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  • Faschismus in der Bundesrepublik?

    geschrieben am 27. November 2010 von Spiegelfechter

    ein Gastartikel von Holdger Platta

    Einige Überlegungen zum Thema „Vergleichen/Gleichsetzen“ von Drittem Reich und Bundesrepublik sowie zu den Konsequenzen daraus

    Ja, ich weiß: es ist nicht unproblematisch, Verhältnisse und Vorgänge in der BRD so ohne weiteres mit denen im Dritten Reich zu vergleichen. Aber: Wenn wir prinzipiell Vergleiche zwischen BRD und Drittem Reich zurückweisen müßten, weil dieses Vergleichen unausweichlicherweise und prinzipiell Verharmlosung des Dritten Reiches implizieren würde, dann stünden wir vor einem für uns sehr problematischen Zusammenhang:
    Das Dritte Reich schützte gleichsam total die BRD vor jeder ernsthaften grundlegenden Kritik (= immer dort und immer dann, wo und wenn sich die Verhältnisse in der BRD den Verhältnissen im Dritten Reich anzunähern, zu ähneln oder zu gleichen beginnen). In Kürzestform also:

    Je mehr Ähnlichkeit undsoweiter., desto mehr Verweigerung, diese Ähnlichkeit konstatieren zu dürfen.

    Anders gesagt: Prinzipiell ließe sich deshalb – bezüglich des Dritten Reiches – aus der Geschichte für die BRD nichts lernen! Die furchtbare Einmaligkeit des Dritten Reiches mit dessen Verbrechen machte die Bundesrepublik Deutschland zum Tabu, und zwar genau immer dann, wenn es darum geht, Faschismus-Gefahren auch heute zu erkennen und beim Namen zu nennen. Was, noch anders akzentuiert, bedeutet:

    Der gutgemeinte Impuls, bei diesen Beurteilungen der BRD das Dritte Reich vor dessen Bagatellisierung zu schützen, dieser Beweggrund führte zu dem potentiell lebensgefährlichen Resultat, die Faschismus-Gefahren, die womöglich innerhalb der BRD lauern, zu bagatellisieren. Die Bagatellisierungsangst gegenüber der deutschen Vergangenheit führte zu einem Bagatellisierungszwang gegenüber der Gegenwart. Wir „beerdigten“ gleichsam unseren Antifaschismus in der Vergangenheit. Das Unmaß der Verbrechen im Dritten Reich schlüge zum Vorteil jeder Gegenwart aus, welche dieser Vergangenheit sich anzunähern, zu ähneln oder zu gleichen beginnt.

    Nun räume ich ein: das, was ich bislang geäußert habe, mag der Logik nach richtig sein. Aber es scheint mir erforderlich zu sein, auch noch etwas anderes hinzuzufügen, nämlich etwas zur Psychologie dieser Prozesse:

    Auf emotionaler Ebene trifft nämlich mit Sicherheit zu, daß Äußerungen über die BRD, sie begänne – in bestimmten Bereichen, bei bestimmten Ereignissen usw. -, dem Dritten Reich zu ähneln, selbstverständlich auch von starken Affekten bei uns hervorgerufen werden, von Empfindungen, die womöglich nach außen hin oft weniger wie Besorgnis wirken, sondern vielmehr als Ausleben unserer eigenen aggressiven Impulse. Das Schlagwort „Faschismus“ wirkt deshalb – so es auf die BRD bezogen wird – sehr schnell auch wie eine Totschlagsvokabel. An Martin Walsers völlig indiskutable „Auschwitzkeule“ muß man dabei gar nicht erst denken.

    Deshalb tun wir gut daran, diesen Eindruck, daß da bei unseren entsprechenden Äußerungen auch starke negative Emotionen eine Rolle spielen, nicht einfach mit Hinweis auf die oben kurz skizzierte Logik wegzuargumentieren. Das Nämliche gilt aber auch umgekehrt: ebensowenig sollten wir die von mir oben skizzierte Logik wegpsychologisieren! Und zu Logik wie Psychologie deshalb noch ein paar weitere Bemerkungen:

    Zur Logik bzw. zur intellektuellen Dimension:

    1. Logischerweise kann man nur Vergleichbares miteinander vergleichen – zum Beispiel Anfangsphänomene des Faschismus seinerzeit mit Anfangsphänomenen des Faschismus heute, faschistische Sprache damals mit faschistische Sprache heute undsoweiter undsofort.

    2. Realistischerweise sollte man davon ausgehen, daß Faschismus heute durchaus in ganz anderen Erscheinungsformen auftreten könnte als damals: was damals die SA-Uniform war, kann heute durchaus der Nadelstreifenanzug eines Wolfgang Clement sein; was damals Euthanasieprogramm für ganze Bevölkerungsgruppen war, das ist dann heute eben der „Masterplan für Massenmord“, wie er von den Chemnitzer ‚Wissenschaftlern’ als Gutachten zum Existenzminimum der Erwerbslosen vorgelegt worden ist.

    Zur affektiven – oft unbewußten – Dimension:

    3. Auf emotionaler Ebene wäre stets der Besorgnis-Charakter unserer Überlegungen zu betonen, auch die grundsätzlich ethische Grundorientierung dieser Kritik (Stichwort „Menschenrechte“). Formulierungen, die ausschließlich oder überwiegend der Befriedigung eigener – im übrigen verständlicher! – aggressiver Bedürfnisse dienen, sollten zumindest auf deren Erforderlichkeit hin überprüft werden, und sie sollten – bei gegebener Erforderlichkeit – von uns selber ganz ausdrücklich beim Namen genannt werden. Meine Begründung: einen Clement wegen dessen „Parasiten-Kampagne“ auch affektiv aufs heftigste abzulehnen, wirkt nur dann, unter dieser Prämisse ihrer Benennung, – im doppelten Sinne des Wortes – nicht mehr im Sinne der Beeinträchtigung unseres Urteils über ihn. Anders: wenn wir imstande sind, diesen Zorn, etwa auf Clement, auch expressis verbis mitzuteilen (und vorher noch: bei uns selber diesen Zorn wahrzunehmen), mindert das zumindest die Gefahr einer – emotionalen und kognitiven – Abwehr unserer Analysen. Denn wir dokumentierten mit dieser Benennung auf klarste Weise: wir bleiben imstande, zu uns selber in Distanz zu treten, trotz und gerade angesichts unserer Emotionalität.

    4. Daß dennoch unsere Analyse – in Sache wie Sprache – auf Abwehr stoßen wird, liegt auf der Hand: wir bedrohen damit eine – im Grunde ja sehr positive – Identifizierung vieler Menschen mit der BRD. Und die Erkenntnis, daß eine bestimmte Identifizierung sozusagen überholt ist, weil dasjenige, mit dem sich diese Menschen positiv identifizieren, tatsächlich so positiv nicht mehr ist, diese beunruhigende Einsicht schmerzt! Kurz: wer sich in Gebiete der Abwehr begibt, darf sich über entsprechende Abwehr nicht wundern.

    Vor allem zu Abwehrmechanismen wie Abspaltung, Projektion und Sündenbocksuche wird dann überwiegend gegriffen: wir, die Boten der schlimmen Nachrichten, sind schuld, nicht die Geschehnisse sind es; wir, die Analytiker der faschistischen Aggressionen, die in „Parasiten-Kampagnen“ und „Masterplänen zum Massenmord“ stecken, sind dann, dank projektiver Verschiebung, die Aggressoren, nicht die Urheber dieser Nachrichten sind es; wir, die ihre Angst und Besorgnisse äußern und zu äußern vermögen, sind dann diejenigen, die bei unseren Adressaten auf dem Wege der Abspaltung Angst auslösen dürften, nicht die Betreiber einer allmählichen Faschisierung der BRD lösen diese Angst aus. Und nicht zuletzt:

    5. Wir stellen die anderen Menschen – unsere LeserInnen und/oder ZuhörerInnen – mit unseren Analysen vor eine überaus furchteinflößende Entscheidungssituation: auch sie ‚müssen’ sich nun – so empfinden sie das – irgendwie zu irgendwas entschließen angesichts dieser beängstigenden Nachrichten, die wir ihnen ungefragterweise ins Haus geschickt haben. Leicht wirkt da unsere Nachricht auf die Betreffenden wie ein Schuldvorwurf, deshalb nämlich, weil die Betreffenden – unbewußt zumeist – auch ihrerseits nun unausweichlich Schuld empfinden, zum Beispiel, diese Veränderungen nicht bemerkt und nichts dagegen unternommen zu haben. Schnell stoßen damit aber viele unsere AdressatInnen, aufgrund unserer Mitteilungen, an ihre eigenen Grenzen: weder emotional noch kognitiv sehen sie sich dieser Herausforderung, vor die sie unverhofft gestellt sind, gewachsen. Kurz: je furchtsamer, je ich-schwächer der Betreffende ist, der unsere ‚Nachrichten’ erhält, desto näher liegt für ihn die Befreiung von diesen latenten Insuffizienzgefühlen darin, uns ‚Übertreibung’ vorzuwerfen oder ‚Unsachlichkeit’, uns ‚Aggressivität’ zu unterstellen oder ‚Befangenheit’. Kurz: der Betreffende schützt mit seiner Verteidigung der BRD, sie sei das alles nicht, was wir ihr zuschreiben, in Wahrheit vor allem sich selber. Wie damit umgehen?

    Auch hier fällt mir zur Stunde nur das Folgende ein: genau dieses ansprechen und aussprechen. Also: diese inneren – zumeist seelischen und zumeist unbewußten – Prozesse aus dem Dunkel der Unbewußtheit befreien und ans Licht holen, damit die Betreffenden und wir das geschilderte Abwehrgeschehen gemeinsam bearbeiten können: sie, die Empfänger der Nachrichten, und wir, deren Überbringer. Eine Utopie, an deren Realisierung wir uns konsequent machen sollten – im eigenen Interesse und im Interesse der anderen Menschen. Meines Erachtens führt kein Weg vorbei an dieser Aufklärung der skizzierten Vorgänge innerseelischer und intellektueller Art.

    Holdger Platta

    Fortsetzung folgt Montag

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    182 Kommentare:

    1. Dierk schrieb am 27. November 2010 um 10:04 - Permalink

      Ich wage einfach mal, deinem ersten Punkt zu widersprechen. Das soll nicht heißen, dass es nicht auch schiefe Vergleiche gäbe, die aufgrund unterschiedlicher Kategorien der verglichenen Gegenstände entstehen. Wir müssen uns aber einmal die Frage stellen, woher wir denn überhaupt wissen, dass 2 Phänomene nicht miteinander vergleichbar sein sollen.

      Vollkommen richtig hast du ja im Anreißer des Artikels ‘vergleichen’ und ‘gleichsetzen’ aufgeführt, leider dann im Text nicht mehr aufgegriffen; so erweckst du den Eindruck, die beiden Wörter bedeuteten dasselbe. Nein, genau das tun sie nicht. Vergleiche ich – akademisches Beispiel! – Mathias Döpfner mit Alfred Hugenberg, versuche ich zu sehen, wo es Ähnlichkeiten, Gleiches und Verschiedenes gibt. Ich habe dabei keine vorgefasste Meinung, wie der Vergleich auszugehen hat. Habe ich eine solche Meinung, vergleiche ich nicht mehr, ich setze gleich, und zwar gänzlich unabhängig von tatsächlichen Ähnlichkeiten.

      Der Volksmund hat den selten dämlichen Spruch ‘da vergleichst du Äpfel mit Birnen’. Ja, bitte, was denn sonst, natürlich vergleiche ich Äpfel und Birnen, weil ich wissen möchte, woran ich sie unterscheide. Ganz alltäglich: wenn ich eine Entscheidung treffen muss, ob ich einen Apfel oder eine Birne esse, muss ich selbstverständlich erst einmal wissen, wodurch sie sich unterscheiden. Und dafür vergleiche ich sie, nach Form, Farbe, Verfügbarkeit, Geschmack etc.

      Die Studienfächer Geschichte und Politik [dort wo sie mehr als Spökenkiekerei ist auch die VWL] leben geradezu davon, vergangene Abläufe mit der Gegenwart zu vergleichen, täten sie dies nicht, vergrüben sie sich in der nachträglichen Analyse, hätten sie keinerlei Bedeutung. Sie wären Beschäftigungstherapie, Hobby, Elfenbeinturm in seiner schlimmsten Bedeutung.

      Natürlich müssen wir vergleichen, auch und gerade die unangenehmeren Phänomene der Vergangenheit mit unserer oft bequemen Gegenwart. Was das 3. Reich speziell angeht, scheint es bis heute durchaus kein Konsens zu sein, dass der Gang von der Demokratie zur Diktatur ein langsamer war. Die Gesellschaft änderte sich zwischen 1927 und 1937 Schritt für Schritt; es war eben nicht so, wie gerne geglaubt wird, dass eine Handvoll Verbrecher über Nacht die Macht an sich gerissen hatten und sofort mit Unterdrückung anfing.

      Es sollte keine Neuigkeit sein, dass selbst die übelsten Mörder sowie die Machthaber des 3. Reichs keine Monster aus Lovecraftschen Paralleldimensionen waren, sondern Nachbarn und Kleinbürger. Vergleichen wir nicht, erkennen wir auch nicht, wo wir heute besser dastehen. Oder wo wir uns auf eine gefährlich rutschige Schräge begeben.

      • gerdos schrieb am 27. November 2010 um 10:51 - Permalink

        Stimme voll zu. Vergleichen heisst noch lange nicht “gleichsetzen” sondern mündet häufig in der Differenzierung.

      • Holdger Platta schrieb am 27. November 2010 um 11:25 - Permalink

        Lieber Dierk,

        ich stimme Dir ganz ausdrücklich zu: es gibt kaum einen blöderen Spruch im deutschen Volksmund wie den mit den Äpfeln und Birnen, die man nicht miteinander vergleichen könne. Natürlich kann man das, beides ist Obst, man kann sie miteinander vergleichen im Nährwert, im Geschmack, Aussehen undsoweiterundsofort.

        Ausdrücklich auch Zustimmung, daß “Vergleichen” und “Gleichsetzen” durchaus voneinander zu unterscheiden sind.

        Was Punkt eins angeht (sorry, wenn ich jetzt mal lateinisch komme): es muß das “Tertium comparationis” gegeben sein – das gemeinsame Dritte, das beides, was miteinander verglichen wird, überhaupt vergleichbar macht (bei den “Apfeln” und “Birnen” die gemeinsame Eigenschaft “Obst”). Beethovens Neunte Sinfonie, schätze ich mal, kann man deswegen nicht mit einer Birne vergleichen, weil eben dieses gemeinsame Dritte als Eigenschaft fehlt.

        Was Punkt zwei betrifft: da gibt es einen gleitenden Übergang vom “Vergleichen” zum “Gleichsetzen” (der durchaus umstritten sein kann): wenn Resultat des Vergleichens mehr oder minder Feststellung der Gleichheit ist, dann ist eben auch die Gleichsetzung fällig. das “mehr oder minder” ist dabei der umstrittene Punkt. “Ab wann” – so könnte in unserem Zusammenhang die Frage lauten – “müssen wir bei Prozessen, Geschehnissen, Äußerungen heute von Faschismus sprechen, ab wann ist dieses noch nicht zulässig?”.

        Es wird zu diesem Thema noch einen zweiten Teil geben, der bei Jens bereits auf dem Tisch liegt bzw. in seinem PC gespeichert ist. Nicht alles, was Du angesprochen hast, wird dieser zweite Teil beantworten, aber manches.

        Bei diesem ersten Beitrag kam es mir darauf an, vor allem die – oft unbewußt bleibende – “Psychologie” zur Sprache zu bringen, die manche hindert, sich überhaupt auf dieses “Vergleichen” von Bundesrepublik und Faschismus einzulassen. Es sind ja, wie ich hoffentlich plausibel/nachvollziehbar dargelegt habe, auch sehr, sehr ehrenwerte Motive darunter. Doch gleichwohl kann das Resultat daraus fatal sein. Wieder einmal bekämen wir die “Anfänge” eines Faschismus nicht mit (sind es nur noch “Anfänge”?), wieder einmal könnte es unversehens zu spät sein, sich dagegen aufzulehnen.

        Was Du schreibst – und eigentlich alle anderen auch, ich nenne hier nur mal stellvertretend unseren “landbewohner” -, ist geeignet, auf differenzierende Weise voranzutreiben, was ich (nicht als einziger, klar doch) aufzubrechen versuche: das, was für manche immer noch ein Tabu ist (hier stimmt mal das Wort!) – daß diese Demokratie, bei aller Gewaltenteilung, bei allen Strukturunterschieden undundund, in Teilbereichen Phänomene zu produzieren beginnt, die dem Faschismus zu ähneln oder sogar zu gleichen beginnen. Ihrem “Wesen” nach ohnehin, nicht selten aber sogar in ihren äußerlichen “Erscheinungsformen”. Aussagen wie die von Clement – sein “Parasitenvergleich” (der ganz ausdrücklich, der eigenen Nachbegründung zufolge, auch eine “Gleichsetzung” war!) – sowie die von Müntefering “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” – gehören für mich im “Wesen” wie “äußerlich” zu diesen Faschismus-Phänomenen heute. Ich denke, mein zweiter Beitrag zu dieser Thematik wird das verständlicher machen.

        • Stefan K. schrieb am 27. November 2010 um 13:17 - Permalink

          Beethovens Neunte Sinfonie, schätze ich mal,..

          Kann man auch vergleichen – z.B. auf der Ebene wie die Sinne angesprochen werden – in welchem Kontext es welche Auswirkungen hat und wie es den Stoffwechsel beeinflusst).

          • e schrieb am 27. November 2010 um 20:35 - Permalink

            ist in meinen augen eine grundsatzfrage:
            zwar schmeckt eine reife birne nur, und sondert keine töne aus, dennoch kann sie ebenso köstlich oder unverdaulich sein wie musik ( in meinen ohren )

            mfg,
            e

          • Daniel schrieb am 27. November 2010 um 22:53 - Permalink

            Wenn Bach Brot ist, dann ist Beethoven die Torte.

            ;-)

            • groo schrieb am 28. November 2010 um 21:32 - Permalink

              kleine Anmerkung, wie ‘Sprache’/'Vergleich’ funktioniert:

              Das meiste was wir ausdrücken, sind Analogien und Metaphern, und beziehen sich auf Dinge oder Vorstellungen.

              Jeder ‘Begriff’ ist ein Bündel von Attributen.
              Man kann ihn quasi restlos in seine Attribute zerlegen.

              Insofern kann ich jederzeit ‘Äpfel’ mit ‘Birnen’ vergleichen.
              Sie haben mehr gemeinsam, als was sie trennt.
              Apfel {Obst, Schale, Kern, Fruchtfleisch …}

              Vergleiche akzeptieren wir als zulässig, wenn die Menge an gemeinsamen Attributen im Vergleich du einem Dritten -IM KONTEXT- grösser ist als zu diesem.

              OK?
              Es geht also um eine Differenz!

              Haben wir einen Korb voller Äpfel mit einer Birne drin, kann man sofort sehen, wie Kontext – Differenz und Attributebündel funktionieren.

              Unser Wahrnehmungsapparat fährt sofort den Differenz-Aspekt hoch!
              “NUR in der Nacht sind alle Katzen schwarz.”

              Das eben Gesagte ist selbst eine Metapher, die aus lauter Analogien besteht.

              Was ein zulässiger Vergleich ist, ist eine diffizile Sache, und hängt vom vereinbarten Kontext ab.

              Sorry, wenn das zu klugscheisserisch klingt.
              (Habe ich übrigens nicht gelernt oder irgendwo abgeschrieben.
              Bin kein Sprachphilosoph, oder sonstwie einschlägig -ähem- vorbelastet. Nur x Jahre Anstrengung, herauszufinden, was in diesem merkwürdigen/bescheuerten Universum eigentlich vor sich geht ;)
              Man muss nur die Quellen von den ‘Guten’ -zB Frege, Peirce- lesen, dann merkt man das.
              Wittgenstein war kein Systematiker, sondern nur genialischer ‘Anwender’.
              Was ihm dann später selber mulmig wurde. Ist aber nur meine Privatmeinung, und die Wittgensteinianer gehen mir da sicher an den Hals.)

            • Daniel schrieb am 29. November 2010 um 03:32 - Permalink

              @groo, 28.11. 21:32

              Danke für die Anmerkung. Ich verstehe sie als Mahnung vor Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht, ok?

        • Arbo schrieb am 27. November 2010 um 18:05 - Permalink

          wie die von Clement – sein “Parasitenvergleich” (der ganz ausdrücklich, der eigenen Nachbegründung zufolge, auch eine “Gleichsetzung” war!) – sowie die von Müntefering “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” – gehören für mich im “Wesen” wie “äußerlich” zu diesen Faschismus-Phänomenen heute.

          Zwei kleine Einwände bzw. Hinweise.

          Erstens: Beim Begriff “Faschismus” habe ich ehrlich gesagt den Eindruck, dass der zu beliebig – zu schwammig – ist. Die Beispiele, die Du nennst, lassen sich gemäß der neuen FES-Studie als Sozialdarwinismus interpretieren (was aber auch kein unstrittiger Begriff ist). In “Deutsche Zustände: Folge 6″ tauchen solche Einstellungen u.a. als “Abwertung von Langzeitarbeitslosen”, “Etabliertenvorrechte” sowie “ökonomistische Einstellungen” auf. Zudem habe ich den Eindruck, wenn mensch sich die Sozialstaatsgeschichte der BRD anschaut, sind solche Abwertungen mindestens schon 1975 vom sozialdemokratischen Arbeitsminister Walter Arendt zu hören: Der sprach von sozialem Wildwuchs und Leistungsmissbrauch. Hinzu gesellt sich Kohls “kollektiver Freizeitpark” und Schröders Hinweis, dass es in “unserer” Gesellschaft keinen Platz für Faule gibt.

          Zweitens: Clement hat den Menschen ausdrücklich nicht (!!!) mit Parasiten gleichgesetzt. Was er tat, war weit schlimmer …

          Biologen verwenden für ‘Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben’, übereinstimmend die Bezeichnung ‘Parasiten’. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen. Schließlich ist Sozialbetrug nicht durch die Natur bestimmt, sondern vom Willen des Einzelnen gesteuert.

          (Quelle: BMWA 2005*, Hervorhebungen von mir)

          … er wertete die Menschen noch weiter ab. Im Klartext: Der “Sozialschmarotzer” ist noch viel verachtenswerter als der tierische Parasit; Der Parasit kann nicht anders, wohingegen der Sozialbetrüger nicht anders will.

          Clement hier Gleichsetzung nachzusagen, ist eine glatte Verharmlosung seiner ausgrenzenden Aussage.

          Arbo

          *BMWA 2005, “Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‘Abzocke’ und Selbstbedienung im Sozialstaat”, http://www.bmas.de/portal/1914/property=pdf./report__leistungsmissbrauch.pdf

        • COPOKA schrieb am 28. November 2010 um 00:49 - Permalink

          Was mir bei dem Vergleich gefehlt hat, oder, genauer gesagt, was mich bei der Anregung gestört hat, ist die Fixierung auf Deutschland bzw. 3. Reich. Einerseits ist es verständlich und darf keinesfalls ausgespart werden, aber auch vor 80 Jahren war Faschismus beileibe kein lokales oder nationales Phänomen. Ja, der 3. Reich ist sozusagen ein Musterknabe unter Faschisten gewesen, aber gewisse Totalitarisierung gesellschaftlicher Verhältnisse war ein globales Phänomen gewesen und ist im Übrigen mit Niedergang des 3. Reiches nicht spurlos verschwunden. Manche EU-Länder hielten die Fahne bis zu 70-rn hoch. Auch s.g. sozialistische Staaten sind davon nicht verschont geblieben – di e30-gern bieten Leuten in Russland immernoch sehr viel Diskussionsstoff.
          Ich glaube nicht, dass Diskussion darüber ertragreich wird, wenn man sich alleine auf D beschränkt. Also wenn schon vergleichen, dann richtig.
          Im Übrigen bezeichne ich das übergeordnete Phänomen als Finanz- oder Kommerztotalitarismus, u.z. als ein globales Phänomen.
          Ich weiß, man wird mich darauf hinweisen wollen, dass es schlicht und ergreifend um Kapitalismus handle. Aber mir geht’s dabei nicht so um wirtschaftlich-ökonomische Ordnung und Besitzverhältnisse wie um die vorherrschende Ideologie. Da bin ich nicht ganz bei Marx, was die Kausalitäten anbetrifft.

    2. Heldentasse schrieb am 27. November 2010 um 10:08 - Permalink

      Mir gefällt der Artikel, den er stellt wichtige Fragen. Allerdings empfinde ich den Vergleich BRD – Drittes Reich – ohne die gemachten Einlassungen – als geeignet das Anliegen in die falsche Richtung zu lenken, denn formal besteht ja zwischen diesen beiden Staaten ein gewaltiger Unterschied.

      Wenn man allerdings davon ausgeht das Demokratie gelebt werden muss, und faschistoide Tendenzen wesentlich auch von demokratischen Fehlentwicklungen “genährt” werden – diese werden ja auch beschrieben – sollte man fragen woraus der Nährboden genau besteht.

