar nicht für Lebensmittel ausgegeben. Er versickerte in der Korruption.
Schau dir die Armutszahlen des neoliberalen Chiles in Cepalstat an. Die entsprechenden Zahlen sanken deutlich stärker als in Venezuela.
UND VOR ALLEM zeigen konservativ-liberale Politiker Lateinamerikas ein gewisses Lernverhalten. Sozialprogramme oder Industriepolitik werden heute von diesen Leuten als wichtiger bewertet als noch in den 80ern. Genauso wie sich sozialdemokratische Politiker in Richtung einer aufgeschlosseneren Haltung gegenüber makroökonomischer Stabilisierung und Markt entwickelten.
In Chile, Brasilien, Peru, Mexiko, Uruguay, Paraguay, Bolivien und Ecuador ja wohl eben gerade nicht. Dort wurde die Staatsverschuldung GESENKT.
Cepalstat liefert mir:
Chile
1996 23,2%
2006 13,7% (letzter Wert)
Venezuela
1997 48,0%
2006 30,2%
2008 27,6%
Lemmy, meine Aussage respektive Venezuela ist eine”was wäre wenn” Aussage. Wenn meine Oma ein Hupe hätte wäre sie bekanntlich ein Omnibus. Meine Aussage, als “Sozialdemokrat” (was sich auf politische Inhalte bezieht, und keine parteipolitische Assoziation repräsentieren soll) ist, dass ich gewisse Ideale mit Hugo C. teile, aber seine praktische Politik großenteils für Müll halte. Dass er seinen Veitstanz aufziehen kann, liegt aber daran, dass die Regierungen vor ihm Dreck waren.
Über Mexiko brauchen wir uns nicht groß unterhalten, da reiten wir einen toten Affen. Peru ist der tote Patient der noch einmal Dank der Rohstoff-Hausse ein paar mal “piep” auf dem Bildschirm macht.
Uruguay scheint auf einem guten Weg zu sein. Montevideo ist einen Besuch wert und ist entspannt. Politisch verfolge ich das Land nur sehr peripher, aber auch dort doktern keine Neokonsen rum. Brasilien war unter klassischer sozialdemokratischer Stewardship äußerst erfolgreich, wie ich dargestellt habe. Lula wird zum brasilianischen Lulatsch, dem historischen Überriesen werden, und alles mögliche wird mal nach ihm benannt sein. Bald erwarte ich den Futebol Clube Presidente Lula do Maringa in der zweiten Liga von Tocantins. Lula ist für die brasilianische Politik was nur Pelé und Garricha in einer Person für den brasilianischen Fußball hätten sein koennen. Rei e Alegria do Povo – der Koenig und die Freunde des Volkes.
Für Politiker ist die praktische Politik entscheidend. Schön reden können alle: von Zettel über Spiegelfechter bis zu duckhome.
Aber herzlichen Glückwunsch, dass du inzwischen die Müllhaftigkeiten der Politik Chávez erkannt hast.
Die Qualität von Regierungen ist sehr unterschiedlich und wohl auch gesellschaftsgebunden. Es gibt ja diese nicht ganz ernstgemeinte These, dass Chile das einzig “ernsthafte” Land Lateinamerikas sei. In gewisser Weise stimme ich dem zu. Mit mehr Bauchschmerzen gegenüber Uruguay, Argentinien und Brasilien, wobei ich Costa Rica und Mexiko nicht kenne.
So einseitig würd ich das nicht sehen. Mexiko hat eine US-Krise NIEMALS so gut überstanden wie diesmal. Das Land hat Potential und beginnt seine Industrie langsam stärker Richtung Kolumbien und Brasilien auszurichten. Trotz aller Kriminalitätsprobleme in einigen Regionen reden wir hier über das am weitesten industrialisierte Land Lateinamerikas.
Die hohen Rohstoffpreise werden noch eine ganze Weile anhalten.
Uruguay ist sicher ein recht vernünftiges Land. Wirtschaftlich und im Verhältnis zur USA ist aber Mujica halt auch sehr heterodox und in keinem Fall klassisch links oder gar chavistisch.
Lula da Silva hat einen Sparkurs gefahren, das Land weiter gegenüber dem Ausland geöffnet und hat für die Unabhängigkeit der Zentralbank gesorgt. Die Verbindung aus umsichtiger Sozialpolitik und Bekenntnis zur Marktwirtschaft erreicht halt in Lateinamerika eine Menge. Das ist genau meine Rede.
Ja, die meinte ich.
Das Geld könnte man allerdings für andere Zwecke verwenden. Dbaei könnte Brasilien gerade auch zeigen und hat ja auch gezeigt, dass ein Land ohne großes Militär zu einem internationalen Machtfaktot aufsteigen kann.
Ich denke auch, dass eine eher gemäßigte Politik wie in Brasilien deutlich erfolgversprechender ist als die von Chavez (beide aber dem Neoliberalismus vorzuziehen).
Dann müßtest du nun noch “neoliberal” definieren.
Der IWF war doch der größte Fan Lulas Wirtschaftspolitik. Und das Ding mit der Entschulden, der Unabhängigkeit der Zentralbank und der weiteren Aussenöffnung war einfach ziemlich erfolgreich. Er erhöhte – wie aktuell Pinera – die Mittel für Sozialpolitik, jedoch machte er immer bewußt, dass die Mittel dafür nicht unendlich sind und ERST EINMAL ERWIRTSCHAFTET WERDEN MÜSSEN.
Neoliberal ist ein Begriff, der vielleicht zwischen 1983 und 2004 einen Wert für das Politikverständnis der Region besass. Seitdem allerdings zunehmend weniger. Weder die mitte-rechts Regierungen Chiles, Perus, noch die rechts-Regierung Kolumbiens setzt auf neoliberale Konzepte.
Es geht nicht darum, ob etwas neoliberal, rinks oder lechts ist. Es geht um die Zurückdrängung des Elends. Und bitte alle nicht funktionierenden Dinge als solche benennen: neben überzogenen Neoliberalismus halt auch Verschwendung, fehlende Anreize echt was zu tun gepaart mit Vetternwirtschaft und saublöden Volksreden.
@ Lemmy Caution
Wie würdest du eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, fehlende Arbeitnehmerschutzrechte, niedrige Sozialstandards oder die Dominanz von Konzernen aus Industriestaaten denn sonst bezeichnen? Ok, wir können auch sagen, wirtschaftsliberal, oder besser überwiegend wirtschaftsliberal. (Wenn du geschrieben hättest “ausschließlich auf neoliberale Konzepte” würde ich dir ja zustimmen.)
In Chile?
Der Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung ist am geringsten im regionalen Vergleich.
Es gibt inzwischen sehr, sehr hohe staatliche Beihilfen für die Reperatur, Neubau oder Kauf von Klein-Häusern. Deshalb gibt es in Chile kaum noch Slums. Die Sozialausgaben der Mitte-Rechts Regierung wird im nächsten Jahr um 20% steigen. Und der ihr Geld geht in überdurchschnittlich effiziente Programme.
Welche Dominanz bitte von “Konzernen aus Industriestaaten”? Im Gegensatz breiten sich chilenische Unternehmen wegen ihrer Effizienz immer weiter in Lateinamerika aus (LAN, Falabella, Cencosud).
Nein, tut mir leid, es ging vor allem um Peru und Kolumbien (wie im Artikel ;-))
Armer Lemmy, Du hast viel Geduld.
Markus,
Ich bin Venezolaner. Ich kann mit solchen Labels wie “Links”, “Rechts”, “Liberal” wenig anfangen.
Ich habe in Deutschland studiert und das, weil ich ein Stipendium der Deutschen bekommen und was dazu gearbeitet habe. Ich habe sehr gute Freunde da. Diese Freunde kommen aus sehr verschiedenen Milieus und haben sehr verschiedene politische Meinungen, auch wenn sie alle demokratisch sind (sonst könnte ich mit ihnen gar nicht befreundet sein). Ich spreche ein bisschen Deutsch und ich habe seit Jahren über deutsche Geschichte, Gesellschaft und Wirtschaftslage gelesen. Ich würde aber dennoch nur mit viel Vorsicht etwas über Deutschland schreiben wollen.
Sie sprechen nicht mal Spanisch und betrachten sich als Lateinamerikaspezialist?
Eins muss ich sagen: die Aussagen des jetztigen Verteidigungsministers Ihres Landes zu Militäreinsätzen und Wirtschaftsinteressen sind mMn alarmierend. Aber hier will ich nur über Venezuela sprechen, wo ich mich ein bisschen auskenne.
Diese Labels “liberal”, “sozialistisch”, usw sind, zumindest was Venezuela betrifft, völlig fehl am Platze.
Wie Lemmy schon 349289 mal erklärt hat, Sie aber irgendwie nicht einsehen wollen, sind Erdölpreise in Venezuela das Alpha und Omega und Erdöl ein sehr grosser Vorteil gegenüber anderen Ländern in der Umgebung. Anfang der Siebziger Jahren gab es einen Erdölboom in Venezuela. Carlos Andrés Pérez war Präsident. Da man in einem normalen Präsidentialsystem seit Jahrzehnten Amtszeitsbegrenzungen kennt, durfte er nicht wieder zur Wahl kommen (jetzt ist Venezuela, zusammen mit Kuba, Weissrussland, Vietnam und Surinam, die einzigen Länder meines Wissens wo es ein starkes Präsidentialssystem gibt UND keine Amtszeitbegrenzung). 1988 hat Carlos Andrés Pérez (CAP) – nach einer 10-jährige Pause- wieder kandidiert und die Leute haben ihn – zu meinem Schrecken damals, denn ich wusste – auch wenn ich ein Teenager war- wie inkompetent er war- gewählt. Die Leute h aben ihn gewählt, weil sie dachten, er würde dieselbe goldenen Zeiten bringen, die Venezolaner am Anfang der Siebziger hatten. Der Erdölpreis 1988 (also bei CAP 2) und dann JAHRELANG war aber sehr niedrig, nur ein Bruchtteil. Venezuela importiert fast alles. Unter anderem deswegen (es gibt viel mehr Gründe, ich gehe hier nicht ein) waren sie sehr enttäuscht und es kam zu Protesten, Plünderungen, usw.
Erdöl als Export hat für Venezuela eine viel grössere Bedeutung als selbst Kupfer in Chile oder Autos in Deutschland. Die meisten Menschen kapieren aber nicht, was selbst $1 pro Fass mehr in der venezolanischen Volkswirtschaft macht.
Sehen Sie hier die OPEC-Erdölpreise über Jahrzehnten:
http://www.wtrg.com/oil_graphs/PAPRPOP.gif
Nun: die Regierung des Hugo Chávez ist primär eine Militärregierung, die ja demokratisch gewählt wurde und die jahrelang bei vielen populär war. Dennoch: Erdölpreise (und dementsprechend Staatseinkommen) waren seit 2000 über 100%, jetzt über 500% mehr als in den Jahren vor der Chavez-Regierung.
Ich sehe die USA gar nicht als role model, aber selbst in Texas kriegen die Kinder ihre Bücher von der Schule. Im “sozialistischen” Venezuela ist das nicht so. Die Eltern müssen die Bücher kaufen und sie sind selbst teuer – auch in absoluten Werten – als in Deutschland.
Die Kinder der “revolutionären Führer” (Abgeordnete, Chávez, usw) gehen alle zu privaten Schulen und nicht wie ich oder meine Eltern vor vielen Jahren zu öffentlichen, kostenlosen Schulen. Wieso? Weil die öffentlichen Schulen in Venezuela so verdammt schlecht sind und schlimmer werden. Übrigens: meine Grosseltern waren Bauer ohne Land, einer meiner Omas konnte selbst nicht lesen. In den 40 bis ende 70. verbesserte sich die Bildungslage sehr.
Ist Chávez kein Neoliberal? Was auch immer er sein mag:
1) weil die Regierung so viel Geld vergeudet hat und sie mehr nötig hatte, musste er vor einigen Monaten ein Abkommen mit den Chinesen unterzeichnen, wonach Venezuela nun jahrelang an die Chinesen Erdöl für unter 50% des Marktpreises gibt. Venezuela verliert damit Millionen und Millionen.
2) Venezuela kauft U-Booten, Panzer und Flugzeugen, die sowieso für einen Krieg gegen Kolumbien oder USA nichts wären. Und trotztdem müssen viele Kinder in meinem Bundesstaat Unterricht so kriegen, wie ganz am Anfang seiner Zeit mein Vater es machen musste – bevor die Regierung vor 50 Jahren massal Schulen baute. Die Gemeinde, wo ich aufgewachsen bin, wo ich zur Schule ging, hat über 100 000 Einwohner. Sie hat absolut keine Bibliothek. Eigentlich gibt es nur eine einzige öffentliche Bibliotheek (von den Unis mal abgesehen) für meine Stadt, eine Stadt mit 1 Million Einwohnern. Die wurde vor Chavez Zeit gebaut.
3) Die Korruption vor Chávez war schlimm, aber nie so schlimm wie jetzt.
Man wird nicht zu “Robin Hood”, wenn man 10% der Lottogewinne verteilt und sich vergleicht zu Zeiten, wo man im Lotto nichts oder nur ein paar Pfennig “gewonnen” hatte.
Man wird nicht zu anti-liberalem Held, wenn man nur rote Mützen trägt und Bush beschimpft.
Schliesslich: in Venezuela gibt es weniger Transparenz als in Kolumbien oder Chile selbst. Deswegen weigert sich die venezolanische Regierung, an der PISA-Studie teilzunehmen. Fast das ganze Südamerika ausser – surprise, surprise – Ecuador, Venezuela und Bolivien – sind dabei. Die sogenannten “Revolutionäre” ziehen es vor, falsche Statistiken an Unesco zu liefern und Märchen zu erzählen.
Betrachte ich mich ja gar nicht.
Im Artikel ging es auch primär um die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik.
Das sehe ich genauso.
Das mag ja alles stimmen. Doch wieso gelten deswegen die Kategorien “liberal” oder “sozialistisch” nicht? Es ist doch durchaus etwa ein großer Unterschied, ob private oder Staatskonzerne damit handeln.
Andererseits kann man diese Begrenzung auch “kreativ umgehen” (Russland), und parlamentarische Demokratien kennen sie so gut wie nie.
Wie in manchen deutschen Bundesländern.
Und vor allem: Was von alledem sind Sachen, die unter einer neoliberalen Regierung besser laufen würden?
Markus,
Hat Venezuela eine sozialistische Regierung? Worauf basieren Sie Ihre Aussage? Wie gesagt: diese Labels haben kaum was zu bedeuten. Übrigens: selbst die Kommunisten sagen jetzt, die Sowjetunion war kein sozialistisches Land, sondern lebte unter einem “Staatskapitalusmus”.
Wissen Sie? Wir könnten hier tagelang über einen von uns ausgedachten Begriff sprechen, ihn weiter definieren, usw, mehrere Bezeichnungen oder ein Fachwort für ihn kreieren. Das würde aber nichts bringen, wenn wir damit über eine bestimmte wirkliche Regierung sprechen wollen. Eine Sache sind Begriffe im Kopf und eine andere ist die Realität.
Zu Präsidentialsystemen und Parlamentssystemen: eben, darum habe ich das gesagt. Ist es Ihnen das nicht aufgefallen? Es gibt sehr grosse Unterschiede zwischen Präsidentialsystemen und Parlamentssystemen, wie man sie in Benelux, in Deutschland, in Grossbritannien, selbst in Kanada kennt. Und darum hat man seit langem entschieden, dass man in Präsidentialsystemen Amtszeitsbegrenzungen geben muss. Kennen Sie die Kompetenzen eines Präsidenten in Venezuela? Nein? Er hat viel viel viel mehr Macht als der Bundeskanzler und kann viel leichter über weit mehr Ressourcen verfügen – verhältnissmässig – als ein Bundeskanzler.
Zu “kreativ damit umgehen”: es hängt immer wieder von allen Gesetzen des Landes ab. In Venezuela vor Chavez war die Demokratie schon korrupt und so weiter, man konnte das nicht machen, was man in Russland jetzt macht. Um überhaupt Systeme zu vergleichen muss man schon mehr als 2, 3 Parameter überhaupt kennen.
In Venezuela gab und gibt es keine zwei Posten Präsident-Kanzler
Sie müssten auch kennen, welche Befugnisse und welche Einnahmen die Regionen haben. In Venezuela wird alles sehr zentral gemacht und die Regierung hat rechtswidrig mehr Befügnisse von den Bundesstaaten zu sich genommen.
Übrigens: in Venezuela war der Hauptarbeitsgeber seit Jahrzehnten der Staat und zwar bei weitem. Ich kenne die Zahlen nicht auswendig, ich könnte die suchen. Sie sind in Deutschland wahrscheinlich aufgewachsen. Dann müssen Sie wissen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Regierung und Staat. Die Regierungen vor Chávez waren mal Sozialdemokraten (oder so was) bzw Christdemokraten (oder so etwas, wenn auch diese Labels in einem Erdölland wenig zu sagen haben).
Über 80% der Einnahmen Venezuelas kamen vom Erdöl, das der Staat und dadurch die Regierung in der Macht – kontrollierte. Nun ist das über 91%, vor allem aber, weil die Industrie zugrunde geht.
Ja, die Diskussion Staatskapitalismus/ Sozialismus ist mir wohlbekannt. Aber das gehört ja eher weniger zum Thema.
Nun, ich würde Maßnahmen wie (Wieder-)Verstaatlichungen, Erhöhung der Sozialausgaben, die Gewerkschaftspolitik und die arbeitsrechtlichen Reformen, staatliche Industriekontolle und Bankenaufsicht, staatliche Entwicklungspläne und nicht zuletzt die Bolivarische Verfassung durchaus als “sozialistisch” bezeichnen – wie auch immer man nun (im Einzelnen) dazu stehen mag.
Übrigens: zu Kolumbien und Peru kann ich mich kaum äussern, auch wenn ich Spanisch als Muttersprache habe und einigermassen Leute und Geschichten von da kenne. Ich weiss aber, dass man dort einige Bemühungen unternimmt, um die Qualität der Bildung wirklich zu verbessern, vor allem in Kolumbien. Ich beschäftige mich mit dem Thema Bildung als Hobby, weil ich mich für die PISA-Studie in Venezuela einsetze und für ein paar Projekte. Kolumbien ist dabei. Venezuela nicht. In Kolumbien, berichten Freunde, die da vor kurzem waren (ich war da früher, aber nur als Kind), werden immer mehr Bibliotheken in den Slums gebaut.
