Europa guckt in die Röhre
geschrieben am 07. Januar 2009 von Spiegelfechter
Russland und die Ukraine streiten sich ums Gas und der Westen bangt um seine Energiesicherheit
Deutschland fröstelt sich durch den Winter und vernimmt mit Sorge bedrohliche Nachrichten aus der fernen Ukraine. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist seit Neujahr eskaliert – heute versiegte erstmals die Gaslieferung in einigen osteuropäischen Ländern komplett und auch in Deutschland kommt bereits weniger Gas aus Russland an. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist ein Streit um den Gaspreis und um den Gasdurchleitungspreis. Die Ukrainer bezahlten bisher relativ wenig für die Gaslieferungen aus Russland, jetzt wollen die Russen mehr Geld. Umgekehrt wollen die Ukrainer mehr Geld von den Russen für den Gastransport nach Westen und nebenbei geht es auch noch um Zwischenhändler, die sich dank intransparenter Firmenkonstrukte eine goldene Nase am Gas aus dem Osten verdienen. 42% des in Europa verbrauchten Erdgases kommt aus Russland, 80% davon wird über Pipelines transportiert, die über das Staatsgebiet der Ukraine führen. Auch wenn es beim Streit nur um bilaterale Fragen geht, ist auch der Rest Europas betroffen, da das Transitland Ukraine offensichtlich größere Mengen des Gases, das für die Endkunden in Europa bestimmt ist, für den eigenen Bedarf abzweigt. Die EU ist alarmiert und wird wohl oder übel intervenieren müssen, wobei ein großzügiger Kredit an die zahlungsunfähige Ukraine die wahrscheinlichste Lösung für das Gasdilemma ist.
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Auch wenn es der Anfang ist – das ist der mit Abstand langweiligste Teil des Artikels, nur das, was man in den Nachrichten auf jedem x-beliebigen TV-Sender bekommt.
Wenn das Interesse wecken soll, ist es missglückt…
@Julien
Das haben Einleitungen so an sich ;-)
Die Frage war eher: Wenn doch alles auf Telepolis steht, warum gerade den allgemeinsten, uninteressantesten Teil hier abdrucken, den, der am wenigsten Neues verspricht?
Aber vielleicht missverstehe ich ja die Absichten… :-)
Vielen Dank für den Artikel.
Lass dich nicht von Fernsehzuschauern anmachen.
@Julien Fritsch, als TV Konsument ist man doch immer unzufrieden.
Mach den Fernseher aus und sei dankbar das andere Meinungen vertreten werden.
Mir gefallen auch weiterführende Artikel.
@Julien
Nö, Du hast noch nicht einmal unrecht ;-)
Eigentlich stelle ich bei TP-Artikeln von mir immer den ersten Absatz (der meist als Kurzinhaltsangabe und “Teaser” verfasst ist) bei mir ein, um auch den Bloglesern, die nicht TP lesen, die Artikel anzupreisen und natürlich auch eine Kommunikationsplattform für die Artikel zu bieten, die nicht so “vertrollt” ist ;-)
Bei diesem Artikel ist der erste Absatz vielleicht idT zu nichtssagend, im Vergleich zum Rest. Nun ist er aber schon in der “Presse” – c´est la vie ;-)
@ bonobo
Ich vermute, man möchte mich missverstehen. Ich schätze weiterführende Artikel. Könnte mein ganzes Leben nur mit weiterführenden Artikeln verbringen. Genau dahingehend war meine Anmerkung (nicht: Anmache) gerichtet: Die Einleitung oben führte mich (leider) nicht zum dazugehörigen Artikel. Gottseidank hatte ich Telepolis im Feed.
Aber ich werde auch gerne weiter missverstanden. Als TV Konsument. Igitt.
Gut analysiert, da ich gerade in einem betroffenen Land mit Gas heize und die Heizung säuseln höre ein paar zusätzliche Infos:
Die Ukraine ist zweigeteilt zwischen russischen Freunden und ukrainischen, Geld ist keins da (schon angemerkt) und das Abzweigen bzw. das Erpressen des Lieferanten scheint opportun, die Legende von der “Orangenen Revolution” konnte immer schon eingesackt werden, die russische Position war nie nicht unfalsch.
