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  • ?Der Freitag? – auf zu neuen Ufern

    geschrieben am 30. Januar 2009 von Spiegelfechter

    In einer Woche ist es soweit ? am Donnerstag, dem 5. Februar, wird der ?Freitag? in einem neuen Gewand erscheinen. Sowohl die Printausgabe als auch der Online-Bereich wurden optisch und konzeptionell komplett überarbeitet. Die letzte ?links-intellektuelle? Wochenzeitung – die trotz beständig hoher Qualität – aufgrund niedriger Auflagenzahlen schon mehrfach vor dem Aus stand, will als erste renommierte Zeitung ein interaktives Medium werden. Neben den ?klassischen? Hintergrundartikeln, Analysen und Kommentaren von Redaktion und Gastautoren soll im neuen ?Freitag? erstmals der Leser aktiv mitgestalten dürfen ? online und in der Printausgabe. Wenn das Experiment glücken sollte, wäre der ?Freitag? die erste Zeitung, die sich glaubwürdig von der Vorstellung trennt, Journalismus sei eine Einbahnstraße und der Leser sei nicht mehr als ein Konsument. Ein ambitioniertes Ziel ? ob es erreicht werden kann, hängt vor allem von den Lesern selbst ab.

    Augsteins Traum

    Als im April vergangenen Jahres durchsickerte, dass Jakob Augstein, Sohn des verstorbenen SPIEGEL-Herausgebers Rudolf Augstein, den altehrwürdigen ?Freitag? übernommen hat, war die Aufregung groß. Der ?Freitag? gilt als letzter Vorposten ?links-intellektuellen? Denkens in einer breiigen und beliebigen Medienlandschaft, die sich in ihrer politischen Linie nur noch in Nuancen unterscheidet. Von einer ?feindlichen Übernahme? war zunächst die Rede. Augstein wolle ? einem römischen Cäsaren gleich ? die letzte Bastion des Widerstands überrollen. Allerdings wurde bereits früh klar, dass Augstein die Ecken und Kanten des ?Freitag? nicht etwa abschleifen, sondern auf der Basis des meinungsstarken Blattes ein neues Leuchtfeuer in der Medienlandschaft entfachen will.

    In der deutschen Presselandschaft gibt es eine übergroße Marktlücke. Kein größeres Blatt deckt linke Positionen ab ? mit Ausnahme der ?taz?, die allerdings in inniger Hassliebe mit den Grünen auch deren Marsch in die Mitte mitgegangen ist. Glaubt man einer Umfrage, die TNS-Emnid im letzten Jahr für die ZEIT durchgeführt hat, bezeichnen sich 34% aller Deutschen aber explizit als ?links?, darunter überproportional viele Akademiker. Auch ?Linke? lesen Zeitung und wollen ein Blatt haben, das sich nicht für Sozialabbau und Kürzungen der Einkommenssteuer stark macht, das nicht jubiliert, wenn Frau Dr. Merkel einmal wieder die Welt rettet, und das nicht jedes Gedankenspiel der SPD, mit den Linken zusammenzuarbeiten, für den Untergang des christlichen Abendlandes hält.

    Diese Lücke soll der Freitag füllen ? er soll ein undogmatisches linkes Medium werden, das sich allerdings nicht in der Irrelevanz linker Grabenkämpfe verstricken soll, wie es im ?alten? Freitag hin und wieder vorkam. Augstein benutzt dafür die Metapher des Schiffes vor der Küste.

    Freitag war manchmal ganz schön weit draußen. Jetzt kreuzt er wieder in Sichtweite der Küste. Die Küste, das ist in meiner Metapher der Mainstream. Wenn wir außer Sichtweite sind, um mal in meinem Bild zu bleiben, dann sind wir nicht mehr Teil der Gesellschaft. Dann sind wir so weit draußen, dass unsere Ansichten zur Gesellschaft irrelevant werden. Weil wir uns selber nicht mehr als zugehörig begreifen.

    Ich glaube nicht, dass man auf dieser Grundlage guten Journalismus machen kann. Das ist meine Überzeugung. Wenn wir aber in Küstennähe (!) sind, sind wir Mainstream. Das dürfen wir nicht sein. Und wollen es auch nicht. Wir müssen Abstand haben zum Mainstream. Aber in Sichtweite sein, um noch verstehen zu können, was dieser Mainstream denkt. Warum er so handelt, wie er es tut. Und dann können wir dagegen anschreiben. Es müssen im Freitag weiterhin Positionen zu lesen sein, die anderswo nicht zu finden sind.