      Für mein Empfinden gibt es da erst ein mal die Kristallisationskeime wie z.B. Clement, Sarazin usw., sowie eine “gesättigte” Lösung voll mit inhumanen Gedankengut in einem großen(?) Teil der Bevölkerung. Nur wenn beides kommt zusammen kommt, kann der Faschismus wachsen. Da man Leute wie die oben genannten Herren nicht verbieten kann, ist IMO die wichtigere Frage warum haben wir trotz einer demokratischen Verfassung, (relativen) Wohlstand und der wohl schlimmsten näheren Vergangenheit aller Völker immer noch Potential den gleichen Fehler wie 1933 zu wiederholen?

      • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 14:06 - Permalink

        Da man Leute wie die oben genannten Herren nicht verbieten kann, ist IMO die wichtigere Frage warum haben wir trotz einer demokratischen Verfassung, (relativen) Wohlstand und der wohl schlimmsten näheren Vergangenheit aller Völker immer noch Potential den gleichen Fehler wie 1933 zu wiederholen?

        Aber da schließt sich doch der Kreis! Weil viel zu viele unzureichend in der Lage sind, die richtigen Vergleiche zu ziehen. Da spielen ja auch viele Aspekte mit hinein. Die (zustimmend parteiergreifende) Rolle der Medien, die solche Äußerungen, Gedanken und Diskussionen erst zulassen und sie sogar noch befördern. Und daraus folgt dann nicht zuletzt das Bestreben des Einzelnen, sich dieser (scheinbar) öffentlich herrschenden Meinung anzugleichen. Ich hatte dies schon einmal in meiner Auseinandersetzung zu Westerwelles Äußerungen im Artikel “Westerwelles „Schweigende Mehrheiten“ und die Schweigespirale” ausgeführt.

        Eine demokratische Gesellschaft, so wie sie in meinen Augen zu sein hätte, würde solche menschengruppenfeindlichen Gedanken und Äußerungen nicht nur nicht tolerieren, sondern den geistigen Brandstifter auch dafür zur Verantwortung ziehen.

        Was erleben wir stattdessen? Ein Westerwelle ist weiterhin Außenminister und Vizekanzler, ein Sarrazin musste zwar zurücktreten, erhielt aber dafür sogar noch einen mit Edelsteinen verzierten goldenen Handschlag und verdient sich an seinen verabscheuungswürdigen, an den Haaren herbeigezogenen Thesen dumm und dusslig.

        Und das bemerkt natürlich auch die Bevölkerung. Diese Ansichten sind also heute gesellschaftsfähig und deshalb entscheiden viele für sich, dass es besser sei, mit dem Strom zu schwimmen als dagegen.

        • Heldentasse schrieb am 27. November 2010 um 19:35 - Permalink

          @Lutz Hausstein

          Eine demokratische Gesellschaft, so wie sie in meinen Augen zu sein hätte, würde solche menschengruppenfeindlichen Gedanken und Äußerungen nicht nur nicht tolerieren, sondern den geistigen Brandstifter auch dafür zur Verantwortung ziehen.

          da cor!

          Warum machen wir das nicht? IMO liegen da im wesentlichen ethisch moralische Defizite zu Grunde. Unsere Art zu Leben(/ Wirtschaften/ Arbeiten) in einer fast totalen Leistungsgesellschaft* sind womöglich auf Dauer nicht kompatibel mit einer demokratischen Weiterentwicklung bzw. Erneuerung, die wir jedoch nach meinem Dafürhalten dringend nötig hätten.

          *und wenn die “Leistung” nur darin besteht etwas zu besitzen!

    3. Dreykant schrieb am 27. November 2010 um 10:17 - Permalink

      Uns Bürgern bleibt gar keine Zeit, um all die vielen Geschehnisse hinreichend zu reflektieren, geschweige denn zu integrieren. Stattdessen werden wir aus sämtlichen Richtungen überschüttet mit Hiobsbotschaften. Das Sparpaket ist nur eine davon in einer langen Kette weiterer Ankündigungen, die ihrem Wesen nach Morddrohungen ähneln. Die Altersarmut von Harz IVlern ist seit gestern Programm. Die Laufzeitverlängerungen bescheren uns hochriskante Privatgeldschleudern, die Asse säuft ab, die Castoren stehen ungeschützt in einer Kartoffelhalle herum während die Medien verbreiten, sie seien bereits im Erkundungsbergwerk! eingelagert. Die Bundeswehr wird ab nächstem Jahr auch offiziell eine Angriffsarmee sein – Handelswege gehen künftig vor Verfassung. Die USA pürieren die Weltwährung, der Euro wird von allen Seiten kampfunfähig geschossen. Der Lissabonvertrag bewertet die Menschenwürde ganz anders als das Grundgesetz, vor allem, wenn es um die Rückzahlung von Schulden geht und die Agrogentechlobby ist gerade in diesem Augenblick dabei, unsere gesamte heimische Flora zu kassieren, indem sie deren DNA durch veränderte Einkreuzungen für alle Zeiten verseucht. Alle, die dazu da sind, uns vor diesem Wahnsinn zu retten, haben die Seite gewechselt und bekämpfen seit Jahrzehnten mit Hingabe ihre eigene Bevölkerung, ihr eigenes Land. Ok, nachdem ich jetzt also all diese Prozesse aus dem Dunkel der Unbewusstheit befreit habe, geht es mit gleich viel besser. Danke.

      • Heldentasse schrieb am 27. November 2010 um 10:34 - Permalink

        @Dreykant

        Uns Bürgern bleibt gar keine Zeit, um all die vielen Geschehnisse hinreichend zu reflektieren, geschweige denn zu integrieren. Stattdessen werden wir aus sämtlichen Richtungen überschüttet mit Hiobsbotschaften.

        Ja das stimmt, aber es wäre doch noch lange kein Grund für die Bürger faschistoides Geistesgut zu übernehmen. Im Gegenteil wenn die Zeiten schwerer werden bräuchten wir doch mehr Demokratie (sowie Transparenz der politischen Entscheidungen) als weniger. Auch aus diesem Grunde sollten die politischen Kräfte gestärkt werden die mehr Bürgerbeteiligung fordern.

        • groo schrieb am 27. November 2010 um 11:21 - Permalink

          …Uns Bürgern bleibt gar keine Zeit, um all die vielen Geschehnisse hinreichend zu reflektieren, …

          Das ist ein Symptom von Überkomplexität, und weckt ein ganz natürliches Bedürfnis nach ‘einfachen’ ad-hoc Lösungen ohne Hinterfragen der Kausalitätsketten.

          Manchmal träume ich auch von ‘Kopf ab’.
          Dann wäre Ruhe im Karton.
          Aber dann wache ich wieder auf.

        • Arbo schrieb am 27. November 2010 um 18:15 - Permalink

          @ Dreykant:

          “Kein Grund” ist gut … das Fatale ist doch, dass es gerade die Betroffenen sind, die mangels gelebter Ddemokratie noch weiter nach unten treten. In den von mir oben genannten “Deutsche(n) Zustände(n)” (Folge 6) wird u.a. darauf eingegangen … Gerade in den unteren Schichten der Bevölkerung sind ökonomistische Einstellungen und Abwertungstendenzen anzutreffen.

          Ich meine mich zu erinnern, dass auch die neue FES-Studie in diese Richtung weist.

          Doch vor allem in den “Deutsche(n) Zustände(n)” wurde m.E. ganz gut aufgezeigt, wie stark das die Gesellschaft noch weiter segmentieren kann. Das ist geradezu ein barbarischer Selbstläufer …

          Du hast zwar Recht, dass mensch mehr Demokratie benötigt. Doch wer bitteschön soll das “einführen”? Unsere Politiker? Die rüsten doch schon mental auf, wenn jemand demonstriert (wobei wir hier noch nicht mal franz. oder engl. Zustände haben … alles im Grunde “handzahm” abläuft).

          Arbo

    4. landbewohner schrieb am 27. November 2010 um 10:47 - Permalink

      diese “nichtvergleichbarkeitsargument” ist hervorragend dazu geeignet jede diskussion über parallelen brd -3.reich ohne nähere prüfung des sachverhalts zu unterbinden. und mögen die verhältnisse sich auch noch so sehr gleichen wie krieg nach aussen und innen, volksverhetzung durch medien und führungskräfte aus politik, wissenschaft und grosskapital – die unvergleichbarkeit schützt die täter, brandstifter und hetzer.
      und wenn man die sarazzins, heinssohns, clements, müntes und co nicht mit diesen -ihren brüdern im geiste- vergleichen darf und das zitieren von adornos
      ” faschisten in der maske der demokraten ” durch die justiz verfolgt wird und man daran denkt, daß -inzwischen zweifelsfrei bewiesen – diese brd maßgeblich von den spitzenkräften der nazidiktatur aufgebaut oder mitaufgebaut wurde, dann ist es allerhöchste zeit auf diese parallelen hinzuweisen und sich nicht der interpretation unserer neolibs anzuschliessen, daß braun dumm ist, glatze hat und auf der strasse rumgröhlt. letzteres lenkt nämlich hervorragend vom braunen gedankengut unserer “eliten” ab.
      und klar ist auch, daß diejenigen,die vor nicht allzulanger zeit ihren eltern vorwürfe gemacht haben, weil sie “damals” keinen widerstand geleistet haben, wo ja klar ersichtlich war, was da kommen würde und heutzutage auf komfortablen grün-alternativ-liberalen positionen sitzen, niemals zugeben können, daß auch ihnen ihr persönliches wohlergehen -und sei es noch so bescheiden- viel wichtiger ist als die zustände um sie herum. derartige vergleiche müssen sie also aufs schärfste ablehnen.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 11:35 - Permalink

        lenkt nämlich hervorragend vom braunen gedankengut unserer “eliten” ab.

        Falsch!
        Dieses Gedankengut ist zufällig auch ‘braun’.

        Es ist wesentlich älter.
        Ich habe mir aus anderen Gründen die Korrelation zwischen US-red-states (Republikaner-dominiert) und Sklavenhalter-Staaten angeschaut.
        Siehe da: es gibt eine erstaunlich grosse Korrelation!
        Nach über 200 Jahren!

        Dahinter steckt eine gewisse Denke, die quasi zeitlos ist.

        Das auf ‘braun’ zu reduzieren, stimmt einfach nicht!

        Ich habe deshalb angefangen, einen der Hauptgedanken von Marx: Die ‘ursprüngliche Akkumulation’ nachzulesen.

        Marx zitiert da ausgiebig. zB ‘Bernard de Mandeville im Anfang des 18. Jahrhunderts’

        “Wo das Eigentum hinreichend geschützt ist, wäre es leichter, ohne Geld zu leben als ohne Arme, denn wer würde die Arbeit tun?… Wie die Arbeiter vor Aushungerung zu bewahren sind, so sollten sie nichts erhalten, was der Ersparung wert ist. Wenn hier und da einer aus der untersten Klasse durch ungewöhnlichen Fleiß und Bauchkneipen sich über die Lage erhebt, worin er aufgewachsen war, so muß ihn keiner daran hindern: ja es ist unleugbar der weiseste Plan für jede Privatperson, für jede Privatfamilie in der Gesellschaft, frugal zu sein; aber es ist das Interesse aller reichen Nationen, daß der größte Teil der Armen nie untätig sei und sie dennoch stets verausgaben, was sie einnehmen … Diejenigen, die ihr Leben durch ihre tägliche Arbeit gewinnen, haben nichts, was sie anstachelt, dienstlich zu sein außer ihren Bedürfnissen, welche es Klugheit ist zu lindern, aber Narrheit wäre zu kurieren. Das einzige Ding, das den arbeitenden Mann fleißig machen kann, ist ein mäßiger Arbeitslohn. …

        Merkst du was?

        Das klingt doch ziemlich ‘braun’, bzw so wie manche unserer Neutöner.
        Das ist aber schlicht suprematistisches Gedankengut!
        War immer schon so!

        • landbewohner schrieb am 27. November 2010 um 13:26 - Permalink

          groo
          gut, ausbeuter müssen nicht “braun” sein. menschenverachtend reicht. das sind die braunen aber auch.
          und sklavenhalter oder fürstenpack sprachen ihren untergebenen durchaus das recht auf ein leben in würde ab, aber deren vernichtung war für sie nicht förderlich.
          sie wollten die kuh melken, nicht schlachten. und überflüssige arbeitskräfte kannten sie noch nicht, ausser kranken und alten, die zwar oft aber nicht immer entsorgt wurden.
          planmässige vernichtung von arbeitskräften eint nazis und neolibs – auch wenn die methoden andere sind.

          • Benjamin schrieb am 28. November 2010 um 00:24 - Permalink

            Vielleicht liegt es daran, dass ich Linkshänder bin, aber für mich sind diese ganzen Begriffe wie “Nationalsozialismus”, “Faschismus”, “links”, “rechts”, “Mitte” etc. alles nur blabla ohne jegliche Bedeutung.
            Wenn man das mal ausblendet sind sich doch so ein widerwärtiger SS-Karrierist und ein Häscher eines Fürsten um Siebzehnhundertschießmichtot doch recht ähnlich.

            Man könnte auch sagen; sie waren Faschos, bevor es den Faschismus überhaupt “gab”.

            So von wegen “Alles wiederholt sich” und Consorten

        • jansalterego schrieb am 27. November 2010 um 14:35 - Permalink

          Stimme Dir in der Sache zu, muss aber in Detailfragen kritisieren: Die ehemaligen Sklavenhalterstaaten in den USA nannte man bis in die 1960er hinein den “solid south”, weil dort stramm und Wahl für Wahl die Demokraten gewählt wurden. Du hast natürlich in soweit Recht, als dass sich dieses Wahlverhalten schlagartig geändert hat, sobald ddie Demokraten auf Bundesebene für die Abschaffung der Rassentrennung eingetreten sind…

    5. gerdos schrieb am 27. November 2010 um 10:48 - Permalink

      Zu 4.: “wer sich in Gebiete der Abwehr begibt, darf sich über entsprechende Abwehr nicht wundern.”

      Oder anders ausgedrückt: Wer den Malocher mit seinem Sklavendasein konfrontiert, sollte nicht auf dessen Befreiungswunsch setzen, sonder besser das Weite suchen. Glückliche Sklaven sind die größten Feinde der Freiheit.

      • Systemfrager schrieb am 27. November 2010 um 10:54 - Permalink

        Wer den Malocher mit seinem Sklavendasein konfrontiert, sollte nicht auf dessen Befreiungswunsch setzen, sonder besser das Weite suchen. Glückliche Sklaven sind die größten Feinde der Freiheit.

        Naja – stimmt eigentlich. Haben schon Aristoteles und Orwell festgestellt, dass nicht die Unterschichten die Revolution (um mit Marx zu sprechen) machen, sondern Mittelschichten. Und dann sind wir bei Thema:
        Faschismus war ein Extremismus der Mitte.

        • Peleo schrieb am 27. November 2010 um 19:46 - Permalink

          Faschismus war ein Extremismus der Mitte.

          So hat das auch R. M.Lepsius, Soziologie-Prof. an den Unis MA und HD, formuliert.

    6. Elbarto schrieb am 27. November 2010 um 10:53 - Permalink

      Es geht voll Dampf in Richtung eines Wirtschaftsfaschismus. Den (globalen) Konzernen angeführt von den Banken hat sich alles unterzuordnen. Mind. 25% Rendite sind das Ziel. Der einzelne Mensch ist nur ein Kostenfaktor auf zwei Beinen.

      Wenn es mal nicht so läuft braucht es halt wieder Sündenböcke die bislang “nur” öffentlich diffamiert werden. Mal sind es die Menschen deren Gewinn- und Verlustrechnung negativ ist oder wahlweise Menschen mit Migrationshintergrund. Oder auch beides gleichzeitig:

      http://www.bildblog.de/25526/bittere-halbwahrheiten/

    7. King Balance schrieb am 27. November 2010 um 10:54 - Permalink

      Zitat: Prof. Dr. Hans See

      Wirkungslosigkeit der Politik untergräbt die Legitimation der Demokratie. Demokratie wird unglaubwürdig, angreifbar. Sie nimmt Schaden. Andauernde Massenarbeitslosigkeit, um sich greifende Not, beängstigende Alltagskriminalität, Jugendarbeitslosigkeit und Jugendkriminalität fördern nicht nur bei den Ewig-Gestrigen, sondern auch unter Jugendlichen das Verlangen nach dem starken, dem autoritären Staat. Soziale Mißstände, gegen die seitens des Staates nichts unternommen wird, nichts unternommen werden kann, weil der Staat gegenüber der Wirtschaft sein Gewaltmonopol, seine Macht, geltendes Recht entschlossen durchzusetzen, aufgibt, provozieren Politikverdrossenheit, Demokratiefeindlichkeit, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit. Die Mißstände haben viele Ursachen. Eine wesentliche, die aber in unverantwortlicher Weise totgeschwiegen oder klein geredet wird, ist die Wirtschaftskriminalität. Sie beschleunigt die Kapitalkonzentration, zerstört die restlichen noch vorhandenen Wettbewerbsstrukturen, vor allem Klein- und Mittelbetriebe samt Arbeitsplätze in den betroffenen Bereichen. Sie läßt den Armutssockel der Gesellschaft wachsen, weil die durch Wirtschaftskriminelle entstehenden Verluste, die ja meist erst einmal nur die Besserverdienenden und Reichen treffen, von diesen nach unten weitergereicht werden, bis sie von denen bezahlt werden müssen, die sie nicht weiterreichen können. Sie müssen mehr Lohn und Gehalt fordern, verlieren ihre Arbeitsplätze, brauchen schließlich Hilfe zum Lebensunterhalt und Wohngeld. Aber das Wohngeld muß sich nicht der Wohnungsbesitzer selbst abholen, indem er unter Offenlegung seiner Einkünfte beweist, daß eine Mieterhöhung unvermeidlich ist, sondern die Kleinrentnerin muß beweisen, daß sie die Miete ohne Hilfe nicht bezahlen kann, die dann das Wohngeld ihrem Hausbesitzer überweisen muß.
      Wirtschaftskriminalität bringt nicht nur materielle, sondern auch ideelle Schäden mit sich. Sie zerstört Werte, die für die innere und äußere Sicherheit ebenso unentbehrlich sind wie gut gefüllte Staats- und Sozialkassen, nämlich Vertrauen in Staat und Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie.

      Link

      Oder hier von Karl Albrecht Schachtschneider «Die Bürgerlichkeit des Bürgers»

    8. groo schrieb am 27. November 2010 um 11:10 - Permalink

      das Vorhaben ist lobenswert, läuft aber, fürchte ich, ins Leere.

      Wenn ich einen ‘Vergleich’ anstelle, zerlege ich das Objekt, oder den Begriff, oder das System in seine Attribute.

      Will in diesem Fall heissen: Wie stehts mit den Medien, der Parteienlandschaft, der herrschenden Weltanschauung, der Rechtsprechung, der Verfassung etc.

      Gibt es da ausreichende Übereinstimmung?
      Ist die Bildzeitung mit dem ‘Stürmer’ vergleichbar?
      Wer ist unser (BRD-)Goebbels?
      Was ist unser Versailler Vertrag?
      Was ist unser erster Weltkrieg?
      Sind wir ein Volk ohne Raum?
      Denken wir, dass ‘am deutschen Wesen’ die Welt genesen sollte?
      Was ist das 3.Reich-Analogon zum Verfassungsgericht?
      Was ist die Rolle des Militärs?
      Wer ist unser Hindenburg?
      Haben wir eine dolchstosslegende?

      Vage Ähnlichkeiten sehe ich allenfalls bei bestimmten Denkmustern bestimmter Leute.
      Die hat es aber wohl immer schon gegeben.
      Clement und Sarrazin sind Vertreter einer bestimmten Kategorie von Leuten, die ich gerne Suprematisten nenne.

      Was mich mehr besorgt macht, ist der wachsende ‘Rechtsintellektualismus’.
      Den hat es vor einiger Zeit SO nicht gegeben.
      Intellektuelle waren grundsätzlich ‘links’.

      Weiters fehlt mir eine Vision, wie wir aus der absehbaren Misere herauskommen können.
      Deshalb gehe ich aber nicht zum Arzt, um mich behandeln zu lassen, wie unser Grossdenker Helmut Schmidt das geraten hat.

      Das ‘System’ Bundesrepublik ist zwar ein ‘System’ wie das Dritte Reich auch, und ist sogar sein Rechtsnachfolger.
      Es hat sich aus ihm durch rasante Brüche herausentwickelt.

      Worunter wir gegenwärtig leiden, ist Überkomplexität (->Tainter), die uns lähmt und ein Bedürfnis nach einfachen Lösungen erzeugt.
      Überkomplexe Systeme kollabieren irgendwann.

      Siehe zB den heutigen Finanzkapitalismus.
      Ein Analogon zum den 30er Jahren wird immer wieder bemüht.
      Halte ich auch für verfehlt.

      Systeme evoluieren, bis eventuell ein chaotischer Bruch (typisch ‘Bifurkation’) auftritt.

      Wallerstein fällt mir da ein. Oder Hobsbawm.
      Wir stehen an einer Entscheidungs-Schwelle: entweder zu einem ‘neuen’ Totalitarismus oder einer stabilen, halbwegs vernünftigen Ordnung.

      Das ist aber ein GLOBALES Problem.
      Ein potentieller faschistoider Überwachungsstaat ‘Bundesrepublik 2.0′ ist da nur eine Facette.

      Dazu gäbe es noch viel zu sagen.

      In meinen staatstragenderen Momenten sehe ich die BRD als die ERSTE REFLEKTIERTE Nation auf diesem Planeten, ohne Deutschtümelei und Leitkultur-Geschwafel.
      Das ist aber gerade erst möglich geworden durch zwei verlorene Kriege! Da haben wir der Welt was voraus!

      Kurzes Fazit:
      Holdger, Du verrennst Dich da in was!

      • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 14:42 - Permalink

        Gibt es da ausreichende Übereinstimmung?
        Ist die Bildzeitung mit dem ‘Stürmer’ vergleichbar?
        Wer ist unser (BRD-)Goebbels?
        Was ist unser Versailler Vertrag?
        Was ist unser erster Weltkrieg?
        Sind wir ein Volk ohne Raum?
        Denken wir, dass ‘am deutschen Wesen’ die Welt genesen sollte?
        Was ist das 3.Reich-Analogon zum Verfassungsgericht?
        Was ist die Rolle des Militärs?
        Wer ist unser Hindenburg?
        Haben wir eine dolchstosslegende?

        Vergleichbarkeit heißt nicht Duplizität. Deshalb nur einige Antworten, auf Deine Fragen.

        1. Ich sehe schon eine Bildzeitung (und oftmals nicht nur diese) tendenziell in dieser Tradition. Auch wenn ich den “Stürmer” nie gelesen habe, was ja auch kaum verwundern sollte.
        2. Die Frage nach dem neuen Goebbels zu beantworten, wäre u.U. juristisch nicht völlig ungefährlich. Deshalb klemme ich mich dies. Allerdings sehe ich nicht 1 Goebbels, sondern mehrere, welche sich gegenseitig immer wieder die Bälle zuspielen.
        3. Gerade werden doch führende Politiker, Wirtschafts”fachleute” und Medien gar nicht müde, die ganze Welt am deutschen Wesen der Krisen”bewältigung” teilhaben zu lassen. Ich weiß gar nicht, wie Du dies übersehen konntest. ;-)
        4. Das Militär macht genau das, was es schon immer machte: Die Befehle befolgen, welche es “von oben” erhält. Sei es nun im Ausland oder bald auch im Inland. Wenn erst die ganzen V-Leute aus Polizei u.ä. die Gewaltbereitschaft der Demonstranten “bewiesen” haben, brauchen “wir alle” doch diese staatssichernden Aktivitäten.
        5. Dolchstoßlegende? Hm, ich würde jetzt mal vermuten … Die 68-er sind an allem schuld. :-)

        • groo schrieb am 27. November 2010 um 19:33 - Permalink

          @Lutz,
          ich sehe, was Du meinst.

          Es gab mal Zeiten, da habe ich Geissler als ‘Goebbels’ beschimpft.
          Wo er Generalsekretär war.
          Das war sicher seine üble Phase.
          Einen solchen Drecksack habe ich selten erlebt.
          Heute ist er alters-ähem-milde gewendetes attac-Mitglied und beliebter Moderator. (Müller/Liebs Verdacht mal aussen vor, dass er ein U-boot der Reaktion ist )
          Was für eine Karriere!
          Was doch ein ‘Liter’ weniger Testosteron und ein verändertes Rollenmodell so ausmachen kann.

          Wie oft wurde Bush als ‘Hitler’ bezeichnet?
          Hat es der ‘Wahrheitsfindung’ gedient?

          zu Deiner #5
          Da ist was dran.
          Andererseits war das ein Phänomen in vielen westlichen Ländern (zB weathermen)

          Ich will nur warnen, Analogien überzustrapazieren.
          Nicht, dass es keine gibt.
          Die gibt es definitiv.
          Nur: sie verwandeln sich und verlangen nach neuen Antworten.