Die Abhängigkeit von russischem Gas ist von “Gazprom-Gerd” erkannt worden und m.E. adäquat bearbeitet worden.
Kohle reinpumpen ist eine gute Idee, das beruhigt.
@sf
Genau, lol:-)….erinnert mich an die Legende vom ehrlichen Kaufmann und seinen “Lieferanten”….
Irgendwie, beim Lesen Deines guten Artikels, kamen mir Ähnlichkeiten zur globalen Finanzkrise in den Sinn….aber das nur so…
Schreib das mal der Kanzlerin …..lol.;-)
Ein paar Bemerkungen:
Wie weit ich weiss, der UA-RU Vertrag für den Gastransport ist gültig bis 2010. Der UA-RU Vertrag für die Gasliefruing ist am 31.12.2008 abgelaufen.
Also, was UA will und RU will haben unterschiedliche juristische Basis.
Das
bleibt dann doch wohl ein frommer Wunsch – oder? ;-)
Die Alternative für Westeuropa ist der Aufbau und die Anbindung von vielen kleinen Biogasanlagen in das allgemeine Versorgungsnetz, die aus meiner Erinenrung (Links reiche ich nach) ein Gas höherer Güte (Brennwert) liefern würden und die Abhängigkeiten von mafiösen Strukturen (wo gibt es die nicht im eher monopolistischen Energiemarkt?) reduzieren helfen könnte.
Hi misterL
Ich glaube das mit den alternativen Energiequellen bleibt ein frommer Wunsch deinerseits. ;-)
Du kannst doch nicht ernsthaft glauben, dass soviele Europäische Staaten sich freiwillig in Abhängigkeit irgendeines Staates begeben würden, geschweige denn Russlands, wenn es irgendeine andere Lösung gäbe.
Ich muss nicht mal ein Experte in Energiefragen sein, um allein mittels Anwendung elementarer Logik zu diesem Schluss zu kommen. Wir haben doch nicht all die wundervollen Demokratien wie die der Georgier, Aserbaidschaner und Turkmenen auf Kosten unserer Glaubwürdigkeit und trotz des erwartenden Blowbacks (der auch gekommen ist) aus reinem Spaß und Langeweile unterstützt und am Kaukasus mitzumischen versucht. (Stichwort: Nabucco-Pipeline)
Die EU/USA ist schon ein Haufen erbärmlicher Versager, ich bin immer noch fassungslos, wie der “Westen” es schaffen konnte, 20 Jahre nach dem Zusammebruch der UdSSR so da zustehen.
So, und jetzt haben wir den Salat, wir verlieren schon seit einiger Zeit konsequent auf jeder wirtschaftlichen/militärischen Front, lange kann das so nicht mehr weitergehen.
Gruß
@Dominik
Du hast sicherlich Recht damit, daß alternative Energiekonzepte es schwer haben, solange oligarche Strukturen miteinander über Energieabhängigkeiten verhandeln. Es gilt dies zu brechen. Ich denke (oder hoffe), daß unter dem Eindruck der aktuellen Vorgänge bei russischen Gas gelingen kann die Türe für alternative Einspeisung für Biogas weit zu öffnen. In Österreich, der Schweiz und auch in unserem Land ist die Türe an sich offen. Nur nicht weit genug.
Ich bin mit dir absolut einer Meinung hinsichtlich der Gründe, warum es alternative Energiekonzepte schwer haben, da wurde sicherlich auch bewusst der Ausbau der Kapazitäten aufgrund partikulärer Interessen gehemmt.
Was wir hier aber sehen ist eine Abhängigkeit, bei der ein Land wie Russland große Teile Europas deindustrialisieren könnte, womöglich sogar Staaten kollabieren lassen könnte.