Wenn ich ein Europäer wäre und Entwicklungshilfe in Südamerika verteilen müsste, würde ich mir anschauen, welche Prozesse es da laufen, wie transparent ein Land ist, wie unabhängig die Justiz arbeitet, wie viel die Zentralregierung die demokratisch gewählten Autoritäten der Opposition respektiert.
Kolumbien ist sehr korrupt. Verglichen mit Venezuela sind die Kolumbianer zZ aber fast wie Schweden.
Eben dies, das wollte ich ja in dem Artikel beschreiben, macht die deutsche Bundesregierung nicht, jedenfalls nicht in erster Linie: Sie schaut auf die politischen Überzeugungen, die “Treue” der Länder “zum Westen” und den Grad des Wirtschaftsliberalismus.
Ich will Venezuela ja überhaupt nicht als Musterland in der aktuellen politischen Gestaltung beschreiben (eher kommt, wenn überhaupt, Brasilien dem wenigstens nahe), sondern sagen, dass es einige wirtschaftliche und soziale Erfolge aufzuweisen hat.
Brasiliens politische Prozesse gelten als nach wie vor hochkorrupt.
Und ich bin inzwischen eingeschlafen bei dem Versuch dir zu erklären, dass eine zwischenzeitliche und in Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Staaten keineswegs dramatische Verbesserung von ein paar fragwürdigen Sozialdaten, rein auf die Ölpreisrallye zurückgeführt werden kann. Das ist keine Kunst. Das Triumpfgeschrei der versprengten europäischen “Linken” über diese Daten war lächerlich und dumm.
Und was ist schlecht daran, wenn Deutschland Kolumbien bei der inneren Sicherheit hilft? Schliesslich wissen wir spätestens seit dem 30-jährigen Krieg, dass ein Bürgerkrieg die wirtschaftliche Entwicklung und das allgemeine Wohlbefinden sehr behindert.
Selbst wenn “rein auf die Ölpreisrallye” (was sicher der entscheidenste Faktor war, da stimm ich dir ja zu) für Venezuela wahr wäre, dann träfe dies aber nicht bspw. für Brasilien zu.
Schlecht daran ist 1., dass dies in keiner Weise Aufgabe der Entwicklungspolitik ist, und 2., dass die kolumbianische Regierung,und vor allem ihr Militär und die Paramilitärs, auch teilweise massive Menschenrechtsverletzungen begeht. Gerade in dieser Gegend treffen ihre Maßnahmen auch immer wieder Zivilisten, es gibt massenweise Vertreibungen, Minenopfer und auch Morde.
Die sogenannten Rebellengruppen sind da zwar nicht besser, doch könnte man sie auch anders bekämpfen, als es die kolumbianische Regierung tut. Und bei so etwas muss ihr Deutschland, und ausgerechnet die deutsche Entwicklungshilfe, nicht helfen.
Die Wirtschaftspolitik Lula da Silvas ist eine Mischung aus liberalen und sozialdemokratischen Elementen
- Aussenöffnung
- Restriktive Fiskalpolitik (Entschuldung)
- eher restriktive Geldpolitik
- Beendigung des Privatisierungs-Zyklus der Vorgängerregierung. Aber KEINE Rücknahme von Privatisierung.
- Sozialprogramme, die gebunden sind an Bedingungen (Schulbesuch von Kindern)
- ein wenig mehr staatliche Industriepolitik. Außenhandelsinitiativen in Afrika, etc.
http://pt.wikipedia.org/wiki/Governo_Lula#Economia_-_Primeiro_e_segundo_mandatos_de_Lula
(vielleicht werden ja portugiesische Texte eher gedultet als spanische)
Mit “Sozialistisch” hat das eher wenig zu tun.
Bezüglich Kolumbien geht es zunächst einmal darum, den Krieg in Kolumbien zu beenden. Die Regierung Santos ist in einer Wahl demokratisch gewählt. An Verhandlungslösungen glaubt in dem Land keiner mehr, nachdem die FARC das früher ausgenutzt hat. Finanzielle Unterstützung gibt der Bundesregierung auch Einspruchsmöglichkeiten. Falls es Opfer gibt, können sie sich etwa zusätzlich an Menschenrechtsgruppen in der Bundesrepublik wenden.
Das sind auch andere Regierungen, die man dennoch nicht gutheißen muss. He, wie war das in Venezuela?
Also bitte, das ist jetzt wirklich zynisch.
“dass es einige wirtschaftliche und soziale Erfolge aufzuweisen hat”
Wenn Otto, ein armer Mann, der €1000 im Monat verdient und davon €200 trinkt und den Rest an seine Familie gibt nun das Lotto gewinnt und 10000 Euro monatlich einfach so kriegt und davon 30% an seine Familie gibt: ist das ein sozialer und wirtschaftlicher Erfolg?
Muss er dafür applaudiert werden?
Dazu wissen Sie nicht, dass er schon so viel vom Lotto für sich und seine Trinkgewohnheiten ausgibt, dass er sein Haus an die Chinesen verpachtet hat und seine Kinder und Frau in ein paar Jahren dafür viel zahlen müssen.
Probieren Sie zu verstehen: Einkommen über 600% mehr als in den 10 Jahren vor Chávez und das wegen Preise, die China und Indien und der ganze Weltmarkt bestimmen, nicht für irgendeine Leistung Venezuelas.
Und auf der anderen Seite ist die Mordrate in Venezuela seit 1998 nicht um 10%, nicht um 20%, nicht um 30%, sondern um über 300% gestiegen und ist jetzt doppelt so hoch wie in Kolumbien. Viele Tausende Venezolaner, die eine Bildung haben, gehen weg, weil sie schon müde sind, Verwandte zu sehen, die ermordert oder überfallen wurden.
Wenn Sie ein chart darstellen würden, wo der Anteil der Erdöleinnahmen und die Abnahme der Armut zeigen würden, würden Sie sehen, dass der Chavismus nur die Krümel gegeben hat. Soweit wir das von den “liberalen” Jahren der Siebziger sehen konnten, war die Misere nicht so gross und der Forschritt damals viel besser.
Wirtschaftliche Ereignisse kann man fast nie auf nur einen Faktor zurückführen, weder nur auf Chavez noch nur auf den Ölpreis. Die entscheidende Frage ist aber doch: Was spricht dafür, dass es unter einer anderen Regierung besser gelaufen wäre?
Genauso kann man sich Erfolge herauspicken (etwa bei Einkommen und Einkommensverteilung, Armut, Arbeitslosigkeit, Gesundheit). Und natürlich haben eher liberalere Staaten auch in manchen Gebieten größere Fortschritte gemacht. Die Frage ist, wie man den jeweiligen Faktor bewertet und gewichtet.
Die Daten sprechen für die zwei Jahrzehnte vor Chavez zumindest aber eine andere Sprache, vor allem dann für die eindeutige neoliberale Politik in den 80ern.
Kepler: Soweit wir das von den “liberalen” Jahren der Siebziger sehen konnten, war die Misere nicht so gross und der Forschritt damals viel besser.
Markus: Die Daten sprechen da aber eine andere Sprache.
Kannst du bitte mal erklären, welche Daten du hier ansprichst. In den 60ern, 70ern wurden viele Straßen, Schulen, Häfen, öffentliche Hospitärler, Universitäten und und und gebaut. Unter Chávez sehr wenig. Die eigentliche Katastrophe dieser Regierung ist die sehr niedrigen staatlichen und privaten Investitionsquoten. Investitionen mag für euch einen unsympathischer Begriff darstellen. Für die Entwicklung sind sie aber der entscheidende Punkt.
Ich besuche Chile seit 1997. Und auch wenn das nicht die dramatischsten Wachstumsjahre waren, hat sich eine Menge verändert: Wichtigste Verkehrsverbindungen sind nun 2-spurig, Metro in Santiago hat sich verdreifacht, zumindest in größeren Provinzstädten sind fast alle Wohnstraßen asphaltiert, es kamen massiv viele Wohnviertel mit vernünftigen Häusern hinzu, die Schulen wurden fast alle renoviert und und und.
Markus, werd bitte erwachsen. Wirtschaftlich kann man das kurzzeitige Aufblühen und Verglühen Venezuelas sehr wohl auf den Ölpreis rückführen.
Zwischen 2004 und 2008 konnte man mit noch weniger Sinn und Verstand als in den 70ern Geld zum Fenster hinauswerfen. Das erzeugte hohe Wachstumsraten, seit 2009 aber nun halt eine Depression. Eine Depression, die länger anhielt als in jedem anderen lateinamerikanischen Land. Warum wohl? Und während der man sich wie kein anderes Land zu völlig aberwitzigen Zinsen im Ausland verschuldete oder sich verpflichtete über 10 Jahre Öl zu Niedrigpreisen zu liefern (an China). Wenn Chile Staatsanleihen anbietet, müssen sich die Spekulanten mit Zinsen von 3,5% zufriedengeben. Venezuela zahlt den Spekulanten 13% und mehr. Pro Jahr.
Zu Venezuela: Ich schrieb deshalb “vor allem dann für die eindeutige neoliberale Politik in den 80ern.”
Und wieso geht es jetzt wieder um Chile?
Aber gewiss nicht völlig ausschließlich.
Nicht mehr im zweiten Quartal 2010.
Leider wieder Spanisch. Und nein.
http://noticiaaldia.com/2010/08/el-pib-de-venezuela-desacelero-su-caida-en-el-segundo-trimestre-de-2010/
Im 2. Quartal verlangsamte sich der Abwärtstrend lediglich auf -1,9%. Im 1. Quartal lag der noch bei -5,2%. Nun wird ein langsamer Aufwärtstrend erwartet. Auch wenn Venezuela wieder ein leichtes Wachstum gegenüber den nach 6 Quartalen arg gerupften Werten erreicht, ist das kein Grund zum Jubeln.
Chávez hat sich zu gewaltigen Zinsen wie blöd verschuldet und fährt mit dieser Politik fort.
Chile (mit wirklich gewaltigen Erdbeben), Kolumbien, Brasilien, Peru, Paraguay, etc. pp. wachsen mit Raten zwischen 5% und 9%. Die meisten, wenn nicht alle dieser Länder, hatten auch 2009 günstigere Daten als Venezuela.
Die Frage ist, ob man sich auf das vorherige Quartal oder das vorherige Jahr bezieht, deshalb die unterschiedlichen Ergebnisse.
Auf jeden Fall ist der Trend keinesfalls so negativ, wie du ihn zeichnest.
Kepler: Soweit wir das von den “liberalen” Jahren der Siebziger sehen konnten, war die Misere nicht so gross und der Forschritt damals viel besser.
Natürlich. Ich würde nicht wissen, ob man die Jahren als “liberal” bezeichnen würde. Diese Labels sind, wie gesagt, so was von fluffy.
Wenn es etwas gibt, was ich über Politik in den letzten Jahren gelernt habe, ist dass Leute daran so glauben, als wäre Politik eine Wissenschaft, dass sie aber wirklich so agieren, als wäre ihre Ideologie ihr Gott.
Ideologien sind aber meistens vor allem, wie Kundere mal sagte, Imagologien.
En fin…ich habe den Eindruck, Markus will nicht ehrlich daran gehen.
Er hat auch nicht gesagt, wieso Chávez “sozialistisch” ist und seine Regierung sozialistisch. Werden Menschen automatisch “sozialistisch”, wenn sie ein rotes Kleid, eine rote Mütze tragen? Werden sie “sozialistisch”, wenn
sie Alí Primera hören, wenn sie vom Staat bezahlt werden und wenn sie sagen, Bush sei der Teufel?
Ich bin nicht sozialistisch, aber ehrlich gesagt: für mich ist Chavismo im Grunde genommen einfach Chavismo, Personalkult um Chávez und vor allem eine Bewegung, um die Interesse der Militärkaste zu verstärken.
OK, ciao. Muss weg nun.
Na doch, ich schrieb doch
Gewerschaftspolitik? Tja…wenn die Leute beim Staat weniger Rechte haben und Leute der Gewerschaften entlassen werden, wenn sie die Regierung kritisieren, würde ich sagen, dass sie kapitalistischer sind als die “Kapitalisten”.
Haben Sie schon dies gelesen?
http://caracaschronicles.com/2010/11/09/the-workers-vs-their-paradise/
Lemmy hat auf diesen “kapitalistischen” Blog schon gelinkt. In dem Post werden Sie ein Beispiel von vielen lesen, wie es wirklich ist.
Bolivarische Verfassung? Diese Verfassung hat die jetzige Regierung immer wieder “vergewaltigt”. zB: gerrymandering. Im Gegensatz zu USA und Grossbritannien müssten wir für so viele Stimmen so viele Abgeordnete haben. In Wirklichkeit verändert die Wahlkommission – von der Regierung kontrolliert – die Wahlkreise und die Anzahl der Abgeordneten so, dass die Zahl der Abgeordneten der Militärregierung “optimisiert” wird.
Im September haben sie 95 gegen 63 Abgeordnete bekommen, obwohl sie 48% der Stimmen bekommen haben.
“Staatliche Entwicklungspläne”? Entwicklung gibt es nicht, nur Kontrolle durch die Zentralregierung.
Sorry, das hat aber sehr wenig mit Sozialismus zu tun. Wenn jetzt die Militärkaste besser gestellt wird als die anderen, wenn Chávez et alia wie Prinzen leben, wenn die Militärs wie Chacón Tausende Hektar Land haben, wenn das Verhältnis Lehrerlohn-Abgeordneterlohn in Venezuela viel viel ungerechter ist als der in Deutschland, wenn die öffentlichen Schulen immer schlechter werden, kann ich keinen Sozialismus sehen.
Aus Sicht der venezuelanischen Opposition. Schreib doch lieber: “fügt dem noch eine andere Perspektive hinzu”, oder so.
Und diese ist völlig planlos?
Zur Lohnverteilung: In so gut wie allen Industrieländern sind die Löhne gleicher verteilt als in so gut wie allen Entwicklungsländern. Venezuela ist jedoch das Land mit der niedrigsten Lohnungleichheit in Südamerika.
Aber zum Begriff “sozialistisch”: Wir sind uns doch wohl einig, dass Venezuela nun einmal keine wirtschaftsliberale Politik betreibt und in diesem Bereich damit als eine Art Gegenpol zu anderen Staaten gelten kann, oder?
“Wir sind uns doch wohl einig, dass Venezuela nun einmal keine wirtschaftsliberale Politik betreibt und in diesem Bereich damit als eine Art Gegenpol zu anderen Staaten gelten kann, oder?”
Was heisst Gegenpol? Dass es gut ist, weil es zu Feind wird für diejenigen, die für Dich die Bösen im Westernfilm sind?
Für mich gibt es keine Gegenpole. Für mich gilt nicht, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist. So eine Einstellung finde ich besonders primitiv.
Die jetztige Militärregierung Venezuelas (siehe: mehr als die Hälfte der Gouverneure von der Regierung sind ehemalige Putschisten oder Geschwister) ist insoweit Gegenpol der Amis, als Hugo Chávez sie immer wieder beschimpft. Sie macht aber umso mehr Business mit den Chinesen und Russen. Na? Ist das jetzt gegen Neoliberalismus?
Weisst Du ein bisschen über China? Ich nicht viel, mein Chinesischlehrer und chinesische Freunde und Bücher und Filme erzählen mir, dass heutzutage China viel kapitalistischer ist als selbst die USA und bestimmt viel mehr als Deutschland. Sorry, aber eine Einheitspartei macht die Sache nicht “menschlicher”. Die Dienste für Arme in China sowohl bei der Gesundheit wie auch bei der Bildung sind viel schlechter drauf als in Deutschland. Genauso die Arbeitsbedingungen. Ist China aber gut? Und Venezuela ist ein Gegenpol und darum ein Gutes Ding, weil die Militärclique jetzt mehr Erdöl an China und nicht an die US Amerikaner verkauft?
Oder was?
Ich will die USA nicht schön reden, aber in diesem Zusammenhang finde ich es immer wieder idiotisch, wie manche Europäer einfach einfach aus ihrer Ablehnung gegenüber die US-Politik oder die Aussenpolitik ihrer eigenen Regierungen einfach blindlings jeden umarmen will, der “das Gegenstück” zu zeigen scheint. Am Ende sind sie mehr von der selben Sache, nur mit anderen Farben.
So haben sie auch jahrelang die Regime des Mugabe in Zimbabwe hochgepriesen (und beim Diktator Mugabe konnte man zumindest am Anfang sagen, dass es sich um den ersten schwarzafrikanischen Leiters seines Landes handeln).
Echt…ich kann es kaum glauben, dass noch heute bestimmte Eurokinder (im Sinne von €-Kinder) ihre Helden einfach in Regierungen suchen, die sie gar nicht verstehen, in Regionen dessen Sprachen sie gar nicht verstehen, in Ländern, wo sie gar nicht gelebt haben, in Kontinenten, von denen sie nur ein sehr vereinfachtes Kenntnis der Geschichte haben.
Nein, Gegenpol ist nicht gemeint als “Feind”, sondern als anderes Extrem auf einer (politischen) Achse. Auf einer vorgestellten sozioökonomischen Achse, auf der ganz links eine kommunistische Planwirtschaft steht, und ganz rechts eine vollkommen freie Marktwirtschaft.
Nein, das ist, sage ich mal, ein weitverbreitetes Vorurteil. Ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft ist immer noch staatlich gelenkt, auch formal privatisierte Unternehmen sind oft in der Kontrolle der Partei. Insgesamt ist das Modell rein ökonomisch ja recht erfolgreich, nur leider hat man vom Kapitalismus auch einige negative Aspekte übernommen, wie fehlende Rechte der Arbeiter, so dass in manchen, aber wirklich nur in manchen Aspekten China den Frühzeiten des Kapitalismus ähnelt. Insgesamt ist dieses Modell aber deutlich erfolgversprechender als eine reine Planwirtschaft wie früher.