          Andererseits sind es die Grundmuster, auf die wir uns konzentrieren sollten.
          Und die sind protofaschistisch.
          Allzumenschlich.
          Abscheulich.

    9. Fleur schrieb am 27. November 2010 um 11:10 - Permalink

      Die Bagatellisierungsangst gegenüber der deutschen Vergangenheit führte zu einem Bagatellisierungszwang gegenüber der Gegenwart.

      Was wiederum ganz praktisch zu der Überzeugung führt, man hätte den Faschismus bewältigt. Als könnte man Geschichte ungeschehen machen – aber aus ihr lernen, das kann man. Jedoch nur, wenn man sie nicht ad acta legt.

      …diese beunruhigende Einsicht schmerzt! Kurz: wer sich in Gebiete der Abwehr begibt, darf sich über entsprechende Abwehr nicht wundern.

      Treffende Analyse. Meist wehrt sich besonders, wer sich ertappt fühlt/wem eine (richtige) Einsicht aufgedrängt wird.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 11:56 - Permalink

        mag schon sein.

        Aber das dezidiert am 3.Reich festzumachen, wäre falsch.

        Holdger verschanzt sich mE aus nachvollziehbaren Gründen hinter Geraune.

        Es geht nicht darum:
        BRD -analog- 3.Reich
        sondern darum:
        Denkmuster gewisser Leute in der BRD -analog- same as it ever was, bei bestimmten Leuten.

        Insofern halte ich seinen Artikel sogar für gefährlich, weil er die falschen Schlüsse impliziert!

        • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 14:51 - Permalink

          Es ist zwar richtig, dass es diese Menschen mit solchen Denkweisen (fast schon immer) gegeben hat. Aber nur selten waren diese in so exponierten Positionen der Gesellschaft und dann auch noch in einer solchen Anzahl. Und daraus ergibt sich, siehe obige Ausführungen von mir, dass diese auch große Verbreitung bis in die Gesellschaft fanden.

          • Arbo schrieb am 27. November 2010 um 18:25 - Permalink

            Aber nur selten waren diese in so exponierten Positionen der Gesellschaft und dann auch noch in einer solchen Anzahl.

            Ich denke, da liegst Du nicht ganz richtig. Ich meine mich an einen Aufsatz von John Locke zur Armengesetzgebung zu erinnern, in denen er u.a. über faule Arbeislose und Bettler schimpfte und zur “Erziehung” zur Arbeit auch nicht vor körperlicher Züchtigung zurückschreckte. In dem entsprechenden Buch hieß es dann, dass Lockes Ansichten dem Zeitgeist entsprachen … es also noch Abweichungen gab.

            Die Denke, die dort zum Ausdruck kam, kannst Du dann übrigens u.a. bei Malthus nachlesen.

            Ich will’s hier nicht unnötig auswalzen, aber ich denke schon, dass – gemessen an den medialen Möglichkeiten zu der Zeit – die entsprechenden Personen, die solche Dinge behaupteten, sich durchaus in exponierten Positionen befanden. Zudem entstammten sie m.E. auch alle der oberen Gesellschaftsschichten.

            Arbo

    10. Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 11:45 - Permalink

      Dein Text zielt gleich in mehrfacher Hinsicht ins Leere:

      Erstens wäre jeder Faschismus oder Nationalsozialismus (auch da gibt es gewisse Unterschiede) bekanntlich eine Form ‘charismatischer Herrschaft’ im Sinne Max Webers – ein ‘Führer’ muss also her, der akklamatorisch (statt durch Wahlen) von der Zustimmung der Beherrschten getragen ist. Die Gefahr sehe ich noch nicht einmal bei der Gel-Locke ‘Gutti’ Guttenberg – und der von Tokyo Hotel will nicht.

      Zweitens ist es Unsinn, jede Form von zunehmender Repression und ‘Volksferne’ gleich ‘faschistisch’ zu nennen. Wenn man schon die Historie bemüht, täte es auch ein ‘Policeystaat’ Metternich’scher Prägung, ein zunehmend ‘wilhelminischer Obrigkeitsstaat’ oder etwas ähnliches. Mit der frühfertigen Gleichsetzung mit einem absoluten geschichtlichen Schreckgespenst gehen einem auch ebenso früh alle Maßstäbe verloren.

      Drittens bewegen wir uns – wenn schon, denn schon – doch eher auf eine Ochlokratie zu, auf eine ‘Herrschaft der Wenigen’, die sich selbst zur Elite erklärt hat, die zum Zweck der Herrschaftssicherung dienstfertige Massenmedien nutzt und stets besser weiß als das dumme Volk, was dem dummen Volk frommt. Es handelt sich unter anderem um eine zunehmende Expropriation des demokratischen Wahlrechts, weil die Wahl nichts mehr für und gegen diese Herrschaft entscheidet. Die neue Elite wiederum steht auf keinem intellektuellen oder sonstwie avanciertem Fundament, sie definiert sich durch das allerdümmste Kriterium von allen, durch den Besitz oder das Vermögen. Nach dem Motto: Weil wir das Geld haben, haben wir auch recht, und unser vieles Geld ist dafür der beste Beweis. Wir glauben an unsere Redundanzreligion, die uns zu Auserwählten macht – und ansonsten bleiben wir strunzdumm. Eine solche Geldelite ist wiederum das, was doch ausgerechnet der Faschismus unter dem Goebbel’schen Begriff ‘Plutokratie’ ständig bekämpft hat.

      Viertens sollte man auch mal in Betracht ziehen, dass es sich bei etwas unbestimmt Heraufdämmerndem durchaus auch um ganz Neues handeln könnte, etwas, was eben keinerlei historische Vorläufer besitzt.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 12:02 - Permalink

        bravo Chat!

        dem ist nichts hinzuzufügen (, ausser dem natürlich, was ich selber dazu abgelassen habe ;) ).

        Besonders hat mir gefallen:

        Viertens sollte man auch mal in Betracht ziehen, dass es sich bei etwas unbestimmt Heraufdämmerndem durchaus auch um ganz Neues handeln könnte, etwas, was eben keinerlei historische Vorläufer besitzt.

        Kleine Einschränkung:
        GANZ neu ist es nicht.
        Es ist ein bestimmtes Denkmuster, –vielleicht sogar sowas wie eine anthropologische Konstante– die sich unter gegebenen Umständen Bahn bricht.

        • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 12:13 - Permalink

          Letzteres wäre dann das Prinzip ‘Pavianfelsen’: Man möchte seinen roten Steert allen anderen von ganz oben zeigen, und sich von diensteifrigen Heloten die Bananen und das Räucherwerk hinauftragen lassen, damit man nicht selbst ständig rauf- und runterkrabbeln muss.

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 12:26 - Permalink

            Yep,
            nach ‘unten’ gibt es wenig Grenzen.

            Als Tierfreund möchte ich die Paviane nicht beleidigen.
            Andererseits sind sie auch nicht grade meine Vorbilder.

      • jansalterego schrieb am 27. November 2010 um 14:44 - Permalink

        Muss mal wieder rummäkeln, Ochlokratie bedeutet Pöbelherrschaft, was Du mit “Herrschaft der Wenigen” meinst, nennt der Altgrieche Oligokratie. Und wo wir schon bei den Altgriechen sind, nach Platos Politeia folgt auf die Demokratie, sobald sie ihrer Werte in Beliebigkeit und Korruption verlustig gegangen ist, die Tyrannis. Anzeichen für eine Entwicklung gibt es sowohl in diese als auch in die von Dir beschriebene Richtung.

        • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:40 - Permalink

          Es passt doch – auch wenn du mit der wörtlichen Übersetzung natürlich recht hast: In der Ochlokratie triumphiert der Bereicherungswille über das allgemein Vernünftige. In dem Zustand befinden wir uns in meinen Augen schon, jedenfalls könnte man unter Schwatzgelb und Hoteliers-Almosen oft diesen Eindruck haben: “Während die Demokratie Polybios zufolge am Gemeinwohl orientiert ist, sieht er die Ochlokratie als Zerfallsform an, in der die Sorge um das Gemeinwohl dem Eigennutz und der Habsucht Platz gemacht hat.” Was Polybios dort ‘Pöbel’ nennt, trifft also ziemlich genau mit unserem heutigen neoliberalen Begriff selbsternannter ‘Leistungsträger’ zusammen. Man muss, glaube ich, berücksichtigen, dass in der Antike der ‘Pöbel’ ja immer die unterste Schicht gesellschaftlicher Eliten war, die gewöhnliche Masse durfte in der antiken Demokratie sowieso mangels Wahlrecht oder weil sie sogar versklavt war, unter keinen Umständen politisch mitspielen …

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 17:27 - Permalink

            das isses!

            Dieser dentokratische Plebs bereichert sich an meiner Maulfäule und wählt dann auch noch FDP!
            Deshalb geh’ ich nicht mehr zum Zahnarzt.

            • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 18:05 - Permalink

              Ich schenke dir ‘ne Schnabeltasse.

          • jansalterego schrieb am 27. November 2010 um 19:49 - Permalink

            Siehste, dass kommt davon, wenn ich den Altsprachler ´raushängen lasse, anstatt einfach mal bei Wikipedia nachzuschauen…
            Die Einordnung von “Pöbel” in der Antike hatte ich grad nicht auf der Pfanne; wenn Du es so umschreibst, passt natürlich auch Ochlokratie.

      • Arbo schrieb am 27. November 2010 um 18:27 - Permalink

        Danke … stimme dem Gesagten zu.

        Macht nur die Problematik hinter den menschenfeindlichen Tendenzen nicht besser. ;)

        Arbo

      • Benjamin schrieb am 28. November 2010 um 00:12 - Permalink

        Mit Verlaub, aber der Scheißigkeitsgrad eines faschistischen Systems (und damit 99,99 % aller Weltregierungen) ist davon abhängig wie feucht der Keks des Führers ist.

        Auf Deutschland übertragen wäre das… Merkel… Nee, Späßle gemacht :) jemand wie Ackermann oder die olle Springer, die auf mich einen psychisch stabilen Eindruck machen.

        Hingegen Leute wie Bush oder Putin :/ Naja…

        Von Hitler gar nicht zu reden, bei dem Stand das Psycho schon in der Militärakte.

        Und das Volk folgt eh. Der Rest ist Geschichte.

    11. Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 11:53 - Permalink

      Für mich kurz auf den Punkt gebracht :

      Wenn die gewollte “Wirtschaftskriese” die ja kein Naturereigniss , sondern in jeder Facette das Ergebniss Wirtschaftlicher und Politischer Entscheidungen ist endlich ihren Dienst getan hat,nämlich die Entrechtung der Massen bei gleichzeitiger Umverteilung von Kapital von Unten nach Oben,dann … wenn der letzte begriffen hat das seine Zukunftsaussichen gegen Null tendieren und trotz mehreren Jobs kein Auskommen über der biologischen Grundsicherung möglich ist,ja dann werden sich die “Eliten” des Faschismus bedienen um den berechtigten Zorn der Massen auf Minderheiten zu lenken und selbst als Retter da zu stehen.

      Hat man uns nicht schon den faulen Arbeitslose serviert ,glaubt der tumbe Michel nicht den Müll bis es ihn selbst trifft ?

      Ist nicht der “Intergrationsunwillige Moslem” im Focus …

      Die Geschichsbücher sind voll und es wird sich in der einen oder anderen Form wiederholen..Auslöser die unstillbare GIER der Besitzenden..Lobbyistische Regierungen aus denen fehlende oder mangelhafte Regularien resultieren

    12. Benjamin schrieb am 27. November 2010 um 11:56 - Permalink

      Ich denke auch wir haben die falschen Bilder im Kopf (Knopp sei dank): Braunhemden, Hakenkreuze, fettige Scheitel, ausrasierte Nacken, Gebrüll und Marschmusik.

      In der BRD will man nun nur noch dann Faschismus sehen, wenn wieder GENAU ein Hitler wieder auftaucht; ein – künstlich hochgepushter – Sarrazin reicht da nicht aus!

      Aber Leute regt euch ab…
      Den rassistischen Faschismus werden wir – so denke ich – nicht mehr als Macht erleben (in Deutschland); Mügeln hin, Hessenwahlkampf her.
      Man kann den Medien und Bonzen vorwerfen was man will; dass sie eiskalte Zyniker sind und auf die ärmsten Spucken, aber die Medien und Bonzen haben mitnichten etwas gegen Frmede, vorausgesetzt die Kasse stimmt und im Ausland ist man ebenso zynisch.

      Den Faschismus a la deutscher Sonderweg werden wir nicht mehr erleben, da wir schon zu stark in die Welt eingebunden sind, heute West (morgen Ost?).
      Blut und Boden und Volk und Vaterland sind da out und unrentabel.

      Wie an anderer STelle erwähnt die Elite (die im Gegensatz zu damals FEST im Sattel sitzt) lässt eine erstarkende Nazipartei nicht durch an die Macht, da erhöhter Personalaufwand. Ganz einfach.

      Und wenn ihr jetzt meint, dass Überwachungsstaat, Gutsherrenpolitik und oberflächliche Belustigung faschistisch sind, dann ist die ganze Welt ein drittes Reich.

      Keine Panik also, es bleibt so mies wie eh und je :D

      • Benjamin schrieb am 27. November 2010 um 14:51 - Permalink

        Was ich vorhin vergessen habe; gute 90 % (ja genau, DIE 90 %) des Faschismus ist “den Mund halten”.
        Das ist ziemlich global.

        Aber auch in Deutschland gilt:
        Meinungsfreiheit für diejenigen mit den besseren Anwälten.

        So kann Bohlen irgendwelche Kandidaten als “Eimer Sch…” titulieren, während solche Sprücheklopfer dann schnell “Hilfe Rechtsanwalt!” schreien, wenn sie selber einstecken sollen.
        Ja selbst “harte” Gängschtarapper machen das so..

        Wir (und damit auch ich) waren über die Jahre ziemlich selbstgefällig was unsere “Musterdemokratie” angeht und sind wohl erst aufgewacht als die Bilder von S21 durch die Medien gingen; zu spät :(

      • unschland schrieb am 27. November 2010 um 18:55 - Permalink

        “…,da wir schon zu stark in die Welt eingebunden sind”
        dann sieh dich mal um in der welt!
        der pate vom stiefel hat schon lange eine sa etabliert, die brave frauen vor vergewaltigenden afrikanern schützt. die haben sogar original sa-uniformen, incl. armbinden mit blitzrunen drauf. sinti und roma sind freiwild in südeuropa. ungarn betreibt völkischen nationalismus, wie england seine schwarze bevölkerung diskriminiert ist ekelhaft, die putinjugend gar nicht erst erwähnt, wurde griechenland nicht unlängst für seine menschenrechtsverletzungen gegen afrikanische flüchtlinge gerügt? die beispiele sind legion. wieso wird eigentlich so verhalten oder gar nicht über die anschläge auf moscheen berichtet, die massiv zugenommen haben?
        es wird in deutschland wohl keinen neuen nationalsozialismus geben, der war ja schon ein wenig ordinär, aber faschismus wäre doch wieder praktisch.

        • groo schrieb am 27. November 2010 um 19:04 - Permalink

          starke Aussage

          (Kleine Anmerkung: ich hatte auch mal eine Kleinschreibphase, die ich mir nach Kritik durch einen Freund abgewöhnt habe.)

          • unschland schrieb am 28. November 2010 um 02:31 - Permalink

            Ich hab den Artikel zu Berlusconis’ SA (“Guardia Nazionale Italiana”) auf monomas Autismuskritik-Seite wiedergefunden:
            “notiz: krisennews spezial – italien, oder wenn unter berlusconi die schwarze sonne aufgeht…”
            mit Gruselfoto (etwas runterscrollen)
            http://tinyurl.com/mqb5dh

            Es ist schon vielsagend und äußerst bemerkenswert, dass es nur und ausgerechnet die “Welt” war, die das Thema aufgegriffen hat -
            und negativ kommentiere:
            Der deutsche Rechte wird halt nicht gerne an die “schlimme Zeit” erinnert, er war doch auch nur Opfer.
            Die Eskapaden aus Berlusconis Unterhose sind ja soviel wichtiger!

            Was sagt es über die Funktion der deutschen Presse und ganz allgemein deutsche Befinlichkeiten aus, wenn sich im Nachbarland eine 30000-mann starke faschistische “Bürgerwehr” mit staalicher Absegnung bildet, und (von einer Ausnahme abgesehen) JEDES mediale Echo ausbleibt?
            Ist ja nicht weiter tragisch, die sind ja offiziell unbewaffnet und verprügeln nur Neger und Zigeuner?
            Hauptsache Italien erfüllt den EU-Stabilitätspakt!

            (@groo: das mit der kleinschreibung liegt an der frisur- lange haare, rauchen und tippen- das stinkt immer so. Aber ich gelobe Besserung!)

    13. elwu schrieb am 27. November 2010 um 11:58 - Permalink

      “… zu dem potentiell lebensgefährlichen Resultat, die Faschismus-Gefahren, die womöglich innerhalb der BRD lauern, zu bagatellisieren.”

      Diese “womöglich lauernden” Gefahren sind recht gering, Alarmismus erscheint daher nicht angebracht.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 12:09 - Permalink

        zumindest nicht in DER Richtung.

      • gerdos schrieb am 27. November 2010 um 12:41 - Permalink

        Nach meiner Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen geht es durchaus in Richtung eines sanften Faschismus und zwar millimeterweise. Hier ein größerer Wasserwerfer (Wawe 10.000 als Ersatz für den 9.000er), dort ein paar Bewährungsstrafen für rechtsradikale Totschläger, Freundschaften mit Folterstaaten, 90% Zustimmung der Bevölkerung zu Sarrazins Thesen, Fortsetzung des Täter-Opfer-Duskurses (die Deutschen als Opfer des Nazi-Terrors) in Literatur und Film, Besetzung der Gehirne durch Gleichschaltung der Medien, und als Nachschlag noch die 33. Verfassungsänderung zur Aushebelung von Grundrechten.
        Die Liste läßt sich noch um einige zig Zeilen verlängern.

        Wer dann noch meint, die Mehrheit der normalen Bevölkerung sei immun gegen faschistische Tendenzen, dem empfehle ich den Besuch der jährlichen Treffen des Kameradenkreises der Gebirgsjäger, das größte
        Soldatentreffen Deutschlands in Mittenwald. Mit dabei sind neben Abordnungen der Bundeswehr und der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger auch NS-Kriegsverbrecher, z.B. der 1. Gebirgsdivision, die für Wehrmachtsmassaker in Kommeno und auf Kephalonia in Griechenland verantwortlich waren. Dazu die große Sympathie der Mittenwalder für diese Art der “Traditionspflege”. Das sind nicht nur ein paar unverbesserliche Spinner.

        • Benjamin schrieb am 27. November 2010 um 15:03 - Permalink

          Ist mir auch schon aufgefallen:
          In der Provinz und den Käffern sind die Leute extrem konservativ (geblieben)..
          Warum? Weil sie von den Eliten aufgegeben wurden.
          Dort gedeiht natürlich ein Naziwildwuchs, und jeder den das anekelt zieht in die Großstädte (wie etwa Berlin), so dass in diesen Gegenden wirklich nur noch Hängengebliebene leben, die dann Protest wählen.
          Mal die “LInke” mal die NPD, aber auch FDP oder SPD wenn der jeweilige “Liberale” oder “Sozialdemokrat” die dortigen Gepflogenheiten nicht ganz so schlecht findet.
          Siehe Mügeln oder dieser Bürgermeister von Krauschwitz

          In den Städten (den vorzeigbaren und großen zumindest) dagegen heißt der Mainstream: “Links blinken, rechts abbiegen”, was aber auch nur die halbe Wahrheit ist, denn wir hatten in den letzten Jahren weder eine “linke” noch eine “rechte” Politik, sondern nur noch eine von der Wirtschaft dominierte und für die gibt es nur Gewinnmaximierung, da spielt es dann keine Rolle mehr (wie früher) ob schwul, Altpunk oder Kiffer, hauptsache neo”liberal”.

          Die unsägliche “du bist Deutschland”-Kampagne war doch wohl Beweis genug.
          Und Merkel labert was von “Mulitkulit ist tot blabla” und was weiß ich. Merkel labert viel in ihrem pastoralen Ton, als ob sie wirklich das Sagen hätte in dieser unserer Deutschland AG.

          Man kann es so sagen: Deutschland ist eine gespaltene Persönlichkeit, aber das mehrfach.

    14. gerdos schrieb am 27. November 2010 um 12:27 - Permalink

      Wir haben doch noch lange keine faschistischen Tendenzen in Deutschland:
      1. Jeder Journalist darf in den Leitmedien die Wahrheit schreiben.
      2. Jeder Arbeitnehmer darf seinem Chef offen sagen, was er über ihn denkt.
      3. Jeder darf nach Deutschland einreisen, wenn er kann.
      4. ……..und alle Fliegenpilze sind essbar, wenn auch nur ein Mal.

      Ich möchte meine Polemik mit einem Argument von Klaus Traube fotsetzen, der behauptete, Demokratie und Atomstromproduktion, als eine Technik, die mit ihrem sogenannten Restrisiko, falls es eintritt, das Leben von tausenden Menschen bedroht, schließen sich gegenseitig aus. Auch die Wortverbindung “Endlager” für ein System, das “uns”(?) noch tausend Jahre beschäftigen wird, macht mich nachdenklich, ist sie doch eine Wortverbindung aus “Endlösung” und “Konzentrationslager”. Sie verrät einmal mehr, wessen Geistes Kind Politik, Technik und Wissenschaft sind.

      • Heldentasse schrieb am 27. November 2010 um 12:55 - Permalink

        @gerdos

        Der erste Abschnitt ist mehr oder weniger menschgemacht und könnte(!) im besten Fall auch durch eine Verbesserung der Spielregeln (Gesetze) korrigiert werden.

        Dein zweiter Absatz beschreibt eine Technologie (Atomkraft) deren Auswirkungen IMO zwangsweise(!) in einen Überwachungsstaat führen, weil halt die Risiken (wenn überhaupt) technologiebedingt anders nicht zu beherrschen sind. Klaus Traube über Robert Jungk haben das schon frühzeitig erkannt, hier mal ein Artikel aus den besseren Zeiten des SPIEGEL der diese Problematik beleuchtet.

        Thesen gegen supertechnik

        Zitat daraus:

        Im “Jahrtausendmensch” machte Jungk aufmerksam auf die grundlegenden Zusammenhänge der Überindustrialisierung und -technisierung mit sozialen Schäden wie kultureller Verfall, psychische Schäden, Arbeitslosigkeit, Degeneration der Demokratie als Folge von Ohnmacht der Politik gegenüber der Technokratie, übermäßige Verwundbarkeit durch ein nationales und internationales Geflecht von Abhängigkeiten, Konditionierung der Menschen, Einschränkung der Bürgerrechte. Und er stellte die aus solcher Analyse der “Krise des Industriesystems” entwickelten Gegenkonzepte vor: eine zwar auf Wissenschaft beruhende, aber im kleinen Maßstab bei mäßiger Arbeitsteilung anwendbare “Sanfte Technik”, überschaubar auch durch Dezentralisierung; Abbau der hochkonzentrierten Großindustrie.

        • Peleo schrieb am 27. November 2010 um 20:08 - Permalink

          Sehe ich auch so. Dass Tschernobyl da kein Umdenken gebracht hat, ist für mich völlig unverständlich.

          Was mich irritiert: Warum sehen das nicht die Franzosen, Engländer, Finnen, Schweden, usw.? USA und Russland lasse ich mal draußen.

          Zumindest in F war das schon vor den proto-faschistischen Tenzenden, die es da ja auch gibt.

          Hat jemand eine Erklärung?

          • Axel schrieb am 27. November 2010 um 20:39 - Permalink

            Bei Jungk, geht es ja um mehr als um Atomkraft. Ich will der Analyse von Jungk überhaupt nicht widersprechen.

            In Gegenden in Indonesien, die von Reisanbau autark leben gibt es auch keine Arbeitslosigkeit (habe ich jedenfalls auf Bayern III mal so gesehen) und die Menschen dort haben mehr Würde als vielleicht 25% der Menschen in Industriestaaten. Was sie missen kann ich nicht sagen. Im Himalaya ist ein Briefträger eine der hochangesehensten Personen (u.a. weil er lesen und schreiben kann). In Deutschland muß er vom Mindestlohn leben.

            eine zwar auf Wissenschaft beruhende, aber im kleinen Maßstab bei mäßiger Arbeitsteilung anwendbare “Sanfte Technik”, überschaubar auch durch Dezentralisierung; Abbau der hochkonzentrierten Großindustrie.

            könnte das Äquivalent zum indonesischen Reisfeld sein, aber es ist leicht es zu postulieren und aus einer Demokratie heraus könnte es sich entwickeln. Noch allerdings hat es sich nun mal nicht entwickelt und niemand (auch Robert Jungk nicht) kann (konnte) wissen ob es überhaupt realisierbar wäre.

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 20:48 - Permalink

            Erstens:
            Deutschland war ziemlich das einzige westliche Land, das damals betroffen war.
            Ein Freund von mir ist damals mit seinem Baby nach Südfrankreich gefahren.
            Schau dir die Regenverteilung damals an.