Ich kann nicht glauben, dass die EU sich in so einer sensiblen Frage aufgrund von Lobbying für eine derartige Abhängigkeit entscheiden könnte.
Daher nehme ich an, dass diese alternativen Energiekonzepte gar nicht die notwendigen Kapazitäten zum Betrieb unserer Industrie zur Verfügung stellen könnten, selbst wenn man sie maximal Ausbauen würde, andernfalls müsste ich doch annehmen, dass sich die ganzen EU Staaten freiwillig zu einer kollektiven Wahnsinnstat entschieden haben.
Im Endeffekt kann ich das jedoch auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ich halte da lediglich an meinem persönlichen Glauben fest, dass Staaten generell souverän sein möchten, und danach trachten, ihre Macht (wenn möglich) zu erweitern, und sich daher nicht freiwillig in eine derartige Abhängigkeit begeben.
Vielleicht erkenne ich auch nicht, inwiefern die EU aus dieser Situation profitieren könnte, wäre da für jeden Hinweis dankbar.
Gruß
@Dominik
Ich kann es natürlich nicht sicher sagen, sondern nur mein Bauchgefühl mitteilen. Das sagt mir, dass einzelne Nationalstaaten als Bestandteil der EU eher weniger die Entscheidungsträger sind, wenn es darum geht Abhängigkeiten zu vermeiden die genau deshalb aus dem Staatswesen ausgegliedert (privatisiert) wurden, weil Privatunternehmen andere, globalere (vermeintlich bessere) Wirtschaftsentscheidungen treffen. Wo solche Entscheidungsoptionen wie Abhängigkeiten vs. Wirtschaft getroffen werden, haben Nationalstaaten offensichtlich freiwillig auf Dein
verzichtet. Im Rahmen der wirtschaftlichen Entscheidungsfreiheit der nun privaten Unternehmen kann der Staat allenfalls bei nationalem Notstand (meine Vermutung über Rechtliches) eingreifen. Aber das wäre dann eben zu spät, weil ein Notstand wäre ja bereits eingetroffen.
@ 13 Dominik:
Was wir hier aber sehen ist eine Abhängigkeit, bei der ein Land wie Russland große Teile Europas deindustrialisieren könnte, womöglich sogar Staaten kollabieren lassen könnte.
Tja, die Energieversorgung ist ein sensibler Bereich, für den bekanntlich mit wachsendem Aufwand Krieg in aller Welt geführt wird, damit bspw. bei uns die Leuchtreklamen und Flachbildschirme nicht ausfallen.
Wir deindustrialisieren mit militärischen Mitteln andere Weltgegenden für dieses hehre Ziel nicht nur, sondern töten zahllose Bewohner der dortigen Regionen, um uns genehme Regierungen zu installieren, die bereit sind, die Energievorräte – für eine angemessene persönliche Beteiligung – an uns auszuliefern.
Was Russland könnte, betreiben wir längst und zwar gänzlich ohne schlechtes Gewissen. Im Gegenteil: die Mehrheit meint, niedrige Energiepreise seien ein “Menschenrecht”. Unsere Regierungen dürfen ruhig foltern oder Leute entführen lassen, respektive Beihilfe dazu leisten, solange der Benzinpreis nicht steigt.
Imübrigen sind viele Leute der Meinung, daß die Bewohner der rohstoffreichen Regionen doch ohnehin nichts mit den “Bodenschätzen” anzufangen wüßten, da hoffnungslos rückständig und unterentwickelt. Wo kämen wir hin, uns von “Buschnegern, Wickelmützen, Indios oder Bolschewiken” vorschreiben zu lassen, welcher Preis für Rohstoffe oder Engergieträger angemessen ist. Jedenfalls scheint es so, denn von großer Empörung ob unserer Vorgehensweise bezüglich Rohstoffen ist nirgendwo viel zu spüren.
Wir glauben lieber an Piratengeschichten und “humanitäre Einsätze”, wie bspw. im Kongo neulich, wo angeblich “Wahlen gesichert” werden sollten, es tatsächlich jedoch um die Claime unserer Konzerne ging.