Ich bin keinesfalls Anhänger eines (und des chinesischen) Einparteiensystem
Natürlich sind sie das. Diese beiden Länder zu vergleichen bringt aber nicht weiter, sie sind in beinahe allen Aspekten zu unterschiedlich. Schon eher taucht da Indien, wo China in vielen Punkten im Vergleich gut abschneidet. Ausgenommen das politische System natürlich. China ist aber nun eindeutig das Land mit den größten Erfolgen bei der Armutsbekämpfung weltweit, und das seit Jahrzehnten. Eine Gefahr, die ich sehe, ist aber, das andere Länder dem “chinesischen Modell” nicht nur ökonomisch nacheifern, sondern auch politisch. (Und das, würde diesmal ich sagen, ist etwa eine Gefahr für Venezuela).
Aber Mugabe hat doch nicht wirklich jemand gepriesen, oder?
Haben Sie den Erdölpreis genau während der 2 Jahrzehnten vor Chávez mal gesehen?
Wie gesagt: ich habe in Venezuela gelebt und das erlebt. Bis 1983 fühlten sich die meisten Menschen sehr wohl da. 1983 kam “el viernes negro”. Schauen Sie mal in Wikipedia, was das war.
Wie gesagt: Erdöl hat für Venezuela eine viel grössere Bedetung als Auto, Maschinen, selbst als den ganzen Exportsektor Deutschlands.
Ich nehme an, dass die dies lesen können.
http://www.wtrg.com/oil_graphs/PAPRPOP.gif
Bitte, versuchen Sie diese Graphik zu verstehen.
Chávez wurde 1998 gewählt und 1999 kam er an die Macht.
Hier können Sie dann in Details sehen Jahr für Jahr:
http://www.opec.org/opec_web/en/data_graphs/40.htm
Und zum nten Mal: Erdöl ist für Venezuela viel mehr als für Deutschland Export von Autos…ja Export von allen Sachen. Deutschland ist vor allem ein Exportland. Also stellen Sie sich vor, die fast einzige Exportquelle, die ja seit Jahrzehnten vom Staat kontrolliert wird, beträgt in den 20 Jahren vor Merkel nur 15% von den Einnahmen jetzt. Und stellen Sie sich vor, Merkel sagt, all das sei auf sie zurückzuführen.
Zu Arbeitslosigkeit: da könnte ich einiges erzählen. Selbst laut offiziellen Statistiken sind 50% der Menschen “trabajadores informales”. zB: wenn Sie ilegal einen Taxi haben und so arbeiten, wenn Sie ilegal auf der Strasse chinesische Waren verkaufen, dann sagt die Regierung, dass Sie einen Job haben. Sie sind in Wirklichkeit viel schlechter bestellt als ein Arbeitsloser in Deutschland oder selbst in Spanien. Und dennoch ist das Statistikamt Venezuelas (das ja von Chávez 100% kontrolliert ist) die Unverschämtheit, um die Zahlen von Venezuela und Spanien-EU-USA zu vergleichen und Venezuela als “besser” darzustellen.
Wie gesagt: dass es bessere Löhne jetzt als 1998 gibt ist nicht verwunderlich. Werden Sie das mit der Zeit von 1979-1999 vergleichen? OK, dann nehmen Sie das ganze: auch Erdölpreise damals.
Die Mordrate ist ein besser Indikator als andere, weil man das nicht so leicht “retuschieren” kann. Übrigens: kein Wunder, dass die Militärregierung seit 2002 beschlossen hat, die Mordrate Venezuelas an die UN zu schicken.
Nein, da kommt nur ein “No hotlinking!”-Button
Dass das Erdöl ganz enorm wichtig für Venezuela ist, hab ich ja (auch zum n-ten mal) nie bestritten. Ok, Export von allen Sachen ist übertrieben, aber tatsächlich nur leicht: Die Zahlen, die ich gefunden habe, sagen, dass das Erdöl zum BIP Venezueleas etwa 25% ausmacht, der Export in Deutschland etwa 33%. Aber, wie gesagt, die Bedeutung des Erdöls ist dadurch natürlich ganz enorm. Aber was ich auch sage: Auch bestimmte Verhaltensweisen der Regierung beeinflussen das Erdölgeschäft ja ohne Zweifel (Verbot der Privatisierung der Konzerne, der Umgang mit den Positionen beim staatlichen Erdölkonzern, und auch, dann, auch wenn man die Gegenleistungen betrachtet, wahrscheinlich negativ, Dumpingpreise für Lieferungen an bestimmte Länder).
Nun, dass macht sie bei guten Konjunktur- oder Arbeitsmarktdaten in Deutschland ja auch. Aufgabe der Opposition ist es dann zu zeigen, dass dies gar nicht der Regierung zu verdanken ist – aber auch klarzumachen, warum es mit ihr als Regierung noch größere Erfolge gegeben hätte.
Das ist natürlich Quatsch, aber ein Vergleich mit anderen Ländern Südamerikas sollte doch möglich sein.
Sie ist jedoch nicht unbedingt eine Größe zur Beurteilung ökonomischer Fragen.
Das verstehe ich jetzt nicht. Wie ist das gemeint?
Das ist nicht korrekt.
Irgendwo hier werden Sie die genauen Zahlen lesen. Ich habe keine Zeit mehr, aber dieser Blogger war jahrelang ein Verteidiger der Chávez-Regierung. Er hat sich die Mühe gegeben, in Detail die Dokumente der Regierung zu lesen, die Berichte der Zentralbank und anderer Organisationen. Er hat auch Venezuela immer wieder besucht und nicht als offizieller useful idiot, der immer von Chavista-Propaganda-Menschen begleitet wird, sondern allein, er hat ganz normale Menschen besucht und in Slums geschlafen und nur in einem paar Potemkin villages in der Nähe von Caracas erlebt.
http://oilwars.blogspot.com/
Erdöl spielt eine viel grössere Rolle. Aber wie gesagt: stellen Sie sich vor, die Einnahmen von Export würden nun 600% sein als die der vorigen Regierung und dass sie immer von der Regierung kontrolliert wäre. Kein Wunder, dass die Popularität einer Regierung so in die Höhe gehen würde. Es ist eher unglaublich, dass die Regierung nun trotz so viel Einkommen nur 48% der Stimmen kriegt. Dazu muss man dies sagen: nur 30% der Venezolaner können jetzt regierungskritische TV-Sender empfangen. Sehr wenige Leute lesen in Venezuela. Also ist TV umso wichtiger.
OK, bis ein anderes Mal
Hallo zusammen!
Ich muss sagen, dass ich den Artikel sehr interessant finde und seit geraumer Zeit auch die Diskussion aufmerksam verfolge. Mir gefällt die Diskussion sehr gut, da sie größtenteils sachlich ist und verschiedene Sichtweisen einbringt. Obwohl ich gerade selbst seit einigen Monaten in Mexiko lebe, habe ich leider nicht besonders viel Ahnung vom Thema und kann deshalb selbst nicht produktiv zur Diskussion beitragen. Ich würde gern den Text meiner Freundin zeigen, da sie Ecuadorianerin ist und gerade Wirtschaft in Mexiko studiert; sie könnte sicher etwas dazu sagen; leider versteht sie aber kein deutsch.
Wie dem auch sei, ich wollte nur mal ein positives Feedback an alle Beteiligten geben. Vielleicht schafft es ja jm, den anderen zu überzeugen. Interessant für mich wäre noch, ob die Diskussion dazu führt, dass der Artikel vllt noch einmal überarbeitet werden könnte, und wie er dann aussähe.
Beste Grüße
Ich glaube, wenn, böte sich eine eher so eine Art Gegenmeinung, aus einer anderen politischen Perspektive, an ;-)
Ich bin ein alter Knochen und mein Fell wird grau,
Ich kenn‘ die Fallen und die Wolfseisen genau,
Kenn‘ die Schrunden und die Beul‘n, wenn sie das Fell dir gerben.
Ich kann dich lehr‘n, vor der kläffenden Meute zu flieh‘n,
Die Kunst, den Kopf aus der Schlinge zu zieh‘n,
Diesen Schlitz im Ohr, den kann ich dir vererben.
Lehr dich geschmeidig gehn, gegen den Wind,
Lehr dich Worte, die wie giftige Köder sind,
Dann werd‘ ich lautlos seitwärts im Gebüsch verschwinden.
Dann halt die Augen auf, pass‘ auf wie ein Luchs,
Wasch dich mit allen Wassern, kleiner Fuchs,
Du mußt allein die eigne Wahrheit finden.
Und wenn jemand aus dem Unterholz bricht
Und die allein seligmachende Weisheit verspricht,
Füchschen, glaub ihm nicht!
Hör was der alte Reineke dir sagt:
Wenn auch nur der allerkleinste Zweifel an dir nagt,
Füchschen, glaub m i r nicht!
Verzeihen Sie die Sprachfehler. Ich habe viel zu schnell geschrieben und ich spreche Deutsch nur selten.
Die Regierungen vor Chávez fand ich keineswegs gut. Ich sehe aber jetzt, wie der grösste Erdölboom der Geschichte meines Landes so schlecht verwaltet wird und ich sehe auch, welche Folgen das haben wird. Wir haben immer noch sehr hohe Erdölpreise. Dennoch verdienen die Menschen jetzt weniger als 2006 und viele, viele, wandern aus, weil die Kriminalität so hoch ist und die Arbeitschancen ohne Vitamin B immer schlimmer werden.
Man bräuchte jetzt immer höhere Erdölpreise, um überhaupt NICHT in Rezesion zu fallen. Venezuela kannte ziemlich wenig von nachhaltiger Entwicklung. Nun sind wir aber weit entfernter denn je. Und es gibt mehr Waffen und aktive Militärs behaupten, sie würden die Opposition nicht erkennen, wenn diese 2012 an die Macht käme.
Hier http://www.eluniversal.com/2010/11/11/pol_ava_calixto-ortega-afirm_11A4717179.shtml
auf Spanisch, man kann das aber mal in Google tools übersetzen lassen und zumindest einen Eindruck haben gibt es die Kommentare dazu (der Artikel zeigt, wie ein Chávez-Abgeordneter versucht zu erklären, dass ein Militär “out of context” interpretiert wurde. Die Kommentatoren zeigen wieso das nicht wahr ist.
In diesem ökonomischen Paper werden Perpektiven für die venezuelanische Wirtschaft aufgezeigt. Zitat:
Oh, Mann! Weissbrot! Den Mann kennen wir zu Genüge. Caracas Chronicles hat viel über ihn geschrieben. OK, jetzt muss ich gehen. Suchen Sie bitte Weissbrot Caracas Chronicles in Google.
Na und wenn das so ein ÖKONOM sagt, dann muss das wohl wahr sein.
Nochmal: Les setty zu diesem Thema -> http://settysoutham.wordpress.com/2010/09/13/since-no-one-else-is-taking-the-bait/
Vor allem die Kommentare sind interessant. Weissbrot beteiligt sich an der Diskussion.
Weissbrot spricht von einem investitions-getriebenen Wachstum, nur da sind keine Investitionen. Man kann das übrig in den Jahresberichten der venezoelanischen Zentralbank exPost nachlesen. Und wer bitte will in einem Land investieren, in dem viel und oft überraschend verstaatlicht wird?!?
Weissbrot führt weiter an, dass Venezuela problemlos eine expansive Fiskalpolitik (Staat gibt mehr Geld aus als er einnimmt), da das Schuldenlevel mit 18% niedrig sei.
Problem ist halt nur, dass diese offiziellen Zahlen die Quasi-Schulden nicht berücksichtigen. Etwa die Entschädigungen für Verstaatlichungen, die noch nicht bezahlt sind. Und dann gibts da noch umfangreiche 10-jährige Ölliefer-Verpflichtungen an China. Ausserdem haben die ausgegebenen Anleihen sehr, sehr hohe Renditen. Insbesondere der Oppositionsblogger Miguel Octavio hat in devilsexcrement.com überzeugend nachgerechnet, dass dieser Einnahmenüberhang einfach nicht vorhanden ist.
Die vorhandenen Ölfelder sind teilweise erschöpft. Die Erschliessung der neuen Ölfelder am Orinoco kommt nicht wirklich voran.
Zu den Investitionen: Weisbrot hat ja selbst die Zahlen der Zentralbank angegeben (pdf S. 12), und die sind Ende 2009 mit 28% ziemlich hoch. Die Frage ist, ob diese nun erhöht werden können, um einen Wirtschaftsaufschwung zu erleben. Weisbrot sieht keine Gründe, auch die möglicherweise Quasi-Schulden mit einberechnet, die gegen eine Nachfrageausweitung durch die Regierung sprechen würden.
Es fragt sich halt was dadrunter fällt. In aller Regel versandet es in korrupte Kanäle.
Die verstaatlichten Unternehmen fahren in aller Regel sehr schnell in die roten Zahlen.
Die Infrastruktur befindet sich jedenfalls in einem immer beklagenswerteren Zustand. Sozialer Wohnungsbau findet so gut wie nicht statt. Hier im starken Gegensatz zu Chile oder Brasilien.
Es muss wohl noch schlimmer werden, bis ihr einmal versteht.
Ja, so kommen wir auch nicht weiter, alle positiven Entwicklungen entweder kleinzureden (Halbierung der Armut), die Statistik anzuzweifeln oder “das geht alles nur in Korruption” (Investitionen, Sozialausgaben) zu versuchen.
Ich gestehe ja durchaus zu, dass nicht alles gut läuft. Nur sollte man wirkliche Erfolge auch zur Kenntnis nehmen.
Was ich, um mal auf das Thema zurückzukommen, an der deutschen Entwicklungspolitik und der schwarz-gelben Regierungbeklage, dass sie in bestimmten Staaten in dieser Region, nämlich den eher rechts ausgerichteten, großzügig auch über Menschenrechtsverletzungen hinwegsieht, während bei anderen Staaten so etwas wie Verstaatlichungen massiv und äußerst undiplomatisch kritisiert (und auch demokratische Entscheidungen der Bevölkerung nicht respektiert, siehe z.B. hier für Bolivien).
P.S.: Z.B. akzeptiere ich auch, das etwa Kolumbien sinnvolle Programme hat, bei denen es Deutschland unterstützen könnte, deutlich bessere und für Entwicklungszusammenarbeit geeignetere als ein militärisch ausgerichtetes Programm.
Markus, ich sehe für Venezuela mit dem aktuellen Regime einfach keine Perspektive. Was bedeutet denn diese “Halbierung der Armut”. Da leben dann Leute mit 300 Euro statt mit 240 Euro im Monat. So ist das mit den Armutszahlen in Chile auch. Selbstverständlich ist das erstmal gut. Aber worums wirklich geht sind richtig produktive Arbeitsplätze. Und Schulen, die mindestens so gut sind wie die 100 Euro im Monat Privatschule zu der mein bester 7-jähriger chilenischer Freund geht.
Das BIP wird ins Plus gehen allein schon weil die Energiekrise fürs erstmal beendet ist und die Aluminium Schweröfen wieder richtig angeworfen werden. Aber nicht viel. Aber weder im Aufbau einer nennenswerten inländischen Industrie noch in dem der Landwirtschaft hat der Chavismo irgendetwas nennenswertes erreicht. Man hat einfach nur Öl zu einem sehr hohen Preis verbrannt.
Die europäische Linke hätte das viel eher wahrnehmen müssen.
Venezuela und sogar PVDSA müssen für DOLLAR Kredite auf dem internationalen Kapitalmarkt Zinsen von 12% und mehr bezahlen. Da muss schon in etwas investiert werden, dass 12% Rendite im Jahr – Inflation Dollar abwirft. Pro Jahr. Chile zahlt Zinsen von 3,5% für vergleichbare Kredite. Wie soll denn unter diesen Bedingungen großartig investiert werden?
Wenn es um die Vernichtung einer Guerrilla-Truppe geht, die von weit über 90% des Volkes wirklich sehr abgelehnt wird, seh ich kein Problem mit Entwicklungshilfe für Militäraktionen.
Der Artikel findet meine Zustimmung, nur kommen unsere Rohstoffe zum größten Teil aus Schurkenstaaten und wir leben von Exporten an diese Staaten – schon immer.
Ist es neu? Wo ist hier die Alternative? Wer beutet aus – unsere Regierung oder unsere Konzerne? Niebel ist nur konsequent marktwirtschaftlich ausgerichtet. Wem überrascht es?
Was nicht (oder nur am Rande) erwähnt wurde, ist die Zusammenarbeit in diesen Staaten und der dort agierenden Konzern mit den “privaten Dienstleistern”. Auch wir nutzen die “privaten Dienstleister” (Staat im Staate) schon ausgiebig.
Dieses Konzept verfolgt unsere neoliberal ausgerichtete Regierung (z.B. offen im Kosovo) und mir ist nicht verständlich, warum Niebel sein Ministerium um 30% Personal aufstocken will?
Private Dienstleister lassen sich doch besser am Parlament vorbei steuern…………oder?
Die Alternative wäre, wieder eine Entwicklungspolitik im eigentlichen Sinne zu betreiben, die zuerst den Entwicklungsländern und dort vor allem den Ärmsten zu Gute kommen soll.
Unsere wichtigsten Handelspartner befinden sich in Europa, Nordamerika und Asien.
Unsere wichtigsten Handelspartner in Lateinamerika sind vermutlich in dieser Reihenfolge: Brasilien, Mexiko und Argentinien. Danach kommt lange nichts und schliesslich wohl Chile.
Was du hier schreibst ist reine DDR-Propaganda, die du alleine offenbar nicht verarbeiten kannst.
Na supi…
Die Sache in Kolumbien.
Jetzt sollen die Deutschen dort der CIA (Cocaine Import Agency) bei ihren Geschäften helfen.
Klappt in Afghanistan mit dem Heroin ja auch bestens.
Im übrigem.
The Revolution will not be Televised
http://video.google.de/videoplay?docid=6646932769349258745#
Mlg
Leslie,
Werden Sie auch die Antwort zu diesem Video auch zeigen?
http://en.wikipedia.org/wiki/X-Ray_of_a_Lie
http://video.google.com/videoplay?docid=-3378761249364089950&ei=08-GS_7kH5__lQeDhdGrCA&q=%22X-ray+of+a+lie%22+Venezuela&hl=en&view=3#
Wenn Sie zu meinem Blog oder zu vielen anderen Blogs gehen, die die Militärregierung Venezuelas kritisieren, werden Sie Links auch zu der Regierung sehen. Sie werden das andersrum kaum sehen. Warum?