            Zweitens:
            Die Gefährdung war unsichtbar.
            Nur Länder mit einer halbwegs sauberen Messtechnik/Statistik haben das damals entdecken/tracen können.
            Die Becquerel-Werte jeder Wildsau in Bayern sind aktenkundig.

            Drittens:
            Schau dir mal Stewart Brand an, -den Editor des ‘Whole Earth Catalog’ aus den Siebzigern. Ursprünglich ein Urgrüner/Alternativer.
            Echt ‘kluger’ Mann!
            http://en.wikipedia.org/wiki/Stewart_Brand
            Was macht er heute?
            Er behauptet, dass Radioaktivität uU eher ‘gesund’ ist, und sonstigen Quatsch!
            Seine These:
            Man muss nur die derzeitige physiologisch wirksame Mindestschwelle um den Faktor tausend oder so überschreiten, dann ist Radioaktivität ganz unschädlich.
            Vgl Tiere im Umfeld von Tschernobyl. Leider schlecht untersucht. Wäre wirklich interessant.
            Vgl Tarkovskys ‘Stalker’ aus 1979, was abstrakte Gefährdungen betrifft
            (ein wahrhaft prophetischer Film! Nur scheinbar langweilig.)

            Guckst du da, was intelligentes Lobbying betrifft:
            Monbiot: Serie: “Correspondence with Stewart Brand”
            http://www.monbiot.com/

            • Peleo schrieb am 27. November 2010 um 21:19 - Permalink

              @ groo

              Deine Aussagen zum Hauptthema Faschismus hier lese ich mit Interesse und stimme Dir weitgehend zu, aber für die Atomfrage hast Du wohl auch keine richtige Erklärung.

              Die ersten Messungen/Meldungen kamen aus Schweden – und jetzt bauen sie dort wieder AKWs. “Atomkraft – nej tak” war lange vor Tschernobyl, nämlich Anfang der 70er.

              Weder in F noch in GB gab es vergleichbaren Widerstand wie in Wackersdorf. Die WAAs dort arbeiten und verseuchen die Gegend.

              Lobbying und Meinungsmache können viel, aber nicht so viel. Man(n) will dort wohl Atommacht sein. Die Tendenzen Richtung Polizeistaat können jedenfalls nicht so einfach sozio-ökonimisch erklärt werden, wie das hier viele für D tun.

            • Linus schrieb am 27. November 2010 um 21:34 - Permalink

              @Peleo:
              - Wo gab´s die ersten Grünen?
              - Wo haben die Grünen ihre Wurzeln?
              - Wo haben die 68′er ihre Wurzeln?
              Außerdem: F und GB sind Atommächte. Wäre schon schizophren, wenn die wegen dem bißchen Fallout von einer WAA Gewissenbisse bekämen.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 13:05 - Permalink

        @gerdos,

        hier tappst Du in eine Falle, in die auch Holdger schon getappt ist:
        Der Überstrapazierung von Metaphern.

        Wie Du da raus kommst? Durch eine sorgfältige Analyse der Bedeutung von Worten:
        ‘Lager’ kommt von ‘legen’.

        ‘Lösung’ ist ein kompliziertes Wort, und hat etwas mit ‘auflösen’ zu tun.
        zB einen Knoten auflösen.
        Dadurch wird Schwieriges einfach.

        Undsoweiter.
        Wenn man mit der Welt nicht mehr weiter weiss, hilft es, die Begriffe zu zerlegen.
        Auch die alten! Grade die alten!
        Habe dazu ein paar Jahre gebraucht.
        Also Geduld!

        Empfehle dazu fürs erste: Frege: “über Sinn und Bedeutung”.
        zB da:
        Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung

        Nix für ungut. Wir fangen alle mal an.

    15. Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 12:42 - Permalink

      Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Partei vier Monate vor der Kommunalwahl zu einem engagierten Wahlkampf aufgerufen. Die hessische SPD stehe inzwischen wieder gut da

      Der Teutsche Michel kann wählen zwischen :

      Existenzbedrohung inkl.Sozial & Med.Versorgungs Abbau
      oder
      Existenzbedrohung inkl.Sozial & Med.Versorgungs Abbau
      oder
      Existenzbedrohung inkl.Sozial & Med.Versorgungs Abbau

      Mal in Schwarz-Geld (b) mal in Rot Grün mal als GroKo

      Die Demenz des Stimmviehs scheint unendlich …

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 13:10 - Permalink

        @Lazarus09,

        Ruhe, Ruhe.
        Wenn Du auch noch Deinen Verstand verlierst, hast Du wenig gewonnen.

        • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 13:53 - Permalink

          Don’t bother with my mind ;-)

          Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.

          That’s what I mean

          ( frei nach Marx)

          • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 14:14 - Permalink

            Zählst du dich denn auch zu denen?

            • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 15:43 - Permalink

              zu wem ? Links .. Marxist ..?

              Nein.. gewiss nicht. Eher die Mitte des gesunden Menschenverstandes und Gerechtigkeitsempfindens.

            • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:55 - Permalink

              Mönsch – zu den Menschen natürlich! Wenn du “die Menschen” kritisierst, fällst du naturgemäß auch unter diese Kategorie – oder du wärst ein Übermensch. Wobei mir bei letzterem der Glaube fehlt: When you’re part of the system, you can’t critizice from outside the system …

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 14:41 - Permalink

            …dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.

            jetzt werde ich mal grundsätzlich:
            Die theoretische Änderbarkkeit (des Menschen) ergibt sich aus seiner Fähigkeit zur Reflexion.
            Deshalb bin ich doch ‘Mensch’. Oder?
            Was sollte mich sonst auszeichnen?

            Wir haben eine Grundausstattung, die wir erkennen können.
            Und damit ändern können.

            Ich ziehe zwar anthropologische Konstanten an, aber nur, um sie zu überwinden.
            Schmerzhafter Prozess, aber nicht unmöglich.

            Amen.

            • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 15:43 - Permalink

              Die theoretische Änderbarkkeit

              ist bei allem gegeben ;-) sogar die prakrische je nachdem was man zu opfern bereit ist ;-))

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 15:02 - Permalink

            Anmerkungen zum Hedonismus.

            Der ordinäre Hedonist heutzutage akzeptiert seine Befindlichkeit, und lebt sie aus.
            Sie ist sozusagen ‘naturgegeben’ i.e. ‘gottgegeben’.
            Und er hat daran überhaupt nichts auszusetzen.
            Es ist so wie es ist.
            Mach das Beste draus.

            Irgendwann habe ich festgestellt, dass daran was nicht stimmt.

            Die Ursache liegt an einem Kohärenzzwang, den ich mir angewohnt/mühsam anerzogen habe.
            Vielleicht ist das ‘Universum’ inköhärent. Chaos. Kann schon sein. Dann wirke ich halt als Ordnungsfaktor in einer missglückten ‘Welt’.
            Unfertiges Universum. Ba’hai. ‘Gott’ ist unfertig. Kann ich mit leben. Da sind wir auf Augenhöhe.

            Letztlich: Es muss stimmen.
            Der Hedonist akzeptiert das als ‘wahr’, was ihm maximale Befriedigung verschafft.

            Not invented here.

    16. ebertus schrieb am 27. November 2010 um 13:27 - Permalink

      Man sollte das hierzulande erkennbare Aufziehen einer DDR 2.0 weniger mit dem Dritten Reich, eher mit der vergangenen DDR 1.0 vergleichen. Daran musste ich gestern am Vormittag so denken, mit einigen tausend anderen Menschen vor dem Brandenburger Tor stehend.

      Wer hätte das gedacht… und ein riesiges, martialisch daher kommendes Polizeiaufgebot muss die FDJ-Sekretärin und deren politische Abnicker (auf West-Berliner Gebiet, meiner Heimat, meiner Historie) schützen. Diese Abnicker bilden die in der Regel 90+x Prozent Volkskammer, der mediale Mainstream ist stromlinienförmig, gemäß Chomsky’s Propagandamodell aufgestellt und die Staatsmacht zeigt Präsenz.

      Nein, so unblutig wird diese, wird “unsere” DDR 2.0 nicht weichen, so wie deren Vorgängerin damals in 1989 – das wird dann (doch ‘n Vergleich) eher wie 1945 und sehr katastrophal enden.

      • name schrieb am 27. November 2010 um 13:44 - Permalink

        Ahistorischer Spinner: nichts von der BRD wissen, aber immer wat von DDR 6.0 erzählen wollen.

        Die BRD war schon immer so: undemokratisch und ein kapitalistischer Überwachungsstaat, also wat willst du überhaupt und wo warst du die letzten 60 Jahre?

        • ebertus schrieb am 27. November 2010 um 13:50 - Permalink

          Überwiegend in West-Berlin, wie geschrieben. Und erstmalig sich politisch äußernd, 1967 unter den Wasserwerfern am Kranzler Eck. Kokett, was? Aber die scheiss Realität eben, bis vorerst gestern am Reichstag.

          • name schrieb am 27. November 2010 um 13:58 - Permalink

            In Berlin hängen die Wolken heute tief, janz unkonkett und in der politischen Linken ist man sowieso soweit, Demonstrationen als politische Meinungsäußerung und Machtdemonstration als untaugliches Mittel zu erachten, weil es nichts, aber auch nichts bringt, außer ne Fotosession für die BFE Einheiten.

          • ebertus schrieb am 27. November 2010 um 14:03 - Permalink

            Insofern Zustimmung,
            und daher ist “Der kommende Aufstand” ja genau dieser “andere” Transmissionsriemen” über den man schon mal relativ ergebnisoffen reflektieren kann.

            • name schrieb am 27. November 2010 um 14:25 - Permalink

              Ich sehe einfach keinen Aufstand weit und breit, weil einfach die entscheidene politische Vision fehlt bzw. die politische Erkenntnis nicht klar benannt wird und das sozialdarwinistische Normalprinzip in den letzten Jahrzehnten alles zerfressen hat, alles in und außerhalb der politischen Linken.

              Die parlamentarische Linke getraut sich doch nicht einmal die einfache Wahrheit auszusprechen, daß die Verwertung der kapitalistischen Ware Arbeitskraft unter den heutigen globalen Bedingungen nicht mehr möglich ist.

            • groo schrieb am 27. November 2010 um 17:47 - Permalink

              @ebertus,
              sachmal.
              Du scheinst ja vor Ort zu sein.
              Es muss doch jemand geben, der weiss, was Merkel so um 1980 herum gemacht hat.

              Nach Angabe ihres damaligen FDJ-Gruppenleiters Hans-Jörg Osten[5] war Merkel während ihrer Zeit an der Akademie im Sekretariat der FDJ-Grundorganisation bei ihrem Institut für Agitation und Propaganda zuständig.[6] [7] Sie selbst äußerte dazu: „Nach meiner Erinnerung war ich Kultursekretärin. Aber was weiß ich denn? Ich glaube, wenn ich 80 bin, weiß ich gar nichts mehr.

              http://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel#Studium_in_Leipzig_.281973.E2.80.931978.29

              Fand ich immer schon recht unbefriedigend.
              Kannst Du mal Deine Fühler ausstrecken?

      • Systemfrager schrieb am 27. November 2010 um 13:48 - Permalink

        Nein, so unblutig wird diese DDR 2.0 nicht weichen, so wie deren Vorgängerin damals in 1989 – das wird dann (doch ‘n Vergleich) eher wie 1945 und sehr katastrophal enden.

        Nein, der Kommunismus war zwar ein naiver aber ein aufrichtiger Humanismus

        Der Neoliberalismus ist was anderes. Er ist ein Antihumanismus, eine rechtsstaatlich organisierte Räuberei nach dem Prinzip des sozialen Genozids. Als solcher ist er ein kompletter Verrat an den humanistischen und aufklärerischen Idealen der europäischen Moderne.

        • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 15:15 - Permalink

          Nein, der Kommunismus war zwar ein naiver aber ein aufrichtiger Humanismus

          Nee, mein Guter, das war er auch bloß nicht.

          Getötete Republikflüchtige, eingesperrte Systemgegner (ohne irgendwelches menschenfeindliches Gedankengut etc.), bespitzelte Menschen haben so gar nicht mit dem gemein, was ich unter Humanismus verstehe.

          Nicht dass wir uns falsch verstehen. Für mich ist dieses System genauso wenig humanistisch. Aber der “realexistierende Sozialismus” in der DDR, Polen, CSSR, Rumänien oder der UdSSR war es ebenso nicht.

          Das ist aber etwas, was viele nicht verstehen (können/wollen). Wer gegen das Eine ist, muss, laut deren Denke, für das Andere sein. Nein, muss man nicht. Von zwei Äpfeln können auch alle beide faul sein. ;-)

    17. groo schrieb am 27. November 2010 um 13:38 - Permalink

      ein Zwischen-Fazit:

      Holdger Platta hat durch eine schräge Analogie ein ‘Fass’ aufgemacht, das offenbar Projektionsfläche für allerlei diffuse Ängste ist.

      Das ist kontraproduktiv!

      Lenkt die Gedanken vom Wesentlichen ab.
      Lenkt sie in eine verkehrte Richtung!

      Es geht nicht darum, rückwärts eine schräge Analogie zum 3.Reich auf Teufel komm raus zu
      konstruieren, sondern eine Zukunft zu erdenken, die nicht katastrophal und vielleicht sogar lebenswert ist.

      Ich bin für alle historischen Erwägungen zu haben, aber die Fokussierung auf EINEN Aspekt ist wirklich nicht zweckdienlich!

      Näheres habe ich in meinen diversen Beiträgen hier im thread versucht, darzulegen!

      Also, Holdger, erspare uns entweder einen zweiten Teil, oder weise SEHR konkret nach, wo denn die gefährlichen Analogien sind.

      Ich kann sie nämlich partout nicht erkennen.
      (Abgesehen von den erwähnten ‘Konstanten’. Und da verweise ich auf Marx, der schon ein schlauer Fuchs war!)

      Die Gefährdungen sind andere.
      Vermutlich Neue.

    18. Teja552 schrieb am 27. November 2010 um 13:42 - Permalink

      Der Faschismus war doch nie ganz weg in dieser Bundesrepublik, ebenso wenig wie seine Mitläufer!
      Dies zu leugnen wäre reine Selbsttäuschung und das verklären der Tatsachen!

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 14:09 - Permalink

        ‘Faschismus’ halte ich für eine Begriffsverwirrung.

        Sowas wie Herrschaft das Kapitals mittels einer willfährigen Polit-Kaste.

        Das scheint zwar zu stimmen, aber es geht um was anderes:
        Ein gespaltenes Menschenbild: Suprematisten versus Diener.

        Altes Vorbild: Der griechische Götterhimmel versus die Menschlein.

        Was seine ‘Vollkommenheit’ im monotheistischen Gott gefunden hat.
        Dem ultimativen Despoten, der die Menschlein liebt und straft.

        Mielke/Ceaucescu lassen grüssen: “Aber ich liebe Euch doch Alle”.
        Feuchte Träume dieser anscheinend Unausrottbaren.

        Nietzsche bekommt da einen ganz anderen Geschmack, wenn er erschreckt ausruft: ‘Gott ist tot’.

        Denkt mal drüber nach.

      • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:05 - Permalink

        Das – die Fortdauer des ‘Faschismus’ nämlich – ist schon im Ansatz von der Wortwahl her falsch: Streng genommen hatten wir in Deutschland niemals einen Faschismus, sondern immer ‘nur’ einen Nationalsozialismus. Zwar gab es zwischen beiden Regimes Analogien, die volkstribunale Vorstellung von einem starken Führer bspw., der den Volkswillen in seiner starken Hand zusammenfasste (‘fasces’) und ihn dann gegen alle alten Gewalten exekutierte (zumindest in der Theorie).

        Die Differenzen sind aber auch unübersehbar: So ist der germanisch-nibelungisch fundierte deutsche Nationalsozialismus in seiner wagnerianisch-wagalaweiahaften Mythologie himmelweit verschieden von der Jugend-, Fortschritts- und Maschinenbegeisterung des italienischen Faschismus (vgl. u.a. Marinetti und den Futurismus) – mental steht da Studienrat gegen Ingenieur. Unter Mussolini bspw. gab es auch so gut wie keine rassistisch fundierte Verfolgung von Menschengruppen, der betrachtete die politische Sachlage zutiefst funktional, der primäre Feind waren Sozialismus und Marxismus, Ideologien, denen Mussolini – anders als Hitler und seine Schergen – übrigens selbst entstammte. Vereinfacht gesagt: Der Faschismus richtete vor allem Gewerkschafter und Sozialdemokraten hin, der Nationalsozialismus ‘den Juden’, und die Kommunisten in der Folge nur deshalb auch, weil nach der verqueren Ansicht dieser Figuren die Juden sowieso immer auch Bolschewisten waren. Ein ‘anständiger deutsch-arischer Kommunist’ konnte nach nationalsozialistischer Ansicht hingegen nur zugleich ein Nationalsozialist sein, das waren für die Nazis fast Synonyme. Dass Kommunismus und Nationalsozialismus sich im ideologischen Kern ähnlich seien, nur die jeweils andere Seite irregeleitet, das lässt sich übrigens auf beiden Seiten bei fast allen Schriftstellern feststellen (auf rechter Seite z.B. Salomon oder Zöberlein, auf linker Seite bspw. Willi Bredel oder Ludwig Renn). Hier jedenfalls ständig ‘Nationalsozialismus’ und ‘Faschismus’ durcheinanderzuwürfeln, bringt überhaupt nichts – uns schon gar nicht weiter.

        Auch abgesehen davon – von der Forderung nach einem autoritären Führerstaat sind wir heute weit entfernt, dazu hätte unsere Bourgeoisie auch viel zu viel Angst vor einer allmächtigen ‘rollenden Kanone’ an Bord ihres Globalisierungsdampfers, wie es ein neuer Hitler wohl wäre. Ihr geht es vor allem um den Rückgewinn jener verlorenen allseitigen Kontrolle, wie sie sie durch die zunehmende Dysfunktionalität altgewohnter massenmedialer Steuerungsmechanismen derzeit beim Deutungsmonopol erleidet.

        • name schrieb am 27. November 2010 um 15:10 - Permalink

          Da bleibe ich doch lieber bei der alten klaren Dimitroffdefinition des Faschismus, die wenigstens diejenigen Aspekte kenntlich macht, die entscheidend für die Qualifizierung des Faschismus als bürgerliche Gesellschaftsform der Kapitaleliten ist.

          Du wollst doch nicht etwa abstreiten, dass der offene Terrorismus in Deutschland ab 1933 nicht als Faschismus gewertet werden darf, und wenn doch, kannst du gerne mal alle “sozialistischen” Elemente des deutschen Faschismus klar benennen, aber bitte keinen ahistorischen Quatsch von dem Hochstapler Götz Aly oder aus der knoppischen Guidowunderkiste.

          Im übrigen ist der Rest von dem, wat du hier schreibst, von der Rückgewinnung der Kontrolle absoluter Bullshit: Sie haben die Kontrolle über die Medienkonzerne, auch wenn einige Kleingeister sich einbilden, sie müssten diese nicht mehr wahrnehmen.

          • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:24 - Permalink

            Jaja, der Dimitroff! War der nicht irgendwie auch mittenmang und selbst Partei, wenn auch auf der anderen Seite? Klar, man kann natürlich sagen: Seit dem Reichstagsbrandprozess gibt es nichts Neues unter der Sonne, die ganze Faschismusforschung seither kann man doch in die Tonne kloppen. Schließt die historischen Seminare, der große Stalin und sein getreues Sprachrohr, der Georgiu Dmitroff haben längst alles Nötige gesagt …

            Kurz zu den Medien, weil’s sonst zuweit seitab führt: Die Massenmedien verlieren ihre Funktion deshalb, weil sie nicht mehr das alleinige Deutungsmonopol haben, nicht, weil sie ihre Funktion gewechselt hätten. Aber ‘all ants now have megafones’ – siehe auch dieses Blog.

            • name schrieb am 27. November 2010 um 15:49 - Permalink

              Unsinn, hast du nicht gemerkt, wie stark das Deutungsmonopol aktuell immer noch ist, wenn mal wieder der Superterrorist gesucht wird oder wat von einem “Integrationsproblem” dahergeschrieben wird?

              Vielleicht ist der Hinweis von Jens, geh mal unter die “normalen” Leute absolut richtig, denn die lesen keine Blogs, werden nie welche lesen und hinterfragen nicht einmal, wie die Informationsverwertung und Informationsgewinnung bei Springer und Bertelsmann aussieht.

              Der Einfluß von Blogs ist gleich Null – wenn du 10 Stunden täglich arbeiten müsstest, offline, wäre dir das auch bewußt, genauso wie Dir eigentlich bewußt sein müsste, dass die alten Thesen und Erkenntnisse des alten Hilferdings Grundbaustein für die Dimitroffformel sind.

              Man, man, man, man..

            • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:57 - Permalink

              Man soll nie ‘nie’ sagen …

            • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:03 - Permalink

              @name,
              also bitte.

              der Einfluss von blogs ist nicht gleich NULL, sondern fängt an bei 1:80millionen, also Deiner werten eigenen Meinung.
              Und wenn du jemand anderen überzeugt hast, hat sich Dein Einfluss schon verdoppelt.

    19. schwitzig schrieb am 27. November 2010 um 14:18 - Permalink

      Ich sehe das pragmatisch: Wenn ich einen Drittes Reich-Vergleich anstelle, dient dieser dem Vergleich und hat damit automatisch seine Berechtigung. Die “Du-spuckst-höhnisch-ins-Gesicht-der-Opfer”- Krakeeler und Godwins Law-Zitierer (ohne auch nur das rudimentärste Verständnis dafür, was “Godwins Law” eigentlich behandelt) sind in meinen Augen sowieso derart Hirnresistent, dass es mir völlig egal ist, was die denken.
      Wenn ich faschistoide Merkmale entdecke, vergleiche ich sie und verschwende nicht sinnlos meine Zeit damit, eventuelle Tabuisierungen zu beachten,

      • Chat Atkins schrieb am 27. November 2010 um 15:15 - Permalink

        Dies ‘faschistoid’ ist doch nur ein rhetorischer Kunstgriff, um etwas, was einem zwar auf den Keks geht, was zugleich aber kaum faschistisch zu verorten ist, irgendwie doch faschistisch schimpfen zu dürfen.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:11 - Permalink

        @schwitzig,
        komm mal runter

        Wenn ich einen Drittes Reich-Vergleich anstelle, dient dieser dem Vergleich und hat damit automatisch seine Berechtigung.

        Sagen wir so:
        Sage mir, was Du mit was vergleichst, und ich sage Dir, wer Du bist.

        Ich bin heute gnädig gestimmt, und erlaube Dir, deinen Allsatz bis sagen wir mal 24:00 Uhr in die Tonne zu treten.
        Und was ist -nebenbei- an Allsätzen ‘pragmatisch’?
        Kannst Du das auch gleich mit entsorgen?

        • schwitzig schrieb am 27. November 2010 um 21:26 - Permalink

          Warum stellt man einen Vergleich an? RICHTIG! Um etwas zu VERGLEICHEN! Nein, wer hätte das gedacht …

    20. R_Winter schrieb am 27. November 2010 um 14:18 - Permalink

      Der Artikel ist schon deshalb gut, weil er versucht, Denkweisen und Totschlags-Argumente in Frage zu stellen. Die Feststellung…..

      Anders gesagt: Prinzipiell ließe sich deshalb – bezüglich des Dritten Reiches – aus der Geschichte für die BRD nichts lernen!

      …..ist als Provokation, Überzeichnung zu verstehen. Selbstverständlich müssen wir aus der Geschichte lernen, zumal sich Abläufe z.Z wiederholen. Diese sind in vorstehenden Kommentaren aufgeführt.

      Auch unsere jüdischen Mitbürger lernen aus der Geschichte – ohne die Umstände zu vergessen:

      “Wir müssen heraus aus der Holocaust-Nische und mitten hinein ins Leben” gab er dem Zentralrat der Juden im November die Richtung vor. Am Sonntag soll der 59-jährige Dieter Graumann gewählt werden

      Wir müssen vergleichen zwischen der Zeit von 1930 – 1945 und der heutigen Zeit, aber nicht im Verhältnis 1:1, jedoch die Dominanz des Finanzwesen zeigt auch heute unheilsame Entwicklungen auf. Damals hatte man sich Marionetten aufgebaut, die nicht kontrollierbar waren und heute sieht es nicht anders aus.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 15:33 - Permalink

        ich bin mir da nicht sicher, ob das als eine ‘Provokation’ gedacht war.

        Was den ‘Zentralrat’ betrifft:

        Auch unsere jüdischen Mitbürger lernen aus der Geschichte

        Tun sie das?
        Naja.
        Broder als echter Kandidat(?), Hecht-Galinski irgendwo im Nirvana.
        Der Zentralrat ist eine AIPAC-dependance. Man suche nur nach Knobloch/AIPAC.

        Keine Ahnung, wieso Sie das jetzt erwähnt haben, aber ich schnappe da nur nach Luft.