Vor Russland brauchst du eigentlich keine Angst zu haben. Was unsere Politiker an Putin und Gazprom stört, ist, daß diese nicht erpreß- oder eroberbar sind. Das sind sie nicht gewöhnt und deshalb fühlen sie sich unsicher, respektive bedroht.
Übrigens: das für dich zuständige Energieversorgungsunternehmen könnte dir theoretisch ebenfalls morgen den Hahn abdrehen und dich ruinieren, um dir einen höheren Preis abzunötigen. Die technischen Möglichkeiten hätten sie dazu. Du könntest dagegen natürlich klagen, wobei allerdings deine Aussichten, gegen einen mit unbegrenzten Geldmitteln ausgestatteten Konzern Prozesse zu führen, ziemlich bescheiden sind. Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Stiefel. Ich nehme nicht an, daß du dir deswegen Sorgen machst, solange du deine Rechnungen bezahlst.
Ich kann nicht glauben, dass die EU sich in so einer sensiblen Frage aufgrund von Lobbying für eine derartige Abhängigkeit entscheiden könnte.
Die Energieversorger stellen bspw. ihren Kunden die CO2-Verschmutzungsrechte in Rechnung, obwohl sie diese vom Staat kostenlos zugeteilt bekommen. Stört unsere Regierung nicht die Bohne. Im Gegenteil: diese vom Kunden bezahlte Subvention ist so gewollt, während gleichzeitig die Netze überaltern und wir uns gemütlich usamerikanischer Versorgungssicherheit nähern. Warum lassen uns unsere Politiker Verschmutzungsrechte “in Rechnung stellen”, die den Rechnungssteller nichts gekostet haben? Weil sie sich dahingehend haben beeinflussen lassen, daß dies so richtig wäre.
Unsere mehrfache Weltretterin und allseits beliebte Superkanzlerin Angie, hat in ihrer weisen Voraussicht dafür gesorgt, daß die bisherigen Versuche, sich von russischem Gas weniger abhängig zu machen, erfolglos geblieben sind. Man müsste dann nämlich vorzugsweise auf iranisches Gas setzen und das wäre unseren Verbündeten jenseits des Teiches gar nicht Recht, solange in Teheran nicht ein uns genehmer “regime change” vonstatten ging.
Das mit dem Biogas ist zwar eine schöne Idee, doch den großen Vier passt es schon nicht, daß sie Windkraft einspeisen müssen. Dezentrale Erzeuger und Monopole vertragen sich schlecht. Am Ende könnte man die Preise nicht mehr untereinander aushandeln, sondern müßte sich an Angebot und Nachfrage orientieren. Da seien EU und Bundesregierung vor…
@MX
Nach russischer Sichtweise ist dem so – mW ist diese Position nach internationalem Vertragsrecht auch gedeckelt. Die Ukraine hat durch den Gerichtsentscheid den Gastransportvertrag für nichtig erklärt und will ihn neu verhandeln. Aber das steht auch alles im Text ;-)
Hi Fiend_THeyde,
ich habe keineswegs Angst vor Russland, meine Sichtweise stimmt in den von dir vorgebrachten Punkten mit deiner weitaus mehr überein, als vllt in meinen Postings zu diesem Artikel scheint.
Ich wollte lediglich beim Thema des Artikels bleiben, und nicht schon wieder meine Ansichten zum Gebärden des “Westens” gegenüber anderen kundtun. ;-)
Was die Auswirkungen der CO2 Verschmutzungsrechte betrifft: das habe ich mir noch nicht angesehen, kann also daher in dem Bereich nicht mitdiskutieren, kommt aber auf die To-Do List, danke :)
Gruß
@misterL
Jein – Alternativen sind auch im klassischen Gasmarkt verfügbar. Da wäre die Nabucco-Pipeline; nur dafür müsste man mit Iran ins Geschäft kommen wollen. Dann gibt es natürlich noch den Import von verflüssigtem Gas via Tanker aus Algerien, Katar etc. pp.. LNG-Terminals sind ja auch bereits in Bau. Eine mengenmäßige Substitution von russischem Gas ist dies aber nicht – allenfalls eine Ergänzung, die eine einseitige Abhängigkeit verringert.