    Jakob Augstein im Kommentarbereich von f!xmbr

    Nukleus Onlinejournalismus

    Der Journalismus durchlebt einen Paradigmenwechsel. Mit der Konkurrenz durch das Internet hat sich nicht nur das Medium, in dem die meisten Inhalte der großen Verlagshäuser gelesen werden, sondern auch der Anspruch vieler Leser geändert. Online ist nicht die Verlängerung von Print, um Inhalte zweitzuverwerten. Online bietet die Möglichkeit der Interaktivität. Der alte Printjournalist, der seinen Sermon aus den Parteien und Verbänden niederschreibt, hat auf einmal einen Rückkanal, aus dem ihm die Stimme des Volkes kalt ins Gesicht weht. Wer die gut versteckten und verkrüppelten Online-Kommentarsektionen der großen Zeitungen anschaut, weiß, dass man dort nicht verstanden hat, was Interaktivität ist. Die Süddeutsche schließt ihren Kommentarbereich nach Feierabend und am Wochenende, Spiegel, Focus, Stern und Co. machen aus dem Kommentarbereich ein Klickfestival, bei dem man sich mühsam durch die Kommentare arbeiten muss ? schließlich bringt jeder Klick Werbeeinnahmen. Wahrscheinlich wollen diese Medien aber auch gar nicht verstehen, was Interaktivität ist. Das Gros der Kommentare setzt sich nämlich kritisch mit den Artikeln auseinander und holt die Herren des Qualitätsjournalismus nur all zu gerne aus ihrem Elfenbeinturm. So viel Erdung ist nicht gefragt.

    Redaktion und Nutzer verschmelzen

    ?Der Freitag? wagt nun das kühne Projekt, redaktionelle Inhalte und Leserkommentare zum eigentlichen Inhalt zu verschmelzen. Artikel können kommentiert werden – wie in den meisten Online-Zeitungen. Beim ?Freitag? wird dies allerdings eher wie in einem Blog vonstatten gehen. Unter dem Artikel werden die Kommentare gelistet, die auf zweiter Ebene auch selbst kommentiert werden können. Das besondere am Konzept des ?Freitag? ist es, dass ausgewählte Kommentare auch auf den redaktionellen Seiten, und sogar der Startseite erscheinen werden. Den Lesern, die in der ?Freitag-Community? ihr eigenes Profil erstellen können, wird ferner die Möglichkeit gegeben, innerhalb des Angebots des ?Freitag? ihre eigenen Blogs zu erstellen. Die Inhalte dieser Blogs stehen dann gleichberechtigt mit den redaktionellen Inhalten auf den Seiten des ?Freitag? und die Beiträge mit den besten Bewertungen werden sowohl auf der Startseite, als auch in der Printausgabe des ?Freitag? erscheinen ? gegen eine bescheidene Honorierung, versteht sich. So viel ?Online? hat noch keine Zeitung gewagt.

    Im Internetangebot des ?Freitag? wird sich die Herkunft der Inhalte durch eine logisch erschließbare Farbkodierung bemerkbar machen. Content von Lesern wird durch rote Überschriften kenntlich gemacht, während redaktionelle Inhalte mit dunkelblauen Überschriften, und Inhalte des Syndikationspartners Guardian mit hellblauen Überschriften versehen werden. Ansonsten werden die unterschiedlichen Inhalte gleichwertig behandelt.

    Auch konzeptionell ändert sich einiges beim ?Freitag? ? die Wochenzeitung wird online zur Tageszeitung. Täglich wird es zwar neue Inhalte geben, aber es soll nicht der Versuch unternommen werden, mit auf Aktualität ausgerichteten Medien zu konkurrieren. Nicht die schnelle Agenturmeldung, sondern die Analyse zu tagesaktuellen Themen soll im Vordergrund stehen. Dieses Konzept ist schlüssig ? die Redaktion des ?Freitag? wurde zwar im Rahmen der Neustrukturierung verdoppelt, was aber noch lange nicht ausreicht, um den Großen der Branche in den Disziplinen Aktualität und Frequenz Paroli zu bieten. Qualität statt Quantität soll im Mittelpunkt stehen. Als Faustpfand könnte sich dabei die Medienpartnerschaft mit dem britischen Guardian erweisen. Der Guardian gehört zweifelsohne zu den besten Zeitungen der Welt und verfügt dank des exzellenten Onlinebereichs mit seiner umfassenden Kommentarsektion über hochwertigen Content en masse. Im Rahmen der Partnerschaft wird der ?Freitag? jeden Tag drei bis acht ausgesuchte Artikel, Kommentare oder Analysen aus dem Angebot des Guardian ins Deutsche übertragen und auf seine Seiten stellen.

    Risikofaktor ?User?

    Das Konzept des neuen ?Freitag? ist schlüssig. Eine undogmatische linke Zeitung mit hochwertigen Inhalten, die den Nutzer aktiv mit einbezieht ? das hat was. Wer allerdings die Netzlebewesen kennt, weiß, dass dieser Plan nicht frei von Risiko ist. Interaktivität, Communities und ?User-Generated-Content? funktionieren nur, wenn die Anzahl der Nutzer eine kritische Masse übersteigt, und vor allem die Qualität der Nutzer mit der Qualität der Inhalte Schritt hält. Viele Leser dieses Blogs wissen es zu schätzen, dass in den Kommentaren meist auf hohem Niveau diskutiert wird. Gute Diskussionen kommen aber nur dann zustande, wenn die richtigen Diskutanten aufeinander treffen und dabei nicht von weniger freundlich gesinnten Netzbewohnern gestört werden. ?Der Freitag? ? der künftig übrigens tatsächlich nicht mehr ?Freitag?, sondern ?der Freitag? heißt ? wird aufgrund seiner Leserschaft sicher die ?richtigen? Diskutanten anziehen. Fraglich ist es allerdings, ob er die zu erwartende Flut von Trollen bewältigen kann. Internetforen, Blogs und Kommentarbereiche gehorchen auf gespenstische Art und Weise der ?Broken-Windows-Theorie?. Wo ein Troll ungestraft sein Häuflein machen darf, wird es kurze Zeit später von Trollen nur so wimmeln. ?Der Freitag? wird moderieren, will die Moderation aber auf ein nötiges Minimum beschränken. Warten wir ab, ob das Experiment glückt ? zu wünschen wäre es dem ?Freitag? und seinen Lesern.