        Chaos-brother Broder for President, und gut isses?
        Nur so zum Spass.
        Ist ja alles so lustig.

        Nehmen wir halt Graumann.

    21. spider schrieb am 27. November 2010 um 14:21 - Permalink

      Ich finde diesen Gastartikel extrem schlecht. Meine Kritik:

      1) Der Autor teilt uns nicht mit, wie er den Faschismus überhaupt definiert. Dies hätte ich bereits zu Anfang des Artikels erwartet, denn bevor man darüber spekuliert, ob irgendwelche Vergleiche möglich, zulässig etc. sind, muss zunächst eine Begriffsklarheit her. Hier hilft es auch nicht darauf zu verweisen, dass im Prinzip jeder wisse, was der Faschismus sei, denn die Vorstellung, was es ist, hängt auch von dem politischen Hintergrund des Betreffenden ab, ist also zum Teil höchst subjektiv, während der Begriff historisch jedoch nicht nur im Zusammenhang mit dem Dritten Reich verwendet wurde. Eine objektive Definition muss also her.

      Wie stark subjektiv die Assoziationen teilweise sind, möge das folgende Beispiel demonstrieren:
      Würde bspw. irgendein westliches Land Internierungslager samt Zwangsarbeit für politisch Unbequeme einführen, wären die Faschismus-Vorwürfe aus vielen Ecken ganz laut.
      In der ehemaligen Sowjetunion, die nach der oberflächlichen Vorstellung der Allgemeinheit nicht faschistisch war, wurde dies aber ebenfalls getan. Auch gab es dort den Versuch der gesellschaftlichen Kollektivierung. Man schwank gemeinsam Fähnchen, beteiligte sich an feierlichen Umzügen und mimte den “neuen kommunistischen Menschen”, der seine Freiheit und Rechte zu Gunsten eines gleichgeschalteten Kollektivs zu opfern hatte.
      Dies Sache ist somit also nicht ganz so einfach, weswegen sich die Linke – insbesondere die radikale Linke – hier ein Eigentor schiesst. Man mag sich über vieles empören und über manche Sachen sollte man sich sogar empören,aber es ist unseriös dabei mit nicht näher definierten Pauschalbegriffen um sich zu werfen. Tut man es dennoch, so setzt man hier auf den propagandistischen Effekt und spielt leider mit falschen Karten.

      2) Die polemische Implikation, dass Nadelstreifenanzüge eine Art neue SA-Uniformen seien oder sein könnten, ist aufgrund des Mangels jeglicher Argumente für diese These im Text, eine sehr gewagte Unterstellung.
      Auch Menschen in Nadelstreifenanzügen haben Persönlichkeitsrechte. Wer diese per se als “schädlich” oder “gefährlich” betrachtret, unterscheidet sich hier in der Argumentation kaum von den kontroversen Standpunkten eines Gerd Habermann. Er bildet hierbei lediglich nur seinen “ideologischen Gegenpol”, ist in der Sache aber nicht minder radikal.

      • groo schrieb am 28. November 2010 um 10:36 - Permalink

        Eine objektive Definition muss also her.

        Dem kann ich nur zustimmen.
        Würde nur ‘objektiv’ streichen.
        Man sieht doch am Begriff ‘Antisemit’, was für ein Schindluder getrieben werden kann, wenn eine Definition fehlt.

        Im ‘Sozialen’ ist es mit Definitionen bekanntlich so eine Sache

        Holdger hat es aber versäumt, halbwegs klar zu machen, was zumindest ER drunter versteht.

        Forsche ich nach, so finde ich erstmal das:

        What constitutes a definition of fascism and fascist governments is a highly disputed subject that has proved complicated and contentious. Historians, political scientists, and other scholars have engaged in long and furious debates concerning the exact nature of fascism and its core tenets.

        Most scholars agree that a “fascist regime” is foremost an authoritarian form of government, although not all authoritarian regimes are fascist. Authoritarianism is thus a defining characteristic, but most scholars will say that more distinguishing traits are needed to make an authoritarian regime fascist.

        http://en.wikipedia.org/wiki/Definitions_of_fascism

        Und dann sage und schreibe 15 Fassungen des Begriffs.
        Die deutsche wikipedia ist da deutlich schlampiger.

        Was die genannten ‘Herrschaften’ Clement und Sarrazin betrifft, gehören sie für mich zu den ‘Authoritarians’. (Bob Altemeyer)
        Das reicht mir eigentlich als Kategorie.

        Leute dieses Schlags schaffen sich dann gesellschaftliche Strukturen, die ihrem Charakter entsprechen.
        Davon ist eine halt der Faschismus.
        Eine andere die ‘corporation’ als juristische Person. (Joel Bakan)
        Wer hätte das gedacht?

        Vielleicht neige ich zum psychologisieren, was vielen sicher nicht gefällt, aber was Rötzer da gestern ausgegraben hat, geht in ‘meine’ Richtung:

        Sind die Reichen gefühlsblind?

        Die Reichen und die höher Gebildeten aus der Mittel- und Oberschicht scheinen ein Defizit zu besitzen, das möglicherweise erklärt, warum hier auch fehlendes Mitleid gegenüber den ärmeren und benachteiligten Schichten verbreitet sein könnte. Die Angehörigen der unteren gesellschaftlichen Schichten sollen sich nämlich nach einer in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlichten [extern] Studie von kalifornischen und kanadischen Wissenschaftlern besser in ihre Mitmenschen hineinversetzen und deren Gefühle erkennen können.
        …

        • gerdos schrieb am 29. November 2010 um 10:15 - Permalink

          “Vielleicht neige ich zum psychologisieren, was vielen sicher nicht gefällt, aber was Rötzer da gestern ausgegraben hat, geht in ‘meine’ Richtung:”

          Was die Menschenversuche der Mediziner in den KZs betrifft mag diese These richtig sein. Ansonsten war die SS ja nicht gerade ein intellektueller Debattierclub.

      • COPOKA schrieb am 28. November 2010 um 16:42 - Permalink

        Dem kann ich mich auch ohne Wenn und Aber anschließen.

        Der richtige Oberbegriff heißt m.E. Totalitarismus, der ideologisch konträr zu Idealen der Aufklärung steht: liberté, égalité, fraternité.
        Demokratie, zumindest in ihrer ‘modernen’ Auffassung, mag zwar eine notwendige aber bei weitem nicht ausreichende Voraussetzung dafür sein.
        So sind z.B. USA in 50-rn durchaus ‘demokratisch’ geblieben, totalitäre Dämmerung wurde dadurch jedoch nicht verhindert.
        Etwas ähnliches findet auch ggw. statt.

        • Axel schrieb am 28. November 2010 um 17:23 - Permalink

          Es muß zumindest der Rechtsstaat hinzukommen.

          Wenn der Rechtsstaat ohne wenn und aber verwirklicht ist benötigt man möglicherweise nicht einmal eine Demokratie, denn diese besagt ja nach Popper nicht mehr als das man die Regierenden ohne Gewalt loswerden kann. Wenn man das so sieht, weiß ich auch warum mir der Begriff Demokratie nach den Entwicklungen der letzten Jahre nicht mehr viel bedeutet.

          Mehr bedeutet mir der Rechtsstaat!

          Das Problem ist, das der Rechtsstaat nicht (mehr) voll verwirklicht ist.

          Für Langzeitarbeitslose ist er z. B. außer Kraft gesetzt, da eine lebensgefährdende Sanktion bereits greift bevor die Schuld festgestellt ist.

          • COPOKA schrieb am 29. November 2010 um 22:19 - Permalink

            Mehr bedeutet mir der Rechtsstaat!

            Rechtsstaat kann nicht “besser” als das Rechtssystem sein.
            Wenn z.B. die Plünderung der Allmende legalisiert ist, kann auch Rechtsstaat nichts daran ändern. Und wenn die Grundrechte durch bürokratische Verordnungen ausgehebelt sind, kann der Rechtsstaat auch nichts dafür.
            Ohne Rechtsstaat nützt allerdings auch allerbestes Rechtssystem nichts.

            • Axel schrieb am 29. November 2010 um 22:59 - Permalink

              Ja aber das hatten wir schon mal.

              Es gibt nicht das beste Rechtssystem, sondern nur das in maximal freier Entscheidung und philosophischer und ethischer Debatte (faktisch aber unter den jeweils herrschenden Bedingungen) verabschiedete. (Ich weiß nicht was ich damals schrieb) Dafür ist dann wieder eine Demokratie Voraussetzung (aber nicht hinreichend). Irgendwie bedingt sich das alles gegenseitig ohne das all dies ausreicht! Es hängt letztlich immer auch noch an den handelnden Personen. Und wenn da ein Clement oder Westerwelle oder Koch dabei sind usw und endlos so fort, dann wird das halt nichts.

              Aber der Begriff des Rechtstaats impliziert irgendwie schon das das (Menschen)Recht im Sinne von “was Du nicht willst was man dir tu das füg auch keinem Andern zu” einigermaßen geregelt ist.

              In diesem Sinne sollte man niemanden sanktionieren bevor dessen Schuld bewiesen ist. Und man sollte auch niemanden sanktionieren weil er wegen eines verpaßten Busses nicht zum ARGE Termin erschien oder statt 20 (ich meine ich habe vor kurzem irgendwo gelesen das man sich zu sowas in einer rechtswidrigen Eingliederungsvereinbarung verpflichtet) vorgeschriebenen sinnlosen Bewerbungen nur eine einzige sinnvolle geschrieben hat.

    22. schwitzig schrieb am 27. November 2010 um 14:31 - Permalink

      Auch Menschen in Nadelstreifenanzügen haben Persönlichkeitsrechte. Wer diese per se als “schädlich” oder “gefährlich” betrachtret, unterscheidet sich hier in der Argumentation kaum von den radikalen Standpunkten eines Gerd Habermann. Er bildet hierbei lediglich nur seinen “ideologischen Gegenpol”, ist in der Sache aber nicht minder radikal.

      Radikalität radikalisiert oder Gewalt erzeugt Gegengewalt. Oder: Die Geister, die ich rief. Ich muss gestehen, dass ich den Artikel nicht zuende gelesen habe, weil mir die leicht verschwurbelte Ausdrucksweise etwas auf den Geist ging (obwohl ich ansonsten Artikel von Holdger Platta sehr schätze), aber ich finde sehr wohl, dass die Nadelstreifenanlogie recht gut passt. Selbstverständlich stellen Nadelstreifenanzüge eine Art Uniform dar und daher steht diese Uniform natürlich auch für eine Organisation oder Einstellung.

      • spider schrieb am 27. November 2010 um 14:52 - Permalink

        Selbstverständlich stellen Nadelstreifenanzüge eine Art Uniform dar und daher steht diese Uniform natürlich auch für eine Organisation oder Einstellung.

        Und lange Haare bei Männern stehen für Hippie-Mentalität und die Vorliebe für illegale Substanzen? Oder für exzessiven Bierkonsum bei Iron Maiden – Klängen?
        Was für ein Quatsch …

        • schwitzig schrieb am 27. November 2010 um 15:18 - Permalink

          Und lange Haare bei Männern stehen für Hippie-Mentalität

          Nein. Und Dein Vergleich passt auch nicht. Gib Dir nächstesmal mehr Mühe.

          • spider schrieb am 27. November 2010 um 16:01 - Permalink

            Nein. Und Dein Vergleich passt auch nicht. Gib Dir nächstesmal mehr Mühe.

            Wieso sollte ich? Nicht der Adressat (in dem Fall der Leser, also ich) muss beweisen, dass eine dermassen kontroverse Behauptung falsch ist, sondern ihr Autor oder Befürworter muss belegen, dass sie stimmt.
            Wäre es anders, so würden wir hier wohl auch über UFOs diskutieren :-)

            Nochmals: Die These, dass Nadelstreifenanzüge eine Art SA-Uniformen seien, erscheint mir völlig grotesk und viel zu hoch gegriffen. Ebenso sind mir entsprechende Pläne wie bspw. die Ermordung von “ideologisch minderwerten Gesellschaftsschichten” seitens irgendwelcher “Nadelstreifenanzugsträger” gänzlich unbekannt. Also was soll das?

            • elwu schrieb am 27. November 2010 um 19:41 - Permalink

              Die These, dass Nadelstreifenanzüge eine Art SA-Uniformen seien, erscheint mir völlig grotesk und viel zu hoch gegriffen.

              Laut Wiki:

              “Als Uniform (umgangssprachlich Kluft) bezeichnet man gleichartige Kleidung, um optisch einheitlich (lateinisch-französisch: uniform) in der Öffentlichkeit aufzutreten”

              Man kann Leuten, die Nadelstreifenanzüge tragen, viel unterstellen, aber dass die das tun, um optisch einheitlich aufzutreten, ist fraglos eine völlig abseitige Annahme. Diese (oder sonst eine) Zivilkleidung dann auch noch als eine Art von Nachfolgeuniform der SA hinzustellen und zu allem obendrein (den von mir sehr gering geschätzten) Herrn Clement in die SA-Nachfolge zu rücken, ist schlicht erbärmlich.

              Ich bin seit langem überzeugt, radikallinke Schreiberlinge wie Platta kommen ohne derartige Ausfälle nicht aus, können es einfach nicht strikt sachlich. Jedenfalls ist mir kein Artikel aus dieser Ecke bekannt, in dem nicht ad hominem gestänkert wird und völlig abseitige, diffamierende Vergleiche und Verbindungen zusammenfabuliert werden.

        • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 19:14 - Permalink

          Selbstverständlich stellen Nadelstreifenanzüge eine Art Uniform dar und daher steht diese Uniform natürlich auch für eine Organisation oder Einstellung.

          Stimmt nicht generell … obwohl die Wahrscheinlichkeit größer ist bei Pöbelattaken von einem langhaarigem Kuttenträger eine auf’s Maul zu bekommen als von einem gelackten Anzugfritzler ( LOL )..

          • elwu schrieb am 27. November 2010 um 19:42 - Permalink

            Bei was für Pöbelattacken?

            • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 19:56 - Permalink

              Bei angenommenen … LOL und Sprüchen wie ” geh’ mal zum Frisör ”

              Ok ..das sollte mehr ein Joke sein ;-)

    23. Axel schrieb am 27. November 2010 um 14:36 - Permalink

      Welche derzeit existierende Gesellschaft, ist nach den (impliziten) Kriterien des Artikels frei vom “Faschismus”?
      Die Anführungszeichen weil Faschismus nicht explizit definiert wurde.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:21 - Permalink

        Da ist was dran.

        ich erinnere mich noch mit Schrecken an das Interview Friedman-Sharon ca 2002 in Jerusalem:
        Tenor:
        Wer Antisemit ist, bestimmen wir.
        Antisemiten sind gleichzusetzen mit Terroristen.
        Terroristen dürfen/müssen wir weltweit um die Ecke bringen.

        Kein Aufschrei in den Medien!

        Q.E.D.

    24. Benjamin schrieb am 27. November 2010 um 15:20 - Permalink

      Was sind denn überhaupt die Fasces?
      Ein Beil (der Mächtige) zusammengehalten durch dürre Zweige (der Normalo)
      Ich liebe dieses Bild <333
      Und das gilt doch für jedes System; gut mal ist das Beil blutiger und schärfer, mal ist das Bündel weniger stark zusammengeknotet, aber das grundprinzip gilt für JEDEN Staat.

      Oder nennt mir mal als Gegenbeweis auch nur einen Staat, bei dem das nicht so ist?

      Es gibt also drei Möglichkeiten; sich anpassen (drei vier fünf Bier am abend lindern den Schmerz), Zweige gegen Beil (lächerlich) oder aber das Band aufschneiden (entspricht einer Revolution), aber ist ein Zweig, dass schneidet nicht auch wieder sowas wie ein kleines Beil? Robbespiere lässt grüßen.
      Die meisten Leute haben – mit Recht – keinen Bock auf solche Reibereien und wollen einfach nur ihre Ruhe, auch wenn es stinklangweilig, öde und manchmal unerträglich ist.
      Sie haben Angst vor Veränderung!
      Wer sein Leben lang im Knast saß, kommt mit echter Freiheit nicht zurecht, die es deswegen auch nie gab und nie geben wird.

      Stimmung!

    25. Redhat schrieb am 27. November 2010 um 15:37 - Permalink

      Der direkte Vergleich läuft ins Leere.
      Merkmale des Faschismus ändern sich entsprechend der Zeit und Örtlichkeit.
      Man ist vielleicht besser beraten allgemeingültige Merkmale faschistoider Gesellschaftsstrukturen herauszuarbeiten und wird dann vermutlich feststellen, dass diese faschistoiden Tendenzen in allen, auch sog. freiheitlichen Demokratien mehr oder weniger vorhanden sind.
      Vielleicht ist damit auch besser erfassbar, welche staatliche Handlungsweisen faschistoid sind.

      Ein Beispiel:
      Der direkte Vergleich des genozidalen Merkmals des Faschismus des dritten Reiches mit der BRD ist nicht aussagekräftig. Die BRD unterhält keine KZ´s mehr, es werden keine Minderheiten meuchelmörderisch umgebracht oder zur Zwangsarbeit gezwungen.

      Gleichwohl enthält die Außenpolitik der BRD genozidale Elemente in Form des Einsatzes und/oder der Duldung des Gebrauchs von “Depleted Uranium” Waffen in jenen Staaten, die unter Mißachtung des Völkerrechts durch die westliche Allianz mit Krieg überzogen werden.

      Für Folterpraktiken sieht die Bilanz ähnlich aus.

      Man muss natürlich auch den Umstand beachten, dass im 21. Jahrhundert in einer globalisierten Welt, mit sich auflösenden Staatsgrenzen, nicht mehr nur ein Staat, wie im Falle Deutschlands 1933-45 als faschistisch gebrandmarkt werden kann. ( Wobei eine nähere Betrachtung der geschichtlichen Umstände, insbesonders der wirtschaftlichen und politischen Unterstützung Hitlers aus dem Ausland den Mhytos von der “Alleinschuld” Deutschlands nicht aufrechterhalten kann)
      Faschistoide Merkmale finden sich insbesonders nach dem 11.9.2001, den man direkt mit dem Reichstagsbrand vergleichen kann, heute in allen westlichen “Demokratien” in Form von:
      - Unterminierung der Gewaltenteilung
      - offene Allianz der Politik mit der Wirtschaft
      - ausufernde Überwachung und biometrische Kennzeichnung
      - agressive Expansion in Form von Ressourcenkriegen
      - Gleichschaltung der Presse und Verrfolgung von Whistleblower

      So war z.B. die Einführung von Lochstreifen-Identifikationen durch IBM das notwendige technische Mittel für die generalstabmäßige Verfolgung von Minderheiten durch die Nationalsozialisten. D.h. nicht, dass die heute angewendeten Methoden der biometrischen Erfassung, Vernetzung von Daten- und Bewegungsprofilen von den Regierungen in gleicher Art und Weise mißbraucht werden, sondern es stellt sich die Frage, wozu die Regierungen diese Daten überhaupt brauchen.
      Der offensichtliche Grund ist m.M.n Kontrolle und sozialpolitische Steuerung.
      Teilweise verbinden sich dies mit sozialrassistischen Gedanken eines Sarazins, aber der Hauptgrund ist ein kaltes statistisches Kalkül mit den erhobenen Daten sozialpolitische Entschiedungen zu treffen, die das Leben des Individuums und ganzer Bevölkerungsschichten regeln und immer enger in ein kapitalistisches Verwertungssystem einzubinden.
      Das unterscheidet sich der Form nach natürlich von der “Sozialhygiene” der Nationalsozialisten, aber der zugrundeliegende Geist ist gleichwohl faschistoid und zwar im Wortsinn, als Bündelung von Interessen, Gruppierungen, Unternehmen und Organisationen mit dem erklärten Ziel und Willen im Sinne Nietzsche: “Wille zur Macht”.

      Und damit wird das Phänomen: ” Faschismus” , ein Zeiten- und Gesellschaftsübergreifendes Kontinuum an dessen phsychologische Basis sich z.B. A. Lobajewski mit seinem Werk ” Ponerology” herangetraut hat.
      Unter diesen Aspekten ist eigentlich einzig und allein die Frage interessant:
      Wie haben sich die Formen des Faschismus über die Jahrhunderte gewandelt und welche Formen nimmt er heute an.
      Insofern können sich Äpfel zu Birnen wandeln.

      • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 16:44 - Permalink

        Der direkte Vergleich des genozidalen Merkmals des Faschismus des dritten Reiches mit der BRD ist nicht aussagekräftig. Die BRD unterhält keine KZ´s mehr, es werden keine Minderheiten meuchelmörderisch umgebracht oder zur Zwangsarbeit gezwungen.

        Oh, oh. Wenn Du Dich da mal nicht auf Glatteis begeben hast … :-)

        Wie würdest Du es definieren, wenn AlG2-Empfänger unter der Androhung von Sanktionen zu Ein-Euro-Jobs verpflichtet werden? Wenn man inzwischen sogar darüber diskutiert, ob zukünftig nur Derjenige noch Sozialleistungen erhalten solle, wer diese auch “abarbeitet”? Kannst Du darin irgendwelche Freiwilligkeit erkennen? Oder könnte man es nicht auch eher Zwangsarbeit nennen …

        Und genau dieser Punkt ist auch einer (!!) derjenigen Punkte, die dazu führen, dass gewisse Parallelen gezogen werden.

        • Redhat schrieb am 27. November 2010 um 17:08 - Permalink

          Nun, ich würde es als Faschismus-Light definieren. Allerdings wirst Du mir bestimmt zustimmen, dass man einen solchen Faschismus nicht hinsichtlich seiner konkreten Auswirkungen vergleichen kann. Versteh mich nicht falsch, ich will ALG2 und 1-Euro Jobs nicht schönreden, ganz bestimmt nicht, nur de facto sind, sieht man von wenigen Ausnahmen durch Hungerstreiks ab, dadurch keine Millionen Menschen durch Gewalt oder den Folgen von Zwangsarbeit gestorben.
          Die Frage, ob dieser Kapitalfaschismus nicht, global gesehen, mehr Menschen unmittelbar und mittelbar auf dem Gewissen hat, als der Nationalfaschismus, ist damit nicht beantwortet,
          Ich meine hinsichtlich der Auswirkungen auf Umwelt, Lebensbedingungen – Nahrungsmittel und Wassersituation dürfte die Anzahl der betroffenen Menschen sogar wesentlich größer sein als die Toten aller Weltkriege zusammengenommen.
          Man muss in diese Rechnung auch z.B. alle Kriege der Amerikaner und NATO einbeziehen, als auch die Folgen der chemischen und atomaren Industrie. Wenn heute in den westlichen Industrienationen jeder 2. an Krebs stirbt, dann muss man diese zum größten Teil als Opfer einer menschen- und naturverachtenden faschistoiden Geisteshaltung ansehen.
          Insofern haben sich die Befürchtungen Jachsons bei den Nürnberger Prozessen leider bestätigt.

          • Lutz Hausstein schrieb am 27. November 2010 um 17:50 - Permalink

            Allerdings wirst Du mir bestimmt zustimmen, dass man einen solchen Faschismus nicht hinsichtlich seiner konkreten Auswirkungen vergleichen kann.

            Sicher. Deshalb geht es ja auch darum, bestimmte Tendenzen zu betrachten und zu vergleichen.

            Wirkliche Vergleiche oder gar Gleichsetzungen ließen sich sowieso immer nur im Nachhinein anstellen. Doch dann wäre es ja auch zu spät. Oder wöllte man alles so (oder so ähnlich) noch einmal durchmachen wollen, nur im danach sagen zu können: Ja, es ist absolut vergleichbar./Nein, es war nicht direkt vergleichbar.

            Und ich denke, genau so sollte man auch diese Vergleiche auch sehen. Und so verstehe ich auch Holdgers Artikel.

            Übrigens … Was Todesopfer anbelangt, möchte ich auch darauf verweisen, dass ich nicht nur die Opfer durch direkte Gewaltausübung betrachte, sondern auch die indirekten. Diejenigen, welche durch fortdauernde Repressionen, Diffamierungen o.ä. mut- und kraftlos geworden sind. Bis zu dem Punkt, wo sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben, als diesem (ihrem) Elend selbst ein Ende zu machen. Auch diese “strukturelle Gewalt” produziert Opfer. Nur lassen sich eben diesen Opfern keine direkten (im klassischen Sinne) Täter zuordnen – Verantwortliche aber sehr wohl.

            • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:35 - Permalink

              @Lutz,

              es geht aber nicht an, solche Denkhaltungen einfach ‘faschistisch’ zu stempeln.

              Das ist ein Kategorien-Fehler!

              Die Übermenge ist eine gewisse Denkhaltung, die spezielle Ausprägung mag dann der Faschismus sein.

            • Lutz Hausstein schrieb am 29. November 2010 um 14:37 - Permalink

              Übrigens … Was Todesopfer anbelangt, möchte ich auch darauf verweisen, dass ich nicht nur die Opfer durch direkte Gewaltausübung betrachte, sondern auch die indirekten. Diejenigen, welche durch fortdauernde Repressionen, Diffamierungen o.ä. mut- und kraftlos geworden sind. Bis zu dem Punkt, wo sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben, als diesem (ihrem) Elend selbst ein Ende zu machen. Auch diese “strukturelle Gewalt” produziert Opfer. Nur lassen sich eben diesen Opfern keine direkten (im klassischen Sinne) Täter zuordnen – Verantwortliche aber sehr wohl.