Nunja Iran ist (noch) Netto-Erdgasimporteur, eine wahre Alternative zu den russischen Importen könnten sie erst auf äusserst langfristige Sicht darstellen (nach Ausbau der Infrastruktur und Erschliessung der Quellen, und das dauert noch), und selbst dann ist es fraglich, ob
a) die Menge ausreicht und
b) ob wir überhaupt dazu kommen, jemals an dem Kuchen mitnaschen zu dürfen, Länder wir China/Indien werden ja auch interessiert sein.
@SF
Die letzte Tortengrafik, die ich als TV-Desinformierter ;-) zu sehen bekam (noch nicht so lange her) sagte etwas von 37% Russischem Gas aus, die in unserem Verbrauchsmix auftauchen. Die einseitig grosse Abhängigkeit wäre das mit nichten. Inwieweit durch konsquenter Nutzung (Einspeisung) von Biogas plus umfassender Investition in neuste Brennwerttechnik sich dieser Teil der Abhängigkeit reduzieren läßt, vermag ich nicht wirklich zu vermelden. Ich denke aber, es hätte mehr als nur Signalwirkung.
@10 misterL
Claro….da wird sich bedient….
(ohne Empörung gesagt: Wer solls verhindern?)
@Dominik
Sicher – weil ein Teil des Nordirans am Kaspischen Meer Gas aus Turkmenistan importiert und die großen Vorkommen im Golf noch keinen Abnehmer gefunden haben. Das Verhältnis sollte sich aber dieses Jahr aber durch die Aufnahme der Exporte nach Armenien.
Klar – so etwas geht nicht von heute auf morgen.
Die Vorkommen reichen sicher aus – Iran hat die zweitgrößten Gasvorkommen. Das größte (noch nicht erschlossene Erdgasfeld der Welt ist das South-Pars Field im Golf, dass sich Iran und Katar teilen. Beide Länder zusammen haben größere Reserven als Russland. Die Frage ist vielmehr der Transportweg. Die Nabucco könnte zwar eine große Menge liefern, aber um eine echte Alternative zu liefern, müsste man intensiv auf LNG-Versorgung setzen.
Indien hat bereits eine Pipeline mit Iran projektiert. Aber die Mengen an potentiellen Gas sind derart groß, dass für alle ein Stück vom Kuchen da ist. Man muß nur wollen – und daran hapert es bei den Europäern.
@misterL
Das täuscht ;-)
a) Die wichtigen Bezugsquellen der Deutschen liegen allesamt in der Nordsee – hier ist die Fördermenge abnehmend. In den nächsten Jahren muss (bei gleichem Verbrauch) der Import aus Russland massiv erhöht werden, um den Förderrückgang aus der Nordsee zu kompensieren.
b) Da Gas leitungsgebunden ist, könne man (im Falle eines Falles) einen Komplettausfall der russischen Lieferungen nicht kompensieren.
Wo soll so viel Biogas eigentlich herkommen?
@ 17 und 19 Dominik:
ich habe keineswegs Angst vor Russland, meine Sichtweise stimmt in den von dir vorgebrachten Punkten mit deiner weitaus mehr überein, als vllt in meinen Postings zu diesem Artikel scheint.
Ich wollte lediglich beim Thema des Artikels bleiben, und nicht schon wieder meine Ansichten zum Gebärden des “Westens” gegenüber anderen kundtun. ;-)
Das leidige Problem dabei ist, daß das Thema nicht erörtert werden kann, ohne die Gebärden des Westens einzubeziehen. Wir sind die größten Energieverbraucher und daher ebenso die mit der größten Energienachfrage, respektive dem größten Energiehunger. Desweiteren agieren wir weltweit in nahezu allen Regionen, die Rohstoffe und Energieträger besitzen.
