Der Russe lügt!
geschrieben am 07. Januar 2009 von Spiegelfechter
Man kennt es bereits aus dem Georgien-Krieg. Wenn es zwei unterschiedliche Versionen von einem Ereignis gibt und eine davon aus Russland stammt, wird in einigen Pressehäusern die russische Version als falsch, die gegenteilige Version als korrekt dargestellt. Warum sollte dies im Gasstreit anders sein?
Nach den Aussagen des ukrainischen Gasversorgers Naftogaz hat Russland heute über Nacht die Gaslieferungen in die Ukraine komplett eingestellt. Russland wiederum erklärt die Tatsache, dass kein Gas über die Ukraine an europäische Endkunden ausgeliefert wird, mit dem Umstand, dass die Ukraine alle vier Transitpipelines geschlossen habe.
Ein Vertreter der Gazprom erklärte dazu:
Es ist im höchsten Maße zynisch, wenn die Ukraine Russland vorwirft, die Gaslieferungen in die Ukraine zu stoppen. Jedes Schulkind weiß, dass wenn man das eine Ende einer Pipeline verschließt, man am anderen Ende unmöglich weiteres Gas einspeisen kann. Daher liegt die komplette Verantwortung auf ukrainischer Seite.
Als Journalist ist man der Neutralität verpflichtet und auch wenn Experten die russische Variante für stichhaltiger halten, sollte man die unterschiedlichen Lesarten erläutern und Zitate einer Konfliktpartei als indirekte Rede weitergeben und nicht als Fakt. Was aber machen Teile der Presse in ihren Artikelüberschriften?

Quelle:Berliner Zeitung

Quelle: WELT

Quelle: BILD
In keinem der Artikel wird die ukrainische Version als Fakt dargestellt, sondern – so wie es sein sollte – als indirektes Zitat mit Quellangabe. Die Überschriften suggerieren dem Leser jedoch, dass die ukrainische Version den Tatsachen entspräche. Ist dies manipulativ, reißerisch oder einfach nur journalistische Unfähigkeit? Letzeres wäre eine Erklärung, wenn die Unfähigkeit sich auf die Konfliktparteien verteilen würde. Dem ist aber nicht so – egal ob es sich um das einseitige Vertrauen auf georgische Quellen, oder ein manipulaitv gekürztes Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten handelt; immer ist es die russische Seite, die “Opfer” der Einseitigkeit ist.
Dass es auch anders geht, beweist dieses mal die Tagesschau, die ein erfreulich neutrales Interview mit ihrem Russland-Korrespondenten Stefan Stuchlik führte.
Jens Berger
| Tags: Energie Russland | |
![]() |
Partnersuche im Internet Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1 Wissenschaftlich fundierter Test www.PARSHIP.de |










Artikel
Kommentare
eMail-Abo
Jaja, das Sein als Spielball nicht verfizierbarer Interessen.
An sich ist es ganz einfach. Man gründet eine Internationale Energie Aufsicht (falls es sie noch nicht gibt) analog zur Internationalem Atomaufsicht und schickt eine Abordnung an die Gasuhren zum Ablesen.
Bis es die gibt schickt sich die EU im konkreten Fall an darauf zu bestehen in der Ukraine die Gasuhren abzulesen statt sich auf irgendeine im Zweifelsfall zweifelhafte Aussage zu verlassen. Als guter Anbieter seiner Kunden würde ich als Gasprom Manager meine Kunden einladen, sich davon zu überzeugen, dass der Gashahn jenseits der Grenze geschlossen wurde, statt meinen Kunden zu empfehlen (siehe Spiegel Online) mehr Gastanks zu bauen.
Ab sofort wäre Lügen, egal von welcher Seite ungleich schwerer bis unmöglich. Ulkig das keine der Seiten Interesse daran hat, entweder seine Kunden zu überzeugen oder mögliche Verbündete zu finden mit handfesten Beweisen an konkreten Gashähnen und -Uhren…
Ich denke es ist klar, was die Ukraine macht.
Die Kampagne, die jetzt anscheinend Russland zum Sündenbock stempeln soll, hat wohl parteipolitische Ursachen (“Gazprom-Gerd”) und ist zudem der Tatsache geschuldet, dass – Böse formuliert! – Russland eine Plutokratie bzw. Klandestinie darstellt (vgl. auch Hyman Roth in Godfather II, der die “perfekte Partnerschaft mit der Regierung” angestrebt, aber nicht erreicht hat, in Russland scheint diese erreicht worden zu sein).
@misterL
Da zitiere ich mal aus dem verlinkten Artikel von Russland-Aktuell:
Noch Fragen?
Ja SF. Warum wurde das nicht offizell vor internationaler Presse bei der PK mit Glos der EU nach dem Besuch von Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew angeboten? Oder wurde es nur nicht veröffentlich? Kann ja durchaus sein.
@misterL
Wenn die Gazprom sich durch eines auszeichnet – dann ist dies eine hundsmiserabele Unternehmenskommunikation. Ich weiß, wovon ich spreche ;-)
Ein echter Glaubwürdigkeitsgewinn
ist das tendentiell eher nicht. Ein Grund mehr nach Alternativen zu schauen. ;-)
@Spielgelfechter
Ein Blick zur taz… es sind nicht immer nur Springer Presse und Co.
http://taz.de/
Dein Artikel ist wie immer eine willkommene Erläuterung zu einem Thema das zu komplex für Journalisten im “Mainstream” zu sein scheint.
Nur dass, das ARD Interview “neutral” ist kann ich nicht finden. Es ist eine 100% Verunteilung der Ukraine.
Wobei man den Mainstreammedien schon lassen muss, dass sie im Vergleich zum Gasstreit 2006 schon fast wieder journalistische Standards haben. Zumindest die eines Volontärs, der auch gegenteilige Pressemeldungen wiedergeben kann und nicht nur eine die eine Version wie 2006.
Sieh da. Merkel rettet mal wieder die Welt und die Anregung hat sie wohl (Ironie) ;-) hier gefunden. :-))
vllt. auch interessant u auch net so eindimensional, ein Kommentar von E. Stölting aus der taz zum Thema…
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/riskantes-raenkespiel-ums-erdgas/
@zttr, Kommentar 7:
sicherlich keine glanzleitung der taz aber es klingt zumindest im 2. satz des artikels an, dass…
“MOSKAU/KIEW dpa Russland hat im Gasstreit seine Gaslieferungen nach Westeuropa über die Ukraine am Mittwoch komplett gestoppt. Die Ukraine habe die letzte von vier Transit-Leitungen für das russische Gas in die Europäische Union geschlossen, sagte der Vize-Chef des russischen Gasmonopolisten Gazprom, Alexander Medwedew. …”
Was schreiben den die Russen so:
Moskau mahnt EU zu mehr Härte gegenüber Kiew
MOSKAU, 07. Januar (RIA Novosti). Im Streit um die russischen Gastransite über die Ukraine hat Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschizhow die EU aufgerufen, auf die Regierung in Kiew einzuwirken.
„Die EU verfügt über erforderliche Instrumente, um auf Kiew einzuwirken. Würde die EU darauf zurückgreifen, wäre das zu begrüßen. Hoffentlich wird Europa mit der ukrainischen Seite aktiv arbeiten, denn diese nimmt traditionell Rücksicht auf Brüssels Meinung”, sagte Tschizhow am Mittwochnachmittag dem Radiosender „Echo Moskwy”.
Es gehe jedoch weder um Drei-Parteien-Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und der EU noch um eine EU-Vermittlung zwischen Moskau und Kiew. Russland wirft der Ukraine vor, das Transitgas an die EU nicht weiterzuleiten. Die Ukraine streitet das ab und macht Moskau für den aktuellen Lieferengpass verantwortlich.
——————————————————————————-
Putin stimmt Einstellung von Gastransiten über Ukraine zu
MOSKAU, 07. Januar (RIA Novosti). Der russische Energiekonzern Gazprom hat dem Kabinett vorgeschlagen, Gastransite über die ukrainischen Stationen einzustellen, weil die Ukraine dieses Gas an die EU nicht weiterleite.
Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Wladimir Putin hat Gazprom-Chef Alexej Miller am Mittwochnachmittag vorgeschlagen, die russischen Gaslieferungen an die ukrainischen Stationen vollständig einzustellen.
„Ich stimme Ihrem Vorschlag zu, man muss das aber ganz öffentlich tun, d.h. im Beisein internationaler Beobachter”, erwiderte Putin.
———————————————————-
Pessen den nicht schon EU Politiker nach Moskau und Kiew?
auch ein guter Artikel zur Thematik:
Gasstreit: Panikmache oder Unfähigkeit?
http://www.heise.de/tp/blogs/2/121224
@dexter
Ich finde, solche öffentlichen Schlammschlachten zwischen Nationen und Konzernen eigen sich immer vorzüglich dazu, daraus eine VT zu machen. Dazu sei einer meiner Lieblingsseiten nun gegenannt: Die ftd.de. Dort findet man dann in den Bilderserien (Bild 6 und 8 seien hervorgehoben) eine tolle Begündung, warum die Annahme, dass der Stress mit der Ukraine nicht ungelegen kommen könnte. Druck auf den Pipelinebau zu machen.
http://www.ftd.de/politik/international/457751.html?cp=6
http://www.ftd.de/politik/international/457751.html?cp=8
Den Bildunterschriften genau lesen… ;-)
Ach ja. Für eine ordentliche VT fehlt noch
http://www.ftd.de/politik/international/457751.html?bid=13013&p=1&cp=5
@Sebastian
Ich zitiere mal:
“Russland hat natürlich auch Interessen. Es will Stärke zeigen und zeigen: Wir könnten die Ukraine erpressen und wir hätten im Zweifelsfall auch Westeuropa in der Hand. Zudem will Russland Europa zeigen, dass neue Gasleitungen notwendig seien – beispielsweise die Ostsee-Pipeline. Eine sehr teure Sache, da gibt es zudem sehr große Umweltprobleme. Es gibt Stimmen, die fragen: “Brauchen wir denn diese Leitung wirklich?” Die Russen wollen die Leitung auf jeden Fall, denn sie wollen auch um die Ukraine herum und machen daher Druck. Sowohl Russland als auch die Ukraine wollen die EU in Rollen drängen, die nicht im Sinne der EU sind.”
Der Gute teilt auch ordentlich gegen Russland aus, wie ich finde. Und er hat recht.
@zttr
Klar, die Russland- und Chinaberichterstattung der TAZ sind unterste Kanone. Eine publizistische Verlängerungen der GRÜNEN halt – da muß einen nichts mehr wundern ;-)
Liegt der Grund vielleicht irgendwo in der Mitte / woanders, oder ist diese Ansicht Blödsinn?
http://www.mmnews.de/index.php/200901071893/MM-News/Gas-Stopp-und-die-Folgen.html
@Orientierungslos
Ja, sie ist kompletter Blödsinn, der aber sicher der Zielgruppe sehr gut gefällt ;-)
@Orientierungslos
Danke für diesen herrlichen Beitrag. Ich liebe VTen. :-)
@Spiegelfechter
Ganz kurz bitte etwas Off Topic und zu meiner persönlichen Aufklärung.
Da ich mich tatsächlich in Orientierungslosigkeit befinde und diese Seite durchaus auch gelegentlich besuche, wer ist denn dort die Zielgruppe. Mittlerweile muss man ja aufpassen wie der Teufel vor dem Weihwasser, nicht auf irgendwelche radikalen Gruppen hereinzufallen.
Vielen Dank
PS. Ok, ich gehe davon aus, dass naive, vorbehaltslose und ein bisschen nach Wahrheit suchende Menschen meiner Wenigkeit, auf div. Seiten für die eigenen Zwecke missbraucht werden sollen.
Danke
@20:
Der Missbrauch von Inhaltssuchenden durch Inhaltsanbieter dürfte im Web nicht mehr zu stoppen sein, korrekt, LOL.
Abhilfen tut hier die neue Kommunikationskompetenz “Webkompetenz”, die u.a. ein Selberdenken und eine Selbstauswahl des Inhalts fordert.
Wahrheit ist übrigens (hier und anderswo) eher nicht zu holen, also so wie mans aus den GEZ-Medien und vergleichbaren früher gewohnt war.
SPIEGELFECHTER scheint aufgeklärt-links zu sein und recherchiert fleissig, bin allerdings auch neu hier. Dieser Blogeintrag war gut, gell?
Zu http://www.mmnews.de/index.php/200901071893/MM-News/Gas-Stopp-und-die-Folgen.html:
Ich will jetzt nicht vorschnell über MMNews urteilen, es scheint dort auch solide Beiträge zu geben, aber das mit der “Kriegserklärung an die USA” ist BILD^2 .
@Orientierungslos
-> Zielgruppe
Schau Dir die Werbekunden an, dann weißt Du, wohin die Fahrt geht. Mit Gold-Bugs lässt sich ganz prima Geld verdienen und wenn die VT-liebenden Kopp-Verlag-Kunden durch ein wenig “unkonventionelle” Erklärungen geködert werden können – um so besser. In diesen Kreisen ist es äußerst populär, gegen den “Wert” der großen Währungen zu argumentieren – was dahinter steckt? Keine Ahnung, die Hintermänner werden ihre Shorts sicher nicht in Rubel platzieren. Ooops, das war ja jetzt eine echte VT ;-)
@Horscht
Das ist aber sehr viel verlangt. Der mäßig Medienkompente weiß, dass die FAZ konservativ, die SÜDDEUTSCHE liberal und die Junge Welt sozialisitsch ist – BILD und WELT lieben die USA und Israel, der Rheinische Merkur Christen und das Neue Deutschland Chavez ;-)
Aber wofür steht der SPIEGELFECHTER, wofür stehen Feynsinn, der Oeffinger Freidenker oder Duckhome? Was wollen Radio-Utopie und Mein Parteibuch und welches Geistes Kind sind die Infokrieger oder die Schall und Rauch Seite?