Übrigens: warum will Chávez keine Debatte mit Leuten der Opposition haben?
ghihihi.. Überschrift gelesen und mein erster Gedanke war: Lemmy Caution schlägt 100%ig wieder ein. Na wenigstens gibt es dann schön lebhafte Diskussion für nichtschreibende Mitleser wie mich :)
Ich finds geil, jetzt ist die Vorzeige-Demokratie in der es mehr Wahlen gibt als irgendwo sonst in Südamerika, in der beispielhafter sozialer Aufbau betrieben wird, also Venezuela ist für die Trolle eine “Militärregierung”. Tja, in der Realität aber wohl der einzige Ort an dem über die Öleinnahmen demokratisch entschieden wird und sie nicht in die Taschen der Multis wandern.
Und die kriegführenden Primitiv-Regime die zu hunderten ihre Gewerkschafter und missliebigen Presseleute ermorden, wo monatlich neue Massengräber entdeckt werden sind klasse weil ein paar Kennziffern anzeigen dass es der Oberschicht noch gut geht…
Was ich mal interessant fände wäre die Motivation des “Lemmy”-Trolls der stets wie gerufen kommt sobald das Thema irgendwo angeschnitten wird. Die Zeit solche Elaborate zu recherchieren und die Fakten rechtsdrehend milchsauer zu vergären, um sie dann in alle möglichen Kommentarbereiche zu knallen, wird die wenigstens gut bezahlt? So ein richtiger Kapitalist macht doch nichts umsonst, oder?
Wir haben nicht demokratisch entschieden, dass wir an China über 10 Jahre lang Erdöl zu mehr als 50% unter dem Marktpreis geben, damit sie an die Regierung Chavez jetzt im voraus ein paar Milliarden zahlen. Wir haben nicht demokratisch entschieden, dass wir über 5 Milliarden Dollar Waffen an Russland geben. Wir haben nicht demokratisch entschieden, dass die Bundesstaaten gegen 1999-Verfassung fast alle ihre Befugnisse verlieren, weil es Chavez nicht gefallen hat, dass die Venezolaner Gouverneure und Bürgermeister der Opposition in vielen der grössten Städten und der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten gewählt haben. Wir haben nicht demokratisch entschieden, dass Chávez darum einen sehr grossen Anteil der Einnahmen dieser Regionen wegnimmt und selbst nach eigenem Gusto verteilt oder eben nicht, denn er will sie nicht durch Oppositionsregierungen verteilen lassen, auch wenn die Leute in diesen Regionen das wollte.
Oh, Mann…vielleicht sollte man wieder eine DDR bauen und Euch alle dahin schicken, damit nur die, die so was unterstützen, da arbeiten und leben müssen.
Könntest du erklären inwiefern deine Argumentation die Klassifizierung der venezuelanischen Regierung als “Militärregierung” rechtfertigt?
Wenn deine Punkte stimmen, muss man diese natürlich kritisch betrachten. Antonym hat jedoch lediglich behauptet, dass Venezuela einer der demokratischsten Staaten Südamerikas ist und das Volk über die wohl wichtigste, folgenreichste und international umstrittenste Entscheidung hat selber entscheiden lassen. Dies hast du nicht widerlegt. Zudem – falls ich da nicht falsch informiert bin – hat Chavez sich freiwllig (oder doch obligatorisch?) Zwischenwahlen um sein Präsidentenamt gestellt. Er konnte also wohl einfacher und schneller abgewählt werden als jeder Präsident anderer Staaten.
Venezuela wurde hier keineswegs als basisdemokratisch dargestellt.
Das kann ich jetzt nur unter der Kategorie unsachliche Degradierung des Diskussionspartners als DDR-Anhänger einstufen, obwohl er nicht mal ansatzweise den Anschein macht. Eine Praxis, die in der BRD schon seit Dekaden gängig ist.
Chávez hat sich nicht freiwillig zu einem Referendum zur Verfügung gestellt. Er hat das über ein Jahr lang torpediert, währendessen massal kostenloses Essen verteilt, was nicht schlecht im Prinzip ist, nur hatten die Tütten ein “NO” (no al referendum) und waren rot. Er hat zuerst viele der Unterschriften für ungültig erklärt, dann Menschen die zu Validation gezwungen (dazu aber öffentlich bedroht) und dazu über 100 000 Menschen nicht mal ihre Unterschriften validieren lassen (u.a. mehrere meiner Freunde). Es wurde eine Liste kreiert, nach der die Regierung Menschen massal gefeuert hat, nur weil sie die Petition unterschrieben haben. Der Grund für die Liste war, “die gefälschten Unterschriften” auszusortieren, was Quatsch ist. Wieso braucht man das, wenn das Referendum ja keine Fälschung ermöglicht hätte? Wieso braucht man das, wenn man das in der Schweinz nicht für nötig hält?
Auf jedem Fall: erst nach einem Jahr und Druck von OAS musste die Regierung das Referendum zulassen. Aber da hatte sie viel Zeit, um Leute zu intimidieren (ja, OAS hat alles “zertifiziert”, dazu kannst Du vieles in meinem Blog finden, ich werde mich hier nicht wiederholen.
Zu Militärregime: Chávez ist ein Militär und Putschist. Er rechtfertigte seinen Putsch von 1992 (ich habe die Toten gesehen, Du nicht), weil die Regierung 1989 (also 3 Jahre davor) auf krimineller Weise auf Menschen geschossen und Hunderte ermordert hatte. Dabei waren die meisten, die geschossen haben Chavez’ Freunde bei den Militärs. Bis jetzt hat die Chávez-Regierung nur den Präsidenten und ein paar Polizisten und einen Anti-Chávez-Militär verfolgen wollen, nicht seine Amigos.
Zu Militärregime:
der Gouverneur von Barinas ist der Bruder eines Militär Putschists (der Bruder von Chávez, denn dem Chavez-Clan gehört Barinas).
der Gouverneur von Bolívar ist ein Militär Putschist
der Gouverneur von Yaracuy ist ein Militär Putschist
der Gouverneur von Lara ist ein Militär Putschist (der nun Feind von Chávez ist, weil er sagte, Chávez will seinen Willen gegen alles setzen und dazu den Frieden nicht fördert)
der Gouverneur von Aragua ist ein Militär Putschist
der Gouverneur von Vargas ist ein Militär Putschist.
die Gouverneurin von Falcón ist Schwester und Tochter von Militär-Putschisten mit Chávez. Ich weiss nicht die Details von den anderen Gouverneure des Chávez, das ist aber schon sehr viel. Ah, der von Anzoategui ist ein Zivilist, der aber in der Guerrilla gegen eine demokratisch gewählte Regierung war.
Es gibt viel mehr davon. Wenn Du zu den Wahlen gehst, wirst Du sehen, dass die Militärs in jeder Schule sind (schön, eh?) und sie ihren Willen setzen, wenn es darum geht, Vorteile für die Regierung zu zwingen.
Und schliesslich hat ein sehr wichtiger Milico nun dies gesagt:
“Die Angriffe sind im Programm der Opposition. Die Militärkräften sind historisch gesehen benutzt worden, um Regierungen zu stürzen…die Hypothese ist schwer, aber [wenn sie an die Macht kämen], würden sie das Land verkaufen. Das werden weder die Bevölkerung noch die Streitkräften noch vor allem das Volk (sic) akzeptieren”. “
Wieso Degradierung? Die DDR war toll, oder?
Oder?
Ich finde es ziemlich frustrierend, wenn ich alles hier bis ins Detail erklären muss an Leute, die behaupten, mehr über mein Land zu wissen, die aber nicht mal Spanisch sprechen.
Aber na ja, noch was: in Youtube wirst Du zahllose Videos sehen können, wo Chávez immer mit Gewalt droht, aber so, als käme die Gewalt nicht von ihm: “wenn wir verlieren, gibt es hier einen Bürgerkrieg”, “wenn die Opposition an die Macht kommt wird hier Blut fliessen…aber ne, nicht weil wir es wollen, nein, aber”…und dann immer wieder “wir werden die Opposition und die Oligarchen (die ja alle aber auch alle sind, die gegen ihn sind) VERNICHTEN.
Und dann marschiert er die ganze Zeit in Uniform…immer noch. Was soll das?
Aber nein, es ist die beste Demokratie in Südamerika. Bitte: Du solltest Deinen EU-Pass abgeben und in Venezuela leben. Ah, und nicht für die Regierungspropaganda arbeiten, einfach einen normalen Job haben.
Das würde Dir gut tun.
He, der “Dann geh doch in den Osten!”-Spruch klappt immer noch.
Tja, mal wieder ein paar Pseudo-Argumente. Dass da jetzt chinesische Unternehmen investieren und nicht BP muss ja weh tun – ihr werdet euch nicht in Richtung Arabische Emirate entwickeln, was für ein Jammer. Statt desses seid ihr jetzt nach Kuba das Land, in dem es keinen Analphabetismus mehr gibt, und allgemeine medizinische Versorgung.
Das mit den russischen Waffen ist auch so eine choreographierte Täuschung. Der Betrag um den es geht ist ein Witz, leider ist es so dass auch das notwendige Ausgaben sind besonders wenn die Kriegsdrohungen des Imperiums so massiv direkt werden und man irgendwo schliesslich einkaufen muss. Die Propagandamasche ist immer die selbe, auch die “Weltbedrohung” Iran hat ja nur einen Verteidungshaushalt in der Höhe der Niederlande.
Zum Glück gibts ja noch reichlich unabhängige Medien wie Venezuelanalysis wo man sich wirklich informieren kann, wie es aussieht. Gegen die irrationalen Trolle zu argumentieren ist eigentlich sinnlos, es reicht wenn man weiss wie die “Oppositionsmedien” im Lande einen rechtsextremen US-Sender wie Foxnews als rational erscheinen lassen.
So…echt? Venezuela hat keinen Analphabetismus? Und alle Menschen lebten glücklich in Albanien, gel?
Es ist so schön! Venezuela hat jetzt das erreicht, was Deutschland noch nicht erreicht hat, selbst nicht Schweden: 0 Analphabetismus.
Du basierst Deine Daten auf die Aussagen der Chávez-Regierung, nachdem Unesco das unabhängig bestättigt haben soll. In Wirklichkeit hat die Militärregierung Venezuelas die Informationen von einem Self-assessment an Unesco gegeben, ohne wirklich unabhängige Beobachter. Kein Wunder, dass die Militärs nicht wollen, dass Venezuela an der PISA-Studie teilnimmt: sie weiss, dass die Farce ausfliegen würde.
Gemäss offiziellen Angaben betrug der Analphabetismus 1998 7%. Die Hälfte der Menschen, die dann gar nicht lesen konnten waren über 60 Jahre alt. In Wirklichkeit ist der reelle Analphabetismus grösser und nun ist das noch grösser geworden. Wenn Du willst, kannst Du einfach die Texten bei Aporrea lesen oder selbst bei den Seiten der Regierung. Nirgendwo siehst Du so viele Fehler. Das ist kein Beweis, aber schon ein Zeichen dafür, dass die Qualität der Bildung in Venezuela viel schlechter ist als die ohnehin sehr schlechte Bildungslage in solchen Ländern wie Kolumbien, Mexiko und ja, selbst Bolivien.
Venezuelanalysis ist unabhängig? Ja, genau…
“Jetzt chinesische Unternehmen investieren und nicht BP muss ja weh tun”
Investieren? Was heisst investieren? Sie tun nicht mehr als was BP – die ich gar nicht verteidige, Du willst aber in einer Welt von “rot versus blau” leben – tut.
Die Chinesen sind kein Quentchen besser als die Amis, nur weil Du sie nicht hasst.
Mensch…da sie aber noch sagen, sie hätten eine kommunistische Partei, müssen sie schon was Gutes sein.
Wer beschwert sich eigentlich über chinesischen Investitionen? Und die finden btw. z.Zt. eher in Chile und Peru als in Venezuela statt. Chinesische Unternehmen haben bei der letzten Versteigerung von Förderrechten im Orinoco Becken nicht einmal mitgeboten. Da haben US-amerikanische und spanische Unternehmen den Zuschlag erhalten. Go figure.
Und was soll an chinesischen Investitionen eigentlich besser sein als an europäischen oder amerikanischen? Es ist gut, dass mehr Investoren konkurrieren, aber das ist es schon.
Niemand behauptet Venezuela wäre eine Weltbedrohung. Wann sind denn die “US-Kriegsdrohungen” massiv geworden? Es geht darum, dass dieses Geld sinnvoller eingesetzt werden könnte. Etwa in Straßen, Schulen, Bibliotheken, etc.
Chávez kommt selbst aus der Armee. Viele Posten sind dort mit Chavistas besetzt, denen z.T. beim Ende des Regimes Gerichtsprozesse wegen allerhand düsterer Machenschaften drohen. Ein hoher Militär hat nun in einer venezoelanischen Zeitung offen mit einem Putsch gedroht, falls der oppositionelle Kandidat die Präsidentschafts-Wahl 2012 gewinnt. Chávez hat ihn darauf zum Oberkommandierenden ernannt.
Je weiter sich die fetten Jahre der Ölpreis-Hausse entfernen, desto mehr Gewicht wird die Opposition bekommen. Und es wird zu sehen sein, wie der Chavismo mit diesem Druck umgehen wird…
Wieviel Zeitungsartikel, Bücher, blogs, etc. beschäftigen sich mit dem Chávez Regime? Und eine Internetseite wird dann zum “unabhängigen Medium” erklärt. Kein Medium ist unabhängig. Man sollte sich schon über verschiedene Quellen informieren.
Und als venezuela-analysis aficionado hätte ich schwerste Bedenken bezüglich der Zukunft der dort über Jahre zugejubelten Regierung.
Dort lesen wir nämlich neben dem üblichen Gejammer über Kritik weiteres Gejammer über “Bürokratie” in der PSUV. Liest man dort zwischen den Zeilen, könnte man beginnen zu verstehen…
Aus Sicht der betroffenen Länder kann dies schon der Fall sein. China knüpft seine Investitionen in der Regel an keine Bedingungen. Und aus politischen Erwägungen heraus kann man natürlich auch Gründe dafür finden, eher auf die aufkommende Weltmacht als auf die fallende zu setzen.
So wie die Militärmittel in Kolumbien.
Apropos vermeintliche und echte Militärregierungen: Was rechtfertigt eine Unterstützung der Putschistenregierung in Honduras durch eine deutsche, angeblich liberale Regierungspartei?
Das ist in der heutigen globalisierten Welt ein ziemlicher Unsinn.
Der Einfluß der USA in Lateinamerika ist ohnehin nicht mehr das, was er vielleicht einmal war.
In Chile siehst du beispielsweise an Autos vor allem Hunday, Toyota, Suzuki, verschiedene chinesische Marken, ein paar Franzosen, VW, Audi, BMW, Mercedes und dann halt ein paar “General Motors” Opel Modelle, die in China gefertigt werden. Doller Imperialismus.
In US-Unternehmen gibt es vermutlich sogar zusätzliche Protestmöglichkeiten. Chinesische Arbeitgeber sind nun wirklich nicht dafür bekannt, dass sie sich besonders als Freunde der Rechte der Arbeiter hervortun. Auch mit der steigenden und fallenden Weltmacht ist grober Unfug.
An welche Bedingungen knüpfen denn US Unternehmen ihre Investitionen?
Für die Verlagerung der Wirtschaftsbeziehungen an den Pazifik benötigt es keinen politischen Willen. Das geschieht von ganz alleine. Das ist ja das gute am recht liberalen Welthandelssystem.
Sollte dich das Thema wirklich interessieren. Hier gibt es einen interessanten blog zum Thema: http://chinasouthamerica.com/home/
Das ist sinnvoll, da die Befriedungsdividende in Kolumbien halt nachwieslich hoch ist. Das haben die letzten 4 Jahre gezeigt. Für alle Beteiligten, ausser die FARC.
Honduras ist ein sehr eigenes Thema. Das hat mit dem hier Diskutierten wenig zu tun.
WAS MIR WIRKLICH AUF DEM SACK GEHT…
Ist eure masslose Überschätzung des Einflusses der USA oder der deutschen Entwicklungspolitik auf die lateinamerikanische Politik. Da sind wir einfach eher Zaungäste. Die Politik wird von endogenen Kräften in diesen Ländern selbst bestimmt.
Zelaya provozierte den Oberbefehlshaber der Armee zu stark und der war stark genug den Zelaya abzusetzen. Das hat mit der Naumann Stiftung oder selbst mit den USA herzlich wenig zu tun.
Es geht ja nicht nur an Autolieferung, es geht um die Präsenz amerikanischer Konzerne etwa bei wichtigen Rohstoffen und auch um den Einfluss auf die Regierungen. Sicherlich ist es nicht mehr so, dass die jedes südamerikanische Land quasi fernsteuern, das ist klar. Richtig ist aber auch, dass sie Projekten für größere Unabhängigkeit (Bsp. ALBA) – nun sagen wir nicht unbedingt wohlwollend gegenüberstehen.
Ach komm, wir müssen uns doch jetzt nicht Beispiele mit schlechten Arbeitsbedingungen in US-Unternehmen um die Ohren hauen, oder?
Wieso das?
Und die Zivilisten, die Opfer dieser “Befriedung” werden.
Du meinst mit dem, worauf du die Diskussion immer wieder bringen willst ;-)
Auch wenn es genauso ohne USA und die Stiftung und andere abgelaufen wäre (solche Hypothesen sind ja immer problematisch), würde das die Sache besser machen, einen Militärputsch mit zahlreichen Toten und Menschenrechtsverletzungen zu unterstützen?
Tatsächlich? Wo kann man sowas eigentlich nachlesen? Hast du da eine Quelle?
@Venezuela Diskussion insbesondere Lemmy
Bei wirtschaftlichen Betrachtungen in Bezug auf den Wohlstand einer Gesellschaft sollte man nicht das BIP oder ähnliches verwenden. Erst recht nicht zwischen verschiedenen Ländern.