Was m.E. zu wenig beachtet wird: Rußland möchte das Gas verkaufen und damit Geld verdienen. Energieträger werden mitnichten ausschließlich oder gar in erster Linie als bilaterales Druckmittel verstanden. Ein Energieboykott durch Russland träfe Russland selbst nicht weniger hart. Allerdings werden sie es an den verkaufen, der am meisten bietet. Wenn das irgendwann China sein sollte, haben wir eben Pech gehabt. Interessanterweise sehen unsere weltweiten Förderer der “freien Marktwirtschaft” das ganz anders: für die herrscht Marktwirtschaft nur dann, wenn wir die Preise diktieren und profitieren. Ansonsten ist “der Markt gestört” und staatliches Eingreifen vonnöten.
Daß Iran derzeit weniger Gas aus- als einführt, liegt in der Tat daran, daß es an der nötigen Infrastruktur fehlt. Da jedoch westliche Konzerne derzeit keinen Zugriff auf iranische Quellen haben, respektive die Kontrolle in Teheran liegt und die Bereitschaft Marktpreise zu zahlen im Westen gegen Null tendiert, wird sich an diesem Zustand vorerst wenig ändern.
Dazu kommt, daß mittlerweile Konkurrenz für den westlichen Wirtschaftsblock in den Ring gestiegen ist, nämlich China, das sich bspw. in Afrika nach Rohstoffen umsieht und diese – zumindest bislang – zu erwerben sucht, ohne voher die dortigen Regierungen gewaltsam auszuwechseln, respektive zu “Reformen” zu zwingen, die dem Käufer die Kontrolle über die Ware, den Preis und den Erlös gleichermaßen garantieren.
Das Thema ist unlösbar mit westlichem Gebaren verknüpft. Dabei gilt, daß wir China und Russland Absichten vorwerfen, die wir längst in die Praxis umgesetzt haben. Wahrscheinlich weil wir davon ausgehen, daß die Konkurrenz mindestens genauso eigensüchtig und moralisch verkommen ist, wie wir selbst.
@ SF:
Wo soll so viel Biogas eigentlich herkommen?
Du weißt doch: jedes Böhnchen gibt ein Tönchen. Der Verzehr von Hülsenfrüchten wird eine Frage der nationalen Energiesicherheit. ;-)
“Wo soll so viel Biogas eigentlich herkommen?”
richtige Frage, da müßten wir wohl ebenso viel auf Essen verzichten
wenn ich richtig informiert bin, hat sich die deutsche Energiepolitik das Ziel gegeben, im Jahr 2030 rund 10 % des Erdgasaufkommens durch Biogas bzw. Bioerdgas zu ersetzen.
“Dies entspricht – wenn künftig gleich viel Erdgas wie heute verwendet wird – jährlich
etwa 9 bis 10 Milliarden Normkubikmetern (Mrd. m3) Bioerdgas bzw. rund 2 bis 2,5 % des
jährlichen Primärenergieverbrauchs in Deutschland.”
und der Großteil davon wird wohl aus nachwachsenden Rohstoffe (zB Mais) erzeugt werden
“Betrachtet wird die gesamte Biogasproduktion differenziert nach Herkunft aus Gülle,
nachwachsenden Rohstoffen wie z. B. Mais, industriellen Rückständen wie z. B. Altfetten
und kommunalen Reststoffen. Die Gutachter gehen davon aus, dass sich der hauptsächliche Zuwachs weiterhin aus dem Bereich nachwachsender Rohstoffe
ergeben wird. So liefert zum Beispiel der Maisanbau auf einer Fläche von 1 Hektar einen Ertrag von rund 10.000 m3 Biogas bzw. von etwa 5.000 m3 Bioerdgas.”
@SF
Eine erste Antwort liefert diese Seite. Durchaus spannend ist dieser Beitrag weil er auch etwas über das Einsparpotential aussagt.