Jein – die GEZ-Medien hatten einen poitischen Meinungsproporz mit Bildungsauftrag. Das kann und will kein Blog leisten. Blogs können “nur” einen Korrektiv aber nie(!) ein Ersatz für die klassischen Medien sein.
Und was “Wahrheit” angeht – was ist das? Macht der Baum, der im Wald umfällt und es ist niemand in der Nähe, der es hören könnte, ein Geräusch? Es gibt bei komplexeren Fragen keine Wahrheit, außer die Wahrheit, die geglaubt wird. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass der “Wahrheitsanteil” einer Internetseite umgekehrt proportional zur Verwendung des Wortes “Wahrheit” auf dieser Seite ist – Seiten mit dem Wort “Wahrheit” oder “Truth” im Titel sollte man gleich meiden ;-)
Linksliberal bitte – ansonsten ist das ok ;-)
@21 Horscht & Spiegelfechter
… Abhilfen tut hier die neue Kommunikationskompetenz “Webkompetenz”, die u.a. ein Selberdenken und eine Selbstauswahl des Inhalts fordert. …
Das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, nur muss ich mich, als eher unwissender Bürger, auch ein klein Wenig auf Wahrheit ohne Hintergedanken verlassen. Diese hat in den letzten Jahren in div. Bereichen eh schon arg gelitten. Wenn ich alles immer gleich in Zweifel stellen sollte, was bringt es mir am Ende, den völligen Vertrauensverlust und eine kaputte Psyche.
Dieses ganze Lügenkonstrukt aus Eigennutz kann für den Menschen nähmlich zur Unerträglichkeit werden …
Und Objektivität ist so, mit Sicherheit nicht zu erreichen.
Nun gut, ich finds interessant hier. Bitte am Thema weitermachen.
Danke fürs Verständnis
@SPIEGELFECHTER:
Ja, die Zeiten der kostenfreien GEZ-”Wahrheit” (man musste ja nicht zahlen, das Zahlsystem war unkontrolliert – so wie es in einigen Ländern Busse gibt mit Dosen, in die man was rein wirft) sind vorbei, war ja auch übel damals bspw. mit den stramm rechten BR-Leuten und den Kollegen vom WDR, die linke Fantatrinker der übelsten Sorte waren.
@all
Lustig auch der Herr Maurus von SWR. Ich zitiere:
Moskau will die Ukrainer für ihr Georgien-Engagement bestrafen und deshalb lassen die Ukrainer die Verhandlungen platzen? War die ukrainische Delegation vielleicht in Wirklichkeit eine Gruppe von Russen, die sich als Ukrainer ausgegeben haben? Man weiß so wenig.
Interessant auch die These, Moskau wolle durch den Gasstreit die Nabucco-Pipeline torpedieren. Klar, das macht Sinn! Momentan spricht ja auch jeder darüber, dass alternative Versorgungsrouten eine ganz schlechte Idee seien – Herr Maurus ist aber kein wirrer Kommentator in einem Blog sondern hauptberuflicher Journalist mit den Fachgebieten Wirtschafts- und Finanzpolitik, FDP, Außenpolitik, Terrorismus. Vielleicht sollte er sich künftig auf das Thema “FDP” konzentrieren – dafür braucht es nicht so viel Kompetenz.
Maurus referenziert _frühere_ russische Torpedierungen des Nabucco-Projekts.
Dass es Spannungen zwischen Russland und der Ukraine gibt ist klar, die russische Bevölkerung, die eingewandert ist, ist anteilsweise recht gross und führt einen politischen Kampf mit dem ukrainischen Bevölkerungsanteil.
Aber natürlich zweigt die Ukraine Gas ab und will nicht zahlen, klassische Erpressung liegt also vor, sollte auch so genannt werden in den GEZ-Medien, gerade weil auch die EU betroffen ist.
Über den Motivationsimperativ des merkwürdig bis falsch kommentierenden Hr.Maurus darf spekuliert werden, vermutlich ist der gute Mann – wie bei den GEZ-Medien üblich – irgendwie parteipolitisch eingebunden.
dieser Artikel suggeriert auch, dass der Russe lügt, er es aber besser zu kaschieren gelernt hat
“Russia learns lessons in PR war over gas supplies”
http://uk.reuters.com/article/oilRpt/idUKL738497420090107?pageNumber=1&virtualBrandChannel=0
Unseren Medien hat wohl die Georgien Geschichte wohl noch nicht gereicht, nun wollen sie sich vollkommen lächerlich machen…
Trotzdem, kommt es nur mir so vor, oder sind diesmal die Berichte ausgewogener als üblicherweise? .. mal abgesehen von Prags Ultimatum an Moskau – falls Moskau nicht bis morgen um 12 Uhr einlenkt, wird “irgendetwas” passieren .. das kann doch eigentlich nur peinlich enden ;-)
@ 27 Horscht
Zitat:
Dass es Spannungen zwischen Russland und der Ukraine gibt ist klar, die russische Bevölkerung, die eingewandert ist, ist anteilsweise recht gross und führt einen politischen Kampf mit dem ukrainischen Bevölkerungsanteil.
Zitat Ende.
Wegen “eingewanderten Russen” ist auch solches Halb- bzw Unwissen. In südlichen Gebieten am Schwarzen Meer sind Ukrainer genau solche “Einwanderer” wie die Russen auch. Tataren kann man da schon eher als “Einheimischen” bezeichnen. Und sowieso, ist noch nicht lange her (historisch gesehen), haben sich Ukrainer selber als Russen bezeichnet, obwol sie damals zum großen Teil in Polen wonnten. Grenze zwischen Ukrainer und Russen ist sowieso sehr fließend. Man kann als Vergleich die Grenze zwischen Schwaben und Deutschen nehmen. Oder zwischen Beiern und Deutschen. :-) Viele würden sagen dass Österreicher und Deutschen da besser passen würden, nun hatten die Ukrainer bis 2 letzten Jahrzenten nie einen eigenen Staat. Und nur die verschwindend kleine Minderheit hat in Vergangenheit Unabhängigkeit von Russland angestrebt.
@salvo
Der Artikel sagt, dass Russland bzw. Gazprom endlich moderne PR nutzt – das wurde auch Zeit. Ich habe mich auch schon gewundert, wo die ganzen Interviews mit Gazprom-Offiziellen herkommen. Das war noch vor einem Jahr undenkbar. Gazprom hat sich traditionell aufgespielt, wie ein Sonnenkönig und wenn einem Journalisten ein Interview gewährt wurde, lief das folgendermaßen ab. Der Journalist wurde nach Moskau zitiert und durfte sich in einem Hotel einquartieren. Dann bekam er irgendwann (oder auch nicht) einen Anruf aus der Gazprom-Zentrale, er dürfe zum IV erscheinen. Wie das IV ablief, kannst Du Dir denken. Auch Herr Miller machte noch im letzten Jahr einen auf Gaszar. Als die EU-Komission ihm ein paar Fragen stellen wollte, weigerte er sich nach Brüssel zu kommen und forderte die Komission auf, ihn doch in Moksau zu befragen. Dies ist natürlich Katastrophen-PR. Gut, dass sich da etwas tut.
Spannung herscht nicht zwischen “eingewanderten Russen” und Ukrainer, sondern zwischen Ukrainer die sich als eigenständige Nation mit eigenem Staat fühlen (so genannte “Ssamostijniki”) und Ukrainer die sich als Teil von russischen Volk verstehen und die kein großer Unterschid zwischen Russen und Ukrainer sehen.
@Ede:
Sind die Russen nicht erst zu Sowjetzeiten gekommen?
Ich weiß auch nicht mehr so recht.
Einerseits spielen die Russen sicherlich mit der Energiekarte, aber anders nimmt man sie auch ungern wahr. Andererseits ist es nicht einzusehen, dass die Ukraine, die chronisch Pleite ist, Gas zum halben Preis haben will.
Wenn ich den Zahlen von russland.ru glauben darf.
Zahlte die Ukraine um die 190 US-Dollar pro 1000 m³, nun wollte Russland 250 US-Dollar, die Ukraine aber nur max. 220 US-Dollar bezahlen (zum Vergleich der Westen zahlt 450 US-Dollar)
Man konnte sich nicht einigen und die Ukraine hat die Gespräche abgebrochen.
Die Russen begründen die Erhöhung, dass die WTO einen billigeren Gaspreis an die Ukraine als Wettbewerbsverzerrung sieht. Ich denke etwas “Strafe” für den pro-westlichen Kurs der Ukraine plus den Disput um die russische Schwarzmeerflotte steckt schon dahinter, jedoch finde ich ist es nur ihr Recht einen höheren Preis zu verlangen (Siehe Marktwirtschaft). Was mich wunderte, dass due Ukraine selbst Gas abzapfte, das sie angeblich zum Transit des Gases benötigen würde (warum fällt es ihnen jetzt erst ein?).
Das zweite ist, dass 2006 sie schon Gas gestohlen haben und wer einmal lügt, dem glaubt man nunmal nicht.
Wir haben doch langfristige Lieferverträge mit den Russen, insofern bezahlen wir auch einen ausgehandelten Preis, d.h. Preistreiberei kann hier nicht als Grund gelten, oder (höchstens für die lokalen Gasanbieter (Hallo Eon)?.
Zweitens benötigt Russland, das Geld da die Wirtschaftskrise sie auch getroffen hat.
Mitterweile werden auch andere Pipeleines mit mehr Druck versehen, aber ich denke eine Umgehung der Ukraine ist kostspielig und auch nicht so eben mal schnell umgesetzt (ist nur eine Vermutung).
Es wird immer von Erpressung gesprochen, aber ist es nicht auch Erpressung die Weiterleitung zu verhindern? Und nur gegen Rabatt diesen wieder zu öffnen?
Nachträglich wurden die Transitverträge von einem ukrainischen Gericht für nichtig erklärt, auch nicht gerade ein seriöser Geschäftspartner, oder?
Entschuldigung wenn ich mich vielleicht die präzise genug ausdrücke, das waren nur eben meine Gedanken und würde gern Eure Meinung dazu hören
Was mich an der dt. Berichterstattung wundert ist, dass man nie die Gegenseite hört. Gehören bei einer seriösen Berichterstattung nicht beide Standpunkte dazu?
Wem ich dann glaube, kann ich doch selbst entscheiden…..
P.S.: Die Russen haben uns auch während des Kalten Krieges mit Gas versorgt (u.a weil sie das Geld brauchten, ist heute nicht anders)
@ 33 Horscht
Nein, viel früher :)
@33 Horscht
Man kann sogar behaupten die Russen sind nach Russlan aus der Ukraina ausgewandert;-) Erste russische Hauptstadt war Kiew. Aber die Geschichte zwischen Russen und Ukrainer ist sehr kompliziert. Und hier sowieso off Topic.
@33 Horscht
Meinst du das?
http://de.wikipedia.org/wiki/Machnowschtschina
@36 Eduard
Wieso off-topic? Finde, es trägt einiges bei zum historischen Verständnis des Konflikts. Wenn auch nichts zur Berichterstattung deutscher Medien.
@ 37 postgrün
Weil es eben kompliziert ist und nicht in ein paar sätzen zu erläutern. Um dieses Problem halbwegs umfangreich zu behandeln, brauch man eigenes Artikel. In ein paar Kommentaren ist das nicht so einfach.
Aber ich kann einige Beispiel nennen, um das Problem verständlicher zu machen. Viele wissen, dass es Gebiete in der Ukraina gibt ,die zum eigentlichen Ukraina historisch nicht gehörten (Halbinsel Krim z.B.), aber nur wenige wissen, dass z.B. in Kursk-Gebiet (Russland) gibt Ortschaften, die im 18. Jarhundert zum Besitz von Ukrainischen Getman Masepa gehörten. In Dieser Teil des Gebiets spricht Landbevölkerung dasselbe Dialekt, wie auf der anderen Seite der Grenze im Sumy-Gebiet (Ukraina). Wer sind diese Leute? Russische Ukrainer oder ukrainischsprechende Russen? Halbwegs feste Grenze von Ukraina wurde erst nach der Oktoberrevolution festgelegt. Und vor der Revolution nannten sich meisten Ukrainer Kleinrussen oder Russen
BBC:
“Russia’s gas company Gazprom has accused Ukraine of shutting off the final pipeline carrying gas to Europe, but Ukraine’s Naftogaz said that would be impossible, since the taps are in Russia.”
http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7814743.stm
auf jeden Fall zensiert der Russe kräftig:
Sehr schöne Sendung (leider fast vorbei)
http://www.phoenix.de/content/phoenix/tv_programm/russlands_neue_zensur/169283
Hallo Spiegelfechter,
Du schreibst:
“In keinem der Artikel wird die ukrainische Version als Fakt dargestellt, sondern – so wie es sein sollte – als indirektes Zitat mit Quellangabe.”