    Jens Berger

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    50 Kommentare Print This Post
    In einer Woche ist es soweit ? am Donnerstag, dem 5. Februar, wird der ?Freitag? in einem neuen Gewand erscheinen. Sowohl die Printausgabe als auch der Online-Bereich wurden optisch und konzeptionell komplett überarbeitet. Die letzte ?links-intellektuelle? Wochenzeitung - die trotz beständig hoher Qualität - aufgrund niedriger Auflagenzahlen schon mehrfach vor dem Aus stand, will ...
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    50 Kommentare:

    1. postgrün schrieb am 30. Januar 2009 at 00:30 - Permalink

      Ich fand es eigentlich gerade ganz schön, auf einem mittelgroßen Kutter zu ferneren Gestaden und neuen Ufern zu schippern, abseits der überfüllten Handelsrouten von faz, taz und Konsorten. Dass ich deswegen nicht mehr “Teil der Gesellschaft” wäre, würde mich sehr überraschen und betrüben.

      Wenn ich eine 5-Tage-Pauschal-Kreuzfahrt will, dann buche ich nicht auf der MS Freitag. Aber ich guck mir das mal noch nen Monat an, und wenns mir zu eng wird oder die Seeheimer sich jetzt auch da auf dem Deck breitmachen, wird das Abo eben flugs wieder gekündigt, mein lieber Herr Augstein.

    2. Schwitzig schrieb am 30. Januar 2009 at 05:45 - Permalink

      Ein interessantes Konzept, Kommentare von Lesern als Artikel zu veröffentlichen, das nicht nur das Potential hat, dem individuellen Wunsch vieler Leser nach Ausdruck ihrer Meinung Rechnung zu tragen, sondern “wertvollen” Kommentaren unabhängig von der Herkunft als offizielle Information in Form eines Artikels eine größere Medienpräsenz zu bieten.
      Der mögliche Nachteil liegt auf der Hand: Die Auswahl der so hervorgehobenen Kommentare obliegt der Moderation und somit einer subjektiven Entscheidung, die unter ungünstigen Umständen zu einer Art Richtungspräferenz führen kann. Andererseits ist eine Meinungspolizeiliche Selektion in meinen Augen tatsächlich nicht vermeidbar, da ansonsten – wie die Erfahrungen in den meisten Blogs belegen – die Gefahr des Verzettelns in Grundsatzdiskussionen besteht. Es wird also direkt von der Kritikkompetenz der Redaktion abhängen, ob auch Folgekommentare, die veröffentlichte Originalartikel negativ bewerten und diskutieren, veröffentlicht werden. Es ist allemal ein sehr interessantes Experiment, das auch einen qualitativen Ansporn bietet – nämlich die persönliche Befriedigung des jeweilig ausgewählten Kommentators, dem die Option geboten wird, dass seine Aussagen nicht in der üblichen Kommentarflut untergehen.

    3. xNWO schrieb am 30. Januar 2009 at 08:55 - Permalink

      Sehr schönes Bewerbungsschreiben, lieber Spiegelfechter!

    4. salvo schrieb am 30. Januar 2009 at 09:40 - Permalink

      mal sehen, was daraus wird, ich hege so gewisse Befürchtungen, historisch gewachsen, und angesichts der gerade in Deutschland fortgeschrittenen Medienkonzentration durchaus berechtigt.

      mit der von Augstein vorgebrachten Metapher kann ich mich auch wenig anfreunden und halte sie für eine Ablenkung: der Widerspruch ist weniger der zwischen Mainstream und ‘Underground’, Avantgarde, Subkultur oder wie man die gegen den Hauptstrom schwimmenden Medien nennen mag, sondern der zwischen abhängigen und unabhängigen Medien, dh zwischen den Medien, die sich restlos der Beeinflussung der Öffentlichkeit im Interesse der sie kontrollierenden gesellschaftlichen Kräften widmen und denen, die für Freiräume kämpfen, um darin den dadurch verdrängten Realitäten, Interessen und Lebenslagen Ausdruck zu verleihen in kritischer Auseinandersetzung mit dem vom ‘mainstream’ produzierten Schein