Das BIP mißt lediglich Geldzahlungen für Güter und Dienstleistungen. Das Wirtschaftswachstum ist die inflationsbereinigte Veränderung zum Vorjahr (Weshalb Staaten besonders da gerne tricksen).
Das bringt natürlich mit sich, dass Dinge umsonst zu verteilen oder auf bestimmte Weise zu subventionieren und damit zu verbilligen, sich negativ im BIP niederschlägt.
Das US Gesundheitssystem ist beispielweise als das ineffizienteste (Verhältnis von Geld zu Leistung) der Welt bekannt – für das BIP ist das eine tolle Sache.
Nun weiß ich nicht, was das für Venezuela konkret bedeutet, aber da von Verstaatlichungen und Verteilung von Lebensmitteln die Rede war, dürfte es nicht sehr Aussagekräftig sein.
Askari,
auch die umsonst verteilten Lebensmittel müssen erst einmal gekauft werden. In Portugal, Uruguay, Brasilien oder sonstwo. Der venezoelanische Staat muß dafür mit Devisen zahlen. Und diese Devisen müssen halt erstmal erwirtschaftet werden. Und damit fallen die entsprechenden Werte schon ins BIP.
Schau mal. So Leute wie du regen sich doch immer auf, wenn die EU ihre Agrarüberschüsse für lau in Afrika verklappen. Macht die Märkte dort kaputt.
Chávez nimmt VENEZOELANISCHE STAATSKNETE und kauft damit Agrarüberschüsse aus Portugal, Argentinien, Belarus, Russland, Kolumbien, etc..
Und ihr fresst das als eine voll nette Entwicklungspoltitik und denkt nicht eine Minute darüber nach, dass es möglicherweise schlauer wäre, die eigene Landwirtschaft zu entwickeln.
Lemmy, Du hast von Ökonomie noch weniger Ahnung als von Computern oberhalb (niveauweise) bzw. unterhalb (im Schichtenmodell) der objektorientierten Klickprollebene.
Richtig ist, dass die venezolanische Regierung umverteilt. Na und? Bush und Schröder haben auch umverteilt, nur in andere Taschen. Wenn die venezolanische Regierung Lebensmittel ankauft, ist das eine bessere Idee als etwa 48% einer Generation mit Hirn- und Körperschäden durch Unterernährung in den ersten 5 Lebensjahren heranwachsen zu lassen wie in anderen Teilen der Welt. Ok, unter den Chavezvorgängern waren das in V. “nur” 46%.
Unter Optimierungsaspekten ist Umverteilung ohne Strukturreform natürlich suboptimal. Und die venezolanische Wirtschaftspolitik macht gewiss Fehler. Aber das hätte ich gern ohne Dein oder “Kepler”s Gegeifer en detail diskutiert.
a^2
Aquadrat. Könntest du vielleicht einfach mal deine persönlichen Angriffe lassen. Nimm mich doch einfach als beruhigendes Beispiel, dass man es in deinem beruflichen Sektor auch ohne Niveau zu etwas bringen kann…
Ich hab überhaupt nichts gegen Umverteilung. Ich wollte nur deutlich machen, dass eine Gesellschaft die Mittel für umsonst ausgegebene Lebensmittel erst einmal verdienen muss. Sie sind damit Bestandteil des BIP (oder der Neuverschuldung).
Du hättest gerne gemeinsam mit deinen Freunden ein wenig ohne störenden Realitätsbezug geträumt und dabei ein bischen auf “die Amis” herumgehakt.
Nun sinkt das Niveau in Venezuela immer weiter. Inzwischen ist nicht mehr auszuschliessen, dass irgendwann bald die demokratische Fassade fällt und die milicos ihre Diktatur errichten. Ihr Blödmänner werdet das noch ganz doll finden. Von wegen Verteidigung des Erreichten oder so.
Irgendwann werdet ihr dann Reformen für “schwerwiegende Fehler des Systems” bejubeln. Hauptsache so ein System streicht sich rot ein.
Kepler es el único autoctono de la Tierra de Gracia en toda esta “discusión”. Antes ha dedicado algun tiempo de su vida para aprender alemán. Podrías por lo menos escucharle un pichín que opina en vez de “aportar” la wea de siempre.
Du übersiehst immer wieder die Verteilungsfrage des BIP. In einem Land wie Venezuela mit wie gesagt der gleichsten Verteilung in Südamerika kann damit ein jeweilig gegebenes BIP einen größeren Wohlstand für größere Bevölkerungsschichten bedeuten als in einem Land mit hoher ungleich Verteilung.
Lemmy, nu wein man nicht, aber jut. Es geht darum, dass Du das Konzept GDP nicht verstanden hast. Das ist an sich nicht schlimm, Du behauptest ja auch nicht, Fachökonom zu sein, trotzdem schreibst Du Blödsinn. Gerade bei den Summenaggregaten der VGR kommt es gar nicht darauf an, etwas vorher verdient zu haben. Das ist neoliberales “there is nothing such as free lunch”, was die Herrschaften beim Gratisfressen und Saufen auf Kosten ihrer Länder und deren arbeitender Menschen gern runterbeten.
Sicher kann man sich fragen, wie nachhaltig die venezolanische Wirtschaftspolitik ist, und das ist sie nicht in allen Punkten. In einigen ist sie spitzenmässig besser als alles, was das Land an Wirtschaftspolitik bislang erleiden musste, und es gibt auch dunkle Punkte.
Mir ist egal, ob Kepler Einheimischer in V. ist. Sein Deutsch ist sicher gut, viel besser als mein Spanisch, in einem spanischen Forum könnte ich nicht so diskutieren wie in einem englischen oder deutschen. Dass er ein Holzkopf ist, zeigen seine Hasstiraden mit DDR-Beschimpfung. Das ist nicht nur strohdumm und primitiv, sondern ignoriert auch, dass sich selbst heute noch viele Venezolaner die Finger nach DDR-Verhältnissen lecken würden, wie im übrigen viele Lateinamerikaner. Offenbar ist er ein verzogenes Söhnchen aus der Oligarchie, wenn ihm das nicht auffällt.
Und protz doch nicht so peinlich. Das ist es, was meine zugegebenermassen überflüssigen Seitenhiebe auf Dein Expertentum provoziert. Wenn Du in Deiner Arbeit einen guten Job machst fein für Dich, wenn Du die spanische Sprache gut beherrschst, auch fein für Dich. Aber wenn Du es nötig hast, Dich ständig so aufzuplustern, gibt es eben mitunter auf den Deckel.
Gruss, a^2
Markus, Venezuela ist einfach nicht das Land mit der gleichsten Verteilung.
Selbst wenn sich der Gini Koeffizient unter Chávez ein wenig verbessert hat. Das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.
In Chile haben Arme etwa einen wesentlich besseren Zugang zu würdigen Wohnraum zu günstigen Preisen, geregelter Stromversorgung, geregelter Wasserversorgung, Schutz vor Kriminalität.
Ich klammere die Verteilungsfrage überhaupt nicht aus. Sie ist ein sehr wichtiger Punkt. Und es werden noch Jahrzehnte ins Land gehen, bis etwa in Chile deutsche Sozialstandards erreicht werden. Nur gibt es halt auch unter der aktuellen mitte-rechts Bestrebungen eine weitere Ausdehnung der gut geplanten Sozialprogramme.
Die Reduzierung der Zahl der Armen ist weitgehend eine Show-Veranstaltung, da diese Werte viel zu niedrig angesetzt sind. Das gilt selbstverständlich auch für Chile.
Armut läßt sich nicht einfach dadurch beseitigen, dass man irgendwelche Show-Alphabetisierungskampagnen startet. Es geht um nachhaltige, langfristige Programme, die immer mehr Leuten überhaupt die Bedingungen bereitstellt, damit sich ihre Kinder aus dem Elend befreien.
Hast du schon einmal mit lateinamerikanischen Armen ein paar Tage verbracht? Von der völligen Dysfunktionalität des Chávez-Regimes überzeugt zu sein, bedeutet nicht, dass man für den Washington Consensus wäre oder blind wäre für die vielfältigen Probleme der Armut.
Ich weiss ziemlich genau, dass solche Dinge sehr real sind:
http://incakolanews.blogspot.com/2010/11/real-story-of-perus-minimum-wage.html
Ich kenne jemanden, der nach seinem BWL Studium an seinem Job in der Banco Santander Chile / kleiner Ort sehr zweifelt, weil er da nämlich den Armen für die Kredite einige interessante Spezialgebühren extra draufsatteln muss und ein paar mehr so stories. Nur funktioniert eine Besserung nur über eine immer unabhängigere Presse, die Stärkung von Institutionen, an die sich die Armen wenden können. Dieser chavistische ad hoc Stil und dabei nix fertig machen hilft dabei schlichtweg nicht weiter.
@Aquadrat: Auf deinem Unsinn brauch ich nicht weiter einzugehen. So weit ich das mitbekommen habe ist Kepler der Sohn eines Universitätsprofessors und einer Art Dorfschullehrerin. Seine Großeltern waren landlose Bauern. Denk mal eine Weile über den Begriff “landlose Bauern” nach. Teile seiner Familie sind arm. Als Kind war er auf einer öffentlichen Schule. Er hat die Schulspeisung an arme Klassenkameraden weitergegeben. Kepler versteht Armut unendlich viel besser als du und ich. Vermutlich sollte man seine Meinungsäußerungen mit ein wenig mehr Respekt behandeln.
Lemmy: Kepler hat sich mir nicht vorgestellt. Es ist aber schlicht ungehörig, die Teilnehmer eines Forums anzupöbeln und in die DDR zu wünschen, nur weil er sie nicht überzeugen kann. Ob er die Armutsprobleme in Lateinamerika beurteilen kann, ist eine Frage, und meine Zweifel bleiben, auch wenn er “nur” ein in D lebender (?) Professorensohn ist. Eine andere, ob er die Lebensverhältnisse in der DDR beurteilen kann, und da habe ich noch mehr Zweifel. Deine extrem rechtslastigen Hasstiraden scheint er völlig unkritisch zu übernehmen oder hat sie von Hause aus mitbekommen.
Was Du im Übrigen nicht verstanden hast, ist, dass man ein “BIP” nicht verteilen kann. Das GDP ist ein durch Schätzung ermitteltes Summenaggregat ex post, kein Bankkonto oder kein Staatshaushalt. Es gibt eine Kritik an der Aussagekraft solcher VGR-Aggregate, die Ökonomiestudenten im ersten Semester lernen.
Hättest Du die Qualifikation, dann könntest Du gerade mit Deinen besseren Spanischkenntnissen Informationen beisteuern, wie die Einnahme- und Ausgabesituation des venezolanischen Staatshaushalts ist, wie sich die Wirtschaftsleistung auf die Sektoren verteilt etc. Das wäre relevant. Statt dessen kommen nur dumpfe Sprechblasen.
Ich vermute einmal, dass grob geschätzt kein Prozent der Teilnehmer an diesen Debatten zu den bedingungslosen Fans der bolivarianischen Revolution zählt. Selbst diejenigen, die dieser Strömung einen gewissen Kredit einräumen, wären für sachliche kritische Informationen aufgeschlossen. Typen wie Kepler und Du reissen nur Fronten auf mit ihrer scharfrechten, fanatisch antikommunistischen und antisozialistischen Hasspropaganda. Und dann jammern, weil man nicht wie die Glaubensbrüder in Kolumbien die Andersdenkenden verschwinden lassen kann. So lieben wir das.
a^2
Lieber Aquadrat,
hast du dich vorgestellt? Gelten hier spezielle Vorstellungsverpflichtungen?
Bezüglich dem “anpöbeln” könntest du vielleicht einmal bei dir anfangen.
Soweit ich das verstanden hat, hat Kepler nach einer Studienzeit in Venezuela in Deutschland Informatik studiert und arbeitet in Belgien.
Deine Äusserungen über “von mir oder von zu Hause übernommene extrem rechtsgerichtete Vorstellungen” und die “Fähigkeit über Armutsprobleme in Lateinamerika zu sprechen”… Ich lass das mal so stehen ;-)
Die Menge der verteilbaren Mittel eines Staates steht in einem gewissen Verhältnis zum erwirtschafteten BIP der Gesellschaft. Es ist offensichtlich, dass in Deutschland mehr Sozialhilfe gezahlt werden kann als in Venezuela. Das hat etwas mit dem BIP zu tun.
Lemmy: Sicher stellt sich nicht jeder hier vor, ich auch nicht. Aber wenn ich z.B. eine gewisse Kompetenz in Fragen der chinesischen Ökonomie und Gesellschaft beanspruche, weise ich darauf hin, dass ich die Sprache ein wenig beherrsche und die Fachdiskussionen in der dortigen Presse wie in der internationalen verfolge, und dass ich über gewisse Qualifikationen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verfüge. Ob die für qualifizierte Beiträge hinreichend sind, liegt im Auge der Betrachter meiner Beiträge, und ich bin selbstverständlich für jegliche Einwände offen.
Du verteilst hier freizügig Informationen über Keplers Vita, hat er das überhaupt gewünscht oder darum gebeten? Meine Kritik an ihm bestand darin, dass er primitive Gemeinplätze über die DDR abliess und in Sachen Venezuela auch nur Polemik absonderte. Weissbrodt mag ja in seinen Einschätzungen Unrecht haben. Aber das hätte ich gern in der Form fundierter Kritik, nicht auf dem Wege des name calling und der Beleidigungen.
Noch einmal: Das BIP/GDP als Summenaggregat ist eine nur begrenzt taugliche Grösse zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Wer darauf Argumentationen stützt, sollte sich der Diskussionen darüber bewusst sein. Ansonsten ist das Prollerei, Schwanzvergleich und Scharlatanerie.
a^2
Also ich sehe hier: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2172rank.html kein lateinamerikanisches Land mit einer gleicheren Einkommensverteilung. Du? Und eine Verbesserung von 49,5 (1998) auf 41 (2009) ist eher beträchtlich als “ein wenig”.
@Lemmy Caution
Immer dran denken: nichts ist so, wie es scheint. Beispielsweise legitimieren Kreise des Bankensektors gerne mit o.g. Stories das Abzweigen von Millionen, die dann mit Hilfe verfaulter, rechter Staatsseilschaften z.b. in Europa mit Hilfe hiesiger Kreise in Zukunftsprojekte investiert werden. Beispielsweise hatte jemand diesbezüglich einen Termin mit einem Banker im Lande des Caudillo, las gott sei dank vor dem Abflug in der Zeitung, daß Chavez eine Bank “verstaatlicht” habe und hörte dann am Telefon von der Familie, daß sein Gesprächspartner die nächsten Jahre telefonisch auch privat nicht mehr erreichbar sei. Ich hoffe, Chavez weiß um die brutale Realität, dass er ein Rennen gegen die Zeit fährt und er nur mit dem großen Befreiungsschlag gewinnen kann.
@Lemmy
Nun, nehmen wir an statt z.B. via Öl-Export von staatlicher Seite und Devisen als Gegenleistung wären Herstellung, Export und die Gewinne daraus rein privat.
Ob und wieviel zusätzlicher Wohlstand über die Exporte in Venezuela entstehen würde, wäre völlig unklar. Ob Alles oder Nichts, dem BIP wäre es egal. Womit wir bei meinem Punkt wären, dass das BIP kein guter Indikator bei diesem Thema ist.
Weiterhin gibt es die Probleme bei der Bewertung staatlicher gegenüber privater Tätigkeit z.B. beim Thema Gesundheit uvm.
Den Rest deines Posts werte ich mal als Selbstgespräch, da es mir lediglich um die unsinnige Verwendung des BIP als Argument ging ;)
Askari, es geht hier nicht um einen theoretischen Streit, ob die Rohstoffförderung privat oder staatlich geregelt wird. Ich tendiere zu staatlichen Rohstoffkonzernen. Nur war der venezoelanische Ölkonzern PVDSA eben auch schon vor Chávez staatlich. Das Problem war wohl, dass der Laden zu einer Art effizienten Raumschiff wurde, das der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung zu wenig Mittel überwiesen hat. Nur hat sich das unter Chávez nicht wirklich gebessert. Das mir wohlbekannte Haus in Chillán bezieht Wasser, Gas, Telefon/Kabel-TV/Internet von privaten Versorgern und Strom von einem staatlichen. Gelegentliche Scherereien in Form von überzogenen Rechnungen kommt vom staatlichen Strom und vom privaten Telefon/Kabel-TV/Internet. Das nur ein Beispiel dafür, dass staatlich oder privat nicht automatisch besser sind.
In Venezuela gab es auch vor Chávez wie überall in Lateinamerika eine öffentliche Gratis-Versorgung mit medizinischen Leistungen. Chávez hat lediglich ein Parallelsystem geschaffen, in dem Gesundheitsstationen in die Slums errichtet wurden. Diese können allerdings viele Krankheiten überhaupt nicht behandeln. Deshalb suchten viele Arme weiterhin die Hospitäler auf. Die Stationen wurden mit kubanischen Ärzten bestückt, die sich nicht frei bewegen konnten und für die Chávez eine Menge Geld an Kuba überweist. Gleichzeitig verknappte er die Mittel für die Hospitäler.
Es geht, jedenfalls bei dem was ich schrieb, recht eindeutig darum, dass man das BIP nicht in der Weise verwenden kann, in der du es verwendest, da es dafür nicht taugt. Es erfasst viele Dinge einfach nicht oder auf unsinnige Weise.
Das !fiktive! Öl Export Beispiel zeigt, woran dies u.A. liegt.
Wie verwende ich denn das BIP? Es gibt keinen absoluten Indikator für globales peace, love und happiness. Das BIP pro Einwohner sagt etwas darüber aus, wieviel jeder Einwohner im Durchschnitt produziert. Verdoppelt sich das BIP in 10 Jahren sieht das Land anders aus.
Mit mehr BIP können etwa Schulbücher gekauft werden. Chile erwirtschaftet mehr BIP als Venezuela. Die Schulbücher an öffentlichen Schulen sind in Chile gratis. Sie sind gut. So gut, dass die Privatschulen nur ein paar Seiten ändern. Die müssen dann von den Eltern gekauft werden. In Venezuela müssen die Eltern für 3 Heftchen 151 Bsf (42 €) zahlen.
http://regina-g.blog.de/2010/10/16/fast-umgehauen-9637999/
Du verwendest es, wie ja auch hier wieder, als wäre es eben doch dieser PLH Indikator ;)
Theoretisch kann ein Land ein BIP von 0 haben und dabei sehr reich sein, auch materiell, ohne dass sich das irgendwie im BIP niederschlagen würde. Das ist nicht realistisch, aber durchaus möglich.