Auch wenn ich nun als Pedant daherkomme: Muß es korrekterweise nicht wie folgt heißen:
“”In keinem der Artikel wird die ukrainische Version N I C H T als Fakt dargestellt, sondern – so wie es sein sollte – als indirektes Zitat mit Quellangabe.” :-)
@Memo
Bist Du aus Bayern? Die doppelte Verneinung ist bei uns “Preißen” nicht so üblich ;-)
@ 42 – Spiegelfechter:
Ich bin ein echter Moselaner.
Da gibts die schöne, alte Moselhymne:
In weiten deutschen Landen fließt mancher Strom dahin,
von allen die ich kannte liegt einer mir im Sinn:
Oh Moselland, oh seelig Land,
ihr grünen Berge, oh Fluß und Tal,
ich grüß euch von Herzen viel tausendmal.
:-) :-)
@ boecke
und was soll uns diese lächerliche reportage von Britta Hilpert sagen? ich finde dass russische zeitungen einen viel klareren blick auf die welt haben als die sogenannten qualitätsmedien hierzulande, die entweder von idioten oder faulen ideologen geleitet werden. zudem zensiert sich das russische fernsehen eher selber, als dass es von Putin zensiert wird.
ich verstehe den spiegel irgendwie auch nicht.
“Doch intern geht die Kommission laut FTD seit Gazproms totalem Lieferstopp davon aus, dass Russland damit eindeutig seine vertraglichen Pflichten gegenüber den EU-Staaten verletzt hat. Außerdem sehe die Behörde Verdachtsmomente für eine lange vorbereitete Aktion Russlands, da bereits im Dezember Gazprom-Vertreter durch EU-Hauptstädte gereist seien, um auf die jetzige Krise vorzubereiten. ”
So viel dummheit auf ein mal. Es ist noch nicht mal geklärt wer die pipeline gesperrt hat. Wobei es ja jetzt auch irrelevant ist. Gazprom kann in eine geschlossene röhre kein gas pumpen. Aber nicht die ukraine ist schuld, weil sie die röhre zumacht, sondern die Gazprom. Verrückt! Russland bereitete also den lieferstopp vor und warnte deswegen die europäischen versorger. Das soll jetzt sinn ergeben? Wenn ich jemanden überraschen will, dann stelle ich das gas doch lieber in der nacht ab und warne nicht schon monate vorher. Liegt das vielleicht daran, dass die Gazprom schon ahnen konnte, dass die ukraine keine lust auf bezahlen hat?
Ich warte nur noch auf einen artikel von Josef Joffe in der zeit. Wird wahrscheinlich wieder mal ein meilenstein des journalismus werden. Da kann spiegel einpacken.
Und BILD toppt mal wieder alles: Dieser grinsende Russe dreht uns das Gas ab
@45
Das ist doch Realsatire vom Feinsten: “Der Gas-Russe läßt Europa zittern” und dann glatte Lügen:
“Die Ukrainer sollen bis zu 450 Euro für 1000 Kubikmeter zahlen – mehr als die Westeuropäer hinlegen müssen.”
Da fehlt jetzt eigentlich nur noch die Merkel mit “Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden..
Ernsthaft: Ich frage mich jeden Tag, wie Menschen die BILD-Zeitung kaufen und lesen können, ohne zu erröten und sich bei ihrer Umwelt für ihre himmelschreiende Blödheit ununterbrochen zu entschuldigen. Wenn es BILD-Zeitungsleser gibt, haben wir dann im Umkehrschluss nicht tatsächlich die Regierung, die wir verdienen?
Das Argument, dass es Bildungsdefizite gibt, die bewirken, dass Leute die BILD-Zeitung lesen und das Zeug darin glauben, kann ich nicht gelten lassen, denn das Zeug kann man höchstens als Halbirrer noch ernst nehmen – man braucht keine Bildung, um diese tendenziöse “Berichterstattung” als solche zu erkennen.
@47 Schwitzig
Man kann sich damit troesten, dass die Auflage der BILD seit Jahren kontinuierlich zurueckgeht…
Leider liegt das wohl weniger daran, dass die Akzeptanz von Schmuddeljournalismus und propagandistischer “Berichterstattung” zurueckgeht, als daran, dass die Konkurrenz in diesem Marktsegment staerker wird. Nicht nur der Spiegel ist da auf einem boesen Weg.
Und, nun ja, jedes Volk hat die Regierung, die es ertraegt, sicher auch “verdient”…
Russland lügt nicht unbedingt, aber politisch kluge Köpfe dürften wissen, dass nicht die ganze Wahrheit erzählen ein völlig übliches politisches Spielchen ist und das Spiel beherrscht man auch in Russland.
Ein NichtBild Artikel, bei dem mir dieses besonders ins Auge stach.
Unschuldig sind wohl beide Seiten nicht, also keine Zeit für einseitige Scheuklappen. Letzteres wäre wohl BILDniveau – bloss pro Russland. ;-)
@ misterL
Wohl wahr. Auch dieser Konflikt ist nicht neu, und keine der beiden Seiten hat bisher viel Motivation gezeigt, der Kuegere zu sein und einfach nachzugeben. Wo da die berechtigten und schutzwuerdigen Interessen des Einen aufhoeren und die des Anderen anfangen ist ohnehin schwer zu sagen und im Detail sehr subjektiv.
Lustig ist aber, dass Kommission “Verdachtsmomente für eine lange vorbereitete Aktion Russlands” erkennt. Das ist ja wohl eine absolut ueberfluessige Aussage. Das Russland und Gazprom sich schon seit laengerem und intensiv Gedanken darueber machen, welche Handlungsmoeglichkeiten sie in dem Konflikt haben, das kann man wohl annehmen auch ohne Indizien dafuer zu haben. Alles andere waere grobe Fahrlaessigkeit.
Der Russe mag vielleicht luegen, dumm ist er aber ganz bestimmt nicht!
Immerhin beruhigend, das die EU sich noch (!) mit einseitigen Schuldzuweisungen zurueckhaelt. Wie lange das wohl diesmal anhalten wird?
was denkt sich den die ukrainische Staatsführung?
Auf der einen Seite wetern sie wo immer sie nur können gegen Russland, haben den
Georgiern Waffen verkauft, wollen die Schwarzmeerflotte rauswerfen, vergeessen das die Krim “vertraglich” immer noch den Russen gehört……
Prangern die Russen als Massenmörder an und möchten, die damalige Hungersnot, welche überall in der Sovjet-Union herrschte als Genozid gegen die Ukrainer hinstellen….
auf der anderen Seite möchten sie ja günstiges Gas, da man ja sowas wie ein Brudervolk ist, es ist einfach nur noch erbärmlich, in was die Orangene Revolution das Land verwandelt hat….. Aber man sieht ja wie selbstständig die Länder sind in welche die Amerikaner die Demokratie gebracht haben sei es Waffengewalt ( Irak ) oder Geld und Propaganda wie es in der Ukraine der Fall war, 30 Dollar und ein Mitagessen wenn man die “pro-westlichen” wählt…..
Fraglich ist wirklich ob der Gasstreit nicht eine Anweisung von ganz oben war, welche die ukrainische Führung nun ausführt…..
@Goldener Reiter
Eines der schutzbedürftigen Interessen der Ukraine aus ukrainscher Sicht (vielleicht auch weiterer abhängiger Osteuropäischer Staaten) dürfte sein, dass die Ostseepipeline der “Firmengruppe” Gazprom/BASF möglichst nicht zustande kommt. Mit dieser Leitung baumelt die Ukraine (vielleicht auch weiterer abhängiger Osteuropäischer Staaten) wie eine Marionette am russischen Gas (also auch am politischen Goodwill der jeweiligen russischen Führung). Ohne diese Leitung kann man als wichtiges Gastransitland anders auftreten.
naja diese kleine hungersnot hat in der ukraine wohl etwas heftiger gewütet als in anderen teilen des frischen sowjetimperiums und war nicht nur eine begleiterscheinung der kollektivierung auf dem land.
@ #17,18,19
Möglicherweise ist der Ansatz völliger Blödsinn. Das läßt sich schwer einschätzen. Doch die Gegenfrage “Mit welchen Mitteln und Methoden kann am Ast des US$ als weltweiter Verrechnungswährung gesägt werden?” rückt die Plausibilität in ein anderes Licht.
Zum VT-Phänomen und den wenig Durchblick verschaffenden Medienberichten, die ja eher das Gegenteil erzeugen, fiel mir spontan ein, daß es ja auch hierzulande genügend direkte und indirekte Profiteure gibt.
Die nächste Gaspreiserhöhung respektive der Wegfall möglicherweise angekündigter Preissenkungen bekommen einen für den Bild-Leser (Archetypus des Bildungsfernen) sauber nachvollziehbaren Grund. Bundesdeutsche Verbandelung mit dem Kontrollzentrum der Gazprom ist prominente besetzt. Da dürfte doch allerhand vorstellbar sein.
Und die willkommene Ablenkung von Konjunkturpaket, Wahlkampf, Finanzkrise, Systemfrage, Offenbarungseid der Energiepolitik und so weiter und so fort machen diesen ‘Gaskrieg’ doch zu einer Art willkommener Abwechslung. Bei -20Grad den Leuten das Heizmaterial zu entziehen, grenzt doch schon an Terrorismus.
Unsere Selbstorganisation funktioniert über etliche ineinander verschlungene Regelkreise, sodaß es immer wieder Situationen gibt, in denen sich dem Betrachter solche Schlüsse aufdrängen “Meine Güte, das machen die ja mit Absicht.” oder “Da steckt doch ein Bösewicht dahinter”, womit der Einstieg in die nächste vermeintliche VT geboren ist. Hier jetzt jeden Deutungsversuch spontan mit “Blöde VT, die spinnen doch” zu verbannen, ist sicherlich wenig hilfreich.
PS: ot aber wer weiß das schon ;-)
ist die http://www.jungewelt.de von überall tot?
seit der Verschärfung der Überwachung kommt mir das Internet langsamer vor und die dsl-Telefoniererei hat noch mehr Ausfälle zu verzeichnen. Basteln die da so erbärmlich schlecht?
@Degnaphta
Mit dem Ansatz “Nichts passiert ohne Grund” sind viele Optionen denkbar, warum wer welche Weg geht und welche Ziele verfolgt. Politisch, strategisch, wirtschaftlich und ein Konglomarat daraus. Es auf die Schiene “Der Russe lügt!” zu schieben ist an sich eine typische BILD Headline. Es auf die Schiene VT zu schieben bedient andere Gruppen, die hinter jeder Hecke einen absichtlich dort sitzenden Schützen erwarten.
Meine tendentiell skeptische Grundhaltung für und gegen alles, was entfernt und weniger entfernt mit Politik zu tun hat ist, Misstraue allen, weil alle (Zeck gebunden) lügen oder nicht die ganze Wahrheit sagen. Das impliziert automatisch die Option VT – aber Bitte immer in “abgespeckter” Version betrachten. Langfriststratgieen auf Basis von VTen funktionieren nicht in (halbwegs) offenen Gesellschaften.
Die Doppelmoral der deutschen Mainstreammedien ist doch immer wieder erstaunlich. Man stelle sich vor, was in unseren Medien los wäre, wenn die orangene Mafia deutsche Warenlieferungen, die für Rußland bestimmt sind, plündern würde, weil ihr eine Vergünstigung von 50% des Weltmarktpreises für deutsche Waren nicht ausreicht, und gleichzeitig die Taliban in Afghanistan für Angriffe auf deutsche Soldaten mit Waffen beliefern würde.
@markus
Zitat aus Wikipedia:
“1932 erhielt Stalins Schwager Stanislaw Redens, der seit Juli 1931 Leiter der ukrainischen GPU war, zusammen mit dem dortigen Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Ukraine, Stanislaw Kossior, die Aufgabe, als Bestandteil der Kollektivierung einen Plan zu entwickeln, um die „Kulaken und die petljurschen Konterrevolutionäre“ zu liquidieren. Zweitausend Kolchos-Vorsitzende wurden daraufhin verhaftet. Als im Januar 1933 das Getreidesoll nicht erreicht war, löste man Redens in der Ukraine ab [3].”
Mir stelt sich die frage, warum die Ukrainer die Russen dafür verantwortlich machen wollen, bzw es tun….
1. war Stalin Georgier und niemand hat mehr als die Russen unter Stalins Führung gelitten, dass ist belegt und unabstreitbar.
2. War Stanislaw Redens gebürtiger Weiss-Russe polnischer Abstammung
3. und drittens trifft eine Katastroph immer irgendjemanden am schlimmsten, das es in dem Fall Ukraine war, war aufjedenfall alles andere als ein gezieltet Genozid der Russen.
_________________________________________________________________________
Erschreckend finde ich das Bilder der Deutschen, über die Russen, man möchte schon fast sagen, dass ein jeder Deutsche glaubt, dass die Russen ausschließlich in verfallenen Bulgalos wohnen und sich den ganzen lieben Tag nur besaufen……
Das es Regionen in Russland gibt wo dies wirklich der Fall ist will ich hier nicht bestreiten, aber die Anzahl der Menschen die unter diesen Bedingungen leben, ist in den letzten 10 Jahren drastisch zurück gegangen, ob das nun an Putins Politik lag, oder einfach an dem Öl- und Gaspreis ist in diesem Fall irelevant. Fakt aber ist, den Russen geht es aktuell besser als irgendwann in den letzten 50 Jahren, in betracht auf die ärtzliche Versorgung könnte Deutschland sogar was von Russland lernen, aber nun wieder zurück zum Thema….