      ich werde mich zunächst offen und hoffnugsvoll, aber zugleich vorsichtig und kritisch darauf einlassen, mal sehen. Das Gefühl jedoch, dass aus der Metapher vom Schiff, das von einer kritischen und unabhängigen Mannschaft, zugleich nah und fern von der ‘Mainstram’-Küste manövriert werden soll, in einem unterschwelligen aber unaufhaltsamen Prozess die bittere Realität der Vereinnahmnung eines weiteren unabhängigen ‘linken’ Mediums wird, ist so klein nicht

      konzeptionell ist das Projekt durchaus interessant – obwohl es ähnliche Ansätze schon gibt, zB in der zeit – was daraus praktisch wird hängt u.a. von seiner ‘Wehrhatftigkeit’ angesichts der Offenheit, mit der man sich in ein von ‘Raubtieren’ (die Trolle darunter sind nur eine besonders dämliche Unterart) bewohntes Festland begibt (um bei der Sprache der Metapher zu bleiben). Da bin ich skeptisch

      schade dass die Kooperation sich auf die guardian beschränkt, ein ‘internationalerer’ Ansatz wäre schöner gewesen, v.a. mit den us-progressiven Medien (v.a. democracynow), die ich für weit besser und weitreichender halte als das, was es gerade hier in Deutschland an kritischen Medien gibt

    5. slowcar schrieb am 30. Januar 2009 at 10:04 - Permalink

      Finde das Konzept gut und habe mir mal ein Abo bestellt. Wenn es nix für mich ist bestell ich es halt wieder ab, eine Chance werde ich Jakob Augstein – nicht zuletzt wegen seiner Kommentare auf fixMBR, aber geben.

    6. Sebastian schrieb am 30. Januar 2009 at 10:26 - Permalink

      Das Konzept klingt ein wenig wie Zoomer für Erwachsene, ich hoffe, dass es funktioniert. Ich bin da aber relativ zuversichtlich, das Ziel des Freitags war es ja bislang nie, möglichst viel Gewinn abzuwerfen (wenn ja, haben sie es bislang ganz gut versteckt ;-) ). Ein wenig Sorgen mache ich mir um die Übersichtlichkeit, die Farbcodierung klingt zumindest nicht so überladen wie eben bei Zoomer. Ich plane jedenfalls, dort auch ein wenig mitzuwirken und hoffe sogar auf eine striktere Moderation, was Trolle etc. angeht.

    7. Kowalski schrieb am 30. Januar 2009 at 10:46 - Permalink

      ich schließe mich den Einschätzungen und Meinungen meiner Vorschreiber an. Der Freitag steht seit jeher in meiner Favoritenliste und es bleibt abzuwarten wohin der Kahn fährt, um bei der Metapher zu bleiben.
      Auch Jakob Augstein unterliegt Betriebswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Nicht, das am Ende die Butterfahrten des Kahns überhand nehmen ;-)

    8. Der Schachspieler schrieb am 30. Januar 2009 at 11:44 - Permalink

      Ich finde es immer wieder schade zu sehen das jegliche “neuen” Ideen, sich dem Klischee des rechts links denkens ergeben.

    9. Reinard Schmitz schrieb am 30. Januar 2009 at 12:56 - Permalink

      Wir sollten nicht so pessimistisch. Was der gute alte freitag schon alles überstanden hat, alleine an Namensänderungen – seinen Charakter hat er bisher nicht verloren. Also mutig gelesen. Und falls jemand eine Alternative nennen kann, der sollte das tun… ( http://blog.hr-schmitz.de/?p=1347 :: DIE ZEIT ist es jedenfalls nicht immer)…

    10. Lemmy Caution schrieb am 30. Januar 2009 at 13:11 - Permalink

      Ich würde so etwas sehr begrüßen.
      Die Zeitung müßte aber eben auch offen sein. Und damit tut sich die ordnungsliebende deutsche Linke eben sehr schwer.
      Ohne jetzt Chile diskutieren zu wollen, aber dort ist aus dem Satire-Blatt “The Clinic” zum Anlaß des Aufenthalts von Pin8 in einer Londoner Klinik damals eine an vielen Kiosken verkaufte interessante linke Zeitung entstanden, die ich inzwischen lieber lese als El Mercurio.
      Dort veröffentlichen aber eben auch Leute wie Jaime Bayly, der eine positive Haltung zu USA und Marktwirtschaft hat sowie vorsichtig gesprochen recht klare Vorstellungen bezüglich Hugo Chávez, Evo Morales, Cristina Fernandez Kirchner, dem Castro Clan und ähnlichen Unterdrüc äh “Politikern” vertritt.
      Eine kurze Überprüfung der aktuellen Online Präferenz ergab, dass sie Teile der Linken (ich) offenbar nicht vertritt und die zugegeben hohen Standards von http://www.theclinic.cl/ leider nicht erreicht.

    11. Spiegelfechter schrieb am 30. Januar 2009 at 13:25 - Permalink

      @Lemmy

      Eine kurze Überprüfung der aktuellen Online Präferenz ergab, dass sie Teile der Linken (ich) offenbar nicht vertritt

      sollte vor dem (ich) ein “m” fehlen, so ist dies ein wirklich guter Witz ;-)

      Die aktuelle Online-Seite ist übrigens nicht Gegenstand der Diskussion.