Vielleicht wird man dann in Deutschland beim Nordstream auch etwas aktiver. Das wird schließlich erlauben größere Mengen unabhängig von Ukraina zu beziehen. Und Druck auf Ukraina wäre dann auch etwas hielfreicht. In vorigen Jahren hat man dazu tendiert komplette Schuld fast ausschließlich auf Russland zu verlagern.
@26 misterL
Da krame ich doch mal den Taschenrechner raus ;-)
Erdgas hat einen Heizwert von 35 MJ/m³ – bei Biogas sind es 17,5 MJ/m³. Deutschland importierte 2006 alleine von der Gazprom 34,4 Mrd m³ Erdgas. Eine Kuh produziert via Gülle rund 1,5 m³ Biogas pro Tag, das sind rund 550 m³/Jahr. Wir bräuchten also rund 126 Mio. Kühe, um diese Biogasmenge zu produzieren – dies ist rund achtmal so viel, wie wir in Deutschland haben. Und dieses nicht eben realistische Szenario beinhaltet schon eine optimale Produktion und Distribution von Biogas. Wenn man Erdgas vollkommen substituieren wollte, bräuchte man rund 350 Mio. Kühe in Deutschland. Wollen wir Öl als Heizmittel für Haushalte ebenfalls substituieren, kämen wir auf rund 600 Mio. Kühe – die Frage ist: Was sollen die fressen? ;-)
@SF #28
Deine Taschrechnerspielereien sind etwas zu Kuh-gebunden. ;-) Das Ganze ist Vielschichtiger. Sollte es also auf Basis 2006 möglich sein mit der ganzen Palette von biomassefähigen Rohstoffen möglich sein in 2020 russisches oder anderes Gas zu ersetzen, sollte man es machen. Sämtliche Piplines aus entfrenten Gebieten durch unsicheres Terrain sind unsicheres Gelände. Man kann quasi überall “in die Röhre gucken”. ;-)
Kleine Korrektur: es ist nicht Schröders Nordseepipeline, sondern eine Pipeline, die durch die Ostsee geht, ergo Ostseepipeline.
@Kletian
Oops – wie peinlich *schäm*
Da waren die kleinen Finger wieder schneller als der Kopf.
Ich will mich politisch äussern…
meine finger… verngesteuert..
ich kann nicht anders…
gibt es nacktbilder von der tuss….????
Bei der Betrachtung von Biogas als Alternative sollte auch bedacht werden, daß einerseits die durch die früheren Flächenstillegungen aktuellen Rückzugsgebiete etlicher Tier- und Pflanzenarten wahrscheinlich wieder der energiergewinnenden Landwirtschaft zugeordnet würden, was dann wahrscheinlich die betroffenen Tier- und Pflanzenarten zum größten Teil der Ausrottung überantwortete.
Andererseits würde ungeachtet der Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt eine Konkurrenzsituation enstehen, was die Nutzung einer Fläche zur Nahrungsmittel- oder eben Energiegewinnung betrifft. Soll das ein freier Markt selber regeln? Ist dieser freie Markt auch frei von bisher für den Agrarsektor lebenserhaltenden Subventionen? Wie teuer werden dann Haferflocken oder Biogas tatsächlich werden?
Da dürften noch viele Finger sich an Taschenrechnern wundreiben, bis diesen Fragen angemessen auf den Grund gegangen sein wird.
Was haltet ihr von diesem Vorschlag
Energie aus der Wüste
das einzige Problem was ich sehe ist, dass man elektrischen Strom schlecht (im Sinne von nicht verlustfrei) speichern kann, sprich bei einer Katastrophe würde so die ganze Welt im Dunkeln sitzen (naja eigentlich nur die Hälfte auf einer Seite würde die Sonne ja scheinen ;) )
Ansonsten gefällt mir diese Diskussion sehr gut hier. Gerade Fiend_THeyde nimmt mir die Worte aus dem Mund (nur kann er es schöner formulieren)
Ja alternative Energien ist immer so eine Sache, erstens kämpft man gegen eine starke Lobby, zweitens will niemand Windräder in seiner Nähe haben. Solarzellen verbrauchen unheimlich viel Energie bei der Herstellung (früher sogar mehr als sie selbst erwirtschafteten), die Hoffnung wäre die Biosolarzelle, die braucht wohl aber noch gute 30 Jahre zur Produktreife.