Die Russen waren den Deutschen “nahezu” immer freundlich gestimmt zumindest in der Zeit <1900, immer wenn es hart auf hart kam standen die Russen zu Deutschland
Denken wir mal zurück an den “großen nordischen Krieg” wer hat den die Deutschen bzw die Sachsen damals rausgeboxt und vor Schweden gerettet?
Denken wir mal an die DDR warum gab es diese Deutschland wurde aufgeteilt zwischen den Besatzungsmächten, dieses war aber nie das wahre Ziel der Russen damals,
die Sovjets wollten abrücken, die anderen Besatzungsmächte aber nicht, und wären die Sovjets abgerückt hätten sich die Amis oder die Briten das Gebiet ansich gerissen……
Die Russen bemühen sich wirklich drum mit den Deutschen Freundschaft zu schließen, aber irgendwie wollen es die Deutschen nicht, sei es nun wegen der gezielten Propaganda der Massenmedien, staatliches Fernsehen ala ARD inbegriffen oder einfach nur die Überheblichkeit einzelener…. aber die Deutschen konnten sich auf die Russen in der Vergangenheit und Gegenwart immer verlassen, ob sich die Russen aber auf die Deutschen verlassen können ist mehr als fraglich……
@markus 52: Du wiederholst da Mythen und Geschichtsfälschungen ukrainischer Nationalisten und Rechtsradikaler. Tatsächlich hat die Hungersnot von 1932/33 in Gebieten der gleichen wirtschaftlichen und sozialen Struktur, also (eigentlich) agrarischen Überschussgebieten mit hohem Anteil des Getreideanbaus an der Wolga, in Südwestsibirien und Teilen von Belarus genauso gewütet wie in der Ukraine. Und das hatte sehr wohl mit der Kollektivierung bzw. der Art, wie nach der Getreidekrise von 1927/28 Agrarpolitik betrieben worden war, zu tun. Und in der Ukraine sind ethnisch russische und ethnisch polnische Bauern genauso verhungert wie ethnisch ukrainische. Typischerweise erwähnen die “Golodomor”-Hetzer immer wieder als Hauptverantwortlichen Kaganowitsch, obwohl der mit der Agrarpolitik gar nicht so viel zu tun hatte. Aber er war der einzige Jude im Politbüro von 1932/33.
Verursacht wurde die Hungersnot in der Ukraine nicht zuletzt durch die Vernichtung von Vieh und Arbeitstieren durch die Großgrundbesitzer, die ihre Privilegien nicht verlieren wollten und deshalb die Kollektivierung sabotiert haben.
“Fraud, Famine and Fascism
The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard”
http://www.rationalrevolution.net/special/library/famine.htm
Ab Seite 101:
“Their [kulak] opposition took the initial form of slaughtering their
cattle and horses in preference to having them collectivized. The
result was a grievous blow to Soviet agriculture, for most of the
cattle and horses were owned by the kulaks. Between 1928 and 1933 the
number of horses in the USSR declined from almost 30,000,000 to less
than 15,000,000; of horned cattle from 70,000,000 (including
31,000,000 cows ) to 38,000,000 (including 20,000,000 cows ) ; of
sheep and goats from 147,000,000 to 50,000,000; and of hogs from
20,000,000 to 12,000,000. Soviet rural economy had not recovered from
this staggering loss by 1941.”
@Neuhier
Im Sozialismus ging es den Menschen besser. Die Folgen der marktradikalen IWF-Schocktheraphie in den 90ern sind noch lange nicht beseitigt, wie die Armutsstatistiken zeigen. Noch immer leben ~19 Millionen Menschen unter dem Existenzminimum.
Ist doch im Grunde vollkommen egal (für die heutige Realpolitik), ob und wer das vor 80 Jahren verschuldet hat oder auch nicht, es bleibt jedenfalls nachvollziehbar, dass die russische Politik kein Interesse hat, bei diesem Spiel Juschtschenkos mitzumachen, da er damit ganz offensichtlich das Ziel verfolgt, die ukrainische Mehrheit gegen die russische Minderheit auszuspielen, und offen Nationalismus schürt.
Bei solch einer Politik kann es nur einen Gewinner geben, wenn die “gegnerische Volksgruppe” entweder erfolgreich aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird (politisch, sozial), oder schlimmer – vertrieben oder ausgelöscht wird.
Gruß
p.S.: unter Stalin haben alle gelitten, das ist auch der Grund, warum schon sehr bald nach seinem Tod die UdSSR “entstalinisiert” wurde.
… hab in meinem Beitrag oben #56 sehr viele Fehler drin.. hmm ich sags erlich Alkohol… was anderes hilft in der Studienzeit nicht :D …
Aber um was zur Diskussion beizutragen…
@informant in bezug auf Beitrag: #58
Zitat: “Im Sozialismus ging es den Menschen besser. Die Folgen der marktradikalen IWF-Schocktheraphie in den 90ern sind noch lange nicht beseitigt, wie die Armutsstatistiken zeigen. Noch immer leben ~19 Millionen Menschen unter dem Existenzminimum.”
Wie definierst du das Existenzminimum, da gibt es wirklich gewaltige unterschiede…
wiki sagt:
“Als Existenzminimum (auch: Notbedarf) bezeichnet man die Mittel, die zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse notwendig sind, um physisch zu überleben; dies sind vor allem Nahrung, Kleidung, Wohnung und eine medizinische Notfallversorgung.”
Ich war dieses Jahr in den Semesterferien in Russland, fast 3 Wochen lang, ich war in Wyborg, St. Petersburg und Moskau, ich muss sagen, die Leute dort haben was zu Essen gehabt, sie waren gekleidet ( sauber ) Häuser habe ich auch genug gesehen und krank sahen die Menschen auch nicht aus, vor allem da es in Russland mehr Ärtze auf 1000 Einwohner gibt als in Deutschland…..
Dem europäische Teil Russlands in welchem auch der grossteil der russischen Bevölkerung lebt geht es gut, natürlich muss man bedenken, das es ihnen vieleicht nicht aus unserer Sicht aus gut geht, aber die Russen hatten zu dem Zeitpunkt als ich dort war wenig zu mekern, man muss halt verstehen, das die dort weniger Bedürfnisse haben als wir, bzw andere Bedürnisse haben, die zum Beispiel nicht so kostspielig sind wie unsere……
Das Wort Existentzminimum hat erst eine Bedeutung wenn man es genau definiert, und wenn man mit dem Wort verschiedene Nationen vergleichen will so muss man es auf eine Internationale Norm bringen…. in Russland muss heutzutage auch niemand mehr hungern, natürlich gibt es da vereinzelte Ausnahmen, was mich aber wirklich gewundert hat war, das ich weder in Wyborg noch in St. Petersburg besoffene Penner gesehen habe, St. Petersburg macht wirklich was her, ich war 10 Tage im Park inn Hotel dort und hab auch die Wohngebiete angeschaut, also schlimmer als in Kreuzberg siehts dort auch nicht aus…..
Moskau dagegen ist ein Fall für sich, sind viele ” Gastarbeiter” dort, bei denen man meinen könnte das sie ausschließlich mit Vodka bezahlt werden, trotzdem sieht auch Moskau im vergleich zu den letzten 15 Jahren heute auch mal aus wie eine richtige Hauptstadt, auch da hat man endlich aufgeräumt.
Die Russen haben genug Geld in der Tasche um auch die Waren die in den Supermärkten angeboten zu werden zu kaufen und es gibt alles im Überfluss…
und Informant.. glaub mir zu Sozialismus Zeiten ging es den Russen nicht besser, den damals gab es ein gewaltiges Problem, und zwar hatten alle Geld in der Tasche, aber es gab keine Waren die man kaufen hätte können, Nahrungsmittel gabs genug, ich rede aber von Erstazteilen für’s Auto, Bohrmaschinen waren ein seltenes Gut, mein Opa hat damals seine immer “vermietet” die hatte er von einem Firmenurlaub in Polen mitgebracht….
Oder Farbfernseher, in Deutschland gabs zu der Zeit bestimmt mehr Lottogewinner als Farbfernseher in Russland…..
Nein nein Der Sozialismus ist Ideologisch gesehen eine “gut” praktisch hat er sich aber als die Hölle erwiesen, vielleicht wars einfach die falsche Zeit……
Aber den Russen geht es aktuell besser als damals, zumal sie nun nicht den ganzen Osten durchfüttern müssen…..
Eigentlich ist das Thema verfehlt, ich dachte aber, der Text ist so gut das ich ihn einfach mal reinhau……nicht böse sein…:-) das kann nicht übergangen werden!!!
Ja, warum lügt der “Russe”? Warum lügt der “deutsche Unternehmer” etc. Ich hab ärgerlicherweise für Euch einen Text gefunden, der alle Animosität gegen Linkes Gedankengut zerlegt. Hier ist er:
Adolf Merckle: Zynisch in den Tod
Tags: Adolf Merckle, Selbstmord
Adolf Merckle, der Wirklichkeit gewordene Dagobert Duck, hat sich am Montag selbst getötet. Damit hat er ein letztes Mal genau das gemacht, was sein Leben als Unternehmer jahrzehntelang prägte: Er übernahm ein erfolgreiches Konzept aus den USA und er rationalisierte – nur, dass dieses Konzept diesmal Banker-Selbstmord hieß und seine eigene Stelle gestrichen wurde.
Mancher mag diese Betrachtungsweise geschmacklos finden, aber sie ist es weit weniger als die Erklärung von Merckles Familie zum Tod des Patriarchen, die in der Welt-Online zu finden ist:
“Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet.“
Den Freitod eines der reichsten Männer dieses Landes auf die derzeitige Finanzkrise zu schieben, ist eine so starke Wirklichkeitsverleugnung, dass sie schon psychologisch relevant zu nennen ist. Merckle nahm sich nicht das Leben, weil er zeitweise ein paar Probleme hatte, sein Milliardenimperium zu stabilisieren. Merckle tötete sich selbst, weil er es nicht ertragen konnte, zu versagen.
Denn zu versagen, ist in der Leistungsgesellschaft in der wir alle leben, gleichbedeutend mit dem Verlust der Existenzberechtigung. Merckle hatte diese zynische Philosophie bis ins Blut verinnerlicht. Deswegen war sein Selbstmord eine logische Konsequenz und der Höhepunkt eines von einem zynischen und menschenverachtenden Weltbild bestimmten Lebens.
Ja, unsere Leistungsgesellschaft und ihre Leistungsträger. Leistungsträger, ein zynisches Wort. Was ist denn ein Leistungsträger? – Eine Batterie oder ein Akku! Ein Leistungsträger bringt solange Energie, bis er verbraucht ist. Und wenn er nicht mehr aufgeladen werden kann, muss man ihn wegwerfen.
Adolf Merckle hat das gewusst. Er hat sich selbst entsorgt. Nicht gerade umweltbewusst, aber jetzt, da die Wirtschaftlichkeit wieder wichtiger ist als Umweltschutz, lag er wie immer ganz auf der Höhe der Zeit. Andere Millionäre fliegen mit einem teueren Privatflugzeug gegen einen Berg, Merckle machte es günstiger.
Merckle, der Anti-Sisyphos
Albert Camus schrieb in seiner Betrachtung über den Selbstmord über Sisyphos, der in der griechischen Mythologie dazu verurteilt ist, in der Unterwelt immer und immer wieder einen Felsen einen Berg hinaufzurollen, nur damit dieser kurz ihm vor dem Ziel jedesmal wieder entgleitet und hinabrollt:
Auf diesem Rückweg, während dieser Pause interessiert mich Sisyphos. Ein Gesicht, das sich so nahe dem Stein abmüht, ist selbst bereits Stein! Ich sehe, wie dieser Mann schwerfälligen, aber gleichmäßigen Schrittes zu der Qual hinuntergeht, deren Ende er nicht kennt. Diese Stunde, die gleichsam ein Aufatmen ist und ebenso zuverlässig wiederkehrt wie sein Unheil, ist die Stunde des Bewusstseins. In diesen Augenblicken, in denen er den Gipfel verlässt und allmählich in die Schlupfwinkel der Götter entschwindet, ist er seinem Schicksal überlegen. Er ist stärker als sein Fels.
Dieser Mythos ist tragisch, weil sein Held bewusst ist. [...]
Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...]
Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.
(Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos. Rohwolt Taschenbuch: Hamburg 2001. S. 157ff.)
Ob Merckle sein eigenes Schicksals bewusst war, werden bestenfalls die genau wissen, die seinen Abschiedsbrief gelesen haben. Seine Bemühungen, das Familienimperium zu erweitern, waren auf jeden Fall genauso absurd, wie Sisyphos’ Strafe, den Felsen einen Berg hinauf zu rollen.
“Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet“, wird Merckles Familie in der Zeit zitiert. Wenn das stimmen würde, hätte der Milliardär keinen Grund gehabt sich zu töten. Es liegt vielmehr der Schluss nahe, dass Adolf Merckle für seine Familie gearbeitet, aber für seine Unternehmensgruppe gelebt hat. Sein Finanzimperium war sein Stein. Der immerwährende Versuch, es noch mehr zu erweitern, noch mehr Umsatz zu machen, war sein Schicksal.