    12. name schrieb am 30. Januar 2009 at 14:11 - Permalink

      Intessantes Projekt, was da als Medienprodukt erschaffen werden soll, und da es wirklich kein direktes deutsches Gegenstück zur französischen Le Monde Diplomatique gibt, wäre das sicher für diejenigen, die früher auf den Spiegel oder Stern zurückgegriffen haben, eine wirkliche Alternative, solange dann wieder Buchstaben statt Bilder Vorrang geniessen.

      Leider, wird dieses Projekt nur einen Teil derjenigen ansprechen, die sonst auch schon lesen und dafür zuviel Zeit investieren können.

      Was eigentlich ebenso dringend oder noch dringender als Medienprodukt ist, ist eine progressive, aufklärerische und klartexsprechende Alternative zu Springers Bildzeitung.

    13. Chris schrieb am 30. Januar 2009 at 15:12 - Permalink

      Ich habe die Diskussion mit Jakob Augstein sehr genossen. Endlich ist da mal einer, so meine Gedanken, der verstanden hat, dass die Medien nicht in einem Elfenbeinturm sitzen und Leser eine eigene Meinung haben. Und diese mittlerweile auch immer mehr äußern. Endlich versteht einer, dass die Medien schon lange das Meinungsmonopol verloren haben. Endlich ist da jemand, der diese strukturelle Neuordnung der Vierten Gewalt in “positive Energie” umwandeln will und nicht jammernd daneben steht und ein lächerliches Pamphlet nach dem anderen gegen das Internet und die Menschen veröffentlicht, wie die Kollegen der FAZ oder auch der SZ.

      Nur leider werde ich zum Start des nächsten Freitag wohl nicht viele freundliche Worte finden können. Jakob Augstein versteht es offensichtlich, sich perfekt zu verkaufen. Wenn man mich um Hilfe und meine Meinung bittet, sage ich selbstverständlich ja. Wenn dann aber nichts mehr folgt, selbst nachdem ich selbst nochmal nachgefragt habe und selbst noch einmal meine Hilfe angeboten habe, fühle ich mich leicht auf den Arm genommen. Aber nur leicht. Dazu vielleicht später mehr, wenn ich Zeit und vor allen Dingen Muße dazu habe. Derzeit ist der Freitag nicht von Interesse. Im Gegenteil.

      Ich sehe ausschließlich PR, wohin das Auge blickt. ;-)

    14. Bildungswirt schrieb am 30. Januar 2009 at 15:37 - Permalink

      Raus aus der Nörglerecke, rein ins pralle Leben. Warum nicht auch mit dem neuen Freitag? Immer auf Sicht fahren ist vor allem abhängig von der Schärfe der Augen. Für neue Projekte (ob Augstein oder Niemand) sollte es grundsätzlich Vorschuss geben. Eine erste Bilanz wird im Sommer gezogen.

    15. Hope schrieb am 30. Januar 2009 at 17:11 - Permalink

      @ 12:
      “Was eigentlich ebenso dringend oder noch dringender als Medienprodukt ist, ist eine progressive, aufklärerische und klartexsprechende Alternative zu Springers Bildzeitung.”

      Du sprichst mir aus der Seele.
      Hier besteht dringend Handlungsbedarf!
      Vielleicht kann “der Freitag” dies ja leisten, alle Ansätze die in die Richtung gehen finde ich begrüßenswert.

    16. Der Schachspieler schrieb am 30. Januar 2009 at 17:13 - Permalink

      @name

      Was versteht man genau in diesem Zusammenhang mit progressiv?

      Muss das immer linksprogressiv sein, oder kann es auch vernunftsprogressiv sein?

    17. Blockpartei schrieb am 30. Januar 2009 at 18:38 - Permalink

      Entschuldigt, dass ich der Augstein-Brut weniger positiv gegenüberstehe. Aber nachdem die Berliner Zeitung und die FR sehenden Auges ruiniert worden sind, reagiere ich äußerst allergisch auf dieses BWLer Deppendeutsch (“Relaunch”) und das jetzt gerade ein Augstein das letzte deutsche linke Qualitätsmedium (Die TAZ ist in der Tat ein Witz) zurück zur “Ufernähe” führen will, lässt bei mir schon die Halsschlagader anschwellen.

      Ich werde die Entwicklung genau verfolgen und wenn die ersten “pragmatischen” und “realistischen” (d.h. neoliberalen) Artikel zur Innenpolitik und die jubelzionistischen Artikel zur Außenpolitik erscheinen, war es das mit meinem Abo. Oder wenn Broder und/oder Mahlzahn ihr Geschmiere dort veröffentlichen dürfen.

      Die penetrante Werbung auf der Startseite des FREITAG lässt ja schon mal nur Gutes erahnen.

    18. Lemmy Caution schrieb am 30. Januar 2009 at 19:01 - Permalink

      [wegen Dümmlichkeit und rein provokativem Inhalt, man könnte es auch Trollen nennen, gelöscht/sf]

    19. Marco S. schrieb am 30. Januar 2009 at 19:47 - Permalink

      “Das Gros der Kommentare setzt sich nämlich kritisch mit den Artikeln auseinander und holt die Herren des Qualitätsjournalismus nur all zu gerne aus ihrem Elfenbeinturm.”