Je “linker” ein Staat ist, desto wahrscheinlicher ist, dass sich dieser Effekt negativ auf das BIP auswirkt.
Lieber Askari,
ich habe dargelegt, dass das “Rekordwachstum” Venezuelas der letzten 12 Jahre eine Legende ist. Über den gesamten Zeitraum war das Wachstum eher gering und kann mehr als vollständig über den höheren Ölpreis erklärt werden. Bis heute argumentierend die Apologeten aber über die hohen Wachstumsraten zwischen 2004 und 2007. Gewöhn dir mal deinen Kampf-Diskussionsstil ab und versuche MIT mir zu reden. Ich bin weit davon weg, BIP Wachstum als allgemeinen Indikator für Lebensbedingungen in einer Gesellschaft zu akzeptieren. Das wird auch an meinen restlichen Äusserungen deutlich, wenn du sie lesen würdest.
Planwirtschaftlich organisierte Staaten können sehr wohl hohe Wachstumsraten erreichen. Etwas die Sowjetunion in den 20ern und 30ern.
Darum geht es in Venezuela überhaupt nicht. Wir sind in einem anderen Spiel. Ein General sagte letzte Woche in einem Zeitungsinterview:
“Eine Oppositionsregierung wäre kaum zu ertragen. Es würde den Verkauf des Landes bedeuten. Die Armee und das ‘Volk’ würde das nicht akzeptieren.”
Dies ist eine sehr eindeutige Drohung der Armee in einem Land, in dem bei den Kongresswahlen Oppositionsparteien mehr Stimmen erhalten haben als die Regierung. Chávez hat diesen General zum Oberkommandierenden der Streitkräfte ernannt.
Selbst Pinochet, der ja in den 90ern durch allerhand Andeutungen in Chile versucht hat, Einfluß zu nehmen, hat sich nie so eindeutig geäußert.
Zum einen solltest du dir vielleicht nocheinmal den Verlauf unserer Diskussion anschauen und dann überlegen, wer eine Kampfdiskussion führt.
Zum anderen hast du mehrmals BIP Wachstum mit Wohlstand gleichgesetzt, andere auch, was, wie gesagt, problematisch ist – worauf ich hinwies.
Wenn du beispielsweise schreibst, dass Chile ein höheres BIP als Venezuela hat und daher mehr Schulbücher kaufen kann, so ist das Irreführend.
Es ist ein Problem der Berechnung und Bewertung.
Ekelhaft.
Für die Aktion mit dem Mauerstück hätte der Mann irgendeinen offiziellen Tadel verdient…”Schädigen des öffentlichen Ansehens der Bundesrepublik” oder so…
Vor einiger Zeit hatte Deutschland (unglaublicherweise) mal eine der Spitzenpositionen in internationalen Sympathierankings inne – das wird unsere Regierung wohl nachhaltig ändern. Das ist übrigens nicht nur schade, sondern sogar ganz nüchtern machtpolitisch betrachtet schädlich, wenn man es z.B. ernst meint mit dem Wunsch nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat etc…
Da stand bestimmt ein wilder Tadel im Neuen Deutschland. Nur juckt das halt keinen.
Auch in Bolivien gilt der Fall der Berliner Mauer wohl auch als ein positives Ereignis.
Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es sich dabei um eine durch miese kapitalistische Propaganda induzierte Schleifung eines anti-faschsistischen Schutzwalls handelte ;-)
Ach komm, mal im Ernst du weißt schon ganz genau, wie Niebel das mit dem Mauerstück gemeint hat und wie es empfunden wurde
An solche:
Exxon’s oozing oil pits…,
und die sind mit einer nicht gekauften Regierung schwieriger durchzusetzen.
Und was verleitet dich zu der Annahme, das Exon humaner ist als Chevron, Mitsubishi und Repsol. Die erhielten nämlich dieses Jahr den Zuschlag für die Exploration im Orinoco Becken.
Wie kommst Du zu der Annahme, daß ich das von Dir Behauptete annahm?
Guckst jedoch auf die Einzelheiten, hat PDVSA die anderen als Juniorpartner ins Boot gelassen; das Volk behält immerhin eine 60%ige Mehrheit bei den Fördergemeinschaftsunternehmen.
Ja.
Nein, denn:
die Strippen zieht weltweit eine ganz kleine Clique wohlvernetzter Akteure – und denen dient dieses Regime nach bestem Vermögen, entgegen dem Amts(mein)eid.
Hugo C. muss sich am Ende and genau zwei Faktoren messen lassen:
- Steigerung der Agrarproduktion im Vgl. zu Importen
- Steigerung der Industrieproduktion im Vgl. zu Importen
Kapital zu Ausbau beider war vorhanden.
Freundliche Absichten hin oder her: Hugo hat recht grossen Mist gebaut.
Also bitte, dass ist doch nun wirklich etwas kurz gegriffen.
@OAlexander
Eine derartige trübe Leier funktioniert in der globalen Krise nicht mehr. Vor allem die USA müßten sich jetzt an genau diesen zwei Faktoren messen lassen. Aber vielleicht nehmen die USA ja bald Kuba als Entwicklungsvorbild und kubanische Ärzte übernehmen die kommenden texanischen Slums. Der US-bible belt könnte dann bibelfeste US-Nutten aus Texas in bosnische Bordelle exportieren.
Jeder Depp weiß, daß die Agrarproduktion der Schlüssel zur Unabhängigkeit von Entwicklungsländern ist. Soweit etwa in Venezuela eine Agrarproduktion bestand, war diese fast ausschließlich in der Hand von Großgrundbesitzern. Diese waren die wesentliche Basis der Macht, mit dem einen oder anderen imperialistischen Staat liiert und hatten den Apparat von ein, zwei oder drei „konservativen“ Regierungsparteien in ihren Händen, die sie abwechselnd die Macht teilen ließen.
Chavez hat der Großgrundbesitzerklasse in Venezuela einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor Chavez musste Venezuela über 80% der Nahrungsmittel eingeführen – in einem Land, das 100% selbst produzieren könnte.
Chavez hat dies noch nicht gelöst. Chavez müsste die Grundbesitzerklasse enteignen und das Land durch Genossenschaften bewirtschaften. Seine Versuche, die Bildung z.B. von Genossenschaften usw. voranzubringen, kommen langsam voran. Damit die Genossenschaftsentwicklung vorankommt, wurden Ausbildungsprogramme aufgelegt (Alphabetisierung, Grundschule, Abschluss der Sekundarstufe, auch Ausbildung an den Universitäten, das Erlernen technischer Berufe). Was in Venezuela stattfindet, ist ein Paradigmenwechsel, ein Kulturwechsel – der vollzieht sich nicht von heute auf morgen.
So geht es Chavez auch darum, die Landflucht umzukehren. In Venezuela gab es schon vor Chavez etwa 30–40% Staatsland, das nicht bewirtschaftet wird. Das Programm Vuelvan caras soll jüngere Leute aus den ärmeren Quartieren, die mit ihren Eltern in die Städten gekommen sind, um eine Arbeit zu suchen, wieder aufs Land zurückbringen, wo sie unter Anleitung von Genossenschaftlern Land mit Agrarprodukten bewirtschaften sollen.
Lieber Carlos Manoso,
Venezuela importiert heute einen deutlich größeren Anteil der Lebensmittel als vor Chávez. Die Agrarpolitik der Chávez-Regierung ist genauso gescheitert wie die der kubanischen Regierung.
Auch wenn sich die großen Meister so ganz doll darum “kümmern”. In Kuba warten wir schon seit 50 Jahren auf einen “Kulturwechsel”.
Lemmy & Kepler: Ihr hofft seit 50 Jahren auf “Nächstes Jahr in Havanna”. Hoffen wir, dass das die nächsten 50 Jahre so bleibt. Ihr hofft auch seit 61 Jahren auf “Nächstes Jahr in Beiping”.
Mal sehen, vielleicht gibt es ein nächstes Jahr in Washington. Somewhen.
a^2
Lieber aquadraht,
ich bewundere immer wieder deine äußerst sachlichen und fundierten Beiträge zu der Diskussion.
Gruß Lemmy
@Lemmy Caution
Deine Propagandasprüche, s.g. Lemmy C., reihen sich ein in das altbekannte einschlägige Repertoire der klassischen Konterrevolution (Staatsstreich, Wirtschaftssabotage, Unternehmerstreik, Medienkrieg, Massenmobilisationen, Abwahlreferendum, militärische Drohgebärden von außen, gezielte Steuerung von einschlägiger Nichtregierungsorganisationen) das altbekannte Repertoire absterbender alter Eliten und der untergehenden USA . Es ist halt die normale Machtperspektive herrschender Eliten und Mächte, die in Erwartung eines baldigen Machtverlustes gegen revolutionäre Experimente aggressiv die Hosen runterlassen. Ihr sozialer & parasitärer Autismus, ihre fast pathologische Fixierung auf die guten Freunde in den USA, da kommt immer einiges schräg zusammen.
Chavez Agrarreform und der Aufstieg Venezuelas zum weltgrößten Erdölexporteur in den Jahren 1926 bis 1970 hängen eng zusammen. Als Erdöl zum dominierenden Exportgut Venezuelas wurde, begann die bis heute andauernde Phase der Nahrungsmittelabhängigkeit vom Ausland. Heute importiert Venezuela immer noch zwischen 70 und 80 % seiner Nahrungsmittel und ist damit m.w. der einzige Nahrungsmittel-Nettoimporteur Lateinamerikas.
Der Öl- und der Agrarsektor sind die entscheidenden Säulen der Macht der traditionellen venezolanischen Elite. Die Kontrolle über riesige Latifundien ist entscheidend für die Teilhabe an den Gewinnen der Ölindustrie. Die Angst der traditionellen venezolanischen Elite vor der grundlegenden Änderung der Eigentumsverhältnisse im Zuge der Agrarreform ist nichts anderes als die Angst vor dem Verlust ihrer Ölrenten. Ob es ihnen gelingt, ihre Macht mittels einer Militärherrschaft zu retten, ist noch offen.
Lemmy Caution, was nun dein so schrecklich qualvolles 50 Jahre langes Warten auf den „Kulturwandel“ in Kuba betrifft, so führte –wie du ja weißt- die im Mai 1959 beschlossene Agrarreform, die Enteignungen von Großgrundbesitzern vorsah, zur Verhängung der US-Blokade gegen Kuba. Die US-Regierung nutzte das Embargo gegen Kuba als Druckmittel, die Agrarreform rückgängig zu machen. Das Mittel ist uralt und auch Chavez wird dies Mittel zu spüren bekommen und Merkels Deutschland wird seinen Herrn und Meistern in den USA folgsam folgen.
Am 17. April 2010 verkündete der Landwirtschaftsminister Venezuelas, dass die landwirtschaftliche Produktion in den über 10 Jahren der Chávez-Herrschaft um 21% gestiegen ist. Das sind 2% im Jahr. Damit konnte die Produktionsausweitung während des GRÖSSTEN ÖLBOOMS aller Zeiten gerade eben mit dem Bevölkerungswachstum mithalten.
http://www.aporrea.org/actualidad/n155416.html
So viel zum Thema:
In Cepalstats findet man folgendes in
ECONOMIC INDICATORS AND STATISTICS
FOOD PRODUCTION INDEXES
1970
Brasilien: 29.0
Chile: 41
Kolumbien: 41
Venezuela: 39
1980
Brasilien: 48.0
Chile: 49.0
Kolumbien: 59.0
Venezuela: 54.0
1990
Brasilien: 65.0
Chile: 71.0
Kolumbien: 80.0
Venezuela: 73.0
1998 übernimmt Chávez die Regierung. Und hier sehen wir, wie die Produktion relativ zu den anderen Ländern der Region im Sample abfällt.
1998
Brasilien: 89.0
Chile: 96.0
Kolumbien: 90.0
Venezuela: 89.0
2003
Brasilien: 121.0
Chile: 108.0
Kolumbien: 105.0
Venezuela: 98.0
2005
Brasilien: 129.0
Chile: 119.0
Kolumbien: 114.0
Venezuela: 106.0
Und Venezuela ist im Sample das Land mit dem höchsten Bevölkerungswachstum.
Soviel also zum Thema:
Um mit dieser Legende aufzuräumen…
Heutzutage spielen US Unternehmen im Rohstoffsektor keine dominante Rolle mehr. Das ist Geschichte, z.T. auch wegen lateinamerikanischen Verstaatlichungen zwischen 1936 und den 70ern des letzten Jahrhunderts.
Hier z.B. die Geschichte der in Chile sehr aktiven http://en.wikipedia.org/wiki/Anaconda_Copper#The_1970s
und http://en.wikipedia.org/wiki/Kennecott_Utah_Copper
Hier ist eine Liste der größten Mining Companies der Welt:
Company Country Share 2006
CVRD VALE.SA (RIO.N) Brazil 5.4
BHP Billiton (BLT.L) (BHP.AX) Australia 4.8
Anglo American (AAL.L) Britain 4.3
Rio Tinto (RIO.L) (RIO.AX) Britain 4.3
FreeportMcMoran (FCX.N) United States 3.3
Codelco Chile 3.2
Xstrata (XTA.L) Switzerland 3.0
Norilsk Nickel (GMKN.MM) Russia 2.7
Barrick (ABX.TO) United States 1.8
Grupo Mexico GBMEXICO.MX Mexico 1.6
Total 34.5
Source: Raw Materials Group
http://uk.reuters.com/article/idUKL0132041220080201
Wir lernen, dass Unternehmen aus Ländern der wichtigsten Vorkommen (Brasilien, Australien, Chile, Russland) und britische Unternehmen den Markt beherrschen.
Auf Platz 5 findet sich mit Freeport McMoran das erste US-amerikanische Unternehmen. 0,1% vor der staatlich-chilenischen CODELCO. Auf Platz 8 Barrick.
Es geht um die Präsenz amerikanischer (oder besser hätten wir es auf “westliche”) Konzerne im Rohstoffsektor bestimmter Länder, die z.B. im Bergbau Kolumbiens stark vertreten sind, sowie auch in Bolivien. Noch deutlich drastischer ist es in Peru, wo amerikanische, gefolgt von europäischen, Konzerne dominieren.
Der größte Horror für die westlichen Staaten ist, dass Länder auf die Idee kommen könnten, Privatisierungspläne zu stoppen (Chavez beim Öl, Lula), oder gar neue Verstaatlichungen durchzuführen (etwa bei Erdöl und Erdgas unter Morales).
Die deutsche Entwicklungspolitik, um darauf zurückzukommen, predigt wieder, wie zu schlimmsten Washington-Consensus-Zeiten, dass Länder nur weiter kommen können, wenn sie alles was irgendwie geht privatisieren. Und, was schlimmer ist, sie richtet ihre Entwicklungshilfe zusehends nach dieser Frage aus.
Im peruanischen Bergbau sind neben inländischen Unternehmen Multis aus allemöglichen Ländern aktiv (Kanada, Braslilien). Besonderes Wachstum verzeichnen die Operationen staatlicher chinesischer Unternehmen
http://www.gtai.de/DE/Content/Online-news/2010/10/medien/s5-perus-bergbau.html
Auch die kolumbianische Regierung bemüht sich erfolgreich um chinesische Investoren im Bergbau. http://tinyurl.com/25ts9fl
Beleg doch mal ein wenig deine Behauptungen, das in Venezuelas Ölwirtschaft Privatisierungen geplant waren. Lula da Silva hat ein Land übernommen, in dem zahlreiche Privatisierungen bereits stattgefunden haben. Er hat sie nicht zurückgenommen.
Die Mehrheit bilden aber Investoren aus den Industriestaaten, bei Peru Spanien, GB und USA.
Kannst du das bitte belegen.
http://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT201007148004
@ Lemmy & Kepler
Noch einmal zur Frage, ob der wirtschaftliche Aufschweung Venezuelas ausschließlich auf den Ölpreis zurückzuführen ist. Bleiben wir enmal beim Öl.
Auch wenn du immer darauf hinweist, dass die venezuelanische Ölförderung auch vor Chavez staatlich war, aber man wollte sie privatisieren. Die Pläne wurden von Chavez gestoppt. Wenn das geschehen wäre., wäre zumindest fraglich, wie das Ölkgeschäft sich weiter entwickelt hätte und vor allem wieviel von den Einnahmen im Land und bei welcher Bevölkerungsschicht sie geblieben wären. Und ohne die massive Förderung der Ölindustrie durch Chavez hätte dann auch der Ölboom nicht solche Wirkungen auf Venezuela gehabt. Es war nicht nur eine Frage der Weltmarktpreise, sondern auch eine der politischen Gestaltung.
Sorry Markus. Wo hast du bitte diese Informationen her…
Zum Verständnis dieser Sudacas-Politics scheint es auszureichen, dass man sich ein paar Sachen ausdenkt und das dann mit ein paar Vorurteilen zusammenrührt.
PVDSA wurde 1976 unter Carlos Andres Pérez gegründet. Und die beruhte bereits auf der seit 1960 ebenfalls staatlichen CVP. Und dann kurz vor dem Jahr 1998 später sollte sie plötzlich “privatisiert” werden?!?? Und der Rädelsführer eines Putsches des Jahres 1992, bei dem 100 Menschen gestorben sind, hat das noch in letzter Minute verhindert.
Wenn man schon starke Meinungen zu fernen Gesellschaften äußert, deren Sprache man nicht versteht, dann sollte man sich wenigstens mit einer gewissen Ernsthaftigkeit mit Themen beschäftigen.
Welche “Förderung” der Ölindustrie durch Hugo Chávez? Chávez gab im Fernsehen öffentlich die Kündigungen von politisch unliebsamen Kompetenzträgern bekannt. Andere verliessen das Land Richtung Kolumbien und Kanada. PVDSA hat seit 1998 keine einzige neue Ölquelle geöffnet. In der Exploration im Orinoco verläßt man sich auf US-amerikanische, spanische und japanische Unternehmen.
und da gibts noch einen Aspekt mit diesem privat/staatliche Rohstoffförderer.