Es war ein sehr exklusives Schicksal, das er da hatte. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Merckle derzeit in den Medien ein Top-Thema ist. “Ad Sinistram” kritisiert daher meiner Meinung zu unrecht, dass gerade diesem Freitod soviel öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt wird:
Es sollte darüber gesprochen werden, dass [...] der Tod vieler armgemachter, entwürdigter, abhängiggemachter Menschen dasselbe Recht hat, öffentlich diskutiert zu werden, wie der Suizid eines Milliardärs.
Doch der Tod von Hungerleidern ist wertlos, was Wert besitzt ist die Unglaublichkeit der Story, die in jenem aktuellem Fall wie ein Stoff für eine schlecht umgesetzte filmische Eigenproduktion eines Privatsenders anmutet.
(Roberto J. De Lapuente : Suizidanten)
Für diesen Freitod besteht berechtigterweise, ein größeres öffentliches Interesse als für einen anderen. Nicht weil Merckle ein besserer Mensch gewesen wäre oder weil sein Schicksal bedeutender wäre, nein, es war einfach seltener. Gerade der Milliardär hätte sich darüber freuen können, dass sein Leben ihn vielleicht nicht glücklich macht, aber dass es seines ist. Denn wieviele Milliardäre gibt es schon und welche Möglichkeiten hat man mit soviel Geld, die Welt zu verändern.
Diesen Schritt der Selbsterkenntnis hat er aber nie vollzogen. Deswegen konnte er sich über sein Schicksal weder freuen, noch es verachten. Merckle war ein Anti-Sisyphos und es würde für unsere Presselandschaft sprechen, wenn sie sich mehr auf Camus’ Spuren bewegen würde, um den “Mythos des Merckle” zu beleuchten, anstatt nur sensationslüstern nach Edgar Allen-Poe den “Untergang des Hauses Merckle” zu berichten.
Die Finanzkrise trägt an Merckles Ableben auf jeden Fall keine Schuld. Sie hat ihm nur seinen Stein ein wenig weiter den Berg hinabkullern lassen. Dass Adolf Merckle keine Lust mehr hatte, ihn wieder hinaufzurollen, lag wohl vielmehr daran, dass er zuletzt wohl durchblickt hat, was für ein Stein das war, den er da rollte, und dass er begriff, dass er als begeisterter Teilnehmer der Leistungsgesellschaft schon längst selbst zu Stein geworden war.
DRadio.de:Gaslieferung weiter unklar
Mh, das wirft natürlich wieder Fragen auf.
Versuchter Zeitgewinn oder misstraut Russland der EU auch zunehmends?
Übrigens hatte schon 2006 der WTO-Chef Lamy die Empfehlung gegeben das Gaspreis für die Ukraine auf Weltmarktniveau anzugleichen.
Ansonsten history repeating:
SPON-Artikel vom 05.01.2006
SPON-Artikel 02.01.2006
@alle
Tut mir leid….ich fand den Text von …narragonien.de… so gut, und auch so klarstellend, daß ich nicht anders konnte. Ich weiß das ist am Thema des Blogs vorbei….aber trotzalledem……………….so ein guter Text verdient gelesen zu werden. Sonst halt ich mich dann wieder an die Nettikette.
Jedenfalls sollte Jens mal die Sache aufnehmen, und auch was darüber loslassen, würde mich begeistern!
salud
carlo
@ 61 carlo:
Schöner Text. :-)
Allerdings fehlt m.E. eine Kleinigkeit in den Betrachtungen über Merckles Freitod, die bislang nicht genügend erörtert worden ist: die Methode die er gewählt hat, um aus dem Leben zu scheiden. Als Milliardär und noch dazu als Pharmaproduzent (!), hätten ihm genügend Möglichkeiten offengestanden, die erstens weniger gewaltsam wären und zweitens andere Menschen aus dem Spiel lassen.
Sich vor den Zug zu werfen oder auf Gleise zu legen, ist – was das Ergebnis betrifft – außerordentlich brutal und belastet den betroffenen Lokführer oftmals bis hin zur Berufsunfähigkeit.
Vorausgesetzt es stimmt, daß Merckle sich auf die Gleise gelegt hat: es fehlte ihm offenbar der Mut, Hand an sich selbst zu legen und so wählte er eine passive Methode, die den Akt des Tötens von einem unbeteiligten Dritten besorgen ließ, der dafür nun für den Rest seines Lebens mit dieser Tatsache zurechtkommen muß. Merckle ließ sich gewissermaßen bedienen… im Leben wie im Tode.
@ 42 – Spiegelfechter:
“Bist Du aus Bayern? Die doppelte Verneinung ist bei uns “Preißen” nicht so üblich ;-) ”
Die Formulierung in Deinem Artikel ist ok. Stand gestern abend auf dem Moselwein-Schlauch :-)
@ carlo # 61
klasse post !
@carlo
ja, habe den Text auch erst jetzt gelesen, oh wie gut das tut
ich werde ihn natürlich weiter verbreiten
danke
Ich glaube nicht, dass es uns zusteht, über der Unternehmer und Investor Merckle zu richten. Er hat falsche finanzielle Entscheidungen mit seinem eigenen Leben bezahlt.
Bankster oder Manager kassieren in einem solchen Fall einfach verantwortungslos ungerechtfertigte Abfindungen.
Merckle hat mit aller und letzter Konsequenz Verantwortung übernommen.
Die andere Sorte von Menschen übernimmt auch unter solchen Umständen nur Geld. Solche Leute reden zwar gerne von Verantwortung, doch gerade die haben die in der Regel nicht.
Vom Journalismus, auch dem investigativem
http://www.brandeis.edu/investigate/pol/PDFarticles/Watchdog_Reporting_Myth.pdf
Wollen die offiziellen Medien weg vom Gazakrieg und hin zum Gaskrieg?
Weg vom “hässlichen” Israel und hin zum “lügenden” Russen?
Mit ermordeten oder verstümmelten Kindern können die Machthaber bei der Bevölkerung halt keinen Blumentopf gewinnen.
Gleichwohl läuft die ’seriöse’ Berichterstattung nur allzu oft auf reine Propaganda im Sinne der Machthaber hinaus.
Die SZ sei liberal, meint SF. Prantl, ja.
Was das Engelchen mit seinem Stinkefinger (s. Bild im vorhergehenden Artikel von SF) wohl sonst noch macht? Doch nicht die “Nordseepipeline” zuhalten?
Dann wären wir am Arsch, energietechnisch.
Wie “stiehlt” man Gas aus Gasleitungen, die man selbst geschlossen hat?
Tut mir leid, aber aus JEDER Meldung heute entnehme ich, dass Russland die Lieferungen eingestellt hat und nun Bedingungen an die Wiederaufnahme knüpft.
Welche “Bedingungen” bitte? Der Westen “stiehlt” das Gas doch nicht. Und der Zoff Russlands mit der Ukraine ist nicht das Problem der westlichen Kunden.
Russland ist objektiv gesehen vertragsbrüchig. Wenn ein Kunde etwas bei mir bestellt und ich liefere nicht, kann ich mich auch nicht damit herausreden, dass einer meiner Zulieferer Ärger macht. Das interessiert doch meinen Kunden nicht.
68 otti:
Ich glaube nicht, dass es uns zusteht, über der Unternehmer und Investor Merckle zu richten.
Ganz im Gegenteil: gerade über den Unternehmer und Investoren Merckle steht es uns zu.
Er hat falsche finanzielle Entscheidungen mit seinem eigenen Leben bezahlt.
Die falschen finanziellen Entscheidungen haben ihn ganz gewiß nicht umgebracht und sie hätten seinen persönlichen Lebensstil kaum tangiert. In den Regionen, in denen Merckle sich bewegte, spielt die persönliche Haftung keine überragende Rolle mehr, d.h. er wäre ganz gewiß nicht verarmt und auf HIV angewiesen gewesen.
Bankster oder Manager kassieren in einem solchen Fall einfach verantwortungslos ungerechtfertigte Abfindungen.
Oh, der Herr Merckle hat ebenfalls kassiert, solange es gut ging. Mach dir da mal nichts vor. Der Herr Merckle galt als “harter Hund”, dem Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte ein Greuel gewesen sind und der jedes steuerliche Schlupfloch nach Kräften ausgenutzt hat.
Merckle hat mit aller und letzter Konsequenz Verantwortung übernommen.
Nein! Die Verantwortung für die Abwicklung seines Imperiums hat er seiner Familie überlassen; nicht einmal für den eigenen Tod hat er die Verantwortung übernommen, sondern einen unbekannten Lokführer die “Arbeit erledigen” lassen. Der darf nun mit dem Bewußtsein weiterleben, einen Menschen auf dem Gewissen zu haben. Informiere dich bitte einmal über Lokführer, die diese Erfahrung haben machen müssen und deshalb teilweise sogar ihren Beruf aufgeben mußten.
Die andere Sorte von Menschen übernimmt auch unter solchen Umständen nur Geld. Solche Leute reden zwar gerne von Verantwortung, doch gerade die haben die in der Regel nicht.
Nochmal: der Herr Merckle war gewiß kein zweiter Dietmar Hopp. Letzterer ist ebenfalls Milliardär und übernimmt wirklich Verantwortung: für seine Mitarbeiter und für die Region in der er lebt.
Herr Merckle hat zwar gerne die Segnungen bspw. der öffentlichen Infrastruktur in Anspruch genommen oder öffentliche Fördermittel kassiert, war jedoch in keiner Weise bereit, sich steuerlich an den Kosten zu beteiligen, sondern hat stattdessen ein undurchsichtiges Geflecht von Firmen zur Steuervermeidung aufgebaut.
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,270843,00.html
Als Unternehmer war Merckle ein Unsymphat und stand den gierigen Bankstern/Managern in nichts nach…
Avantgarde am 8. Januar 2009 um 22:12 – Permalink
Für alle die etwas auf den Augen haben:
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Russisch-ukrainischer_Gasstreit
Wegen des Streits um die Bezahlung von Gasrechnungen hat Gazprom schließlich am 1. Januar 2009 die Lieferungen in die Ukraine wegen ausbleibenden Liefervertrags eingestellt.[33] Bereits nach wenigen Tagen wirkte sich der Streit auf die Versorgung anderer europäischer Staaten aus. Am 6. Januar 2009 meldeten die Türkei, Bulgarien, Griechenland und Mazedonien eine Einstellung der Lieferungen durch die ukrainischen Transitpipelines. In Österreich ging die Versorgung um 90 % zurück.[34] Nach Angaben der Ukraine sind die Lieferengpässe auf die reduzierte Einspeisung zurückzuführen, Russland warf dagegen der Ukraine das illegale Abzapfen der Transitpipelines vor. Am 7. Januar stoppte Gazprom schließlich die durch die Ukraine verlaufenden Lieferungen nach Westeuropa.[35] Angesichts der Eskalation des Gasstreits hat die Europäische Union Gespräche mit Russland und der Ukraine aufgenommen.[36]
Noch mal in DEUTSCH:
“Wegen des Streits um die Bezahlung von Gasrechnungen hat Gazprom schließlich am 1. Januar 2009 die Lieferungen in die Ukraine wegen ausbleibenden Liefervertrags eingestellt.”
STOP! Belieferung der Ukraine mit GAS beendet, da kein neuer Vertrag abgeschlossen!
“Am 6. Januar 2009 meldeten die Türkei, Bulgarien, Griechenland und Mazedonien eine Einstellung der Lieferungen durch die ukrainischen Transitpipelines. In Österreich ging die Versorgung um 90 % zurück.”
Druckabfall! Wo ist das Gas nun hin?
“Am 7. Januar stoppte Gazprom schließlich die durch die Ukraine verlaufenden Lieferungen nach Westeuropa.”
Klar wozu denn noch weiter über die Ukraine beliefern wenn die klauen? Wenn bei den eigentlichen Kunden sowieso kein Gas oder weniger ankommt?
Braucht es noch Erklärungen?
@Ingo
Du willst doch nicht im ernst behaupten, dass die Ukraine 90% des Gases “geklaut” hat?
Und wie verträgt sich das mit der Gazprom-Aussage
“Es ist im höchsten Maße zynisch, wenn die Ukraine Russland vorwirft, die Gaslieferungen in die Ukraine zu stoppen. Jedes Schulkind weiß, dass wenn man das eine Ende einer Pipeline verschließt, man am anderen Ende unmöglich weiteres Gas einspeisen kann. Daher liegt die komplette Verantwortung auf ukrainischer Seite.”
Also entweder die Ukraine hat die Pipeline verschlossen (und damit den Gasfluss gestoppt) oder sie hat geklaut und die Russen haben deshalb den Gasfluss unterbrochen.
Beides geht nicht.
Für die europäischen Kunden ist es aber irrelevant, ob die Ukraine klaut und blockiert. Gazprom hat das Gas zu liefern, sonst sind sie vertragsbrüchig. Wenn das nur geht, indem sie der Ukraine vorteilhafte Bedingungen einräumt, dann eben so.
Langfristig muss man sich halt Alternativen überlegen. Aber das hier riecht nach abgekartetem politischen Spiel.
Ich hoffe, die Europäer haben saftige Vertragsstrafen festgelegt. Wenn nicht, wird es höchste Zeit, die einzuführen.