      So ist es und so soll es auch sein! :-D

    20. otti schrieb am 30. Januar 2009 at 19:48 - Permalink

      Lieber ?Fachmann für alles? (köstlich), was heißt denn hier ?selbsternannt?? Durchaus ? von der Leserschaft ? akzeptierter Universalgelehrter wäre unzweideutig zutreffender, gell!

      Der Absatz ?Nukleus Onlinejournalismus?, der sich kritisch mit den Mainstreammedien (MSM) auseinandersetzt, bewog mich ein Erlebnis mit der ‘Perle’ des deutschen Journalismus, nämlich der Tagesschau bzw. deren Blog, hier kurz kundzutun.

      Es geht um einen mit ?Skandal? überschriebenen Beitrag eines Dr. Kai Gniffke, der sich mit der Durchrasterung der Bahnmitarbeiter (auf der einen und Auftragnehmerkonten auf der anderen Seite) befasst. Dort schreibt er, er freue sich über die Detailversesseneheit der 20Uhr, die in der ersten Meldung als Schlagzeile über der Illustration eben nicht schreibt ?Überprüfung von Mitarbeitern?, sondern ?Überprüfung von Mitarbeiterdaten?.

      In meinem Kommentar habe ich diese Unterscheidung als ?neoliberale Rabulistik? bezeichnet und eine Würdigung des Artikels des Dr. Gniffke durch die betroffenen Bahnmitarbeiter empfohlen.
      Dieser Kommentar wurde nicht freigeschaltet. Warum hat Dr.Gniffke gekniffen? Kaine Ahnung!

      Ist das Zensur?
      Oder ein Skandal?

      Ach was, das ist normal bei unserer öffentlich-rechtlichen Perle.

      http://blog.tagesschau.de/?p=4901

    21. Julie schrieb am 30. Januar 2009 at 20:17 - Permalink

      Das neue Projekt ansich klingt für mich sehr interessant und “Der Freitag” bekommt seine Chance von mir. Ob die Artikel in der Qualität so bleiben, bleibt abzuwarten. Veränderungen können oft gut sein, sind es aber nicht immer.

    22. Karl Heinrich schrieb am 30. Januar 2009 at 20:25 - Permalink

      Der ?Freitag? gilt als letzter Vorposten ?links-intellektuellen? Denkens in einer breiigen und beliebigen Medienlandschaft, die sich in ihrer politischen Linie nur noch in Nuancen unterscheidet.

      Wie oft das in den letzten 40 Jahren zum Start einer linken Zeitung schon gesagt wurde! Und wieviel tausend Internautes ihr Geschreibsel emphatisch damit begründen, dass sie sich gegen den “Mainstream” stemmen müssten! Der Mainstream muss ein Rinnsal sein.

      Übrigens gab es in Frankreich – um dringendem Mitteilungsbedürfnis abzuhelfen – jüngstens einige Investitionen in Zeitungsneugründungen mit partizipativem Internet-Schwerpunkt, Mediapart und Rue89. Erstere aber ziemlich strikt per Abonnement. Nur so ist die Finanzierung einer Redaktion wohl überhaupt vorstellbar. (Werbung wirft erst bei ziemlich hohen Besucherzahlen genügend ab.) Das Modell scheint mir aber auf Deutschland nicht leicht übertragbar.

    23. Reinard Schmitz schrieb am 30. Januar 2009 at 21:04 - Permalink

      Nehmt es mir nicht übel, aber ich habe den starken Eindruck, dass hier vorzugsweise Beiträge von Mitmenschen stehen, die den Freitag als Zeitung allenfalls vom Heringe einpacken kennen. Ich kann als jahrzehntelanger Leser bisher nicht erkennen, dass an irgendeiner Kante eine Verschlechterung bzw. ein Abgleiten Richtung Mitte oder gar nach rechts stattgefunden hätte. Die Aufregung darüber, was kommt oder sich verändern wird, die könnt Ihr Euch sparen. Es wird kommen und DANN diskutieren wir DARÜBER. Und zwar auf freitag.de – Dazu machen die das!

    24. Bildungswirt schrieb am 30. Januar 2009 at 22:01 - Permalink

      @ Blockpartei
      Mein Freund, nicht gleich in die Luft gehen, rauche lieber mal ein Tütchen oder trink’ in Ruhe ein Glas Rotwein oder …liest mal fünf Nummern des Freitag.
      Fragwürdig: ” Augstein-Brut” … “reagiere ich äußerst allergisch auf dieses BWLer Deppendeutsch (?Relaunch?)…”(Die TAZ ist in der Tat ein Witz)” “lässt bei mir schon die Halsschlagader anschwellen.”…” Broder und/oder Mahlzahn ihr Geschmiere dort veröffentlichen dürfen.”
      Sprache und Inhalt sind nicht von einander zu trennen. Wo willst du noch hin, wenn dir jetzt schon die Halsschlagader schwillt und deine Reizwörter wild durch die Gegend purzeln?