              Gern hätte ich auf diesen Beleg dessen, was ich erst vorgestern geschrieben hatte, verzichtet.

              “Schon wieder ein Suizid”

              Medialen Widerhall wird aber auch dieser erneute Fall kaum finden. Wie so immer.

        • Arbo schrieb am 27. November 2010 um 18:40 - Permalink

          Wie würdest Du es definieren, wenn AlG2-Empfänger unter der Androhung von Sanktionen zu Ein-Euro-Jobs verpflichtet werden? Wenn man inzwischen sogar darüber diskutiert, ob zukünftig nur Derjenige noch Sozialleistungen erhalten solle, wer diese auch “abarbeitet”? Kannst Du darin irgendwelche Freiwilligkeit erkennen? Oder könnte man es nicht auch eher Zwangsarbeit nennen …

          Eine Verschärfung der Sozialgesetze ist aber mindestens seit den 70er Jahren zu beobachten; in die von Dir genannte Richtung seit den 90er Jahren.

          Arbo

        • elwu schrieb am 27. November 2010 um 20:53 - Permalink

          Wie würdest Du es definieren, wenn AlG2-Empfänger unter der Androhung von Sanktionen zu Ein-Euro-Jobs verpflichtet werden?

          Vernünftig, notwendig und fair würde ich das nennen. Wenn ich nicht Ein-Euro-Jobs grundsätzlich ablehnen würde, da mit diesem rotgrünen Schwachsinn reguläre Arbeitsplätze zu hunderttausenden vernichtet wurden und werden. Und viel zu wenige Menschen, die in so einem Ein-Euro-Job gelandet sind, da raus irgendwann wieder in einen normalen kommen, der einen vernünftigen Lebensunterhalt erwirtschaftet.

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 21:13 - Permalink

            Grün hat wenigstens abgeschworen.
            Scheint wenigstens…
            ‘Schwachsinn’ ist heilbar.

            Frage bleibt offen.

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:28 - Permalink

        Unter diesen Aspekten ist eigentlich einzig und allein die Frage interessant:
        Wie haben sich die Formen des Faschismus über die Jahrhunderte gewandelt und welche Formen nimmt er heute an.

        Richtig.

        und damit die anderen es auch finden:
        darum gehts:
        PONEROLOGY: THE STUDY OF EVIL
        Wobei ich bei der Definition des ‘Bösen’ eher bei Hannah Arendt bin. Trotzdem ist das Buch auf meiner Leseliste.

        Und der Mann heisst Andrew Lobaczewski.

        Was für untern Christbaum ;)

        • Peleo schrieb am 27. November 2010 um 20:36 - Permalink

          “Hannah Arendt”

          Da wirst Du hier aber Ärger kriegen: Totalitarismustheorie!

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 21:16 - Permalink

            Haha!

          • groo schrieb am 27. November 2010 um 21:48 - Permalink

            es ist ein paar Jährchen her, wo ich angefangen habe, primäre (genetisch verursachte) und sekundäre ‘Soziopathie’ zu unterscheiden.
            Vor Niels Birbaumer, aber nicht vor Lobaczewski.
            Der hat sich jahrzehntelang damit abgekämpft, und hatte früh vor-ort-Erfahrung.

            Die ‘Theorie’ scheint mir ziemlich robust zu sein.
            Die meisten (>90% ? ) Soziopathen, die so in der Weltgeschichte aufgetreten sind, gehören zur sekundären Kategorie.

            Man beachte:
            Alexander wurde von Aristoteles ‘sozialisiert’.
            Ackermann von Binswanger.
            Ein Rätsel.

            Der genetisch disponierte S. ist die Minderheit.

            Lobaczewski unterscheidet offenbar genauso:
            Aquired Deviations
            Inherited Deviations

            Allerdings mit dem Unterschied, dass er die genetische Komponente stärker betont.

            Wie auch immer.
            Wir sollten genau aufpassen, welche Typen sich auf der politisch-wirtschaftlichen Ebene so herumtreiben.
            Räuberbarone, Narzissten und sonstiges Geschmeiss.
            Wenn Ackermann plötzlich anfängt, von Kompatibilität von ‘Ethik’ und Finanzwesen zu schwadronieren, kann ich nur müde lächeln, bzw es geht mir das M… irgendwo auf.

            Faschistische Regime sind ebenso von Soziopathen geprägt wie ‘corporations’ (->the corporation).

            Der Trick ist der: sie sind selbststabilisierend, und erfinden permanent neue Strukturen wie ‘Geld’ oder die ‘Kapitalgesellschaft’ als juristische Person mit ewigem Leben, sodass sie generationenübergreifend unangreifbar werden.
            Dahinter sitzen dann Cretins wie die Quandts, und wärmen sich den Allerwertesten in der U-Garage.
            Die Exekutive stellt das bekannte Personal.
            DAS ist der Hintergrund!

            Das als ‘Faschismus’ zu bezeichnen, ist verfehlt!
            Ist nur eine Ausprägung.

            Amen.

            • groo schrieb am 27. November 2010 um 22:13 - Permalink

              sorry:

              Susanne Hanna Ursula Klatten (gebürtig Quandt; * 28. April 1962 in Bad Homburg vor der Höhe, Obertaunuskreis, Hessen) ist eine der Erbinnen des Milliardenvermögens der Familie Quandt. Mit einem geschätzten Vermögen von 11,1 Milliarden US-Dollar gilt Susanne Klatten als reichste Frau Deutschlands. Die Forbes-Liste The World’s Billionaires führt sie 2010 auf Platz 51 der Weltliste der Milliardäre.[1]

              Das ist die Dame:
              http://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Klatten

              Natürlich einschlägig geehrt:

              Klatten erhielt 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2007 den Bayerischen Verdienstorden. Seit 2004 ist sie Ehrensenatorin der Technischen Universität München.

              Von seiner Demenz kann sich der Geldadel easy freikaufen.
              ‘Leistung’ wird einfach gekauft.
              Und die zugehörige Propaganda und Polit-Personal mit dazu im Paket.

    26. leslie schrieb am 27. November 2010 um 16:23 - Permalink

      Faschismus…
      Ich würd es eher als Kapitalfaschismus bezeichnen.
      Geld über alles.

      Arbeitslose,Kiffer,Schwule(Muslime mögen Schwule garnicht) sind da wohl am härtesten betroffen.

      Aber ich sach ja.
      Lass dich mal in Bayern mit einem Joint erwischen und du lernst die ganze Palette kennen.
      Arbeitsplatzverlust,Stigmatisierung…

      Es riecht so gut.
      Pass aber auf das du nicht geschnappt wirst.
      Sie sind nämlich hinter dir her du alter Kiffer!
      Dabei geht ihre Gesellschaft am Alkoholismus zugrunde aber dich jagen sie,dich!!

      Und Deutschland wurd damals nicht entnazifiziert.
      Das meiste haben die USA ja damals adaptiert.

      Sonst gäbe es heut keine CDU/CSU,FDP.

      Mlg

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 18:50 - Permalink

        Kapitalfaschismus

        Ich will ja nicht Oberlehrerhaft rüberkommen, aber das stimmt nicht!

        Das Deutsche hat die Neigung, Attribute ans Subjekt zu kleben.
        DonauSchiffahrtsKapitänsMütze.
        Also hier:
        Kapital-Faschismus.
        Eigentlich eine schöne Eigenschaft unsrer Sprache, um die uns manche beneiden, die überhaupt verstehen, worums geht.

        Leider bricht das Ganze zusammen, wenn das Basis-Subjekt falsch gewählt ist.

        Und das scheint mir hier der Fall zu sein.

        Deshalb empfehle ich allen dringend einen Kurs in Semantik, die nicht wissen, was Attributierung ist!
        (den ich nie belegt habe. Ich war einfach mal neugierig, -rein so als Mensch- was Worte so bedeuten)

    27. Genervt schrieb am 27. November 2010 um 19:04 - Permalink

      Was soll das denn werden? “Man-wird-ja-wohl-noch-sagen-dürfen” mal andersrum? Postdemokratie (ihre Bedeutung verlierende, real und formal aber noch existente demokr. Strukturen) ist was anderes als Faschismus (gar keine Demokratie). Faschismus in Deutschand (“Nationalsozialismus”) war was anderes als Mussolini in Italien, oder Franco in Spanien, oder Pinochet in Chile. Rechtskonservatismus und -Populismus sind vielleicht benachbart, oder irgendwie verwandt, aber auch nicht das selbe. Und selbst wenn Hartz4-Empfänger zur Annahme von jeder Arbeit gegängelt werden, so steht zwar auch dort ein unsympathisch-dümmliches Weltbild und ein verselbstständigtes Wirtschaftsdenken dahinter, das nicht mehr so ganz dem Humanismus entspricht, aber es hat trotzdem eine völlig andere Qualität als die Leiden der Zwangsarbeiter aus den KZs. Nicht ohne Grund ist Godwins Law in Foren so beliebt, der NS war auch Phänomen seiner Zeit, und hinterher kamen neue Dinge, Menschen, Weltbilder. Man mag es nicht glauben, aber manchmal lernt die Menschheit was aus ihrer Geschichte.

      Es mag vereinzelt noch irrelevante Irre geben, die im stillen Kämmerlein 1:1 nationalsozialistischen Ansichten wie damals anhängen, aber sowohl die Neue Rechte, als auch die traurige Truppe “NPD” sind schon etwas anderes, selbst die Filbinger-CDU warf Hohmann irgendwann raus, Merkel kritisierte Sarrazin (der tatsächlich tw. mit NS-konformen Denkmustern operiert). Die ganze Außen-, Kultur-, politik der Bundesrepublik seit ihrem Bestehen ist zu weiten Teilen als Reaktion auf den NS erklärbar. Es hilft einfach wenig, immer durch die Brille des NS auf alles zu gucken. Schon allein, weil einem alle möglichen modernen “Schweinereien” dadurch aus dem Blickfeld geraten. Leute, lest doch wenigstens erst mal 2, 3 Stunden die ganzen Wikipediaartikel zu dem ganzen Themen-Komplex, statt hier herumzuorakeln, sonst nimmt das nämlich niemand ernst.

      • Benjamin schrieb am 27. November 2010 um 23:57 - Permalink

        Die Menschheit lernt.

        Der war gut!

        Statt sich in Begriffen zu verlieren…
        Benennen wir doch einfach wie es ist und immer war und bleibt; nach oben buckeln und nach unten treten.
        Das prozentuale Verhältnis der miesen und weniger miesen Charaktäre auf dieser Welt und in jedem System für sich ist KONSTANT.
        Und ja, die “bösen” haben auch Internet, Netzwerke und können denken!

        Welt verbessern!? OLOLOLOL
        Ganz neue Idee!

    28. leslie schrieb am 27. November 2010 um 19:41 - Permalink

      Kapitalismus ist eine Religion.
      Tanz ums goldene Kalb. ;-)

      Und wie fast alle Religionen ist diese schlecht.

      Und Kapitalfaschismus ist halt,
      wenn Geld die Welt regiert.
      (Was es schon seit Jahrtausenden tut mit den bekannten Folgen.)

      Ist doch nicht sooo schwer.

      Ich mag es übrigens auch nicht gerne hören wenn man die Hitlerzeit als Nationalsozialismus bezeichnet.

      Es war einfach Faschismus.
      Denn echten Nationalsozialismus sowie Kommunismus hats auf diesem Planeten noch nicht gegeben,ausser vielleicht bei ein paar Naturvölkern die man ja so gern ausrottet.

      Das was wir da bisher hatten und haben,waren alles Diktaturen.

      Und Faschismus halt.
      Die ekligste Form der Diktatur.

      Aber was alle Formen gemeinsam haben.
      Sie brauchen Sündenböcke.

      Damals die Juden,heute Arbeitslose,Kiffer und selbstdenkende Menschen.

      http://briesensee.all-your-web.de/vid.html
      Das ist Kapitalfaschismus.

      Mlg

      • Lazarus09 schrieb am 27. November 2010 um 19:58 - Permalink

        Sag ich doch ;-)

      • Heldentasse schrieb am 27. November 2010 um 19:58 - Permalink

        @leslie

        Ich mag es übrigens auch nicht gerne hören wenn man die Hitlerzeit als Nationalsozialismus bezeichnet.

        Es war einfach Faschismus.

        Nein da bestehen doch wesentliche Unterscheide! Bevor ich mir jetzt hier einen “Wolf” schreibe, eine Meinung die meiner im wesentlichen Entspricht:

        there’s a big difference
        Beantworten lässt sich diese Frage, durch einen Vergleich des italienischen Faschismus mit dem Deutschen Nationalsozialismus.
        Ein erster Unterschied lässt sich an ihrer Einstellung zum traditionellen Staat feststellen. Während in Italien Mussolini letztlich an vielen Traditionen (wie der Monarchie) festhalten und lediglich einen nach seinen Vorstellungen stärkeren Staat schaffen wollte, schafften Hitler und die Nationalsozialisten die meisten alte Institutionen ab um deren Aufgabenbereiche in ihren Gleichschaltungsapperat zu integrieren. Die NSDAP erwarb deutlich größeren Einfluss auf alle Teile der deutschen Gesellschaft, als es die Faschisten unter Mussolini geschafft haben. Dies lässt sich auch im postnationalsozialistischen Deutschland noch erkennen, wenn man etwa die italienische und deutsche Arbeiterbewegung nach 1945 vergleicht.
        Weiter hatte der italienische Faschismus zwar durchaus einen expansiven Charakter, jedoch nicht in dem Maße, wie es beim deutschen Nationalsozialismus der Fall war. Elemente, wie die deutsche Blut-und-Boden-Ideologie, deren Folge der unmenschliche Vernichtungskrieg im Osten war, gab es hier nicht.

        Von größerer Bedeutung aber ist der Unterschied der beiden Ideologien im Hinblick auf Rassentheorie und Antisemitismus. Der deutsche Nationalsozialismus passte sich insofern den deutschen Gegebenheiten oder den Bedürfnisse der Deutschen an, als dass er schon als Mittel der Machterlangung antisemitische und rassistisch-biologistische Propaganda nutzte. Antisemitismus und Rassismus also waren hier zentrale Bestandteile der Ideologie, die von Anfang an offen hervortraten und nach außen hin proklamiert wurden. In Italien war dies anders: Eine Rassenideologie gab es in dem Maße nicht, erst 1938 begannen biologistische Anschauungen eine Rolle zu spielen. Auch hatte der Antisemitismus hier nicht eine solch vernichtende Konsequenz wie in Deutschland. Zwar spielte er auch hier in der faschistischen Ideologie eine Rolle, jedoch trat er eher in Form von Diskriminierung, Vertreibung und Entrechtung in Erscheinung, als in der einzigartigen Form des maschinellen Völkermordes, wie es in Deutschland der Fall war.
        Hier soll es nicht um eine Relativierung des italienischen Faschismus gehen, dieser soll hier nicht seines Schreckens beraubt werden und sicherlich sind Diskriminierung, Vertreibung und Entrechtung der Juden in Italien schrecklich genug gewesen. Jedoch sollte als zentraler Punkt deutlich werden, dass der Holocaust, also die maschinelle Vernichtung von Millionen von Menschen, eine spezifisch deutsche Tatsache ist, die im italienischen Faschismus so nicht auftrat.

        Faschismus und Nationalsozialismus – zwei Begriffe, die gleiche Sache?

    29. groo schrieb am 27. November 2010 um 19:56 - Permalink

      @leslie #28

      vielleicht bei ein paar Naturvölkern

      Mapuche
      http://de.wikipedia.org/wiki/Mapuche

      Wird alles rigoros niedergemacht, sodass nur noch TINA, die hässliche, Handtaschenschwingende Mamsell übrigbleibt.

      Grüsse

      • leslie schrieb am 27. November 2010 um 20:28 - Permalink

        “Die Mapuche nennen sich selbst, wie viele andere Indianervölker, „Menschen der Erde“.”

        Heute heissts ja „Menschen des Geldes„

        Wurden die Amerikaner eigentlich wegen dem Genozid an den Indianern angeklagt?

        Deutschland war Faschismus,Italien war Faschismus.
        Und jedes Land was gegen Minderheiten vorgeht ist faschistisch.

        Und Nationalsozialismus definiere ich immernoch anders.
        Aber auf einen Kompromiss bin ich dann doch noch aus.

        Um also zu einem korrekten, vollständigen Bild der nationalsozialistischen Herrschaft und ihrer Folgen zu kommen, sollte entweder vom „(deutschen) Nationalsozialismus“ oder von einem „spezifisch Deutschen Faschismus“ gesprochen werden.

        Soa ich geh jetzt Flaschen sammeln. Bei -10 Grad

        Übrigens vermiss ich die verdammte Klimaerwärmung.
        So einen kalten November habsch ja noch nie erlebt.
        Und dabei hatten wir letztes Jahr schon einen Horrorwinter mit 50cm Schnee.(In Schleswig Holstein)
        Und nu liegen schon wieder 20 cm.
        Ich glaub der Golfstrom kackt ab wegen erhöhter Süßwasserzufuhr.

        Mlg

        • groo schrieb am 27. November 2010 um 22:32 - Permalink

          nu man tau,
          oder wie sagt man bei Euch?

          Ich glaub der Golfstrom kackt ab wegen erhöhter Süßwasserzufuhr.

          Irgendwie versteh’ ich Dich ja!

          machs gut!

        • groo schrieb am 27. November 2010 um 22:48 - Permalink

          will dir ja nicht auf die Nerven gehen, aber die Mapuche waren militärisch unbesiegt.

          Ein Volk zum gernhaben.

          Was sie fertig gemacht hat, waren die VERTRÄGE der Schlawiner.
          Vertragsbrüche immer schön unter den Tisch.

          Wie kann das gehen?
          Wieder durch militärische Durchsetzungsmacht auf der einen Seite,und der GLAUBE ans Wort auf der anderen!
          Man muss nur ein paarhundert Jahre warten, dann schlägt die Macht das Wort.
          Es ist zum verzweifeln!

    30. leslie schrieb am 27. November 2010 um 20:43 - Permalink

      So sieht das dann aus wenn ich erfolgreich war.
      http://www.bilder-space.de/bilder/557465-1290886954.jpg

      Puhhh endlch herausgefunden wie man die E-Mail Benachrichtigung abschaltet.
      3000 Mails löschen ist kein Pappenstiel. :-O

      Mlg

      • groo schrieb am 27. November 2010 um 22:36 - Permalink

        Haha! Haha!
        (zweimal, weil Jens doppelten Kommentar entdeckt zu haben meint.
        merke: Sage niemals zweimal das gleiche in einem thread! ;) )

    31. Paule schrieb am 27. November 2010 um 21:35 - Permalink

      @ 27. Genervt

      Also, genervt bin nicht. Alles war lesenswert, Artikel und Kommentare. Es grummelt auch nicht in den Eingeweiden. Der Gesundheit zu liebe werde ich noch weniger fernsehen und weiterhin SF lesen und empfehlen.

    32. Der Schachspieler schrieb am 27. November 2010 um 22:02 - Permalink

      Nicht ganz uninteressant dieser Artikel!

      Bei einem Vergleich zwischen dem Nationalsozialsmus alter Prägung und dem modernen, teilweise noch versteckt schlummernden, Kapital-Gen-Faschismus, ist nur das Thema Geld ein Faktor der nicht in Übereinstimmung zu bekommen ist.

      Früherer Nationalsozialismus hatte die “Finanz-jüdische Verschwörung” als Übel thematisiert, und damit ein Feindbild geschaffen. Der Sozialdarwinismus war die Philosophie die als Berechtigung diente.

      Heutiger Kapital-Gen-Faschismus akzeptiert den finanziellen Erfolg frei nach den Regeln des Sozialdarwinismus.
      Als Feindbilder dienen alle angeblichen “Feinde” der Demokratie, die wären : religiöse Fanatiker, Systemschmarotzer (arme), jegliche Feinde des aktuellen Wirtschaftssystems.

    33. Redhat schrieb am 27. November 2010 um 23:04 - Permalink

      Viel interessanter ist die Frage was man gegen Faschismus unternehmen kann.

      Gibt es in der Vergangenheit dafür positive Beispiele?

      Haben die faschistischen Gesellschaften sich gewaltfrei in freiheitlich demokratische gewandelt?

      Und wo sind diese dann heute?

      Warum ist das überhaupt ein Thema, wenn doch Faschismus nach dem 2. Weltkrieg angeblich ein für alle begraben sein sollte.

      Bei den ganzen unterschiedlichen Vorstellungen, die hier von Faschismus , im Spiel sind, wäre es angebracht zu einer eindeutigeren Definition zu kommen.
      Nimmt man diese Definition zu eng, besteht die Gefahr in einem Rechts-Links Schema zu verharren, wie es bei Indymedia offensichtlich wird und den Kern der Sache zu verfehlen.

      Nimmt man die Definition zu weit muss man eigentlich ein neues zeitgemäßes Wort erfinden.

      Kapitalfaschismus, nun hier ist die klassische mousollinische Defintion gemeint. Hochzeit von Kapital und Politik.
      Aber dazu kommt ein Element was man als zufiefst pathologisch bezeichnen muss.
      Dies ist der Glaube an die Überlegenheit der jeweiligen Wertevorstellung, eine Art Wahn, der völlig abgekoppelt von der Realität, in epidemischen Wellen Gesellschaften befällt und sich heute in der Fixierung auf Konsum, Geld und technischen Fortschritt ausdrückt.
      Und diesen Wahn sehen wir eben nicht nur bei ein paar Politikern und Bossen, sondern bei unseren Nachbarn, Freunden und in der eigenen Familie und bei uns selbst.

      Das zugrundeliegende psychologische Momentum ist DOMINANZ und der daraus erlangte Lustgewinn für das Gehirn. Lieschen Müller ist sich darüber natürlich nicht bewusst, dass ihr Tagesgeld, biologisch betrachtet, dem einzigen Zweck dient ein dominantes Lustgefühl im Nervensystem auszulösen. Sie würde das als Sicherheit bezeichnen, Vernunft, u.s.w.
      nennen.

      Der Faschist zieht seinen Lustgewinn aus der Unterwerfung des Unterlegenen!!!

      Faschisten waren auch der Inquisatoren des Mittelalters, Alexander der Große ,Napoleon, und Hitler gehört in diese Aufzählung. Es gibt besonders widerwärtige Faschisten, genauso wie es geniale und schillernde Figuren darunter gibt.
      Teilen wir die Faschisten in Gruppen ein.
      Der kleine widerwärtige Faschist
      Der bepisste widerwärtige Faschist
      Der gewalttätige Faschist
      Der bürokratische Faschist

      Wir sehen also, dass der Homo faschisticus sich über die Jahrtausende weiter entwickelt hat.

      Welcher Gruppe von Faschisten ist nun Lieschen Müller zuzuordnen?

      Eben.
      Keiner. Lieschen Müller ist kein Faschist. Gut da sind wir aber froh, was?

      Aber was ist mit Hans Mayer, der als KFz-Meister in seiner Werkstatt, den Lehrling heute zum 5. mal zusammenscheisst, weil ihm seine Frau gestern nicht ….?
      oder …. nun ich bin sicher wir kennen solche Situationen zu genüge.

      Also?
      Joh
      Der bepisste widerwärtige Faschist.

      Pol Pot, Alexander der Große,
      Klar

      Mao?
      Was nun?
      am ….was sonst?

      Wie erzielt nun unser bürokratische Faschist einen Lustgewinn?
      Bestimmt mal auf einem Amt gewesen, oder?

      Um das zu verschleieren, weil es doch vielen Untertanen..äh Bürgern aufgefallen ist, führte man nach der Zäsur am 11.9.2001 den Begriff “Kunde” ein.
      Schockerlebnisse eignen sich besonders gut um neue Doktrinen zu implementieren.
      und genauso denken unsere bürokratischen Faschisten. Jedenfalls der höhere bürokratische Faschist in den Think-Tanks des Neoliberalismus.
      Den kleinen bürokratischen Faschist gibts in Vanille- und Schokoladengeschmack.

      Und alle wollen sie nur das Beste!!!!!!

      Auch Hans Mayer. Nach seinen Motiven befragt: “Ein paar hinter die Löffel haben noch keinem geschadet.”
      Hänschen hat wohl in seiner Kindheit Bekanntschaft mit diesem Dogma gemacht.
      Auch Mütter können Faschisten sein.
      Und Väter.

      • Heldentasse schrieb am 28. November 2010 um 10:19 - Permalink

        @Redhat

        Viel interessanter ist die Frage was man gegen Faschismus unternehmen kann.

        Gibt es in der Vergangenheit dafür positive Beispiele?

        Haben die faschistischen Gesellschaften sich gewaltfrei in freiheitlich demokratische gewandelt?