@ Neuhier
Das sind die offiziellen Zahlen der russischen Regierung.
“Offiziell leben 16 Prozent der Russen unterhalb des Existenzminimums.”
http://web.archive.org/web/20070608163759/http://www.jungewelt.de/2007/06-06/023.php
Im Sozialismus gab es diese Armut nicht und das bei einem deutlich niedrigeren Ölpreis(unter 20$) und höheren Rüstungsausgaben. Der Lebensstandard war höher als heute. Deshalb gelten die 80er Jahre vielen Russen auch als “gute alte Zeit”. Was nützt ein Supermarkt voller Importware, wenn man kein Geld hat und arbeitslos ist? Am schlimmsten jedoch hat es zehntausende Mädchen und Frauen getroffen, die in den Westen gelockt werden, um dort versklavt und vergewaltigt zu werden. Der Kapitalismus hat sich als Hölle erwiesen nicht der Sozialismus. Daß der Kapitalismus nicht funktioniert, kannst du u.a. an der derzeitigen Krise sehen. Ein System, das ein immer währendes exponentielles Wachstum benötigt, um wenigstens einigermaßen zu funktionieren, kann nur scheitern.
Rußland hat erst 2006 die Wirtschaftsleistung von 1990 erreicht. Gleichzeitig muß man aber bedenken, daß sich der Wohlstand durch den Kapitalismus nun auf eine kleine Schicht von Oligarchen konzentriert. Schon allein daran siehst du, daß die Mehrheit der Bevölkerung einen geringeren Wohlstand hat als im Sozialismus. Ohne das marktradikale Experiment, das (in etwa) eine Halbierung der Wirtschaftsleistung zur Folge hatte und 60% der Bevölkerung in die Subsistenzwirtschaft zwang, um nicht zu verhungern, unter Gorbatschow und Jelzin stände Rußland heute deutlich besser da. Die Rückkehr zum Kapitalismus hat der russischen Wirtschaft mehr geschadet als der zweite Weltkrieg.
http://russlandonline.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=2942
http://russlandonline.ru/info/graf01wir.png
@ Neuhier, #60
Die Zahl um die 19 Millionen unter Armutsgrenze dürfte so stimmen. Erst vor kurzem habe ich offizielle Zahlen auf russischen Seiten gesehen und für mich festgehalten, dass es sich um fast 10% der Bevölkerung handele. Und in Russland ist diese Grenze nicht besonders komfortabel.
Mich wundern die Zahlen nicht – im Gegensatz zu dir bin ich dort aufgewachsen und weiß, wie es in manchen Region, die weit von Moskau und St. Petersburg liegen, zugeht. Nein, die Russen verhungern auch dann nicht, wenn sie weit unter der Armutsgrenze leben – Selbstversorgung! Schlimm trifft allerdings Rentner, die nicht auf dem Land leben – diese müssen ihre Nahrungsmittel einkaufen.
PS. Eben auf die Schnelle gefunden: http://www.russische-botschaft.de/index.php?id=131&L=3
В соответствии с докладом Программы развития ООН (ПРООН) за последние 7 количество граждан России, живущих за чертой бедности, сократилось почти вдвое и составляет на данный момент 15%.
Auf Dt.: in letzten 7 Jahren ist die Anzahl der Russen, die unter der Armutsgrenze leben, sich laut UN-Bericht halbiert und ist nun ggw. (2007) auf dem Niveau 15%.
Add zu letztem Post: http://www.prime-tass.ru/news/show.asp?id=744869&ct=news
Was die Höhe der Einkünfte Anbetrifft – in Russland werden monatliche Einkünfte behandelt/genannt.
Putin im Kreuzverhör der freien Presse (leider bis jetzt nur auf Russisch):
http://www.premier.gov.ru/events/1656.html
Am Ende wird “gedroht”, sich auf die asiatischen bzw. nordamerikanischen Märkte umzuorientieren.
@51 misterL
Damit duerftest Du einen zentralen Punkt angesprochen haben.
Die Ostseepipeline wuerde der Ukraine ein wichtiges Druckmittel aus der Hand nehmen und damit die politischen Machtverhaeltnisse in Osteuropa erheblich veraendern.
Fuer die ukrainische Regierung ist das sicherlich eine Alptraumvorstellung und ich habe keinen Zweifel, dass “die Russen” das fuer ihre Zwecke ausnuetzen werden. Von dem Standpunkt aus koennte ich mit der Ukraine schon Mitleid haben..zumindest dann, wenn der Streit mit dem grossen Nachbarn nicht auf den Ruecken anderer ausgetragen wuerde.
@72 Avantgarde
Wenn Du meinst, dass es uns egal sein koennte, was die Ukraine macht, und das Gazprom in jedem Fall zu liefern haette, dann siehst Du die Sache wohl (leider) zu optimistisch. Grundsaetzlich ist Gazprom natuerlich dafuer verantwortlich, seinen Lieferverpflichtungen nachzukommen. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn die Lieferung durch Umstaende verhindert wird, fuer die Gazprom nicht verantwortlich ist und denen sich der Konzern nicht entziehen kann.
Auch wenn ich den Wortlaut der Vertraege nicht kenne, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie ausdrueckliche Klauseln enthalten, die Gazprom in derartigen Faellen von seinen Verpflichtungen und etwaigen Vertragsstrafen befreien. Und selbst wenn es diese Klauseln nicht gaebe…es handelt sich hierbei um allgemein anerkannte zivilrechtliche Grundsaetze, die man in jeder modernen Rechtsordnung findet. Auf die kann man sich auch auch dann berufen, wenn sie nicht ausdruecklich in den Vertragstext aufgenommen wurden. Und genau das wird Gazprom tun.
Aber Du hast voellig recht damit, dass sich Europa nach Alternativen umsehen muss. Und zwar sowohl zum Transitland Ukraine als auch zum russischen Gas. Insbesondere letzteres duerfte wohl schwer werden, und wir koennen wohl davon ausgehen, dass auch der naechste Winter wieder Probleme mit dem “Russen-Gas” bringen wird.
Mit etwas Galgenhumor kann man natuerlich auch auf schnelles Voranschreiten der Erderwaermung hoffen…
Avantgarde
Die EU hat gefälligst die US-Marionette Juschenko zu kontrollieren damit er kein Gas klaut.
Wenn jetzt erstmal Beobachter in der Ukraine sind, wird man sehen dass sie nichts mehr klauen werden können.
Es ist die EU die vorbehaltlos am US-Expansionskurs Richtung Osteuropa festhält und ihn unterstützt. Also muss die EU auch für die kleinen Mätzchen des ukrainischen Demokraten geradestehen. Russland hat schon lange klargemacht, dass diese Transitrouten nicht sicher sind und im Zweifelsfall politisch missbraucht werden können.
Aber was erzähl ich dir eigentlich?!
Hast du eigentlich den bisherigen Verlauf der Verhandlungen verfolgt? Oder hast du jetzt erst ein paar Hass-Artikel aus dem Spiegel und Co. gelesen und meinst genug über den Konflikt wissen zu können?
Ist dir vielleicht bekannt dass die ukrainische Führung die Verhandlungen bis zuletzt immer wieder scheitern ließ, zum Schluss Mitte Dezember, kurz vor Abschluss der Vertragsverhandlungen?
Es ist auch die EU die Israel- und USA-Politik bezüglich Iran unterstützt. Wenn dem nicht so wäre, dann würde sich das Nabucco-Projekt vielleicht schon im Bau befinden!
Russland hat schon lange klargemacht, dass diese Transitrouten nicht sicher sind und im Zweifelsfall politisch missbraucht werden können. Deswegen auch die Ostseepipeline. Aber auch das passt der EU nicht. Da sträubt sie sich auch wieder. Es werden irgendwelche Umweltbedenken erfunden. Dabei ließ Gazprom sogar schon den Meeresboden vom 2. WK-Müll reinigen.
Und wenn wir schon dabei sind: Wenn deutsche VW, BMW etc. auf dem Weg nach Russland über die Ukraine geklaut würden, würde sich Deutschland entschuldigen und eine andere, sicherere Route suchen. Sie würde aber die Waren nicht sturr immer wieder über die gleiche route schicken im Wissen dass sie sowieso geklaut werden.
Zitat
Du willst doch nicht im ernst behaupten, dass die Ukraine 90% des Gases “geklaut” hat?
Zitatende
http://www.welt-in-zahlen.de/laendervergleich.phtml?indicator=89
Ob es geht weiss ich nicht. Aber bevor ich was einwende würde ich mich erstmal informieren. Der gesamte Jahresverbrauch Österreichs macht etwa nur 12% des ukrainischen Jahresverbrauchs!!! Im Link oben nachschauen!
Zitat
Also entweder die Ukraine hat die Pipeline verschlossen (und damit den Gasfluss gestoppt) oder sie hat geklaut und die Russen haben deshalb den Gasfluss unterbrochen.
Zitatende
Egal. Aber beides ist gegen den Transitvertrag der noch bis 2010 gültig ist und in Schweden beim schwedischen Gericht abgeschlossen wurde. Und deswegen unmöglich von einem Ukrainischen Gericht für nichtig erklärt werden kann.
http://derstandard.at/Text/?id=1231151101773
Aber ich weiss ja:
Der Russe lügt!
Ich empfinde es auch als störend, dass in den deutschen Medien Russland immer als “das Böse” dargestellt wird. Israel dagegen zum Beispiel scheint unantastbar. Die großen Presseorgane sind anscheinend nicht mehr in der Lage objektiv zu berichten. Gott sei dank gibt es in der Blogger-Szene ja genügend Alternativen.
Das oben genannte Interview mit Putin ist echt gut :) Vielleicht taucht später eine Übersetzung auf, sonst ist es zu Schade sowas zu verpassen. Leider sind meine Deutschkentnisse begrenzt, sonst würde ich selbst übersetzen.
Wer lügt denn nun ?
In der Presse nehme ich es so war, dass beide Seiten für den Stopp der Gaslieferungen verantwortlich sind. Einseitige “Hetze” ist nicht die Regel.
Aktuell (10.1.) scheint die Darstellung von ukrainischer Seite glaubwürdig:
“Diplomaten aus mehreren westlichen Ländern in Kiew haben den Eindruck gewonnen, dass der Transit russischen Gases durch die Ukraine in die EU von Russland unterbrochen worden ist, und nicht, wie Moskau es darstellt, von der Ukraine.
Vertreter westlicher Länder hattenam Donnerstag in der Verteilerzentrale des ukrainischen Leitungssystems Einblick in die Messdaten der Gasströme der letzten Tage nehmen können und Kopien der Flussprotokolle erhalten. …”
Quelle: FAZ 10.1. S. 4
Putins News Conference auf Englisch:
http://premier.gov.ru/eng/pressconferences/1656.html
@Hohenstaufen: Natürlich wurden die Protokolle unter höchstgerichtlicher Aufsicht am C64 gedruckt uns spiegeln zu 1000% die Wahrheit wieder, wers glaubt….
@ Manko
Wenn Sie mehr wissen als die FAZ, lassen Sie uns doch daran teilhaben.
Nicht alles, was einem nicht gefällt, ist gefälscht.
Da EU-Beobachter mit technischem Wissen die Gaslieferungen sowohl in Russland und der Ukraine überprüpfen sollen, sofern Moskau letzendlich zustimmt, wäre es für die Ukraine viel zu riskant Fälschungen vorzunehmen.
@Hohenstaufen
Es geht hierbei auch nicht um die Frage, wer im Endeffekt “recht” hatte – das wird sich schwerlich post festum ermitteln lassen. Zu dem Zeitpunkt, als oben genannte Artikel erschienen, konnte kein(!) Journalist wissen, welche Seite die korrektere Version erzählt. In einer solchen Situation kann man sich daher auch nicht auf einen Seite schlafen. Was in Kommentaren oder Leitartikeln durchaus erlaubt ist, darf(!) im Nachrichtenteil nun einmal nicht gemacht werden, da dies das journalistische Neutralitätsgebot verletzt. Darum geht es im Artikel.
@Hohenstaufen: Also ich bin mir realtiv sicher, dass die EU Beobachter die jetztigen und künftigen Gaslieferungen mit modernen Methoden genau messen und beobachten werden. Wie man für die Vergangenheit zweifelsfrei für einen flüchtigen Stoff rekonstruieren kann, welche Menge wohin geflossen sind, bleibt mir allerdings unklar. Man müsste zwangsweise auf die Protokolle zurückgreifen, die auf beiden Seiten sich bei unsicheren Kantonisten befinden. Papier ist geduldig. Für die Zukunft wäre jedoch eine dauerhafte Beobachtungsmission der EU wünschenswert, was bei künftigen Lieferausfällen helfen würde schnell den Schuldigen auszumachen.
@ Spiegelfechter
Mein Kommentar Nr. 81 bezog sich auf die vorhergehenden Kommentare.
Allerdings konnte ich wie gesagt kaum eine einseitige Vorverurteilung einer Seite feststellen, wenn man die kompletten Presseartikel liest.( Wie üblich: Ausnahmen bestätigen die Regel.) Ein Artikel besteht ja nicht nur aus der Überschrift, die ja manchmal stark vereinfachend ist.