    25. Hohenstaufen schrieb am 30. Januar 2009 at 22:20 - Permalink

      “Wenn wir aber in Küstennähe (!) sind, sind wir Mainstream. Das dürfen wir nicht sein. Und wollen es auch nicht. Wir müssen Abstand haben zum Mainstream. Aber in Sichtweite sein, um noch verstehen zu können, was dieser Mainstream denkt. Warum er so handelt, wie er es tut. Und dann können wir dagegen anschreiben. Es müssen im Freitag weiterhin Positionen zu lesen sein, die anderswo nicht zu finden sind.” Zitat J. Augstein

      Kleine Nebensächlichkeit:

      Gibt es denn überhaupt noch einen sich intellektuell gebenden Menschen, der NICHT betont, Abstand zum Mainstream zu halten?
      Ist es dagegen nicht eher Mainstream, sich als außerhalb des Mainstream stehend zu sehen ?
      Ich vermisse jemand, der selbstbewußt sagt: “Meine Meinung entspricht dem Mainstream”
      Aber so eine Aussage wäre ja dann auch schon wieder elitär…

    26. Sebastian schrieb am 30. Januar 2009 at 22:23 - Permalink

      Das ist ja überhaupt doof, gegen den Strom zu schwimmen. Das lernt man doch schon in der Grundschule beim Schwimmunterricht: Sich eine Weile treiben lassen und dann am Ufer aussteigen. Gegenan ist viel zu anstrengend.

    27. Hohenstaufen schrieb am 30. Januar 2009 at 22:46 - Permalink

      @ Sebastian
      “…gegen den Strom schwimmen…”
      Eben. Mainstreamaussage. Mittlerweile gängige Floskel.

    28. antonym schrieb am 30. Januar 2009 at 22:59 - Permalink

      Schade um eine der allerletzten linken Zeitungen im Land. Ganz stramm konservativ wie die TAZ solls nicht werden, aber die realitische Gefahr ist wohl eher dass auch da direkt Faschismus und Militarismus a la jungle world Einzug halten werden.

    29. Joss Fritz schrieb am 30. Januar 2009 at 23:22 - Permalink

      Als regelmäsiger, langjähriger Freitagleser sehe ich dem neuen Konzept mit freudiger Erwartung entgegen. Freitag stand und steht für Kontinuität und das wird sich, glaube ich, auch nicht ändern.
      Ich weiß nicht, warum einige Kommentatoren das neue Konzept negativ sehen, hört sich doch alles ziemlich gut an.

      mfg

    30. Der Schachspieler schrieb am 31. Januar 2009 at 00:21 - Permalink

      Ach kommt ,ich halte es einfach nicht mehr aus.

      Wenn ich mir das mitansehen muss.

      Dieses Aufgegeilte Intelligenzgequatsche.
      Wir hier sie da, was macht das schon für einen Unterschied?
      Wir rechts sie links, wir intelligenter oder politisch begabter als die anderen.
      Wir reden reden vielmehr oder weniger für das Volk, weil wir linksorientiert sind und die die bürgerlich sind , die sind gar nicht bürgerlich weil sie konservativ sind, und die linken sind link weil sie für sich selber sprechen.

      Ach ich kann es echt nicht mehr hören.

      Glaubt ihr wirklich das ihr mit so was noch die Menschen ansprechen könnt?
      Das wird ja alles zum Graus.
      Kotz

      Oh gnädige Intelligenz die du uns mit Argumenten ausgestattet hast.
      Wir beglücken uns in diesem ewigen Spiele der Abgehobenheit.

      Was wir leider nicht erkennen ist der gemeinsame Graus vor dem üblichen und gemeinen Volke.

      Wenn wir ganz ehrlich sind , ob wir links oder rechts sind, die grösste Abscheu die wir haben ist die Dummheit des Volkes.

      Wääääääh

      Wie wiederlich, ein “normaler Mensch”, potenzieller Mob.

      ohhhhh, wie sehr muss ich diesen Primitivling hassen?

      Kann es sein das ich es mir einfach nicht eingestehen kann und es verdränge?

      Jetzt Mainstream, jetzt Küstennähe, ach kommt soll doch ein normaler Mensch mir verraten um was es da geht.

      Wie lange wollt ihr das Spiel noch spielen?

    31. Franktireur schrieb am 31. Januar 2009 at 11:55 - Permalink

      Mittlerweile schwimmen so viele gegen den Strom, dass vor lauter Verdrängung eigentlich schon die Ufer überspült sein müßten. Mittlerweile gibt es so viel Querdenker, dass Geradeausdenken eigentlich schon wieder zur Pflicht gemacht werden müßte. Mittlerweile ist die Sprache der Medien (leider auch die von “links”) vom PR-Geschwafel derart durchseucht, dass ich geneigt bin, ganz mit dem Zeitungs-Lesen aufzuhören.

    32. Reinard Schmitz schrieb am 31. Januar 2009 at 12:02 - Permalink

      @franktireur: Mmppffff…?