        Ja durchaus, und sogar in jüngerer Vergangenheit. Schau mal auf:

        Die Nelkenrevolution (portugiesisch: Revolução dos Cravos? oder einfach 25 de Abril) bezeichnet den linksgerichteten Aufstand großer Teile der Armee in Portugal am 25. April 1974 gegen die autoritäre Diktatur des sogenannten Estado Novo.

        Es gab “nur” vier Tote, was man IMO unter Beachtung der Proportionen durchaus als unblutig bezeichnen darf.

        1974 – Paulo de Carvalho – E Depois Do Adeus

        Sehr schön, womöglich auch ein historisches Zeichen der Hoffnung?

    34. Daniel schrieb am 28. November 2010 um 00:32 - Permalink

      Es war ein ganz gewaltiger, tiefgreifender Schritt zur Zentralisierung, Staatswährungen in eine europäische Währung zu überführen.

      Wir müssen die Kontrolle über unsere Schuldtitel zurückgewinnen, wenn wir diesem totalitaristischem Zug in der Kapitalakkumulation wirksam begegnen wollen.

      Unbequemerweise dürfen wir uns dazu wahrscheinlich mit den doofen Nachbarn aus dem zweiten Stock anfreunden, die davon erstmal nix wissen wollen.

      Weil, dann gibt’s eben bald nicht mehr Bananen und Ananas, sondern Birnen und Äpfel im Obstkorb.

      Yes, we can?

      • Daniel schrieb am 28. November 2010 um 23:12 - Permalink

        Alexander Czerny hat in diesem pdf Argumente für den Erhalt des Euro aufgeführt; im Wesentlichen die Notwendigkeit eines Bollwerks gegen den Dollar. Das erinnert doch stark an den “Kalten Krieg”, in dem allerdings finanzielle Massenvernichtungswaffen noch keine so große Rolle spielten.

        Abrüstung, anyone?

    35. unschland schrieb am 28. November 2010 um 01:11 - Permalink

      zwei ältere texte, die man in der frage berücksichtigen kann

      1.”Nachlese zur Fastenpredigt: Das Verbot des Nazivergleichs schützt die neuen Faschisten.”
      von albrecht müller auf den nachdenkseiten
      http://tinyurl.com/23w8apj

      2.”Sekundäre Geschlechtsmerkmale”
      von Roberto J. De Lapuente auf “ad sinistram”
      (zielführend derb, daher nix für überkandidelte schöngeister ;-) )
      http://tinyurl.com/36l7j29

    36. Kriegszitterer schrieb am 28. November 2010 um 02:14 - Permalink

      Ein schlechter Artikel ! Sorry … Die verachtung die mir z.B. aus der Politik entgegen geschleudert wird ist für mich Fakt aber mit faschismus hat das für mich nichts zu tun .
      Die Beiträge haben mir allerdings soweit zumeist sehr gefallen und haben mir Denkanstöße gegeben . Nur meine Meinung und kein wirklicher Beitrag … ;-)

    37. boskoop schrieb am 28. November 2010 um 08:53 - Permalink

      Hallo Jens und Kommentatoren,

      bastle mir grad nen Witz zusammen.Ist noch nicht ganz druckreif:
      “Also angenommen die Erde ist rund und wir leben jetzt in der EUdSSR. Dann hat Amerika jetzt das 4. Reich und die GUS sind nun die USA.Leuchtet ein, oder? Die Frage ist jetzt nur, wie spät ist es eigentlich. Wenn 1933 der Reichstag brannte, müssten wir doch eigentlich jetzt so ca. schätzungsweise kurz vor Stalingrad sein?!Oder heißt das jetzt auch schon wieder anders?”

      Vielleicht mach ich mir nur zu viele Gedanken und man könnte den Witz etwas kürzen.

      • groo schrieb am 28. November 2010 um 09:22 - Permalink

        Jetzt bist Du aber bös!

        Wie wärs damit?

        I don’t believe it. Prove it to me and I still won’t believe it.

        oder der:

        I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I intended to be.

        oder der:

        If it looks like a duck, and quacks like a duck, we have at least to consider the possibility that we have a small aquatic bird of the family anatidae on our hands.

        oder der:

        It is a mistake to think you can solve any major problems just with potatoes.

        oder der:

        There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable.There is another theory which states that this has already happened.

        oder der:

        In order to fly, all one must do is simply miss the ground.

        Douglas Adams

        • boskoop schrieb am 28. November 2010 um 10:47 - Permalink

          war ja auch nicht so gemeint.
          ich kann nachrechnen wie ich will – ich versteh nur bahnhof.

          or

          i understand only railwaystation

          Deutsche Bahn

          • groo schrieb am 28. November 2010 um 10:50 - Permalink

            dann habe ich Dich anscheinend missverstanden ;)

            ich dachte, Du bastelst an einem schrägen Vergleich.
            Und dann ist mir halt Adams eingefallen.

            • boskoop schrieb am 28. November 2010 um 12:27 - Permalink

              Nö – kein Missverständnis. Das war nur bitterbös gemeint.
              Adams ist unerreichbar, weil tot. Nur wer will ihm nachfolgen? ;)
              Wenn mans so wie er auf den Punkt bringen kann, müsste einem ständig Adams einfallen.
              Hab leider nur ne deutsche Übersetzung lesen können. Ich fühl mich zur Zeit nur grad wie der Typ dessen Haus weg soll und er ja 14 Tage oder so Zeit gehabt hätte den Aushang im Keller des Bauamtes zu lesen.

              Und mit Haus meine ich nicht S21 sondern nur in Anführungsstrichen uns, die welt und den ganzen rest – grrr

    38. GrooveX schrieb am 28. November 2010 um 11:47 - Permalink

      kürzeste beschreibung ever zum nazifaschismus von pier paolo pasolini im film ‘salo oder die 120 tage von sodom’ ganz zu beginn:

      alles, was maßlos ist, ist gut.

      man kann sich die qual dieses films antun, wenn man in der lage ist, daraus das wesen des faschismus zu destillieren. ach ja, der begriff nazifaschismus wurde von pasolini selbst gewählt.

      wie man das auf die jetztzeit herunterbricht, ist der phantasie jedes einzelnen überlassen. mir fällt es nicht schwer.

      • boskoop schrieb am 28. November 2010 um 12:53 - Permalink

        richtig harter tobak. explizit dargestellt und passiert gesellschaftlich verdeckt/-steckt.viel phantasie braucht man dafür nicht.
        glaub auch das große fressen (film) geht in die richtung

        • GrooveX schrieb am 28. November 2010 um 14:51 - Permalink

          wenn du mit ‘richtung’ bergab meinst, ja. ansonsten ist das thema doch ein anderes. oder andersrum ausgedrückt, pasolini geht es explizit um eine beispielhafte darstellung von – ich wiederhole ihn – nazifaschismus. nochmal andersrum, dein vergleich wäre erdäpfel mit glühbirnen, in welchem äpfel und birnen nur sprachlich enthalten sind.

    39. klaus baum schrieb am 28. November 2010 um 13:43 - Permalink

      Jens, ich bewundere Deinen Mut, Dich an ein solches Thema zu wagen; Mut deshalb, weil es ja in der Nachkriegszeit, in der Zeit nach 1945, genügend Publikationen gab, Veröffentlichungen von Betroffenen, die zu ergründen suchten, wie die Barbarei des 3. möglich war, wie es sein konnte, dass Mörder und Kriminelle an die Macht kommen und ein ganzes Volk tyrannisieren konnten.
      Für mich ist das Thema 3. Reich und BRD zu komplex, um es quasi in einem “Leserbrief” abhandeln zu können, deshalb zunächst nur ein allgemeiner Hinweis: Es bedarf der begrifflichen Bestimmungen der einzelnen Elemente dessen, was Nazitum und Faschismus ausmacht. Erst von diesen begrifflichen Charakterisierungen her ist es möglich, Parallelen zu erkennen, zu identifizieren und zu beschreiben. Eines solcher Momente ist das, was die Philosophie um 1800 das konkrete Allgemeine im Unterschied zum abstrakten Allgemeinen nannte.
      Allgemein ist dabei das, was gleichsam allgemein herrscht. Bei den Nazis ist dies der unentwickelte, undifferenzierte Mensch, der seine barbarische Dummheit zum Maßstab für alles und jedes macht. Demzufolge muß er alle Differenziertheit und alle Komplexität, die über ihn hinausweist bekämpfen, unterdrücken, verfolgen, ausrotten. Es ist aber nicht nur die Dummheit, die Beschränktheit der Maßstab (da könnte man sich ja noch wie Herr Keuner anpassen), sondern es gibt ein Fanatismus der Rasse: Wenn man als Jude geboren ist, kann man sich gar nicht ans Ariersein anpassen. Jude bleibt Jude für den Faschisten. Und da er nur den Arier gelten läßt, den er zugleich noch mit dem Prädikat einer Reinheit der Rasse versieht, muss er alles unarische, unreine von sich abspalten: distanzieren, ausgrenzen, internieren, ausrotten.
      Humanität hingegen, und das ist ihr christlicher Anteil, kennt das Motiv der Umkehr. Nicht irgendwelche Gene sind entscheidend, sondern Eigenschaften, Verhaltensweisen. Entscheidend ist all das, woran man – quasi mit Eigenbeteiligung – arbeiten kann. Eine humane Gesellschaft gibt jedem die Chance, wenn er Mist gebaut hat, sich zu verändern, wobei heute – bezogen auf Arbeitslosigkeit – der Einzelne, der keine angemessen bezahlte Arbeit hat, gar nicht der ist, der Mist gebaut hat, sondern das System, das Arbeitslosigkeit produziert, indem es dem irrationalen Prinzip der Rationalisierung folgt. Wenn also eine Gesellschaft den Zustand der Arbeitslosigkeit zu etwas Unumkehrbaren macht, wenn sie auf die Arbeitslosen auch noch draufdrischt, sie zu Sündenböcken stempelt und damit auch den längst vorhandenen Erkenntnisstand der Ursachen für weniger Arbeit verleugnet, dann ist das ein faschistisches Moment. Nicht faschistisch wäre, wenn die Politik sagte, wir wissen, dass durch die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen Menschen arbeitslos werden, wäre das der erste Schritt zu einer Erkenntnis, die als Grundlage für entsprechende politische Lenkung dienen könnte (zum Beispiel in Richtung einer Umverteilung von Arbeit).

      Jetzt ist mein Beitrag schon länger geworden, als gedacht. Deshalb hier zum vorläufigen Abschluss noch ein Zitat aus einem meiner Rundfunkessays über Kafka und die Hinwendung der Kunst zu den Außenseitern und Schwachen:
      >>Jede Form gemeinsamer Vorurteile und partikularer Interessen, jede zur Macht gekommene Konstellation trüber Selbsterhaltungsinstinkte wird sich selbst zur Norm, umhüllt sich mit einem Gespinst von Rechtfertigungen und Lügen, das keinen Widerspruch duldet und das jeden ausgrenzt, der sich nicht gleichschalten läßt oder der von vornherein so beschaffen ist, daß er sich infolge seiner Hautfarbe oder seiner Religion gar nicht anzupassen vermag, so sehr er es auch möchte. In Kafkas Prozeßroman, der ja davon handelt, daß sein Protagonist, Josef K., von einer undurchsichtigen Behörde angeklagt worden ist, zitiert ein Verwandter K.s diesem gegenüber folgendes Diktum: >>Angeklagt zu sein in einem Fall wie diesen, bedeutet, ihn bereits verloren zu haben.<The Trial>Dies ist eine absolut präzise Vorwegnahme von dem, was Recht und Gerechtigkeit im Nationalsozialismus bedeutete.<< Und er verdeutlicht diesen Satz an einer konkreten Begebenheit. Die Gestapo verhaftet die jüdische Ehefrau eines Nichtjuden. Der Ehemann fragt, was seine Frau denn getan habe, daß man sie in ein Todeslager deportiere. Und die Gestapo antwortet: „Wir würden niemanden verhaften, es sei denn, er habe ein Verbrechen begangen.“ Das Verbrechen besteht darin, Jude zu sein. Nichts, aber auch gar nichts kann getan werden, um kein Jude mehr zu sein.
      Es brauchen nur die entsprechenden Rassenfanatiker ihre Rechtsauffassung zur Geltung zu bringen, und schon wird man schuldig allein durch Geburt.
      Schuldig durch Geburt? Nein! Schuldig durch die Macht und durch Verblendung, durch die zur Macht gekommene Verblendung. Was gilt, bestimmt nicht der Himmel, vor dem alles in seine Elemente zerschlagen wird, sondern, was recht ist, bestimmen die Schurken, die das Böse in die Banalität des Alltäglichen verwandeln, das Böse, das man dann für das Richtige hält.<<

      Im übrigen empfehle ich die Lektüre von Adornos Aufsatz "Erziehung nach Auschwitz". Man sollte wieder öfter die Texte jener zur Kenntnis nehmen, die das, worüber sie schreiben, selbst erlebt haben.
      Der Adorno-Text ist sogar im Netz verfügbar.

      http://schule.judentum.de/nationalsozialismus/adorno.htm

      • Axel schrieb am 28. November 2010 um 14:50 - Permalink

        Wenn also eine Gesellschaft ………. wenn sie auf die Arbeitslosen auch noch draufdrischt, sie zu Sündenböcken stempelt und damit auch den längst vorhandenen Erkenntnisstand der Ursachen für weniger Arbeit verleugnet, dann ist das ein faschistisches Moment.

        Ist das eigentlich in allen entwickelten westlichen Gesellschaften so? Praktiziert das jede Gesellschaft so wie die deutsche Gesellschaft?

        Am bedenklichsten finde ich, das die Gesellschaft zu Lügen über die Ursachen greift. Die Hetze (implizit) gegen (alle) Langzeitarbeitslose(n) könnte man noch als individuelle Entgleisung oder einem bösartigen Charakter geschuldet sehen. Aber die Lüge über die Ursachen ist für mich (immer) unfaßbar (gewesen).

        • Peleo schrieb am 30. November 2010 um 09:12 - Permalink

          Partei die explizit die Interessen der Arbeitslosen/ sozial Schwachen vertritt

          Die gibt es ja. Wenn die Arbeitslosen/sozial Schwachen aber die wählen, die ihren Interessen “voll ins Gesicht schlagen” (Hannes Wader)?

          Nehmen wir die Überlegungen von Groo dazu (Verantwortlichkeit für Tun und Nicht-Tun, frei nach Sartre), dann heißt das doch : Selber schuld. Ein Kreuz machen alle vier Jahre kann jeder, auch ohne Abitur.

          Ist man nicht auch für die eigene Manipulierbarkeit verantwortlich? Aus diesem Dilemma hilft auch kein KANT.

      • Heldentasse schrieb am 28. November 2010 um 19:46 - Permalink

        @klaus baum

        Danke für Deinen eloquenten Kommentar, ich wünschte ich könnte auch so schreiben. :-)

        Humanität hingegen, und das ist ihr christlicher Anteil, kennt das Motiv der Umkehr. Nicht irgendwelche Gene sind entscheidend, sondern Eigenschaften, Verhaltensweisen. Entscheidend ist all das, woran man – quasi mit Eigenbeteiligung – arbeiten kann. Eine humane Gesellschaft gibt jedem die Chance, wenn er Mist gebaut hat, sich zu verändern, wobei heute…

        An dieser Stelle möchte ich Einspruch einlegen, weil ich diese Darstellung etwas “archaisch” und eindimensional empfinde. Die Kultur und mit ihr die Philosophie haben sich seit dem zweiten Testament schon ein wenig weiterentwickelt, und ich suche eine moderne Antwort auf die Frage “Wann ist der Mensch ein Mensch?”. Wenn man unter Humanismus im Wikipedia nachschaut findet man unter Humanismus, Sartre folgendes:

        Der Mensch tritt in die Welt ein und erst dann entwirft bzw. erfindet er sich selbst. Der Mensch ist nichts Anderes als das, wozu er sich in seiner totalen Freiheit macht. Deshalb ist er auch für das, was er ist, verantwortlich. Dies verleiht ihm seine Würde. Das Leben hat a priori keinen Sinn. Der Mensch wählt sich seine Moral, sie ist seine Schöpfung und Erfindung. Mit sich selbst erschafft der Mensch ein Vorbild. Der Mensch ist nichts Anderes als sein Leben. Er ist die Summe seiner Handlungen, seiner Beziehungen und Unternehmungen. Er existiert nur in dem Maße, in dem er sich selbst verwirklicht.

        Ich interpretiere das so, dass Mensch für sich und andere a priori Verantwortung hat, aber auch im schlimmsten Fall der Entgleisung Mensch bleibt. Von daher ist die “zweite Chance” keine “Gabe der humanen Gesellschaft” sondern wenn man so will angeboren!
        Das führt z.B. dazu, dass auch Menschen die schlimmste Verbrechen begangen haben unveräußerliche Rechte besitzen.

        Und auch Deinen Bogen in Richtung Arbeitslosigkeit möchte ich ansprechen, Du schreibst:

        Nicht faschistisch wäre, wenn die Politik sagte, wir wissen, dass durch die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen Menschen arbeitslos werden, wäre das der erste Schritt zu einer Erkenntnis, die als Grundlage für entsprechende politische Lenkung dienen könnte (zum Beispiel in Richtung einer Umverteilung von Arbeit).

        Die aktuelle Ausgrenzung und Diskriminierung der Arbeitslosen und die wohl bewusst falsche Darstellung ihrer Chancen implizit als “faschistisch” zu bezeichnen halte ich für sehr gewagt und nicht konstruktiv. Denn wenn dem so wirklich *so* wäre müsste man als Demokrat mit allen Konsequenzen (nach GG Art. 20 Abs. 4) die Systemfrage stellen, und zudem -da Faschismus niemals partiell auftritt – *alle* weiteren gesellschaftlichen Strukturen in Frage stellen.

        Meiner Meinung nach ist dieser Ansatz z.Z. undenkbar, er würde das “Kind mit dem Bade” ausschütten, deshalb plädiere ich für demokratische Reformen und eine friedliche demokratische “Mobilisierung” der Habenichtse, damit diese ihre Rechte unter Beachtung der demokratischen Spielregeln geltend machen. Wäre z.B. eine Partei die explizit die Interessen der Arbeitslosen/ sozial Schwachen vertritt -bei dem Wählerpotential- so utopisch?

        • groo schrieb am 28. November 2010 um 20:15 - Permalink

          @Heldentasse,
          puh, jetzt ist mir kurz der Schweiss ausgebrochen.

          Da:

          …Der Mensch ist nichts Anderes als das, wozu er sich in seiner totalen Freiheit macht. Deshalb ist er auch für das, was er ist, verantwortlich. Dies verleiht ihm seine Würde. …

          Das ist schwach von Sartre. (ist hoffentlich aus dem Zusammenhang gerissen)
          Naja, ich habe unter den Existenzialisten immer zu Camus tendiert. Der ist mE schlüssig.
          Die ‘Freiheit’ ist aus vielen Gründen nicht total.
          (Auch wenn er da vermutlich i.w. die ‘Geworfenheit’ meint.)

          Man könnte diese ‘Freiheit’ ja auch den Clements dieser Welt zugestehen, und ‘Würde’ gegenüber den peers seiner Klasse bewahren.
          man denke an den alten englischen und sonstigen Adel.

          Es ist das ‘Gewissen’, das mir letztlich meine ‘Würde’ gibt, und das ist wesentlich auch ein soziales Konstrukt, an dem wir zu arbeiten haben
          (Lassen wir die ‘Gene’ mal weg.)

          Ohne kategorischen Imperativ kommt er aus der Falle nicht raus.
          Funktioniert nur mithilfe des Postulats ‘der Einheit der Menschheit’ und ihrer Gleichheit.
          (Kant hatte schon recht. und steht auch so oder ähnlich im Grundgesetz und der Menschrechtscharta. Nur schert sich keiner drum.)

          Das akzeptiert man, oder nicht.
          Die, die es nicht tun, teilen die Menscheit in ‘ihresgleichen’ und die ‘anderen’ (Untermenschen, Abschaum, Sklaven etc) ein.
          Könnte man wieder ‘protofaschistisch’ nennen.

          Davon bin ich auch nicht frei.
          Nur bei mir schwimmt der Schaum im Zweifelsfall oben, und die Debatte zentriert -oder sollte-sich mE ganz wesentlich darum, wie mit diesen Leuten umzugehen ist!
          Was, wenn die unbelehrbar sind, wie ich befürchte?
          Ein paar freundliche Herrn mit der Zwangsjacke vorbeischicken?
          Du merkst das Dilemma!

          Über Menschen,Tiere als Gemeinschaft von fühlenden Wesen noch garnichts gesagt. (Menschenrechte für Primaten etc)

          • boskoop schrieb am 29. November 2010 um 01:57 - Permalink

            Danke goo, Du sprichst mir aus der Seele. Jedes fühlende Wesen ist eigentlich – ob denkender Raum, Selbst- oder Fremdprojektion. Das meine ich mit dem Respektsbegriff. Selbst- / Fremdansicht. Leben und leben lassen. Leider oder “Gott sei Dank” ist jedes System nur dann stabil, wenn es auf aktive bzw. reaktive (als Steigerungsform – nicht als Antwort auf sich selbst) Prozesse zurückgreifen kann.Also Man selbst, helfender / strenger Vater,Mutter… Ob man dies gut findet oder nicht ist eigentlich wertungslos. Es passiert. Auf unserer Ebene. Was in mir oder aus mir vor sich geht kann ich selbst beeinflussen. Nur die Fähigkeit der Inanspruchnahme – ich nenne es mal Kraft oder Mut sollte ständig trainiert, aber nicht überstrapaziert werden. Notfalls muss es durch sich selbst heraus oder extern reaktiviert werden. Ansonsten haben wir nur ein weiteres schwarzes Loch.

            Meine nur man kann sich auf nichts verlassen, aber Vertrauen sollte man schon haben. Der Schaum kommt/bildet sich ja auch in der Tiefe, um oben zu schwimmen.
            Abwarten oder Tee trinken reicht manchmal aus, aber nur sehr begrenzt. Geistesgegenwart ist aber weiter verbreitet als man annehmen mag, diesmal aber Kant sei Dank.

          • Heldentasse schrieb am 29. November 2010 um 07:56 - Permalink

            @groo

            Danke für Deinen Kommentar. Das Dir der Schweiß ausbricht ist mehr oder weniger klar, das kommt davon das meiner einer von der technischen Fraktion ist, und wenn die philosophisch werden kann das schon mal passieren. ;-)

            Ich möchte aber dennoch genauer auf das eingehen was ich meine. Dauert aber etwas, weil z.Z. hält mich der schnöde Broterwerb davon ab.

            • groo schrieb am 29. November 2010 um 08:59 - Permalink

              @Heldentasse,

              geht mir genauso.
              Unter der Woche habe ich eher wenig Zeit.

              Das Sartre-Zitat fand ich deshalb interessant, weil es im Zusammenhang mit der Debatte gewisse sytematische Schwächen (bei Sartre) aufzeigt.

              Da ich mich hier schon aufs Wortklauben eingeschossen habe, ist mir das vermutlich besonders aufgefallen.
              Also erstmal Funkstille bis evtl heut abend.

              Grüsse

    40. klaus baum schrieb am 28. November 2010 um 13:56 - Permalink

      Sorry, richtig muss es in der Anrede heißen: “Holdger”. Ich hatte übersehen, dass der Aufsatz nicht von Jens Berger, sondern von Holdger Platta stammt. Außerdem gab es beim Absenden meines Beitrages ein Problem, so dass ich zunächst denken musste, ich hätte Ähnliches auf Spiegelfechter schon einmal gepostet – und die Kommentarfunktion nimmt meinen Beitrag gar nicht an.

      • Holdger Platta schrieb am 28. November 2010 um 19:18 - Permalink

        Lieber Klaus,

        macht nichts, daß Du da den Jens mit mir verwechselt hast – oder auch umgekehrt. Zu Deinen wichtigen Bemerkungen und zu manchen wichtigen Beiträgen anderer:

        Kann es sein, daß manche etwas die Intention meines Artikels verkannt haben – und auch überlesen haben, daß ich mit meinem Beitrag einen viel, viel bescheideneren Anspruch erhoben habe, als bei manchen angekommen ist (gleiches wird auch gelten für meinen Anschluß-Beitrag, der wohl morgen von Jens hier auf die Website gestellt wird)?