@Manko
Ich habe ja auch geschrieben: Die Ukrainische Darstellung SCHEINT zum Zeitpunkt 10.1. glaubwürdig. Weitere Untersuchungen sind abzuwarten, da stimme ich zu.
Ich denke dieser Artikel fasst das wesentlich ganz gut zusammen:
AG Friedensforschung Uni Kassel:Wer nachgibt, sieht sich als Verlierer
Wurde aber das meiste hier auch schon erwähnt.
Verlinken will gelernt sein, also nochmal:
AG Friedensforschung Uni Kassel:Wer nachgibt, sieht sich als Verlierer
@Spiegelfechter
“Es geht hierbei auch nicht um die Frage, wer im Endeffekt “recht” hatte – das wird sich schwerlich post festum ermitteln lassen.”
Nun, wer tatsächlich “gelogen” hat, das lässt sich schon feststellen. Die ukrainische Behauptung, dass die Russen das Gas abgedreht haben, ist korrekt, und nicht die russische Behauptung, die Ukraine hätte die Pipelines gesperrt.
Insofern ist der gesamte Artikel irgendwie nicht mehr so der Hit, oder?
Aber man weiß ja (in Russland), dass die Ukrainer klauen wie die Raben.
Der Wahnsinn nimmt kein Ende. Jetzt ist schon der ausgehandelte Vertrag nicht zustande gekommen (laut Medwedew). Dieser Streit nimmt schon Groteske Züge an.
P.S. Wenn ich die Zeitungen lese , dann scheint mir alles durcheinander zu sein. Da warte ich lieber ab, vielleicht kommt vom Spiegelfechter etwas besseres ;)
lustig finde ich es, das man den Russen den Gashahn als politisches Druckmittel vorwirft,
die Ukraine die wirklich am Gashahn dreht, wird hingegen von diesem Vorwurf verschont….
@ Avantgarde, #90
Und wie stellst du das bitte fest?
Oder ist jetzt nur noch die Frage Warum/Wieso im Bezug auf deine freie Entscheidung angebracht?
Was soll ich mich als Deutscher so um die Details der Russland-Berichterstattung auseinandersetzen?
Fuer eine westlich eingebundene Bundesrepublik ist Russland nun einmal kulturell, politisch und wirtschaftlich kein Freund. Die Oligarchen sollen natuerlich deutsche Luxus-Autos kaufen und fuer Maschinen ist das sicher auch ein dankbarer Markt.
Ansonsten gehts hauptsaechlich um billige Rohstoffimporte… , die seiten Russlands nicht fuer irgendwelche Grossmacht-Allueren genutzt werden sollen. Dazu scheint aber Putin-Russland nicht in der Lage zu sein.
Deutschland sollte sich moeglichst unabhaengig von den russischen Erdgas-Lieferungen machen.
COPOKA
Wie ich das feststelle? Weil es die Russen längst selbst sagen:
Moscow and Kiev have had annual, mid-winter pricing disputes for the past four years, including disruptions to European consumers in 2006, but this is the first time supplies have been halted completely. Gazprom closed the taps to Ukraine on New Year’s Day and ultimately halted all exports through the country on Wednesday after accusing Ukraine of siphoning off fuel, a charge Kiev has denied.
http://www.themoscowtimes.com/article/600/42/373444.htm
Die Version von Gasprom, dass die Ukrainer die Pipelines geschlossen hätten, ist auch in keiner russischsprachigen Quelle mehr zu finden.
Die Behauptung, Russland hätte weiterhin das für Europa bestimmte Gas durch die Pipeline geschickt, es sei davon aber nichts mehr weitergeleitet worden (und deshalb seien die Lieferungen eingestellt wirden), impliziert, dass die Ukraine DAS GESAMTE GAS für Europa gestohlen hätte. Selbst wenn das technisch möglich ist, dann wäre es völlig unmöglich, so etwas nicht nachweisen zu können.
Die Russen hätten selbstverständlich weiter das für Europa bestimmte Gas schicken können, und falls die Ukrainer wirklich “stehlen”, wäre das einfach zu demonstrieren gewesen.
Увидимся
@Avantgarde:
Also Sie haben tatsächlich alle russischesprachigen Quellen durchsucht und können nun auch belegen, dass diese “Version” nirgendwo mehr zu finden ist? Die Moscow Times als russische Zeitung zu bezeichnen halte ich auch für relativ gewagt. Wer diese Zeitung kennt, weiß, dass hier für den (vorwiegend in Moskau lebenden) Expat geschrieben wird. Über die IMSM ist die Moscow Times mit den Redaktionen des Wall Street Jounals und der Financial Times eng verbunden.
Wie Sie wissen laufen die Lieferungen nach Europa über 3 Pipelines. Deutschland besitzt Gasreserven in Speichern, die bei 100%igem Lieferstopp 2-3 Monate halten würden. Vielleicht sah die Ukraine auch eine gute Möglichkeit ihre Vorräte aufzufüllen. Zum Punkt der technischen Machbarkeit besitzte ich leider nich so ein Detailwissen wie Sie, d.h. ich persönlich kann nicht genau sagen wie einfach sowas nachzuweisen wäre. Ich denke durch die nun ausgeschickten EU-Beobachter sollte etwas mehr Ruhe in die Sache einkehren, nachdem die Ukraine der nachträglich hinzugefügten Passage abgeschworen hat.
@ Avantgarde, # 95
Soso, die ‘themoscowtimes’ ist also ‘die Russen’ geworden :))
Demnächst kannst du noch die “Grani.ru” zu Rate ziehen, um Meinung “der Russen” zu ergründen :p
Nein, das wurde nie behauptet, obwohl die Lieferungen in einige Länder komplett durch Ukraine unterbrochen wurden: http://www.premier.gov.ru/events/1656.html:
«К 5 января снижение поставок российского газа ощутили семь европейских государств – Чехия, Турция, Польша, Венгрия, Румыния, Болгария и Греция. Нам сообщили, что поставки российского газа снизились примерно на 5 – 30%. К 5 января объем несанкционированного отбора составил 65,3 млн кубических метров газа.»
Entwendet wurde in ersten 5 Tagen von 5 bis 30% der Lieferung, insgesamt in den ersten 5 Tagen 65,3 Mln. m³. Gelitten haben darunter: Tschechei, Türkei, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland.
Daraufhin wurde die Lieferung von russischer Seite komplett gestoppt.
Das waren auch keine unbegründete Behauptungen, Putin hat zur Pressekonferenz ‘ne Menge Unterlagen angeschleppt, die auch an- und einsehbar waren.
Genau das geschah auf der Pressekonferenz. Ob es Sinn mach, das Gas weiter dorthin zu schicken, wo es gar nicht mehr ankommt, ist eine andere Frage.
Вряд ли.
Fuer eine westlich eingebundene Bundesrepublik ist Russland nun einmal kulturell, politisch und wirtschaftlich kein Freund.
Ist das eine Grundhaltung oder nur eine Momentsaufnahme?
Und zu wem passt Russland kulturell? China? Arabische Welt?
Ok Russland soll seine Rohstoffe billig verhökern, und das eingenommene Geld gleich wieder für westliche Produkte ausgeben (am besten noch per Kredit)….
Das denk ich mir, dass dies dem Westen gefallen könnte….
<°)))o<
Mit keinem. Im aktuellen Zustand ist Russland nicht faehig zur regelbasierten Kooperation auf Augenhoehe.
Ja. Genau so.
Russland besitzt natuerlich andere Interessen.
Also haben wir einen Interessen-Konflikt.
Ein im Hinblick auf Rechtsstaatlichkeit, sozialstaatlichen Vorstellungen, demokratischen Werten sehr gewandeltes Russland besitzt natuerlich die Moeglichkeit, uns nach den Bedingungen fuer den Eintritt in die Europaeische Union zu bitten. Dafuer seh ich aber zur Zeit einfach keine Grundlage.
Moin moin,
nur mal so ein Tipp wegen ARD-Watch, die haben gestern mit Putin mal wieder ein Interview gedreht. Ich weiß aber nicht, ob es wieder der Roth war. Mal sehn was die diesmal zusammenschnippeln. Gesendet werden soll es am 14.1., keine Ahnung warum das so dauert. Es geht jedenfalls um Gas!
OMG, der Russe kommt! ;-)
Wenn “regelbasiert” heisst nach westlichen Regeln, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Russland diese Art der Kooperation gar nicht wollen.
Wir predigen Demokratie und soziale Gerechtigkeit, aber wenn irgendwo billig was zu holen ist, schaut man auch mal darüber hinweg (Beispiel Angola), irgendwie eine ziemliche Doppelmoral. Gutmenschen sind wir auch nicht! Wäre ja nicht so schlimm, wenn wir uns nicht noch dazu erdreisten würden über andere zu urteilen! Ich finde wir sind ziemlich arrogant geworden, haben sowieso die Wahrheit(TM) gepachtet….
Eine Annäherung von Russland und EU wird die amerikanische Geopolitik schon zu verhindern wissen….
Russland in die EU, dafür müsste man wohl zu viele heilige Kühe schlachten, eine davon wäre die NATO….
Und da wir beim Phrasendrechen sind, belassen wir es auch dabei. ;)
COPOKA
Nehmen wir einmal an, die Ukraine hat – wie von Russland behauptet – diesen Anteil an Gas abgezweigt.
Was hindert die russische Seite daran, den Gasfluss beizubehalten, internationale Beobachter an die Kontrollstellen zu bitten und überprüfen zu lassen, wieviel Gas Russland einleitet. Dort, wo das Gas die Ukraine verlässt, kontrolliert man wieder.
Damit ist der Diebstahl bewiesen und die Ukraine steht unter enormen Druck des Westens.
Stattdessen stellt Russland das Gas ab, lässt seine besten Freunde (Serbien) frieren, nimmt gewaltige finanzielle Einbußen in Kauf und verspielt seinen Ruf als verlässlicher Lieferant.
Mit Verlaub, wir hören da einfach nicht die ganze Geschichte. Da geht es um mehr.
@COPOKA:
Man macht doch nichts anderes. Kontrolleure sind jetzt da, und Russland dreht den Gashahn wieder auf. Das ganze dauert nunmal eine Weile und das Zähler ablesen geht sicherlich nicht so einfach wie man das Zuhause bei seinem Gashahn machen kann.
Die Ukraine hat heute zugegeben, den Gastransit blockiert zu haben.
Aber Russophoben hier ( Avantgarde&Lemmy) werden sowieso den Russen schuld geben.
Einfach amüsant ;) Ein Fisch für euch <°)))o<
Und schon wieder Ärger….
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/gasstreit186.html
Naja man muss beiden Seite zugestehen, dass sie nicht wirklich zur Konfliktbewältigung beitragen, wenn die Ukraine für alles verantwortliche wäre, wäre es für die Russen ein leichtes dies auzudecken, indem man den Kontrolleuren zumindest in Russland Zugang zu allen Messstation gewährt. Oder sind diese so sensibel, dass man ungern jemand fremdes reinschauen lässt?
Wenn zwei sich streiten friert der dritte
Achgott @lustig, behalt deinen unfrischen Fisch.
Man muss also “russophob” sein, wenn man Energiekonzerne, die eine beinharte Monopolpolitik fahren (und man wird noch spüren, was das bedeutet), nicht sonderlich mag.
Was mich am meisten stört, ist dass die Presse mal wieder ihren Job nicht macht, sondern im wesentlichen nur die meist widersprüchlichen Aussagen der zwei Kontrahenten kolportieren, die sich nicht in die Karten schauen lassen.
Als wüssten die beiden nicht auf den Kubikmeter genau, wieviel Gas fließt und wohin.
Die BBC berichtet noch am ausgewogensten. Ansonsten mediale Nebelkerzen.
Russische Gasmafia gegen ukrainische Gasmafia, und wir werden verarscht. Natürlich mischen auch die USA hinter den Kulissen mit. Es geht um politischen Einfluss, um Energiemonopole, um viel Geld.
PS: Ich habe nicht Russisch gelernt, weil ich “russophob” bin.
PPS: Ich schätze den Spiegelfechter durchaus. Was mir nicht so behagt ist, dass er gelegentlich etwas reflexartig eine übertriebene Gegenposition zum (angeblichen) “Mainstream” einnimmt, also etwa nach dieser Logik (korrigiere mich ruhige Spiegelfechter)
1) Ich vertrete linke Positionen
2) Ich beurteile die USA dementsprechend
3) Die USA mischt in der Ukraine mit
4) Ergo vertrete ich die Gegenposition (hier die russische)
Nur hat das, was Gasprom und Putin tun, überhaupt nichts mit linksfreundlicher Politik zu tun. Putin vertritt eine autokratische, sehr demokratieunfreundliche Politik, Gasprom will ein Gasmonopol. Keine gute Kombination für Westeuropa.
Wenn erst mal das Gas durch die Ostsee fließt, Russland die Transitwege beherrscht, Gasprom die Produktion anderer Länder aufkauft (Algerien, Libyen etc) und sich auch noch die deutschen Energieversorger kauft, und Europa sich erst mal an den bequemen Gasfluss gewöhnt hat, werdet ihr euch noch wundern.
Nochmal PS:
Ich ordne mich politisch durchaus links von der Mitte ein
Lemmy Caution am 12. Januar 2009 um 01:57 – Permalink
“Was soll ich mich als Deutscher so um die Details der Russland-Berichterstattung auseinandersetzen?