    33. Jan schrieb am 31. Januar 2009 at 18:14 - Permalink

      Das Konzept klingt sehr interessant. Aktuell habe ich überhaupt keine Zeitung oder Zeitschrift abonniert, weil einfach nichts mehr davon in mein Leben passt. Eine wöchentliche Printzeitschrift, ergänzt durch ein aktuelles Internetangebot und dann noch mit einer erkennbaren Position und Haltung – das ist wirklich verheißungsvoll.

      Das Probeabo ist bestellt.

    34. Michael E. schrieb am 2. Februar 2009 at 13:47 - Permalink

      Hier ist viel von “linken Zeitungen” die Rede und daß es die nicht gibt bzw. wenn, daß die sich dem Mainstream angleichen.

      Sich schon mal die “junge welt” angesehen?
      Ich finde, die wird immer besser. Und zwar beim (im besten Sinne) radikal auf Linkskurs zu bleiben. Der Verfassungsschutz, die die beobachtet, weiß wahrscheinlich sehr genau was er da tut und warum das nötig ist ;-)

      Ist es verboten, hier den Link zum besten zu geben?

      http://www.jungewelt.de/

      Wenn ja – Entschuldigung. Kommt dann nie mehr vor.

    35. Reinard Schmitz schrieb am 2. Februar 2009 at 13:55 - Permalink

      » Der Verfassungsschutz, die die beobachtet, weiß wahrscheinlich sehr genau was er da tut und warum das nötig ist ;-)

      ??? Was soll das denn? Scherz oder nur als solcher verpackt?

    36. Michael E. schrieb am 2. Februar 2009 at 14:30 - Permalink

      @35:

      ???
      Wo soll sich da ein Scherz verbergen?
      Die Aussage selbst ist ein Fakt. Und daß das stattfindet empfinde ich jetzt auch nicht so als den Brüller…

    37. Spiegelfechter schrieb am 2. Februar 2009 at 15:23 - Permalink

      @Michael E.

      Ist es verboten, hier den Link zum besten zu geben?

      Witzbold, guck doch bitte mal auf die Linkliste in der linken Sidebar ;-)

      Die jW ist sicher ein “nettes” Blatt – aber weder undogmatisch noch deckt sie ein weites Spektrum ab. Sie ist – um bei Augsteins Beispiel zu bleiben – fern ab der Küste. Das spricht nicht gegen sie! Aber sie hat nun einmal ein komplett anderes Konzept (und eine andere Zielgruppe) als der Freitag.

    38. Reinard Schmitz schrieb am 2. Februar 2009 at 21:10 - Permalink

      @36: » und warum das nötig ist ;-)

      Daran stosse ich mich. :-)

    39. Michael E. schrieb am 3. Februar 2009 at 09:38 - Permalink

      @37.

      “…aber weder undogmatisch noch deckt sie ein weites Spektrum ab. Sie ist – um bei Augsteins Beispiel zu bleiben – fern ab der Küste. Das spricht nicht gegen sie! Aber sie hat nun einmal ein komplett anderes Konzept (und eine andere Zielgruppe) als der Freitag.”

      Nun ja. Ich persönlich finde, genau das, was Du als dogmatisch bezeichnest, ist einfach nur konsequent.
      Die haben einen STANDPUNKT, von dem aus Dinge und Vorgänge beurteilt und eingeschätzt werden. Fern ab der Küste kann man mit dem guten Fernrohr “Standpunkt” durchaus eine große Fläche beobachten und sich zu den Geschehnissen seine Meinungen bilden. Genau dieser Standpunkt fernab der Küste ist der Vorteil der jW, und von dieser Warte aus deckt sie durch ein weites Spektrum an wichtigen Themen, wenn auch nicht beliebiger Meinungen ab.
      Dieses Etwas-Konservativ-Bis-Etwas-Links-Sein und das in einem einzigen Blatt, ist aus meiner Sicht genau das, was Zeitungen des Mainstreams heute so austauschbar macht. Und nicht zu vergessen, daß das auch zu dem gesellschaftlichen Klima beiträgt, daß für alles dafür wie auch alles dagegen sich IMMER eine – vordergründig – plausible Begründung findet. Fehlt bei diesem Weichwaschen ein fester Standpunkt, ist man sehr häufig nicht in der Lage, die Hintergründe und Interessen bei den natürlich immer “objektiven” Für-und-wider-Begründungen zu erkennen.
      Und daß in der jW machmal STANDPUNKT zu DOGMA wird, sei ihr verziehen. Das war früher schlimmer. Ist aber immer noch besser als alles solange zu vermischen, bis ebend die Interessen hinter so vielem nicht mehr erkannt werden (mal abgesehen davon, daß die Mainstreammedien diese sowieso fast immer überhaupt nicht thematisieren). Das verheerende Wirken dieser Strategie in den kontrollierten Medien und das Ergebnis in den Köpfen der Menschen können wir ja täglich beobachten.

      Und wenn man mal bewußt drauf achtet, habe ich den Eindruck, daß die jW zunehmend als Quelle von fundiert und gut recherchierten Hintergrundberichten auf immer mehr Internetseiten wahrgenommen wird. Ich kann das gut nachvollziehen.


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