Verheizen von Biogas oder Pflanzen birgt ja genau das Problem: Es gibt zu wenig, und wenn dann steigen Preise für Lebensmittel, selbst schnellnachwachsende Palmarten laugen den Boden aus und benötigen Unmengen an Wasser.
Wurde nicht mal gesagt die nächsten Kriege werden um Wasser geführt? Wie sieht es denn bei der “Baustelle” aus?
@Peter Bommel
Es ist schade wenn an “alternative Energiegewinnung” immer an diese Windkrafträder der Atomlobby gedacht wird.
Es gibt sehr wohl viele andere Formen der freien Energiegewinnung, wie wir alle Energieunabhängig werden .
Viele Links habe ich gesammelt:
http://freieenergie-sammlung.blogspot.com/
Die Propaganda der Energielobby ist schon älter als wir beide.
@ NativeherbalMan
Nette Links. Ich kannte nur die Windräder mit Rotorblättern.
Windräder funktionieren ja nur innerhalb eines ich nenne es mal “Windkraftbereiches” aufgrund der Generatoren, die eine gewisse Umdrehungszahl benötigen. D.h. bei zu starken oder zu mäßigen Winden drehen sich die Rotorblätter und das Windrad steht still.
Bei Windrädern in Spiralen frage ich mich wie das gelöst werden könnte (Bremse an der Antriebswelle?) oder vielleicht eine Art Zylinder in Teile zerlegt die sich drehen und damit zu einem geschlossenen Zylinder formen, wenn wieder genug Windkraft vorhanden ist, drehen sie sich um 180° und lassen den Wind hindurch.
Bin aber absolut kein Experte, vielleicht gibt es dazu auch schon eine Lösung….
@Peter Bommel
Du hast zu schnell geschaut.
Es gibt auch schon professionelle Anbieter von jeder Art der freien Energiegewinnung.
Ich habe eine Kategorie mit “Windkraft-Professionell”, dort sind sogar schon Profis aus Deutschland am Werk.
Und dann noch der Autoumbau:
http://www.h2o-antrieb.de/
Warum darüber nichts in den Medien zu erfahren ist???:)
Geld für Werbung usw….
@37(h2oantrieb): Warum ist wohl nix in den Medien darüber zu lesen? Weil jeder Schüler der 8. Klasse erklären könnte, daß da absoluter Unsinn geschrieben steht.
.. die aufgewendete elektrische Energie zur Elektrolyse von einer bestimmten Menge Wasser soll erheblich geringer sein als die Energie welche bei eine Verbrennung des dadurch entstandenen H2 entsteht. Alles klar.
.. H2 und O2 im Verhältnis 2:1 entzündet ergibt sicher keine Implosion sondern eine zünftige Explosion. Ganz einfach deshalb weil bei einer stark exothermen Reaktion das Reaktionsprodukt kein kondensiertes Wasser ist, sondern 1000nde Grad heisser Wasserdampf.
Die “Erklärung”, wie das mit dem H2O funktioniert, gibt es u.a. hier:
http://www.wasserauto.de/html/prinzip.html
Sehr nett gemachte Hoax-Seite, finde ich.
Also das Foto ist ja der Wahnsinn :)
@34: Es gibt ein interessantes Buch “Benzin aus Sand”. Darin wird eine neue Form der Energieversorgung angesprochen, die vereinfacht gesagt, auf Silizium statt auf Kohlenstoff basiert. Mit Hilfe von Sonnenlicht werden langkettige Silane erzeugt, die einfach transportiert werden können und zur Energieerzeugung verbrannt werden können. Die Energieausbeute ist deutlich höher als bei üblichen Kohlenwasserstoffen.