        Also: mein Thema waren nicht die vielen verschiedenen Faschismusbegriffe bzw. Faschismus-Theorien: da ist ja hier nun schon einiges zusammengekommen. Die Totalitarismustheorie (zum Glück in der intelligentesten Version, in der von Hannah Arendt, nicht in den Banal-Versionen von Brzesinski, Friedrich usw.); die Dimitroffsche Definition; Lipsets “Extremismus der Mitte”; Adornos wichtige Überlegungen zu diesem Thema, jedenfalls in seinem wichtigen von Dir, Klaus, benannten Text (nicht weniger wichtig: die Erforschung des “Autoritären Charakters” vom Team um Adorno herum und Adornos Analyse zur “Struktur der nationalsozialistischen Propaganda”). Was bislang fehlte (oder habe ich was übersehen?): die Thalheimerscher Faschismus-Interpretation, wiederaufgegriffen von Reinhard Kühnl (Politologe aus Marburg) – für mich, by the way, die plausibelste -, sowie sämtliche Beiträge von Psychologen/Psychoanalytikern zu dieser Thematik (von Freuds “Massenpsychologie und Ich-Analyse” über Wilhelm Reichs “Massenpsychlogie des Faschismus” bis hin zu den Arbeiten von Erich Fromm (“Autorität und Familie”, “Flucht vor der Freiheit”), Mitscherlich (“Unfähigkeit zu trauern”) und Horst-Eberhard Richter (passim). Alle Fragen, die mit diesen konkurrierenden Deutungen und Definitionsversuchen im Zusammenhang stehen, würden freilich erst auftauchen nach Klärung der Frage, die mich beschäftigt hat, also dann, wenn man das Feld überhaupt erst einmal freigeräumt für die Möglichkeit, Vergleiche anstellen zu dürfen zwischen damals und heute. Dann freilich ist Definition bzw. Klärung des eigenen Verständnisses vom Nationalsozialismus zwingend erforderlich, dann hat es auch verdammt konkret zu werden, meine ich, nicht aber vorweg mithilfe irgendwelcher Verständnisetikettierungen, was man ganz persönlich unter Faschismus verstehe, oder mithilfe endlos ausufernder abstrakter Theorie </strongdebatten.

        Mir ging es – und ich bitte nochmal zu beachten, daß ich, wie der Untertitel deutlich ausspricht, lediglich "einige Überlegungen" zu diesem Thema beisteuern wollte, keinesfalls anmaßenderweise eine Gesamttheorie! – um die Frage des "Vergleichens" und "Gleichsetzens", und dieses in puncto Logik wie Psychologie – ohne Vorwegnahme irgendeines Ergebnisses oder Festlegung auf irgendeine Spezial- und Gesamt-Theorie zum Thema Faschismus.

        Die sehr reichhaltige Argumentationsfülle innerhalb der Debatte hier zeigt, wieviel Sachverstand auf diesem Forum versammelt ist, wieviel Differenzierungsvermögen, sodaß für mich die Gesamtdiskussion deswegen mindestens so wichtig ist wie mein Anstoß dazu.

        Im Wortsinn (!) "Provozieren" wollte ich durchaus (im Sinne von "hervorrufen"), den Blick aber vor allem richten auf jene Dimensionen bei solchen Debatten, die vor lauter 'Sach'orientierung oft völlig unberücksicht bleiben: die Psychologie dieser Debatten.

        Und damit sich für das Verständnis aller hier der Kreis etwas – etwas – schließt: in der Psychologie bzw. gesamten Mentalitätsentwicklung interessieren mich die Verläufe, Aussagen, Geschehnisse zur Zeit am stärksten. In dieser Hinsicht nämlich (was darzustellen einem späteren Beitrag vorbehalten sein mag) beginnen sich Realitäten wiedereinzustellen, die schon einmal für den Aufstieg des Faschismus typisch waren: das Ausgrenzen und Niedermachen von Menschen – diesmal nicht aufgrund sogenannter "rassischer", sondern "sozialer" Zugehörigkeit -, Sündenbockporjektionen (die Opfer haben Schuld, nicht die Täter), das Gleichgültigwerden oder Gleichgültigbleiben der meisten 'Mit'bürgerInnen als Zuschauer (Raul Hilberg hat diesem Thema ein ganzes Buch gewidmet; cum grano salis ja auch Götz Aly). Und dieses durchaus in einer insofern ähnlichen Konstellation wie damals zum Ende der Weimarer Republik, als dieses alles passiert im Kontext mit einer Wirtschaftskrise sowie medial im Mainstream einer kapitalismuskonformen Propaganda, derzufolge Sozialstaat nur noch als eine abhängige Variable zu betrachten und zu beachten sei, abhängig nämlich davon, was die herrschende Wirtschaftstheorie – heute der "Neoliberalismus" – sowie die herrschenden Wirtschafts- und Polit-'Eliten' den Opfern noch übriglassen bzw. noch gönnen mögen. Was nicht nur inhuman ist bzw. schleichende Gewöhnung an Inhumanität – in der Tat, ich wage diese Begriffe noch in den Mund zu nehmen, gefaßt darauf, mir das alberne Vorwurfsgewäsch "Gutmensch" anhören zu müssen (was ist das Gegenteil davon: "Halunkenmentalität"? Gibt es einen verbrauchteren – gleichwohl völlig undefiniert gebliebenen – Begriff als diesen modischen Totschlagsbegriff "Gutmensch"?) -, sondern schlicht auch verfassungswidrig (siehe Grundgesetz Artikel 20 und 28 in Verbindung mit Artikel 1, dem Basis-Artikel schlechthin für den – auch sozialen uns materiellen – Schutz der Menschen vor Verelendung und Entwürdigung).

        • Daniel schrieb am 28. November 2010 um 22:34 - Permalink

          Die Psychologie der Debatte ist selbstreferentiell (wie schwarz bin ich?). Deshalb auch dieses komische Gefühl der Leere und Lethargie, das sich daraus ergibt.

          Immerhin:

          Treffen sich zwei Sozialarbeiter in der Stadt.
          Fragt der eine : “Du, kannst Du mir sagen wo hier der Bahnhof ist?”
          ” Nein, tut mir leid, weiß ich auch nicht.”
          ” Macht nichts, aber ich fand es toll, daß wir darüber geredet haben.”
          Am nächsten Tag treffen sie sich wieder.
          Fragt der andere : “Na, hast Du den Bahnhof gefunden?”
          ” Nein, aber ich kann jetzt damit umgehen.”

          (von da)

          In diesem Sinne: Faschismus ist der Ausdruck völliger Humorlosigkeit. Daraus folgt: Lachen ist Widerstand! puh

    41. boskoop schrieb am 28. November 2010 um 14:24 - Permalink

      Hallo Klaus, Groove und goo und andere,

      Wie ich sehe löst dieses Themengebiet so einiges an Gedanken aus.
      Ich park mal kurz mein Gehirn in die Finger und halt mich kurz:
      1. Frau Schröder macht die löbliche Initiative Respekt und Toleranz.
      Als Jugendlicher denk ich bei diesen Begriffen an Bewunderung und Gleichgültigkeit. Tip: Einfach mal Klartext reden, gegenseitige Rücksicht und auch mal das Aushalten von erträglichen Spannungen.
      2. Jeder hat mal Dreckwäsche rumliegen und es versäumt in die Waschmaschine zu tun. Der Anblick wäre Peinlich. Andere Kaliber haben Leichen im Keller, fühlen sich ertappt, kriegen Panik und nehmen gewaltige Konsequenzen in Kauf.
      3. Da muß auch mal über den eigenen Schatten gesprungen werden und nach oben kommuniziert werden, dass das so nicht geht!

      Beispiel: Wenn die uns allseits bekannte Nummer 43 endlich mal einsehen würde, dass seine “Entscheidungspunkte” nicht grad zur Entspannung im Weltgeschehen beigetragen haben, könnte er ja mal einen konstruktiven Dialog anstrengen. Und wenn da nichts kommt, muss auch mal ein “Untergebener” den Mut aufbringen, ihm das zu sagen (natürlich höflich, sonst mit Nachdrcuk). Letzlich betrifft es uns ALLE!

      Wenn gewünscht könnte ich das noch ein bischen weiter ausführen, aber auch unwichtige Dinge wie Körperpflege müssten mal erledigt werden.
      Bitte weitermachen!

    42. Micxs schrieb am 28. November 2010 um 18:34 - Permalink

      Ich vergleiche ja gerne und viel und wenn der Vergleich schon problematisch ist, dann ist dies gleichzusetzen mit einem Denkverbot. Mir liegt es fern die Opfer und deren Angehörigen in irgendeiner Weise zu beleidigen, aber Parallelen darf und muss man ansprechen können. Ich will auch gar nicht über die korrekte Wortwahl reden, mir geht es darum Entwicklungen zu erkennen die vergleichbar mit der damaligen Zeit waren/sind. Sicher haben wir keine KZs und Arbeitslager und haben auch keine industriellen Vernichtungslager, aber die Ausprägungen in der heutigen Zeit sind subtiler und werden von einer großen Masse gar nicht wahrgenommen.

      Warum werden einer Bevölkerungsschicht (Hartz-Empfänger – immerhin ca. 6 Millionen Menschen) Grundrechte die im Grundgesetz stehen entzogen und sie entrechtet. Mal ein paar Beispiele:

      - EGV (Eingliederungsvereinbarung) – Keine Vertragsfreiheit des Erwerbslosen. Bis zur Sanktion und damit Lebensgrundlagenentzug. § 240 StGB Nötigung. Frau Leyen verschärft gerade diesen Zustand.

      - So lass ich hier in den Kommentaren das es keine Zwangsarbeit gibt. Wie würdet ihr dann das Hineinpressen in Jobs zu sittenwidrigen Löhnen per Existenzgrundlagenentzug bei Hartz4 nennen? § 240 StGB Nötigung + Verstoß gegen EU Menschenrechtskonvention Artikel 4 + Artikel 12 des Grundgesetzes usw.

      - Sozialschnüffler – Unverletzlichkeit der Wohnung. Artikel 1+13 Grundgesetz

      - Die Entscheidung zwischen Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Mittelkürzungen bei Behinderten. Auch so ein “genialer” Vorstoß unserer ach so tollen Sozial- und Gesundheitspolitik. Wie viele Menschen nahmen sich das Leben weil sie diesen Zustand nicht verkraftet haben. Nur weil diese Menschen nicht mehr wirtschaftlich ausbeutbar sind, haben sie kein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben? Unnötiger Ballast (Provokation)?

      - Residenzpflicht. Verstoß gegen Artikel 2 GG.

      - Verstoß gegen Artikel 1 Grundgesetz. Einem Erwerbslosen ist durch Hartz4 nicht möglich eine menschenwürdiges Leben in diesen Land zu führen. Gesellschaftliche und politische Teilhabe sind mit dem Regelsatz nicht möglich.

      - Volksverhetzung (§130) in den Medien und sogar durch Politiker gegen diese Bevölkerungsgruppe. Geduldet und von großen Teilen der Bevölkerung ohne Reflektion gefressen.

      - Bildung von Ghettos. Erwerbslose werden durch die Arge dazu genötigt sich Wohnraum zu beschaffen den es auf dem Markt kaum oder gar nicht gibt. Dabei werden Mietspiegel/Zahlen verwendet die fernab jeglicher Realität sind. => Ausgrenzung und Stigmatisierung.

      Hartz4 dient den industriellen Eliten die Bevölkerung auszusaugen und große Teile der Bevölkerung jubeln wenn sie jemanden haben auf dem sie rumtreten können. Dabei begreifen viele nicht das sie die nächsten sind wenn ein 1 Eurojobber oder Zwangsarbeiter zu Hungerlöhnen ihren Job übernimmt. Propagandamedien verstärken diese Ausgrenzung und sind gekaufte Sprachorgane der wirtschaftlichen Eliten. Pressefreiheit? Das ich nicht lache.

      Dies ist nur der Bereich Hartz4. Was ist mit der geschürten Terrorangst und dem schüren von Misstrauen gegen Andersdenkende oder anders Aussehende? Repressionsmaßnahmen und Überwachung der kompletten Bevölkerung sind die Konsequenz. Und wenn schon die falsche Musik zum Anfangsverdacht führt, kann man sich vorstellen was das Ziel ist. Einschüchterung der Bevölkerung. Bloß nicht auffallen. Sei eine graue Duckmaus. Das ist gezieltes Hineinpressen in eine neue “Uniform”. Sei spießig und halts Maul dann passiert dir nichts. Aufbegehren gegen Korruption? Schlagstock und Wasserwerfer! Wenn man sagt was man denkt hat man die Staatsanwaltschaft auf dem Hals oder ist den Job los, aber wir sind ja so ein freiheitliches Land. Meinungsfreiheit, der nächste große Witz. Zitiert doch mal Adorno :)

      Die Entrechtung, Einschüchterung, Panikhysterie und Repressionsmaßnahmen gegen die Bevölkerung sind nichts anderes als Mittel des Staates Proteste gegen eine korrupte Politikerkaste und deren Komplizen bei den Banken und der Wirtschaft zu schützen.

      Je mehr Menschen diese Mechanismen verstehen desto mehr Repression muss der Staat aufbringen um seine korrupten Pfründe zu beschützen und ein krankes System am Laufen zu halten. Die Konsequenz daraus ist ein totalitärer Polizeistaat. Wohin das dann letztendlich führt und wie IHR das nennen wollt ist mir eigentlich gleich. Ich weiß nur das ich die Entwicklung alles andere als schön finde

      • groo schrieb am 28. November 2010 um 19:29 - Permalink

        Das kann ich alles unterschreiben, was Du sagst.

        Es ist eine Schweinerei, wie manche unserer ‘Eliten’ mit Begriff und Essenz der ‘Menschenwürde’ umgehen.

        Ich zitiere mal eine Passage zu Clement aus wikipedia:

        „…Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“ heraus. Für diese Broschüre aus seinem Haus schrieb Clement das Vorwort.[25] In der Broschüre wird unter anderem suggeriert, dass ein Großteil der ALG-II-Empfänger die staatlichen Unterstützungen nicht rechtmäßig erlange. Jedoch sind keine Untersuchungen oder Statistiken dazu in der Broschüre enthalten. Sie stützt sich auf Einzelaussagen, in denen unter anderem die Begriffe Schmarotzer, Trittbrettfahrer, Abzocker und Parasiten benutzt wurden. Die oben genannte These der Broschüre und deren Begriffe „Schmarotzer“ und „Parasiten“ wurden in der Boulevardpresse bundesweit verbreitet. Aufgrund der Broschüre wurde gegen Clement Strafanzeige erstattet wegen übler Nachrede, Beleidigung und Volksverhetzung, unter anderem von Einzelpersonen, Arbeitsloseninitiativen und der WASG.

        Das kann man durchaus faschistoid oder protofaschistisch nennen.
        Da stecken etliche Elemente von Faschismus drin.
        Siehe die Faschismusdefinition
        (Gentile, 10 ‘Dimensionen’)

        Es geht aber mE doch umwas anderes -umfassenderes als ‘Faschismus’:
        Nämlich die Machenschaften autoritärer Charaktere ganz allgemein, und auf der politischen Bühne im Besonderen.

        Leute wie Clement oder Sarrazin sind -jetzt hätte ich beinahe was gesagt- Suprematisten mit soziopathischem Einschlag.
        Normalerweise sollte man sich mit so einem Menschenschlag nicht beschäftigen müssen, ausser sie in eine moralische Besserungsanstalt einzuweisen, über die sie sich natürlich erhaben fühlen.

        Dass das Feld weiter zu fassen ist, kann man an Bernard de Mandeville sehen. (Der Mann hat 1670 bis 1733 gelebt!)
        Ich zitiere also nochmal:

        Das einzige Ding, das den arbeitenden Mann fleißig machen kann, ist ein mäßiger Arbeitslohn. Ein zu geringer macht ihn je nach seinem Temperament kleinmütig oder verzweifelt, ein zu großer insolent und faul … Aus dem bisher Entwickelten folgt, daß in einer freien Nation, wo Sklaven nicht erlaubt sind, der sicherste Reichtum aus einer Menge arbeitsamer Armen besteht. Außerdem, daß sie die nie versagende Zufuhrquelle für Flotte und Armee, gäbe es ohne sie keinen Genuß und wäre das Produkt keines Landes verwertbar. Um die Gesellschaft” (die natürlich aus den Nichtarbeitern besteht) “glücklich und das Volk selbst in kümmerlichen Zuständen zufrieden zu machen, ist es nötig, daß die große Majorität sowohl unwissend als arm bleibt. Kenntnis erweitert und vervielfacht unsere Wünsche, und je weniger ein Mann wünscht, desto leichter können seine Bedürfnisse befriedigt werden.

        (zitiert nach Marx, der Einwurf in Klammern stammt von ihm)

        Das ist die Denkweise von Suprematisten, die sich für was Besseres halten.
        Wenn sies zu doll treiben, hat man sie immer wieder mal einen Kopf kürzer gemacht.
        Das haben sie gelernt, deshalb verstecken sie ihre Denke in Codebegriffen und Parolen, um ihre Anhängerschaft, die sie ja brauchen, und die vorwiegend aus Dummköpfen besteht, bei der Stange zu halten.

        Mencken, der alte Sarkastiker, hat das mal so gesagt:

        All the leaders of groups tend to be frauds. If they were not, it would be impossible for them to retain the allegiance of their dupes…

        Lies mal Altemeyers Buch ‘the Authoritarians’
        Volle Bestätigung von Mencken.
        Die ‘frauds’ sind die authoritarian leaders, die ‘dupes’ die authoritarian followers.

        Dann siehst Du, dass das Phänomen, oder soll ich sagen Syndrom, nicht auf Faschismus reduzierbar ist!

        Der Begriff ‘Faschismus’ ist zu abgenudelt!
        Denke nur an ‘Ökofaschisten’, und die ganzen anderen Spielarten von ‘Faschismen’.

        Das bittere an der Sprache ist, dass sie soleicht durch Trickser und Täuscher und Sprachmurkser missbraucht werden kann.

        Ich kann mich eventuell mit Gentile’s Versuch einer ‘Definition’ anfreunden.
        Aber sie ist zu komplex und sogar in akademischen Zirkeln heftig umstritten!
        Das ist immer ein schlechtes Zeichen!

        In meinem Wortschatz taucht der Begriff ‘Faschismus’ nicht auf, und ich lebe ganz gut damit. Mag eigensinnig sein.

        In Huxleys ‘schöne neue Welt’ tritt der Begriff nicht auf, Orwells ’1984′ könnte man wieder ‘hyperfaschistisch’ nennen. Erfüllt fast alle Dimensionen des Gentile’schen Faschismusbegriffs.

        Es gibt viele Welten, die unerwünscht sind.

        • Micxs schrieb am 28. November 2010 um 20:07 - Permalink

          Danke, werde ich mir mal durchlesen.

          @all
          Ich sollte keine Texte schreiben wenn ich mich aufrege bzw. sie noch mal durchlesen bevor ich auf diesen Absendebutton klicke ;)

          • groo schrieb am 28. November 2010 um 20:31 - Permalink

            keine Sorge, da bist Du nicht allein! ;)

            Tücke des Mediums.

    43. boskoop schrieb am 28. November 2010 um 21:47 - Permalink

      Auch wenns scheinbar nicht gewünscht ist, führe ich trotzdem meine Gedanken von vorhin zuende. Will hier nicht zu viel theoretisieren und die beste Quelle ist immer noch die eigene Ratio.
      Man hört immer dann, wenn es pathetisch wird die Phrase “Bewahrung der Schöpfung”. Eigentlich gibts da nichts zu diskutieren.Schlimm wirds nur wenn man die Befürchtung bestätigt bekommt, dass es sich auch um Geldschöpfung, Rechtsquellenschöpfung,…X-beliebigSchöpfung und Kombination – kurz gequirlte K…e für Nichtsuprematen handelt.
      Das ist und mach krank.

    44. Toiletman schrieb am 29. November 2010 um 02:46 - Permalink

      Hätte ich net eben schon meine Schlaftablette genommen und wäre nicht schon dementsprechend sediert würde mir dieser Artikel großen Ärger bereiten als jemand der Politikwissenschaft und Geschichte studiert hat. Kernfrage wäre natürlich, was ist überhaupt dein Faschismus? Faschismus scheint in der europäischen Linken soetwas zu sein wie eine Keule für alles, was man nicht mag. Der Faschismus ist ein speziell italienisches Phänomen, dass am ehesten noch in einigen Spanisch sprechenden Ländern anzutreffen war. Der ethnozentrische Imperialismus Glorifizierung ist zwar ein wichtiger Punkt des Faschismus aber nur soetws zu machen macht noch keinen Faschismus. Dazu gehört vor allem eine spezielle Organisation der Ökonomie aber auch eine bestimmte Fortschrittsglorifizierung, die man zum Beispiel im NS nicht findet. Man sollte auch die Wurzeln des Faschismus under Faschisten betrachten, die in Italien wesentlich anders war als die des NS in Deutschland. Die beiden Idelogien haben manche Ähnlichkeit sind aber mit nichten das Selbe.

      Die von dir beschriebenen Dinge passen auf Radikal-Kapitalismus und generell charismatisch autoritäre Herrschaft.

      • schwitzig schrieb am 29. November 2010 um 06:38 - Permalink

        Die von dir beschriebenen Dinge passen auf Radikal-Kapitalismus und generell charismatisch autoritäre Herrschaft.

        Es ist eine Frage der Begriffsdefinition. Richtig ist allerdings, dass Radikal-Kapitalismus und Faschismus mitunter zusammen anzutreffen sind – also innerhalb einer Regierung kompatibel zueinander sind; ganz im Gegensatz zu einer echten Demokratie.
        Ich würde sagen, es wird das richtige mit unpassenden Vokabeln umschrieben.
        Das Ekelpotential ist bei beiden Begrifflichkeiten ziemlich identisch. Vielleicht rechtfertigt das die Begriffsverwirrung, zumal es viele Gemeinsamkeiten gibt.

    45. Anvyl schrieb am 29. November 2010 um 03:17 - Permalink

      Der Artikel ist nett. Packt halt den linken Geist des Blogs am Herzen. Genau wie die Kommentare von Chat Attkins und dem Schachspieler.

      Aber der Grundtenor hier lässt einen einfach nur Fremdschämen. Was der Linken hier eindeutig fehlt, ist diese gewisse Sorglosigkeit, der die Kraft innewohnt, für die Ruhe zu sorgen, um einen Sturm zu entfachen. Das ist schade.

    46. Hans Bambel schrieb am 29. November 2010 um 10:06 - Permalink

      Ich komme mit dem Schreibstil des Herrn Platta einfach nicht klar…. Nach dem dritten Absatz habe ich aufgehört zu lesen. Auch deshalb, weil ich für mich nichts Neues erwartete.

    47. e schrieb am 29. November 2010 um 21:35 - Permalink

      Auch hier fällt mir zur Stunde nur das Folgende ein: genau dieses ansprechen und aussprechen. Also: diese inneren – zumeist seelischen und zumeist unbewußten – Prozesse aus dem Dunkel der Unbewußtheit befreien und ans Licht holen, damit die Betreffenden und wir das geschilderte Abwehrgeschehen gemeinsam bearbeiten können: sie, die Empfänger der Nachrichten, und wir, deren Überbringer. Eine Utopie, an deren Realisierung wir uns konsequent machen sollten – im eigenen Interesse und im Interesse der anderen Menschen. Meines Erachtens führt kein Weg vorbei an dieser Aufklärung der skizzierten Vorgänge innerseelischer und intellektueller Art.

      lob lob,
      ein ungewohnlicher artikel möchte ich anmerken.

      insbesondere der appell, sein gegenüber dem man seine meinung gegenüber kundtut, ernst zu nehmen, und konstruktiv bei der informationsübertragung vor zu gehen.
      überforderung, so musste ich bereits einige male feststellen, enden nicht selten in ablehnung, egal worum es ging.
      dies ist eine reaktion, die es zu vermeiden gilt, und da kann es letztendlich NUR ein miteinander geben.

      ich gebe zu, ich habe diesmal nur einen teil der kommentare gelesen, und vielleicht wurde das schon so gesagt, dennoch bestehe ich darauf, es zur noch nocheinmal zu wiederholen.

      ich bin froh das sie diesen artikel verfasst haben, und bin mir sicher, das er fruchten wird, auch wenn ich mir neben der vergleichsfrage (äpfel und birnen die bereits abgehandelt wurde) eine weitere kritik nicht sparen möchte:
      ich finde ein paar wenige sätze doch etwas schwierig zu verstehen, was vielleicht auf meine kognitiven fähigkeiten ;) zurückzuführen ist, dennoch vermeidbar von ihnen wäre, speziell da sie ein wichtiges ansinnen haben, und dieses verbreitet werden sollte.

      ps: an die faschismusdebatte wage ich mich nicht heran, auch wenn ich mir darüber viele gedanken mache, da ich vieles neuzeitige dort parken müsste … daher nur ein kleiner nachruf auf den letzten absatz.

      yours,
      e

    48. Delopinions schrieb am 30. November 2010 um 23:29 - Permalink

      Ich habe erst kürzlich in einem Forum einen NS-Zeit Vergleich gemacht, sachlich ohne ausfallend zu werden. Und prompt wurde ich für einen Monat gesperrt. Da hätte ich am liebsten einen Vergleich des Sperrenden mit einem Stasimitarbeiter gemacht.

      BTW (OT): Was macht der Spiegelfechter eigentlich ab Januar, sofern der neue JMStV gilt? Die Seite hier ist ja wegen der Werbebanner und der Flattr-Einbindung gewerblich mit Gewinnerzielungsabsicht. Und bei über 50 Mitarbeitern oder über 10 Millionen Pageviews pro Monat braucht man einen Jugendschutzbeauftragten. In jedem Fall muss man seine Seite klassifizieren mit einem noch nicht existenten deutschen Jugendschutz-Label (Wie ICRA, oder ein xml-Label). Aber wie will der Spiegelfechter vorgehen?


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