Fuer eine westlich eingebundene Bundesrepublik ist Russland nun einmal kulturell, politisch und wirtschaftlich kein Freund. Die Oligarchen sollen natuerlich deutsche Luxus-Autos kaufen und fuer Maschinen ist das sicher auch ein dankbarer Markt.
Ansonsten gehts hauptsaechlich um billige Rohstoffimporte… , die seiten Russlands nicht fuer irgendwelche Grossmacht-Allueren genutzt werden sollen. Dazu scheint aber Putin-Russland nicht in der Lage zu sein.
Deutschland sollte sich moeglichst unabhaengig von den russischen Erdgas-Lieferungen machen.”
Also, um so ein Müll zusammenzubekommen muss man ja total verblendet sein. Schreibt da vielleicht ein Berufsjournalist und Russlandhetzer?
@ Avantgarde
#102
Dass es nicht so einfach ist, hast du wahrscheinlich bereits begriffen.
Das Gas wurde die ganze Zeit ‘gestohlen’ – google mal nach “Gasprinzessin” (Auch Jens hat dazu schon paarmal geschrieben, mit hilfreichen Links – geh die mal nach). Wenn man etwas in großen Mengen für weit unter 200$ je Einheit kriegt und ganz legal für 450$ weiterverkaufen kann, braucht man eigentlich gar nicht mehr “zu stehlen”. Ganz umsonst sind jedoch solche Privilegien nie. Offensichtlich haben ‘die Russen’ kein Interesse mehr, Status Quo beizubehalten.
:) Wenn die Welt so schön wäre, wie du es gerne hättest, würden wir jetzt keine “Finanzkrise” haben.
Definitiv.
#106
Schon “wärmer”.
Nein, ‘die Logik” hast du nicht bzw. falsch verstanden.
Das wäre mir neu, dass Jens so was behauptet oder gar daran gedacht hatte. Ich auch nicht.
Das hätten sie zweifelsohne gerne, aber die sind auch realistisch genug um zu wissen, dass es ihnen nie gelingen würde.
Musst noch viel lernen, junger Jedi-Ritter, was Politik ist und wie sie funktioniert.
COPOKA
Ohne die Überheblichkeit am Schluss wäre es auch gegangen, glaub mir.
“Das hätten sie zweifelsohne gerne, aber die sind auch realistisch genug um zu wissen, dass es ihnen nie gelingen würde.”
Alte Yoda-Weisheit, hmmm?
Als die UdSSR zerfiel, bekam Russland das Gas und die Ukraine nunmal einen gewichtigen Teil der Infrastruktur (Speicher, Leitungen), da die sowjetische Gasindustrie in der Ukraine entstanden ist. Jede Seite versucht, das beste für sich draus zu machen und die Konflikte haben schon 1992, nicht erst 2006 begonnen.
Die Ukraine hat – so glauben manche – nie etwas für das Gas bezahlt und an die 20% des durchgeleiteten Gases abgezweigt. (Ich nenne das eher interne Mafiaverrechnungen.) Allein zu RosUkrEnergo gäbe es viel zu sagen. Die festgelegten Preise, ob nun 110, 250 oder 450 Dollar, sind nur Show. Kriegt die Ukraine ihr Gas nicht, gibt es Ärger mit Speicher und Transit. Das ging schon 1992 so, dann hat man das bis 2006 hinter den Kulissen ausgetragen. Jetzt gibt es politische Gründe, das wieder “öffentlicher” zu tun.
Schwierig, von “Diebstahl” zu sprechen. Wenn es Differenzen gibt, ist der Unterschied nur, dass die Ukraine Gas “stiehlt” und Russland Infrastruktur “stiehlt”. Letzteres klingt nur etwas seltsam, ist es aber nicht, und die entsprechenden Verträge sind höchst undurchsichtig. Da zweigen viele etwas ab: Politiker auf beiden Seiten, “Zwischenhändler” etc. Das sind die eigentlichen “Diebe”, und Timoshenko, Putin und Medwedew nur die größten. Deswegen spreche ich von mafiösen Strukturen, die Außenstehende überhaupt nicht durchschauen.
Und so werden die EU-Beobachter nichts substantielles beobachten. Jedenfalls nichts, was sie nicht sollen.
PS: Spam-Control ist schon lustig
1+4 ist nach meiner Rechnung 5.
Das sah das System erst beim dritten Versuch ein
Ja, das Blogsystem akzeptiert manchmal nicht die richtige Summe, LOL, da besteht dann auch die Gefahr, dass der Text hopp geht, wenn man bspw. zweimal das Back-Button anclickt.
@ Peter Bommel
# 105
“Naja man muss beiden Seite zugestehen, dass sie nicht wirklich zur Konfliktbewältigung beitragen, wenn die Ukraine für alles verantwortliche wäre, wäre es für die Russen ein leichtes dies auzudecken, indem man den Kontrolleuren zumindest in Russland Zugang zu allen Messstation gewährt. Oder sind diese so sensibel, dass man ungern jemand fremdes reinschauen lässt?” ===> Die EU hat sich bereits für diese falsche Meldung entschudligt (daß ihre Kontrolleure zu einigen Messstationen in RU keinen Zugang hatten (Aber in euren Medien wird ja davon nur ungerne berichtet, wenn überhaupt (es is ja viel lieber n paar hämische Artikel über gaaanz böse Russen zu schreibn)))
Und noch n Link, nur so, zur Info… Damit ihr jetzt bescheid wisst, wer hier die Schuld am ganzen Salat hat:
http://de.rian.ru/business/20090114/119479338.html
@113:
Tje, was bleibt einem da noch zu sagen. Das beste Beispiel ist da Spiegel Online, dort konnte man jeden Tag etwas über den Gasstreit lesen (oftmals sogar zwei Artikel pro Tag), aber nachdem sich mehr und mehr herauskristallisiert, dass die Ukraine vieles zu verantworten hat, herrscht schweigen. Heute gab es nur das hier:SPON:EU droht Russland und Ukraine mit Klagewelle
Was bitte hätten die Russen/Gazprom denn machen sollen? Etwa mehr Gas durchpumpen (den “Verlust” kompensieren), damit die Ukraine abzwacken kann und die EU ihr bestelltes Gas bekommt? Oder 2te Möglichkeit: Der Ukraine das Gas für weniger als 230 US-Dollar/1000 cm³ zu überlassen?
Vielleicht hätte Gazprom einen “Ukraine-Solidaritätszuschlag” fordern sollen, wäre was für die nächsten Preisverhandlungen, dass der Westen für das entnommene Gas bezahlt….
Aber den Aufschrei mag ich mir nicht vorstellen….
Eine Frage an Leser hier: hat jemand schon Erfahrung mit Kommentarfunktion bei focus.de gemacht? Ich wollte vor kurzem dort etwas posten, ging aber nicht. Mein Kommentar erschien einfach nicht, obwohl es ganz normal war, ich habe nur an Unwahrheiten im Artikel hingewiesen.
Vielleicht habe ich etwas falsch gemacht?
@lustig.
Bei SPON und der ARD (TageschauForum) heisst die Unterfunktion zur Kommentarfunktion Moderation oder Zensur. Je nach Auslegung. ;-)
Beim fokus wird das wohl ähnlich sein.
@Avantgarde, #110
Was soll denn das bitte bedeuten, dass die sowjetische Gasindustrie in der Ukraine entstanden ist? Das aber nur nebenbei. Dass sich Schlüsselelemente der Gas-Infrastruktur für EU naturgemäß auf dem ukr. Territorium befinden, ist eine Binse.
DIE Ukraine … !?
Ja ja, die Ukraine, die Russen, die USA, die EU, der Israel. Du wirst diesen Konflikt nie begreifen, wenn du ihn weiterhin auf solch einem abstrakten Niveau betrachten wirst.
Nochmal zur Politik und Politikern. Alle Politiker haben Eier in ihren Hosen und sind knallharte Burschen, wenn es um Durchsetzung ihrer geschäftlichen Interessen geht, aber nicht alle halten ihre Eier in eigenen Händen. Die ukrainische “Elite” hat lange Zeit durch die Gas-Infrastruktur sowohl Putins a.a. Gasprom’s Eier fest in der Hand gehabt, was auch EU-Politiker nicht weiter gestört hat – die Orangenen waren ja “unsere Schurken”. Nun, wo Julia und Viktror einander in den Haaren liegen, und die Ukraine fast am Boden liegt, versucht die Gasprom-Clique die ukrainische an den Eiern zu packen und lässt der EU-Seite fast keine Chance mehr, sich da wieder herauszuhalten oder auf ukrainische Seite zu schlagen. Es geht dabei um Milliardengeschäfte und einiges mehr. Daher auch das mediale Getöse drumherum.
Weißt du, es wird oft behauptet, dass Politiker keine Moral haben. Das ist m.E. falsch. Sie haben sehr wohl eine Moral, nur ist sie mit unserer kleinbürgerlichen Mentalität nicht so leicht zu begreifen. Am besten kommen damit jene klar, die im Knast oder in einem Kriegseinsatz waren – das kommt an die politische Realität wesentlich näher ran.
—————————–
PS. Zu der Antispam-Summe. Es wird nicht falsch berechnet, aber dynamisch. D.h. wenn zwischen letzter Darstellung der Seite und dem Abschicken der verfassten Meldung jemand auf anderem Thread postet, ändert sich die erwartete Antispam-Summe dynamisch. Von daher die Meldung am besten sonstwo zu erfassen, danach die Seite zu ‘refreshen’ und den Text mit cut/paste einzufügen.
@COPOKA
du spaltest gerne Haare, oder.
Natürlich ist, wenn von “der Ukraine” oder “Russland” die Rede ist, in der Regel die politische und wirtschaftliche Führung der entsprechenden Ländern gemeint. Also bitte.
Die sowjetische Gasindustrie hat sich in den 1930er Jahren auf dem Territorium der heutigen Ukraine entwickelt, die damals selbst noch viel Gas hatte.
Ansonsten wiederholst du hauptsächlich meine Meinung
@Avantgarde
Nein, hinter politischem Geschehen stehen immer durchaus konkrete Menschen, Gruppen, ihre Interessen und Machtverhältnisse. Auf abstrakter Ebene ist da nichts zu holen: http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr91.htm
(R)Amen ;)
Sorry, aber ich glaube, du bist einem Hoax aufgesessen.
Da deine Behauptung für mich völlig neu und absolut nicht nachvollziehbar war, habe ich ein wenig nachrecherchiert. U.z. auf den Seiten, die sich mit der Geschichte der Gas-Industrie in der UdSSR beschäftigen und möglichst weit weg von dem politischen Alltag und allerlei Ideologien sind.
1. Sehr gute historische Übersicht dazu (ab 1811) ist hier zu finden:
http://www.gazo.ru/publikacii/ob2/index.khtml
Da steht u.a. dass das erste große Gas-Vorkommen in der Ukraine erst in 50-rn Jahren entdeckt wurde (Шебелинское месторождение газа). Davor nichts hervorragendes. Im 19. Jahrhundert und bis Anfang 20. wurde Gas industriell erzeugt(!) und es wird auch ausführlich darauf eingegangen. Die Industrieanlagen in der Ukraine spielten da bei weitem nicht “die erste Geige”, eher eine Marginalie in damaliger Gas-Industrie.
2. http://rcd.ru/fulltext/18/1237 (pdf-Datei) ist auch der Geschichte des Gases bzw. Gas-Industrie gewidmet. Darin steht erst auf der Seite 30, dass Ende 30-rn in versch. Regionen UdSSR 50 neue nennenswerte Gasvorkommen erkundet worden sind, darunter eins(!) auf ukr. Territorium.
Also, wo hast du denn das aufgeschnappt?
Von jemanden, der behauptet, darüber eine Doktorarbeit geschrieben zu haben. Hm.
“The reality is that the Soviet gas industry was born in Ukraine in the 1930s, and the infrastructure was built from there and Ukraine is still a central part of the gas pipeline network even as the focus of activity moved to Western Siberia.”
http://europe.theoildrum.com/node/4929
Nun gut.
Da ich lieber Achmatowa, Blok und Zwetajewa lese als Berichte über die sowjetische Gasindustrie, gebe ich dir einfach recht und freue mich, dass ich nicht mit Gas heize.
Большое спасибо
Vielleicht interessiert es den ein oder anderen:
Russland.ru: “GAZPROM – Konfrontation oder Kooperation?” von Kai Ehlers
@lustig:
> Eine Frage an Leser hier: hat jemand schon Erfahrung mit Kommentarfunktion bei focus.de gemacht? Ich wollte vor kurzem dort etwas posten, ging aber nicht. Mein Kommentar erschien einfach nicht, obwohl es ganz normal war, ich habe nur an Unwahrheiten im Artikel hingewiesen.
Vielleicht habe ich etwas falsch gemacht?
Ja, beim Focus zu kommentieren. Die moderieren dort stark, da sitzen irgendwelche Kräfte, die Niveau bestimmen und ggf. aussortieren, die eine Focus-interne Netiquette verwalten und ggf. aussortieren und die willkürlich aussortieren.
Ich hab da dreimal was geschrieben, vermutlich wars auch kritisch, LOL, sowas kommt da nicht durch.
Helmut Markwort ist eigentlich ganz OK, aber der Focus, BRR
Nachtrag: Sieht auch ganz gut aus mit seinen geschätzt 100 Jahren auf dem Buckel.