Die erfolgreiche Petrobras (Brasilien) ist anders als die Ölförderer in Mexiko, Ecuador, Venezuela oder auch die chilenische Kupfer-CODELCO Teilprivat. Trotzdem wird das Unternehmen sehr stark zu den Staatseinnahmen beitragen.
CODELCO förderte am Ende der Militärdiktatur Pin8 70% des chilenischen Kupfers. Nach 20 Jahren mitte-linker Koalitionsregierung der Concertación waren es nur noch 40%.
Die ganze Geschichte ist wesentlich komplexer als “böse Präsidenten geben Einnahmen an rafgierige Ausländer und gute Präsidenten verstaatlichen sie”.
Es ist teilprivat, also auch teilstaatlich, ein Modell, das ich ja auch keinesfalls unbedingt ablehne.
Aber wie ist es bei rein privaten Unternehmen, vor allem ausländischen? Die Gewinne gehen in die private Gewinnquote und nicht in den Staatshaushalt. Dass staatliche oder teil-staatliche Unternehmen dabei genauso effizient sein können oder effizienter als private zeigen ja schon einige der von dir selbst angegebenen Fälle.
Natürlich kann man die Frage privat oder staatlich nicht generall für alle Rohstoffe und alle Länder beantworten. Länder wie Venezuela (wo es ja Verstaatlichungen in anderen Bereichen gab), Bolivien, Ecuador oder Brasilien nutzen aber zunehmend eben auch die zweite Möglichkeit. Und die Ergebnisse nicht ja durchaus nicht nur negativ.
P.S.: Und auch bei Staatsbetrieben kann man ja noch einiges verändern, so wie das, wenn wir mal wieder auf Venezuela zurückkommen wollen, die Gelder von PVDSA stärker in den Staatshaushalt gehen.
… wo gab es in Brasilien unter Lula da Silva Verstaatlichungen?
@ Markus / 12. November 2010 at 17:40
“Kurz gegriffen” – jede auf Rohstoffexporten basierende Nation hat eine wichtigste Aufgabe: sich vom Boom und Bust Zyklus der Rohstoffe unabhängig zu machen. Dies schafft man durch Diversifizierung. Einen Dienstleistungssektor um den Rohstoffsektor herum aufzubauen kann per Definition kein Ersatz für Primär- und Sekundärwirtschaft sein.
@ carlos manoso / 12. November 2010 at 18:10
Meine “Leier” mag “trüb” sein, bedanke mich aber für dein Plazet im zweiten Absatz:
Venezuela nutzt derzeit nur etwa 4% des Landes für Landwirtschaft und benötigt substantielle Einfuhren von Nahrungsmitteln. 30% des Landes gelten als landwirtschaftlich nutzbar. Das sollte heißen, ich kann ohne teure Nationalisierungen expandieren, Landflucht eindämmen, etc.
Das ist korrekt. Nach ungefähr einem Jahrzehnt im Amt muss ich ihm daher ein Versagen konstatieren. Die mehr als erheblich angestiegene Mordrate ist dabei ein Fanal: vereinfacht bedeutet hohe Mordrate so etwas wie ein extremes Ungleichgewicht bei der Güterverteilung verbunden mit Hoffnungslosigkeit – oft haben sich hierbei Nebenstaatliche Organisationen herausgebildet, wie die besonders deutlich in Kolumbien und Mexiko ist. Ebenso ist das in Brasilien der Fall, wo die Favelas beispielsweise nicht unter der praktischen Kontrolle des Staates stehen; einige Regionen stehen unter der Tyrannei diverser Großgrundbesitzer und ein oder zwei Staaten befinden sich in praktischem Familieneigentum.
Wenn Venezuela heutzutage einen langjährigen Knebelvertrag über billige Öllieferungen nach China eingehen musste, vom Kapitalmarkt mit 12% Zinsen gegängelt wird, etc., etc., dann müssen wir ein Versagen der Regierung, sprich Hugo Chavez, konstatieren. Man muss ja auch Anerkennen, dass er all das in Boomzeiten der Haupteinnahmequelle des Landes erreicht hat.
Natürlich könnte man theoretisch erörtern, wo hervorragend ausgebildete Venezolaner arbeiten sollten, falls es solche gibt, oder geben werden wird: möglicherweise in Brasilien oder Chile. Manche werden sich wohl auch als Taxifahrer in Buenos Aires etablieren.
Hugo C. ist ein klassischer Fall von recht geringer Intelligenz, gepaart mit großem Selbstbewusstsein und Charisma – was ihn wohl mit bspw. GW Bush vergleichbar macht.
Ja, aber auch eben nicht durch einseitige Konzentration auf den Agrarsektor.
Wobei das in dem Zusammenhang mitberücksichtigt werden sollte.
http://incakolanews.blogspot.com/2010/11/economists-dumbasses-in-suits-part.html
Oder sie machen sowas:
http://unreasonableinstitute.org/tv/2010/global-summit-2010-guido-nunez-mujica-lavaamp/
Es gibt in einigen lateinamerikanischen Staaten bereits seit einigen Jahrzehnten wirklich gute Universitäten und (Privat-)schulen. Problem ist, dass an diesen herausragenden Einrichtungen nur eine kleine Minderheit ausgebildet wird.
@OAlexander
Offen gesagt, lieber O. Alexander, scheinen viele Urteile über „Hugo C.“ klassische Fälle von “recht geringer Intelligenz“ zu sein.
An der „Figur Hugo Chávez“ sollte erstmal die Ambivalenz auffallen. Es bleibt offen, ob der „revolutionäre Populismus“ von Hugo Chávez den revolutionären Transformationsprozess beschleunigt, oder ob Hugo Chávez am Ende im üblichen Caudillismo stecken bleibt. Einerseits ist der „Chavismo“ Voraussetzung des revolutionären Transformationsprozesses, andererseits Haupthindernis revolutionärer Veränderungen, die tatsächlich den einfachen Venezolanern und Venezolanerinnen zugute kommen.
Historisch wurden in Südamerika schon häufig Machttechniken wie Mobilisierung von oben, flankiert vom Einsatz klientelistischer Maßnahmen, untermalt von sozialrevolutionären Rhetoriken und Propagandamusiken heroischer revolutionärer Illusionen gezielt eingesetzt. So gesehen kann auch Hugo Chávez durchaus als Handpuppe der üblichen Kreise enden, möglicherweise wird Chaves es aber auch schaffen, dieselben auszuschalten und den revolutionären Tranformationsprozess unumkehrbar zu machen.
Die meisten langjährigen Verträge sind solche Knebelverträge, auch außerhalb der Ölbranche. Der Produzent bekommt Planungssicherheit, wird von erratischen Marktschwankungen unabhängiger, daher kann er einen deutlich unter dem Spotpreis liegenden Preis offerieren – und dabei dennoch Gewinne erzielen.
Wieso jedoch sind 12% Zins hier eine ‘Gängelung’? EU-Mitglied Griechenland, gestützt durch umfangreiche Rettungsschirme in mehrfacher Höhe des BSP, bezahlt grade um die 11%, und EU-Musterknabe Irland schreibt 8% Kupone. Mit solch einer bedingungslosen EZB- und FED-Rückendeckung dürfte Venezuela auf unter 5% effektiv kommen…
Du bringst da so einiges durcheinander. Die Renditen griechischer Staatsanleihen steigen zwischenzeitlich auf über 10%. Nur erzielen die EU abgesicherte Anleihen wesentlich geringere Renditen. Bei den 10%-Dingern gehts um bereits lange von Griechenland verkauften Papieren, die zwischen den Marktteilnehmern gehandelt werden.
Venezuela zahlt diese hohen Renditen tatsächlich auf dem Markt. Es ist noch ein wenig komplizierter. Man gibt diese in Dollar gezeichneten Anleihen für Pesos an Venezuelaner aus der alten und neuen Oberschicht aus. Für sehr hohe Renditen. Die Venezoelaner verkaufen diese Anleihen dann in den Vereinigten Staaten, um an Dollar zu gelangen. Die von den US-Amerikanischen Investoren mitgenommenen Renditen sind dabei sehr hoch.
Hier ein Vergleich von Renditen für Dollar-Staatsanleihen aus unterschiedlichen Ländern aus dem April 2010. In Klammern jeweils die Maturität der Anleihe:
Argentina 2012 7.02%
Argentina 2015 10.8%
Venezuela 2013 11.19%
Venezuela 2014 11.95%
PDVSA 2011 (zero coupon) 10.35%
PDVSA 2015 14.65%
Colombia 2012 1.58%
Colombia 2015 4.28%
Ukraine 2012 6.3%
Bulgaria 2015 3.9%
South Africa 2012 2.33%
Panama 2012 2.07%
Peru 2012 1.33%
Brazil 2012 1.2%
War dein Vater zufällig Kassenwart in einem SED Ortsverband? Hört sich so an.
Käufer von Rohstoffen versichern sich gegen das Risiko von Preisschwankungen bei Finanzinstituten. Nicht beim Rohstoff-Produzenten. Und da hätten die Chinesen ein vielfaches zahlen müssen als bei ihren guten Deals mit Venezuela.
Oder Du?? Das sei Dir aufgrund der späten Stunde verziehen! Fakt ist doch, daß sich die ‘Planwirtschaft’ Venezuelas auf dem freien Kapitalmarkt Geld beschaffen kann, während er für EU-Mitglieder Griechenland, Irland, Portugal und noch einige mehr defakto verschlossen bleibt. Trotz Rückendeckung durch die zwei größten Zentralbanken des Planeten!
Ich sehe erneut, daß Dein Fachgebiet weniger im Verständnis der Wirtschaft liegt, sondern beim sich winden und drehen wie ein Fisch auf dem Flachland. Die bei Lehman Bros. ‘abgesicherten’ Preisschwankungen haben sich nachhaltig ausgezahlt, und die Rohstoffbörsen haben in Deiner Welt offenbar auch keine Bedeutung. Doch wenn Du mir einen zehn- oder zwanzigjährigen Vertrag zur Versorgung eines Kraftwerks durch VEB Kommerzbank & Cons. vermitteln kannst, werde ich zukünftig Deine fehlenden Argumente ernster nehmen.
Griechenland, Portugal und Irland könnten sehr wohl Anleihen auf dem freien Kapitalmarkt platzieren, wenn sie bereit wären so hohe Renditen wie Venezuela zu bezahlen. Nur würden sie halt – ähnlich wie Venezuela jetzt – in eine Verschuldungsspirale geraten. Praktisch kein Staat kann auf Dauer 12% Renditen erwirtschaften, um die Kredite nachhaltig zurückzahlen zu können.
Nochmal: Kein Rohstoffproduzent schliesst 10 jährige Lieferverträge mit Preisbindung ab. Und dann noch zu sehr niedrigen Preisen, wo wir doch alle mit mittel- bis langfristig steigenden Ölpreisen wg. Peak Oil und der steigenden Nachfrage aus Schwellen- und Entwicklungsländern rechnen.
Der Grund für die deals aus Sicht Venezuelas lag darin, dass die venezoelanische Regierung dringend kurzfristig Mittel benötigte. Das geht aber auf Kosten der Zukunft. Über 10 Jahre muss man an China Erdöl deutlich unter dem Weltmarktpreis liefern.
Venezuelas Chavez ist nun wirklich nicht der cleverste Staatschef. Ich würde ihn zwar nicht pauschal als schlecht bezeichnen aber er konzentriert sich politisch wirklich zu sehr auf das Öl anstatt langfristige alternativen in der Wirtschaft aufzubauen. Insbesondere Bildung ist wichtig, kann man ja auf Kuba sehen, wo man den Sozialismus nur wegen den Investitionen in den Bildungssektor und damit verbundene höher qualifizierte Jobs wie Ärzte halten kann. Man mag vieles von den Castros sagen aber sie haben eine Menge geschafft wenn man es mit anderen Mittelamerikastaaten vergleicht. Gesundheit und Bildung für alle sind schon etwas. Ähnlich sollte man in Venezuela verfahren und auch Bolivien. Bildung ist langfristig die einzige Ressource. Öl und Gas sind endlich aber können gut zum Ausbau des Bildungssystems verwendet werden.
Ich weiss nicht, wie schlecht Chavez ist. Er macht aus den Ressourcen definitiv mehr als Saudi-Arabien, möglicherweise nicht genug, gemessen an den Möglichkeiten. Andererseits, die “bolivarianische” Regierung hat mehr zur Entwicklung der Infrastruktur geleistet als alle Regierungen davor. Darunter waren auch “Sozialdemokraten”, die 1989, von der Weltöffentlichkeit unbeachtet, ein paartausend Demonstranten massakriert haben.
Chavez mag nicht das Beste sein, was V. passieren konnte, das Schlechteste ist er aber definitiv nicht. Ich begrüsse im Übrigen jede sachliche Information über Venezuela, auch wenn sie von Lemmy oder Kepler kommt. Nur ist da ausser Hasstiraden leider nichts zu vermerken. Schade.
a^2
1958 hätte man Kuba mit Chile, Argentinien oder Brasilien verglichen. Kuba war das viertreichste Land von Lateinamerika & Karibik.
Heute halt mit Guatemala, Nikaragua oder Honduras.
In Goscinny, Uderzo, Asterix der Gallier gibts eine Sequenz, in der Miraculix gefangen im Römerlager vorgibt, Zaubertrank zu brauen. Ein römischer Legionär, der den Trank probiert, versucht erst einen gewaltigen Stein zu heben. Er schafft es nicht. Dann immer kleinere. Den vierten lächerlich kleinen Stin kann er dann hochheben. Mich erinnern diese Vergleiche Kubas mit Mittelamerika oder Haiti immer an diese Sequenz. Es riecht nach Kindheit. Ich möchte mich dafür bedanken.
Übrigens ist Chile voller kubanischer Ärzte. Es sind nicht die besten, aber durchaus solide.
Sag’s doch einfacher so: die massiv USA-gesponserten Militärdiktaturen der Länder Chile, Argentinien und Brasilien haben den Ländern gar gut getan, während der massive Wirtschaftskrieg gegen Kuba einfach seine Opfer forderte.
Ob das die Hunderttausende Verschleppten auch so sehen?
Man sollte auch sehen, dass der Lebensstandard in Lateinamerika vor über 30 Jahren unter dem lag, wo heute Afrika oder Südasien stehen. Unterernährung war auch in den “reicheren” lateinamerikanischen Ländern ziemlich verbreitet, ebenso Analphabetismus. Daher sind solche Schwanzvergleichereien völlig abstrus.
a^2
Ganz OT: Jens, kommt der TP-Artikel noch hier ins Blog?
Auch das ist nicht wahr.
Vor 30 Jahren war 1980. Zu der Zeit war der Lebensstandard etwa in Venezuela aber auch in anderen Ländern der Region vergleichsweise hoch. In Venezuela war damals der Anteil der Armen niedriger als heute. Danach kam ja erst das verlorene Jahrzehnt der Verschuldungskrise. Auch die 90er Jahre waren ausserhalb Chiles durch viele Krisen gekennzeichnet.
Der Euphorie über Washington Consensus artige Politiken folgten in Argentinien, Mexiko und in einem gewissen Masse auch Peru brutalste Krisen. Nur Chile ging unverletzt durch die Phase 1996 bis 2002.
Erst etwa 2002 setzte der aktuelle Wachstumszyklus wirklich ein, der ausser in Venezuela, Nikaragua und Kuba nur sehr kurzfristig von der internationalen Finanzkrise betroffen war.
Ich korrigiere mich: Gemeint war vor 50 Jahren, also grob um 1958/60, nicht vor 30 Jahren. Ich kenne sowohl Statistiken als auch literarische Beschreibungen des Lebens in Lateinamerika in den fünfziger Jahren, und meine Beschreibung ist korrekt. Den Menschen, vor allem der Unterschichten, der Pächter und der landlosen agrarischen Bevölkerung, ging es zu dieser Zeit beschissen.
Wenn man im Übrigen den HDI (von Einrichtung bis 2009) heranzieht, nicht das GDP per capita, dann steht Cuba nur kurz hinter Argentinien und Chile auf Platz 3 der lateinamerikanischen Länder (im HDR 2010 ist Cuba aus statistiktechnischen Gründen im HDI-Ranking nicht drin, aber die generelle Einschätzung hat sich, wie aus dem regionalen und Länderbericht zu ersehen, nicht geändert).
Dabei geht es mir nicht um naives Cuba-Lob, ich kenne das Land, und da gibt es Etliches, das nicht rund gelaufen ist und noch nicht rund läuft. Aber für die rechtsextremen antikommunistischen Hasstiraden, wie sie die Mafiosi in Miami oder hier im Forum ihr Lautsprecher Lemmy loslassen, ist da auch kein Anlass.
a^2
Hier sind die Gründe, warum Kuba aus dem HDI gefeuert wurde:
Auch dieser langjährige Selbstbetrug der “Linken” geht zu Ende:
Ich hoffe Aquadraht, dass dieser Text nun nicht deine Konzentrationsfähigkeit überfordert. Kuba erkennt den eigenen Selbstbetrug an und wollen nun selbst verlässliche PPP Daten erstellen.
Aus HDI 2010, S. 138.
The HDI uses internationally comparable data on gross national income (GNI) per capita from the World Bank (2010g). These data are expressed using a conversion factor that allows comparisons of prices across countries. This conversion, known as purchasing power parity (PPP), is necessary to take into account differences in the value of a dollar across countries.
Four countries have data on all HDI components except for GNI: Cuba, Iraq, Marshall Islands and Palau. For three of these countries (Cuba, Marshall Islands and Palau) this is due to the fact that they do not participate in the International Comparisons Program. Iraq lacks information about GNI for the last 10 years.
To illustrate the options and problems that arise in attempting to reliably estimate GNI per capita in PPP terms, Cuba is used as an example. One
well known approach to estimating GNI—used by the Center for International Comparisons of Production, Income and Prices at the University of Pennsylvania (Heston, Summers and Aten 2009)—is a regression that relies on data from the salaries of international civil servants converted at the official exchange rate. However, because the markets in which foreigners purchase goods and services tend to be separated from the rest of the economy, these data can be a weak guide to the prices citizens face in practice. The Center for International Comparisons of Production, Income and Prices recognizes this problem, rating its own estimate of Cuba’s GDP as a “D” (the lowest grade). An alternative estimate applies the exchange rate used in Cuba and the PPP conversion of an economy with similar attributes, but this method goes against the principle of using a country’s legally recognized exchange rate and prices to convert its national aggregates to an international currency. Another option is to not apply any PPP correction factor to the official exchange rate for convertible pesos. Both of these options yield far lower estimated income than the PPP correction does. The wide variation in income estimates arising from these different techniques indicates that no single robust method exists in the absence
of reliable data.
With the support of the United Nations, Cuba is currently revising and updating its international statistics in order to establish internationally
comparable data. We can thus be optimistic that in due time comparable GNI data will become available that will allow calculation of Cuba’s HDI.
The country’s achievements in the other dimensions of the HDI (education and health) are extensively discussed in this Report.
Lemmy: Mit dem Englisch hast Du es auch nicht so. Ich kann Dir den Passus aus dem HDR2010 gern übersetzen, da Du ihn offenbar nicht verstanden hast. Cuba nimmt nicht am ICP teil, weshalb die neue Systematik des HDR dort nicht einfach übertragen werden kann. Das ist eine Feststellung des UNDP, kein Vorwurf, und Cuba ist nirgends “rausgeflogen”. Vielmehr haben die Wissenschaftler verschiedene Möglichkeiten erwogen, die Daten anzupassen, und verworfen wie begründet, da es keine robuste und widerspruchsfreie Methode gibt, die verfügbaren Daten auf ICP-Standards umzurechnen. Stattdessen wird Cuba eben erst im nächsten Jahr wieder im HDI Ranking (nicht im HDR, da ist es drin) auftauchen, wenn die Vergleichbarkeit der Daten entsprechend der Methodologie hergestellt ist. Daran arbeiten Wissenschaftler aus Cuba und der UN zusammen.
Oder was hast Du an “The country’s achievements in the other dimensions of the HDI (education and health) are extensively discussed in this Report.” nicht verstehen wollen?
Deine Hasstiraden sind einfach nur dumm.
a^2
Aber wir sehen doch alle: Die Ergebnisse bei Gesundheit und Bildung sind ziemlich gut, beim BIP kann man das aber nicht sagen (und die wirklichen PPP-Daten werden wohl kaum höher als die vorher angegebenen sein).
Lieber Aquadrat,
früher hat man eine Methode angewandt, die zu überzogen positiven BIP PPP Ergebnissen führten, die in den kubanischen HDI flossen. Dies wird sich nun ändern.
Auch andere HDI Teilindikatoren wirken definitiv merkwürdig. So führt Kuba in der Einschreibung in tertiären Schulen. Lateinamerikanischer Durchschnitt ist 36,5%. Kuba erreicht 121,5% und ist damit deutlich Weltspitze ;-)
Jedem Dorf seine Universität und da werden halt auch die Leute eingeschrieben, die nicht im Universitätsalter sind.
Auf diese Weise und mit deutlich überzeichneten BIP PPP Daten erreichte Kuba in den letzten Jahren die positiven HDI Werte.
Ach ja. Und bei den heißblütigen Sudacas gibts also die Alternative zwischen dem kubanischen Modell und einer Militärdiktatur?
Brasilien, Argentinien, Uruguay, Chile sind nun seit langem gefestigte Demokratien mit friedlichen Übergängen der Macht von mitte-rechts nach mitte-links oder mitte-links nach mitte-rechts.
Ja, aber wenn du es zum Zeitpunkt der kubanischen Revolution betrachtest…
Doch, klar, so wie es ebenso noch eine Alternative jenseits Wirtschaftsliberalismus und Planwirtschaft gibt. (Nur will Niebel das nicht sehen.)
Ich stimme dir auch zu, dass Venezuela zu wenig für die Bildung tut.
Kuba sehe ich da aber auch aus zwei unterschiedlichen Richtungen:
Einerseits sind das kubanische Bildungs- und das Gesundheitssystem wirklich vorbildlich. Ich finde es auch richtig, dass der Staat gerade auf diese beiden Bereiche seinen Schwerpunkt gelegt hat. So kommt es, das Kuba trotz seiner ökonomisch relativ schwachen Position dennoch eine relativ hohe Lebensqualität für seine Bürger bietet (man siehe, wie erwähnt, etwa auch den HDI-Index).
Allerdings kann ein noch so gutes Bildungssystem dennoch nicht das bewirken, was es bewikren könnte, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen verweigert werden. Das Planwirtschaftssystem Kubas ist so dermaßen ineffizient und verkrustet, dass es riesige Potentiale des Landes sich nicht entfalten lässt.
Von den fehlenden Freiheiten in der Einparteiendiktatur gar nicht erst zu reden.
Da muss ich dich leider auch enttäuschen. Die HDI Werte Kubas sind deutlich überzeichnet. Beispielsweise geht in dem HDI Index ein, das in Kuba über 120% der Personen im entsprechenden Alter eine Universitätsausbildung erhalten. Das sind aber keine Universitäten wie wir sie kennen. Auch die in den HDI einfliessenden BIP PPP Daten galten als lange Zeit überzeichnet. In Kuba wird nun kontrolliert von der UN nach einer neuen Methode zur Berechnung der kubanischen Kaufkraftparitäten gearbeitet. In einem Land, das durch eine erstaunliche Vielzahl von unterschiedlich parallelen subventionierten Märkten durchzogen ist.
Sobald die neue Berechnungsmethode steht, wird sich Kuba an einem realistischeren Platz wiederfinden.
Relativ hohe Lebensqualität für die Bürger? Hast du dich mal in Kuba umgesehen?
Was genauso für andere Entwicklungsländer außer Kuba gilt. (Aber die Werte sind selbstverständlich nur bei Kuba überzeichnet….) Wenn du allgemein ein besseres Instrumentarium zur Messung der Bildungswerte hast, wird sich aber die UNO sicher freuen.
Das mit den PPP-Berechnungen hab ich ja gelesen und oben kommentiert.
Ich bezog mich hier auf das Bildungs- und Gesundheitssystem, die natürlich ihren Teil zu einer höheren Lebensqualität beitragen, auch wenn diese in vielen Bereichen, auch der Versorgungslage, natürlich nicht gut ist. Oder simplifizierter ausgedrückt: ohne das relativ gut Bildungs- und Gesundheitssystem ginge es den Kubanern noch dreckiger.
Lad dir mal den Report runter und schau dir Tabelle 13 an. Kuba gibt dort ein tertiary education ratio von 121,5% an. Zeig mir ein lateinamerikanisches Land mit einem offensichtlich unglaubwürdigen Wert…
Diese Zahlen beruhen auf “self-assesment”. Du solltest lernen, solche statistischen Daten mit einem gesunden kritischen Menschenverstand zu lesen. Ich nehm die überpositiven chilenischen Zahlen zur Senkung der Armut genau so wenig ernst wie den kubanischen HDI.
Kubanisches Bildungs- und Gesundheitssystem werden auch kritisiert. So gelb ist das nämlich auch nicht. Das Bildungssystem ist repressiv. Und die Kinder werden in der Ideologie des Castrismus indoktriniert.
Ich sehe da bei den “gross” Werten zu primary und secondary education bei vielen Ländern haufenweise Werte über 100. Bei tertiary ist leider kein net-Wert angegeben.
Ich werde morgen noch mal genauer in den Report schauen, aber könnte der Wert über 100 z.B. mit mehreren Studiengängen oder mit Studierenden außerhalb der Altersklasse zu tun haben?
Mit solchen Statistiken hab ich in meinem Studium schon genug zu tun. ;-) Ich werd mir mal genau ansehen, wo die jeweils die Zahlen herhaben. Aber auf den ersten Blick scheint es jedenfalls so, dass man da nicht bei absolut jedem Wert belibeig stark “betrügen” könnte.
Eben nicht – der Markt ist ihnen verschlossen. Komplett zu. Die Anleihen will einfach keiner haben, weil diese EU-Länder mittlerweile als bankrott gelten. Und selbst die kurzfristigen Anleihen nehmen ihnen nur die Zentralbanken ab. Genau deshalb müssen sie dieses gefährliche Spiel treiben und längerfristige, nun fällige Anleihen in kurzfristige umschulden. Mittlerweile wird für Irland ein Haarschnitt in Höhe von 15% erwartet. Und hier ist der Trend nicht your friend. Während sich Venezuela problemlos am Kapitalmarkt refinanzieren kann.
Nun ja, eher keiner, den Du kennst, doch sagt dies wiederum mehr über Deine Wirtschaftskompetenz als über die Absatzstrategien der Rohstoffkonzerne aus. So liegen beispielsweise Kurzfristverträge bei Cameco bei 3 bis 5 Jahren, während zwanzigjährige Lieferverträge mit festen Preisobergrenzen durchaus gang und gäbe sind und waren. Und dies ist durchaus typisch für Rohstofflieferungen an Kraftwerksgesellschaften, siehe auch Kohleliefervereinbarungen für die verschiedenen Kraftwerkstypen. Daß Du Deine drei Sack Grillkohle im Jahr zum Spotpreis beziehst, ist hierbei nicht von Bedeutung.
Venezuela verkauft jedoch Öl, wo der Markt etwas anders strukturiert ist als beim Uran. Allerdings fördert Venezuela wiederum eher die schwefelreiche, zähflüssige Variante, die nur für spezielle Anwendungsszenarien – wie beispielsweise für Kraftwerksverfeuerung oder Schiffsantriebe – geeignet ist. Daher ist auf Käuferseite eine gewisse Infrastruktur für eben dieses Produkt zu schaffen, welche einerseits eine verläßliche Kalkulationsgrundlage bedingt, und andererseits eine regelmäßige Belieferung sicherstellt. Dies sind ganz normale kaufmännische Vorgänge, die jeder Monopolkapitalist ähnlich gemacht hätte wie Deines Möchtegernerzfeindes Chavez Männer – vielleicht halt mit geringeren Erlösen für Venezuela und höheren Preisen für China, da die Mittelsmänner auch von was leben wollen.
Deiner Argumentationsweise nach zu schätzen, willst Du eher Kapitalist sein, oder etwa nicht? Ich rechne zwar ebenso mit stetig steigenden Preisen beim Rohöl, jedoch hat es der Markt oft an sich, die Mehrheitsmeinung der Teilnehmer schmerzhaft zu enttäuschen. Wenn die neue Große Depression 2.01 sich weiterhin so rapide ausbreitet, ist es durchaus möglich, daß wir bald wieder Rohöl zu zehn oder zwanzig Doller kriegen, einfach weil die Weltwirtschaft zusammenbricht. Und dann hätte Kamerado Hugo den Deal des Jahrhunderts gemacht. Was Dich wiederum wohl tagelang nicht ruhig schlafen ließe, wa?
Schneemann. Wenn sie den entsprechenden Preis bezahlen würden, könnten die PIGS-Länder auch ohne unsere Unterstützung Kredite erhalten. Das möchste aber keiner, weil zu hohe Renditen die Länder halt noch tiefer in die Schuldenfalle drängen würden.
Es ist für ein Land kein Beweis für eine glaubwürdige Wirtschaftspolitik, dass es 12% Zinsen pro Jahr für Schulden bezahlen muss. Wenn dus mir nicht glaubts, lass es dir von Jens Berger erklären. Chile hat für eigene Anleihen gegenüber internationalen Spekulanten eine Rendite von 3,85% durchgesetzt. http://www.reuters.com/article/idUSN2911120120100729
Bei deinem Verständnis für Finanzfragen, würd ich dir dringend empfehlen, dass deine Frau, Freundin, Mutter oder Oma deine Privatfinanzen übernimmt!!! Mann. Mann. Mann. 12% Zinsen im Jahr ist eine ganz dolle Sache.
Deine Phantasie ist sehr blühend… Es gibt in der Karibik, in Venezuela und in den USA eine Menge Raffinerien, die aus dem schweren Erdöl Benzin machen können. Zum Teil gehörten und gehören sie noch der PVDSA-Tochter CITGO.
Frage an die Südamerika-Experten hier: Wie ist das einzuschätzen?
http://hinter-den-schlagzeilen.de/2010/11/15/enteignungswelle-in-venezuela/
Der dem zugrundeliegende Artikel des Zentralorgans jedgweger Art von Terrorismusunterstützung (Junge Welt) sagt es doch ganz deutlich im letzten Abschnitt.
Ich bin kein Südamerika-Experte. Allenfalls ein Sozialismus/Kommunismus Experte und das ist ja wirklich überhaupt keine Kunst.
Die zinnsoldatischen Jubelperser werden darauf vorbereitet, dass dieses Regime irgendwann bald sehr hart landen wird. Erklärt wird das dann durch die nebulöse Übernahme der hegemonialen Kontrolle durch die Kleinbourgeoisie und der Mittelschicht. Dabei war die bolibananische Revolution die ganze Zeit so beknackt wie jetzt. Jetzt gehen halt nur die Mittel aus.
Wenn du Schwierigkeiten hast, diese Nachricht zu entschlüsseln, vielleicht ist das ein wenig klarer:
http://devilsexcrement.com/2010/11/14/will-someone-ever-tell-chavez-he-is-out-of-touch-with-reality/
Nachdem ich diesen Artikel nun zum zweiten Mal gelesen habe und zwei Kommentare abgegeben habe muss ich ein paar Worte schreiben.
Dieser Artikel wurde aus rein deutscher Sichtweise geschrieben, ohne ein Idee über die Verhältnisse in LATAM zu haben. Warum muss man immer denken, dass sich politisch, wirtschaftlich etc. so wie in Europa entwickeln muss? Durch welchen Schrecken ist Europa in den letzten 500 Jahren gegangen bis man endlich nach 1945 zur Besinnung gekommen ist?
In wirtschaftlicher Hinsicht ist die gesamte Region (außer Brasilien) im Moment gar nicht so interessant. Viel zu viel politische Analyse über die Reise von Herrn Niebel. Diese Art der Berichterstattung hat mich schon vor 20 Jahren in Deutschland geärgert. Die Verherrlichung der “Freiheitskämpfer” … wie in einem oben gelesenen Kommentar. Was ist rechts und was ist links … diese Grenzen verschwimmen in den meisten Ländern dieses Kontinentes.
Die Kommentare über Kolumbien sind einfach nur aus Zeitungen zusammengesetzt, dass sie nun gar nicht in den Zusammenhang passen. Kolumbien hat 15 schwierige Jahre hinter sich … im Grunde genommen lebt es seit 1947 in einem internen politischen Konflikt. Seit 5 Jahren ist dieses Land jedoch ein Beispiel wie es in der Region weitergehen könnte. Kolumbien ist ein Beispiel für ein modernes Land in LATAM. Viele Firmen investieren in Land und Infrastruktur. Woher hast Du die Information über “unhaltbare” Arbeitsverhältnisse in Kolumbien? Sicherlich, dass Land noch nicht auf europ. Niveau angekommen, aber wusstest Du, dass Kolumbien, ein ausgezeichnetes Bildungssystem besitzt? Viele internationale Firmen suchen kolumbianische Mitarbeiter. Überall in LATAM trifft man auf erfolgreiche Kolumbianer.
Honduras – da solltest Du auch die Umstände richtig beschreiben. Der ex Praesident wollte (a la Chavez) mal schnell die Verfassung ändern, um sich noch einmal für 4 Jahre wählen zu lassen. Der Senat hat sich ganz klar gegen diesen Schritt in einer demokratischen Abstimmung dagegen entschieden. (ihn dann einfach aus dem Land zu schmeißen, war sicherlich nicht der nächste demokratische Schritt – ABER man hat somit einen event. Buergerkrieg verhindert). Von Guatemala bis Panama gab es Zustimmung für das Bekenntnis zur Demokratie in Honduras.
Du nimmst die Bedeutung Deutschlands in dieser Region einfach viel zu Ernst. Hier sind Beziehungen zu den USA und inzwischen auch zu China sehr viel wichtiger als nach Deutschland. Positiv sind die bereits entstanden regionalen Handelsabkommen, und wie diese Woche veröffentlicht wurde, neue Gespräche ueber ein Abkommen zwischen Mexico und Brasilien.
In LATAM ticken die Uhren anders und bitte überdenke die “Robin Hood” Mentalität bzgl der Opposition. Die Bezeichnung Opposition hat hier eine andere Bedeutung. Man kann rechts und links nicht so deutlich unterscheiden und die Korruption geht durch den groessten Teil der Gesellschaften. Die positiven Signale kommen zur Zeit aus Kolumbien, Chile, Costa Rica und event. noch aus Brasilien.
Persönlich empfehle ich Dir eine 2 woechige Reise durch Kolumbien. Wunderbares Land, wunderbare Menschen …
Richtig erkannt, es ging in erster Linie um die deutsche Politik in Lateiamerika. Das war Hauptanliegen des Artikels. Und der Focus war auch in der Tat die Reise von Herrn Niebel.
Eben deshalb plädiere ich dafür, die Vielfältigkeit von Entwicklungspfaden zu respektieren und nicht nur die zu unterstützen, die dem (neo-)liberalen Modell folgen.
Hab ich doch verlinkt. Und siehe da die weitergehenden Verweise.
Und was hat das mit den Arbeitsbedingungen zu tun?
Zu Honduras:
Du solltest auch nicht verschweigen, dass die Elite des landes wegen der sozialpolitischen Pläne oder wegen ALBA sehr gegen den Präsidenten aufgebracht war. Und er wollte nicht “mal schnell die Verfassung ändern”, er wollte ein Referendum dazu. Das mag vielleicht aus Sicht der Verfassung problematisch gewesen sein, der Militärputsch war aber nicht nur “nicht der nächste demokratische Schritt”, er war definitiv illegal. Rechtfertigt eine formale Frage Tote und Verschleppungen, rechtfertigt dies einen Staatsstreich? Und das als “Bekenntnis zur Demokratie”? Bitte?
Das stimmt. War aber nicht Thema des Artikels.
Les bitte mal was inzwischen selbst Chávez Sympatisanten über die ALBA zu sagen haben.
Der Kaiser ist nackt mein kleiner Freund.
http://alainet.org/active/42182&lang=es
Eric Toussaint:
Und was soll mir das jetzt sagen bzw. inwiefern widerspricht es der Aussage?